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26. Juni 2011

Nochmals zum Einfluß der vier Geister auf Gesellschaften

Ich habe es mir aus verschiedenen Gründen verkniffen in meiner vorigen Übersicht der Verteilung der vier Geister innerhalb Europas (http://bereitschaftsfront.blogspot.com/2011/06/versuch-der-charakterisierung-der.html) Länder einzeln durchzugehen. Auch nahm ich davon Abstand den Einfluß der Sanguiniker allzu klar zu benennen.

Mit den zuvor verwendeten Bezeichnungen (Ringende, Suchende, Achtende und Versuchende) möchte ich nun folgendes doch näher betrachten.

Der Ringende zeichnet sich dadurch aus, daß sich die Abkopplung seiner Stimmung von der von ihm erlebten Gegenwart, also der Übergang zu einem vergleichsweise losgelösten Gefallen an seiner Haltung, nicht vollzogen hat.

Ohne jetzt zu sehr erklären zu wollen, wie das gemeint ist, denn freilich wird man diese Definition qualifizieren müssen, um nicht Törichtes zu sagen, gebe ich folgendes Beispiel an. Magersucht erklärt sich aus einer gestörten Körperwahrnehmung derart, daß ein de facto dysfunktionaler Körper als besonders trefflich empfunden wird, und zwar aus dem Grunde, daß ein spirituelles Ideal, die Leichtigkeit des lasterlosen Lebens, durch die Gestalt des Physischen wahrgenommen wird.

Eine derartige Störung setzt eine solche Abkopplung der Stimmung voraus, denn nur ein losgelöstes Gefallen kann das unmittelbare Körpergefühl überlagern, oder, anders ausgedrückt, Magersucht kommt nur unter Cholerikern und Melancholikern, nur unter Suchenden, Achtenden und Versuchenden vor, nicht aber unter Sanguinikern.

Dieses Beispiel ist instruktiv, denn es verdeutlicht, um wie vieles flexibler das Interesse der Suchenden, Achtenden und Versuchenden ist als das der Ringenden. Es ist also auch nicht sonderlich gewagt zu behaupten, daß Ringende aufgrund ihrer Verdrahtung der Entwickelung komplexer Gesellschaften im Wege stehen. Es ist vielmehr Korollar ihrer Starrheit. Genauer gesagt bekämpfen Ringende naturgemäß die Beschneidung ihrer Freiheiten, also ihrer Macht, was in Gesellschaften, in welchen ihre mangelnde Bereitschaft, gewisse ihnen unverständliche Ideale zu ehren, in ihrer Stigmatisierung mündet, dazu führt, daß sie sich in gesetzeswidriger Weise gegen diese auflehnen.

Ein Blick auf die entsprechende Karte zeigt, daß sich die Röte in Europa dabei ganz klischeegemäß verteilt. Interessant ist allerdings der Fall der Schweiz' und der Österreichs, denn ihre Werte für die A-Klasse (jeweils 9%), liegen bereits in einem Bereich, welchen man mit erhöhter Kriminalität zu assoziieren geneigt ist. (Daß ein Gentest Hitler dieser Klasse zugewiesen hat, will ich dabei nicht weiter berücksichtigen.) Es muß also davon ausgegangen werden, daß die spezifischen Kulturen der Schweiz' und der Österreichs besonders gut geeignet sind, Sanguiniker in komplexe Gemeinschaften einzubinden.

Nun mag es vielleicht an den Bergen liegen, daß die Leute dort seltener an einander geraten, aber ich halte es für wahrscheinlicher, daß im Falle der Schweiz' die direkte Demokratie und im Falle Österreichs eine gewisse moralische Nachsicht dazu führen, daß sich die ansonsten typischen kriminellen Clans nicht bilden, denn dadurch wird den Ringenden augenscheinlich Raum genug gelassen, um eine Einebnung des gesellschaftlichen Machtgefälles nicht erzwingen zu müssen.

So fair muß man natürlich sein einzugestehen, daß komplexe Gesellschaften in der Regel zu einer Zentralisierung der Macht führen und daß diese nicht unbedingt etwas Gutes ist, so daß auch der Widerstand gegen sie seinen Verdienst hat. Allerdings sind die Möglichkeiten der Ringenden in einer komplexen Gesellschaft Gestaltungsaufgaben zu übernehmen prinzipiell eingeschränkt, da sie einen Großteil der dazu nötigen Motivation nicht besitzen, so daß sie kaum einen positiven Beitrag liefern können, also einen, welcher über die bloße Verhinderung von etwas Negativem hinaus geht. Ich selbst strebe keine Zentralisierung der Macht an, und es scheint naheliegend, daß ein österreichischer Anteil an Ringenden einer meinen Vorstellungen entsprechenden Gesellschaft also keine allzu spürbaren Probleme bereiten würde, allerdings sehe ich persönlich auch wenig Nutzen, welchen er brächte.

Generell haben die vier Geister garantierende Funktionen, die Ringenden garantieren das Gleichgewicht der Macht, die Suchenden die Universalität des Denkens, die Achtenden die Ordnung und die Versuchenden die Erneuerung. Genauer gesagt tritt diese Garantie als wirkliche Garantie ungefähr ab einem jeweiligen Anteil von 20% an der Geamtbevölkerung ein, mithin wird es ab diesem Punkt einer Gesellschaft unmöglich, diesen Zielen entgegenzuwirken. Mir ist indes keine einzige Gesellschaft auf Erden bekannt, in welcher alle vier Ziele auf diese Weise verbürgt wären.

Es ist sehr interessant zu beobachten, wie die jeweilige Verteilung der vier Geister in einem Land die Verhältnisse dort bestimmt, wobei sie allerdings unterschiedliche Dominanzstrategien verfolgen. Den Ringenden ist es völlig egal, ob sie in der Minderheit sind oder in der Mehrheit, sie verhalten sich grundsätzlich stets auf dieselbe Weise. Dasselbe kann man so auch von den Suchenden sagen, wenngleich ihr Verhalten das genaue Gegenteil dessen der Ringenden ist, nämlich prinzipiell nie irgendetwas entscheiden zu wollen, sondern es statt dessen lieber dem Schicksal zu überlassen. Dahingegen haben die Achtenden ein sehr ausgeprägtes Gespür dafür, ob sie in der Mehrheit sind oder nicht, und wenn sie sich stark genug fühlen, sind sie zu keinerlei Verhandlungen bereit, während sie ansonsten ohne großen Widerstand bereit sind, an sie gestellte Forderungen zu erfüllen. Die Versuchenden schließlich sind aufgrund ihres schwankenden Wesens auf etwas angewiesen, was sie überhaupt als Gruppe zusammenhält, und das ist entweder Druck durch einen anderen Gestaltungswillen oder ein signifikanter Anteil Suchender, welcher ihnen Kontinuität gibt.

Die Versuchenden sind also selten dominant und dort wo sie es sind, sind sie zugleich oftmals ineffektiv, weil ihnen die von den Achtenden herstammende Ordnung fehlt, so daß sie sich mehr in Plänen als in Taten ergehen. Es gibt indessen vier Fälle gestalterischer Beteiligung der Versuchenden an einer Gesellschaft, für welche es historische Beispiele gibt, drei davon sind sogar heutig.

Es gehört zu den interessanten Aspekten der Versuchenden, daß sie bereits ab einem Anteil von 20% bestimmend werden können, und zwar dann, wenn ein autoritärer Staat sie für seine Zwecke einspannt, was er natürlich nur dann tun wird, wenn seine Elite mehrheitlich aus Versuchenden besteht, so daß sich hier so etwas wie ein Kreislauf ohne Anfang ergäbe, wäre da nicht die Möglichkeit, daß ein Staat im Laufe der Zeit andere Staaten übernimmt.

Es gehört also zur Strategie der Versuchenden als Schläfer auf die Gelegenheit zu warten, die Verhältnisse in einem Land grundlegend zu ändern, bis sie ihnen durch äußere Verbündete gegeben wird. Dies war im wesentlichen die Situation der germanischen Völker zu der Zeit, als sie noch zur Formierung fähig waren, wofür das bei weitem jüngste Beispiel das von Preußen geführte Deutsche Reich ist.

Ein anderer interessanter Fall ergibt sich, wenn zwischen Achtenden und Versuchenden ein Patt besteht, was nur möglich ist, wenn die Anteile der Ringenden und Suchenden insignifikant sind, da sich ansonsten Bündnisse bildeten, welche der direkten Verständigung der erstgenannten im Wege stünden. Kommt es also zu einem solchen Patt, wie beispielsweise in Lettland, bildet sich so etwas wie eine wahrhaftige Sozialdemokratie heraus, also eine Gesellschaft, welche sowohl peinlich darauf bedacht ist, die bürgerlichen Rechte einerseits und die soziale Einbindung der Menschen andererseits zu wahren.

Dergleichen Bemühungen in Gesellschaften anderen Zuschnitts muten umso seltsamer an, je vertrauter einem die natürlichen Äußerungen dieses Strebens sind. Es kann niemals sinnvolles Ziel der Politik sein, den sich äußernden Gestaltungswillen der Bevölkerung durch einen anderen zu ersetzen, es sei denn, ihr Wille entspränge einer Selbstdressur, aus welcher sie sich zu befreien suchte, was indes ein reichlich hypothetischer Fall ist, da ein Staat, wenn er solches versuchte, seine Selbstauflösung betriebe.

Selbstverständlich wird das Gegenteil, also die Dressur wider Willen, systembedingt von allen Staaten betrieben, aber dabei spielen Ideale keine Rolle, das ist ein rein technischer Vorgang, welcher seine Berechtigung aus den konkreten Bedürfnissen des Staatswesens bezieht. Wer das mit seinen Idealen vermischt, um die Ideale der Bevölkerung zu ersetzen, wird damit nicht glücklich werden.

Der dritte Fall ist geradezu kurios und ergibt sich, wenn Versuchende und Suchende zusammen unter Führung der Versuchenden, denn andernfalls täten die Suchenden nur das, was sie am liebsten tun, nämlich nichts, ein Patt mit den Achtenden erreichen. In diesem Fall beschränken sich die Versuchenden auf eine Art Vetorecht gegenüber den Achtenden in Fragen, wo sie sich der Zustimmung der Suchenden gewiß sein können, was konkret wohl auf einen Schönheitskult hinauslaufen muß, da in dem Begriff der Schönheit die Zustimmung der Suchenden zu konkreten Entscheidungen geradezu gefaßt ist. Den Achtenden wird also die Bedingung abgepreßt, daß ihre Entscheidungen der Schönheit des Lebens nicht abträglich sein dürfen, wie es zum Beispiel in Estland geschieht.

Die Suchenden bewerten freilich auch ohne Einspannung durch die Versuchenden das Leben danach, ob es schön oder nicht so schön ist, aber danach politisch handeln täten sie auch dann nicht, wenn sie ausschließlich unter sich wären, was sie dann natürlich auch nicht müßten, weil sich eh jeder an diese Richtlinie hielte und nichts Unschönes in die Welt gesetzt würde. Versuche sie politisch einzuspannen gab und gibt es viele, aber im allgemeinen sind sie zum Scheitern verurteilt, was aber nicht heißt, daß sie nicht selbst auf außerpolitischem Wege, insbesondere auf religiösem, eine Gesellschaft bestimmen können, wobei ich hier mit Politik lediglich das Schmieden strategischer Allianzen meine.

Der vierte Fall schließlich ergibt sich daraus, daß sowohl Suchende und Achtende in signifikantem Maße vorhanden sind, die Versuchenden aber mit Abstand die größte Gruppe bilden. Dieses ist die einzige Bevölkerungszusammensetzung, in welcher sich der Charakter der Versuchenden in einer nicht autoritären Gesellschaft zeigen kann, denn nur dann können sie überhaupt als Gruppe bestehen, bleibende Verhältnisse schaffen und ihre Vorstellungen politisch durchsetzen. Ihre Vorstellungen sind indes launisch und ihre Werke eklektisch, die Konsequenz, mit welcher sie ihre Umwelt umkrempeln, ist hingegen äußerst bedeutungsvoll für das Schicksal der betroffenen Gemeinschaft. Dieses ist heute in Rußland so.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß die Ausbreitung der indogermanischen Sprachen mit der Ausbreitung der Versuchenden zusammenfällt, wobei es häufig, und insbesondere in Griechenland und Indien, zu dem zuerst betrachteten Fall der Übernahme eines Staates gekommen ist, möglicherweise sogar mit Rückgriff auf Schläfer, welche in einer Minderheitsherrschaft über eine Mehrheit Suchender mündete, was eine kulturell sehr fruchtbare Kombination gewesen zu sein scheint, und, der Plausibilität nach, auch gewesen sein muß, wobei der autoritäre Charakter des Staatwesens die Notwendigkeit Achtender zur Aufrechterhaltung der Ordnung ersetzt haben mag und wäre es in religiöser Form wie in Indien geschehen. Zuletzt hat sich solches wahrscheinlich mit der Übernahme der Macht durch die Merowinger in Frankreich zugetragen.

Das Zusammenspiel zwischen Suchenden und Versuchenden ist dabei immer zweiseitig, die Suchenden ändern die Gedankenwelt der Versuchenden und die Versuchenden die Lebenswelt der Suchenden. Dabei können sich indes, wie das Beispiel Indiens zeigt, langfristig auch Zustände ergeben, welche beiden Seiten so nicht mehr gefallen, was meines Erachtens aus zu großer Beschneidung der suchenden Seite resultiert, in Indien wohl des Fehlens Achtender wegen.

So sinnvoll ein solches Geschehen aber auch gewesen sein mag, heute läßt es sich nicht mehr wiederholen. Die heutige politische Lage zeigt aber auch, daß günstige Verbindungen der unterschiedlichen Geister auch heute noch in einem gewissen Häufigkeitenspektrum der unterschiedlichen Klassen möglich sind, letztlich im gesamten Bereich S>20%, A>20%, V+S>A, V>min(S,A), wobei die letzte Bedingung regional auch durch V>20% ersetzt werden darf, so lange es ein Bewußtsein der Zugehörigkeit zu einem größeren politischen Körper gibt, in welchem die schärfere Bedingung gilt. (Natürlich kann man auch noch weitere begründete lokale Ausnahmen erlauben, doch nicht ohne Anschauung des Einzelfalls.)

Abschließend möchte ich noch den Fall Japans betrachten, wo es ein Patt zwischen Ringenden und Achtenden gibt. Auch dies ist eine ziemlich kuriose Situation, welche hingegen deutlich zeigt, wie staatstragend die Achtenden sein können, wenn man sie in ein Patt mit einem politisch aktiven Gegenpart zwingt. Letztlich, so muß man schon sagen, läßt sich alles regeln, wenn die Hälfte der Bevölkerung aus Reglungsfanatikern besteht. Aber natürlich bleiben, gerade bei den japanischen, an die Ringenden angepaßten Regeln, viele Dinge auf der Strecke, welche einem Durchschnittseuropäer heilig sind. Eine Gesellschaft mit R>20%, S>20% und A>40% gibt es nirgendwo auf der Welt, und das ist kein Zufall, sondern folgt aus den inhärenten Interessengegensätzen einer solchen Gemeinschaft. Frankreich sollte das umgehend bedenken, denn es steuert geraden Wegs auf eine solche Zusammensetzung zu.

Ich schätze, es wäre durchaus sinnvoll, die Zusammensetzungsbereiche abzustecken, in welchen es überhaupt menschliche Gemeinschaften gibt und ihr Wesen zu beschreiben, wie ich es bisher nur für Europa gemacht habe und nicht übermäßig gut, wie ich im Vergleich des jetzt und des zuvor Geschriebenen feststellen muß, wenngleich vielleicht brauchbar genug, um zu erahnen, was einen jeweils erwartet, aber ich muß dieses Unterfangen jedenfalls auf später verschieben, wenn ich es überhaupt angehen werde, denn es liegt durchaus nicht in meinem Interesse herauszufinden, was schlichtweg unmöglich ist, mir genügt es schon zu wissen, was mir im Rahmen des Möglichen erstrebenswert erscheint, und diesen Bereich habe ich beleuchtet.

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24. Juni 2011

Platonische Ideen, Geister und Gesellschaftsdressuren

Ich wage an dieser Stelle zu behaupten, daß platonische Ideen gerade jene sich in der Natur ausdrückenden Prinzipien sind, welche sich transzendent bejahen oder verneinen lassen. Man mag sie auch die Wege der Natur oder die Bausteine Gottes nennen. Vielleicht ist diese Auffassung um einen Deut deutlicher als es Schopenhauers Objektivationen sind, in der Sache sollte sie sich nicht wesentlich von seiner unterscheiden.

Da ich selbst keineswegs von Schopenhauers Darstellung überzeugt wurde, möchte ich hier kurz erläutern, was mich zu dieser Gleichsetzung bewogen hat. Wenn man Platon liest, wird es hinreichend klar, daß seine Ideen mehr oder weniger Begriffen entsprechen müssen. Andererseits schwärmt Platon aufrichtig für sie, so daß man nicht füglich annehmen kann, daß es sich bei ihnen um beliebige Begriffe handeln würde. Und diese Schwärmerei nun wurde mir bei dem Gedanken an die sich natürlicherweise in den Menschen manifestierenden Geister nachvollziehbar. Diese kann man selbstverständlich begrifflich erfassen, aber sie existieren andererseits auch in genau derselben Abstraktheit im Willen der Menschen. Die Welt ist aus Prinzipien kombiniert, Individualität als solche existiert nicht, eine Kombination mag selten sein, die einzelnen Prinzipien treten an allen Stellen identisch auf.

Daß wir wertschätzen können, was wir nicht selber sind, ist das zentrale Merkmal der Würde des Existierens, und daß wir dabei nicht bei den einzelnen Erscheinungen stehen bleiben müssen, sondern auf die ihnen zu Grunde liegenden Ideen übergehen können, ist das zentrale Merkmal menschlicher Würde. Auf diese Weise ordnet sich die Koexistenz nach ihrer eigenen Maßgabe, wenngleich die abschließend nötige Gewichtung allein aus Gottes Wirken heraus erklärbar ist.

Interessanterweise sieht man aber im Leben der meisten Menschen nicht derartige Prinzipien, jene vier Geister, am Werk, sondern Kunstformen, welche zumeist aus einem Gefühl des geschuldet Seins heraus befolgt werden. Eine Gesellschaft erfaßt intuitiv die Grundlagen ihres Gedeihens und erlegt sie ihren Mitgliedern in der Folge auf. Nachdem dies einmal allgemein akzeptiert wurde, neigen solche Dressuren zur, oftmals sogar irrationalen, Konservativität.

Der Grund, warum wir auf Erden nicht selig den Geistern folgen, welche wir lieben, besteht dabei darin, daß wir dazu neigen, unser Glück zementieren zu wollen und somit oftmals künstlich jene Umstände zu erzwingen bestrebt sind, welche uns ein glücklicher Zufall bescherte. Eine Tendenz, welche durchaus tragisch ist, da wir im Leben nur uns selbst gegenseitig zu fürchten brauchen. Die Überwindung dieses Sicherheitsbedürfnisses kann indes nur dort gelingen, wo sich die Menschen gegenseitig hinreichend schätzen. Wo das indes der Fall ist, sollte man die Gelegenheit ergreifen und ohne Furcht das leben, was man liebt.

Das bedeutet aber natürlich nicht, daß man sich über das Wesen von Dressur und Dressierten Illusionen machen sollte. Jene dulden nur Gehorsam, wo sie stark genug sind, ihn zu erzwingen. Und zumeist dulden sie weit allgemeiner nur ein kindliches Geistesleben, wenngleich nicht in allen Lebensbereichen, so doch in jeweils für wesentlich befundenen.

Es hängt allerdings wiederum vom Einzelfall ab, ob eine solche Unmündigkeit wirklich ein Problem darstellt oder ob die guten Seiten gar überwiegen, denn es gibt durchaus auch Fälle, wo von einer Dressur so nicht die Rede sein kann, sondern vielmehr von einer bloßen Einfriedung gesprochen werden muß. Ob es das eine oder das andere ist, kann man leicht daran erkennen, ob die natürlichen Prinzipien unter den Menschen lebendig sind oder nicht.

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21. Juni 2011

Gesinnung und Geist

Wie ich schon sagte sind Gesinnung und Geist nicht mit einander zu verwechseln. Da ich den jungen Geist aber zuletzt suchend nannte und den alten dem Achtenswerten verbunden, erscheint es freilich so, als hätte ich die beiden als philosophisch und heroisch definiert. Diese Bezeichnungen waren hingegen nur der Prägnanz halber für charakteristische Züge jener Geister gewählt worden. Ich werde im folgenden das Nötige sagen, um die Sache zu entwirren.

Per Definitionem ist der Philosoph jener, welcher sich um sein Verständnis kümmert, der Held jener, welcher sich um seine Disziplin (seine Haltung ausschließlich seines Verständnisses) kümmert und der Händler jener, welcher sich um seinen Besitz kümmert. Wie ich auch schon sagte findet im Laufe der geistigen Reifung zwischen diesen eine gewisse Konvergenz statt, da sie die Wichtigkeit der jeweils anderen Bereiche zu erkennen beginnen. Ursprünglich sind sie aber unterschiedlich motiviert, wobei dieser Unterschied zwischen Philosoph und Held wiederum einer Erwägung der Lebensumstände im Kindesalter entspringt.

Der geistig Junge, also der Suchende, kann selbstverständlich Philosoph sein, und wenig ist dazu zu sagen, er sucht nach Antworten auf dumpf empfundene Fragen. Er kann aber auch Held sein, also aus eigenem Antrieb heraus gefährliche Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen. Damit ist aber wiederum nicht seine Unreife gemeint, also daß er die Antworten auf seine Fragen an falscher Stelle sucht, wie es der Abenteurer tut, sondern der Fall, daß selbst sein unsicheres Wesen gemeinschaftliche Gefährdungen klar erkennt. Das Heldentum der Suchenden ist dabei zugleich schmerzhafter und wuchtiger als das der geistig Älteren.

Der geistig Alte, jetzt der dem Achtenswerten Verpflichtete, kann umgekehrt auch Philosoph sein, wenn er nämlich Mißstände in seinem Verständnis bemerkt, üblicherweise Inkonsistenzen, oder aber in derart gesegneten Verhältnissen lebt, daß ihm nichts anderes zu tun einfällt.

Wie gesagt und nun noch einmal beschrieben handelt es sich beim geistigen Alter um den Grad angeborener Gewißheiten, welcher lediglich bestimmt, wie bald das Heroische aufgegeben und das Philosophische ergriffen wird, je jünger, desto eher, daher eben auch die überragende Bedeutung der dem Achtenswerten Verpflichteten für die staatliche Ordnung. Geistige Reife hingegen verwende ich synonym zu geistigem Horizont.

Es bleiben indes noch die Versuchenden zu betrachten, welche ich bei der vorigen Betrachtung noch nicht als Klasse abgespaltet hatte. Diese neigen auch, ihrem geistigen Alter gemäß, zum Heldentum, allerdings ist ihr Heldentum von deutlich unterschiedener Art, nicht darauf gerichtet, Einrichtungen zu verteidigen, sondern darauf, anderen für erst noch aufkommende Gemeinschaftsaufgaben bereitzustehen. Da dies natürlich immer relevant bleibt, ist ein reines Ausweichen in die Philosophie bei ihnen ausgeschlossen, indes ist ihr Klärungsbedarf aufgrund ihrer schwerer faßbaren Ausrichtung größer, wobei sie allerdings charakteristischerweise theoretischen Schwierigkeiten durch praktische Bescheidenheit aus dem Weg gehen. Ist das Wesen der Philosophie der dem Achtenswerten Verpflichteten oft rechthaberisch, so ist das Wesen ihrer Philosophie in der Regel pragmatisch und flächig.

In der zuvor veröffentlichten Karte steht Grün für Dynamik, Blau für Tiefe und die Sättigung für Ordnung. Es besteht zwischen diesen eine natürliche Symbiose, welche allerdings subjektiv als Feindschaft empfunden werden kann und auch wird. Insbesondere blickt die Ordnung oftmals feindselig auf die Dynamik und mit einer gewissen Geringschätzung auf die Tiefe, die Tiefe wiederum argwöhnisch auf die Ordnung und zwischen Begeisterung und Entsetzen hin- und hergerissen auf die Dynamik und die Dynamik schließlich verständnislos auf die Tiefe, aber bewundernd auf die Ordnung.

Man kann daraus so ziemlich alles ableiten, und es stimmt auch, die Geschichte ist ihm gemäß, zum Beispiel, wo Tiefe und Dynamik kodominieren, regiert die Tiefe die Dynamik wie der Vater das Kind. Gewinnt hingegen die Ordnung Einfluß, setzt sie sich bald selbst auf den Thron, zunächst dienend, schließlich unterdrückend, denn sie leided an sich selbst, nicht individuell (da gerade nicht), sondern im Kollektiv.

All dies sollte einen aber nicht davon abhalten, seine eigene Geistesbejahung zu suchen, also jene Geistesteile, welche man bereit ist, zu Teilen des eigenen Lebens zu machen. Dies mag schwer verständlich sein, schließlich kann man seine eigene Klassenzugehörigkeit ja nicht ändern, aber der Sinn des aus der Welt herausgelösten Bewußtseins besteht gerade darin zu entscheiden, welche Teile der Welt es wieder in sich aufnimmt.

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18. Juni 2011

Von den möglichen Geistern

Die Funktion des Bewußtseins besteht darin, das Bewußte zu bewerten, zu wählen, an welchem man festhält, für welches man auf Gottes Hilfe vertraut.

Nun sind einige dieser Wahlen eher theoretischer Natur, wenngleich zwar möglich, so doch nicht geeignet, danach zu leben. Insbesondere ist die Auflehnung gegen die pflanzlich-tierische Natur von dieser Art. Was ein Mensch hingegen relativ frei wählen kann, ist seine Stellung zum Menschlichen. Je nachdem, wie er sich dort entscheidet, wählt er den Geist, in welchem er lebt.

Es ist nach dem vorherigen angezeigt, das Menschliche in seine dort beobachteten Ausprägungen zu unterteilen, also in die folgenden vier Teile: das Ringende, das Suchende, das Achtenswerte und das Versuchende.

Dabei ist die folgende Grundtendenz zu beobachten. Je mehr Teile bejaht werden, desto distanzierter ist diese Bejahung, je weniger, desto entschiedener, was daran liegt, daß alles Leben Funktion ist und alle Funktion Veränderung des Bestehenden und mithin die Bejahung alles Bestehenden zu Lasten der Lebendigkeit gehen muß.

Nichtsdestotrotz ist die Bejahung alles Bestehenden möglich und lebbar. Anweisungen zu ihr finden sich in den heiligen Schriften der Inder. Insbesondere gehört zu dieser Lebensweise die Isolierung des sexuellen Aktes, ihn also nur für ihn selbst zu nehmen, mit dem Hintergedanken, ihn dadurch auf längere Sicht mit dem Stuhlgang gleichzustellen. Freilich ist dies in reiner Form nur Männern möglich, wenn eine Frau verhütet, bejaht sie nicht mehr unbedingt und wenn sie nicht verhütet, verliert sie die nötige Distanz. (Dieses Dilemma gälte sogar noch für unfruchtbare Frauen, da auch dann von unbedingter Bejahung nicht geredet werden könnte.) Ich erspare mir an dieser Stelle eine Diskussion möglicher Parallelen in der Geschichte der katholischen Kirche.

Das genaue Gegenteil davon, im oben abgesteckten Rahmen, ist auch möglich und, wenn auch sehr erbärmlich, lebbar, nämlich die Verneinung alles Menschlichen. Einserseits wird ein solcher Art Begeisterter zu Dingen getrieben werden, welche niemandem sonst in den Sinn gekommen sind, aber andererseits wird er sich selbst stets hassen und in allem anderen unstet sein. Seine Ansprüche an die Sexualität sind unerfüllbar und ein unablässiger Quell der Pein.

Die übrigen Geister liegen dazwischen, und es gibt ihrer viele, 14, um genau zu sein (4+3+2+1+4). Die mag ich nun nicht alle im einzelnen beschreiben, aber so viel doch sagen, daß die Bejahung eines einzigen Teils stets zu einem karikaturhaften Leben führt. Welche Kombination man letztlich für sich wählen sollte, hängt davon ab, welche Kombination einen ausfüllt, wobei auch zu viele bejahte Teile dazu führen können, daß man nicht ausgefüllt ist, wenn einem nämlich die Entschiedenheit fehlt.

Ich persönlich habe mich für die Bejahung des Suchenden, Achtenswerten und Versuchenden entschieden. Die Verneinung des Ringenden beschreibt die Richtung meines Lebens, also daß es zurückhaltend und planvoll ist, ebenso wie die Bejahung der übrigen Teile meine Rücksichten und Sympathien beschreibt.

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15. Juni 2011

Von der Ersatzlosigkeit direkter Verantwortungsübernahme

Das höchste Gut einer Gemeinschaft ist ihre Gestaltungsfähigkeit.

Dieselbe wird stets dadurch bedroht, daß partikulare Ansprüche gegen sie geltend gemacht werden, wobei es weniger ein Problem ist, daß jemand seinen Privatbesitz nicht gesellschaftlichen Zwecken opfern möchte, beispielsweise seinen Acker auch gegen Entschädigung nicht dem Straßenbau zur Verfügung zu stellen bereit ist, dafür aber um so mehr, wenn erworbene Rechte, Lizenzen etwa, oder auch nur die erfolgreiche Anpassung an bestehende Verhältnisse gefährdet erscheinen.

Dieses nun tritt aber immer auf, wenn solche Rechte gewährt werden, oftmals durch bloße Anstellung oder Aufnahme in ein öffentliches Amt, oder auch nur implizit beschlossen wird, sich gebildet habende ökonomische oder politische Verhältnisse bestehen zu lassen.

Aus diesem Grund ist es abzulehnen, daß gesellschaftliche Aufgaben aus der Hand der Menschen selbst genommen werden. In jedem Falle, in welchem dies geschieht, muß es langfristig dazu führen, daß die Ausgestaltung dieser Aufgabe erstarrt. Aber niemand hat das Recht, die Gestalt der Erfüllung gesellschaftlicher Aufgaben festzulegen, außer der Gesellschaft selbst und die Gesellschaft selbst kann es nur, wenn sie nicht durch partikulare Interessen gelähmt wird.

Die Führung eines Staates mag eine Weile im Sinne seiner Bürger handeln, aber selbst wenn die Führung kommunistisch ist und darauf erpicht, die Gestaltungsfähigkeit des Volkes auszubauen, kann sie doch nicht ihre eigene Leiblichkeit aufheben, also die Beschränkungen des Volkes, welche sich aus der von der Partei übernommenen Verantwortung ergibt. Eine solche Regierung sägt zwar nicht den Ast ab, auf welchem sie sitzt, aber sie versucht einen Ast aufzuheben, auf welchem sie steht.

Wenn hingegen Menschen ihre politischen Geschicke direkt bestimmen, kommt es zu einer viel reineren Befolgung des öffentlichen Interesses, als man denken könnte. Es ist der Bürgermeister von Kleinkleckersdorf, welcher verlangt, daß der überregionale Zug auch bei ihm halten möge, die Menschen, welche das Bahnnetz später nutzen wollen, stimmen sicherlich nicht dafür, wobei die Vernunft sogar ganz ungetrübt regierte, wenn niemand Angst um seine wirtschaftliche Existenz hätte und von Natur dem Allgemeinwohl zugeneigt wäre. Es ginge aber auch gegen einigen Widerstand noch gut genug, so lange die gesamtgesellschaftliche Lage diesbezüglich nicht gar zu schlecht wäre.

Wie ich schon sagte, jeder Stand, welcher sich innerhalb einer Gesellschaft zusätzlich bildet, hat partikulare Interessen, welche die Möglichkeiten Gleichgesinnter, ihre eigenen Verhältnisse selbst zu bestimmen, beschneidet. Heute in dem Ausmaß, daß noch nicht einmal mehr ihre Selbstorganisation gelingt. Deshalb wird in der westlichen Zivilisation nichts Interessantes mehr geschehen.

Übrigens, auch wenn es intellektuell nicht wirklich weiterhilft, nur so als Stimmungsfingerzeig, es kann doch keinen größeren Unterschied geben als den zwischen einer Gesellschaft, in welcher die Menschen um Privilegien buhlen oder sich zum Zwecke gemeinsamer Erlangung von Privilegien verschwören und einer Gesellschaft, in welcher jeder versucht, dem anderen von Nutzen zu sein und sich zugleich über jeden Mitmenschen als einen potentiellen Helfer freut.

Es hilft deswegen nicht weiter, weil eine geliebte Stimmung zwar Kraft gibt, aber keine individuelle Kraft groß genug ist, um sich den sich systembedingt anhäufenden Hindernissen in den Weg zu stellen.

Jeder Mensch, welcher es gut meint, sollte wissen, daß sein Erfolg letztlich davon abhängt, daß die Regeln des Spiels, welchem er beitritt, für ihn gemacht sind.

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14. Juni 2011

Eine mögliche Erschließung der rezivilisierbaren Welt

Damit eine Gesellschaft rezivilisierbar sein kann, muß sie erstens, falls sie bereits eine Zivilisation besitzt, bereit sein, diese aufzugeben und zweitens überhaupt dazu bereit sein, eine Zivilisation anzunehmen.

In Anbetracht des Stadiums der Welt einerseits und der zuletzt untersuchten Tendenzunterschiede zwischen den verschiedenen europäischen Völkern andererseits, bleibt da nicht mehr viel übrig.

Ich halte es aber dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen für sinnvoll, einen möglichst anschaulichen Begriff des verbleibenden Möglichen zu gewinnen. Und ich beginne dieses Unterfangen mit einem Logistiknetz für diesen Raum. Man mag an Eisenbahnen denken, wenn man will. Das vermittelt die richtige Stimmung. Allerdings wird die Errichtung eines solchen Logistiknetzes gleich welcher Art dezentral erfolgen müssen, das läßt sich bereits absehen.

Übrigens will ich nicht ganz ausschließen, daß letztlich auch andernorts Veränderungen möglich sind, nur halte ich es persönlich für ausgemacht, daß sie dort erst später folgen können.

Die zehn Maschen des folgenden Netzes könnte man jeweils als Elb Masche, hinterpolnische Masche, baltische Masche, ukrainisch-russische Masche, südukrainische Masche, Schwarzmeer Masche, Schwarzmeer-Volga Masche, Moskau-Volga Masche, Transvolga Masche und Transural Masche bezeichnen.



Direkt erschlossene Ballungsräume und ihre Einwohner.

Oslo (1.900.000)
Göteborg (910.000)
Stockholm (2.100.000)
Kopenhagen (1.180.000)
Hamburg (1.800.000)
Bremen (620.000)
Münster (280.000)
Bochum (1.850.000)
Berlin (3.400.000)
Dresden (750.000)
Prag (1.200.000)
Brünn (370.000)
Ostrava (300.000)
Wien (2.400.000)
Graz (260.000)
Laibach (280.000)
Budapest (1.700.000)
Stettin (400.000)
Danzig (450.000)
Warschau (3.500.000)
Krakau (750.000)
Königsberg (420.000)
Kaunas (350.000)
Vilnius (550.000)
Minsk (1.800.000)
Lemberg (730.000)
Moskau (14.600.000)
Nowgorod (210.000)
St. Petersburg (4.870.000)
Helsinki (1.000.000)
Tallinn (410.000)
Riga (880.000)
Babrujsk (220.000)
Masyr (110.000)
Kiew (3.010.000)
Sumy (290.000)
Belgorod (350.000)
Stary Oskol (220.000)
Kursk (410.000)
Woronesch (840.000)
Lipezk (500.000)
Rjasan (600.000)
Obninsk (110.000)
Kirowohrad (240.000)
Krywyj Rih (630.000)
Mykolajiw (500.000)
Odessa (1.000.000)
Dnipropetrowsk (1.860.000)
Charkiw (4.770.000)
Saporischja (780.000)
Simferopol (360.000)
Sewastopol (380.000)
Noworossijsk (230.000)
Krasnodar (710.000)
Sotschi (340.000)
Rostow am Don (1.050.000)
Donezk (1.100.000)
Schachty (250.000)
Wolgograd (1.010.000)
Astrachan (500.000)
Kamyschin (120.000)
Saratow (830.000)
Tambow (280.000)
Balakowo (200.000)
Samara (1.130.000)
Togliatti (720.000)
Uljanowsk (600.000)
Kasan (1.130.000)
Tscheboksary (440.000)
Nischni Nowgorod (1.270.000)
Dserschinsk (250.000)
Wladimir (340.000)
Orenburg (520.000)
Ufa (1.030.000)
Nabereschnyje Tschelny (510.000)
Nischnekamsk (230.000)
Slatoust (190.000)
Miass (150.000)
Tscheljabinsk (1.090.000)
Jekaterinburg (1.330.000)
Perwouralsk (130.000)
Perm (990.000)
Ischewsk (610.000)

In der Summe bisher 88.680.000 Menschen.

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12. Juni 2011

Versuch der Charakterisierung der europäischen Völker basierend auf der Variation des Y-Chromosoms

Ich hatte die Varianten des Y-Chromosoms bisher in drei Klassen unterteilt, nämlich die ursprüngliche, sanguinische, die der Haplogruppe F zugeordnete, geistig offene und die der Haplogruppe MNOPS zugeordnete, geistig abgeschlossene cholerisch-melancholische.

Die sanguinische Klasse spielt für die Völker Europas nur eine untergeordnete Rolle, welche zwar innerhalb einer Gesellschaft durchaus spürbar ist, aber nicht ihr Wesen bestimmt. Um aber die unterschiedlichen Wesen der Völker Europas angemessen verstehen zu können, muß man noch eine weitere Differenzierung innerhalb der MNOPS-Klasse vornehmen.

Ich behaupte nun, daß sich die Haplogruppe R1a vom Rest der MNOPS Haplogruppen dadurch unterscheidet, daß sich in ihr eine Verschiebung der Ordnungsliebe ins Abstrakte vollzogen hat, also dort eine Metaordnungsliebe vorliegt, welche keine konkrete Ordnung liebt, sondern Ordnungsprinzipien an sich.

Wenn man diese Differenzierung vornimmt, hat man wieder drei für Europa wesentliche Klassen, die F-Klasse, die MNOPS-Klasse und die R1a-Klasse.

Wenn eine Gesellschaft alle drei Klassen zu über 20% enthält, so nenne ich sie ganzheitlich. (Im Falle von Schweden werde ich eine Ausnahme machen, da die Marke dort mit 19% denkbar knapp verfehlt wird. Ich könnte die Grenze natürlich, der wissenschaftlichen Korrektheit halber, auch etwas niedriger ansetzen, doch möchte ich keine krummen Zahlen einführen.)

Ist dies nicht der Fall, unterscheide ich die auftretenden Paare, vorausgesetzt, daß wenigstens zwei Klassen zu über 20% enthalten sind, danach, welcher Partner dominiert. Liegt der stärkere Partner nicht über 50%, so spreche ich von schwacher Dominanz, liegt der schwächere unter 25%, so spreche ich von starker Dominanz. Eine ähnliche Unterscheidung nehme ich auch für die ganzheitlichen Gesellschaften vor, nur daß dort die schwächste Klasse unter 20% liegen muß, damit ich von starker Kodominanz spreche (was, würde ich keine Ausnahmen machen, natürlich überhaupt nicht eintreten könnte) und über 25%, damit ich sie schwach nenne.

Desweiteren beschreibe ich das Wesen der Paarungen zweier Klassen wie folgt.
  • pragmatisch: MNOPS dominiert R1a
  • systematisch: R1a dominiert MNOPS
  • bürgerlich: MNOPS dominiert F
  • bäuerlich: F dominiert MNOPS
  • messianisch: R1a dominiert F
  • harmonisch: F dominiert R1a
Und diese Beschreibungen werde ich auch verwenden, um die ganzheitlichen Gesellschaften näher zu bestimmen, indem ich nämlich das kodominante Paar betrachte. Ich werde mich im folgenden auf Völker beschränken, welche ich erstens gut genug kenne und welche zweitens zum Verständnis der europäischen Situation für mich von Interesse sind. (Was insbesondere Völker ausschließt, welche sich am Wesen anderer Völker orientieren.)

Hier also die Daten.

Estland_____A 2,5%__F 23%___MNOPS 42,5%_R1a 32%

Lettland____A 0,5%__F 9%____MNOPS 50,5%_R1a 40%

Polen_______A 5%____F 22%___MNOPS 16,5%_R1a 56,5%

Rußland_____A 2,5%__F 21%___MNOPS 30,5%_R1a 46%

Finnland____A 1%____F 29%___MNOPS 62,5%_R1a 7,5%

Schweden____A 1%____F 46%___MNOPS 34%___R1a 19%

Norwegen____A 1%____F 38,5%_MNOPS 32,5%_R1a 28%

Dänemark____A 2,5%__F 39,5%_MNOPS 45,5%_R1a 12,5%

Niederlande_A 4,5%__F 35%___MNOPS 54,5%_R1a 6%

Deutschland
Nord-_______A 2,5%__F 33%___MNOPS 41,5%_R1a 23%

Süd-________A 7,5%__F 33,5%_MNOPS 49,5%_R1a 9,5%

Österreich__A 9%____F 41%___MNOPS 24%___R1a 26%

Schweiz_____A 9%____F 33,5%_MNOPS 49,5%_R1a 8%

Italien_____A 11%___F 37,5%_MNOPS 49%___R1a 2,5%

Frankreich__A 7%____F 29,5%_MNOPS 61%___R1a 2,5%

England_____A 2%____F 26%___MNOPS 67,5%_R1a 4,5%

Spanien_____A 7%____F 22%___MNOPS 69%___R1a 2%

Und nachfolgend die Charakterisierung dieser Länder gemäß den zuvor aufgestellten Regeln.
  • Estland; ganzheitlich, pragmatisch kodominiert.
  • Lettland; pragmatisch.
  • Polen; stark messianisch.
  • Rußland; ganzheitlich, systematisch kodominiert.
  • Finnland; bürgerlich.
  • Schweden; ganzheitlich, bäuerlich stark kodominiert.
  • Norwegen; ganzheitlich, bäuerlich schwach kodominiert.
  • Dänemark; schwach bürgerlich.
  • Niederlande; bürgerlich.
  • Norddeutschland; ganzheitlich, bürgerlich kodominiert.
  • Süddeutschland; schwach bürgerlich.
  • Österreich; ganzheitlich, harmonisch kodominiert.
  • Schweiz; schwach bürgerlich.
  • Italien; schwach bürgerlich.
  • Frankreich; bürgerlich.
  • England; bürgerlich.
  • Spanien; stark bürgerlich.
Ich halte diese Einschätzungen persönlich für zutreffend, wobei im Falle Österreichs die harmonische Kodominanz ganze zwei Prozentpunkte vor der bäuerlichen Kodominanz liegt und das natürlich auch zu beachten ist. Was das Cliché von den systematischen Deutschen angeht, so ist dabei zweierlei zu bedenken, nämlich erstens, daß systematisch nicht mit ordentlich zu verwechseln ist, sondern vielmehr den Hang zur Bildung sozialer Systeme bezeichnet und zweitens, daß, sofern Deutschland in diesem Sinne systematisch geprägt ist, diese Prägung historisch von Preußen ausgeht und die Bevölkerung Preußens zur es kulturell geprägt habenden Zeit wohl in etwa aus 40% Norddeutschen, 40% Letten und 20% Polen bestanden haben mag, was in folgender Verteilung resultierte.

Preußen_____A 2,2%__F 21,2%_MNOPS 40,1%_R1a 36,5%

Zwar wäre Preußen damit ganzheitlich, pragmatisch kodominiert, aber von einem besonders starken Ausschlag ins Pragmatische gegenüber dem Systematischen kann keine Rede sein, weniger als vier Prozentpunkte trennen die beiden Alternativen.

Zur besseren Veranschaulichung der Lage hier eine Karte, welche alle vier Klassen farblich darstellt, wobei Rot der A-Klasse, Blau der F-Klasse, Grün der R1a-Klasse und eine nachgeschaltete Sättigungsfiltrierung der MNOPS-Klasse entspricht. Die Farbformel ist nicht gerade perfekt, liefert aber für Europa durchaus brauchbare Ergebnisse, wobei die Farbzuweisungen an die Intuition appellieren und der Sättigungsgrad dem Grad der Staatlichkeit entsprechen sollte, wenn MNOPS denn als Maß der starren Ordnungsliebe taugt. Moldawien ist allerdings aufgrund mangelnder Daten weiß gefärbt und nicht etwa aufgrund des völligen Fehlens von MNOPS.

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3. Juni 2011

Von der ehelichen Beziehung

Ich verwende ehelich hier nur der Prägnanz halber, um Ehen im engeren Sinne geht es nicht, wohl aber um eine der drei elementaren menschlichen Beziehungen, als da wären eben die eheliche, die elterliche und die geschwisterliche. Ein elementares Pendat zur elterlichen gibt es nicht, ansonsten müßte man auch niemandem die Achtung seiner Eltern gebieten, welche sich natürlicherweise daraus ergeben sollte, daß das Kind das Wesen der elterlichen Beziehung nachvollzieht.

Das Wesen der ehelichen Beziehung wird hinreichend klar, wenn man sie neben die geschwisterliche hält. Übernimmt man für das Leben seiner Geschwister Verantwortung? Nein, man bleibt ihnen zwar verbunden, aber diese Verbundenheit ist nicht mehr als ein Austausch von Erfahrungen auf Wegen, welcher jeder Teil für sich alleine bestimmt.

Genau dies ist bei einer ehelichen Beziehung anders, dort übernimmt man Verantwortung für den Weg des Partners. Wie viel Verantwortung man übernimmt, hängt von der Differenz der geistigen Horizonte der Partner ab. Der Partner mit dem höheren geistigen Horizont übernimmt die Verantwortung für die Gestalt der dem anderen unbewußten Bereiche seines Bewußtseins. Jener freilich nur, derer er sich selbst bewußt ist. Daneben, oder, wenn man so will, allgemeiner, übernimmt jeder Partner auch die Verantwortung für das Gelingen des Lebens des anderen auf allen Ebenen, welche ihm bewußt sind. Auf der Vertrauensebene wären das, je nach Gesinnung, Wohlergehen, Frieden und Glück, oder objektiv gesprochen das Heil.

Nun ist es allerdings so, daß es einem Mann wohl vorübergehend gefallen kann, viel Verantwortung für eine Frau zu übernehmen, auf längere Sicht hingegen gefällt es keinem. Deshalb, auch wenn das Wesen der Liebe darin besteht, dem anderen zu seinem Heil zu helfen, muß man die Übernahme leitender Verantwortung auf Gebieten, auf welchen der andere blind ist, für den männlichen Partner davon ausnehmen. Sein Dienst kann nur in der einmaligen Wegräumung eines Hindernisses bestehen, wobei es von seiner Geduld abhängt, wie lange er bereit ist, sich daran zu versuchen.

Der Grund für diesen Mangel besteht natürlich darin, daß kein Mann glaubt, daß seine Frau mehr wert ist als er selbst, weshalb er die Übernahme von Verantwortung für seine Frau früher oder später als tendentiell sinnlose Last empfindet, wobei der Grad ihrer Akzeptanz gerade durch die Bereitschaft, das gemeinsame Leben gelingen zu lassen, gegeben ist. Freilich nur innerhalb jener Bereiche, welche dem Manne bewußt sind.

Eine Frau muß also entweder den gleichen oder einen höheren geistigen Horizont haben als ihr Mann, wenn die Beziehung von Dauer sein soll. Wenn man annimmt, daß die Mutter mehr Einfluß auf die intellektuelle Entwicklung des Kindes hat als der Vater, ist dies so auch sehr zweckmäßig eingerichtet.

Es stellt sich indes die Frage, ob die eheliche Beziehung, abgesehen von ihrem Nutzen durch gegenseitige Hilfe zum Heil und als vorzüglicher Rahmen der elterlichen, noch einen persönlichen psychologischen Vorzug hat, ob man sie um ihrer selbst willen ersehnen kann.

Ich denke schon, daß es so ist. Der Grund dafür besteht darin, daß das Heil des anderen viel deutlicher wahrgenommen wird als das eigene, welches die Sturheit mal hierhin und mal dorthin verschiebt. Interessanterweise macht man sich über das Glück des anderen viel weniger Illusionen als über das eigene. Und durch die eheliche Beziehung verschmilzt dieses Heil mit dem eigenen oder, anders ausgedrückt, gewinnt das eigene Glück weltliche Gestalt.

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