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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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28. Mai 2017

Eine Erinnerung an ein besseres Leben

Sind die Taue gelöst,
stellt zur Schau sich die Welt.
Die Bäume auf der Wiese
wiegen im Wind wie das Schilf,
und indem die Wölbung der Welt endet,
hält ein größerer Geist Einzug.
Im Verständnis des Seinen
findet der Mensch erst sich selbst,
doch im Frieden halten
kann ihn nur das Gesetz,
welches ihn macht
zu einem Glied des Leibes von allem.

Gerne lasse ich mich
durch die größere Harmonie beschränken,
wenn sie mich dafür zu mir selbst erhebt.

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27. Mai 2017

Vom Sterben Europas Progressiver

Für einen Augenblick fiel ein Schlaglicht auf die Psyche eines jungen, noch ungeformten Schweden, mit welchem ich per Internet in losem Kontakt stehe, und ich verstand, an welcher Stelle der Boden aufweicht.

Ich sprach im letzten Beitrag davon, daß wir in einer Seinsheimat groß werden, welche die Welt auf unser Sein zugeschneidert versteht, so daß es also in dieser Vorstellung eine Heimat findet, und daß wir in unserer räumlichen Heimat einen Lebensweg finden müssen, an welchen wir glauben.

Diese beiden Aspekte sind für die hiesige Betrachtung relevant, die übrigen können wir übergehen. Der Lebensweg, an welchen Europas Progressive charakteristischerweise glauben, ist die Erlangung und Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit durch sukzessive Verbesserung der persönlichen Fähigkeiten und gesellschaftlichen Einrichtungen, denn darin besteht der Fortschritt, welchem sie anhangen, ja.

Ich möchte dies aber nicht als bloße Tautologie stehen lassen, sondern einige seiner alltäglichen Ausprägungen festhalten. Am wichtigsten scheint mir unser westeuropäischer Begriff der Armut. Nachdem ich die Sache etwas bedacht habe, bin ich zu dem Schluß gelangt, daß wir Reichtum, welcher dem Wesen nach in Erleichterung besteht, als Sicherheit verstehen und Armut entsprechend als Unsicherheit. Was führt uns zu dieser Gleichsetzung? Wiederum nach etwas Bedenkzeit lautete die Antwort, daß wir den Wettbewerb als dasjenige ansehen, welches unsere Sicherheit bestimmt.

Nicht jeder aber, welcher diese Einschätzung teilt, ist darum schon ein Progressiver. Ein Progressiver sieht diese Abhängigkeit nicht als Problem, sondern als den Weg zum Reich Gottes, denn, so denkt er, die Pflicht, Schritt zu halten, ist ein geringer Preis für die absolute Verbesserung unserer Lebensverhältnisse.

Ich habe mich zeitlebens darüber gewundert, daß die Finnen so grotesk schlechte Verlierer sind, meine Frau eingeschlossen. Ich habe sie einmal beim Kegeln geschlagen, und sie heulte und schrie und machte mir Vorwürfe, daß ich sie auslache. Der Grund ist mir nun klar. Während die indogermanischen Völker überwiegend progressiv sind, sind es die Finnen nicht. Und deshalb sieht es ein Indogermane als Nächstenliebe an, die Wettbewerbsfähigkeit seines Nächsten zu steigern, für welchen er sich also auch aufrichtig freut, wenn ihm einmal eine großartige sportliche Leistung gelungen ist, wohingegen der Finne nur die überlebensnotwendige Pflicht zu siegen sieht, welcher er nicht nachzukommen vermochte.

Und dieser Unterschied im Charakter zeigt sich auch im größeren Politischen. Alle Finnen sind Nationalsozialisten im buchstäblichen Sinne, in welchem sich Hitler ja auch öffentlich in Finnland vorgestellt hat - privat Mannerheim gegenüber freilich anders - das heißt, alle Finnen betrachten es als ihre Pflicht, dazu beizutragen, daß die Bedürfnisse der Mitglieder der finnischen Nation gedeckt werden. Und diesbezüglich unterscheiden sie sich durchaus von den übrigen Linken Europas, welche nämlich ganz im Sinne von Fair Play daran glauben, die Segnungen ihrer Regelungen der ganzen Welt angedeihen zu lassen, damit der Rest der Welt keinen unfairen Wettbewerbsnachteil hätte.

Soweit die Bestandsaufnahme. Meinem Denken liegt selbstverständlich zentral die Kritik am Progressivismus zu Grunde, daß, um es nicht umständlicher zu sagen als es ist, uns die Progressivität dazu antreibt, Maschinen zu entwickeln, welche uns in jeder Hinsicht überlegen sein werden, und unsere Existenz damit überflüssig und ausgesprochen unsicher machen.

Aber auch ohne diese Überlegung könnte ich doch nicht im eigentlichen Sinne an die Wettbewerbsfähigkeit glauben. Glauben tue ich allein an Gottes Weisheit, aus welcher alles weitere in seinen jeweiligen Bereich entspringt, und insbesondere auch die Wettbewerbsfähigkeit; in einen Bereich freilich, an dessen Grenzen wir gerade stoßen.

Und ich stehe mit dieser Unfähigkeit, im eigentlichen Sinne an die Wettbewerbsfähigkeit zu glauben, nicht alleine da.

Ohne auf meine eigenen diesbezüglichen Überlegungen bezugzunehmen, ist es doch jedem Laien offensichtlich, daß die Begeisterungsfähigkeit für diesen Glauben nur bei Indogermanen und mongolischen Völkern, sowie aus diesen gemischten, sprich Türken und Ungarn, anzutreffen ist.

Und an der Stelle weicht der Boden nun auf, müssen die Progressiven Europas ihre Seinsheimat, in welcher selbstverständlich jeder Mensch ihren Glauben teilt, um die Einsicht ergänzen, daß Fair Play nicht der Heilige Gral der ganzen Menschheit ist.

Ich selbst ziehe eine ungetrübte Beziehung zu Gott vor. Und natürlich etliche andere Indogermanen auch. Aber der Enthusiast, der in der Mehrheit ist, verdrängt naturgemäß andere Meinungen.

Bis er sich, wie jetzt, selbst in den Fuß schießt. Und der Grund dafür, daß die sozialdemokratischen Parteien Europas sterben, ist, daß sie das Werkzeug der Selbstverstümmelung darstellen und niemand große Liebe für solch ein Werkzeug hegt, sobald er es als solches erkannt hat. Der Mühlstein, welcher sie dabei konkret in die Tiefe hinabgezogen hat, war ihre Zustimmung zur Politik Barack Obamas. Nur jene nationalen sozialdemokratischen Parteien, welche auf Distanz zu ihm blieben, und etwa den Syrieneinsatz ablehnten, haben die Chance zu überleben - und ihrer sind zu wenige, um das Ende des Sozialismusses als internationale Kraft zu verhindern (und damit freilich zugleich das Ende der liberalen als bestimmender Gesellschaftsordnung).

So, und um nun noch meine eigenen Überlegungen zu den bestehenden Charakterunterschieden zwischen den Menschen miteinzubringen: Der Glaube an die Wettbewerbsfähigkeit ist natürlich für Achtende und Versuchende, da sie sich ihrem Charakter gemäß von Anderen messen lassen (was bei den Finnen freilich gemäß anderer Kriterien geschieht). Suchende wie ich ziehen ihren Seelenfrieden vor und Ringende die Macht, gleichwie unfair sie auch errungen worden sein mag. Danach geformt werden sich die Verhältnisse noch in jedem Falle zeigen.

Wenn der Boden unter den Füßen der Progressiven schließlich nachgibt, werden sie schwerlich wissen, was zu tun ist. Es ist wichtig, intellektuelle Probleme im Rahmen konstruktiven Dialogs zu lösen, aber es ist ja nunmal leider so, daß sich die Politik dazu entschlossen hat, Übermut und aufkeimende Furcht der sich in der Fremde Wiederfindenden auf die Verhinderung desselben zu richten. Entsprechend grob wird der kommende Einschnitt sein.

Aber da wir hier letztlich von den einfachsten Dingen des Lebens reden, wird sich schon alles wieder richten, wenn die Unvernunft der herrschenden Ordnung schließlich offenbar geworden sein wird.

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26. Mai 2017

Heimat: Anfang und Ende

Beginnen wir damit, die Verhältnisse, in welchen ein Mensch lebt, den Seelenteilen nach zu unterscheiden.

Zunächst einmal sind da die Vorstellungen, auf welche er Bezug nimmt, also seine Gedankenwelt. Dann ist da die Weise, auf welche er seine Umwelt berücksichtigt, also sein Umgang. Und schließlich ist da die Umgebung selbst, welche ihn beherbergt, also sein Raum.

Gedankenwelt, Umgang und Raum sind also die Komponenten der Heimat.

Jeder Mensch wird in eine Heimat hineingeboren, da menschliches Leben nur aus einer bestimmten Gedankenwelt, einem bestimmten Umgang und einem bestimmten Raum heraus entstehen kann, und die Kindheit besteht im wesentlichen darin, sich diese vorgefundene Heimat anzueignen, das heißt Begriffe zu finden, welche die Verständigung mit den Älteren ermöglichen, einen Umgang zu finden, welcher einem ein gedeihliches Zusammenleben erlaubt und die Möglichkeiten des eigenen Raums abzuschätzen.

Die so gebildete Heimat möge die naive Heimat heißen.

Die Gedankenwelt der naiven Heimat habe ich seit langem als Seinsheimat bezeichnet, da wir unsere Existenz intellektuell in ihr beheimaten.

Der Umgang der naiven Heimat ist das blinde Verständnis.

Und der Raum der naiven Heimat ist die Heimat im engeren Sinne.

Auf diese Weise steht die Heimat am Anfang der menschlichen Erfahrung, und während wir auf unserem Lebensweg voranschreiten, ist es uns auferlegt, von unserer naiven Heimat zu einer angenommenen Heimat zu gelangen.

Die Seinsheimat muß dabei um die Einsicht ergänzt werden.

Das blinde Verständnis muß um den vertrauten Umgang ergänzt werden.

Und die Heimat im engeren Sinne muß dabei um den Glauben an den eigenen Lebensweg ergänzt werden.

Und dergestalt steht die Heimat dann am Ende der menschlichen Erfahrung.

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22. Mai 2017

Paragraph zur Meinungsverderbung

Der Meinungsverderbung schuldig ist, wer der Allgemeinheit Zwangsvorstellungen aufzudrücken beabsichtigt und zu diesem Zweck eine der folgenden Strategien verfolgt.

§MVD a. Irreleitung.

Die propagandistische Unterdrückung oder Ablenkung bestimmter Sorgen mit dem Ziel, die Analyse gewisser Umstände zu verhindern.

§MVD b. Reinreiten.

Das systematische Anhäufen von Mißständen durch Maßnahmen zur Verhinderung ihrer Behebung, und insbesondere durch die Bindung durch andere Aufgaben. Die vorsätzliche Einschränkung des Verantwortungsbereichs der Allgemeinheit.

§MVD c. Aufhetzung.

Die propagandistische Wiederholung von Wesensgegensätzen zwischen Menschengruppen mit dem Ziel der Bestimmung des Selbstbilds wenigstens einer dieser, wie es sich am Umgang mit möglichen Abweichlern ablesen läßt, also an deren Ausschluß oder Verfemung.

§MVD d. Verblendung.

Die materielle Anreizgestaltung zur logisch unbegründeten Annahme von Meinungen, deren Annahme als Höherstellungsmerkmal anerkannt wird.

Kommentar.

Wer gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verhindern möchte, bestrafe dies und nicht sie - und seit 2012 könnte das auch schon der Fall sein, denn damals verdeutlichte ich den Sachverhalt bereits.

Doch unsere Gesellschaft entfernt sich nur immer weiter davon, dies zu bestrafen, und wird vielmehr in zunehmendem Maß durch es geformt.

Verdorben gemäß
§MVD a: Kritik an der Presse, Kritik an der Religion, Kritik am Parlamentarismus.

§MVD b: politische Verantwortung, finanzielle Verantwortung, militärische Verantwortung.

§MVD c: Selbstbild der Anständigen.

§MVD d: Gedankenwelt sämtlicher Akademiker, aller etlichen Religionen Zugehöriger, vieler politischer Aktivisten.
Die Universitäten bleiben dabei allerdings genau so lange straffrei, wie sie nicht die Allgemeinheit zu verderben suchen. Das ist folglich von Fakultät zu Fakultät gesondert zu entscheiden.

Wer immer diesen Paragraphen einführte, wäre gesegnet. Und umgekehrt gilt es auch.

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Noch einmal zu μονογενὴς

Ich bleibe dabei, daß μονογενὴς ganz wörtlich durch eine Art zu verstehen ist, und daß sich jeder Gebrauch des Wortes aus dieser Grundbedeutung heraus ableitet.

Beispielsweise die Stelle bei Hesiodos über Hekate. Hekate ist Asterias Tochter, und Asteria ist eine Titanide. Doch dessen ungeachtet wird Hekate von Zeus nicht herabgesetzt, das heißt, obwohl sie einer Art mit ihrer Mutter ist, und nicht, obwohl sie das einzige Kind ihrer Mutter ist.

Letztere Lesart ist bescheuert, und mit Verlaub, es gibt keinen Grund anzunehmen, daß Hesiodos bescheuert war.

Die zweite Stelle bei Hesiodos und die Stelle in Platons Nomoi erklären geradezu, warum μονογενὴς auch in der Bedeutung des einzigen Geborenen verwendet wird, nämlich weil nur, wenn sich die Linie nicht verzweigt, die Art eine bleibt (und der Besitz auch).

Dieses Argument gilt selbstverständlich nicht für Gottes Kinder, da der Geist nichts an seiner Potenz einbüßt, und auch seine Art nicht ändert, wenn er geteilt wird.

In dem Sinne ist Johannes 1:14 zu verstehen, die eine Art vom Vater, voller Gnade und Wahrheit, dies ist die eine Art zu aller Zeit, und sie ändert ihr Wesen nicht dadurch, daß sie geteilt wird - im Gegensatz freilich zum Blut, das, wenn es geteilt wird, unterschiedliche Familienzweige erzeugt.

Und was den Himmel in Platons Timaios angeht, Proklos' Argument fußt just auf dem, was ich gerade geschrieben habe, nämlich daß der Geist von einer Art ist, und wenn der Himmel sein Spiegel sein soll, dann muß er es auch sein.

Und dasselbe meint Parmenides an seiner offensichtlich unverstandenen Stelle.

Was bedeutet einartig also?, um diesen Begriff hier doch noch einzuführen, weil sonst doch niemand begreift, wo er fehlgeht.

Es bedeutet unwandelbar und homogen, um einen offensichtlich verwandten Begriff zu bemühen, ununterteilt, seine Gänze in jedem Teil besitzend und nichts von ihr abgebend und nichts zu ihr hinzufügend, und deshalb folgert Parmenides aus μονογενὴς die Unzerstörbarkeit.

Und ebenso Hesiodos in Bezug auf den ungeteilten Besitz: eine einartige Dynastie, eine einartige Vererbung, ein unzerstörbares Gut.

Ich plädiere freilich nicht dafür, in Luthers Übersetzung eingeboren durch einartig zu ersetzen. Die Stunde ist zu spät, um die deutsche Sprache auf diese Weise zu erweitern, ja, sie war es, wie der hier vorliegende Fall bereits beweist, schon zu Luthers Zeiten. Ich bin mit meiner Übersetzung von Johannes 1:14 völlig zufrieden, mit meinem Vorschlag für Johannes 3:16 allerdings nicht ganz, wahrscheinlich ist es besser, dort vom
den Sein Geschlecht begründenden Sohn
zu sprechen. Bleibt Johannes 1:18, was im Ton unverhohlener Bewunderung zu lesen ist und mir freilich etwas zu pathetisch, doch Worte und Sinn stimmen:
Niemand hat Gott je gesehen: Der Gott der einen Art, der in des Vaters Schoß ist, er hat ihn verdeutlicht.
Leuten, welche nicht über Buchstaben hinaus denken können, sollte man stattdessen vielleicht lieber vom einartig beseelten Göttlichen erzählen, aber die Evangelien provozieren an vielen Stellen. Dennoch, es besteht ein Unterschied zwischen Provokation und Verdrehung.

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Von der einen Wahrheit

Es gibt eine Wahrheit, welche hinter allem steht,
die Wahrheit, daß eine Orange das künftige Mahl dessen ist,
der einen Heißhunger auf Orangen verspürt:
er, sein Heißhunger, die Orange -
Objekte, welche vor aller Zeit auf ihre Weise verbunden sind,
alles, jede Bestrebung, ist exakt umrissen
und drückt sich exakt gemäß seinem Wesen und seinem Ziele aus.

Die Menschen tragen ihren Zugvorrat in sich,
und die Konstellation entscheidet, wie er ausgerollt wird.
Oft denken wir, wir bestimmten das Wesen unseres Zusammenseins,
doch tatsächlich ergreift nur einer unserer Wesenszüge die Führung,
und alles, was uns unterscheidet, ist die Weise,
wie diese Züge einander in den Arm fallen,
in welchen Lagen sie uns sehen.

Sich so zu betrachten ist das Gegenteil der Phantasie,
wir erfühlen nicht die Eventualität,
sondern die Gesetze, welche uns in allen bestimmen.
Es liegt ein Trost in großer Trostlosigkeit hierin:
Die Zeit wird unwichtig, das Geflecht der Bestimmung zählt,
Besitz wird zu einem bloßen Verzweigungspunkt,
und unsere Wünsche verwandeln sich in die Strecken ihrer Verfolgung.

Das ist die Wahrheit, welche hinter allem steht.
Sie inspiriert nicht, sondern klärt die Verhältnisse zum schärfern Urteil.
Sie kommt spät, nach der Zeit, die sie braucht, um Gestalt anzunehmen.

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Ein Raster für's Leben

Mein kleines Kartenspiel, welches der heiteren Absicht entsprang, den Menschen zu zeigen, wie abhängig alles im Leben ist, hat in mir etwas anderes bewirkt, nämlich Verwirrung und Verängstigung: Auf einmal zogen an mir all die Dinge vorbei, welche mein Leben nicht ist, aber an und für sich ja auch sein könnte.

Betrachten wir die drei so genannten beseelenden Dichotomien nun also genauer.

Heilige Einrichtung versus Heilige Gunst.
  • Dies ist eine Eigenschaft der Verhältnisse, nämlich wie stabil sie sind.
Verwaistheit versus Verwurzelung.
  • Dies ist eine Eigenschaft der Stellung, nämlich wieviel Verantwortung einer trägt.
Rechtsvorrang versus Rechtsnachrang.
  • Dies ist eine Eigenschaft des Willens, nämlich auf welche Weise er über die eigenen Bedürfnisse hinausreicht.
Rechtsvorrang und Verwaistheit sind religiös aufgeladen. Vom Rechtsvorrang handelt der Ausspruch, daß Geben seliger denn Nehmen sei, daß wir dafür leben, das Geliebte in die Welt zu bringen, wiewohl dazu selbstverständlich auch die konkrete Aufrichtung einzelner Menschen im Verhältnis der Nächstenliebe zur Gottesliebe gehört, und von der Verwaistheit handelt die Gesegnetheit der Armen und die Gebundenheit der Reichen, daß nur der Arme frei ist, dem zu folgen, was er als heilig erkannt hat.

In jedem Leben gibt es Freiheit und Gebundenheit, Verwaistheit und Verwurzelung, in meinem Leben all die Freiheit und Gebundenheit, welche ich mir wünsche: die Verwaistheit überwiegt und mein Herz ist zu Frieden.

Die Äußerungen der Verwurzelung sind mir fremd und wirken leicht feindlich auf mich, erwecken mein Mißtrauen, und insofern zu Recht, als einem nichts gelingen kann, wenn man in seiner Stellung nicht zu Frieden ist.

Kulturgeschichtlich möchte ich noch auf den Gegensatz zwischen Hinduismus und Sozialismus in puncto Verwurzelung hinweisen: Während die Verwurzelsten in ersterem nichts mehr als aus ihren Bindungen heraus wollten, beruht letzterer wesentlich auf dem Neid auf die Möglichkeiten, welche aus der Verwurzelung heraus erwachsen.

Doch bei all dem bleibt die Verantwortungsdimension sehr übersichtlich. Bei der Stabilität liegen die Dinge komplizierter, denn es ist ja durchaus möglich, daß die Verhältnisse in einem Bereich stabil sind und in einem anderen nicht.

Der öffentliche Bereich, auf welchen sich meine gottesliebenden Bemühungen beziehen, ist stabil, jedenfalls bisher noch, mein privater Bereich, in welchem sich meine nächstenliebenden Bemühungen entfalten, nicht. Und so kenne ich wohl die Überzeugung und den Nutzen als gemeinschaftsbildende Prinzipien, nicht aber die Zufriedenstellung, denn Frieden gibt es in meiner kleinen Welt nicht, lediglich Feuerpausen.

An sich wäre Frieden möglich, das Problem ist bloß, daß der Fatalismus, mit welchem ich der Zukunft begegne, gleichzeitig warm, unverzagt und schonungslos, so nicht bei meiner Frau zu finden ist - genauer gesagt ist sie weich statt warm, was zu mehr Dissonanz führt, als man meinen sollte.

Es ist eine Art Buße, in einer Welt, in welcher freilich sehr viel zu büßen ist, eine Art Teilnahme an den allgemeinen Einbußen des Lebens, dem Gedanken folgend, daß Leid zu teilen ist - und das ist es wohl, wenn die eigene Erfahrung relevant sein soll: Ich fühle mich im Ungewissen, und ich bin ja auch im Ungewissen, jeweils, was das Leibliche betrifft. Es hält die Erinnerung an die Notwendigkeit der Veränderung wach.

Und gleichzeitig erlaubt mir die öffentliche Stabilität das Unterfangen meiner Überzeugung.

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Prediger: Ein Kartenspiel für 2-4 Personen

Spielzubehör.

3 Beseelungsmünzen.

Vorderseite: Heilige Einrichtung (Einrichtung),
Rückseite: Heilige Gunst (Gunst).

Vorderseite: Verwaistheit des Menschen (Verwaistheit),
Rückseite: Verwurzelung des Menschen (Verwurzelung).

Vorderseite: Im Dienst des Rechts (Rechtsvorrang),
Rückseite: Dienendes Recht (Rechtsnachrang).

12 Karten zur Regelung der Ehe.

Kuppelei (Einrichtung & Verwaistheit),
Heiratsdiplomatie (Einrichtung & Verwurzelung),
Freie Liebe (Gunst & Verwaistheit),
Konkubinat (Gunst & Verwurzelung),

Eugenik (Einrichtung & Rechtsvorrang),
Monogamie (Einrichtung & Rechtsnachrang),
Inselbevölkerung (Gunst & Rechtsvorrang),
Polygamie (Gunst & Rechtsnachrang),

Schulpflicht (Verwaistheit & Rechtsvorrang),
Pädophilie (Verwaistheit & Rechtsnachrang),
Recht der ersten Nacht (Verwurzelung & Rechtsvorrang),
Polyandrie (Verwurzelung & Rechtsnachrang).

12 Karten zur Regelung der Gemeinschaftsbildung.

Vorstellung (Einrichtung & Verwaistheit),
Verhandlung (Einrichtung & Verwurzelung),
Versuch (Gunst & Verwaistheit),
Angebot (Gunst & Verwurzelung),

Überzeugung (Einrichtung & Rechtsvorrang),
Zufriedenstellung (Einrichtung & Rechtsnachrang),
Überredung (Gunst & Rechtsvorrang),
Nutzen (Gunst & Rechtsnachrang),

Zuteilung (Verwaistheit & Rechtsvorrang),
Einladung (Verwaistheit & Rechtsnachrang),
Einforderung (Verwurzelung & Rechtsvorrang),
Bedarf (Verwurzelung & Rechtsnachrang).

12 Karten zur Regelung der Entschädigung.

Antidiskriminierungsgesetze (Einrichtung & Verwaistheit),
Bußdienste (Einrichtung & Verwurzelung),
Lynchjustiz (Gunst & Verwaistheit),
Versklavung (Gunst & Verwurzelung),

Sicherheitsverwahrung (Einrichtung & Rechtsvorrang),
Alimente (Einrichtung & Rechtsnachrang),
Begnadigung (Gunst & Rechtsvorrang),
Verstümmelung (Gunst & Rechtsnachrang),

Sippenhaft (Verwaistheit & Rechtsvorrang),
Duell (Verwaistheit & Rechtsnachrang),
Blutfehde (Verwurzelung & Rechtsvorrang),
Blutgeld (Verwurzelung & Rechtsnachrang).

12 Karten zur Regelung der Lastenschulterung.

Massenspende (Einrichtung & Verwaistheit),
Ehrenpflicht (Einrichtung & Verwurzelung),
Tombola (Gunst & Verwaistheit),
Kredit (Gunst & Verwurzelung),

Heilige Pflicht (Einrichtung & Rechtsvorrang),
Stiftung (Einrichtung & Rechtsnachrang),
Enteignung (Gunst & Rechtsvorrang),
Almosen (Gunst & Rechtsnachrang),

Steuern (Verwaistheit & Rechtsvorrang),
Schenkung (Verwaistheit & Rechtsnachrang),
Blutspflicht (Verwurzelung & Rechtsvorrang),
Vererbung (Verwurzelung & Rechtsnachrang).

Spielablauf.

Die Regelungskarten aller Regelungsgebiete werden zusammengesteckt und gemischt. Jeder Spieler bekommt 12 verdeckte Karten.

Strategische Variante.

Im Verlaufe des Spiels werden vor jedem Spieler 4 Kombinationen gebildet, und zwar jeweils eine Kombination für jedes Regelungsgebiet.

Der Spieler, welcher an der Reihe ist, beginnt entweder eine neue Kombination oder setzt eine bestehende fort. Er bildet eine neue Kombination, indem er eine Karte vor einem beliebigen Spieler auf eine passende freie Stelle legt, also die Stelle für ihr jeweiliges Regelungsgebiet, und er setzt eine bestehende Kombination fort, indem er eine sich mit den bereits abgelegten Karten vertragende Karte zu ihnen legt.

Es vertragen sich immer nur maximal 3 Karten mit einander, nämlich die Regelungskarten eines Regelungsgebiets, welche jeweils zwei von drei vorgegebenen Beseelungsalternativen aufweisen. Mit 3 Karten ist eine Kombination also vollständig und kann nicht mehr erweitert werden.

Gelingt es einem Spieler wenigstens 2 Karten in eine Kombination einzubringen, so erhält er am Ende des Spiels einen Punkt für diese Kombination.

Wer nach einer bestimmten Anzahl von Spielen die meisten Punkte hat, ist der Sieger.

Zusätzliches Glücksspielelement.

Zu Beginn des Spiels werden die Beseelungsmünzen geworfen und bleiben mit der Seite nach unten liegen, auf welcher sie landen.

Der Spieler, welcher an der Reihe ist, darf immer nur eine solche Karte ablegen, welche sich mit den von den Beseelungsmünzen angezeigten Beseelungen verträgt, also immer nur eine von insgesamt 12 = 4*3 Karten.

Am Ende eines Zugs werden die Beseelungsmünzen gewendet.

Variante 1. (nicht bei 2 Spielern zu verwenden) Der Spieler, welcher gerade an der Reihe ist, dreht eine Münze seiner Wahl um.

Variante 2. Der Spieler, welcher gerade an der Reihe ist, bestimmt, welche Münze nicht umgedreht werden kann, und der folgende Spieler dreht eine der beiden verbleibenden Münzen um.

Variante 3. Die Beseelungsmünzen werden jedesmal neu geworfen.

Vorzeitiger Spielabbruch.

Sobald auf allen Stellen wenigstens zwei Karten liegen, sollte das Spiel vorzeitig abgebrochen werden und die etwaig verbleibenden sich vertragenden Karten zu den entsprechenden Kombinationen hinzugelegt werden.

Alternative Spielweise.

Anstatt bei 2 oder 3 Spielern nur jeweils 12 Karten zuzuteilen, können auch alle Karten verteilt werden. Dann ist aber die Anzahl der Stellen entsprechend anzupassen, also wie bei 4 Spielern mit 16 Stellen zu spielen.

Karten und Münzen zum Ausdrucken.

Die Karten haben die Standardgröße 5,9cm x 9,1cm und die Münzen die Größe von 2-Euro-Münzen, also einen Durchmesser von 2,5cm.

Cards 01-10.pdf, Cards 11-20.pdf, Cards 21-30.pdf, Cards 31-40.pdf, Cards 41-48.pdf

(Münzen in der letzten Druckvorlage.)

Recht zum Ausdruck zum privaten Gebrauch gewährt, alle anderen Rechte vorbehalten.

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Vom Wägenden

Wenn ein Mensch seine Erfahrungen wägt und sein Leben darauf abstellt, seiner Empfindung zu genügen, so verbleibt er doch im kleinen Zirkel seiner Befindlichkeiten, und sein Leben ist nur der Versuch der Beantwortung der Frage, was ihm entspricht.

Aber entspricht uns dies? Liegen die Maßstäbe zur Ordnung des Ganzen in uns? Und wenn nicht, wie verfahren wir dann von unsrer kleinen Insel aus mit dem Meer, dessen Wogen unsren Bestand allzeit gefährden?

Wir brauchen die Beziehung zum Meer, etwas, das uns mit ihm verbindet. Und dahin drängt uns all unsre Erwartung, daß alles erwogen ist und gleich unsrem Einzelleben auf etwas abgestellt, und daß wir in ihm Gedanken sind, welche an ihren Platz gehören, und daß wir es spüren können, wenn uns die Absicht ruft, und daß wir, wenn wir uns recht besinnen, einen vagen Begriff davon fassen, auf was der größere Wägende das All abstellt, und, schließlich, daß wir, wenn wir diesen Begriff verletzt vorfinden, ihn anrufen können, uns in unsrer Lage zu wägen und sie auf seinen Ratschluß abzustellen.

Der ungläubige Mensch soll in einem Konzert spielen und entweder seine Einfälle zur Harmonie erheben oder in der allgemeinen Kakophonie an seinem Thema festhalten. Es ist eine Frage der Invalidität.

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Befreiung, nicht Zerstörung des Volks

Wie zeigt sich uns die Weite, in welcher wir uns befinden?

Zunächst in ihrer Verfügbarkeit, dann in ihrer Bemächtigung durch die Elemente, dann in ihrer Ergänzung durch pflanzlichen Bewuchs, dann in ihrer Teilung mit den Tieren, dann in ihrer Bestürmung durch die Tiere und zu guter Letzt in menschlicher Entgegnung.

Den Stoff des Lebens bildet alles, doch an ihrem Ende bestimmt der Andere des Einen Geschick, und bevor er sich daranmachen dürfte, ihn nach seinen Vorstellungen zu formen, ist ihm bestimmt anzusehen, wie er ihm entgegnet.

Was ist das höchste Volk?

Sind es die mongolischen Völker, welche dem Nächsten dabei helfen, sich einzureihen und im Schutze des Ganzen über die Runden zu kommen?

Sind es die Deutschen, welche den Nächsten mit auf's Betriebsfest nehmen?

Sind es die Amerikaner, welche den Nächsten lehren, zwischen Katzbuckeln und Grandezza zu rotieren?

Sind es die Russen, welche dem Nächsten beibringen, wie er seine Fäuste richtig gebraucht?

Wir sehen schon: Völker lehren sich selbst zu folgen, auf der Bahn, auf welche sie ausgegossen wurden.

Das ist das Leben aller: Dienst an einem Relikt aus vergang'ner Zeit.

So werden uns alle Menschen entgegnen, wenn sie mehr als Räuber sind.

Und dagegen oder darin bringen wir unser Leben dahin. Wir alle.

Woran scheitert die kommunale Selbstbestimmung? Was hindert die Menschen daran, der Welt ihr Antlitz zu zeigen?

Die aufgeführten Beispiele legen eine Antwort darauf nahe, nämlich die Vorzüge, im Windschatten eines starken Motors zu fahren, welcher sich mit der Zeit gerade deswegen verselbständigt.

Dahin sollte man es aber nie kommen lassen. Gleich, welches Wirtschaftsmodell auch seine Vorzüge feilbieten mag, das Volk ist ihm nie hinterherzuwerfen, sondern nur, was es über seine Volksbildung hinaus erübrigen kann, mag jenes sich einverleiben.

Volksbildung aber ist der Wille, der Weite auf allgemeine Weise zu genügen, und die eigene Entgegnung ihr edelster Baustein.

In allem muß ein Gleichgewicht zwischen der Aufladung und der Aufwendung des Lebens bestehen, zwischen der Aufnahme der Weite und ihrer Gestaltung, und nicht nur der Quantität nach, wie bei ausgedehntem Urlaub und ausgedehnter Arbeit, sondern auch der Qualität nach, daß die Bedeutung der Arbeit ermessen wird.

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8. Mai 2017

Von der Bitterkeit

Der Mensch wünscht sich für gewöhnlich, daß sein Wirken aufgegriffen und fortgeführt wird.

Mein Menschenbild als Kind und Jugendlicher war indes so negativ, daß ich von vornherein Wege gesucht habe, welche persönlichen Entscheidungen dazu nicht bedürfen.

Der Standardansatz, die mangelnde Eignung seiner Mitmenschen zu großen Aufgaben zu umgehen, liegt in der Innovation, welche von ihnen unter falschen Vorstellungen an ihrem Busen genährt wird, um später ihr Leben in eine unvorhergesehene Richtung zu lenken.

Und macht es die Natur nicht genauso?

Indes, auch wenn ich nach meiner Bundeswehrzeit kurz die Möglichkeit erwog, Materialwissenschaften zu studieren, und auch ein dazu nötiges Praktikum abschloß - was übrigens dazu geführt hätte, daß ich Mohammed Attas Kommilitone gewesen wäre - war ich damals bereits so verbittert, daß ich mich nicht dazu durchringen konnte, an der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft mitzuwirken, und zog es vor, Informatik zu studieren, weil ich absah, daß die Weiterentwicklung des Computereinsatzes die bestehenden Verhältnisse zerrütten würde.

Freilich, dazu bedurfte es nicht meiner Mitwirkung. Und doch, ich kannte damals schlicht kein anderes Fahrwasser, in welchem ich mich hätte aufhalten wollen.

Immerhin bestand hier die Möglichkeit, verwandte Geister kennenzulernen, und bis zu einem gewissen, unterschwelligen Grade war das auch manches Mal so.

Indes, ich möchte hier nicht ins Nacherzählen verfallen. Mein Anteil am Lauf der Welt erschien mir zunehmend läppisch, und ich suchte nach einer Möglichkeit, wenigstens für meinen Teil meinen Maßstäben gerecht zu werden.

Nur, was sind meine Maßstäbe? Meine Maßstäbe, nach denen mir die Menschen so unerträglich schienen?

Im Zentrum steht, denke ich, eine gelöste Spielerischkeit, mit welcher den Anforderungen des Lebens begegnet wird, welche sich im Wettkampf auch zu entschlossener Konzentriertheit verdichten mag, aber grundsätzlich gutmütig ist und niemals die höheren Anforderungen, wie wir als Menschen vor Gott und vor einander stehen, vergißt. Zu ihr gehört Freiheit als Voraussetzung und geistiger Reichtum als ihre Substanz.

Bedeutet Gnade nicht, daß etwas passendes freiwillig gegeben wird?

Wie können wir also gnädig sein, wenn uns Freiheit und geistiger Reichtum abgehen?

Nun gut, aus dem Blickwinkel heraus betrachtete ich also die Menschen und tue es noch, da nichts anderes mein Herz zu bewegen vermag.

Wie bitter es alles ist! Lang' bin ich in die Phantasie geflüchtet, in eine huldvollere Welt, und nun, da sich zunehmend der Weg zur wahren Aufrichtung enthüllt, ist er mit Leichen gepflastert.

Ich bin nicht geschaffen für diese Erfahrung, sie macht mich alt und müde. Und ich kann mir nicht wünschen, daß mein Wirken aufgegriffen und fortgeführt wird, selbst wenn es mittlerweile dessen wert geworden ist, aus Abscheu ist Unterweisung erwachsen, aus dem unwahrscheinlichsten Bemühen, doch über allem wölbt sich das Gericht der begründeten Ansprüche, und nur unter ihm lebt mein Wirken fort.

Könnte es doch eine Mode sein, doch es ist der Leitfaden aus dem Schlachthof: Vor der Erhöhung kommt die Erniedrigung, nicht aus Ekel, nicht aus Rache, aus dem Ziel der Gottlosigkeit allein.

Ich habe einmal Leichengift getrunken. Der verwöhnte Kater schmiß eine tote Maus in den Brunnen. Die Erfahrung läßt sich nicht beschreiben, aber wer sie macht, weiß, daß er sie schon immer kannte: Entsetzen, Entsetzen über die Lage, in welche er gelangte. Wie läßt sie sich andern wünschen?

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7. Mai 2017

Vorgestellte Vorgänge

Ich sprach im letzten Beitrag davon, daß Ausgangslage, Behandlung und Folge in vorgestellten Vorgängen sortiert seien, und so betrachtet stellt sich natürlich sogleich die Frage, durch welchen Vergleich dies wohl geschehe.

Aber damit möchte ich mich hier gar nicht aufhalten, denn jener Vergleich ist selbstverständlich kein originärer, sondern lediglich der Bequemlichkeit halber unter diese subsumiert worden.

Dennoch, einstweilen störe ich mich an dieser Subsumption nicht, denn ihr Ursprung liegt in einer sehr abstrakten Betrachtung, und aus sehr abstraktem Blickwinkel erscheint manches seltsam zusammengestellt.

Die zielführende Frage ist, von welcher Art vorgestellte Vorgänge substantiell sind. Die Wahrheit ist, daß ich diesbezüglich in meinen letzten, diese Frage betreffenden Beiträgen, einen durchaus falschen Standpunkt eingenommen habe, nämlich daß die Vorgestelltheit als eine Modalität der Wahrnehmung begriffen werde - und das ist falsch.

Der Grund, warum ich zu dieser Vorstellung griff, war, daß mir meine vorigen Darstellungen dieser Frage zu technisch schienen und ich gerne eine einfachere begriffliche Darstellung gehabt hätte.

Nun, was ich nun vorlegen werde, ist einfach genug, wenn auch wieder eher technischer Natur.
Vorgestellte Vorgänge sind nichts weiter als Verkürzungen tatsächlicher Vorgänge.
Angenommen ich stelle mir vor, meine Muskeln anzuspannen, und meinen Arm, als würde ich mich melden, nach oben zu recken.

Was ist diese Vorstellung?

Sie ist eine fortgesetzte Besinnung, das heißt ich entschließe mich aus meiner gegenwärtigen Ausgangslage heraus dazu, mich auf die Anspannung der betroffenen Muskeln zu besinnen, und aus der Gewahrung dieses besonnenen Eindrucks heraus entschließe ich mich dazu, mich auf den Einruck meines ausgestreckten Arms zu besinnen.

Dies ist der tatsächliche Vorgang, und er wird auf das Besonnene, also seine Lagen, verkürzt, zwischen welchen selbstverständlich weiterhin zu transformierende Relationen des Hervorgehens bestehen, welche die Grundlage der, warum nicht?, so genannten Sortierung der Lagen bilden.

Da bei dieser Verkürzung von den Entschlüssen abstrahiert wird, geht die Eindeutigkeit selbstverständlich verloren, und aus absoluten Positionen werden relative, weshalb nun also plötzlich aus abstrakter Sicht Vergleiche vorliegen.

Und damit ist auch das Rätsel der vorgestellten Vorgänge gelöst.

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6. Mai 2017

Die verschiedenen Arten relativer Begriffe

Ich habe im Beitrag Die Themen der Anschauung behauptet, daß sämtliche relativen Begriffe im Rahmen der Sortierung von Eindrücken aufträten, was sich zwar verteidigen läßt, aber nicht verteidigt werden sollte, da Sortierung kein sonderlich guter Oberbegriff für die Prozesse ist, in welchen relative Begriffe auftreten.

Relative Begriffe treten in drei verschiedenen Prozessen auf. Die dialektische Herleitung dieser Dreifalt erfolgt wie folgt.

Jeder relative Begriff stellt eine Verbindung zwischen einem Paar her, und zwar, auf Grund der zeitlichen Natur unseres Geistes, eine Verbindung zwischen einem geordneten Paar.

Wir fragen nun, ob der zweite Eindruck dem ersten in der Art seiner Verbundenheit eindeutig zugeordnet ist oder nicht.

Ist er es nicht, so nennen wir den relativen Begriff einen Vergleich, welcher lediglich relative Positionen, und keine absoluten, definiert, und also der Aufsuchung dient.

Nur Vergleiche finden im Rahmen der Sortierung statt.

Ist der zweite Eindruck hingegen dem ersten in der Art seiner Verbindung eindeutig zugeordnet, so befindet er sich an der entsprechenden absoluten Position.

An dieser Stelle leidet die dialektische Herleitung etwas, denn ich muß es als evident nehmen, daß die einzigen beiden absoluten Positionen, welche unser Geist zwei weiteren Eindrücken in Bezug auf den ersten zuzuweisen in der Lage ist, unmittelbar aus seiner zeitlichen Natur entspringen, also daß der zweite Eindruck die Behandlung und der dritte Eindruck die Folge der Behandlung des ersten Eindrucks ist.

Erlauben wir uns indes diesen Schritt, so können wir weiterhin fragen, welche Arten solcher Folgen es gibt; und es gibt ihrer zwei: den Vorgang und die bedingte Erwartung, abhängig davon, ob wir die Folge erfahren haben oder ob wir ein Gefühl des Vertrauens auf die Sicherheit des Eintretens der vorgestellten Folge haben.

Dieses sind die einzigen beiden Fälle, in welchen die Folge eine absolute Position zum ersten Eindruck und seiner Behandlung einnimmt. Absurde Folgen sind beliebig und also nicht eindeutig zugewiesen. Sie können als verglichen und sortiert gelten, aber diese Sortierung ist wenig wert. Freilich, ich kann nicht ausschließen, daß mir diese Zusammenfassung zu einem späteren Zeitpunkt wieder übel aufstößt.

Aber zurück zu den eindeutig zugewiesenen Eindrücken. Der relative Begriff des Vorgangs ist das Hervorgehen, soweit es die Folge betrifft, und der Entschluß, soweit es die Behandlung betrifft, und erster und dritter Eindruck sind Lagen.

Bei der bedingten Erwartung ist die Behandlung lediglich sortiert, analog dem, was ich zu absurden Folgen gesagt habe, aber die Folge ist eindeutig zugewiesen, und ihr relativer Begriff ist die Sicherheit. Erster und dritter Eindruck sind selbstverständlich auch hier Lagen.

Und damit beschließe ich diesen Beitrag, glücklich über seine Stimmigkeit mit den Beiträgen Von den beurteilenden Gefühlen und Gegenstände und Projektionen des Vertrauens, welche seine und ihre Gelungenheit nahelegt.

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5. Mai 2017

Eindrücke einer Wanderschaft

Bad Segeberg. Im großen Möbelhaus die Schlacht um die besten Plätze im Kinderkino, wo Hanna-Barbera Cartoons laufen. Bei der Fahrt über die Eisenbahnschienen am Ortseingang jedesmal die Jagd nach dem flauen Gefühl im Magen. Die Karl-May-Festspiele erinnern mich an eine Stuntman-Show mit Autos: Ich warte förmlich darauf, wann das nächste Mal wieder Benzin entflammt wird. Die Kalkberghöhle ist richtig toll - nur dumm, daß ich sie erst so spät in meinem Leben besucht habe. Und mit der Gruta de las Maravillas in Aracena kann sie sich natürlich nicht messen. Aber wieviele Höhlen dienten den Templern auch schon als Lustgrotten?

Bilsbek. Von Norden her durch die Wiesen führt ein Weg auf einer Holzbrücke über den Bilsbek und gabelt sich dann, das Ellerhooper Arboretum mit dem Himmelmoor zu verbinden. Wann immer ich bei Heede und Langeln über die Krückau gefahren bin, habe ich hier entschieden, ob ich über Rellingen oder Uetersen nach Haus fahre.

Blankeneser Chaussee. 15 Minuten! Dann sollte ich im Elbeeinkaufszentrum sein! Dann noch mal 15 Minuten, und ich bin zurück. Das werde ich ja wohl durchhalten! Gut, es ist Herbst, und es regnet, und ich habe nur ein T-Shirt an. Aber was gibt es tolleres mit 12 Jahren, als sich die neueste Platte zu holen. Und, Wunder über Wunder!, ich bleibe gesund.

Bremen. Auf meinem Weg zur Arbeit beschäftige ich mich mäßig erfolgreich mit dem Russell'schen Paradox.

Butterbargsmoor. Einst konnte man vom Butterbargsmoorweg im Süden am See vorbei zum Buttermoorweg ziehen. Auf der Birkeninsel, wo es wieder trocken wurde, habe ich gerne gesessen und gelesen.

Celle. Ich mag die Stadt nicht. Sie hat so etwas gezwungenes.

Dänisch-Nienhof. Zwei ficken im (tiefen) Wasser. Ein Bayer erklärt's seiner Tochter: Man muß das versteh'n. Hier oben ist's halt nur zwei Wochen warm. Buchenwald, wilhelminisch. Wie auf Usedom oder hinter Swinemünde - und auch in Altenhof bei Eckernförde.

Darmstadt. Auf Besuch bei einer Verwandten meiner Mutter. Die Luft stinkt. Ich ersticke fast. Wie können die Menschen es hier nur aushalten?

Embach. Auf meinen Spaziergängen oberhalb Tartus am Embach verdichten sich meine Gedanken, und ich löse das Russell'sche Paradox. Mir ist zum ersten Mal klar, daß eine Menge einen zeitlichen Vorgriff auf noch nicht gefällte Urteile darstellt, und also nur unter der Einschränkung der Beurteilbarkeit existiert. Und diese Einsicht wirft ein Schlaglicht auf die Substantialität unserer Gedanken. Und insbesondere zerstört sie meine unnützen Vorstellungen davon, was ein Begriff sein könnte, und holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück, das heißt zum Studium der Relationen zwischen endlich vielen Elementen.

Fama-Kino. Zum ersten Mal auf eigene Faust ins Kino. Top Gun, 5 Mark, fairer Preis. Und Glück gehabt, eine Woche später ist die Altersfreigabe auf 13 'raufgesetzt!

Haidehof. Vom Seemoorsweg kommend und mit der Absicht, zum Schnaakenmoor zu gelangen, fasse ich hier zum ersten Mal die Aufgabe ins Auge, die menschliche Sprache in eine für Computer verständliche Form zu bringen. Indes, nachdem ich mir die Sache etwas überlege, scheint es mir bei weitem einfacher, weiterhin Programmiersprachen zu verwenden, da diese dem menschlichen Denken doch ziemlich nahe sind und keine große Anpassung unsererseits erfordern, wohingegen die Aufschlüsselung der von uns alltagssprachlich verwendeten Codes eine ungeheure Arbeit bedeutet. Erst viel später finde ich einen methodologischen Zugang zu dieser Schwierigkeit, das heißt, die Codes, deren Aufschlüsselung entscheidend für ein systematisches Verständnis unseres Denkens sind.

Hamburger Dom. Wir sind zu dritt, Harald, Christian und ich, von Kellinghusen für'n Abend mit der Bahn auf'n Dom gefahr'n. Ich sag' noch zu Christian: Jetzt hör' endlich auf mit der Tussie zu flirten, du kannst nich' noch mal mit ihr in'n Ranger geh'n, wir krieg'n den letzten Zug jetzt schon nich' mehr, aber das ist natürlich fruchtlos. Ja, und dann kommen wir eine halbe Stunde zu spät in Altona an, und ich überlege mir g'rade, was meine Eltern sagen werden, wenn ich die beiden aus Duisburg und Grevenbroich bei ihnen ablade, für vier Stunden oder so, doch dann... eine technische Panne... Bitte einsteigen! Die Türen schließen gleich.

Hansapark. Mein Vater und ich auf der Flucht vor'm Regen. Stellen uns irgendwo unter. Gehen das Ausnutzen der Regenpausen sehr stabsplanmäßig an. (Wenn es aufhört, dann läufst du da 'rüber und suchst deine Mutter und deinen Bruder! Die müssen hier irgendwo sein! - Jawoll! Wieder eine Erfahrung, um welche uns Handys bringen.)

Hansatheater. Aber bitte mit Aalschnitte! Als ich später The Three Investigators and the Mystery of the Vanishing Treasure lese und nachschlage, was Vaudeville bedeutet, wird mir anders.

Heidepark Soltau. Freudige Erinnerungen an die verankerten Fahrgeschäfte mischen sich mit Erinnerungen an schlechtes Essen.

Heist. Am Stützpunkt Appen begreife ich zum ersten Mal im Selbstgespräch am Beispiel gewisser Tensorprodukte und ihrer Dualräume, daß Begriffe, im Beispiel die Multilinearformen, die Existenz von etwas vollständig erschöpfen können, und es also nichts mehr ist, als das, was in ihnen liegt, und daß diese Erfassung zugleich auch die einzige Form sein kann, in welcher es sich überhaupt nur vorstellen läßt - eine Einsicht, welche meine konstruktivistischen Tendenzen auf dem Gebiet der Gedankenentschlüsselung befeuert, ohne daß ich freilich einstweilen tätig werden könnte.

Holmautal. Der Zauber der Wiesen südlich des Tävsmoors liegt in ihrer beiderseitigen Baumeinrahmung, und unentstellt zieht sich das Tal von Appen und der Nacktbadekiesgrube im Osten her bis zur Wedeler Chaussee im Westen hin. Glücklicherweise gibt es auch hier eine Verbindung durch die Wiesen vom Zweiten Schierlohweg im Süden zum Tävsmoorweg im Norden.

Holmer Sandberge. Mir gefiel es immer, vom Golfclub im Norden kommend den Weg durch die Wiesen in den Wald zu nehmen und dann an den Teich im Westen zu fahren. Am Katastrophenweg dort ist es schon schaurig bei Gewitter, mit all den vom Blitz getroffenen Bäumen. An ihm entlang führt einer der besten Achterbahnradwege im Kreis Pinneberg.

Klövensteen. Am besten von Osten über die südlichste Waldenauer Brücke über die LSE, dann vor jener von ihr 'runter und nach rechts und auf dem Weg auf der linken Seite durch die Wiesen in des Forstes Herz. Nach links zum Reitstall, geradeaus nach Sülldorf oder zu Waldschänke, Wildgehege und Rissen und nach rechts nach Pinneberg, Appen oder Holm - nun gut, nach Holm kommt man auch, wenn man sich zunächst geradeaus hält. Es gibt Wege noch und nöcher, doch alleine ist man am ehesten auf der westlichsten Nord-Süd-Verbindung, welche vom Feldweg 92 zum Butterbargsmoorweg führt. Und am Ausgang dieses Weges hielt ich zum ersten Mal das Thema des Walzers für W.F. fest, die Sonne ging gerade unter und verwandelte die Bäume in ein goldenes Tor, und ich besann mich auf die halb vergessene Melodie.

Kummerfeld. Ein Forst westlich der A23, und dergestalt eine Verbindung nach Tornesch. Auf ihr sehe ich die einzige junge Eiche meines ganzen Lebens. Die Rinde ist noch glatt und platzt gerade auf, aber der Baum bereits groß und stark. Was für ein Anblick! Wenn man auf dem Fahrrad von Kiel über Kellinghusen nach Hamburg fährt, kommt man durch Kummerfeld. Wie seltsam das ist! Wie sich die Atmosphäre des Orts durch die verschobene Skala der Strecke ändert! Was vorher die reizlose Mittellänge ausmachte, ist nun nichts als ein bekannter Tupfer kurz vor dem Zieleinlauf.

Leipzig. Nicht auf weitschweifigen Radtouren oder Spaziergängen, sondern in meiner schönen Altbauwohnung in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals begann ich zum ersten Mal, neben der Logik die Ästhetik zu sezieren. Wiederum führte dies zu nichts Greifbarem, aber ich öffnete mich grundsätzlich für den vollen Umfang des Funktionskerns unseres Bewußtseins.

(Alte) Levensauer Hochbrücke. Das Leben könnte so schön sein ohne Handys! Aber so ist die Polizei in 5 Minuten da und sagt, es sei ein sicheres Anzeichen von Lebensmüdigkeit, auf den Eisenbögen zu picknicken!

München. Holla, die Waldfee! Der Hockeyclub Blankenese wurde zu einem Turnier in München eingeladen! Ich mag erst 12 Jahre alt sein, aber naiv bin ich nicht. Wir stehen auf dem vorletzten Platz der Hamburger Tabelle. Die Münchner wollen was zum abschießen! Und da geht's auch schon los, unser Torwart verspätet sich, der Trainer vertritt - und läßt die Dinger 'rein! Der Arsch! Was soll das? - Hey, ich bin einfach nur fair! Von wegen. Da kommt unser Torwart, und läßt keinen mehr rein! Am Ende drehen wir das Ding noch zu einem 4:3 nach 1:3 Rückstand. Trainer: Ich wußte nicht, daß unser Torwart so gut ist! - Ja, ja, und was weißt du sonst noch? Später dann auf dem Feld draußen komm' auch ich 'mal zum Schuß, beziehungsweise zu einem Rückhandlupfer von der Schußkreislinie über den Torwart in die rechte obere Ecke des Tors! Ja! Und ich werde als Verteidiger manngedeckt! Nun ja, das war das 8:0, dann wurde ich etwas nachlässig und hab' noch ein gegnerisches Tor verschuldet, aber am Ende steht es 9:1. Am Abend Disco. Ich spiele Schach, und verliere nach einer Stunde, in welcher ich mit dem König die ganze Zeit von einem Feld zum anderen genzogen bin. Da gibt man auf! - Wieso? Wenn das Matt ist, dann setz' mich doch Matt! Drei mit einander Rat haltenden Münchnern gelingt das schließlich. Ich denke: Das ist das Leben.

Noer. Ein guter Grund durch Osdorf zu fahren - wie damals, als ich zum Elbeeinkaufszentrum wollte, um mir die neuesten Platten zu kaufen. Aber hier ist's schon schön: malerischer Sandbrocken zur Linken, U-Boot voraus und angenehm wenige Leute vor Ort.

Nord-Ostsee-Kanal. Auf einer Fahrt entlang des Kanals zwischen Quarnbek und Kiel phantasiere ich an einem schönen Tag von einer substantiellen, das Denken selbst abbildenden Logik - ohne freilich irgendetwas auf den Weg zu bringen. Dennoch, die Erinnerung an die Ambition bleibt, und in gewisser Weise hatte ich bereits, meiner vollkommenen damaligen Impotenz zum Trotz, einen riesigen Schritt von meinem ursprünglichen Ansatz, die Codes der Sprache aufzuschlüsseln, getan, nämlich den Schritt hin zum Funktionskern unseres Bewußtseins.

Nordstrand. Per Nord-Ostsee-Bahn von Kiel nach Husum, den Rest per Rad. Windräder und grünlich-türkise Blechdächer. Hier atmet Goethes Faust. Ein wilder, und zugleich ökonomischer, Zauber.

Ohnsorg Theater. Masochismus für holsteiner Bauern: Sich beweisen zu lassen, wie schlecht ihr Platt ist, und dann auch noch diese immer gleichen Geschichten, welche sich um ihre Brautwerbungsprobleme drehen.

Pinnaubogen. Im Oberglinder Naturbad mit den Kühen baden. Auf dem Unterglinder Weg im Frühling zwei radelnden Nackedeis entgegen. Und im Glindhof unwillkürliche Erinnerungen an die Ärzte: Ich bin reich! So schrecklich reich!

Rellingen. Rotarier, das allsehende Auge im Kirchenrund und eine Eisdiele, in die mich meine Eltern als Kind manchmal mitnahmen.

Schnaakenmoor. Mich verstört dieses künstlich geschaffene Moor etwas. Ist es das Schicksal des Umlands, zum Bilderbuch der Städter zu werden?

Segeberger Straße. Auf dem Trecker mit Strohballenschleuder an der Seite und zwei Anhängern hintendran auf doppelter Rekordjagd: Wie lang kann die Autoschlange werden?, und wie schnell rollt der Trecker im Leerlauf den Hang hinunter? Ich glaube, er hat vielleicht sogar 70 km/h geschafft. Das eine oder andere Verkehrsschild hat die Strohballenschleuder mit lang genommen. Eines der wenigen Male, das mein Vater nicht so ganz mit sich zu Frieden ist. (Hoffentlich kommt da nicht die Polizei! Das haben ja 50 Leute gesehen! Aber keine Bange, damals gab es noch keine Handys.)

Sigulda. Der kleine Friedhof an der Gauja vor dem Paradiesberg! Könnte ich hier begraben sein!

St. Peter-Ording. Für ein kleines Kind ist es schon ein Abenteuer, über die Brücke über die Priele zu rennen.

Tangstedt. Es hat mal wieder geblitzt und gedonnert und die Kühe sind durch den Zaun. Wir wissen, was das heißt: 3 Stunden in Gummistiefeln herumlaufen, Äste schwingen und schreien. Aber es hat auch sein Gutes: Mein Bruder und ich sind langsam alt genug, um länger durchzuhalten als unser Vater. Komm! Schneller! Nicht schlappmachen! (leise vor sich hin kichernd).

Uetersen. Auf einer Rohbetonwand das Graffiti: Wann brennt diese Stadt endlich ab! Immer wieder schön aber, die Schiffe im kleinen Hafen an der Brücke über die Pinnau zu sehen.

Ufa-Palast. Die Rückkehr der Jedi-Ritter kommt, und die ersten beiden Teile werden wiederholt - und wir kommen 'rein! Sogar mein 6 Jahre alter Bruder. Aber dann kommt die Rückkehr der Jedi-Ritter selbst, und wir kommen nicht 'rein! Tränen und fluchen! Ob es an Prinzessin Leias Outfit lag? Ich weiß es bis heute nicht. Jedenfalls ist dies eine folgenschwere Erfarhung für meinen Bruder - und auch für mich. Zwei Jahre später kommen die Ewoks ins Kino, und mein Bruder hat sich geschworen, diesen Film zu sehen. Mein Vater gibt nach. Ich habe mir auch etwas geschworen, und zwar das nächste Mal nicht mehr die Kinobediensteten zu fragen, ob ich in einen Film darf, den ich sehen möchte. Und da läuft tatsächlich einer, den ich sehen will, und ich bin nur ein Jahr zu jung. Also sage ich zu meinem Vater: Zum letzten Mal! Die Ewoks kucke ich  mir nicht an! Ich gehe jetzt einfach in den Saal! Das klappt schon! Vielen Dank nachträglich an den Ufa-Palast dafür, daß es tatsächlich geklappt hat. Und weiß Gott! Was für ein Verlust, wenn ich Beverly Hills Cop nicht im Kino gesehen hätte!

Wedeler Chaussee. Soweit es mich betrifft, verläuft hier die Grenze zwischen Nord- und Ostsee.

Westensee. Das Auf und Ab ist anspruchsvoll, gutes Trainning. Es gibt viele Stellen, welche man sich einmal etwas genauer anschauen kann. Am besten gefällt mir die Überquerung der Eider beim Gut Marutendorf. Die Ecke hat ihren eigenen Charme: eine Ahnung des Nordostens.

Wulfsmühle. Das letzte gastliche Haus auf dem Weg ins Himmelmoor.

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3. Mai 2017

Motive eines abenteuerlichen Geists

Lummerland

ist die Insel des Kleinen Mannes in seiner kleinen Welt.


Der Scheinriese.

Auch die größten Errungenschaften nehmen unscheinbare Anfänge. Wenn Sie sich beispielsweise James Clerk Maxwell beschauen,


so liegt es auf der Hand, daß dieses zarte Pflänzlein leicht zerknickt hätte werden können, wären nur Aufseher zur Stelle gewesen.

Im Koran, genauer gesagt in der Sure Der Elephant, heißt es dazu:
Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den Besitzern des Elephanten umgesprungen ist?
Hat er ihren Plan nicht durchkreuzt
und Schwärme geflügelter Kreaturen gegen sie entsandt,
welche sie mit Lehmziegeln bewarfen,
und sie wie grün verschlungenes Getreide gemacht?,
wobei der Elephant das Hochschulwesen und seine Besitzer die europäischen Adelshäuser wären, nur daß sich die geflügelten Kreaturen mit den Lehmziegeln verspäteten.

Freilich, Maxwell sieht durchaus so aus, als sei ihm seine Verantwortung inmitten des Wettstreits von Elephantenbändigern durchaus bewußt gewesen, aber das Zutrauen überwog. Bei Michael Ende müssen wir hingegen davon ausgehen, daß ihn die psychologischen Effekte der Größe mehr beschäftigten als ihre Bedeutung für unsere Lebenswelt oder ihre Voraussetzungen.


Die Drachen.

Vernunft stört sich nur deshalb an Unvernunft und schilt sie, um von ihr besiegt zu werden und ihr anschließend zu Diensten sein zu können.

Dies ist die mythische Auskleidung der Verbeamtung der Vernunft: Zuerst wird sie, nachdem sie sich der Unvernunft gebeugt hat, in Amt und Würden gesetzt, und anschließend kann sie sich durch den Anklang, welchen sie findet, erweisen.

Die Garstigkeit ist hier ein Aufplustern, ein Auf sich aufmerksam Machen in der Hoffnung, eine Anstellung zu finden.

Ich sehe in ihr hingegen die Warnung, sich nicht der herrschenden Meinung anzuschließen, die Warnung eines Geistes, welcher lieber berät als befiehlt, was er hingegen nur kann, wenn sich freiwillig der Vernunft beugende Menschen finden, welche die Unvernunft in ihrem Namen besiegen, wie es die Geschichte der letzten paar Jahrhunderte ex negativo lehrt.

Ende sieht im Trotz eines Kindes, wie es seine Darstellung der chinesischen Prinzessin auch belegt, nur das Vergnügen und nicht den erfaßten wahren Kern des Anstoßes. Er predigt, sich gegenseitig zu befriedigen, und erfäßt damit wiederum nur die gesellige Seite unserer Existenz und nicht ihre von vorgeordneten Mächten abhängige.


Die wilde Dreizehn.

Es fällt schwer in den unbesiegbaren Zwölf, welche sich für dreizehn halten, weil sie ihren Anführer gesondert mitzählen, etwas anderes als die zwölf Apostel zu erblicken. Dazu paßt auch, daß sie Kinder stehlen, und sie dann der verbeamteten Vernunft ausliefern - eine Kritik, welche sich die Kirche wohl auch zu unterschiedlichen Graden gefallen lassen muß.

Ende bliebe auch hier seiner soziologischen Sicht treu: Jesus Christus hat es nie gegeben, nur die Kirche. Und die Kirche muß einsehen, daß es für alle am besten ist, wenn sie ihren imaginären Anführer fahren läßt.


Das Land, das nicht sein darf

ist folglich das christliche Europa, welches auch tatsächlich schon seit mehr als tausend Jahren besteht, wie Frau Mahlzahn es versichert.


Jamballa

ist dann folglich die neue vereinte Welt, in deren Mitte sich das zuvor isolierte Lummerland wiederfindet. Eine Welt, in welcher das Erbe des schwarzen Königs nicht länger unterdrückt wird, und wir alle befreundet sind, weil wir unsere gegenseitige Befreundung zur höchsten Priorität erhoben haben und nichts mehr begehren, als was wir besitzen.

Nach den strengen Regeln der Vernunft freilich, welche keine Rücksicht zu nehmen braucht, weil sie uns dies alles beschert.

Nähme sie Rücksicht, so bliebe dies alles Fiktion, aber an der Stelle bricht die Geschichte natürlich ab.

Ende hat gesagt, er überlege sich beim schreiben, was als nächstes kommen müsse. Und ich glaube ihm das auch. Sein Kindheitswunsch war es, Tropenforscher zu werden. Warum also sollte ihn seine Inspiration zu anderen Ergebnissen führen?

Es gibt verschiedene Geister, und sie gehorchen Gesetzen der unterschiedlichen Ausprägung eines jeweiligen Grundgedankens. Bei Ende ist der Grundgedanke die Bedeutung der Sozialisation, und seine Ausprägung ist die der schwärmerischen Kritik an derselben.

In solchen Fällen ist es stets entscheidend, wie kackfrech der Schwärmer ist. Lassen wir das so im Raum stehen.

Kann ich hoffen meinen Grundgedanken und seine Ausprägung zu kennen?

Ehrlich gesagt, ich tendierte letzthin zu Pädophilie, freilich asexueller, wobei ich mich ungern auf Platon als Gewährsmann beriefe, aber es stimmt ja schon auf gewisse Weise, ich interessiere mich kaum dafür, wie mich andere behandeln, aber doch sehr dafür, was aus anderen wird. Meine Inspiration sollte demgemäß auf die möglichen Entfaltungsstufen zielen - und das tut sie ja auch durchaus.

Was ist die entsprechende Ausprägung? Ebenfalls schwärmerische Kritik, nur Kritik an der Entfaltung der Persönlichkeit? Kritik schon, aber keine schwärmerische. Nein, ich habe überhaupt nichts Schwärmerisches an mir, griesgrämig käme einem schon eher in den Sinn, aber um genau zu sein handelt es sich um ein stilles Leiden, eine Art Beleidigung, meine Kritik ist eine bedrückte, in die Enge getriebene, an der Schwelle zum Wutausbruch.

Ich verteidige das Fundament, das Fundament der menschlichen Liebenswürdigkeit.


Paßt doch.

Vielleicht beschäftigt ja noch jemanden außer mir die Frage nach dem Wert der Inspiration als solcher, wo sie doch zu so gegensätzlichen Ergebnissen führen kann.

Ich denke, die Wahrheit ist folgende:
Leichtes in Leichtem, Schweres in Schwerem.
Wann immer wir etwas aus seinem Element hinaus versetzen,
bemerken wir später eine bittere göttliche Ironie.

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30. April 2017

Zu Besuch bei Gespenstern

Manchmal ist es mir, als könnte ich den Rauch im Tempel riechen.

Ganz so war es heute in der Kirche nicht, aber die Tore der Zeit standen offen und das zeitlose Maß strömte durch sie herein.

Es geht ja nicht nur darum, daß der Bau voller Menschen ist! Er ist in seinen Proportionen dazu gedacht, das schlichte Kleid der Fülle Christi zu sein.

Hier kommen sie zusammen, um ihr Recht gemeinsam zu bekennen, der Raum ist voller robuster, aber durch das gemeinsame Anliegen gehobener Geister. Die Reihe der Kronleuchter scheint sich über ihnen zu wölben.

Und dann zieht etwas anderes ein, die Ausschüttung der Gunst dankbarer Herzen, welche sich in verantwortungserfreuter Zärtlichkeit der Welt annehmen.

Der Bau scheint nun still und entrückt und das Altarfenster wie ein Auskuck in die Welt.

Hier ist das Recht, hier ist die Kraft, welche die umgebende Welt gestalten und erhalten.

Doch die Kirche ist zu schlicht gehalten, um auch noch die gesunde Anteilnahme der Menschen an einander zu bekleiden. Dazu bräuchte es Zierrat und Ränge.

Das Abendmahl naht. Die Reihe Kronleuchter scheint auf einmal sehr weit zu führen. Doch im Altarraum springt mich das Fenster an in seiner urtümlichen Herrlichkeit: ein Licht und zugleich Ordnung.

Gott hat gesprochen, und noch immer hallt sein Wort in diesen Mauern nach, und so jenseitig der Widerhall auch wirkt, es ist für alle Zeiten da und sein Geleitschutz gegenwärtig nah.

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28. April 2017

Mind over matter

All the articles that I'm going to reference in this one are written in German. But there is no reason not to write this one in English, because I'm not going to work on notions here, but on the outlines of a model.

When you look at the mechanics of elastic collisions, cf. Die Grundaxiome der Physik und der Mechanik im speziellen, you find that there are two solutions that satisfy the required symmetries, namely that
v1-(m1v1+m2v2)/(m1+m2) and v2-(m1v1+m2v2)/(m1+m2)
remain either both unchanged or that both of them are multiplied by -1.

I make the following claim now, that amounts to quite a bit:
Both solutions occur in nature.
I.e. sometimes rigid bodies simply pass through each other.

The principle of the interaction of unanimated objects is the transfer (of energy). In mechanics it comes about by the exclusiveness of the occupation of spacetime.

What if that was not generally so?

What if two bodies could be separated, removed from each other's influence, by occupying parallel spaces for a time or parallel modes of existence?

I feel almost ashamed to report this because of the circumstances, but... I was watching The Matrix, rather annoyedly so, and then, almost cursingly, opened the DVD drive to put the DVD back into its box, when it slipped out of my fingers and I couldn't find it anymore.

Eventually I did find it. Under my computer, fully covered by it. And there is just no way, without wanting to go into the details of its make, that it could have gotten there, other than passing straight through it.

Now, if the mind could generate parallel temporary modes of existence for different objects, it could do all kinds of things, selectivity provided, basically everything that I call material transcendental acts.

The principles of the transcendental acts I have given as follows:
  • material transcendental acts are contests,
  • functional transcendental acts are contracts,
  • ideational transcendental acts are sacrifices,
cf. Gegenstände und Regelungen der transzendenten Akte.

And I do currently see a way in which they can all be woven together.

Let material transcendental acts separate objects as described above, that is cancel the principle of transfer selectively. Then the reason why they are contests is, that they are at the same time part of a contract that stipulates that any selective cancellation of transfer has to be bought by a chance of the breakdown of the harmony that allows us to live, for our life might well depend on a constant unconscious effort of that kind, which additional efforts might disturb.

But whatever the exact reason for the danger, there is a link between the different minds, the cancellation of transfer doesn't occur in a vacuum, but in a stress field and this stress field is the medium for telepathy, the seat of hunches, on which functional transcendental acts act. And it thus follows from the nature of their medium, as creating a tension between the involved parties, that they are contracts.

And finally we have the fact that, if we reach within us, we'll find a very powerful stress at work that sets our limits. The sacrifice of the ideational transcendental acts consists of drawing nearer to that stress, which means two things:
  1. loss of the freedom of choice, cf. Just for the record and Highlander?, and
  2. increased resonance of one's own stress(es), i.e. synchronous earthquakes and the like.
There are a great many religious images and reports in accordance with this, and I think that it is up to me to teach it, so that among all the rubble there might be a place of understanding of the reality of the mind.

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26. April 2017

There is a path in all of this.

When a man sees walls moving,
he understands the need for foundations,
but what he knows about architecture
determines how many attempts he needs
to find back onto a sustainable path.

There can be no backing away
from the prerequisites of future growth.
The seeing man has to eradicate what harbours ill will
against what is commonly cherished
just as the blind man would.
When a man has done everything for peace what he could,
he must go ahead and face the judgment.
There is a reward for those, who don't trample the congenial,
but confusion must never be allowed.

Then, when there is agreement over the course,
decency might take hold again and show its worth
by curbing madness
and bowing to reason of its own accord.
Therein I put my faith for all those,
who have no rudder to steer their fate,
but are willing and able to do so.

It is they, who will have proven
that they have learned something
that is worth to be taught.

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24. April 2017

Am fünften Tag

1. Sonnenschein.
Weit, unmenschlich, durchdringend.
2. Regensturz.
Dicht, rückhaltslos, verdrängend.
3. Schwüle.
Heiß, abstandslos, zwingend.
4. Sturm.
Kalt, zürnend, verfolgend.
5. Leicht bewölkt.
Zart, ergreifend, besinnend.

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21. April 2017

Johannes 3:16

Οὕτως γὰρ ἠγάπησεν ὁ θεὸς τὸν κόσμον, ὥστε τὸν υἱὸν τὸν μονογενῆ ἔδωκεν, ἵνα πᾶς ὁ πιστεύων εἰς αὐτὸν μὴ ἀπόληται ἀλλ' ἔχῃ ζωὴν αἰώνιον.
Ich bin nicht in der Lage, dies komplett zu übersetzen, weil dem von mir verwendeten Wörterbuch zu viele Wörter fehlen, aber vorrangig ist natürlich nur ein einziges Wort von Belang, nämlich
μονογενῆ,
was selbstverständlich jeder Laie in seine Bestandteile zerlegen kann.

Ich bin nicht sonderlich glücklich damit, dies als einzigartig zu übersetzen, aber lediglich aus stilistischen Gründen nicht, denn inhaltlich drückt es genau aus, worum es hier geht. Getragener wäre die Wendung
den einzigen [Sohn] dieser seiner Art.
Offensichtlich liegt der üblichen Übersetzung eine Verwechslung der Bedeutung von γένος mit der Bedeutung von γεννημένος oder γέννητος zu Grunde.

Die Wahrheit ist natürlich, daß, sollte Jesus Gottes einziger Sohn gewesen sein, Gottes übrige Kinder sämtlich Frauen wären. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß Johannes dies auf diese Weise ausdrücken wollte. Und abgesehen von diesem doch leicht aus männlicher Position heraus befangenem inhaltlichen Einwand, ist auch rein stilistisch zu bedenken zu geben, ob Johannes, wenn er nach einem Wort für einzig gesucht hätte, wohl zu μονογενῆ gegriffen hätte.

Die einzige inhaltlich haltbare Alternative μονογενῆ zu deuten, besteht darin zu behaupten, daß Jesus zu seiner Zeit der einzige Sohn Gottes gewesen sei, was sich halbwegs in die Rede von dem versprochenen Tröster fügt. Letztlich halte ich aber auch diese Deutung für einzig zu theatralischen Zwecken konstruiert, weil einziger Sohn schlicht bündiger klingt als einziger Sohn dieser seiner Art.

Ich bin aufgrund Aaron Hernandez' Selbstmord auf diese Stelle gestoßen. Er hatte sie sich auf die Stirn geschrieben. Was hat er gemeint?
  1. Daß er es versäumte, an Jesus zu glauben, leider?
  2. Daß wir alle Sünder sind, und es so gesehen ungerecht ist, daß nur er für seine Sünde ins Gefängnis mußte?
  3. Daß er trotz Selbstmord hofft, in den Himmel zu kommen?
  4. Oder daß diejenigen, welche an seine Unschuld glauben, selig werden werden?
Einzig die erste Version läßt sich absegnen, der dritten gegenüber kann man ähnlich zu Goethes Werther einige Sympathie entgegenbringen, die zweite ginge auf das Konto derer, welche Männern von vornherein absprechen, Gottes Kinder sein zu können und die vierte entspräche der Hoffnung, für die Menschheit zu sterben, was indes nur jene tun können, welche bei der Verteidigung ihres Glaubens starben - jedenfalls in dem Sinne, wie es der hiesige Vers meint, ich will nicht ausschließen, daß auch friedlich Entschlafene ihre Nachwelt anderweitig segnen können.

Übrigens, in der parallelen Stelle Johannes 1:14 ist von einem Sohn gar keine Rede:
Καὶ ὁ λόγος σὰρξ ἐγένετο καὶ ἐσκήνωσεν ἐν ἡμῖν, καὶ ἐθεασάμεθα τὴν δόξαν αὐτοῦ, δόξαν ὡς μονογενοῦς παρὰ πατρός, πλήρης χάριτος καὶ ἀληθείας.
Die Übersetzung muß hier lauten:
Und der Begriff wurde Fleisch und weilte unter uns, und wir erschauten diese Herrlichkeit desselben, eine Herrlichkeit wie die der einen Art vom Vater, erfüllt von Gnade und Wahrheit.

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