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19. Februar 2010

Versuch einer weiteren Unterscheidung der Menschen

Bisher habe ich die Menschen ja in fünfzehn Klassen unterschieden, nämlich einerseits der Tiefe ihrer Verantwortung und andererseits der Tiefe ihrer Not nach, welche Tiefen indes nicht dieselben Grade durchlaufen, weshalb ein Vergleich beider der Umstände bedarf, mit welchen letztere einhergeht und wo es sich dann eben herausstellt, daß die direkteste Not durch die direkteste Verantwortung nur ungenügend gelindert wird, während die letztere der mittleren Not völlig angemessen ist.

Lediglich die tiefste Not und die tiefste Verantwortung finden naturgemäß zu einander. Unabhängig davon aber, wie sinnvoll sich Not und Verantwortung in einem Menschen verbinden, erscheint ein Mensch jung, wenn seine Not tiefer als seine Verantwortung ist und alt, wenn es sich umgekehrt verhält, wobei zum Zwecke dieses Vergleichs die tiefsten drei Stufen der Verantwortung zusammengefaßt seien.

Außerdem behielt ich die Schopenhauersche Unterteilung des Intellektes in Verstand und Vernunft bei, mit den sich aus ihr ergebenden unterschiedlichen Gewichtungen.

An einer weiteren Heranziehung der Unterteilung des Denkens zur Unterscheidung der Menschen bin ich indes zunächst nicht weiter interessiert und auch nicht an all den Unterscheidungen ihrer, welche sich durch ihre charakterlichen Schwächen ergeben.

Ich interessiere mich aber für die Unterschiede, welche sich auch weiterhin in der Freude der Menschen finden.

Dort nun vermeine ich für's erste vier Pole zu erkennen, welche in Europa die Variation der Temperamente entscheidend bestimmen, nämlich Herrischkeit, Rauschhaftigkeit, Edelheit und Freundlichkeit, wobei die mittleren und äußeren beiden direkte Gegensätze von einander sind. Ich selbst würde mich dort übrigens bei rauschhaft und freundlich verorten, aber man kann seinem Temperament natürlich nicht uneingeschränkt folgen, insbesondere bei tiefster Verantwortung nicht.

Herrisch und rauschhaft beschriebe man wohl als bestialisch, herrisch und edel als würdig, freundlich und edel als artig und freundlich und rauschhaft als offenherzig.

Rauschhaftigkeit scheint sich, nicht allzu sonderbarerweise, umgekehrt proportional zur Bevölkerungsdichte zu verhalten und findet sich entsprechend häufiger in Norddeutschland als in Süddeutschland, häufiger in Skandinavien oder Rußland als in Italien oder England. Sie stellt den Naturzustand dar, aus welchem sich Edelheit durch einen Prozeß der narzißtischen Kompensation, als künstlich geformte Besonderheit in einem Meer gleichförmiger Menschen, herausbildet.

Herrischkeit hingegen verteilt sich weniger geographisch als historisch, bedingt durch die Härte des Lebens, worin auch immer sie bestehen mag, entsteht also durch Abhärtung aus Freundlichkeit.

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7. Februar 2010

Dieses und jenes zum Thema Liebe

Daß man einen Menschen für das liebt, was man an ihm schätzt, ist das eine.

Daß nicht jede Liebe möglich ist, ein zweites, welches nur den allgemeinen Sachverhalt widerspiegelt, daß das Ideale über das Schicksalhafte hinausgeht.

Aber was genau unterscheidet eine Liebesbeziehung, möglich oder nicht, von Verehrung?

Ist es nicht dies, daß der Verehrte bereits vollendet ist und einen sein Abglanz verstummen läßt, daß man es gar nicht wagt, sich ihm zu nähern, ihn mit sich zu beschweren, wohingegen der Geliebte erst zu dem werden muß, was man gleichsam hinter seiner gegenwärtigen Maske, seiner Ungeschliffenheit an Liebenswertem bemerkt und daß man sich also zunächst darüber klar werden muß, was dieses ist, damit man es dann in dem Geliebten klar zum Vorschein zu bringen vermag?

Eine Verpflichtung, welcher man sich auch bei feststehender Unmöglichkeit der Liebe nicht zu entziehen vermag. Wenn man den Geliebten auch nicht zu dem formen kann, was man in ihm spürt, dieses zu erkennen ist doch eine innere Pflicht, kann man jenem doch ohne diese Einsicht noch nicht einmal ein Freund sein, und auch nicht jenen, welche ihm gleichen.

Wir Menschen halten viel auf uns, und doch verstehen wir wenig, werden wir über mancher Kleinigkeit verwirrt, und das Bißchen Liebe, welches uns in unserem Leben begegnet, zu entschlüsseln und unser Leben diesem anzupassen füllt es wahrlich aus.

Das sage ich selbst von mir, wenngleich ich nicht mehr als den untersten Knopf am Mantel liebe und es dem Mantel wenig hilft, daß ich es tue, nur verleugnen kann ich ihn darüber nicht, er wird schon taugen, einen anderen Mantel zu schließen, einen Mantel, welcher seine Schönheit vollenden wird.

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