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29. Juli 2012

Politik in den Vereinigten Staaten

Es genügt letztlich zu wissen, daß die Vereinigten Staaten ständisch organisiert sind, um ihre Politik vorhersagen zu können, nämlich als das Ergebnis von in den höheren Ständen geschlossenen Kompromissen.

Nichtsdestotrotz möchte ich mich einmal etwas eingehender mit ihrem politischen Leben beschäftigen, nicht zuletzt, weil ich mir jüngst Grover Norquist und Frank Gaffney zu Gemüte geführt habe.

So sehr sich beide zur Zeit auch bekämpfen, ihre Karrieren sind einander doch sehr ähnlich. Beide habe zu Reagan's Zeiten Institute gegründet, um einzelne Aspekte von Reagan's Politik zu popularisieren, Grover Norquist die Vorstellung, daß die Administration eines Staates weit weniger als ein Drittel seiner wirtschaftlichen Leistung kosten sollte und Frank Gaffney die Vorstellung, daß Frieden und Sicherheit auf der Welt nur durch Amerikas militärische Übermacht erreicht werden können.

Der Grund, warum sie sich jetzt bekämpfen, besteht darin, daß es passieren könnte, daß die Vereinigten Staaten ab dem nächsten Jahr an ihrem Militär sparen. Nun, sie bekämpfen sich schon etwas länger, aber die Gegensätzlichkeit ihrer Positionen ist ja auch schon seit etwas längerer Zeit absehbar gewesen.

Beide kommen regelmäßig in den amerikanischen Medien zu Wort und bringen ihre jeweilige Botschaft unters Volk. Auf der linken Seite des politischen Spektrums sieht es nicht anders aus. Die propagandistische Arbeit wird von Proponenten betrieben, welche sich mit einer bestimmten Erzählung einen Namen gemacht haben, sei es die Erzählung vom schlanken Staat, der Ruhe durch Stärke oder der sozialen Gerechtigkeit.

In einem Punkt unterscheiden sich linke und rechte Proponenten aber, rechte Proponenten werden von interessierter Stelle für ihre Arbeit bezahlt, während linke Proponenten als Teil eines Netzwerkes agieren, dessen Interessen sie unter dem Mantel des Einsatzes für das Volk vertreten, was dazu führt, daß man auf der Rechten sowohl die durchgeknallteren als auch die aufrichtigeren Figuren findet.

Die Art und Weise, wie die Linke zur Zeit gegen Grover Norquist vorgeht, illustriert sehr schön ihre persönliche materielle Betroffenheit, viel fehlt nicht dazu, daß sie zu beißen und zu kratzen anfängt, der weinerliche Unterton ist schon jetzt deutlich hörbar.

Die Linke insgesamt bildet zusammen mit den Wirtschaftsvertretern und dem Militär die mittlere Führungsschicht. Die obere Führungsschicht ist hauptsächlich damit beschäftigt, ein funktionierendes Gleichgewicht innerhalb der mittleren herzustellen, welche für die meisten beobachtbaren politischen Projekte der Vereinigten Staaten verantwortlich ist, und zwar als solche, als Projekte mit klar begrenzter Verantwortlichkeit.

Diese werden buchstäblich ausgeheckt, kleine Gruppen innerhalb der Linken, der Wirtschaftsvertreter oder des Militärs finden sich zusammen und planen ein Projekt, welches sie dann gemäß ihrem politischen Gewicht im Austausch für die Zustimmung zu den Projekten der anderen beiden Fraktionen durchdrücken. Innerhalb der eigenen Fraktion wird weitestgehend so verfahren, sich hinter jeden gutklingenden Vorschlag zu stellen. Mißtrauen und Prüfung sind in diesen Kreisen minimal.

Indes gibt es eben auch Maßnahmen der oberen Führungsschicht, welche das politische Klima insgesamt zu beeinflussen suchen. Dazu werden meist die Initiativen von irgendwelchen Aktivisten aufgegriffen und unterstützt.

Wirkliche Kämpfe kann es zwischen Vertretern der unteren Führungsschicht wie Norquist und Gaffney nicht geben, sie vertreten ja bloß die Botschaft ihrer Kunden, und selbst wenn sie selbst von ihr überzeugt sind, wissen sie doch, daß sie an einer Leine hängen. Das gilt für Linke genauso, auch wenn die Leine etwas anders aussieht. Wo allerdings persönliche Interessen der unteren Schicht betroffen sind, welche von einer höheren gefährdet werden, dort gibt es allerdings Widerstand, wenn auch begrenzten. Daß sich Harry Reid dabei in den Boten der schlechten Nachricht verbissen hat, zeigt nur seine Schwäche.

Es ist natürlich nicht so, daß jede Veränderung des Machtgleichgewichts innerhalb der mittleren Führungsschicht auf die obere zurückzuführen ist. Letztere sieht nur nach dem Rechten. Es gibt also durchaus Kämpfe innerhalb der mittleren Führungsschicht, aber diese werden modifiziert und können deshalb kaum jemals zu dem Ergebnis führen, welches von einer kämpfenden Fraktion anvisiert wurde.

Die eigentlichen, zielführenden Kämpfe finden also innerhalb der oberen Führungsschicht statt. Und wenn es auch nicht im Einzelnen klar ist, wer zu ihr gehört, so ist es doch klar, daß in ihr Kämpfe stattfinden. Und diese Tendenz wird sich weiter verstärken, da dies in einer ständisch organisierten Gesellschaft unvermeidlich ist. Die obere Führungsschicht benutzt die Mittel einer Kirche, aber sie besitzt nicht ihr Wesen.

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26. Juli 2012

Johannesevangeliumkommentar: Im Anfang

Ich schrieb bereits vor etlichen Jahren einen Johannesevangeliumkommentar, vielleicht vor zehn, und es hatte ungefähr eine Woche gedauert. Er liegt hier vor mir, eine DIN A4 Seite, zu jedem Kapitel drei Verse, welche verdeutlichen, worum es im betreffenden Kapitel geht.

Damals machte ich die Erfahrung, daß ein ausführlicherer Kommentar sinnlos ist, aufgrund der hohen Redundanz des Textes. Indes habe ich in diesem Kommentar das erste Kapitel ausgelassen, weil es nicht genügt zu ihm drei Verse herauszugreifen, um es zusammenzufassen. Das erste Kapitel ist selbst eine Zusammenfassung.

Ich weiß nicht, welche Form der Kommentar, welchen ich nun beginne, annehmen wird und auch nicht, wie lange ich mich mit ihm beschäftigen werde, nur wie sein Anfang aussehen wird. Doch bevor ich dazu komme, muß ich mich notgedrungen mit einem Diktum Goethes, welches er im Faust vorgebracht hat, beschäftigen, nämlich daß jede Abweichung vom althergebrachten Wortlaut der Anfang vom Ende ist.

Es ist vielmehr der Anfang vom Anfang, betrachten wir dazu Beweisstück A, nämlich die folgende Zeile des Heliands.

Gef ûs dago gehuuilikes râd drohtin the gôdo thîna hêlaga helpa [...]

Gib uns jeden Tag Rat, darin das Gut deiner heiligen Hilfe [...]

Es war den Sachsen des neunten Jahrhunderts so klar, daß Gottes Brot Gottes Rat ist und sein muß, daß sie es als Beleidigung aufgefaßt hätten, wenn dies unter ihnen nicht klar zur Sprache gebracht worden wäre.

Und ich habe mich seitdem nicht verändert.

Im Anfang war der Geist, und der Geist war bei Gott, und Gott war der Geist. Derselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch denselben gemacht, und ohne denselben ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Der erste Satz enthält bereits eine Verdoppelung, einmal ist der Geist bei Gott und einandermal Gott selbst. Der Sinn dieser Verdoppelung wird im folgenden erklärt, nämlich daß etwas, das eins war, in zwei zerfiel. Einst ging aller Geist von Gott aus, war sein Ausdruck und Teil, doch dann war der Geist auf einmal zwei verschiedene Dinge, einmal das leitende Licht der Menschen und zum anderen das menschliche Bewußtsein, welches über der Erkenntnis seiner selbst sein Licht aus den Augen verlor. Ein Tier ist stets in Gott, das heißt, seine Sorge leitet seine Existenz, gleich ob es besorgt ist oder zufrieden ruht. Der Horizont des Menschen hingegen hat sich durch dessen Vernunft derart erweitert, daß sich der Mensch nur allzu oft im Fernsten verliert und darüber das Nächste vergißt. Das ist die Natur des Sündenfalls, welcher hier referiert wird. Als plötzlich neben der Gegenwart die Existenz der Dinge als solche stand, verwirrte das den beschlußfassenden Teil seiner Seele (genaueres dazu im Beitrag Der Führer des Gespanns und den folgenden Beiträgen).

Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und der Geist ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.

Nachdem zuvor die Finsternis geschildert wurde, welche aus der Verkennung des Geistes seiner selbst entsteht, daß also das Ich meint, Ursprung der eigenen Sorge und seiner selbst zu sein, weil es von der Gegebenheit der Welt verwirrt wurde, wird nun das Wesen des Lichts beschrieben, als nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geboren, gnädig, der Wahrheit Grund, bezeugt durch Johannes den Täufer, in Jesus Christus der Welt vor Augen gestellt, die Kunde des sinnlich nicht zu erfassenden Gottes.

An dieser Stelle beginnt der erzählende Teil des Johannesevangeliums, welcher eine andere Art der Kommentierung verlangt. Ich werde sehen müssen, ob ich diese Arbeit auf mich nehmen werde, nachzuschauen, ob ich mit meinem vorigen Kommentar noch übereinstimme. Einstweilen beschließe ich dieses Kapitel.

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24. Juli 2012

Einige strategische Bemerkungen zur politischen Aufteilung Europas

Ursprünglich wollte ich die Grenzziehung, welche ich im Beitrag Eine mögliche Erschließung der rezivilisierbaren Welt vorgenommen hatte, nicht weiter strategisch begründen, da mir die entsprechenden Erwägungen vergleichsweise unwichtig erschienen. Und so erscheinen sie mir auch heute noch. Nur erscheint mir die Angelegenheit, wie es jetzt steht, unabgeschlossen, und deshalb äußere ich mich dazu nun an dieser Stelle.

Ich ging in jenem Beitrag von der Frage aus, wer noch hungrig ist, sozusagen, wer noch Visionen von einer Zukunft hat, welche sich noch nicht erfüllt haben. Wenn man sich ausschließlich an diesen Aspekt hält, mag dabei die bezeichnete Grenze herauskommen, aber nur diesem Aspekt folgend bin ich nicht zu ihr gekommen.

Einerseits spielten Fragen der territorialen Integrität eine Rolle, andererseits die Frage, wie ein Übergang zwischen zwei Extremen strategisch wohl am geschicktesten zu unterteilen ist.

Konkret ging es um die Frage, ob man eine Drei- oder eine Zweiteilung wählen sollte. Lassen wir den Balkan einmal außenvor, dann haben wir das romanisch geprägte Westeuropa, das germanisch geprägte Mitteleuropa und das slawisch geprägte Osteuropa. Alle germanischen Völker weisen eine relativ ähnliche Volkszusammensetzung auf und eine ähnliche Kultur sowieso. Sie ließen sich also ohne weiteres in einem Block vereinigen, und dieser Block wäre bevölkerungsmäßig auch alles andere als schwach mit etwa 150 Millionen Menschen.

Was spricht also dagegen?

Dagegen spricht
  1. daß dieser Block flächenmäßig viel kleiner ist als die anderen beiden Blöcke einschließlich ihrer Einflußsphäre
  2. die Mittellage dieses Blockes.
Das Vereinigte Königreich zähle ich dabei zu Westeuropa, und das muß man auch. Der westeuropäische Block besitzt somit wiederum eine innere Machtbalance zwischen romanischem und angelsächsischem Bereich, welche sich jenseits des Atlantiks fortsetzt.

Teilt man den germanischen Bereich entsprechend seiner Volkszusammensetzungstendenz, ergibt sich in etwa die bezeichnete Grenze, und für den Fall, daß man sich für die Zweiteilung Europas (ausschließlich des Balkans) entscheidet, ist es meines Erachtens strategisch günstiger, den mittleren Block zu teilen als ihn einer Seite ganz zuzuschlagen, und zwar weil
  1. nicht unerhebliche Widerstände daraus entstehen, daß ein Volk gegen seine Tendenz regiert wird
  2. bei einem Zuschlag zum östlichen Block der westliche territorial zu sehr unter Druck gesetzt wird und bei einem Zuschlag zum westlichen Block Rußland kein internes Gegengewicht besitzt
  3.  es befriedend wirkt, wenn Menschen auf beiden Seiten einer Grenze Sympathien für einander hegen.
In der Vergangenheit hatte Rußland mit Deutschland ein Gegengewicht in Osteuropa. Dieses ist ein durchaus wichtiger Punkt, für welchen sich Westeuropäer, und insbesondere die Vereinten Nationen, welche Österreich zu Westeuropa zählen und Tschechien zu Osteuropa, freilich nicht interessieren. Aber Wien und Riga waren wichtige ausgleichende Pole. Dieser ganze Raum benötigt zu seiner Belebung ebenso wie Westeuropa eine innere Machtbalance.

Dieser Punkt hat natürlich Vorrang vor einer lokalen Verletzung der Bevölkerungstendenz. Indes, bei der im erwähnten Beitrag von mir gewählten Grenzziehung umfaßt der osteuropäische Block an die 80 Millionen Nichtslawen, und dies scheint mir genug, um sich zu behaupten.

Nun, das sind meine Gedanken zu dem Thema.

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21. Juli 2012

Gesellschaftliche Unzulänglichkeiten als erzwungene Haltungen

Ich setze den vorigen Beitrag fort.

Die erwähnten gesellschaftliche Unzulänglichkeiten, welche aus den Bosheiten der Verblendung, der Irreleitung, des Reinreitens und der Aufhetzung entstehen, bestehen darin, eine aufgezwungene Haltung anzunehmen, wobei sie sich darin unterscheiden, wodurch sie diese Haltung rechtfertigen.

Es handelt sich, ich sage das schon jetzt im voraus, um die Verdeckung der unterschiedlichen Teile der Seele durch Bilder.

Irreleitung verdeckt die Sorge, und damit das Streben nach der Entwicklung der eigenen Seele. Es geht bei ihr darum, das Gewissen auszuschalten, üblicherweise, weil es im Wege steht, und diese Art der Formung ruft im Menschen Verzweiflung hervor.

Reinreiten verdeckt die Ermahnung zur eigenen Pflicht, indem unnütze Pflichten vor sie geschoben werden, und diese Art der Formung ruft im Menschen Ohnmacht hervor.

Aufhetzung verdeckt die eigene Lust, indem postuliert wird, durch welche Taten wir unserem Willen entsprechen, denn nur dadurch können wir uns von anderen abgrenzen. Diese Art der Formung ruft im Menschen Unsicherheit hervor.

Verblendung schließlich verdeckt unsere Freiheit, uns auch ohne einen der obigen, unseren Willen widerspiegelnden Gründe zu etwas zu entschließen, eine Freiheit, von welcher wir insbesondere Gebrauch machen, wenn wir etwas annehmen. Im Gegensatz zu den übrigen Formungen wird uns also nicht gesagt, was unser Wille zu sein hat, sondern vielmehr, uns zu etwas zu entschließen, weil wir es können. Und diese Art der Formung ruft im Menschen Angst hervor.

Uniformität, Masse, Macht, Abkehr von Gott - das alles liegt sehr nah beisammen.

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Moralische Defizite aus Schwäche oder Bosheit

Ich knüpfe an mein kleines Gedicht aus dem Beitrag Gesellschaftliche Unzulänglichkeiten an.
  • Sich gegen die Wahrheit abzuschotten entspringt der Schwäche der Ängstlichkeit oder der Bosheit der Verblendung.
  • Ernst und Sinn des Lebens zu verspotten entspringt der Schwäche der Verzweiflung oder der Bosheit der Irreleitung.
  • Verantwortung zu scheuen entspringt der Schwäche der Ohnmacht oder der Bosheit des Reinreitens.
  • Sich am Gegensatz zu anderen zu freuen entspringt der Schwäche der Unsicherheit oder der Bosheit der Aufhetzung.
Stets ist es dabei so, daß die Bosheit eines Menschen in Form von zugehöriger Schwäche und Bosheit auf viele übergeht. Wer sich verblendet, stiftet Ängstlichkeit und Verblendung in Vielen, wer sich in die Irre leitet, Verzweiflung und Irreleitung, wer sich reinreitet, Ohnmacht und Reinreiten und wer sich aufhetzt, Unsicherheit und Aufhetzung, und stets kann dabei derjenige, von welchem die Bosheit ausging, aufgrund dieser Vervielfältigung von ihr profitieren, denn in all diesen Unzulänglichkeiten liegt ein aggressives Potential, wenn sie von einer ganzen Gesellschaft Besitz ergriffen haben.

Im Falle der Verblendung und Aufhetzung ist das ganz offensichtlich, aber auch eine verzweifelte und irregeleitete Gesellschaft birgt in sich ein Ausbruchspotential, welches per Definitionem gänzlich irrational ist und sich also gegen jeden richten kann, und im Falle des Reinreitens ist es die Notlage, welche die Gesellschaft zwingt, sich geschlossen aus ihr zu befreien.

Es liegt nahe, hier von dem Süppchen zu sprechen, welches böse Menschen im Interesse ihres Volkes gegen dessen Feinde kochen, wenn man von einem Volk sprechen kann.

Im Falle der Irreleitung handelt es sich nämlich nicht um ein Volk, sondern um Eliten. Aber auch diese haben durch diesen Mechanismus eine Möglichkeit, sich durch Aggression gegen ihre Untergebenen zu stabilisieren.

Und diese Ausbrüche sind gänzlich irrational. Nicht selten greifen gesellschaftliche Eliten Störenfriede ausschließlich aufgrund von Geschmacksfragen an, nicht zuletzt deshalb, weil Geschmacksformung zu ihrer Irreleitung gehört.

Die übrigen Mechanismen betreffen aber zuvörderst Völker, wobei sich das Reinreiten insbesondere bei den Germanen großer Beliebtheit erfreut.

Nun, das muß man sagen, diese Mechanismen haben eine natürliche Funktion. Aber der Mensch bezahlt für diese Funktionen mit seinem Elend, nicht nur mit seinem Blut im Krieg, sondern auch mit seinen Gebrechen im Frieden.

Fragen wir uns das ruhig. Wollen wir das wirklich?

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17. Juli 2012

Objektivismus

Ich schätze Alexander Benesch durchaus zu einem gewissen Grad und deshalb werde ich nun doch das tun, was nicht zu tun, ich mir eigentlich vorgenommen hatte, nämlich den aus meiner Sicht objektivistischen Unsinn Ayn Rand's als solchen bloßzustellen.

Beginnen wir zu diesem Zweck mit einigen einfachen Bemerkungen.
  1. Zustimmung ist entweder freiwillig oder erzwungen.
  2. Freiwillige Zustimmung ist entweder unmittelbar eigennützig oder mittelbar.
  3. Mittelbar eigennützige Zustimmung besteht stets darin, eine gesellschaftliche Umgangsweise zu verankern.
Ad 3. Nun, wenn wir das Leben als Spiel betrachten, so gibt es offenbar nur die beiden Möglichkeiten, daß ein Spielzug für uns vorteilhaft ist oder eine Regeländerung aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen von uns so eingeschätzt wird.

Es gibt also drei Arten von Zustimmungen, die erzwungenen, die erkauften und die zuversichtlichen.

Ein Objektivismus, welcher seinem Namen alle Ehre machte, würde die dritte Sorte nicht zu unterdrücken suchen, sondern schlichtweg ignorieren.

Er  würde die Politik als das Problem ansehen, erzwungene Zustimmungen überall durch erkaufte Zustimmungen zu ersetzen, davon ausgehend, daß er sich um die zuversichtlichen Zustimmungen keine Sorgen zu machen braucht.

So verhält es sich nun aber nicht. Die Grundformel ist einfach genug.

Du kannst alles tun, so lange es keinem anderen schadet.

Aber so einfach und klar das klingt, in der Realität kommt es schon sehr bald zu Fragen, wo es nicht offensichtlich ist, ob eine bestimmte Tat einem anderen schadet oder nicht.

Beispielsweise, wenn ich bei der örtlichen Bürgerwehr nicht mitmache, schade ich da anderen oder tue ich es nicht?

Das wird man so allgemein nicht beantworten können, es hängt nämlich sehr von den Umständen ab. Die Art von Problemen, welche hier auftritt, ist das kostenlose Trittbrettfahren. Ich profitiere unter Umständen von der Bürgerwehr, aber ich beteilige mich nicht an ihren Kosten.

Eine andere Art von Problemen ist die Sabotage von Projekten, welche allen viel brächten. Ist es noch zulässig, auf ein Recht zu pochen, wenn dessen Bruch einem selbst keinen meßbaren Schaden zufügt, aber der gesamten Gemeinschaft große Erleichterungen brächte?

Nehmen wir an, wir lebten in einem Tal und jemandem gehörte ein längliches Grundstück, welches den Rest des Tales von der Außenwelt abschnitte. Schadet der keinem anderen, wenn er die anderen Bewohner des Tals sein Grundstück nicht betreten läßt?

Nun, es tut hier nichts zur Sache, sämtliche Streitigkeiten aufzuzählen, welche (auch) unter Libertären diskutiert werden und zu welchen unterschiedliche Auffassungen bestehen, wobei Rothbard wohl den extremsten Standpunkt einnimmt.

Wichtig ist mir hier nur, daß der Anspruch des Objektivismusses, sich eindeutig aus der Vernunft abzuleiten, unhaltbar ist.

Und damit fangen die Probleme an, denn es gibt im Objektivismus kein Verfahren, um zu politischen Übereinkünften zu kommen. Der Objektivismus unternimmt die Abschaffung der Politik. Er unternimmt die Verewigung der Gesetze. Und wenn niemand mehr an einem alten Gesetz festhalten wollte, es wäre unverrückbar, da unverfälscht aus reiner Vernunft abgeleitet.

Also ist es in der Praxis auch so, daß jede libertäre Fraktion ihren Guru hat, dessen Urteil für alle Anhänger verbindlich ist. Ayn Rand beispielsweise hat ihren Anhängern vorsorglich verboten, Beethoven und Mozart zu hören, weil sie das zu einem falschen Politikverständnis verleiten würde, auch untersagte sie es ihrer so genannten Gemeinschaft der Vernünftigen, nicht zu rauchen, da aristokratisch seinen Mitmenschen den Rauch ins Gesicht zu blasen ihrer Meinung nach wohl ganz wesentlich für die Verbreitung der objektivistischen Weltsicht ist.

Dieses ist aber nur konsequent, es ist keine Marotte von Ayn Rand gewesen, sondern ergibt sich zwangsläufig daraus zu behaupten, daß das Recht etwas objektives ist.

Was heißt es, daß 1+1=2 objektiv richtig ist?

Nun, es heißt, daß es genügt, wenn ein Mensch das überprüft. Sein Urteil ist objektiv, das heißt, jeder andere Mensch käme zu dem selben Urteil und deshalb ist es ganz überflüssig, daß es noch ein zweiter Mensch überprüft.

Wenn Recht objektiv wäre, so wäre es in der Tat die Aufgabe eines Genius' es einmal bis in seine letzten Winkel zu verfolgen und es in Stein zu meißeln.

Ja, das wurde auch schon gemacht, wohl war. Und natürlich ist im Recht vieles objektiv oder doch von der Art, daß subjektive Unterschiede nicht allzu wichtig sind, also beispielsweise, auf welche Weise jemand hinzurichten sei: Steinigung, Guillotine oder elektrischer Stuhl, was soll's letzten Endes.

Doch bleiben auf diese Weise bestimmte Probleme eben bestehen, welche, wenn eine politische Lösung unterbunden wurde, durch Gewalt gelöst werden müssen (Gewalt hier sowohl im Sinne des Zuckerbrots als auch der Peitsche, zwingen und kaufen).

Politische Lösung heißt an dieser Stelle Gesetzgebung, also die zuversichtliche Zustimmung zu erreichen, egal durch wen. Das kann das Volk sein, eine Gruppe von freimaurerisch zusammengeschlossenen Großkapitalisten, ein Rabbiner oder ein Ajatollah.

Allgemein gesprochen entweder jeder, unabhängig von seiner Qualifikation, oder eine Gruppe von Experten einer bestimmten Qualifikation.

Nun sind zwei Gruppen aus unterschiedlichen Gründen zu dieser Aufgabe berufen. Einmal das Volk, weil es die beschlossenen Gesetze auszubaden hat und also Feedback kriegt, und zum anderen die Geistlichkeit, weil sie sich satzungsgemäß mit den Dingen beschäftigt, welche Recht begründen können und sie also die besten Chancen hat, Zuversicht in ein neues Gesetz herzustellen.

Freilich, das ist allgemein gesprochen. Wenn es um die Marktordnung geht, wird man besser Wirtschaftsexperten zu Rate ziehen. Indes ist es nicht per se abwegig, daß die Geistlichkeit ihre eigenen Wirtschaftsexperten hat, wie es ja bei der katholischen Kirche der Fall ist. Aber diesbezüglich möchte ich nicht ins Detail gehen.

Der weiseste Modus des Zusammenspiels von Volk und Geistlichkeit ist meines Erachtens, wie ich ja auch schon zuvor gesagt habe, derjenige, daß das Volk beschließt und die Geistlichkeit lediglich beeinflußt, und gegebenenfalls andere Experten ebenso.

Damit ist nichts über Herrschaftsstrukturen gesagt. All dies hat damit rein gar nichts zu tun. Das hier ist nichts weiter als das kleine Einmaleins der Gesetzgebung.

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16. Juli 2012

Gewißheit

Wir alle sind jederzeit gewiß in unseren Ansichten, auch, und gerade jene, welche nach Beweisen fragen, um ihre Ungewißheit aufzuheben, denn sie sind sich dessen ja gewiß, daß sie nur auf diese Weise der Wahrheit näher kommen.

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen Jungen sehe, welcher sich nichts sagen lassen will, sondern nur die Antworten auf seine Fragen hören.

Es ist gut, seinen Gewißheiten zu folgen.

Wenn aber einer fragt: „Was macht dich nur so gewiß?“, so ist er auf unhöfliche Weise faul, ja, hat wahrscheinlich noch nicht einmal damit begonnen, sich über seine eigenen Gewißheiten klar zu werden.

Diese Frage von einer Frau zu hören, sollte keinen Mann verdrießen, notfalls läßt sie sich ja auch noch ohrfeigen, wenn sie aus Hysterie aufhört, der Antwort zuzuhören, aber das ist, auch wenn die obige Bemerkung durchaus auch für Frauen gilt, doch etwas anderes, denn diese unhöfliche Faulheit verfolgt bei ihnen einen Zweck.

Wenn Männer hingegen so fragen, so ist das in etwa so, als würden sie fragen: „Warum tragen Sie einen lila Anzug?“

Tja, was macht man dann?

Am besten ist es wohl, höflich zu bleiben und zu antworten: „Tun Sie Ihrem Urteil bloß keinen Zwang an.“

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15. Juli 2012

Die Zeit der Reife

Die Zeit der Ernte und die Zeit der Reife sind bei Früchten dieselbe, es werden nur unterschiedliche Aspekte betont.

Gerne nennt man etwas, welches aus etwas anderem erwuchs, dessen Frucht. Und wenn man so redet, dann spricht man dabei auch gerne von der Zeit der Reife dieser Frucht, welche zugleich ja auch die Zeit der Ernte dieser Frucht ist. Aber wenn einer diese Zeit nun die Zeit der Ernte nennte, muß man dann sicher davon ausgehen, daß er meinte, daß derjenige, welcher die Frucht wachsen ließ, kommt, um sie zu ernten?

Viele würden davon ausgehen, gewiß. Aber daß viele sich irrten, wäre nichts Ungewöhnliches.

Augustinus verstarb 430 A.D., ein Jahr, nachdem die Wandalen nach Afrika übersetzten. In seinem Hauptwerk, DE CIVITATE DEI, beschreibt er eine Gesellschaft, welche sich in Frieden auf ihren vergangenen Leistungen aufbauend stetig bis zu jenem Tage vervollkommnet, an welchem Gott kommt, um sie zu sich zu holen.

Nun kann man bei den Wandalen auch bei wohlwollender Betrachtung sicher nicht von Menschen sprechen, welche dieses Vorgehen sonderlich hoch geschätzt hätten.

Augustinus starb von der Geschichte widerlegt.

Aber dann keimte sein Same doch noch und brachte Karl den Großen hervor und mit ihm die Frucht der abendländischen Kultur. 370 Jahre waren seit Augustinus' Tod bis zu Karls Kaiserkrönung vergangen. Und die Zeit der Reife seiner Frucht, nun, wie das mit Früchten so ist, sie gewinnen durch ihre Überreife ja oftmals noch an Interesse, mag 1776 erreicht gewesen sein.

Ist Augustinus da gekommen, um sie zu ernten?

Nicht, daß ich wüßte.

Was erwartet die Christenheit?

Ihre Reife. Die Offenbarung sagt es auch. Aber wird sie geerntet werden, wenn sie reif ist?

Die Offenbarung spricht von einem Kubus mit zwölf runden Eingängen, welcher auf der Erde landen wird.

Voilà, das Neue Jerusalem.



Wie man sieht, wurden wir bereits auf es vorbereitet, allerdings nicht gerade so, daß wir der Ernte freudig entgegen fieberten.

Aber seltsam ist es doch, daß der Aufwand betrieben wurde. Nun, wie ich schon sagte, nichts Ungewöhnliches ist es, wenn viele sich irren. Daß das Neue Jerusalem als Borgschiff verhöhnt wurde, und dies auch noch aus einem Geist der Auflehnung heraus, soll hier nicht als Beweis dafür gelten, daß es ein Raumschiff ist, welches kommen wird, um die Christenheit abzuholen, dabei voraussetzend, daß Luzifer den Seinen dies eingeflüstert hätte und er es ja wissen muß. Ach ja, und daß er nicht lügt.

Wie endet die Offenbarung eigentlich?

Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil von Holz des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben ist.

Also wer das mit dem Neuen Jerusalem unterschlägt, der darf nicht mit, aber wer sich selber was ausdenkt, der wird gequält werden, bis er sich den Tod wünscht.

Leichte Asymmetrie.

Man könnte ja fast schon von einer Gebrauchsanweisung sprechen.

Aber verlieren wir über all diesem Ungewissen nicht das Gewisse aus dem Blick. Die Reife der Christenheit muß sich erst noch erfüllen.

Und zumindest ich bin mir dessen sicher, daß sie es auch wird. Und zwar bald. Nichts anderes verkündet die Offenbarung durch die Zeichen, welche sie beschreibt. Ihre Unreife zu erkennen und zur Reife zu streben, dies ist das Gesetz der Christenheit in diesen Tagen, und sie wird ihm folgen. In der Not wird sie sich zu ihrer wahren Größe aufrichten. Eine Größe, welche sich nicht nur nach außen richtet, sondern auch nach innen.

Einzig, wenngleich die Offenbarung auch dieses und jenes zu diesem Übergang sagt, welches ich verstehe, so weiß ich doch nichts Konkretes.

Das Bewußtsein, gleichsam wie ein Molekül in einem durch Eiseskälte stratifizierten Kern an einem Prozeß teilzuhaben, welcher weit über das eigene Leben hinausgeht, ist ein gewöhnungsbedürftiges. Letztlich, das zeigt Augustinus' Beispiel, gibt es keine subjektive Adäquanz, kein Mensch kennt seine geschichtliche Bedeutung,

Dies alles wäre weniger außergewöhnlich, ja nur ein weiterer, natürlicher Aspekt unseres Daseins, wenn es nicht vorhergesagt worden wäre. Dieser Umstand, dieser Umstand allein, gibt der ganzen Angelegenheit etwas Jenseitiges.

Indes, vielleicht mache ich aus einer Mücke einen Elephanten. Was heißt es denn nur? Daß bestimmte Dinge vorgedacht wurden und sich unter den geeigneten Umständen immer jemand findet, um sie weiter zu denken. Das Erstaunliche dabei ist einzig, daß der Vordenkende eine Ahnung von den Umständen haben mag, welche geeignet für die Konkretisierung seiner Gedanken sind.

Nehmen wir das Fernsehen als Beispiel. Es wird in der Offenbarung erwähnt. Wenn ich nun dächte, daß erst, wenn die Menschen uniforme Erfahrungen machten, die Zeit gekommen wäre, in welcher sie die Wahrheit über sich selbst in der Masse aufnehmen und bewahren könnten, was ja kein abwegiger Gedanke ist, da eine Gemeinschaft eine umso umfassendere gemeinsame Weltanschauung besitzen kann, desto mehr sie sich unter einander austauscht, dann käme ich vielleicht schon darauf, daß die Taten und die Erscheinung des ersten Tieres von einem zweiten vor allen Menschen wiederholt werden müssen.

Nun, es ist nicht unmöglich, nicht wahr?

Andererseits ist das eine Art Flucht aus dem Zusammenhang, in welchem man steht, und welcher durch eine Prophezeiung ja lediglich verstärkt wird, denn wenn die Zukunft auch nicht gesehen worden sein sollte, so ist sie jedenfalls auch nicht direkt erraten worden, daß sich eine Idee dereinst verkörpern wird, das spürt man ja. Und was die Brillanz des obigen Gedankens angeht, dazu ist unser Geist, wenn er träumt, durchaus in der Lage.

Das Faktum der transzendenten Verbindung bleibt. Unsere Gedanken gehen nicht verloren, wenn sie Ideen aufdecken. Was sie dort verbinden oder trennen, das wird dereinst verkörpert. Man kann auch sagen, eine Melodie, welche Gott einmal im Ohr hat, wird vervielfacht wiederkehren.

Nun, und es ist jetzt soweit für die Christenheit.

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14. Juli 2012

The Mosquito Coast (1986)

Eigentlich kämme ich ja erst nach dem Tod eines Künstlers sein Werk noch einmal durch, aber Harrison Ford ist sozusagen nah genug dran, um mal eine Ausnahme zu machen.

Unbekannt war mir dieser Film nicht, aber mehr als ein paar Bilder sind mir von ihm nicht im Gedächtnis geblieben, bis ich ihn mir gestern wieder ansah.

Ich schätze, der Film sollte mich berühren.

Andere meinten, sie wären verstört gewesen, nachdem sie ihn gesehen hatten. Und ich verstehe genau was sie meinen, doch bin ich selber so völlig unberührt, daß das schon wieder seltsam ist.

Das Leben ist erbarmungslos. Du schneidest dich beim öffnen einer Dose und du stirbst.

Ja, sicher, so kann es gehen. Das weiß ich. Und doch, muß ich nicht, mein eigenes Leben bedenkend, folgendes sagen?

Du stirbst, wenn Gott es will. Wenn Gott es nicht will, stirbst du nicht. Du fällst mehr oder weniger mutwillig aus vier Metern Höhe von der Leiter, aber du klatschst in den Lehm, und es passiert dir nichts.

Da lagen überall Feldsteine rum. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, keinen von ihnen zu treffen. Ein Hüftbruch ist sicherlich keine schöne Sache.

Nun, andererseits passiert Herrn Fox ja auch lange Zeit nichts. Ganz im Gegenteil, er hat einen geradezu unglaubwürdigen Erfolg, bis er anfängt, Gott zu spielen. Und dann hat er auf der Stelle ein geradezu unglaubwürdiges Pech.

Aber so ist das Leben, und ich weiß das.

Was könnte die Menschheit leisten, wenn sie ihre Angst nicht in Fesseln schlüge!

Aber wie berechtigt, leider, ist diese Angst!

Ja, ja, genau. Schön, daß wir mal drüber gesprochen haben. Nein, wirklich, schön, daß jemand mal einen Film über dieses Thema gedreht hat, und doch ist es eine Trivialität: Der Herr gibt es, und der Herr nimmt es.

Man läßt sich auf ein Leben ein oder man läßt es bleiben und bleibt außenvor, distanziert, abgesichert bis zum sicheren Tod.

So pathetisch ist der Film natürlich nicht, er dreht sich am Ende mehr um die Frage, wieviel Achtung ein Mensch verdient, der eine Schraube locker hat. Und doch sind die letzten Worte ja versöhnlich, muß man einen Menschen nicht für sein Streben aus seiner Not lieben?

Aber, ach!, mich hat das alles nicht berührt, lang ist es schon gegessen.

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11. Juli 2012

Alles, was man über Sozialismus wissen muß.

Keine
Vorleistungen
ohne
Garantien.

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9. Juli 2012

Kleine technische Anmerkung zum vorigen Beitrag

Wenn man ein Kind diszipliniert, so bedient man sich zu diesem Zweck seines Wertgefühls und hofft, daß sich seine Sorge in Folge dessen anpaßt.

Kinder sind in der Tat formbar genug, um aus einem Gefühl der Achtung der Eltern, Sorgen auf sich zu laden, wenn auch nur vorläufig.

Man verhilft dem Kind auf diese Weise zu einem Begriff seines Willens, welcher um so zutreffender ist, desto mehr sich die elterliche Disziplinierung mit dem Willen des Kindes deckt.

Aus Kindessicht stellen sich diese Sorgen zunächst als Liebesdienste dar: „Weil Mama und Papa es so wollen“, später bleiben nur noch ihre Stimmen im Ohr und schließlich schlägt der herangewachsene Mensch Wurzeln in sich selbst.

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Stimmungen

Ich denke, es ist an der Zeit zu versuchen, einen Überblick über verschiedene Stimmungen und ihre Auswirkungen zu geben.

Der grundlegendste Unterschied in der Gestimmtheit eines Menschen besteht darin, ob er sich zu etwas aufgefordert fühlt oder nicht, was durchaus dasselbe ist, wie ob ihn Gewissensbisse plagen oder nicht.

Nun ist es hinreichend klar, daß, wer sich zu nichts aufgefordert fühlt, in Faulheit verrottet, nur macht, was andere ihm sagen oder sich ganz seiner Lust hingibt und daß, wer ständig ein schlechtes Gewissen hat, wie ein Nagetier durchs Leben hetzt und somit, daß die Frage lauten muß, woraus das Gewissen eines Menschen idealerweise bestehen sollte.

Es gibt ja durchaus ein Gewissen, welches Kinder selbständig entwickeln, wenn sie Dinge tun, aus mangelnder Disziplin, welche sie im Grunde nicht gutheißen und für welche sie dann bestraft werden, sei es durch ihre Eltern oder von anderen Kindern.

Auf diese Weise lernen Kinder, die oben genannten Verhaltensweisen, also ausschweifende Faulheit, unkritisches Nachkommen und unreflektierte Lust, im nötigen Grade zu unterdrücken. Eine Erziehung, welche nicht versteht, daß einem Kind seine Verfehlungen durch Bestrafung aufgezeigt werden müssen, geht fehl. Es fragt sich aber, wie weit einem Kind darüber hinaus ein schlechtes Gewissen gemacht werden sollte.

Letzteres pflegt zum Zwecke eines vergrößerten sozialen Engagements des Kindes seitens der Kirche oder auch seitens Sozialisten zu geschehen, und aus irgendwelchen Gründen steht dabei die Hilfe für die Schwächsten der Gesellschaft im Mittelpunkt - eine Hilfe, welche üblicherweise durch sie, die Kirche oder die Sozialisten, vermittelt wird.

Mit anderen Worten läßt sich der Verdacht nicht ganz vermeiden, daß Kirche und Sozialisten den Kindern nur zu dem Zweck ein schlechtes Gewissen machen, damit diese später Kirche oder Sozialisten finanzieren.

Diese konkrete Gewissensformung lehne ich ab, und zwar nicht jenes Verdachtes wegen, sondern weil Mißstände einer Gesellschaft aus dem Blick geraten und nie angegangen werden, wenn einen das eigene Gewissen dazu auffordert, sich um ihre Auswirkungen zu kümmern. Es ist so, als ob man, wenn ein Schiff Leck schlug, innerlich gezwungen wäre, das hereinströmende Wasser mit einem Eimer wieder hinauszubefördern. Das ist aber nicht der natürliche Instinkt. Der natürliche Instinkt ist, das Leck zu verstopfen.

Man müßte also fragen, ob eine allgemeine Erziehung zum Gemeinwohl möglich und wünschenswert ist.

Nun, wie sollte das gehen? Wünschenswert ist sie, aber man kann einem Kind ja immer nur wegen konkreter Verfehlungen ein schlechtes Gewissen machen. Es müßte also dazu kommen, daß ein Kind etwas hätte tun können, was der ganzen Gruppe genützt hätte, es aber unterließ. Nur, wenn alle anderen Kinder es auch unterließen, so kann ja niemand niemandem einen Vorwurf machen. Und wenn ein Kind es doch getan hätte, so ist die natürliche Reaktion der anderen Kinder die, dieses Kind als Führer zu akzeptieren und auch künftig von ihm solches Verhalten zu erwarten.

Gut ist das nicht, das ist ganz schlecht, aber so läuft es. Abhilfe kann nur daher kommen, daß die geschlossene Elternschaft ihren Kindern einbleut, daß sie kein Recht darauf haben, sich von anderen Kindern führen zu lassen, sondern daß sie es einem Kind, welches sich um die Gruppe verdient gemacht hat, schulden, es das nächste Mal auch zu tun, damit sie genauso vorbildliche und gute Menschen werden können wie es und sich nicht selbst ins Dunkel der Unehre stellen, wo sie fortan der Neid zerfrißt.

Ich denke, damit  habe ich meiner Ansicht der Sache Ausdruck verliehen.

Kommen wir nun zum nächsten Punkt, nämlich der Frage, ob ein Kind gegen schlechte Erziehung geschützt ist oder nicht.

Nun, es ist geschützt, und zwar durch seine Zweifel. Glücklicherweise sind wir nicht blind überzeugt, sondern beginnen zu zweifeln, wenn unser Gewissen wider unsere Natur geformt wurde. Zweifel sind dabei das geistige Analogon zu Schmerzen. So wie uns die schmerzende Wunde verbietet, unseren Arm zu bewegen, verbietet uns der Zweifel, unserer Weisung zu folgen, und wie ein Kind, welches ohne Schmerzgefühl geboren wurde, sich die Zunge abbeißt, so zerschellen auch jene an der Welt, welche keine Zweifel kennen.

Das heißt aber nicht, daß man Zweifel suchen sollte. Das ist genauso Fetischismus, als wenn man Schmerzen suchte. Wer die Fähigkeit zu zweifeln hat, aber nicht zweifelt, der ist genauso glücklich dran, wie jemand, der Schmerzen empfinden kann, aber keine empfindet.

Zweifel fordern einen natürlich auch zugleich wieder zu etwas auf, nämlich sich seines Willens klar zu werden, worin gerade die Abwendung vom heroischen und die Hinwendung zum philosophischen Weg besteht. Der umgekehrte Fall tritt aus Altersgründen nicht ein, auf dem Wege der Erziehung eines anderen dann allerdings schon.

Nun zum dritten Punkt, nämlich der Frage, was einem Menschen in einem bestimmten Grad der Aufgefordertheit gemäß ist.

Es liegt ja in der Natur der Sache, daß unsere Aufgefordertheit mit dem Alter abnimmt, denn andernfalls müßten wir ewig leben. Todesakzeptanz ist das Gegenteil der Aufgefordertheit, das sagte ich auch früher schon. Und auch das sagte ich schon, daß die elterliche Rolle eine gewisse Reife, also eine gewisse Grundzufriedenheit mit dem Leben, welche mit der Todesakzeptanz identisch ist, voraussetzt, denn wer sich zu allem möglichen aufgefordert fühlt, der kann schlecht seinen Pflichten anderen gegenüber nachkommen.

Frauen nun fühlen sich diesbezüglich von Natur aus höchstens dazu aufgefordert mit ihrer Partnerwahl zu warten, bis sie eine gewisse Menschenkenntnis erworben haben, denn ihre übrigen Anliegen sind sämtlich von der Art, sich anderen gegenüber zu verpflichten und stehen ihrer elterlichen Rolle also nicht entgegen - von Natur aus. Heutzutage begegnen einem selbstverständlich ständig Frauen, welche sich der ganzen Menschheit gegenüber verpflichtet fühlen und deshalb keine Kinder wollen. Man kann nur hoffen, daß ihre Zweifel sie bei Zeiten wieder auf den rechten Pfad zurückführen.

Allgemein ist es so, um die letzten beiden Punkte mit einander in Beziehung zu setzen, daß die Vergrößerung des schlechten Gewissens seitens der Propaganda eines Staatswesens das Ziel verfolgt, die Reife der Bürger dieses Staates hinauszuschieben, um auf diese Weise die Möglichkeit zu haben, ihnen mehr beizubringen. Die Latte zur Reife wird höher gelegt. Abgesehen von sozialen Erwägungen, welche ich ja bereits behandelt habe und welche die Latte, wie gesagt, auch an die ganz falsche Stelle legen, spielt dabei Ausbildung eine zentrale Rolle. Moderne Staaten erzeugen in ihren Bürgern eine Selbstverpflichtung sich zu bilden, Ungebildetheit wird als Schandfleck empfunden. Dieses ist nun prinzipiell zu vertreten, aber nur, in sofern es Kulturtechniken betrifft, also Lesen, Schreiben, Rechnen und, wenn es nach mir ginge, auch eigenständiges, logisches Denken. Letzteres wird wohl von Grundkenntnissen der Geschichte und der Ökonomie flankiert werden müssen.

Der Wirtschaft einen Qualifizierungsüberschuß zur Lohnkostensenkung zu gewähren ist nicht Aufgabe des Gemeinwesens.

Nun, wir haben jetzt schon einen großen Teil menschlicher Gestimmtheit ausgeleuchtet, bedingt durch die Disziplinierung, welcher wir ausgesetzt sind. Darüberhinaus gibt es aber auch noch die Bereiche des Rechts und der impliziten Erwartungen innerhalb einer Kultur, welche Einfluß auf die Stimmung ihrer Mitglieder nehmen.

Menschliches Recht mag zu Umständen führen, welche wir als Unrecht vor Gott empfinden - auch davon handelte ich ja schon, daß nur Religionen langfristig Recht gewähren können - und dieses Empfinden wiederum kann zu Ohnmacht, Verdruß, Resignation, Zorn und so weiter führen, welche unsere Haltung entweder vorgeben oder jedenfalls beeinflussen, und damit auch unsere Stimmung.

Andererseits kann ein sehr vortreffliches Recht in uns auch ein übertriebenes Verlangen, es so zu erhalten, wie es ist, auslösen. Recht ist, allgemein gesprochen, nun einmal in der Welt und unmittelbar mit unserem Rechtsempfinden, welches Teil unserer Sorge ist, verknüpft, und darum spielt es für unsere Stimmung eine genauso große Rolle wie unsere persönlichen Erfahrungen. Es ist sozusagen eine geteilte nicht konkretisierte Erfahrung aller Mitglieder einer Gesellschaft.

Schließlich bleibt noch der Bereich, welcher weder durch Disziplinierung, noch durch Recht expliziert wird. Sitte, übrigens, ist eine Mischform aus Disziplinierung und Recht, und auch sonst wird man nichts jenseits dieser beiden Explikationen finden, da es nun einmal so ist, daß man etwas entweder aus inneren oder aus äußeren Gründen unterläßt.

Wo aber kein expliziter Zwang vorliegt, da kann einen nur noch eine implizite Gedankenlosigkeit anleiten, also daß man ein bestimmtes Geschehen erwartet, weil man es sich nicht anders vorstellen kann. Wenn es in einer Situation wirklich keine Alternativen gibt, so gibt es in ihr auch nur eine Stimmung. Wo es aber verschiedene Alternativen gibt, da entstehen aus ihnen unterschiedliche Stimmungen nicht zuletzt dadurch, daß man sich für eine schlicht aus dem Grund entscheidet, weil man denkt, daß sie die einzige sei.

Insbesondere ist das in solchen Fällen so, in denen ganze Kulturen unterschiedlich gestimmt sind, denn wenn die Entscheidung eine bewußte wäre, so müßten die Charaktere der Menschen der betreffenden Kulturen schon sehr verschieden zu einander sein, um diese Homogenität zu erreichen.

Betrachten wir zur Illustration dessen einmal die Idee der romantischen Liebe. Diese ist keine neue Erfindung, sie taucht ja schon im Symposion auf, also die Vorstellung, irgendwo eine andere Hälfte zu besitzen, und doch ist sie erst seit ein paar Jahrhunderten wieder in Mode gekommen.

Und es ist durchaus so, daß hier ein Fall von Gedankenlosigkeit vorliegt, denn was Platon im Symposion ja lang und breit auswalzt, nämlich der Unterschied zwischen Liebendem und Geliebtem, ist heutzutage völlig aus dem öffentlichen Bewußtsein verschwunden. Liebe wird symmetrisch gedacht, einseitige Liebe gilt als eine Art Geisteskrankheit.

Und in dieser Entstellung der Dinge ist die ganze Stimmung des Verliebtseins begründet. Es macht eben einen himmelweiten Unterschied, ob ich mich als den Liebenden und das Objekt meines Begehrens als den Geliebten, welchen es nun schlau für mich einzunehmen gilt, betrachte, oder ob ich einzig zu denken vermag: „Hoffentlich liebt sie mich auch.“

Alles weitere ergibt sich aus diesem Anfang. Natürlich betrachte ich Liebe durchaus als etwas Symmetrisches, allerdings nicht im Sinne einer anderen Hälfte, sondern in dem Sinne, daß es zu einer transzendenten Entscheidung beider kommt, indes mag diese einerseits eingeschränkt sein und andererseits nicht recht bewußt oder jedenfalls von anderen bewußten Gedanken überschattet, mit anderen Worten muß die Liebe erst freigelegt werden, wenn man es mir gestatten will, es so auszudrücken.

Und auch diese Sicht erzeugt eine Stimmung. Jede Haltung erzeugt eine Stimmung.

Damit möchte ich diesen Überblick beschließen, indes nicht ohne meine Überzeugung noch einmal zu wiederholen, daß Stimmungen das Wesentliche sind, das, worauf es zuvörderst ankommt, nämlich unser Leiden und Gefallen an dem, zu was wir geworden sind. Neues Leben bedeutet neue Gestimmtheit und neue Gestimmtheit bedeutet neues Leben. Jeder kann sich einigeln in seine Stimmung, aber den kommenden Regen, welcher das Neue wachsen läßt, verhindert er dadurch nicht.

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5. Juli 2012

Einige Ergänzungen zu den Geistern, in welchen man lebt.

Man kann sein Leben auf unterschiedliche Weisen hinbringen, ich schrieb schon davon, als Verkörperung, Spiel und Routine. Das ist eine sehr bedeutsame Unterscheidung, wenn man der Frage nachgeht, wie befriedigend das eigene Leben ist.

Wer stets das Nächste sucht, um über die Runden zu kommen, der spielt nach dieser Unterscheidung, wer es nicht suchen muß, weil er genau weiß, was als nächstes drankommt, der befindet sich in einer Routine.

Beides steht hinsichtlich der Frage, wie befriedigend es ist, hinter dem Bestreben zurück, für sich selbst eine Haltung, und sei es nur ein Begriff, zu finden, welche einen zufriedener stimmt, in welchem Falle man just diese Zufriedenheit verkörpert.

Letzteres ist natürlich der Weg, auf welchen einen die eigene Stimmung führt, also der Weg der Suchenden. Die anderen beiden Vorgehensweisen entsprechen aber nicht den beiden anderen Wirkkräften der Seele; es handelt sich um völlig unabhängige Unterscheidungen.

Indes gibt es aufgrund der Übereinstimmung von Verkörperung und Stimmungsnachfolge eine Querbeziehung von den Suchenden zu den Achtenden, nämlich das schon beschriebene Anleitungsinteresse der Anlehnung, in welchem der Suchende die Verkörperungsarbeit für den Achtenden übernimmt. Anstatt selber zu suchen, lehnt sich letzterer einfach an ersteren an. Auf diese Weise minimieren die Achtenden ihren Verkörperungsaufwand, um sich verstärkt dem Spiel zu widmen.

Dieses wollte ich einmal in seinem vollständigen Zusammenhang dargestellt haben, und zum anderen will ich das Anlehnungsinteresse noch von einem davon verschiedenen, aber scheinbar ähnlichen Interesse abgrenzen.

Es gibt in den Menschen, vor allem in den unglücklichen, ein Verlangen nach Regression, und zwar letztlich nach totaler, einem Abschütteln sämtlicher Erfahrungen, es äußert sich in Albernheit und Verantwortungsabgabe.

Deutlich in den Blick genommen ist es immer obszön, ein Neugeborenes ist es nur Dank seiner Unausgewachsenheit nicht.

Nun gibt es bezüglich dieses Regressionsverlangens ein Interesse an seiner Besiegelung durch Bezeugung durch einen anderen, und dieses Interesse mag sehr stark sein, abhängig davon, wie unglücklich einer ist. Symmetrisch ist es aber nicht, der bezeugende Part ist im höchsten Grade passiv, ja, man kann schon sagen betäubt.

Der Sinn dieses Interesses ist Reinigung, aber es ist eine schmutzige Angelegenheit, die Reinigung entsteht durch Abgrenzung von ihm.

Natürlich kann man nicht vorsätzlich etwas tun, um es zu bereuen, derartige Erwägungen sind absurd. Und man sollte auch nicht denken, daß eine im höchsten Grade passive Rolle irgendein Talent verlangen würde.

Nun, wie auch immer, das ist keine Anlehnung.

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3. Juli 2012

Gottes Wirken in jüngerer Geschichte, Gegenwart und naher Zukunft

Ich fand es schon vor 17 Jahren leicht zu sagen, wozu Gott den Engländern ihr Weltreich gegeben hat, nämlich dazu, alle Völker der Erde mit einander zu verbinden.

Wer wäre zu diesem Zweck auch besser geeignet gewesen als ein Volk von Menschen, deren Identität (man bedenke die Bedeutung von self-conscious im Englischen) ungefestigt ist und welche sich daher für alles Fremde interessieren?

Die Rolle der Vereinigten Staaten in Gottes Plan dämmerte mir hingegen erst kürzlich. Ich betrachtete sie stets als ein großes EPCOT Center, ein Ort, an welchem die verschiedensten Einrichtungen aus aller Welt zusammengetragen würden.

Und dabei blieb ich stehen, denn das ergab und ergibt für mich nicht den geringsten Sinn. Es ließe sich in der Theorie von einer angedachten Vertiefung der Verbindungen sprechen, aber das ist ganz offensichtlich nicht das Schicksal der Vereinigten Staaten.

Andererseits ist mir schon seit Kindestagen instinktiv klar, daß man, um in unserer Zeit zu überleben, rückständig sein muß, daß man sich dem Prozeß der gegenwärtigen geschichtlichen Transformation, so gut es geht, entziehen muß.

Es ist keine Frage von Kapitalismus oder Sozialismus, es ist eine Frage der Angst, der Abhängigkeit von Umständen, welche man weder versteht noch beherrscht. Und da ich nun letztlich über das Wesen des Ordnungsprinzips der angelsächsischen Welt nachgedacht habe, und es als instrumentell erkannte, bin ich nun endlich in der Lage, die Rolle der Vereinigten Staaten in Gottes Plan zu verstehen.

Die Rolle der Vereinigten Staaten ist die eines Schwungrads, welches dafür Sorge trägt, daß den Menschen die Kontrolle über ihr Instrument entgleitet und sie vielmehr zu seinen Instrumenten werden.

Um das zweifelsfrei einzusehen, und es ist besser, sich zu versichern als nach Gusto zu phantasieren, stellen wir uns einmal die Frage, ob es möglich ist, daß ein Volk, das deutsche etwa, nicht nur freiwillig an dem Prozeß mitwirkt, welcher durch dieses Schwungrad vorangetrieben wird, sondern daß es auch nachdem dieser Prozeß sein Ziel erreicht hätte, an dem Willen jener, welche dieses Schwungrad in Gang setzten und es dann zur Seite stellten, teilhat.

Aber diese Frage stellt sich gar nicht erst, denn jene gibt es bereits heute schon nicht mehr.

Das Schwungrad herrscht.

Also ist es auch Gottes Wille, denn Gott erlaubt auf dieser Ebene nichts, was nicht seinen Absichten entspricht.

Nun bewirkt dieses Schwungrad wie angedeutet einen weltweiten Sog, einen Strudel von Menschen, welche ihren Halt in ihren Prinzipien verloren haben und sich lauen Genüssen mit feuriger Leidenschaft hingeben, nie in ihrem Durst gestillt, unstet, orientierungslos, unfähig, der Stille zu lauschen.

Auch dies ist Gottes Wille.

Die Kruste der etablierten Rechtschaffenheit bricht, und wer versucht sie zu erhalten, indem er dem alles verschlingenden Feuer einen das Alte erhaltenden oder entwickelnden Sinn andichtet, zieht Gottes Zorn auf sich.

Der Sinn dieses Feuers ist es, einen Zustand der Sinnlosigkeit herzustellen, in welchem neuer Sinn erst wachsen kann.

Jene, welche der Strudel abzieht, sind verloren, es sei denn, sie wären aus dem alten, unformbaren Stein, denn diese werden schließlich alleine in der Asche des Brandes übrig bleiben.

Und wenn sich das erfüllt haben wird, werden jene, welche dem Brand entkamen, für lange Zeit frei sein, ihrem Glauben gemäß auf der Erde zu wandeln und ihre Geschäfte zu treiben.

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2. Juli 2012

Glockenblumen






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Der Erfolg des Verbrauchers

Ich hatte gestern abend über die Folgen des ESM nachgedacht, wenn er denn ein Erfolg würde, und dann hatte ich heute morgen einen noch weitergehenden Traum, einen Traum von einer Google-Welt, um es prägnant zu sagen, aber andererseits finde ich diese Bezeichnung unfair und möchte sie eigentlich nicht propagieren (wohl wissend, daß es unvermeidlich ist).

Ich sah fern, ein LCD-Bildschirm mit den Ausmaßen 1,60m x 90cm, ein Reporter stand vor einem beschädigten Haus und berichtete etwas auf Englisch, und obwohl ich Englisch ja eigentlich verstehe, verstand ich ihn nicht, bis ich einen Knopf auf meiner Fernbedienung drückte und der Reporter anfing auf Deutsch, mit der Stimme und im Tonfall eines bekannten deutschen Reporters, zu sprechen, lediglich seine Grammatik ließ hin und wieder zu wünschen übrig und man konnte nur ahnen, was er meinte.

Lokale Berichterstattung weltweit zu empfangen, maschinell in alle Sprachen der Erde übersetzt, schicke Häuser in Leichtbauweise und eine Kultur des Abhängens vorm Fernseher, der wahrlich zum Fenster zur Welt geworden ist. Eine Welt, welche sich für sich selbst in Szene setzt, Exhibitionismus und Voyeurismus gleichermaßen bedienend.

Eine Welt, in welcher jeder und jedes seinen Platz hat, auf ihn verpflichtet wie eine Fernsehserie auf ihr Thema, aufrecht erhalten durch Ausgleichszahlungen, welche genauestens zu diesem Zweck austariert sind.

Keine Frage, diese Welt ist mehrheitsfähig und auch bezahlbar, wenn die Produktion erst einmal genügend automatisiert ist - der finale Erfolg des Verbrauchers.

Menschen sind nunmal zu einem großen Teil das, zu was sie sich machen. Aber um diese Welt zu erreichen, müssen sich offensichtlich alle Menschen zu Verbrauchern machen, denn der Verbraucher ist ein elendig an- und hinfälliges Wesen, welches keine Konkurrenz erträgt. Seine Schwäche treibt ihn zum Genozid. Doch kennt er seine Feinde nicht, wenn diese sich ihm nicht freiwillig offenbaren. Und also kann er schwerlich Erfolg und seine Welt haben. Wer sich wie ich durch die Welt bewegt, wird ihn nicht aktiv bekämpfen müssen, sondern kann seinen Weg schlicht als ein Thema von vielen deklarieren.

Um den Menschen, welcher sich bereitwillig zum Verbraucher macht, ist es freilich schade, denn aus ihm wird nichts anderes mehr, am Band seiner atemlosen Begeisterungen bleibt er.

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