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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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19. Juli 2014

Von der Synthese von Eindrücken

Ich habe mich nur widerwillig zu der Auffassung durchgerungen, daß das Geschäft des Verstandes darin besteht, Eindrücke zu synthetisieren, da sie nicht leicht zu beweisen ist, ganz im Gegensatz zu der Auffassung, daß der Verstand Gegenstände relativ zu einander erscheinen läßt.

Letzteres tut er offensichtlich, aber daß er es durch Bildung von Synthesen dieser Gegenstände mit relativen Eindrücken, den Erscheinungsweisen der Gegenstände, tut, ist keineswegs so klar.

Es ist aber wohl schon so, nur daß ich bisher nicht die Muße fand, das Phänomen in Ruhe für sich zu betrachten. Das möchte ich nun an dieser Stelle nachholen.

Es gibt zunächst einmal zwei verschiedene Arten von synthetischen Eindrücken.
  1. Auf Beifügung beruhenden Synthesen
  2. Auf Ähnlichkeit beruhenden Synthesen
Von ersteren gibt es wieder verschiedene Unterarten, behandeln wir also zunächst letztere. Wir können unter bestimmten Umständen, welche im Detail auszuführen schwierig werden dürfte, zu synthetischen Eindrücken gelangen, indem wir uns auf alle Eindrücke besinnen, welche antipodisch zu einem oder mehreren Eindrücken erscheinen. Diese nenne ich einander ähnlich, weil sie, wie seine Nachkommenschaft im Ahn, einen gemeinsamen Bezugspunkt in den antipodisch erscheinenden Eindrücken haben.

Was die Beifügung betrifft, es gibt ihrer drei verschiedene Arten.
  1. Beifügung einer absoluten Erscheinungsweise
  2. Beifügung einer relativen Erscheinungsweise
  3. Willkürliche Beifügung
Die Beifügung relativer Erscheinungsweisen habe ich bereits ausführlich genug behandelt, die von absoluten Erscheinungsweisen hingegen nicht und auch zur willkürlichen Beifügung gibt es noch etwas zu sagen.

Wenn man Synthesen von Sinneseindrücken genauer studiert, kommt man darauf, daß es in allen Fällen so ist, daß einem Grundeindruck genau ein anderer als absolute Erscheinungsweise beigefügt wird, beispielsweise in folgenden Fällen.
  • Dem Druck auf das Fleisch wird die Betroffenheit der Haut durch die Temperatur beigefügt.
  • Dem lokalen stechenden Schmerz der Kopfhaut wird eine Umgebung beigefügt, in welche er warm-schwellend ausstrahlt (wenn der Kopf an etwas Hartes schlägt).
Dahingegen findet in den folgenden Fällen keine unwillkürliche Beifügung statt.
  • Druck-Temperatur und Geschmack
  • Druck-Temperatur und Gewicht
  • Abläufe und Geräusche
Und was den vormals von mir angesprochenen Eindruck der Nässe angeht, er ist nicht elementar, sondern der Eindruck verfolgender Kälte, welche die Eigenschaft hat, sich bei Luftzug zu steigern.

Dem Druck an Armen und Beinen wird übrigens, um doch noch soviel zu relativen Erscheinungsweisen zu sagen, eine gänzlich analage Empfindung zu näher und weiter bei räumlichen Eindrücken beigefügt, stärkerer Druck auf das Fleisch äußert sich hingegen durch umfassendere Synthesen von druckempfindenden Stellen, wobei es sich bei diesen Synthesen um auf Ähnlichkeit beruhende unbewußte Synthesen handelt.

Zu den willkürlichen Beifügungen schließlich ist folgendes zu sagen. Es findet auch hierbei immer nur die Beifügung von genau einem Eindruck statt, welcher indes selbst synthetisch sein mag. Und wenn sukzessive willkürlich beigefügt wird, so verwandelt sich die Natur der bereits zuvor synthetisierten Eindrücke zu einer auf Ähnlichkeit beruhenden Synthese, denn rückblickend werden die einzelnen Eindrücke einander ähnlich.

Das heißt aber nicht, daß dadurch die Reihenfolge der Beifügung verloren ginge, denn vor ihrer auf ihrer Ähnlichkeit beruhenden Synthese wird jedem Eindruck sein geschichtliches Auftreten, um es einmal so zu nennen, beigefügt, das heißt ein Eindruck, welcher die Erinnerung daran erlaubt, was geschah, nachdem der korrespondierende Eindruck im eigenen Denken auftrat.

Diese Eindrücke geschichtlichen Auftretens gibt es wirklich als gesonderte Eindrücke, denn wenn man drei Blütenstände vor sich hat und diese der Reihe nach durch geht, so hat man anschließend einen ganz bestimmten synthetischen Eindruck, in welchem die einzelnen Blütenstände nicht austauschbar sind, sondern sich vielmehr mit jedem die noch zu ihm hinzugekommenen Blütenstände verbinden, wenn man sich darauf besinnt, was leicht fällt, wohingegen man nur durch den Entschluß dazu diesen synthetischen Eindruck seiner Geschichte berauben kann und hernach nur noch den Eindruck dreier ähnlicher und austauschbarer Blütenstände hat, und erst die Besinnung darauf, woraus dieser Eindruck hervorgegangen ist, brächte einem das Wissen um die Reihenfolge der Beifügung zurück.

Es liegt also zunächst eine informativere Synthese vor als nach der expliziten Selektion der visuellen Eindrücke, und das bedeutet, daß es weitere Eindrücke vor dieser Selektion gegeben haben muß.

Freilich, es ist auch unmittelbar wahrnehmbar. Der synthetische Eindruck ändert sich, er verliert Teile. Die Schwierigkeit bei dieser Untersuchung besteht indes darin, sich darüber klar zu werden, was genau verloren geht, beziehungsweise was überhaupt genau jemals da ist an Eindrücken.

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19. April 2012

Was ist Kultur?

Kultur ist, sollte uns nicht der Beweis des Gegenteils gelingen, ein Unbegriff.

Wir reden von Zellkulturen, wenn wir beispielsweise Nierenzellen zu einer künstlichen Niere heranwachsen lassen.

Demnach wären also unsere Kulturen das, was Deutsche, Franzosen, Engländer, Christen oder Muslime, um einige Beispiele anzugeben, heranwachsen läßt.

Wenn man unsere Kulturen füglich auf diese Weise definieren könnte, dann machte natürlich auch die Rede von der multikulturellen Gesellschaft einen Sinn, nämlich in etwa den selben, welchen Aldous Huxley's Unterteilung der Menschheit in Alphas, Betas, Gammas, Deltas und Epsilons macht.

Nun habe ich selbst bereits zuvor von der Möglichkeit gesprochen, uns zu konditionieren. Ich habe allerdings nicht erklärt, auf welchem Mechanismus die Konditionierung einer Gruppe von Menschen beruht. Das muß ich hier nachholen, um zu verdeutlichen, welche Prämissen eine solche Formung hat.

Der Mechanismus ist die Selbstverpflichtung. Ein guter Deutscher ist schlicht eine Abkürzung für das, was in diesen Begriff hineingelegt wurde. Niemand will ein schlechter Deutscher sein, also meint, wer sagt, daß er ein Deutscher ist, nichts anderes, als daß er sich vorgenommen hat, all das zu tun, was er tun muß, um ein guter Deutscher zu sein.

Probieren wir es einmal an einem einfachen Beispiel aus. Ein Klingone ist ein häßlicher Humanoide von einem fernen Planeten. Ein guter Klingone ist ein tapferer Kämpfer.

Und jetzt sprechen Sie mir nach: Ich bin ein Klingone.

Wie fühlen Sie sich?

Häßlich, aber tapfer?

Es ist also durchaus möglich, uns zu formen, aber nur so lange, wie wir willens sind, diese Formung anzunehmen, und es bedeutet nicht den geringsten Aufwand, sie abzulehnen.

Nach ein paar Augenblicken sage ich mir, daß ich doch kein Klingone bin, und das war's.

Menschen lassen sich also nicht beliebig konditionieren, sondern nur im Einklang mit dem, wozu sie sich von Natur aus hingezogen fühlen, wobei dort aufgrund unserer Unklarheit über unsere eigene Natur ein gewisser Betonungsspielraum besteht, und wenn wir erst einmal die Fruchtbarkeit eines speziellen Ansatzes erkannt haben, neigen wir auch sehr dazu, an ihm festzuhalten.

Aber durch unsere Natur werden dem gewisse Grenzen gesetzt.

Wie gesagt, es gibt vier Geister, Ringende, Suchende, Achtende und Versuchende. Diese werden zu unterschiedlichen Ideen hingezogen, haben insbesondere auch unterschiedliche Rechtsvorstellungen, nämlich das Recht des Stärkeren, das Recht des Unschuldigen, das Recht des Gehorsamen und das Recht des Erbringenden.

Und weil diese Geister nur selten unter sich sind, bilden sie spezifische Synthesen. Um drei von ihnen beim Namen zu nennen.
  • suchend-ringend: semitisch
  • achtend-suchend: romanisch
  • versuchend-suchend: arisch
Diese Synthesen sind die Flußbette, in welchen Konditionierungen Feinabstimmungen vornehmen können. Nur so lange, wie wir in einem Fluß schwimmen, in welchem wir uns mehrheitlich wohlfühlen, werden wir das Angebot, uns zu irgendwelchen feineren Dingen selbst zu verpflichten, annehmen.

Wer also unsere Kulturen in Analogie zu Zellkulturen als das versteht, welches uns in eine bestimmte Form hineinwachsen läßt, denkt Milch zu schöpfen und schöpft doch nur die Haut auf ihrer Oberfläche.

Wenn wir aber nicht wesentlich das Produkt von Kulturen sind, was sind Kulturen dann?

Nicht Ausformungen bestimmter impliziter Gesellschaftsverträge? Der genannten Synthesen menschlicher Geister beispielsweise?

Wenn aber eine Kultur essentiell nichts anderes als ein Gesellschaftsvertrag ist, wozu dann Kultur sagen?

Jeder Depp versteht, was eine multigesellschaftsvertragliche Gesellschaft bedeutet.

Darüber muß man gar nicht diskutieren. Aber wenn Gesellschaftsvertrag durch Kultur ersetzt wird, schwirren die Gedanken um unterschiedliche Musikrichtungen und dergleichen mehr. Selbst eine multisittliche oder eine multibräuchliche Gesellschaft würde noch klar genug als das erkannt werden, was sie ist.

Kultur ist ein Begriff, welcher die Zehen hinter den Zehennägeln verdeckt.

Kultur ist ein Unbegriff und bewirkt Unbegreifen.

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6. Juni 2014

Zur Formalisierung des Denkens: Ein Lagebericht

Bewußtes Denken stellt eine zeitlich-logische Erweiterung derart dar, daß Teile bestehender Wahrnehmungen als vorangehende Vergangenheit ihnen zeitlich folgenden Wahrnehmungen beigefügt werden oder als logische Begründung entweder einer bereits zuvor bestanden habenden Wahrnehmung oder einer auf sie folgenden.

Die beigefügten Teile hängen dabei davon ab, was in der Ausgangswahrnehmung erfaßt war. Bei reinen Anschauungen ist es eine mehr oder minder klare Erinnerung des anschaulichen Eindrucks, bei Thematisierungen ist es das zuletzt Thematisierte in unveränderter Form, und bei Einsichten gehen wir von einer der vollständigen Thematisierung ihrer Erscheinungen äquivalenten Reflexion aus.

Das zeitlich Vorangehende heiße das Verwaltete (τ).

Das logisch Vorangehende heiße das Waltende (τχ).

Und das sich Ergebende heiße das Gewaltete (φ(χ)).

Das Denken selbst heiße entsprechend auch Walten, und dieses Walten zerfällt in folgende Oberarten.

1. Das Spezifizieren, bestehend aus:
  • dem Spezifizierten (τ)
  • der Spezifikation (φ)
Dieser Art sind die Thematisierungen und die Einsichten. Hierbei folgt auf eine Wahrnehmung zeitlich eine logisch reichere Wahrnehmung, ohne daß es dafür eine logische Begründung gäbe.

Genauer gesagt handelt es sich bei Thematisierungen [a1, ..., an] um Synthesen von Themen a1, ..., an, ausgenommen n = 1, aber auch dann bezeichnet [a1] die nämliche Thematisierung, und bei Einsichten um Mengen von Synthesen der Form [ai, γ/ε], wobei γ und ε auf einander bezügliche Erscheinungsweisen sind.

Diese können selbst als Thematisierungen verstanden werden und auch neuerlich thematisiert werden. Und umgekehrt gibt es verschiedene Einsichtsvermögen über Thematisierungen, nämlich Δο,λ, Δσ,μ und Δα,α, sofern es sich in letzterem Fall um Erscheinungen handelt, wobei Δσ,μ wie folgt definiert ist.
σ (σύνθεσις) die vollständige Thematisierung
μ (μέρος) sämtliche ihrer zu einander disjunkten Teile
Aufgrund dieser Bedingungen ist μ gegebenenfalls, also wenn der Teil nicht schon gleich das Ganze ist, zu sich selbst antipodisch.

Das Wahrnehmungsvermögen, in welchem wir Thematisierungen wahrnehmen, bezeichnen wir als Logos (Λ). Falls [ai, γ/ε] ein Eindruck von Δγ,ε ist, so offenbar auch in Λ. Die Einsicht ist mehr als die bloße Unterordnung verschiedener Eindrücke unter einen synthetischen, sie ordnet zugleich verschiedene synthetische Eindrücke einander bei.

Im Gegensatz zu Thematisierungen besteht zwischen anschaulichen Themen nicht das Verhältnis Δσ,μ, sondern das nahe verwandte Verhältnis ΔΥ,Ι, wobei
Υ das Abgedeckte
Ι die zusammen Abdeckenden
Der Gedanke hinter dieser Bezeichnung ist graphischer Natur: Wenn man zwei Ιs ungefähr in der Mitte in einander entgegengesetze Richtungen knickt und sie über einander legt, so decken sie das Υ ab. Man muß hier auf die Disjunktheit verzichten, weil Kontinua keine disjunkten homogenen Zerlegungen erlauben.

Dieses Verhältnis spielt eine besondere Rolle bei der Korrektur unwillkürlicher Thematisierungen anschaulicher Gegenstände. Wenn wir etwa zwei Baumstämme a, b sehen und denken, es sind zwei Bäume, dann aber sehen, daß sie doch unten mit einander verwachsen sind, so drücken wir mit Hilfe des Verhältnisses ΔΥ,Ι die Vereinigung der beiden Baumstämme aus und benutzen diese, um auf das Vereinigte antipodisch hinzuweisen, siehe dazu 5) das Führen:
[a, Ι0], [b, Ι0], [a, Υ1], [b, Υ2],
wobei das Antipodische ein weiteres Ι ist, falls Υ angegeben ist, und Υ ohne weitere Ιs sonst. Entsprechendes gilt für Δσ,μ.

Abschließend muß ich noch auf einen sehr gewöhnlichen Fall der Thematisierung zu sprechen kommen, welcher indes technisch gesehen komplex ist, nämlich der zeitlich offenen Thematisierung, daß heißt der Thematisierung eines Gegenstandes samt seiner Geschichte.

Wenn wir etwa einem Bekannten begegnen, so thematisieren wir gleich alles mit, was er zuvor getan hat. Und im Falle von Zwillingen mag es dabei wieder nötig werden zu korrigieren. Ach, das warst du gar nicht? Da wir in dem Fall aber keine kontinuierliche Anschauung haben, stützen wir uns also auf Δσ,μ, um den unerwünschten Abschnitt loszuwerden.

Dieser Fall ist indes in sofern anders gelagert, als diese Korrektur eine bleibende Wirkung hat. Der Grund dafür liegt darin, daß sich dabei unsere Erwartung ändert und die unwillkürliche Thematisierung der Erwartung folgt, genauer gesagt spekuliert sie, nimmt auf Erwartetes Bezug, siehe dazu 7).

2. Das Unterteilen, bestehend aus:
  • dem Unterteilten (τ)
  • dem Unterteilenden (τχ)
  • dem Gesonderten (φχ)
Dieser Art sind die Verwirklichungen, aber Wahrnehmungen können auch passiv durch die emotionale Reaktion auf ihren Verlauf unterteilt werden, etwa durch das leichte Erschrecken jedes Mal, wenn man ein Geräusch hört.

Ein weiteres passives Unterteilendes ist das Erkennen von etwas Erwartetem (im Falle des Unerwarteten wäre es nicht das Erkennen, sondern die Überraschung), wobei alle passiven Unterteilungen zugleich in sofern Spezifikationen sind, als daß der Auslöser des Unterteilenden in ihrem Rahmen thematisiert wird.

3. Das Zeitigen, bestehend aus:
  • dem Zeitigenden ([Λ, τ0])
  • dem Gezeitigten ([Δ, φ])
Hierbei handelt es sich um das Eintreten in einen zeitlichen Horizont nach Maßgabe von zu erzielenden Eindrücken, wobei ein zeitlicher Horizont durch die jeweils gerade aktuelle Einsicht in die zeitliche Abfolge zeitlich auf einander folgender Wahrnehmungen gegeben ist.

Wenn wir etwas im Logos vorgestelltes zeitigen, so steht die jeweils aktuelle Einsicht in die zeitliche Abfolge des bereits Gezeitigten im Verhältnis φ der Zeitigung zum Zeitigenden. Dabei wird das als nächstes zu Zeitigende stets erwartet, und wenn etwas anderes als es gezeitigt wird, so bricht die Zeitigung dort mit einem Gefühl der Enttäuschung ab, welche die gerade aktuelle Wahrnehmung überdies unterteilt.

Der Inhalt des Logos besteht wie gesagt aus Thematisierungen, sowohl auf der Grundlage von inner- als auch überzeitlichen Wahrnehmungen, also solchen, welche zeitliche Verhältnisse nicht beziehungsweise doch wahrnehmen. Parallel dazu gibt es aber auch inner- und überzeitliche vorgestellte Thematisierungen im Logos, wobei die innerzeitlichen gegebenenfalls im Rahmen einer logischen Erweiterung erwartet wurden und die überzeitlichen erst noch zu zeitigende zeitliche Erweiterungen beschreiben mögen.

Wenn man beispielsweise auf den richtigen Moment wartet, etwas zu tun, ohne die Richtigkeit genauer zu bedenken, so bewirkt das Gefühl, daß dieser Moment gekommen sei, eine Unterteilung, welche zugleich der vorgestellten und erwarteten Verwirklichung die Tür öffnet. Die eigene Wahrnehmung reißt dabei nicht notwendigerweise ab und ganz bestimmt nicht, wenn im Beispiel Tennis gespielt wird.

Der Logos ist also zu mehreren Thematisierungen neben einander fähig, wobei überzeitliche Wahrnehmungen aufgrund der Endlichkeit ihrer Verhältnisse stets als vollständig thematisiert betrachtet werden können und die vorstellende Thematisierung nur in soweit von Belang ist, als sie nicht spontan geschieht, da im Falle einer spontanen Thematisierung nur ihr Ergebnis zählt, dann aber als Themenwechsel einer spontanen Thematisierung verstanden werden kann, siehe dazu 5) das Führen.

4. Das Prognostizieren, bestehend aus:
  • dem Gegebenen (τ)
  • der Prognose, oder auch der Erwartung ([Π, φ])
Das Prognostizieren ist die überzeitliche Entsprechung der Einsicht und besagt, daß wir erwarten, daß die Prognose zeitlich auf das Gegebene folgt, vermittelt uns also einen Begriff davon, wie sich die Gesetze der zeitlichen Abfolge aus unserer subjektiven Sicht heraus darstellen.

Dabei kann das Gegebene auch eine bloße Vorstellung in Λ sein. Allerdings erwarten wir eine Erwartung nur dann, wenn das Gegebene eine Wahrnehmung in Δ ist. Daher rührt der Unterschied von eigentlichen zu uneigentlichen Erwartungen.

5. Das Führen, bestehend aus:
  • der Ausgangslage (τ)
  • dem Führenden, oder auch dem Hinweis ([Λ, τ0])
  • dem Ziel (φ)
Die Führung ist die innerzeitliche Entsprechung der Zeitigung und die logisch begründete Entsprechung der Spezifikation. Dieser Art sind also die Themenwechsel und Besinnungen, wobei das jeweilige Ziel durch auf es hinweisende vorgestellte Erscheinungen wie folgt bestimmt wird.

Im Falle eines Zielthemas werden Erscheinungen der Art [a, ο], [b, λ], [c, α] als Hinweise im Logos vorgestellt vorgegeben, und im Falle einer Zieleinsicht werden Erscheinungen der Art [a, ν], [b, φ], wobei a, b, c entweder vorgestellte Themen oder wieder vorgestellte Hinweise auf Themen sind.

Formal gesehen ist das Zeitigende ebenfalls ein Hinweis auf eine Einsicht.

Hinweise auf Themen enthalten oftmals Bezüge auf Erwartungen der Art [[Λ, τ0], αi], [[Π, φ], αi], so daß das Zielthema ein solches ist, von welchem wir (zugleich!, vgl. 7 das Spekulieren) etwas bestimmtes erwarten. Das einfachste Beispiel dafür ist der Hinweis auf eine Kugel, aber selbst dieses Beispiel ist noch zu kompliziert, als daß ich es an dieser Stelle angeben möchte.

Falls eine Führung fehlschlagen sollte, sind Ziel und Ausgangslage identisch, aber in dem Falle wird es von der Enttäuschung, daß die erwarteten Hinweise sich in der Form nicht ergeben haben, unterteilt.

Was man daran bereits sieht: Eine Zielthematisierung besteht zumeist nicht nur aus einem Thema - wir können schlicht nicht verhindern, auch noch anderes zu thematisieren, - aber sie besteht nur aus einem Thema, auf welches hingewiesen wurde, mit anderen Worten nur aus einem Zielthema.

Natürlich könnten wir sagen, daß etwaige sonstige Themen Teil anderer Thematisierungen sind - doch dem ist nicht so. Sie sind Teil derselben Thematisierung, aber von ihnen gilt die Einsicht nicht, Ziel zu den vorgestellten Hinweisen zu sein, das heißt, sie haben sich zwar zeitlich aus der Ausgangslage ergeben, aber nicht logisch.

Oder, um es noch auf eine weitere Weise auszudrücken: Es liegt eine Thematisierung vor, welche teils das Ergebnis einer Spezifikation ist und teils das Ergebnis einer Führung.

6. Das Erwägen, bestehend aus:
  • dem Gegebenen (τ)
  • dem Erwogenen ([Λ, τ0])
  • der Erwägung ([Π / ?Π / ΨΠ, φ])
Das Erwägen steht zur Prognose, wie das Besinnen zur Einsicht steht, das Erwogene wird auf die Wahrscheinlichkeit seines zeitlichen Folgens auf das Gegebene überprüft.

Die Angabe des Hinweises φ, um anzuzeigen, daß das vorgestellte Thema Teil der Prognose ist, ist hier obligatorisch, der Hinweis ν auf das Wahrnehmungsvermögen hingegen ausgeschlossen, denn da das Erwägen nicht zeitlich eingebettet ist, also nicht das Verstreichen der Zeit, die Dauer, wahrnimmt, kann es auch nicht unterteilt werden, und entsprechend kennt es auch kein Fehlschlagen, sondern stattdessen ein Offenhalten und ein Ausschließen in Form zweier gesonderter Wahrnehmungsvermögen ?Π und ΨΠ, so daß a priori die Art der angestrebten Wahrnehmung bei der Erwägung unklar bleiben muß.

7. Das Spekulieren, bestehend aus:
  • dem Gegebenen (τ)
  • dem Spekulierenden, oder auch dem Hinweis ([Λ, τ0])
  • der Spekulation ([Π / ?Π / ΨΠ, φ])
Das Spekulieren steht zum Erwägen, wie der Themenwechsel zur Besinnung steht, das Spekulierende weist auf vorgestellte Themen hin, welche wir zum Gegebenen wahlweise erwarten, offenhalten oder ausschließen.

Um letzteres zu tun, verwenden wir [τ, αi], [[[Π, ν], φ], αi], beziehungsweise [τ, αi], [[[?Π, ν], φ], αi] oder [τ, αi], [[[ΨΠ, ν], φ], αi].

Es ist natürlich möglich, daß eine Spekulation nicht gelingt, aber in dem Falle blieben wir sozusagen hängen, bis es uns zu dumm wird. Ein definitives Gefühl, daß sie fehlgeschlagen ist, gibt es jedenfalls nicht.

Freilich, es gibt Spekulationen, welche wir gar nicht erst begännen, weil wir erwarten, daß sie unmöglich sind.

Und um nicht Anlaß zu Mißverständnissen zu geben, sowohl das Erwägen als auch das Spekulieren können gezeitigt werden, wobei es das Spekulieren erlaubt, bedingt zu zeitigen, nämlich durch die Erwartung unter diesen oder jenen Umständen mit dem passenden Schritt zum vorgegebenen Ziel zu kommen.

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29. Februar 2008

Von der Gegebenheit der Gegenstände

Es gibt drei Arten von Gegenständen, die vorgefundenen, die verwendeten und die gebildeten. Die vorgefundenen sind die Anschauungsgegenstände ausschließlich der gebildeten, sie erscheinen in Urteilen als die den Analysen zu grunde liegenden Synthesen, während die verwendeten Gegenstände jene sind, durch deren Verwendung wir diese Synthesen begreifen, also die uns bekannten Verstandesgegenstände. Die gebildeten Gegenstände schließlich entstehen durch unsere Wahlen, also aus unbestimmtem Vorsatz, es sind die erst nachträglich bekannten Anstrengungen.

Vorgefundene und gebildete Gegenstände können sein, entstehen und vergehen, verwendete Gegenstände sind immer schon gewesen, sie sind die Bausteine unserer Vernunft. Von den Urteilen haben wir indessen schon gesprochen, und es bleibt somit nur die Bildung von Gegenständen genauer zu betrachten.

Bei der Bildung von Gegenständen handelt es sich stets um die Bildung einer willkürlichen Assoziation, denn was man auch wählt, dem Vorsatz als solchem wird es dadurch assoziiert. Diese einfachste Bildung ist indes nicht sonderlich hilfreich, da wir dazu neigen, sie auf der Stelle wieder zu vergessen, sie bedeutet uns ganz einfach nichts. Damit uns etwas bedeute, müssen wir es in Gemeinschaft mit etwas bringen, welches uns bereits etwas bedeutet, wie z.B. das Wort „Dieses“, welches eine der häufigsten Bildungen ist, nämlich sich anzustrengen, daß etwas dazu auserwählt werde, mit dem Wort „Dieses“ ein Ganzes innerhalb der entstehenden Anstrengung zu bilden. Selbstverständlich muß es nicht das Wort „Dieses“ sein, es genügt irgendein Eindruck, welcher uns irgendetwas bedeutet, an welchen wir uns also erinnern können, und am natürlichsten ist es freilich, die Reflexion der Verkörperung des Vorsatzes, mit dieser Reflexion ein Ganzes zu bilden, zu verwenden, wobei die Reflexion als bloß beschriebene noch vor ihrer Gewahrung Teil des Vorsatzes sein darf und bereits während der Anstrengung gewahrt wird.

Allgemeiner handelt es sich bei den Vorsätzen aus etwas vorgegebenen mit etwas gewähltem ein Ganzes zu bilden, um Zuordnungen des Gewählten zum Vorgegebenen und indem man diese Anstrengung wiederum einer Bezeichnung zuordnet, wird das zuerst Gewählte als so Bezeichnetes zugeordnet. Damit sind dann aber auch die Anbindungsmöglichkeiten der Wahl an bereits Bekanntes erschöpft und eine vollständige Übersicht der Gegenstandsbildungen gegeben.

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11. März 2009

Klärung von Reflexion und Nachbildungen

Ich bin mit meiner bisherigen Darstellung dieses Themas nicht wirklich zufrieden und versuche es also erneut.

Ein Verständnis besitzt stets die Form einer Aussage über zwei Gegenstände und das zwischen ihnen bestehende Verhältnis. Somit hat eine Aussage drei Gegenstände, welche in einem sie verbindenen Verhältnis stehen und läßt sich also selber nicht unmittelbar verstehen.

Womit sich die Frage stellt, wie wir sie reflektiv verstehen.

Wenn man sich das Wörtchen „etwas“ vornimmt, und sich fragt, wie man es versteht, so lautet die Antwort, daß es sich dabei um dasjenige handelt, was im entsprechenden Verhältnis einer Verkörperung steht, und zwar ohne Bezug auf ein spezielles Verkörpertes. Dieser Bezug ist also nicht mitgedacht, wenn wir „etwas“ verstehen. Das heißt aber, daß das eine Rolle eines Verhältnisses Ausfüllen ein Verstandesgegenstand sein muß. Ich nenne ihn mal hoffnungsvoll Begriff, wir werden ja sehen, ob ich damit durchkomme. Die Idee dahinter ist natürlich, daß ein Begriff die Art ist, auf welche wir einen Gegenstand fixieren, wobei beim vorigen Beispiel diese Fixierung lediglich durch die Rolle eines Verhältnisses geschieht, in welchem der Gegenstand steht.

Nun steht ein Gegenstand auf diese Weise allerdings isoliert da und die Frage drängt sich auf, wie er wohl mit einem zweiten verbunden sein kann. Und da kann man nun nicht darum umhin zu sagen, daß die Fixierung in dem Fall durch den anderen Gegenstand bedingt ist. Das nächstliegende ist nun einfach von zwei Arten Begriffen zu sprechen, nämlich Rollenbegriffen und Verhältnisbegriffen, am Beispiel, eine Fläche ist ein Rollenbegriff und eine rote Fläche ein Verhältnisbegriff.

Dies wirkt freilich etwas willkürlich und es stellt sich auch die Frage nach der Symmetrie der reflexiven Erfassung, wobei eine konkrete Reflexion nicht symmetrisch ist, sondern zum Zwecke der Spiegelung des Verhältnisses erneut reflektiert werden muß. Interessant dabei ist aber, daß wir beide Reflexionen miteinander vergleichen können und ihre Gegenstände jeweils miteinander identifizieren. Dazu müssen aber beide Gegenstände als Gegenstände zunächst mal in der Reflexion vorliegen und nicht nur einer.

Es gibt also zu jedem Verhältnisbegriff einen adjungierten Verhältnisbegriff, nämlich seinen Bezugsbegriff, welcher den zweiten Gegenstand zur Entsprechung hat und einen zweiten, seinen Artbegriff, welcher das Verhältnis zur Entsprechung hat.

Das ternäre Verhältnis a~b~c, wobei b das binäre Verhältnis zwischen a und b bezeichnet, reflektieren wir also durch a~'bc, c~''bc und b~'''bc, wobei bc den durch b und c gebildeten Verhältnisbegriff bezeichnet, ~' das Verkörperungsverhältnis, ~'' das Bezugsverhältnis und ~''' das Artverhältnis.

Dieses Bezugsverhältnis ist aber dasselbe wie das bereits zuvor betrachtete Begleitungsverhältnis, die Verhältnisbegriffe werden von ihren Bezugsgegenständen begleitet. Allerdings zwingt mich diese Bemerkung dazu auch das Begleitungsverhältnis noch einmal genauer zu betrachten, denn es stellt sich die Frage, ob die Begleitung analytisch, synthetisch oder manchmal das eine und manchmal das andere ist.

Hier ist die Begleitung natürlich analytisch, und es geht kaum an diesen Fall synthetisch umzugestalten, da Verhältnisse im allgemeinen keineswegs von Bezugsgegenständen begleitet werden, wenngleich es für konkret erfaßte Verhältnisse schon gilt. Genau das ist aber wohl stets der springende Punkt bei der Begleitung, daß sie innerhalb einer konkreten Erfassung Gültigkeit besitzt. Was das allerdings bedeutet ist, daß die Menge, welche begleitet wird, variiert und jedes Mal mitangegeben werden muß. Außerdem mag hier ein und dasselbe Verhältnis mehrmals auftreten und also von mehreren Bezugsgegenständen begleitet werden, allerdings zwingenderweise jeweils einzeln. Nur wie geht das vonstatten?

Die Begleitung kann nicht für diese Synthese herangezogen werden, die Konjunktion durch „und“ hingegen schon, es lägen also mehrere Begleitungen zugleich vor, mit jeweils passender Grundmenge.

Nun, so läßt sich die Angelegenheit natürlich lösen, nur hieße das verschiedene Begleitungen von einander unterscheiden zu können, was uns ganz offenbar nicht möglich ist.

Was einzig bleibt ist zu sagen, daß nicht die Verhältnisse begleitet werden, sondern die Verhältnisbegriffe, m.a.W. bei der obigen Darstellungsweise zu bleiben. Bei Zeit und Raum allerdings wird man auf einer synthetischen Begleitung bestehen wollen, da hier die Gegenstände aus einer umfassenderen Anschauung heraus entstehen, wodurch die Eindeutigkeit der Begleitung a priori gewährt ist.

Es ist verlockend Ähnliches auch für unsere Begriffe zu entwickeln, nur wie sehr schnell klar wird, wenn man sich auch nur die Bedeutung des Satzes „Dieser Stab ist am längsten.“ anschaut, geht es ganz einfach nicht. Unsere Verhältnisse ergeben schlicht kein Raster, durch welches wir die Welt erfassen, wie es Zeit und Raum tun. Wir verwenden sie vielmehr kreativ und flexibel, ohne Absicht der dabei entstehenden Struktur.

Damit bleibt aber die Frage, durch welches Vermögen wir von einer Fläche auf die Farbe übergehen können, welche sie ausfüllt. Ich neige zu der Ansicht, daß wir einfach mit einer ausgefüllten Fläche vor Augen, diese eine ausgefüllte Fläche zur Antwort heranziehen und dabei schlicht voraussetzen, daß die so erhaltene Antwort eindeutig ist. Dasselbe könnten wir auch mit einem Verhältnisbegriff anstellen, nur wäre die Antwort da eben nicht eindeutig.

Desweiteren stellt sich so natürlich wieder die leidige Frage nach der Symmetrie, denn ein Ganzes wird offenbar von allen seinen Teilen begleitet. Da aber Begleitungen nur innerhalb konkreter Erfassungen bestehen, kann man voraussetzen, daß die betroffenen Ganzen immer das Ergebnis spezieller, asymmetrischer Synthesen sind, welche immer als Beziehung einer Funktion auf ihr Argument verstanden werden, auch wenn dies nicht eindeutig geschieht.

M.a.W. ist es sinnvoll davon auszugehen, daß es für jedes begleitete Ergebnis stets einen begleitenden Bezug gibt und eine begleitende Methode, wobei die Reflexion durch „ist Bezug von“ und „ist Methode von“ stattfindet.

Die Methode allerdings ist nicht mit ihrem Index gleichzusetzen. „Rot“ ist etwas anderes als „rot ausfüllen“. Letztlich handelt es sich hier in allen Fällen um eine kreative Synthese, nämlich den Übergang zur Vorstellung zweier in bezug gesetzter Teile, wobei dem einen die Rolle des Beziehenden und dem anderen die Rolle des Bezogenen zugeschrieben wird.

Eine solche kreative Synthese ist einem Verhältnis nicht gerade unähnlich, besitzt aber als Ergebnis kein Verständnis, sondern einen Verstandesgegenstand. Trotzdem stehen ihre Argumente zugleich in einem Verhältnis, nämlich dem von konkretisierendem und konkretisierten. Nur darüberhinaus gibt es auch noch das Konkrete, welches von den anderen beiden gebildet wird.

Ob nun rot eine Fläche konkretisiert oder umgekehrt ist eine Frage der Auffassung, wobei natürlicherweise ersteres der Fall ist. Bei Verhältnis und Bezugsgegenstand ist es allerdings üblicherweise der Bezugsgegenstand, welcher das Verhältnis konkretisiert, und zwar durch Beziehung des Verhältnisses.

M.a.W. wird a~b~c durch a~'bc, c~''b, b~'''bc und c~'''bc reflexiv erfaßt, wobei ~' das Verkörperungsverhältnis bezeichnet, ~'' das Konkretisierungsverhältnis und ~''' das Bildungsverhältnis.

Begleitung braucht man hierbei also gar nicht zu verwenden, sondern ist vielmehr etwas, was man zusätzlich betrachtet, um gewisse Überlegungen anzustellen. Genauer gesagt besagt Begleitung, daß jedes Element einer Menge von einem Element begleitet wird, welches zum jeweiligen Element in einem bestimmten Verhältnis steht, z.B. eine Partition der Ebene, welche von Farben begleitet wird, welche die jeweilige Fläche konkretisieren. Wenn ich allerdings oben ein Bildungsverhältnis einführe, so verallgemeinert es offenbar das Verhältnis zwischen einem Ganzen und seinen Teilen.

Es ist hierbei übrigens wichtig, Bildung auf Synthesen zu beschränken. Das Ergebnis einer bloßen intellektuellen Funktion, welche sich auf es von einem Argument ausgehend besinnt, wird nicht auf diese Weise verstanden werden, sondern über den Umweg des Verständnisses einer Tat, also als dasjenige, welches die Aufnahme nach einer Anstrengung darstellt.

Anstrengungen sind übrigens Begriffen analog, sie mögen für sich bestehen, oder aber auf einen Verstandesgegenstand bezogen sein, allerdings nicht wahlweise für jede Anstrengung, sondern wenn man die Menge der Anstrengungen als Ganzes betrachtet. In letzterem Falle wird eine Anstrengungsweise also ebenfalls konkretisiert, nur muß sie dann auch konkretisiert werden.

Für die Rollenbegriffe ändert dies alles nichts, allerdings lassen sich diese natürlich spezialisieren. Dafür braucht man aber keine weiteren Verhältnisse einzuführen, daß ein Begriff spezieller als ein anderer ist, ist eine Aussage, welche sich mit den vorhandenen Verhältnissen formulieren läßt, und daß der spezialisierte Begriff aus dem Rollenbegriff hervorgegangen wäre, läßt sich so nicht sagen, da ein Verhältnisbegriff stets schon eine Rolle enthält.

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7. März 2022

Zur Begründung der (Re-)Aktions- und Revisionsmuster und Handlungsstrategien

Die Beiträge Motivierende Gedanken und Planvollzugserwartungen haben mich auf eine Spur gebracht, welche es mir erlaubt, die doch sehr aus der Luft gegriffenen (Re-)Aktions- und Revisionsmuster und Handlungsstrategien zu begründen, und wie fast immer, wenn mir eine solche Begründung gelingt, muß ich auch in diesem Fall eine kleine Korrektur vornehmen.

Pläne folgen motivierenden Gedanken, und motivierende Gedanken drücken Willen aus. Also sollte es nicht weiter verwundern, wenn der Wille in den titelgebenden Mustern stets mit einem motivierenden Gedanken verbunden ist, zu welchem Wahrnehmung und Tat in einer bestimmten Beziehung stehen.

Die Abfolge Tat, Wahrnehmung heiße ein Schritt. Bei der Abfolge Schritt, Gedanke handelt es sich um die Analyse des Schreitens, und bei der Abfolge Gedanke, Schritt um seine Synthese, wobei wir uns um wiederholtes Schreiten vor oder nach dem Gedanken nicht kümmern, weil es das Muster nicht ändert. Mit anderen Worten ist also das Verfolgen (eines Gedankens) die Schreitenssynthese und das Studieren (eines Schritts) die Schreitensanalyse und das Entsprechende gilt von den Reaktionsmustern, in welchen der Gedanke (durch ein Angebot) oder der Schritt (durch eine belohnende Entgegnung) kontrolliert wird, also die Bedrängt-, beziehungsweise die Betroffenheit.

Bleibt die Abfolge Wahrnehmung, Gedanke, Tat, bei welcher es sich um die Genese des Schreitens handelt, wie beim Empfangen, beziehungsweise bei (durch Behelfung) kontrollierter Wahrnehmung bei der Beholfenheit.

Damit haben wir also die Aktionsmuster (Empfangen, Verfolgen, Studieren) und Reaktionsmuster (Beholfenheit, Bedrängtheit, Betroffenheit) neu begründet. Was nun die Revision angeht, also das Anknüpfen an die Aktion (oder Reaktion, aber dieser Unterschied ist hier nicht mehr von Belang), so interessieren uns wiederholte Aktionsarten (Analysen, Synthesen, Genesen) wiederum aus dem genannten Grunde nicht. Bleibt also nur die Frage, welche Abfolgen zweier dieser sinnvoll sind:
  • Synthese, Analyse ist nicht sinnvoll, da nur das herauskommen kann, was hineingesteckt wurde,
  • Genese, Synthese ist nicht sinnvoll, da es kein verbindendes Glied gibt, und
  • Analyse, Genese ist aus demselben Grunde ebenfalls nicht sinnvoll.
Doch bei
  • Analyse, Synthese setzt die Synthese das Studierte ein und lenkt den studierten Schritt also,
  • Synthese, Genese verwertet die Genese das Verfolgte und entdeckt den verfolgten Gedanken also und
  • Genese, Analyse paßt die Analyse das Empfangene an und macht die empfangene Tat also nutzbar.
Statt von Anpassen sprach ich beim entsprechenden Revisionsmuster bisher von Verbinden. Der Unterschied besteht darin, daß Verbinden voraussetzt, daß die Tat ein Produkt herstellt, an welches angeknüpft wird, anstelle der Tat selbst. Wie man sich leicht überzeugt, ist das aber nur ein Spezialfall des Anpassens der produzierenden Tat an die Erfordernisse. Also erhalten wir die Revisionsmuster (Verwerten, Einsetzen, Anpassen) und Handlungsstrategien (Nutzbarmachen: Empfangen, Anpassen; Entdecken: Verfolgen, Verwerten; Lenken: Studieren, Einsetzen).

Auch sagte ich, daß es sich bei der Tat in einem (Re-)Aktions- oder Revisionsmuster stets um eine Auslösung handelt. Im Großen und Ganzen stimmt das, aber es lassen sich etwa im Bereich geometrischer Vorstellungsübungen Beispiele für das Studium von Einlösungen statt von Auslösungen angeben, und mit hinreichender Gewalt für so ziemlich alles.

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10. Oktober 2014

Die vier menschlichen Geister im Alltag

Ich möchte mich nach neuerlicher Beschäftigung mit dem Thema noch einmal aktualisierend zu ihm äußern, zur bisherigen Aufbereitung siehe Die vier menschlichen Geister auf der Straße.

Jeder Geist hat einen Wesenskern, welcher seine ureigenste Tugend ausmacht, und zugleich seine spezifische Weise, von dieser Tugend Urlaub zu nehmen.

Das gilt für Männer und Frauen, vererben tut sich dieser Wesenskern aber nur vom Vater her. Indes bilden die Wesenskerne von Mann und Frau in einer Beziehung Synthesen, welche ihren Alltag wesentlich gestalten.

Betrachten wir zunächst wieder Wesenskern samt Gegenpol.
  • Erregte sind angespannt durchsetzungsfähig und entspannt freigebig.
  • Leistungserwartende sind angespannt aufmerksam und entspannt ignorant.
  • Umgangserwartende sind angespannt zuversichtlich und entspannt mürrisch.
  • Gestimmte sind angespannt unerbittlich und entspannt albern.
An dieser Stelle möchte ich nur die drei Verbindungen eines gestimmten mit einem anderen Geist betrachten, weil mir nur diese alltäglich nachvollziehbar sind. Auch ist zu bedenken, daß es sich bei der tibeto-japanischen Kultur um einen dritten Typus Erwartender handelt.

Jede dieser Verbindungen bringt einen objektiven Nutzen mit sich, subjektiv stellen sie sich hingegen durchaus unterschiedlich dar.

Erregt-gestimmt. Diese Verbindung hat subjektiv gesehen einen auslöschenden Charakter. So wendet sich die Unerbittlichkeit gegen die Exzesse der Durchsetzungsfähigkeit und die Durchsetzungsfähigkeit gegen die Exzesse der Unerbittlichkeit. Albernheit und Freigebigkeit mögen ein paar schöne Stunden mit einander verbringen, aber beide müssen die Anspannung des andern fürchten und stellen ihm aus Trotz umgekehrt auch gerne mal ein Bein.

Der Einzelne nimmt diese Verbindung also als Beschränkung wahr, für welche er durch Stabilität und ein paar Nettigkeiten entlohnt wird. Es ist wahrlich nichts, was mich verlocken könnte.

Leistungserwartend-gestimmt. Diese Verbindung ist subjektiv gesehen eine Erweiterung, Unerbittlichkeit und Aufmerksamkeit werden jeweils um einander erweitert, was hingegen die Last der Anspannung erhöht. Dies ist von praktischem Nutzen, wird aber durch eine gehetzte Grundstimmung bezahlt. Hinzu kommt, daß die Unerbittlichkeit die Ignoranz nicht ausstehen kann und die Aufmerksamkeit die Albernheit nicht, so daß die beiden Anspannungen auf die Einschränkung der anderen Entspannung hinwirken, etwas, was in der vorigen Verbindung so nicht vorlag. Die gegenseitige Entspanntheit ist hingegen auch hier angenehm.

Für den Einzelnen bedeutet diese Verbindung eine persönliche Erhöhung, damit zugleich aber auch eine existentielle Isolation: Je mehr man die Welt trägt, desto weniger trägt sie einen. Ich fürchte das Feuer nicht, zweifellos verlangt ein Teil von mir nach ihm, aber ihm fortwährend ausgesetzt sein möchte ich nicht. Diese Dinge einzusehen, ist nicht einfach, die Stürme, welche die Menschen im Innern bewegen, bleiben meistens gut verborgen.

Umgangserwartend-gestimmt. Diese Verbindung ist subjektiv gesehen eine Ergänzung, die Unerbittlichkeit stützt die Zuversicht und die Zuversicht die Unerbittlichkeit. Hier ist es also so, daß die gegenseitige Anspannung angenehm ist, und wie bei der vorigen Verbindung wirken die beiden Anspannungen darauf hin, die andere Entspannung einzuschränken. Gegenseitige Entspannung ist hier hingegen ausgesprochen unangenehm und hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack.

Für den einzelnen bedeutet diese Verbindung eine Gnade, kann aber auch dazu führen, daß sie die Lebenskraft der Verbundenen vollständig durch den Versuch, das konstante Glück zu erlangen, absorbiert.

Ich denke, es macht keinen Sinn, unter Gottes Einrichtungen ein wertendes Fazit zu ziehen. Es genügt, sein Verhältnis zur Mitwelt zu kennen.

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21. Juli 2014

Von der Synthese von Eindrücken (2)

Ich habe im vorigen Beitrag zu diesem Thema den Aspekt der Gewahrung der Synthesen ausgelassen, sowie im Falle der willkürlichen Beifügungen einiges offen gelassen.

Relative Erscheinungsweisen werden in einem Akt der Einsicht gewahrt, und das ist bei absoluten Erscheinungsweisen nicht anders.

Und wenn man den geschichtsbewußten Eindruck der Synthese mehrerer Themen betrachtet, so ist es wiederum eine Einsicht, aus welcher heraus ein weiteres Thema auf ein bestimmtes folgt oder nicht mehr folgt.

Das besondere an dieser Einsicht ist, daß sie nicht symmetrisch ist: Es läßt sich einsehen, was folgt, aber nicht, was vorangeht. Das Hervorgehen des Eindrucks des einen Themas aus dem Eindruck des anderen Themas gleicht subjektiv also dem Hervorgehen einer absoluten Erscheinungsweise aus einem absolut Erscheinendem.

Wir müssen also sagen, daß sukzessive Thematisierung in uns eine Reihe absoluter Erscheinungen erzeugt, von welcher wir Kraft ihres Erscheinens bei Besinnung auf sie wissen.

Und mehr sollten wir nicht sagen. Es ist zwar wahr, daß ein geschichtsbewußtes Thema ein Eindruck eigener Art ist, in welchem wir zu Recht einen Eindruck geschichtlichen Auftretens vermuten, aber dieser Eindruck geschichtlichen Auftretens paßt nicht in die üblichen Formen von Eindrücken, das heißt die Art, auf welche er der Besinnung dient, ist gänzlich unbekannt.

Und es mag auch sein, daß es sich bei ihm tatsächlich um eine Ahnung handelt, also den Eindruck, daß eine bestimmte Besinnung auf etwas führen wird.

Daß es ein solches Anklingen gibt, wird niemand bestreiten, also des Gefühls, daß man etwas tun könnte, wobei es einem manches Mal auch gelingt, sich auf die erahnte Tat zu besinnen.

Doch das ist ein Thema für sich. Die Synthese der unterschiedlichen Eindrücke in unserem Bewußtsein bildet keinen synthetischen Eindruck, sondern ist von weit schwächerer Art. Insbesondere ist sie nicht klar umgrenzt. Niemand weiß mit Sicherheit, was sich in einem bestimmten Augenblick in seinem Bewußtsein befindet oder befunden hat.

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5. April 2022

Eigenlaufsnexus

Indem Menschen Gesellschaften bilden, kommt es dazu, daß sich die Aktions- und Reaktionsmuster der Menschen auf die folgende Weise verknüpfen:
  • in der Handlungsstrategie des Einzelnen wird das erste Aktionsmuster in Form des in der gleichen Phase beginnenden Reaktionsmusters der Gesellschaft überlassen,
  • der Einzelne regt durch das an die Handlungsstrategie anknüpfende Aktionsmuster das erwähnte Reaktionsmuster an,
und also bilden sich drei Eigenlaufsnexus:
  • der Beschäftigungsnexus,
  • der Verhaltensnexus und
  • der Zielnexus.
Es bringt keinen Gewinn bei der Beschreibung der Nexus die Handlungsstrategien als Ganze zu betrachten, und also werde ich sie nach ihren Teilen als die Kombinationen von Analysen, Synthesen und Genesen, oder der etwas größeren Klarheit halber von Analysen, Zusammenfügungen und Bildungen bezeichnen.

Im Mittelpunkt des Beschäftigungsnexus steht der Herr, welcher zunächst eine Beschäftigungsanalyse der von den Dienern gebildeten Beschäftigung vornimmt, um sie anschließend durch eine Beschäftigungszusammenfügung zu behelfen, worauf die so beholfenen Diener wiederum ihre Beschäftigung bilden.

Im Mittelpunkt des Verhaltensnexus steht der Prüfer, welcher zunächst sein Verhalten angesichts der Verhaltenszusammenfügungen der Kandidaten bildet, um sie anschließend nach es auf sie anpassender Verhaltensanalyse durch Verhaltensangebote zu bedrängen, worauf die so bedrängten Kandidaten wiederum ihr Verhalten zusammenfügen, wobei vollständige Symmetrie herrscht, also jeder Kandidat und Prüfer ist, weshalb es zur Zusammenfügung verschiedener Verhaltensangebote kommt.

Im Mittelpunkt des Zielnexus steht der Auftraggeber, welcher zunächst die Zielanalysen der Auftragnehmer zusammenfügt, um sie anschließend nach neuerlicher Zielbildung durch Belohnungen zu betreffen, worauf die so betroffenen Auftragnehmer wiederum ihre Ziele analysieren.

Verblüffenderweise ist es nun so, daß es sich bei den Mitgliedern der Nexus um die im Beitrag Zur Gestaltung der gesellschaftlichen Beziehungen betrachteten Gruppen handelt, also daß
  • die Masse des Beschäftigungsnexus von Mitarbeitern gebildet wird,
  • der Verhaltensnexus von Helfern und
  • der Zielnexus von Kontakten.
Was die letzteren beiden angeht, Kontakte bilden sich zielgerichtet, und Helfer gebiert das Zusammenleben durch die Notwendigkeit, sich zu verhalten, wenn diese nicht anderweitig aufgehoben wird (womit auch die ausgesuchte Höflichkeit in Weltgegenden mit verbreitetem Schußwaffenbesitz in Verbindung steht oder die erleichterte Partnersuche in Studentenwohnheimen), und was die Mitarbeiter betrifft, so liegt in der Beschäftigung gerade das vertrauensstiftungsverlagernde Element.

Post Scriptum vom folgenden Tag. Wie hier die Reaktionen als überlassene erste Handlung einer Handlungsstrategie verstanden werden, welche durch eine an das Handlungsmuster anknüpfende Handlung angeregt werden, so können Reaktionen auch als organisierte Revision (zweite Handlung) einer Handlungsstrategie verstanden werden, welche durch die erste Handlung der Handlungsstrategie angeregt werden. Und im dritten Fall, daß das Handlungsmuster als Ganzes (beziehungsweise seine zweite Handlung) die Reaktionen anregt, ist es wahrscheinlich etwas natürlicher von angeregten Reaktionen an Stelle von kontrollierten Reaktionen zu sprechen.

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