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30. August 2013

Der Zorn der Vernunft

Es erhob sich die Klage
über die Mückenplage
in einem Dorf am Sumpfesrand.

Es fanden sich zwei,
die hatten Verstand,
genug den Sumpf trockenzulegen.

Doch während sie sich über Kanäle stritten,
hörten die Leute auf einen Dritten,
und fingen es an, sich mit Brettern zu schlagen.

Denn so ist es mit allen Plagen,
daß nur die Wenigsten ihre Ursach ergründen,
und welche es tun, sich nicht streiten dürfen,
weil sonst jene, welche nicht jenseits der Leiden schürfen,
in Tollheiten münden.

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29. August 2013

Ideen, Abstimmung und das wiederkehrende Scheitern der Sorge an sich selbst

Ich gehe von einem Modell der Existenz aus, dessen Elemente Ideen sind, welche nicht unabhängig von einander neben einander bestehen, sondern steter Abstimmung auf einander unterworfen sind.

Diese Elemente fallen in vier Klassen, nämlich Beharren, Lust, Achtung und Sorge, welche sich, bei Neigung dazu, als Folge zunehmender begrifflicher Verfeinerungen verstehen lassen, in sofern auch Lust beharrt, auch Achtung anstrengt und Sorge auch auswählt. Näheres dazu habe ich im Beitrag Bewußtseinsentwicklung durch Rückkoppelung geschrieben.

Und zwischen diesen Elementen bestehen also Abstimmungen, etwa wenn sie im menschlichen Bewußtsein zusammenkommen und dieses sich in unterschiedliche Richtungen neigt, was genauer gesagt bedeudet, daß die in ihm vorhandenen Ideen sich ihrer jeweiligen Umwelt auf ihre eigene Weise zuwenden.

Analog bilden die chemischen Elemente ein Beispiel unterschiedlicher Abstimmungen zwischen Ideen des Beharrens, wobei ich mir die Freiheit nehme, nicht zwischen abstrakten Ideen und ihren konkreten Vertretern zu unterscheiden. Kommen dabei zwei verschieden ausgerichtete Formen des Beharrens zusammen, mögen sie in eine dritte Form übergehen. Daß sie dies tun ist zugleich die Voraussetzung der Lust, als des Willens zur Anstrengung der Kräfte zum Zwecke der Umgestaltung des Beharrenden, als auch zugleich die Anpassung an sie, die Abstimmung zwischen den Ideen des Beharrens und der Lust.

Damit sollten die ersten beiden Begriffe des Titels dieses Beitrags hinreichend genau erläutert worden sein, kommen wir nun zum dritten Gegenstand.

Es ist das Wesen der Sorge, den Zustand der Welt zu erfassen, ihre Gesetzmäßigkeiten zu studieren und unter ihrer Ausnutzung ihn ihrem Willen gemäß zu ändern. Und dabei begegnet es ihr stets auf's Neue, daß der Zustand, welchen sie selber geschaffen hat, sich für sie problematischer gestaltet als der ursprüngliche.

Was sich darin exemplarisch zeigt, ist die Endlichkeit des Raumes, welche das Beharren den dynamischen Ideen läßt und sie so zu Zykeln zwingt. Nicht können jene sich seiner immer weiter bedienen, sondern nähern sich stattdessen der Grenze dessen an, was sie handhaben können, und wenn sie dies tun, müssen sie ihre Abstimmung erneuern.

Dazu dienen die transzendenten Akte, wobei sich jede Idee auf ihre eigenen Voraussetzungen beschränkt. Im Falle von Lust und Achtung ist es hinreichend offensichtlich, daß durch einen unverhofften Übergang oder eine unverhoffte Erwiderung das Problem gelöst ist. Im Falle der Sorge müssen wir die Situation hingegen noch weiter ausleuchten.

Im Zentrum des christlichen ideellen Zykels stand die Gewährleistung von Frieden. Der Preis, welcher dazu bezahlt werden mußte, wurde dabei mit der Zeit immer kleiner, aber er wurde dies dadurch, daß sich die Sorge zunehmend auf das Beharren verließ, um sich Lust und Achtung zu erwehren. Und was so mit wuchtigen Burgen anfing, endete mit der Herrschaft der Maschinen. Und diese Welt voller Maschinen ist nun eine problematischere geworden als es die Welt des Römischen Imperiums je war.

Wenn man den Gang der Dinge bedenkt, könnte man auch sagen, daß der letzte ideelle Zykel durch die Anbetung des Metalls gekennzeichnet ist. Wurde es gar erst dadurch leitend, daß wir es zuvor seit so langer Zeit als unser teuerstes Gut verehrten?

Nun, wie dem auch sei, unser Problem heute besteht darin, daß wir an die sich gebildet habenden Gesetze des Beharrens ausgeliefert sind, und seine einzig mögliche Lösung darin, daß sich die Sorge anders orientiert, also nicht länger auf das Beharren baut, sondern vermehrt auf die lebendigen Ideen. Mehr Möglichkeiten gibt es auch nicht. Wir haben gar keine andere Wahl, als eine Wissenschaft ihrer zu schaffen, denn Wissen schafft Sorge immer. Nur das Wesen der Anwendung dieses Wissens unterscheidet sich gemäß den Wesensunterschieden der studierten Ideen, Beharren beharrt, Lust lüstet, Achtung achtet und Sorge sorgt.

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28. August 2013

Wahrhaftigkeit

Ich verfolge seit gut einer Woche wieder den Mond.

Da ist etwas, was man deutlich in seiner Brust spürt, etwas, dem man zu begegnen sucht. Natürliche Autorität ist die Kraft, welche einen zu ihm und es zu einem treibt, aber was ist es selbst?

Ich mag die Phase des chaotischen Kollaps des funktionalen Zykels nicht, wer mag sie auch?

Also was tun? Aufhalten kann man die Zeit nicht, bleibt die Flucht in einen anderen Umlauf oder, wenn das nicht geht, in die Reminiszenz oder, wenn das nicht gehen sollte, in die erzwungene Jugend und so weiter.

(Übrigens, falls das nicht klar sein sollte, der Umlauf ist der volle funktionale Zykel, die erzwungene Jugend seine vorzeitige Rücksetzung nach der Selbstdarstellung, Stillstand die Unfähigkeit, in einen funktionalen Zykel einzutreten und Reminiszenz die beschriebene über allen menschlichen Zykeln stehende Geisteshaltung.)

Ich habe diese verschiedenen Formen des Durchlebens der Zeit also deshalb zuletzt beschrieben, weil sie Ausweichsstationen auf dem weiteren Weg sind, auf einem Weg, der nunmal vor mir liegt. Aber das Ziel ist die Wiederkehr der Wahrhaftigkeit in einem neuen Umlauf.

Das ist ja das Kriterium unserer erbärmlichen Zeit, daß sie durchweg, unabhängig von politischer Ausrichtung oder Klassenunterschieden, von Menschen bevölkert wird, deren erste Maxime lautet, sich den Umständen, wie sie nun einmal sind, anzupassen. Daß sie sich dabei immer weiter von menschlich vertretbaren Positionen weg bewegen, empfinden sie, wenn überhaupt, als Adelung, also daß sie fähig sind, eine solche Spannung zu ertragen.

Aber daran ist nichts edeles, wer etwas edeles vertritt, der wird solche Spannungen ertragen müssen, aber das heißt nicht, daß die Umkehrung dessen auch gilt. Es geht den Heutigen nur um den eigenen Vorteil, und sei er noch so klein, welchen sie eben nur haben können, wenn sie sich anpassen. Sie argumentieren mit der Anhäufung kleiner Nachteile, welche sich andernfalls einstellte, aber damit zeigen sie nur, daß es ihnen an etwas mangelt, an das sie glauben.

Nun gut, so kommt es immer wieder, darüber läßt sich nicht gut klagen, aber das heißt nicht, daß man nicht seinem Herzen folgen sollte, um ihm zu entkommen. Das Ende der Zeit ist es nicht, und wohl werden wir neue Wasserquellen an Stelle dieser giftigen Brühe finden.

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26. August 2013

Sensation: Brinkhaus erklärt, warum der Euro eingeführt wurde.



Und es macht Sinn!

Die Finanzwelt durfte nicht länger gegen das Pfund wetten!

Nur wer hätte gedacht, daß es so ans Tageslicht kommt.

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25. August 2013

Ein paar Worte zur Reminiszenz

An Tagen wie diesem scheint die Zeit sich vor einem auszubreiten, die Sonne scheint noch kräftig, aber die Temperatur befindet sich auf der Schwelle der Hitze zur Kälte, der Sommer ist noch gegenwärtig, aber der Herbst steht an.

Ein merkwürdiges Seinsideal durchzieht den Waldgürtel Eurasiens, aller Zeiten gewahr zu sein und in kleinen Übungen in jegliche Zeit einzutauchen. Es ist heiß im Kiefernwald, dessen Boden doch nur Preiselbeeren decken. Und die Zwergkiefern im Moor, wie trügerisch verbergen sie das Alter dieses Anblicks? Ja, die Teile sind neu, aber die Anordnung uralt.

Der Birkenpilz wächst wieder, die Espenblätter rascheln trocken im Wind, wer jetzt noch badet, holt sich schon jetzt den nächsten Winter, denn die Nächte werden wieder lang und sind schon kalt. Wie lang ist's her, daß in halbschwüler Statik Blitze in den Wolken zuckten, droben, ohne Donner, ein magisches Schauspiel in Rosa und Violett? Ein paar Wochen, vielleicht zwei. Und nochmals so viele und die Aktinidien werden reif und das Laub fällt von den Bäumen.

Nun, reif wird das halbe Jahr etwas, von Juni bis November, wenn man Kräuter und Pilze mitzählt, sogar schon ab April. Dort, mit dem Wald im Rücken, wachsen die Sonnenblumen zwei Meter hoch: Ein Tanz auf seltsam fremdem Parkett, spielten die Menschen hier nicht mit den Möglichkeiten, es wüchsen gerademal und halbes Dutzend verschiedene Sträucher und Bäume an einem Ort.

Aber so, aus aller Welt kommen die Pflanzen und werden herzlich empfangen, wenn sie nur bis zu -30 Grad im Winter aushalten und eßbar sind. Erstaunlich, wie viele es doch tun, und trotzdem muß man Vogelbeeren veredeln, wenn man eine Ahnung südlicher Fülle verspüren möchte: So schlecht sind sie nicht, kalt gepflückt im Morgentau, aber zu sauer, um sie in größeren Mengen zu genießen.

Sammeln, Vorlieben studieren, Umstände gestalten, sinnen, der Zeit als Geschichte begegnen, als einem Meer, welches Strandgut anspült, Strandgut aus allen Lebensphasen.

Die übrigen Zeitformen entsprechen Entwicklungsstufen menschlicher Gesellschaften hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Ausbildung von Organisationen, dies überhaupt nicht zu können oder nur bis zum Erreichen ihrer Reife oder, sobald die nötige Steifheit dazu vorhanden ist, ihres vollen Alters. Die Reminiszenz aber ist das Eintauchen in eine Organisation, welche nicht menschliches Wollen darstellt, sondern den Willen alles Lebendigen, in der Kälte zu überleben, als deren Weichensteller. Das Sinnbild des Umlaufs ist das Rad, das der Reminiszenz das Mobile (vielleicht auch die ihm ähnliche Lärche). Ein Sinnbild erzwungener Jugend wäre eine Schere und ein Sinnbild des Stillstands zwei einander würgende Ringer.

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Zeit und Klima

Stillstand
Erzwungene Jugend
Umlauf________
Reminiszenz

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Die Grundlage der Polis

Ich hatte im letzten Beitrag ein Merkmal der Polis behandelt, nämlich das Vorhandensein einer Institution gemeinsamen Befragens, aber was spiegelt sich in einer solchen Institution?

Nun, ich würde sagen, daß es gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme ist, und von dort gelänge man bald zu Freiheit und Einigkeit als Grundlagen der Polis, wenn man diese beiden Begriffe etwas herumdreht, aber wirklich befriedigen tut mich diese Antwort nicht, da sie nur unzureichend die Entstehungssituation einer Polis erfaßt.

Schürfe ich also etwas tiefer, komme ich auf die Erfahrung gegenseitigen Stützens, aus welcher heraus der Geist gemeinsamer Verantwortungsübernahme geboren wird und mit ihm seine Institutionen.

Diese Erfahrung selbst hat aber auch wieder eine Voraussetzung, nämlich daß die gemeinsame Ausbeutung des von den Mitgliedern der Polis eingebrachten Kapitals sich für jene vorteilhafter gestaltet als seine autarke Ausbeutung.

Betrachten wir das etwas genauer. Der Hauptgrund solcher Zusammenarbeit ist, wenn man es geschichtlich betrachtet, wohl die Fähigkeit, Besitz zu verteidigen und zu erobern, einschließlich dem von Sklaven.

Daneben gibt es aber auch noch den Fall, daß der Kooperationsvorteil nicht militärischer, sondern gestalterischer Art ist, also daß sich die eigenen Lebenswelt besser gemeinschaftlich gestalten läßt.

Diese beiden Fälle sind indes nicht unabhängig von einander, sondern üblicherweise legt der militärische Vorteil den Grund für den gestalterischen, indem er das nötige Kapital zur Gestaltung beschafft, was den ersten beiden Phasen des funktionalen Zykels entspricht.

Ich denke aber nicht, daß es sich zwangsläufig so verhält, also daß Kapitalerwerb stets militärisch erfolgt, nur daß es meistens so ist.

In der Moderne, das heißt in diesem Fall seit dem 20sten Jahrhundert, avancierte das Lebensgefühl der Menschen zum gestalterischen Kriterium, und da Menschen lieber in einer jungen Polis leben als in einer alten, verleitete sie die technische Machbarkeit dazu, zum Zwecke der Erschaffung einer besseren Welt, die Polis, in welcher sie lebten, zurückzuschneiden, und den Menschen gezielt die Erfahrung gegenseitigen Stützens im Rahmen der Gestaltung der eigenen Lebenswelt zu geben.

Ich denke nicht, daß es jemals zuvor dazu gekommen ist. Man hat Staaten entworfen, welche den Menschen für eine Weile das Gefühl vermittelten, wichtig zu sein, und einzig zu diesem Zweck. Und wer weiß, ob es damit jetzt vorbei ist: In Zeiten mangelnder Stimulanz mag gezieltes Zurückschneiden die einzige Möglichkeit der Lebensverlängerung sein.

Was ist das Wesen ideologischer Stimulanz, im Sinne des Glaubens an eine zu befolgende Verhaltensweise, eines Glaubens, welcher stärker als der Tod ist?

Nun, daß er in der Tat stärker als der Tod ist, nicht nur psychisch, sondern auch materiell. Es gibt keine materielle Erklärung dafür, zwar kann man die Notwendigkeit einer erhöhten Risikobereitschaft begründen, aber von der Art ist ein Glaube ja nicht, das ist nur eine Begleiterscheinung, welche sich dazu auch ohne ihn zeigt, zwar bei ihm früher, und das mag entscheidend sein, aber im wesentlichen strebt er ja einer Form zu sein zu, ist also ausgesprochen stabil, und welche materielle Begründung gibt es dafür, in einer Situation der Ausschöpfung langfristigst zu denken?

Freilich, es gibt ein Gleichnis, nämlich die Verdauung, nachdem man sich den Magen vollgeschlagen hat, in welcher ja auch die langfristigsten biologischen Prozesse eingeleitet werden, aber in diesem Gleichnis wäre der Grund allen bewußten Daseins der Verdauende, und diesen gibt es in der materiellen Sicht der Dinge nicht.

Vieles ließe sich über diesem Thema ausführen und polemisieren, aber die wichtigsten und allgemeinsten Dinge fordern zur Trockenheit des Zugriffs auf, einzig den anleitenden Charakter der Vita Jesu möchte an dieser Stelle als etwas sonderbar Deplatziertes bemerken: Wozu sie allgemein lehren? Wozu der an die Allgemeinheit gerichtete Hinweis auf die doppelte Überwindung des Todes, psychisch und physisch, durch den Glauben? Jahrhundertelang wurde das gelehrt, ohne daß die Notwendigkeit einer solchen Unterweisung bestanden hätte. Und heute, wo sie wichtig wird, wird es nicht mehr gelehrt. Zwar geht jede Seele zu Gott zurück und sollte sich entsprechend vorsehen, aber Jesu Vita beschreibt ein zyklisches Ereignis eines ausgesprochen langen Zykels und ist also zu den meisten Zeiten deplatziert.

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24. August 2013

Der öffentliche Diskurs

Es scheint mir nicht so, als ob die europäischen Nationen große Kunstfertigkeit auf dem Gebiet des öffentlichen Diskurses entwickelt hätten, Großbritannien partiell ausgenommen.

Das Problem besteht darin, daß diese Bühne unter Marktgesichtspunkten, sei es ihr politischer oder privater Wert, wenn nicht verkauft, so doch getauscht wird, oder auch, was genauso schädlich ist, als Zeichen der Anerkennung zur Verfügung gestellt.

Mit anderen Worten steht der Wert des Sprechens im Mittelpunkt, nicht der des Hörens.

Der öffentliche Diskurs sollte indes nicht als Werbefläche begriffen werden, welche Redner mieten können, sondern als eine Art Debattierclub, in welchen die Öffentlichkeit aus Neugier heraus einlädt.

Aber das kann nur die Öffentlichkeit selbst leisten, kein Staatsfernsehen an ihrer Statt.

Freilich, nicht Wenige ziehen durch's Land und halten Vorträge in kommunalen Sälen, aber wo ist das Forum, in welchem die Kommune darüber diskutieren würde, wen sie als nächstes gerne einlüde? Dies dem Bürgermeister zu überlassen, heißt, ihm alle paar Wochen einen Abend für ein paar zehntausend Euro zu sponsorn. Und sicher, bei wichtigen Reden könnte man auch auf's nächste Sportstadium ausweichen, sofern man es schaffte, die Fragen im Vornherein präzise zu formulieren.

Aber natürlich können auch Teile der Öffentlichkeit einladen, der lokale Unternehmerverband oder sonstwer, der es scbafft, den Abend zu organisieren. Und dafür sollte eine Infrastruktur existieren, welche solche Veranstaltungen als Teil des öffentlichen Diskurses bekannt macht.

Publikumsfragen sollten stets einbezogen werden, wenn nötig, wie gesagt, vor der Rede, wobei die Auswahl der Fragen zufällig erfolgen sollte.

Die physische Anwesenheit ist dabei natürlich nicht zwingend, Reden können auch per Radio oder Fernsehen übertragen werden und Fragen per Telephon oder auf sonstigem Wege gestellt, nur daß es kommunale Sender sein müßten, um zu verhindern, daß ihr Marktwert als Bühne zu groß wird. Wahrscheinlich wäre es diesbezüglich das Beste, wenn von parallelen Veranstaltungen keine übertragen würde, auf diese Weise erzöge man zur Rücksicht.

Nun, ich schreibe das nur zur Veranschaulichung, als Exemplar, nicht um das Wesen einer Demokratie zu verdeutlichen, sondern das einer staatlichen Organisation überhaupt, denn wo es kein institutionell befriedigtes gemeinsames Interesse am Zuhören gibt, da gibt es auch keinen Staat, und wenn es ein paar Hundert Kongreßabgeordnete sind, welche es tun, ist es eben ihr Staat.

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20. August 2013

Zum Vorzug der Vernunft bei der Suche

Ich habe mich im letzten Beitrag auf das Wesentliche beschränkt, nämlich den Übergang von einer begrifflichen Erfassung zu ihrer konkreten Bestimmung, aber natürlich beinhaltet eine Suche üblicherweise eine ganze Reihe solcher Übergänge, welche von ihrem Ende her zu einem erfolgversprechenden Anfang zurückverfolgt wird, also etwa wenn ich Pfifferlinge suche, dann glotz' ich ja nicht einfach in alle möglichen Richtungen, in der Hoffnung eine Form zu finden, welche der begrifflichen Erfassung eines Teils eines Pfifferlings entspricht, sondern tue das erst, wenn ich das Moos einer erfolgversprechenden Stelle durchspähe.

Nein, zunächst einmal frage ich mich, wie trocken es ist, und wo man unter solchen Umständen wohl Pfifferlinge findet. Wenn ich dann beispielsweise auf Moose über den Wurzeln von Kiefern komme, suche ich danach, wobei es ja auch wieder einen Unterschied macht, wie das Moos genau aussieht und wo die Kiefer steht. Und dann ist man schon dabei, nach Kiefern zu suchen, welche irgendwie pfifferlingisch aussehen, ohne daß es so ganz einfach wäre zu erklären, warum.

Es kommt also zu einer ganzen Kaskade von Suchen, welche eine anfängliche Suche nach sich zieht, wobei unsere Erfassung der Gesetzmäßigkeiten der Welt ein Glied an das andere fügt, und genau an der Stelle kommt unsere Vernunft zum Einsatz, indem sie ihre eigenen Glieder formt und ihre Zusammenhänge untersucht, denn Glieder formen und ihre Zusammenhänge untersuchen tut natürlich auch der Verstand, nur tut er das nicht um ihrer selbst willen, sondern nur im Rahmen einer Suche, wie das Glied der erwähnten pfifferlingischen Kiefer, auf welches selbstverständlich nicht die Vernunft führt.

Menschen können also ihre Suchen über Wege leiten, welche sie frei von den Umständen der Suche entwickeln können. Zu ihrem Vorteil ist das meistens nicht, meistens leistet der Verstand bessere Arbeit, der tierische Instinkt ist einfach sicherer als die Theorien der Vernunft, aber natürlich wissen die Menschen die Vorteile, welche sich hin und wieder auf diese Weise ergeben, systematisch aufzutürmen, wodurch es ihnen schließlich gelungen ist, satellitengestützt durch den Dschungel zu navigieren.

Aus Sicht der künstlichen Intelligenz handelt es sich bei dieser Bereichsbegriffsformung wahrscheinlich um einen Algorithmus zur Auffindung global optimaler Suchen mäßiger Effizienz, während der Verstand Bereichsbegriffe zur Auffindung lokal optimaler Suchen mit hoher Effizienz formt. In beiden Fällen tritt aber so noch neben die Aufgabe des Suchens die Aufgabe des Verwaltens von Suchen unter Ausnutzung eines Gesetzeskanons, welcher ebenfalls zu erstellen ist. Indes, auch diese Aufgabe ist wieder eine Suche, nämlich nach Bereichsbegriffen für effiziente Suchstrategien und nach Gesetzmäßigkeiten zwischen ersteren.

Deshalb ist Intelligenz eben im wesentlichen die Fähigkeit zu suchen, also eine begriffliche Erfassung zu konkretisieren.

Ich besitze seltsamerweise ein ziemliches Talent darin, Bereichsbegriffe im Rahmen der Suche nach effizienten Suchstrategien zu formen, aber weit weniger Talent darin, die eigentlichen Suchen zu vollziehen, für welche ich jene geformt habe, oder, um es einfacher zu sagen, ich bin gut darin, Arbeit zu gliedern, aber nicht unbedingt gut darin, zu arbeiten. Vielleicht liegt es ja daran, daß die Suche nach effizienten Suchstrategien eine besonders einfache Suche ist, wenn man nur ihre Gegenstände versteht, und vielleicht läßt sich ein Leben auch in Randbereichen, in extremer Einseitigkeit leben, wenn man nur die Zeit hat, sich entsprechend einzurichten.

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Die algorithmische Herausforderung der Suche

Begriffe bilden durch ihre Verknüpfung mit einander Halbordnungen aus, siehe Warum eine Ordnung eine Ordnung ist, und natürlich ließe sich die Gesamtheit aller Daten nach der Halbordnung der Gesamtheit aller Begriffe sortieren, wenn erstens die Zeit nicht ständig neue Daten erzeugte und zweitens die Menge aller Begriffe endlich wäre, was sie aber nicht ist, denn jeder endlichen Teilmenge der natürlichen Zahlen entspricht ein sie beschreibender Begriff, und zwar auf die einfachste Art, nämlich Zahl 1 oder Zahl 2 oder Zahl 3 usw.

Ist die Datenmenge begrenzt, könnte man einwenden, daß es zwar weiterhin unendlich viele Begriffe über ihnen geben mag, aber nur endlich viele nicht äquivalente Begriffe über ihnen, und zwar 2n, wenn n die Anzahl der Daten bezeichnet. Man könnte die Suche also für diesen Fall auf die Bestimmung des äquivalenten berücksichtigten Begriffs reduzieren, aber damit möchte ich mich hier nicht befassen, denn erstens wählen Tiere und Menschen diesen Weg nicht, und können ihn auch nicht wählen, und zweitens steigt die Exponentialfunktion auch für Computer reichlich schnell.

Tiere und Menschen verwenden vielmehr vier Begriffe, nach denen sie die meisten Daten sortieren, nämlich Entfernung, vertikaler und horizontaler Winkel und Zeit, wobei die subjektiven räumlichen Begriffe zwecks effizienterer Ordenbarkeit in die objektiven räumlichen Begriffe Tiefe, Höhe und Breite übersetzt werden, und zusätzlich zu diesen vier Ordnungsbegriffen Bereichsbegriffe, welche Bereiche der Raumzeit begrifflich erfassen, wie etwa der Begriff des Schattens.

In der Mathematik verhält es sich zumeist genauso, zum Beispiel betrachtet man begrifflich beschriebene Teilmengen der reellen Zahlen, wenn man nach den Nullstellen von Funktionen der reellen Zahlen fragt.

Eine kleine Bemerkung. Betrachtet man Mannigfaltigkeiten, so gibt es im allgemeinen keine globalen räumlichen Begriffe, aber das ist nicht weiter schlimm, man verwendet schlicht lokale räumliche Begriffe und ihre Übersetzungen in einander über den Schnittmengen. Auch auf diese Weise entsteht eine zum Zwecke der Ordnung verwendbare Begriffshierarchie.

Die algorithmische Herausforderung der Suche besteht nun darin, die begrifflich erfaßten Bereiche konkret zu bestimmen. Betrachten wir zur Veranschaulichung dessen das Beispiel des Schattens. Wir wissen, daß der Schatten das Komplement einer mit Bezug auf ein Zentrum strahlenweise zusammenhängenden Menge ist, wobei wir Reflexion und Brechung jetzt mal außenvor lassen. Um den Schatten konkret zu bestimmen, sollten wir zunächt einmal jenes Zentrum finden, also die Sonne. Wie dieses nun genau geschieht, möchte ich hier lieber nicht behandeln. Haben wir es hingegen und finden eine sonnenbeschienene Fläche, was ich wiederum nicht explizieren möchte, so können wir einen Teilbereich des Schattens konkret bestimmen, indem wir die Sonnenstrahlen gedanklich durch diese Fläche hindurch verlängern.

Dieser Gedankengang läuft tatsächlich manches Mal so ab, aber selbstverständlich wird man meistens nur nach einer dunklen Fläche auf dem Rasen Ausschau halten. Doch sei's drum, es ist nur ein Beispiel, um die eigentliche Leistung während der Suche aufzuzeigen, welche in einer Analyse der begrifflichen Erfassung des gesuchten Bereichs zum Zwecke ihrer möglichst effizienten konkreten Bestimmung liegt, wobei eine Bestimmung konkret heißt, wenn sie nur auf endlich viele Gegenstände und Ordnungsbegriffe bezug nimmt, im Falle der rellen Zahlen also beispielsweise alle Zahlen zwischen 1 und 2, im Falle des des obigen Schattenbeispiels auf die sonnenbeschienene Fläche, welche unserem Verstand glücklicherweise als Objekt zur Verfügung steht, einschließlich etwaiger höherer (Halb-)Ordnungen der geordneten Menge, also beispielsweise (0,1] = (1,2] im Sinne gleicher Länge, woraus sich die Addition und dann im Falle der reellen Zahlen die Multiplikation etc. definieren lassen, eine solche höhere Ordnung aber nicht beliebig sein darf, sondern durch eine relative begriffliche Erfassung gegeben sein muß, welche durch die Änderung des Bezugspunktes eine Gruppenstruktur über ihren Gegenständen erzeugt, wie es in Raum und Zeit der Fall ist.

(Ja, höhere Ordnung und Gruppenstruktur hängen durch die Differenz der äquivalenten Tupel zusammen, und die Erwähnung der höheren Ordnung hier hat hauptsächlich syntaktische Gründe, sprich, ist eine elegante Möglichkeit, Operationen unter Ordnungen zu stellen, konkret Tu dies und das. durch Wähle jenes, welches. zu ersetzen.)

Aus der Mathematik ist natürlich der Fall recht gut bekannt, wo eine solche Bestimmung nicht möglich ist und deshalb durch eine unendliche Reihe besser werdender konkreter Bestimmungen vertreten wird, wobei die Existenz einer solchen approximierenden Bestimmung als solche wiederum hypothetisch ist.

Gut, soviel dazu, Analysealgorithmen begrifflicher Erfassungen zum Zwecke ihrer konkreten Bestimmung möchte ich hier noch nicht besprechen. Dieser Beitrag klärt lediglich den Begriff der Suche, welcher übrigens selbst ein Bereichsbegriff ist, welcher durch die Angabe der Suchmethode(n) konkretisiert würde. Und ja, das ist auch schon das ganze Programm der künstlichen Intelligenz, so wie sie üblicherweise verstanden wird.

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19. August 2013

Vorstellbares, Unvorstellbares, Suche und Experiment

Es gibt zunächst einmal zwei Sorten von Fragen. Einmal jene, deren Antwort durch die Herbeiführung von etwas Vorstellbarem gegeben wird und zum anderen jene, deren Antwort durch die Verkörperung eines unvorstellbaren Begriffes erfolgt.

Was sind unvorstellbare Begriffe?

Nun, es gibt derer wiederum zwei verschiedene Sorten. Einmal mag ein Begriff unvorstellbar sein, weil er einen Allquantor über einer zu großen, insbesondere unendlich großen, Menge enthält, wie etwa der Begriff einer Parabel, das heißt f(x)=x2, oder er ist deswegen unvorstellbar, weil er eine empirisch bedingte Inzidenz beschreibt, und das fängt schon mit der Frage: Was will ich eigentlich? an, denn das dumpfe Gefühl, etwas zu wollen, erlaubt aus sich selbst heraus die Vorstellung des Gewollten keineswegs, sondern erzwingt vielmehr ein Abklopfen der Art: War es das? Oder das? bis es auf das Gewollte anschlägt.

Wer nun einwendet, daß diese Definition des Vorstellbaren seltsam eng gefaßt ist, verkennt ihren Wert, welcher darin besteht, die Grenze zwischen vernunftbegabten Wesen und Tieren zu ziehen. Tiere nämlich kennen nur vorstellbare Gegenstände und können also auch nur vollstellbare Gegenstände verfolgen, mithin nur Fragen der ersten Art stellen.

Den Versuch, etwas Vorstellbares herbeizuführen, nenne ich Suche, und Tiere suchen also ausschließlich.

Was nun die unvorstellbaren Gegenstände der ersten Art angeht, so behilft sich der Mensch dabei durch Hypothesen, nämlich die Annahme, daß es bestimmte unvorstellbare Gegenstände gibt, aus welchen sich dann die Existenz anderer unvorstellbarer Gegenstände nicht nur ableiten, sondern sogar hypothetisch vorstellen läßt, im Sinne der hypothetischen Anwendung von Vorstellungsschritten auf hypothetische Gegenstände. Mit anderen Worten werden die Antworten auf solche Fragen durch hypothetische Suchen nach hypothetisch vorstellbaren Gegenständen gegeben, wobei sich eine hypothetische Suche rein heuristisch nicht von einer natürlichen Suche unterscheidet, sondern durch die Betrachtung von beliebigen Teilmengen der unvorstellbar großen Menge gänzlich parallel zu ihr verläuft.

Daneben läßt sich natürlich auch nach vorstellbaren Gegenständen hypothetisch suchen, etwa wenn man der Frage nachgeht, was die Menschen wohl auf dem Mars anstellen würden. Eine solche Betrachtung könnte an und für sich auch von einem Tier angestellt werden, nur daß ihm der Anlaß dazu fehlt und fehlen muß, so lange es wach ist, denn im Traume sind Tiere in der Tat in der Lage, hypothetisch nach vorstellbaren Gegenständen zu suchen.

Und bei den unvorstellbaren Gegenständen der zweiten Art behilft sich der Mensch durch Experimente, das heißt, er sorgt entweder dafür, daß der inzidente Begriff gegeben ist, und studiert dann seine Verkörperungen hinsichtlich anderer, diese beschreibender Begriffe, etwa die Lage zu einer bestimmten Zeit beim Studium von Bewegungen dieser oder jener Körper unter diesen oder jenen Umständen, wobei Körper und Umstände im inzidenten Begriff enthalten sind, oder er geht verschiedene Gegenstände durch und schaut, ob der inzidente Begriff vorliegt, meistens, wie schon gesagt, wenn man sich fragt, was man will.

Suche, hypothetische Suche und Experiment erschöpfen also die menschlichen Möglichkeiten, Antworten auf Fragen zu finden, wobei der Mensch aufgrund seiner Vernunftbegabung neben den beiden anderen Formen der Untersuchung auch noch den Vorteil hat, in fast jeder Situation suchen zu können, während ein Tier dazu auf konkrete Probleme angewiesen ist.

Das liegt natürlich daran, daß dem Menschen die Existenz eines Gegenstandes an sich etwas bedeutet, und dem Tier nicht. Und wo der Mensch also stets versucht ist zu spekulieren, da phantasiert das Tier höchstens.

Und wo wir gerade dabei sind, der Ausgangspunkt dieses Beitrags bestand darin, daß ich einen Unterschied zwischen den alten und den neueren Die drei ???-Folgen bemerkt hatte, welcher so ähnlich übrigens auch zwischen den alten und den neueren James Bond-Filmen besteht, bei den neueren treibt mich nur die Neugier dazu, mir das weiteranzuhören oder -anzuschauen, bei den älteren hingegen fesselt mich die Spannung, und das korrespondiert Spekulation und Phantasterei, was ganz interessant ist, da es die natürliche menschliche Neigung zu beiden belegt, wohl zur Übung des Denkens, genauer gesagt des Experimentierens, im Falle der Neugier, und des Suchens, im Falle der Spannung.

Zugegeben, die Experimente der letzten Bond-Filme à la Welcher Schauspieler darf als nächstes mitspielen? (John Cleese??? Ja??? Ja???) waren nicht sonderlich gedankenanregend, aber der Neugier scheint's zu genügen, wohl gemerkt, ein Experiment aus Sicht des passiven Zuschauers, welcher mal sehen will, wer diesmal mitspielt.

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16. August 2013

Die gegenwärtige ideelle Konfrontation

Die Wurzel der Probleme der Gegenwart besteht im Grad der Konzentration menschlicher Macht, als welcher es erstmals in der bekannten Geschichte der Menschheit erlaubt, die Welt insgesamt menschlichen Begriffen zu unterwerfen, und insbesondere die Menschheit selbst.

Die Erkenntnis dieser Möglichkeit bedingt eine gewisse Haltung, ein Andienen an die Schaltstellen der Macht, eine Verfolgung der neuesten technisch relevanten Forschung, eine Aufgabe des Rechts zu Gunsten der Verteidigung der Macht des eigenen Verbands.

Eine Haltung freilch, welche nicht gerade neu genannt werden kann, im Unterschied zu früher besteht heute nur kein begründeter Rückzugsraum mehr: In dem Maße, in welchem die Welt immer mehr der eigenen Absicht unterworfen werden kann, schwindet die Rechtfertigung, sich nicht um anderer Leute Absichten zu kümmern.

Dies führt nicht nur zu allgemeinem Mißtrauen und der damit einhergehenden Verrohung der Sitten, sondern darüberhinaus ist die so verfolgte Perspektive, eine Welt nach den eigenen Vorstellungen maßzuschneidern, dem menschlichen Wesen nicht gemäß.

Die Geschichte des Turmbaus zu Babel ist eine Geschichte des Scheiterns und wird auch so, und nur so, verstanden: Laß es sein, wenn du nicht auf die Fresse fallen willst. Unser Problem heute ist, daß wir genau wissen, daß der Turm gebaut werden kann und niemand dabei ein Scheitern befürchten muß.

Und was anschließend folgt, ist schlimmer als die Sprachverwirrung, nämlich sich selbst in einem Käfig wiederzufinden, welchen man selbst gebaut hat, die Ausgänge aller Züge, welche man unternehmen kann, im Voraus zu kennen, zu wissen, daß jede verbleibende Überraschung in einen eingeplanten wesentlichen und einen unvorhergesehenen bedeutungslosen Anteil zerfällt.

Daneben gibt es eine andere ewige Haltung, nämlich sich der Welt im Rahmen dessen, was in einen gelegt ist, anzunehmen, ihre Bedeutung für sich und seine Bedeutung für sie zu suchen, darauf vertrauend, daß es einen lebenserhaltenden Ausgleich in allen Nöten gibt, es eine Bewandtnis mit dem eigenen Erleben hat und es eine Verantwortung für die eigenen Entscheidungen gibt. All das beschreibt aus den verschiedenen Perspektiven der Ich-Assoziation dasselbe, aus Willem, Wahrnehmung und Tat. Es ist der Kern bewußter Existenz, unsere Verbindung durch Gott mit dem All, in welchem wir sind.

Es ist diese grundlegendste Eigenschaft unseres Wachens, welche ihr Recht gegen alle seine ferneren Eigenschaften verteidigt, die Offenheit, welche keine aus ihr geborene Form verschließen kann.

Und die gegenwärtige Konfrontation besteht genau in diesem Versuch, das Leben zu objektivieren, in welchem die genannten Haltungen an einander geraten. Die Zuspitzung dieses Konflikts ist systemisch durch das Wesen der Objektivierung bedingt, welche mit jedem Schritt, welchen sie vorwärts tut, an Kraft und Drang gewinnt: Es ist die Magnetisierung der Menschheit durch eine Menge gemeinsamer Gewißheiten.

Aber diese Magnetisierung formt einen geistig starren Verband, in welchem Inspiration und Ausgleich mit der Welt zunehmend schwinden, wobei es ganz gleich ist, ob das schlicht das Result der Ausschöpfung der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten eines bestimmten Ansatzes ist oder das von Ab- und Angewöhnung, wie auch immer man es fäßt, der Mensch ist nicht für einen solchen Zustand geschaffen.

Der Weltraum ist die Projektionsfläche der Uniformen, die Offenheit jenseits ihrer Fesseln, auch davon berichtet der Turmbau von Babel auf die falsche Weise: Es ist nicht anmaßend, sondern gedankenlos. Skalierung ist die einfachste aller Verallgemeinerungen.

Obwohl, wenn ich es mir erlaube, einen Moment zu fühlen, es vielleicht auch anmaßend ist, steckt dahinter doch der Wunsch, seine eigene Beschränktheit noch ins All hinauszutragen, als wenn die Welt uns nicht reichte. Es sind unsere Probleme, nicht ihre.

Nun gut, von der Art ist die gegenwärtige ideelle Not, und Abhilfe kann nur darin bestehen, eine offene Beziehung mit der Welt zu suchen und wiederzufinden. Die Uniform muß brechen. Welches von beiden hingegen das andere bedingt, das weiß ich nicht.

Nun, die Zeit wird's zeigen.

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12. August 2013

Ideelle Konflikte

Nach dem vorigen Beitrag stellt sich die Frage, ob es einen objektiven Unterschied macht, ob ein Krieg in einem funktionalen oder einem ideellen Konflikt wurzelt.

Aber den macht es durchaus. Zum einen sind funktionale Konflikte auf Konkurrenzsituationen beschränkt, welche zwischen unterschiedlich gestimmten Gruppen üblicherweise nur in Grenzgebieten auftreten und meistens zu nicht mehr als gelegentlichen Kräftemessen führen, und zum anderen unterscheiden sich auch die Folgen eines geführten Krieges für die kriegsführenden Parteien, denn während ein funktional begründeter Krieg im Gestimmtheitsgegensatz auf etwas Unabänderliches stößt, stößt ein ideell begründeter im Gegensatz der erkannten Möglichkeiten auf die betroffenen Menschen selbst, mit anderen Worten ist der eine Krieg ein aufgegebener und der andere ein narzißtisch gesuchter.

Ich sagte es ja schon, Glauben unterscheiden sich nur durch Umstände, ansonsten stimmen sie mit einander überein, und weder wäre es richtig einen Krieg zu führen, weil man sich selber irrte, noch weil sich der Gegner irrte und auch nicht, wenn der Sinn des Krieges darin bestünde, die Anpassung an die lokalen Verhältnisse zu ignorieren.

Zu letzterem ist auch nicht mehr zu sagen, zu den Irrtümern hingegen schon. Der verbreitetste Irrtum ist sicherlich die Verkennung der Menschen und die Methode der Wahl, ihn zu beheben, ist, zu verdeutlichen, wo sie stehen. Manche Irrtümer lassen sich leichter als dieser, manche schwieriger als er erweisen, aber erweisen wird sich ein Irrtum noch immer, es sei denn, er wäre zuvor auch ohne Erweis fallengelassen worden. Dabei sollte man es bewenden lassen, wobei es natürlich möglich ist, daß ein Gegensatz auf mehreren Ebenen zugleich besteht, was es einem erlaubte, die einem ideell sympathischere Partei in einem solchen Gegensatz nur aus diesem Grund zu unterstützen, was mir angemessen erscheint, nur daß dabei das Wesen des Krieges nicht zu verändern ist und dieser Krieg selbst nicht ideell begründet werden sollte, sondern gemäß den übrigen vorliegenden Konflikten, oder, um es greifbarer zu sagen, daß man den Glaubensbrüdern und -vettern bei ihren weltlichen Auseinandersetzungen beistehen sollte, ohne den Charakter der Auseinandersetzung dadurch zu ändern oder irgendetwas anderes in ihr als den weltlichen Gegensatz zu sehen.

Das ist eine ziemlich anspruchsvolle Forderung, auch wenn es nur Bedacht erfordert, ihr folgezuleisten, ja, mancher braucht noch nicht einmal den dabei, sondern folgt nur der Empfehlung seines Instinktes, das Heilige aus schmutzigen Angelegenheiten herauszuhalten, um es nicht für spätere Zeiten zu kompromittieren.

Und das ist ein sehr guter Instinkt, denn wer ihm nicht folgt, dem geschieht genau das: Sein Heiliges wird kompromittiert, und er entfernt sich von seinem Glauben. Ein ideell begründeter Krieg führt also zwangsläufig über seinen Greueln zum Glaubensabfall, und das ist eine schlimme Strafe, gilt aber nur für echte Glauben, und nicht für was sich nur so nennt.

Davon sprach ich schon, Pseudoideologien, welche nicht in Glauben, sondern in materiellen Erwägungen wurzeln, und aus diesen heraus versuchen, die Haltung der Menschen zu formen, und zwar durch Propaganda, Gehirnwäsche. Jenen begegnet aber etwas anderes, nämlich die Feindschaft der Stimmung der Menschen zu ihren Lehren, weshalb es nie lange dauert, bis eine so beherrschte Gesellschaft emotional destruktiv oder apathisch wird, wohingegen der betrogene Glaube die Menschen Stück für Stück verunsichert. Freilich, Kommunikation ist nicht eindeutig, und einer mag in einer Propaganda etwas anderes hören als ein anderer, er mag sogar in ihr einen Glauben finden, welcher gar nicht in sie hineingelegt wurde, und entsprechend würde er dann nicht emotional destruktiv oder apathisch, sondern verunsichert werden. Dergleichen pflegt so aber nur Kindern zu geschehen, denn nur ihr Denken sieht mangels Erfahrung die inneren Widersprüche nicht, welche Propaganda als solche auszeichnen.

Meine Betrachtungen hier passen nicht recht in die heutige Zeit, in welcher es das Kriterium aller Wahrheit ist, materiell begründet zu sein. Mit anderen Worten wird heute nur Ideologie genannt, was eine Pseudoideologie, ein System haltungsformender Lehren, ist, nur Organisation, was ein ausgeklügeltes System materieller Anreize ist, wohingegen Glauben Wahnsinn und echte Organisationen tierisch genannt werden.

Es ist ein Zeitalter, in welchem die Vernunft nichts anderes erfäßt und erfassen will, als gesetzmäßige, von der Materie ausgehende Zwänge. Daß die Zwänge, welche sich durch die Stimmung und die Grenzen des logisch Möglichen ergeben, gleichberechtigt neben diesen niedersten Zwängen stehen könnten, wird weder erwogen, noch kann es überhaupt, mangels begrifflicher Klarheit, erwogen werden. Diese Dinge werden als Ableitungen der niederen Zwänge betrachtet, was sie vielleicht auch sind, aber auch die niederen Zwänge werden ja in ihrem Wesen nicht verstanden, sondern ins Vakuum objektiviert, so daß das Nachvollziehen dieser etwaigen Ableitung natürlich unmöglich gemacht wird.

Ironisch ist das alles in sofern, als daß der Geist, welcher sich die Welt immer weiter zwingt, dabei zunehmend zerfällt, was er ihr abspricht, spricht er auch sich selbst ab, in seinem Kosmos kann es ihn nicht geben, und er nähert sich seinem Glauben an die mechanische Bestimmtheit allen Geschehens praktisch an.

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Nochmals zu den drei Existenzebenen

Mir ist über der Frage der Organisationszugehörigkeit aufgefallen, daß größere begriffliche Klarheit von Nöten ist: Ist ein Soldat ein Mitglied einer Organisation oder nicht?

Die zweite Existenzebene, oder auch die funktionale, behandelt das Wachstum von Organisationen. Eine solche kann aber im Rahmen meiner Begrifflichkeit nicht technisch definiert sein, sondern ergibt sich aus einer gemeinsamen Wertschätzung der Organisationsmitglieder des Organisationszweckes, konkret dadurch, daß die Haltung, aus welcher sich die Organisation ergibt, von allen Organisationsmitgliedern ideologisch akzeptiert wird, also ihrer Gestimmtheit entspricht.

Es wäre also beim Soldaten zu fragen, ob seine Haltung einer allgemeineren Gestimmtheit korrespondiert, und er somit Teil eines natürlichen größeren Ganzen, einer Organisation ist, bei einem reinen Waffenknecht wäre das sicher nicht der Fall: Wer zum Dienst gezwungen oder verlockt wird, steht in einer materiellen Beziehung, und auch ein komplexes Gebilde materieller Beziehungen fällt nicht unter meinen Begriff der Organisation.

In der funktionalen Ebene liegt also eine eigentümliche Kraft, nämlich die gemeinsame Gestimmtheit, welche über die materielle Ebene herrscht, was beispielsweise psychologische Kriegsführung, als Zersetzung gemeinsamer Gestimmtheit, erst ermöglicht.

Freilich vergleiche ich Organisationen gerne mit Pflanzen, was entweder voraussetzt, daß es auf diese eigentümliche Kraft bei systemischen Betrachtungen gar nicht ankommt oder daß die einzelnen Fasern einer Pflanze so etwas wie eine Haltung besitzen, und damit auch so etwas wie Verstand. Wahrscheinlich ist letzteres der Fall, mit sehr weit ausgedehntem so etwas.

Aber wie auch immer sich das verhält, es dient eh nur als Intuition und Veranschaulichung, aber wenn wir menschliche Organisationen betrachten, möchten wir Gesetzmäßigkeiten finden, und dazu müssen die Begriffe stimmen. Zum Beispiel fühlt sich also gerade derjenige auf der mittleren Ebene ausgegrenzt, dessen geteilte Gestimmtheit durch eine andere gemeinsame Gestimmtheit bedroht wird.

Der Zusammenhang zwischen Haltungen und Funktionen ist übrigens ein unmittelbarer, Haltungen sind ja festgeschriebene bedingte Verhaltensweisen, wobei der Grund für die Übereinstimmung von von verschiedenen Seiten her bestimmten Konzepten im allgemeinen im allseitigen Auftreten der drei Bewußtseinsstufen liegt.

Wir können also das Verstandeszusammenwirken unter einer gemeinsamen Haltung als Organisation in den Mittelpunkt unser gesamten Betrachtung der Existenzebenen stellen, die materielle Ebene liefert seine äußere und innere Form durch die Anschauung und die ideelle Ebene regelt die Anpassung der Gestimmtheit an den Bereich des logisch Möglichen durch die Vernunft.

Ein Beispiel für letzteres ist durch die Prioritätenverschiebung vom Schutz des eigenen Lebens zum Schutz der eigenen Liebe gegeben, welche über der Einsicht der Unmöglichkeit, das Leben liebenswert zu sichern, erfolgt, wobei das Geliebte einerseits von der Zeit und andererseits wieder vom logisch Möglichen abhängt, selbstverständlich, denn das eigene Leben fällt ja auch unter es: So gesehen ist das Beispiel etwas nichtssagend, das heißt es sagt nur, daß das eigene Leben im Laufe der Zeit im Vergleich zu anderem weniger geliebt werden mag.

Glaube ist also Schöpfer und Zerstörer gemeinsamer Gestimmtheit, ungeachtet dessen, daß ihre Formung oftmals im Rahmen imperialer Herrschaft stattfindet, und warum auch nicht?, ist letztere doch nur eine Form ideellen Vakuums.

Ein Gegensatz auf der ideellen Ebene ist damit aber nur durch Umstände möglich, nicht aus sich heraus, das heißt durch logische Fehler oder Unvollständigkeit einerseits und durch unterschiedliche Verhältnisse in Raum und Zeit andererseits. Ideelle Ausgegrenztheit kündet also entweder von Aussichts- oder Zwecklosigkeit, Aussichtslosigkeit, wenn man gegen die Logik aufbegehrt, und Zwecklosigkeit, wenn man Fremden sein eigen oder wenn einem Fremde ihr eigen bringen wollen.

Leider kommt es dennoch zu Kriegen über ideellen Gegensätzen, wiewohl, und da muß ich mich etwas korrigieren, es auch innerhalb der funktionalen und materiellen Ebene zu Kriegen kommen kann, wobei in letzterem Fall tatsächlich jeder nur für sein eigenes Überleben kämpfte.

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11. August 2013

Kleine polyphone Übung

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8. August 2013

Kampfbereitschaft

Der Beitrag Lokale soziale Zustände ist vielleicht etwas kurz geraten, deshalb hier ein paar weitere Worte zu ihm.

Zunächst einmal möchte ich seinen Ansatz bekräftigen. Es ist in der Tat gerechtfertigt anzunehmen, daß lokale gesellschaftliche Verhältnisse stets Ideologien widerspiegeln, welche sie bestimmen, und daß zu diesen Verhältnissen stets ein Organisationengeflecht gehört, denn Chaos entsteht nicht aus einem Mangel an Ideologien und Organisationen, sondern aus einem Übermaß an ihnen an einem Ort: Ohne Organisation schweiften wir Tigern gleich durch den Wald und verteidigten unser Territorium und ohne Ideologie gleich einer Affenbande.

Dieser Wettstreit gehört zum Wesen der Dinge, innerhalb einer Ideologie genauso wie zwischen verschiedenen Ideologien, er findet mithin auf allen drei Ebenen statt, auf der ideellen, der funktionalen und der materiellen, wird allerdings keinesfalls ständig wahrgenommen. Wird er wahrgenommen, fühlt man sich ausgegrenzt und ist kampfbereit, ansonsten nicht.

Und diesbezüglich ist es ein ganz wesentliches Resultat, daß nur ein Mensch, welcher autark lebt, in eigener Sache kämpfte, und zwar ums Überleben, jeder andere aber für eine Organisation oder Ideologie.

Gewiß, das ist einerseits fürchterlich banal, aber andererseits ist es allzu vielen nicht hinreichend klar, daß eine Gruppe von Menschen genau dann kampfbereit sein wird, wenn sie ihre Organisation oder ihren Glauben gefährdet sieht.

Gehen wir das mal im Detail durch. Welche Organisationen gibt es in Deutschland? Nun, zum einen die Betriebe und zum anderen die Bundesrepublik als Rechtsstaat. Die übrigen Organisationen, wie etwa die freiwillige Feuerwehr, fallen nicht weiter ins Gewicht. Eine völkische Solidargemeinschaft gibt es sicherlich in Ansätzen hier und da, aber weit her ist es mit ihr nicht. Kaum jemand wird die konkreten Vorteile angeben können, welche er durch sie erfährt, und mithin wird sie auch kaum jemand als gefährdet ansehen.

Und so ähnlich verhält es sich leider auch mit dem Glauben, jedenfalls bis es bereits zu spät wäre und wir alle in der Bredouille steckten.

Der Deutsche wird also alles schlucken, so lange weder sein Betrieb in Not gerät, noch seine rechtliche Stellung.

Wenn es soweit ist, daß massenweise ersteres eintritt, ist es wieder zu spät, letzteres hingegen ist eine subjektive Angelegenheit und damit das einzige sinnvolle Betätigungsfeld politischer Agitation. Freilich ist es nicht ganz einfach, jemandem ohne Selbstwertgefühl zu verdeutlichen, daß seine rechtliche Stellung unwürdig ist. Und also wird das Volk auf absehbare Zeit wohl nicht zu einem Korrektiv werden, mithin sich die Dinge unter dem ausschließlichen Einfluß der Mächtigen entwickeln, wobei man nur auf ihr Wohlwollen und Können hoffen kann.

Selbstverständlich muß man bei alledem von einem planmäßigen Versagen der Kirchen sprechen, andernfalls sähe die Situation ganz anders aus, aber das ist ein anderes Thema.

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