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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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11. März 2009

Klärung von Reflexion und Nachbildungen

Ich bin mit meiner bisherigen Darstellung dieses Themas nicht wirklich zufrieden und versuche es also erneut.

Ein Verständnis besitzt stets die Form einer Aussage über zwei Gegenstände und das zwischen ihnen bestehende Verhältnis. Somit hat eine Aussage drei Gegenstände, welche in einem sie verbindenen Verhältnis stehen und läßt sich also selber nicht unmittelbar verstehen.

Womit sich die Frage stellt, wie wir sie reflektiv verstehen.

Wenn man sich das Wörtchen „etwas“ vornimmt, und sich fragt, wie man es versteht, so lautet die Antwort, daß es sich dabei um dasjenige handelt, was im entsprechenden Verhältnis einer Verkörperung steht, und zwar ohne Bezug auf ein spezielles Verkörpertes. Dieser Bezug ist also nicht mitgedacht, wenn wir „etwas“ verstehen. Das heißt aber, daß das eine Rolle eines Verhältnisses Ausfüllen ein Verstandesgegenstand sein muß. Ich nenne ihn mal hoffnungsvoll Begriff, wir werden ja sehen, ob ich damit durchkomme. Die Idee dahinter ist natürlich, daß ein Begriff die Art ist, auf welche wir einen Gegenstand fixieren, wobei beim vorigen Beispiel diese Fixierung lediglich durch die Rolle eines Verhältnisses geschieht, in welchem der Gegenstand steht.

Nun steht ein Gegenstand auf diese Weise allerdings isoliert da und die Frage drängt sich auf, wie er wohl mit einem zweiten verbunden sein kann. Und da kann man nun nicht darum umhin zu sagen, daß die Fixierung in dem Fall durch den anderen Gegenstand bedingt ist. Das nächstliegende ist nun einfach von zwei Arten Begriffen zu sprechen, nämlich Rollenbegriffen und Verhältnisbegriffen, am Beispiel, eine Fläche ist ein Rollenbegriff und eine rote Fläche ein Verhältnisbegriff.

Dies wirkt freilich etwas willkürlich und es stellt sich auch die Frage nach der Symmetrie der reflexiven Erfassung, wobei eine konkrete Reflexion nicht symmetrisch ist, sondern zum Zwecke der Spiegelung des Verhältnisses erneut reflektiert werden muß. Interessant dabei ist aber, daß wir beide Reflexionen miteinander vergleichen können und ihre Gegenstände jeweils miteinander identifizieren. Dazu müssen aber beide Gegenstände als Gegenstände zunächst mal in der Reflexion vorliegen und nicht nur einer.

Es gibt also zu jedem Verhältnisbegriff einen adjungierten Verhältnisbegriff, nämlich seinen Bezugsbegriff, welcher den zweiten Gegenstand zur Entsprechung hat und einen zweiten, seinen Artbegriff, welcher das Verhältnis zur Entsprechung hat.

Das ternäre Verhältnis a~b~c, wobei b das binäre Verhältnis zwischen a und b bezeichnet, reflektieren wir also durch a~'bc, c~''bc und b~'''bc, wobei bc den durch b und c gebildeten Verhältnisbegriff bezeichnet, ~' das Verkörperungsverhältnis, ~'' das Bezugsverhältnis und ~''' das Artverhältnis.

Dieses Bezugsverhältnis ist aber dasselbe wie das bereits zuvor betrachtete Begleitungsverhältnis, die Verhältnisbegriffe werden von ihren Bezugsgegenständen begleitet. Allerdings zwingt mich diese Bemerkung dazu auch das Begleitungsverhältnis noch einmal genauer zu betrachten, denn es stellt sich die Frage, ob die Begleitung analytisch, synthetisch oder manchmal das eine und manchmal das andere ist.

Hier ist die Begleitung natürlich analytisch, und es geht kaum an diesen Fall synthetisch umzugestalten, da Verhältnisse im allgemeinen keineswegs von Bezugsgegenständen begleitet werden, wenngleich es für konkret erfaßte Verhältnisse schon gilt. Genau das ist aber wohl stets der springende Punkt bei der Begleitung, daß sie innerhalb einer konkreten Erfassung Gültigkeit besitzt. Was das allerdings bedeutet ist, daß die Menge, welche begleitet wird, variiert und jedes Mal mitangegeben werden muß. Außerdem mag hier ein und dasselbe Verhältnis mehrmals auftreten und also von mehreren Bezugsgegenständen begleitet werden, allerdings zwingenderweise jeweils einzeln. Nur wie geht das vonstatten?

Die Begleitung kann nicht für diese Synthese herangezogen werden, die Konjunktion durch „und“ hingegen schon, es lägen also mehrere Begleitungen zugleich vor, mit jeweils passender Grundmenge.

Nun, so läßt sich die Angelegenheit natürlich lösen, nur hieße das verschiedene Begleitungen von einander unterscheiden zu können, was uns ganz offenbar nicht möglich ist.

Was einzig bleibt ist zu sagen, daß nicht die Verhältnisse begleitet werden, sondern die Verhältnisbegriffe, m.a.W. bei der obigen Darstellungsweise zu bleiben. Bei Zeit und Raum allerdings wird man auf einer synthetischen Begleitung bestehen wollen, da hier die Gegenstände aus einer umfassenderen Anschauung heraus entstehen, wodurch die Eindeutigkeit der Begleitung a priori gewährt ist.

Es ist verlockend Ähnliches auch für unsere Begriffe zu entwickeln, nur wie sehr schnell klar wird, wenn man sich auch nur die Bedeutung des Satzes „Dieser Stab ist am längsten.“ anschaut, geht es ganz einfach nicht. Unsere Verhältnisse ergeben schlicht kein Raster, durch welches wir die Welt erfassen, wie es Zeit und Raum tun. Wir verwenden sie vielmehr kreativ und flexibel, ohne Absicht der dabei entstehenden Struktur.

Damit bleibt aber die Frage, durch welches Vermögen wir von einer Fläche auf die Farbe übergehen können, welche sie ausfüllt. Ich neige zu der Ansicht, daß wir einfach mit einer ausgefüllten Fläche vor Augen, diese eine ausgefüllte Fläche zur Antwort heranziehen und dabei schlicht voraussetzen, daß die so erhaltene Antwort eindeutig ist. Dasselbe könnten wir auch mit einem Verhältnisbegriff anstellen, nur wäre die Antwort da eben nicht eindeutig.

Desweiteren stellt sich so natürlich wieder die leidige Frage nach der Symmetrie, denn ein Ganzes wird offenbar von allen seinen Teilen begleitet. Da aber Begleitungen nur innerhalb konkreter Erfassungen bestehen, kann man voraussetzen, daß die betroffenen Ganzen immer das Ergebnis spezieller, asymmetrischer Synthesen sind, welche immer als Beziehung einer Funktion auf ihr Argument verstanden werden, auch wenn dies nicht eindeutig geschieht.

M.a.W. ist es sinnvoll davon auszugehen, daß es für jedes begleitete Ergebnis stets einen begleitenden Bezug gibt und eine begleitende Methode, wobei die Reflexion durch „ist Bezug von“ und „ist Methode von“ stattfindet.

Die Methode allerdings ist nicht mit ihrem Index gleichzusetzen. „Rot“ ist etwas anderes als „rot ausfüllen“. Letztlich handelt es sich hier in allen Fällen um eine kreative Synthese, nämlich den Übergang zur Vorstellung zweier in bezug gesetzter Teile, wobei dem einen die Rolle des Beziehenden und dem anderen die Rolle des Bezogenen zugeschrieben wird.

Eine solche kreative Synthese ist einem Verhältnis nicht gerade unähnlich, besitzt aber als Ergebnis kein Verständnis, sondern einen Verstandesgegenstand. Trotzdem stehen ihre Argumente zugleich in einem Verhältnis, nämlich dem von konkretisierendem und konkretisierten. Nur darüberhinaus gibt es auch noch das Konkrete, welches von den anderen beiden gebildet wird.

Ob nun rot eine Fläche konkretisiert oder umgekehrt ist eine Frage der Auffassung, wobei natürlicherweise ersteres der Fall ist. Bei Verhältnis und Bezugsgegenstand ist es allerdings üblicherweise der Bezugsgegenstand, welcher das Verhältnis konkretisiert, und zwar durch Beziehung des Verhältnisses.

M.a.W. wird a~b~c durch a~'bc, c~''b, b~'''bc und c~'''bc reflexiv erfaßt, wobei ~' das Verkörperungsverhältnis bezeichnet, ~'' das Konkretisierungsverhältnis und ~''' das Bildungsverhältnis.

Begleitung braucht man hierbei also gar nicht zu verwenden, sondern ist vielmehr etwas, was man zusätzlich betrachtet, um gewisse Überlegungen anzustellen. Genauer gesagt besagt Begleitung, daß jedes Element einer Menge von einem Element begleitet wird, welches zum jeweiligen Element in einem bestimmten Verhältnis steht, z.B. eine Partition der Ebene, welche von Farben begleitet wird, welche die jeweilige Fläche konkretisieren. Wenn ich allerdings oben ein Bildungsverhältnis einführe, so verallgemeinert es offenbar das Verhältnis zwischen einem Ganzen und seinen Teilen.

Es ist hierbei übrigens wichtig, Bildung auf Synthesen zu beschränken. Das Ergebnis einer bloßen intellektuellen Funktion, welche sich auf es von einem Argument ausgehend besinnt, wird nicht auf diese Weise verstanden werden, sondern über den Umweg des Verständnisses einer Tat, also als dasjenige, welches die Aufnahme nach einer Anstrengung darstellt.

Anstrengungen sind übrigens Begriffen analog, sie mögen für sich bestehen, oder aber auf einen Verstandesgegenstand bezogen sein, allerdings nicht wahlweise für jede Anstrengung, sondern wenn man die Menge der Anstrengungen als Ganzes betrachtet. In letzterem Falle wird eine Anstrengungsweise also ebenfalls konkretisiert, nur muß sie dann auch konkretisiert werden.

Für die Rollenbegriffe ändert dies alles nichts, allerdings lassen sich diese natürlich spezialisieren. Dafür braucht man aber keine weiteren Verhältnisse einzuführen, daß ein Begriff spezieller als ein anderer ist, ist eine Aussage, welche sich mit den vorhandenen Verhältnissen formulieren läßt, und daß der spezialisierte Begriff aus dem Rollenbegriff hervorgegangen wäre, läßt sich so nicht sagen, da ein Verhältnisbegriff stets schon eine Rolle enthält.

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22. April 2014

Das Denkvermögen

Nachdem ich im letzten Beitrag einigermaßen konkret die Verhältnisse angegeben habe, auf welche sich das menschliche Denken stützt (weitere Details finden sich in den Beiträgen Tetrachromatie beim Menschen und Grundlagen der vokalischen Klangfarben, ohne daß dies erschöpfend wäre), kann ich nun das Denkvermögen selbst genauer in Augenschein nehmen.

Wie ich schon im letzten Beitrag sagte, ist das Denkvermögen vom Urteils- oder Einsichtsvermögen zu unterscheiden.

Die elementaren Bausteine des Denkvermögens sind Gegenstände und Verhältnisse, wobei ein Gegenstand dadurch definiert ist, daß er in einem Verhältnis steht, formal betrachtet also dadurch, daß er einem bezüglichen Begriff zugeordnet ist, durch welche die Verhältnisse formalisiert werden.

Eine vollständige Zuordnung von Gegenständen zu auf einander bezogenen bezüglichen Begriffen bildet eine Aussage, eine unvollständige eine Auszeichnung.

Aussagen lassen sich durch die beiden natürlichen logischen Operatoren Und und Nicht in weitere Aussagen überführen, Auszeichnungen ebenso.

Auszeichnungen bilden vermittels Bezug auf das Einsichtsvermögen Gesamtheiten, indem sie alle passenden, also auf die nämliche gleiche Weise (same) im Verhältnis stehenden Gegenstände, ihre Entsprechungen, in einem Gegenstand zusammenfassen. Vergleiche Betrachtungen zum Altsächsischen (s-) zur Begriffsbildung.

Nun ist es allerdings so, daß sich Auszeichnungen natürlicherweise auf beliebige Gegenstände beziehen und nicht nur auf solche, welche innerhalb einer bestimmten Wahrnehmung gegeben sind, also diese betreffen, und also weder ihre Entsprechungen noch die Gesamtheiten normalerweise vorliegen.

Aus diesem Grund operiert unser Denken mit einer grundlegenden Behauptung über Entsprechungen und Gesamtheiten, nämlich daß sie aktualisierbar seien, was auch immer das genau zu bedeuten hat, denn die Bedeutung dieses Ausdrucks unterscheidet sich in seiner Anwendung.

Beispielsweise bedeutet nicht aktualiserbar im Falle eines Einhorns, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gefunden werden kann. Hingegen bedeutet nicht aktualisierbar im Falle der Menge aller Mengen, daß diese noch nicht einmal nach den Regeln hypothetischer Gesamtheitenbildungen konstruiert werden kann.

Übrigens deshalb nicht, weil sie versucht, Auszeichnungen erst auf ihrer Grundlage vorgenommener Zuordnungen als bereits in sich gegeben zu betrachten, was der Grund für das Russell´sche Paradox ist.

In der Mathematik bezeichnet man die Aktualisierbarkeit einer Entsprechung durch den Existenzquantor: Es gibt einen Gegenstand, welcher der Auszeichnung entspricht.

Und die Aktualisierbarkeit von Gesamtheiten wird durch die Zermelo-Fraenkelsche Mengenlehre postuliert.

Ich habe bereits ein Regelsystem zur Bildung von Gesamtheiten angegeben, welches über diese hinausgeht, siehe Die Vergegenständlichung der Verständnisse. Ich werde aber auch jenen Beitrag noch einmal überarbeiten müssen.

An dieser Stelle werde ich es aber bei grundsätzlichem belassen.

Selbstverständlich kann von einem nicht aktualisierten Gegenstand gar nicht gesagt werden, daß er einer Auszeichnung entspricht, denn dies zu sagen erfordert, daß das vollständige Verständnis im Einsichtsvermögen liegt. Ebensowenig läßt sich einem nicht aktualisierten Gegenstand irgendetwas zuordnen oder er sich einem anderen Gegenstand zuordnen.

Das muß einen indes nicht weiter stören, man kann sich mit Hypothesen behelfen. Man kann beispielsweise sagen, daß die rekursive Auszeichnung einer Zahl als das einer bereits ausgezeichneten Zahl Zugeordnete, angefangen mit der Urzahl 1,  eine Gesamtheit ergibt, die aktualisierbar sei, ebenso wie jede ihrer Entsprechungen, auch wenn beides faktisch falsch ist.

Aber wenn es wahr wäre, dann könnte man offensichtlich auch jeder Entsprechung etwas zuordnen und die Gesamtheit all dieser Zuordnungen bildete nicht nur im Denkvermögen eine Begleitung, sondern auch im Einsichtsvermögen, wäre mithin auch aktualisierbar.

Und so kann man immer weiter machen. Nur konsequent sollte man sein, und genau das ist die Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre nicht, welche ab einem bestimmten Punkt behauptet, daß, was analog zuvor aktualisierbar war, es nun auf einmal nicht mehr sein soll. Ich rede von der Menge aller rekursiv über den Zahlen gebildeten Potenzmengen, welche nach Zermelo-Fraenkel nicht existiert!

Übrigens, weil sich diese Diskussion hier anbietet, es ist zwar nicht zwingend nötig zu behaupten (streng genommen ist es sogar wieder falsch), daß wenn zwei Gesamtheiten aktualisierbar seien, dann auch die Gesamtheit aller Begleitungen der einen durch die andere aktualisierbar sei, aber es ist eine der natürlichsten Behauptungen, welche man aufstellen kann, viel natürlicher, als daß die Gesamtheit der Zahlen aktualisierbar sei.

Aber halten wir fest, im Rahmen des Problems der Aktualisierung stellt sich die Frage nach irgendeiner Entsprechung einer Auszeichnung, welche sich in der konkreten Anschauung selbstverständlich nicht stellt. Zu den übrigen Aussagen und Auszeichnungen gesellt sich also noch die Aussage oder Auszeichnung, daß etwas näher Bestimmtes existiere, wobei diese Aussage erst im Falle dessen Aktualisierung das eigene Einsichtsvermögen betrifft.

Diese Existenzaussage oder -auszeichnung beruht als einzige nicht auf einem Verhältnis, weil sie überhaupt erst dadurch interessant wird, daß sie sich auf etwas nicht Vorliegendes bezieht. Sie ist die menschliche Aussage oder Auszeichnung schlechthin, deren Verständnis den Menschen vom Tier unterscheidet.

Abschließend zur Definition von Gesamtheit und Begleitung.

Begleitung ist natürlicherweise durch eine wiederholt vorgenommene Zuordnung definiert, als die Gesamtheit durch eine Auszeichnung genauer bestimmter Zuordnungspaare, natürlicherweise zeitlicher Art, so etwa auch bei der Begleitung der rechten Hand durch die linke beim Klavierspiel.

Aber dem Denkvermögen ist es ziemlich egal, ob man das auf hypothetisch vorgenommene Zuordnungen erweitert, welche man dann allerdings selbstverständlich nicht mehr zeitlich auszeichnen kann.

Übrigens, um auch das explizit gesagt zu haben, die Gesamtheit der Zuordnungspaare wird durch die Auszeichnung derjenigen Gegenstände, welchen etwas zugeordnet wird, der so genannten Grundlage der Begleitung, bestimmt.

Gesamtheit ist natürlicher Weise eine Teilwahrnehmung (es gibt nichts, was sie betrifft, was nicht auch die übergeordnete Wahrnehmung betrifft) näher bestimmter Art (es gibt nichts, was sie betrifft, was nicht auch ihrer Auszeichnung entspricht und es gibt nichts, was ihrer Auszeichnung entspricht, was nicht auch sie betrifft).

Und wiederum stört es das Denkvermögen nicht, wenn man dort auf die Einbettung in eine tatsächliche Wahrnehmung verzichtet. Man tut einfach so, als ob es weiterhin eine übergeordnete Wahrnehmung gäbe, in welcher beispielsweise die oben erwähnte rekursiv bestimmte Menge aller Potenzmengen über den natürlichen Zahlen enthalten wäre.

Die übrigen Definitionen sollten trivial sein.

Das Denkvermögen ist also ein Formulierungsvermögen, dessen Formulierungen, wenn auch manchmal auf verwickelte Weise, auf das Einsichtsvermögen zu beziehen sind, was aber nichts heißt, daß dies immer möglich wäre, in welchem Fall es sich um unsinnige Formulierungen handelte, wie etwa bei der Menge aller Mengen.

Die Operationen der Mathematik sind hingegen ein gelungenes Beispiel der Erweiterung des Formulierbaren über das konkret Angeschaute hinaus, welche das Einsehbare auf geschickte Weise zusammensetzt, wozu vielleicht noch mehr zu sagen wäre, aber ich kann an dieser Stelle keine vollständige Diskussion des Intuitionistenstreites liefern.

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31. Dezember 2007

Von der Verständigung

Ein Mensch, der sich manchem inne ist, sei es durch Auffassung, sei es durch Ausweisung, wird wohl auch einmal daran denken, es mit anderen zu teilen, zuzusehen, daß andere sich ihm auch inne werden. Da bei diesem Prozeß das Verständnis des einen auf den anderen übergehen soll, wird er treffenderweise Verständigung genannt. Um uns nun zu verständigen, bedienen wir uns für gewöhnlich einer Sprache, also einer gegliederten Menge Zeichen ausgewiesener Bedeutung, welche wir als Empfänger unserem Umfeld entnehmen, um vergleichend ihre Identität zu erkennen, ihre jeweilige Rolle auszumachen und auf ihre Bedeutung zurückzugreifen, wobei entnehmen, erkennen, zurückgreifen und ausmachen jene Formen des Auffindens sind, welche durch seine Einschränkung auf Teilsein, Gleichheit, Assoziiertheit, bzw. alle übrigen Formen des Beschriebenseins gebildet werden.

Bevor wir allerdings eine Ausweisung oder Auffassung in eines anderen Kopf verankern können, muß sie uns zunächst einmal zum Gegenstand werden. Mit Ausweisungen haben wir uns ja bereits näher beschäftigt und offenbar läßt sich jede Ausweisung durch eine entsprechende Aufforderung festhalten, welche selbst eine im allgemeinen nicht näher bestimmte Aussage ist, was sich in der Frage „Sonst was?“ ausspricht, dabei aber dennoch meistens ihren Zweck erfüllt. Auffassungen nun seien hier in Urteile, Zutrauen und Einordnungen unterschieden, welche durch Bezeugungen, Versicherungen, bzw. Zuweisungen, ihrerseits allesamt Aussagen, reflektiert werden.

Eine Aussage schließlich ist ein Urteil über eine Auffassung und wird durch eine weitere Reflexion selbst zum Gegenstand. Als solcher enthält sie aber geistige Eindrücke, welche direkt nur in Ausnahmefällen mitteilbar sind, so daß sie in der Mitteilung durch Zeichen bekannter Bedeutung ersetzt werden müssen, wobei diese selbst auch nur mittelbar zu einem Eindruck führen mögen, also durch entnehmen „Schau dir das an!“, erkennen „Sein Porträt.“, ausmachen „Der Rote.“ oder zurückgreifen „Der Hochzeitswein.“ Wenn die Mitteilung aber schließlich wieder in eine Aussage überführt wurde, so kann sich der Empfänger die Frage stellen, ob sie seiner Auffassung entspricht, wodurch er sie nachzuvollziehen versucht, bzw. der Aufforderung nachkommen. Kommt er ihr nach, bzw. beurteilt sie als gültig, besteht die Chance, daß die Verständigung geglückt ist, wofür es aber naturgemäß nie einen zweifelsfreien Nachweis gibt.

Im Falle der Mathematik, beispielsweise, genügt es Aussagen zu betrachten, deren Gegenstände ausschließlich durch ausmachen und einfaches zurückgreifen zu ermitteln sind, was die Gefahr von Mißverständnissen immerhin senkt. Der Bequemlichkeit, und also Effektivität wegen, wird man aber auch in diesem Fall das mehrfache Zurückgreifen gestatten, also bezügliche Definitionen erlauben.

Im allgemeinen stellt sich auch die Frage, wie Verständigung vonstatten geht, wenn der Empfänger die Bedeutung der Zeichen der Sprache nicht kennt, da sich doch jeder Mensch am Anfang seines Lebens in dieser Lage befindet. Unter diesen Umständen wird er aber das wiederholte Zusammentreffen des Zeichens mit seiner Bedeutung als Begleitung auffassen, und zwar intuitiv richtig herum, also der Bedeutung zutrauen das Zeichen hervorzubringen „Mama schafft es bestimmt ‚Mama‘ zu sagen.“ Dadurch assoziert er dann im folgenden die Bedeutung zum Zeichen, nämlich als Grundlage der Begleitung, und kann diese Assoziation somit zu eigenen Zwecken „Ich will das auch machen, was Mama macht.“ verwenden. Alsbald lernt er dann, wenn er fälschlich begleitet, daß diese Handlung eine Folge hat und eine Aufforderung zu erscheinen darstellt. Es lassen sich in der Tat generell die Bedeutungen unbekannter Zeichen erlernen, wenn dem Verstand nur die Möglichkeit gegeben wird, das Zeichen als Begleitung der Bedeutung aufzufassen, wobei ein Kind dann irgendwann auch lernt, Aussagen und Aufforderungen als solche zu verstehen. Schließlich, wenn alle notwendigen Zeichen bekannt sind, kann man auf die Begleitung der Bedeutung verzichten und neue Zeichen einfach ausweisen, das Kind hat die Definitionsreife erlangt.

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31. Mai 2022

Unternehmerisches Interesse

Ich unterteile die Unternehmungen wiederum in Verkörperung, Spiel und Routine.

Durch Verkörperung, Spiel und Routine ziehen wir Handlungsverknüpfungslehren, nämlich insofern
  • Verkörperung bedeutet, der Planung Ansätze zu Grunde zu legen, führt sie zu Haltungsbildung,
  • Spiel bedeutet, Entwicklungsmuster zu würdigen, führt es zu Erfahrungsbildung, und
  • Routine bedeutet, auf Entwicklungsabsichten abzuzielen, führt sie zu Vorhabenbildung,
und diese Lehrenbildungen motivieren uns auch ganz allgemein zu Verkörperung, Spiel und Routine, indem wir
  • der Entsprechung (unserer Haltung) wegen verkörpern,
  • der Abwechslung (unserer Erfahrung) wegen spielen, und
  • der Gelegenheit (zur Erreichung unserer Vorhaben) wegen Routinen ausführen.
Würden wir uns nicht in Routinen üben, könnten wir keine Vorhaben formulieren, doch sobald wir es können, nehmen wir an ihrer Erreichung Anteil, und somit schätzen wir die Gelegenheit zu dieser Erreichung samt den in ihr inbegriffen Routinen wert.

Auch hängt das Interesse, welches wir im Rahmen der Delegation und Koordination von Haltung, Erfahrung und Vorhaben, beziehungsweise Ansetzung, Würdigung und Abzielung, anderen Menschen gegenüber empfinden, von diesen Motivationen ab. Genauer gesagt besteht das Interesse
  • zweier ihre Haltung gegenseitig prüfender Kandidaten an der Schließung eines Vertrags, welcher es ihnen erlaubt, ihrer Natur zu entsprechen,
  • des Dieners im Dienst eines Herren, welcher aufgrund seiner größeren Erfahrung dem Diener reichliche Abwechslung verschafft,
  • des Auftragnehmers im Unternehmen eines Auftraggebers, welches ihm reichliche Gelegenheiten verschafft,
  • von Verbündeten an einander in der Etablierung von Rollen, deren Ausfüllung ihrer Natur entsprechen,
  • von Zusammenarbeitenden an einander im abwechslungsreichen Halt, welchen sie einander geben,
  • von Zusagenmachenden an einander in ihrer gelegenheitsstiftenden gegenseitigen Begleitung,
  • von zusammen Kandidierenden an einander in ihrer Harmonie,
  • von zusammen Dienenden an einander in ihrer Mitarbeit und
  • von zusammen Auftragnehmenden an einander in ihrer Beteiligung,
wobei ich unter Mitarbeit eigenständiges Einbringen verstehe und unter Beteiligung lediglich Mitanpacken.

Die Koordination der Haltung, beziehungsweise der Erfahrung oder der Vorhaben, bildet das Rückgrad der beherzigenden Phase des generativen Zykels: im Zeitalter
  • der Wacht die Rollenausfüllung das der Anerkennung, indem sie die (geistige) Verkörperung vorbereitet,
  • der Werke der (zeitgeistliche) Halt das der Unterstützung, indem er die Prospektion vorbereitet, und
  • der Wunder die (mitbeschließende) Begleitung das der Gewährung, indem sie die Verteidigung und den Aufbruch vorbereitet.
Außerdem handelt es sich bei den jetzt insgesamt 12 Interessen, wenn die grundlegenden 3 Motivationen gesondert mitgezählt werden, gerade um die Interessen der Frauen an Männern, nämlich bei dem Interesse an
  • Entsprechung um menschliche Verkörperung,
  • Abwechslung um menschliches Spiel, also Verspieltheit,
  • Gelegenheit um menschliche Routine, also Involviertheit (ursprünglich Parteiischkeit),
  • einem Vertrag um zweckmäßige Verkörperung,
  • Dienst um zweckmäßiges Spiel, also Autoritarität,
  • Unternehmung um zweckmäßige Routine, also Bindendheit,
  • Rollenausfüllung um himmlische Verkörperung,
  • Halt um eröffnendes Spiel [ja, Spiel, nicht Routine, hier lag ein Fehler vor], also Schenkendheit,
  • Begleitung um stimulative Routine [entsprechend], also Überlassendheit,
  • Harmonie um passive Verkörperung, also Träumerischkeit,
  • Mitarbeit um passives Spiel, also Sportlichkeit und
  • Beteiligung um passive Routine, also Schwülheit.
Die Begriffe himmlisch, eröffnend und stimulativ lassen sich, wie wir jetzt sehen, durch den Begriff etablierend verallgemeinern. Auch sehen wir, daß die Betrachtung von Frauen als Mägde der Götter der Koordination entspringt, und damit weder dem Interesse der Frauen, noch dem der Männer allein zugeschrieben werden kann. Es bleibt dabei, daß zweckmäßige Verkörperung mit dem körperlichen geistigen Horizont einhergeht, etablierende mit dem persönlichen oder philosophischen und menschliche mit dem gläubigen. Es ist unmittelbar einleuchtend, daß, wer dem eigenen (subjektiven) Glauben entsprechen möchte, sich schwerlich an Delegation oder Koordination seiner Haltung beteiligen kann, und ebenso, daß der körperliche geistige Horizont sich nichts aus Rollen macht, welche er spielt, ebensowenig wie aus der Entsprechung als solcher: Die Vorteile einer Haltung müssen sich ihm in der speziellen Begegnung der Welt erweisen. Die mittleren beiden geistigen Horizonte machen sich auch nichts aus der Entsprechung als solcher, aber daß derjenige, wer versteht, daß ihn seine Haltung stimmt und daß er mit ihr gleichsam ein Leben wählt, von persönlichen Verträgen möglichst wenig wissen will und sich lieber auf eine Rolle festlegt, ist ethisch gesehen etwas fragwürdig. Es ließe sich argumentieren, daß, wer sich, indem er eine Rolle ausfüllt, zu einer Institution macht, nützlicher für die Gesellschaft ist, als wer mit einer speziellen Gruppe von Menschen Verträge abschließt. Und es läßt sich argumentieren, daß er sich, indem er Haltungen als solche würdigt, auf den Weg zu der Quelle gemacht hat, welche die Welt ordnet. Trotzdem fühlt sich seine Entscheidung oftmals völlig gedankenlos und egoistisch an.

Und wo wir das gerade am Wickel haben: Häufig erfolgt die Koordination nur in der eigenen Phantasie und nicht in Wirklichkeit, Rollen, Halt und Begleitung dienen nicht ihrem Zweck, die geistige Heimat anzuerkennen, beziehungsweise die Prospektion zu unterstützen oder die Verteidigung der geistigen Konfiguration, beziehungsweise den Aufbruch zu einer neuen zu gewähren, sondern hinterlassen oftmals keinerlei irdische Spuren.

Was die geistigen Horizonte der nicht aktiv verkörpernden Klassen angeht, so habe ich mich diesbezüglich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Es ist besser, keine weiteren Aussagen zu treffen, wiewohl natürlich Delegation bedeutet, sich unter jemanden zu stellen, und wer stellte sich schon unter jemanden, dessen geistigen Horizont er übersteigt? (Gut, ist sowohl unter Napoléon, als auch unter Hitler geschehen, aber weder gerne, noch gnadenbringend.) Mit anderen Worten sollten Diener unter ihren Herren stehen und Auftragnehmer unter ihren Auftraggebern.

Im Übrigen sind nicht nur menschlich Verkörpernde pflegeschwer, sondern auch menschlich Spielende, welchen es nur um Abwechslung, und menschlich Routinen Ausführende, welchen es nur um Gelegenheiten geht. Ja, ich würde die letzteren beiden als verhaltensgestört, beziehungsweise vormenschlich bezeichnen - was auch immer das für ihren geistigen Horizont bedeutet.

Und um auch noch zu den passiven Klassen ein Wort zu verlieren: Es ist schwer, sich zeitlebens als einen zusammen Delegierenden zu definieren, und wo es geschieht, stets von Wehmut erfüllt, also etwa in Clerks II.

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1. Dezember 2019

Die Kategorien des Zeitlichen à la Kant

Nachdem ich den vorigen Beitrag etwas nachklingen lassen habe, bin ich darauf gestoßen, daß alle Transzendenz letztlich zwischen neun Formen des Zeitlichen besteht, welche jeweils zu Dreien die Zeiten der drei Seelenteile füllen. Und damit nicht genug, die dritte Form von Dreien ergibt sich jeweils durch eine Kant'sche Kombination der Kategorien der ersten beiden.

Ich gebe zu, daß der Begriff der Kant'schen Kategorienkombination nicht streng definiert ist, aber wer die Critik der reinen Vernunft etwas studiert hat, wird zugeben müssen, daß sie durchaus unverwechselbar ist.

Und von dieser ihrer Art ist die folgende Kombination von Kategorien:
Beziehung + Sein = Verhältnis,
wobei in meiner Nomenklatur
  • die Beziehung stets der Weg ist,
  • das Sein das Gesetz und
  • das Verhältnis das Schicksal.
Doch betrachten wir das am Beispiel der neun Formen des Zeitlichen:


Beziehung Sein Verhältnis
netzförmige Zeit (Sorge) Zusammenhang Beschaffenheit Verträglichkeit
lineare Zeit (Achtung) Prüfung Beschäftigung Gelegenheit
punktförmige Zeit (Lust) Begleitung Entgegnung Einstellung
Mit Prüfung ist hier die Situation gemeint, in welcher man geprüft wird. Begleitung steht für das Streben der Lust, welches sich beispielsweise zwischen getrennthäusigen Pflanzen zeigt. Entgegnung steht im selben Bild für das der Sonne Entgegensprießen und Einstellung für die Abstimmung des Wuchses auf den Boden.

Entgegnung und Spiegelung ist so ziemlich dasselbe, und beim Zusammenhang, der Beschaffenheit und der Verträglichkeit ist auch nicht viel, abgesehen von der Einsicht in die kategorielle Kombination, gegenüber der Verbundenheit, Rechtschaffenheit und dem Frieden gewonnen, aber in den übrigen fünf Fällen ist durchaus etwas in puncto Klarheit gewonnen, am meisten wohl bei der Begleitung, welche doch leichter faßbar als die registrative Überschneidung ist: und fürwahr, es geht beim Tauchen darum, etwas zu begleiten, nämlich die Welt unterwasser, wie auch sehr treffend in Le Grand Bleu ausgedrückt, letztlich aber für mich um das Leben jenseits meines Gesichtskreises.

Post Scriptum vom folgenden Morgen. Das Sein betrifft die Sache, die Beziehung ihre Teilhabe, also was ihr in der Zeit begegnet, und das Verhältnis betrifft ihre Fortführung, also wie sich die Zeit entfaltet. Erst durch die Entfaltung der Zeit vereinigen sich Sache und das ihr Begegnende.

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12. Juni 2023

Bestimmtheit, Synthese und Analyse der Lageermessungen

Die Rückschauen bilden die Komponenten der Lageermessungen,
  • die Verantwortlichkeiten jene des Standes (etwa eines Fußballspiels, vormals Lage),
  • die Abhängigkeiten jene der Verlegenheit und
  • die Gültigkeiten jene der Gesetzmäßigkeiten (vormals Verhältnisse),
wobei Verantwortlichkeiten, Abhängigkeiten und Gültigkeiten selbst auf Gesetzmäßigkeiten beruhen, nämlich
  • Verantwortlichkeiten auf Gewährs- und Begleitzuständen,
  • Abhängigkeiten auf Gewährs- und Begleitumständen und
  • Gültigkeiten auf Gewährsgegenständen und Begleitverhältnissen,
Zustände, Umstände, sowie die im Anschluß erwähnten Anzeichen und Erscheinungen formal aus zwei in einem Verhältnis zu einander stehenden Gegenständen bestehen und Gesetzmäßigkeiten zwischen Gewährsverhältnissen zwischen Gegenständen und Begleitverhältnissen zwischen eben denselben Gegenständen.

Zugleich werden die Lageermessungen durch die Bildenden bestimmt,
  • der Stand durch die Abzielung, also über welche Zustände wir uns rechenschaftgeben,
  • die Verlegenheit durch das Entwicklungsmuster, also nach welchen Umständen wir uns ausrichten, und
  • die Gesetzmäßigkeiten durch die Haltung, direkt durch die Vorhaltung und mittelbar durch die Bestrebung und den Umgang, also welche Anzeichen und Begleiterscheinungen wir berücksichtigen.
Zu letzterem: Stände und Verlegenheiten können durch die Zu-, beziehungsweise Umstände auf welchen ihre Komponenten beruhen, formalisiert werden, doch die Gesetzmäßigkeiten nicht, denn an der gesetzmäßigen Begleitung von Gegenständen durch Begriffs- oder Verhältniseindrücke sind wir nicht interessiert, sondern an der gesetzmäßigen Begleitung von Anzeichen durch Erscheinungen.

Wenn wir Erlebnisse bedenken und dabei aufgrund einer angenommenen Gesetzmäßigkeit
  • die Verantwortung für einen Zustand übernehmen,
  • die Abhängigkeit von einem Umstand akzeptieren oder
  • die Gültigkeit eines Verhältnisses,
verzeichnen wir Gewährs- und Begleitzustand, Gewährs- und Begleitumstand oder Gewährsgegenstände und Begleitverhältnis als potentielle Bestandteile des Standes, beziehungsweise der Verlegenheit oder der Gesetzmäßigkeit, doch während die entsprechende Verantwortlichkeit und Abhängigkeit damit bereits potentielle Komponenten sind, sind es die entsprechenden Gültigkeiten noch nicht. Statt dessen müssen sie erst noch weiter zu Komponenten zusammengesetzt werden.

Und dies geschieht bei der Formalisierung von Entsprechungen. Wir finden einander entsprechende Anzeichen, also zwei einander dadurch entsprechende Mengen von Gegenständen, daß sie in denselben Verhältnissen zu einander stehen (Symmetrie, Homomorphie, Analogie), und formulieren dann eine Gesetzmäßigkeit, nämlich daß derartige Anzeichen mit Begleiterscheinungen (anderen Verhältnissen zwischen denselben Gegenständen) verbunden sind, welche wir einer oder auch beiden Gegenstandsmengen abgewonnen haben.

Mit anderen Worten erfolgt die Analyse des Standes und der Verlegenheit auf der Grundlage der Verzeichnung von Gesetzmäßigkeiten im Rahmen des Bedenkens, während die Gesetzmäßigkeiten durch Formulierung im Rahmen der Formalisierung synthetisiert werden müssen, doch die dazu nötige Analyse der Verhältnisse beruht wiederum auf der Verzeichnung von Gesetzmäßigkeiten, nämlich jenen der Begriffs- oder Verhältniseindrucksbegleitung.

Formalisierung als Bezeichnung für die Verfolgung von Entsprechungen scheint etwas eng gewählt zu sein, doch wie wir jetzt ja gesehen haben, erfordert jede Art der Verzeichnung eine solche Verfolgung, um die Gesetzmäßigkeit zu formulieren, welche verzeichnet wird, und deshalb geht sie schon in Ordnung: Alles Formale ist angenommene Gesetzmäßigkeit, gleich ob es Zustände, Umstände, Gegenstände und Verhältnisse oder Anzeichen und Begleiterscheinungen betrifft, bei der Verantwortlichkeit übrigens zwischen einem vorgestellten Entschluß als Gewährszuständen und der sich ergebenden Wahrnehmung als Begleitzuständen.

Anmerkung. Kurz gesagt, nenne ich Begriff, was Platon λόγος oder ἰδέα nennt (und Johannes λόγος), und Begriffseindruck, was Platon ἰδέα nennt. Ganz optimal ist das natürlich nicht, und deshalb möchte ich an dieser Stelle noch Begriffsgegenstand für das, was Platon λόγος nennt, einführen. Begriffsgegenstände entstehen dadurch, daß Verhältnisse zwischen Gegenständen reflektiert und dadurch selber zu Gegenständen werden, welche zu den ursrpünglichen Gegenständen im Verhältnis des Sichbeziehens stehen. (Begriff und Verhältnis verwende ich in solchen Gedankengängen stets austauschbar, gerade wie λόγος beides umfaßt.)

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20. September 2015

Der Raum unserer Erfahrung

Beginnen wir mit einigen Klarstellungen zu den logischen Wahrnehmungen.

Auftreten und Ausbleiben sind Eindrücke, welche sich vor dem Hintergrund einer Wahrnehmung zu einem Erfaßten bilden. Das Zusammenfallen ist ein Eindruck, welcher sich vor dem Hintergrund eines Auftretens oder Ausbleibens zu einer weiteren derartigen Erfassung bildet.

Eindrücke, welche sich zu etwas Erfaßtem bilden, kommen nur auf diese Weise in unser Bewußtsein und stellen den wesentlichen Bestandteil von Einsichten dar, welche sie zusammen mit Hintergrund und vor ihm Erfaßten bilden. Wie das Beispiel des Zusammenfallens zeigt, lassen sich Einsichten indes wiederum erfassen.

Bei der Begleitung sei der besseren Verständlichkeit halber nur das Auftreten betrachtet, das Ausbleiben läßt sich analog behandeln oder als Auftreten des Ausbleibens, je nachdem, ob wir ein konstantes oder ein einmaliges Ausbleiben meinen, eine Komplikation, welche sich der Identifizierung unserer Erfahrung verdankt, wozu später mehr.

Die Begleitung aber ist identisch mit dem Eindruck der Erwartung eines Erfaßten vor dem Hintergrund eines anderen, ihr Eindruck ist also nicht nur erwartungsabhängig, sondern gleich die Erwartung selbst.

Im speziellen kann die Erfassung im Hintergrund auch die Erfassung unserer Erfahrung sein, in welchem Fall wir ein Eintreten erwarten, andernfalls sagen wir, daß wir ein gebundenes Auftreten erwarten.

Wenn wir etwas erfassen, so können wir fordern, daß etwas anderes in einem oder mehreren vorgegebenen Verhältnissen zu ihm stehen möge und ein weiteres in einem oder mehreren vorgegebenen Verhältnissen zu diesem und/oder ersterem und so weiter und so fort. Alles, was wir dabei als ein solches erfassen, nennen wir ein zum ursprünglich Erfaßten adjungiertes Erfaßtes, auch wenn es, wie gewöhnlich, noch weitere, mit dem ursprünglichen Erfaßten unzusammenhängende Verhältnisse zur weiteren Aussiebung passiert, und insbesondere nennen wir jedes Erfaßte zu sich selbst adjungiert.

Erwartungen erwarten immer ein zum im Hintergrund stehenden Erfaßten adjungiertes Erfaßtes, nur daß das einzig mögliche Verhätlnis zur Erfahrung darin besteht, erfahren zu werden, was auch die einzig mögliche relative Adjunktion ist, also ein Erfahrenes, denn wenn man auch weitere adjungierte Erfaßte zur mittelbaren Adjunktion heranziehen darf, so kann man sie doch nicht wählen, sondern muß jedes Erfaßte zur weiteren Adjunktion akzeptieren, welches im entsprechenden Verhältnis steht, und es gibt kein anderes Verhältnis außer erfahren zu werden, in welchem sämtliche Erfahrene stehen, so daß wir allenfalls zur Erfahrung zurückkehren könnten. Damit aber tritt das durch die weiteren, mit der Erfahrung unzusammenhängenden Verhältnisse Gesiebte ein.

Die Feinheiten des Erfahrens der Erfahrung besprechen wir anschließend, zunächst bleiben wir noch bei der Erwartung.

Wenn das im Hintergrund einer Erwartung Erfaßte auftritt, so erwarten wir, daß das zu ihm adjungierte Erfaßte eintritt, und allgemeiner ändert sich der Hintergrund unseres Erwartens durch das Auftreten mehrerer Erfaßter einer Vielheit von Erfaßten, zu welchen das Erwartete gleichzeitig adjungiert ist, indem die auftretenden Erfaßten aus dem Hintergrund der sich in dieser Situation ergebenden Erwartung entfernt werden.

Anders gesagt, aus (A&B&C&D)=>E, beispielsweise, wird (A&B)=>((C&D)=>E).

Die Änderung der eigenen Erwartung hier ist die Folge eines Hineinversetzens. Aufgrund der voranstehenden logisch äquivalenten Umformung handelt es sich dabei aber nur um eine scheinbare Erwartungsänderung und nicht um eine substantielle. Substantielle Erwartungsänderungen ergeben sich im Rahmen eines Herausversetzens, welches darin besteht, neue Abhängigkeiten mit in den Hintergrund der Erwartung aufzunehmen und auf diese Weise einer Verfeinerung der Erfassung der eigenen Lage Rechnung zu tragen - üblicherweise, nachdem sich eine Erwartung unerwartet als falsch herausgestellt hat, und auf diese Weise auf eine Änderung der eigenen Situation hinweist, welche man nicht erfaßt hat.

Der Mensch strebt also die Welt immer mehr einbeziehenden Erwartungen zu. Andererseits geht er dabei von einer Basis aus, welche gar nichts mit der Welt zu tun hat, nämlich daß sein Erfahren einst gerichtet wird, ob nun an einem jüngsten Tag oder im Rahmen einer wie auch immer gearteten Reinkarnation. Die metaphysische Wahrheit ist: Unsere Erfahrung wird immer die Gestalt annehmen, von welcher wir erwarten, daß sie für das Leben insgesamt die beste ist. Indem wir die Welt näher kennenlernen, wird auch diese Anpassung weniger grob. Alles oder nichts bedeutet meistens nichts, und je offener unser Geist für nicht erfaßte Dimensionen unserer Lage ist, desto offener ist auch unser Schicksal für Modi des Weiterlebens.

Freilich, auch im mutwilligen Erkenntnisverzicht liegt dabei eine Chance, darin, nur noch ein nützliches Tier zu sein. Ja, es ist wohl sogar möglich, daß beides zugleich auftritt, das Mönchswesen trägt ja auch weltweit beide Züge.

Doch zurück zur Erfahrung. Wir haben den Eindruck, daß etwas Teil unserer Erfahrung ist, in ihr auftritt, nie aber ausbleibt, worauf sich das Verhältnis, erfahren zu werden, gründet, einen Eindruck davon, wie es ist zu erfahren, haben wir nicht, auch wenn wir ein Bewußtsein davon haben zu erfahren, ja, womöglich sogar für Stunden, während Einsichten immer flüchtig sind.

Dieses Bewußtsein begründet für uns die Existenz unserer Erfahrung, es ist ihre Identität, das eine Dies, welche alle anderen Diese enthält.

Wenn wir etwas erfassen, so hat es eine Identität, welche es zu einem Dies macht, und umgekehrt ist die Erfassung die Voraussetzung jeder Identität. Dabei kommt es indessen dazu, daß wir etwas immer wieder erfassen, oder sagen wir lieber, wir tun so, als ob wir etwas immer wieder erfaßten, das heißt, wir identifizieren verschiedene Erfaßte mit einander, möglicherweise auch irrigerweise, in welchem Fall wir sagen, wir hätten etwas mit einem anderem verwechselt, beispielsweise Zwillinge.

Ein auf diese Weise mit anderen Erfaßten identifiziertes Erfaßte möchte ich ein Sich Auszeichnendes nennen. Die Prägung dieses Begriffs hat den Sinn, ein einzelnes Erfaßtes von der Vielheit der angenommen identischen Erfaßten zu unterscheiden, welche wir aufgrund der Identifikation ja nicht als Vielheit verstehen, sondern als ein Sich Auszeichnendes, welches sich im Laufe der Erfahrung immer weiter auszeichnet, was insbesondere auch für die Erfahrung selbst gilt.

Es gibt dabei drei Arten der Auszeichnung eines Sich Auszeichnenden:
  1. die Auszeichnung durch den Eindruck des Erfassens vor dem Hintergrund eines anderen Erfaßten, die Unterscheidung,
  2. die Identifikation vieler solcher Erfaßter mit einander in einer zeitlichen Anschauung, üblicherweise in der Erfassung eines bewegten Körpers, aber denkbar ist auch die Erfassung eines leiser werdenden Geräusches und dergleich mehr, das Fortlaufen, und
  3. die Identifikation mehrerer auf die erste oder zweite Weise Erfaßter in der Erfassung einer Vielheit von Wahrnehmungen, die Reihung.
Bei den letzten beiden Auszeichnungsweisen benutzen wir die Zeit als Indexmenge, um mehrere Auszeichnungen der ersten Art zusammenzustellen, wobei beim Fortlaufen die Zeit tatsächlich anschaulich zu diesem Zweck vorliegt, wohingegen sie bei der Reihung bruchstückhaft konstruiert wird - auf eine Weise, welche wir erst weiter unten genauer erklären können, wenn wir nicht nur den Raum unserer Erfahrung besser verstanden haben, sondern auch die Benennung. An dieser Stelle genügt es aber zu verstehen, auf welche Weise Erfaßte durch die Erfahrung hindurch bestehen.

Als nächstes betrachten wir der größeren Konkretheit halber, und um in unser Verständnis des Raums unserer Erfahrung einzusteigen, Spannungsweisen, Wahrnehmungsweisen, Vorstellungen und den Eindruck unserer Verantwortlichkeit genauer.

Wenn wir ein bestimmtes Erfaßtes betrachten, so kann sich der Eindruck der eigenen Verantwortlichkeit vor dem Hintergrund der voraufgehenden Wahrnehmung entweder zu diesem Erfaßten selbst bilden, oder aber zu einem Eindruck, welcher sich zu diesem Erfaßten vor dem Hintergrund eines anderen Erfaßten bildet. Im ersten Fall sind wir informational oder vollverantwortlich für es, im zweiten modal oder teilverantwortlich.

Mit Hinblick auf die Freiwilligkeit unseres Erfahrens zeigt sich: Wir sind für alles, was wir erfassen, wenigstens teilverantwortlich.

Die Freiwilligkeit unseres Erfahrens ergibt sich aber daraus, daß wir nur erfahren, wenn wir uns besinnen, und wann immer wir erfahren, haben wir einen Eindruck einer Spannung unseres Geistes, welche ein Teil des jeweils Erfahrenen ist. Einige dieser Spannungen, jene der sinnlichen Wahrnehmungen genauer gesagt, wozu auch die Wahrnehmung der Anspannung unserer Muskeln gehört, erzeugen Nebenspannungen, welche wir nicht notwendigerweise informational verantworten. Verantworten wir sie nur modal, so sagen wir, es handele sich um sinnliche Wahrnehmungen, bei der Anspannung der Muskeln sind das nur die Reflexe, verantworten wir sie hingegen informational, so reden wir von Vorstellungen, beziehungsweise (Muskel-)Anspannungen. Im Traum haben wir für gewöhnlich den Eindruck für alles verantwortlich zu sein, fehlte unsere Verantwortlichkeit dort einmal, so handelte es sich um eine Offenbarung oder äußere Steuerung, was auch immer der Sache näher käme.

Kommen wir nun zu den Erinnerungen, welche den Grund der bruchstückhaften Konstruktion der Zeit aus unseren Erfahrungen legen.

Auch Erinnerungen entspringen einer spezifischen Anspannung unseres Geistes, deren Eindruck stets mit ihnen zusammen wahrgenommen wird. Aber sie unterscheiden sich auch dadurch von sinnlichen Wahrnehmungen und Vorstellungen, daß wir nicht erwarten, etwas in ihnen Erfaßtes durch Wiederholung der Erinnerung neuerlich zu erfassen, also genauer gesagt um weitere identifizierte Erfaßte zu erweitern, deren Auszeichnungen erst noch zu erfahren sind: Wir erwarten nicht, daß das Erfaßte durch neuerliche Erinnerung noch etwas anderes wird, es ist unserem forschenden Interesse entzogen.

Erfaßte sinnliche Wahrnehmungen oder auch Vorstellungen, oder (Muskel-)Anspannungen, lassen sich hingegen durch neuerliche geistige Anspannung um eine Zukunft erweitern.

Forschendes Interesse haben wir natürlich insbesondere im Rahmen unserer Erwartungsbildung, welche den Zweck hat, uns für einen Modus des Weiterlebens vorzubereiten, und entsprechend schmerzhaft mag die Entzogenheit einer Erinnerung von weiterer Forschung empfunden werden, doch damit möchte ich den Abschnitt zu den Erinnerungen beschließen und zuguterletzt zur Benennung kommen, welche wir benötigen, um die Erinnerungen in eine uns genehme Reihenfolge zu bringen, man betrachte etwa den Film Memento zu dieser Notwendigkeit - überhaupt scheint Christopher Nolan am Raum unserer Erfahrung interessiert.

Die Eindrücke, welche uns im Raum unserer Erfahrung zur Verfügung stehen, sind Erwarten, Sollen und Verantworten, nicht aber vorher und nachher, abgesehen vom Eindruck voraufgehend, welcher sich zu der vorigen Erfassung im Moment ihres Vergehens vor dem Hintergrund der neuen Erfassung bildet, und damit ihre Erinnerung im Rahmen ihrer Referenzierung als Hintergrund der neuen Erfassung erlaubt. Kaum jemals aber bleibt eine derartige, zum jeweils Voraufgehenden absteigende Kette in unserer Erinnerung intakt, und also müssen wir nach gewissen Regeln selber festlegen, was vor x und nach x genannt, und auch so behandelt werden soll, wobei x die Stelle für die verschiedenen Erfahrungen freihält.

Das Sollen, welches uns dabei für die Benennung interessiert, ist das Sollen eines regelhaften Verantwortens, in Erwartung seiner Nützlichkeit, hier der zeitlichen Ordnung unserer Erfahrungen. Dieses Sollen steht dabei vor demselben Hintergrund wie die es hervorrufende Erwartung, abzüglich des regelhaften Verhaltens, siehe die Ausführungen zum Hineinversetzen.

Allgemein ist es allerdings so, daß, wenn wir uns etwas vornehmen, wir uns selbst als regelhaft Verantwortende verstehen, und durch das Interesse an der Nützlichkeit dieses (Selbst-)Verständnisses den Eindruck haben, der Regel Folge leisten zu sollen, auch wenn die Regel keinen anderen Nutzen hätte. Dieser Umstand wird die Willensfreiheit des Menschen genannt. Diese Willensfreiheit sollte aber nicht dazu führen, daß wir uns ständig aus lauter Sturheit verbohren, mit anderen Worten empfiehlt es sich, auch ihren Gebrauch zu regeln.

Eine gute Forderung in dieser Angelegenheit ist es, daß unser regelhaftes Verhalten, welches ich, soweit es meines ist, in diesem Blog als ἰδέα kategorisiere, im engstmöglichen Zusammenhang mit unseren Eindrücken, welche ich, soweit sie meine sind, in diesem Blog als Wahrnehmungen kategorisiere, steht, aus welcher Motivation heraus ich auch diesen Beitrag geschrieben habe.

Einiges ist noch detaillierter zu betrachten, aber dieser Zwischenschritt war wahrhaftig groß genug.

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5. August 2015

Logische Wahrnehmungen

Unsere Wahrnehmung ist nicht teilbar, denn Wahrnehmung ist das Bewußtsein dessen, der wahrnimmt, und Bewußtsein ist die Gänze des jeweils Bewußten.

Folglich sind mit spezifischen Wahrnehmungen spezifische wahrgenommene Formen gemeint, und im besonderen mit logischen Wahrnehmungen logische Formen.

Es gibt zwei Arten logischer Formen, nämlich
  • logische Erfassung und
  • logische Ordnung.
Die logischen Erfassungen sind
  • Auftreten,
  • Ausbleiben und
  • Zusammenfallen.
Die logische Ordnung ist
  • Begleitung.
Bei letzterer nehmen wir an, daß eine Wahrnehmung zwangsläufig eine andere Wahrnehmung mit sich bringt, wie es beispielsweise bei Begriffen der Fall ist, welche diejenigen Wahrnehmungen, deren Verhältnis zu einander sie begreifen, begleiten.

Darüber, ob eine bestimmte logische Form eine Wahrnehmung beschreibt oder nicht, geben die Begriffe des Zutreffens und Widersprechens jeweils nach einer Einsicht Aufschluß oder, im Falle deren Ausbleibens, auch nicht.

Dazu ist allerdings anzumerken, daß die Einsichten in das dem Auftreten Widersprechen, in das Zutreffen des Ausbleibens und in das Zutreffen der Begleitung erwartungsabhängig sind, da wir nie Gewißheit darüber haben können, etwas nicht übersehen zu haben. Ob wir also zu diesen Einsichten gelangen oder nicht, hängt ausschlaggebend von dem Grad ab, zu welchem uns unsere diesbezüglichen Erfahrungen versichert oder verunsichert haben.

Die menschliche Starre im Angesicht von Zivilisationsbrüchen und -umbrüchen erklärt sich eben hieraus, und ein pessimistisches Menschenbild erscheint also als Bollwerk gesellschaftlicher Stabilität, wie es sich freilich auch in unzähligen empirischen Einzelfällen bestätigt: Wenn niemand mehr eine Antwort weiß, der grantelige Opa von nebenan hat bestimmt eine.

Es bleibt abschließend die Frage zu behandeln, ob die Erfassung des Ausbleibens nicht überflüssig ist und womöglich in unserem Denken gar nicht vorhanden.

Dazu möchte ich zwei Dinge zu bedenken geben.

Erstens, wenn ich denke: Es sind keine Frauen in der Männerumkleide, so nehme ich dabei nicht zum Zwecke der Widerlegung an, daß doch welche da wären. Ich muß mir zwar eine Frau in hinreichender Konkretion vorstellen, um diese Aussage zu bestätigen, aber ich stelle sie mir nicht in der Männerumkleide vor.

Zweitens, wenn wir ein Ausbleiben als das dem Auftreten Widersprechen auffaßten, so könnten wir die Frage nicht beantworten, wodurch das Ausbleiben dem Auftreten widerspricht, was nicht so ist, wie es sein sollte.

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22. April 2014

Verhältnisse

Ich gebe zu, daß es mir in letzter Zeit hauptsächlich darum geht, die Dinge ins Reine zu bringen. Zwar schreibe ich daneben noch von anderem, aber es bereitet mir keine große Freude.

Und damit möchte ich eine Reihe von Beiträgen beginnen, welche sich mit dem Thema beschäftigen, welches ich zur Anfangszeit dieses Blogs verfolgte.

Man vergleiche den Beitrag Die Arten und Grenzen des Begreifens.

Ich hatte in jenem Beitrag Schwierigkeiten mit einem bestimmten Verhältnis, nämlich dem zwischen einer bestimmten Farbe und dem Begriff Farbe.

Die habe ich mittlerweile überwunden. Auch führe ich dort mehr Verhältnisse als nötig an, insbesondere ist das Verhältnis der Gleichheit überflüssig. Und außerdem umgehe ich in jenem Beitrag die Unterscheidung des Aktualen vom Potentialen, welche ich in einem späteren Beitrag behandeln möchte.

Zunächst einmal sollte man Verhältnisse danach unterscheiden, ob es sich bei ihnen um einen (elementaren) Unterschied handelt oder um den Bezug bezüglicher Begriffe auf einander.

Die (elementaren) Unterschiede sind folgende.
  • Lage
  • Farbe
  • Klang
  • Geruch
  • Geschmack
  • Kraft
  • Wärme
  • Zeit
Interessanter sind die Verhältnisse der zweiten Art, welche ich in größerem Detail als die vorigen angeben möchte.
  • Bezogenheit zweier bezüglicher Begriffe auf einander
  • Betroffenheit eines Wahrnehmungsvermögens durch einen Inhalt
  • Zugeordnetheit eines Gegenstandes zu einem anderen
Ein paar erläuternde Worte dazu. Jedes Verhältnis wird zuordnend gedacht. Man nimmt einen Gegenstand A und ordnet ihm einen anderen B zu, um entweder zu sehen, worin sich B von A unterscheidet, oder um sich ein Urteil darüber zu bilden, ob die beiden Gegenstände sich gemäß den verwendeten bezüglichen Begriffen auf einander beziehen, also ob
  • A und B bezügliche Begriffe sind, welche sich aufeinander beziehen, etwa lauter und leiser oder auch Inhalt und Wahrnehmungsvermögen,
  • B das Wahrnehmungsvermögen A betrifft, etwa Rot die Farbwahrnehmung oder auch eine Aussage das Einsichtsvermögen, also ob die Aussage wahr ist,
  • B dem Gegenstand A zugeordnet wurde.
Jedes so zwischen zwei Gegenständen bestehende Verhältnis bildet eine Aussage, welche in jedem Falle unser Denkvermögen betrifft, unser Einsichtsvermögen aber nur dann, wenn sie wahr ist.

Daraus ergibt sich eine kleine Schwierigkeit. Möglicherweise betrifft eine Aussage unser Einsichtsvermögen nur deshalb nicht, weil wir zu müde sind oder dergleichen, wir können also nicht mit Sicherheit annehmen, daß sie falsch ist. Glücklicherweise lassen sich Aussagen aber negieren, so daß man auf diesem Wege Gewißheit erlangen kann.

Formal ist eine Aussage am einfachsten durch die Zuordnung der beiden Gegenstände zu den verwendeten bezüglichen Begriffen zu realisieren, aber das bedeutet nicht, daß dies in unserem Denken auch so stattfindet, das Verhältnis begleitet die beiden Gegenstände eher, ohne daß uns die Natur dieser Begleitung vollständig bewußt wäre.

Ein paar Worte zu den ursprünglich von mir angegebenen Verhältnissen.
  • Entstehung ist ein Spezialfall der Zugeordnetheit.
  • Darstellung ist die etwas verkorkste Frage nach der Wahrheit einer Aussage, hier also durch die Betroffenheit des Einsichtsvermögens realisiert.
  • Erfassung ist ebenfalls durch die Betroffenheit realisiert.
  • Begleitung ist die Zuordnung innerhalb eines Allquantors, dazu später mehr.
  • Zugehörigkeit ist die Betroffenheit.

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13. Februar 2026

Trichterungen unwillkürlicher Begleitungen

Verhältniseindrücke begleiten die Gegenstände, zwischen welchen sie bestehen, nur, wenn diese willkürlich aufgegriffen werden, was ich als Kontrastierung bezeichnet habe. Im Gegensatz dazu begleiten Gefühle ihre Gegenstände bereits, bevor diese aufgegriffen wurden.

Es gibt drei Weisen, die Erweckung der Erfassung gefühlsmäßiger Begleitung zu trichtern, wobei es sich bei der Erfassung um eine zeitliche Betrachtung handeln muß, also um eine Aktualisierung, eine Vergegenwärtigung oder ein Innehalten, und bei den Gefühlen also um Erwartung, Adäquanz, Wertschätzung, Liebe oder Anteilnahme:
  • das vorfühlende Aufgreifen, welches zu einem Gefühl ein Gältigkeitserlebnis seiner Begleitung erweckt, zur Liebe etwa das innehaltende Erlebnis, etwas Geliebtes zu lieben,
  • das formumgehend kontrastierende Aufgreifen, bei welchem etwa gefragt wird, ob etwas Erwartetes (dessen Form umgangen wird) einen selbst und Menschenmassen beinhaltet, was entweder das aktualisierende Gültigkeitserlebnis zutreffend oder unzutreffend erweckt, wiewohl nicht gänzlich klar ist, auf welcher Basis, und
  • das formumgehend charakterisierende Aufgreifen.
Durch Charakterisierung dessen, was Gefühle in einer zeitlichen Betrachtung begleiten, läßt sich diese theoretisch erwecken. Konkret gibt es wieder drei, beziehungsweise neun, Beispiele, deren Existenz darauf zurückgeht, daß die Selbstfestlegungen Nexus der drei transzendenten Einheiten sind:
  • das Heil (die Liebe) motiviert die Selbstfestlegung,
    • die Verbundenheit das Gelübde,
    • die Rechtschaffenheit die Anerkennung und
    • der Friede die Verpflichtung,
  • die Lebensteilnahme (Adäquanz) ihren Ablauf,
    • die Aufgerufenheit die Umsetzung der Pflicht,
    • die Bedeutsamkeit die Begegnung des Gelobten und
    • die Sinnhaftigkeit die Befriedigung des Anerkannten, und
  • das Sein (die Erwartung) erlaubt ihn.
Es kommt nun zu folgendem Phänomen: Ist uns eine zeitliche Betrachtung nicht zugänglich, so mögen wir, ihre Form umgehend, doch noch zu der Einsicht gelangen, welches Gefühl mit der von ihr vorbereiteten Betrachtung verbunden ist. Die drei, beziehungsweise neun, Beispiele sind:
  • die bereits bekannten (Ehrungs-)Einfühlungen in
    • die erwartete Gnade (Rechtschaffenheit der Begegnung als Maß ihres Erfolgs) eines Gelübdes,
    • das erwartete Los (Friede der Befriedigung als ebensolches) einer Anerkennung und
    • den erwarteten Segen (Verbundenheit der Umsetzung als ebensolches) einer Verpflichtung 
  • die Rollenausmessungen nach ihrer Wichtigkeit, bei welchen
    • die Verbundenheit eines Gelübdes einen Eindruck der Bedeutsamkeit der Begegnung,
    • die Rechtschaffenheit einer Anerkennung einen der Sinnhaftigkeit der Befriedigung und
    • der Friede einer Verpflichtung einen der Aufgerufenheit zur Umsetzung vermittelt, und
  • die Effektausmalungen, bei welchen
    • die Bedeutsamkeit eines Gelübdes einen der erwarteten Begegnungen,
    • die Sinnhaftigkeit einer Anerkennung einen der erwarteten Befriedigungen und
    • die Aufgerufenheit zur Pflicht einen der erwarteten Umsetzungen vermittelt.
Die Rolle nach dem ausgemalten Effekt zu wählen ist typisch für Erregte, die Ehrung nach der ausgemessenen Rolle, typisch für Fordernde, und den Erfolg nach der Einfühlung in die Ehrung typisch für Gestimmte, wobei es aber auch zu Güterabwägungen kommt, wenn mehr als ein Maß bekannt ist.

Da meine Ansprüche recht außergewöhnlich sind, harmonieren sie nicht sonderlich gut mit den Ehrungs-, Rollen- und Effektansprüchen Anderer. Auswählen kann ich mir meine Ansprüche in dieser Welt aber nicht, einzig kann ich mich von jenen fernhalten, welche keine Gedanken an ihre verschwenden.

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23. August 2020

Eingebildetheit oder die Einfärbung des Denkens

Unser Denken besteht darin, daß wir unsere Gedanken ausdrücken, also
  • Entsprechungen,
  • Verbindungen (oder Begleitungen),
  • Handlungen,
  • Veränderungen und
  • Erfahrungen.
Hinsichtlich der Verbindungen möchte ich eine Unterscheidung danach anstellen, ob die Begleitung eine willkürliche oder eine unwillkürliche ist. Selbstverständlich kann ein und dieselbe Verbindung für den einen willkürlich und für den anderen unwillkürlich sein, etwa wenn der erste eine Folge von Tönen an einander reiht, welche der zweite hört. Die Unterscheidung ist aber so zu verstehen, ob die Verbindung für irgendjemanden willkürlich ist oder nicht.

Den Akt der willkürlichen Verbindung nennen wir Beilegung oder Einfärbung, an anderer Stelle habe ich ihn auch Zuordnung oder Assoziation genannt. Benennungen sind Beilegungen, und das Komponieren von Musikstücken ist auch eine Form derselben. Es gibt in der Tat mannigfache Beilegungen, welche dazu dienen, die Potenz unseres Denkens und Empfindens zu steigern. Aber es gibt auch Beilegungen, deren Zweck es ist, uns eingebildet zu machen, und damit, wie sich dies zuträgt, möchte ich mich in diesem Beitrag beschäftigen.

Einbilden definierte ich als das Ausmalen der Ethik im Gegensatz zum Bekennen, was ihr Erfassen ist. Etwas Beigelegtes möchte ich auch als Kunstvorstellung oder wieder als Einfärbung bezeichnen. Und also werde ich mich im folgenden mit dem Einfluß von Kunstvorstellungen auf die Ethik beschäftigen.

Kunstvorstellungen beeinflussen alle unsere Gedanken, und insofern sie es tun, möchte ich auch von eingefärbten Gedanken sprechen.

Eingefärbte Erfahrungen. Unsere Erfahrungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Hallen fungieren, das heißt, weil wir mit bestimmten Ereignissen bestimmte Kunstvorstellungen verbinden, deren Verkörperungen die Ereignisse sind, bedeutet uns ihr Eintreten etwas besonderes. Beispielsweise färbt unsere Selbstbehauptung unsere Geburtstagsfeiern ein. Daß dabei eine Geburtstagsfeier ein Akt der Selbstbehauptung ist, beruht auf einer Beilegung: Selbstbehauptung ist ein Begriff, welchen wir (ziemlich) willkürlich definieren können (ohne uns lächerlich zu machen), unter welchen also dasjenige fällt, von welchem wir sagen, daß es unter ihn fällt. Umgekehrt gibt es auch Menschen, welche sich einbilden, durch bestimmte Ereignisse gedemütigt zu werden. In allen Fällen macht sich die Beilegung dabei die Vorstellung der menschlichen Selbstbestimmung zu nutze.

Eingefärbte Veränderungen. Veränderungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Dramatisierungen fungieren, das heißt, weil sich eine Veränderung auf etwas beigelegtes auswirkt, erscheint sie dramatischer, als sie es sonst wäre. Beispielsweise sehen wir das Verbrennen von Flaggen als dramatischer als das Verbrennen von Hosen an. Daß dabei eine Flagge ein Symbol ist, beruht wieder auf einer Beilegung.

Eingefärbte Handlungen. Handlungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Bombast fungieren, das heißt, weil eine Handlung einen beigelegten Sinn erfüllt, erscheint sie uns bombastischer, als sie es sonst täte. Beispielsweise freut sich ein Fußballspieler ungleich mehr, wenn er ein Tor schießt, als sich jemand freut, der einen Kieselstein auf eine vergleichbare Bahn schickt. Hier beruht die Beilegung in allen Fällen auf Beimessung.

Eingefärbte Entsprechungen. Entsprechungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Maßstabsverzerrungen fungieren, das heißt, weil Beigelegtes verglichen wird, kommt es zu verzerrten Abwägungen. Beispielsweise kann bereits die nichtigste Unachtsamkeit auf dem Wege der verletzten Ehre zu den schwersten Strafen führen. Alle Fälle hier beruhen darauf, daß neben der Sache selbst noch ein Anspruch, welchen sie auf etwas hat, verglichen wird.

Eingefärbte Verbindungen. Dadurch, daß wir Kunstvorstellungen assoziieren, kommt es zu Vorurteilen, welche als Urteilsersatz fungieren.

Fassen wir also zusammen: Die Ausmalung der Ethik erfolgt durch willkürliche Bewertung, und zwar bei
  • eingefärbten Erfahrungen von Schlüsselreizen nach Selbstbestimmtheit,
  • eingefärbten Veränderungen der Dramatik nach Symbolen,
  • eingefärbten Handlungen der Gewichtigkeit nach Beimessungen,
  • eingefärbten Entsprechungen der Vergleichbarkeit nach Ansprüchen und
  • eingefärbten Verbindungen der Glaubwürdigkeit nach Vorurteilen.
All dies, jede Form der Eingebildetheit, steht der Bekanntwerdung mit Gott im Wege. Die Frage stellt sich, wie sehr die katholische Kirche es darauf abgesehen hat, daß wir mit Gott bekannt werden. Jedenfalls kann man nicht behaupten, daß sie Selbstbestimmtheit zur Bewertung von Schlüsselreizen, Symbole zur Bewertung der Dramatik, Beimessungen zur Bewertung der Gewichtigkeit, Ansprüche zur Bewertung der Vergleichbarkeit und Vorurteile zur Bewertung der Glaubwürdigkeit miede wie der Teufel das Weihwasser. Nun ja, heute mehr als vor 500 Jahren, und doch... Ist es etwa nicht wahr, daß es die Wenigsten mit den Franzosen und Spaniern in puncto Eingebildetheit aufnehmen können?

Nicht, daß es um Deutschland so viel besser stünde, in puncto Bombast sind wir wahrscheinlich sogar Weltmeister, und nicht jede Form von Symbolen und Ansprüchen ist zivilisatorisch gesehen schlecht, wenngleich sie uns alle von Gott trennen, ebenso wie Selbstbestimmtheit und Beimessungen Trost spenden mögen und Vorurteile Sicherheit. Ob aber all diese Eingebildeten erkennen werden, daß ihnen ihre Einbildung im Wege steht? Daß sie notwendig Fiktion ist und bleibt, welche sie von der Wahrheit, und insbesondere ihrer wahren Beziehung zu Gott, trennt, welche sie wahrnehmen und erfassen müssen?

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20. Januar 2020

Mein Beseelungsmodell

Ich befaßte mich zuletzt mit dem Johanneisch-Plotinos'schen Seelenmodell, um es einmal so zu nennen. Aber es ist offensichtlich unvollständig, da es die materiellen transzendenten Akte nicht abdeckt.

Eine vollständige Behandlung der transzendenten Akte findet sich im Beitrag Transzendente Einheiten. Hier nun werde ich diese Betrachtung durch die Begriffe des Heils, des Lebens und des Anklangs erklären.

Es gibt gebundenes und freies Heil, wobei gebundenes Heil wie im Beitrag Heils- und Lebensausprägungen beschrieben an Leben gebunden ist. Ideelle transzendente Akte beeinflussen die Bindung, doch selbst wenn dies im Rückgriff auf das Heil geschieht, also beim Gebet um die Gnade der Ordnung, ist das bemühte Heil nicht als frei zu betrachten, doch in jenem Fall immerhin als bloß unspezifisch gebunden.

Freies (Un-)Heil hingegen steht jeden Augenblick bereit, Gutes (oder Übles) zu zeitigen, und auf diese Bereitschaft der Wirklichkeit gründet sich der Begriff des Anklangs, oder auch Karmas.

Doch fassen wir das besser formal: Unsere Verbundenheit
  • mit Gott löst Heil und (begriffliches) Leben durch ideelle transzendente Akte und Inspiration ein,
  • mit dem Lebenskreis verfolgt (konkretes) Leben durch funktionale transzendente Akte und
  • mit der Wirklichkeit löst Anklang durch materielle transzendente Akte aus.
Der Grund der Verbundenheit besteht dabei in unserer Beseelung,
  • die Lust verbindet uns mit der Wirklichkeit,
  • die Achtung mit dem Lebenskreis und
  • die Sorge mit Gott,
wobei das Beseelte Schritt für Schritt an Qualität gewinnt, nämlich
  • Existenz,
  • Organisiertheit und
  • Alternativität;
Organisiertheit durch Funktionsunterscheidung und Alternativität durch Funktionswahl.

Doch auch wenn wir durch die Liebe des Heils, die Klärung unseres Glaubens, die Ausschöpfung unserer Vorliebe und die erfolgreiche Gewissensentsprechung, sowie die Verfolgung unserer konkreten Betroffenheit durch Ordnung, Beteiligung und Verantwortung weitgehend gebunden sind, gibt es doch einen Teil unserer Seele, welcher für die augenblicklichen Ansprüche des Heils an die Wirklichkeit offen ist, mit anderen Worten also für das freie Heil.

Das Heil prägt wie gesagt ein Gleichgewicht aus, und es tut dies durch
  • einen Begriff der Ausgeglichenheit und
  • einen Prozeß der Schöpfung.
Indem uns die Heiligkeit einer Ausgeglichenheit einleuchtet, erwählen wir, sie zu beherzigen, und die Besinnung auf sie führt zur Entgegnung (oder Entlohnung), indem sich die Wirklichkeit unserer Wahl anschließt.

Indem wir uns auf die Heiligkeit der Schöpfung einlassen, erwählen wir eine Reifung, und die Besinnung auf die Schöpfung führt zur Begleitung (oder Gebietung), indem sich die Wirklichkeit unserer Wahl anschließt.

Indem wir uns einlassen, legen wir zugleich den Grundstein für unsere uneigentliche (oder bedingte) Erwartung, nämlich dadurch, daß wir einen Ausgleich als heilig annehmen und unter dieser Voraussetzung gewisse Wendungen erwarten.

Indem wir für die Heiligkeit eines Gleichgewichts einstehen, erwählen wir eine Wirkung, und die Besinnung auf es führt zu Einstellung (oder Abschirmung), indem sich die Wirklichkeit unserer Wahl anschließt.

Indem wir also unser Leben hintanstellen und die freie Heiligkeit suchen, können wir mit der Wirklichkeit eins werden und Wunder und Zeiten wirken, doch stets nur für den Augenblick, denn eine höhere Realität kennt die Wirklichkeit nicht.

Es ist klar, daß Hinduismus und Buddhismus die Erfahrung des Anklangs der Wirklichkeit suchen und die Abrahamitischen Religionen den Abglanz des Heils im Leben. Ich glaube aber nicht, daß die Aufgabe des Anklangs zur Gewinnung des (ewigen) Lebens gehört, wie es die französische Schule zu behaupten scheint.

Post  Scriptum vom 24.1.2020. Einlassen besteht darin, die Regel zu beherzigen, also die Stellung einzunehmen, den Erfordernissen einer erkannten, durch Regeln näher zu bestimmenden Wirkungsdynamik nachzukommen. Würde hingegen nur die Haltung angenommen, ihr nachzukommen, sprächen wir nicht von einlassen, sondern von ausnutzen. Und im hier betrachteten Fall lassen wir uns konkret darauf ein, die Schöpfung (von mir auch Zeitgeist und die Wirkung des Heiligen Geistes genannt) durch unsere Haltung auf Grundlage dessen zu unterstützen, daß das Heil seine (transzendente!) Macht daraus gewinnt, daß wir ihm unser Verhalten unterordnen. Siehe auch meine Bemerkung zum Einlassen in Bestürztheiten, Zeitalter und Orientierungen.

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20. November 2021

Von der kindlichen Trauer über verlorenes Bewußtsein

Im vorigen Beitrag machte ich einen Abstecher in die österreichischen Alpen zu einer Wildwasserkanutour, auf welche ich vor 23 Jahren ging, auf welcher ich eine Diskussion mit einem Mitstudenten hatte, welche sich um den Sinn des Lebens drehte, bei welcher ich mich in der Rolle des Verteidigers der Dankbarkeit darüber, die Welt erfahren zu dürfen, wiederfand, während er meinte, es müsse mehr geben, welches er in Photos, welche er machte, suchte. Ich hatte damals schon Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung gelesen, verkniff es mir aber, ihn zu fragen, ob er meinte, daß sich der Sinn des Lebens in der platonischen Idee als dem Objekt der Kunst zeige.

In diesem Beitrag möchte ich einen Abstecher in meine Vorschulzeit machen, nicht zu dem ersten erinnerten Ereignis meines Lebens, meine Zuflucht zur sich entfaltenden Herrlichkeit Gottes in folge meiner Bestrafung für meine Verzweiflung über meine aussichtslose Lage als ich drei Jahre alt war, welches sich als thematisches Bindeglied anböte, sondern in die folgenden drei Jahre, 1978, 1979 und 1980. Diese Zeit ist für mich von der Trauer darüber, in einer vergessen habenden Zeit zu leben, gekennzeichnet. Gern wäre ich den Kindern um mich herum näher gekommen, aber wann immer sich die Gelegenheit dazu bot, fand ich sie auf ziellosen Bahnen schwirrend.

Ich habe mir gestern drei Filme aus dieser Zeit angesehen:
  1. The Sheriff and the Satellite Kid (1979),
  2. Heaven Can Wait (1978) und
  3. The End (1978).
Die ersten beiden drehen sich ganz direkt um diese Trauer, indem sich sowohl Bud Spencer als auch Warren Beatty in einer dem Reichtum und der Macht (Raimund Harmstorf in einer recht überzeugend gespielten eher oberflächlich angelegten Rolle) verschrieben habenden Zeit behaupten müssen. The End dreht sich hingegen um die Unwesentlichkeit am Ende des Zeitalters der Werke, darum, daß die Beziehungen zwischen den Menschen zu bedeutungslosen Abziehbildern werden, darum, daß Menschen in einer vergessen habenden Zeit verloren gehen. Ein wesentlicher Bestandteil des Humors des Films ist Burt Reynolds' fortwährende selbstironische Selbstanklage, welche indes in der von den ersten beiden Filmen erzeugten kindlichen Gemütsverfassung unnachvollziehbar ist. Dennoch, das macht den Film nur gröber, unfertiger, irrelevant wird er nicht.

Es gibt drei Formen der kindlichen Trauer über verlorenes Bewußtsein, wobei es sich bei dem Bewußtsein darum handelt,
  • der Macht,
  • der Wechselseitigkeit und
  • des Zuträglichen
eingedenk zu sein, nämlich
  • Menschen als schnöde zu empfinden, wenn sie die Macht übermäßig bestimmt, wie es Bud Spencer und Warren Beatty in den genannten Filmen tun,
  • Menschen als windig zu empfinden, wenn sie die Wechselseitigkeit übermäßig bestimmt, wie ich im genannten Alter oder Nicolas Cage in Raising Arizona (1987), und
  • Menschen als bieder zu empfinden, wenn sie Macht und Wechselseitigkeit übermäßig bestimmen, wie in Fatty Finn (1980) und Der fliegende Ferdinand (1983) zu sehen.
Ein Lied über eine schnöde Frau (Another Man's Woman, 1975):

(gewisse Anleihen seitens Sheriff, was die Begleitung angeht).

Und auf dem Wege über Oh Heavenly Dog (1980) ein Lied über die kindliche Trauer über verlorenes Bewußtsein als solche (Song for Guy, 1978):

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29. April 2023

Seelenbelebung

Zeit, die Dinge wieder einmal auf der Besinnungs- statt auf der Rechtfertigungsebene zu betrachten.

Ziel dieses Beitrags ist es, die Umstände des Aktivwerdens der Verfolgung, Einlösung und Auslösung besser zu verstehen, wozu wir die Gedanken festhalten, in deren jeweiligen Rahmen wir die Entdeckungen machen, welche uns zu gesteigerter Besinnung anspornen, sowie die Entdeckungen selbst und was sich bleibend aus ihnen ergibt.

Im Rahmen der Verfolgung des Anstrebens entdecken wir, daß die Auslösung uns aus Willensausdrücken (einer Klasse von Eindrücken) in Sinneseindrücke (eine andere Klasse von Eindrücken) versetzt, und diese Versetzung ist uns ein Beispiel der Begleitung von Willensausdrücken durch Sinneseindrücke, welcher wir auf diese Weise gewahr werden, und indem wir es werden, ändert sich unsere Bemühung von Willensausdrücken zum Zwecke der Hervorrufung von Sinneseindrücken. Gestern, beispielsweise, habe ich wieder einmal den Willensausdruck eines fügenden materiellen Gebets bemüht, um mich in die zwar herrliche, aber noch nicht so ganz warme Brandung der frühlingshaften Ostsee zu stürzen, einen Ausdruck, welchen ich als feurige Anfüllung der Brust bei gleichzeitiger Starre des restlichen Körpers beschreiben würde.

Im Rahmen der Verfolgung aller Gedanken entdecken wir, daß die Verfolgung zu erwachten Regungen (einer Klasse von Eindrücken) gedankliche Vorstellungen (eine andere Klasse von Eindrücken) einholt, wobei der Gedanke ein Beispiel der Einholung ist, an welchem wir ihrer gewahr werden, und indem wir es werden, ändert sich unsere Ausschau nach Regungen, welche sich einholen ließen. Beispielsweise halte ich nach der Verfolgung von Erlebnissen danach Ausschau, zu einer Einordnung der erfahrenen Rückschauen zu gelangen, um mich in die Lage zu versetzen, meine Erlebnisse meiner Haltung nach eingeordnet zu haben.

Im Rahmen der Verfolgung der Entsprechung entdecken wir, daß die Einlösung ein Verhältnis zwischen zwei Gegenständen (dieses Mal einer und derselben Klasse von Eindrücken) herstellt*, und ein Beispiel eines Verhältnisses ist ein Zeichen, demgemäß wir, wenn wir ein Zeichen sehen, eines Verhältnisses gewahr werden, und indem wir es werden, ändert sich unsere Erfassung der Verhältnisse zwischen Gegenständen.

Zum Abschluß möchte ich Zeichen noch in die folgenden Klassen unterteilen,
  • verstörende Zeichen, falls das hervortretende Verhältnis von uns bisher nicht erfaßt wurde,
  • ermutigende Zeichen, falls es so aussieht, daß wir auf dem richtigen Weg sind, es zu erfassen,
  • aufschlußreiche Zeichen, falls es Fragen beantwortet, welche wir hinsichtlich seiner Erfassung haben, und
  • bestätigende Zeichen, falls es unserer Erfassung seiner gänzlich zu entsprechen scheint.
welche insbesondere auf die Verhältnisse zu den transzendenten Einheiten Anwendung finden und auf die Frage führen, ab wann es im Rahmen deren Offenlegung sinnvoller ist, die Menschheit zu ermutigen als sie zu verstören - eine Frage, deren Antwort nicht schwer zu finden, doch bisweilen schwer zu ertragen ist.

* da sich jeder Begriff als Verhältnis zu einem Gegenstand verstehen läßt.

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3. April 2016

Literarische Formate

Bei der Durchsicht meiner Lieblingsfilme bin ich auf folgende Einteilung gestoßen.
  • Berichte
    • Dokumentationen
    • Reportagen
  • Darstellungen
    • Fantasien
    • Expositionen
  • Erzählungen
    • Märchen
    • Novellen
Ein Bericht ist die literarische Begleitung eines oder einer Gruppe von Menschen, welche entweder die Identifikation mit diesem oder diesen anregt, in welchem Fall es sich um eine Dokumentation handelt, oder es nicht tut, in welchem Fall es sich um eine Reportage handelt.

Ein Beispiel für eine Dokumentation ist Dostojewskis Verbrechen und Strafe, ein Beispiel einer Reportage Ondaatjes Englischer Patient.

Eine Darstellung ist die literarische Herausarbeitung eines bestimmten Gedankens, welcher entweder nur angeregt wird, in welchem Fall es sich um eine Fantasie handelt, oder aber bloßgelegt, in welchem Fall es sich um eine Exposition handelt.

Ein Beispiel für eine Fantasie ist Endes Unendliche Geschichte, ein Beispiel einer Exposition Antunes Handbuch der Inquisitoren.

Eine Erzählung ist die literarische Erzeugung einer Geschichte (daß Endes Unendliche Geschichte keine Geschichte ist, hat mich damals ziemlich enttäuscht), welche entweder auf Archetype zurückgreift, in welchem Fall es sich um ein Märchen handelt, oder es nicht tut, in welchem Fall es sich um eine Novelle handelt.

Ein Beispiel für ein Märchen ist Wagners Ring des Nibelungen, ein Beispiel einer Novelle Kipling's Dschungelbücher. Tolkien's Herr der Ringe ist mehr Novelle als Märchen, hat aber Anflüge eines Märchens.

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18. September 2013

Anmerkungen zum Glasperlenspiel

Dies ist nun ein Buch, welches zu viele besprechenswerte Aspekte hat, als daß ich es in einem Stück lesen sollte, und anschließend bemerken, was mir dann noch als bemerkenswert im Gedächtnis hängen blieb. Denn wohl ist es so, daß ich im Normalfall ein Buch gut genug verstehe und erinnere, um aus seiner zweiten Lektüre keinen Gewinn mehr zu ziehen, ja, die einzigen Gegenbeispiele dieses Normalfalls alte Schriften sind, wie Bibel, Koran, I Ching und so weiter, und das auch nur deshalb, weil sie viele Bilder enthalten, deren Bedeutungen im Laufe der Zeit verloren gegangen sind, doch meine Erinnerung an meine eigenen Assoziationen zu dem gelesenen Text ist bei weitem schwächer, denn diese korrigiere ich sozusagen im Laufe der Lektüre auf ihre Relevanz hin, bis am Ende stets nur ein wenige Sätze langes Fazit übrig bleibt, und so mag es sich vielleicht auch mit dem Leben als Ganzem verhalten, möglicherweise noch zusätzlich durch Demenz zur Knappheit genötigt.

Nun würde ich mich nicht so verhalten, wenn ich ein Feind dieser Kondensation wäre, welche den Äther, den Sinn einer Geschichte herauslöst, aber ich kann bereits an der jetzigen Stelle meiner Lektüre sagen, daß da im Falle des Glasperlenspiels überhaupt nichts übrigbleiben wird, daß diese Herangehensweise der Art dieses Textes nicht gerecht wird, welcher auf die Extension eines Phänomens, nämlich des Geisteslebens, zielt, und nicht auf seinen Kern.

Gut, und selbst wenn am Ende die Moral von der Geschichte sein sollte, daß sich der Geist nicht fangen läßt, sondern stets in Einzelnen neu hervorquellen muß, so ist es doch nicht nötig, sich Hesses Text zur Vergegenwärtigung dessen anzutun.

Sein Wert ist vielmehr der einer Führung durch das eigene Leben, besteht gerade in der Evozierung persönlicher Assoziationen, und diese möchte ich nun bis zu der Stelle
Dorthin schicken die Lehrer bloß die allerdicksten Schanzer und Kriecher.
dokumentieren. (Seite 57 des Suhrkamp Taschenbuchs von '72.)

Gut, aber selbst so sollte ich hier vielleicht nicht alles aufführen, wie etwa, daß sich in Mozarts Musik eher nicht die heitere Bezwingung der Sinnlichkeit erweist, also daß Susanna hier nicht etwa denkt, es wär' zwar schön, aber darauf lass' ich mich nicht ein,

sondern sich vielmehr an Mozarts statt leicht grimmig die Ziellosigkeit der immer gleichen Wirkung des Mondscheins und der lauen Luft vor Augen führt.

Dieses Insistieren auf einer Welterklärung, der Notwendigkeit der Stimmung der Massen, der Umkehrung von Ursache und Wirkung, daß die Musik einer Zeit nicht Ausdruck, sondern Eindruck sei, ist hier schon fürchterlich penetrant, und ich kann das Buch ehrlich gesagt nur lesen, indem ich diese Penetranz willentlich ignoriere.

Aber kommen wir nun zu dem, was es mir lesenswert macht, bisher die Elemente der Kommunikation und der Berufung. Reden wir also davon.

Hesse beschreibt die kulturstiftende Wirkung des gemeinsamen Ringens um schöne Formen. Dabei geht es ihm aber nicht um sein Ziel, also eine Idee der Schönheit, sondern um seine Technik, nämlich die Notwendigkeit des Anknüpfens an die Schöpfungen der Mitstreiter, welche sich am besten als Spiel auffassen läßt, das Glasperlenspiel, welches in seiner einfachsten Form die Begleitung einer Melodie durch eine andere ist.

Übrigens, was ich diesbezüglich selbst zu Stande gebracht habe, ist, denke ich, mehr eine Abbildung eines natürlichen psychologischen Verhältnisses zwischen zwei unterschiedlich gestimmten Personen als eine spielerische Annäherung an das Schöne, aber es ließen sich ja noch weitere Stimmen zu jener kleinen polyphonen Übung hinzufügen.

Das bedeutendste historische Beispiel solcher kulturellen Schöpfung, welches mir auf Anhieb in den Sinn kommt, ist die Wirkung des Fortschrittsgedankens auf die Gliederung des Pflanzen- und Tierreichs, als auch der Evolution des Menschen.

Da sieht man aber auch schon, daß diese Angelegenheit nicht unproblematisch ist. Und wenn die katholische Kirche über die segensreiche Wirkung des Glaubens an die Rückkehr Mariens in den Jungfrauenstand nach der Geburt Jesu Christi schwadroniert, steigt in mir schon der Gedanke an ihre gänzliche Beklopptheit auf, wobei ihre auf die besprochene Angelegenheit verweist.

Aber wenden wir uns besser von konkreten Inhalten ab, und betrachten Hessen gleich lieber Strukturen. In Frankreich findet das Glasperlenspiel öffentlich in der Tradition der Salons statt, in England dienen Oxford und Cambridge als örtliche Foki des Geisteslebens und in Deutschland?

In Deutschland betreibt jeder Verein sein eigenes Glasperlenspiel und schert sich einen Dreck um den Rest der Welt, immer wieder schön zu sehen, wenn irgendwelche Provinzler gegenseitig ihre wichtigen kulturellen Beiträge rühmen, aber auch, wenn Parteien Experten einladen.

Das Interessanteste, was ich diesbezüglich gesehen habe, war noch das Vortragsprogramm der Max Planck Gesellschaft. Letztlich handelt es sich dabei um eine Kontaktbörse und Talentmesse, aber so profan gibt es sich nicht, sondern stimmt in Hesses Lobgesang auf die Bereicherung des Denkens durch seine möglichst mannigfaltige interthematische Verknüpfung ein.

Nur, das stimmt durchaus nicht. Jedenfalls nicht in der Mathematik. Wiles und Perelman sind einsame Menschen, und nicht nur sie. Ich selbst habe in meiner Diplomarbeit wesentlichen Gebrauch von einem Satz gemacht, an welchem Gilles Pisier mehrere Jahrzehnte gearbeitet hat.

Das eigentliche Glasperlenspiel in der Mathematik dient ihren Zwecken und nur ihren Zwecken, es entsteht, wann immer ein Mathematiker von einem Satz hört, welchen er interessant findet. Und so ist es vielleicht auch allgemein, wir alle orientieren uns ja an dem, was wir interessant finden, und dazu bedarf es keiner Behörde und keiner Spielregeln.

Die Angelegenheit ist ehrlich gesagt auch zu wichtig, als daß es sich die Gattung Mensch erlauben könnte, sie nicht instinktiv mit großem Erfolg zu betreiben. Kunstideale samt deren künstlicher Durchsetzung sind vielleicht wirklich nicht mehr als eine problematische Verirrung.

Andererseits gibt es natürlich die weit verbreitete Phantasie der Berufung in einen elitären, staatslenkenden Zirkel, und nur zur Untermauerung dieses Gefühls schließt sich die Max Planck Gesellschaft standardmäßig in Panzerglas ein. Daß dieser so gewonnene Freiraum schnell zu einem Gefängnis wird, liegt auf der Hand, dazu will ich an dieser Stelle nicht mehr sagen. Mir geht es hier nur um die Vermutung der Existenz einer recht geführten Institution, welche eben durchaus verbreitet ist. Nun, aber sie ist natürlich auch plausibel. Es ist ja klar, daß man von einer kleinen, zu diesem Zwecke ausgewählten Minderheit, größere organisatorische Leistungen erwarten kann als von der Allgemeinheit. Und weil sie also schlagkräftig wäre, und Schlagkraft Gewinn bringt, nimmt man also an, daß sie sich auch in einer Institution niedergeschlagen hat.

Und so wird es auch sein, wenn nicht andere Organisationen dies unterbinden.

Das Bett, in welches sich ein Volk legt, wenn es parlametarische Demokratie und freie Marktwirtschaft annimmt, hindert selbstverständlich die Herausbildung von Institutionen, welche der Staatsideologie zuwiderlaufen, und so ist es mit allen Staaten, welche sich einer Ideologie verschreiben, also immer. Natürlicherweise wird also ein Volk eine Staatsideologie danach beurteilen, wie gut ihm die Institutionen gefallen, welche sie hervorbringt und einzig zuläßt.

Hesse denkt freilich an die Freiheit des Geistes, aber dafür ist der Geist zu mächtig, als daß man ihn frei wirken lassen könnte, was er ja andererseits auch einräumt. Das Glasperlenspiel, wenn es als Theater aufgeführt wird, mag zwar am Staat vorbeigehen, aber wenn es das nicht tut, dirigiert es ihn, und soll es ja auch.

Ich ahnte allerdings nie das Gefühl der Beglückung der Berufung im Rahmen meiner akademischen Laufbahn. Wie ich schon sagte, die Mathematik ist mühsam, es bleibt keine Kraft übrig, um Feste des Geistes zu feiern. Wo diese stattfinden, da bleibt die Mathematik zurück. Oder, um es anders zu sagen, die reine Arbeitsgelegenheit durch rechte Zurüstung auf die Aufgabe ist zwar ein großes Geschenk, wird aber nicht so wahrgenommen. Entsprechend findet man alle möglichen Typen von Mathematikprofessoren, welche jeweils in ihrem eigenen Universum arbeiten. Da gibt es den, welcher sein Leben als Gelegenheit begreift, überall das Bestmögliche, wie wenig es auch sein mag, auch tun zu können, was selbstverständlich Ehrfurcht heischt. Andere drehen kindisch ihre Kreise auf dem Rasen und ignorieren die Welt. Wieder andere lassen ihre Eitelkeit eine geistige Elite um sich herum konstruieren, welche es so gar nicht gibt. Und dann gibt es natürlich die Sportsmänner. Das sind die Wenigen. Resignierte Zyniker sind die Vielen.

Und doch empfand ich einmal die Ahnung jenes Glücks, daß es alles leicht sein könnte. Nur, leicht kann nur das lernen sein, nicht das beweisen. Es war also eine vorübergehende Berufung, die Berufung in den Lernzirkel eines Professors, welche auch nicht mir galt, sondern einem anderen, auf welchem sichtbar ihr Glück lag. Mich selbst reizte daran nur die Empfänglichkeit, wie in Hesses Buch dem alten Musikmagister wohl auch die Empfänglichkeit des Josef Knecht gefiel. Sie gibt dem eigenen Gestaltungswillen Resonanz, das macht sie verlockend.

Aber warum sollte die Berufung auch mehr als eine Phase sein? Dies alles ist natürlich genug, und mannigfaltig genug in der Natur realisiert, Hesses Zugriff als Aufgabe heiliger Stiftung irritierend, aber als Assoziationsgerüst fruchtbar.

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7. Dezember 2019

Tafel der Symptome der Verbundenheit

der Reflexion
 der Anschauung
 der Anstrengung


subjektive Kondition subjektive Qualität subjektive Evolution
objektive Kondition Ärger
Leid3
Vergessenheit
Angst1
Erschöpfung
Schrecken
Übelkeit
objektive Qualität Wertschätzung
Gunst
Liebe
 Sicherheit1
Anteilnahme2
Eifer
Erwartung
objektive Evolution Einsicht
Neugierde
Begehren3
Kühnheit1
1 relativ zur subjektiven Kondition
2 Glück oder Stolz
3 Bestandteil des Aufbegehrens

Post Scriptum vom selben Tag. Mit Blick auf die Kategorien des Zeitlichen läßt sich die Tafel auch wie folgt begreifen.

bei der Entgegnung
 bei der Begleitung
 bei der Einstellung


Zusammen-
hang
Beschaffenheit
 
Verträglichkeit
 
Prüfung durch Ärger
Leid3
Vergessenheit
Angst1
Erschöpfung
Schrecken
Übelkeit
Beschäfti-
gung mit
Wertschätzung
Gunst
Liebe
 Sicherheit1
Anteilnahme2
Eifer
Erwartung
Gelegenheit zu Einsicht
Neugierde
Begehren3
Kühnheit1
Die Farben entsprechen zweifellos den unterschiedlichen Formen der Zeit (netzförmig, linear und punktförmig), doch zugleich existiert das Subjekt in der Reflexion, das Objekt in der Anschauung und die Vernunft in der Anstrengung, wobei
  • die Anschauung die Kondition der Vernunft ist,
  • die Reflexion ihre Qualität und
  • die Anstrengung ihre Evolution.

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