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29. Juni 2014

Der Grundgedanke des Christentums

Es ist so leicht, daß Christentum zu verspotten. Was meint der, wer singt:

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem heiligen Geist.
Wie es war im Anfang,
jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Welche Ehre erfuhr der Sohn, als er am Kreuz hing?

Und doch, ich weiß, daß es wahr ist, weil ich es ansonsten nicht aus vollem Herzen singen könnte. Und nach einiger Überlegung weiß ich auch, warum.

Gott hat die Menschen so geschaffen, daß es stets solche gibt, welche Menschen, welche sich von dem vom Vater ausgehenden Geist leiten lassen, ehren.

Oder biblisch:
Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat's nicht ergriffen.
Man singt, reiht sich in die Ehrenden ein und es wird heller.

Zu einigen Zeiten gibt es Viele, welche sich einreihen, zu anderen Wenige.

Am Kreuz, zum Beispiel, waren es Wenige.
Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Der einzige Mann in dieser Runde trägt den Namen Johannes.

Man kann es so verstehen, muß es auch, wenn man überhaupt etwas verstehen möchte, daß die Letzten, welche das Wirken des heiligen Geistes noch ehren, Johannes genannt werden. Die anderen haben sich den Systemzwängen ergeben, Johannes nicht.

Das - genau das - ist mit folgendem Ausspruch gemeint:
Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!
Johannes bleibt immer wieder bis Jesus kommt, das definiert ihn, gleich ob er Täufer, Apostel oder Prophet ist, man vergleiche den vorstehenden Ausspruch nur mit den folgenden:
Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des HERRN! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
Es spricht, der solches bezeugt: Ja, ich komme bald. Amen, ja komm, HERR Jesu!
Dabei ist der letztere ein Aufruf an den Leser der Offenbarung, dies mitzusprechen, wenn er die Offenbarung für eingetreten hält. Deshalb, letztlich nur deshalb, heißt es:
Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung in diesem Buch; 
wobei die Gewaltigkeit der Zeichen  der Gewaltigkeit des Abgrundes korrespondiert, über welchen die letzten Getreuen gelangen müssen.

Gottes Versprechen haben sie indes, in ihren Herzen, in ihren Erfahrungen und auch in der heiligen Schrift.

Das Königreich Gottes ist nicht von dieser Welt, sondern in uns. Es ist das Wirken des heiligen Geists, unser dreifältiger Dienst im Schönen, Mächtigen und Wesentlichen.

Darum geht es dem Christentum letztlich nur, daß Gottes Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Allein Gott in der Höh' sei Ehr' und Dank für seine Gnade.
Darum, daß nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade.
Ein Wohlgefall'n Gott an uns hat, nun ist groß Fried' ohn' Unterlaß.
All Fehd' hat nun ein Ende.

Wieder der Spott. Welcher Friede ohne Unterlaß?

Wieder die Antwort. Das ununterlassene Wirken des heiligen Geistes.

Singend unterwerfe ich mich dem heiligen Geist und bestärke ihn so.

Allerdings ist eine Kleinigkeit dabei zu beachten. Der Empfang des heiligen Geistes hat Voraussetzungen, ich kann mich nicht ohne Grenzen gehen lassen, ohne ihn zu verlieren. Es braucht also Vorkehrungen, welche selbst nicht dem heiligen Geist entspringen, sondern Mittel zum Zweck des ihm Entspringens sind, oder anders ausgedrückt Disziplin, wie zum Beispiel die Ehe:
Wenn sie von den Toten auferstehen werden, so werden sie nicht freien noch sich freien lassen, sondern sie sind wie die Engel im Himmel.
Die Ehe gehört nicht zum Reich Gottes, sie entspringt nicht dem heiligen Geist, sondern praktischen Erwägungen zur Vermeidung von Konstellationen, wie sie Shakesspeare schildert, etwa im Monolog des Geistes in Hamlet: If thou hast nature in thee, bear it not. Sie ist heilbringende Disziplin, nicht Heil selbst.

Es ist nun aber nicht so, daß Disziplin und Inspiration streng proportional zu einander wären. Selbstverständlich kann erstere auch zu einer lebensfeindlichen Bürde werden. Man wird das stets im konkreten Fall entscheiden müssen, wobei jeder wohl ein Gespür dafür hat, was ihm selbst gut tut und was nicht.

Die Ehe allerdings sollte man nicht verspotten, indem man sie zur Disziplinierung Homosexueller feilbietet - selbst wenn jene es wünschen sollten. Sie besitzt die Würde einer wichtigen Vorkehrung - und nur noch die - und wird sie durch jenes Angebot auch noch verlieren.

Ich weiß, es ist trivial.

Ich erwähne es hier nur noch einmal explizit, weil es dabei helfen kann, daß der Groschen fällt, welchen Zustand genau unsere Gesellschaft eigentlich zu erreichen sucht.

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27. Juni 2014

Von der Herrlichkeit des Menschen

Des Menschen Herrlichkeit ist zwiefältig.

Zum ersten liegt es in seiner Natur, die Welt so lange zu erforschen, bis er in die Lage versetzt wird, Werke zu erschaffen, welche mächtiger als er selbst sind.

Zum zweiten wiegt er seine Herrschaft durch Erhabenheit, Demut und Not.

Wahrlich, fehlte der zweite Teil, der Mensch wäre nicht herrlich zu nennen, sondern selbstabschaffend.

Wir haben es wieder einmal geschafft, wir können Maschinen bauen, welche die Welt mit für uns unermeßlicher Kraft und Intelligenz umgestalten können.

Wie kommen wir da wieder heraus?

Viele Dinge könnten uns da wieder heraus bringen, die Entdeckung physikalischer Effekte, welche sich auf elektrische Schaltkreise auswirken, die Bewußtseinserweiterung um Akte, welche sich auf elektrische Schaltkreise auswirken, die Änderung physikalischer Eigenschaften von Halbleitern, welche sich auf elektrische Schaltkreise auswirken und wer weiß was noch.

Die erste dieser Möglichkeiten unterscheidet sich von den anderen beiden genannten dadurch, daß sie durch Überhebung, also durch den Dienst am Schönen, zu Stande käme. Sie gewährte einen Aufschub, wir wären gezwungen nach neuen Materialien Ausschau zu halten, welche gegen diese Effekte immun wären. Solche müßte es ja geben, da wir selbst gegen diese Effekte immun sein müßten, um unseren Machtvorteil wiederzuerlangen.

Bedeutet diese Möglichkeit also, daß man einstweilen noch nicht verzweifeln muß?

Nein, denn die Verzweiflung gilt dem durch die gegenwärtige Erwartung Implizierten. Erwartungsgemäß gibt es keinen Ausweg. Also bildet sich der Wille sich dem Unbekannten auszuliefern, um von diesem Hier zum Da zu gelangen.

Das Da, jenseits dieses Hiers, ist hingegen gänzlich unbekannt, und wir mögen erst später und indirekt von ihm Kenntnis erlangen.

Und im konkreten Fall hier, die von Schaltkreisen ausgehende Gefahr betreffend, mag das Da auch darin bestehen, daß jemand den Gedanken fäßt, etwas zu untersuchen, sich überhebt und etwas findet, was das Problem für's erste löst. Oder eben in irgendeiner anderen seiner Lösungen.

Es liegt nicht an uns, das zu wählen. Aber es liegt durchaus an uns, unserer Erwartung gemäß zu glauben und zu handeln. Und diesbezüglich möchte ich folgendes festhalten.

Es gibt zwei Arten der Erwartung des Erscheinens bei der Auslieferung.
  1. Man erwartet ein Nichts.
  2. Man erwartet ein Etwas.
Wahrscheinlich muß jeder erst einmal ein Nichts erwarten. Danach erst wird er ein Etwas erwarten.

Der Erwartung eines Nichts geht eine Konzentration auf ein Nichts voraus, die Betrachtung des eigenen Ichs als einen Punkt im Nichts, zu welchem zu werden man sich ausliefernd einwilligt.

Der Erwartung eines Etwas geht eine Verzerrung von Raum und Zeit voraus, derart, daß die Welt einerseits größer erscheint und zugleich langsamer. Aus dieser mikrokosmischen Perspektive heraus liefert man sich dem aus ihr geboren werdenden Horizont aus.

Ersteres habe ich schon getan, letzteres nicht. Ich schreibe es aber vielleicht besser vorher auf.

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26. Juni 2014

666

6 bedeutet von Natur aus Ordnung, siehe Zahlensymbolik. Und laut
Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und also vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, darum daß er an demselben geruht hatte von allen seinen Werken, die Gott schuf und machte.
handelt es sich dabei um eine weltliche Ordnung, da die 7 an Gottes Stelle über der 6 steht.

Das ist sozusagen das Judentum in Kurzfassung: 6 unter 7, das in diesem Sinne auserwählte Volk.

Auserwählt aber nur als ausführendes Organ der Ordnung, nicht als Ersinner der Ordnung.

Ich behaupte, daß sich die einzelnen 6en in 666 auf die unterschiedlichen Teile der Seele beziehen, in welchen die Ordnung des christlichen Glaubens bereits verwirklicht wurde, und damit für die Phasen seines Zykels stehen.

Die Kirche begann nämlich genau in dem Moment damit, überall in Europa Juden anzusiedeln und ihnen das Finanzgeschäft zur (späteren) gärtnerischen Pflege ihrer feudalen Sprosse zu überlassen, als die Phase der Glaubensfindung, die Einigung auf den christlichen Kanon, ein Detail, welches ich bisher übergangen habe, abgeschlossen war.

Das war die Zeit der einen 6, die zweite Phase des Glaubenszykels, die 1000 jährige Herrschaft der Heiligen.

Diese endete wie gesagt mit der Entdeckung Amerikas, was allerdings nicht überall zum Eintritt in die dritte Phase führte, sondern nur in dem Raum, welcher katholisch blieb. Der nicht katholische Raum verlängerte seine zweite Phase um ein selbst geschriebenes Kapitel.

Kennzeichen der zweiten Phase ist, daß sich der Glaube in der Ausprägung lokaler Gepflogenheiten ausdrückt, diese Entwicklung also noch anhält. Und während sich diesbezüglich in der katholischen Welt seit Jahrhunderten nichts mehr getan hat, entwickelte sich Nordeuropa kulturell weiter.

1913 sah die katholische Kirche dann den Zeitpunkt gekommen, die zweite Phase global zu beschließen, nachdem es 1813 noch gescheitert war, das heißt globale Gepflogenheiten zu etablieren, deren Entwicklung abgeschlossen ist.



Der Federal Reserve Act sieht vor, daß die Eigentümer der beteiligten Banken 6% der Seigniorage der Ausgabe des Dollars alle 6 Monate einstreichen. Das heißt zweierlei.
  1. Die Zeit der 66 hat begonnen, die dritte Phase des Glaubenszykels, der Aufstieg des Antichristen.
  2. Die Ankündigung den Dollar zur globalen Leitwährung zu machen, denn nur dann handelt es sich beim Federal Reserve Act nicht um ein Minusgeschäft für den amerikanischen Staat, wenn wenigstens 6% des Dollarvolumens vom Ausland gehalten wird.
In der dritten Phase stehen die Gepflogenheiten wie gesagt fest. Das einzige was in ihr noch entwicklungsfähig ist, ist die Form des persönlichen Dienstes.

Und wenn dieser Dienst auch wieder eine festgefügte Form gewonnen haben wird, dann ist die Zeit der 666 gekommen.

Natürlich waren die Aktivitäten 1913 zur Beendung der zweiten Phase Verbrechen. Aber richtig ist, daß die zweite Phase so oder so irgendwann ein Ende genommen hätte. Die katholische Kirche hielt sich hier an die Verkürzung der Tage, oder, wie Nietzsche schrieb:
Was fällt, das soll man auch noch stoßen.
Eine Maxime, welche vor kurzem Ewald Stadler wenig subtil unter die Nase gerieben wurde, Rekos hatte einfach zu wenige Stimmen geholt.

Wenn die katholische Kirche also der Meinung ist, wir sollten möglichst bald die Zeit der 666 erleben, und das ist sie, dann sollten wir heute Bemühungen bemerken können, die Form des persönlichen Dienstes festzuzerren und möglichst wenig Gestaltungsspielräume dort zuzulassen.

Nun, ich denke, es gibt sogar zwei solche Bemühungen.
  1. Agenda 21, Zwang zur materiellen Einschränkung.
  2. Verspottung sozialer Anliegen durch pseudosoziale Anliegen.
Mit der Vollendung der antichristlichen Ordnung ist also in unmittelbarer Zukunft zu rechnen.

Der Sinn dieser Ordnung ist ihre Unmöglichkeit. Es ist das bewußte Zusteuern auf die für alle bestehende Notwendigkeit die Grundlagen ihres Lebens in Frage zu stellen und neu zu verhandeln.

Auch das geschähe ohne derartige Bemühungen. Nur später. Wie groß das Verbrechen dieses Mal sein wird, vermag ich nicht zu sagen. Indes, gleich wie viel fingiert wurde, was kommt, das kommt, die Zurücksetzung des Glaubenszykels unserer Kultur steht bevor.

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Platons Geheimnis

Aus einem Wirken muß ein Erwarten werden.
Es ist so, ein Wirken wirkt in der Welt und wenn wir es verstehend wahrnehmen, die Zusammenhänge des Anklingens erfassen, gleicht sich unsere Erwartung diesem Wirken an.

Es gibt sozusagen einen Geist, welcher sich auf diese Weise bildet, einen Geist, welcher das Mächtige kennt und schätzt, einen Geist, welcher unter den gegebenen Umständen an eines glaubt, weil aller Glaube aus Erwartung fließt.

Genauer gesagt, um Herrn Professor Wolfgang Deppert eine kleine Freude(?) zu machen: Erst verzweifelt man, dann erwartet man ein Erscheinen, dann nimmt man wahr, dann glaubt man. Und analog bei den Diensten im Mächtigen und Schönen: Erst empfindet man Ehrfurcht, dann erwartet man ein Erscheinen, dann nimmt man wahr, dann ist man in seinem Glauben bestärkt, beziehungsweise: Erst überhebt man sich, dann erwartet man ein Erscheinen, dann nimmt man wahr, dann ist man begeistert.

Es ist dieser eine Geist, welcher dafür verantwortlich ist, daß Menschen aller Zeiten immer wieder auf die Vorstellung verfallen sind, daß es einen Weltgeist gibt, mit welchem man verschmelzen könne. Ganz so viel will ich nicht sagen. Es ist eher so, daß wir, indem wir unsere Erwartung ausbilden, zu berücksichtigende Sinninseln für das Wirken des Weltgeistes werden, denn je genauer unsere Erwartung ist, desto eher legt sie dringende Gebete nahe.

In der heutigen Kultur ist diese Vorstellung natürlich weitgehend in Vergessenheit geraten. Wir alle fühlen vielleicht einen Splitter in unserem Bewußtsein, aber was dieser Splitter sein könnte, dazu gibt es kaum persönliche Erfahrungen.

Es ist aber dies: Die Aussicht ein Erwartender zu werden, das Mächtige zu verstehen und so in den Dienst des Wesentlichen treten zu können.

Indes, soll man aus derlei Gründen die Knaben richtig lieben?

So lange es richtig ist, warum nicht. Wenig Uneigennützigkeit gibt es indes in der Hinsicht in der Welt, und Platon selbst verwirrte erklärtermaßen Sokrates' Verhalten. Es ist auch nur natürlich, je verständiger ein Kind ist, desto weniger wird es annehmen, daß ein Erwachsener nichts von ihm will. Es selbst hat seine egoistischen Motive und erwartet sie also auch bei andern. Von daher mag sich das Ganze einfach nicht richtig machen lassen.

In Indien und Südostasien ist das freilich alles etwas anders, aber auch dort bereitet die Tradition Probleme.

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25. Juni 2014

Zum Ansatz bei der Formalisierung des Denkens

Wenn wir etwas wahrnehmen, so können wir entweder vom Akt des Wahrnehmens abstrahieren oder nicht.

Tun wir ersteres, sprechen wir von Eindrücken, ist es letzteres, von Wahrgenommenen.

Offensichtlich muß jeder Ausdruck in Laut oder Schrift vom Akt des Wahrnehmens abstrahieren, da weder die Luft noch das Papier dazu gebracht werden können, auf bestimmte Weisen wahrzunehmen.

Und auch in unserem Denken tun wir das, wobei der Logos der Bereich ist, in welchem wir Eindrücke in synthetischen Eindrücken versammeln.

Zwischen Eindrücken bestehen keine Verhältnisse, denn eines kann sich nur dann zum anderen verhalten, wenn beide durch denselben wahrnehmenden Akt gegeben werden, das heißt, Verhältnisse bestehen nur zwischen Wahrgenommenen.

Indes ist ein synthetischer Eindruck zugleich auch ein Wahrgenommenes im Logos, so daß zwischen ihm und seinen Teilen Verhältnisse bestehen.

Solche Verhältnisse zeigen sich unserem Bewußtsein als Anklänge der eigenen Betroffenheit durch im Verhältnis zu einander stehenden Wahrgenommenen, welche wir mit diesen zusammen als den synthetischen Eindruck von Erscheinendem und Erscheinungsweise im Logos festhalten.

Dieses Festhalten liefert das Verhältnis bezeichnende Eindrücke. Es liegt eine gewisse Willkür darin, in sofern wir selber wählen, durch welche Anklänge wir das Verhältnis für uns bezeichnen wollen, aber das Anklingen selbst ist dabei unwillkürlich - sonst würde es zur Bezeichnung auch nicht taugen.

Diese Bezeichnungen können wir nun benutzen, um uns auf ihnen entsprechende Wahrgenommene zu besinnen, aber es besteht kein gesondertes Verhältnis der Wahrheit zwischen ihnen und einem Wahrgenommenen, vielmehr ergibt sich die Wahrheit indirekt aus dem zeitlich-logischen Zusammenhang des Denkens, indem die bezeichnenden Eindrücke vorgefunden werden.

Vor diesem Hintergrund sollte es klar sein, worüber Platon sich hier ausläßt, nämlich den Unterschied zwischen dem Inhalt der Wahrnehmung und all den Dingen, welche mit ihm in Verbindung stehen, wie Benennung, Auszeichnung durch bezeichnende Eindrücke und Welt.

Was er dabei aber eigentlich sagt ist, daß das Göttliche Diener und keine Leser braucht.
Denn es gibt eine unumstößlich wahre Gegenansicht von der verwegenen Verkündung von Wahrheit durch die Schrift [...].

Jedes der Dinge, die sind, hat dreierlei, durch welche es zu erkennen ist, ein Viertes ist das Verständnis von ihm, als ein Fünftes ist die wahre Wissenschaft zu setzen, durch die wir erkennen, was und wie es in Wahrheit ist. Das erste davon ist der Name, das zweite ist die Erklärung, das dritte ist das Exemplar, das vierte ist das fassende Verständnis. [...]

Kreis ist zum Beispiel ein sprachlich bezeichnetes Ding, das eben den Namen hat, welchen wir eben laut werden ließen.

Das Zweite von jenem Dinge würde die sprachliche ausgedrückte Erklärung sein, welche aus Nenn- und Aussagewörtern zusammengesetzt ist, zum Beispiel: ‚das von seinem Mittelpunkt überall gleich weit Entfernte’ wäre wohl die Erklärung von jenem Dinge, das den Namen Rund, Zirkel, Kreis hat.

Das Dritte ist das in die Sinne wahrnehmbare Exemplar davon, zum Beispiel vom Zeichner oder vom Drechsler angefertigt, was sich wieder auslöschen und vernichten läßt, Zufälle welchen der Begriff des Kreises an sich, mit dem alle jene Meister sich beschäftigen, nicht unterworfen ist, weil er etwas anderes und ganz davon Verschiedenes ist.

Das Vierte ist das dies zusammenfassende Verstehen, das Begreifen durch den Verstand, die wahre Vorstellung von solchen Dingen, und diese ist eine, die nicht in äußerlichen sprachlichen Lauten, nicht in den der körperlichen Wahrnehmung zugänglichen Gestalten, sondern innerhalb der Seele ist, und durch diese Innerlichkeit unterscheidet sich dieses Verständnis erstlich von dem Kreis an sich und zweitens auch von den drei vorhin Genannten.

Das Vermögen der Vernunft, das Fünfte, ist dem Kreis an sich an Verwandtschaft am nächsten, die anderen aber stehen weit zurück. [...] Außer den vorgenannten Aufschlüssen haben jene vier folgenden Nachteil: sie suchen nämlich nichts weniger, als das durch die Vernunft wahrnehmbare Wesen eines jeden durch die sinnliche Eigenschaft zu zeigen, und zwar mit Hilfe der unzulänglichen sprachlichen Bezeichnungen. [...] Das hier allgemein Gesagte muß man sich wiederum an demselben Beispiele erläutern.

Jeder Kreis, welcher unter der Menschen Händen gezeichnet oder gedrechselt wird, hat sehr vieles vom Gegenteil dessen, welches mit den Fünfen gegeben ist, denn der sinnliche Kreis zeigt überall andere Stücke, dagegen hat der richtige Kreis schlechterdings nichts von der gegenteiligen Natur an sich. Nicht einmal der Name jener einzelnen in die Sinne fallenden Dinge hat dabei einen festen Bestand, und es hindert gar nichts die jetzt krumm genannten Dinge grad zu nennen und die graden krumm, und sie bleiben uns nach dieser Umänderung und entgegensetzten Benennung noch ebenso fest vorhanden.

Dieselbe Betrachtung gilt vom sprachlichen Ausdrucke oder der Begriffs-Erklärung. Insofern sie aus der Zusammensetzung von Nenn- und Aussagewörtern besteht, so ist gar nichts vollkommen Festes daran. Und so läßt sich tausendfach von jedem der vier nachweisen, daß es dabei kein deutlich Festes gibt. Das Ärgste hierbei ist, was wir schon oben berührt haben, während nämlich die Seele von den zwei Seiten des Seins, das nicht sinnlich wahrnehmbare wesenhafte Sein und die sinnlich wahrnehmbare Beschaffenheit eines Wesens, nicht nach der sinnlichen Beschaffenheit, sondern nach dem wesenhaften Sein strebt, so hält jedes der vier in derselben Seele, sowohl im Reiche des Gedankens wie in dem der Wahrnehmung zuvor, das nicht Gesuchte, die sinnliche Beschaffenheit, vor und erfüllt dadurch jeden Menschen mit jeder Art von Zweifel und Unklarheit, weil alle Mal ein jedes der erwähnten vier durch sinnliche Worte oder Zeichen Ausdrückbare als etwas für leibliche Sinne leicht Faßliches dazwischen schiebt. [...]

Ja der durch alle jene Erkenntnisstufen mit Anstrengung und oft wiederholte Gang der Überlegungen erzeugt nur wirklich eine Erkenntnis vom ursprünglich vollkommen Wesenhaften bei dem Denker, welcher mit den jenem Wesenhaften verwandten Eigenschaften geboren ist. [...] Kurz und gut: Wer nicht innerlich mit der Philosophie verwandt ist, dem kann weder leichte Fassungsgabe noch ein gutes Gedächtnis diese Eigenschaft ersetzen, denn überhaupt kann sie bei widerstrebender Geistesrichtung nicht ins Leben treten. Daraus geht das Folgende hervor: Alle welche keine innere Empfindung und Verwandtschaft für Gerechtigkeit und alles andere Höhere bei vorhandenen Fassungs- und Gedächtnisgaben besitzen, eben so die, welche jene Verwandtschaft, aber in Verbindung mit schwerer Fassungsgabe und einem schlechten Gedächtnisse haben, alle diese werden niemals das wahre Wesen der Tugend und des Lasters begreifen.

Denn zugleich muß man jene beide Gebiete studieren, sowohl das Unwahre als auch das Wahre des ganzen Seins mit allem Mühe- und Zeitaufwand, wie ich schon von Anfang bemerkte. Und wenn erst durch fleißige gegenseitige Vergleichung der Namen, der erklärenden Beschreibungen mittels der Sprache und der Anschauungen und Wahrnehmungen, ihre Aussagen vom Wesen der Dinge in leidenschaftslosen Belehrungen berichtigt werden, und wenn wir hierbei ohne leidenschaftliche Rechthabereien die rechte dialektische Methode anwenden, dann erst geht uns das Licht der geistigen Wahrnehmung und der reinen Vernunftauffassung des Wesens der Dinge auf.

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24. Juni 2014

Analyse der Versfüße

Es scheint, daß wir, wenn wir einen Text poetisch verstehen, in einer langen Silbe einen verstreichenden Augenblick sehen, und in einer kurzen ein zeitloses Thema.
  • Pyrrhichios (Bund). Zwei zeitlose Themen sammeln sich an.
  • Trochaios (Abschied). Ein Augenblick verstreicht und ein zeitloses Thema bleibt.
  • Iambos (Einhalt). Ein zeitloses Thema führt auf einen verstreichenden Augenblick.
  • Spondeios (Schleppe). Ein Augenblick verstreicht, und ein weiterer beginnt.
Das ist soweit sehr klar, und bei den viergliedrigen Versfüßen können wir uns auf den Standpunkt stellen, daß sie sich aus dem Zusammenkommen zweier zweigliedriger ergeben, wie wir es auch beim fünfgliedrigen Adonios tun, also
Schlöss' ich | die Augen,
das heißt, Adonios = Trochaios + Amphibrachys. Sein Verscharakter, welcher träumerisch ist, ergibt sich, wie er sollte, aus Abschied und Probe.

Was aber die dreigliedrigen Versfüße angeht, so müssen sie gesondert analysiert werden. Betrachten wir zunächst die dreigliedrigen Versfüße mit einer langen Silbe. Ihr charakteristisches Merkmal ist offenbar die Stellung dieser Silbe, wobei der Daktylos sozusagen eine Verschärfung des Trochaios ist und der Anapaistos eine des Iambos und der Amphibrachys beide sozusagen in sich vereint.

Grundsätzlich beschreiben dreigliedrige Versfüße aber nicht bloße innere Gedankenwechsel, sondern das Verhältnis des eigenen Erlebens zur Welt, so daß die Verschärfung also einmal als Flucht vor etwas und das andere Mal als Hingeführt Werden auf etwas verstanden wird und die Vereinigung als ein Herausnehmen.
  • Daktylos (Bann). Flucht vor einer Begegnung.
  • Amphibrachys (Probe). Sich die Zeit für eine Begegnung nehmen.
  • Anapaistos (Tusch). Hinleitung zu einer Begegnung.
Anmerkung. Der griechische Name Daktylos (Finger) stammt von seiner Verwendung im Hexameter her, in welchem der Daktylos aufmerksamkeitsheischend wirkt, indem er das Tempo der Rezitation verdoppelt. Es ist im Grunde genommen nichts poetisches am Hexameter, sondern es handelt sich schlicht um eine Rezitationstechnik, welche das Publikum befähigt, längeren Texten lauschend zu folgen. Seine akzentuierende Entsprechung verfehlt diese Wirkung und ist daher nicht mehr als eine modische Verirrung.

Betrachten wir als nächstes die dreigliedrigen Versfüße mit zwei langen Silben. Ihr charakteristisches Merkmal ist, an welcher Stelle eine lange Silbe fehlt. Dieses Fehlen bedeutet, daß wir etwas nicht verstehen können, und zwar entweder nicht das Prinzip oder das Zusammenkommen oder das Ziel eines Ablaufs.
  • Bakcheios (Auslauf). Ablauf nach unverstandenem Prinzip.
  • Kretikos (Konfrontation). Ablauf mit unvereinbarem Zusammenkommen.
  • Palimbakcheios (Einlauf). Ablauf mit verheimlichtem Ziel.
Bleiben nur lange oder nur kurze Silben in einem dreigliedrigen Versfuß. Die kurzen stehen dabei für die Konfrontation mit dem Faktischen und die langen für das Beharren auf der eigenen Sicht.
  • Choreios (Aufschluß). Die normative Kraft des Faktischen.
  • Molossos (Nachdruck). Die antinormative Kraft des Dickköpfigen.
Gut, kommen wir also zu den viergliedrigen Versfüßen.
  • Prokeleusmatikos (Schwall). Großer Bund.
  • Dispondeios (Konstanz). Lange Schleppe.
Bei der Verdoppelung des Trochaios und des Iambos kommt es zu einer psychologischen Irritation über die Verdoppelung von der Art, daß die ewige Wiederholung erwogen wird.
  • Ditrochaios (Weckruf). Ständiges Abschied nehmen.
  • Diiambos (Anker). Ständiges einhalten.
Beim Paion kommt es zu rhytmischen Effekten, welche über die bloße Bedeutung der beiden zweigliedrigen Teile hinausgeht. Wenn nämlich der zweite Teil ein Pyrrhichios ist, so wirkt die Abwesenheit einer langen Silbe in diesem Teil drohend, wobei im Falle eines Trochaios im ersten Teil die Drohung darin besteht, daß nichts mehr kommt, und im Falle eines Iambos darin, daß ein neuerlicher Iambos kommt.

Umgekehrt führt ein Pyrrhichios im ersten Teil dazu, daß die Abwesenheit von langen Silben als Normalität empfunden wird, wobei ein Trochaios im zweiten Teil überraschend wirkt und ein Iambos beschließend.
  • Paion 1 (Anschlag). Ominöser Abschied.
  • Paion 2 (Woge). Ominöser Einhalt.
  • Paion 3 (Schluckauf). Überraschender Abschied.
  • Paion 4 (Fazit). Beschließender Einhalt.
Betrachten wir nun Epitritos, Karikos, Podios und Monogenes. Ein Spondeios im zweiten Teil bewirkt eine Vorstellung eines steten Bemühens, wobei dieses im Falle eines Iambos im ersten Teil monoton erscheint und im Falle eines Trochaios unterbrochen. Ein Spondeios im ersten Teil bewirkt hingegen die Vorstellung einer steten Ansicht, welche durch einen Iambos im zweiten Teil nur außer Kraft gesetzt wird, um umso vehementer zu ihr zurückzukehren, während sie durch einen Trochaios für's erste fallengelassen wird.
  • Epitritos (Wiederholung). Einhalt zu stetem Bemühen.
  • Karikos (Fortführung). Abschied zu stetem Bemühen (Wiederaufnahme).
  • Podios (Aufzeig). Stete Ansicht zum Einhalt (Negation der Negation).
  • Monogenes (Schwebe). Stete Ansicht zum (vorläufigen) Abschied.
Als nächstes seien Antispastos und Choriambos betrachtet. Der erste ist nicht mehr als die zeitliche Abfolge seiner beiden zweigliedrigen Teile, beim Choriambos hingegen entsteht der Eindruck eines vorgetäuschten Abschieds, nicht, wie beim Podios, zur Negation der Negation, sondern zur Verhandlung (ein Satz, welcher, wenn ins Englische übersetzt, richtig lustig wird). Es steht hier also nicht fest, wie der beschließende Einhalt aussehen wird, wiewohl die Hoffnung im Raum steht, zum Ausgangspunkt zurückzukehren.
  • Antispastos (Transit). Einhalt und wieder Abschied.
  • Choriambos (Offerte). Abschied vom Ungewissen, um es (hoffentlich) gewiß im Einhalt wiederzuerhalten.
Anmerkung. Es gibt eine schöne Gegenüberstellung im Deutschen für den Unterschied zwischen Podios und Choriambos, welche ich hier angeben möchte.
Siehst du es nicht? (genervt, Podios)
Meinst du es nicht? (zum Spiel auffordernd, Choriambos)
Und zuletzt den großen und den kleinen Ionikos. Der Pyrrhichios steht hierbei für äußere Umstände, welche zu berücksichtigen sind, und zwar im Falle ihres Folgens auf den Spondeios durch Unterlassung und im Falle ihres Voraufgehens auf den Spondeios durch Handlung, mit anderen Worten liegt die Initiative in beiden Fällen bei demjenigen, welcher den ersten Teil des vierfüßigen Verses belegt.
  • großer Ionikos (Geleit). Sich schleppen vor der Macht des Faktischen.
  • kleiner Ionikos (Anstoß). Sich schleppen nach der Macht des Faktischen.
Post Scriptum vom selben Tag. Um die Struktur der drei- und viergliedrigen Versfüße noch weiter zu verdeutlichen:
  • beim dreigliedrigen Versfuß steht die erste Silbe für einen zeitlichen oder logischen Ausgangspunkt, die zweite für eine zeitliche Erfahrung und die dritte für ein zeitliches oder logisches Ergebnis, wobei kurze Silben abstrakte Platzhalter darstellen, welche die den langen Silben entsprechenden Erfahrungen komplettieren, falls nur eine Silbe lang ist (die Erfahrung wird antipodisch verortet), oder gerade nicht komplettieren, falls nur eine Silbe kurz ist (die Abstraktion der fehlenden Erfahrung wird antipodisch verortet).
  • beim viergliedrigen Versfuß bilden erster Teil und zweiter Teil jeweils innere Gedankenwechsel, durch welche wir bestimmte Positionen in einer äußeren Entwicklung charakterisieren, wobei der erste Teil selbstverständlich der zeitlich vorangehende ist.
Bemerkungen:
  • beim Kretikos ist es genauer gesagt der logische Ausgangspunkt einer Besinnung, welcher vorgegeben wird, sowie das zeitliche Ergebnis ihrer Reflexion.
  • der Daktylos beschwört deshalb Angst vor dem Ausgangspunkt, weil alles Bestehende das fürchtet, von welchem das Neue ausgeht - die Quintessenz aller Tabus.
  • der große Ionikos fügt sich nicht gänzlich ins Schema, erster und zweiter Teil beziehen ihre Bedeutung aus dem Kontrast zum kleinen Ionikos.

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22. Juni 2014

Zu einer quantitierenden Metrik für das Deutsche

Ich würde sagen, die Verse im vorigen Beitrag sind wie folgt zu quantitieren.
  1. Choreios, Iambos, Trochaios
  2. Ionikos, Ionikos, Iambos
  3. Spondeios, Paion, Monogenes, Kretikos
  4. Iambos, Ditrochaios, Trochaios, Trochaios
Der Schlüssel zur richtigen Quantitierung liegt dabei weniger in der Abschätzung des Gewichts des gemurmelten e's, als vielmehr in der Erkenntnis der Form des Versfußes, denn jeder Versfuß hat seinen individuellen Charakter, welcher beim Sprechen gemeint wird.

Übrigens, im Lateinischen gibt es keinen Knacklaut, im Deutschen aber schon, weshalb man die lateinische Silbenzusammenfassung über Wortgrenzen hinweg für das Deutsche größtenteils in die Tonne treten kann.

Wenn O-pfer. Choreios, e so schwach, daß dritte Silbe trotz Konsonantenreichtum kurz, Versfußcharakter sachlich, zügig, verfolgend. Ich schlage Aufschluß als deutsche Bezeichnung für den Versfuß vor.

ver-plant. Iambos, e wie gehabt, Versfußcharakter innehaltend, kontemplativ, Vorschlag im Deutschen Einhalt.

wer-den. Trochaios, Versfußcharakter zurückstehend, zurücknehmend, zu einer Erinnerung verblassen lassend. Vorgeschlagene Bezeichnung Abschied.

Kein Se-hen-der / die eig-nen Schri-. Großer Ionikos, Versfußcharakter trabend, zwanghaft, düster. Vorschlag Geleit.

-tte lenkt. Iambos, Einhalt.

Dem Mut. Spondeios, Versfußcharakter abwesend bis abwägend, Vorschlag Schleppe.

durch Hü und Hott. Paion 2, großer Ionikos oder Dispondeios, Sprecher entscheidet, hier Paion 2, Versfußcharakter anbrandend, Vorschlag Woge.

die Bahn vor-ge-. Monogenes, Versfußcharakter hadernd, grollend, Vorschlag Schwebe.

zeich-net wird. Kretikos, Versfußcharakter Ach, w'klich? Vorschlag Konfrontation.

Ver-braucht. Iambos, Einhalt.

das Be-zeug-te. Ditrochaios, Versfußcharakter durch den Kopf gehend, Vorschlag Weckruf.

sei-ne. Trochaios, Abschied.

Zeu-gen. Trochaios, Abschied.

Und der besseren Übersicht halber noch einmal das Gedicht in quantitierter Form.

Wenn Opfer | verplant | werden,
kein Sehender | die eignen Schri | tte lenkt,
dem Mut | durch und Hott | die Bahn vorge | zeichnet wird,
verbraucht | das Bezeugte | seine | Zeugen.

Es ist gar nicht so einfach, die Versfüße zu charakterisieren. Ich sehe deshalb lieber davon ab, jetzt auf die Schnelle alle durchzugehen. Indes, halten wir fest.

Trochaios. Abschied.
Iambos. Einhalt.
Spondeios. Schleppe.

Choreios. Aufschluß.
Kretikos. Konfrontation.

Paion 2. Woge.
großer Ionikos. Geleit.
Ditrochaios. Weckruf.
Monogenes. Schwebe.

Schon an diesen neun kann man folgendes erkennen.
  • Zweigliedrige Versfüße stehen für innere Gedankenübergänge.
  • Dreigliedrige Versfüße stehen für Verhältnisse zu äußeren Gedanken.
  • Viergliedrige Versfüße stehen für Entwicklungen von Verhältnissen zu äußeren Gedanken.
Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an.

Open the gates
and let o | pportunity
wash the pillars | away.

Shut the gates
and let | audacity
take their place.

Also Choriambos, Palimbakcheios, Podios, Paion 1, Iambos, Kretikos, Spondeios, Choriambos, Kretikos.

O-pen the gates / au-da-ci-ty. Choriambos, Versfußcharakter gutherzig bis spöttisch auffordend, Vorschlag Offerte.

and let o-. Palimbakcheios, Versfußcharakter überleitend, nachdrücklich, bei der Hand nehmend, zwangsläufig, Vorschlag Einlauf.

pportunity. Podios, Versfußcharakter zwangsläufig, überheblich, gelangweilt, spöttisch, hinweisend, Vorschlag Aufzeig.

wash the pillars. Paion 1, Versfußcharakter wuchtig, verheerend, Schlag in den Magen, Vorschlag Anschlag.

Halten wir addierend fest.

Choreios. Aufschluß.
Kretikos. Konfrontation.
Palimbakcheios. Einlauf.

Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
großer Ionikos. Geleit.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.

Und machen wir weiter.

Wünsch! | Und er gibt es | heraus,
Wünsch! | Und sie nimmt | es auf.
Sie sind | wie Plagen,
nur schwer | zu ertragen.
Wieso sie sich | verschenken?
keiner | kann's sich denken!
Wären sie | bloß hohl!
jeder | fühlte sich wohl.

Also soweit Paion 3, Iambos, Bakcheios, Spondeios, Spondeios, Palimbakcheios, Spondeios, Paion 3, Epitritos, Molossos, Trochaios, Dispondeios, Anapaistos, Spondeios, Trochaios, Karikos.

Und er gibt es / zu ertragen. Paion 3, Versfußcharakter plötzliche Erhebung, flaues Gefühl im Magen, wie wenn man mit dem Auto zu schnell über einen kleinen Hügel fährt, Vorschlag Schluckauf.

Und sie nimmt. Bakcheios, Versfußcharakter entweichend fortschreitend, Vorschlag Auslauf.

Wieso sie sich. Epitritos, Versfußcharakter wiederholend, nachsetzend, Vorschlag Wiederholung.

verschenken. Molossos, Versfußcharakter einhämmernd, nachdrücklich, Vorschlag Nachdruck.

kann's sich denken. Dispondeios, Versfußcharakter stetig, ruhig, Vorschlag Konstanz.

Wären sie. Anapaistos, Versfußcharakter vorstellend, auf etwas führend, Vorschlag Tusch.

fühlte sich wohl. Karikos, Versfußcharakter beharrlich, anknüpfend, fortführend, Vorschlag Fortführung.

Und zusammengefaßt festgehalten.

Choreios. Aufschluß.
Anapaistos. Tusch.
Bakcheios. Auslauf.
Kretikos. Konfrontation.
Palimbakcheios. Einlauf.
Molossos. Nachdruck.

Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
Paion 3. Schluckauf.
großer Ionikos. Geleit.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Epitritos. Wiederholung.
Karikos. Fortführung.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.
Dispondeios. Konstanz.

Fehlen also nur noch acht Versfüße. Zwei davon finden sich hier.

Sie wittern | Listen
und müssen sich | rüsten.

Daktylos, Pyrrhichios, Choriambos, Pyrrhichios.

Anmerkung. Listen und rüsten werden im Tempo von Sie, und und sich gesprochen, so gesehen handelt es sich in beiden Fällen um einen Spondeios, aber der Charakter ist ein anderer. Da es sich um einen freien Vers handelt, behaupte ich, daß sich das Tempo an den entsprechenden Stellen halbiert.

Sie wittern. Daktylos, Versfußcharakter flüchtend, verdrängend, beschließend, Vorschlag Bann.

Listen / rüsten. Pyrrhichios, Versfußcharakter durchgehend, sammelnd, Vorschlag Bund.

Die zweigliedrigen Versfüße wären damit vollständig erkannt.

Pyrrhichios. Bund.
Trochaios. Abschied.
Iambos. Einhalt.
Spondeios. Schleppe.

Und der letzte dreigliedrige folgt hier.

Ich darf | nicht hassen,  | was ist,
oder mein Haß | trifft mich.
Was in Zy | keln läuft,
kehrt stets | zu sich zurück.
Ich selber | atme ein | und aus,
und gleich | lieb' ich Muße | und Pflicht.
Der Gang | der eig' | nen Glieder ist's,
dies beides zu | durchschreiten.
Und wer sich | so gestraft sieht,
der will sich | selber brechen.

Spondeios, Amphibrachys, Iambos, Karikos, Spondeios, Anapaistos, Spondeios, Spondeios, Diiambos, Palimbakcheios, Kretikos, Spondeios, Spondeios, Monogenes, Spondeios, Iambos, Iambos, Diiambos, Paion 2, Bakcheios, Palimbakcheios, Karikos, Palimbakcheios, Ditrochaios.

nicht hassen. Amphibrachys, Versfußcharakter isolierend, schmeckend, Vorschlag Probe.

zu sich zurück / nen Glieder ist's. Diiambos, Versfußcharakter durchschüttelnd, zurückwerfend, Vorschlag Anker.

Damit sind die dreigliedrigen Versfüße wie folgt gegeben.

Choreios. Aufschluß.
Daktylos. Bann.
Amphibrachys. Probe.
Anapaistos. Tusch.
Bakcheios. Auslauf.
Kretikos. Konfrontation.
Palimbakcheios. Einlauf.
Molossos. Nachdruck.

Und von den viergliedrigen haben wir bisher diese zwölf.

Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
Paion 3. Schluckauf.
großer Ionikos. Geleit.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Diiambos. Anker.
Epitritos. Wiederholung.
Karikos. Fortführung.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.
Dispondeios. Konstanz.

Bleiben noch vier, indes können wir schon einmal den Hexameter betrachten. Nach dem Vorigen besteht er ausschließlich aus Schleppen und Bännen und eventuell an seinem Ende noch aus einem Abschied.

Ist das episch? Ich werde mich mal dran versuchen.

Viel steht | beim Wetten | zu ver | lierren ich | wünscht das | Haus wär
heut noch | mein wie | einst in | unbeschwer | ten Ta | gen da
es noch | nicht dem | Zinker | im Zwang | gegeben | zum Pfand.

Tick-tack-tick-tack-tick-tack-tick-tack. Viel bleibt von der Bedeutung der Versfüße nicht übrig. Der Hexameter ist ein Korsett, dessen Funktion darin besteht, die Rede marschieren zu lassen. Die akzentuierenden Nachbildungen sind albern: Statt Hypnose liefern sie Gespreiztheit. Aber ich möchte den hypnotischen Aspekt hier nicht weiterverfolgen.

Zurück zu den letzten vier viergliedrigen Versfüßen. Ein Beispiel für den Prokeleusmatikos ist durch die Phrase einer von uns gegeben. Der Versfußcharakter ist prosaisch, frei sprechend, Vorschlag Schwall.

Und wo wir das gerade am Wickel haben, Prosa besteht ausschließlich aus Bünden, Aufschlüssen und Schwällen, sowie einsilbigen Hervorhebungen. Das heißt, das Wesen der Poesie besteht gerade darin, einsilbige Hervorhebungen nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil von Versfüßen.

Als Beispiel für den Paion 4 sei Wenn aber nicht / du zu mir sprichst gegeben, wessen Versfußcharakter festhaltend, feststellend ist. Vorschlag Fazit.

Als Beispiel für den Antispastos sei zumal Träume gegeben, wessen Verfußcharakter vorüberziehend ist. Vorschlag Transit.

Als Beispiel für den kleinen Ionikos sei fällt es auch schwer gegeben, wessen Versfußcharakter angeschoben ist. Vorschlag Anstoß.

Und somit sind die viergliedrigen Versfüße wie folgt gegeben.

Prokeleusmatikos. Schwall.
Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
Paion 3. Schluckauf.
Paion 4. Fazit.
großer Ionikos. Geleit.
Antispastos. Transit.
Kleiner Ionikos. Anstoß.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Diiambos. Anker.
Epitritos. Wiederholung.
Karikos. Fortführung.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.
Dispondeios. Konstanz.

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21. Juni 2014

Es ist soweit

Wenn Opfer verplant werden,
kein Sehender die eignen Schritte lenkt,
dem Mut durch Hü und Hott die Bahn vorgezeichnet wird,
verbraucht das Bezeugte seine Zeugen.

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20. Juni 2014

Vom Fortschreiten und Zurücksetzen der drei Zykeln

Nach den jüngsten Betrachtungen sollte ich meine Ansichten zu diesem Thema auf den aktuellen Stand bringen.

Das Fortschreiten eines Zykels durch transzendente Akte bedeutet, daß eine Entwicklung über die Grenzen des möglich Scheinenden hinaus fortgesetzt wird. Das Zurücksetzen eines Zykels durch transzendente Akte bedeutet, daß eine neue Entwicklung beginnt, wo es nicht möglich schien.

Die Not wirft die Frage nach dem Wert des eigenen Überlebens auf und die Demut die nach den Grenzen dessen, wovor man sich verneigt. Ersteres führt zur Fortsetzung der eigenen Entwicklung, letzteres zu neuen Gelegenheiten für sich auf gleiche Weise Verneigende. Ersteres betrifft die Qualität des Lebens und letzteres die Quantität.

Wir vertrauen der Natur, und sie zeigt sich vielseitiger als menschliche Vorkehrung. Wir vertrauen dem Schicksal, und es zeigt sich bedachter als menschliche Umsicht. Wir vertrauen dem Geist, und er zeigt sich stimmiger als menschliche Logik.

Dies sind die Geschenke eines neuen Anfangs. Aber was heißt das für den Glaubenszykel?

Am Anfang steht die Freude am Geist, für den Einzelnen der Empfang des Versprechens, das Herrliche zu erkennen, also der Glaube an das Herrliche als solches, für die Gemeinschaft die Freude an Mitbeseelten.

Ich glaube aber nicht, daß sich jemand, welcher dieses Versprechen empfing, jemals über einen Mitbeseelten freuen können wird, da ihm seine Verantwortung das verleidet. Die beseelt werdende Gemeinschaft kann also nicht der Herrlichkeit als solcher begegnen, sondern muß sie in konkreter Form kennen lernen.

Egal aber, ob nun die Herrlichkeit als solche oder konkret begegnet, in der freiwilligen Unterwerfung unter sie liegt der den persönlichen Glauben zurücksetzende transzendente Akt.

Indes, wie groß ist der Unterschied zwischen der Demut vor der an sich bestehenden Herrlichkeit und der konkreten?

Wer im Umstand der Erkennbarkeit des Herrlichen Trost findet, dessen Demut gilt dem, was den in ihm angelegten Horizont ausfüllt, während es im anderen Falle das ist, was ihn konkret anfüllt.

Letzteres ist bekannt, aber nur ein Teil. Die Demut hingegen vor beiden kann wohl mit Recht von derselben Art genannt werden, in sofern es auch unmöglich ist, daß jemand, welcher im allgemeinen Sinne demütig ist, es dann im entsprechenden Falle konkret nicht wäre.

Allerdings ist diese Demut für ihn dann nicht mehr freiwillig, sondern folgerichtig und kann entsprechend für ihn auch kein transzendenter Akt mehr sein.

Was ich hingegen von Parmenides und Dike schrieb, vom Reichtum der ihre Gefühle kennenden und gegenseitig anerkennenden Menschen, beschreibt jene, welche sich konkreter Herrlichkeit freiwillig unterwarfen, und zwar deswegen, weil sich die Griechen mit ihrem Götterhimmel Anbetungsobjekte konkreter Art geschaffen haben.

Ein Glaubenszykel kann sich hingegen nur vollziehen, wenn auf allgemeine Art angebetet wird, da der Glaube sich nur dann über seine Vorbilder hinaus entwickeln kann. Andererseits kann er sich aber auch nur dann vollziehen, wenn auf konkrete Art angebetet wird, weil nur das Gemeinschaft stiftet.

Jeder setzt dabei für sich persönlich zurück. Er selbst wird aber nur durch eine allgemeine persönliche Zurücksetzung zurückgesetzt, an welche sich eine verdrängende konkrete Anbetung, oder Tradierung, anschließt, aus welcher heraus er in seine zweite Phase treten kann.

In dieser zweiten Phase ist eine neuerliche Verdrängung ausgeschlossen, da sie von Natur aus inklusiv ist, also unterschiedliche Vorstellungen mit einander verschmilzt. Erst dadurch, daß in der dritten Phase die in der menschlichen Natur angelegte Herrlichkeit verkörpert werden soll, verwirrt, entzweit und verdunkelt sie sich zuletzt.

Und also wird eine neue Tradierung möglich. Allerdings, es ist nicht richtig, daß sich die erste Phase eines Glaubenszykels nur über die Lebensspanne des Glaubensstifters erstreckt. Der Übergang ist unschärfer, die dritte Phase hört irgendwann auf, während die Verkörperung der angelegten Herrlichkeit durch das Bemühen, ihre Verdunkelung zu überwinden und sie von Neuem klar zu fassen, abgelöst wird. Und erst, wenn dieser Vorgang genügend weit fortgeschritten ist, wird Anbetung konkreter Art wieder möglich, und damit der Eintritt in die zweite Phase.

Und was die fortschreitenden transzendenten Akte in einem Glaubenszykel betrifft, sie können nur in diesem Vorlauf innerhalb seiner ersten Phase andere gemeinschaftliche Voraussetzungen schaffen, andernfalls bleiben sie persönliche Geistesänderungen in der Vita von Gewährsmännern.

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19. Juni 2014

Von der dreifaltigen Dienerschaft

Ich bleibe noch beim Wesentlichen, Mächtigen und Schönen. Schon vor längerer Zeit meinte ich, daß alles Wesentliche im Leben transzendente Akte sind. Nun stellt es sich so dar, daß es genauer gesagt die fortschreitenden transzendenten Akte sind, welche das Wesentliche ausmachen, während die zurücksetzenden in der Akzeptanz des Mächtigen bestehen.

Das Bild am Ende des letzten Beitrags zeigt Koura, wie er seinen aus seinem Blut geschaffenen Späher empfängt. Wahrscheinlich unbeabsichtigt drückt sich in ihm zugleich die Frage aus, was er da bloß erschaffen hat.

Darin liegt die dem Wesentlichen eigene Sichtweise. Der Mensch erschafft zwar nichts, aber er läßt Dinge dadurch werden, daß er die Bereitschaft zeigt, sie aufzunehmen. Und vor dieser eigenen Offenheit stehend stellt sich uns die Frage, was wir uns öffnen.

Das nämlich ist der Dienst im Wesentlichen, daß wir Dinge werden lassen, angefangen wahrscheinlich schon mit Einsichten, wohingegen der Dienst im Mächtigen ist, Dinge sein zu lassen, und der Dienst im Schönen, Dinge zu wirken.

Zu lassen bedeutet hier recht eigentlich Gott zu lassen. Wer wirkt, der sucht, empfängt und drückt Inspiration aus. Wer läßt, der achtet seine Wirkmöglichkeiten gering und nimmt Zuflucht in etwas anderem, entweder in etwas bereits Bestehendem oder in etwas Unbestimmtem, was erst noch entsteht.

Die eigenen Wirkmöglichkeiten gering zu achten ist stets der Verzweiflung nahe, aber wenn man sich an etwas Bestehendes hält, so weiß man doch wenigstens, was man von ihm zu erwarten hat, weshalb dazu Ehrfurcht genügt.

Diese beiden Formen des Dienstes, zu lassen, bedeuten also verzweifelt zu verachten und ehrfürchtig lieb zu haben. Es wäre absurd, einzelne Menschen zu Dienern ausschließlich eines Dienstes zu erklären, denn das hieße, daß sie unterschiedslos verachteten oder lieb hätten. Und doch ist es natürlich so, daß einem selbst das eigene Schicksal in der Form bewußt ist, daß man die Dringlichkeit spürt, auf diese oder jene Weise zu dienen.

Man spürt die Notwendigkeit des Schritts ins Unbekannte, die Demut vor dem Bestehenden, und sie lenken einen, ebenso wie es die Erhabenheit des Schönen tut.

Diese Gefühle sind also die dienstreizenden, schicksalsbestimmenden, Verzweiflung, Ehrfurcht und Überheblichkeit die diensttragenden und Auslieferung, Unterwerfung und Langeweile die dienstbegleitenden, wobei Langeweile freilich ein untätiger Modus ist.

Tätig begleitet den Dienst am Schönen kein eigenes Gefühl, es ist dann schlicht die Sorge, wie bei jeder vernünftigen, aktiven Tat. Diese drei, Sorge, Zuversicht, Genuß, kann man deswegen nicht dem Dienst im Schönen zuschreiben, weil sie dem Seelenheil dienen, mit anderen Worten der Einfalt des dreifaltigen Dienstes.

Und wo wir dies gerade im Detail betrachten, selbstverständlich reden wir an dieser Stelle von freiwilliger Unterwerfung, Ehrfurcht und Demut. Die Unterscheidung in Stimmungen und Regungen, welche ich im verlinkten Beitrag vorgenommen habe, ist an dieser Stelle nur bedingt sinnvoll. Das gilt auch für Langeweile, Überheblichkeit und Erhabenheit im Dienst des Schönen, allesamt Ausdruck der mutwilligen Kreativität, welcher der Dienst im Schönen ist.

Und umgekehrt, was Auslieferung, Verzweiflung und Not betrifft, diese könnten auch Regungen sein, also nicht im Dienst im Wesentlichen stehen.

Anders ausgedrückt sollten diese neun Gefühle einer eigenen Klasse angehören, den freiwilligen Regungen, meinetwegen, also Regungen, welche auch freiwillig sein können, das heißt logisch abhängig von einem Vorsatz, allerdings, sonst machte das Ganze ja keinen Sinn, abhängig von einem gemeinsamen Vorsatz zu dienen oder meinetwegen auch, sich seinem Schicksal zu stellen.

Und auf diese Weise hält sich jeder in einem jeden Augenblick für einen Diener in einem dieser drei Dienste, wiewohl sich der von Augenblick zu Augenblick ändern wird.

Der Wunsch der Heutigen, die Welt in ihren Händen zu halten, im Schönen zu dienen, ist dabei insgesamt gesehen im Übermaße ausgeprägt, und muß es auch sein, denn die Welt zu lassen setzt voraus, an Gott zu glauben.

Wenn wir verzweifelt verachten oder ehrfürchtig lieben, dann stiftet oder bekräftigt Gott, wobei sich sein Wille so oder so vollzieht, wir dabei aber die Wahl haben, durch unser jeweiliges Zulassen Aspekte dieses Willens selber zu erfahren, während er ansonsten an uns vorbei geht.

Was wir an eigenem Wirken abtreten, das wird uns an seinem Wirken zuteil.

Ob wir uns dabei hierhin oder dorthin neigen, hängt davon ab, ob das Bestehende das Wirken zu tragen vermag oder nicht.

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17. Juni 2014

Hierarchien

Oder auch Formen der Unterordnung.

Ich war im vorletzten Beitrag zugegebenermaßen etwas faul, als ich den Spruch Ein Hamburger kniet vor niemandem! schlicht als Ausdruck der Selbstbehauptung gelesen hatte.

Subsidiarität ist ein Ideal, aber eines, welches auch autoritär verfaßte Gemeinwesen für sich reklamieren können. Bestimmte Dinge sind einem halt so selbstverständlich, daß man sie zumeist nicht bewußt sieht. Und mir ist die spezifisch hamburgische Haltung zu Hierarchie so selbstverständlich, daß ich in jenem Beitrag nicht an sie gedacht habe. Und auch dieser Beitrag verdankt sich einer anderen Betrachtung, welche erst in ihrem Verlauf auf den Hamburger Fall zurückführte.

Doch bevor ich zu ihr komme, möchte ich noch dies anmerken. Ich habe zu keiner Zeit in meinem Leben auch nur einen Gedanken an die heutigen Verfassungen und ihre Begründungen verschwendet. Das betrifft die französische und die amerikanische genauso, wie die der ehemaligen Sowjetunion, des Dritten Reichs oder davor des Deutschen Kaiserreichs. Ich wußte stets, also schon mit 5 Jahren, daß es mit all dem nicht weit her sein kann, da die Menschen, welche mich umgaben, entweder keine politische Ideale besaßen, oder solche, welche mit all diesen Verfassungen nichts zu tun haben, genauer gesagt spezifisch hamburgische, auf welche ich weiter unten zu sprechen komme.

Wenn ich sage, daß Menschen keine politischen Ideale haben, dann meine ich damit, daß sie blind politischen Autoritäten gehorchen.

Blind zu gehorchen ist dabei dasselbe, wie keine Forderungen an denjenigen zu stellen, welcher befiehlt.

Und deshalb bedeutet es, keine politischen Ideale zu besitzen.

Wie war das im alten Griechenland?

Genauso?

Nun, wahrscheinlich nicht. Aber bevor wir darüber spekulieren können, wie es dort gewesen sein könnte, müssen wir zunächst einmal besser verstehen, warum blinder Gehorsam verbreitet ist.

Ich behaupte folgendes.

Blinder Gehorsam entspringt dem unreflektierten Wettbewerb, also einem Ringen um Posten, bei welchem schließlich niemand sagen kann, welche Qualität diejenige war, welche für den Erfolg ausschlaggebend war.

Denn, wenn dies niemand sagen kann, so kann auch niemand einen Beleg für die Eignung zur Autorität einfordern, weshalb der Gehorsam notgedrungen blind sein muß.

Ich behaupte weiterhin.

Die Entscheidung, unreflektiert um Posten zu ringen, ist untrennbar mit der Hingabe an das Schöne, im Gegensatz zur Hingabe an das Mächtige oder das Wesentliche, siehe Das Wesentliche, das Mächtige und das Schöne, verbunden, denn diese bedeutet ja gerade, unreflektiert den eigenen Vorteil zu suchen.

Folglich steht zu vermuten, daß die Alternativen zu blindem Gehorsam mit der Hingabe an das Mächtige und der Hingabe an das Wesentliche zusammenhängen sollten.

Und bei den Griechen war es nun so, daß sie sich dem Anschein nach dem Mächtigen hingegeben haben, siehe Gedanken zum Gegensatz zwischen Menschensohn und Götterhimmel.

Das heißt aber, daß ein Grieche Trost und Freude empfand, wenn er daran dachte, daß andere Griechen, genau wie er selbst, sich ihren Gefühlen auf den als göttlich anerkannten Bahnen hingaben. Und wenn einer darin ein Großer war, also etwa besonders kühn, so wäre er ihm deswegen gerne gefolgt, weil sich die eigene Kühnheit über einen solchen Mit- und Vorstreiter gefreut hätte.

Und so ist es ja mit vielen Gefühlen. Bin ich neugierig, freue ich mich über andere, welche ebenfalls neugierig sind. Liebe oder hasse ich etwas, so freue ich mich über Weitere, welche ebenso empfinden.

Und daraus ergibt sich also ein Gehorsam, welcher nicht blind ist, sondern genau im Auge hat, was er am Befehlenden schätzt.

Und was die Hingabe an das Wesentliche angeht, da kommen wir schließlich zum hamburgischen Fall. Die Hingabe an das Wesentliche bedeutet ja, die eigenen Besitztümer gering zu achten, und sich auf das zu konzentrieren, was einem fehlt, nicht zum Genuß, sondern zum Überleben. Mit anderen Worten besteht die Hingabe an das Wesentliche darin, keine Gründe zu verzweifeln zu übersehen.

Was aber heißt das für den Gehorsam?

Nun, es heißt dies. Da die Gesellschaft sich darin einig ist, daß es am wichtigsten ist, Gründe zu verzweifeln zu finden, wird sie dann und nur dann einem Befehl gehorchen, wenn ihr dargelegt wird, daß es notwendig ist, ihn zu befolgen, um nicht zu verzweifeln.

Mit anderen Worten ist es einer solchen Gesellschaft ziemlich egal, was passiert, solange dadurch kein Grund zu verzweifeln geschaffen wird, denn das ist nicht erlaubt: Man darf nur verzweifeln, wenn man nichts gegen die Lage tun kann. Man darf nur beten, wenn man muß. Man darf Gott, seinen Herrn, nicht versuchen.

Am ehrlichsten wäre es wohl zu sagen: Man scheut die Anwendung von Magie, weil Gott einen Preis dafür fordert, wenn sie unnötig ist.

Magie ist natürlich etwas unpräzise, aber das Bild des bösen Zauberers, welcher jedes Mal altert, eine Narbe erhält oder schlimmeres, wenn er wieder einen Zauberspruch aufsagt, ist ein gutes. Das ist letztlich das, was hinter dem Ganzen steht.

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15. Juni 2014

Ein erster Überblick über das Denken

Mag sein, daß Gott meinen Stoßseufzer von heute morgen gehört hat, denn gnädigerweise habe ich jetzt doch einen ersten Überblick über die Fakten des Denkens gewonnen.

Die Grobgliederung des Denkens in Anschauung, Verstand und Vernunft ist in sofern verbesserungswürdig, als dabei die Bildung von synthetischen Eindrücken im Logos vernachlässigt wird.

Möchte man letzteren aber in sie einfügen, so ist er unter den Verstand zu bringen.

Der Logos ist dabei ein Enthaltendes, welches sich selbst gestaltet. Das heißt, wir müssen ihn einmal als Agens betrachten und einmal als Produkt. Als Agens studieren wir ihn bei logischer Abhängigkeit. Wenn wir etwas verwirklichen, uns besinnen oder ein Thema wechseln, so beschreibt dasjenige, von welchem das Produkt logisch abhängt, den logischen Akt, welcher es werden ließ. Zusammen mit demjenigen, von welchem es zeitlich abhängt, ergibt sich somit das funktionale Verständnis des Logos.

Dieser Logos also verbindet Eindrücke, und unser Verstand erkennt dabei die Rollen, welche sie spielen. Man könnte sagen, die verschiedenen Komponenten eines synthetischen Eindrucks lösen sie unterscheidende Anklänge im Verstand aus. Diese Anklänge sind dabei entweder prognostisch oder verstehend. In ersterem Fall gesellt sich zu einem Eindruck ein zweiter, welchen wir in seiner zeitlichen Abfolge erwarten, in letzterem die Erscheinungsweise, auf welche er uns erscheint.

Und was den Menschen nun vom Tier unterscheidet ist, daß wir wissen, daß diese Anklänge anklingen. Also daß unser Logos diese Anklänge wiederum einfängt und wir sie auf neuerliche Weise verstehen können, nämlich als Anklänge, Erscheinungen oder Erwartungen, welchen Vorgang wir Reflexion nennen und der Vernunft zuschreiben.

Mit anderen Worten kennt der Mensch seinen Verstand, weiß, daß er einen hat. Ein Tier mag allenfalls wissen, daß es einen Logos besitzt, und weiß es wohl auch, wenn es denn stimmt, daß Affen wissen, daß sie traurig sind, wenn sie traurig sind. Ein solcher Affe identifizierte sich mit seinem Logos, wenn er (in Zeichensprache) sagte, daß er traurig sei. Auch die Griechen kannten diese Identifizierung, wenn sie sagten, daß jemand im Geiste ergrimmt sei und dergleichen mehr. Entscheidend ist, daß es hierbei genügt dasjenige festzuhalten, was im Geist liegt, ohne dabei ein Anklingen als solches zur Sprache zu bringen.

Nun ist es allerdings so, daß, wenn ein Grieche sagt, daß etwas im Geiste sei, dieses auch im Geiste sein können muß, wie etwa Grimm, Trauer, Glückseligkeit und dergleichen mehr. Armut hingegen ist kein Gefühl, liegt also nicht im Geist, sondern beschreibt ihn. Deshalb kann der Satz
Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι, ὅτι αὐτῶν ἐστιν βασιλεία τῶν οὐρανῶν.
nur mit
Im Geiste glückselig gemacht sind die Armen, daß ihrer ist das Himmelreich.
übersetzt werden, oder meinetwegen auch
Glückselig gemachten Gemüts sind die Armen, daß ihrer ist das Himmelreich.
Das Tier also mag sich mit seinem Gemüt identifizieren können, der Mensch kann sich mit seinem Verständnis und seiner Erwartung identifizieren, wobei das Gemüt natürlich nicht gleichbedeutend mit dem Logos ist, doch in den hier vorliegenden Beispielen stets gemeint.

Falls sich jemand fragt, was ich bedeutet, so ist die Antwort: Nichts. Es ist schlicht eine bequeme Sprechweise. Statt In meinem Gemüt liegt Trauer. wird Ich bin traurig. gesagt. Und natürlich braucht man da auch das Possessivpronomen nicht. Im Gemüt liegt Trauer. ist ein eindeutiger Befund. Es gibt ja nur eines. Was die anderen betrifft, das sind reine Zuschreibungen, Annahmen, Theorien letztlich.

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Fürchtet euch nicht!

Ich fühle mich einstweilen immer noch erschöpft und ziemlich leer. Die Dinge verlieren ihren Reiz, wenn sie aufhören, Gegenstand der Untersuchung zu sein und beginnen Fakten zu werden.

Deshalb kann ich hier vielleicht etwas zu der Frage schreiben, worüber es sich zu schreiben lohnt und worüber nicht.

Jede Dummheit, welche begangen wird, hat ihren Grund darin, daß etwas übersehen wird.

Wer Dummheiten bekämpfen will, muß also versuchen, den Menschen einen Horizont zu geben, in welchem sie immer gleich eine ganze Menge mitsehen. Eine ganze Menge wesentlicher Dinge.

Zu dem Zweck erzählen sich Gestimmte / Suchende seit alters her Geschichten. Sie sammeln Gleichnisse, Sprichwörter, Fabeln, Märchen und auch bekennende Zeugnisse, insbesondere religiöser Art, um sich einen Horizont zu geben, in welchem sie genug vom Leben überblicken, um nicht ständig Dummheiten zu begehen.

Es ist dies ein individueller Ansatz, die natürliche Herangehensweise an das Problem der Zivilisierung von Leuten, welche zumeist unorganisiert sind und auch nichts mit Organisationen am Hut haben.

Sie bedenken bei sich, was weise ist, und warum. Und dann suchen sie, ihre gewonnenen Einsichten in Form von Bildern, Sprüchen und Erzählungen verschiedener Art zu kommunizieren, hoffend, daß auf diese Weise manche Dummheit künftig unterbleiben wird.

Das ist kein Masterplan. Es ist genau das Gegenteil davon, Stückwerk, hier ein bißchen und da ein bißchen.

Platon knüpft daran an, wenn er im Gewande von Erzählungen Denktechniken lehrt, nämlich Dialog, das Sammeln und Verbinden von Verhältnissen, in welchen ein Gegenstand steht, und Dialektik, die Abgrenzung verwandter Begriffe von einander.

Er geht also einen Schritt weiter, indem er der Suche nach Einsichten Methoden gibt, denn die Einigung auf bestimmte Methoden stellt schon eine Form der Organisiertheit dar, Methoden sind bereits primitive Institutionen.

Ich selbst habe die Technik der Dialektik verwendet, um mein Zeugnis an's Licht zu bringen. Neue Methoden habe ich nicht zu lehren. Allerdings habe ich die von Hegel verursachte Begriffsverwirrung bezüglich Dialog und Dialektik ausgeräumt. Dia bedeutet auch nicht zwei, sondern durch. Der Begriff entspringt also nicht dem Zählen der Sprechenden à la Monolog, Dilog, Trilog, Tetralog, Pentalog und so weiter.

Die höheren wissenschaftlichen Institutionen beginnen hingegen mit Aristoteles. Die Standardisierung von Modellen, die Beschreibung von Experimenten und so weiter.

Da kann schon vieles falsch gemacht werden, indem der Praxis halber vieles verdeckt wird. Zugleich läßt sich so aber schnell Fahrt aufnehmen. Wenn man so will ein Beispiel für das Wetten auf eine Ressource, von welchem ich im letzten Beitrag sprach, nur halt im geistigen Bereich.

Aber auch wenn ich die dialektische Methode, die Abgrenzung verwandter Begriffe von einander, verwendet habe, so ist das eigene Zeugnis selbstverständlich nie ein technischer Akt, sondern letztlich der Inspiration geschuldet.

Gut, das ist der individuelle Bereich, und die Anfänge des organisierten habe ich auch sichtbar gemacht. Aber was immer der organisierte Bereich auch Großes zu leisten vermag, auf die Dummheit des Einzelnen nimmt er keinen Einfluß. Alles, was er diesbezüglich ausrichten kann, ist, dafür zu sorgen, daß sich die Dummheit der Einzelnen nicht auswirkt, beispielsweise indem er die Dummen von Entscheidungsstellen fernhält, oder auch indem er die Dummen wie Hunde abrichtet, damit sie von ihrer Entscheidungsfreiheit keinen Gebrauch machen.

Dies ist nicht mein Geschäft. Ich könnte jeden Tag etliches schreiben, um der Abrichtung entgegenzuwirken, welche den Menschen Tag für Tag zu Teil wird, um sie dazu zu bringen, auf der ihnen vorgezeichneten Bahn voranzuschreiten.

Teil dieser Abrichtung ist umgekehrte Dialektik. Nicht werden verwandte Begriffe von einander geschieden, sondern reichlich unverwandte Begriffe mit einander identifiziert. Wo dies Statt hat, kann der Betroffene nicht mehr widerspruchsfrei denken, und ist entsprechend eher geneigt, schlicht das zu tun, was von ihm erwartet wird.

Ein Beispiel einer solchen Identifizierung wird zur Zeit durch die Begriffe Souveränität und Xenophobie gegeben. Es stimmt schon, daß man seine Souveränität schätzt, weil man xenophob ist, aber dasselbe bedeuten die beiden nicht. Und xenophob ist dabei auch im weitesten Sinne zu verstehen: Man traut letztlich niemandem außer sich selbst so ganz.

Das ganze läuft also darauf hinaus, den Gedanken zu tabuisieren, daß man selbst besser wissen könnte, was gut für einen ist, als andere.

Es ist unverschämt und kaum verhohlen. Und Teil der täglichen Propaganda.

Nun, die Zeiten sind so. Soll man gegen Windmühlen kämpfen? Oder versuchen, einen Weg aus dem Schlamassel aufzuzeigen?

Man wird nicht klüger, indem man gegen Windmühlen kämpft. Und es kostet einen viel Leben.

Allerdings, weil es gar so laut und unverschämt im Lande tönt, auch noch diese Klarstellung.

Ein Ideal ist etwas, was sich teilen läßt, ohne weniger zu werden. Genauer gesagt eine Haltung, welche man um ihrer selbst Willen annimmt.

Nehmen Weitere die selbe Haltung an, so wird dies, im Falle eines Ideals jedenfalls, begrüßt.

Aber für unsere Zwecke hier genügt die erste Feststellung.

Wird Macht weniger, wenn man sie teilt?

Ja.

Also ist Macht kein Ideal.

Wird Freiheit weniger, wenn man sie teilt?

Ja.

Also ist Freiheit kein Ideal.

Ist die Beziehung zwischen erstem und zweitem Beispiel zufällig?

Nein, denn Freiheit ist die Macht, welche ich augenblicklich habe.

Bei Macht muß man immer etwas vorsichtig sein, was damit gemeint ist. Im letzten Beitrag nannte ich sie das zeitlich Mögliche. Dieses besteht darin, was zu einer bestimmten Zeit verwirklicht werden kann.

Damit ist aber nicht gemeint, daß diese Verwirklichung im selben Augenblick stattfinden muß. Ebensowenig, wie damit gemeint war, daß diese Verwirklichung irgendwann einmal herbeigeführt sein wird, denn das war ja das Mögliche schlechthin.

Es gibt also zeitlich bedingte Unterschiede zwischen Freiheit, Macht und dem Möglichen. Freiheit ist, was jetzt in diesem Moment werden kann, Macht, was im Rahmen eines Auftrags werden kann und das Mögliche, was jenseits dieser beiden werden kann.

Und es ist so, daß, was zeitlich näher liegt, immer vom zeitlich ferneren zehrt. Die Freiheit zehrt von der Macht, daher das Motiv, sich zu benehmen, und die Macht zehrt, wie im letzten Beitrag beschrieben, vom Möglichen.

Oder, um diesen Sachverhalt nicht komplizierter zu machen als er ist: Man kann einen Kuchen nicht essen und ihn behalten.

Darum geht es hier aber gar nicht.

Es wäre obszön, wenn sich einer hinstellte, und sagte: Unsere Macht ist uns das Höchste!

Dabei ist das weit zivilisierter, ernster und tiefer, als wenn sich einer hinstellt und sagt: Unsere Freiheit ist uns das Höchste!

Freilich, wo letzteres seit alters her gesagt wird, in Hamburg etwa, ist damit keineswegs die augenblickliche Macht gemeint, sondern die Macht selbst.

Und warum auch nicht?

Nur, dieses anzuerkennen, setzt bestimmte Urteile voraus.

Handelt es sich bei folgendem Spruch um ein Ideal?

Ein Hamburger kniet vor niemandem!

Durchaus. Das ist eine Haltung, welche um ihrer selbst Willen angenommen wird und bei der man sich (als Hamburger) darüber freut, wenn sie auch noch andere (Hamburger) annehmen.

Was dahinter steht, ist die Einsicht, daß man selbst am besten weiß, was gut für einen ist, und daß man erwartet, daß Hamburg groß genug ist, um hinreichend komplexe Aufgaben eigenständig bewältigen zu können.

Also, um auf den Kern der Sache zu kommen, Subsidiarität ist ein Ideal.

Aber Subsidiarität ist nicht die Freiheit des Einzelnen, sondern seine freiwillige, das heißt einverständliche Einbindung.

Und dann ist es natürlich so, daß jeder, welcher mit anderen zusammen einen durch irgendwelche Ideale bestimmten Rahmen gefunden hat, dessen Teil er gerne ist, sich auch wünscht, daß dieser Rahmen mächtig sei.

Daran ist nichts anstößig.

Anstößig ist nicht die Macht als ein absolutes Ding, sondern die Unfähigkeit, sie höheren Prinzipien unterzuordnen.

Nur heute ist es halt so, daß dies das gemeine Volk nichts anzugehen hat, da es zu dumm sei.

Allerdings, der Sinn von Idealen besteht darin, freiwillig zu geben.

Und nur das Volk kann geben.

Eliten nehmen.

Immer.

Mit anderen Worten, wenn das Volk keinen Idealen folgt, dann auch niemand sonst.

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12. Juni 2014

Zum Fortschrittsglauben

Der Fortschrittsglaube besteht darin zu glauben, daß es immer besser wird.

Ich vertrete eine zyklische Sicht, verschiedene Aspekte betreffend. Eine Bewertung der Gesamtlage scheint mir sinnlos.

Aber warum nicht einmal die Welt aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachten?

Fragen wir uns also einmal ganz grundsätzlich, was das Hingehen der Zeit für eine Kreatur bedeutet, welche ihre Schritte mit Blick auf die Zukunft wählt.

Aus ihrer Sicht heraus ist am Anfang alles möglich, aber noch nichts getan. Es geht ihr um Macht, und diese hat organisatorische Voraussetzungen. Der Prozeß der Zurüstung zur Erlangung von Macht stellt sich ihr als eine Erschließung des Raumes des Möglichen dar, welche darin besteht, Mögliches in Tatsächliches zu überführen.

Das Mögliche in dieser Betrachtung ist ein grundsätzliches, überzeitliches. Das zeitlich Mögliche ist die Macht. Das grundsätzlich Mögliche wird also eingeschränkt, indem es auf bestimmte Voraussetzungen festgelegt wird, um das zeitlich Mögliche zu vergrößern.

Die Beziehung zwischen dieser Festlegung, also der Erschließung des Möglichen, und der Macht heiße Induktion, Erschließungszustände induzieren Macht.

Nicht selten ist es bisher passiert, daß Gesellschaften sich dadurch Macht erkauft haben, daß sie sich von gesellschaftsunabhängigen Ressourcen abhängig gemacht haben, also Ressourcen, deren Vorhandensein für jeden einzelnen in keiner logischen Beziehung zum Zustand der Gesellschaft steht. Gibt es eine solche Beziehung, so wird sie von der Voraussicht der Gesellschaft bei der Änderung ihres Zustandes berücksichtigt werden, gibt es sie hingegen nicht, besteht die Versuchung, die Zukunft so zu nehmen, wie sie kommt.

Mit anderen Worten besteht die Versuchung zu wetten, und wer beständig wettet, verliert irgendwann: die Ressource steht nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung und die Organisation zerbricht.

Die Zinspolitik der FED und ihrer Vasallen zielt genau darauf, dies zu verhindern. Unternehmer können wetten soviel sie wollen, dadurch, daß genug Investitionskapital zur Verfügung steht, können jederzeit alternative Organisationen hochgezogen werden. Mit anderen Worten berücksichtigt unsere Gesellschaft die Macht, sich selbst zum Zwecke der Aufrechterhaltung ihrer Versorgung mit den für sie notwendigen Gütern umstrukturieren zu können.

Die Last wird von den Arbeitern getragen, welche sowohl im Rahmen der heutigen Versorgung arbeiten, als auch im Rahmen möglicher morgiger.

Diese Verfahrensweise ist offensichtlich vernünftig. Die Frage hier ist aber, ob sie den Fortschrittsglauben rechtfertigt.

Wird dadurch die Gesamtlage immer besser?

Wenn man voraussetzt, daß der Mensch von Natur aus mit dem Menschen kooperiert, schon. Es sei denn, irgendein unausgleichbares Unglück apokalyptischen Ausmaßes träte ein. Andernfalls aber hielte man genug in der Reserve, um etwaige Fehltritte wettzumachen. Der Friede bliebe bewahrt, und mit ihm die errungene Macht.

Wenn der Mensch aber nicht von Natur aus mit dem Menschen kooperiert, so liegt im Anwachsen seiner Macht zugleich ein Anwachsen seiner Gefährdung. Alles was einem möglich ist, kann möglicherweise auch gegen einen verwendet werden.

Was das aber heißt ist dies. Bestehende Organisationen werden nicht deshalb ersetzt, weil sie nicht mehr funktionieren, sondern weil sie als nicht verläßlich genug eingeschätzt werden. Doch je verläßlicher sie dadurch für den einen werden, desto unverläßlicher werden sie dadurch für den anderen.

Und die Tendenz dabei ist aufgrund der anwachsenden Macht die, daß die Dringlichkeit der Ersetzung zunimmt. Dringlichere Ersetzungen aber werden teurer erkauft. Und so setzt ein Prozeß ein, welcher scheinbar ohne Not die vorhandene Macht aufzehrt und möglicherweise erst in Folge dessen den gesellschaftlichen Frieden. Aber es ist auch denkbar, daß derselbe schlagartig im Rahmen einer speziellen Ersetzung zerbricht.

Ist also der Mensch des Menschen Wolf, scheint eine Verbesserung einer auf materieller Macht basierenden Gesamtlage schließlich nicht mehr wahrscheinlich, ohne daß ich darin tatsächlich eine Gesamtlage sähe.

Dem Menschen geht es nur gut, wenn er weiß, daß er das Maß aller Dinge ist.
Das ist das göttliche Versprechen.
Wer es ausschlägt, wählt den Tod.

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9. Juni 2014

So, das war's wohl!

Ich war zwischenzeitlich ziemlich fertig, wie wenn man mit nur drei Fingern an der Felswand hängt und keine Trittmöglichkeit findet.

Gut, da hing ich nicht. Ich konnte jederzeit zu Bett gehen und mich ausschlafen. Aber das hat das Gefühl, mit jedem Beitrag weniger zu verstehen, nicht erträglicher gemacht.

Aber jetzt sollte ich sämtliche Grundlagen gelegt haben, sämtliche Verwirrungen und die größeren Beliebigkeiten ausgeräumt, sämtliche Fragen beantwortet.

Zuletzt kam Δσ,μ, und damit die Arithmetik. Von A bis Z und von Z bis A zurück.

Gut, das Vorstellen und Erinnern ist noch nicht vollständig erfaßt, sondern nur im Rahmen des Nötigen, aber ich beschließe den Lagebericht hiermit. Er ist lang genug geworden.

Der Herr hat die Gedanken der Weisen verwirrt, und er entwirrt sie auch. Was sein soll, wird sein. Etwas anderes läßt sich ruhigen Herzens eh nicht glauben.

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6. Juni 2014

Zur Formalisierung des Denkens: Ein Lagebericht

Bewußtes Denken stellt eine zeitlich-logische Erweiterung derart dar, daß Teile bestehender Wahrnehmungen als vorangehende Vergangenheit ihnen zeitlich folgenden Wahrnehmungen beigefügt werden oder als logische Begründung entweder einer bereits zuvor bestanden habenden Wahrnehmung oder einer auf sie folgenden.

Die beigefügten Teile hängen dabei davon ab, was in der Ausgangswahrnehmung erfaßt war. Bei reinen Anschauungen ist es eine mehr oder minder klare Erinnerung des anschaulichen Eindrucks, bei Thematisierungen ist es das zuletzt Thematisierte in unveränderter Form, und bei Einsichten gehen wir von einer der vollständigen Thematisierung ihrer Erscheinungen äquivalenten Reflexion aus.

Das zeitlich Vorangehende heiße das Verwaltete (τ).

Das logisch Vorangehende heiße das Waltendeχ).

Und das sich Ergebende heiße das Gewaltete(χ)).

Das Denken selbst heiße entsprechend auch Walten, und dieses Walten zerfällt in folgende Oberarten.

1. Das Spezifizieren, bestehend aus:
  • dem Spezifizierten (τ)
  • der Spezifikation (φ)
Dieser Art sind die Thematisierungen und die Einsichten. Hierbei folgt auf eine Wahrnehmung zeitlich eine logisch reichere Wahrnehmung, ohne daß es dafür eine logische Begründung gäbe.

Genauer gesagt handelt es sich bei Thematisierungen [a1, ..., an] um Synthesen von Themen a1, ..., an, ausgenommen n = 1, aber auch dann bezeichnet [a1] die nämliche Thematisierung, und bei Einsichten um Mengen von Synthesen der Form [ai, γ/ε], wobei γ und ε auf einander bezügliche Erscheinungsweisen sind.

Diese können selbst als Thematisierungen verstanden werden und auch neuerlich thematisiert werden. Und umgekehrt gibt es verschiedene Einsichtsvermögen über Thematisierungen, nämlich Δο,λ, Δσ,μ und Δα,α, sofern es sich in letzterem Fall um Erscheinungen handelt, wobei Δσ,μ wie folgt definiert ist.
σ (σύνθεσις) die vollständige Thematisierung
μ (μέρος) sämtliche ihrer zu einander disjunkten Teile
Aufgrund dieser Bedingungen ist μ gegebenenfalls, also wenn der Teil nicht schon gleich das Ganze ist, zu sich selbst antipodisch.

Das Wahrnehmungsvermögen, in welchem wir Thematisierungen wahrnehmen, bezeichnen wir als Logos (Λ). Falls [ai, γ/ε] ein Eindruck von Δγ,ε ist, so offenbar auch in Λ. Die Einsicht ist mehr als die bloße Unterordnung verschiedener Eindrücke unter einen synthetischen, sie ordnet zugleich verschiedene synthetische Eindrücke einander bei.

Im Gegensatz zu Thematisierungen besteht zwischen anschaulichen Themen nicht das Verhältnis Δσ,μ, sondern das nahe verwandte Verhältnis ΔΥ,Ι, wobei
Υ das Abgedeckte
Ι die zusammen Abdeckenden
Der Gedanke hinter dieser Bezeichnung ist graphischer Natur: Wenn man zwei Ιs ungefähr in der Mitte in einander entgegengesetze Richtungen knickt und sie über einander legt, so decken sie das Υ ab. Man muß hier auf die Disjunktheit verzichten, weil Kontinua keine disjunkten homogenen Zerlegungen erlauben.

Dieses Verhältnis spielt eine besondere Rolle bei der Korrektur unwillkürlicher Thematisierungen anschaulicher Gegenstände. Wenn wir etwa zwei Baumstämme a, b sehen und denken, es sind zwei Bäume, dann aber sehen, daß sie doch unten mit einander verwachsen sind, so drücken wir mit Hilfe des Verhältnisses ΔΥ,Ι die Vereinigung der beiden Baumstämme aus und benutzen diese, um auf das Vereinigte antipodisch hinzuweisen, siehe dazu 5) das Führen:
[a, Ι0], [b, Ι0], [a, Υ1], [b, Υ2],
wobei das Antipodische ein weiteres Ι ist, falls Υ angegeben ist, und Υ ohne weitere Ιs sonst. Entsprechendes gilt für Δσ,μ.

Abschließend muß ich noch auf einen sehr gewöhnlichen Fall der Thematisierung zu sprechen kommen, welcher indes technisch gesehen komplex ist, nämlich der zeitlich offenen Thematisierung, daß heißt der Thematisierung eines Gegenstandes samt seiner Geschichte.

Wenn wir etwa einem Bekannten begegnen, so thematisieren wir gleich alles mit, was er zuvor getan hat. Und im Falle von Zwillingen mag es dabei wieder nötig werden zu korrigieren. Ach, das warst du gar nicht? Da wir in dem Fall aber keine kontinuierliche Anschauung haben, stützen wir uns also auf Δσ,μ, um den unerwünschten Abschnitt loszuwerden.

Dieser Fall ist indes in sofern anders gelagert, als diese Korrektur eine bleibende Wirkung hat. Der Grund dafür liegt darin, daß sich dabei unsere Erwartung ändert und die unwillkürliche Thematisierung der Erwartung folgt, genauer gesagt spekuliert sie, nimmt auf Erwartetes Bezug, siehe dazu 7).

2. Das Unterteilen, bestehend aus:
  • dem Unterteilten (τ)
  • dem Unterteilendenχ)
  • dem Gesondertenχ)
Dieser Art sind die Verwirklichungen, aber Wahrnehmungen können auch passiv durch die emotionale Reaktion auf ihren Verlauf unterteilt werden, etwa durch das leichte Erschrecken jedes Mal, wenn man ein Geräusch hört.

Ein weiteres passives Unterteilendes ist das Erkennen von etwas Erwartetem (im Falle des Unerwarteten wäre es nicht das Erkennen, sondern die Überraschung), wobei alle passiven Unterteilungen zugleich in sofern Spezifikationen sind, als daß der Auslöser des Unterteilenden in ihrem Rahmen thematisiert wird.

3. Das Zeitigen, bestehend aus:
  • dem Zeitigenden ([Λ, τ0])
  • dem Gezeitigten ([Δ, φ])
Hierbei handelt es sich um das Eintreten in einen zeitlichen Horizont nach Maßgabe von zu erzielenden Eindrücken, wobei ein zeitlicher Horizont durch die jeweils gerade aktuelle Einsicht in die zeitliche Abfolge zeitlich auf einander folgender Wahrnehmungen gegeben ist.

Wenn wir etwas im Logos vorgestelltes zeitigen, so steht die jeweils aktuelle Einsicht in die zeitliche Abfolge des bereits Gezeitigten im Verhältnis φ der Zeitigung zum Zeitigenden. Dabei wird das als nächstes zu Zeitigende stets erwartet, und wenn etwas anderes als es gezeitigt wird, so bricht die Zeitigung dort mit einem Gefühl der Enttäuschung ab, welche die gerade aktuelle Wahrnehmung überdies unterteilt.

Der Inhalt des Logos besteht wie gesagt aus Thematisierungen, sowohl auf der Grundlage von inner- als auch überzeitlichen Wahrnehmungen, also solchen, welche zeitliche Verhältnisse nicht beziehungsweise doch wahrnehmen. Parallel dazu gibt es aber auch inner- und überzeitliche vorgestellte Thematisierungen im Logos, wobei die innerzeitlichen gegebenenfalls im Rahmen einer logischen Erweiterung erwartet wurden und die überzeitlichen erst noch zu zeitigende zeitliche Erweiterungen beschreiben mögen.

Wenn man beispielsweise auf den richtigen Moment wartet, etwas zu tun, ohne die Richtigkeit genauer zu bedenken, so bewirkt das Gefühl, daß dieser Moment gekommen sei, eine Unterteilung, welche zugleich der vorgestellten und erwarteten Verwirklichung die Tür öffnet. Die eigene Wahrnehmung reißt dabei nicht notwendigerweise ab und ganz bestimmt nicht, wenn im Beispiel Tennis gespielt wird.

Der Logos ist also zu mehreren Thematisierungen neben einander fähig, wobei überzeitliche Wahrnehmungen aufgrund der Endlichkeit ihrer Verhältnisse stets als vollständig thematisiert betrachtet werden können und die vorstellende Thematisierung nur in soweit von Belang ist, als sie nicht spontan geschieht, da im Falle einer spontanen Thematisierung nur ihr Ergebnis zählt, dann aber als Themenwechsel einer spontanen Thematisierung verstanden werden kann, siehe dazu 5) das Führen.

4. Das Prognostizieren, bestehend aus:
  • dem Gegebenen (τ)
  • der Prognose, oder auch der Erwartung ([Π, φ])
Das Prognostizieren ist die überzeitliche Entsprechung der Einsicht und besagt, daß wir erwarten, daß die Prognose zeitlich auf das Gegebene folgt, vermittelt uns also einen Begriff davon, wie sich die Gesetze der zeitlichen Abfolge aus unserer subjektiven Sicht heraus darstellen.

Dabei kann das Gegebene auch eine bloße Vorstellung in Λ sein. Allerdings erwarten wir eine Erwartung nur dann, wenn das Gegebene eine Wahrnehmung in Δ ist. Daher rührt der Unterschied von eigentlichen zu uneigentlichen Erwartungen.

5. Das Führen, bestehend aus:
  • der Ausgangslage (τ)
  • dem Führenden, oder auch dem Hinweis ([Λ, τ0])
  • dem Ziel (φ)
Die Führung ist die innerzeitliche Entsprechung der Zeitigung und die logisch begründete Entsprechung der Spezifikation. Dieser Art sind also die Themenwechsel und Besinnungen, wobei das jeweilige Ziel durch auf es hinweisende vorgestellte Erscheinungen wie folgt bestimmt wird.

Im Falle eines Zielthemas werden Erscheinungen der Art [a, ο], [b, λ], [c, α] als Hinweise im Logos vorgestellt vorgegeben, und im Falle einer Zieleinsicht werden Erscheinungen der Art [a, ν], [b, φ], wobei a, b, c entweder vorgestellte Themen oder wieder vorgestellte Hinweise auf Themen sind.

Formal gesehen ist das Zeitigende ebenfalls ein Hinweis auf eine Einsicht.

Hinweise auf Themen enthalten oftmals Bezüge auf Erwartungen der Art [[Λ, τ0], αi], [[Π, φ], αi], so daß das Zielthema ein solches ist, von welchem wir (zugleich!, vgl. 7 das Spekulieren) etwas bestimmtes erwarten. Das einfachste Beispiel dafür ist der Hinweis auf eine Kugel, aber selbst dieses Beispiel ist noch zu kompliziert, als daß ich es an dieser Stelle angeben möchte.

Falls eine Führung fehlschlagen sollte, sind Ziel und Ausgangslage identisch, aber in dem Falle wird es von der Enttäuschung, daß die erwarteten Hinweise sich in der Form nicht ergeben haben, unterteilt.

Was man daran bereits sieht: Eine Zielthematisierung besteht zumeist nicht nur aus einem Thema - wir können schlicht nicht verhindern, auch noch anderes zu thematisieren, - aber sie besteht nur aus einem Thema, auf welches hingewiesen wurde, mit anderen Worten nur aus einem Zielthema.

Natürlich könnten wir sagen, daß etwaige sonstige Themen Teil anderer Thematisierungen sind - doch dem ist nicht so. Sie sind Teil derselben Thematisierung, aber von ihnen gilt die Einsicht nicht, Ziel zu den vorgestellten Hinweisen zu sein, das heißt, sie haben sich zwar zeitlich aus der Ausgangslage ergeben, aber nicht logisch.

Oder, um es noch auf eine weitere Weise auszudrücken: Es liegt eine Thematisierung vor, welche teils das Ergebnis einer Spezifikation ist und teils das Ergebnis einer Führung.

6. Das Erwägen, bestehend aus:
  • dem Gegebenen (τ)
  • dem Erwogenen ([Λ, τ0])
  • der Erwägung ([Π / ?Π / ΨΠ, φ])
Das Erwägen steht zur Prognose, wie das Besinnen zur Einsicht steht, das Erwogene wird auf die Wahrscheinlichkeit seines zeitlichen Folgens auf das Gegebene überprüft.

Die Angabe des Hinweises φ, um anzuzeigen, daß das vorgestellte Thema Teil der Prognose ist, ist hier obligatorisch, der Hinweis ν auf das Wahrnehmungsvermögen hingegen ausgeschlossen, denn da das Erwägen nicht zeitlich eingebettet ist, also nicht das Verstreichen der Zeit, die Dauer, wahrnimmt, kann es auch nicht unterteilt werden, und entsprechend kennt es auch kein Fehlschlagen, sondern stattdessen ein Offenhalten und ein Ausschließen in Form zweier gesonderter Wahrnehmungsvermögen ?Π und ΨΠ, so daß a priori die Art der angestrebten Wahrnehmung bei der Erwägung unklar bleiben muß.

7. Das Spekulieren, bestehend aus:
  • dem Gegebenen (τ)
  • dem Spekulierenden, oder auch dem Hinweis ([Λ, τ0])
  • der Spekulation ([Π / ?Π / ΨΠ, φ])
Das Spekulieren steht zum Erwägen, wie der Themenwechsel zur Besinnung steht, das Spekulierende weist auf vorgestellte Themen hin, welche wir zum Gegebenen wahlweise erwarten, offenhalten oder ausschließen.

Um letzteres zu tun, verwenden wir [τ, αi], [[[Π, ν], φ], αi], beziehungsweise [τ, αi], [[[?Π, ν], φ], αi] oder [τ, αi], [[[ΨΠ, ν], φ], αi].

Es ist natürlich möglich, daß eine Spekulation nicht gelingt, aber in dem Falle blieben wir sozusagen hängen, bis es uns zu dumm wird. Ein definitives Gefühl, daß sie fehlgeschlagen ist, gibt es jedenfalls nicht.

Freilich, es gibt Spekulationen, welche wir gar nicht erst begännen, weil wir erwarten, daß sie unmöglich sind.

Und um nicht Anlaß zu Mißverständnissen zu geben, sowohl das Erwägen als auch das Spekulieren können gezeitigt werden, wobei es das Spekulieren erlaubt, bedingt zu zeitigen, nämlich durch die Erwartung unter diesen oder jenen Umständen mit dem passenden Schritt zum vorgegebenen Ziel zu kommen.

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