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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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23. März 2017

In Ansicht Wiebke Freeses

Wenn jemand ständig zur Lüge greift,
um sich selbst zu schützen,
so ist der Grund dafür, 
daß er sich selbst belügt
und sich durch Notwendigkeit gezwungen sieht.

Denn die Wahrheit trägt nie das Gewandt der Notwendigkeit,
wenn sie an uns herantritt,
sondern stets das der Bitte,
auf daß wir erwägen möchten,
auf welchem Pfad die Wahrheit,
welche ja auch unsere ist,
sich bilde:

Was in uns liegt ist ebenso wahr wie das,
was außerhalb unserer liegt,
und leben heißt,
das Ganze anzustreben,
und was also anklopft, befiehlt nicht,
sondern bittet um es auflösende Verbindung.

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22. März 2017

Schwimmdaten

Frau und Kind sind bei der Schwiegermutter, und also habe ich die Gelegenheit genutzt und getan, was ich sonst nie tun könnte, nämlich einmal zu sehen, wie weit ich mit passabler Geschwindigkeit schwimmen kann.

Passabel heißt hier, wie ich schon zuvor ausführte, 1 Meter in 2 Sekunden zurückzulegen. Entgegen meiner ursprünglichen Annahme, daß ich diese Geschwindigkeit auch für 10 Stunden halten könnte, hat sich nun herausgestellt, daß ich es doch nur für 4 Stunden kann. Ich schwamm die gesamte Strecke auf dem Rücken, die erste Stunde im reinen Froschstil mit genau 1,8 km/h, die zweite mit drei angehängten Kraul-Trippel-Schritten mit genau 2 km/h, die dritte auf ebensolche Weise wieder mit genau 1,8 km/h und die vierte mit fünf angehängten Schritten wieder mit genau 1,8 km/h und danach hätte ich das Tempo senken müssen.

Insgesamt schwamm ich 74 Hundert Meter in genau (+/- 20 Sekunden) 4 Stunden. Ich hatte zunächst 70 Hundert Meter ins Auge gefaßt, aber dann fiel mir ein, daß ich ja nicht 1970 geboren bin.

Beim letzten Mal hatte ich tatsächlich keinen nennenswerten Muskelkater. Dieses Mal leide ich sozusagen von oben her: am meisten der Nacken, dann die Schultern und schließlich die Beine. Das mit dem Nacken wäre sicherlich weniger schlimm gewesen, wenn die Bahn frei gewesen wäre. Nicht, daß ich mich groß umgesehen hätte - ich war schließlich zuerst da - aber ich mußte mich doch notgedrungen etwas gegen planschende Kinder verteidigen.

Ansonsten ist noch zu bemerken, daß das Schwindelgefühl nach dem Schwimmen dieses Mal bis in den Magen hinabreichte und mich eine halbe Stunde lang beschäftigte und nicht bloß eine halbe Minute, wie beim letzten Mal.

Es gibt zweifellos schönere Weisen, sich die Zeit zu vertreiben, und das tue ich für gewöhnlich auch. Mein Schlüssel ist in etwa:
  • 40% Whirlpool
  • 20% Sauna
  • 20% Tauchen
  • 10% (Fuß-)Massage
  • 10% Sonstiges (im Winter draußen nach der Sauna frieren, köpfen, rutschen, im Strudel auf dem Rücken treiben lassen)
- schwimmen tue ich, abgesehen von meinen Standard 50 Metern unter Wasser, nie. Bei sehr gutem Saunaangebot können die Werte für Whirlpool und Sauna auch vertauscht sein. Insbesondere lese ich gerne in der Aromasauna, was Bücher feuchtigkeitsmäßig gerade noch so vertragen. Es hängt natürlich von der Luftfeuchtigkeit ab, aber in einer (hier) üblichen Aromasauna kann ich schon eine Stunde lang bleiben (bei 45°C).

Ein paar Bemerkungen zum Tauchen. Ist die Lunge voll, kann ich auf dem Wasser treiben. Ist sie leer, sinke ich wie ein Stein. Es bereitet mir großes Vergnügen mit leerer Lunge schlicht in tiefere Becken hineinzumarschieren. Freilich muß ich mir die Nase zuhalten, um meine Trommelfelle zu schützen, die andere, dem Ohrenwackeln verwandte Methode, habe ich noch nicht 'raus, aber im großen und ganzen ist es doch ein sehr friedlicher Vorgang.

Was das Atmen betrifft. Ich brauche schon eine halbe Stunde für eine hinreichend gute Vorbereitung. Nach dieser Vorbereitung kann ich (gewöhnlicherweise) 25 Meter mit leerer Lunge tauchen und 50 Meter mit voller. Es ergibt sich also, daß die Saturation des Blutes mit Sauerstoff genauso viel wert ist, wie eine volle Lunge.

Natürlich versuche ich, mich beim Tauchen nicht zu quälen, wie auch in der Sauna und beim Frieren nicht, wiewohl sich bei letzterem schmerzende Füße keineswegs vermeiden lassen, wenn man eine gewisse Strecke über Schnee und Eis zurückzulegen hat, aber die Füße sollten schon der einzige Körperteil sein, dem etwas zu viel zugemutet wird, wie in der Sauna gegebenenfalls die Ohren oder Lippen oder Fingerspitzen, aber gegen derartige Probleme kann man sich ja leicht schützen, wie auch gegen zu heiße Luft zum Atmen - irgendwann ist die Dampfwolke schließlich weitergezogen; Ventilation vorausgesetzt. Freilich, ohne Ventilation sieht das alles etwas anders aus, da können die Bedingungen schon so sein, daß man 'raus muß.

Ansonsten habe ich den Fahrtenschwimmer, seit ungefähr 30 Jahren, aber Kraulen kann ich eigentlich nicht, beziehungsweise nur auf dem Rücken oder zu (kurzen) Demonstrationszwecken, was natürlich kein allzu großes Wunder ist, wenn man bedenkt, daß ich problemlos 50 Meter tauchen kann. Wann mir beim Kraulen die Puste ausgeht, weiß ich nicht, und ich habe auch keine allzu große Lust es herauszufinden, aber mir gelingt es in der Regel nur ungefähr jedes dritte Mal, beim Kopfwenden nach Luft zu schnappen - und das ist zu wenig.

Meinen Rekord auf der Kurzstrecke halte ich wahrscheinlich im Schmetterling in Rückenlage oder indem ich die gesamte Strecke durchtauche. Die erstere Variante mag die schnellere sein, aber sie ist sicherlich nicht schön anzusehen.

So, und damit beschließe ich diese Zusammstellungen von Fakten zweifelhaften Nutzens, aber vielleicht zieht ja doch der eine oder andere Gewinn aus ihr bei seinem nächsten Schwimmbadbesuch.

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21. März 2017

Sülldorfer Eindrücke

Es ist ein flüchtig Ding,
zwischen Anmut und Unverschämtheit schwankend,
bald die Weiber erhebend, bald sie brütend versammelnd,
was ihr Leben doch sein könnte,
was die Welt ihnen bereithält.

Oh, ich habe es gespürt,
schon mit sechs Jahren,
die Spannung
und auch die Schmach,
daß Erwachsene so ihre Phantasien hegen
und nicht sehen, wie sie in kindischer Erwartung
der Verwirklichung ihrer Träume im Wege stehen.

Denn aus dem vulgären Knäuel
sprießt nur der Stolz, ihm zu entkommen,
und nie die Klarheit, es zu erheben.
Doch seht: Ich habe euch nicht vergessen,
und eurer Würde nichts im Wege steht.

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19. März 2017

Zeit an uns, Wurzeln zu schlagen.

Im lateinischen Teil Europas ist Schönheit ein Formenkatalog, aus welchem die Bürger nach Belieben wählen.

Im Norden und Osten ist sie ein Versprechen, welches seiner Enthüllung harrt.

Und in Frankreich ist sie ein ausgerollter Plan, welcher die Fragen des Geschmacks verfolgt und Stück für Stück verbindlich klärt.

Die Geschichte des Abendlands ist unter ästhetischen Gesichtspunkten die Heranführung der Franken an das klassische Schönheitsideal. Um 1800 nach Christus herum gebaren sie ihren Kanon, und seitdem erfüllt sich einmal mehr das Schicksal der die Substanz beschneidenden Form, der Fall dessen, welcher sich auf das stellt, welches er trägt, und dabei seinen eigenen Halt verliert:
Die gemachte Welt ist nicht die Welt, auch wenn sie dir gefällt.
Für die Reifen ist es der Anbruch eines neuen Kapitels, für die Unreifen ein Erwachen zu zeitlos Wahrem und für die zur Reife Gelangenden eine Katastrophe.

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18. März 2017

Der Zirkel der Unbedarften

Es ist alles erfüllt.
So oder so ähnlich wird man mancherorts begrüßt, bisweilen auch mit Handauflegen.

Es gibt Dinge, die tatsächlich zu erfüllen sind, beispielsweise anderen Menschen zu sagen, was sie wissen sollten, auch wenn dies für einen selbst gefährlich ist.

Gottes Wirken zu bezeugen, ist nicht jedem gegeben, und der, wem es gegeben ist, wird nur dadurch ein Zeuge, daß er bezeugt.

Es ist nichts ausgesuchtes, es ist gegeben wie das Wetter und genauso gegenwärtig, wo immer man auch hingeht, wenn man sich ihm denn stellt.

Es ist spezifisch. Alles, was erfüllt wird, ist spezifisch.

Und was ist erfüllt, wenn ich gutwillig glaube, daß alles erfüllt ist?

Daß vollkommene Gerechtigkeit herrsche, daß alles an seinem Platz ist.

Wo ich denn in reiner Dankbarkeit und verehrender Absicht mein Scherflein beitrüge.

Gewinne ich durch die Vorstellung?

Mag sein, daß sie mich heilte, wenn ich darniederläge, mag sein, daß mich der Sonne Licht an grauem Tag erreichte, mag sein, daß meine Seele sich dem Guten öffnete.

Doch sobald sie etwas finge, bewiese sie, daß just das noch nicht erfüllt wär'. Doch braucht das strebende Herz der Welt Fülle nicht, da es selber voll ist.

Der Zirkel der Unbedarften, welche keine Ahnung davon haben, wie sie das begründen könnten, was sie genießen, für welche Fülle Zauber und nicht Los ist.

Das Gespür der eigenen Wesentlichkeit weint.

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Einladung zum Zank

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17. März 2017

Zum Nebeneinander von Stäben und Netzwerken

Ein Stab (Gottkönig) ist die natürliche Organisationsform von fleischgewordener Lust und Sorge und ein Netzwerk ist eine der natürlichen Organisationsformen von fleischgewordener Achtung, das heißt eine Schule (Kirche), wenn mit ihr auch noch die Sorge fleischgewordenen ist, eine Partei (Technokratie), wenn sie alleine fleischgeworden ist oder eine Clique (Bewegung), wenn mit ihr auch noch die Lust fleischgeworden ist.

Jede Herrschaft, welche sich über die des Bandenbosses erhebt, bildet einen administrativen Stab aus. Dieser kann die gesamte Gesellschaft bis in ihre letzten Winkel durchziehen, was eine derart radikale Diktatur darstellt, daß sich kaum historische Beispiele für sie finden lassen, ironischerweise am ehesten noch in den Ländern, in welchen dem Namen nach Die Partei herrschte, oder er begnügt sich damit, neben von seinen Herrschaftsaufgaben ausgeschlossenen Netzwerken zu existieren.

Es gibt also sechs verschiedene Fälle, nämlich
  1. Stab über Schule,
  2. Stab über Partei,
  3. Stab über Clique,
  4. Stab unter Schule,
  5. Stab unter Partei,
  6. Stab unter Clique.
Man vergleiche die Tabelle im Abschnitt von der Herrschaft über die Völker in meiner ersten Erklärung des I Chings damit. Der zweite Fall fehlt an der Stelle, aber etwas weiter oben ist er ebenfalls anzufinden. Wesentlich an diesen Konstellationen ist das verbindende Element der beiden gesellschaftlichen und seelischen Gegensätze Stab und Netzwerk. Entweder es ist die Sorge oder es ist die Lust. Die entsprechenden Hexagramme des I Chings sind die folgenden.
Die beiden dem verbindenden Element der Sorge entsprechenden Hexagramme, Nr. 50 und 37, sind beide auf ihre Weise günstig, in sofern sich der schwächere Teil die geteilte Vernunft anerkennend in seine Rolle fügt.

So lange in den Netzwerken also ein verbindliches moralisches Element vorhanden ist, so lange das Salz seine Kraft nicht verloren hat, so lange ist die Gesellschaft stabil, unabhängig davon, ob die weltliche Macht stärker oder schwächer als die geistliche ist.

Aber wenn die Sorge als verbindendes Element wegfällt, sieht es weit schlechter aus.

Einzig Hexagramm 54 enthält eine Verheißung, aber nur für den Fall, daß die Partei mit äußerstem Ernst, äußerster Aufmerksamkeit und Vorsicht agiert, wann ihr also die Befreiung von der Fremdherrschaft beschieden ist. Allen anderen Parteien ist hingegen das Mißlingen ihrer Absichten vorhergesagt.

Hexagramm 63 beschreibt den langsamen Zerfall der Gesellschaft, in welchem sich die Stäbe gegen die Vorherrschaft der Netzwerke wenden, und Hexagramm 49 den schnellen.

Und Hexagramm 38 beschreibt die Mißgunst, welche Cliquen unter der Herrschaft von Stäben entgegenschlägt.

Wir leben noch in einer Zeit der Vorherrschaft der Netzwerke. Die Frage, welche mich in den letzten Tagen umtrieb, war, ob sich die Mitglieder dieser Netzwerke nun, da die Stäbe stärker werden, geräuschlos in diese fügen werden oder nicht.

Angesichts dessen, daß sich die heutigen Netzwerke zunehmend vom Frieden ab- und der Macht zuwenden, prophezeit das I Ching, daß die Unterordnung der Stäbe in der Rolle der Frau entweder der schleichend zunehmenden Unordnung oder der offenen Revolution weichen wird, und was meine Frage betrifft, so setzt der geräuschlose Überlauf entsprechende Erfolgsaussichten und einen hinreichenden Umfang zur Auflösung des Konflikts voraus.

Die Bereitschaft zu umfänglichem Überlauf ist sicherlich mancherorts vorhanden, ebenso wie die lageabhängige Aussicht auf Erfolg, aber aufgrund der Struktur der amerikanischen Hegemonie, welche ihre Stäbe prinzipiell nicht über die eigenen Landesgrenzen erstreckt, müssen die Amerikaner zuerst überlaufen und die Europäer bis dahin in ihren Netzwerken organisiert bleiben.

Es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß die Situation in Amerika selbst zu diffus ist, als daß seine Erfolgsaussichten hinreichend klar für den geräuschlosen Überlauf wären. Auch paßt die dazu nötige stillschweigende Abstimmung unter einander nicht recht zur amerikanischen Mentalität.

Wenn es also in Amerika zum Umsturz kommt, so wird Amerikas Peripherie wahrscheinlich zu Unterstützungszwecken mithineingezogen werden, exemplarisch an der ablenkenden Argumentation des SPIEGELs zum Thema Fake News heute schon zu studieren, als ob nicht jeder seiner Leser wüßte, daß sich die ganze Debatte nur darum dreht, sich von der CIA gefälligst jeden Bären widerspruchslos aufbinden zu lassen, und dies erschwert selbstverständlich die Mobilität zwischen den Lagern, so daß ein geräuschloser Überlauf auch in Amerikas Peripherie unwahrscheinlicher wird.

Mehr kann ich einstweilen kaum sagen, außer natürlich, daß die CIA weiß, daß sie einen schlechten Ruf besitzt, und diesen gezielt einsetzt, um scheinbare Partner zu diskreditieren, aber das Ausmaß der Rückenstecherei ist für die Beantwortung meiner Frage gar nicht von Belang: Johannes spricht von einer Zuspitzung, und es sieht auch eher nach Zuspitzung aus.

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16. März 2017

Passive und aktive politische Gemeinschaft

Die Betrachtung der europäischen Mobilisierungsgeschichte führt auf nur zwei wirksame Motivatoren, nämlich
  1. den Appell an das Bedürfnis nach passiver politischer Gemeinschaft und
  2. die Betonung der Vorzüge der Macht,
womit ich nicht gesagt haben möchte, daß es andernorts anders wäre; die Beschränkung dient allein zur Vergewisserung.

Passive politische Gemeinschaft bedeutet, sich in der Lage zu befinden, sich gegebenenfalls anderen anschließen zu können, also am Glauben der anderen nichts zu finden, was einem der eigene Glaube nicht erlaubte zu teilen.

Das bedeutendste Beispiel des Appells an das Bedürfnis nach ihr in der jüngeren Geschichte ist durch den Abolitionismus gegeben, und alle solchen Konflikte haben den Charakter der Bekämpfung einer Häresie.

Um sich weltweit gegen sie zu verwahren, genügte es nach meinem Dafürhalten bereits zu bekunden, daß es die Aufgabe einer jeden Gesellschaft ist, ihren Mitgliedern, gleich, wer sich auch sein mögen, insgesamt die besten Entfaltungsmöglichkeiten zu geben - eine Aufgabe, welche in Ansicht der Mitglieder allerdings durchaus entschiedene Parteiischkeit erfordert, um die tragfähigste Gesellschaftsphilosophie zu wählen, wie ich es in den Beiträgen zur Vereinbarkeit der Seelenteile in einer Kultur beschrieben habe, siehe etwa Gemeinschaftsstiftende Erzählungen und natürlich Nochmals zur Unvereinbarkeit aller Seelenteile in einer Kultur:
 Nur der behauene Stein besitzt Ausdruck.
Aber das sei hier nur am Rande ins Gedächtnis gerufen. Das eigentliche Thema dieses Beitrags ist ganz ein anderes. Gemeinsam die Vorzüge von Macht zu genießen, stellt zwar eine aktive politische Gemeinschaft dar, aber nur die allerprimitivste.

Nun war es allerdings lange Zeit so, daß sich das höchste Wohl einer Gesellschaft zugleich in der ihr größtmöglichen Machtfülle zeigte, so daß die größte Macht auch immer die besten Einrichtungen mit sich führte, es sei denn, sie wollte bloß verwüsten, was allerdings als distanzschaffende Maßnahme auch nicht unbedingt abzulehnen ist.

Heute hingegen sorgt die nukleare Abschreckung dafür, daß sich überlegene Einrichtungen nicht mehr militärisch bewähren oder anders ausgedrückt: Gesellschaftliches Wohl und militärische Macht können sich in einem breiten Band unabhängig von einander bewegen.

Und das führt dazu, daß die Betonung der Vorzüge der Macht einen zunehmend bedenklichen gesellschaftlichen Motivator darstellt. Und was bedeutet das?

Es bedeutet, daß die Menschheit dabei ist, ihre einzige gemeinschaftlich produktive Initiative an die Destruktivität zu verlieren:
Wo die Machtausübung nicht mehr auf das Gemeinwohl Rücksicht nehmen muß, da tut sie es auch nicht.
Die Abkopplung geschieht unter der Anrufung des Friedens, und sie verhindert auch Kriege, doch was uns heute in erster Linie beschäftigen sollte ist, was sie versäumt.

Sie versäumt es, neue Formen aktiver politischer Gemeinschaft zu etablieren.

Aktive politische Gemeinschaft sollte uns meines Erachtens bedeuten, nach Maßgabe unseres Urteils an der Gestaltung der Gesellschaft, in welcher wir leben, teilzunehmen, daß wir jedes Gesetz, welches zwischen uns gilt, absegnen können, und jedes Anliegen, welches uns am Herzen liegt, zu Ohren bringen, daß wir uns gegenseitig als politische Autoritäten anerkennen und die Körperschaft, in welcher wir solches tun, verteidigen.

Nicht alle müssen, ja, nicht alle können dieser Körperschaft angehören, aber vier von fünf Männern sollten es in jedem Land tun, und in ihr brauchen Gesetze allgemeine Zustimmung, Einzelne können aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, aber einen Disput um die Rechtmäßigkeit ihrer Gesetze kann sie sich nicht leisten, wenn sie sich als Ausdruck eines gemeinschaftlichen Willens verstehen will:
Zwar kann eine Regelung gelten, sobald sie die Unterstützung der Mehrheit hat, aber nicht, wenn sie auch nur jeder Zwanzigste für Unrecht hält.
Das ist der Sinn von Verfassungen, aber weder erfüllen sie ihn stets, noch bedarf er unbedingt ihrer: Letztlich zählt einzig die Bereitschaft und Fähigkeit einer Gruppe von Menschen, sich auf diese Weise zu respektieren.

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