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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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22. Februar 2017

Willkür im Manne und im Weib

Im Manne Feindseligkeit,
im Weibe Unterhaltung
- die Miniatur der Neueinrichtung.

Gott, ich wünsche mir keine Tochter. Über einen Sohn, welcher überall neue Feinde ausmacht, kann ich lachen. Über eine Tochter, welche stets neue Unterhaltungen sucht, nicht. Einem sprunghaften Menschen hilft die Schwierigkeit dabei, Wurzeln zu schlagen.

Und wahrhaftig, wenn ich mich selbst feindseliger vor mir ausmale, als ich es bin, weil mich die Schlichtheit meiner Lage langweilt, so muß ich zugleich auch mein weibliches Pendant weit unterhaltungssüchtiger vor mir ausmalen, als es das ist.

Die absolute Gleichzeitig- und Gesetzmäßigkeit dieser Wahrnehmungsänderung schockiert mich zutiefst: Wie kann ein anderer Mensch einen durch Erschrecken vor ihm dazu bringen, zu sich selbst zu finden?

Wer hat je davon gehört?

Dies ist vielleicht mein einziger originärer Gedanke, alles sonst mag historische Parallelen besitzen: Sobald ich mir irgendeine Gehässigkeit erlaube, erschrecke ich vor ihr.

Andererseits, wenn ich es so fasse, ähnelt es etwas dem Bildnis von Dorian Gray: Ich sehe meine eigene Bosheit in ihr, sobald sie mich erfüllt, erfüllt sie auch sie. Dennoch, ganz so hat Oscar Wilde es nicht ausgedrückt.

Es ist schlichter, natürlicher und weit poetischer in dieser Form - und gibt selbstverständlich nicht den Stoff zu einem Roman ab.

Und auch für manch anderes gibt es nicht unbedingt den Stoff ab: Wer will schon jedes Mal, wenn er nach einem lebhaft monologisierenden Spaziergang nach Hause kommt, über das Lächeln, welches ihn daheim begrüßt, zu Tode erschrecken?

Es ist eine Ikone eigener Art, nichts, was einen zu sich emporzöge, sondern etwas, was einen beständig zurecht schüttelt und ins Heiligtum der Kindheit zurückführt, wo ein Junge allen Menschen Freund und ein Mädchen fest in ihren Prinzipien sein kann.

Was für ein abscheulicher Mensch ich bin! Meine Frau so ähnlich zu ihr zu wählen! Mehr kleinliche Kleinlichkeit hat die Welt doch noch nie gesehen: Eine Liste physischer Merkmale anzulegen und sie Zähne knirschend abzuhaken. Und doch bin ich mit ihr in gewisser Weise reicher, sie hat ihren eigenen Standpunkt, ich kann sie nach ihren Werten bewerten und werde nicht ständig auf mich selbst zurückgeworfen. Und wenn ich sie zu der Form bringe, in welcher ich sie gerne sehe, so kann sie dort aus eigener Kraft stehen bleiben. Es ist angenehmer, Mühe darauf verwenden zu müssen, aber dafür hin und wieder davon auch einmal ausruhen zu können, als auf Schritt und Tritt von seinem Spiegelbild begleitet zu werden: Schwierigkeit tut dem Sprunghaften gut.

Die Form indessen, in welcher ich meine Frau gerne sehe, ist dieselbe, in welcher ich sie gerne sehe: zufrieden, stolz und von einem inneren Reichtum erfüllt. Frauen sind für mich Kerzen, welche von meiner Herrlichkeit künden sollten. Und da ist es nun aber sehr günstig, auf mich selbst zurückgeworfen zu werden, um nicht meine eigene Herrlichkeit zu verlieren.

Schon seltsam, daß auch diese Seite meines Lebens einem ausgeklügelten Mechanismus ähnelt.

Ich sollte vielleicht erwähnen, daß es einer Frau, die spottet, gut geht, und dies niemand zum Maßstab der Größe ihres Gatten nehmen sollte, es sei denn antiproportional, achtete er doch darauf, daß sie Witz und Selbstsicherheit bei sich behielte. Aber zugleich muß er in ihr auch das Verlangen nähren, sich an ihn anzulehnen, seinem Urteil zu vertrauen.

Und dazu muß er selbstverständlich auch an seinem Urteil arbeiten.

Es ist mein durch Erfahrung aus Instinkt erwachsener Glaube, daß in jedem als gut Erkannten, ein zu bergendes Gut steckt, und in jedem als schlecht Erkannten, ein zu fürchtendes Übel, und ein beträchtlicher Teil der Kunst zu leben darin besteht zu erkennen, worin genau Güter und Übel bestehen.

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Gestern, Heute, Morgen

Der Haß ist alt, grober Gebrauch der sozialen Stellung, der Kopf mag mit anderen Dingen gefüllt sein, aber der Abdruck ist immer noch da, in den Ängsten, Träumen, Aversionen, letzte Nacht schaute ich wohl 200 Jahre zurück, keiner meiner üblichen Träume.

Was meint ihr?

Wie werdet ihr der Bestialität entkommen?

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21. Februar 2017

Projektion

Hier in Estland erlebe ich es fast jeden Tag: Die Dinge sind, zu was wir sie machen.

Ob ich draußen spazieren gehe, drinnen in der Sauna sitze oder tauche, es ist ganz und gar meine Entscheidung, ob ich friere und meine Zähne klappern oder ob ich mich einem leichten Kältedruck, jetzt auf meinen Oberschenkeln, jetzt auf meiner Brust, jetzt in meinen Armbeugen, jetzt wieder auf meinen Oberschenkeln, stelle, ob meine Haut verbrennt oder ob ich gegebenenfalls mal kurz über eine etwas zu heiße Stelle drüberwische, ob ich in Panik gerate, weil ich keine Luft mehr kriege, oder ob ich in Ruhe den Frieden der unteren Etagen des Schwimmbeckens genieße.

Kurz, wir haben eine Verantwortung dafür, die Welt auf die richtige Weise zu nehmen, nicht nur bei unseren täglichen Geschäften, sondern noch viel mehr bei unseren Gebeten, was aber in beiden Fällen keine reine Frage der Entscheidung ist, sondern wesentlich von unserer emotionalen Stabilität abhängt.


Die Frau zur Linken erinnert mich an jemanden, vielleicht ist sie's auch selber, aber dann wäre sie in den letzten 20 Jahren genauso wenig gealtert wie ich. Diese Zusammenstellung ist natürlich so oder so in höchstem Maße kurios, ich will die einzelnen Aspekte hier nicht weiter durchgehen, und Spott fürchte ich sowieso nicht, aber ich fürchte ihr Gesicht, und als ich heute nachmittag an naheliegender Stelle über dieses Bild gestolpert bin, habe ich buchstäblich ein dutzend verschiedene Gesichter gesehen, und das alleine ist Grund genug, ihr Gesicht mit jenem früheren in Zusammenhang zu bringen, in welchem ich auch stets etwas anderes sah.

Jene damals hätte mein Herz nicht angesprochen, wenn ich ihr nicht irgendetwas hätte geben wollen, und zugleich empfand ich die deutlichste Warnung davor, ihr auch nur irgendetwas zu geben, und sei es die Hand.

Wie gesagt, ich hatte heute nachmittag dutzend verschiedene Gesichter im obigen gesehen, und auch in meinem eigenen, wenngleich nicht in dem hier gewählten, aber ich einigte mich schließlich mit mir selbst auf eine gewisse Traurigkeit und Eigensinnigkeit, welche prinzipiell unerreichbar ist, den Vorsatz, einen bestimmten Ton zu halten, und auch jetzt kann ich sie in ihm erkennen, wenn ich mich anstrenge, doch mittlerweile sehe ich in ihm in stabiler Ruhelage ein Friedensangebot eines zufriedenen Herzens, und es bedeutet mir nichts, es anzunehmen, außer jemandem diese Zufriedenheit zukommenzulassen, wie ich es auch dem Badesee zukommen ließe, hinreichend warm zum Baden zu sein.

Aber richten wir den Blick vielleicht einmal auf das Wahrscheinliche. Ich fürchtete ihr also damals auch nur irgendetwas zu geben, weil ich nicht erkennen konnte, was vor mir stand, und meine Angst durchstreifte die unmögliche Weite, welche ich zu durchstreifen hätte, um es zu wissen - ein Prozeß, in welchem ich mich selbst verlieren müßte.

Wäre ich wieder 20 und begegnete mir wieder ein weiblich hoffendes Herz, dessen Hoffnung zu erfüllen mir entweder unmöglich oder moralisch zuwider wäre, etwa wenn sie sich mir nur ganz oder gar nicht geben wollte, was mich faktisch zu ihrem Sklaven machte: Ich müßte wieder so leiden wie zuvor.

Mit zunehmendem Alter werden Männer gleichgültiger gegen die Welt, wie sie wirklich ist, und wähnen sie sich stattdessen zunehmend zurecht. Es ist ein Teil der natürlichen Ordnung, des Mannes geistige Starre prägt Weib und Kind. Und gerade deshalb hatte ich seit meiner Kindheit einen Horror davor, meine Frau in fortgeschrittenem Alter zu finden, denn da wäre ich, das wußte ich schon mit 6 Jahren, so ziemlich mit allem zufrieden, so lange sie mir nur den Bart kraulte.

Ich kann das Vergangene keinesfalls leicht nehmen, aber was immer ich tat, ich tat's, weil ich's zu müssen meinte, und so muß es bleiben. Unangenehmer als meine Jugend wird mein Alter nicht werden, und jede Stunde hat ihr Gebot. Natürlich wünsche ich, daß die Summe meines Diensts etwas bedeutet. Aber gibt es handfeste Hinweise darauf, daß sie es nicht tut? Selbst für die Welt mag ich erwiesen sein, und Gott hat meine Freiheit nun seit gut 12 Jahren: Das Leben ist gegeben und kann nicht zurückgenommen werden, zu tief, 100000-fach, in der einzigen Währung, die zählt, stehe ich in Seiner Schuld. Aber Frieden in meinen Angelegenheiten, Sieg über meine eigene Angst und Schwäche, Segen dem, was ich zu richten suchte, und Fluch und Vernichtung jenen, welche auf das Heilige spucken, das mag sich begeben, und mehr wünsche ich mit keiner Faser meines Herzens.

Das I Ching hat mich gewarnt: Feuer über Feuer, Größe vor Größe.

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- -
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-o-
-x-
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Bleib in der zweiten Zeile, verfalle nicht in die dritte!

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Vom Tod meines Lebens

Ich sah den Tod meines Fleischs,
den Tod aller organischen Regung:
die Gier nach unbegrenzter Erfahrung.

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20. Februar 2017

Von der Macht der Starken und der Schwachen

Das letzte Lebenszeichen eines Stabs ist die Musterung,
und das erste einer Kirche die Spende.

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Zur Gesetzlosigkeit der deutschen Rechtschreibung

Natürlich ist bereits die deutsche Sprache gesetzlos, etwa was das grammatikalische Geschlecht angeht (die Fahrt, aber der Flug, die Marter, aber der Prügel) oder die jeweils zu verwendende Präposition (Glaube an, aber Vertrauen auf, auf Kosten, aber unter Verlusten), aber ihre schriftliche Fixierung bringt noch einmal eine weitere Schicht der Gesetzlosigkeit mit sich.

Mit der Kommasetzung, der Groß- und Klein- oder Getrennt- und Zusammenschreibung möchte ich mich hier nicht beschäftigen, sondern mein Augenmerk einzig auf die Wahl der einzelnen Buchstaben zur schriftlichen Wiedergabe der gesprochenen Laute richten.

Gesetzlos ist diese Wahl, wenn sie willkürlich einen oder mehrere Buchstaben für die Wiedergabe eines Lautes im selben Kontext wählt, und insbesondere, wenn das Alphabet mehrere willkürliche Varianten für denselben Laut umfaßt, wie zum Beispiel f und v oder chs, ks und x.

Einige Beispiele. Vater, Familie, von, für, Vogel, Fohlen. Achse, Axt, staksen, schnackseln, wichsen.

Bemerkung. Bei f und v kann man freilich einwenden, daß es sich gar nicht um denselben Laut handelt, sondern daß das v ein leichter labiodentaler Frikativ ist und das f ein schwerer. Allerdings ist es unklar, in wieweit das wirklich Konsens unter den Sprechern des Deutschen ist.

Gehen wir hier tatsächlich von der Nichtgleichwertigkeit von f und v aus, können wir uns bis hierhin damit trösten, daß es nur wenige Wörter mit chs, ks oder x im Deutschen gibt und wir diese Fälle also bald hinreichend gut kennen, wenn wir uns gesondert mit ihnen befassen.

Kommen wir somit zur Frage der Anzeige von kurzen oder langen Vokalen.

Folgende Mechanismen gibt es in der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zweck:
  1. Konsonantenverdoppelung (einschließlich ck und tz) zur Anzeige eines kurzen Vokals,
  2. Vokalverdoppelung oder Ergänzung um ein e zur Anzeige eines langen Vokals,
  3. h und ß (aus hs in deutscher Schrift) zur Anzeige eines langen Vokals.
Das i wird nie verdoppelt (ha, ha, nie!), sondern um ein Dehnungs-e ergänzt, und die übrigen Fälle, in welchen ein Dehnungs-e auftritt sind ausgesprochen selten, gerade kommt mir nur Itzehoe in den Sinn.

Das heißt, um die innere Regelmäßigkeit der zweiten Klasse müssen wir uns nicht sorgen, und um die der ersten und der dritten auch nicht, da kk, zz und hs im Deutschen spätestens seit dem 19. Jahrhundert verboten sind.

Betrachten wir also die äußere Gesetzlosigkeit zwischen diesen Klassen.

Zunächst einmal ist dazu festzustellen, daß nur die Anzeige der Kürze, nicht aber die der Länge eines Vokals, im Deutschen obligatorisch ist, und auch das nur, wenn lediglich ein geschriebener Konsonant in der Grundform folgte, also nicht bei Konsonantenkombinationen oder bei ch oder sch. Davon ausgenommen sind Vor- und Endsilben, welche als bekannt angenommen und nie gekennzeichnet werden (er-, ver-, zer-, be-, ge-, ent-, -e, -en, -er, -in) und Präpositionen: an, in, unter, über, auf, neben, entlang, durch, für, von, zu, nach, bei, zwischen, um, vor, hinter, wobei spätere Bildungen wie nahe oder gemäß freilich davon ausgenommen sind, mal ganz abgesehen davon, daß das h in nahe natürlich, wenn auch nur schwach, gesprochen wird.

Und auch für einige Pronomen gilt dies: der, das, wer, was, dir, mir, uns, ich, du, er, es, wir, mich, dich, sich.

Aber bleiben wir beim allgemeinen Wortschatz: Moos, Los, Tal, Aal, Moor, Mohr, Tor, Boot, Kot, Schal, fahl, schwül, kühl, Teer, hehr, Heer, Wehr, Dame, Dänen, dehnen, wähnen, malen, mahlen, Mehl, scheel, schal, Schale, Wal, kahl, schälen, wählen und so weiter.

So gesetzlos das auch ist, es besitzt eine gewisse Ästhetik, nämlich die Ästhetik des Zierrats: Hier das hin, und dort dies...

Die Länge eines Vokals muß also nicht gekennzeichnet werden, und die Wahl der Kennzeichnung steht auch frei, wobei die Vokalverdoppelung, ausgenommen die Dehnung des i's durch's e, freilich eher selten ist.

Interessanterweise führt die mangelnde Kennzeichnungspflicht der Kürze eines Vokals im Deutschen nicht zu Willkür: Dach ist kurz, und Buch und Tuch sind lang, aber das liegt daran, daß es zwei verschiedene Vokale sind. Wucht, Schlucht, Macht, Tracht und so weiter sind alle kurz, aber hier folgt mehr als nur ein Konsonant. Und Gemach und Geruch sind beide lang, aber hier ist die Betonungssituation eine andere. Es ist also möglich alle Fälle als Fälle zu betrachten und sich an sie zu gewöhnen.

Summa summarum: Die Gesetzlosigkeit der deutschen Rechtschreibung entspringt dem wankelmütigen Bestreben, die Länge von Vokalen zu kennzeichnen, was an sich überhaupt nicht nötig wäre, da die Kennzeichnung der Kürze hinreicht, wiewohl die orthographische Trennung von Wörtern gleicher Aussprache, aber verschiedenen Sinnes, selbstverständlich nicht ohne Verdienst ist.

Für die aktuelle Debatte über phonetisches Schreiben heißt das, daß den Kindern vernünftigerweise gesagt werden sollte, daß sie sich um die Kennzeichnung der Länge eines Vokals zunächst mal keine Gedanken machen sollten, da es bei Kennzeichnung der Kürze schon klar ist, welche Vokale lang sind. Ihnen zuzureden, mal selbst mit Vokalverdoppelung und h Wörter zu verschönern, mag in der Tat zu nichts Gutem führen. Das ß nimmt selbstverständlich hinsichtlich der Sonorität in Ableitungen noch wieder eine Sonderstellung ein: mies und fies, aber Spieß; miese, fiese Spieße.

Natürlich mag es etas länger dauern, bis die Kinder auf diese Weise Boot richtig schreiben, aber dafür mag ihnen das Wesen der deutschen Orthographie um so klarer sein und sie weniger gezwungen erscheinen: Einen pädagogischen Schaden sehe ich eher nicht.

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18. Februar 2017

Mein Leben

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-x-
-o-
- -
- -
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BITING THROUGH has success.
It is favorable to let justice be administered.
Nine in the fourth place means:
Bites on dried gristly meat.
Receives metal arrows.
It furthers one to be mindful of difficulties
And to be persevering.
Good fortune.
Six in the fifth place means:
Bites on dried lean meat.
Receives yellow gold.
Perseveringly aware of danger.

No blame.
Stimmt schon.

Die Traurigkeit der Jugend, der erlebte Verrat am Glauben, die Erbärmlichkeit der Niedertracht, die eigene Bescheidung des und Abscheidung vom Leben.

Ein Grund, das eigene Leben zu gebrauchen, eine Erinnerung an das Notwendige, ein Hoffnungsstoß, denn wo es Hunger gibt, da wird sich auch Nahrung finden.

Ehrlichkeit und Vertrauen können ohne Welt- und Menschenkenntnis nicht bestehen. Geradeheraus kann nur der Große sein, ohne sich von anderen behüten zu lassen.

Ich bin Fleisch vom Fleische eines Stamms, ich weiß, worin mein Leben liegt, und so schwach und verirrt der Fluß auch ist, mein Leben sei der Spaten, ihm den Weg zurück in sein Bett zu graben.

Das kraftlose Salz sei verworfen, der Abschaum flute die Straßen, der Sinn für das Rechte erhebe sich wieder.

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15. Februar 2017

Claudius and Nero

Since Nero is such a controversial figure, reliable accounts of his reign are hard to come by. But it seems a fair guess that his reign must have faced the same problems that Claudius' reign faced and so I'll turn my attention thither.

We can readily establish, based on Suetonius' account, that Claudius was a careful and detached person, who valued his own safety more than his own glory. And if this portrait of him is indeed his likeness,

we can safely say that that was so, because he was completely averse to the concept of glory, as would befit, of course, a crippled man.

When Claudius became emperor at the age of 49, he had already lived a life of ridicule and it is not hard to imagine that he would have taken further ridicule nonchalantly, in particular if it meant that he would be left alone as before during Caligula's reign, id est that he was prepared to put on a show for the sake of his environment.

Claudius wrote a lot, and from that alone we could deduce that in his view it was the written word that really mattered and not the political dealings of the day.

And if this was indeed his belief then it would figure that amongst all political questions he would be most concerned with the right form of worship, and it certainly appears that he was concerned with that:
He utterly abolished the cruel and inhuman religion of the Druids among the Gauls, which under Augustus had merely been prohibited to Roman citizens; on the other hand he even attempted to transfer the Eleusinian rites from Attica to Rome, and had the temple of Venus Erycina in Sicily, which had falled to ruin through age, restored at the expense of the treasury of the Roman people. He struck his treaties with foreign princes in the Forum, sacrificing a pig and reciting the ancient formula of the fetial priests.

- Gaius Suetonius Tranquillus

Although he refused the title, he was of course an emperor and as such he governed around the Senate, relying on freed men to administer his will. He ran into some trouble with that, but not a lot. He made some changes to the law, but generally he preferred to keep things as they were, trying only to reign in decadence, but never valuing principle higher than stability.

Now, with regard to the situation he was facing: It was fragile in terms of power struggles and fragile economically. And Claudius could be viewed as a restorer who worked on a ruin - at least that's not in disagreement with his efforts to restore some powers of the Senate, emphasise the nobility of his ancestors and to facilitate the food trade.

And then there's the matter of Christianity.
Since the Jews constantly made disturbances at the instigation of Chrestus, he expelled them from Rome.

- Gaius Suetonius Tranquillus

Chrestus might be Christos or not, but this is from Claudius' own hand:
[...] not to bring in or admit Jews who come down the river from Egypt or from Syria, a proceeding which will compel me to conceive serious suspicions. Otherwise I will by all means take vengeance on them as fomenters of which is a general plague infecting the whole world.

- Letter of the Emperor Claudius to the Alexandrians

Now, a staunch anti-semite might interprete the plague infecting the whole world to be the Jews themselves, but
  1. they are accused of fomenting the plague
  2. what bother, if the Jews themselves are the plague, whether they are in Syria or up the Nile or in Alexandria.

So, it is quite impossible to interprete the plague infecting the whole world in any other way than as Christianity and Syria and the Nile valley in any other than as its early hotbeds.

And the fact that Claudius would refer to Christianity as a plague demonstrates, given his overall character and ambition, that he perceived it as a threat to the established order.

And then came Nero: young, inexperienced, acquainted with murder as a means of advancement, instilled with a sense of physical and dynastical superiority and facing the same problems, the same ruin. And if only the account of Claudia Octavia's death is accurate, that he divorced her, because she bored him, we can be absolutely certain that Nero would destroy that which he aspired to embody: the dominance of the Greco-Roman spirit.

And this is a defining characteristic of the beast: that it will not know that, which it means to represent, that it will be severed from the tradition, in which it sees itself: young, fiercely proud and acquainted with crime. Or at least that's the character that would serve best to play the role of the beast, id est shorten its days to the shortest possible term.

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14. Februar 2017

Selbstbild und Rollenzuweisung

Die gesellschaftlichen Ansichten des deutschen Volkes lassen sich leicht von einem Selbstbild und den ihm eigenen Rollenzuweisungen ableiten, und durch diese Ableitungen tritt zu Tage, daß es sich dabei nicht nur um ein Selbstbild, sondern um sein Selbstbild handelt.

Ich möchte im folgenden drei Beispiele betrachten, nämlich die Meinung des deutschen Volkes zu
  1. Bernd Schuster,
  2. Silvia Renate Sommerlath und
  3. dem griechischen Volk anno 2015.
Das Selbstbild, welches ich im Sinn habe, ist das eines Knechts, beziehungsweise das einer Magd.

Denn wie würde ein Knecht über einen anderen Knecht denken, welcher im Ausland Karriere macht?

Doch wohl, daß er seinen Platz nicht kenne, daß er überheblich sei, ein großes Maul habe und so weiter.

Und wie würde er über eine Magd denken, welche im Ausland in einen höheren Stand eingeheiratet hätte?

Doch wohl, daß sie zu beglückwünschen sei und auch er selbst, nun, da er eine diplomatische Vertretung in fremden Gefilden besäße.

Und über ein anderes Volk, welches Geld von ihm will?

Ganz sicher, daß es zu faul sei, sein eigenes Geld zu verdienen, und das würde er ihm auch ins Gesicht sagen, mit vor Stolz auf seinen eigenen Fleiß geschwellter Brust.

Wir sehen, das deutsche Volk hält sich selbst für das Gesinde eines Haushalts, welches seinen Platz kennen und zusammenstehen sollte, und es gehört zu den ersten Aufgaben eines deutschen Politikers, seine Politik und seine Rhetorik auf diesen Umstand einzustellen, was in Deutschland selbstverständlich auch schon seit undenklichen Zeiten geschieht, wiewohl zuweilen die eine oder andere Regierung an der Gesinnung ihres Volkes verzweifelt, wann es sich dann ausnahmsweise ergibt, daß die Regierung wechselt.

Bei den Holländern und Türken verhält es sich selbstverständlich ganz ähnlich, aber sonst darf man nicht so ohne weiteres annehmen, daß sich das Volk im Ausland nach den selben Gesetzen verhält, welche im Inland gelten.

Und daraus ergeben sich auch Konflikte, welche jetzt beim Versuch der Harmonisierung des Weltbürgerverständnisses im Rahmen der Globalisierung aufbrechen: Das Gesinde will Haushälter, der freier gesinnte Teil der Menschheit nicht.

Und es ist diese Kante, entlang welcher sich der Druck zur Reform staut bis eine Lösung des Konflikts gefunden ist - bis die Folgsamkeit nicht mehr in den Händen jener ist, welche sie gegen die Freiheit wenden, und die Freiheit wieder in jenen Gefilden wirkt, welche die Folgsamkeit nicht abstoßen, sondern inspirieren.

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10. Februar 2017

Klonovsky geht mir gehörig auf den Keks

Er zitiert zustimmend über Rubens:
Aus seiner immer jubelnden, immer sinnenfreudigen Animalität [...] spricht die Flachheit des Glücklichen, [...] spricht vor allem jener tiefe Atheismus, der allmählich von Europa Besitz ergreift und zuerst in Holland als dem vorgeschrittensten Lande sein Haupt erhebt.
Der Flachheit des Glücklichen, der Oberflächlichkeit, Dreistigkeit und Leichtfertigkeit, deren Dreiklang man auf Englisch auch schlicht als gross bezeichnen kann, eignet überhaupt nichts Tiefes, und schon gar kein Atheismus.

Die in der Tat bisweilen bei Holländern anzutreffende tiefe Verachtung moralischer Ratschläge entspringt etwas ganz anderem, was Rubens indes tunlichst verhehlt, nämlich der Bitterkeit des Eingepferchten.

Man erzieht einen Grobian nicht zum Glauben, indem man ihn zwingt, man macht ihn nur gehässig, und die Kirche, die Calvinisten einzig ausgenommen, weiß das auch.

Gläubig wird der Grobian erst, wenn ihm auf seinem Weg Grobes begegnet.

Wahrscheinlich ist diese Bemerkung keinen eigenen Beitrag wert, aber nichts ist mir mehr verhaßt als die auf Extraordinarität zielende Darstellung des Gewöhnlichen, etwas, das zu bekämpfen Klonovsky sich selbst auf die Fahne geschrieben hat: Friede den Gemeinplätzen, Krieg den Moden. - von wegen!

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Freundschaftsschmieden

Natürlicherweise wird Freundschaft in der Umgebung, in welcher einer aufwächst, geschmiedet, und jede kulturelle Institution zu dem selben Zweck muß einen Weg darstellen, diese Umgebung zu verlassen.

Betrachten wir das Mögliche. Entweder einer übernimmt selbst Verantwortung dafür, wohin er seine Schritte wendet, oder er läßt sich willfährig versetzen.

Wenden wir uns zunächst den Versetzungsmechanismen zu.

Entweder die Versetzung folgt einer Regel, oder sie erfolgt als Kür durch ein Regime.

Ein kurzer Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zeigt, daß regelgemäße Versetzung nur als Teil von Ausbildungsprozessen erfolgt, während jede Zuweisung von überpersönlicher Verantwortung nur als Kür stattfindet.

Mit anderen Worten kann niemand an eine verantwortungstragende Position versetzt werden, der nicht bereit ist, sein Leben sowohl Regeln als auch einer Herrschaft bedingungslos anzuvertrauen. Die Herrschaft kann er sich freilich aussuchen, aber darin erschöpft sich seine Freiheit.

Nennen wir einen regelfolgenden Versetzungmechanismus also einen Qualifizierungsprozeß und einen Kür basierten einen Betrauungsprozeß.

Ein paar Worte zu den sich so ergebenden Freundschaften.

Der Qualifizierungsprozeß mag aussichtsvolle Freundschaften schmieden, aber ihr Fortbestand hängt davon ab, daß sich ihre Teilhaber aus den Versetzungsmechanismen lösen.

Der Betrauungsprozeß läßt nur im nichthierarchischen Fall, bei der Aufnahme in ein Arbeitskollektiv, Freundschaften zu, wie es bei der Aufnahme in einen Stamm und ähnlichem der Fall ist, denn alle Fälle sind jenem ähnlich. Insbesondere ist ihnen allen gemein, daß sich der Gekürte fühlt, als sei er gekauft worden.

Zu manchen Zeiten und an manchen Orten mag sich die Eheschließung für die Frau so angefühlt haben, beziehungsweise anfühlen, doch wer meint, diesen Zuständen entkommen zu sein, sollte meines Erachtens darauf hingewiesen werden, daß er vor diesen Zuständen in ein System geflohen ist, welches Freundschaft systematisch ausschließt.

Doch wenden wir uns nach diesem jenen Institutionen zu, welche die eigene Verantwortungsübernahme für den eingeschlagenen Weg erlauben.

Betrachten wir wieder das Mögliche. Entweder einer entscheidet selbst aufgrund der ihm verfügbaren Informationen, wohin und an wen er sich wenden will, oder er wendet sich vertrauensvoll an einen Dritten, um sich von ihm diesbezüglichen Rat einzuholen.

Ein Beispiel für den ersten Fall ist das Dating, und Dating-Sites sind eine für ihn mustergültige Institution, soll heißen, alle diesem Vorgehen dienlichen Institutionen befassen sich damit, relevante Informationen zu sammeln und bereitzustellen.

Nennen wir diese Freundschaftsschmiede also einen Anpreisungsprozeß.

Und damit kommen wir zum letzten möglichen Fall, der Bereitstellung von Vertrauenspersonen, welche über das nötige fachliche Wissen verfügen, um Menschen kompetenten Rat zu erteilen, in welchem Umfeld sie ihre Anliegen vollstumfänglich verwirklichen können, und sich zu diesem Zweck mit ihresgleichen in anderen Gegenden austauschen.

Diese Freundschaftsschmiede nennen wir einen Beurteilungsprozeß.

Selbstverständlich hängt jedes System, unabhängig davon, ob es Freundschaft befördert oder ausschließt, davon ab, daß seine Prozesse funktionieren, und die Funktionstüchtigkeit seiner Prozesse hat ihre jeweiligen Voraussetzungen, aber ohne mich damit im Detail befassen zu wollen, scheint mir der Beurteilungsprozeß doch die segensreichste Freundschaftsschmiede zu sein, wenngleich in manchen Fällen eine Kombination von Qualifizierung und Anpreisung wohl bessere Ergebnisse liefern wird.

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