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30. September 2012

Der Zwiespalt des Großinquisitors

Seit einigen Tagen schon plagt mich dieselbe Frage, welche leicht verschleiert im Hintergrund von Dostojewskis Erzählung vom Großinquisitor steht.

Ist das Streben nach einer vollkommeneren Haltung und der damit einhergehenden Aufhellung der eigenen Stimmung nicht übelster Narzißmus?

Was ist das für ein Gut, welches für sich in Anspruch nimmt, gemeinnützig zu sein, aber der Gemeinheit fremd ist und ewig bleibt?

Nun kann man diese Frage in verschiedene Richtungen verfolgen, letztlich geht es dabei aber immer um die rechte Nachfolge und um den Zweifel an der eigenen Wirkung.

Doch bleiben wir zunächst bei der aufgestellten Behauptung, daß die Vervollkommnung der eigenen Haltung nichts für die Gemeinheit ist.

Das stimmt natürlich nur in der hauptberuflichen Zuspitzung, denn nebenbei wirkt die Sorge um sie doch in den Allermeisten, wenngleich auch dort zu unterschiedlichen Graden. Diese Allermeisten aber besitzen nicht die Ruhe, jene stumpfe Klarheit, um die wache Stimmung höher zu schätzen als ihre Träume. Das heißt, sie wollen irren, sie wollen sich etwas vormachen. Und das sind die Besseren, die Schlechteren haben ihren Glauben verloren und hassen ihren Nächsten wie sich selbst.

Größer als der Zweifel, ob das, was man erkannt hat, wahr ist, ist der Zweifel, ob seine Kenntnis vorteilhaft ist. Zum Schluß versteht man die Menschen ja, weiß, durch welche Maßnahmen man sie umgänglich macht, weltliche Maßnahmen allesamt.

Es geht nicht darum, ihnen die Freiheit zu lassen, sich ins Unglück zu stürzen - wer würde das verlangen? - es geht um ihre Verwandlung, ihre Reorganisation. Diese ist nur in Freiheit möglich, diese setzt die Auflösung des Bestehenden voraus.

Offensichtlich ist nur die Notwendigkeit der Entwicklung als solche, nicht jene des einzelnen Entwicklungsschrittes, weshalb sich die Vertreter des Bestehenden von jeher auf das Vertrösten verlegt haben.

Doch wenn sie das Glück auf Erden versprechen, dann übersehen sie, daß ihnen das Leben nicht gehört. Das Leben gehört zur einen Hälfte jedem selbst und zur anderen Gott, der Reorganisation allen Lebens, Dritte haben keine Gewalt über es, nur über seine Äußerungen.

Hätte Jesus das Angebot des Teufels angenommen, so hätte er selbst das Leben erstickt, wäre er untätig geblieben, hätte er andere es ersticken lassen. Die Liebe zum Leben rechtfertigt die Abkehr vom Konsens. Jede Vervollkommnung der eigenen Haltung ist buchstäblich ein Weg zum Leben. Die Welt zwingt uns ihre Gesetze auf, und wir treten ihr in diesen Erforschungen des Lebens entgegen. Der einfache Lebenskünstler forscht nur für sich selbst, der Heilstiftende für alle.

Der Moloch bläht sich noch, wer kennt die Schwelle seines Falls?

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27. September 2012

Zur Historizität bei Spengler

Spengler stellt der ahistorischen Betrachtung der Gegenwart die historische Betrachtung der Vergangenheit und Zukunft gegenüber, ohne einzusehen, daß dieser Gegensatz der Gegensatz zwischen der Betrachtung der Welt als Wille und Vorstellung ist.

Hätte er das eingesehen, so wären viele seiner Konzepte in sich zusammengefallen, deshalb erwähne ich es hier auch.

Wenn wir die Welt betrachten, so fassen wir sie entweder als äußere Einkleidung von uns Gleichem, aber Abgeschiedenem auf oder aber als etwas Fremdes, wobei sich beim Fremden die Frage nach einem subjektiven Kern aufgrund mangelnder Erkenntnis erübrigt.

Es gibt keine weiteren Möglichkeiten, und diese beiden Möglichkeiten sind auch nicht gleichwertig, sondern unterscheiden sich in ihrem Anspruch, die Welt zu erklären. Und wie immer, wo das der Fall ist, üben jene, welche den höheren Anspruch stellen, Druck gegenüber jenen aus, welche, ob nun gewollt oder ungewollt, dazu beitragen könnten, daß sich dieser Anspruch auflöst.

Daher die Sorge der Griechen um die endliche Welt. Das Erschauern in Ansicht der unendlichen Weiten ist exakt das, was die Griechen vermeiden wollten. Wer sich beispielsweise die goldenen Verse des Pythagoras durchliest, findet dort den bedingungslosen Willen sich einem Ideal zu unterwerfen, so lange an seiner Haltung zu feilen, bis man es unerschütterlich verkörpert. Ein Stern am Himmel zu werden, eine mythische Gestalt.

Den Griechen war klar, daß Gedeih und Verderb aus dem Willen der Menschen entspringen, sich die Welt untertan zu machen, ihr die eigenen menschlichen Vorstellungen aufzuprägen. Deshalb steht bei ihnen der Mensch im Zentrum, weil er es ist, welcher alle menschlichen Werke wirkt.

Die zentralen Herausforderungen eines griechischen Lebens bestehen darin, aus sich herauszukommen, sich als Streiter für ein Prinzip zu etablieren und die eigene Zuversicht zu bewahren. Äußerungen einer arischen Kriegerkultur, wobei der zweite Schritt der spezifisch arische ist.

Die ehrfurchtheischenden Naturgewalten, sie sind der erste Feind, das, was es unternimmt, den Menschen auszulöschen, das, wem man unerschrocken entgegentreten muß.

Die Griechen verstanden sehr wohl die Zeit, aber ihre Grundhaltung zu ihrem Dasein, daß sie sich erweisen mußten, strafte sie, indem sie zur Anschauungsform degradiert wurde, überall mit Mißachtung. Das Sein ist nur in der Gegenwart, und die Gegenwart ist nicht in der Zeit, sondern die Zeit ist im Bewußtsein und damit in der Gegenwart.

Natürlich kann man dies betrachten und sagen, daß man auf diese Weise schlicht ein Verständniswerkzeug ausschaltet, aber diese Dämmung hat einen tieferen Sinn, nämlich zu verhindern, daß das grelle Licht der Anschauung der Welt die Erkenntnis der eigenen Seele ausblendet.

Und genau so ist es ja auch gekommen. Keine Zeit betrachtet die Welt in grellerem Licht als die unsere und keine hat die Seele der Menschen mehr vergessen.

Nun gut, wie gesagt stellt sich das bei Spengler nicht so dar. Er ist, man muß es sagen, ja sehr zeitgemäß, gänzlich postmoderner Kulturrelativist, und so etwas wie eine Wahrheit der Seele, welche mal mehr und mal weniger verfolgt und verstanden wird, gibt es für ihn nicht. Deshalb sagt er auch nicht über Schopenhauer, was er über Schopenhauer sagen müßte, nämlich daß Schopenhauer ahistorisch ist und die Geschichte keineswegs in Klassik, Mittelalter und Neuzeit einteilt. Er bringt es irgendwie fertig, Schopenhauer als einen typischen Nordeuropäer darzustellen, welcher einfach keinen Bock hatte, sich mit der Geschichte zu beschäftigen.

Dabei sagt Schopenhauer explizit, daß die Zeit für ihn punktförmig ist.

Und wenn Schopenhauer es unternommen hätte, die Geschichte zu beschreiben, so wäre seine Beschreibung, und das ist nun wirklich offensichtlich, wenn man seine Naturbeschreibung betrachtet, ganz von Spenglers Art gewesen, womit sich auch für Spengler selbst die Frage stellt, welche Seele er nun hat.

Historisch oder ahistorisch? Faustisch oder entelechisch? Spengler scheint nicht ganz zu verstehen, daß es ohne Entelechie keinen Spengler gibt.

Auch wenn er auf Augustinus zu sprechen kommt, fangen die Balken an sich zu biegen. Der habe ein dualistisches Weltbild gehabt, welches, wie er vorher schreibt, in sich ruhe. Nun ja, Augustinus konnte schlecht auf ein Mittelalter bezugnehmen, also tat er es auch nicht, aber es ist Augustinus, welcher die Vorstellung eines linearen geschichtlichen Forschritts im Gegensatz zu einem zyklischen entwickelt hat, und zwar ausgehend von der Unendlichkeit Gottes.

Keine antike Seele also. Und die Inspiration Karls des Großen. Das ist natürlich auch gänzlich wider Spenglers Vorstellung von der Landschaft, welche sich ein Volk züchtet und so weiter. Dabei stimmt es natürlich, daß Landschaften sich Völker züchten, aber die Geschichte ist mehr als das, und es ist auch nicht so, daß es jenseits des mathematischen Denkens irgendwo eine Sphäre gäbe, wo alles ein eigenes Sein besäße, welches es nur für sich hat und welches sich mit dem Sein von anderen nicht überschnitte. Vielmehr ist es so, daß sich unterschiedliche subjektive Welten aus der unterschiedlichen Verbindung verschiedener subjektiver Elemente ergeben, welche sich die Menschen, weitestgehend wenigstens, um nicht zu viel zu sagen, teilen.

Spenglers methodischer Anspruch ist eine Peinlichkeit, nichts anderes als das Eingeständnis, nicht über den zweiten geistigen Horizont hinausgekommen zu sein, Stimmungen kennt er, Begriffe nicht.

Der letzte Punkt ist immer wieder verblüffend, denn auch jene, welche Begriffe nicht kennen, meinen ja, sie verstanden zu haben. Sie vermuten wohl denselben Mechanismus wie bei Namen, also Assoziation, hinter ihrer Existenz, wobei es sozusagen systematische Namen wären oder irgendetwas von der Art. Daß es sich um in der Reflexion erfaßte Beziehungen zwischen Verstandesobjekten handelt ist ihnen nicht klar. Wäre es Spengler klar gewesen, so hätte er von der ihr eigenen Sicht auf die Geschichte Abstand genommen, denn das ist kein Begriff, sondern nur ein Name für die Freiheit zu phantasieren, was Spengler auch reichlich tut, wie ich es im obigen exemplarisch beleuchtet habe, und übrigens auch den Unterschied zu meiner Methode, welche stets nach den Begriffen fragt, welche den gemachten Unterscheidungen zu Grunde liegen.

Das ist keine Definition der Vertreter einer Klasse, sondern lediglich die Auffindung ihres charakteristischen Merkmals, um das an dieser Stelle noch einmal für die weniger Verständigen gesagt zu haben.

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23. September 2012

Das Paarungen Kapitel im jetzigen Licht

Ich beziehe mich auf meinen Beitrag Paarungen vom 14. September 2008 und damit auch auf den Beitrag Enttäuschungen vom 30. September 2008.

Was ich dort beschrieb, das war konkret sexuelles Interesse zwischen Suchenden, das Lenkungsinteresse von Achtenden an Suchenden und schließlich die Wertschätzung eines Menschen aufgrund seiner Verkörperung eines Geistes (Ringender, Suchender, Achtender, Versuchender), welchen man schätzt.

Die Aussagen dort sind aber allgemeiner zu verstehen, es geht letztlich nur um die Art des Interesses an jemand anderem, nicht um dessen konkrete Ausprägung, also um die Frage, welche Art von Interesse eine Ehe begründen sollte. Eine Ehe sollte nicht auf sexuellem Interesse beruhen, und es ist auch fraglich, ob sie auf Lenkungsinteresse beruhen sollte.

Indem ich mich dafür ausspreche, daß eine Ehe auf der Wertschätzung eines Geistes und dessen vorbildlicher Verkörperung beruhen sollte, betone ich die politische Funktion der Ehe als des Kittes, welcher die verschiedenen Geister in einer Gesellschaft im Kleinen verbindet, wodurch eine Idee gesellschaftlichen Zusammenlebens, also etwa die arische, romanische, semitische oder japanisch-tibetische, erst Gestalt gewinnen kann. Ich ordne also das persönliche Glück dem gesellschaftlichen Frieden unter, wahrscheinlich eine Grundtendenz Suchender.

Wenn jemand aufgepaßt hat, wird er jetzt wahrscheinlich höchst unzufrieden mit mir sein, und mich darauf hinweisen wollen, daß die gesellschaftliche Tendenz eines Menschen, also der Geist, welchen er schätzt, doch von seinem Lenkungsinteresse abhängt. Nun, das mag so sein, dennoch macht es einen Unterschied, ob eine Ehe auf der Liebe zu einem Geist als solchem beruht oder auf einem konkret zu einem Menschen empfundenen Lenkungsinteresse, wobei das Eine das Andere nicht ausschließen muß, aber doch jeder bei sich selbst weiß, welcher Aspekt ihn dominiert.

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22. September 2012

Über ein spezielles Problem der Rechtsstiftung

Ich denke, dieses Problem wurde zuerst von Francis Bacon im Kaufmann von Venedig aufgeworfen, aber es scheint mir trotz dieser Prominenz sträflich vernachlässigt.

Die Rede ist vom mißbrauchten gewährten Recht. Natürlich kann man sagen, daß die erste Behandlung dieses Problems sogar noch älter und noch prominenter ist, nämlich die Behandlung von Jesus Christus durch Pontius Pilatus aufgrund vertraglicher Übereinkünfte mit den Juden, aber im Kaufmann von Venedig wird das Problem zum ersten Mal systematisch beleuchtet, während Pilatus zwar tun muß, was er nicht will, hat er doch nur persönliche Gründe, sich den Juden zu beugen, wohingegen der Doge aus Gründen der Rechtssicherheit gezwungen ist, Shylock seinen Willen zu geben.

Ich greife dieses Thema hier auf, weil es ein erstklassiges Argument für die von mir favorisierte Weltordnung beinhaltet, nämlich die Aufteilung der Welt in souveräne Sphären verschiedener Ideen des Zusammenlebens, welche letztlich von ihren jeweiligen religiösen Eliten beherrscht werden und auch durch diese in Verhandlungen mit einander vertreten.

Es ist nämlich so, daß kein Zwang guten Willen ersetzen kann, und man erwarten muß, daß ein Volk, dessen Rechtsempfinden nicht mit einem bestehenden Recht übereinstimmt, versuchen wird, dieses Recht zu mißbrauchen.

Wenn man nun aber eine höchste weltliche Autorität auf Erden hat, welche sämtliche Verträge garantiert, so wird sie ständig aufrecht erhalten müssen, was ihr zutiefst zuwider ist, und nicht jedes Mal wird es ihr gelingen, sich wie der Doge im Kaufmann von Venedig herauszuwinden. Wenn hingegen die Autorität nicht weiter reicht als der Wille zu dem Recht, welches sie verbürgt, wird es weit weniger Mißbrauch geben.

Wer nun einwendet, daß ja auch eine höchste weltliche Autorität lokale Besonderheiten anerkennen kann, den muß ich wieder auf das Beispiel der Entstehung der christlichen Religion verweisen. Etwaige Sonderrechte wurden von bestimmten Körperschaften erstritten und gelten nur für sie. Nun ist es aber das Natürlichste der Welt, daß Körperschaften sich spalten, wie sich die Christen von den Juden abgespalten haben. Und in diesem Fall ist die höchste weltliche Autorität gezwungen, und zwar eben aus Gründen der Rechtssicherheit, eine formal begründete Entscheidung darüber zu treffen, welche Teilkörperschaft den Anspruch auf das Sonderrecht hat, was im Falle des Christentums in die Christenverfolgung mündete.

Dies ist ganz typisch, geradezu unvermeidlich, und die Lehre daraus muß lauten, eben nicht die Verantwortung für das Recht Andersgläubiger zu übernehmen, denn in dem Moment, wo man darauf verzichtet, darf man wieder parteiisch sein. Betrachten wir das freilich sehr hypothetische Beispiel eines Schismas im Islam, in welchem die konservative Seite die Sonderrechte, welche sie gegenüber den Vereinten Nationen erstritten hat, einzig für sich beanspruchte. Es ist nicht schwer zu sehen, in welch groteske Situation dies die Vereinten Nationen brächte. Sie würden jegliche Reformbewegung dazu zwingen, mit einem Mal alle Sonderrechte aufzugeben.

Nicht nur gibt es keinen universellen Glauben und kann es ihn auch nicht geben, es ist auch so, daß jeglicher Versuch, eine universelle rechtliche Autorität zu etablieren, an den Spannungen, welche sie selbst erzeugt, zu Grunde gehen muß.

Alle Rechtsanwälte zu töten war Bacon ein echtes Herzensanliegen, das ist nicht nur so ein Spruch.

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21. September 2012

Unterschiede zwischen meiner zyklischen Betrachtung der Welt und der Spenglers

Wer in Oswald Spenglers Untergang des Abendlandes nachlesen möchte, der kann es hier tun: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte Gestalt und Wirklichkeit.

Der fundamentale Unterschied in der Sinngebung unserer Existenz zwischen mir und Spengler besteht darin, daß Spengler die Welt als Ausdruck betrachtet und ich als Erlebnis, ich also mit anderen Worten den Willen mit der Wahrnehmung verschmelze, sie als untrennbare Teile eines Ganzen betrachte, welche sich gegenseitig begründen, ich will mein Sein, einschließlich meiner Wahrnehmung, und zugleich fließt aus meiner Wahrnehmung neuer Wille. Der Sinn der Existenz ist es, Bewußtsein zu ermöglichen, und der Sinn des Bewußtseins ist es, neuen Willen und damit neue Existenz zu ermöglichen. Wir leben in die Welt hinein und wieder heraus und dabei zugleich aus der Essenz heraus und wieder hinein.

Was an dieser Stelle vielleicht ganz interessant, aber deplatziert klingt, hat in Wahrheit die allergrößte Bedeutung für die Unterschiede zwischen Spenglers und meinen Zykelvorstellungen. Bei mir beginnt der Zykel mit der Konzeptualisierung, bei Spengler steht sie im Zenit. Weil ein neuer Gedanke gefaßt wurde, muß die Organisation der Masse sich ihm anpassen, weil die Masse sich neu organisiert, braucht sie neue Vertreter. Das sind die drei Ebenen der Existenz, wie ich sie betrachte, Prinzipien, Organisationen, Vertreter. Und was Spengler das Altern der Kulturen ist, das ist mir die Vervollkommnung einer Organisation gemäß eines Prinzips, oder, thermodynamisch betrachtet, nichts weiter als der Anstieg der Entropie in einem geschlossenen System (wobei das System, welches wir betrachten, nicht geschlossen ist und entsprechend etwas anderes mit der Entropie geschieht, was sich indes aus dem Anstieg der Entropie in einem geschlossenen System herleiten läßt.) Der Einbruch des Höheren, des Göttlichen, ist die Umkehrung der Zeit, wie Platon sie beschrieb, auf einmal sinkt die Entropie in einem geschlossenen System, was sonst zerfällt, weil die Gewalten der Natur an ihm nagen, fügt sich zusammen. Das ist die Kraft eines neuen Prinzips.

Transzendenz bedeutet Eintauchen in menschliche oder göttliche Zeit, in noch allgemeinerem Sinne, Bejahung von Prinzip, Organisation und Vertreter oder deren Verneinung, wobei der Körper der Verneinung nur der eigene sein kann, das Opfer, welches Gottes Gehörgang öffnet. Was einer aufgeben mag entscheidet darüber, was er abgeben kann, Regen, ferne Länder oder Sterne: So wie der Glaube die Menschen anzieht und verbindet, scheinbar Bergen gleich, welche das Treiben der Erde auftürmt, schleudert die Verzweiflung die innerste Glut in die Weiten des Alls, wo sie den Sternen am Firmament gleich die Geister der Menschen von ihren weltlichen Geschäften abzieht.

Spengler spricht also mit den verschiedenen Altern einer Kultur ein reales Phänomen an, und ich habe hiermit erklärt, warum das so ist, ja, wenn ich mir die Mühe machte, könnte ich wohl gar einen mathematischen Beweis ausgehend vom Sinken des Wertes des Integrals des inneren Produktes des Gradienten der Energie mit sich selbst über dem Raum im Lauf der Zeit geben oder wenigstens auf einen kanadischen Professor verweisen, welcher es bereits versucht hat. Doch wie bei aller Poesie ist die Hälfte falsch, nur die Hälfte, wenn es gute ist. Für Spengler heißt das, daß seine Abgrenzungen der einzelnen Kulturen, die Wesen, welche er ihnen zuschreibt, hochgradig willkürlich sind. Und an der Stelle wirkt es dann doch verblüffend, daß er, obwohl er ihre Wesen nicht wirklich versteht, dennoch ihre weitere Entwicklung vorhersagen kann. Es wirkt so, ein guter Zaubertrick, es ist es nicht. Ein Baum ist eine komplexe Organisation einzelner Fasern zur gemeinschaftlichen Ausbeute vorhandener Ressourcen und eine Kultur ist in etwa das selbe, mehr braucht man nicht zu wissen.

Freilich, er erkennt ganz richtig, daß diese Organisation wie die eines Baumes ein eigenes Wesen hat, auch wenn er es nicht fassen kann. Zu einem Punkt möchte ich mich aber doch äußern, nämlich deutscher Vertikalität gegenüber russischer Horizontalität, denn darauf läuft es ja hinaus. Nun, das ist nicht wirklich schwer zu entziffern, es geht um Hierarchie und Ansehen. Interessanterweise sind übrigens auch die englischen Kirchen horizontaler als die deutschen, die Idee der Anerkennung der Männlichkeit setzt eine gewisse Horizontalität voraus, man stünde sich sonst auf den  Füßen, wohingegen das Ideal der christlichen Vervollkommnung in die Höhe strebt. Letztlich sind das Akzentuierungen, es gibt ja auch das deutsche Sprichwort 'n groten Mors brugt 'ne wide Büx (Ein großer Arsch braucht eine weite Hose.) Das Organisationsprinzip, welchem meine Liebe gilt, habe ich indes unlängst als Bereitschaftsstrukturen besprochen.

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20. September 2012

Zum Sinn des Sprechens

So, jetzt sind die Weiber weg, jetzt können wir ernsthaft über die Dinge sprechen.

Aber du weißt doch, meine Liebe, daß ich nicht dich meine, wenn ich was Schlechtes über die Frauen sage, sondern zum Beispiel diese Anette da, über die du letztens auch geschimpft hast, diese dumme Gans.

Meine Frau hat doch tatsächlich was ganz Unglaubliches herausgefunden, sollte man gar nicht glauben, wenn man bedenkt, wie blöd sie für gewöhnlich ist.

Ne, wenn du das nicht verstehst, dann frag halt deine Alte, die ist eigentlich ganz patent und könnte hier fast zusammen mit uns sitzen, wenn sie mal für ein paar Minuten den Mund halten könnte.

Ja, diese ständigen Verkehrskontrollen, die reine Abzocke.

Stimmt. Schon schlimm, wie die Leute rasen.

Sag ich schon mein Leben lang.

Aus welchem irren Grunde sollte man annehmen, daß die Menschen sprechen, um die Dinge zu beschreiben?

Die Menschen sprechen, um bestimmte Probleme auf sprachlichem Wege zu lösen.

Eine Sprechdressur, wie sie heutzutage stattfindet, muß zwangsläufig, aufgrund der ihr innewohnenden Bestrafungen und der Tatsache, daß sich niemand an sie halten kann und zugleich noch funktionstüchtig kommunizieren, zu einem Klima führen, welches Philip K. Dick während einer Attack Therapy (Interview von 1979) beschrieben hat, beliebige Vorwürfe werden von allen Seiten so lange wiederholt, bis der Beschuldigte unter der psychischen Belastung der allseitigen Anklage zusammenbricht und seine Schuld eingesteht.

Das Ziel dieser speziellen Maßnahme ist es für gewöhnlich, das Individuum zu lehren, daß es seine psychische Gesundheit der impliziten Gunsterweisung anderer verdankt, also auf jene angewiesen ist, mithin seine Rolle im Kollektiv akzeptiert, wobei die Schlußfolgerung hier falsch ist, nicht ist man auf andere angewiesen, sondern auf eine Verteidigungsstrategie, worin auch immer die bestehen mag.

Es gibt allerdings eine natürliche Neigung zu diesem Gruppenangriff, insbesondere unter Frauen, verbunden mit dem vagen Gefühl, man müsse jemandem helfen, indem man ihm eine andere Perspektive als seine eigene vorhält, zusammen als Gruppe und nicht mehrere alternative Perspektiven, sondern eine einzelne, ganz bestimmte, was sich nur so erklären läßt, daß Frauen daran gewöhnt sind, Männern dabei zu helfen, etwaige widerspenstige Frauen in einer polygamen Gesellschaft auf Linie zu bringen. Und dieses Verhalten zeigen sie dann eben auch als Volksvertreterinnen, nur leider dann auch Männern gegenüber. Schon ironisch, daß der Kollektivismus methodisch auf ererbte Verhaltensweisen aus einer polygamen Vergangenheit zurückgreift.

Aber damit ist auch im heutigen Fall, in dem es so aussieht, als ob wir zum Sprechen zum alleinigen Zweck der Beschreibung erzogen werden sollten, das Sprechen wiederum Werkzeug zur Lösung eines bestimmten Problems, nämlich der Etablierung einer vorgegebenen Meinung, wobei geschickterweise, eingedenk der Tatsache, daß Männer weniger an diese Form der Gefügigmachung angepaßt sind als Frauen, stets noch eine alternative Meinung erlaubt ist, aber eben stets eine abwegige, dysfunktionale, wovon ich vor kurzem schrieb.

Daß Wissenschaft beschreiben möge, ist natürlich nicht zu viel verlangt, aber diese Forderung an den gewöhnlichen Dialog zu richten, muß, wenn es ernsthaft geschieht, zur Meinungsdiktatur führen, da dann alle in ständiger Angst, für das, was sie sagen, bestraft zu werden, leben und aus dieser Angst heraus erlahmt jede meinungsbildende Initiative. Es wäre auch nicht anders, wenn man jeden, welcher einen Satzbaufehler im gewöhnlichen Dialog machte, ernsthaft bestrafen würde.

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Mit Peter Scholl-Latour um die Welt

Sprechende Bilder.

Afghanistan (Paschtunen, Tadschiken)



Balkan (Kroatien, Bosnien, Serbien)



Rußland (Ukraine, Tatarstan, Amurregion, Mandschurei)



Afrika (Angola, Liberia, Sierra Leone, Dinka, Äthiopien, Fulani)

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16. September 2012

Bereitschaftsstrukturen

Ich bezeichne mich ja als Suchenden mit gesellschaftlicher Neigung zu Versuchenden, also mit entsprechendem Lenkungsinteresse. So gesehen ist es vielleicht nicht verwunderlich, wenn die Frage nach meiner gesellschaftlichen Hoffnung mit der Frage nach dem gesellschaftlichen Ausdruck der Versuchenden in eins fällt, eine Frage, welche ich bisher stets nur bruchstückhaft angegangen bin und welche mir dabei stets Schwierigkeiten bereitet hat, weil ihre Antwort nicht unter eine der leichter faßlichen Kategorien fällt.

Es geht nicht um Besitz, es geht auch nicht um Betätigung. Recht und Moral mögen die Antwort schneiden, aber den Kern treffen sie nicht. Es geht um eine Struktur der Verantwortungsabgabe im doppelten Wortsinn, Verantwortung wird zugänglich gemacht, kein Mensch behält die Verantwortung für eine öffentliche Aufgabe gänzlich bei sich.

Wer Verantwortung für eine öffentliche Aufgabe übernehmen will, und damit meine ich jegliche Betätigung, welche über den privaten Bereich hinausgeht, also insbesondere auch jegliche Produktion für den Markt, der muß auf eine Struktur treffen, welche ihn ausbildet und eingliedert, ihn dabei weder subventioniert, noch von ihm profitiert, sondern vielmehr bereit ist, einen weiteren Menschen, welcher zu dieser Verantwortung strebt, aufzunehmen.

Freilich, welche Rolle einer schließlich spielt, das hängt von seinen Fähigkeiten und seinem Fleiß ab, es geht hier nicht um die Beseitigung von Hierarchien, sondern darum, Macht und Funktion einer Stelle in einer Hierarchie bestmöglich von einander zu trennen. Man könnte es auch so ausdrücken, daß auch der Mächtigste seine Funktion noch um der Sache Willen ausfüllt.

Insbesondere ist es nicht die Aufgabe eines erfahrenen und angesehenen Mannes darüber zu entscheiden, welcher Aufgabe sich ein unerfahrener und unangesehener Mann zuwenden sollte.

Mit anderen Worten sähe ich jede Kooperation von Menschen zu einem bestimmten öffentlichen Zweck gerne als einen Orden zu diesem Zweck, glücklich jeden Menschen aufnehmend, welcher zu diesem Zweck arbeiten mag. Nun will ich aber nicht Orden nennen, was nicht vorrangig ideologisch motiviert ist, und also nenne ich es statt dessen eine Bereitschaftsstruktur, darauf abstellend, daß es auch gute Gründe geben mag, die eigene Organisation abzuschotten.

Desweiteren muß ich an dieser Stelle wiederholen, daß Zwecke unter keinen Umständen öffentlich subventioniert werden dürfen, sondern allenfalls, wo sie öffentliche Erfordernisse sind, befohlen, als Arbeitsdienst zur Grundversorgung mit Nahrungsmitteln oder als Wehrdienst zur Verteidigung beispielsweise.

Insbesondere kann Wissenschaft nur freiwillig und unentgeltlich betrieben werden, wenn sie etwas taugen soll. Die Freiheit des Menschen, daß er sein Überleben mit wenig Mühe sichern kann, wird ja nicht um ihretwillen angestrebt, sondern um seiner freien Willensäußerungen Willen.

Bereitschaftsstrukturen in allen öffentlichen Lebensbereichen zu schaffen und zu verbinden, so daß sich die gesamte Betätigung der Gesellschaft dem Betrachter wie ein Baum darstellt, welcher sich in alle Richtungen verästelt, ist eine politische Aufgabe, welche in dem Sinne, in welchem ich sie meine, nämlich nicht als Zuführungs-, sondern als Erschließungsnetz, noch kaum angegangen ist.

Sei noch einmal exemplarisch das Bildungswesen ausgebreitet. Jede Organisation übernimmt die Ausbildung zu ihrem Zweck selbst, wobei sie diese entweder ihren Mitgliedern befiehlt oder sie sich von den Auszubildenden bezahlen läßt. Das kann sie in einem gewissen Rahmen nach eigenem Ermessen bestimmen. Allerdings muß die Gesellschaft selbst als Ausbilder in den Kulturtechniken (im weitesten Sinne, einschließlich der Geschichte) diese Ausbildung ihren Mitgliedern befehlen, da sie in deren Interesse geschieht. Jedes Gesellschaftsmitglied besitzt also eine Ausbildungspflicht, von welcher es sich gegebenenfalls freikaufen kann.

Um es zusammenzufassen: Bereitschaftsstrukturen verfolgen den Zweck, öffentliche Organisationen Orden anzugleichen, damit deren Angelegenheiten (bis zu einem gewissen Grad) um der Sache Willen betrieben werden.

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14. September 2012

Ein paar Bemerkungen zu Frank Herbert

Ich habe auf der Hauptseite unter den anempfohlenen Werken ein Interview mit Frank Herbert eingestellt, in welchem er die These aufstellt, daß Messiaskult und korruptionsfördernde Machtstrukturen zusammenhängen. Er bringt Jesus, Mohammed und Buddha als Beispiele, schließlich implizit auch Lenin.

Der Interviewer stutzt da ein wenig, ganz will ihm das mit Jesus, Mohammed und Buddha nicht einleuchten, und das ist ja auch verständlich, denn allenfalls Mohammed hätte eine solche Machtstruktur hinterlassen, wiewohl es auch in seinem Fall zweifelhaft ist.

Sieht Herbert das nicht oder bringt er diese These nur vor, um nicht über seine wahren Ansichten sprechen zu müssen?

Was seine wahren Ansichten sind, ist hinreichend klar, nämlich daß man Freiheit nicht geschenkt bekommt, daß man nicht nur Strukturen, sondern auch Fähigkeiten braucht, um sie zu gewinnen und zu behalten. Seine Anerkennung der arabischen Kultur als eines bewährten Unabhängigkeitsmodells ist unübersehbar.

Mit anderen Worten sagt Herbert dies: Wenn Menschen an ein unfehlbares Vorbild gewöhnt sind, wie zum Beispiel Jesus Christus, neigen sie dazu, ihre politischen Vertreter zu unkritisch zu betrachten, woraus Korruption und Unterdrückung erwachsen.

Das wirkliche Auftreten eines Messias stiftet eine neue Idee des Zusammenlebens. An diesem Aspekt ist Herbert aber nicht interessiert, er steckt in der Jauchegrube der politischen Korruption und wird von seinem Haß und Ekel ihr gegenüber bestimmt. Er benutzt seinen Messias (Paul Atreides) einerseits um diesen Haß zu verdichten und ein strahlendes Gegenbild zu diesen Mißständen zu entwerfen und andererseits um zu veranschaulichen, daß es nicht genügt, wenn sich ein Mensch befreit.

Herbert hat übrigens Orden und Stände (Gillden) als solche erkannt und beschrieben, wofür ihm meine Anerkennung gebührt. Und er sieht sie als natürliche Phänomene, als Mittel, welchen man ebenso begegnen muß, wie sich ihrer bedienen. Herbert wirft Licht auf das Gezerre um die Macht, und darin liegt seine Bedeutung. Es ist kein Zufall, daß er aus dieser Perspektive heraus Sympathien für den Islam hegt, denn aus dieser Perspektive heraus ist der Islam entstanden, wo man nur noch Halunken und Diebe sieht, da gewinnt die Überzeugung Gestalt, daß jeder anständige Mensch die heilige Pflicht besitzt, mit ihnen abzurechnen.

Dies ist aber auch aus anderem Grunde interessant, denn es belegt meine These, daß die Kultur der Vereinigten Staaten keine europäische Kultur ist, also nicht auf Achtende zugeschnitten, sondern auf Ringende. Und wie der Islam in Arabien und Nordafrika, wo es keine Achtenden gibt, zur Antwort der Suchenden auf das Treiben der Ringenden wurde, so ist Frank Herbert der Prophet einer amerikanischen Antwort auf das Treiben der Ringenden dort. Freilich glätten die Achtenden noch die Wogen, aber langfristig mag Frank Herbert sich durchaus durchsetzen, denn jeder spielt sein eigenes Spiel am besten und Achtende können in Amerika nur verlieren. Dort, wo ihr Einfluß schon heute gering ist, in Arizona, New Mexico, Nevada, hätten die Anhänger Herbert's, wenn sie vom Rest der Vereinigten Staaten unbehelligt blieben, auch schon heute die Chance, an's Ruder zu kommen.

Ich sollte an dieser Stelle wahrscheinlich noch auf einen scheinbaren Widerspruch eingehen, nämlich daß die Kultur der Vereinigten Staaten auf Ringende zugeschnitten ist, aber medial zugleich eine Kultur der Achtenden propagiert wird. Letzteres geschieht aus Gründen der besseren Ausnutzbarkeit. Der Mensch ist aber kein Nutztier, und langfristig wird auch die beste Behandlung zu seinem Schwund führen.

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12. September 2012

Diskurskontrolle durch Wahlgestaltung

Manchmal geschieht es, daß die Öffentlichkeit selbst Interesse an einem Thema entwickelt und es zu diskutieren beginnt. Durchaus charakteristisch für solche Fälle ist es, daß dann eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten diskutiert wird, denn die meisten Fragen erlauben eine Vielzahl von Antworten, insbesondere wenn die Frage gestellt wird, was man will, und andererseits wird jemand, welcher eine Diskussion nur zu dem Zweck anstößt, um den Widerstand gegen seine bereits zuvor getroffene Entscheidung zu minimieren, diese Diskussion auf einen Bereich beschränken wollen, welchen er übersehen kann.

Das gewichtigste Beispiel einer solchen, nur zum Zwecke der Minimierung des Widerstands gegen eine a priori feststehende Entscheidung geführten Diskussion in der heutigen Zeit ist die Diskussion über die Identität der Afroamerikaner, in welcher den Schwarzen die Wahl zwischen Gangsta und unter weißer Nachbarschaft lebendem Anwalt gelassen wird. Letzteres ist das vorbestimmte Ziel, aber wenn man es befehlen würde, gäbe es mehr Widerstand gegen es als wenn man die Wahl zwischen ihm und etwas gänzlich Dysfunktionalem erlaubt.

Auf dieselbe Weise entsteht durch kriminelle, nicht integrierte Immigranten Druck auf die übrigen Immigranten, sich der örtlichen Kultur anzupassen, um nicht mit ersteren in einen Topf geworfen zu werden und zugleich auf Seite der Einheimischen eine erhöhte Bereitschaft letztere wegen guter Führung aufzunehmen.

Dieses Prinzip stößt allerdings da an seine Grenzen, wo der erzeugte Gegensatz als instrumentell erkannt und zurückgewiesen wird, was insbesondere dann der Fall ist, wenn die Betroffenen durch nationale und/oder religiöse Bande verbunden sind, und dies um so mehr, je mehr das Gefühl besteht, daß diese Bande selbst angegriffen werden, was bei Immigranten aus ehemaligen Kolonien besonders stark der Fall zu sein pflegt oder jedenfalls dann, wenn die Kolonialzeit durch einen Unabhängigkeitskrieg beendet wurde. Aggressiven, üblicherweise revanchistisch begründeten, Zusammenhalt kann man hingegen in aller Regel durch Entgegenkommen brechen, problematisch wird es nur, wenn die Aggression keine freiwillige, sondern eine erzwungene ist, wobei der Zwang um so stärker ist, je organisierter die Betroffenen sind, also am stärksten in einem Staat, weshalb auch kein Staat einem anderen Staat durch Entgegenkommen irgendeine Zusage abgewinnen kann. Letzteres ist in Bezug auf Immigranten natürlich vor dem Hintergrund des Staats im Staate zu sehen.

Neuerdings werden auch Geschlechterrollen durch diesen Mechanismus kontrolliert. Nach einer Zeit der schleichenden Auflösung der traditionellen Geschlechterrollen ist man nun dazu übergegangen, den grotesken Endpunkt dieser Auflösung offen in der öffentlichen Diskussion zu vertreten, was selbstverständlich die traditionellen Rollen stärken wird.

In allen diesen Fällen wirkt ganz offensichtlich das Prinzip, daß man sich viel leichter für das Vorgeschriebene entscheidet, wenn man einmal kurz auf eine ganz besonders abschreckende Alternative zu ihm blicken durfte.

Aber ist das Vorgeschriebene wirklich das Richtige?

Wahrlich, die Welt geht der Hölle entgegen. Wieviele Afroamerikaner werden denn in ihrer vorgeschriebenen Rolle glücklich? Sind Michael Jackson und Whitney Houston nicht das logische Resultat dieser befohlenen Selbstentfremdung? Mal ganz abgesehen davon, daß der Umstand, in einer Welt zu leben, in welcher die Menschen nur das diskutieren, was man ihnen zum Zweck ihrer Kontrolle zu diskutieren gegeben hat, für jeden freiheitsliebenden Menschen deprimierend sein muß.

Alleine das wäre unerträglich, selbst wenn alle Vorschriften richtig wären, aber sie sind es nicht, und sie können es auch nicht sein. Nichts, was lebt, nein, auch nur existiert, existiert, um eine Rolle auszufüllen. Alles füllt eine Rolle aus, aber diese Rollen ergeben sich aus der Verhandlung der einzelnen Funktionen, am Anfang stehen unterschiedliche Fähigkeiten und daraus ergeben sich die Rollen und nicht umgekehrt. Diese ganze Gesellschaftssteuerung bedeutet nichts anderes, als daß der Staat seines Bestehens wegen einen bestimmten Zustand im zweiten Zykel des Existierens (dem funktionalen Zykel) einfrieren will. Aber alle drei Zykeln schreiten voran, und wenn die Zurücksetzung des funktionalen Zykels erfolgt und die Willkür die Rücksicht verdrängt, dann werden die heutigen Staaten fallen, aber nicht Chaos wird auf sie folgen, sondern ein Zusammenschluß in einer höheren Weltanschauung, deren Unerprobtheit den Anstieg der Willkür bedingt.

Was mich persönlich betrifft, so empfinde ich den Griff des Staates nach der richigen Geschlechtsrolle als besonders übel. Was für eine schöne neue Welt, in welcher wir die Wahl zwischen Fetischismen und der vernünftigen Weise Mann oder Frau zu sein haben. Aber alles nicht so schlimm, nicht wahr?, denn natürlich kann man nach eigenem Gutdünken mixen.

Das ist die anvisierte Ethik. Die Norm ist das Vernünftige, die erlaubten Abweichungen von ihr sind dysfunktional, so daß man schon von alleine zur Norm zurückkehrt, und was eine funktionierende Alternative wäre, das wird unter den Teppich gekehrt, wobei sich unter dem Teppich selbstverständlich nichts befindet. Das Böse gibt es nicht, denn das Böse herrscht.

Das ist der Strom, in welchem sich derjenige, wer mit ihm schwimmt, bewegt.

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10. September 2012

Suprasexualität

Den Begriff habe ich mir gerade ausgedacht, ob ich damit ähnliches meine wie andere, welche sich ihn vor mir ausgedacht haben, wird man sehen müssen.

Nun, ich sah den folgenden Beitrag, für sich genommen interessant genug, und ertappte mich alsbald bei der Frage, ob diese norwegische Hirnforscherin wohl ein Sexualleben hat.



Ich weiß was Sie denken: Das ist unter aller Sau. Ich hätte stattdessen ja auch über Larry Wachowski nachsinnen können. Aber... doch genug davon.

Ich bezweifle es, sie scheint mir einem speziellen Fetischismus anzuhängen. Sie erinnern sich vielleicht, ich definierte Fetischismus als die Verwechslung eines anderen Gefühls mit (sexueller) Liebe, beispielsweise das Gefühl der Ausgeliefertheit im Falle des Masochismusses.

Hier nun ist es meiner Ansicht der Sache nach das Gefühl von seiner sexuellen Rolle befreit zu sein, Männern und Frauen gleichermaßen ohne Hintergedanken Freund sein zu können.

Damit meine ich aber nicht, daß sich dieses Gefühl in ihr eingestellt hätte, in welchem Falle es kein Fetischismus wäre, sondern daß sich ihre Sexualität untrennbar mit diesem Gefühl vermischt hat, in welchem Fall ich irgendwo hoffe, daß es bei ihr über Kuscheln nicht hinausgeht.

Man kann dies, wenn man so will, als finalen Hohn auf das christliche Ideal der Selbstvervollkommnung sehen, ich betrachte es indes eher unter dem Aspekt, unter welchem ich auch den Sadismus im Dritten Reich betrachtet habe, nämlich unter dem der Verwertbarkeit von Fetischismen zu Organisationszwecken: der Fetisch stiftet den Korpsgeist.

Selbstverständlich lehne ich dieses Organisationsprinzip ab.

Post Scriptum vom selben Tag. In der folgenden Episode von Gehirnwäsche kann man noch einige Genderforscher sehen, und einer von ihnen scheint ebenfalls ein Fetischist zu sein, wenngleich wohl eher ein Narzißt (mit sadistischen Tendenzen, wie es scheint). Mit anderen Worten spielt Fetischismus für den Korpsgeist der Genderforscher wohl tatsächlich eine Rolle, aber er ist weder durchdacht noch überhaupt bewußt, was sich aber wohl ändern würde, wenn man der Bewegung noch zwei Jahrzehnte gibt, und wahrscheinlich würde die Suprasexualität zum definierenden Fetisch, auch wenn Sadisten über natürliche Vorteile in inneren Machtkämpfen verfügen.

Hier also nochmal Harald Eia.

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8. September 2012

Einige Gedanken zur Religionsfreiheit

Sein Glaube wird einem Menschen nicht von außen gegeben, sondern er bildet sich in ihm durch sein Bemühen, Sinn in seiner Existenz zu finden. Hat er sich hingegen erst einmal gebildet, so ergeben sich aus ihm politische Konsequenzen, wobei es natürlich nicht so ist, daß, wo vorher vollständiger Zweifel bestand, über Nacht vollständige Gewißheit entsteht, sondern es ist vielmehr so, daß einige politische Konsequenzen sich leicht als gottgefällig erkennen lassen und andere schwieriger. Da das Gottgefällige sich nicht widerspricht, bereitet dieser Umstand von sich aus keine größeren Probleme, allerdings läßt er sich, wie fast alles, propagandistisch mißbrauchen.

Eine der ersten politischen Konsequenzen, auf welche man stößt, wenn man sich mit der Frage des sinnvollen Umgangs mit einander beschäftigt, besteht darin, sich in politischen Fragen zu beraten, also offen und vernünftig das Für und Wieder einer Entscheidung zu erwägen. Und wenig später wird man zu der Einsicht kommen, daß sämtliche Entscheidungen unter den Vorbehalt der richtigen Erwägung gestellt werden sollten, daß sie also zurückzuziehen oder wenigstens zu modifizieren sind, wenn sich im Nachhinein die Erwägung, welche zu ihnen geführt hat, als falsch herausstellen sollte.

Dieses sind einfache, und darum sehr verbreitete, Glaubenssätze. Es ist daher nicht zu viel gewagt, wenn man sie zu politischen Ecksteinen macht. Das bedeutet aber, daß eine Glaubensgemeinschaft, welche sie anerkennt, dazu in der Lage ist, jene politische Uneinigkeit auszuhalten, welche sich aus einer unterschiedlichen Einschätzung der Lage ergibt, denn die Lage klärt sich im Laufe der Zeit stets.

Die verbleibende politische Uneinigkeit geht also darauf zurück, daß man unterschiedliche Ziele hat. Diesbezüglich kann in der Sache nichts besseres getan werden, als jeder Fraktion ihr Gewicht zu geben und sie somit allesamt dazu zu bewegen, einen Kompromiß auszuhandeln. Indes wird man schließlich, wenngleich dies eine schwierigere Erkenntnis ist, einsehen, daß eine bestimmte Art von Lösungen für die örtlich bestehenden Interessengegensätze die glücklichsten sind, nämlich wenn man verstanden hat, welche Ideen sich in den örtlichen Mitmenschen ausdrücken. Und wenn man dies eingesehen hat, kann man damit beginnen, diese Art von Lösungen zu predigen.

Nun behaupte ich wie bekannt, daß es nie mehr als eine solche predigende Schule vor Ort geben sollte, und das möchte ich an dieser Stelle begründen.

Für Prediger gilt ja auch, daß sie die ersten Glaubenssätze, welche ich in diesem Beitrag nannte, akzeptieren. Ihre Differenzen bezüglich der zu predigenden Art von Lösungen sind aber Differenzen ersterer Art, also solche, welche sich aus einer unterschiedlichen Einschätzung der Lage ergeben, und nicht aus unterschiedlichen Zielen, denn das Ziel eines jeden Predigers muß es sein, den Menschen die Anleitung zu geben, welche für sie am gedeihlichsten ist. Und da sich dies mit der Zeit von alleine zeigt, braucht es keinen Wettstreit der Ideen zwischen den Predigern, sondern es genügt die Verpflichtung darauf, das von Gott Gebotene zu tun.

Das ist die natürliche Ordnung, die saubere Lösung dieses Organisationsproblems.

Moderne Staaten gestatten pro Forma eine Religionsfreiheit, welche indes politisch folgenlos bleiben muß, da das parlamentarische System einen uniformen Glauben daran, was progressiv ist, voraussetzt, und dies ist selbstverständlich die Staatsreligion, mehr dazu im Beitrag Parlamentarismus. Das Problem mit ihnen ist nur, daß diese Staatsreligionen die oben hergeleitete Selbstverpflichtung nicht kennen und von anderen Kräften nach anderen Prinzipien gelenkt werden. Auch braucht eine Religion, welche diesem Anspruch gerecht wird, nicht den Parlamentarismus, um ihre Macht zu sichern, indem er durch das Parteiensystem die Wahlfreiheit der Bürger ideologisch festzerrt.

Abschließend noch ein Wort zum Anathema. Was ich in diesem Beitrag bisher explizit an Glaubenssätzen erwähnt habe, sollte von niemandem in Frage gestellt werden dürfen, denn es ist wie gesagt das Fundament des Friedens. Aber es mag sich natürlich ergeben, daß Prediger etwas predigen, was dem Glauben eines Zuhörers widerspricht, in welchem Fall es zu einem Anathema kommt. Die Frage ist nun, wie sich die Kirche in einem solchen Fall verhalten sollte.

Die protestantische Kirche leugnet das Anathema, das kann es, meiner Meinung nach, nicht sein. Die katholische Kirche behauptet im Falle eines Anathemas im Recht zu sein, da den Papst noch kein Blitz getroffen hat, und das kann es, meiner Meinung nach, auch nicht sein. Ich stimme also mit der Lehrmeinung der orthodoxen Kirche überein, daß im Falle des Anathemas deutlich gesagt werden sollte: Nicht mit unserem Segen, aber es dabei bewandt gelassen wird.

Freilich, die Kirche sollte sich nur dann aus politischen Angelegenheiten heraushalten, wenn sie selbst der Meinung ist, daß es für die Menschen am gedeihlichsten ist. Diese Entscheidung ist keine dogmatische, sondern eine, welche auf Erfahrungen gegründet ist. Eine Gemeinschaft von Predigern, welche darin übereinstimmt, daß es gedeihlicher für die Menschen ist, wenn sie selbst die weltliche Macht übernimmt, muß in dieser Rolle selbstverständlich anderen Maßstäben genügen.

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5. September 2012

Vom gegenwärtigen Bedeutungsverlust Europas

Was hat sich neben Cartoons in den letzten 40 Jahren noch verändert?

Man muß die Welt wahrscheinlich aus amerikanischer Perspektive heraus betrachten, um in dem sich zur Zeit vollziehenden Wandel einen Sinn erkennen zu können, also einen absichtsmäßigen, für die Frage nach dem wirklichen Sinn muß man stets die göttliche Perspektive einnehmen.

Dem Internet sei Dank kann ich heute von Europa aus, ohne selbst für längere Zeit als ein paar Wochen in Amerika gewesen zu sein, einen recht guten Einblick in die innenpolitische Diskussion der Vereinigten Staaten gewinnen. Und so viel ist klar, es gibt einen nicht unbeträchtlichen Teil der amerikanischen Öffentlichkeit, welcher den Umstand, daß gewisse europäische Staaten existieren, regelrecht haßt, oder genauer gesagt, nicht die Existenz selbst ist das Problem, sondern daß sie bekannt ist.

Die europäische Linke ist nämlich nicht die einzige Gruppe auf Erden, welche ein schweres Problem damit hat, daß ist, was nicht sein darf. Und soweit es die Vereinigten Staaten betrifft, verstoßen folgende drei Länder auf eklatante Weise gegen die Dogmen, auf welchen die Vereinigten Staaten aufgebaut sind.
  1. Die Niederlande
  2. Schweden
  3. Die Schweiz
Ich glaube, ich behaupte nichts falsches, wenn ich sage, daß buchstäblich Millionen Amerikaner denken, daß diese Länder weg müssen, denn sie geben ihren Mitbürgern falsche Vorstellungen über Sex und Drogen,  Sozialismus und den politischen Willen des Volkes, alle drei erlauben sich eine Politik, welche nach der amerikanischen Lehre in die Hölle führen muß.

Ich danke es übrigens der heutigen Zeitungslektüre, daß ich mich mit diesem Thema beschäftige, denn da hieß es mal wieder von Schweden lernen. Von Schweden lernen, das ist in Deutschland so eine Art Reflex, aber dieser Reflex existiert nicht grundlos, sondern weil Schweden vor 40 Jahren eine starke Außendarstellung besaß, welche gerade in Deutschland auf ganz besonders fruchtbaren Boden gefallen ist (übrigens aus zwei recht gegensätzlichen Gründen). Deshalb heißt es selbst heute, wenigstens in Deutschland, noch von Schweden lernen. Und nicht weil Schweden auch heute noch eine starke Außendarstellung besäße, denn das ist ganz und gar nicht der Fall.

Holland hat sich seine Außendarstellung partiell bewahrt, mehr noch als die Schweiz, aber Schweden hat sie komplett abgetreten, denn Schweden hält sich an die Regeln, und die Regeln besagen, daß sich Europa gefälligst als Ganzes auf zu diesem Zweck einberufenen Konferenzen darstellen solle.

Aber mit Verlaub, Schweden hat sich in den 70ern der Welt bei weitem einprägsamer dargestellt, als es die Europäische Union in den letzten zehn Jahren getan hat. Vom Standpunkt der Formulierung und Verbreitung politischer Ideen aus betrachtet ist die EU der nukleare Holocaust. Das Ziel, Europa dogmenmäßig auszuschalten, hätten jene Amerikaner, welche ich eingangs erwähnte, erreicht, und wenn man sich das derzeitige Weltgeschehen anschaut, muß man wohl sagen, daß sie es tatsächlich erreicht haben, denn schon stehen die nächsten Schritte auf dem Programm, welche, nachdem diese Dogmen nun in Europa isoliert wurden, auch dort ihre Ersetzung durch amerikanische vorsehen.

Ein kultureller Krieg findet statt, und Europa hat dem Feind bereits die Festungspforte geöffnet. Letztlich wird aber gerade diese an Debilität grenzende Schwäche der Untergang des ganzen Unterfangens sein, da die Dogmenersetzung zu rasch voranschreitet.

Es wird aber nicht wie 89 sein, im Gegensatz zur DDR hat der Feind alles Geld der Welt und also auch stets willige Helfer. Er gleicht letztlich einer Kuh, welche so lange weiterfrißt, bis ihr das Gras nicht mehr schmeckt.

Ach, ich gebe Wagner die Ehre, es paßt zu schön.

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3. September 2012

Eine genauere Betrachtung der Achtenden

Ich habe die Achtenden bisher als Menschen beschrieben, welche sich um die Gemeinschaft verdient zu machen streben, indem sie für sie als groß anerkannte Leistungen vollbringen.

Wenn man das so niederschreibt, scheint es natürlich, als ob der Unterschied zu den Versuchenden ein fließender ist, denn jene versuchen letztlich ja, die Gemeinschaft durch ihre Unternehmungen zu bereichern. Konkret besteht allerdings ein eindeutiger Unterschied im Gegenstand der Verpflichtung. Ein Achtender ist nicht der Gemeinschaft direkt verpflichtet, sondern einem Heldenbild (welches, wenn es die Vernunft betrifft, auch zu einer philosophischen Beschäftigung und Gesinnung führen kann), während der Versuchende bei all seinem Tun nie vergißt, daß er als Teil einer konkreten Gemeinschaft und in ihrem Interesse handelt.

Beide allerdings richten ihre Haltung nach Vorgaben der Gemeinschaft aus, wobei sich unter Versuchenden diese Vorgaben in einem rudimentären Stadium befinden, also nicht erkennbar darüber hinaus gehen, was das Zusammenleben als Gemeinschaft nunmal mit sich bringt. Ich beschrieb dies zuvor als Metaverpflichtung, während bei Achtenden konkret feststeht, was zu beachten ist. Es scheint mir jetzt allerdings weit natürlicher anzunehmen, daß Versuchende schlicht darauf verzichtet haben, die Gegenstände ihrer Pflichten zu explizieren.

Auch ist es so, daß es noch weitere Varianten von Achtenden gibt, welche sich von den von mir bisher beschriebenen unterscheiden. So gilt das Augenmerk der fernöstlichen Achtenden weniger dem Heldenbild als der Achtung von Menschen, welche ihm entsprechen, was bedeutet, daß der Anspruch an das Heldenbild geringer und der Anspruch an die Respekterteilung an Helden größer ist als im Westen. Und unter den finnischen Völkern besteht das Heldenbild in der harmonischen Bewährung in der Welt und nicht im Dienst an der Gemeinschaft.

Dies hat vielfältige Konsequenzen, insbesondere neigt der Westen aufgrund seines Augenmerks dazu, zwischen Absicht und Tat moralische Abgründe aufklaffen zu lassen, die Absicht ist vollkommen in jeder Hinsicht, und die Tat wird schon gar nicht mehr wahrgenommen hinter ihrem Glanz.

Bei den Finnen inner- und außerhalb Finnlands (immerhin ein Drittel aller Russen stammt von finnischen Völkern ab, bei den Litauern ist es nicht anders) besteht entsprechend keine Mobkultur, und wird auch nie bestehen.

Mittlerweile (kulturell) ausgestorben ist der amerikanische Zweig der Achtenden, welchen ich also auch nicht näher beschreiben kann.

Es ist nicht gänzlich klar, ob die unter den Achtenden bestehenden Unterschiede biologisch oder traditionell begründet sind, beides ist möglich, da die entsprechenden Gruppen hinreichend isoliert von einander leben und eine hinreichend gute Korrelation zu den Zweigen der Y-DNA Haplogruppe MNOPS besteht, ich neige allerdings zur biologistischen Sicht und halte diese auch für ungefährlicher, da sie nicht zu potentiell desaströsen Experimenten einlädt.

Halten wir fest.
  • Haplogruppe N. Finnisch, Harmonie bestimmt.
  • Haplogruppe O. Fernöstlich, Ehrenkodex bestimmt, praktisch orientiert.
  • Haplogruppe Q. Amerikanisch, (kulturell) ausgestorben.
  • Haplogruppe R1a. Indogermanisch, Versuchende, Gemeinschaft bestimmt.
  • Haplogruppe R1b. Neolithisch, Ehrenkodex bestimmt, theoretisch orientiert.
Allen diesen ist wie gesagt gemein, daß sie dem zweiten Teil ihrer Seele, dem edlen Roß, wie Platon es nennt, also der nüchternen Erwägung und ihrem Ehrgefühl folgen, wohingegen die Suchenden der Sorge, dem Führer des Gespanns, und die Ringenden der Lust, dem schlechten Roß, folgen.

In Bezug auf die Bevölkerungszusammensetzung eines Landes kann man Platon selbstverständlich auch so verstehen, daß die Suchenden die Pflicht haben, die Achtenden (und Versuchenden) für die gemeinschaftlichen Belange wider die Ringenden einzuspannen, was aber in Nordafrika und Arabien nicht geht, weil es dort keine Achtenden (noch Versuchende) gibt, womit die Drecksarbeit an den Suchenden selbst hängen bleibt.

Dieses Fehlen drückt sich auch in der Einschätzung aus, daß nur gesellschaftliche Sanktionen, also Angst, mutig machten, denn was im Nahen Osten Unehre genannt wird, ist nichts weiter als die Peitsche, welche das so genannte Ehrgefühl (vulgo Furcht vor der Peitsche) erst erzeugt. Dieses ist auch zu einem gewissen Grad angemessen, denn wo Suchende nicht selbst Führer von irgendwelchen Gespannen sind, da verhalten sie sich eher wie Esel.

Übrigens ist, um dies an dieser Stelle klar zu sagen, die biologische Begründung der Unterschiede zwischen Ringenden, Suchenden und Achtenden (Versuchenden) im Gegensatz zu jener der inneren Unterschiede unter den Achtenden (und Versuchenden) als einigermaßen gesichert zu betrachten, weder wird aus einem schlechten Roß ein edles, noch aus einem Esel, ganz gleich welchen Aufwand man auch darauf verwendet.

Vielleicht kann man unter den oben genannten Haplogruppen eine Parallele zwischen den Gruppen N und O einerseits und R1a und R1b andererseits ausmachen, in sofern der fernöstliche Ehrenkodex eine Explizierung von Harmonie darstellen könnte, wie der westliche eine Explizierung von Gemeinschaftspflichten. Eine solche Parallele spräche für die biologische Begründung, da sowohl N und O als auch R1a und R1b aus zuvor bestanden habenden einheitlichen Gruppen hervorgegangen sind, wiewohl eine traditionelle Begründung einer solchen Parallele nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Haplogruppe N stammt übrigens auch aus Südostasien.

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2. September 2012

Nochmals zum Kreditwesen

Letztlich kommt eine Gesellschaft auch ohne Kredite aus, aber Kredite erleichtern selbstverständlich manches. Überdies gilt allgemein, daß man Dienstleistungen, welche man mit Sorge betrachtet, nicht verbieten sollte, sondern durch gerechte und günstige Alternativen ungefährlich machen.

Um den Handel mit Ansprüchen auf festgelegte Produkte, also den Handel mit spezifischen Produktersätzen anstelle von Geld, zu begünstigen, kann folgende Regelung für das Fälligkeitsdatum der Produkte aufgestellt werden. Wenn der Inhaber des Anspruchs gedenkt, ihn in einem bestimmten Jahr einzulösen, so muß er das 14 Tage vor dem Fälligkeitsdatum mitteilen, ansonsten erlischt seine Garantie für dieses Jahr und sein Anspruch wird automatisch auf das nächste verschoben. Auf diese Weise wird selbst der Anspruch auf eine Pflaumenernte zu einem bequemen Zahlungsmittel, wobei der Produzent aber nicht mehr Ansprüche ausgeben darf, als er einlösen kann, auch dann nicht, wenn die Erfahrung zeigt, daß er es sich leisten könnte. Ein Weg das sicherzustellen ist die öffentliche Registrierung jedes ausgegebenen Anspruchs.

Abgesehen davon kann die Gemeinschaft den Handel mit Ansprüchen noch dadurch unterstützen, daß sie Verbrauchsstatistiken führt und veröffentlicht.

Ich bin recht zuversichtlich, daß auf diese Weise selbst komplexere Wirtschaftsabläufe effizient abgewickelt werden können, so lange die Gemeinschaft einigermaßen intakt ist.

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1. September 2012

Cartoons

Ich habe mir mal wieder Bugs Bunny, Duffy Duck, Sylvester, Speedy Gonzales, Porky Pig, Tweety, Pepe und wie sie alle heißen angekuckt, und ich muß schon sagen, daß mich der Wandel der Zeichentrickkultur etwas verblüfft hat.

Jeder dieser Charaktere wurde klar erkennbar aus dem Bemühen heraus erschaffen, einem kindlichen Stereotyp zu entsprechen und auf diese Weise eine Filmwelt zu erschaffen, welche der kindlichen Sicht auf die wirkliche Welt entspricht.

Jedes Element hier folgt der Erwägung, ob es einem Kind wohl gefalle, einem hypothetischen, recht oberflächlich gedachten Kind. Nicht der Geschmack der Zeichner bestimmt ihr Produkt, sondern ihre Erinnerungen an stereotype Situationen unter Kindern. Der Kunde kriegt zu fressen, was er gerne zu fressen scheint.

Heute hingegen ist es umgekehrt, die Zeichner fragen sich nicht mehr, was Kinder wohl gerne hören würden, sondern was sie ihnen gerne sagen würden, und sei es nur, weil sie es selber witzig finden. Heute besteht eine geradezu persönliche Beziehung, wo vorher ein Geschäft betrieben wurde.

Mir geht es hier nicht um Wertung, sondern um die marktwirtschaftliche Dimension des Ganzen. Die Marktwirtschaft begünstigt aus sich heraus das vormalige Vorgehen, also den Kunden König sein zu lassen, wozu man aber selbst in der Rolle des Dienstleisters aufgehen können muß. Weil diese Rolle aber jedweden Ausdruckswillen ausschließt, können Viele nicht in ihr aufgehen. Damit diese dann aber mit ihrem, dem heutigen Vorgehen marktwirtschaftlich erfolgreich sein können, muß das Publikum sich in einem hinreichend einheitlichen geistigen Zustand befinden, nämlich dem der Erwartung und Erhoffung des angebotenen Ausdrucks. Manchmal ergibt sich diese Situation von selbst, etwa bei den Simpsons oder bei South Park, aber oftmals muß sie erst durch flankierende Öffentlichkeitsarbeit erzeugt werden.

In beiden Fällen ist der Ausdruck aber weitestgehend wertlos, da der Ausdruckswillle nicht versucht, irgendjemandem nachzukommen, sondern vielmehr versucht, Menschen anzuleiten. Die Konkretisierung  von in der Luft liegenden Mißständen ist zwar ein Mittelding, aber auch sie verliert ihren Wert, wenn sie beginnt, erwartet zu werden, und das tritt bei ihrer marktwirtschaftlichen Ausbeutung zwangsläufig irgendwann ein.

Was man hier beispielhaft erkennt, ist, daß der Ausdruckswille die Marktwirtschaft durch für ihn notwendige Öffentlichkeitsarbeit verbiegt und dabei zugleich von der Marktwirtschaft seines Sinnes beraubt wird. Sie verderben sich gegenseitig. Und aus dem Grund müssen wir zu einer neuen Wirtschaftsordnung kommen.

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