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29. Januar 2013

Erzwungene Formen

Es ist eine unangenehme Folge des menschlichen Bewußtseins, genauer gesagt der Vernunft, daß wir oftmals wissen, worin sich etwas Gutes äußert, ohne zu wissen, was etwas gutes ist.

Meine letzten Beiträge sind ein Beispiel dafür. Es ist relativ leicht zu sagen, daß etwa der beste Genuß einen freundschaftlichen Rahmen voraussetzt, aber weit schwerer ist es zu sagen, was diesen Rahmen hervorbringt. Und so erklärt es sich, daß Menschen oftmals den Anschein von etwas erzwingen, dessen Abwesenheit sie bloßstellte.

Im vorliegenden Fall ist es die Zuarbeit der Lust zu den höheren beiden Teilen der Seele, wie sie am deutlichsten bei der Autonomie zu sehen war, welche die Exzellenz der Form begründet. Anders ausgedrückt ist es also etwas Höheres, welchem die Lust überhaupt erst zuarbeiten kann, was die Lust veredelt, oder, wie ich es nannte, sie heiligt.

Dabei, wie sonst auch, bürdet sich derjenige, welcher einen besseren Eindruck von sich geben möchte als den natürlichen, eine Last auf, wo derjenige, welcher diesen Eindruck auf natürliche Weise macht, erhoben wird. Natürlich ist diese doppelte Bestrafung nur bedingt, schließlich könnten wir auch ehrlich sein, aber vor allem ist sie mehr als nur eine zweite Strafe, nämlich eine situationsuniforme Motivation und damit eine bündelbare gesellschaftliche Kraft, welche demjenigen, welcher Vielen dabei behilflich ist, die nötigen Formen, den nötigen Anschein zu erzwingen, Macht verleiht.

Je verzweifelter die Menschen sind, desto unangefochtener wird die Sinnhaftigkeit ihrer Existenz behauptet, oder anders ausgedrückt, Zeiten, in welcher jeder Sinnstiftung unbefangen begegnet wird, sind gute Zeiten.

Jedenfalls für gewöhnlich, wären die Menschen ehrlich, würde das Gegenteil gelten.

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27. Januar 2013

Gelöstheit

Vollenden wir den Farbzyklus also heute noch. Der Vertreter des Schmerzes, in rötlich blauem Gewand, und die letzte Form geheiligter Lust ist also die Gelöstheit, wenn das eigene Innere außen vor einem steht und man es in Frieden fahren läßt.

Alternative Bezeichnungen wären Häutung und Katharsis gewesen, aber Gelöstheit gefällt mir besser.

Wir sprechen hier ja von Lust, und es ist eine Eigenart der Lust, voller Willkür zu sein und stets einen großen Anteil an Narreteien mit sich zu führen. Deshalb muß ihr Schwall stets von neuem geschieden werden, in einen Teil, welchen man auch weiterhin mit sich führen möchte und einen anderen, welchen man gehen lassen muß.

Damit dies aber in Frieden geschehen kann, ist es wichtig, daß er uns vor Augen tritt, da wir nur so die nötige Distanz zu ihm gewinnen. Aber gerade dies bewirkt die Unterhaltung, als welche unserer Lust freie Bahn gibt, sich auszudrücken.

Und indem wir so vor den Folgen unseres Tuns stehen, bald von unserem Tun als solchem geschmerzt, ist es doch gerade die Freiwilligkeit der Unterhaltung, welche uns die Ruhe gibt, Abstand von unseren alten Fehlern zu gewinnen. Es ist nämlich so, daß diese uns nur allzu leicht von ihrer Unschuld überzeugen können, wenn ihnen ein Hindernis begegnete.

Und indem sich die Lust so verjüngt, ist andererseits der Grund für neue Betrautheit gelegt.

Damit wären wir also durch, die Formen geheiligter Lust sind: Betrautheit, Autonomie, archetypisches Bewußtsein, Freundschaft, Unterhaltung und Gelöstheit.

Selbstverständlich laufen die Menschen nicht synchron, wenn diese Formen also erst einmal etabliert sind, bestehen sie bald sämtlich neben einander.
Also wird es kommen,
wie es die Ahnung verheißt.

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Unterhaltung

Ich befinde mich in der glücklichen Lage, den in Aussicht gestellten Beitrag zur Sexualität im Zyklus der geheiligten Formen der Lust, hiermit niederzuschreiben. Farblich steht er unter rötlichem Rosa.

Es ist etwas in der Stimme von Frauen, ein Teil ihrer Seele, der weibliche Teil. Mal schmerzliches Nicht Können, mal scheue Angst vor unangemessener Einmischung, mal schamhaft bewußte Erweichtheit, mal Aufreizung zu Herrischkeit, mal selbstausliefernder Spott, mal die Direktheit eines Seemanns, mal leidenschaftliches Streben.

Und gleichsam ist etwas in der Stimme von Männern: Wie wär's? Was willst du? Möchten Sie Platz nehmen?

Aber selbstverständlich ist das nicht, wohl mag es so scheinen, aber es ist es nicht. Der eine ist erinnerungs- und vorahnungstrunken, der andere spottet erst und kichert oder schlägt dann, je nachdem, ob er letzteres kann. Aber nicht nur Probleme der Distanz mischen sich hierrein, sondern auch Probleme des Selbstbildes und -vertrauens, Probleme mangelnden geschützten Raumes: ein Übermaß an fremder Erfahrung, Beobachtung und Meinung und ein Mangel an eigener.

Das, worum es hier geht, der Wunsch der Frauen von Männern unterhalten zu werden und der Wunsch der Männer, Frauen zu unterhalten, hat also durchaus kulturelle Voraussetzungen, und wirtschaftliche sowieso, wobei sich der geschlechtsspezifische Unterschied natürlicherweise in Arbeitswelt und Besitzverhältnissen ausdrücken sollte, was ich hier aber nicht weiter thematisieren will.

Es ist also so, daß die Zukunft nicht nur autonomer, feiner, betrauter, archetypisch bewußter und freundschaftlicher wird, sondern auch unterhaltender. Und so wie Betrautheit zu Autonomie, Autonomie zu archetypischem Bewußtsein und archetypisches Bewußtsein zu Freundschaft führt, so führt Freundschaft zu Unterhaltung.

Bleibt also nur noch der Schmerz, welcher den Zykel schließt.

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26. Januar 2013

Geworfenheit: Wunsch nach Verständnis und Aufbäumen

Ich unterbreche meinen Farbzyklus an dieser Stelle, um über ein paar Dinge zu sprechen, welche mit ihm zusammenhängen, und ja, den Ausdruck Geworfenheit habe ich mir von Heidegger geborgt.

Es ist wohl unser aller Bestreben in die Formen geheiligter Lust hineinzufinden, aber leider sind wir in diese Welt geworfen.

Wie reagieren wir darauf?

Nun, ich sehe mir umstandsbedingt in letzter Zeit ziemlich oft Doctor Snuggles an, und diese Serie ist vor dem Hintergrund von archetypischem Bewußtsein und Freundschaft doch recht interessant. Ganz offensichtlich ist das Kerntrio, Snuggles, Knabber und Dennis, ausgesprochen archetypisch entworfen worden, ebenso wie die übrigen Charaktere, wobei bei ihnen Klassenaspekte einfließen, welche ich hier nicht diskutieren möchte, und ihr Umgang mit einander nimmt sehr auf diese Archetypen Rücksicht.

Freunde sind sie deshalb aber noch nicht, Freundschaft ist es aber, was die Serie zuvörderst zu verherrlichen sucht. Und ich würde eingedenk des letzten Beitrags sagen, daß sie sich dabei auch nicht gänzlich ungeschickt anstellt, auf die wirtschaftlichen Umstände kann sie ja keinen Einfluß nehmen, aber immerhin kann sie die geistigen Voraussetzungen der Freundschaft schaffen, indem sie ein Gefühl für archetypisches Bewußtsein gibt.

Nun, vielleicht rührt mein augenblickliches Interesse an Doctor Snuggles ja auch nur daher, daß er wie Schopenhauer aussieht, nicht?



Früher oder später mußte das jemand tun. Also weiter im Text.

Worauf ich auf diese Weise kommen wollte, war der Gegensatz zwischen meinem augenblicklichen Interesse an Doctor Snuggles und meinem damaligen, als ich noch ein Kind war.

Damals war ich nämlich nicht sonderlich von Doctor Snuggles angetan, mein Interesse galt eher Captain Future, welcher in Hinsicht auf archetypisches Bewußtsein das genaue Gegenteil Doctor Snuggles' ist. Wo bei letzterem jeder Charakter mit der größten Selbstverständlichkeit seine Eigenart auslebt, auch wenn die einmal nicht gerade vorbildlich ist, wird Captain Future's Universum von einem Haufen gänzlich ungefestigter Persönlichkeiten bevölkert, welche sich aus lauter Unsicherheit ständig in die Wolle kriegen (Otto und Grag). Letztlich will jeder wie Captain Future sein, und Captain Future selbst ist mehr Programm als Mensch.

Ich muß also konstatieren, daß meine kindliche Natur die Bebilderung meiner damaligen Geworfenheit dem Aufbäumen gegen sie vorzog, und vielleicht ist es ja immer so, vielleicht träumen Kinder lieber als zu kämpfen.

Nun, jedenfalls stünde die Engstirnigkeit des Kampfes eines Kindes zu befürchten.

Aber früher oder später kommt natürlich die Zeit, in welcher man sich gegen seine Geworfenheit aufbäumt. Ich bleibe beim Thema Freundschaft, und der Widrigkeit unserer Zeit ihr gegenüber, wenn ich an dieser Stelle von einem Beispiel des Aufbäumens gegen sie berichte, welches mir sehr imponierte. Der Ansatz war der folgende. Wenn man in den wichtigen Dingen auch keine Struktur vorfindet, in welcher Freundschaft möglich ist, so kann man doch jedes Ding für sich persönlich, und die Leute, welche einen umgeben, wichtig machen. Was sollte man lieben, wenn nicht solch prinzipientreue Unvernunft? Woraus sollte je etwas erwachsen, wenn nicht aus nicht berechnendem Beharren? Stur, wie es ist, kann es sich selbst zwar nicht entwickeln, aber es stört den Fluß der Zeit, ohne erst wissen zu müssen, wozu.

Nicht, daß es mir damals bewußt gewesen wäre, aber ich erwarte von einer Frau gerade dies, zu bocken gegen die Welt. Ich hatte das Thema ja auch schon unter eher egoistischen männlichen Gesichtspunkten behandelt, vielleicht ist es nur recht, hier seine edlere Seite nachzutragen. Und ebenso recht, daß wir unsere Instinkte haben.

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Freundschaft

Und weiter geht's in meinem Farbzykel der geheiligten Lust, oder, genauer gesagt, meinem Farbzykel der Formen geheiligter Lust, denn substantiell bin ich bisher nicht geworden und werde es auch im folgenden nicht tun. Heute also kommt Orange dran, die Farbe der Freundschaft als Vertreter des Genusses.

So wie es keine sinnvollen zwischenmenschlichen Beziehungen ohne archetypisches Bewußtsein geben kann, weil die Interessen von Anderen ohne es nicht vorhersehbar sind, so kann es auch keine Freundschaft geben, ohne daß Menschen einander sinnvoll beschenken können, wobei sinnvoll bedeutet, daß es für den Schenkenden einen kleineren Aufwand bedeutet, das Geschenk aufzutreiben als für den Beschenkten.

Freundschaft ist also unmittelbar mit der wirtschaftlichen Lage der Menschen verbunden. Sie kann nur bestehen, wo es erstens Selbständigkeit (oder die Bereitschaft, vom Arbeitgeber zu stehlen) und zweitens zwar Arbeitsteilung, aber keine derartige Überspezialisierung gibt, daß die eigenen Produkte für den jeweils vorherrschenden Verbraucher nutzlos sind.

Ein weiterer Fall von sinnvollem Beschenken liegt vor, wenn bestimmte Aufgaben eine Mindestanzahl von Arbeitenden voraussetzen, unabhängig davon, ob die ihnen zu Grunde liegende Arbeitsteilung durch spezielle Qualifikationen bedient wird oder nicht, und eine Entartung dieses Falles, nämlich der Sportwettbewerb, ist auch für die meisten Freundschaften heutzutage verantwortlich.

Die übrigen Freundschaften heute beruhen auf dem Umstand, daß man hin und wieder etwas, das man besser beaufsichtigte, auch einmal nicht beaufsichtigen möchte oder es handelt sich um politische (oder marktinterne) Absprachen, also Korruption.

Nun, in Einzelfällen mag es auch heute noch andere Formen  von Freundschaft geben, aber im Großen und Ganzen sind Arbeit und Konsum fein säuberlich von ihr getrennt worden.

Eine freundschaftlichere Zeit ist also eine wirtschaftlich örtlich verwobenere, dabei auf Selbständigkeit oder krimineller Verschworenheit beruhend.

Und so, wie die Zukunft autonomer, feiner, betrauter und archetypisch bewußter wird, so wird sie auch freundschaftlicher.

Es scheint mir übrigens, wenn ich den bisherigen Stand betrachte, durchaus den zu erwartenden Zusammenhang zwischen den verschiedenen Farben zu geben, die Betrautheit ist die Voraussetzung der Autonomie, die Autonomie die Voraussetzung des archetypischen Bewußtseins und das archetypische Bewußtsein die Voraussetzung der Freundschaft.

Sehen wir also hoffentlich demnächst, zu welcher Form der Sexualität die Freundschaft führt. Und danach die Form des Schmerzes, und mit etwas Glück ist der Zykel geschlossen.

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24. Januar 2013

Archetypisches Bewußtsein

Ein Archetyp ist die Ahnung einer sich verkörpernden Idee, archetypisches Bewußtsein die Identifikation mit dieser Idee.

Es ist an dieser Stelle allerdings von der größten Wichtigkeit darauf hinzuweisen, daß eine Ahnung von sehr verschiedener Klarheit sein kann. Im vorliegenden Fall äußert sich die Klarheit der Ahnung im Grad der Innerlichkeit des Archetypen, ein rein phantasmagorischer Archetyp ist eine äußerst vage Ahnung, und wirklich verstanden ist die Ahnung erst, wenn der Archetyp auf Augenhöhe erscheint, als eine Haltung, in welcher man selbst natürlich und ungezwungen zu leben beliebt, und diesen Grad der Klarheit setze ich hier für das archetypisches Bewußtsein voraus.

Wie ich schon sagte, läßt sich unser Leben in Abschnitte im Hinblick auf unseren Umgang mit unseren Idealen, unserer Seinsheimat, wie ich es nannte, unterteilen. In unserer Kindheit bilden wir unsere Seinsheimat aus, formulieren und verbinden sie, in unserer Jugend erfahren wir die Abweichung der Welt von unserer Seinsheimat und erarbeiten Strategien zu ihrer Zusammenführung, indem wir unsere Seinsheimat um Umgangsweisen mit dem ihr nicht Entsprechenden erweitern, und im Mannesalter schließlich machen wir uns die so erarbeitete Haltung zur Welt zu eigen.

Archetypen nun sind die menschlichen Konstanten unserer Seinsheimat, und ohne solche wäre eine Seinsheimat auch gar nicht denkbar, denn eine Seinsheimat ist ja eine Umgebung für jemanden. Es bedarf also zumindest impliziter Annahmen über das Wesen der Menschen, um eine Seinsheimat um sie herum auszubilden, und diese bilden die Archetypen.

Wiederum gilt, was ich von der Lebensart einer Gesellschaft sagte, jeder Willensausdruck ist exzentrisch, in der Mitte liegt die Unbestimmtheit, welche in die Auflösung mündet, ebenso wie Grau in der Mitte des Farbrads liegt, mit anderen Worten sind Archetypen notwendig einseitig, stereotyp, wie man wohl sagt.

Archetypisches Bewußtsein beinhaltet also ein Bekenntnis zu einer holzschnittartig angelegten Identität, wenn man es von außen, das heißt ohne Einsicht, betrachtet, einsichtsvoll eröffnet sich einem hingegen ein Strom ewiger Wahrheit und Verbundenheit, in welchen man eintaucht.

Und wenn man auf die Gesellschaft als Ganzes blickt, wird durch ein solches Bewußtsein erst die im wahrsten Sinne des Wortes sinnvolle Beziehung der verschiedenen Mitglieder zu einander möglich, da diese wiederum voraussetzt, daß klar ist, für wen etwas geschieht: Wer unbestimmt ist, dem mag etwas in einem Augenblick helfen und im anderen schaden.

Dies sind letzten Endes Selbstverständlichkeiten, seltsam, daß die Moderne die Alternativen individuelles und kollektives Bewußtsein diskutiert, wie tief kann man sinken?

Nun, gelblich getränkes Hellblau ist die Farbe des archetypischen Bewußtseins und entsprechen tut es dem Gewahrsein. Die Zukunft wird also autonomer, feiner, betrauter und archetypisch bewußter.

Gut, so eine Farbe mag es nicht direkt geben, aber wenn die Sonne den zartesten Wolkenschleier am Horizont frühmorgends  in ihr Licht taucht, wird sie wohl erstehen

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21. Januar 2013

Betrautheit

Da irrte ich glücklicherweise im letzten Beitrag, meine Ahnung des Kommenden ist noch nicht ausgeschöpft. Die Welt wird nicht nur autonomer und feiner, sondern auch betrauter werden.

Klären wir also den Begriff der Betrautheit. Betrautheit ist die Alternative der Beauftragtheit, man trägt Verantwortung alleine nach persönlichem Ermessen und nicht nach dem Ermessen anderer.

Daraus versteht es sich bereits von selbst, daß Menschen einander ausschließlich beauftragen, betraut werden wir einzig von Gott. Dieser Punkt ist hingegen alles andere als rein theologisch, er betrifft menschliche Gesellschaften auf höchst konkrete Weise.

Betrachten wir zum Beispiel die Naturwissenschaften Ende des 18ten Jahrhunderts. Damals waren die einzelnen Wissenschaftler mit ihrer Forschung betraut, es lag gänzlich in ihren Händen, was aus ihr werden sollte. Und dieser Umstand zieht eine eigene Form menschlicher Beziehungen nach sich. Man berät sich viel, ergeht sich in möglichen Szenarien, sucht gemeinsam das Schöne. Wo hingegen die eigene Beschäftigung einem Auftrag folgt, wird man stets zu einem Instrument degradiert und die menschlichen Beziehungen verändern sich entsprechend, man wird austauschbar, fürchtet die Konkurrenz und sucht nach Möglichkeiten, sich abzugrenzen und Alleinstellungsmerkmale auszubilden.

Dieses geschieht immer, wenn die Gesellschaft eine Organisation mit der Wahrnehmung gesellschaftlicher Interessen beauftragt, also beispielsweise auch beim Militär, wobei ich dort nicht allzu unglücklich über diesen Umstand bin, denn ein nach Lust und Laune Pläne schmiedendes Militär wäre nicht unbedingt das größte Glück für eine Gemeinschaft. Aber in anderen Bereichen ist die Beauftragtheit ein Unglück. Das Höhere sollte sich nicht vom Niederen am Nasenring führen lassen. Die Sorge um unsere Verfassung muß frei walten, wenn wir so etwas wie Gemeinschaft erfahren wollen.

Aber ich will hier gar nicht weiter den göttlichen Ratschluß rechtfertigen, die Welt wird betrauter werden. Grünlich Türkis ist die Farbe der Autonomie, milchig Hellblau die Farbe der Betrautheit. Sie wird also vor der Autonomie kommen, doch sie wird bleiben, ihrem Wert gemäß geschätzt. Die Feinheit erahnte ich ohne Farbe, sie betrifft wohl die gesamte Lust, Betrautheit hingegen nur die Hoffnung und Autonomie Hoffnung und Vertrauen. Der Grund meiner derzeitigen Ausbreitung meiner Ahnung des Kommenden ist die Gebotenheit, geheiligte Lust, wie ich die nächste Phase des Weltenumlaufs ja bereits implizit nannte, als solche zu benennen.

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19. Januar 2013

Feinheit

Sich auf etwas einzulassen, um es zu studieren, eine Antwort auf es zu finden, seine Lebenskräfte zu dirigieren zu lernen.

In diesem Sinne wird die Zukunft feiner werden, feiner also und autonomer. Ich dachte bei der obigen Definition an Hitze und Kälte, welcher man sich aussetzte, war gerade eine halbe Stunde bei -20 Grad Celsius in leichter Bekleidung draußen gewesen, aber sie zeigt ihre Richtigkeit noch viel deutlicher im zwischenmenschlichen Bereich, wenn es darum geht, die richtige Antwort auf seine Gefühle zu finden - so es da noch etwas zu suchen gibt.

Praktisch gesehen ist die wichtigste Folge größerer Feinheit eine bessere Gesundheit, größere Widerstandskraft, wie es der Winter vielleicht am deutlichsten vor Augen führt: all diese Bäume, welche ihren Lebenssaft so sehr verdünnten, daß der Frost ihm nicht mehr habhaft werden kann.

Aber das ist keine Rede wider den Überschwang, wo es große Gegensätze gibt, muß es auch die Begeisterung für den rechten, rasch vorüberziehenden Augenblick geben. Feinheit ist nicht dasselbe wie Beherrschtheit, sondern dient lediglich dazu, letztere zu ermöglichen.

Wahrscheinlich ist meine Ahnung der Richtung, in welche sich die Welt bewegen wird, damit bereits ausschöpfend erfaßt, aber sehen wir mal.

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18. Januar 2013

Die drei Eckpfeiler der Autonomie

Meine letzten beiden Beiträge stehen unter dem Einfluß einer vagen Empfindung, daß sich die Welt verändert. Zunächst empfand ich nur eine gewisse Anspannung, eine Art Aufladung, später dann eine Art Richtung, eine Verschiebung von rötlich blau zu grünlich türkis, sozusagen.

Nun, das ist nicht sonderlich klar. Ich überlegte eine Weile, was es wohl heißen könnte. Nicht, daß ich es ganz erfaßt hätte, aber ich bin mir sicher, daß die Zukunft von größerer Autonomie geprägt sein wird als die Gegenwart.

Und da ich mir einstweilen nicht klarer über diesen Gegenstand werden kann, halte ich doch lieber fest, woraus Autonomie besteht.

1. Eigene Versorgungsweise. Das ist trivial.

2. Eigene Lebensart. Der Ausdruck gefällt mir besser als Identität. Jeder gemeinschaftliche Wille ist exzentrisch, eine Gemeinschaft, deren Schwerpunkt in der Mitte liegt, zerfällt. Und also muß eine jede Gemeinschaft ihre Lebensart offensiv formulieren und durchsetzen, wenn sie bestehen bleiben will. Natürlich in vernünftigen Grenzen, sie hat ja nichts davon, sich unnötig Feinde zu machen.

3. Eigene Disziplin. Autonomie ohne die Fähigkeit, den eigenen gesellschaftlichen Verfall selbst zu verhindern, ist undenkbar. Dies ist auch das zentrale Element einer globalen Friedensordnung. Wo lokal alles gesund ist, kommt es normalerweise nicht zu Kriegen. Freilich, für Gemeinschaften Ringender gilt das nicht, aber das ist kein so großes Problem, da solche Gemeinschaften kein sonderlich hohes zivilisatorisches Niveau erreichen können und in sofern keine übermäßige Gefahr für andere Gemeinschaften darstellen.

Nun ja, zu dem letzten Punkt müßte man selbstverständlich mehr sagen, wenn man der Wirklichkeit, und sei es nur der heutigen, gerecht werden will, aber grundsätzlich stimmt es schon, Kriege haben die Funktion, Ordnung zu schaffen, und wo bereits Ordnung besteht, ist ein Krieg fehl am Platz. Das Problem der Anerkennung fremdartiger Ordnungen ist glücklicherweise kein allzu schwerwiegendes, denn letztlich beruhen unterschiedliche Ordnungen auf unterschiedlich gewichteten Volksseelen, und diese lassen sich als solche erkennen. Gerade darin liegt der Wert einer absoluten Lehre von der Seele, wie es die platonische ist. Sie liefert einen globalen Standard, welcher die Anerkennung verschiedenartiger kultureller Leistungen erlaubt. Der Irrtum der Relativisten könnte nicht größer sein: Man löst ein Problem nicht dadurch, daß man es ignoriert.

Diese drei Eckpfeiler also werden entstehen und die Zukunft prägen. Aber wie ich schon andeutende, alles ist das nicht, nur einstweilen kann ich nicht mehr sagen.

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17. Januar 2013

Statik und Schwebe

Vielleicht habe ich Konfuzius im letzten Beitrag nicht ganz passend zitiert, denn das Hexagramm, dessen Kommentar dieses Zitat ist, beschreibt eine Situation unerschütterlicher Statik, und ich schrieb von einer Lage, in welcher die Dinge in der Schwebe sind.

Dennoch gibt es da eine Verbindung, in sofern nämlich, als diese unerschütterliche Statik ihre Wurzeln nur in der Schwebe haben kann, von welcher ich schrieb, Konfuzius' Beschreibung ist gleichsam der Stern, dessen Kommen die Morgenröte ankündigt, und der ohne diese Ankündigung auch nicht erscheinen kann: nur durch das Angebot neue Kausalität durch transzendente Akte zunächst auszuprobieren und schließlich zu konsolidieren kann dereinst wieder Harmonie eintreten, nachdem wir die bestehende Kausalität zur Unterdrückung, ja Auflösung, unserer Funktionalität und Konstitution vorangetrieben haben. Der heutige Mensch weiß weder, was er ist, noch wie er sich verbindet, und treibt darüberhinaus in seinem Dinglichkeitswahn von außen erzwungener Umbildung und Eingliederung zu, wovon das ganze heutige Denken entsprechend durchtränkt ist.

Aus der heutigen perspektivischen Verkürzung erscheint die gereichte Hand, die Option, bereits als die herrlichst ausgewachs'ne Manifestation: an totale Dunkelheit gewöhnte Augen können ein Glimmen nicht von einem Strahlen unterscheiden, und entsprechend fassen sie beide Lagen zu einer zusammen.

Damit hätte ich diesen Bogen geschlagen, indes möchte ich, bevor ich zum eigentlichen Thema komme, noch kurz dem Einwand begegnen, daß das Obere eine Anpassung an das Untere sei und nicht umgekehrt.

Nun, das Obere ist in der Tat eine Anpassung an das Untere, aber daraus folgt nicht, daß es nicht auch umgekehrt so sein könnte, beide mögen Wege besitzen, das jeweils andere zur Anpassung zu zwingen, welche indes nicht allzeit gleichmächtig beschritten werden.

Sagen wir es gerade heraus, Bewußtsein formt Welt genauso wie umgekehrt Welt Bewußtsein formt, und zwar im substantiellen Sinne, deswegen, weil letztlich beide ein- und dasselbe sind, Verkörperungen des göttlichen Willens, an welchen Gott als Schöpfer Anteil nimmt.

Gut, kommen wir nun auch noch zur Definition von Statik und Schwebe. Es geht dabei um's Aufbauen und Beruhen, als welche festgefügte Verhältnisse unter sich voraussetzen. Eine planierte Welt mag statisch scheinen, aber der Geist schwebt ungebunden über ihr, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst anfängt zu beben und sich scheinbare Statik als Schwebe entpuppt.

Echte Statik entsteht dort, wo sich die Ebenen auf einander bezogen verbinden, wobei man die sechs Ebenen des I Chings auch so erklären kann, daß es zum einen das Streben zum homogenen herrschaftlichen Körper gibt, welcher selbst wieder der einzelnen Seele entspricht, und zum anderen das herrschaftliche Streben selbst, welches der Verfassung des Volkes gilt, welche ebenfalls wieder der einzelnen Seele entspricht, die sechs Ebenen sich mithin durch die Kombination einer herrschaftlichen Seele und einer folgsamen Seele ergeben. Die Unterschiede zwischen verschieden Seelen sind horizontale Unterschiede, der Unterschied zwischen einer herrschaftlichen Seele und einer folgsamen ist ein vertikaler, ebenso wie auch die geistigen Horizonte vertikale Unterschiede begründen und zu hoffen ist, daß sich diese natürlichen Reflexionsunterschiede in den gesellschaftlichen Hierarchien spiegeln.

In der heutigen Zeit ist aber nicht nur das seelisch Höhere ungebunden (eine Ausdrucksweise, welche der Bezeichnung der seelischen Unterschiede als horizontal widerspricht, indes liegt letzterer ein anderer Höhenbegriff zu Grunde, nämlich ein gesellschaftlicher), sondern auch der folgsame Teil des Menschengeschlechts. Nun, da das seelisch Höhere nicht manifest ist, kann ihm natürlich auch niemand folgen, aber da es vom Volk erwartet wird, schlägt auch die Herrschaft des seelisch Niederen keine Wurzeln, und also ist die folgsame Seele ungebunden.

Und diese Ungebundenheit bewirkt einen Zustand der Schwebe, soweit es jede Form von Herrschaft betrifft. Nicht deshalb gibt es keine vertikalen Unterschiede, weil sich die Menschen so sehr nach vertikaler Gleichheit sehnen würden, sondern weil die Mächtigen schlechter sind als die Ohnmächtigen.

Die Strategie der Dunkelheit in dieser Zeit besteht darin, die Erwartungen des Volkes so lange zu senken, bis es selbst genau so schlecht ist, wie seine Herrscher und auf diesem Weg Statik wiederzuerlangen, und die Strategie des Lichts besteht darin zu akzeptieren, daß das gesellschaftlich Manifeste an sein Ende gelangt ist, und sich dadurch einer angebotenen neuen Zeit zu öffnen, welche sich bereits heute in der Schwebe befindet.

Diesen Weg kann aber nur gehen, wer sich der Rolle des Menschen im Klaren ist. Es geht nicht darum, unsere Menschlichkeit abzustreifen, sondern darum, sie neu zu verhandeln.

Kleine persönliche Bemerkung. Ich habe mir etwas Luft zum atmen verschafft, welche ich genutzt habe, um mir die Grundlagen der menschlichen Seele, des menschlichen Bewußtseins, der menschlichen Beziehung zu Gott und der Phasen des Weltenlaufs zu erschließen (ja, und auch der menschlichen Beziehungen zu einander), und habe dabei freudig zur Kenntnis genommen, daß dies alte Konzepte sind, welche sich schon bei Platon und im I Ching finden, ebenso wie sie auch zum Verständnis der Bibel beitragen. Die Welt hat davon zunächst einmal nichts, aber sie mag einst etwas davon haben. Ich hingegen habe Antworten auf meine Fragen gefunden und das Feuer meiner seelischen Qualen durchquert. Der Stoff für eine Ausarbeitung in Buchform ist wohl zusammengetragen, ich kann dergleichen aber nicht versprechen. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Dies ist eine Zeit der Initiativen. Aus dem Chaos ihres Wettbewerbs wird uns unsere Freiheit schließlich erwachsen, blieben wir jetzt ruhig, so würden wir an unserer eigenen Untätigkeit verzweifeln. Noch einen schönen Donnerstag.

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15. Januar 2013

Erscheinungsweisen Gottes

In sofern Gott uns zu immanenten Taten inspiriert, ist er Geist der Befreiung oder auch des Wandels.

Aber durch das, was ich im letzten Beitrag Aan nannte, das, was alle Wahrnehmung zusammenfaßt, über Aufkommen, Art und Grenzen entscheidet, ist uns ein weiterer Weg geebnet. Während wir den Geist der Befreiung aus einer Stimmung des Mangels heraus suchen, um uns zu Höherem zu bilden, mithin unsere Sorge um das uns Heilige in uns wirken lassen, ein Heiliges, welches als Ursprung aller gehobenen Stimmung gedacht wird, also anders ausgedrückt uns unserer Sorge als das Streben unserer Stimmung vorbehaltlos hingeben, manche sagen, unser Herz öffnen, führt uns die Auswegslosigkeit unserer Lage zu jenem Ort, an welchem wir darüber entscheiden, was uns werden soll.

Und wenn wir dort anlangen, öffnet sich uns eben auch die Möglichkeit uns Gottes Berücksichtigung unserer Lage anzuvertrauen, was ich als transzendente Wirkung unserer Seele gedeutet hatte. Sie wirkt transzendent, indem sie nach Gottes Berücksichtigung ruft, wobei die Art der Berücksichtigung, also die Art des transzendenten Aktes, vom rufenden Teil der Seele abhängt, siehe Von der transzendenten Sorge um die Verfassung und auch Natürliche Autorität.

Es ist dies eine Lehre vom Gebet und zugleich eine Lehre von Weltumläufen ganz ähnlich dem I Ching, am konzentriertesten vielleicht im Beitrag Von der Notwendigkeit der Änderung unserer Bedingtheit ausgedrückt.

Aber ist damit unser Spielraum ausgemessen?

Oder anders gefragt, müssen wir uns Gott lediglich als Vater vorstellen, welcher zusieht, daß wir heranreifen und uns gegebenenfalls auch mal aus unseren Schwierigkeiten heraushaut?

Gewiß will ich mir Gott nicht als weniger vorstellen, das ist unverhandelbar. Aber wenn sich der Umlauf vollenden soll, genügt da wirklich bloße Berücksichtigung oder muß nicht vielmehr an jedem neuen Anfang, wann sich das Alte auflöst, die Lust an etwas Neuem stehen? Ganz einfach, weil eine jede Form ohne Notwendigkeit aus dem Nichts tritt?

Und soll dies blind vor allen Verkörperungen geschehen oder soll sich ihnen doch die Möglichkeit bieten, sich dem Strom der Erneuerung zu öffnen und an ihr teilzuhaben?

Wird also nicht jedem zurücksetzendem Gebet eine Glaubens- und Wunderfülle folgen?

Johannes (der Täufer), Jesus, Johannes (der Evangelist): Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.

Nein, ich glaube, wir dürfen uns Gott beizeiten auch als Erheber vorstellen, welcher neue Gleichgewichte in die Welt einführt und uns die Möglichkeit bietet, zunächst durch Transzendenz an ihnen Teil zu haben, bis sie Teil unserer Immanenz werden.

Die Zeit der Verheißung am unabwendbaren Ende des Alten, das Wunder der Schöpfung des Neuen. Die Zeit der gereichten Hand. Ich denke, es gibt sie. Ich denke, es ist genau diese Zeit, welche Konfuzius mit den Worten:
Dinge, deren Ton übereinstimmt, schwingen gemeinsam. Dinge, deren innerste Wesen einander verwandt sind, suchen einander. Wasser fließt zu Nassem, Feuer wendet sich Trockenem zu. Die Wolken folgen dem Drachen, die Winde dem Tiger. So steigt der Weise auf, und aller Kreaturen Augen folgen ihm. Was der Himmel gebar, fühlt sich dem Oberen zugehörig. Was die Erde gebar, fühlt sich dem Unteren zugehörig. Ein jedes folgt seiner Art.
meint. Absichten und Umfänge dieser Veränderungen diskutiere ich nicht. Die Festlegung auf bestimmte Zeiträume ist ebenso sinnlos. Und auch ihre Wirkungsweise genauer zu bestimmen, wird wohl kaum einen Zweck haben. Die Gewißheit liegt im Anfang, nicht im Ende des Bewußtseins.

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12. Januar 2013

Kratylotische Sprachen

Definition. Eine kratylotische Sprache (nach dem Dialog κρατύλος von Platon) ist eine Sprache, deren Wörter so geformt sind, daß die Buchstaben, aus welchen sie jeweils bestehen, den Gegenstand des jeweiligen Wortes nach allgemeingültigen Regeln beschreiben. (Die eindeutige Anwendbarkeit der Regeln sollte man besser nicht verlangen.)

Beispiel. Ich gebe eine kratylotische Sprache für die grundlegende menschliche Anatomie an. Jedes Wort besteht aus einem konsonantischen Präfix, einem zentralen Vokal und einem konsonantischen Suffix. Die Regeln sind wie folgt gegeben.

Präfixe.
  • h: zart
  • f: flüchtig
  • w: weich
  • k: hart
  • t: elastisch
  • l: angehängt
  • n: durchdringbar
  • m: zäh
  • r: rauh
  • s: glatt
  • sch: flüssig
  • kn: spaltbar
  • kr: schürfbar
  • kl: knetbar
  • ks: reißbar
  • ksch: zerquetschbar
  • kw: auswringbar
  • ts: schneidbar
  • tsch: streichbar
  • schl: verschlingbar
  • pr: kratzbar
  • wr: streichelbar
Suffixe.
  • f: festhaltend
  • w: umfassend
  • k: drückend
  • t: tippend
  • l: belasted
  • n: verschließend
  • m: zusammenhaltend
  • r: rollend
  • s: fließend
  • sch: durchströmt
  • nk: spaltend
  • rk: schürfend
  • lk: knetend
  • sk: reißend
  • schk: zerquetschend
  • wk: auswringend
  • st: schneidend
  • scht: streichend
  • lsch: verschlingend
  • rp: kratzend
  • rw: streichelnd
Vokale (Definitionen gemäß dem vorigen Beitrag).
  • kurz/ungeführt: wild
  • lang/geführt: gezähmt
  • eigentlich: innere Wahrnehmung dominiert
  • uneigentlich: äußere Wahrnehmung dominiert
  • a: mehr wahrnehmend als wahrgenommen
  • Grad der Entzogenheit: Grad der Hervorgehobenheit im Bewußtsein
Und nun zu den Wörtern der Sprache. Übersetzungen sollten idealerweise überflüssig sein. Ich gruppiere die Wörter lediglich.

Körperteile. Kuuk, Nööl, Kaan, Loow, Look.
Atmung. Naasch, Heesch.
Nahrungsaufnahme. Nuuschk, Fen, Ween, Liir, Küüst, Küüsk, Küünk, Naan, Nulsch, Nolk.
Blutkreislauf. Kelsch, Leesch, Liisch.
Mechanik. Kol, Kelk, Leel.
Elektrik. Siif, Heel, Laas, Aan.
Äußeres. Wraal, Kirp, Liis, Lirw.
Geschlechtsorgane. Keek, Hoow, Noom, Wroosch.

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9. Januar 2013

Grundlagen der vokalischen Klangfarben

Nein, kneifen wir nicht, wagen wir stattdessen nach der Kartographierung der Farben die Kartographierung der Klangfarben. Vollständig, allerdings, wird es uns wohl nicht gelingen, wenig läßt sich besiepielsweise über die Klangfarbe der Harfe sagen, aber die Klangfarben der Blasinstrumente, und insbesondere der menschlichen Stimme, wollen wir etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Zunächst einmal unterscheiden wir ein Blasinstrument danach, ob es selber schwingt oder lediglich die Luft in ihm. Die Klangfarben der ersteren nennen wir eigentlich und die der letzteren uneigentlich, wobei die Lippen des Bläsers bei den Blechbläsern zum Instrument zu zählen sind.

Ich behaupte nun, daß unser Gehirn uneigentliche Klangfarben als u-ü-i wahrnimmt und eigentliche als o-ö-e; oder gegebenenfalls auch als a. Deshalb klingt die Oboe nach ö und die Blockflöte nach ü. Deshalb heult der Wind in u und i, und deshalb spuken auch Geister in u.

Wer Lust hat, kann ja selbst einen stimmlosen chu-Klang erzeugen, indem er seinen Atem über seine Zunge bläst.

Damit hätten wir die erste Dimension der vokalischen Klangfarben erfaßt, nämlich den Grad der Eigentlichkeit.

Als nächstes nun wäre zu klären, was ein u von einem i trennt, oder analog ein o von einem e. Dies ist nun schon etwas schwieriger, aber wir haben einen physiologischen Ausgangspunkt, nämlich die Stellung des Laryngopharynx und andererseits haben wir bei der Trompete ein ganz ähnliches Phänomen, nämlich den Plunger-Dämpfer, welcher in offenem Zustand die Klangfarbe der Trompete von ö zu e verschiebt.

Ich behaupte daher folgendes. Unser Gehirn registriert die Verstellung eines Klanges durch ein Hindernis, welches einen guten Teil der Schallwelle zurückwirft, und mißt dabei die Distanz zwischen der Klangquelle und diesem Hindernis. Je größer diese ist, desto forcierter, gequetscher oder quakender erscheint der Ton. Das Hindernis muß allerdings von ganz bestimmter Beschaffenheit sein, um diese Wahrnehmung auszulösen, wie ja auch andere Trompetendämpfer vor Ohren führen, welche sich ganz anders auf den Klang auswirken.

Ich glaube aber, daß sich hieraus durchaus erklärt, warum der Wind auf freier Flur in u heult und in den Wipfeln in i (wie, Sie meinen, ich sollte weniger Eselsbrücken bauen?)

Damit hätten wir die zweite Dimension der vokalischen Klangfarben erfaßt, nämlich den Grad der Entzogenheit eines Klanges, welche allerdings nur dort Anwendung findet, wo ein Klang durch ein Hindernis verstellt wird, also beim a nicht.

Und damit bleibt nur noch eine Dimension der vokalischen Klangfarben übrig, nämlich die Führung des Klanges, welche ein geschlossenes ö wie in schön von einem offenen ö wie in heard unterscheidet.

Führung nenne ich diese Dimension, weil der Klangunterschied durch die Führung des Luftstroms durch eine möglichst lange, enge Röhre entsteht. Alle Blechbläser produzieren ein ö, aber keines ist so geschlossen, so geführt, wie das ö des Waldhorns, wie in diesem Stück von Franz Joseph Strauss (ja, ne, das ist schon richtig geschrieben, der Vater von Richard, von welchem Richard, wenn ich das so höre, auch ziemlich viel übernommen hat.)



Die Wirkung ist magisch, man hört geradezu die Zeit, welche die Luft braucht, um das Horn zu durchströmen, kein anderes Instrument vermittelt einen ähnlich starken Eindruck von der Vergangenheit.

Damit wären die drei Dimensionen der vokalischen Klangfarben komplett: Eigentlichkeit, Entzogenheit und Führung.

Darüberhinaus erkennen wir natürlich noch drei weitere Dimensionen neben der Klangfarbe, nämlich Tonhöhe, Lautstärke und Dämpfung-Hall, wobei sich Hall und Führung dadurch unterscheiden, daß sich Führung auf den Raum bezieht, in welchem ein Klang entsteht und Hall auf den Raum, in welchem er gehört wird, die beiden beim Waldhorn allerdings anfangen zu verschmelzen.

Wahrscheinlich hat sich das menschliche Gehirn lediglich bei Blasinstrumenten die Mühe der dimensionalen Unterscheidung der Klangfarbe gemacht, um das menschliche Sprechen anzuleiten, und mit derselben Wahrscheinlichkeit sind meine Ausführungen hier also auch so vollständig, wie es irgend geht, was natürlich nicht heißt, daß sich die Klangfarbe von Blasinstrumenten so vollständig erfassen ließe, schließlich haben schon verschiedene Menschen unterscheidbare Stimmen, aber soweit es die wiedererkennbaren Schatten in diesen Klangfarben betrifft, also die Vokale, ist die dimensionale Kartographierung vollständig; mathematisch gesehen handelt es sich dabei um eine Projektion eines höherdimensionalen Raums in einen sechsdimensionalen, in welchem die Klänge begrifflich erfaßt sind, so daß sich also Informationen wie Tonhöhe, Lautstärke, Eigentlichkeit und so weiter festhalten lassen, wobei aus der Kombination von Eigentlichkeit, Entzogenheit und Führung die unterschiedlichen Vokale entspringen.

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6. Januar 2013

Komplementärfarbenstern


Wenn man 20 Sekunden lang auf diesen Stern starrt, wird jedes Dreieck von einer Aura umgeben sein, welche genau von der Farbe des gegenüberliegenden Dreiecks ist. Darüberhinaus eignet sich dieser Stern natürlich auch als alternatives Symbol für den materiellen Zykel der Ent- und Vergeistigung, siehe das Post scriptum vom 4.1.2013 im Beitrag Tetrachromatie beim Menschen.

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5. Januar 2013

Eine Nachbetrachtung zu van Gogh

Nach eingehenderer Beschäftigung mit der menschlichen Farbwahrnehmung in den letzten beiden Tagen ist mir der Unterschied meiner zu van Goghs Welt, wie sie sich in den von Asada aufbereiteten Bildern darstellt, nun sehr spürbar geworden.

In dem Maße, in welchem rot und grün zurücktreten, verliert die Welt ihre zähmende Kraft, alles erscheint im Licht des Gegensatzes zwischen Gewahrsein und schmerzender Gewaltausübung, welche dadurch auch an Gleichzeitigkeit gewinnen. Genuß und Vertrauen sind unbeachtetes Beiwerk, Sexualität wie getrocknetes Blut, Hoffnung als die bestimmende Brücke zwischen Schmerz und Gewahrsein, das eigentlich Weltliche.

Van Goghs Welt ist schauderhaft und tröstlich zugleich. In ihr hat der Betrachter die Gewalt über die Zeit, welche sich nicht entfaltet, sondern in vorhersehbaren Umläufen einem Uhrwerk gleich abläuft. Entfalten tut sich der Kampf der Einwohner dieser Welt, inneres Wachstum findet nicht statt, weder verliert man sich in dieser Welt, noch findet man wieder zu sich zurück, denn genau dafür stehen Rot und Grün.

Nein, die Frage nach der eigenen Rolle in dieser Welt stellt sich stets gleich, stets gleich aber auch die Versicherung, daß sie ihr Wesen bekannt gibt: Ja, das bin ich! Ja, das bist du!

Schauderhaft und tröstlich zugleich, angesprochen, aber nicht berührt, Welterzählung statt Weltwerdung.

Und was es betrifft, Erleben und Lust, nur schwer ist es zu fassen.

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3. Januar 2013

Tetrachromatie beim Menschen

Das menschliche Auge hat im allgemeinen drei Arten Lichtsensoren und der menschliche Farbraum ist im allgemeinen auch dreidimensional, nämlich den unterschiedlichen Helligkeitsstufen der Farbenscheibe entsprechend.
Wie man alleine schon hieran sieht, gibt es sehr wohl einen klaren Zusammenhang zwischen dem Objektiven und dem Subjektiven. Aber um hier nicht im luftleeren Raum zu argumentieren, sei auf den folgenden, ganz ausgezeichneten Artikel verwiesen, vielleicht der beste, welchen ich je im Internet fand. Es geht um Vincent van Gogh. Darum, daß er wohl farbenblind war. Aber sehen Sie selbst: http://asada0.tumblr.com/post/11517603099/the-day-i-saw-van-goghs-genius-in-a-new-light.

Jetzt stellen wir uns doch einmal vor, Vincent van Gogh wäre etwas sozialer gewesen und hätte mit einem Freund, welcher in seiner Auffassungsgabe Herrn Asada nicht nachgestanden wäre, seine Bilder besprochen, und es wäre passiert, was hätte passieren müssen.

Sag mal, Vincent, warum tönst du eigentlich bestimmte Flächen willkürlich grün? - Hä?

Tja, was für ein Glück auch. Oder auch nicht, nun, Geschmackssache. Was wir hieran aber sehen ist, daß ein Mensch, welcher auf ein Bild blickt, welches von einem Menschen gemalt wurde, welcher Farben anders wahrnimmt als er selbst, durchaus bemerkt, daß darin unpassende Schattierungen auftreten. Vielleicht wollte es der Künstler so, das weiß man nie. Aber man weiß, daß er Falschfarben verwendet hat.

Jetzt stellen wir uns einmal vor, eine genotypisch tetrachromatische Frau würde nicht nur gewisse Mischfarben etwas grünlicher oder rötlicher sehen als üblich, und das auch nur an der Grenze zur Wahrnehmungsschwelle, sondern besäße eine Vorstellung von einer Farbe, welche in der obigen Farbenscheibe nicht vorkäme, und sähe die Welt als aus den obigen Farben und jener Farbe gemischt.

Nun, was würde diese Frau denken, wenn wir ihr ein Bild zeigten und von den wunderbar farbtreuen unterschiedlichen Blauschattierungen faselten? Gut, wir könnten Glück haben, und die verwendete Methode der Helligkeitsabstufung erhielte auch in ihren Augen den Farbton, aber es ist doch grotesk anzunehmen, daß dies bei allen Malern und überall in der Natur der Fall wäre.

Gewiß würde es uns auffallen, wenn wir in einer Welt voller Rot-Grün Blinder lebten, daß wir mehr sähen als sie, so wie es Herrn Asada aufgefallen ist, daß er möglicherweise etwas anderes sieht als das, was Vincent van Gogh sah. Und also müssen wir wohl den Glauben an einen vierdimensionalen Farbraum bei manchen Menschen als bescheuert zurückweisen.

Post scriptum vom 4.1.2013. Die obige Farbenscheibe läßt sich für Komplementärfarbenexperimente gebrauchen: 20 Sekunden lang draufstarren, dann auf einen weißen Hinterrgund umschalten und staunen. Innerhalb akzeptabler Grenzen sind alle Farben subjektiv gleich hell und die Abstände zwischen den unterschiedlichen Farbtönen subjektiv gleichmäßig gewählt, und wie erwünscht macht die Farbenscheibe bei dem beschriebenen Experiment eine halbe Drehung. (Ja, die Idee stammt wieder von Schopenhauer.)

Wenn man es genau nimmt, bleibt das Farbrad bei der halben Drehung natürlich nicht erhalten, man sieht vielmehr nur sechs Komplementärfarben, nämlich gelb, ein Farbe zwischen orange und hell rot, rosa, eine Farbe zwischen violett und dunkel blau, türkis und hell grün, von oben im Uhrzeigersinn. Interessanterweise sind die psychologischen Wirkungen dieser Farben kanonisch, nämlich in derselben Reihenfolge: Gewahrsein, Genuß, Sexualität, Schmerz, Hoffnung, Vertrauen.

Womöglich handelt es sich dabei sogar wieder um einen Zykel, Abstieg vom Gewahrsein zum Schmerz über Genuß und Sexualität, Wiederaufstieg über Hoffnung und Vertrauen. Könnte man als Spielart des materiellen Zykels sehen, Geist als Potential vor der Entladung, und ja, das ist rein materialistisch gedacht. Nun, wäre wohl auch zu viel verlangt, wenn man von den Komplementärfarben eine weiterreichende spirituelle Anleitung erwarten würde.

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Von der transzendenten Sorge um die Verfassung

Es sieht wohl so aus, als ob ich doch noch etwas zu den transzendenten Akten sagen müßte, nämlich daß in ihnen auch der jeweilige Teil der Seele wirkt.

So trivial das ist, klar ausgesprochen habe ich es bisher nicht. Wenn die Lust an ihre Grenzen stößt, so überläßt sie sich Gott, dabei entweder den Erfolg auch noch ins Aussichtslose verfolgend oder sich der erneuten Umgestaltung der Kräfteverhältnisse anvertrauend.

Die Zykel der Lust ist kurz, das macht es leicht, sein Wesen zu erfassen: auch wenn man immer noch einen draufsetzt, kommt irgendwann der Augenblick, an welchem einem alles starr und steif erscheint und man nur noch von vorne beginnen will.

Ebenso die Achtung, wenn sie an ihre Grenzen stößt, überläßt sie sich Gott, dabei entweder durch ihn die Kontakte knüpfend, welche sie selbst nicht weiter zustande bringen konnte, oder sich der anbindungslosen Fremde anvertrauend.

Und wie sich die Lust also auch auf transzendentem Wege um die Kausalität kümmert, ja sie gebiert, und die Achtung um die funktionalen Zusammenhänge, so kümmert sich die Sorge auch auf transzendentem Wege um die Verfassung und gebiert sie.

Dazu muß aber auch sie an ihre Grenzen stoßen. Wo aber liegen die?

Sie liegen dort, wo keine Manipulation hinlangt. Vieles können wir mit unseren Händen anstellen, vieles durch sie erreichen, aber das Bewußtsein, welches die Welt durch unsere Sinne empfängt, und der Wille, welcher sich in ihm gestaltet, sind ihnen entzogen.

Worum sich die Sorge in der heutigen Zeit zuvörderst sorgen muß, ist die natürliche Entfaltung unseres Wesens. Zunächst gilt es der heutigen Konditionierung zu entkommen, welche die Lebendigkeit der Welt leugnet und mit ihr unser Wesen und uns so auf einen Pfad irrwitziger Manipulation zwingt.

Das ist die Verfassung, in welcher wir uns befinden, geblendet und unerbittlich angestachelt. Dieser Geist hat in uns Gestalt angenommen, und diesen Geist muß die Sorge, sich Gott überlassend, zunächst einmal abschütteln, darauf vertrauend, daß sich ein neuer in dem Bewußtsein, dessen Teil sie ist, einfinden wird.

Und wenn ein neuer Geist an seine Grenzen stößt, so muß die Sorge sich wiederum Gott überlassen, um ihn sich dort verkörpern zu sehen, wo nur Gott ihn verkörpern kann.

Erst jetzt sind mir diese Dinge hinreichend klar geworden. Erst jetzt habe ich die Brücke zu der Verheißung Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. geschlagen, erst jetzt betrachte ich meinen Taufspruch als Wahrheit: Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt's allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Ich meinte zuvor stets, es müsse so sein, aber erst jetzt sehe ich, daß es die natürliche Wirkung der Sorge in völliger Entsprechung zu den anderen beiden Seelenteilen ist. Wir werden leben, wir werden die heutige, todbringende Form hinter uns lassen.

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