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31. Juli 2011

Die vier menschlichen Geister auf der Straße

Es war erstaunlich leicht, das Wesen der vier Geister in der Geschichte der Nationen wiederzuerkennen, welche sie vermeintlich bevölkern.

Natürlich hat das auch damit etwas zu tun, daß die Zuordnung der Geister zu unterschiedlichen Zweigen des Y-Chromosomstammbaumes mit dieser Geschichte im Hinterkopf vorgenommen wurde.

Was die Geister selbst angeht, ihre Möglichkeit habe ich philosophisch begründet, nicht ihre Existenz. Und mehr als eine Korrelation mit den ausgewiesenen Zweiges des Y-Chromosomstammbaumes behaupte ich nicht. Die von mir vertretene These ist falsifizierbar, vorausgesetzt, daß zuverlässige psychologische Evaluationsverfahren für die vier menschlichen Geister existieren. Natürlich ist nicht damit zu rechnen, daß derartige Verfahren in näherer Zukunft entwickelt werden, denn dafür bedürfte es des guten Willens vieler Beteiligter.

Indes gebe ich an dieser Stelle eine Dimension menschlicher Befindlichkeit an, über welcher sich diese vier Geister meiner Einschätzung nach unterscheiden und welche den Vorteil hat, daß diese Unterschiede oftmals auf den ersten Blick erkennbar sind, wenn man einem Menschen in der Öffentlichkeit begegnet.

Die betreffende Dimension ist durch Anspannung und Gelöstheit gegeben. Hierfür also behaupte ich folgendes.
  • Der Materialist pendelt zwischen Herausforderung und Prahlerei.
  • Der Suchende pendelt zwischen Bedrücktheit und Erhabenheit.
  • Der Achtende pendelt zwischen Entschiedenheit und Spott.
  • Der Versuchende pendelt zwischen Zerrissenheit und Ausgelassenheit.
Ich habe kein Interesse daran, Vermutungen anzustellen, mit welchen physischen Eigenschaften diese psychologischen Eigenschaften einst korreliert haben mögen, denn selbst, wo das einmal deutlich der Fall gewesen sein mag, ist es heute allenfalls noch schwach korreliert, so daß sich dem bloßen objektiven Aussehen nach der Geist eines Menschen allenfalls etwas besser als durch Würfeln bestimmen lassen wird. Das Y-Chromosom dürfte als objektiver Vergleichsgegenstand bei weitem besser geeignet sein.

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30. Juli 2011

Mögliche Schicksale einer Revolution

Den Kampf gegen Besatzer nehme ich hier aus, da gelten andere Regeln.

Jede revolutionäre Bewegung hat einen moderaten und einen radikalen Flügel.

Wenn sie anschwillt, werden ihr die Herrschenden entgegen kommen, und der moderate Flügel wird zunehmend gewillt sein, angebotene Abkommen anzunehmen. Geschieht dies aber zu früh, so bleibt das System bestehen und die revolutionäre Bewegung wird von ihm verdaut. In mancher Hinsicht, wenn vielleicht auch nicht in jeder, ist dies beispielsweise den Grünen in Deutschland passiert.

Wenn hingegen überhaupt keine Rücksicht auf pragmatische Erwägungen genommen wird und die revolutionäre Bewegung dennoch, oder theoretisch auch gerade deswegen, erfolgreich ist, so wird der radikale Eifer die bestehenden Verhältnisse derart schwer durch einander bringen, daß sie sogleich wieder von dem Chaos, welches sie verursacht hat, verschlungen wird und das zuvor bestanden habende System umgehend wieder aufgebaut. Die Ereignisse in Algerien rund um die FIS entsprechen in etwa diesem Schema.

Oder Radikale und Moderate sind relativ glücklich gewichtet. Aber was heißt das?

Zur Konterrevolution kommt es auch dann, sei es Napoléon in Frankreich oder Stalin in der Sowjetunion. Aber nicht umgehend, sondern genügend viele Jahre später, um der Konterrevolution zu erlauben, in eine eigenständige Richtung zu gehen, anstatt einfach die alten Verhältnisse zu restaurieren. Hitler ist diesem Schicksal durch den Zweiten Weltkrieg aus dem Weg gegangen.

Der Grund dafür, daß die Konterrevolution zwangsläufig ist, besteht darin, daß eine Revolution nur erfolgreich sein kann, wenn der radikale Flügel den moderaten überwiegt. Andernfalls findet sie gar nicht erst statt. Und wenn der radikale Flügel den moderaten überwiegt, bestimmt er auch die Politik in der Folgezeit der Revolution. Nur daß der radikale Flügel niemals repräsentativ für die Bevölkerung des betroffenen Staates ist, welche neben moderaten Revolutionären ja auch noch jene umfaßt, welche das System stützen. Und also muß sich die Politik erfolgreicher Revolutionäre gegen die Bevölkerung des Staates richten, dessen Verhältnisse umgestürzt wurden, wobei die Moderaten im glücklichsten Falle genug Gewicht besitzen, um die Feindlichkeit dieser Politik zunächst noch abzufedern. Langfristig ist das aber unmöglich, weil der Nachwuchs aus Gründen der Stiefelleck- und Besserwisserei weit radikaler sein wird als die erste Revolutionärsgeneration und also durch eine Konterrevolution ausgeschaltet werden muß.

Ich schrieb, den Kampf gegen Besatzer nehme ich hier aus. Befinden wir uns im Zustand einer Besatzung? So weit es das Wesentliche betrifft, ist das nicht der Fall.

Wir befinden uns zwar in einer halbwegs ähnlichen Lage zu Kuba, wenn man auf dieses oder jenes schaut, und Kuba ist natürlich auch ein Beispiel dafür, daß es nicht zu einer Konterrevolution kommen muß, wenn ein Staat unter dem massiven Einfluß eines anderen steht, aber wir besitzen mehr Gewicht, zu viel Gewicht, als daß irgendwelche von außen angelegten Zügel eine merkliche, steuernde Wirkung entfalten würden.

Es kann keine nationale Befreiung in Westeuropa geben, wie es sie zum Beispiel erst vor kurzem in Osteuropa gab. Es kann nur Revolutionen geben. Und diese können nur so ablaufen wie oben beschrieben.

Ich schrieb vor längerer Zeit, daß ich es der katholischen Kirche durchaus zutraue, diese Umstände zu nutzen, um wieder an die Macht zu kommen. Sie würde das aber nur auf dem Wege der Konterrevolution versuchen, das ist sicher. Und ebenso sicher scheint mir auch, daß es in Ländern oder Regionen, in welchen die katholische Kirche sehr schwach ist, die Chance zu einer alternativen Konterrevolution gibt.

Über das Eintreten des Revolutionsfalles denke ich mittlerweile: Alea iacta est.

Nicht nur sind die reformativen Chancen minimal, kaum solche Anstrengungen zu sehen und noch weniger Erfolge, sondern zugleich hat das transzendente männliche Prinzip seinen Weg gewählt und wird von ihm nicht mehr lassen.

Es ist, könnte man sagen, mein abschließendes Scheitern als Person, meine Hauptqualität lag von jeher im Verbinden von Widersprüchen und dieser Widerspruch verdiente es wie kein anderer, verbunden zu werden.

Indes, wenn ich auch abschließend gescheitert bin, was nun kommt ist wohl der einzige Weg, auf welchem was ich verband entstehen kann. Gott liebt den Wein mehr als die Flasche.

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29. Juli 2011

Beschaulichkeit

Ich denke, ich sollte eine Sache von heute morgen noch einmal anders darstellen.

Es gibt natürlich einen grundlegenden Unterschied zwischen einer selbstlosen Freundlichkeit und dem Spiegeln der Wünsche des Gegenübers. Allerdings kann letzteres aus ersterer erwachsen und wäre in dem Falle nicht zwangsläufig abzulehnen. Ein Chamäleon hingegen ist nie in einer gelösten beschaulichen Stimmung, sondern immer auf der Jagd. Deswegen bringt es Leid über die Welt und der sich unter Umständen hinab neigende selbstlose Freund nicht.

So ist es besser ausgedrückt, als wenn die Selbstlosigkeit Verzicht auf's Sexuelle genannt wird.

Aber selbstlos ist nur der, wer selber wirklich nichts mehr will, gar nichts, auch nicht, daß man ihm vertraut, beispielsweise.

Was ich heute morgen von etwaiger Verbindung von diesem und jenem schrieb, ist vielleicht möglich, wenn man ständig sein Selbstbild ändert, aber es ist selbstverständlich nicht natürlich.

Der Übergang zur Spiegelung des Gegenübers setzt so oder so voraus, daß die eigene Persönlichkeit leer ist, aus welchem Grund auch immer, ob es nun Flucht ist oder Erfüllung. Und also kann jemand, welcher noch etwas selber tun will, denn darauf läuft es hinaus, einen Anderen nicht spiegeln.

Es stellt sich also in diesem Zusammenhang die Frage nach der eigenen Erfüllung, aber dabei begegnet einem ein Paradox, denn einerseits ist man erst frei, wenn man für sich selbst keine Pläne mehr hat und andererseits kann man für sich selbst nur dann keine Pläne mehr haben, wenn man selbst umtriebig genug ist, um das eigene Leben auszufüllen.

Fairerweise muß man zugeben, daß ein Mensch durchaus in einem Trance nahen Zustand arbeiten kann, aber wenn es um die Interaktion mit anderen Menschen geht, kann das wohl kaum eine glückliche Lösung genannt werden, es sei denn sie viele unter die selbstlose Freundlichkeit.

Was eine ganze Menge Fragen aufwirft und insbesondere die, ob wir wirklich im Alter alle menschlichen Beziehungen hin zu selbstloser Freundlichkeit umgestalten sollten, und wenn man das leichten Herzens bejahen würde, ab welchem Alter?

Die Antwort darauf lautet natürlich: wenn das Nötige getan ist. Aber wann ist das Nötige getan?

Auch frage ich mich, wie das wohl mit einem Persönlichkeitsflüchtling ist. Kann er überhaupt auch nur theoretisch das Nötige getan haben?

Diese Fragen muß ich offen lassen. Was mich angeht, so habe ich wohl das Nötige bereits getan, in dem Sinne, daß der noch ausstehende Dienst leicht in selbstloser Freundlichkeit erbracht werden kann.

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Chamäleons

Mir ist heute... anders.

Nein, eigentlich nicht, aber mir könnte heute anders sein, wenn ich es nur wollte. Es gibt ein recht interessantes zwischenmenschliches Phänomen, welchem ich mich gestern hingab, und welches mir heute als das klar wurde, was es ist.

Üblicherweise, wenn wir eine Beziehung zu einem Menschen knüpfen, knüpfen wir sie zwischen unserer Persönlichkeit und seiner.

Die Frage ist durchaus berechtigt, warum wir das eigentlich tun, und gar nicht so leicht zu beantworten. In meinem Fall ist es nichts weiter als das Einfügen einer künstlichen Distanz, denn mehr als genau dies verlangt meine Persönlichkeit nicht von mir: Halte dir andere Menschen vom Hals.

Es ist natürlich stark davon auszugehen, daß die Persönlichkeiten anderer Menschen weitergehende Forderungen stellen. Und ebenso ist wohl davon auszugehen, daß der Verhandlung dieser Forderungen beim Knüpfen zwischenmenschlicher Beziehungen eine wichtige natürliche Funktion zukommt, ein Regulativ, welches dafür sorgt, daß unsere Persönlichkeiten auf die Bahnen geleitet werden, auf welche sie gehören.

Dieses Regulativ kann aber einseitig außer Kraft gesetzt werden, ausnutzend, daß alle Menschen narzißtisch sind.

Und das geht also so. Man übernimmt schlicht die Persönlichkeit des Gegenübers, und zwar auf die Weise, daß man sich ihre Wünsche zu eigenen Wünschen macht, und so weit man sie selbst erfüllen kann, sich selbst zum Erfüllungswerkzeug.

So zu leben ist natürlich unanständig, man schleicht sich wie ein Dieb an einen Menschen heran und verläßt ihn ebenso mit seinem Herzen in der Tasche.

Andererseits ist es eine wirkungsvolle Waffe, welche auch zu Gutem gebraucht werden könnte.

Ich kenne einige Menschen, welche so leben, Männer und Frauen. Am Anfang dieses Weges scheint die Flucht aus der eigenen Persönlichkeit zu stehen.

Etwas, was im allgemeinen sicherlich nicht zu begrüßen ist, in meinem Falle allerdings, da sich meine (soziale) Persönlichkeit eh nur darauf beschränkt, mir die Menschen vom Hals zu halten... warum nicht als Sexgott leben?

Eine durchaus unangenehme Frage, weil sich kaum rationale Einwände gegen diesen Vorschlag finden lassen. Abgesehen natürlich von dem potentiellen Schaden, welchen ich anrichtete, wenn ich wahllos vorginge, nur würde ich mir das wohl auch nicht erlauben. Strikt therapeutisches Vorgehen wäre durchaus möglich. Nur die Unerfüllten, Leidenden.

Andererseits ließe sich wohl, wenn man erst einmal damit begänne, kaum das richtige Maß halten.

Die nächst beste Alternative wäre natürlich den sexuellen Teil auszusparen und nur den Rest des Andern zu akzeptieren. Das wäre dann das klassische Bild des Geistlichen, wobei es in dem Fall durchaus konsequenter ist, sich sexuell zu binden, wie es in der orthodoxen Kirche geschieht, anstatt das Sexuelle ständig unausgesprochen im Raum stehen zu lassen, wie es bei der katholischen Kirche der Fall ist. (Freilich, das gibt dem Pfarrer im Einzelfall die Möglichkeit auch sexuell zu helfen, nur daß er auf diese Weise einer hilft und zwanzigen schadet. Da wäre es besser jemand wäre offen Sexmönch. Nicht, daß es noch nie auf Erden solches gegeben hätte, nur ist Indien heute auch reichlich übervölkert.)

Die Sache ist also allenfalls als Trost alter Frauen einigermaßen beherrschbar und mag da auch recht verbreitet sein. Alte Frauen werden leicht albern und stellen alle möglichen idiotischen Forderungen. Vielleicht würde da auf diese Weise Abhilfe geschaffen. Das sind indes reine Spekulationen.

Aber ich übertreibe wohl, es gibt da wohl noch etwas in meiner sozialen Persönlichkeit außer dem Wunsch, nicht vereinnahmt zu werden, nämlich den Wunsch, daß mir vertraut werde. Ein Wunsch freilich, welchen ein Chamäleon nicht erfüllen kann. Und auch ein Wunsch, vor dem ich sicher nicht fliehen möchte. Andererseits aber auch ein Wunsch, welcher jenem nicht zwangsläufig im Wege steht, wenngleich von ihm sicherlich eine zusätzliche Einengung ausgeht.

Realistisch gesehen bleibt da wohl nichts übrig, eine alte Frau, welche es nötig hätte auf mich zu vertrauen?

Mal ganz abgesehen davon, wie begeistert ich überhaupt davon wäre, wenngleich andererseits mein Wunsch nach Distanz in meinem jetzigen Alter nicht mehr (un)reifegemäß ist.

Nun gut, die Chamäleons, welche ich kenne, leben nicht unbedingt gute Leben, sie sehen selber ziemlich schlimm aus, weniger schlecht als fratzenhaft, was wahrscheinlich daran liegt, daß sie ständig denselben Gesichtsausdruck haben, wohl weil, wer seine Persönlichkeit hinter sich ließ, keinen Grund mehr hat, sein Gesicht zu verziehen, und ihren Opfern geht es noch viel schlechter.

Von oben betrachtet Folgetraumatisierung, wieder ein Mittel der Natur Leid zu verbreiten und dadurch das nötige Momentum zu erzeugen, um den anfänglichen Mißstand zu beseitigen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die Menschen belügen, wenn es um ihre tiefsten Wünsche geht.

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27. Juli 2011

Gibt es noch Freiheit auf der Welt?

Ich bin ein wenig mit mir selbst im Unreinen ob der gestrigen Auswalzung zum Zusammenhang zwischen Chaos und dem Ruf nach dem starken Mann.

Es gibt soziale Kontrollmechanismen. Und es gibt Eliten. Und zwischen den beiden gibt es eine bijektive Beziehung.

Das Militär bedient sich eines Ehrenkodexes, um seine Ansprüche einzufordern und das Kapital bedient sich Vorstellungen des Erlaubten, welche von Milieu zu Milieu wechseln und ungeschrieben sind.

Welcher Teil der Welt ist nicht von ihnen beherrscht?

Ich habe bereits geschrieben, daß sich Kapital und Militär auf Kollisionskurs befinden, und daß, wenn sie im Zentrum der Macht, also in den Vereinigten Staaten, auf einander prallen werden, es nicht unwahrscheinlich ist, daß sich andernorts Splitter aus der bestehenden Machtstruktur lösen und zeitweilige Freiräume gewinnen werden.

Dabei wird zunächst nichts Weltbewegendes entstehen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach werden diese Freiräume überwiegend zur Restauration des Bürgerlichen genutzt werden, welche eine Voraussetzung weiteren Fortschritts ist.

Zum Teil ist genau das bereits geschehen, also in Osteuropa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Wenn die Herrschaft der Federal Reserve Banks zusammenbricht, wird es sich wiederholen, und zwar deshalb, weil ihre Agenten außerhalb der Vereinigten Staaten auf ihre Unterstützung angewiesen sind.

Ich kann selbstverständlich nicht vorhersagen, wie repressiv die Situation in den Vereinigten Staaten sein wird und auch nicht, wie leicht es für europäische Länder sein wird, sich in dieser Lage zu behaupten.

Aber die entscheidende Frage dabei ist grundlegender Art, nämlich wie man sozialen Kontrollmechanismen ausweichen kann.

Nun wird man nicht allen ausweichen müssen. Und wie man den beiden genannten Kontrollmechanismen ausweicht ist an sich klar, nämlich durch Respektlosigkeit und angewandten Gerechtigkeitssinn. Nur scheinen die meisten Menschen nicht sonderlich gewillt, ihre eigenen Rechte auf diese Weise zu verteidigen. Und das ist ein echtes Problem.

Natürlich fürchtet der Abhängige Sanktionen. Die erste Lösung ist der Weg in die Unabhängigkeit, die zweite die Geschlossenheit der Abhängigen.

Es ist offensichtlich, daß sich die Geschlossenheit aller leichter herstellen läßt als ihre Unabhängigkeit, aber auch, daß die Unabhängigkeit langlebiger ist als die Geschlossenheit, letztere also als eine Übergangsphase hin zu ersterer zu gebrauchen ist.

In diesem Sinne ergäbe der Übergang vom Sozialismus hin zum Kommunismus wirklich Sinn. Aber das Zeitfenster stünde nicht lange offen, zehn Jahre vielleicht, sicher nicht viel länger.

In diesen zehn Jahren müßte also die Unabhängigkeit der Menschen langfristig verbürgt werden. Gelingt das nicht, werden wieder die selben Eliten die Menschen beherrschen.

Natürlich muß das nicht überall auf der Welt synchron ablaufen, aber wenn man sich das Los der Menschen anschaut, so gleicht es einem Spiel, in welchem sie immer wieder für eine gewisse Zeit gefangen werden, um dann für kurze Zeit die Chance zu erhalten, ihrer erneuten Gefangennahme vorzubeugen, was ihnen allem Anschein nach aber nur sehr selten gelingt.

Für Religionen gelten allerdings andere Regeln, das ist vielleicht ein Hoffnungsschimmer.

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26. Juli 2011

Zukunftsstrategien

Auf Grund der jüngsten Ereignisse, also des so genannten Marketing Effort's Berwick's, verliere ich vielleicht ein paar Worte über dieses Thema.

Was ist Emotionalismus?

Nun, es ist als Strategie verstanden ein einseitiges Wenden von Fragen auf einem genehme Aspekte eines Phänomens, und zwar solche, welche eine emotionale Reaktion hervorrufen.

Ab einer bestimmten Schwelle wird dadurch eine zuvor vertretene Meinung genügend erschüttert, um nicht nur von ihr abzustehen, sondern, und das unterscheidet diese Form der Propaganda von rationaler Propaganda, das Thema für die Zukunft zu verminen, die menschliche Anfälligkeit für Traumata ausnutzend.

Man begegnet Emotionalismus am besten dadurch, daß man zeitnah, bevor die erwähnte Schwelle überschritten wurde, Aspekte hervorhebt, welche zu entgegengesetzten Emotionen führen. Um beim eingangs erwähnten Beispiel zu bleiben, da kann man doch berechtigterweise fragen, was das für eine Form von Sozialität ist, wenn sich nicht einmal fünf Leute dazu überwinden können, sich auf den Angreifer zu werfen.

Aber natürlich hat das in diesem Falle kaum einer gemacht. Und es ist natürlich auch ein sehr unappetitliches Beispiel. Traumata sind hingegen auch unappetitlich. Und in diesem speziellen Falle kann man natürlich nicht der Presse die Schuld an ihnen geben. Womit Berwick eindeutig selbst eine emotionalisierende Strategie gegen sich selbst gewählt hat.

Offenbar in dem Glauben, daß sie auf Rationalisten keine Wirkung hätte. Aber, wie ich zuvor dargelegt habe, ein Rationalist ist nur dadurch einer, daß er auf planmäßige Traumatisierung in Diskussionen verzichtet. Und das schützt ihn selber nicht vor der eigenen Traumatisierung. Davor schützt nur die geistige Gewandtheit sich rechtzeitig andere Aspekte zu verdeutlichen.

Ich habe spontan an Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili gedacht, das hat die Sache in eine ganz andere Richtung gelenkt. Denn es passiert nicht das erste Mal, daß Intellektuelle in Elfenbeintürmen sich gegen die vitalen Interessen ihres Staates wenden. Das erste Mal ist es ironischerweise in der Sowjetunion unter der Leitung Lew Dawidowitsch Bronsteins passiert.

Berwick hält ein rationales Eingreifen im letzten Moment für fraglich, ich nicht, ein Stalin wird mit Sicherheit kommen. Denn das ist der Lauf der Welt, daß Not abhärtet und die zuvor betriebene Emotionalisierung in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus, wie ein Traum, den man nicht mehr träumen kann, weil man einen schrecklichen Kater hat.

Soll man auf Stalin warten?

Lieber nicht, würde ich sagen, und vielleicht sollten gerade die Trotzkisten unter uns mal darüber nachdenken, sie sehen es freilich nicht so, aber das war jetzt nur ein blaues Auge.

Und Berwick selbst sieht es freilich auch nicht so. Ich denke, sein Grundfehler besteht darin, vom Politischen auf's Psychologische zu schließen, im Klartext: Es gibt zwei politische Pole, ergo gibt es zwei verschiedene Sorten Menschen. Auf der einen Seite die Rationalisten und Materialisten und auf der anderen die Emotionalisten und Idealisten.

Den Begriff Materialist verwendet er korrekt, zum Unterschied zwischen Rationalisten und Emotionalisten habe ich mich schon geäußert, ironischerweise ist es der Rationalist, welcher aus einem Gefühl des Anstandes heraus Skrupel zeigt, und der Begriff Idealist ist ein idiotischer, denn alle Menschen sind idealistisch, halt nur mit unterschiedlichen Idealen (man könnte auch sagen, daß der Begriff Idealist ein emotionalisierender ist, wiederum reichlich ironischerweise.)

Es geht also auch nicht um einen Kampf zwischen diesen beiden Sorten von Menschen. Indes ist es wahrscheinlich, daß wenn man die Welt so darstellt, man dadurch ein Weltbild erzeugt, welches in den blau bis violett gefärbten Ländern Europas, also den bürgerlichen bis bürgerlich-mafiösen, eine Vereinigung der einheimischen Bevölkerung im so definierten konservativen Lager ermöglicht, ganz einfach, weil es die Materialisten und Achtenden direkt anspricht, die Achtenden deshalb, weil sie sich als Rationalisten wiedererkennen würden, insbesondere im Vergleich zu den Suchenden, welche selbst, wie schon mehrfach gesagt, apolitisch sind und deshalb für die Politik auch nicht von Bedeutung, so lange nicht grundlegende Regeln des Anstandes von ihr überschritten werden (Stalin selbst fiel in die F-Klasse, gehörte also wahrscheinlich zu den Suchenden, man sollte das fairerweise erwähnen, wenn man diese Sorte Mensch apolitisch nennt.)

In den türkis bis grün gefärbten Ländern ist dieser Ansatz hingegen zum Scheitern verurteilt, und zum wiederholten Male ironischerweise fällt Norwegen selbst in diese Klasse. Wer eine historische Bestätigung dieser These braucht, kann sich ja mal die Frage stellen, wie weit Hitler wohl gekommen wäre, wenn er gesagt hätte, daß er ein Antiidealist ist. Hier schließt sich natürlich die Frage an, wie Berwick auf einen solchen Abweg für sein eigenes Land kommen konnte. Nun, er ist offenbar selbst begrifflich traumatisiert worden und hat diese Traumatisierung durch ein Vertauschen von Gut und Böse durchbrochen, sie also mit Gewalt beseitigt. Das funktioniert zwar, hat aber den Nachteil, keinen natürlichen Zugang mehr zu dem fraglichen Begriff zu finden, in Berwick's Falle also zu dem Begriff Idealismus.

Hitler hatte übrigens Wagner, ohne welchen er niemals einen eigenen Idealismus hätte entwickeln können. In diesem Zusammenhang ist es durchaus bemerkenswert, daß Wagner bei deutschen Sozialdemokraten recht beliebt ist. Offensichtlich spüren sie instinktiv, daß seine idealistische Substanz noch zu gebrauchen ist, was ich freilich genauso sehe. Da liegt für mich durchaus der Schlüssel zur zukünftigen Kultur des türkis bis grün gefärbten Teil Europas, aber davon schrieb ich ja auch schon in meinem Beitrag zu Parsifal (ein durch unglückliche Umstände emotionalisierter Begriff seinerseits.)

Der Grund, warum es in diesem Teil Europas nur anders läuft, liegt offensichtlich an dem merklichen Vorhandensein von Menschen der versuchenden Art, welches den Suchenden einen Agenten beschert, durch welchen sie indirekt politisch aktiv werden (was mit Stalin aber nichts zu tun hat, da spielt nur der Prozeß der Abhärtung eine Rolle.)

Übrigens hat Berwick mehrere meiner Prophezeiungen erfüllt, nicht daß ich stolz darauf wäre, insbesondere auch die, daß der altgermanische Bereich zutiefst krank ist, und dort nichts Konstruktives entstehen wird. Warum und wo das so in seinem Falle ist, habe ich ja bereits beschrieben. Wer nicht zum Therapeuten taugt, sollte auswandern. Meine Güte, ich tauge dazu und bin trotzdem ausgewandert, wobei den Kranken aber auch nicht nach Medizin ist, das kommt noch dazu.

Ansonsten liegt der einzige Weg zu besseren Verhältnissen in ökonomischer Unabhängigkeit und einem weitest möglichen Entziehen der eigenen Wirtschaftshandlungen aus dem besteuerten Wirtschaftskreislauf, womit ich nicht Steuerhinterziehung meine, sondern Tauschhandel. Starve the beast heißt es im Amerikanischen. Das ist ein Weg, welchem eine klare Vorstellung des Gegners zu Grunde liegt. Den kann ich durchaus empfehlen. Allerdings steht an seinem Ende auch der Bürgerkrieg. Aber machen wir uns nichts vor, der kommt so oder so, wenn nichts getan wird halt in Gestalt eines Stalins. Freilich ist Deutschland reich genug an allem, worauf es ankommt, um seine Probleme anders zu lösen, aber davon ist nicht auszugehen, da jeder politische Wandel eine Prozeß benötigt, welcher ihn erzwingt. Und wenn sozial eingestellte Menschen auch theoretisch Deutschland heilen könnten, indem sie die Bürgerlichkeit der anderen respektierten und förderten, so hat es in der Geschichte der Welt wohl noch nie einen Fall gegeben, in welchem sich ein Volk einfach so darauf besonnen hätte, jetzt mal das zu tun, was am besten für es ist.

Letztlich ist das schon die empfindliche Stelle des ganzen Systems, also die Wähler der linken Parteien. Nur was ließe sie aufwachen?, erkennen, daß die gesamte Politik der Bundesrepublik verdient trotzkistisch genannt zu werden und daß Trotzkismus nicht funktionieren kann, weder als Lebensweise an sich, noch als Übergang zu einer anderen als eben Stalinismus (im weiteren Sinne einer totalitären Herrschaft durch einen gnadenlosen Ordnungswiederhersteller.)

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22. Juli 2011

Zwei Tugenden, fünf Gebote und die Kunst zu leben

Der größte Fehler im Leben ist es, seine Vernunft an seine Ängste zu verschwenden, und also ist es die größte Tugend, das nicht zu tun, auf Gott zu vertrauen und etwaige Leiden auf dem eigenen Weg in Kauf zu nehmen.

Der zweitgrößte Fehler im Leben ist es, etwas zu nehmen, ohne sich vorher zu fragen, wem es eigentlich zukommt, es zu nehmen, und die zweitgrößte Tugend also, dies stets zuvor zu bedenken.

Ein besonders verbreiteter Spezialfall des zweiten Fehlers besteht darin, sich grassierende Ideen, Ziele und Träume anzueignen, ohne sich vorher zu fragen, wessen Ideen, Ziele oder Traüme das eigentlich sind. Dies ist deshalb so verbreitet, weil einem bei der immateriellen Aneignung niemand im Wege steht.

Wer diese beiden Punkte beherzigt, dessen Leben gelingt. Und damit meine ich im besonderen die autonom angestoßenen transzendenten Akte, welche sich als Muster unserer Persönlichkeit über unser Leben legen. Mangelt es uns an diesen Tugenden, verunstalten wir auf diese Weise unser Leben, haben wir sie, so werden Sternschnuppen fallen, wenn wir uns gerade etwas wünschen.

Nun kann man, durchaus berechtigter Weise, einwenden, daß das Gelingen des eigenen Lebens per se nicht unbedingt das höchste Gut unserer bewußten Existenz ist. Aber unser Leben ist ein Fakt, und es gelingen zu lassen schadet nicht.

Wir leben aber in der Sinnen-, Gefühls-, Gedanken- und Vertrauenswelt, worin sich also alles Mißlingen und Gelingen vollzieht. Selbstverständlich kommt es dabei zu gegenseitiger Beeinflussung der unterschiedlichen Welten.

Die Beschaffenheit der ersten drei Welten ist durchaus nicht allen Menschen klar, aber wem ihre heute vorherrschenden Beschreibungen nicht genügen, der kann ja meine vorigen Beiträge zur Hand nehmen, um sie für sich besser zu erkunden. Auf die Vertrauenswelt ging ich erst im letzten Beitrag genauer ein und möchte das hier noch etwas fortführen.

Die Vertrauenswelt enthält fünf Gebote, vielleicht mehr, das wäre mir bisher eben nicht aufgefallen, aber fünf bestimmt.

1. Gebot. Du sollst am Leben leiden, es an dein Herz heranlassen und Stellung zu ihm beziehen.

Dies entspricht der Idee der Verbundenheit der existierenden Individuen. Wenn wir uns von ihr abwendeten, entartete die Verbindung, sie bedarf unserer steten Bewertung. In unserem Leiden liegen ihre subjektiven Mißstände, welche wir auf Begriffe bringen müssen und dann sagen, was sie uns bedeuten. Es ist auch das Gebot mit den mächtigsten transzendenten Folgeerscheinungen.

2. Gebot. Du sollst offen für neue Lebenslagen sein.

Dies entspricht der Idee der offenen Zukunft, sie zu vernachlässigen hieße, die eigene Jugend zu töten. Dieses Gebot ist das letzte, welches die Mehrheit der Menschen instinktiv befolgt. Es ist auch, wie gesagt, eng mit dem sanguinischen Temperament verknüpft, im jetzigen Licht vielleicht auch aus Kompensationsgründen.

3. Gebot. Du sollst Anteil am Leben um dich herum nehmen, es erfühlen und seine Zyklen teilen.

Dies entspricht den Ideen von Ordnung und Mischung. Freilich glauben es die wenigsten Menschen, aber sie sind für das Überleben der sie umgebenden Lebewesen, einschließlich ihrer selbst, auf transzendente Weise mitverantwortlich, indem sie einen naturgemäßen Wechsel von Ordnung und Mischung mittragen oder nicht.

4. Gebot. Du sollst dich als männlich oder weiblich erweisen, wie es deinem Geschlecht gemäß ist.

Sich als männlich zu erweisen heißt, etwas zu bestimmen und sich als weiblich zu erweisen, etwas zu eröffnen. Wesentlich daran ist, daß man seine männliche oder weibliche Stärke prüft und diese Prüfung akzeptiert. Wann und wie man diesen Schritt tut, ist natürlich ins eigene Ermessen gestellt. Abgesehen davon, daß dies bei der Zeugung eine wesentliche Rolle spielt und auch das Geschlecht des Kindes beeinflußt, ist es für die Erreichung und Gestaltung friedlicher Verhältnisse notwendig. Der Phallus schafft Frieden und der Schoß lockert ihn auf. Ein Land ohne männliche Männer ist stets zerstritten und ein Land ohne weibliche Frauen stets trostlos.

5. Gebot. Du sollst dich auf deine Mitmenschen einlassen.

Dies entspricht den Ideen der vier menschlichen Geister oder auch ungleich mehr Ideen, wenn man es genauer fassen möchte. Es geht hier darum, die uns innewohnenden Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.

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16. Juli 2011

Von der Verhandlung unserer Existenz

Es geht mir an dieser Stelle nicht um die Verhandlungen unserer Existenz unter einander, auch nicht, wenn sie transzendent erfolgt, wie zum Beispiel beim gleichzeitigen Einsetzen von Jagd- und Fluchtinstinkt, sondern um die Verhandlung unserer Existenz mit Gott.

Daß wir unsere Existenz mit Gott verhandeln heißt aber natürlich nicht, daß von diesen Verhandlungen nicht wieder andere konkret betroffen wären. Was es aber heißt ist, daß es sich um keine bloße Übereinkunft zweier Parteien handelt, sondern daß Gottes Intelligenz, so will ich es in Ermangelung der Möglichkeit es genauer zu studieren nennen, an der Neuausrichtung der Realität beteiligt ist.

Gottes Intelligenz ist dabei in der Lage unsere Begriffe und Anschauungen zu verstehen und mit Bezug auf sie Entscheidungen zu treffen.

Konkret laufen diese Verhandlungen dadurch ab, daß wir platonische Ideen bejahen oder verneinen.

Beginnen wir im kleinen Kreis, in der Ehe. Damit eine Ehe Sinn ergibt, müssen Mann und Frau gegenseitig Idealvorstellungen von einander haben, welche sie bejahen, um sich ihnen dadurch anzunähern. Sie müssen aber auch jeweilig das Bestimmende oder das Eröffnende bejahen, also ihre Geschlechtlichkeit, damit sie lebendig bleibt. Alleine die Verfolgung und Gewichtung dieser beiden Bejahungen ist bereits eine Herausforderung.

Als nächstes greife ich noch einmal das Wetter als isoliertes Phänomen auf, wichtig genug ist es. Indem wir Mischung oder Ordnung bejahen nehmen wir, zusammen mit allen anderen Lebewesen, welche es betrifft, Einfluß auf das Wetter. Menschen können Dürren sowohl transzendent verursachen als auch beenden, Bäume hingegen beenden sie verständlicherweise fast ausschließlich. Auch hier ist die richtige Balance durchaus eine Herausforderung.

Es bleibt der große Kreis, die Welt. Wir haben die Möglichkeit, Gott darum zu bitten, daß er uns begegnen lasse, was wir suchen. Wir tun dies, indem wir die offene Zukunft bejahen, mit Freude auf das Unbekannte zugehen. Dieses Phänomen kann skurril sein, wenn ich zum Beispiel hoffe, die Tankstellenanzeige möge mir einen bedeutenden Hinweis für mein weiteres Leben geben. Es kann aber auch sehr umfassend sein, sagen wir, wenn ich mich aufmache, in der Welt mein Glück zu finden.

Und andererseits haben wir im großen Kreis die Möglichkeit, Gott zum Gericht zu rufen. Wir tun dies, indem wir an die Weise, in welcher die Individuen zusammenspielen, glauben oder nicht, wonach Gott sie entweder fruchtbar zusammenführt oder ihr Geflecht zerreißt. Er tut dies aber, indem ihren Willen stärkt oder zerstört.

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14. Juli 2011

Sexuelle Reduktion

Ich habe bisher acht platonische Ideen beschrieben, die vier menschlichen Geister, Ordnung und Mischung, wie sie sich insbesondere im Wetter zeigen, die offene Zukunft und die Verbundenheit der Individuen, veranschaulicht, wie ich schrieb, durch Meer und Sternenhimmel.

An dieser Stelle kommen nun noch zwei weitere dazu, nämlich das Bestimmende und das Eröffnende, beides auf Möglichkeiten bezogen und veranschaulicht durch Phallus und Schoß.

Nun mag man zwischen diesen Ideen bereits Beziehungen sehen und dazu geneigt sein, sie auf allgemeinere Grundideen zurückzuführen, beispielsweise Ordnung und Bestimmendes und entsprechend Mischung und Eröffnendes gleichzusetzen, aber das ist nicht anzuraten, denn all diese Ideen gleichen Toren, durch welche man auf unterschiedliche Wege geführt wird, und wenn man zwei verschiedene Tore zu einem neuen Tor zusammenfaßte, so würde man bestenfalls eines von beiden zufällig wählen, wahrscheinlich aber unfähig werden, auch nur eines zu durchschreiten.

Frauen und Männer unterscheiden sich merklich in ihrem Umgang mit ihren geschlechtlichen Seinskernen. Während Männer erst dadurch ihre Scheu verlieren, sexuell bestimmend zu sein, daß sie erfolgreich in anderen Bereichen bestimmend waren (und ein wenig auch umgekehrt, die Bestimmtheit schaukelt sich auf), ist es bei Frauen so, daß sie desto eher sexuell eröffnend sind, desto weniger sie ansonsten eröffnen.

Der Grund für das Verhalten der Männer liegt darin, daß es besser ist, wenn das Bestimmende erprobt wird, beziehungsweise darin, daß das Vertrauen eines anderen Menschen eigene Zweifel aufzuheben hilft. Der Grund für das Verhalten der Frauen liegt darin, daß eine Gesellschaft, in welcher sie gefangen sind, eine biologische Erneuerung nötiger hat als eine Gesellschaft, in welcher sie frei sind.

Der letzte Punkt bedarf der genaueren Betrachtung. In dem Maße, in dem Menschen im Leben scheitern, geben sie ihren Anspruch auf, beim Geschlechtsakt mehr als nur ihren geschlechtlichen Seinskern auszudrücken, reduzieren also ihre Identität auf denselben, während sie ansonsten dabei höhere Ambitionen und Gefühle, was man so Liebe nennt, haben.

Bei Männern bewirkt dies, daß sie Frauen meiden, und bei Frauen bewirkt es, daß sie sich auch mit Männern einlassen, deren höhere Ambitionen ihnen, wenn sie selber noch welche hätten, zuwider wären und welche sie in jenem Falle also mieden.

Selbstverständlich wird dabei im besonderen die Ambition aufgegeben, die Welt durch rechte Erziehung der eigenen Kinder zu verbessern. Dieses bewirkt in der Folge sowohl die biologische als auch die kulturelle Auflösung der bestehenden Verhältnisse, wobei diese Angelegenheit natürlich nicht ganz so eindimensional ist, wie ich sie jetzt geschildert habe. Bei allzu großer weiblicher Freiheit könnten sich die Verhältnisse auch aus dem Grunde auflösen, daß keine sexuelle Eröffnung im ausreichenden Maße mehr stattfände. Allerdings wissen Männer das genau, und wenn sie selbst nur selbstsicher genug sind, beschneiden sie die Freiheiten ihrer Frauen instinktiv entsprechend. Überhaupt spielen Männer und Frauen instinktiv zusammen, Männer durch offene Ungerechtigkeit und Frauen durch verstecktes Hintertreiben, und in beiden Fällen geht es letztlich um Sex. So gesehen gibt es schon einen Kampf der Geschlechter, allerdings spricht es von Idiotie, wenn man ihn unreflektiert auf die politische Bühne hievt. Wie seine Schrauben zu stellen sind ist ja durchaus diskutabel, aber die politische Bühne zu seinem Zwecke zu mißbrauchen ist es nicht, man stelle sich mal umgekehrt zur heutigen Lage einen Minister vor, welcher sich hinstellen und damit prahlen würde, wie er gerade wieder durch ein Gesetz Frauen symbolisch erniedrigt hat, um sich selber dadurch attraktiver zu machen, ein Verhalten, welches man freilich oft genug im familiären Kreis sieht.

Frauen, welche sich von jedem Mann, welcher beim Sex nur auf das Bestimmende reduziert genug ist, ficken lassen und ansonsten ihre Schmetterlingssammlung rearrangieren, können Männer übrigens auf den ersten Blick erkennen und sich entsprechend auf das Bestimmende reduzieren. Allerdings werden sie das selber nur tun wollen, wenn sie nicht hoffen, aus der betroffenen Gesellschaft noch etwas Anständiges zu machen. Von Anfang an züchtet sich eine Gesellschaft also ihr feindlich gesonnene Elemente heran, wenn es zum Auftreten solcher Frauen kommt.

Dagegen sind Hedonismusficker im besten Sinne, also solche, welche darüber nicht ihre anderen Freuden vergessen, für Gedeih und Verderb einer Gesellschaft nicht weiter von Belang, hauptsächlich deshalb, weil Hedonismusficken ein Luxusphänomen ist (und zum Teil auch aus diesem Grund stärker unter Senioren verbreitet als unter Jugendlichen.)

All diese Dinge sind den meisten Menschen vergleichsweise klar, weshalb entsprechende Endzeitsphantasien (von Dämonen gevögelte Zombies), im Rahmen des im letzten Beitrag beschriebenen autonomen Strebens nach Klärung etwaiger Widersprüche im eigenen Erleben unter Zuhilfenahme von Dystopien, stetig weiter anschwellen. Das ist ein natürlicher Verteidigungsmechanismus, dessen Erfolg indessen politisch gefürchtet und also bekämpft wird. Letztlich prophezeie ich aber das Zerbrechen dieses Regimes in seinem Machtzentrum, siehe den Beitrag vom Zweiten dieses Monats.

Wer sich übrigens eingedenk all dessen darüber wundert, wie so vergleichsweise kurzsichtige Menschen an die Macht kommen konnten, kann ja mal Kipling lesen: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Glücklicherweise stören die Pläne der Kurzsichtigen die Pläne der Weitsichtigen aber seltener als man meinen könnte, es ist fast so wie mit mehreren Wellen unterschiedlicher Wellenlänge, welche sich überlagern, der Kurzsichtige genießt das Steuer in der Hand, der Weitsichtige das Terrain, welches er gestaltet hat.

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13. Juli 2011

Religiöse Ahnungen und Täuschungen

Ich sprach schon vom westlichen Geisterglauben, daß Orte verwunschen seien, zum Beispiel, daß es in einem alten Haus spuke. Dies ist ein sehr oberflächlicher Glaube, welcher noch nicht einmal im engeren Sinne religiös ist, sondern schlicht einer psychologischen Spiegelung entspringt: In dem Maße, in welchem eines Seele an Gegenstände gebunden ist, neigt er dazu, ihnen ebenfalls Seelen zuzuschreiben, welche in Frieden oder Streit an ihn gebunden sind.

Implizit habe ich auch schon vom bösen Blick oder dem Widerstreben, den Teufel an die Wand zu malen, gehandelt. Diese Dinge sind real, es handelt sich bei ihnen um undeutlich bewußte transzendente Akte. Auch das fürbittende Gebet gehört in diese Klasse, wie alle Segnungen und Flüche.

Bevor ich mich nun mit der Frage nach der Stellung von Suggestionen beschäftigen werde, welche sich ja natürlicherweise an den letzten Punkt anschließt, möchte ich zunächst eine spezielle Auffassung betrachten, welche für Religionen von zentraler Bedeutung ist.

Viele, wahrscheinlich sogar die meisten Menschen empfinden ihre Existenz als Prüfung, und das ist sie auch, nur daß den wenigsten Menschen klar ist, was abgeprüft wird. Es gibt hier im wesentlichen nur zwei Fälle, entweder ich glaube, daß der Prüfer seine eigenen Ansichten davon hat, was es abzuprüfen gilt, von welchen ich natürlicherweise keine Ahnung haben kann, wenngleich sie mir ein glücklicher Umstand vielleicht offenbaren könnte oder ich glaube, daß die Prüfung sich auf natürliche Weise aus den Widersprüchen meiner Existenz ergibt.

Wie gesagt, letztere Sicht ist die Sicht der Wenigsten, und dafür gibt es einen Grund, aber nicht den, daß sie schwer zu verstehen wäre, denn was ist schwer daran zu verstehen, daß unsere Ideale unterschiedliche Voraussetzungen haben und wir ständig darauf achten müssen, daß wir sie in gegebener Lage richtig anwenden? Wie Schopenhauer schon sagte, Sparsamkeit und Geiz, Vorsicht und Feigheit, Strenge und Sadismus oder umgekehrt Gutmütigkeit und Achtlosigkeit liegen alle dicht bei einander, und so ist es mit allen Dingen im Leben. Jeder versteht, daß sie richtig zu handhaben eine Prüfung ist. Das spirituelle Problem sehr vieler Menschen besteht darin zu glauben, daß sie noch auf andere Weise geprüft würden.

Der Grund dafür besteht darin, daß uns oftmals Dinge im Leben begegnen, von welchen wir wissen, daß sie transzendenten Ursprungs sind, ganz einfach, weil sie es der Logik nach sein müssen, aber nicht verstehen, was wir mit ihnen zu tun haben. Wenn uns solches begegnet, sind wir geneigt eine persönliche transzendente Entität anzunehmen, da wir in diesen Begegnungen eine menschliche Intelligenz erkennen, weil diese Begegnungen uns nur allzu vertrauten Mustern folgen.

Diese Entität nun wird aber zumeist nicht mit Gott gleichgesetzt, ebenso wenig wird meistens nur eine Entität angenommen, wenn aber nur eine angenommen wird, so ist es zumeist der Teufel, und wenn es mehrere sind, so sind es zumeist böse Geister.

Aus dieser Annahme ergibt sich eine zusätzliche Prüfung, offenbar hat Gott dann die Welt so geschaffen, daß jene ihr Spiel mit uns treiben dürfen und wir ihnen widerstehen müssen.

Manchmal, viel seltener, werden daneben auch noch gute persönliche Entitäten angenommen, Engel zumeist, welche das Wesen der dann empfundenen Prüfung dahin lenken, ihnen zu gehorchen und sich um sie zu bemühen, wohlgemerkt in Angelenheiten, welche nicht den eigenen von Gott herstammenden Idealen entspringen.

Der wahre Ursprung dieser menschlichen Mustern folgenden transzendenten Akte sind wir - selbstverständlich, bin ich geneigt zu sagen - selbst. In uns ist ein autonomes, das heißt nicht bewußt angestoßenes, Streben, unsere Erfahrungen auf Widersrpüche abzusuchen und sie uns, wenn aufgefunden, in Form von Dystopien, Albträumen, beklemmenden Erfahrungen und manchmal auch Selbstverfluchungen bewußt zu machen. Kommt ein niedriges Selbstwertgefühl hinzu, so sind es des öfteren auch Utopien, Träume, befreiende Erfahrungen und manchmal auch Selbstsegnungen, wobei Selbstsegnungen und -flüche dies nur in dem Sinne sind, daß man selbst unter ihnen Glück empfindet oder unter ihnen leidet, technisch sind, wie bei allen transzendenten Akten, welche nicht auf Gott gerichtet sind, andere beteiligt, was konkret bedeutet, daß man sich auf Dinge einläßt, welche normalerweise die Scheu oder Klugheit vermeiden, und so entstehen uns also Engel und Dämonen.

Da diese Quelle in uns ist und sprudelt, versuchen einige halt, sie ins Werk zu setzen, und das nennt man Suggestion. Ein Kranker beispielsweise hat krankheitsbedingt zumeist ein niedriges Selbstwertgefühl, und das Placebo hilft die Scheu aufzuheben, sich dem Wohlwollen anderer zu öffnen und gesund zu werden. Grob geschätzt 90% der katholischen Lehre sind von derselben Art.

Meine Überzeugung ist hingegen, daß wir uns auch in den Momenten, in welchen uns scheinbar Unerklärliches begegnet, wiedererkennen sollten und auf dem Pfad bleiben, welcher von Gott selbst stammt und dazu gehören auch unsere Beziehungen zu anderen Menschen, wenn wir transzendente Bande mit ihnen knüpfen, so sollten wir das idealerweise nicht aus Gründen der unbewußten Selbststeuerung tun, sondern weil diese Bande vor Gott sinnerfüllt sind.

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10. Juli 2011

Öffentliches und privates Gesellschaftsleben

Ich behaupte, daß nur Versuchende Willens sind, das gesellschaftliche Leben öffentlich zu gestalten, während Achtende stets dazu neigen, es privat zu halten.

Ringende gestalten das gesellschaftliche Leben nicht, sondern zerren schlicht nach eigenen Kräften an ihm und Suchende können zwar Regeln aufstellen, aber nicht selber befolgen, da ihnen der Einzelfall stets wichtiger ist.

Entscheidungen im kleinen Kreis, Beratungen hinter verschlossenen Türen, Patronatswesen, Vetternwirtschaft, Spezis, Abstecken der eigenen Ansprüche, wechselnde Koalitionen der Machtinhaber, das sind die Merkmale des privaten Gesellschaftslebens.

Informationsweitergabe, Rechtfertigungspflicht, stille Rücksichtnahme, Konsenzbemühen, Ergebnisoffenheit, Äquidistanz, das sind die Merkmale des öffentlichen Gesellschaftslebens.

Der Hang zum einen oder anderen ist genetisch bedingt. Sie lassen sich versöhnen, aber nur, wenn die Menschen, welche diese Neigungen in ihren Herzen tragen, mit einander versöhnt sind.

Ein Staat kann auf dem Papier noch so öffentlich organisiert sein, ohne eine passende Bevölkerung wird er es in der Realität nicht sein. Eine interessante begrenzte Ausnahme davon ist die direkte Demokratie, begrenzt, da von ihr selbstverständlich nicht alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens betroffen sein müssen, aber doch eine Ausnahme, soweit die Ausübung des Wahlrechts öffentliches Verhalten erfordert. Das Beispiel der Schweiz zeigt, daß es für diese Regelung keines signifikanten Bevölkerungsanteils Versuchender bedarf.

Ich hoffe, meine Einschätzung der kulturellen Zeugungskraft der verschiedenen Völker Europas wird durch diese Erläuterungen deutlicher. Mir selbst jedenfalls ist sie es geworden. Mit Blick auf die entsprechende Karte möchte ich vom altgermanischen Bereich einerseits (Island, Norwegen, Schweden, Dänemark und Norddeutschland) und vom quasigermanischen Bereich andererseits (Österreich, Tschechien, Slowenien und Ungarn) sprechen. Die Bevölkerungszusammensetzung all dieser Länder ist in etwa die gleiche, nur daß die Einwanderung der Versuchenden in den altgermanischen Bereich in prähistorischer Zeit stattfand, während sich die Genese der quasigermanischen Völker im Mittelalter vollzog.

Neben diesen beiden Bereichen gibt es noch das Baltikum mit einer bedingt vergleichbaren Bevölkerungsstruktur. Der altgermanische Bereich ist zurzeit kulturell hochgradig vergiftet, Versuchende setzen ihre Interessen gegen Achtende durch und umgekehrt, anstatt daß ein gedeihliches Miteinander bestünde wie andernorts. Dänemark ist davon weniger betroffen als die übrigen Länder in diesem Bereich, aber frei davon ist Dänemark auch nicht. Deshalb glaube ich, daß die Geburt eines neuen öffentlichen Gesellschaftslebens außerhalb Rußlands - Rußland ist als Großmacht stärker an bestehende Verhältnisse gebunden als kleinere Länder, könnte aber im kleinen Rahmen seine eigenen Experimente durchführen - nur im quasigermanischen und baltischen Bereich gelingen kann.

An dieser Stelle muß ich indes wohl auch noch wieder einmal einen Blick zurück in die Vergangenheit auf Preußen werfen. Dies war die letzte Geburt der beschriebenen Art, und der gesamte altgermanische Bereich hat sich nach der Reichsgründung Preußens Vorbild angepaßt.

Es ist ein seltsames Phänomen, daß in Estland beispielsweise der Kornblumenkult völlig ungebrochen ist und Estland trotzdem nicht im geringsten durch diese Einflüsse an die Vergangenheit gebunden ist. Ich vermute, daß der tiefere Grund dafür der ist, daß Wasser durch Wasser nicht in seiner Bewegungsfreiheit gehindert wird. Das wäre auch eine Bestätigung für meine These, daß Preußen in seiner kulturell formativen Phase eher baltisch als germanisch zusammengesetzt war (also die Schläferaktivierungsthese). Freilich, es mag auch nur an der Weiterentwicklung des Preußentums durch einen Österreicher (wohl mit albanischen Wurzeln, ein, nach ihm, rassisch wertvolles Volk, was nur wieder bewiese, daß der menschliche Instinkt in diesen Dingen untrüglich ist) liegen, daß der altgermanische Bereich heute mit seiner eigenen Identität auf Kriegsfuß steht. Oder vielleicht ist es auch beides.

Wichtig dabei ist aber nur, daß er von sich wegstrebt und bis auf weiteres kein artgemäßes Ziel haben wird, auf welches er zustreben könnte, da die westlichen Gesellschaften allesamt durch und durch privaten Wesens sind. Dieser mißliche Zustand hält jetzt schon seit circa 70 Jahren an, in Deutschland selbst seit über 90, und er wird es auch weiterhin tun, wenn nötig für Jahrhunderte, bis schließlich wieder ein funktionierendes öffentliches Gesellschaftsleben das Licht der Welt erblickt.

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4. Juli 2011

Zur bürgerlichen Sättigung

Ich habe im letzten Beitrag die Frage behandelt, wohin die heute Mächtigen wollen und wie weit sie auf diesem Weg wohl kommen werden, wobei ich nebenbei den Globalismus auf die sanguinische Gesinnung zurückgeführt hatte. Sanguiniker sind selbstverständlich nur eine kleine Minderheit innerhalb der westlichen Gesellschaften, aber sie sind bei weitem risikofreudiger als alle andere Gesinnungen und Geister, weshalb sie natürlicherweise in einem offenen System der Herrschaft der Wenigen weit überproportional an den Schaltstellen der Macht vertreten sind (mit den zuvor festgelegten Bezeichnungen der Geister: Ringende sind bessere Ringer als Suchende, Achtende und Versuchende.)

Die Herrschaft der Sanguiniker ist aber in gewisser Weise eine unfühlbare, weil man kaum jemals jemanden auf der Straße trifft, welcher ihre Ziele teilt. Und also kann man auch nicht füglich behaupten, daß sie selber dafür Sorge trügen, daß sich keine unerwünschten politischen Bewegungen bilden (etwaige unerwünschte Bewegungen später zu bekämpfen ist eine ganz andere Sache.)

Offenbar müssen neue politische Bewegungen von den Versuchenden getragen werden. Wo es keine Versuchenden in ausreichender Anzahl gibt, kann man die Angelegenheit gleich begraben. Mich interessiert der Fall, wo es sie zwar in genügender Anzahl gibt, sie aber massiv unterdrückt werden. Ich selbst sehe mich als Suchenden, aber als solcher verbindet mich mit den Versuchenden zweckmäßige Sympathie.

Und an dieser Stelle kommen wir nun zum Konzept der bürgerlichen Sättigung.

Der Achtende neigt naturgemäß zur Bürgerlichkeit, wobei damit nicht bloß Ordentlichkeit gemeint ist, sondern auch weitreichende individuelle Verantwortung. Ich habe diesen Aspekt bisher weitgehend übersehen, er ist aber mit der starren Ordnungsliebe naturgemäß verbunden, da das Prinzip der Eigenverantwortung so ziemlich das einzige ist, - es ist natürlich schwer das zu beweisen - welches zugleich konkrete Ordnungsvorgaben enthält und allgemein anwendbar ist.

Wenn nun die Achtenden in ihrer Bürgerlichkeit gestört werden, so reagieren sie darauf ihrerseits, indem sie das politische Leben stören. Was dabei herauskommt kann man sich in Deutschland, vor allem in Norddeutschland, und in Schweden ansehen. Es ist kein Naturgesetz, daß blanke Unvernunft und Destruktivität das politische Leben bestimmen, sondern die Folge mangelnder bürgerlicher Sättigung.

Und deshalb ist es beispielsweise für die Versuchenden in Dänemark einfacher ihre politischen Versuche voranzubringen als es das für ihre deutschen und schwedischen Brüder ist, obwohl die bürgerliche achtende Fraktion in Dänemark stärker als in Norddeutschland und Schweden ist, das heißt deshalb weil Dänemark bürgerlich gesättigt ist, die Achtenden dort mit sich im Reinen und die Versuchenden dort also frei sind.

Es ist für meine Seite ein Unglück, daß die Ringenden in der heutigen politischen Konstellation die Bürgerlichkeit bekämpfen und dadurch die Achtenden in Feindschaft zu uns treiben.

Es ist zugleich aber auch abwendbar, denn wir haben es durchaus in der Hand, die Bürgerlichkeit der Achtenden auf ein gesundes Niveau aufzupäppeln. Weder können noch wollen wir die Achtenden vernichten, und zugleich greifen sie uns unerbittlich an. Sie werden damit aber sofort aufhören, wenn sie bemerken, daß es für sie im privaten Bereich Gestaltungsaufgaben gibt, und sei es die neueste Gartenmode, denen sie bisher nur ungenügend nachgekommen sind. Wichtig dabei sind Vertrauen und Respekt, vielen wird ihr Garten reichen, aber wenn sie größere Pläne haben: bittesehr. Machen wir es ihnen möglich, setzen wir selbst Standards, welche sie übertreffen wollen. Dann sind sie glücklich beschäftigt und wir frei.

Das ist die einzige Strategie, welche unsere Gefangenschaft beenden kann. Weder können noch sollten wir alle fliehen.

Ich sagte es schon zuvor: Deutschland ist nicht natürlicherweise sozialdemokratisch und Länder, welche es sind, sind bürgerlich gesättigt, achten das Bürgerliche also viel höher als die wundenübersäten Linken in Deutschland, denn ohne den Segen der Bürgerlichen kann es kein soziales Leben in Deutschland geben. Was bleibt ist bloß Anschein. Anschein von beidem in Deutschland, Anschein von sozialem Leben und Anschein von Bürgerlichkeit.

Deutschland kann aber gleich Dänemark zu einem Land werden, in welchem kulturelle Projekte geboren und probiert werden können, was, um es mit dem Begriff des sozialen Lebens zu vergleichen, sich von diesem dadurch unterscheidet, daß es stets sporadisch bleibt und kein kontinuierliches, lebendiges Gewebe wird.

Aber, um es mal so zu sagen, wer gefesselt und geknebelt ist, wird wohl damit zu Frieden sein, wenn er die Gelegenheit bekommt mal zu sprinten, mal zu rasten, wenn er auch nicht in steter Bewegung sein kann.

Anmerkung. Diese Betrachtung ergänzt sowohl meinen vorigen Beitrag zum Volksbewußtsein als auch den Beitrag zur gesellschaftlichen Dressur. Ich möchte diesbezüglich indes anmerken, daß der Begriff des Bürgers im erstgenannten Beitrag wenig mit dem Begriff der Bürgerlichkeit hier zu tun hat. Letzteren Begriff habe ich in diesem Beitrag definiert, ersteren hingegen nicht explizit. Ich denke allerdings, daß sich die Bedeutung erschließen läßt, wenn man den erstgenannten Beitrag liest. Die Beziehung zwischen diesen beiden Begriffen ist die zwischen einer platonischen Idee und einem ausgesprochen häßlichen und verfälschten Abbild. Ich befinde mich also in der kuriosen Lage die Bürgerlichkeit mehren und die Bürger mindern zu wollen. Unglücklicherweise habe ich den Begriff bürgerlich einmal von Bürger und das andere Mal von Bürgerlichkeit abgeleitet: eine bürgerliche Regierung ist eine Regierung der Bürger, die bürgerliche Sättigung hingegen ist eine Sättigung an Bürgerlichkeit. Ich kann nur anraten, auf solche Dinge bedacht zu sein, da ich sie schwerlich allgemein vermeiden kann.

Ein weiteres Beispiel für meine schwankende Verwendung des Begriffs bürgerlich ist die Gegenüberstellung von bürgerlich und bäuerlich in der Charakterisierung der europäischen Völker, wo im Kern lediglich auf den Grad der Aufgabenteilung einer Gesellschaft abgehoben wird, aber auch den Begriff des Bauern habe ich in verschiedenen Bedeutungen benutzt, im Beitrag zum Volksbewußtsein war damit wiederum der konkrete Bauer gemeint, auf wessen Selbständigkeit ich abgehoben hatte. Hier gibt es viele leicht von einander verschiedene Konzepte, welche in der Praxis oftmals übereinstimmen, Mangel an Aufgabenteilung und Selbständigkeit beispielsweise.

Auf den ersten Blick erschließt sich ihre Verschiedenheit nicht unbedingt, aber in welchem Sinne ist derjenige, welcher seine lebensnotwendigen Aufgaben selber erledigt, selbständig?

Ist er unabhängig vom günstigen Zusammenspiel mit der Welt und insbesondere auch anderen Menschen? Nein, das ist er nicht. Aber er weiß, was jeweils zu tun ist und kann den feindlichen Mächten, welchen er nicht gewachsen ist, mit einiger Sicherheit aus dem Weg gehen, was bereits damit anfängt, daß er Kartoffeln nicht in der Tundra anpflanzt und Fische nicht in der Wüste sucht.

Grundsätzlich hindert eine Gesellschaft, in welcher Aufgabenteilung betrieben wird, nichts daran, sich auf Regeln zu verständigen, welche es ihren Mitgliedern ermöglichen, die Kräfte, welche ihr eigenes Zusammenwirken freisetzt, dergestalt zu lenken, daß die einzelnen Mitglieder stets wissen, was zu tun ist und daß sie, wenn sie auf eine unbeherrschbare Entwicklung stoßen, diese zu Gehör bringen können und darauf vertrauen, daß geeignete gemeinschaftliche Gegenmaßnahmen beschlossen werden.

Es ist auch nicht so, daß in den heutigen bürgerlichen Gesellschaften derartige Regeln nicht existierten, nur sind diese existenten Regeln bei weitem nicht ausreichend, was in erster Linie daran liegt, - das muß ich leicht beschämt sagen - daß der Bereich der Gesellschaftsordnung vom Bereich der Gesellschaftsbewegung überlagert wird, was eben die zuvor angesprochene Störung der Bürgerlichkeit durch die Versuchenden ist, wobei der Unterschied zwischen einem krassen Fall wie Deutschland und einem unverdächtig scheinenden wie Frankreich darin besteht, daß in letzterem eine bloß begriffliche Verwirrung vorliegt.

Begriffliche Verwirrung alleine in diesem Punkt ist aber bereits schlimm genug, um kolossal zu scheitern. Stark bewegte Gesellschaften, wie beispielsweise Rußland, haben mit diesem Phänomen weniger Probleme, weil ihre Ordnung naturgemäß vergleichsweise rudimentär ist, da kann man schon, wenn man sich die sowjetischen Propagandaaktivitäten des letzten Jahrhunderts ansieht, von einer biologisch intellektuellen Waffe sprechen, ohne daß damals auch nur irgend jemandem der biologische Charakter dieser Waffe bewußt gewesen sein kann.

Und es ist auch nicht der einzige Fall eines solchen Waffeneinsatzes, die Menschen scheinen instinktiv dazu zu neigen, andere Gruppen dadurch zu schwächen, daß sie ihnen ihre eigenen Denkmuster aufzwingen, wobei dies eines der häßlichsten menschlichen Verhalten ist, welches in den größten Mißbildungen der menschlichen Geschichte resultiert.

Zum zweiten liegt der Mangel an derartigen Regeln aber natürlich auch an persönlichem Opportunismus, wie er besonders stark unter Ringenden zu finden ist. Doch auch davon schrieb ich ja oben schon.

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2. Juli 2011

Ein paar Gedanken zur weltpolitischen Entwicklung

Die offen propagierten politischen Ziele des Jahre 2011 A.D. sind technologische und soziologische Angleichung jeweilig zurückgebliebener Weltgegenden.

Das ist in sofern bemerkenswert, als sich dies überall auf der Welt so verhält, denn in der Angleichung steckt offenbar eine wesentliche Beschränkung.

Nun ist dies zwar einerseits nur die Konsequenz aus einer überhöhten Rolle der Empirie innerhalb einer globalistischen Sicht, wobei eine globalistische Sicht heute auch sinnigerweise die Rolle der Empirie überhöhen sollte, da sie erst an ihrem eigenen Anfang steht und folglich keine Empirie besitzt, auf welche sie ihre Konzeptionen stützen könnte, sondern nur Empirie die Funktionalität ihr fremder Systeme betreffend, so daß sie sich eben den Fortschritt verbieten muß und sich, um nicht ganz still zu stehen, vermehrt um ihre Defizite kümmert, andererseits aber wirkt ihr die Sogwirkung des Prestiges mit voller Kraft entgegen, wobei weniger der durch diesen Sog entstehende lokale Verlust ein Problem für das Erreichen der Angleichung darstellt, als vielmehr die Anhäufung von Potential an anderer Stelle.

Die Wahl desjenigen, wessen Entscheidung ihm nicht abgenommen wird, ist todsicher, er wird immer die Gelegenheit ergreifen, etwas Neues zu erschaffen, wenn er sie hat.

Dies mag nun oftmals zu nicht viel mehr als zu Störungen führen, zumindest in einem Bereich aber bildet sich auf diesem Wege ein immer schwieriger zu beherrschendes umstürzlerisches Potential, und das ist gerade die Technologie.

Zwar steht der Fortschritt in der physikalischen Theorie seit hundert Jahren still, aber der Technologie wohnt ein zusätzlicher Fortschritt inne, nämlich die Anpassung an die durch sie selbst verursachten Gegebenheiten. Und diesbzüglich muß man sagen, daß noch nicht einmal im militärischen Bereich sämtliche wesentlichen Anpassungen bereits vollzogen wurden, ein Bereich, in welchem dies für gewöhnlich mit besonderer Dringlichkeit zu geschehen pflegt und auch ein Bereich, in welchem Kartellbildung kaum zum Tragen kommt, welche sonst dort, wo sie es tut, durchaus jeden weiteren Fortschritt ersticken kann, wenn ihr dabei von gesellschaftlicher Seite auch noch zugearbeitet wird.

Zugleich ist die militärische Industrie aber auch mit der zivilen verzahnt, so daß sie Kräfte, welche jene zu lähmen trachten, aktiv bekämpfen wird, um nicht selbst gelähmt zu werden.

Die bestehende Ordnung zerbricht bereits unter diesen Spannungen, wobei das erste Symptom darin besteht, daß sich zurückgebliebene soziale Gefüge auflösen und auf eine noch niedrigere Entwicklungsstufe herabsinken, da es ihnen an Glaubwürdigkeit mangelt, die Ziele der in ihnen verbundenen Menschen, welche eben über die öffentlichen Ziele des Gefüges hinausgehen, zu erfüllen und den Menschen zugleich ihr Rückstand spürbar ist.

Dadurch erhöht sich die Sogwirkung des Prestiges noch und damit auch die Chance anderer Gefüge aus dieser Entwicklung Profit zu schlagen, was, falls sie es tun, zu noch größeren Ungleichgewichten führt. Und wenn die Ungleichgewichte erst einmal groß genug sind, wird es zu offener Auflehnung gegen ausgleichende Maßnahmen kommen.

Dieser Prozeß findet prinzipiell überall auf der Welt statt, und auch nicht erst seit gestern. Was ihn vorgestern aufhielt war schlicht die Einschränkung der Freizügigkeit und die jeweilige lokale kulturelle Indoktrination, welche ideologische Barrieren errichtete. Es ist müßig, die heutigen Kontrollmechanismen zu studieren, wenn sich ihr Versagen bereits gestern abzeichnete, statt dessen stellt sich die Frage, wen es als nächsten zerlegt. Eine Frage, welche sich so ohne weiteres nicht beantworten ließe, wenn es nicht eine Kraft gäbe, welche den ganzen Laden zusammen zu halten versucht und welche deshalb als erste ihrem natürlichen Widersacher unterliegen muß, wenn sie sich nicht rechtzeitig entschließt, ihre weiter gehenden Ambitionen fallen zu lassen, was unter normalen Umständen zwar zu erwarten stünde und sich so auch um 1990 ereignet hat, aber in der speziellen Situation heute aufgrund der spezifischen Machtverteilung nicht zu erwarten ist.

Mit anderen Worten wird die soziologische Angleichung der Vereinigten Staaten scheitern und ihr politischer Arm gebrochen werden, was gleichbedeutend mit der Entwertung des Dollars ist, da auf ihm das gesellschaftliche Gefüge der Vereinigten Staaten beruht.

Es bleibt die Frage, warum es überhaupt Kräfte gibt, welche eine globalistische Sicht besitzen, die Antwort darauf liegt aber in der Natur der Ringenden, denn sie können sich keinen anderen Frieden vorstellen.

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