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25. November 2013

Sekundäre Tugenden

Jemand meinte im Kommentarbereich von Politically Incorrect, die Ansage Ja zum Schwein! Ja zur Frau! stoße ins Herz des Islams. Und so ganz falsch ist das vielleicht auch nicht - jedenfalls in Polynesien.

Nun, ich möchte mich kurz etwas ernster mit der Angelegenheit befassen, wohl wissend, daß ich nur kalten Kaffee aufwärme, aber mir fehlt schlicht eine anschauliche Darstellung des Phänomens, welches uns hier begegnet.

Pietätlos, bar des Schauers im Angesicht des Heiligen, das war schon vor über 1000 Jahren als Angriff gegen das Herz des Islams gerichtet worden, wenn auch etwas verschleiert.

Aber dieser Vorwurf trifft natürlich nicht bloß das System, sondern auch die Menschen, welche es annehmen. Und dadurch verteidigt er das System sogar ungewollt unter den naheliegenden Umständen. Doch davon will ich hier nicht weiter reden, nur erwähnen möchte ich es, damit niemand das folgende mißversteht.

Der Schauer im Angesicht des Heiligen begegnet uns heute selbstverständlich auch in Europa nicht mehr. Bevor uns der Islam vertrauter gemacht wurde, hat man sorgsam den trifftigsten Einspruch gegen ihn aus dem Weg geräumt. Sorgsam war es, wenngleich die Sorge wohl nicht der Ausbreitung des Islams galt.

Nun, wie gestaltet sich die Situation heute? Was ist heute der trifftigste Einspruch?

Der trifftigste Einspruch heute ist der, daß unsere Gesellschaften besser funktionieren. Und wenn man das näher betrachtet, läuft es darauf hinaus, daß wir ordentlicher und fleißiger sind. Sekundäre Tugenden nennt man sowas. Und wenn diese Bezeichnung irgendeinen Sinn haben soll, dann müssen sich diese sekundären Tugenden aus anderen, primären Tugenden ergeben, welche uns aber wohl abhanden gekommen sind.

Und das ist ein wichtiger Punkt aus Sicht des Moslems, welcher nach Europa kommt, und muß es auch sein, versetzen wir uns doch nur einmal kurz in ihn hinein, um das einzusehen.

Nehmen wir mal zwei Kurden, nicht übermäßig religiös, nicht gleich klug. Der dümmere fängt an, auf die Deutschen zu schimpfen, nennt sie feige und meinungslos. Der klügere wendet ein, daß sich in Deutschland indessen gut Geld verdienen läßt. Er ist beeindruckt, aber eingenommen ist er nicht. Mißtrauisch ist er, sieht die Dinge unter militärischen Gesichtspunkten, wohl ahnend, daß er der Schwächere ist. Und schließlich mag er sich ergeben.

Der Saal, in welchen er da eintritt, wurde speziell für ihn genau so entworfen. Er ist der Feind, seine Kapitulation ist das Ziel - nicht seine Konversion zu einem anderen Glauben, nein, er soll gebrochen werden.

Denn hätte man nicht große Sorge darauf verwendet, so würde er gewiß konvertieren. Sähe er hinter den sekundären Tugenden die primären, aus welchen sie entspringen, würde er augenblicklich zu dieser Zauberquelle laufen. Aber diese primären Tugenden hat man, soweit sie noch existieren, fein säuberlich vor ihm versteckt, und wenn er auf die Masse schaut, findet er in ihr nur noch das Echo, aber nicht mehr die ursprüngliche Stimme.

Es ist auf seltsame Weise amüsant von diesen Dingen zu schreiben. Ich weiß, daß mich die Engel und die Teufel genau verstehen, während diejenigen, welche die eigentliche Arbeit verrichten, und die primären Tugenden nach Kräften unterdrücken, keinen blassen Schimmer davon haben, was ich meine, und selber meinen, diejenigen, welche sie durch ihr Tun in die Verzweiflung treiben, kostbar zu beschenken.

Nein, wir sagen nicht: Dies ist uns heilig! Aus ihm entspringen uns unsere Taten. Es leitet uns zu ihnen an. Das sind unsere Vornehmsten, sie haben in unserer Lehre Wurzeln geschlagen und tragen ihre Früchte.

Welcher Gegensatz zwischen diesen beiden Bibelstellen, nicht wahr?
Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jeglich Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jegliche, die da Frucht bringt, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibet in mir und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von ihr selber, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen. So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater geehrt, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger.
So euch die Welt haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählt, darum haßt euch die Welt. Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: "Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr." Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen. Wer mich haßt, der haßt auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie es gesehen und hassen doch beide, mich und den Vater. Doch daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben: "Sie hassen mich ohne Ursache."
Und die Auflösung?
Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.
Gut, der Wegweiser muß der Welt voraus sein, um es einmal so zu sagen, aber was immer wir einmal Großes gewesen sind, wir sind es gewesen, weil wir uns als Christen verstanden haben, welche das Gebot der Einigkeit gehalten haben.
Gleichwie mich mein Vater liebt, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe! So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, so ihr tut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehört, habe ich euch kundgetan. Ihr habt mich nicht erwählt; sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, auf daß, so ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe. Das gebiete ich euch, daß ihr euch untereinander liebet.
So, nun habe ich unverhofft auch noch das 15.te Kapitel des Johannesevangeliums kommentiert.

Sieht der Geäffte den Äffer? Die feinen Unterschiede, wie daß niemand die Taten der Vorbilder zu nennen weiß? Daß ihre ganze Existenz vielmehr baldestmöglich unter den Teppich gekehrt wird?

Ach, was sie alles erreichen wollen, und regelmäßig erreichen sie nicht mehr, als die Straßen in Stand zu halten. Die Welt wird trostloser, es wird einsamer um sie. Aber ihr Werk ist ja auch schon fast vollbracht. Kalt fährt der Wind in die Ruine.

Nach außen hin Licht und Glanz, nach innen Zähneknirschen.

Für wie lang?

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24. November 2013

Sexuelle Blockaden

Ich hätte den Beitrag auch seelische Blockaden nennen können, aber vor die Wahl gestellt, einen möglicherweise irreführenden oder einen zu allgemeinen Titel zu wählen, habe ich mich für ersteres entschieden.

Es geht hier also nicht um zeitweilig die Vollziehung des sexuellen Aktes hemmende Umstände, sondern um eine grundlegende Störung des eigenen Wesens dergestalt, daß die Realisation der eigenen Neigung unmöglich wird, genauer gesagt entweder die Aufnahme (im Falle einer Frau) oder die Gestaltung (im Falle eines Mannes) des den eigenen Willen bestimmenden Seelenteils blockiert ist.

Kennzeichnend für diesen Zustand ist die Ausweisung von Bereichen, auf welche sich der Betroffene bei der Verfolgung seines Willens beschränkt. Diese Bereiche sind stets so gewählt, daß er stets außerhalb ihrer bleibt, sich also quasi nur im Spiel seinen eigenen Willen erlaubt, während er, in Angelegenheiten, welche sein Leben betreffen, sich selbst verleugnet und quält, indem er sich einem anderen Seelenteil überläßt.

Konkret ist Sex also durchaus möglich, aber nur im Rahmen der Selbsterniedrigung.

Dieser Zustand ist jenem, welchen ich im Beitrag Touristen beschrieben habe, offensichtlich nahe verwandt, nur bleibt die Welt hier nicht nur fremd und unergründlich, sondern auch verschlossen, wohin man sich auch wendete, stets stieße sie einen wieder in die Erkenntnis zurück, aus welcher heraus man in sie aufbrach, nie beschenkte einen ihre Erfahrung mit etwas, in welchem man Wurzeln schlagen und wachsen könnte.

Dergleichen kann äußere Gründe haben, wenn einem das eigene Wesen etwa verboten und aberzogen werden soll. Allerdings löst sich der innere Mißstand dann mit dem äußeren zugleich auf.

Häufiger wird man also finden, daß ein innerer Grund dem Betroffenen die Welt verleidet. Nun, gegenwärtig ein innerer. Einmal war auch er ein äußerer, denn anders als durch eine Verletzung kann sich dergleichen nie zutragen.

Aber was für ein Trauma ist das, welches den Willen des Betroffenen aus seinem natürlichen Seelenteil verbannt? Welches ihm verdeutlicht: So nicht! ?

Ein Fehler, gleich wie schlimm er auch sein mag, kann dergleichen nicht bewirken, denn indem man versucht, ihn zu berichtigen, legt man sich auf denselben Trieb, welcher einen in ihn führte und nun erschrocken von ihm flieht.

Und Abscheu? Wenn ein anderer aus dem eigenen Trieb heraus einen Fehler begeht?

Nein, für die Seele ist es ganz unerheblich, wer ihre Fehler begeht. Wenn es auch ein anderer war, dann will man sozusagen an seiner Statt den Fehler korrigieren. Daher stammt das Verständnis für die Täter.

Aber nicht jedem Täter bringt man Verständnis entgegen, sondern nur jenen, welche aus demselben Seelenteil heraus gehandelt haben, wie man selbst. Ist es ein anderer Seelenteil, so bleibt einem die Tat bestenfalls fremd, schlimmstenfalls aber Ausdruck eines verachtenswerten Prinzips, welches mit aller Härte bestraft werden muß, um es in seine Schranken zu weisen. Der Einzelne zählt dann nichts mehr, die Kraft, welche ihn treibt, selbst soll getroffen werden.

Nichts, was einem Seelenteil entspricht, kann ihn also gegen sich wenden, und damit muß das Trauma aus der Begegnung mit einem anderen Seelenteil herrühren.

Nur was für eine Begegnung? Was geschieht da?

Die Welt wird verschlossen, weil man nicht mehr in sich selbst weilt - soweit ist es klar. Aber warum weilt man nicht mehr in sich selbst? Darin muß sich doch ein metaphysischer Mechanismus ausdrücken.

Nun, schauen wir vielleicht, bevor wir dem auf den Grund zu gehen versuchen, noch einmal genauer hin.

Ist es ein beliebiger Seelenteil, in welchen man flüchtet? In welchem man sich, mit dem Wunsch zu sterben im Herzen, durch das Leben quält?

Im Falle des äußeren Grundes dieses Zustands ist er das nicht, sondern eben gerade jener, welcher einem aufgezwungen wird. Und im anderen Falle?

Auch wenn ich Erfahrung mit diesem Gegenstand habe, so beschränkt sich diese doch darauf zu konstatieren, daß die Flucht jedenfalls konsistent ist, und nicht einmal in diesen Seelenteil und ein andermal in jenen. Außerdem kann ich diesbezüglich noch anmerken, daß der nicht frequentierte Seelenteil unverstanden schien, so daß es unwahrscheinlich scheint, daß ihm überhaupt einmal näher begegnet wurde.

Die Sicherheit dieser Einschätzung der Verhältnisse genügt mir. Ich nehme also im folgenden an, daß die Flucht gerade in den Seelenteil erfolgt, dessen Begegnung das Trauma auslöste.

Nun, an dieser Stelle bin ich geneigt, die Fälle nicht weiter getrennt zu betrachten, sondern ein und dasselbe metaphysische Prinzip am Werk zu sehen. Der äußere Druck führt zur mißliebigen Anpassung. Wozu? Nun, einmal aus Gründen der Tarnung und des damit einhergehenden Schutzes. Aber das gilt für den zweiten Fall sicher nicht. Indes, betrachten wir es einmal allgemeiner, auf die Prinzipien sehend, nicht auf die Individuen.

Das Prinzip verliert ein Individuum. Warum läßt es sich das gefallen? Es könnte ja auch anders, aber es gibt nach, es weicht zurück. Es läßt einen seiner Diener die Äußerungen eines anderen Prinzips ausführen, in allen wesentlichen Dingen, bringt sich nur in einem umhegten Bereich im Spiel in Erinnerung.

Wenn man es so ansieht, ist es, denke ich, unmittelbar einleuchtend, warum das Prinzip das macht.

Höre! Ich habe einen Auftrag für dich. Du bist verdammt dazu, in ihrer Mitte zu leben, denn du besitzt nicht die Kraft, mich zu verherrlichen. Lerne ihre Eigenarten, spiele ihre Spiele, iß ihr abscheulich Brot, bis du einen Weg gefunden hast, sie zu überwinden und frei für mich zu werden.

Der Unterschied zwischen den beiden Fällen besteht einzig darin, daß dem äußeren Grund etwas zufälliges, den Umständen geschuldetes anhaftet, so daß die geschickte Wahl des weiteren Lebensweges das Problem zu lösen vermöchte, während ein Trauma nach der grundsätzlichen Veränderung der Verhältnisse verlangt.

Nun, christlich ist es zu vergeben, aber es gibt einen  Unterschied zwischen dem, was die Amerikaner need for closure nennen, also dem Wunsch nach Befriedigung, und dem Wunsch nach Befriedung. Die Befriedigung betrifft Anliegen des Individuums, über welche es also auch verhandeln kann, die Befriedung hingegen betrifft göttliche Anliegen, welchen das Individuum Folge leisten muß.

Wer also innerlich ins Exil verstoßen wurde, der muß seinen Weg herauskämpfen, und von dieser Pflicht entbindet ihn nichts.

Es ist nur ein extremer Fall eines allgemeinen Prinzips, jeder Mensch ist durch seine Idealvorstellungen gebunden, niemand kann sie verhandeln.

Ich selbst habe in dieser Angelegenheit nur den Dienst eines anderen übernommen, soweit es die Analyse des Problems betrifft. Ich habe es getan, weil ich nichts Schönes krank sehen mag. Die Zeit hat indessen die Dringlichkeit der Jugend hinweggespült, aber das Erleben ändert sich nur, wenn sich die Verhältnisse ändern: Mehr als die immergleichen Versuche unserer Prinzipien sind wir nicht.

Es sei denn, so jemand wie ich verfolgt gar keines, sondern ist nur Sonde. Doch... das ist natürlich widersprüchlich, paßt nicht in meine Systematik und... ich habe diesen Eindruck auch schon entsprechend dieser Systematik eingeordnet. Es ist nur so, daß dieser Eindruck für alle Welt, und auch für mich, das Antlitz der Wahrheit bleiben wird, das, was sich einzig sehen läßt.

Danach ist es also so, daß ich so wenig eigenen Willen besitze, daß ich auf meinem Lebensweg dankbar den Schmerz eines anderen zu meinem machte, um ihn zu heilen. Nun... da fehlt etwas. Das ist nur die erste Hälfte. Ich kann es auch spüren.

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20. November 2013

Die doppelte Falle

Ich schreibe diese Bibelkommentare, weil sie für die heutige Zeit wichtig sind.
Johannes 19:14-15. Es war aber der Rüsttag auf Ostern, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem! kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König denn den Kaiser. 
Das war nicht nett von Pilatus. Warum eigentlich nimmt niemand Johannes beim Wort? Ich jedenfalls bin die klischeehaften Darstellungen satt. Natürlich müssen die Hohepriester ihre Loyalität zum Kaiser bekennen, wenn sie keinen Ärger mit Pilatus wollen. In die Falle gehen sie natürlich nicht. Aber Pilatus' Worte sind eine doppelte Falle, aus welcher es kein Entkommen gibt.
Johannes 11:46-50. Etliche aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte. Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer einen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn also, so werden sie alle an ihn glauben; so kommen dann die Römer und nehmen uns Land und Leute. Einer aber unter ihnen, Kaiphas, der desselben Jahres Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisset nichts, bedenket auch nichts; es ist uns besser ein Mensch sterbe für das Volk, denn daß das ganze Volk verderbe.
Kaiphas hält  es also zumindest für wahrscheinlich, daß Jesus Lazarus auferweckt hat, denn andernfalls wären ja keine weiteren Zeichen und keine weiteren Anhänger zu befürchten. Wenn es aber so ist, welches Opfer fordert Pilatus dann von ihm?

Nichts anderes als die messianische Hoffnung. Wenn Johannes' Worte stimmen, geht es Pilatus genau darum.

Seltsam, daß 19:14 also ein Symbol für die Frage: Leben oder Hoffnung? ist, aber so ist.

Ich habe die Auferweckung des Lazarus zuvor ausschließlich als Metapher betrachtet, als Zeichen des Abschieds Jesu. Nun, das steht mit dieser Betrachtung hier nicht im Widerspruch, der ganze Text ist Metapher und es geht ausschließlich darum, zu erkennen, worauf er gerade verweist. Johannes wird üblicherweise nach außen schielend dargestellt, selbst wieder eine Metapher dafür, daß das, was nicht zusammenzupassen scheint, doch tatsächlich in der Form gesehen wurde.

Die Juden wählten das Leben, die Christen die Hoffnung. Dies ist als doppelte Tragik zu verstehen, eine Tragik, vor deren Hintergrund die Gestalt des Paulus überhaupt erst denkbar wird.

Und es ist ein Fingerzeig, denn diese Prüfung wartet immer wieder auf uns.

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19. November 2013

Stalin nach Trotzki

Ich selbst charakterisierte Stalin ja bereits als eher unpolitisch, nur auf die Errichtung und Verteidigung von Fundamenten bedacht, dies allerdings mit der größten Härte, wenn überhaupt eher traditionalistisch gesonnen und nur deshalb zur Macht gekommen, weil sich die staatstragenden Organe der Sowjetunion nach genau so einem Mann sehnten.

Das alles auf der Grundlage seines Aussehens, genauer gesagt seines Gesichts.

Nun, interessanterweise sah Trotzki das alles ganz genauso, wobei ich freilich meine Abscheu vor Trotzkis Denken und Charakter kaum in Worte zu fassen vermag. Es ist verdammt nochmal keine Entschuldigung, wenn man, weil man jegliches kritisches Denken aus dem Fenster geworfen hat, sich einbilden kann, daß die größten Greuel dem Wohle der Menschheit dienen. Das alles mit dieser unerschöpflichen Herzensgüte, welche überall nur unschuldige Babies sieht, welche ein teuflischer Wind auf den falschen Pfad getrieben hat, welchen man nur recht gründlich abstellen müsse, damit sich Friede, Freude und Eierkuchen weltweit entfalten!

Ja, ne, so war Stalin nicht. Stalin war ein Barbar. Hört, hört!

Nun gut, aber gehen wir jetzt vielleicht einmal die paar Bemerkungen durch, welche Trotzki der Nachwelt über Stalin hinterlassen hat.

Stalin 1911: You have certainly heard about the ‘tempest in a teapot’ abroad; blocs – Lenin and Plechanov on one side, and Trotsky-Martov-Bogdanov on the other. The relation of the workers to the first bloc, as far as I know, is favorable. But in general the workers are beginning to look with contempt on the work abroad; ‘let them climb on the wall to their hearts’ content; in our estimation those should work to whom the interests of the movement are dear, and the rest will happen.’ This, in my estimation, is for the best.

Stalin kümmert sich nicht um Bemühungen, welche er für aussichtslos hält: Wer nicht will, der hat schon.

Trotzki dazu: This is not the place to consider how correctly Stalin defines the composition of the blocs. The question is not in this. Lenin led a fierce struggle against legalizers, liquidators, and opportunists, for the perspectives of the second revolution. This struggle determined fundamentally all the groupings abroad. But how does the Bolshevik Stalin appraise these battles? As the most helpless empiricist and unprincipled practicalist: “a tempest in a teapot; let them, so to say, climb on the wall; work, and all will be well.” Stalin welcomes the frame of mind of theoretical indifference and the imaginary superiority of the near-sighted practicalists over the revolutionary theoreticians. “In my estimation, this is for the best”, he writes, addressing those moods that were characteristic of the period of reaction and downfall. We have in this manner in the person of the Bolshevik Stalin not even a political conciliationalism, for conciliationism was an ideological current which strove to create a principled platform, – we have a blind empiricism which entirely disdains the principle problems of the revolution.

Lass' ich so stehen. Weiter im Text.

Stalin arrives in Petrograd with Kamenev about the middle of March 1917. Pravda, directed by Molotov and Shliapnikov, had a vague, primitive, but nevertheless “left” character directed against the provisional government. Stalin and Kamenev put aside the old editorship as too left and took up a thoroughly opportunist position in the spirit of the left mensheviks: (a) support of the provisional government as far as: (b) military defense of the revolution (i.e., the bourgeois republic); (c) a union with the mensheviks of the Tseretelli type. The position of Pravda in those days presents indeed a scandalous page in the history of the party and in the biography of Stalin. His March articles which were the revolutionary result of his meditations in exile explain perfectly why not a line from Stalin’s works from the war epoch have appeared up till how.

Dazu muß ich jetzt aber doch was sagen. Trotzki beschwert sich hier recht eigentlich darüber, daß Stalin und Kamenew 1917 lieber erstmal abwarten wollten, wie der Erste Weltkrieg ausgeht, anstatt blindlings die Revolution voranzutreiben.

Stalin 1926: ... the history of our party if taken from the moment of its birth in the form of a Bolshevik group in 1903, and traced through its subsequent stages up to our time; can be said without exaggeration, to be a history of the struggle of contradictions inside the party – there is not and cannot be a ‘middle’ line in questions of a principle character —

Trotzki dazu: These imposing words are aimed against ideological “conciliationism” in relation to those against whom Stalin led a struggle. But these absolute formulas of ideological irreconcilability are entirely contradictory to the political physiognomy and political past of Stalin himself. He was, as an empiricist, an organic conciliator, but particularly as an empiricist he did not give his conciliationism a principled expression.

Der Vorwurf hier: Der Mann tritt entschieden auf, obwohl er gar nicht entschieden ist. Naja, Herr Bronstein, ist doch aber auch besser so, als wenn jemand wirklich den fanatischen Irrsinn glaubt, welchen er absondert, nicht wahr? Wäre Stalin da ehrlich gewesen, hätte er sich nicht durchsetzen können, es wäre ihm als Schwäche ausgelegt worden - zu schade aber auch für Sie. Dabei bleibt Stalin bei dieser Verstellung nur der Realist, welcher er nunmal war. Anders ging's halt nicht.

Bleiben wir bei Stalins Aufstieg zur Macht.

To be sure, the banner of the Bolshevik-Leninists gathered tens of thousands of the best revolutionary fighters, including some military men. The advanced workers were sympathetic to the Opposition, but that sympathy remained passive; the masses no longer believed that the situation could be seriously changed by struggle. Meanwhile the bureaucracy asserted: “The Opposition proposes international revolution and is ready to drag us into a revolutionary war. Enough of shake-ups and misery. We have earned the right to rest. We need no more of ‘permanent revolution.’ We will build the socialist society at home. Workers and peasants, rely on us, your leaders!” This nationalist and conservative agitation was accompanied – to mention it in passing – by furious slanders, sometimes absolutely reactionary, against the internationalists. It drew the military and state bureaucracies tightly together, and indubitably found an echo in the weary and backward masses. So the Bolshevik vanguard found itself isolated and crushed piecemeal. Therein lies the secret of the victory of the Thermidorean bureaucracy.

    Talk about the extraordinary tactical and organizational qualities of Stalin is a myth, deliberately created by the bureaucracy of the USSR and of the Communist International and repeated by left bourgeois intellectuals who, despite their individualism, willingly bend the knee to success. These gentlemen neither understood nor recognized Lenin when, pursued by the international scum, he prepared the revolution. On the other hand, they “recognized” Stalin when this recognition brought only satisfaction and sometimes direct advantages.

    The initiative for the struggle against the Left Opposition belongs properly not to Stalin but to Zinoviev. At first Stalin hesitated and waited. It would be wrong to think that Stalin even had a strategic plan from the outset. He kept testing the ground. There is no doubt that his revolutionary Marxist tutelage weighed on him. In effect, he sought a simpler, more national, “surer” policy. The success which attended him was something unexpected, in the first place by himself. It was the success of the new leading layer, of the revolutionary aristocracy which was trying to liberate itself from the control of the masses and which needed a strong and reliable arbiter in its internal affairs. Stalin, a figure of the second rank in the proletarian revolution, appeared as the unchallenged leader of the Thermidorean bureaucracy, first in its ranks – nothing more.


Mit anderen Worten hatten die Verantwortungsträger, wie auch das Volk, die ideologischen Spinner satt und Stalin war schlicht so gar nicht wie sie, realistisch, Reste von Anstand und Moral aufweisend.

An letzterem könnte man mit Fug und Recht zweifeln, bei all dem, was Stalin so getan hat, aber Trotzki tut sein Bestes, einem diese Zweifel zu nehmen. Nein, Stalin hat das nicht aus eigener Initiative heraus getan, sondern nur, weil er, Trozki, ihn dazu getrieben hat! Wenn's nach Stalin gegangen wäre, wären die Russen erst reiche Bauern und dann wieder Kapitalisten geworden. Man höre und staune...

   Does that mean that Stalin’s victory was inevitable? Does that mean that the struggle of the Left Opposition (Bolshevik-Leninists) was hopeless? Such a way of putting the question is abstract, schematic, and fatalistic. The development of the struggle has shown, without any doubt, that the Bolshevik-Leninists would not have been able to win a complete victory in the USSR – that is to say, conquer power and cauterize the ulcer of bureaucratism – without support from the world revolution. But that in no way means that their struggle did not have results. Without the Opposition’s bold criticism and without the bureaucracy’s fear of the Opposition, the course of Stalin-Bukharin toward the kulak [wealthy peasant] would have ended up in the revival of capitalism. Under the lash of the Opposition the bureaucracy was forced to make important borrowings from our platform. The Leninists could not save the Soviet regime from the process of degeneration and the difficulties of the personal regime. But they saved it from complete dissolution by barring the road to capitalist restoration. The progressive reforms of the bureaucracy were the by-products of the Opposition’s revolutionary struggle. For us it is far too insufficient. But it is still something.

Das schrieb Trotzki 1935, nach dem Holodomor, immerhin etwas, in seinen Worten.

Dabei bin ich mir in diesem Punkt gar nicht so sicher, daß er Recht hat. Mag sein, daß er nur die Lorbeeren für die Industrialisierung der Sowjetunion einstreichen wollte, denn es paßt andererseits zu Stalins Wesen, die Zentralgewalt zu stärken, um etwas bewegen zu können. Nun ja, im Rahmen des Sozialismusses ist es auch schwer denkbar, etwas auf andere Weise zu bewegen. Immerhin, nach Trotzki spielte Stalin mit dem Gedanken einer ländlichen Idylle für Rußland. Schon seltsam, wie sehr Trotzki Stalin freispricht und sich selber anklagt. Es würde mich nach all dem auch nicht mehr wundern, wenn Trotzki die Verfolgung der Kulaken zwar große Klasse fand, aber die einzig positive Begleiterscheinung der Angelegenheit, nämlich die Erhöhung der Handlungsfähigkeit einer zentralisierten Sowjetunion, schlecht.

Barbaren aller Länder vereinigt euch gegen die Liebesbringer!

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18. November 2013

Projektionen

Vorletzte Nacht traf ich im Traum unverhofft wieder einmal auf meine Idealvorstellungen.

Und in dieser Angelegenheit gibt es noch etwas zu klären, denn es genügt nicht zu behaupten, daß unsere Idealvorstellungen halt unserer Vernunft ihre Ziele vorgeben. Die Sache ist weiter gespannt.

Denn wie käme unser Wille dazu, uns Idealbilder unserer Mitmenschen vor die Augen zu stellen? Wie die sich halten, ist schließlich deren Sache. Und doch ist es so, in jedem Menschen ahnen wir ein Ideal, dessen verzerrte Karikatur er nur ist.

Ich glaube kaum, daß wir von Natur aus dazu neigen, anderen vorzuschreiben, auf welches Ziel hin sie sich zu entwickeln hätten. Aber was ist dann der Zweck dieser Vorstellungen?

Nun, ich habe es erwogen, rein praktisch. Es geht wohl kaum nur darum zu wissen, was eine einem genehme Gesellschaft ist, aus welcher man sich also gegebenfalls zu lösen hätte. Nein, es geht um mehr, der Nutzen muß größer sein. Es geht darum, beurteilen zu können, ob sich die eigenen Mitmenschen günstig oder ungünstig entwickeln, denn daran hängt viel. Zu wissen, ob sie in Frieden wachsen oder ob sie etwas innerlich zerfrißt.

Aber wenn dies die Funktion unserer Projektionen ist, also daß wir vom Ganzen nur das Schöne sehen, dann wäre es verfehlt, wenn sie im Individuum wurzelten.

Allerdings gibt es durchaus einander widersprechende Projektionen, sagt einem jemand etwa, daß man ausgsprochen gut aussähe, wenn man sich gerade ausgesprochen schlecht fühlt. Ich denke aber, daß dies nicht auf individuellen Sichtweisen beruht, sondern auf seelenteilsmäßigen Sichtweisen, genauer gesagt unsere Projektionen unsere anschaulichen Erfassungen der Ideale der drei Seelenteile sind, also unsere Vorstellungen davon, wie Lust, Achtung und Sorge sich im Menschengeschlecht ausdrücken wollen, und wenn sich zwei Projektionen also nicht decken, so deshalb, weil die Empfindlichkeit der Betrachtenden für die drei Seelenteile unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Einer sieht etwa die roten Wangen und ist zufrieden, während ein anderer vielleicht den Blick erforscht.

Nun, damit wäre geklärt, wie zwei verschiedene Menschen in einem Menschen verschiedenes sehen können, nicht aber, wie ein Mensch in zwei verschiedenen Menschen verschiedenes sehen kann.

Weiter schwer ist das aber nicht, die Seelenteile im Betrachter wissen eben, was sie im Betrachteten bilden wollen. Und alles, was also verbleibt, ist dieses intuitive Wissen vermittels der eigenen Phantasie in die anschauliche Form zu überführen.

Damit wäre das Zustandekommen der Projektionen im menschlichen Bewußtsein soweit geklärt. Es bleibt aber noch über die Qualität der projizierenden Existenz zu sprechen.

Diese ist zunächst einmal bitter, weil wir überall nur Karikaturen sehen und wahrer Friede und wahre Erfüllung uns nur in unserer Vorstellung und unseren Träumen begegnen. Zum anderen ist sie konvergent.

Konvergent ist sie allerdings nicht deswegen, weil wir unseren Idealen beliebig nahe kämen, sondern weil das Projizieren dazu führt, daß verschiedenen Individuen ein und dasselbe Ideal zugewiesen wird, welchem sie in der Regel wenigstens etwas näher kommen, mit anderen Worten konvergiert nicht der Lebensweg des Einzelnen, sondern die Lebenswege mehrerer demselben Ideal Zugeordneter im Laufe mehrerer Generationen in Form ihrer Nachkommenschaft, wobei wir in dieser Frage besser keine zu große Genauigkeit walten lassen sollten, da die Zuordnung eines Ideals zu einem Menschen nicht so ohne weiteres erklärt werden kann, der Geist vererbt sich väterlicherseits, das Ideal nicht.

Und so kommt es denn wohl auch, daß man sich besonders schämt, wenn man jemanden sieht, welcher demselben Ideal zugeordnet ist, wie man selbst, welcher sich besonders rückständig aufführt. In solchen Momenten zweifelt man wohl gar daran, daß die Annäherung an dieses Ideal der Gruppe aller ihm Vertrauten gelingt - ein primitiver Vorfahr, allerdings, beruhigt aus eben demselben Grunde.

Nun, das sind Randbetrachtungen. Zu diesen gehört auch, daß männlichen Idealen weibliche zur Verbindung korrespondieren und man immer wieder dieselben Paarungen sieht, wenn natürlich auch nicht jedes Mal - indes sind jene als ideale Paarungen auch zu erkennen.

Wenn wir zittern, wenn wir betrachten, was aus uns geworden ist, so im Hinblick auf die Projektion unserer selbst. Sie ist es, welche unsere Seele anklagt oder verteidigt, wenn zum Gericht über unser Leben gesessen wird. Und wenn, um den Faden weiterzuspinnen, welchen ich zuletzt aufnahm, wir dahinkommen zu erkennen, daß alles für sie verloren ist, wenn sich die Dinge so verhalten, wie sie sich uns darstellen, dann rufen wir Gott wohl zu Gericht, daß er augenblicklich seines Amtes walten möge.

Die frohe Kunde ist, so verhält sich's nicht, die betrübliche, daß es sich nur dadurch nicht so verhält, daß Gott uns richtet. Wenn er uns aber richtet, so liegt die Erfüllung der Projektion unserer selbst dafür wohl im Bereich des Möglichen.

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15. November 2013

Vom Unterdrücken

Angenommen, wir wollen etwas unterdrücken. Wie stellen wir es an?

Es gibt, letztlich, zwei Weisen, es zu tun. Entweder wir lassen andere selbst das in sich unterdrücken, was wir unterdrückt sehen wollen oder wir unterdrücken sie, wann immer sie aufmucken.

Ersteres ist bequemer, erfordert aber auch größere Überlegenheit.

Doch letzteres erfordert auch etwas, nämlich die öffentliche Sanktion von Maßnahmen gewaltsamer Willkür.

Genau diese aber ist in den westlichen Demokratien nicht sonderlich stark ausgeprägt, was ja der Inhalt der Parole Keine Toleranz der Intoleranz ist. Zwar erlaubt diese selbst gewaltsame Willkür, aber nur im Rahmen der Bekämpfung von Menschen, welche sich den staatlich verordneten Zumutungen widersetzen.

Ein solches Widersetzen wird nicht toleriert, und in der Beseitigung solchen Widerstandes sieht der liberale Staat die Verteidigung seiner Ordnung.

Nun will der liberale Staat aber auch unterdrücken und macht daraus ja auch keinen Hehl. Er kann dies aber nur, ohne den Charakter einer Diktatur anzunehmen, wenn er einen Großteil seiner Bevölkerung ideologisch an sich zu binden vermag.

Und damit ergibt sich folgendes Spiel, welches sich, wenn man die Dinge nur nüchtern genug ansieht, tatsächlich in dieser Schlichtheit präsentiert.

Wähle unter den populären Ideologien eine staatsdienliche aus. Mache ihr Zugeständnisse. Vermische Widerstand gegen die eigenen Ziele mit dem Widerstand gegen ihre Ziele. Benutze ihre Anhänger, um Anhänger anderer Ideologien gewaltsam und willkürlich zu unterdrücken.

Aber... Wehe, Wehe, wenn der öffentliche Zuspruch für die Ideologie, welche du für deine Zwecke kooptiert hast, nicht hinreicht, um jene willkürlichen Gewaltakte zu legitimieren. Du mußt also stets darauf bedacht sein, Allianzen zu schmieden, welche jedenfalls zeitweilig über das nötige öffentliche Gewicht verfügen, und entsprechend deine Optionen für die Zukunft offen halten.

Über die Macht, die Menschen sich selbst unterdrücken zu lassen, verfügst Du nie - bedenke das.

Es wäre sonst ja auch zu einfach, was beispielsweise die Muslime im christlichen Kulturraum angeht. Einfach das Einverständnis einfodern, im Dar al-Harb zu leben, einen befristeten Friedensvertrag schließen und, wenn der gebrochen wird, kriegerisch antworten.

Doch das war jetzt wirklich der vorerst letzte Beitrag über den Teufel.

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Zwei kleine Gedankenspiele

Dies wird wahrscheinlich der letzte Beitrag rund um das Thema Teufel sein, aber soviel möchte ich dazu noch sagen.

1. Ich sprach schon von diesem Thema, aber undeutlicher. Nehmen wir einmal an, daß die folgenden Worte der Offenbarung wahr sind.
Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil von Holz des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben ist.
Wer würde durch diese Worte gewiß nicht abgeschreckt, etwas dazuzusetzen? Der Teufel, denn der wird ja sowieso bestraft werden, auch ohne Offenbarung.

Und nun machen wir noch eine zweite Annahme, nämlich, daß der Teufel irgendetwas zur Offenbarung dazugesetzt hat.

Sagte uns die Offenbarung dann, was dieses Irgendetwas ist?

In der Tat. Denn unmöglich könnte Gott jemanden dafür strafen, daß er die Worte des Teufels wieder tilgt, und nur dann würde jemand dafür nicht gestraft, wenn die Schilderung der heiligen Stadt und des Holzes des Lebens vom Teufel stammt, also jenes vom Himmel herabkommende Neue Jerusalem.

Und umgekehrt müssen die Plagen, welche in der Offenbarung beschrieben werden, wahr sein, denn sonst ließe es Gott ungestraft, wenn jemand ohne Autorität in seinem Namen spricht, vielleicht nicht jede einzelne von ihnen, aber doch genügend viele, um insgesamt nichts am strafenden Charakter zu ändern.

Ich halte dies für bemerkenswert. Die Offenbarung enthält, wenn man es logisch auflöst, den Satz: Wenn hieran etwas gelogen ist, dann das. Einen Satz, welcher mutwillig an ihr Ende gesetzt wurde. Das Zeitalter der Erleuchtung, ohne Tempel, an Bord eines Raumschiffes, im Besitz ewiger Jugend - wenn etwas erlogen ist, dann es.

2. Ich sprach davon, daß Pfarrer Hans Milch die Absicht gehabt zu haben schien, eine leicht suggestible Frau zum Mord am Papst zu bewegen. Ich sprach allerdings nicht davon, welcher Papst das wohl sein würde. Nun, es gibt einen Hinweis in Milchs Rede Wir und Rom, welcher eine Antwort auf diese Frage zu geben scheint, nämlich in dieser Passage.
Nur dann ist der Papst kein Papst und hat den Stuhl des Petrus usurpiert, besetzt, wenn er ganz bewußt eine Überzeugung hegt, von der er weiß, daß sie nicht katholisch ist. Wenn er seine so erworbene Macht benutzen will, um die katholische Kirche zu zerstören. Er tut so, als ob er Papst wäre, alle halten ihn für den Papst, und er benutzt diesen Irrtum, um von innen her, klug und raffiniert, die katholische Kirche kaputtzumachen.
Diese muß allerdings im Zusammenhang mit Milchs vorangegangenen Aussagen gesehen werden, um zu verstehen, worauf er mit den hervorgehobenen Worten hinauswill, also im Zusammenhang mit den folgenden Worten.
Ist das möglich? – Es ist nicht möglich, meine lieben Brüder und Schwestern, denn genau damit würde das Wort des Herrn widerlegt, "die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen". Wäre es so, daß die katholische Kirche, dort, wo sie als solche angesehen wird, in ihrem wahren Sein nicht mehr die katholische Kirche wäre, dann würde das Wort des Herrn nicht mehr gelten. Es wäre außer Kraft gesetzt, widerlegt, wir wären die ärmsten Menschen, unser Glaube wäre hinfällig. Denn es ist völlig unmöglich, daß die katholische Kirche offiziell mit ihrem Anspruch die katholische Kirche zu sein, auf einmal an der selben Stelle nicht mehr die katholische Kirche wäre, sondern irgendwohin ausgewandert wäre – absolut unvorstellbar, denkerisch unvollziehbar. Was folgt daraus? – Dort, wo die katholische Kirche sich heute offiziell als solche präsentiert, ist ohne Zweifel seinshaft noch die katholische Kirche. Der Papst ist Papst, die Bischöfe sind Bischöfe und die Kirche ist die Kirche.
Milch meint also, daß gerade, weil nur einer den Anspruch erhebt, Papst zu sein, dieser auch Papst sein muß. Und es wäre das Schrecklichste vom Schrecklichen, wenn er nicht wirklich Papst wäre, weil dann die ganze Verheißung Jesu für die Menschen ungültig wäre, wie er mehrfach und auf verschiedene Weise betont.

Insbesondere sagt Milch, wie schon zuvor festgehalten, daß Gott den wirklichen Papst auf welche Weise auch immer daran hindern wird, ein falsches Dogma aufzustellen, also konkret dadurch, daß er sich ein Bein bricht, vorher stirbt, krank wird und so weiter, diese Garantie für einen falschen Papst aber nicht gilt.

Ein falscher Papst müßte also... wenn nicht von Gott... so... vielleicht vom Teufel und seinen Werkzeugen selbst... verworfenen Seelen...

Das ist die Botschaft. Nun, wird denn zur Zeit nur einer von allen für den Papst gehalten? Wo doch gerade der emeritierte Lefebvre rehabilitiert hat?

Ich, und der Teufel wohl auch, denke mir das so: Franziskus kündigt an, er werde etwas grundunkatholisches zum Dogma erheben, wofür er von der ganzen Welt bejubelt wird, aber dann kommt diese verwirrte Frau aus dem Dunstkreis der Piusbrüderschaft dazwischen, vielleicht heißt sie Maria, und aller Welt steht der Schaum vorm Mund.

Die nötige Zuspitzung wäre erreicht, die Dinge unumkehrbar vorangetrieben. Nun, wir werden es ja sehen, wenn es so sein soll, werden auch diese Worte nichts daran ändern.

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14. November 2013

Mein Leben als Sonde

Ich schätze, meinem letzten Beitrag liegt das Erschrecken darüber zu Grunde, daß sich das Tor, welches zur Wahrnehmung von Gottes Tiefe führt, noch Vielen öffnen muß, daß es keinen Weg an ihm vorbei gibt, daß jeder an jenem Ort erfahren muß, daß nur einer hilft und sich dieser weit zurückgezogen hat in den Stamm, an dessen Ästen nur noch welke Blätter hängen.

Eine Art Tunnel, schmal, gewölbt, in goldenen Tönen gefliest, ein ruhiger Ort, um ihn herum ein Nichts, welches noch nicht einmal leer ist, nicht lang, vielleicht zehn Meter, doch jeder Schritt beinhaltet die Unendlichkeit.

Nicht dieses Tor ist schrecklich, sondern die Umstände, welche einzig durch es führen. Der augenfällige Widerspruch zwischen äußerer Verheißung und Weite und innerer Entstehung und Verbundenheit: In dieser Weite soll sich der Sinn nach Innen wenden?

Der Gedanke ist erschreckend.

Jeder für sich allein, unbemerkt, niemanden störend dem Ziel entgegen: Wie artig das ist! So wurde die Welt doch auch geschaffen, oder nicht?

Gut genug für mich. Wenn's soweit ist, das Nötige in aller Stille.

Wenn nun, was der Mensch bis zum Tod aufzuschieben pflegt, in der Breite seiner Masse sich begeben muß, damit den Gesetzen des Glaubenszykels entsprochen wird, wie werden die Zeiten dazu sein?

Seltsam, daß mir dieser Gedanke erst jetzt kommt, aber das ist das Jüngste Gericht. Genau dieses Zusammenfallen der Probe der eigenen Existenz, ob sie es wert sei zu sein, seine Not, die Unmöglichkeit der eigenen Form vor Gott zu stellen, bereit, sein Urteil zu empfangen.

Ich habe es schon getan, ungefähr vor neun Jahren. Man könnte sagen, daß Gott es zur Kenntnis nahm. Gerne sagt man sowas ja nicht, aus verschiedenen Gründen. Weder schien es mir gut, wenn es jemand glaubt, noch wenn es jemand nicht glaubt. Nun, aber es geht nicht um mich. Es geht um's Prinzip. Gott existiert, was im Gleichnis des Jüngsten Gerichts ausgedrückt wird, steht an, hat sich bereits zum Teil ereignet: Gottes Tiefe steht offen, sein Ratschluß bricht in die Gegenwart herein.

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13. November 2013

Ein paar Worte zum Niedergang

Diese Zeiten sind kompliziert, wo alles darniederliegt, soll man da alles verwünschen?

So einfach ist die Antwort nicht zu geben. Ich deutete es schon in meinem letzten Beitrag über Pfarrer Milch an, so einfach kann mich der Teufel nicht besetzen, denn wenn mein Wesen in sein Gegenteil verkehrt würde, würde es in einigen Punkten ausgesprochen undienlich, Böses zu tun: Besessenheit ist der Trotz der Weichen.

Ich habe schon als Erstkläßler jene tätig verspottet, welche unfähig waren, die Grenzen ihrer eigenen Beschränkung zu erkennen, wie Samiel Kaspar hier:



Nun, ich wurde auch selbst verspottet, böser als die meisten bin ich keineswegs. Es geht mir hier aber nicht um das Bestialische, sondern um das Satanische, und satanischer als die meisten bin ich sicher.

Die Frage ist nur, worauf diese Ähnlichkeit mit Satan beruht, und ob sie gar gänzlich unschuldig sein mag.

Und um diese Frage zu beantworten, sollte der Blick auch gleich wieder geweitet werden, denn wenn ich selbst auch satanischer als die meisten bin, so sind diese Zeiten doch insgesamt satanisch.

Was sie, glaubenszyklisch betrachtet, zuvörderst kennzeichnet, ist die Abwendung der Erhellten von den Umnachteten, welche letzteren zunächst einmal gar nicht schadet, sie übernehmen die verwaisten Felder, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was zuvor auf ihnen angebaut wurde.

Und ist es etwa nicht als Falle gedacht?

Gewiß, Gott hilft der unverdorbenen Jugend, aber in ihr ja auch wieder nur den Erhellten. Und diese erkennen die Lage, in welche sie hineingeboren wurden, früh, sehen den kalten Spott, auf dessem Kissen das Haupt der Bessergestellten ruht.

Natürlich ist es in einer solchen Lage gänzlich unmöglich, an etwas Sinnerfülltem mitzuwirken, die einen wollen und die anderen können nicht. Sie vereinzelt also, diese Lage. Und sie ruft Widerwillen gegen sich hervor.

Der Einzelne kann freilich nie mehr, als sich Gedanken zu machen. Diese kann man teilen, ohne sie zu verlieren, und bewahren, ohne Mittel für ihre Konservierung aufwenden zu müssen.

Aber was bewegt sein Herz dabei?

Satanische Freude, die Welt straucheln zu sehen?

Nein, so ist es nicht in meinem Fall. Ich wünsche der Welt nicht, daß sie straucheln möge, ich wünsche ihr allerdings, ihre geistige Haftung zu verlieren, ihre Gewißheiten, ihr Erbrecht - das alles hat sie verwirkt. Ihr Anspruch auf ein gesetztes und gemütliches Leben, auf Statik, löst sich auf, und in dieses Vakuum hinein strömt neuer Glaube.

Der Herr macht alles neu. Es gibt kein Richtiges im Falschen, und neuer Wein wird nicht in alte Schläuche gefüllt.

Nach außen hin ist der Unterschied aber nicht sichtbar. Wer weiß schon, ob sich einer freut, weil das Alte untergeht oder weil die Voraussetzungen für das Neue geschaffen werden?

Freilich, das Neue, nicht mein Neues, nicht unser Neues, das Neue. Der Wille der Welt zur Gestalt selbst.

Bisher bleiben es Lichter am Horizont, welche von ihm künden, aber der Punkt nähert sich, an welchem sich der Umbruch ereignen wird.

Es ist keine Frage der Besänftigung des Taos, wie viele Opfer man ihm auch bringt, der Sternenhimmel verrückt sich doch. Jungfrauen Drachen zu füttern gab es immer genug, und ich seh's gerührt an, doch geht es nicht um persönliche, sondern um seelische Rechte.

Welche von den satanisch Bewegten selbstverständlich noch nicht einmal gesehen werden - sie halten die Welt ja für ein Kleid und nicht für ein Wesen, womit sie letzten Endes auch sich selbst für ein Kleid halten, und dahin kommt es schließlich auch mit ihnen, daß sie sich selbst ablegen werden, verstimmt, verstummt und verdunkelt.

Nur leider sehen auch viele andere die Seelenrechte nicht, nicht zuletzt, weil jene es zu verhindern wissen. Und also glauben sie an ihr Opfer. Mich rührt es, dem Herrn muß es egal sein. Er ist das Licht und nicht die Finsternis.

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12. November 2013

Das Blatt des Segens

Alt muß ein Mensch werden, bevor er erfahren kann,
wie die Welt sich über seinem Dienst wölbt.
Wo Sehnsucht und Zweifel erst Hoffnung, dann stumm aufbewahrte Gewißheit wurden,
zurückgestellt ins Belieben des Beliebers,
wo die Macht des Heils selbstverständlich und der eigene Wandel gleichnishaft wurde,
doch die Wahrheit nah ist und das Herz wärmt,
wo sie verteidigt wird, aber nicht verfolgt,
da geschieht das Wunder, daß das Leben so leicht wird,
daß es das Blatt des Segens trägt.
Und wenn der Zauber der frischen Liebe auch verfliegt, das Fundament bleibt.

Zu Josef Knechts zweitem Lebenslauf, dem Beichtvater.

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10. November 2013

Luftwannenwetter in Estland

An Tagen wie diesem, wer kann es erklären, zieht es mich hinaus in den Wind, in die Kälte, um zu frieren. Von Süden bläst er, trocken, die Sonne lugt über den Horizont, und eben noch war der Himmel klar. 5 Grad zeigt das Thermometer, die Haut rötet sich, und doch scheint es mir drinnen nun kälter zu sein, als schirmten die Wände mich ab von einer Kraft, welche mich eben noch umgab.

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9. November 2013

Die menschlichen Geister im Kindesalter

Gestern hatte ich ein Erlebnis, welches angetan war, mich sehr zu ärgern, aber ich werde das beste daraus machen und mich fragen, was es mir über die Welt sagt.

Nun, genauer gesagt werde ich hier nur einen Aspekt dieses Erlebnisses behandeln, nämlich das Staunen der Kinder.

Kinder nämlich staunen unterschiedlich.

Das Staunen der ringenden Kinder gilt Vorgängen, das der erwartenden Menschen und das der gestimmten gilt phantastisch aufgeladenen Aspekten der Welt.

Letztere neigen also sehr dazu, Geschichten zu erfinden und die gerade zu beobachtenden Gegenstände in sie einzubinden. Während erwartenden Kindern die Frage, was das denn für einer sei, leicht über die Lippen kommt, ist das gestimmte Kind stets mit den Aspekten seiner eigenen Traumwelten beschäftigt, was indessen auch unerwartet wirklichkeitsverhaftete Züge annehmen kann, wenn das gestimmte Kind nämlich die Äußerungen der Erwachsenen über die rechte Ordnung der Welt als Grundlage seiner Phantasiewelten aufnimmt, in welchem Fall es von den Erwachsenen wohl über die Gebühr artig gelobt wird.

Der französische Ausdruck un enfant sage gilt also ganz eigentlich dem Nachwuchs der Suchenden - oder jedenfalls einem Teil desselben. Autismus ist dieser Eigenart erkennbar verwandt, nur um pathologische Fixierungen erweitert.

Der Nachwuchs der Achtenden und Versuchenden ist offener, suggestibler, schneller dabei, ein Spiel zu be- und aufzugreifen. Seine Welt entspinnt sich im Umgang mit anderen. Dieses sind die rechten Lausebuben.

In der Hinsicht ist er sich ähnlich, allerdings unterscheidet er sich auch schon im Kindesalter hinsichtlich der Erwartung von Leistung oder Umgang, in sofern erstere Kinder deutlichere Hierarchien ausbilden.

Die ringenden Kinder schließlich, erregt mag ich sie nicht nennen - das kommt später, sind weder impressibel, noch verträumt, sondern wach, stets das Geschehen um sie herum auf Anzeichen größerer Fähigkeit, Macht oder auch Initiative hin beobachtend. Schon in sehr frühen Jahren zeigt ihr Spiel einen ernsten Ehrgeiz, welcher den nicht an ihn Gewöhnten zu Fragen über ihre Reife anregt, während ihresgleichen darüber lachen und niemanden reif nennen, welcher nicht die vorgeschriebenen Aufnahmerituale bestanden hat.

Derlei Rituale gibt es aber nur in reinen Gesellschaften Erregter, allenfalls noch in den semitischen Mischgesellschaften aus Suchenden und Erregten, während sie sonst, das heißt bei signifikanter Anwesenheit Erwartender, fehlen, und zwar weil eine pauschale Aufnahme ihren differenzierteren sozialen Vorstellungen grundsätzlich widerspricht. Das heißt aber für die Ringenden, daß sie in solchen Gesellschaften, also der romanischen, arischen und japanisch-tibetischen, über die Gebühr weit damit kommen, sich aufzublähen, wofür Adolf Hitler ein gutes Beispiel ist.

Interessanterweise hat sich in den Vereinigten Staaten diesbezüglich ein gewisser Instinkt erhalten. Es wird sowohl von Seiten der weißen, als auch der schwarzen Bevölkerung selbst, erwartet, daß sich junge schwarze Männer besonders beweisen müssen, musterhaft etwa in der Armee.

Dies geht allerdings nur deshalb, weil schwarze Ringende, und alle (Schwarz-)afrikaner (gilt für Berber genauso) außer dem äthiopischen Adel und einem Stamm im nördlichen Kamerun sind ja (wahrscheinlicherweise) Ringende, ersterer besteht hingegen aus Suchenden und letzterer kurioserweise aus Achtenden, was man beiden indes auch ansieht, ein Bild Haile Selassie's soll zu diesem Zweck genügen, in einer Gesellschaft von Weißen, welche mit überwältigender Mehrheit nicht Ringende sind, auch von den weniger Scharfsinnigen als Ringende erkannt werden können.

Die Minderheit der Ringenden innerhalb der weißen Bevölkerung (europaweit ca. 5%), zu welcher nach genetischen Untersuchungen sowohl Hitler als auch Napoléon gehören sollten (beide väterlicherseits von der Haplogruppe E3b, wie auch Einstein, welcher sich weniger problematisch einreiht), ist indes nicht so ohne weiteres als solche zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Rassismus ist also, anthroposophisch gesehen, durchaus auch eine Chance - es liegt letztlich immer an den Details seines jeweiligen Vorherrschens, ob er mehr schadet als nützt.

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5. November 2013

Dachte Milch, daß er vom Teufel besessen ist?

Ich habe mich in dieser Angelegenheit bereits genug daneben benommen, um nun nach der Maxime Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. zu verfahren.

Über die Toten nichts Schlechtes. Nun ja, aber war sein Mörder geistesgestört oder Milch selbst? Über einen Toten, sein Mörder beging Selbstmord, wird man so oder so schlecht denken.

Es sieht so aus, ich meine, es sieht wirklich so aus, als hätte Milch mit seiner Rede Wir und Rom. versucht, eine Frau, eine suggestible Frau, zum Mord am Papst zu bewegen.

Den Grund für diesen Mord habe ich ja bereits im vorigen Beitrag behandelt. Aber Milch sagt in dieser Rede noch so viel mehr, und insbesondere auch dieses.
Im Grunde muß die Schola, in der Ostliturgie der Chor, vorne an den Altar. Was repräsentiert der Chor: Maria. Der Chor kommentiert, meditiert, kontempliert das heilige Geschehen. Der Chor, die Schola tut das, was Maria tut: Sie bewahrte diese Worte in ihrem Herzen und bewegte sie in ihrem Geiste. Das ist genau das Meditieren, klassisch ausgedrückt. Mütterlich bergend. Das ist die geistige Schwangerschaft, die damit ausgedrückt wird. Und das Gebären ist dann das große Ratgeben und Verkündigen, das Prophetische. Das Prophetische und Mütterliche ist tief miteinander verwandt.
Das ist sozusagen der corpus delicti. Der Rest ist Kommentar. Denn mit sich im Reinen war Milch wohl nicht dabei.
Wenn ich heute als Priester abfalle, vom Teufel mich beherrschen lasse; in einen richtigen Haß gegen Christus gerate und mich anschicke zu zelebrieren, um Christus zu beleidigen, in der möglichst unwürdigen Form: Mit einem zerbrochenen Holzteller, mit einem schäbigen Stück Graubrot, mit miesen Wein in einem Bakelitbecher, auf einem dreckigen Küchentisch, schnell, hausgemachte Texte, die aber durchaus dem Wesen des Meßopfers gemäß verstanden werden können, in Kurzform... – [...] Nun will es ein solcher Priester aus Haß tun, ohne Not, nachdrücklich unwürdig, gemein. Er spricht die Wandlungsworte, er will verwandeln, um zu schänden: Ist diese Messe gültig? – Selbstverständlich, sie ist gültig. So hat sich Gott uns in die Hand gegeben.
Nun, das muß natürlich nicht ihm selbst gelten, aber wahrscheinlich tut es doch genau das.
Und wir dürfen die Macht Satans nicht unterschätzen, das Geheimnis der Bosheit. Wie schnell er einen Menschen herumkriegt, herumdreht ins Falsche. Gerade oft die intelligentesten. Und glauben Sie mir: Die den Progressismus durchaus für sehr katholisch halten und ihn sehr vertreten, sind oft besonders Intelligente. Und ihrer bedient sich Satan.
Ein Dummkopf kann die Intelligenz eines Anderen nicht bezeugen. Diese Bemerkung kommt schon fast einem Geständnis gleich. Und das folgende einem Hilferuf.
Wenn ein Mensch körperlich besessen ist, dann bedient sich der Satan des Leibes dieses Menschen, seiner Sprechorgane. Und alles, was dieser Mensch von sich gibt, ist nicht er, sondern der Satan benutzt ihn, um zu sprechen – der Satan spricht vermittels seiner Organe. Hat der Besessene jetzt aufgehört, dieser Mensch zu sein? – Keineswegs: Er ist noch dieser Mensch. Aber alles, was er von sich gibt, ist abscheulich, gotteslästerlich, schaurig, teuflisch, zutiefst abzulehnen. Gegen den eigentlichen Willen und das tiefste Wesen dieses Menschen gerichtet. Aber Satan hat die Oberhand über seinen Leib gewonnen und benutzt und mißbraucht seinen Leib, um das zu sagen, was er, Satan, sagen will – oder einer oder mehrere seiner Dämonen. Muß ich deshalb sagen: Das ist nicht mehr dieser Mensch, dieser Mensch ist verschwunden, diese vom Teufel besessene Anneliese Michel ist nicht mehr die Anneliese Michel? – Doch sie ist es, doch ist sie selber besetzt, ihrer nicht mehr mächtig, ein anderer benutzt ihre Organe, um sich zum Ausdruck und zur Geltung zu bringen.
Michel, Milch... Hat aber Milch selbst in dieser Rede Abscheulichkeiten von sich gegeben? Außer der, klar erkennbar gedacht zu haben: Du bist Petrus, das heißt, wenn du in deinem Irrtum handeln willst, legen wir dich um.

Er hat es...
Daß es einen Gott gibt, das wissen wir aus der Erkenntnis. Daß Gott Mensch geworden ist, wissen wir aus dem Glauben. Und das ist überhaupt das Interessante. Daß es Gott gibt, kann mir wenig nutzen, ich weiß ja nicht, ob er sich für mich interessiert und inwieweit er sich für mich interessiert.
Die einzig mögliche Definition des einen Gottes ist, daß er der Seinsgrund von allem Seienden ist, und damit insbesondere auch mein Schöpfer. Aber nur weil er mich erschaffen hat, muß er sich noch lange nicht für mich interessieren oder wie? Aber es wird noch besser...
Denken Sie an den hl. Paulus: Jahwe am Kreuz, Jahwe am Galgen, Gott am Galgen – das war für Saulus unvorstellbar, eine äußerste Gotteslästerung. Er schnaubte: "Die müssen getötet werden, die sich so an dem erhabenen einzigen Gott, dessen Namen wir nicht zu nennen wagen, versündigen.
Und dann kam der Augenblick: "Ja das ist ja wahr! Das ist ja tatsächlich wahr! Gott am Galgen für mich!" – Von diesem Datum an können wir überhaupt Gott erst lieben, weil die Selbstliebe mit der Gottesliebe dann ineins kommt und Gott mein Schicksal ist. Meins! Und das ganze gehört mir, ungeteilt!
Jesus ist also gestorben, damit unsere Selbstliebe sich einen göttlichen Anstrich geben kann?

Nun, sprechen wir lieber schnell den Funken Wahrheit aus, welcher daran ist, damit sich die Lüge nicht an der Wahrheit fettfrißt. In der Tat wird unser Glaube für uns erst schicksalsbestimmend, wenn wir Gottes Realität erfahren, und dies ist selbstverständlich durch Jesus Christus sowohl mustergültig vorgestellt als auch als historisches Ereignis von kriteriumhafter Relevanz, soll heißen: Wer Jesu Segen will, muß auf seinen Spuren wandeln, weil Gott ihn angenommen hat und mit ihm die Seinen. Dies ist eine transzendente Realität und als solche substantiell, nichts, was wir durch unsere Entscheidungen aus der Welt schaffen könnten.

Lefebvre war gesegnet und begnadet, man sieht ihm das auf den ersten Blick an. Milch war es nicht. Er  hatte ein weiches, verträumtes Gesicht als er noch jung war. Und am Ende?

Viel Schmutz ist im 20sten Jahrhundert ausgegossen worden. Die wenigsten Menschen sind in der Lage, in einem Kampf zwischen Hellblau und Hellrot, welcher seltsamerweise den Himmel verdunkelt, ihre Abweichung vom reinen weißen Licht zu registrieren. Das in etwa begegnet den Menschen nun schon seit ein paar hundert Jahren. Und Hellblau und Hellrot werden dabei immer gesättigter, ohne daß wir es bemerkten.

Nein, ich schreibe nicht von mir selbst, ich bin nur höflich. Es ist dies aber auch zu wichtig, um nicht höflich zu sein, denn was jenen, welche unfähig sind, sich aus dem ganzen Schmutz zu lösen, widerfährt, ist, daß ihre Farbwahrnehmung dauerhaft geschädigt wird und sie nur noch Abscheulichkeiten lehren können, in welchen ihre teuersten Erinnerungen und Einsichten nur noch wie Fettaugen auf der Suppe schwimmen.

Und davon gibt es weiß Gott zu viele Fälle, als daß ich die Menschen nicht warnen sollte. Wenn die letzten Dämme der Tradition brechen, werden Irrlehren alle Bereiche des Lebens überschwemmen. Der planmäßige Irrsinn heute ist in der Beziehung eher von Nutzen, denn er stärkt unsere Abwehrkräfte. Setzte man uns nicht diesen Stuß vor, und wären wir unseren eigenen heruntergekommenen und verdrehten Idealvorstellungen überlassen, erginge es uns noch viel schlechter. Man muß also froh sein, daß sich die Vorstellungen der sozial Engagierten zu der Groteske verzerrt haben, welche wir heute sehen. Wären sie ernst geblieben, bestünde überhaupt keine Hoffnung auf eine langfristige Gesundung. So aber treten immer mehr Menschen einen Schritt von dem Bild zurück, welches sie sehen, und halten inne.

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Schön ist es, Präsident zu sein.

Nun erteile ich Pfarrer Hans Milch doch noch das Wort, wenn auch nur schriftlich, denn seine Stimme... hat er eigentlich Dr. Shaitan aus der Folge Die singende Schlange gesprochen? Nein, das war Lutz Mackensy, aber diese Ähnlichkeit... Hören Sie nur selbst: Milch, Dr. Shaitan.

Krasse Sache, und zwar weil Milch diesen Vortrag 1983 gehalten hat und das Hörspiel von 1981 ist. Da haben ihm die Freimaurer also nichts ans Zeug geflickt. Aber jetzt zum Thema dieses Beitrags. Milch spricht später im nämlichen Vortrag diese höchst erhellenden Worte, welche Kennedy leider nicht mehr rechtzeitig zu hören bekam - er war ja schließlich Katholik und hätte sich vielleicht seinen Teil gedacht.
Christus hat den Simon, Sohn des Jonas, zum Petrus gemacht. "Petrus" ist seine Amtsbezeichnung, aber auch sein Name. Damit ist seine Person bezeichnet. Und alle Personen, die in seiner Nachfolge, aufgrund der entsprechend festgelegten Wahlprozedur, auch das übernehmen, was Petrus ist, zum Petrus werden und so auch vom Herrn das Wort vernehmen: "Du bist Petrus". Weil du Petrus bist, darum hat die Kirche das notwendige Felsenfundament, das ihr Dasein und ihre göttliche Beglaubigung garantiert. Dieses Felsensein beruht nicht auf dem Charakter, auch nicht auf der Überzeugung, auch nicht auf den Taten, Worten, Anordnungen, Befehlen, Reden, Predigten usw. des Petrus. Der kann in großen Irrtümern befangen sein. Aber er ist Petrus, er ist Papst. Und weil er Papst ist, darum ist durch sein bloßes Sein als Person, als Petrus, der Bestand der Kirche garantiert.

[...]

Was macht also diese Felsenhaftigkeit aus? Daß er tief überzeugt ist, alles was er denke sei mit Christus konform, sei katholisch. Daß er für den Fall, er wolle ein Dogma im Sinne seiner falschen Überzeugung, seiner gutgemeinten Irrtümer, definieren, daran gehindert wird. Wie, ist ganz egal: er bricht sich ein Bein, er stirbt vorher, er wird krank, andere Umstände kommen dazwischen. Jedenfalls der noch so sehr im Irrtum befindliche Papst wird absolut daran gehindert, eine falsche Entscheidung in Glaubensdingen für die ganze Kirche zu proklamieren. Und hier liegt die Felsenhaftigkeit seines Amtes. Wie weit er sonst seines Amtes waltet, wie gut und richtig er seines Amtes waltet. ist dabei nicht entscheidend. Entscheidend ist: Er ist der Petrus.

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4. November 2013

Die Moschee von Cordoba

Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Natürlich habe ich keine Lust, 30 Jahre auf die Antwort auf eine sich aufdrängende Frage zu warten. Auf Seite 308 läßt Ignacio Olagüe die Katze aus dem Sack. Der ursprüngliche Tempel wurde wahrscheinlicherweise von Arianern erbaut. Dies aufgrund muslimischer Quellen und aufgrund der Ähnlichkeit der Moschee von Cordoba mit der von Al-Kairouan, welche denselben Ursprung hätte.

Ganz konnte ich seiner Argumentation in so kurzer Zeit natürlich nicht folgen, aber trotz seines weitschweifigen Stils scheint er doch über hinreichend stichhaltige Anhaltspunkte für diese These zu verfügen.

Was er dann freilich über den Geist schreibt, in welchem der Tempel erbaut wurde, ist recht subjektiv. Und gerade deshalb möchte ich es wagen, daran anzuknüpfen.

Er sagt, der Tempel spricht von einem unpersönlichen Gott, d'accord. Dann allerdings folgt eine lächerliche Dichotomie: entweder persönlicher Gott oder intellektuelles Prinzip. Das stimmt so natürlich nicht. Da gibt es noch ein Drittes und ein Viertes und ein Fünftes und und und. Er kommt interessanterweise auf Plotinos zu sprechen, und ich selbst habe ja bereits darauf hingewiesen, daß zu Plotinos' Zeit von Indien bis eben zu Plotinos' Wohnort intellektuelle Prinzipien überall in Mode gewesen zu sein scheinen, siehe Der Zeitgeist damals. Freilich, um eine sonderlich breite Grundlage für diese Behauptung habe ich mich nicht gekümmert, davon ausgehend, daß die meisten Menschen eh Idioten sind. Wenn sich also damals ein griechischer Philosoph und ein paar indische Gurus begriffsgeschichtlich bedeutsame Gedanken gemacht haben, dann ist das auch schon so ziemlich alles, was man von der damaligen Menschheit erwarten darf.

Und die Errichtung des ursprünglichen Tempels fällt in diese Zeit.

Dennoch, oder vielleicht auch gerade aus dem angesprochenen Grunde, bin ich nicht davon überzeugt, daß die Moschee von Cordoba von einem intellektuellen Prinzip spricht.

Bleiben wir vielleicht zunächst beim Objektiven. Unbestreitbar wird die Moschee von Cordoba von der Wiederholung des Ortes geprägt. Und höchstwahrscheinlich ist diese Wiederholung eine Metapher für Allheit. Das hieße, daß die Moschee von Cordoba von allen Orten spricht.

Und was findet sich an allen Orten? Nun, der Doppelbogen, dessen Rot-Weiß in jeder Beziehung an die Flagge des kaiserlichen Japans erinnert. Über allen Orten sind also diese Bögen, welche einen Eindruck von Sonnenstrahlen vermitteln.

Gut, das kann man jetzt als die Allanwesenheit der Idee des Guten lesen, gar das alles ihre Emanation sei. Natürlicher wäre es aber, es schlicht so zu verstehen, daß jedes Dasein vor seinem Schöpfer steht, darin immer gleich, stets vor die Welt gestellt und stets mit einer Beziehung zum ewig Strahlenden, welches über sie hinausweist.

Das Eine schließt das Andere nicht aus, wiewohl ich es mit Kant und Schopenhauer als einen kategorischen Fehler ansehe, den Schöpfer des menschlichen Intellektes mit den von ihm geschaffenen Kategorien erfassen zu wollen. Uns, und alles um uns, können wir so verstehen, also als Prinzipien, Gesetze oder auch Funktionen, aber schwerlich das, was all dem seine Existenz gibt, wiewohl manche Sonderbarkeit die eine oder andere Vermutung mit Hoffnung nähren darf, etwa, daß Mond und Sonne von der Erde aus gleich groß erscheinen.

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2. November 2013

Die islamische Revolution im Okzident

von Ignacio Olagüe.

Anmerkung des Übersetzers. Ich spreche kein Spanisch, nur etwas Französisch und Latein, und diese Übersetzung beruht auf Google Translate, einem Wörterbuch und meiner Fähigkeit, den Sinn eines Textes zu erfassen. Ich habe das Vorwort also entstellt gelesen und fand doch den Geist Ignacio Olagüe's wieder, einen schönen Geist, welchen ich durch diese Übersetzung ehren möchte.

Vorwort
Wenn der Tourist den Orangenhof verläßt und in die Moschee von Cordoba durch den großen Hufeisenbogen eintritt, welcher den Haupteingang umrahmt, findet er sich jäh vor manch unerwarteter Ansicht. Seine Augen entdecken einen Wald symmetrisch gepflanzter Säulen. Überwältigt von einem mächtigen Sog, welcher ihn zwingt, weiter und weiter zu gehen, wird er von den ersten Schritten an von einem außergewöhnlichen Hauch überrascht, als ob er die Oberfläche der Seele dieses geheimnisvollen Tempels streifte. Sich selbst zu Trotz, hier muß man sich in eine unbekannte Welt gezogen fühlen, welche gleichwie sie den Gedankenlosen in die Irre führen kann, den einfühlsamen Geist aber fasziniert und warnt. Verunsichert merkt er bald, daß er unfähig ist, Ideen zu finden, welche diese Eindrücke, welche er so stark spürt, und seine visuelle Wahrnehmung verbinden - oder Erinnerungen aus seiner Lektüre. Mehr oder weniger unbewußt, seinem Witz gemäß, nimmt er wahr, daß dies hier Kontemplierte in keinerlei Beziehung zu den Meisterwerken der antiken Zivilisation steht, deren unauslöschliche Anblicke sein Gedächtnis bewahrt: das Pantheon, die Hagia Sophia, die gotischen Kathedralen... Seit seiner Kindheit gewöhnt, die Abmessungen eines Gebäudes vom Eingang an mit einem einfachen Blick zu berechnen, in einer schnellen Intuition, erkennt er seine Unfähigkeit, die Weite dessen, was er sieht, zu messen. Wenn er voranschreitet, flüchten die Säulen und die Fluchten verschwinden im Horizont. Irgendwo verweilt der Blick, um sich seine Grenze zu setzen. Keine euklidische Geometrie kann seinen Tastsinn befriedigen. Die Unendlichkeit umgibt ihn überall, denn nach allen Seiten zeigt sich das selbe Bild, als wäre es von vielen Spiegeln reflektiert.

Es ist also entschieden, der Besucher sieht sich Säulenschäften gegenüber, welche ihn überall belagern. Von toskanischem Stil, in der Regel von weißem, glattem Marmor, einige aus Onyx, manchmal mit salomonischen Formen oder gewunden, ihre ähnliche Höhe und die Eleganz ihrer Fracht öffnen mit ähnlicher Gebärde die Straßen vor seinem Blick. Unmittelbar ersichtlich, daß sich die Kapitelle unterscheiden, ohne Zweifel in Folge verschiedener Herkunft. Er schaut auf und sieht Hufeisenbögen sich unterstützen und von Säule zu Säule verfolgen, in lustiger und frivoler Weise, scheinbar ohne Nutzen, während sie in Wirklichkeit dem Traggerüst dienen, das allzu zerbrechliche Gefüge zu halten.

Aber höher noch, oberhalb der Strebepfeiler, auf welchen sich die Hufeisenbögen unterstützen, richten sich wiederum leichte Pfeiler auf. Sie tragen eine zweite Reihe von Bögen, welche im Dunkel die Deckenbalken und das Holzwerk des Daches tragen. Die Leichtigkeit, welche aus dem Wechsel der weißen Steine mit den roten Ziegeln gleicher Dicke entsteht, welche in zwei Farben die Hufeisenbögen bilden, die extreme Kurve ihrer Formen, der luftige Anblick der beiden Arkaden bewirken einen unvorstellbaren Eindruck.

Verblüfft schreitet der Besucher durch den heiligen Hain. Hält in den schweigsamen Teilen des Heiligtums inne. Und drückt, wenn die Gleichgültigkeit nicht seine Unempfindsamkeit für die Wunder der Kunst und die Freuden, mit welchen sie den Geist bereichern, verrät, ohne ein Prinzip zu kennen, seine Bewunderung aus. Auf seine Lippen kommt nur ein Wort: Welche Fremde! In seiner Überraschung, aus dem tiefsten Punkt seines Bewußtseins, steigt eine Idee auf: Endlich! Hier ist der Orient: bezaubernd, unzugänglich, magisch! Fern von seinen täglichen Sorgen fortgezogen, fühlt er, angetrieben durch die Manie zu philosophieren, unseren Okzident. Getroffen von der Magie des Spektakels verliert sich sein Denken in einem süßen Traum, wie sich sein Blick zwischen den Säulen verliert.

Welche Freude die Macht dieser Mystik des Islams bereitet! Fühlen sich die Gläubigen nicht ebenso geheimnisvoll, wenn sie ihre Schuhe ausziehen, um in die Moschee einzudringen, wie die Getauften, wenn sie mit entblößtem Haupt in eine Kathedrale eintreten? Aber in Wahrheit bleiben diese Fragen ohne unmittelbare Antwort, gefühllos ereignen sich andere Gedanken und die Erinnerung an die Araber mischt sich gefühllos in ihre Assoziationen, losgelöst schon in aller Freiheit. Und so, nachdem man sich mit dem Schüler an das Diktum der Heldentat Karl Martels erinnert hat, welcher zu guter Letzt die arabische Welle gestoppt hatte, kann man doch nicht weniger, als eine gewisse Bewunderung für dieses Volk zu empfinden, welches trotz allem große Unternehmungen unternommen hat. Erinnerungen an die sarazenischen Armeen, Eroberer der halben Welt, deren Nachkommen sich auf dieser andalusischen Erde niedergelassen haben, denen eine so große Zivilisation geschuldet ist. Aufgeregt und vielleicht verblüfft, geht einem nicht durch den Kopf, daß Baetica auch das Theater anderer Zivilisationen gewesen ist, und die Wiege römischer Kaiser, und daß Cordoba, die Stadt der Moschee, zuvor jene Senecas und Lucanus' war.

Aber welche Spannung würde unserem Reisenden bleiben, wenn jemand seinen tiefen Schlaf unterbräche und ihm ins Ohr flüsterte, daß es Zeit sei aufzuwachen! Nein, die Araber haben diese Stadt nicht erobert und, mit Sicherheit, dieses wundervolle Monument niemals errichtet. Es war der Abdruck einer archaischen Lehre im Gehirn. Der Mythos einer überlegenen Kavallerie also, so arabisch in den Reitern, wie in den Reittieren, vorstoßend wie der Schirokko in einer Wolke aus Staub, immernoch stark in die Geister graviert bleibend, wenngleich heutzutage durch eine genauere Kenntnis der Geschichte etwas verblaßt. Bis zu unseren Arbeiten hat man, den muslimischen Analysten und christlichen Chroniken folgend, ohne jegliche Bedenken an die Existenz dieser Wolke von Heuschrecken, welche auf den Okzident hinabgekommen ist, geglaubt. Wie in Übereinstimmung mit diesem Kriterium so eingeschätzte Nomaden die Elemente einer Zivilisation herbeigeschafft hätten, welche sich später überraschend im Süden der Halbinsel entwickelte, bereitete der Moschee von Cordoba keinerlei Probleme. Kein Rätsel drückte sich darin aus. Was die Aufmerksamkeit der Touristen hervorrief, war der jähe Kontakt mit dem den Okzidentalen unbekannten Islam. Der orientalischen Kunst gehörte die fremde Schönheit dieses überraschenden Monuments und der Religion Mohammeds der mystische Zauber, welchen es verströmt.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begannen spanische Archeologen damit, Kirchen zu restaurieren, welche zur Zeit der Westgoten errichtet wurden. Eine von ihnen, Johannes dem Täufer geweiht, ist in Baños de Cerrato (Venta de Baños) gelegen, erbaut wurde sie von Rekkeswinth im Jahre 661, nach einer Inschrift im Querschiff, welche in Richtung des Kirchenschiffes zeigt. Die Tatsache war unbestreitbar. Das Datum ihrer Errichtung lange vor der angeblichen Invasion von 711 und daß diese Kirche trotzdem überragende Hufeisenbögen besaß. Bald fanden sie sich auf der ganzen Halbinsel, einige so schön wie die cordobanischen, und... keine waren muslimisch. Selbst in Frankreich fand man sie, am Ufer der Loire, welche die Araber nach der Tradition nie erreicht haben. Schließlich stellte sich in unseren Tagen heraus, daß Hufeisenbögen bereits in vorchristlichen Zeiten existiert hatten. So glückte es, den Hergang ihrer Entwicklung zu etablieren, von jenen entlegenen Zeiten hin zu ihrer großen Blüte unter den cordobanischen Kalifen.

Einer der Mythen der abendländischen Geschichte brach in sich zusammen. Der Hufeisenbogen, dessen Kurven auf unwahrscheinliche Weise die außergewöhnlichsten Extravaganzen erlaubt hatten, wurde nicht von den arabischen Invasoren aus dem Orient ins Land gebracht.

Mehr noch. Nach Ansicht derer, welche es unternehmen, die Studien über die Kunst der arabischen Zivilisation zu mehren, lassen sich kaum Beziehungen zwischen den architektonischen Prinzipien der Moschee von Cordoba und denen aus dem fernen Asien wahrnehmen. So wie beim Hufeisenbogen scheint es, daß diese einstigen Techniken, welche als fremdländisch eingeschätzt wurden, zur örtlichen Tradition der Iberer, Römer und Westgoten gehören. Aber das Problem wird noch durch die folgende Tatsache verkompliziert:

Dieses Gebetshaus wurde von Menschen für Menschen gebaut. Der Architekt, welcher die Pläne zeichnete, war nicht seinen freien Vorstellungen überlassen, um seine Laune oder sein Bedürfnis nach künstlerischem Schaffen zu befriedigen. Ohne seine intellektuellen Qualitäten gering zu achten, ganz im Gegenteil, mußte er, ungeachtet seiner Stellung, die Anordnung einer übergeordneten Idee anerkennen: Einsatz an einem Werk mit einer Funktion, für welche der Tempel in Auftrag gegeben, gebaut und bezahlt worden war. Mit einem Wort, er war für die Feier eines bestimmten religiösen Kultes gebaut worden. Aber es genügt, im Säulenwald umherzugehen, um festzustellen, daß dieser Kult weder dem Islam noch dem Christentum angehörte. Denn die innere Anordnung dieses Monuments wurde nicht zur Durchführung der vorgeschriebenen Zeremonien dieser Glauben erdacht.

Um ihre Gebete gemeinsam zu sprechen, mit ihren wiederholten Kniefällen und Verbeugungen, für alle Gläubigen Tatsachen mit einer Geste, brauchten die Muslime lediglich einen Hof, wie er im Hause des Propheten existierte. Es genügte also, daß der Ort, offen für die Elemente, aber von einem Dach bedeckt, die Zusammenkunft der Muslime in langen Reihen erlaubt, die Front so gebildet, daß sie den Gesten des mit dem Gebet Beauftragten, des Imams, welcher vor allen mit Blick auf den Mihrab, die heilige Nische, in welcher der Koran aufbewahrt wird, steht, mit dem Blick folgen können. Für seinen Teil braucht das katholische Ritual einen weiten überdachten Raum, in welchem die Christen dem Opfer der durch den Amtsträger zelebrierten Messe folgen können. In beiden Fällen ist die Liturgie in dem selben Prinzip begründet: die Rolle, welche die Sicht in diesen Zeremonien spielt. Also erklärt sich die Leichtigkeit, mit welcher die Muslime Kirchen ihrem Kult angepaßt haben, ohne die Notwendigkeit große Änderungen an ihrer Architektur vornehmen zu müssen. Ihnen genügten wenige Verrichtungen, um eine Basilika in eine Moschee umzuwandeln. Klassisches Beispiel ist Damaskus, wo die Gebetshalle der Großen Moschee noch die Struktur bewahrt, welche der vorige Gottesdienst erforderte, als sie unter der Schirmherrschaft Johannes des Täufers stand. Nicht begegnet das nämliche bei der Moschee von Cordoba. Verloren im Wald haben die Scharen von Gläubigen und die Gemeinde ohnen jeden Zweifel viele Schwierigkeiten, die einen, den Gesten des Imams zu folgen, die anderen, in den verschiedenen Teilen der Messe geistig die Kommunion mit dem Zelebranten zu vollziehen, beide bleiben hinter dem Spiel der Säulen verborgen.

Aus diesem Grund, der inneren Anordnung wegen, wurde schließlich das Prinzip der Basilika von den Christen adoptiert. So war sie konzipiert, daß das Volk von allen Plätzen ein also sehr belebtes Spektakel genießen konnte: zuzusehen bei der majestätischen Befolgung ihrer Funktionen in der Basilika. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurde dieses architektonische Konzept verhängt, weil es der Gemeinde erlaubte, die Bewegungen der Priester zu beobachten und ihren Gebeten zu folgen. Dieses ist unmöglich in einem Wald voller Säulen. Und jetzt versteht sich auch, warum die Moschee von Cordoba, trotz des künstlerischen Sakrilegs Karl V, niemals dazu kam, in eine Kathedrale verwandelt zu werden, sondern in einen Rummelplatz kleiner Altäre. Aus allem diesem folgt, daß Muslime wie Christen es nur verstanden haben, einen Tempel an die Notwendigkeiten ihres Kultes anzupassen, welcher nicht für die Zeremonien ihrer jeweiligen Religion erbaut wurde.

Wir werden darauf zurückkommen, uns mit dieser Frage zu beschäftigen, wenn wir im dritten Teil dieses Werkes die Geschichte der Moschee von Cordoba studieren. Vorerst ist es nur nötig, eine drängende Frage zu beantworten. Wenn der ursprüngliche Tempel, dessen innere Anordnung aus einem Wald von Säulen bestand, weder für den muslimischen Kult gebaut wurde, noch für den christlichen, für welchen Ritus oder für welche Religion war er dann bestimmt? Welcher Gedanke inspirierte den Stift des Architekten, als er diese rätselhaften Arkaden zeichnete? Welcher Atem, welches Feuer konnte ihn mit dem Erbauer verbinden? Ja, zu guter Letzt, wer bezahlte dafür, ihm sein Kriterium aufzuzwingen? Nur geht es den Künstler an, ihn zu deuten und zu realisieren. Welche Kraft besaß dieser Hauch, welcher sie in Beschlag nahm, damit durch diese Zusammenarbeit eines der genialsten Werke, welche von Menschen gebaut wurden, entstand?

Niemand hat diese Frage beantwortet, weil niemand, welchen wir kennen, die Fakten hatte. Aber man kann es nicht übergehen: Da ist das Werk. Es genügt unter solchen Umständen die Schwierigkeiten des Entwurfs, Baus und der Deutung, welche einen so fremden Säulenwald pflanzte, zu bedenken, um zu schätzen, was ein historisches Rätsel birgt. Niemand hat sich bis zum heutigen Tag bemüht, es zu erklären. Wir für unseren Teil widmen uns auf den folgenden Seiten der Arbeit, dieses Geheimnis zu entwirren. Im Augenblick können wir nur vorwegnehmen, daß dies mit einem der großen Probleme der Weltgeschichte verwoben ist.

Durch die Entfernung der Zeiten, durch Ignoranz und religiöse Leidenschaft, wurde der Abschnitt der Vergangenheit, welcher die Ausbreitung des Islams an den Gestaden des Mittelmeers sah, gleich einer Stadt aus ältesten Zeiten unter auferlegtem Schutt begraben, einer Lawine aus Lügen, Legenden, falschen Traditionen. Im Einklang mit einer grundlegenden Interpretation menschlicher Tätigkeit wurde die islamische Expansion nicht als Frucht einer Zivilisation betrachtet, sondern als das Ergebnis einer Reihe fulminanter Eroberungen. Sprache, Kultur und Religion wurden nicht Kraft einer Idee eingeführt, sondern mit Schnittwunden, welche die Gegner in Kriegen dezimierten, und durch das Feuer, welches die wehrlose Bevölkerung terrorisierte. Mit großer Verstärkung der Stempelung schrieb man sich an der Beschreibung der Invasion des Landes der Berber, Iberiens und des Süden Frankreichs, ohne weitere Regionen zu nennen, welche jenseits der Grenzen dieses Werkes liegen, die Finger wund. Arabische Armeen unwahrscheinlichen Ausmaßes haben alle Teile wie die Welle eines Seebebens überrannt; eine Herausforderung an die Geographie und den gesunden Menschenverstand. Es war also an der Zeit, die im Laufe der Jahrhunderte angehäuften Reste zur Seite zu schieben und die allgemeinen Linien der Ereignisse dieser Entwicklung aufzuzeigen. Es wäre dann möglich, den Atem zu erreichen, welcher diesen verborgenen, aber fruchtbaren Zeiten, ihre einzigartige Vitalität gab. Das Geheimnis der Moschee von Cordoba könnte dadurch aufklärbar werden. Ein genaueres Verständnis der Brandung, welche die Menschen manchmal mitreißt, könnte enthalten sein. Neues Licht würde die Entwicklung der Menschheit erhellen.

Abschließende Bemerkung. Behielte ich das Arbeitspensum, welches ich für das Vorwort aufgewendet habe, bei, bräuchte ich ein Jahr für die Übersetzung des ganzen Buches. Ein Prozent habe ich bisher geschafft. Wer selbst mehr übersetzen möchte, findet das Original hier:

http://bibliotecanacionandaluzasevilla.files.wordpress.com/2008/09/ignacio-olague-la-revolucion-islamica-en-occidente.pdf

Eine gemeinschaftliche Übersetzung könnte über mein Gästebuch organisiert werden. Ich selbst werde aller Voraussicht nach nicht dazu kommen, das ganze Buch zu übersetzen, es sei denn, ich reservierte jeden Monat drei Tage für diese Arbeit, in welchem Fall es allerdings 30 Jahre dauern würde, bis ich fertig würde.

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