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17. Februar 2013

Konkretisierung des Glaubens im ideellen Zykel

Nachdem ich die Phasen des materiellen Zykels benannt habe (Hoffnung, Vertrauen, Gewahrsein, Genuß, Sexualität, Schmerz) und die des funktionalen (Verwaltung, Selbstdarstellung, parasitärer Befall, chaotischer Kollaps) kommt nun der ideelle Zykel an die Reihe.

Ich schrieb bereits von diesen Dingen (Die Geister der Lebenden und der Toten), aber ich werde sie hier systematischer betrachten.

Beginnen wir mit der Klärung des Glaubensbegriffs. Glaube bedeutet in diesem Beitrag, ein Lebensziel und einen Lebensansatz, um es zu erreichen, zu besitzen. Nehmen wir den christlichen Glauben, sein Lebensziel ist die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden und sein Lebensansatz besteht darin, stets von neuem unverdrossen auf Taten zu sinnen, welche die Welt verbessern.

Dies ist der christliche Glaube, de facto, und es ist auch unschwer zu erkennen, daß er ein gesonderter Glaube ist, welcher sich deutlich von anderen Glauben unterscheidet.

Ein Glaube orientiert also unsere Vernunft und bestimmt damit unser langfristiges Bemühen, und wie immer, wenn unser Handeln von unserer Vernunft angeleitet wird, muß es sich vom Allgemeinen zum Speziellen konkretisieren. Da nun aber der Glaube das gesamte gesellschaftliche Leben betrifft, verläuft seine Konkretisierung notwendigerweise über die drei Existenzebenen, zunächst muß er gefunden werden (die ideelle Ebene), dann sich institutionalisieren (die funktionale Ebene) und schließlich muß er Vorbilder für seine Ausübung festlegen (die materielle Ebene). Ich nenne diese drei Phasen die anknüpfende, die gemeinschaftliche und die persönliche, ersteres in Bezug auf Gott.

Es ist nicht schwer, diese Phasen im Falle des Christentums nachzuvollziehen, die Evangelien künden von der ersten, Paulus' Briefe schon von der zweiten und die dritte begann so richtig mit den christlichen Königen der Germanen.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Zykeln gibt es im ideellen Zykel keine geheiligten Formen, da er selbst bereits das Heiligste ist. Dafür gibt es aber im geistigen Horizont der Bezeugung (oder auch der Transzendenz) ein Gefühl der Aufgerufenheit, welches sich mit den Phasen wandelt. In der anknüpfenden Phase ist es der Hang zur Vereinzelung und schließlich der Drang, die Welt abzuschütteln und sich nur auf Gott zu konzentrieren, in der gemeinschaftlichen Phase das Gegenteil, die Mitmenschen anstelle Gottes als Ziel der Transzendenz, die geradezu panische Furcht, es zu versäumen, Kontakte zu schließen und in der persönlichen Phase die eigene Blöße vor Gottes Antlitz und der Drang, ihm einst gewachsen zu sein.

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