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2. August 2026

Zur marxistischen Auslegung der Offenbarung

Wir haben im vorigen Beitrag gesehen, daß ein schwacher Herrscher nicht unbestechlich sein kann und daß Bestechlichkeit einen Herrscher schwächt. Also liegt der Gedanke nahe, die Nationen der Erde durch Bestechung so weit zu schwächen, bis eine Weltrevolution Erfolg verspricht, und das ist auch eine mögliche Auslegung der Offenbarung.

Es heißt ja immer, daß man die Zukunft nicht vorhersehen könne. Ich glaube, daß der Grund für diese Auffassung darin besteht, daß die Menschen weit mehr an Texten interessiert sind, welche ihnen erklären, was die Zukunft sein sollte, als an solchen, welche bemerken, was die Zukunft wahrscheinlich sein wird.

So haben etliche Landadelige im 18. Jahrhundert die Folgen der Industrialisierung mit erstaunlichem Tiefblick vorhergesehen, gerade wie Dostojewskij jene einer objektiven, wissenschaftlichen Weltanschauung in Rußland, nur daß erstere lediglich Briefe hinterließen und keine Weltliteratur.

Und wenn es sich denn so verhält, warum sollte nicht auch die Offenbarung als Fingerzeig auf eine sein sollende Zukunft verstanden worden sein?

Die Kirchen in ihrem Anspruch, den Ruhm der von ihnen etablierten Einrichtungen in die Ewigkeit zu tragen, können eine solche Auslegung natürlich nicht autorisieren, aber wenn der Papst auch kein Marxist wäre, böte ihm die marxistische Auslegung doch eine willkommene Rechtfertigung, um den Grad der Bestechung zu justieren, sei es als Kämpfer gegen den Marxismus oder ihn stillschweigend tolerierend.

Ich bin wie gesagt anders veranlagt. nicht daß ich Utopien nicht zu schätzen wüßte, aber zutreffende Beobachtungen beeindrucken mich weit mehr, und außerdem enthält die Offenbarung nur minimale Hinweise darauf, was zukünftig sein soll - was das angeht, folgen wir immernoch Jesaja.

Wenn der Fleiß der chinesischen Arbeiter die ganze Welt bestechen soll, bis daß hunderte Millionen Menschen nicht mehr die Kritik und Initiative von tausend Unbestechlichen aufbringen, während sich Amerika zum Affen macht, welchen Grund hat die kommunistische Partei Chinas dann, die Zügel aus der Hand zu geben?

An dem Punkt stimmt die marxistische Auslegung der Offenbarung dann nicht mehr mit der Wirklichkeit überein, sondern wird durch die Aufgabe der gelenkten Sozialisierung der Welt ersetzt.

Ich bin zu unbedeutend, als daß je jemand über mich gelacht haben könnte, aber über manche meiner weiter verbreiteten Ansichten wurde gelacht: Wie nützlich ist das korrupte Knäuel, der korporalistische Filz heute? Wer zieht an seinen Fäden? Und wie entschlossen kann es sich überhaupt bewegen?

Daß lange nichts passiert, liegt in der Natur der Sache: Mitgefangen, mitgehangen!, nicht erst einer und dann noch einer und so weiter, sondern alle auf einen Schlag, und entgegen der naheliegenden Vorstellung muß das, was fängt und hängt, noch nicht einmal ein menschliches Agens sein, bildlich könnte es etwa auch ein Wasserfall sein. Freilich, oftmals ist es von Vorteil, künstliche Abhängigkeiten zwischen den Menschen zu erzeugen, um ihrer Disziplin auf die Sprünge zu helfen, und sie daran zu hindern, ihre Herrischkeit auszuleben, aber das sind individuelle Schwächen, welche weder Gemeinden und schon gar nicht ganze Völker besitzen, wenn sie vernünftig verfaßt sind.

Das sind die Pläne der Menschen: Sie erwachsen aus ihrer Praxis, nur was ihnen während derer begegnete, haben sie jemals bedacht.