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13. Juli 2011

Religiöse Ahnungen und Täuschungen

Ich sprach schon vom westlichen Geisterglauben, daß Orte verwunschen seien, zum Beispiel, daß es in einem alten Haus spuke. Dies ist ein sehr oberflächlicher Glaube, welcher noch nicht einmal im engeren Sinne religiös ist, sondern schlicht einer psychologischen Spiegelung entspringt: In dem Maße, in welchem eines Seele an Gegenstände gebunden ist, neigt er dazu, ihnen ebenfalls Seelen zuzuschreiben, welche in Frieden oder Streit an ihn gebunden sind.

Implizit habe ich auch schon vom bösen Blick oder dem Widerstreben, den Teufel an die Wand zu malen, gehandelt. Diese Dinge sind real, es handelt sich bei ihnen um undeutlich bewußte transzendente Akte. Auch das fürbittende Gebet gehört in diese Klasse, wie alle Segnungen und Flüche.

Bevor ich mich nun mit der Frage nach der Stellung von Suggestionen beschäftigen werde, welche sich ja natürlicherweise an den letzten Punkt anschließt, möchte ich zunächst eine spezielle Auffassung betrachten, welche für Religionen von zentraler Bedeutung ist.

Viele, wahrscheinlich sogar die meisten Menschen empfinden ihre Existenz als Prüfung, und das ist sie auch, nur daß den wenigsten Menschen klar ist, was abgeprüft wird. Es gibt hier im wesentlichen nur zwei Fälle, entweder ich glaube, daß der Prüfer seine eigenen Ansichten davon hat, was es abzuprüfen gilt, von welchen ich natürlicherweise keine Ahnung haben kann, wenngleich sie mir ein glücklicher Umstand vielleicht offenbaren könnte oder ich glaube, daß die Prüfung sich auf natürliche Weise aus den Widersprüchen meiner Existenz ergibt.

Wie gesagt, letztere Sicht ist die Sicht der Wenigsten, und dafür gibt es einen Grund, aber nicht den, daß sie schwer zu verstehen wäre, denn was ist schwer daran zu verstehen, daß unsere Ideale unterschiedliche Voraussetzungen haben und wir ständig darauf achten müssen, daß wir sie in gegebener Lage richtig anwenden? Wie Schopenhauer schon sagte, Sparsamkeit und Geiz, Vorsicht und Feigheit, Strenge und Sadismus oder umgekehrt Gutmütigkeit und Achtlosigkeit liegen alle dicht bei einander, und so ist es mit allen Dingen im Leben. Jeder versteht, daß sie richtig zu handhaben eine Prüfung ist. Das spirituelle Problem sehr vieler Menschen besteht darin zu glauben, daß sie noch auf andere Weise geprüft würden.

Der Grund dafür besteht darin, daß uns oftmals Dinge im Leben begegnen, von welchen wir wissen, daß sie transzendenten Ursprungs sind, ganz einfach, weil sie es der Logik nach sein müssen, aber nicht verstehen, was wir mit ihnen zu tun haben. Wenn uns solches begegnet, sind wir geneigt eine persönliche transzendente Entität anzunehmen, da wir in diesen Begegnungen eine menschliche Intelligenz erkennen, weil diese Begegnungen uns nur allzu vertrauten Mustern folgen.

Diese Entität nun wird aber zumeist nicht mit Gott gleichgesetzt, ebenso wenig wird meistens nur eine Entität angenommen, wenn aber nur eine angenommen wird, so ist es zumeist der Teufel, und wenn es mehrere sind, so sind es zumeist böse Geister.

Aus dieser Annahme ergibt sich eine zusätzliche Prüfung, offenbar hat Gott dann die Welt so geschaffen, daß jene ihr Spiel mit uns treiben dürfen und wir ihnen widerstehen müssen.

Manchmal, viel seltener, werden daneben auch noch gute persönliche Entitäten angenommen, Engel zumeist, welche das Wesen der dann empfundenen Prüfung dahin lenken, ihnen zu gehorchen und sich um sie zu bemühen, wohlgemerkt in Angelenheiten, welche nicht den eigenen von Gott herstammenden Idealen entspringen.

Der wahre Ursprung dieser menschlichen Mustern folgenden transzendenten Akte sind wir - selbstverständlich, bin ich geneigt zu sagen - selbst. In uns ist ein autonomes, das heißt nicht bewußt angestoßenes, Streben, unsere Erfahrungen auf Widersrpüche abzusuchen und sie uns, wenn aufgefunden, in Form von Dystopien, Albträumen, beklemmenden Erfahrungen und manchmal auch Selbstverfluchungen bewußt zu machen. Kommt ein niedriges Selbstwertgefühl hinzu, so sind es des öfteren auch Utopien, Träume, befreiende Erfahrungen und manchmal auch Selbstsegnungen, wobei Selbstsegnungen und -flüche dies nur in dem Sinne sind, daß man selbst unter ihnen Glück empfindet oder unter ihnen leidet, technisch sind, wie bei allen transzendenten Akten, welche nicht auf Gott gerichtet sind, andere beteiligt, was konkret bedeutet, daß man sich auf Dinge einläßt, welche normalerweise die Scheu oder Klugheit vermeiden, und so entstehen uns also Engel und Dämonen.

Da diese Quelle in uns ist und sprudelt, versuchen einige halt, sie ins Werk zu setzen, und das nennt man Suggestion. Ein Kranker beispielsweise hat krankheitsbedingt zumeist ein niedriges Selbstwertgefühl, und das Placebo hilft die Scheu aufzuheben, sich dem Wohlwollen anderer zu öffnen und gesund zu werden. Grob geschätzt 90% der katholischen Lehre sind von derselben Art.

Meine Überzeugung ist hingegen, daß wir uns auch in den Momenten, in welchen uns scheinbar Unerklärliches begegnet, wiedererkennen sollten und auf dem Pfad bleiben, welcher von Gott selbst stammt und dazu gehören auch unsere Beziehungen zu anderen Menschen, wenn wir transzendente Bande mit ihnen knüpfen, so sollten wir das idealerweise nicht aus Gründen der unbewußten Selbststeuerung tun, sondern weil diese Bande vor Gott sinnerfüllt sind.

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