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30. Juni 2015

Klang und Art

Musik kann viel aussagen, wenn die Georgier singen, beschreiben sie sich selbst, wie sie nun einmal sind, vor dem Hintergrund der Welt, wie sie nun einmal ist, wenn die Armenier singen, beschreiben sie, was ihnen in der Welt widerfahren ist und wenn die Deutschen singen, beschreiben sie, wo in der Welt sie hinwollen.

Die georgische Musik arbeitet geschickt mit harmonischen Brüchen, rhythmischen und melodischen Korsetten, ausgesprochen aufgesetzten Stimmlagen. Sie bildet einen Kanon gesellschaftlich akzeptierter Innerlichkeit, Temperament und Berührtheit zu einem Ausgleich zu bringen versuchend. Sie ist große Kunst, denn sie versucht den Menschen sowohl realistisch als auch erhaben darzustellen, sie ist es deshalb, weil im Bekenntnis alle Güter und Übel in sich zu tragen, der Schlüssel zu wahrem Adel liegt: Nicht nach Erklärungen zu suchen, um sich zu rechtfertigen oder abzufinden, sondern nach Kraft und Maß die eigene Natur in die Welt treiben zu lassen.

Freilich, der georgische Kosmos ist statisch, die Sterne an seinem Himmelszelt sind nicht nur gezählt, sie sind durchnumeriert. Die georgische Kultur ist authentisch antik, von ihrer Haltung aus sind die Araber ins Jammern verfallen und die Griechen ins Frivole abgeschwiffen, und doch sind diese beiden noch klar als ihre Ableger erkennbar, denn auch sie sind statisch, wohingegen das Leid, welches die klagenden Töne des Duduks heraufbeschwören, in der schieren Zeitlichkeit der Geschichte besteht: Die Georgier wählen die Zeit, in welche sie wollen, die Armenier verfolgen sie.

Und die Deutschen malen sie sich im wesentlichen aus, gewiß, bald da zu sein, nicht leidend, sondern munter: Wo der Armenier das Gewicht der Vorkehrungen sieht, da sieht der Deutsche die Möglichkeit zu sinnerfüllter Beschäftigung, der Weg ist nicht unbedingt sein Ziel, aber er kennt auch keine klare Trennlinie zwischen Weg und Ziel.

Dies alles spricht klar aus den Liedern der betroffenen Völker.

Und auch aus den Stimmen der Menschen spricht klar, wie sie in der Welt suchen.

Wenn ich mich höre, meine Stimme ist nicht außergewöhnlich, ich hatte sogar einen Freund in meiner Klasse, dessen Stimme meiner zum Verwechseln ähnelt, und wenn ich meine Wirkung aus einigem Abstand bedenken möchte, muß ich nur an ihn denken, also wenn ich mich oder ihn höre, so begegnet mir jemand, welcher davon überzeugt ist, daß es zahllose Menschen gibt, welche ihm gleichen, und welcher alles, was er in die Hand nimmt, daraufhin ansieht, wie es ihm und seinesgleichen wohl von Nutzen sein könne, wobei er gerne bei dem verweilt, was er gerade in seinen Händen hält, aber auch nicht zu lange, jemand, der in die Sonne blickt, wie sie im Meer versinkt und denkt: Und morgen ist auch wieder ein Tag.

Ich bin den Georgiern nicht ganz unähnlich, auch wenn ich ein ziemlich typischer Deutscher bin, es liegt an meinem Hang zum Episodischen, das heißt weniger an einem Drang zu neuen Ufern, als vielmehr an meiner Weigerung, irgendein Ziel für längere Zeit beizubehalten, nicht im Sinne von Orientierungslosigkeit, sondern im Sinne des Vermeidens mentaler Krämpfe: Ich vertraue darauf, daß mein Wille mich schon wieder an den verwaisten Arbeitsort zurücktreiben wird.

Man kann nicht sagen, daß ich meine Zeit wähle, sie wählt eher mich, und ich mache mich auf ihren Weg, nach deutscher Art, für eine Weile. Und doch, in dem Maße, in welchem mir die Geschichtlichkeit des Zieles egal ist, und die augenblickliche Erwähltheit alles, nehme ich das Statische wahr: Es bestimmt mein Denken nicht, aber im Laufe der Zeit orientiert es mein Denken.

Ich stehe seit ein paar Tagen vor dem Problem, mich mit mir selbst anstatt mit der Welt beschäftigen zu müssen, letztlich, weil auch ich in der Welt bin, viel habe ich heute nicht dabei gewonnen und doch etwas. Und morgen ist auch wieder ein Tag. Nun, gegen Mittag werde ich diesen Beitrag veröffentlichen müssen - den Rest des Tags hab' ich frei.

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27. Juni 2015

Elementare Betrachtungen zur Verteilung der Primzahlen

100010 : 2 in 6 = 2*3

100000 100010 100010 100010 000010 : 8 in 30 = 2*3*5

-7; -19; -17; -1, -29; -13; -11; -23 aus jeweils 30 : 48 in 210 = 2*3*5*7

-0*30-11, -4*30-1, -4*30-23, -6*30-7, -6*30-29; -1*30-13, -3*30-19, -4*30-11, -6*30-17; -1*30-1, -1*30-23, -3*30-7, -5*30-13; -0*30-19, -1*30-11, -3*30-17, -5*30-1, -5*30-23; -0*30-29, -2*30-13, -4*30-19; -0*30-17, -2*30-1, -2*30-23, -4*30-7, -4*30-29, -6*30-13; -2*30-11, -4*30-17, -6*30-1; -1*30-7, -1*30-29, -3*30-13, -5*30-19, -6*30-11; -1*30-17, -3*30-23, -5*30-7, -5*30-29; -0*30-13, -2*30-19, -3*30-11, -5*30-17; -0*30-1, -0*30-23, -2*30-7, -2*30-29, -6*30-19 aus jeweils 210 : 480 in 2310 = 2*3*5*7*11

Damit verbundener Satz. In Z2*3*5*...*p gibt es (2-1)*(3-1)*(5-1)*...*(p-1) invertierbare Elemente, oder gleichbedeutend so viele Elemente, welche weder durch 2, 3, 5, ... noch durch p teilbar sind.

Beweis. Es gibt einen Isomorphismus zu Z2 x Z3 x Z5 x ... x Zp, und zwar den durch (01, ..., 0k, 1k+1, 0k+2, ..., 0n) -> p1*...*pk*ek+1*pk+2*...*pn, ek+1=(p1*...*pk*1*pk+2*...*pn)-1 mod pk+1 gegebenen.

Wären die invertierbaren Elemente in Z2*3*5...*p gleichverteilt, d.h. gäbe es bei der Aufteilung der Intervalle keine Divisionsrestphänomene, so wäre die Dichte (d) der Primzahlen in [pn2, pn+12) also durch (2-1)*(3-1)*(5-1)*...*(pn-1) / 2*3*5*...*pn gegeben.

d = 0,5; 0,333; 0,267; 0,239; 0,208; 0,192; 0,181; 0,171; 0,164; 0,158; 0,153; 0,149; 0,145; 0,142; 0,139; 0,136; 0,134; 0,132; 0,13; 0,128; 0,126; 0,124; 0,123; 0,122; 0,12; 0,119; 0,118;

wobei die erste Dichte für das Intervall [4, 9) und die letzte für das Intervall [10609, 11449) gelten würde.

Wenn wir die letzte Dichte auf Z30 anwenden, so erhalten wir dort nur noch 3,54 an Stelle von 8 invertierbaren Elementen, und verliefe diese Reduktion wiederum gleichmäßig, so könnten wir im Intervall [10609, 11449) keine Primzahlzwillinge mehr finden.

Die Abweichung der lokalen Dichte invertierbarer Elemente in Z2*3*5*...*p von der Gleichverteilung läßt sich abschätzen, insbesondere ist sie oszillierend: Fällt sie an einer Stelle stärker als sonst, so fällt sie an den höheren Primzahlvielfachen dieser Stelle schwächer als sonst und umgekehrt, was sich auch schon an den angegebenen Beispielen ablesen läßt, 5 (30) verliert am Rand, 7 (210) um die Mitte, 11 (2310) um die Mitte sehr wenig und in der Mitte sehr viel.

Das soll indes für's erste zu diesem Thema genügen, ich habe es auch nur aufgegriffen, weil ich mit dem Gedanken liebäugelte, von meiner Inspiration in unverfängliche Gefilde geführt zu werden. Selbst ein Garten verlangt weltliche Arbeit, wenngleich vergleichsweise wenig, eine konsequente Reduktion menschlicher Existenz auf das Schöne endete in einem mathematischen Autismus.

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23. Juni 2015

Philip Kindred Dick's Metaphysik

Passend zu Johannisnacht und -tag, eine eingehende Beschäftigung mit Philip Kindred Dick's Interview aus dem Jahre 1979.
I was beginning to sense that what we perceive is not what was actually there. (20:31)
Dick geht von der Empfindung der Unvollständigkeit des Bewußtseins der immanenten Welt aus, welche in ihm gegenüber seiner Mathematiklehrerin, deren Andersartigkeit er durch immanente Betrachtungen nicht hinreichend zu erklären vermochte, aufstieg, um dann aber nicht wie Schopenhauer die Welt der Vorstellung als ausgedehnte Oberfläche zu beschreiben, hinter welcher der Wille in die Tiefe geht, oder wie ich als Welt der Erwägung, hinter welcher die Welt des Beschlusses steht, sondern indem er an der Stelle der gegebenen immanenten Realität eine andere immanente Realität vermutet, im Falle seiner Mathematiklehrerin etwa, daß sie in Wirklichkeit ein Automat sei.

Die Andersartigkeit, welche Dick da ausgemacht hat, ist übrigens das Resultat zweier gänzlich erwägender Bewußtsein, welche innerhalb gänzlich verschiedener Bereiche erwägen, denn es ist ein Charakteristikum der Erwägung, daß ihr Geist, ihre Identität, einzig von den Dingen abhängt, welche sie erwägt, das ist sozusagen beschlossen, und Schopenhauer nennt dieses Phänomen die Selbstentfremdung des Willens. Und auch Dick sieht das trotz seiner mechanistischen Auffassung der Unzureichendheit der immanenten Welt ganz genauso:
If I can make you see the world the way I see it then you will automatically think the way I think, you will come to the conclusions I come to. If I can control your perception. (28:18)
Aber während Schopenhauer das Übel in der Einseitigkeit des Bewußtseins, der Ausblendung des Willens ausmacht, welche die Wahrnehmung der fundamentalen Gemeinsamkeit verhindert (des tat twam asi, das bist du), sieht Dick es in der Angleichung zweier Erwägungen.

Nun, Viele, mich eingeschlossen, kennen sie aus dem ersten Semester Mathematik, wenn man in der Tat das unangenehme Gefühl hat, seine eigene Welt gegen eine andere, nicht unbedingt reichere, einzutauschen. Dennoch, ich habe mich damals überwunden, darauf vertrauend, daß ich schon nicht von meinen eigenen Fragen abgeschnitten würde. Und wenn ich auch über eine gewisse Strecke viele schöne Zusammenhänge, welche ich während meiner Schulzeit gefunden hatte, vergessen hatte, was indes schon während meiner Bundeswehrzeit einsetzte, war mein Denken damals doch zu ungerichtet, zu sehr in alle Richtungen gleichzeitig gehend, als daß ich den Fragen, welche mich damals am meisten interessierten, erfolgreich hätte nachgehen können, also ohne mich hoffnungslos zu verwirren.

Diese Ungerichtetheit des Denkens aufzuheben ist sicherlich auch die edelste Bedeutung, welche man uni-versal, auf eines gerichtet (nämlich die Definition), und damit der Institution der Universität geben kann.

Für Dick überwiegen hingegen die Nachteile der Angleichung, er sieht die politische Dimension, den Staat, welcher das Denken seiner Bürger durchdringt und nach seinen Wünschen formt - eine Gefahr, welche natürlich auch in den portugiesischen Staaten von Amerika (soweit ich weiß, hat der Papst die Linie woanders gezogen, aber egal), im Heimatland des Marketings, durchaus gegenwärtig ist.

Dabei geht Dick vom Unbewußten als der Quelle der unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt aus, eine Konstruktion, welche inhärent darauf hinausläuft, daß jeder seine dunklen Flecken besser für sich behalten sollte. Das ist in meinen Augen so allgemein gehalten, daß ich es ehrlich gesagt nicht weiter kommentieren möchte. Dick allerdings knüpft später daran an, wenn er sagt:
The irrational is the primordial stratum of the universe. It comes first in time and it is primary in ontology, in levels of essence, and it evolves from irrationality, chaos and blindness, into rationality, that is the irrational gives birth to the rational, and that the history of the universe is a movement from irrationality, which means chaos, cruelty, blindness, pointlessness, generates evolution out of it, a rational structure, which is harmonious, which interlocks, which is interlinked in a way that it is orderly and beautiful and harmonious, but this comes into existence only fitfully, slowly, sporadically, like lightning discharges, here and there, that is not ubiquitous. (1:20:40)
Und das möchte ich kommentieren. Nicht so sehr inhaltlich, wozu nur zu sagen ist, daß Schopenhauer dies bereits korrekt erklärt hatte, wovon Dick wohl nichts gewußt hat, andernfalls er nicht vier Jahre gebraucht hätte, um das zu formulieren, und der Rest menschliche Subjektivität ist, welche ich Dick, und auch mir selbst, gerne gönne, denn ob das Geschehen in der Natur ordentlich oder chaotisch erscheint, hängt nur davon ab, welche Distanz man zu ihm einnimmt, was sogar popkulturell in dem Song From a distance (God is watching us, from a distance.) zum Ausdruck gebracht wurde, sondern vielmehr auf die religiösen Erfahrungen, welche Dick zu dieser Sicht der Dinge gebracht haben, und die subjektive Notwendigkeit dieser Sicht für Dick bezugnehmend.

Ich mußte den Brunnen vertiefen, das Grundwasser war anderthalb Meter gesunken, also mußte ich den Schacht, in welchem das Wasserrohr verlegt war, ausheben und auch vertiefen. Und neugierig, wie Mäuse so sind, ist eine gleich in den Schacht gelaufen. Ich wollte sie mit dem Spaten rauswerfen, aber als ich in den Schacht gesprungen bin, ist sie mir direkt unter den Gummistiefel gelaufen. Sie war gleich tot, ich kenne den Reflex auch, in Gefahr sofort das Dümmste zu tun, dann geht sie wenigstens vorbei. Um ehrlich zu sein, es mag gut sein, daß ich die Maus im Sinne eines funktionalen voranschreitenden transzendenten Akts hypnotisiert habe. Und ich glaube, Dick hat sich seine Rattenhorrorgeschichte auch selbst erzeugt, aus demselben Grund, aus welchem ich mir einmal einen Autounfall erzeugt habe: Dick hat angefangen, für sein Leben eine Schuld zu empfinden, im Sinne eines Preises, welchen er für es bezahlen müsse. Ich schrieb vor kurzem über den dem zugrundeliegenden Mechanismus, es handelt sich um einen Aufruhr, nämlich den Aufruhr des Beharrens auf dem eigenen Leben unter Fremden, für welchen man gerichtet werden wird, und das beginnt einem irgendwann klar zu werden.

Dick wurde faktisch erlöst, freigesprochen, und aus seiner Stimme spricht die Heiterkeit, welcher derjenige empfindet, der erfahren hat, daß es Grund zur Zuversicht gibt.

Der Mensch lebt nicht, um sich zu ernähren, sondern um Entwicklungsperspektiven aufzudecken. Und Dick hat eine Entwicklungsperspektive für die Menschheit gefunden, an welche er glaubt, und in diesem Glauben wurde er gerichtet und bestätigt.

Meine Lage ist etwas anders. Meine Besorgtheit gilt keiner geschichtlichen Alltagserscheinung wie der Oszillation zwischen Republik und Imperium, sondern der äußersten Krisis der menschlichen Kondition in diesem Zeitalter. Dick hat seinen Aufruhr zum Schiedsspruch gebracht, indem er sich zu einem Krieger der Republik gemacht hat, und ich weiß wohl, für welche Sache ich kämpfe, aber manifeste Gegner, wie Nixon in Dick's Fall, gibt es für mich nicht, ich kämpfe eher... gegen das Nichts. Deshalb fühle ich mich auch nicht von meiner Lust an der Verwicklung, um Dick's Diana einmal so zu nennen - ich bin vielmehr meine Lust an der Verwicklung -, sondern von meiner Anteilnahme geführt (wenn du aber alt wirst...). Diesbezüglich bin ich also wohl das genaue Gegenteil Dick's.

Verwicklung und Anteilnahme sind die beiden Modi sozialer Interaktion, die Anteilnahme fragt, was der andere empfindet, die Verwicklung, was er fortan tun wird, die Anteilnahme betrachtet ihn als gewichtig, die Verwicklung die Reflexe, aus welchen die soziale Dynamik hervorgeht, die Anteilnahme sieht den Einzelnen, die Verwicklung das Netz.

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22. Juni 2015

Das Schwingen des Pendels

Was geschieht mit den Menschen, welche an Gemeinsamkeit glauben?

Die Kirche hat sie erzogen, die Neuzeit ihnen versprochen, die Rahmenbedingungen ihres Zusammenlebens selbst zu gestalten.

Indes, wir sind alle Anfänger und wissen, daß unsere Meinung nur in einer neuen Disziplin von Belang sein kann. Deshalb muß jede politische Bewegung mit dem Versprechen antreten, einen Bereich des Lebens zu regeln, an dessen Regelung noch niemand zuvor gedacht hat, nachdem die Regelung der Kernbereiche einmal aus königlichen Händen entwunden wurde, oder aber, wie wir heute beobachten können, an die Neuregelung von Bereichen gehen, welche die Kirche für sich aussparte.

Aber dieser letzte Schritt ist eher symbolisch, das formale Eingeständnis, daß das Zusammenleben überreguliert ist und sich der Glaube an die Gemeinsamkeit der Menschen nicht mehr zu politischen Zwecken mobilisieren läßt, denn es ist ja offensichtlich unsinnig zu glauben, daß jene, in welchen die kirchliche Lehre noch stark ist, die Neuordnung des christlichen Fundaments der Gesellschaft gerne sehen.

Jene haben sich schon seit mehreren Jahrzehnten dazu mißbrauchen lassen, das Leben kaputtzuregulieren, so daß heute kaum einer mehr eigene Vorstellungen in seine Erwerbstätigkeit einfließen läßt, sondern in allen Geschäftsbereichen folgeleistet, ensprechend schwer die Mobilisierung zu weiterer Regulierung eben fällt.

Aber genau sie ist die Basis der revolutionären Ordnung der Neuzeit. Ohne sie gibt es keine parlamentarische Demokratie kontinentalen Zuschnitts.

Die trostlose Lage der Menschen unter den Rahmenbedingungen, welche sie selbst für sich selbst geschaffen haben, führt natürlich dazu, daß viele Menschen heutzutage entschieden nicht an Gemeinsamkeit glauben. Und es ist nach dem vorigen völlig klar, was mit jenen geschehen wird: Sie werden skrupellos in die autoritären Strukturen strömen, welche an Stelle der revolutionären Ordnung treten werden, beziehungsweise tun es schon.

Von denen aber, welche an Gemeinsamkeit glauben, haben heute diejenigen den größten Verdienst, welche verhindern, statt zu erschaffen. Aber wer nur Rückzugsgefechte führt, kann einen Krieg für gewöhnlich nicht gewinnen. Und irgendwann dann bricht der Damm, und niemand wird mehr organisiert Widerstand leisten.

Das heißt natürlich nicht, daß es dabei bleiben wird, aber der heutige Widerstand hat keine Zukunft - leider.

Deshalb, was geschieht mit den Menschen, welche an Gemeinsamkeit glauben?

Die Lage ist der Situation nach der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen nicht unähnlich. Auch damals führten die Freien einen aussichtslosen, aber dennoch erstaunlich zähen Kampf gegen den Feudalismus, 300 Jahre lang währte ihr Widerstand, und als er zur Neige ging, setzen sie in England die Magna Carta durch.

Nun, ich will nicht behaupten, daß die Sachsen die einzigen wären, welche an Gemeinsamkeit glauben, aber administrativ gesehen haben sich meine Vorfahren mehr um sie verdient gemacht als die Kirche, welche schon immer zu autoritären Staatsgebilden neigte.

Gut, aber bei allem, was ein solcher Vergleich vielleicht auch lehrt, heute begegnet uns doch etwas anderes, und ich würde gerne einmal ohne Rückgriff auf die Johannesoffenbarung die nächsten Stationen durchdenken, welche sie als
  1. Schürung globalen Hasses auf die in New York ansässigen Institutionen, bis zur Vernichtung New York's durch zwei Atombomben,
  2. Kanalisierung und anschließende Erstickung des daraus entstehenden Enthusiasmusses durch globalen Krieg gegen Israel, in welchem sich Israel behauptet.
angibt.

Nicht, daß ich nicht daran glauben würde, es scheint mir vielmehr nahezu unausweichlich, wenn ich die beiden großen Irrtümer der Gegenwart bedenke, nämlich daß die im Entstehen begriffene Ordnung oder sie militärisch zu besiegen gut wäre, aber es kann nicht schaden, die Zukunft aus den Augen des Vertrauten heraus zu betrachten.

Wenn alles vernünftig, wenn auch unfrei, geregelt ist, und das ist das kommende Ideal, getragen vom Interesse derer, welche ihre gegenwärtige Stellung gerne perpetuieren würden, müssen sich die an Gemeinsamkeit Glaubenden zwangsläufig ihrem Menschsein zuwenden, umso mehr, als die heutigen Eliten das Resultat einer Negativselektion sind, in welcher die Heranleitung an das und die Zurückführung zum Schönen herausgefiltert wurden, so daß all ihre Vernunft den ihr eigenen Seelenteil nicht berührt.

Falls Sie nach päpstliches Codes suchen: Rein instrumentelle Vernunft.

Es ist eine Trivialität, aber ich möchte sie an dieser Stelle zu bedenken geben: Nicht jede Maxime, welche im Wohlstand gut ist, ist es in der Not auch.

Wir werden uns daran erinnern müssen, irgendwann, wenn der Glaube an Gemeinsamkeit einer hinreichenden Menge in seiner Substanz, das heißt
  1. in seinem öffentlichen Begriff und
  2. in seinen klimatischen Verkörperungsbedingungen,
als gefährdet erscheinen wird, und dazu muß es unter den bestehenden Voraussetzungen zwangsläufig kommen, freilich nicht morgen, aber die Saat, welche ausgesät wurde, wird aufgehen, und je größer sie wächst, desto deutlicher ihr Wesen zeigen.

Ich schreibe dies ganz ruhig, ich fürchte die kommenden Übel nicht, mein Problem ist, daß andere kein Problem mit dem bereits bestehenden Übel haben, und dieses Problem wird sich bald lösen, und zwar gründlich, niemandem wird es gelingen, der derzeitigen Dynamik zu entkommen, welcher nicht bereit ist, alles bestehende Übel hinter sich zu lassen. Es mag dabei aber gut sein, daß dieses bald erst nach meinen Jahren beginnt, ja, ich wünsche es fast, dann kann ich nicht in die mißliche Lage geraten, mitansehen zu müssen, wie etwas schiefgeht und niemand auf meine Warnungen hört. Noch ist Zeit, noch kann ich schreiben und noch können andere lesen. Und welche Zeitverschwendung das Lesen doch ist! Wenn man die Klassiker liest, Romane von mehreren Hundert Seiten, und sich gedanklich durch ihre Welten bewegt, sich mit den Beobachtungen und Einfällen eines anderen Menschen beschäftigt, und dem Widerhall lauscht, welcher aus dem eigenen Gemüt aufsteigt.

Es ist schön, keine Frage, und es braucht seine Zeit. Sei also niemand unglücklich darüber, daß sich die Welt langsam bewegt, und ersetze niemand Muße durch Bedrängung. Gut, und jetzt werde ich The three investigators: The mystery of the purple pirate weiterlesen. Was für ein Vergnügen, auf diese Weise eine Welt zu erweitern, welche seit Kindertagen in mir lebt.

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21. Juni 2015

Aufruhr

Es gibt einen Geist des Aufruhrs, der Unruhe, und in ihn einzutreten ist ein funktionaler voranschreitender transzendenter Akt.

Dabei ist es für den Eintretenden a priori keineswegs klar, daß es sich bei der Unruhe, in welche er sich begibt, um einen Aufruhr gegen etwas handelt, zunächst erscheint sie mehr als ein Durchatmen, geboren aus der Hoffnung, Fesseln abzustreifen, Fesseln, welche man sich selbst angelegt hat.

Diese Hoffnung existiert aber nicht losgelöst, sondern ist mit einer konkreten Handlung verbunden, welche man erwägt, und aus welcher sich die Unruhe speist. Es ist eine scheinbar private Handlung, welche die Gesellschaft scheinbar nichts angeht, aber welche Konsequenzen hat, welche die Gesellschaft berühren, ohne daß man die Art der Involvierung im Vorherein verstünde.

Indes, Zeichen bedeuten einem alsbald, daß man an einer Kollision teilnimmt, und je nach Art der Handlung kann man daraus Rückschlüsse auf das eigene Verhältnis zum bestimmenden Geist der Gesellschaft ziehen: Indem er just dieser Handlung feindlich entgegentritt, offenbart er einen Herrschaftsanspruch, gegen welchen man aufbegehrt.

Der Aufruhr ist also Gefahr und Möglichkeit, die Chance, dem bestimmenden Geist der Gesellschaft zu entkommen, aber nicht ohne Schiedsspruch, dieselbe Art Schiedsspruch, wie der Schiedsspruch der Jagd, welcher darüber befindet, ob der Jäger schwächer und hungriger oder die Beute gefressen wird.

Und manchmal halten einen andere Zeichen, nicht von der Art der Schiedssprüche, sondern von der Art der Wertschätzung, auch zurück und schützen einen, wenn man noch zu schlecht vorbereitet oder die Gelegenheit zum Wandel noch nicht gekommen ist.

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18. Juni 2015

Und der Himmel entwich, wie ein Buch zusammengerollt wird.

Was für Verdrängungskünstler wir sind!
Sehen nicht, woran wir glauben,
sehen nicht, was es uns tun läßt,
sehen nicht, zu was wir werden,
sehen nicht, was ihm auf dem Fuß folgt.

Aber das alles mögen wir sehn,
und die Gespinste der Meinung
wie eine trotzige Geschichte vergehn.

Wir täuschen uns über das Mögliche und das Unmögliche,
ziehen unsere Grenzen eng,
leugnen die Basis unseres Überlebens,
nämlich sich zu strecken, bis es für die eigenen Bedürfnisse reicht,
unternehmen keine Aufbrüche,
erwerben keine Fähigkeiten
und befestigen keine Schätze.
Und was uns ganz unmöglich ist,
was wir nie tun könnten, wenn es dazu käme,
das halten wir uns und anderen offen.

In welcher Welt leben wir?
Doch die, in welche wir selber fliehen,
in welcher wir Politikern unsere Meinung sagen,
uns für unsere Gespreiztheit als Künstler feiern lassen,
in welcher Frauen nur darauf warten,
uns die Hose zu öffnen und uns einen zu blasen.
Und wo diese Phantasien sich nicht gar verstohlen verwirklichen,
in Talkshows, Talentwettbewerben und Bordellen,
da liegen sie doch wie Kohlenmonoxid in der Luft
und ersticken das Leben.

Woher kommt das?
Woraus entspringt die Flucht aus der Wirklichkeit?
Wir sehen uns selbst
und werden hämisch.
So wenig sind wir,
daß wir meinen,
wir dürften uns verspotten
und Erklärungen an die Stelle unserer Natur setzen.
Ich erkläre mich zum Staatsmann,
zum Künstler,
zum Frauenheld.
Wozu erklärst du dich?
Eine interessante Mischung!,
das nenn ich eine Persönlichkeit!

Doch sieh!, es geschieht schon,
das alles entweicht,
wie eine Schriftrolle zusammengerollt wird,
und hinter ihm bleibt,
was so schamvoll verlassen,
das Leben.

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17. Juni 2015

Geschlechtsverkehr

Bemerkung. Als ich meinen Rechner einschalten wollte, um diesen Beitrag zu schreiben, mußte ich feststellen, daß die Sicherung herausgesprungen war, weil die Steckdose für den Stecker für die Pumpe im Brunnen naß geworden war. Ich sehe darin aber keinen Grund, diesen Beitrag mit anderen Worten zu beginnen als mit den folgenden.

Die Hauptschwierigkeit beim Geschlechtsverkehr ist die Nässe, der Schweiß auf der Haut und die Gleitflüssigkeiten in der Scheide. Denn wenn es so richtig flutscht, muß man arg aufpassen, daß es einem nicht entflutscht: Vor den Orgasmus der Frau hat Gott ihre Weite gesetzt, und sie weitet sich wie der Ozean, und man weiß nicht, wo in ihm sie schwimmt, und während man scheinbar ins Vakuum stößt, vorausgesetzt, sie sagt nicht gerade: Aua! Das ist zu tief!, doch das ist auch zu vermeiden, muß man die Spitze seines Schwanzes zur Mitte des Ozeans machen, indem man alle Gedanken der Welt auf ihn lenkt, bis sie hoffentlich kommt und man das ganze mit ein paar weiteren Stößen abschließen kann, eventuell wieder unter Wehklagen, wenn der Gedanke allein, es vollbracht zu haben, nicht zum Samenerguß reicht.

Die Wahrheit ist, der Akt ist für beide zutiefst widerwärtig. Physisch, das Brennen des Salzes auf der Haut, als auch psychisch. Dem Mann graut es vor der Frau, welche ihm da begegnet, welche alles fallen läßt und ihm die größte denkbare Aufgeblasenheit abverlangt, indem sie ihn zwingt zu sagen: Meine Eichel ist dein Gott!, und der Frau graut es vor dem Mann, welcher ihr da begegnet, welcher alle Rücksicht vergißt und sie dazu nötigt, alles aufzugeben, indem er sie zwingt zu sagen: Ich bin dein Acker!

So ist es stets, und wenn Mann und Frau nicht noch stärkere Bande verbinden, zeigt sich ihnen diese Widerwärtigkeit auch ungeschminkt. Andernfalls aber zwingen sie sie in das Geschirr der Liebe.

Dennoch, beide bezahlen. Ein Mann der fickt, wird willkürlicher, eine Frau die fickt, geschäftsmäßiger. Beide verlieren an Moral, er an Rücksicht, sie an Anspruch. Und Kinder bemerken diesen Schwund, und er ist ihnen unheimlich.

Auch aus gutem Grund. Es zeichnet eine Kultur aus, wenn sie Mann und Frau dazu bringt, in ihre geschlechtlichen Rollen hinein- und auch wieder herauszuschlüpfen, sich Rücksicht und Anspruch weitestmöglich zu erhalten, denn eine Gesellschaft, in welcher der Sog des Akts unwiderstritten zerrt, ist die Hölle. Man bedenke nur, daß Josef Fritzl samt Frau und Tochter immernoch zum gesunden Ausdruck dieses Sogs gehört, genau wie Lot samt Frau und Töchtern.

Aber es gibt auch eine pathologische Seite dieses Sogs, nämlich die Akzeptanz der Widerwärtigkeit, wenn ein Mann fickt, um zu erniedrigen, und eine Frau, um zu verderben. Diese sind Monster, und als Monster sollten sie dargestellt werden, was die Künste hingegen nur selten tun, meistens spinnen sie ein Geflecht scheinbar erklärender Gedanken, anstatt wie Dostojewski in Verbrechen und Strafe oder Tišma in Treue und Verrat das Inadäquate, das sich der Ordnung der Welt Widersetzende ans Licht zu zerren.

Freilich, nicht jede Vergewaltigung hat diesen Ursprung, sie werden beispielsweise auch als Strafe begangen, aber kein Mann dürfte sein Geschlechtsleben mit einer Vergewaltigung beginnen, er muß die inhärente Widerwärtigkeit des Aktes kennen, um ihn als Ausdruck von Gewalt zu suchen. Wer seine erste Liebe haßt, bringt sie vielleicht um, aber er vergewaltigt sie nicht, wobei das bevorzugte Mittel der Genugtuung im Iran und in Pakistan zur Zeit Säure zu sein scheint, welche der Verschmähenden ins Gesicht geschmissen wird.

Die Erwachsenen also, sofern sie keine alten Jungfern sind, haben diesen Schleier gehoben und tun ihr Bestes, ihn wieder zu senken, was sie in Kinderaugen flatterhaft und prinzipienlos und in den eigenen schizophren macht. Aber so funktionieren sie als Eltern. Kinder sind nicht umsonst, auf keine Weise, aber sie sind es wert, wenn man die Anstrengung nicht scheut.

Ich denke, das ist die Wahrheit des Geschlechtsverkehrs. Wenn eine Frau ihren Kitzler rubbeln muß, um zu kommen, findet gar kein Geschlechtsverkehr statt. Dann handelt es sich um gemeinsame Selbstbefriedigung, das heißt gegenseitige Beschämung, wobei... unter Umständen wäre das gar nicht weiter schlimm - wenn einem die Natur der Sympathie schlicht ein Rätsel blieb, bis sie sich auf diese Weise aufklärt.

Bei dem, was die Heutigen unter Sex verstehen, muß man sich aber fragen, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben oder schon mehrheitlich in der sehr pneumatischen Brave New World angekommen sind, wobei pneumatisch noch zu gut für sie ist!

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16. Juni 2015

Die Bedeutung der christlichen Schismen

Worin besteht das Wesen der katholischen und der orthodoxen Kirche, worin das des Protestantismusses? Was bedeutet ihr Glaube und zu welchen Taten leitet er sie an?

Ist es nicht so, daß der orthodoxe Glaube darin besteht, an das Bild Christi zu glauben, daß es diese Figur, diese Gestalt menschlicher Verfaßtheit, gibt? Und leitet sie dieser Glaube nicht dazu an, diese Figur stets von neuem auszumalen, sie in ihre Zeit und sich selbst zu ihr zu versetzen?

Und der katholische Glaube, ist er nicht der Schwur, Gottes Lehren lebendig werden zu lassen und Christi Saat auszutreiben? Und hat er sie nicht stets zusammengeführt, um die Gestalt der jeweiligen Epoche zu beschließen? Zu erwägen, worin der Wert der Zeit liegt und auf welche Weise sie Gott am fruchtbarsten loben könne?

Und der protestantische Glaube, besteht er nicht darin, einander Gemeinde zu sein und die Christi Lehren unter einander zu ehren? Und hat er sie nicht stets dazu geführt, diesen Lehren neue Bedeutungen zu geben und sie als gesellschaftlich verpflichtende Regeln anzunehmen?

Aber wenn es so ist, so ist der katholische Glaube der Glaube an die Zeit, an das Fortschreiten des Glaubenszykels, während der orthodoxe Glaube seine ideelle Phase nie verlassen hat und der protestantische seine funktionale Phase nicht: Die katholische Kirche ging weiter, die übrigen blieben zurück.

Und so sehen wir heute alle Phasen neben einander, die ideelle, die funktionale und die materielle.

Letztere ist an eine Vorstellung des Schlaraffenlandes gebunden, welche die Menschheit wie ein Gewicht in die Tiefe zieht, in welcher der Abschwung zum Aufschwung umschwingen wird. Die Katholiken sind damit zum Körper der Neugeburt geworden, während die Orthodoxen jener Geist bewahrt haben. Und die Protestanten?

Nun, sie protestieren gegen diesen Vorgang, sie halten das Bewußtsein der möglichen Alternativen wach und synchronisieren auf diese Weise die Neugeburt mit dem menschlichen Geschick.

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15. Juni 2015

Geschick und Charakter

Die heranleitenden und zurückführenden Stimmungen bedenkend, siehe Die sieben Feuer des Gerichts, scheint es mir schon so, daß die dem Schönen, Wesentlichen und Mächtigen verhafteten Stimmungen die Willen der Sorge, Achtung und Lust widerspiegeln.

Was wollen wir also sagen?

Sagen wir dies:
  • Die Beklommenheit zwingt auf den Weg der Gestimmtheit,
  • die Besessenheit auf den Weg der Erwartung und
  • die Betretenheit auf den Weg der Erregung;
das Geschick schiebt sich vor den Charakter.

Wir sind weiterhin, wer wir sind, aber wir richten uns nach den Geboten der Zeit.

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Die Aufklärung


Die Welt bietet mir nicht die Möglichkeiten, welche ich verdiene. Und meine Freundin findet das auch.


So, das wird jetzt sehr unangenehm, aber wir kommen da schon durch.

Ich war diesen Sonntag in Barclay de Tolly's Mausoleum. Ein eigenartiger Ort, als hätte nicht ein Deutschbalte, sondern Napoléon selbst das Mausoleum gebaut: Abgesehen davon, daß Napoléon es niemals dahin gebaut hätte, wohin die Hinterbliebenen Barclay de Tolly's es bauen ließen, nämlich auf ihr Gut im südestnischen Nichts, ist hier alles im imperialen französischen Stil gehalten, bis hin zu den Plaketten auf den Särgen. Kein zweites estnisches Bauwerk spielt auch nur auf ihn an.

Ich weiß nicht, ob es eine Hommage oder Spott ist. Oder gar eine Botschaft?: Wir wissen um alles, auch um unsere Grenzen.

Warum läßt man sich wie der Feind zur Schau stellen? Warum in seinem Stil, an einem Ort, an welchem kaum jemand davon Notiz nimmt? Daß Barclay de Tolly zunächst in der Nähe Insterburgs zur Schau gestellt wurde, tut nichts zur Sache, denn dabei handelte es sich um einen Zufall: Er starb auf der Durchreise und man behielt ihn da.

Ist es nur der Mantel der Geschichte, welcher Barclay de Tolly gestreift hat, und dessen Saum man auf diese Weise festhalten wollte?

Diese Zeit und ihr Stil sind sonderbar. Es geht eine enorme Unmittelbarkeit von Napoléons Partei aus, die narzißtische Kränkung ihrer zentralen Figuren, wie oben die Murats, ist mit Händen zu greifen: Nie wieder diesen Mist! Eure Zeit ist vorbei!

Es fehlt jedes Bewußtsein für Kultur, alles ist selbstverständlich, und ihre Lösung für Staatsaufgaben ist einfach: Gibt es ein öffentliches Interesse, so soll ihm der Beste gegen Bezahlung nachkommen.

Sie stehen auf sicheren Füßen, sie besitzen das technische Wissen der Zeit und eine Lebensauffassung, welche sorgfältig auf ein erfülltes Leben hin entwickelt und gelehrt wurde - nur wissen sie das nicht. Sie halten sich für würdig, aber ausgeschlossen, und verlangen, der Welt beweisen zu können, daß sie ihr gewachsen sind.

Natürlich haben sie in Rußland nichts zu suchen: Buchstäblich! Denn was gibt es in Rußland außer Holzhacken, Pilzesammeln und so weiter? Während die katholische Kirche bukolische Sehnsüchte entfesselt hat, gilt die Sehnsucht des Ostens der Klarheit und dem Frieden, und nicht Milch und Honig in Strömen und Brathähnchen, welche einem in den Mund fliegen.

Hesse verherrlicht dieses andere Ideal im Glasperlenspiel, die munteren, wissenden, strahlenden blauen Augen! Ich sehe sie des öfteren, vorgestern und gestern, nicht nur auf dem Bild Bennigsens, von welchem es leider keine angemessen hohe Auflösung im Netz zu geben scheint. Die nötige Intelligenz und Disziplin vorausgesetzt, ist es gar nicht schwer zu erreichen. Ich halte mich gern im Lemurenhaften, aber ich weiß um jenen Geist, und es ist mir eine Freude, in seiner Gegenwart zu verweilen. Murats moderner Wiedergänger dürfte Howard Stern sein. Ich glaube, ihm gegenüber empfände ich sie nicht.

Nun, die Bannzeichen stehen und wirken noch, mein Sohn übrigens: Das ist 200 Jahre alt, aber so schön!, den Triumphbogen mochte er auch schon (sein Pappmodell), aber die Lage ändert sich, es ist eine Art Erosion, welche ironischerweise die Erosion der Monumente übertrifft: Je mehr Zeit vergeht, desto jünger werden diese. Dasselbe gilt übrigens auch von der Generationenkette: Die Alten halten der Erosion besser stand als die Verjüngten, welche sie in ihrer Jugend in sich aufsaugen, und jene alsbald an Alter übertreffen.

Es ist so herrlich süß zum Tode.

Welche Ironie. Daß bukolische Genüsse die Welt so überwinden lassen, wohingegen jene, welche die Welt überwinden wollen, sich beharrlich in ihr halten.

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14. Juni 2015

Verlorene Jugend

Sicher, auf dem Grund meines Herzens fühlte ich irgendein Leben,
aber es trieb mich nicht in die Welt, sondern aus ihr,
zurück in die Vergangenheit, in die Zeit,
bevor es im Strom der Entwicklung auf seinen Grund sank.

Die Saat der Versprechen,
das Vertrauen auf die Lebenden,
als bliebe sie in einem fernen Nichts bewahrt.

All die kleinen Unannehmlichkeiten,
die Disziplin macht den Sinn taub gegen sie,
und alsbald strahlt selbst das Graue.

Aber das Vertrauen ist hin.

Wie es wohl je erfüllt wird?

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13. Juni 2015

Immanenz und Transzendenz in der Quantenmechanik

Ich halte wenig davon, das Wirken des Geistes auf der Grundlage physikalischer Theorien zu erklären, und zwar, wie Ian D. Lawrie schreibt, weil
Such understanding as we have has mainly been achieved by probing the structure of successively smaller constituents [...].
Dennoch, ein Gleichnis bietet sich an.

Materie ist laut Quantenmechanik ein Wirkungssuchentransmissor, das heißt, es laufen Wirkungssuchen wellenförmig in sie ein und, nachdem sie sich punktförmig in ihr zu Wirkungen konkretisiert haben, laufen sie wieder wellenförmig aus ihr heraus; nichts anderes besagt der Teilchen-Welle-Dualismus.

Die Wahrscheinlichkeit der Konkretion einer Wirkungssuche zu einer Wirkung an einem bestimmten Ort hängt von der Amplitude der (komplexen) Welle, welche die Wirkungssuche erzeugt, an eben dieser Stelle ab. Indes, nichts ist darüber ausgesagt, wo sie sich im Einzelfall tatsächlich vollzieht.

Nun gibt es Leute, welche auf den Gedanken gekommen sind, daß unser Bewußtsein just so eine Wirkungssuche sei; wohl in Anbetracht unserer absichtsgeleiteten Taten, während derer wir freilich eine der Absicht entsprechende Wirkung suchen.

Und, ohne diese These nun wirklich auf Herz und Nieren zu prüfen, warum auch nicht? Unser Geist muß unsere Nerven ja irgendwie dazu bringen, die richtigen Impulse an unsere Muskeln weiterzuleiten. Warum also sollte einem solchen Impuls keine Wirkungssuche im quantenmechanischen Sinne voraufgehen?

Nur... unser Nervensystem ist offenbar so gewachsen, daß die Konkretion dieser Wirkungssuchen zu Wirkungen mit einiger Zuverlässigkeit stets die gleichen Resultate liefert - oder jedenfalls doch sehr ähnliche. Die spezifische Eigenart einer Teilchen-Welle, örtlich unbestimmt zu sein, spielt bei ihr also keine Rolle. Zwar gibt es Einige, welche just in dieser Unbestimmtheit den Schlüssel zur Willensfreiheit ausmachen, doch ist das absurd - sie führt allenfalls zu Fuzzy Logic.

Man mache sich die Absurdität ihrer Verbindung mit der Willensfreiheit klar: Wäre es so, könnten wir Konkretionen zu Wirkungen minutenlang hinauszögern.

Doch kommen wir zum Thema dieses Beitrags, nämlich wie Immanenz und Transzendenz, Betrachtung und Beschlossenheit, quantenmechanisch gedeutet werden können.

Die Welt zu betrachten bedeutet, in ihr zu wirken zu suchen. Der Betrachtung entspräche also die noch nicht zum Teilchen konkretisierte Welle. Die Konkretion aber wäre das Beschlossene. Und während in ersterem Fall die Welle stets von uns ausgeht und auf uns zurückwirkt, bestünde Transzendenz gerade darin, sich für das Beschließende auch anderer Wellen zu öffnen, es zu ermöglichen, indem man den Beschluß für sich akzeptiert, sei es, daß man sich der inspirierten Einsicht überläßt oder an fortschreitenden oder zurücksetzenden transzendenten Akten teilnimmt.

Mit anderen Worten bestünden die beiden Welten, von denen ich im Beitrag Die Furcht Gottes geschrieben habe, darin, sich der eigenen Wellen oder aber der Konkretionen beliebiger Wellen bewußt zu sein; vergleiche dazu auch Seelische Schmerzen und Wege ihrer Auflösung.

Nochmals, ich denke nicht, daß es sonderlich fruchtbar ist, dergleichen zum Zwecke der Erlangung von Einsichten in das Wirken des menschlichen Geistes weiterzuverfolgen, aber es ist doch irgendwie anrührend, daß man in dergleichen einen Fingerzeig erkennen kann.

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12. Juni 2015

Schauende Geister

Im sanften Licht des nördlichen Spätfrühlingsabends erstrahlt klar,
was es bedeutet, an der Offenbarung der Wahrheit teilzuhaben.
Die Schüchternheit, mit welcher man die eigene Zustimmung zu den Ideen,
welche die Welt zu formen scheinen, registriert,
ist das Treiben im Strom dieser Formung:
Wer seinen Geist für sich bewahrt,
ist frei, ihn einzureihen,
wer sich die Welt erklären läßt,
bleibt vor den Lippen seines Lehrers stehen.

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11. Juni 2015

Die sieben Feuer des Gerichts


33 Stimmungen + 6 Kühnheiten + 3 Ängste = 42 Geschickoffenbarungen.

Ein Wort zu Ergebenheit, Achtung und Verwurzeltheit.

Es sind die Verneigungen vor dem Schönen, Wesentlichen und Mächtigen,
die Quellen, zu welchen wir zurückkehren,
wenn uns die Monotonie des Lebens ausdörrt:
Dann geben wir uns in die führende Hand,
erachten die Straßen des Geschicks
und vertrauen auf unsere Wurzeln.

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10. Juni 2015

Entscheidungen und die Rechenschaften der begründenden Ideen

Ich habe im Beitrag Ideen und die Überpersönlichkeit der Seele einen kleinen Fehler begangen, als ich die Haltungen direkt in die Liste der begründenden Ideen aufgenommen habe. An ihre Stelle gehören die Entscheidungen, welche in der Folge in Taten und Haltungen zerfallen, wobei Haltungen darin bestehen, Verhaltensregeln für sich anzunehmen.

Entscheidungen sind dabei, wenn man so will, private Erwartungen, welche sich indes von den eigentlichen, göttlichen, Erwartungen dadurch unterscheiden, daß man nicht unbedingt an sie glaubt, was bei Taten freilich nur möglich ist, wenn sie sich über einen längeren Zeitraum erstrecken; ansonsten kann man den Erfolg seines Tuns ja beobachten.

Wenn Sie spitzfindig sind, werden Sie sagen, daß dasjenige, welches man tut, immer gelingt, weil man es ansonsten ja nicht getan hätte, aber wer gerade die Türklinke herunterdrückt, würde der Aussage, daß er gerade die Tür öffnet, wohl zustimmen, auch wenn er nicht weiß, ob sie verschlossen ist oder nicht.

Der Punkt ist, daß wir in unserem Denken immer Absichten folgen, also stets Vorstellungen davon, was wir gerade tun, besitzen. Es kann auch nicht anders sein, denn selbst die Anspannung eines Muskels ist noch so eine Vorstellung, und es ist nicht unbedingt gesagt, daß uns seine Anspannung tatsächlich gelingt. Dennoch, an einem bestimmten Punkt entscheiden wir uns zur Tat und wissen das auch, und zwar, wie gesagt, durch (Miniatur-)Bestürztheiten. Und unsere Wahrnehmung dessen ist nicht rein Rechenschaft gebend, nicht rein vergangenheitsbewältigend, denn viele Taten besitzen eine zeitliche Ausdehnung (außer den Besinnungen alle), und wir müssen unsere Taten während dieser Zeit steuern, wozu wir sie als gegenwärtig stattfindend wahrnehmen, das heißt ihrem gegenwärtigen Stattfinden zustimmen.

Ein reiteriertes Beispiel dessen, daß unser Bewußtsein nie bei der Tat selbst ist, sondern immer nur bei dem, was sich aufgrund ihrer beobachten läßt, zeigt sich, wenn wir uns kratzen. Auch die Anspannung unserer Finger beobachten wir, aber sie spielt in unserer Absicht, wenn wir uns kratzen, keine Rolle, sondern nur, wie sich das Kratzen anfühlen soll. Naturgemäß können wir dabei nicht wissen, ob es sich tatsächlich so anfühlen wird, aber wir wissen, daß wir uns entscheiden, weil wir Bestürtzheit spüren, und wir sagen, daß wir uns kratzen, weil wir dabei die nämliche Absicht verfolgen, was recht eigentlich bedeutet, sich für etwas zu entscheiden, also ihm hinterherzustürzen.

Nur ist mit Hinterherstürzen nicht recht was gesagt, weshalb wir eben die Idee der Entscheidung benötigen, also um die Empfindung hinterherzustürzen als Zustimmung zu einer Entscheidung zu erklären.

Gut, kommen wir also zu den Rechenschaften der begründenden Ideen, das heißt der Detailbetrachtung der Rechenschaften.
  • Für Beobachtungen geben wir uns durch Zeugnisse Rechenschaft,
  • für Beweise geben wir uns durch Wissen Rechenschaft,
  • für Entscheidungen geben wir uns durch Verantwortung Rechenschaft und
  • für Bedeutungen geben wir uns durch Kenntnis Rechenschaft.
Wir bezeugen also, was wir beobachtet haben, wissen, was wir bewiesen haben, verantworten uns, für was wir uns entschieden haben und kennen, was wir definiert haben, wobei das Verb kennen sich auch auf das Beobachtete beziehen kann, nur ist es dann Bekanntschaft mit dem Beobachteten und nicht Kenntnis der Definition.

Wie ich bereits andeutete, gibt es im Fall der Besinnungen nur die Empfindung von Verantwortung, während uns die Empfindung der Entscheidung fehlt. Zwar empfinden wir, daß wir uns konzentrieren, und man kann sagen, daß wir uns dazu entscheiden, aber während der Konzentration gibt es keine Absicht dessen, worauf wir uns zu besinnen gedenken. Erst nachträglich können wir sagen, wir trügen dafür Verantwortung, daß es uns in den Sinn gekommen ist. Aber die Wahrheit ist wohl, daß wir diese Verantwortung auch nur partiell tragen, denn ich denke schon, daß unser Denken oftmals von einer anderen Intelligenz geleitet wird; freilich nicht unbedingt, wenn wir uns darauf besinnen, was wir zuletzt zu Mittag gegessen haben. Wie aber auch immer, für die Formalisierung unseres Denkens bedeutet das Fehlen der Absicht bei der Besinnung, daß wir einen retrospektiven Ansatz verfolgen können. Durch das Bewußtsein, sich gerade zu konzentrieren, ist offensichtlich wenig für sie gewonnen.

Abschließend möchte ich noch einmal das Schöne, Wesentliche und Mächtige betrachten, genauer gesagt die Zeitalter der Werke, Wunder und Wacht. Jedes solche Zeitalter muß in einem (oder mehr als einem) Bereich fortschreiten, für welchen wir uns Rechenschaft geben. Und ich würde sagen, es verhält sich damit wie folgt.
  • Der Fortschritt der Werke beruht (zuvörderst) auf dem Fortschritt der Begrifflichkeit (einem Teil der Haltung),
  • der Fortschritt der Wunder beruht (zuvörderst) auf dem Fortschritt der Beobachtungen und
  • der Fortschritt der Wacht beruht (zuvörderst) auf dem Fortschritt der Taten.
Dies deckt sich mit den zuvor genannten Mitteln der Zeitalter, Haltung, Beschäftigung und Freundeskreis, wenn man bedenkt, daß die Begrifflichkeit der am stärksten rückgekoppelte Teil der Haltung ist, also für die Entwicklung der Ethik am wesentlichsten, die eigene Beschäftigung in erster Linie davon abhängt, was man beobachtet hat, und die Verwurzelung im Freundeskreis eine Funktion übernommener Verantwortungen ist, wobei Taten im konkreten Lauf der Dinge ein größeres Gewicht besitzen als Haltungen.

Nicht, daß diese Betrachtungen von großem formalen Interesse wären, aber sie geben doch einen Eindruck vom Wesen der verschiedenen Zeitalter.

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9. Juni 2015

Seelische Schmerzen und Wege ihrer Auflösung

Der Beitrag Die zurückführenden Stimmungen ist, notwendigerweise, aufgrund meiner damals noch fehlenden Durchdringung des Zusammenhanges zwischen den Bestürztheiten und den spirituellen Warnungen, siehe Ideen und die Überpersönlichkeit der Seele, unvollständig, indem er nur den Schuldkomplex und den Trauerkomplex behandelt, und stellt darüberhinaus auch das Wesen der Beziehung zwischen diesen beiden nicht klar genug heraus.

Wie ich im zuletztgenannten Beitrag schrieb, befinden wir uns zu jeder Zeit in einem Jetzt der Beschlossenheit, über welches uns unsere Erwartungen Aufschluß geben, das heißt, sie geben uns darüber Aufschluß, woraus unsere jeweils jetzige Beschlossenheit besteht.

Wir erhalten aber auch noch auf eine andere Art Aufschluß über diese Beschlossenheit, und zwar durch Seelenschmerzen, welche uns die Lebenslust verursacht, weil unsere jetzige Beschlossenheit ihr im Wege steht.

Einen solchen Schmerz habe ich bereits angegeben, die Schuld. Und auch den Weg ihrer Überwindung, die Buße. Bußfertigkeit bedeutet, seine Haltung anzupassen, um der göttlichen Einsicht nicht verlustig zu gehen. Sie führt von Verworfenheit über Geduldetheit zurück zur Beschlossenheit der Gnade Gottes durch verliehene Einsicht.

Reue ist dabei der Motor der Bewegung. Und entsprechend sollten wir finden, daß auch die spirituellen Warnungen der Mahnung und Trauer Motoren von Bewegungen sind, wobei hier eine gewisse begriffliche Schwierigkeit vorliegt, denn diese Warnungen sind viel spezifischer als das, wonach sie benannt sind, Mahnung und Trauer. Ich kann also nicht einfach Mahnung oder Trauer schreiben, wenn ich sie meine. Stattdessen werde ich von Schicksalsmahnung und Lebenstrauer sprechen.

Und so ist es auch. Es gibt nicht nur einen Schuldkomplex, sondern auch einen Unwert- und einen Verstoßenheitskomplex. Ich werde sie hier zunächst alle drei nach einander angeben.

Der Schuldkomplex.
Gefallen: Ergebenheit,
Mißfallen: Schuld,
Vermissen: Reue,
Scheuen: Erschaudern,
Zuversicht: Geduldetheit,
Sorge: Verworfenheit,
Verpflichtung: Buße.

Der Unwertkomplex.
Gefallen: Achtung,
Mißfallen: Unwert,
Vermissen: Schicksalsmahnung,
Scheuen: Selbstwertgefühl,
Zuversicht: Ermattung,
Sorge: Albdruck,
Verpflichtung: Gehorsam.

Der Verstoßenheitskomplex.
Gefallen: Verwurzeltheit,
Mißfallen: Verstoßenheit,
Vermissen: Lebenstrauer,
Scheuen: Statusangst,
Zuversicht: Stärke,
Sorge: Schwäche,
Verpflichtung: Selbständigkeit.

Es ist bei allen diesen Komplexen so, daß ein Gut aufgrund einer unglücklichen Tendenziösität der zu Grunde liegenden Bestürztheit verloren geht und dies seelische Schmerzen verursacht, welche unter Umständen zu Aufwallungen gegen das augenblicklich Beschlossene führen und über den Weg der Verpflichtung zum verlorenen Gut zurück.

  • Wo die Grausamkeit fehltritt, das Erschaudern nicht Einhalt gebietet, da regt sich wohl die Reue um die verlorene Ergebenheit, und die Buße muß die Schuld tilgen.
  • Wo die Unbedingtheit fehltritt, das Selbstwertgefühl nicht Einhalt gebietet, da regt sich wohl die Schicksalsmahnung an die verlorene Achtung, und der Gehorsam muß den Unwert tilgen.
  • Wo die Folgsamkeit fehltritt, die Statusangst nicht Einhalt gebietet, da regt sich wohl die Lebenstrauer um die verlorene Verwurzeltheit, und die Selbständigkeit muß die Verstoßenheit tilgen.
Diese Rückkehr auf den rechten Weg ist zugleich ein Übergang von einer Normalität zur anderen, wobei die Buße wie gesagt die eigene Haltung korrigiert, und allgemein haben wir:
  • Die Buße korrigiert die eigene Haltung,
  • der Gehorsam korrigiert das eigene Wirkungsfeld und
  • die Selbständigkeit korrigiert den eigenen Freundeskreis.
Der Sinn seelischer Schmerzen besteht also darin, uns auf die Mißlichkeit des für uns beschlossenen Jetzt hinzuweisen, auf die Trübheit unserer Erwartungen, auf den Schrecken dessen, woran wir glauben, um uns die Möglichkeit zu geben, all das zu ändern.

Trauer allerdings, siehe den nachstehenden Trauerkomplex, bedeutet, nichts zu tun, sondern abzuwarten.

Der Trauerkomplex.
Mißfallen: Trauer,
Zuversicht: Trost,
Sorge: Bescheidung.

Sie ist notwendig, weil man manches Mal auch schlicht nichts machen kann, aber es ist gefährlich, sich trösten zu lassen, wenn die eigenen Erwartungen düster sind.

Anmerkung. Lebenstrauer ist nach dem vorigen keine Trauer. Allgemeiner sind Formen des Vermissens Formen der Kühnheit und Formen des Scheuens Formen der Angst, Lebenstrauer und Schicksalsmahnung also Formen der Kühnheit (auch wenn das ihre Benennung sehr unglücklich erscheinen läßt), wohingegen Trauer eine Stimmung ist, ebenso wie alle Formen des Gefallens und Mißfallens, der Zuversicht, Sorge und Verpflichtung. Man bemerke weiterhin die hiesige Einordnung der Ergebenheit, welche die etwas unklaren Bemerkungen im Beitrag Die Stimmungen des Waltens der Sorge präzisiert.

Freilich wäre es schön, dies alles ordnete sich weniger mißverständlich, aber das Problem bei allem diesen ist die Perspektive. Man kann ja sagen, man hätte sein Leben verloren, und trauerte nun um es, oder wäre dabei sein Schicksal zu verlassen, und würde nun daran gemahnt, aber diese Gefühle drücken die Kühnheit aus, das augenblicklich Beschlossene zu ändern, doch andererseits können wir verschiedene Dinge zugleich fühlen.

Dennoch, ich denke, das Schöne, Wesentliche und Mächtige sind sehr viel klarer geworden.

Das Schöne.
Situation: Beklommenheit,
Ansatz: Grausamkeit,
Methode: Einsicht,
Mittel: Haltung,
Ziel: Behaglichkeit,
Korrektur: Buße.

Das Wesentliche.
Situation: Besessenheit,
Ansatz: Unbedingtheit,
Methode: Anpassung,
Mittel: Beschäftigung,
Ziel: Fröhlichkeit,
Korrektur: Gehorsam.

Das Mächtige.
Situation: Betretenheit,
Ansatz: Folgsamkeit,
Methode: Geburt,
Mittel: Freundeskreis,
Ziel: Zärtlichkeit,
Korrektur: Selbständigkeit.

Die urbildlichen Verhaltensformen sind dabei Formen des Gebärens, im Sinne eines instinktiven Einverständnisses zeugungsgeleiteten Zusammenlebens, also die natürliche Verfassung einer Gesellschaft im Zeitalter der Wacht, welche auf diese Weise die Reinheit der Seelen überwacht, siehe Das Pantheon der urbildlichen Verhaltensformen.

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Nochmal Pythagoras

Wir definieren ein rechtwinkliges Dreieck als eine Hälfte eines diagonal durchschnittenen Rechtecks, so:


Drehen wir das mal um 90° und fügen es an:


und nochmal:


und nochmal:


Voilà, wir haben ein Quadrat konstruiert:


und die Summe zweier Quadrate:


aus gleichen Teilen.

Ist es die Möglichkeit?

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8. Juni 2015

Ideen und die Überpersönlichkeit der Seele

Ideen, in meinem Gebrauch des Begriffs, sind Aussagen, an denen wir einsehen können, daß wir ihnen zustimmen.

Es gibt sechs verschiedene Arten von Ideen, die zeitlichen,
  • Rechenschaften für die Vergangenheit und
  • Erwartungen für die Zukunft,
und die begründenden,
  • Beobachtungen für das sich Darstellende,
  • Beweise für das einzig Mögliche,
  • Haltungen für das selbst Gewählte und
  • Bedeutungen für das Gesonderte.
Wir stimmen einer Rechenschaft zu, wenn wir sie uns geben, und einer Erwartung, wenn wir sie erwarten. Beobachtungen stimmen wir zu, wenn sich etwas entsprechend darstellt, Beweisen, wenn sich etwas entsprechend verhalten muß, Haltungen, wenn wir uns entsprechend halten (im Sinne von Ja, ich halte mich so.) und Bedeutungen, wenn etwas in der Besonderheit der Beschaffenheit von etwas liegt, das heißt per definitionem so ist, wie es ist.

Haltungen sind dabei, technisch gesehen, ausgezeichnete Bedeutungen, das heißt Bedeutungen, welche unser Verhalten beschreiben, beispielsweise die Zuordnung von Wörtern zu Begriffen eines Wörterbuchs unserer Muttersprache.

Mit anderen Worten, daß ein Kreis Kreis heißt, dem kann man entweder im Sinne von Ja, so nenne ich ihn. zustimmen oder im Sinne von Ja, das entspricht der Bedeutung der deutschen Sprache. Der Bedeutung des Begriffes Kreis entspricht es beispielsweise hingegen, daß er keine Ecken im Sinne unterschiedlicher Limiten bei der Tangentenbestimmung besitzt, jedenfalls so lange wir vom natürlichen Begriff ausgehen und nicht von seiner mathematischen Definition, in welchem Fall es sich bei der Sache mit den Ecken nicht um Bedeutung, sondern um eine beweisbare Eigenschaft handelt. Ein Kreis hat keine Ecken. ist dann also keine Idee mehr, wohl aber der Beweis, daß es sich so verhält. Angehende Mathematikstudenten können ein Lied von der Verwirrung singen, welche diese Ideentransformation erzeugt, vergleiche auch Mathematik am Beispiel des Satzes des Pythagoras.

Ich möchte damit die Darstellung der Ideen im allgemeinen beschließen, der Meinung, daß die Vollständigkeit ihrer Unterteilung anhand der übergeordneten Aspekte, wenn nicht bewiesen, so doch individuell nachprüfbar gemacht worden ist, und mich den Erwartungen im besonderen zuwenden.

Erwartungen und Geschick.

Lassen Sie mich damit beginnen zu behaupten, daß es sieben Arten von Erwartungen gibt, sechs persönliche und eine unpersönliche. Die persönlichen zerfallen in zwei Dreiergruppen, die positiven und die negativen, welche jeweils mit den drei Bestürztheiten zusammenhängen.

Das Ziel dieser Betrachtung ist nun nichts weniger, als nachzuweisen, daß diese Struktur unserer Erwartungen die Existenz einer göttlichen Intelligenz mehr als nur nahelegt.

Der Schlüssel zu dieser Einsicht liegt in der Beobachtung, daß drei der spirituellen Warnungen unmittelbar mit unseren Bemühungen ums Schöne, Wesentliche und Mächtige zusammenhängen, und zwar
  • Enthebung in Beklommenheit zu Reue führt, wenn das beschlossene Schöne verletzt wird,
  • Auslieferung in Besessenheit zu Mahnung, wenn das beschlossene Wesentliche verletzt wird und
  • Unterwerfung in Betretenheit zu Trauer, wenn das beschlossene Mächtige verletzt wird.
Um an dieser Stelle begriffliche Verwirrung zu vermeiden, ist es erforderlich, von willkürlicher und unwillkürlicher Besessenheit zu sprechen. Die spirituellen Warnungen sind Beispiele unwillkürlicher Besessenheit, das bewußte Anstreben (subjektiv) voranschreitender transzendenter Akte hingegen ist willkürliche Besessenheit, und nur letztere kann sich gegen das Beschlossene wenden, wohingegen erstere Angst und Schrecken der spirituellen Warnungen erzeugt

Wir sehen also, daß spirituelle Warnungen unserer Intelligenz entgegentreten. Aber betrachten wir das genauer.

Was wir persönlich erwarten, hängt von unserer Bestürztheit ab.
  • Sind wir beklommen, so erwarten wir Einsichten, um uns in unvermeidlichen Konfrontationen zu retten,
  • sind wir willkürlich besessen, so erwarten wir Anpassungen an uns, um aus unserer Ohnmacht befreit zu werden und
  • sind wir betreten, so erwarten wir Geburten, welche uns den Weg zu neuen Ufern ermöglichen.
Wir erwarten auch deshalb Geburten, weil wir auf die Vollendung eines Werkes hinarbeiten, welches wir uns selbstverständlich fruchtbar denken, vergleiche Eine Erkundung des menschlichen Geschicks. Unterwerfung zu (subjektiv) zurücksetzenden transzendenten Akten ist dabei eine Form der Geburtsbitte, Auslieferung zu (subjektiv) voranschreitenden transzendenten Akten eine Bitte um Anpassung der Welt.

Aber es sind eben nicht nur positive Erwartungen, sondern auch negative, wenn wir also keine Einsichten erwarten, und deshalb Reue empfinden, keine Anpassung, und deshalb Mahnung, und keine Geburt, und deshalb Trauer.

Verlieren wir ein paar Worte zu diesen Verletzungen des Beschlossenen. Gott leitet nur den, wer sich um ihn bemüht, wer ihm den Rücken kehrt, von dem wendet auch Gott sich ab. Wer das Schöne mit Füßen tritt, muß erkennen, daß Gott ihn verlassen wird, wenn er nicht Buße tut. Wer hingegen meint, seine privaten Befindlichkeiten gegen das Wesentliche in Stellung bringen zu müssen, wird ermahnt: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen! Und wer meint, er könne Unfruchtbares zur Geburt bringen, den wird der kalte Atem der Trauer umwehen.

Unsere Erwartungen geben uns also Aufschluß über das Beschlossene, im Positiven wie im Negativen. Aber das Beschlossene ist immer nur innerhalb einer bestimmten geistigen Verfassung beschlossen, und wenn sich unsere geistige Verfassung ändert, so ändert sich auch die göttliche geistige Verfassung ein Stück und über sie auch die anderer Menschen. Es ist also immer alles nur für die Gegenwart beschlossen, wenn man es streng nimmt, wir wissen, was wir zu erwarten haben, wenn wir etwas jetzt versuchen. Indes ändert sich dieses Jetzt nicht von alleine.

Bleiben die unpersönlichen Erwartungen, unter welche auch die verbliebenen spirituellen Warnungen, also die Ahnungen fallen. Im Gegensatz zu den anderen Formen der Erwartung kann hier so ziemlich alles erwartet werden, wobei das erschreckendste Beispiel sicherlich durch die Johannesoffenbarung gegeben ist, welche darüberhinaus zeigt, wie viel bereits Jahrtausende zuvor beschlossen war, woran sich alldieweil nichts geändert hat.

Anmerkung. Ich hatte im Beitrag Eine Erkundung des menschlichen Geschicks behauptet, Taten könnten nur in Betretenheit und Beklommenheit münden, nicht aber in Besessenheit. Das gilt für willkürliche Besessenheit, nicht für unwillkürliche, wofür Reue das nächstliegende Beispiel liefert. Wahrscheinlich geht es bei der Nichtigkeit aller Taten, welche sich in den Upanischaden findet, gerade um diesen Punkt.

Wenn ich meine Erwartung erforsche, so finde ich dort den Glauben an die Geburt einer Zeit, in welcher die Menschen sich die Möglichkeit der Anpassung der Welt an sie erschließen. Darin bleibe ich des mir gewährten Lebens Knecht. Aber es ist noch hin. Von den Heutigen erwarte ich diese Erschließung nicht, die allermeisten haben noch andere Sorgen.

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7. Juni 2015

Die Stufen von einer Normalität zur andern

  1. Befestigt
  2. Sich zurückhaltend
  3. Ausstreckend
  4. Sich ablösend
  5. Befestigt

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6. Juni 2015

Pornographie

Ich gehe in diesem Beitrag der Frage nach, ob etwas, und wenn ja, was an Pornographie als solcher falsch ist.

Der Zusatz als solcher ist wesentlich, denn wenn man Pornographie als Massenphänomen der Gegenwart betrachtet, kommt man zu ganz anderen Antworten, Antworten, welche ich auch bereits gegeben habe: Am häufigsten geht es Frauen in Pornos um das, was Männer repräsentieren, nicht unbedingt die männlichen Pornodarsteller, sondern Männer überhaupt, und am zweithäufigsten handelt es sich um Frauen, welche ausprobieren, wie es so ist, ihre Sexualität auszuleben.

Erstere nenne ich Fetischisten oder Götzendiener und den Götzendienst eine psychische Krankheit, welche sich nirgends so deutlich wie in der Pornographie zeigt, und letztere sind Frauen, welche zeitlebens adoleszent bleiben, also nie die Antwort auf die Frage finden, wer sie sind, sondern zeitlebens darüber spekulieren. Der Grund, warum es sich bei ihnen nicht um eine Phase handelt, besteht darin, daß sie keine Scham empfinden, sie öffentlich zur Schau zu stellen.

Um Scham geht es hier übrigens auch nicht, aber es ist besser zu wiederholen, um was es sich bei Scham handelt, nämlich um die Angst vor der eigenen Unerfahrenheit bei gesellschaftlichen Auftritten, siehe auch Scham.

Schamlosigkeit ist also nur dort etwas schlechtes, wo sie zu gesellschaftlichen Auftritten führt, welche für den Auftretenden oder, in ihrer Masse, für die Gesellschaft schädlich sind. Und da wir uns hier mit der Frage nach der möglichen Schädlichkeit der Pornographie befassen, müssen wir auf die davon abhängende Frage, wie sich mangelnde Angst vor der Beteiligung an ihr auswirkt, nicht gesondert eingehen.

Frauen, welche ihre sexuellen Experimente öffentlich aufführen, können sie später nur schwer wieder abstreifen. Es gehört nur wenig Intelligenz dazu, diesen Zusammenhang zu verstehen, und entsprechend schützt ihr Instinkt diejenigen Frauen davor, welche daran glauben, daß es sich dabei nur um eine Phase handelt. Für Männer gilt das selbstverständlich genauso. Daß Götzendienst zu Götzendienst aufruft, ist klar. Bei Adoleszenz verhält es sich hingegen nur bedingt so. Sicher, eine entsprechende pornographische Darbietung weckt entsprechende Tendenzen, aber darüber wird kaum jemand seinen Glauben verlieren, daß es sich bei der Adoleszenz für ihn nur um eine Phase handelt. Dennoch, es wäre hochgradig unvernünftig, regelmäßig derartige Tendenzen in sich zu wecken, wenn man von dem Ort, an welchen sie führen, nichts wissen will. Die Lage hier dürfte Alkoholkonsum vergleichbar sein, während jede Bejahung von Götzendienst ipso facto eine Verspottung der eigenen Seele ist.

Dies also ist die pathologische, oder zumindest problematische, Sexualität. Ich mag keine Beispiele für Pornodarstellerinnen dieser beiden Arten angeben, weil es nur dazu führen würde, daß sich der eine oder andere schädlichen Einflüssen aussetzte.

Es gibt hingegen auch einige Pornodarstellerinnen, deren Sexualität vor der Kamera gesund ist, und mit diesem Phänomen möchte ich mich an dieser Stelle beschäftigen.

Ich selbst war schon nacktbaden und auch schon nackt in einer gemischten Sauna, wenngleich beides nur (jeweils) eine handvoll Mal. Manchmal gab es dabei eine sexuelle Spannung, manchmal auch nicht. Ich schäme mich nicht dafür, und ich habe mich damals nicht dafür geschämt. Und wenn heute, wo jeder ein Handy hat, irgendein Arsch in der Umkleide ein Photo von mir schösse, würde ich ihm zwar eine ins Gesicht schlagen, wenn ich ihn dabei erwischte - denke ich jedenfalls -, aber letztlich wäre es mir egal, wie es mir auch egal ist, wenn Gerüchte über die Länge meines Schwanzes die Runde machen. Alles, wozu das führt ist, daß ein paar Frauen freundlicher zu mir sind. (Übrigens, zeigen Sie mir den Mann der unfreundlich zu einer Frau mit dicken Titten ist - es gibt so etwas wie den Respekt vor den Geschlechtsteilen als solchen, dem Aphroditischen, sozusagen.)

Hingegen, wenn mein Sohn beispielsweise herumläuft und sagt: Mein Vater hat einen größeren Schwanz als du!, was er leider tut, ist mir das nicht egal. Vielleicht, wenn Sie das lesen, stellen Sie hier eine Spur von Heuchelei fest, aber ich bitte Sie zu beachten, daß ich keine konkreten Referenzpunkte angebe, und dies ist ein Beispiel dafür, daß der Zweck die Mittel heiligt, denn wie sollte ich dieses Thema besprechen, ohne wiedererkennbare Anhaltspunkte irgendeiner Art anzuführen?

Natürlich denke ich dabei an den Schutz meines Sohnes, denn es gibt weiß Gott klügere Weisen, in der Sauna ein Gespräch zu beginnen, und sei es nur, daß Angeber kaum irgendwo wohlgelitten sind, aber in der Hauptsache geht es um etwas anderes: Eltern müssen davon ausgehen, daß andere davon ausgehen, daß ihre Kinder das tun, was sie von ihnen wollen. Und ich will derartige Intimitäten nicht veröffentlichen, nicht, weil ich nicht angeben mag, das auch, aber nicht in der Hauptsache, sondern weil die Veröffentlichung des Intimen ein Eingeständnis ist.

Was für ein Eingeständnis?

Ich könnte die Antwort jetzt angeben und den Beitrag an dieser Stelle beschließen. Aber dann hätte ich nur behauptet, daß es Frauen gibt, deren abgefilmte Sexualität gesund ist, das heißt von anlehnender oder politischer Art. Ich würde sie dazu gerne selber zu Wort kommen lassen, und sei es nur, aus verschiedenen Gründen, indem ich ihre Augen zeige.










Die ersten acht posieren nur (meistens, jedenfalls), die neunte zeigt der Welt mithilfe eines Spielzeugs, daß sie zu einem vaginalen Orgasmus fähig ist; nichts großartiges, nicht so wie bei Anya Zenkova oder Karina Hart, aber immerhin.

Diese Namen habe ich jetzt übrigens explizit angegeben, weil ich denke, daß es von Vorteil ist, sich Frauen dieser Stimmlage und dieses Körperbaus auf halbwegs sichere Weise annähern zu können. Na, Sie verstehen schon, so wie bei Schwarzen Löchern: Vollständige Absorption, nichts dringt mehr nach draußen. (Wo bleibst du? Hierher! Muß ich etwa auf dich warten?)

Ja, darin wird das angesprochene Eingeständnis geradezu herausgeschrien, sonst eher achselzuckend zugegeben: Es gibt nichts, was ich dir versprechen kann, außer mich selbst.

Gott sei Dank gibt es nur wenige Frauen, welche denken, daß das sehr viel ist und jeden Mann zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet. Andernfalls würden in der heutigen Zeit nur noch blutleere Männer durch die Straßen schlurfen. Aber auch so ist es natürlich bedenklich, wenn sich immer mehr Menschen auf Normalnull einpendeln, sich mit jeder Welle hebend und senkend. Und genau das bedeutet die Ausbreitung der pornographischen Gesinnung unter Gesunden.

Freilich, über das quantitative Verhältnis zwischen kranker oder problematischer und gesunder pornographischer Gesinnung kann ich nichts aussagen. Was die Pornoindustrie angeht... ich habe im Laufe von 15 Jahren gerade einmal 72 gesunde Darstellerinnen gefunden. Beachten Sie die genaue Zahl nicht, reiner Zufall. Ich vermute, in der Realität ist das Verhältnis nicht ansatzweise so giftig, aber ich denke schon, daß beide Lager substantiell wachsen: Die Verblendung nimmt zu und die totale Gegenwärtig-, sprich Absichtslosigkeit, auch.

Es ist wohl eine folgenschwere Konstellation, sie sieht nach großem Abgang aus, als würde ein Eisberg geboren werden.

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5. Juni 2015

Von der Rechthaberei

Wer in den Gedanken des Gegenübers
die Schranken und nicht den Keim der Einsicht sucht,
ist dabei dem Gespräch die Tür zu verschließen
und sich in die Verdammnis der Beziehungslosigkeit zu begeben.

Lübecks Bürgermeister sagte gestern: Wir sollten über alles, was uns trennt, hinweg gut zusammenarbeiten, aber auch über alles, was uns verbindet!, nicht?, so ist das gemeint.

Herr Saxe, Zusammenarbeit ist immer nur auf dem Fundament dessen, was einen verbindet, möglich, beispielsweise sich im selben Universum zu befinden. Sie können diesen Grundsatz nicht mit politischen Willenserklärungen aus der Welt schaffen. Und Sie müssen den Esten nicht auf so grauenvolle Weise zu verstehen geben, daß sie keine Vorzugsbehandlung zu erwarten haben. Sie werden weiter werben, und Sie werden sich weiter umwerben lassen.

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4. Juni 2015

Heranführung als immanente Phase der Heranleitung

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Der Unterschied zwischen Führung und Leitung besteht darin, daß bei der Leitung die Umstände so gestaltet werden, daß sie unabhängig von vorgefaßten Beschlüssen das Objekt der Leitung dahin bringen, sich dem Ziel zu nähern, während die Führung das Einverständnis des Geführten, sich führen zu lassen, voraussetzt.

Leitung bedeutet also, Möglichkeiten zu eröffnen und andere zu verschließen, während Führung bedeutet, seinen Platz im Möglichen an den Mann zu bringen.

Ereignen wird sich das indessen nur, wenn die Geführten aufgrund dessen, was sie leitet, in die Richtung wollen, in welcher sie den Führer vermuten. Führung bedeutet stets die ruckhafte Verschiebung aus der gesellschaftlichen Mitte in die Extremität, in welche sich ein Vorläufer begeben hat, und das Geschick der Geführten hängt wesentlich davon ab, wie treu der Vorläufer dem geblieben ist und bleibt, was sie zu ihm leitet.

Es ist so, als würde eine Frau einem ihren Körper zur Verfügung stellen. Vergißt man angesichts dessen ihre Wünsche oder nicht?

Wenn man den optimalen Orgasmus will, vergißt man's nicht, aber mancher gibt sich mit weniger zu Frieden, und so kommt es, daß sich in den Geführten Laster festsetzen und durch sie hindurch auch auf den Rest der Gesellschaft ausstrahlen.

Aber es glückt auch, und die Führung vermittelt, wessen Erwartung die Leitung formte.

Vor allem natürlich bei Reiseführern, aber nehmen wir das ruhig als Anleitung: Solange wir uns daran halten, andere an unsere Erfahrungen heranzuführen, können wir nicht fehlgehen. Was darüberhinausgeht ist schwer.

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2. Juni 2015

Bedachte und Geführte

Man kann sämtlichen persönlichen engagierten Frauen einen der drei Aufmerksamkeitsgrade, gebraucht, bedacht oder geführt, zuordnen, und nicht nur den leistungserwartenden.

Die Vermutung lag von Anfang an nahe, aber ich habe sie erst jetzt bestätigen können, da mir nur einzelne Beispiele vor Augen standen und stehen. Nun wage ich mich vor, weil ich erkannt habe, daß die höheren Aufmerksamkeitsgrade, bedacht und geführt, mit einer unausgesprochenen urbildlichen-Verhaltensform-Erwartung einhergehen. Jede solche Frau umweht also eine Erwartung von Aphrodite, Pan, Athene, Artemis, Apollon, Themis, Ares, Zeus oder Dike, wobei ich lediglich für Pan, Athene, Artemis, Apollon, Ares, Zeus und Dike Beispiele kenne, was Aphrodite und Themis indes schwerlich aussschließt. Stören Sie sich dabei nicht am Geschlecht der griechischen Gottheiten - es tut nichts zur Sache.

Wie ich bereits seit den Anfangstagen dieses Blogs, das Blade Runner-Script einmal nicht mitgerechnet, geschrieben habe, hängt der persönliche geistige Horizont mit dem Bewußtsein für Moden zusammen, denn der Gegenstand seiner Faszination, die eigene Haltung, ist das Material, aus welchem sie gemacht sind. Was an dieser Stelle nun hinzukommt, ist, daß den Frauen eines höheren Aufmerksamkeitsgrades sozusagen alle Macht über dieselben gegeben ist: Sie wählen eine zeitgemäße Konkretion der urbildlichen Verhaltensform, welche sie erwarten, und diese Konkretion strahlt sowohl äußerlich auf die Gesellschaft aus, als sie auch innerlich vor Gott erwogen und entschieden wird.

Es ist ein Beispiel dafür, daß Gott die Dinge stets auf der Grundlage des Bewußtseins beurteilt, welches sie am klarsten erfaßt, und gerade das zeichnet die höheren Aufmerksamkeitsgrade aus, daß es ihnen um die Haltung an sich geht. Dabei ist das Bewußtsein der Bedachten nicht unbedingt undeutlicher als das der Geführten - letztere sind nur einseitiger, ihnen geht es nur um die Haltung an sich, während das Persönliche stillschweigend zurücktritt, wohingegen am anderen Ende des Spektrums die Haltung für die Gebrauchten dem Persönlichen untertan ist.

Dies betrifft die Konkretion der Haltung in zeitgenössischen Moden, nicht die Erwägung des ethischen Werts einer Haltung. Andere bestimmen den Glauben eines Landes, die Bedachten und Geführten die Gespräche in ihm. Und indem sie den organisierten Stichwortgebern entgleiten, kehrt das Leben in es zurück. In Deutschland, beispielsweise, mag es 3 888 889 bedachte und geführte Frauen geben, und jede einzelne von ihnen vermöchte es, die Männer in den Wahnsinn zu treiben.

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