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31. Januar 2014

Betrachtungen zum Altsächsischen: Ein Fazit

Im Gegensatz zu modernen Sprachen, welche in erster Linie danach streben, möglichst viel bezeichnen zu können und keine einzelne dominante Sichtweise besitzen, aus welcher heraus sie das Leben beschreiben, sondern, wenn überhaupt, dann mehrere gleichwertige besitzen, mit anderen Worten also reine Kommunikationswerkzeuge sind, findet sich im Altsächsischen ein weiteres und zugleich wichtigeres Vorhaben, nämlich den Sprechenden im Leben zu orientieren.

Diese Orientierung erfolgt durch formale Ähnlichkeiten von Begriffen, welche laut Sprachschöpfer auf einander zu beziehen sind, etwa auf folgende Weisen:
  1. als (unausweichliche) Alternativen,
  2. als rechter Geist bei der Ausführung einer Tätigkeit,
  3. als Ursache und Wirkung, insb. psychologisch-sozialer Art,
  4. als definierende Bedingung,
  5. als Sinnstiftung,
  6. als Rollenzuweisung,
  7. als Autorisierung.
Aller Wahrscheinlichkeit nach kam es zu dieser Orientierung, weil man Urteile, in welchen man übereingekommen war, nachfolgenden Generationen vermitteln wollte, und zwar vor allem Urteile, welche Wesen und Bedingungen des gesamtgesellschaftlichen Lebens betrafen.

Abgesehen von den konkreten Urteilen, für welche ich gleich noch einmal jeweils ein paar Beispiele zu den obigen Punkten angeben werde, ist der soziale Umstand einer solchen Vermittlung, also eine derartige sprachlich-erklärende Tradition, ein entscheidendes Merkmal der Jugend einer Gesellschaft, erstens, weil in ihm der Glaube noch auf die Organisation einwirkt und zweitens, weil die in ihm vorliegende Einwirkung nur in leidlich familiären Gruppen statthaben kann, also in Gruppen, welche noch keine umfassende interne Interessenabgrenzung vorgenommen haben.

Vor dem Inhaltsverzeichnis der gesammelten Betrachtungen zum Altsächsischen hier also die versprochenen Beispiele für die obigen Beziehungen.

1. beedian (nötigen) - biddean (bitten) - biodan (bieten),  freesoon (gefährden) - fridhoon (behüten), edheli (edel) - iidal (nichtig), niotan (sich einer Sache erfreuen) - niidhin (Feindschaft oder Verfolgung übend), thionoon (dienen) - gi-tiunean (Schaden tun).

2. bald (kühn) - belgan (zürnen), ful (voll) und leestian (leisten) - fulleesti (Hilfe), soo (so) - soodh-fast (fest in der Wahrheit), thriist (kampfbereit) - thringan (dringen), war (vorsichtig) - ward (Wächter).

3. from (ernst) - fruma (Nutzen), irri (kampfwild) - irrian (stören), ood (Grundbesitz) - ood-moodi (dankbar), sliidhi (grimm) - sliitan (schleißen), unst (Gunst) - gi-unnan (gönnen), wroogian (anklagen) - wrooht (Aufruhr).

4. aaru (fertig) - aarundi (Auftrag), garu (gerüstet) - garuwi (Kleidung, Rüstung, Schmuck), sama (gleicher Weise) - saman (zusammen).

5. kiusan (wählen) - kuusko (wie es die Sitte heischt), wahta (Wacht) - wakoon (wach sein).

6. ambusan (Gebot) - ambahtman (Diener), bookan (Metapher) - book (Buch), far-gumoon (vernachlässigen) - gumo (Mann), tunga (Zunge) - tungal (Gestirn).

7. skulan (sollen) - skuld (was man schuldig ist), thing (Umgang) - thingi (Satzung, Bestimmung).

Und abschließend das Verzeichnis der Betrachtungen zu den einzelnen Buchstaben.

a-ber, bê-bru, d, e, f, g, h, i, k, l, m, n, o, qu, r, s, t, u, w.

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