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31. Dezember 2016

Komödie oder Tragödie?



Aristoteles' verlorene Schrift über die Komödie... Schopenhauer hat die Sache natürlich schon auf den Punkt gebracht: In der Komödie lachen wir über offensichtliche Mängel und in der Tragödie weinen wir über verborgene. Die Komödie erzieht uns dazu, mit unseren Mängeln zu leben, und die Tragödie dazu, unsere Mängel abzulegen.

Das Leben ist ein beständiges Pendeln dazwischen, Probleme hinauszuschieben und sich ihnen zu stellen, das menschliche Herz ist klug genug, sich bis zu genau dem Punkt zu vertrauen, an welchem es die Voraussetzungen seiner jeweiligen Tollheiten gefährdet.

Deshalb taugt die Lust nicht zur Tragödie, es sind die höheren Ziele, welche gefahrlaufen, durch Unachtsamkeit ins Bodenlose zu stürzen, und Katharsis bedeutet noch stets, sich zu bescheiden, denn es läßt die Brust ja nicht erbeben, einen Mann an seiner Spielsucht zu Grunde gehen zu sehen - es zerknirscht sie nur - das wahrhaft Tragische tritt hervor, wenn die Umstände die Absicht in ihr Gegenteil verkehren, wenn der Protagonist  seinen Fuß auf eine Brücke setzt, welche, ohne daß er es bemerkt, zu einem andren Ende umschwenkt.

Tragisch am Ödipus ist nicht das Los des Vaters, sondern des Sohns, welcher sich anschickt, das Überkommene, ohne es anzuhören, zu beherrschen. Tragisch ist die Inkongruenz zwischen Jugend und Alter, die Spannung zwischen Erneuerung und Tradition. In ihr gilt es, das rechte Maß zu finden.

Das Schwere ist nur dadurch schwer, daß es uns auferlegt ist, die Tragödie entspringt der Verantwortung und die Komödie der Ungezwungenheit. Über Gott zu lachen heißt zu meinen, in keiner Beziehung zu einer höheren Instanz zu stehen. Es ist ein Verderben ankündigendes Symptom, selbst weder tragisch, noch komisch, auch nicht fluchwürdig, nur kraftlos: die Leere des Herzens, welche das Tragische verloren hat.

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28. Dezember 2016

Von den beurteilenden Gefühlen

In Lust und Anschauung manifestiert sich die Ausgesetztheit des Lebens, in Achtung und Verstand seine Regelhaftigkeit und in Sorge und Vernunft seine Erfahrenheit. Also beziehen wir uns auf Widerstände, Lagen und Fährnisse und beurteilen sie nach dem Willen des jeweiligen Seelenteils,
  • die Widerstände danach, ob wir erwarten sie zu brechen,
  • die Lagen danach, wie nah sie unseren Zielen liegen, und
  • die Fährnisse danach, wie zufrieden wir mit ihnen sind.
Letzteres habe ich in den Beiträgen Anhänglichkeit zu Ur- und Abbildern, Ermessungen des Erfolgs und Die richtende Vierteilung des Denkens beschrieben. Sich von der Berücksichtigung dieser Urteile, wie geglückt, wert, lieblich oder angemessen etwas ist, leiten zu lassen, stellt den philosophischen Lebensweg dar, wie er im Beitrag Die Weltenlieferanten der drei Seelenteile beschrieben wurde, Unzufriedenheit stellt die Aufgabe, das Zufriedenstellende zu gewahren.

Offensichtlich wird der konkrete Lauf der Sorge also durch die Fährnisse eines Lebens bestimmt, ebenso wie der konkrete Lauf der Lust durch Widerstände und der konkrete Lauf der Achtung durch die Lage bestimmt wird, von welcher die Zielstrebigkeit ausgehen muß, um dem Ehrgeiz zu genügen.

Gewahrung und Ehrgeiz sind indes Begriffe, welche ich nicht weiter systematisch verwenden möchte, neben der Erwartung als Beurteilung der Widerstände mögen fürderhin Zielstrebigkeit und Zufriedenheit stehen, und während zur Erwartung nichts weiter zu sagen ist, muß die Zielstrebigkeit doch genauer betrachtet werden.

Bei der Beurteilung der eigenen Lage gibt es zwei im menschlichen Geist verankerte Gesichtspunkte:
  1. ob eine Lage die Fortsetzung der Verfolgung der eigenen Ziele erlaubt,
  2. ob sich von einer Lage ein Ziel in einer Folge von weiteren Schritten absehbar erreichen läßt.
Im ersteren Fall nimmt die Zielstrebigkeit die Form von Ver- oder Mißtrauen an, im letzteren die Form von Eifer oder Verdruß.

Und damit ist die Liste der beurteilenden Gefühle dem Umfang nach vollständig, jedes weitere beurteilende Gefühl* stellt eine Spezialisierung eines der folgenden dar.

Widerstandsbeurteilend:
  • Erwartung.
Lagebeurteilend:
  • Zielstrebigkeit.
    • Vertrauen,
    • Mißtrauen,
    • Eifer,
    • Verdruß.
Fährnisbeurteilend:
  • Zufriedenheit,
    • Glück,
    • Wertschätzung,
    • Liebe,
    • Stolz.
  • Unzufriedenheit.
    • Unglück,
    • Zuwiderheit,
    • Haß,
    • Schmach.
* etliche ihrer finden sich in der Tabelle der Sieben Feuer des Gerichts, wobei Stolz dort enger gefaßt ist, Genugtuung und Freude fallen ebenfalls unter Stolz im weiteren Sinne.

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24. Dezember 2016

Zur Etablierung einer neuen Ordnung

Wer einem Teil der Welt neue Regeln geben will, muß zunächst unter den bestehenden Regeln triumphieren.

Die Christen bezwangen Rom durch Verläßlichkeit,
die Engländer die amerikanischen Ureinwohner durch Kriegerischkeit und
die Inder die Engländer durch Würdigkeit.

Muslime versuchen nicht, Menschen zum Glauben zu bekehren, sondern lediglich, Gläubige zum Islam, das heißt zur Einschüchterung der Ungläubigen durch die Gläubigen.
Sie zu leiten ist nicht deine Pflicht, Gott leitet wen Er will. (Koran 2:272)

Es obliegt euch, Kriege zu führen, auch wenn ihr es haßt, denn es kommt vor, daß ihr haßt, was gut für euch ist, und liebt, was euch schadet. Gott kennt die Zukunft, ihr kennt sie nicht. (Koran 2:216)
Jenen, welche die Inspiration nicht kennen, erscheint dies als grundlose Arroganz, und jene, welche sie kennen, betrübt es, weil es zu hart gegenüber leichtfertigen, aber im Grunde anständigen Menschen scheint, wobei es letztlich die Belastbarkeit des Anstands ist, welche darüber entscheidet, ob es wirklich zu hart ist oder nicht, weshalb der Islam eben in manchen Gegenden und unter machen Umständen angemessener ist als in, beziehungsweise unter anderen.

Es ist nicht schwer zu erkennen, daß die popularisierte Verantwortungslosigkeit der jüngsten Vergangenheit, sei es in Form eines vulgären Hedonismusses oder in Form unkritischer Parteinahme, wie ein Zahnrad ins andere des verachtenden Menschenbilds des Islams greift, und die Folge dieser sich gegenseitig verstärkenden Inkongruenzen mit dem Wesen des Christentums und dem der europäischen Völker scheint mir ein immer offener zu Tage tretender Stillstand zu sein, eine gegenseitige Blockade bei steigender Spannung, weil sich die Zahnräder bis zu dem Punkt gedreht haben, an welchem das Wesentliche zwischen sie geraten ist und sie verkeilt.

Mag es denn so sein. Das Wesentliche wird dem standhalten, ja, im Vergleich zu dem, wem es sonst noch standhalten muß, ist es sogar eine Lapalie. Die Blindheit kommt sich selbst in die Quere, versperrt sich selbst den Weg. Grundanständige Menschen wie Nicolaus Fest meinen zwar, sie kämen der Korruption auch ohne Faschismus, islamischen oder sonstigen, um mich vorübergehend ihrer eigenen Sprache zu bedienen, bei, aber sie schließen zu sehr von sich auf andere.

Dennoch, grundsätzlich besteht diese Chance, nur verlangt sie viel, und wer immer sie zu ergreifen vermag, schafft sich im sonstigen Stillstand ein fahrtüchtiges Vehikel. Ich glaube nicht an die Bekehrung Verblendeter oder Enthemmter, denn dazu müßten sie, gemäß dem Leitstern der hiesigen Betrachtung, in ihrer Verblendung oder Enthemmung übertroffen werden, was den, wer es versuchte, zerstörte. Nein, ihnen ist Einhalt zu gebieten, und wo die Stärke dazu fehlt, muß man von Glück sprechen, wenn sie das zum Preis politischen Stillstands unter sich regeln.

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22. Dezember 2016

Gott und Mensch

Die Ermessung des in Form von Geschehen, Möglichkeiten, Ordnungen und Anpassungen Existenten mit dem Ziel der Veredelung der Berücksichtigung ist das höchste uns vorstellbare Streben, welchem wir zu Lebzeiten nur sehr partiell nachkommen können, und den Umstand des Erfahrens bedenkend, daß es funktionslos ist und also zu keines anderen Zweck existiert, sowie unsere transzendente Verbundenheit, kommen wir also zu der Ansicht, daß das höchste uns Vorstellbare ein Teil des Höchsten ist, und Sein Streben von derselben Art, daß Es in uns die rechte Berücksichtigung sucht und über uns auch, indem es die einzelnen Ermessungen verknüpft, daß wirklich und wahrhaftig Gott Fleisch annimmt und hier auf Erden alles belebt und auf die Seinem Wesen entsprechende Bahn bringt, das heißt seine Existenz aus ihrer notwendigen Subjektivität heraus vervollkommnet: Der Geist schafft sich ein Gehäuse, um eine Form zu haben, auf welche er sich beziehen kann, in der Innenwelt liegen die Wechsel der Außenwelt und das Gefallen an ihnen, und mehr Kenntnis braucht es nicht.

Selbstverständlich wirkt alles zusammen, selbstverständlich unterscheidet sich ein Glied nur dadurch vom anderen, daß es eine andere Rolle ausfüllt, eine andere Richtung eingeschlagen hat, aber was in ihnen strebt ist dasselbe, und seine Glieder sind nicht verworren, sondern stützen sich in seiner Absicht. Ich fühle es in jeder Faser. Es ist der Gang der Geschichte, und nichts hält ihn auf oder lenkt ihn auf ein Feld, welches abseits der Vervollkommnung subjektiven Seins liegt. Stetig erneuert sich die Ordnung des Lebens, und dieses Mal ist der Mensch dran: Er wird auferstehen!

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Zum Nebeneinander von Außer- und Innerzeitlichkeit

Die Vierteilung des Denkens in Anschauung, Verstand, Vernunft und Vergegenwärtigung wirft einige Fragen rund um das Thema Angst auf.

Ich sprach bisher davon, siehe den Beitrag Gefühle, daß es fünf verschiedene emotionale Ausdrücke der Achtung oder des Verstandes gäbe, nämlich Neugierde, Kühnheit, Ärger, Schrecken und Angst, und unabhängig davon, was ich im genannten Beitrag zur Systematik dieser Aufteilung geschrieben habe, ist es mir in den dreieinhalb Jahren seit seiner Niederschrift nie notwendig erschienen, diese Liste zu ergänzen, was daran liegt, daß noch jede achtungsbestimmte Entscheidung tatsächlich von einem dieser fünf Gefühle begleitet wird.

Wie ich an anderer Stelle ausführte spiegelt Angst dabei eine schlechte Vorbereitung, oder auch Anpassung, wieder, welche sich in erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber allem, was die eigene Anpassung noch unpassender erscheinen läßt, auswirkt, bis gegebenenfalls die Schwelle zum Schrecken erreicht wird oder auch die Vernunft das Ruder übernimmt - bei Tieren, freilich, modifiziert die Angst in erster Linie das Aufbegehren des Hungers.

Aber was sollen wir zu den Mahnungen, Ärger, Schrecken und Angst, sagen? Gehören sie etwa nicht der Vergegenwärtigung an? Bezieht sich eine Mahnung nicht immer auf unsere Lage und unsere Anpassung an sie? Spricht aus dem Ärger nicht die Notwendigkeit, etwas geradezurücken, aus dem Schrecken die Notwendigkeit, etwas auszuweichen und aus der Angst die Notwendigkeit, sich zu wappnen?

Soviel dürfte evident sein.

Andererseits sagte ich, daß diese Gefühle Entscheidungen begleiten. Wie kann das sein?

Nun, es gibt offensichtlich die Schockstarre und ebenso das plötzliche Aufschrecken aus dem Traum, ganz zu schweigen von der Panik. In allem diesen drückt sich etwas bestimmtes aus, nämlich das Nebeneinander von Außer- und Innerzeitlichkeit.

Ich behaupte, daß Mahnungen aus dem außerzeitlichen Zustand der Vergegenwärtigung zurück in die innerzeitliche Achtung drängen und sich dabei in Kühnheit übersetzen, einigermaßen evident bei Ärger und Schrecken und mit etwas Mühe auch im zwanghaften Vorwärtstasten der Angst erkennbar, reflektierend, vielleicht, daß Wissenserwerb die beste Wappnung ist oder aber auch, daß kleine Schritte vorwärts die beste Wappnung sind.

Freilich besteht die Kühnheit des Schreckens zumeist darin, einen Sprung von etwas weg zu wagen, aber es kann auch ganz etwas anderes sein, wie glühendes Metall in die Hand zu nehmen oder einen Tiger zu umarmen, und gerade weil das nicht immer ganz gesundheitsförderlich ist, besteht bei einigen Menschen eine Übergangsblockade von der Außer- zur Innerzeitlichkeit, welche Schockstarre heißt.

Bleibt noch die Panik unter diesem Gesichtspunkt abzuhandeln. Ich vermutete im Beitrag Was ist Panik und wie entsteht sie? einen Aggressionsmechanismus, und hier liegt nun seine innere Mechanik offen zu Tage, nämlich daß sich eine Mahnung fortgesetzt in eine bestimmte Form der Kühnheit übersetzt. Panik, oder Hysterie, besteht darin, in eine bestimmte Außerzeitlichkeit hineingezwungen zu werden, eine bestimmte Einschätzung der eigenen Anpassung, und wie es uns in der Schockstarre nicht gelingt, innerzeitlich im Denken voranzuschreiten, so gelingt uns dies bei der Panik außerzeitlich nicht, was sich dadurch bemerkbar macht, daß jede Frage danach, wo wir uns befinden, wie sich unsere Lage beschreiben ließe, von einem inneren Sturm hinweggeweht wird, so daß unsere Handlungsimpulse einer sich derart fortsetzenden Ansicht entspringen.

Zur allgemeinen Einteilung unserer Gefühlswelt zurückkehrend sei der grundlegende Unterschied zwischen den ermessenden und den handlungsbegleitenden Gefühlen betont, Schmach drängt wohl auch voran, aber nicht wie Mahnungen, nicht zu einer bestimmten Handlung, sondern lediglich dadurch, daß sie Aufgaben auf- und der Sorge eine Richtung vorgibt. Bei den Ermessungen handelt es sich also um Verankerungen unserer Rücksicht, Rücksichtsanker, wohingegen die anderen Gefühle, von denen ich sprach, Handlungsleiter sind.

Wie ich im vorigen Beitrag schrieb, ist es vernünftig davon zu sprechen, daß die Vernunft die Entscheidung kapert, wenn wir unsere Pflicht dem Geliebten gegenüber erfüllen, also es verfechten, aber in diesem Beitrag haben wir noch eine weitere Weise kennengelernt, wie andere Teile zu Entscheidungen drängen können, nämlich durch induzierte Kühnheit, wie sie auch bei Hunger anzutreffen ist, wiewohl Hunger auch ganz ohne Entscheidung wirken kann, und die Frage muß wohl erlaubt sein, ob nicht auch dieses Kapern von derselben Art ist - was ich indes nicht so empfinde, denn die Verfechtung treibt nicht voran, sondern steht in gewisser Weise. (Wenn Sie dies ins Französische übersetzen wollen, setzen Sie da reste für steht ein. Wirklich merkwürdig, daß das Französische diese Tendenz hat, also die Welt als in allen Teilen getrieben zu betrachten, wo doch die Franzosen so ziemlich genau das Gegenteil dessen sind. Aber vielleicht handelt es sich bei ihrer kultivierten Ruhe ja auch nur um eine Spätblüte ihrer Natur, so ähnlich wie bei den Vulkaniern im Raumschiff Enterprise.)

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21. Dezember 2016

Die richtende Vierteilung des Denkens

Wie ich in den letzten beiden Beiträgen bereits ausführte, ermessen die drei Seelenteile ihre Gegenstände danach, wie gemäß sie ihnen sind, was wir als innere Bewegtheit in Form von Glück, Wertschätzung oder Liebe wahrnehmen. Selbstverständlich sind dies nicht alle Gefühle, welche uns innerlich bewegen, aber es lohnt sich, zunächst bei ihnen zu verbleiben, denn sie sind klar und anschaulich und erlauben die Grobgliederung unserer uns selbst bewertenden Gefühle, indem wir nach dem jeweiligen Gegenstand eines solchen Gefühls fragen.
  • Die Gegenstände des Glücks sind Geschehen.
  • Die Gegenstände der Wertschätzung sind Möglichkeiten.
  • Und die Gegenstände der Liebe sind Ordnungen oder auch Ideen.
Der englische Begriff für glücklich, happy, ist sehr einsichtsvoll in Anlehnung an den englischen Begriff für geschehen, happen, gewählt. Die Wurzel hap zielt auf das Zustandekommen ab, und entsprechend ist auch hapless zu verstehen. Im Deutschen kommt der Begriff klappen dem wohl am nächsten, und auch wenn es sich nicht schön anhört, so würde ein Muttersprachler wohl die richtige Vorstellung gewinnen, wenn er den Satz: Heute ist er wieder mal richtig klappig. hörte, oder auch: Was für ein klapploser Kerl.

Und um noch kurz bei der Etymologie zu bleiben: Es besteht offenbar ein enger Sinnzusammenhang zwischen den englischen Wörtern hap, hop und hope, wobei der gestreckte Diphthong des letzten Wortes darauf hinweist, daß es mit dem Zustandekommen bei ihm, im Gegensatz zu den anderen beiden, etwas länger dauern wird.

Statt von Möglichkeiten kann man auch von Lebensfunktionen sprechen oder gar von Routinen, also geraden jenen Gegenständen, welche die Achtung aufgreift, wenn sie sich für eine Handlung unter verschiedenen alternativen entscheidet*. Hier weist das Deutsche große Einsicht auf, indem es den Begriff Möglichkeit von mögen ableitet, denn in den Möglichkeiten, welche eine Sache eröffnet, liegt ihre Mögbarkeit begründet, ebenso wie in happenings alle happiness begründet liegt.

Und entsprechend ist es zuletzt auch mit der Liebe, nur daß Ordnungen wohl in keiner Sprache Lieblichkeiten genannt werden, wiewohl dies ebenso natürlich wäre wie die vorigen beiden Beispiele.

Außer Geschehen, Möglichkeiten und Ordnungen gibt es noch eine weitere Art von Gegenständen, welche wir auf ihre Gemäßheit hin beurteilen, und zwar wenn wir uns erinnern oder uns in eine andere Lage hineinversetzen und insbesondere also auch, wenn wir träumen. Als leitende Beispiele mögen hier Stolz und Schmach dienen.

Worauf also beziehen diese sich?

Auf Anpassungen, ob wir das Nötige getan haben, dem Leben entgegenzutreten oder nicht. Was hier die Gemäßheit beurteilt ist die Vergegenwärtigung, aber was sollen wir unter Vergegenwärtigung verstehen?

Nun, es ist die Einordnung von Eindrücken in den zeitlichen Rahmen, sie als Teil einer zeitlich ausgedehnten Existenz zu betrachten. Offenbar ist ein Teil unseres Intellekts damit beschäftigt, und wenn wir diesen Teil auch dem Verstand und damit dem zweiten Seelenteil zuschlagen können, indem wir von der in Beziehung setzenden Natur seines Geschäfts ausgehen, so mag es andererseits gleichlegitim sein, ihn eigenständig zu betrachten, da das Streben unseres Geistes danach, die erzeugte Zeit zu erfassen, ganz andere Teile unseres Intellekts aktiviert als das Streben unseres Geistes danach, das Gegenwärtige zu erfassen, was sich insbesondere eben auch in den verschiedenartigen Gefühlen der Gemäßheitserfassung ausdrückt.

Probieren wir es also mit der richtenden Vierteilung des Denkens,
  • der Geschehen in der Anschauung,
  • der Möglichkeiten im Verstand,
  • der Ordnungen in der Vernunft und
  • der Anpassungen in der Vergegenwärtigung.
Der vierte Teil ist den ersten dreien indes nicht gleichwertig, denn er ist handlungsunfähig. Er übergibt sein Urteil an Verstand und Vernunft und diese übernehmen die Wahl der weiteren Schritte. Die zusammengefaßte Zeit existiert nicht in der Zeit, weshalb Träumende oder sich Erinnernde auch verloren wirken.

* Es ist wohl vernünftig davon zu sprechen, daß die Vernunft die Entscheidung kapert, wie ja auch die Entscheidung ein vom Verstand gekapertes Zustandebringen ist, wenn wir uns für das Geliebte entscheiden.

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Ermessungen des Erfolgs

Ich möchte den Gegenstand des vorigen Beitrags noch etwas weiter beleuchten.
  • Die Vernunft strebt nach Schönheit, und findet sie in dem, was sie liebt.
  • Der Verstand strebt nach Wesentlichkeit, und findet sie in dem, was ihm etwas bedeutet.
  • Und die Lust strebt nach Macht, und findet sie in dem, was ihr glückt.
In Liebe, Wertschätzung und Glücklichkeit begreift das Gemüt also die Erfülltheit des eigenen Lebens, das heißt die Übereinstimmung der eigenen Lebensfunktionen, des Gelüstens, Achtens und Sorgens, mit dem eigenen Willen, und die Zeitalter der Werke, Wunder und Wacht ergeben sich also aus den Lebensfunktionen, deren Entwicklung sie verlangen, wie es die jeweilige Bestürztheit ja auch anzeigt, also
  • die Beklommenheit die Notwendigkeit, etwas zu lieben zu finden,
  • die Besessenheit die Notwendigkeit, etwas zu wertschätzen zu finden und
  • die Betretenheit die Notwendigkeit, ewas zu finden, was einem glückt.

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20. Dezember 2016

Anhänglichkeit zu Ur- und Abbildern

Unsere Erfahrungen bedeuten uns etwas.

Lieben tun wir, was wir hinter ihnen vermuten.

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18. Dezember 2016

Life Imitating Art?

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15. Dezember 2016

Zur Natur der Aggregatszustände

Ich werde in diesem Beitrag ein einfaches Modell zur Veranschaulichung der drei gewöhnlichen Aggregatszustände, fest, flüssig und gasförmig, vorstellen und einige Materialeigenschaften vor diesem Hintergrund besprechen. Einen Anspruch auf korrekte physikalische Herleitung stellt dieser Beitrag nicht, das hier vorgestellte Modell dient nur der Veranschaulichung, nicht der Berechnung.

Augenscheinlich besteht zwischen den Molekülen einer Substanz eine Kraft, welche dieselben in einer bestimmten Distanz von einander hält, wobei die darüber hinausgehende Annäherung weit schwieriger zu bewirken ist als die darüber hinausgehende Entfernung.

Desweiteren wird diese Kraft ab einer bestimmten Distanz praktisch unwirksam, konvergiert also mit wachsender Entfernung gegen 0.

Die einfachste Funktion, welche wir somit zur Modellierung dieser Kraft heranziehen können, ist
f(x) = 2x -2 - x -3.
Die Distanz, auf welcher diese Funktion zwei Moleküle von einander hält, entspricht ihrer 0-Stelle, 1/2, da dort aus einer abstoßenden Kraft eine anziehende wird. Die maximale Anziehung besteht bei 3/4.

Die Stammfunktion F von f ist durch
F(x) = -2/x + 1/2 x -2
gegeben und das Mittel von f im Interval der Länge d um den Punkt x herum durch
fd(x) = (1/2 ((x+d/2) -2 - (x-d/2) -2) + 2/(x-d/2) - 2/(x+d/2)) / d.
Die Nullstelle von fd(x) ist (1 + (1 + 4d2)1/2) / 4, und wir benutzen fd zur Annäherung der distanzierenden Kraft zwischen zwei Molekülen, welche gemäß der Temperatur t im Intervall dt schwingen.

 Es ergibt sich, daß sich Substanzen ausdehnen, wenn man sie erhitzt, wie es sich ja auch ergeben sollte.

Wie nun lassen sich die drei Aggregatszustände erklären?

Mein (vereinfachender) Vorschlag ist folgender. Ist die Temperatur hoch genug, so daß die kinetische Energie kt eines Moleküls der Bedingung
kt > -F(1/2)  = 2
genügt, so ist die Substanz gasförmig,  denn in dem Falle ist die kinetische Energie hinreichend, um die anziehende Kraft eines nächsten Moleküls vollständig zu überwinden.

Ist sie hingegen nur hinreichend, um die Gitterdistanz zu überwinden, genügt also nur der Bedingung
kt > -F(1/2) + F(1) = 1/2,
so ist die Substanz flüssig.

Und bleibt kt auch noch darunter, so ist die Substanz fest.

Dieser Betrachtung nach handelt es sich bei Flüssigkeiten also um gravitativ zusammenhängende Massen, und feste Substanzen, deren Temperatur hinreichend nahe ihrem Schmelzpunkt liegt, sollten bei lokaler Belastung, also lokaler Zuführung kinetischer Energie, flüssigkeitsähnliche Symptome zeigen wie Bieg- und Ziehbarkeit, was wiederum gut mit der Realität übereinstimmt; Wasser einmal ausgenommen, aber das hätten wir ja auch schon bei der vorigen Verifikation ausnehmen müssen.

Generell wird Biegsamkeit dieser Betrachtung nach durch eine niedrige Gitterschwelle, also einen niedrigen Wert in der Bedingung für Flüssigkeit gekennzeichnet und Elastizität durch einen niedrigen (flachen) Gradienten an der Nullstelle der distanzierenden Kraft, Bedingungen, welche durchaus auseinander fallen können, wie die Beispiele von Knete und Radiergummi zeigen.

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10. Dezember 2016

Wandel und Anhang

Gesegnet sind die Halsstarrigen, denn sie verwickeln sich nicht.
Es stimmt wohl, daß derjenige, wer sich nicht beeinflussen läßt, auch andere nicht beeinflussen kann. Ich glaube sogar, daß man dies noch genauer fassen kann, indem man sagt, daß man andere nur im Rahmen der Gedanken beeinflussen kann, in deren Rahmen man selbst beeinflut wird.

Adolf Hitler ist ein interessantes Beispiel, im allgemeinen eher halsstarrig hat er sich doch sehr von Rienzi beeinflussen lassen. Die Rienziouvertüre evoziert die Freude darüber, einen Ruf vernommen zu haben, dem zu folgen einen in einen größeren Zusammenhang stellt und einen dadurch erhöht. Es ist der Dienstgedanke, in dessen Rahmen Hitler um den Preis der Verwicklung an der Entwicklung der deutschen Ethik teilgenommen hat.

Konkret wird man Hitler die standesunabhängige Verpflichtung auf die nationalen Bemühungen Deutschlands anrechnen dürfen, ein Dienstverständnis, welches vor ihm in dieser Form sicher nicht bestand. Hitler glückte, woran Rienzi scheiterte, nämlich die Bürger Roms, beziehungsweise Deutschlands, in den ersten Stand zu erheben, getragen von der Massenproduktion von Maschinengewehren, Panzern und Bombern und der allgemeinen Wehrpflicht, mit all den Folgen, welche wir seither beobachten können: allgemeines politisches Engagement und allgemeine politische Anmaßung, leichtgläubiges Vertrauen politischer Versprechungen und Geringschätzung des Althergebrachten. Größere Einsicht in ihr Wesen offenbarte die Bundesrepublik, wenn sie statt dem Meer von Steinen nur einen Obelisken in Berlin aufgestellt hätte, versehen mit der Aufschrift:
Der Pöbel, hah!
Nimm ihm Hitler, nimmer ist er mehr, was er war!
und verziert mit ärmlich gekleideten, Schlappmützen tragenden, unrasierten und sich wegduckenden alten Männern zur Linken, und Jeans und Blusen tragenden, breitbeinig dastehenden und lebhaft gestikulierenden jungen Frauen zur Rechten, eingefaßt in einen geflochtenen Blumenkranz gespickt mit den Waffen der Zeit, unter der Aufschrift gekreuzte, auf Stafetten ruhende MG 42, zur Linken Panzer, zur Rechten Stukas und als alles bündelndes Sinnbild noch unter den gekreuzten Gewehren, die Stelle, wo die beiden Blumenstränge sich treffen, verdeckend, ein Brennofen.

Doch kommen wir zum allgemeinen zurück, also der Entwicklung der Ethik, welche durch persönliche Verwicklung im Rahmen von bewegenden Gedanken statthat. Diese bewegenden Gedanken sind stets Neubewertungen des Angemessenen, welche sich auf natürliche Weise in Folge veränderter Lebensbedingungen ergeben. Und es sind diese veränderten Lebensbedingungen, welche es der Neubewertung erlauben, auch erfolgreich ausgelebt zu werden, wobei, wie im vorigen Beitrag besprochen, einzelne Menschen die neue Lebensweise vorleben und sich in natürlicher Zuwendung jenen verpflichten, welche sich ihr anschließen.

Es geht fehl bei diesen Worten nur an große Veränderungen zu denken, die Veränderung mag auch schlicht darin bestehen, daß der bisherige Bandenboß gestorben ist. Und ganz gleich wie groß die Veränderung auch sein mag, immer schließen sich Menschen den Vorstößen anderer Menschen an, nicht allen, selbstverständlich, aber irgendwelchen in jedem Falle, und indem sie sich anschließen, begründen sie stets eine ethische Unterschule, deren Schicksal ihrem Gründer natürlicherweise an die Nieren gehen muß, wenn er denn welche, sprich Verantwortungsbewußtsein, welches den Geist seiner Körperschaft zu reinigen sucht, hat.

Um so tragischer nimmt sich dies aus, desto verlorener die Unterschule ist: Es sind die Regeln der Oberschule, welche die Menschen davor bewahren, an ihren Fehlern in tausend Stücke zu zerschellen.

Gerade höre ich: Ist dies die Achtung vor der Kirche, die eurem Schutze anvertraut.

Das ist natürlich falsch. Richtig muß es heißen: Ist dies die Achtung vor der Kirche, deren Schutz ihr anvertraut?

Nun, wenn ich den Blick auf meine eigene Situation wende, in welchem Wind flattere ich? Welche Lebensbedingungen ändern sich zur Zeit?

Es ist nicht die Pflicht, deren Neudefinierung durch mich hindurchweht. Es ist die Neudefinierung des Menschen als geistiges Geschöpf in Folge gewachsener Freiheit und Ohnmacht. Der Wind wird weiterhin zunehmen, aber bevor er auch die schwereren Naturen erfaßt, wird es noch dauern, was alles zum Guten ist, denn so ordnen sich die leichteren, bevor die schwereren an ihnen zu zerren beginnen.

Es ist dieses unbeirrte Vorangehen, welches mir am Ende der Geschichte Die gelbe Totenvorreitersche (in Werner Bergengruens: Der Tod von Reval), die Tränen in die Augen trieb.
Und ich hörte eine Stimme vom Himmel wie eines großen Wassers und wie eine Stimme großen Donners: Und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen, und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich, und folgen dem Lamme nach, wo es hingeht. Diese sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm, und in ihrem Munde ist kein Falsch gefunden; sie sind unsträflich.
Es liegt nahe, dies als Unerreichbarkeit zu verstehen, aber in Wirklichkeit ist es schlicht Unbefangenheit. Wir erleben einen veritablen Kampf um diese Worte: Die Gegenseite versucht, eine alles erdrückende, alle brechende Moral zu schmieden: ein Gott in weiß strahlendem Tuch, dessen Stimme scheu und sanft wie ein Reh ist, und um den herum der kälteste Abgrund klafft. Wer auf meiner Seite steht, dessen Gott ist weiterhin wie ein Vater: bestimmt, aber einladend, unverständlich, aber verläßlich.

Und wie manifestiert sich das heute?

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6. Dezember 2016

Die persönlichen Glaubensalter

Der Glaubenszykel, welchen ich zuerst als Konkretisierung des Glaubens im ideellen Zykel in den Blick nahm, besitzt eine Entsprechung im persönlichen Wirken.

Der Glaubensfindung entspricht die Selbstentfaltung, der Verfassung die Vertrauenserwiderung und dem Verfechten die Rechtfertigung.

Die Selbstentfaltung ist dabei das schon bei Kindern zu beobachtende Bestreben, sich die Welt nach den eigenen Vorlieben einzurichten, welches im Wagnis der jugendlichen Liebe zur vollen Geltung kommt.

Die Vertrauenserwiderung entspringt der Sorge, sich jenen Menschen, welche Teile des eigenen Wesens in das ihrige aufnahmen, verläßlich zu erweisen. Sie ist die uneigennützige Hilfsbereitschaft jenen gegenüber, welchen wir etwas bedeuten, und sei es nur unseres Amtes wegen.

Und in der Rechtfertigung ringen wir darum, daß das, was wir hinterlassen, den Ansprüchen an es genügt.

Die Natur dieser Entsprechung ist die des natürlichen Vollzugs: Der Glaube kann nur in persönlicher Selbstentfaltung gefunden werden, wer beginnt, anderen etwas zu bedeuten, und ihr Vertrauen durch Treue erwidert, nimmt an der Verfassung seines konkreten sozialen Umfelds teil, und anders läßt sich eine Gesellschaft auch nicht verfassen, und die Verfechtung der etablierten Gesellschaftsform setzt voraus, daß auch im Persönlichen das Etablierte die höchste Stelle einnimmt.

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3. Dezember 2016

Zu den Ältesten vor Gottes Thron

Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unsres Gottes geworden und die Macht seines Gesalbten, weil der Verkläger unsrer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor unsrem Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod. Daran freuet euch, ihr Himmel und die darinnen wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat.
Jeder Mensch lebt in einem bestimmten Geist, welcher zu einem der vier Geister (Erregte, Leistungs- oder Umgangsfordernde, Gestimmte) und einem der vier geistigen Horizonte (körperlich, persönlich, philosophisch, gläubig) gehört. Weitere Klassifizierungen sind möglich, siehe etwa Die Schüler Jesu, aber der hier betrachtete Geist muß unabhängig von den Entscheidungen des Lebens und also insbesondere unabhängig von der Gesinnung (engagiert oder reflektiert) gedacht werden.

Ich möchte diesen Geist als das persönliche ethische Ideal bezeichnen.

Mein eigenes ethisches Ideal beschrieb ich bisher als johannäisch, gestimmt und gläubig. Ich möchte es an dieser Stelle noch etwas genauer fassen: mitteilsam, vom Unangemessenen abstehend, das Angemessene annehmend, das Wahre achtend, das Leben als Möglichkeit, etwas zu hinterlassen, betrachtend.

Unter den Geistern der Welt ist meiner wie das Feuer und der Wind, in allen Dingen lebend und in keinem zuhaus'. Das I Ching verglich ihn einmal mit einer Wildgans.
Von der Wildgans wird berichtet, daß sie ihren Kameraden zuruft, wann immer sie etwas zu fressen findet; dies ist das Symbol von Frieden und Eintracht in guten Zeiten.
Interessanterweise nun gibt es zwischen den persönlichen ethischen Idealen so etwas wie Friedensverträge, keineswegs zwischen allen, aber zwischen manchen.

Christus ist ein Siegel, dessen Achtung Bündnis und dessen Bruch Ausschluß bedeutet.

Es besteht eine Allianz im Himmel: Verschiedene seelische Entwicklungslinien fanden zusammen, um zusammen in die Zukunft zu gehen. Dergleichen hat wahrscheinlich stets statt, es gehört zur metaphysischen Architektur der Existenz. Der Teufel steht dabei nicht für eine bestimmte andere Allianz, sondern für all die Tendenzen, welche die einzelnen Geister gegen einander wenden, zu welchem Zweck er sie sowohl enger zusammenpferchen, als auch weiter von einander entfernen möchte, als es gut für sie ist.

Ihm ist die Welt gegeben, so lange im Himmel Einigkeit besteht. Kurz ist diese Zeit nur in dem Sinne, daß es nach kosmischen Maßstäben nie lange dauert, bis das Siegel erneuert wird. Erneuert aber nicht in beliebiger Neumischung, sondern in der Fähigkeit, ethische Ideale und Zeitalter zu versöhnen. In der gegenwärtigen Zeit kurz vor der Erneuerung stellt sich dabei naturgemäß die Frage, welches Siegel denn das Gültige sei. Glücklicherweise ist es dabei aber so, daß sich die Vorstellung des Alten von alleine zur Antizipation des Neuen entwickelt. Die Anerkennung des Pantokrators als solcher genügt also, um ihn schließlich im Fleisch zu finden.

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1. Dezember 2016

Never rush in politics.

The protestant idea is to first destroy that, what has been built,
so that that, what has not yet been built, could be build.
And the American subvariety of it is to build a raffle.

Hence it is completely natural that Americans stop all destructive efforts,
once they realise that the place they're trying to destroy is already a raffle,
as was the case with Somalia.

Whenever an American sees people sticking together, he's alarmed.
Whenever he sees them stabbing their backs, he relaxes.


That much is... true.

As I've noted in my review of Der Tod von Reval: It doesn't further innovation, if the bulk of the capital is in the hands of people, who need nothing, because they'll waste their capital then. The concentration of power isn't a force that stimulates development, rather it's the gradual stiffening of the hierarchy of exploitation. Hence it is in the interest of life - allowing it to grow - to balance power: Only when there are limits to the exploitation of people, will the exploitation of the natural forces advance over time.

That much is... also true.

Freedom means to go where you please, and obviously there's a big difference between a society that goes as a whole where it pleases and a society in which each of its members goes where he pleases. The latter is chaos, the former order, but this order does not negate individual concerns, but weights them by establishing limits.

Even for the American raffle such limits exist, since it relies on the orderly operation of the banking system, but overall it's light on them. The job at hand isn't solved by embracing individualism or collectivism, but by allowing people to organise without depriving other people of their opportunities.

The medieval order, in which the Church restrained the King through its stranglehold on the Jews, is an example of that. And in general it is always about two things:
  1. constraints and
  2. a trustee for the passive parties.
The latter has to be chosen by the people, at least to the extent a bishop is, that is by acceptance, and has to have enough power to reign in the active parties, if so needed.

Much of the calamities of our time are derived from the fact that the press is assumed to be the people's trustee, whereas it's just a means to get the word out. Its false worship destroys the connexion between the trustees, who've really been entrusted by the people, and them. It makes it at the same time possible for the former to ignore the latter and vice versa.

So, in all of this, we see the workings of structures, formal or informal, and the effects of missing or broken structures. And that is what we have to keep an eye on, lest someone sells us a raffle as the be-all and end-all of liberation or a handler as a trustee.

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Gemeingüter

für Max Keiser zum Thema Generalismus

Das Geschäft der Logik ist zum ersten die Erfassung der Verhältnisse, welche der menschliche Geist zu erfassen vermag, also ihre Auffindung und Notierung, und zum zweiten die Untersuchung ihres lageunabhängigen Zusammenspiels, worunter insbesondere die Mathematik fällt.

Das Geschäft der Physik ist die Untersuchung des lageabhängigen Zusammenspiels aller Verhältnisse, in welchen sich keine Betroffenheit ausdrückt, worunter insbesondere auch Medizin, Trainigsmethoden und Metaphysik fallen, und das Geschäft der Ethik ist die Untersuchung des lageabhängigen Zusammenspiels aller Verhältnisse mit jenen, in welchen sich Betroffenheit ausdrückt, worunter insbesondere auch die Ästhetik fällt.

Lageabhängigkeit ist dabei bereits dann gegeben, wenn die Wahrnehmung der untersuchten Verhältnisse nur in bestimmten Lagen erfolgen kann, wobei ein klares Bewußtsein zum Zwecke dieser Definitionen allerdings als lageunabhängig betrachtet werden muß.

Die Ethik richtet sich auf alle menschlichen Einrichtungen, und insbesondere auf jene zum Behuf der Untersuchung. Genauer gesagt erhalten wir, daß die Einrichtung logischer, physischer und ethischer Schulen ethisch ist. In diesen Schulen verkörpert sich das Gemeingut des gemeinschaftlichen Wissenserwerbs, und da Wissen sich nicht nur anwenden läßt, sondern die Forderung seiner Anwendung selbst wieder gemeinschaftlichen Nutzen bringt, verkörpern sie zugleich bis zu einem gewissen Grade das Gemeingut der gemeinschaftlichen Bildung.

Zur Schule der Logik gehört neben der Mathematik auch die Bildung von Sprachen, und eine gemeinsame Sprache zu sprechen bildet das Fundament aller gemeinschaftlichen Bildung. Und zur Schule der Ethik gehört neben der Ästhetik selbstverständlich auch die Gesetzbildung, und ein gemeinsames Recht zu befolgen hält jede Form der gemeinschaftlichen Bildung zusammen.

Gemeinsame Sprache, gemeinsames Recht, gemeinsame mathematische Kenntnisse, allgemeiner Alphabetismus, allgemeine Fähigkeit zu schwimmen oder zu reiten, allgemeine Waffenpflicht, alles Beispiele gemeinschaftlicher Bildung, welche bestimmen, auf welche Weisen eine Gemeinschaft zusammenwirken kann.

Da sich der Plural von Bildung schlecht bilden läßt, möchte ich alle diese Beispiele auch als Gemeinprägungen bezeichnen. Gemeinprägungen sind Gemeingüter, verliert eine Prägung ihren Nutzen, verliert sie auch ihren allgemeinen Zuspruch.

Es ist also nicht schwer nachzuvollziehen, warum Gemeinschaften ihre Gemeinprägungen und mehr noch die sie hervorbringenden Schulen verteidigen; alles andere wäre gänzlich gedankenlos. Die Schulen aber möchte ich auch Gemeinforschungen nennen.

Und damit sind wir die Gemeingüter durch, aus Gemeinforschungen entspringen Gemeinprägungen und alle zusammen nennen wir eine Kultur.

Daß die Menschheit sich zu einer logischen und einer physischen Gemeinforschung vereinigt ist gar nicht abwegig, allein sich zu einer ethischen Gemeinforschung zu vereinigen stellt eine Monstrosität dar, siehe beispielsweise Nochmals zur Unvereinbarkeit aller Seelenteile in einer Kultur.

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