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30. Dezember 2014

Informative Transzendenz und Heiligkeit des Seienden

Alles was ist, ist bewußt, gewollt und wirklich, und damit Gnade, Heilswirkung und Verantwortung unterworfen, vergleiche Die drei Aspekte des Seins und Inspirationsverschiebungen.

Interessanterweise sind diese drei, Gnade, Heilswirkung und Verantwortung, in der Lage, einen Menschen zu informieren, indem sie ihn warnen oder auch nur Hilfestellungen geben. Ich habe das im Beitrag Spirituelle Warnungen beschrieben:
  • die Reue warnt, wenn die Heilswirkung auf's Spiel gesetzt wird,
  • die Trauer gibt eine Hilfestellung bei der Verfolgung derselben,
  • die Mahnung warnt, wenn die Verantwortung auf's Spiel gesetzt wird,
  • die Ahnung gibt eine Hilfestellung bei der Verfolgung derselben,
wobei Heilswirkung dem gilt, was man hinterläßt, und Verantwortung nur innerhalb des eigenen Schicksals möglich ist.

Es gibt auch Hilfestellungen affirmativer Art, und die Gnade teilt sich auf analoge Weise mit, warnt durch Selbstekel und leistet Hilfe durch Glauben.

Bei diesen Erfahrungen handelt es sich zweifellos um Erfahrungen transzendenter Art, aber um Akte handelt es sich nicht. Es sind Beispiele dafür, daß einen das Heilige informiert, von Offenbarungen möchte ich indes nicht reden, wiewohl, wenn ich die Vorhersage, daß die Menschen in ein paar tausend Jahren kleine bewegte Bilder anschauen werden, hier einordnen sollte, so würde ich sie der Heilswirkung zuschreiben, und zwar als eine Art Rache: Wende dich von mir ab und der Gnade zu! Aber sieh! So wird es enden!

Diesbezüglich darf man den Christus wohl nicht mit seiner letzten Inkarnation Jesus identifizieren. Letzterer mag alles gewußt haben, aber er hat nicht alles gewirkt. Vergleiche dazu auch den Beitrag Von den Herbergen des heiligen Geistes, wonach Jesus sein Wirken als Vorbereitung des Wirken des nächsten Christus bezeichnet, denn nichts anderes verbirgt sich hinter der wenn aber nicht viele = wenn aber nur ein(e)-Konstruktion, also, für die geistig Trägen: Wenn aber nur eine Herberge des heiligen Geistes, dann wäret ihr alle Christus und ich ginge, euch die Stätte zu bereiten.

Auch möchte ich an dieser Stelle noch einmal explizit die transzendenten Akte der ideellen Ebene benennen, um etwaig mögliche Mißverständnisse angesichts meiner jüngsten Erklärungen zu vermeiden. Es gibt derer nur zwei: Der Gnade, Heilswirkung oder Verantwortung, also der Wahrheit Licht, der Sünde Feuer oder des Lebens Wasser, Knecht zu werden und der Gnade, Heilswirkung oder Verantwortung, also der Interessengemeinschaft, Werterfülltheit oder Gotterschaffenheit, Recht mit dem eigenen Leben zu verteidigen.

Damit wäre der sichere Teil durch, nur wirft er Schatten in den unsicheren Bereich, weshalb ich mich nun in diesen begeben muß.

Also zu den Toten. Ich fing recht ungehemmt an, vom jüngsten Gericht und von meiner Sehnsucht nach einem Ende all dessen hier zu schreiben (21.12.2014), am selben Tag ging Udo Jürgens, am nächsten Joe Cocker.

Ich will nicht sagen, daß da irgendeine Transzendenz vorlag, aber wenn da irgendeine vorlag, dann waren es materielle zurücksetzende Akte, welche mit Herzschwäche einhergingen. Ich ertappte mich ehrlich gesagt an einem der letzten Tage dabei, daß ich eine Melodie sang, zu der mein Herz exakt im Takt schlug. Aber ich weiß nicht mehr, wann das genau gewesen ist. Wahrscheinlich allerdings am 22.12.2014.

Nun gut, dazu sollte ich aber sagen, daß mir das mit der Herzschwäche eigentlich fremd ist. Ich bringe es aus irgendeinem Grunde mit Papst Franziskus in Verbindung, wiewohl er diesbezüglich auch nicht der einzige ist, es gibt eine ganze Menge professioneller Anteilsnehmer.

Keine so ganz schöne Bezeichnung, aber sie sind mir nunmal suspekt, wiewohl es durchaus ehrliche unter ihnen geben mag und diese auch in der Wahrheit, im göttlichen Gesetz stünden, um es einmal so zu sagen.

Aber wenden wir uns nochmals den Fällen zu, wo höchstwahrscheinlich Transzendenz vorlag, sicher ist das nur bei Alexius II, wo die Empfindung auf die Minute übereinstimmte, aber das ist auch der unproblematischste Fall, denn ich sehe nicht, warum er nicht für die Gotterschaffenheit des Menschen gestorben sein sollte, während die anderen beiden Fälle, Swann und Grothendieck, nicht mit transzendenten Akten in Verbindung stehen, sondern mit transzendenter Informiertheit durch Verantwortung.

In wiefern lief ich da Gefahr, mein Schicksal zu verwerfen?

Darauf gibt es wahrlich viele Antworten, unter anderem auch die, daß ich es gar nicht tat.

Doch ich tat es, wie eine kurze Nachforschung ergibt, denn in beiden Fällen schrieb ich kurz zuvor von ein und derselben Sache: Erzwungene Formen und Ende und Anfang der Zeit.

Grundtenor: Die Menschen kriegen genau die Lügen zu fressen, nach welchen es sie hungert. Freßt nur zu! Freßt bis zum Ende!

Im ersten Beitrag habe ich das mehr oder weniger offen gesagt, im zweiten nur gedacht: Sicher, eine Handvoll entkommt euch, aber die Masse könnte euch auch weiterhin aus den Händen fressen.

Sie selbst hat wenig dagegen, und ich?

Man darf ja nie vergessen: Caligula wurde erst ermordet, als er selbst die Frauen seiner Leibwächter vergewaltigt hat.

Der Teufel hat durchaus die Macht jeden noch so gewitzten dialektischen Aufklärungsplan zu vereiteln: Je klarer das Unrecht hervortritt, desto klarer auch die Abscheu vor jenen, welche es gewähren lassen, bis am Ende niemand mehr für niemanden den kleinen Finger zu rühren bereit ist.

Es gibt keine Zwangsläufigkeit des Schicksals. Es kann immer auf zwei Weisen gehen.

List ist es nicht, was euch retten wird, List ist unstet, wendet ihr Haupt mal hier- und mal dorthin. Und selbst wenn sie einmal weiter half, sagt das doch nichts darüber, wie es von dort aus weitergeht.

Niemand kommt irgendwo hin, wenn er nicht aus sich selbst heraus dort hinkommen muß. Wenn er nicht findet, woran sein Herz hängt, und ihm folgt.

Aber was mich betrifft... gönne ich dem Teufel den Triumph?

Jedenfalls habe ich seinen Atem zweimal im Nacken gefühlt.

Ich kann nichts Gutes über die Menschen sagen, habe ich auch nie getan. Über die ihnen zu Grunde liegenden Ideen schon, über sie selber nicht. Aber ich muß es auch nicht. Wenn sie dereinst gewaschen werden, werden sie nicht mehr stinken. Was geht es mich an? In der Erde zu wühlen, um ein paar Sträucher zu pflanzen, ist auch keine saubere Arbeit.

Ich bin nicht von Herzen mißgünstig, wiewohl ich es wohl darauf anlege, stets das Schlechteste ans Licht zu fördern, sei es durch Ungeschicklichkeit, sei es durch fortgesetzte periphere Grenzüberschreitungen oder, wenn ich's ganz bewußt tue, weil ich die Wahrheit sehen will.

Den Großmut, welcher darüber schmunzelt, habe ich hier auf Erden vielleicht ein halbes Dutzend Mal gesehen, etwas öfter ein schwankendes Aushalten. Aber die Allermeisten fühlen sich schuldig jenseits aller Hoffnung auf Vergebung.

Reif für den Teufel sind sie. Aber worin besteht diese Reife außer in einem verpesteten Atemzug?

Und das ist die eigentliche, tiefste Wahrheit dieser ganzen Angelegenheit: Ihre Unterschriften hast du. Willst du ihre Seelen einfordern? (Und wenn ja, unterschreibst du gerade.)

Ergreife den Vorwand, ergreife das Nichts.

Das Schicksal besitzt eine Tiefe, aus welcher heraus es sich entfaltet, bist du ihr treu oder entwendest du ihr, was sie dir in die Hand gab?

Ich muß diese Worte schreiben, anders finde ich aus diesem Irrgarten nicht heraus.

Nun gut, die Mahnungen der Verantwortung wurzelten also in mir selbst. Was hat es mit dem Tod von Swann und Grothendieck auf sich?

Es bleibt gänzlich unsicher, aber wenn ich Alexius' II Zustand empfinden konnte, sie dann ja vielleicht auch meinen, und da sie schon alt waren, haben sie es nicht überlebt.

Wahrscheinlich ist es so, vielleicht, oder sogar wahrscheinlich, weil sie ähnlich getickt haben. Wenn ich mir Grothendiecks Rückzug über seiner Finanzierung durch das Verteidigungsministerium so ansehe: Das war ganz sicher ein Drama, welches er hätte vermeiden können, wenn er es nicht gesucht hätte. Aber er war liebevoller als ich. Nun, er hat auch mehr Liebe gesehen, alleine schon generationsbedingt.

Und Swann? Tja, ganz so narzißtisch bin ich nun wieder nicht. Aber Berührungspunkte sind auch da erkennbar. Aber was hieße es auch, wenn jede Kongenialität schmeichelhaft für mich wäre? Wiewohl, der Herr hat ja was für Ecksteine übrig, welche...

Natürlich gilt das für jeden, und jeder braucht auch dieses Versprechen. Leben und Tod des Glaubens verstehen einander so wenig, wie Sommer und Winter einander verstehen, die andere Seite wird gänzlich unvollstellbar, wenn man die Mitte der eigenen findet.

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27. Dezember 2014

Inspirationsverschiebungen

Ich möchte an dieser Stelle endlich einige Redeweisen klären, welche ich arg lange ausschließlich evozierend verwendet habe.

Beginnen wir mit der Inspiration als solcher. Es handelt sich bei ihr meiner Einschätzung nach nicht um einen Ausfluß individuellen Wollens, sondern um einen der Welt inhärenten Geist, wobei ich nicht sage, daß der Welt stets nur ein Geist inhärent sei, welcher das Denken dessen, welcher sich ihm öffnet, beflügelt, wobei dieses Öffnen einerseits vom individuellen Willen des Sich-Öffnenden und andererseits von den Umständen, in welchen er sich befindet, abhängt.

Wäre es anders, wie erklärte es sich dann, daß man ein Mal mit Melodien überfließt und ein ander Mal nichts zu Stande bringt?

Gut, man friert auch ein Mal und ein ander Mal nicht. Aber man kann sich jederzeit vorstellen zu frieren.

Es kommt also spürbar etwas in einen hinein, welches hervorzubringen nicht Teil des eigenen Besinnens ist. Genauer gesagt handelt es sich dabei um Einsichten einer oder der anderen Art, etwa daß eine Melodie ein bestimmtes Empfinden ausdrücke.

Natürlich gibt es Einsichten, etwa daß 1 + 1 = 2 ist, welche sich zuverlässig einstellen, wenn man sich nach ihnen fragt, aber fragen, also öffnen, muß man sich. Und selbst an diesem Beispiel kann man erkennen, daß es unmöglich ist, Einsichten zu erinnern. Man kann sich erinnern, einen mathematischen Beweis geführt zu haben, man kann sich an seine Stationen erinnern, aber nicht an die Einsichten, aus welchen seine Beweiskraft strömt. Und so ist es auch mit einer Melodie. An sie selbst kann man sich erinnern, auch an die Gefühle, welche sie wachruft, nicht aber an den Grund dieses Wachrufens, die Kraft, welche Töne und Gefühle zusammenzwingt.

Wenn sich also Inspiration verschiebt, muß sich die Art der Einsichten, welche einen ausfüllen, ändern.

Das Zeitalter der Werke sei der Inspiration durch das Schöne geschuldet, sagte ich.

An welcher Art Einsichten zeigt sich Schönheit?

An der Reflexion der Verhältnisse der Wirklichkeit, an der Reflexion der Verhältnisse der äußeren Welt.

Besteht diese Erklärung eine genauere Betrachtung?

Die Schönheit einer Melodie besteht nicht darin, daß sie überhaupt Gefühle wachruft, sondern in der Angemessenheit dieser Gefühle einer bestimmten Lage gegenüber. Man blickt auf die Lage, dann auf die Gefühle, und man befindet, daß das Verhalten, welches das Gemisch der wachgerufenen Gefühle in sich birgt, der Lage angemessen ist.

Mit anderen Worten besteht die Schönheit einer Melodie in der Ethik, welche den von ihr wachgerufenen Gefühlen entspricht.

Aber diese Ethik ist eine spezielle Ethik, es sind auch andere Ansätze denkbar, ethisch ist nach ihr, was sich für den Einzelnen in seiner Lage am besten anfühlt, und nicht, welches Verhalten den Einzelnen insgesamt am besten bekommt, wenn alle es aufgreifen.

Also nochmal, die Schönheit einer Melodie besteht aus der Gehobenheit der individuellen Stimmung, welche sich aus der Haltung, welche den von der Melodie wachgerufenen Gefühle entspricht, in einer bestimmten Lage ergibt.

Aber in wiefern ist dieser Ansatz äußerlich zu nennen?

Nun, ich denke schon, daß er es auf gewisse Weise ist. Er nimmt die Lage, und er nimmt den Menschen, und er fragt, welches das ideale Verhältnis zwischen beiden sei. Er nimmt keine tiefere Verbindung zwischen beiden an. Die Lage ist, wie sie ist, und der Mensch ist, wie er ist, und es bleibt einzig das Glied zu finden, welches sie ins bestmögliche Verhältnis zu einander setzt, nämlich die Haltung, mit welcher der Mensch der Lage begegnet.

Es wird, wenn man so will, der beste Mensch unter den bestehenden Umständen gesucht, ebenso wie man das beste Werkzeug für einen bestimmten Zweck suchte oder die beste Bepflanzung eines Stück Bodens.

In allen Fällen ist das Schöne durch das Gefallen an den Auswirkungen von in einem bestimmten Verhältnis zu einander stehenden Wirkungen gegeben, der Sanddorn gedeiht im Sand, der Spalthammer spaltet das Holz, die eigene Haltung wird der Lage Herr.

Halten wir fest:
  • Das Schöne bezieht sich auf die Einsicht von Auswirkungen.
Und ein Zeitalter, welches dieser Inspiration folgt, konvergiert inhärent gegen einen statischen Zustand maximaler Schönheit, mehr ist an dieser Stelle nicht dazu zu sagen.

Worauf kann sich Einsicht noch richten außer Auswirkungen?

Oder, was gleichbedeutend damit ist, wann sprechen wir nicht von Auswirkungen?

Wenn einem Entschluß etwas zu tun, Taten folgen, so nennen wir das wohl anders. Aber was läßt sich daran einsehen?

Die eigene Verantwortlichkeit. Interessant wird das natürlich nur, wo einem gar nicht klar war, daß man etwas tun kann, also in den transzendenten Akten, im Gebet. Dabei verläuft der Prozeß der Einsicht wie folgt.
  1. Man bemerkt einen Teil des eigenen Wollens, welcher sich nicht auszudrücken vermag.
  2. Man rückt diesen Teil ins eigene Bewußtsein und erlaubt es ihm, das eigene Schicksal zu bestimmen, sei es durch Unterwerfung oder Auslieferung, man entschließt sich zu der ihm innewohnenden Tat.
  3. Man beobachtet, welche Folgen das hat.
Wir erhalten somit:
  • Das Wesentliche bezieht sich als Gefallen auf die Einsicht von Verantwortlichkeit.
Der Mensch will halt nicht nur in einer schönen Welt leben, sondern auch für die Umstände seines Lebens verantwortlich sein. Der tiefere Witz an dieser Banalität ist, daß das Streben nach paradiesischen Zuständen die Verantwortung des jeweils anderen Einzelnen aufhebt, da jede schöne Auswirkung auf immer gleichen Wirkungen beruht.

Wollen in der voranstehenden Erklärung äußert sich natürlich durch Gefühle, zum Teil sehr vage. Und ein spezielles Gefühl ist es, für nichts verantwortlich zu sein, oder gleichbedeutend damit, daß nichts am eigenen Leben wesentlich sei. Und selbstverständlich zwingt einen materieller Determinismus, wenn man ihn geistig durchdringt, in dieses Gefühl. Es kommt dann also zu der reinsten Form der Suche nach Verantwortung, nämlich der Verantwortung um der Verantwortung willen.

Auf diese Weise schafft ein Zeitalter durch die ihm ureigene Weltsicht den nötigen Leidensdruck, um das nächste in Schwung zu bringen. Und auch, muß ich zugeben, die nötige Befriedigung, um nicht in den ersten schweren Tagen abtrünnig zu werden.

Was nun die Dynamik des Zeitalters der Wunder angeht, so beruht sie offenbar darauf, Willen zu finden und andere ihn finden zu lassen, um ihn wirklich werden zu lassen. Und was an seinem Anfang stand, die Verantwortung um der Verantwortung willen, ist zugleich ein Menetekel für sein Ende, ebenso wie es das Paradies für das Zeitalter der Werke ist.

Wichtig ist aber, so wie der heilige Geist zur Schönheit inspirieren kann, kann er auch zur Wesentlichkeit inspirieren, und um dies etwas mit Leben zu füllen, habe ich die letzten Beiträge über die Weite des Gewölbes und das Wasser des Lebens geschrieben, wiewohl mir selbst diese Inspiration eher fremd ist. Ich taufe mit Wasser, er mit Geist, erkennen, indes, würde ich ihn.

Gut, kommen wir nun zur dritten Art Einsicht, welche es nach dem vorangegangenen geben muß. Ich tat zuletzt stets so, als wüßte ich darüber kaum etwas zu sagen. Nun ja, ich war halt faul und lyrisch gestimmt. Ich habe dazu nämlich schon sehr viel gesagt, und zwar im Beitrag Gedanken zum Gegensatz zwischen Menschensohn und Götterhimmel.

Zunächst ein paar Bemerkungen zu diesem Beitrag.

Der Verfall des Götterhimmels, welchen ich dort angesprochen habe, und welcher ja auch historisch belegt ist, fällt, denke ich, nicht in die Zeit seiner größten Blüte, wie ich es in jenem Beitrag dargestellt habe, sondern vielmehr in die Anfangszeit des nächsten Zeitalters, in welchem sich einige halt noch nicht von den Traditionen des letzten gelöst haben, und nun ohne innere Anleitung an ihnen fortstricken.

Auch ist der Menschensohn wohl nie als restaurative Maßnahme gemeint gewesen. Der Unterschied zwischen der Ethik des Zeitalters der Wacht und der Ethik des Zeitalters der Werke ist weit fundamentaler, als ich es dort beschrieben habe, und was ich als Verderben des Glaubens an den Menschensohn bezeichnet habe, war von Anfang an ein Teil von ihm.

Gut, dennoch ist der genannte Beitrag ein willkommener Einstieg, um uns der Ethik des Zeitalters der Wacht zu nähern.

Die Unterwerfung unter einen Gott des Götterhimmels bedeutet, ein ethisch vollkommenes Muster auf sich zu übertragen, wobei, das liegt im Wesen der Sache, dies mit der Unterwerfung unter ein bestimmtes Gefühl zusammenfällt.

Bevor dies geschehen kann, müssen die Haltungen, welche den bestimmenden Gefühlen entsprechen, natürlich hinreichend genau studiert worden sein. Doch ist dies wohl nichts, was erst im Zeitalter der Wacht zu vollbringen wäre, da das nämliche Wissen bereits am Ende des Zeitalters der Wunder vorhanden sein sollte.

Was indes im Zeitalter der Wacht zu erforschen ist, worin seine Ethik liegt, und die Einsichten, an welchen sich das es inspirierende Gefallen entzündet, sind die Lagen, in welchen es sich dem einen oder dem anderen Gott des Götterhimmels zu unterwerfen gilt.

Dabei geht es nicht um die eigene Stimmung, welche sich mit der zugehörigen Haltung einstellt, denn nach dem Zeitalter der Wunder ist die eigene Stimmung bei diesen Unterwerfungen stets vollendet, da die Abwendung des ansonsten anstehenden Unheils im Mittelpunkt steht, sondern es geht um die weitere Entwicklung des Schicksals, welche aufmerksam, und über viele Jahre hinweg, studiert werden muß.

Es verhält sich damit also so:
  • Das Mächtige bezieht sich als Gefallen auf die Einsicht von Heilswirkung,
wobei mit Heilswirkung die geschichtsgestaltende Kraft bestimmter Gefühle gemeint ist.

Am Ende des Zeitalters der Wacht ist diese bekannt, aber die dadurch entstandene Legitimation der verschiedenen Gefühlswallungen verhärtet die Menschen. Es fehlt ihnen dann an Gnade, daß etwas sich von alleine zum Gute füge, und nicht alles durch eigene Anstrengung bewirkt wird. Wodurch sich die Inspiration zur Schönheit verschiebt.

Also, gnädig möge die Welt sein, aber wenn sie es ist, sind wir nicht mehr verantwortlich, verantwortlich mögen wir sein, aber wenn wir es sind, wirkt nichts mehr zum Heil, und zum Heil möge die Gegenwart wirken, aber wenn sie es tut, gibt es keine Gnade mehr.

Was immer man ernstlich aufgreift wird einen von etwas anderem abbringen.

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26. Dezember 2014

Die Protagonisten der drei Zeitalter

Der Künstler stellt das Schöne dar,
der Mentor eröffnet das Wesentliche
und der Richter verurteilt das Mächtige.

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Die Schüler Jesu

Jesu Jünger bilden, so weit sich das erkennen läßt, eine durchaus vertraute Studentenschar.

Andreas, der Entdecker: Komm! Den mußt du dir ansehen! und sein Bruder
Simon, der Bewahrer: Einen Moment noch! Ich schreibe das noch schnell ab!

Jakobus, der Ausmaler: Und damit können wir doch... und sein Bruder
Johannes, der Bespiegler: Ist das nicht auch so, wenn man folgendes betrachtet?

Phillipus, der Gasthörer: Wenn Sie Gott sehen sagen, dann meinen Sie damit doch, was sonst... und sein Bruder
Nathanael, der Absicherer: Gut, ich denke, das wird anerkannt werden.

Thomas, der Nachvollzieher: Und jetzt muß ich das hier hineinstecken, ja?
Judas, nicht der Iskariot, der Drückeberger: Aber Meister, das könntet Ihr doch viel besser machen als wir.
Judas Iskariot, der Entwender: Studiert ihr ruhig weiter! Ich gründe mein eigenes Startup!

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Lob des Heilands

Wir planschen noch im seichten Wasser,
es kommt erst noch,
der kräftig in es geht.
Nur sein Bekenntnis zählt,
nur er kann es durch seinen Tod verbreiten.

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25. Dezember 2014

Des Trostes Dreifaltigkeit

Dreifach werden wir beraubt,
verraten, erstickt und verbannt,
und dreifach getröstet,
durch Feuer, Licht und Wasser.

Den Hartherzigen erweicht die Reue,
den Verschlossenen narrt die Einsicht
und den Gedrillten verjüngt der Aufbruch.

Dies sind die Götter der Welt,
das Feuer der Sünde,
das Licht der Wahrheit
und das Wasser des Lebens.

Sie warten jeweils auf die Verrohten,
Verbitterten
und Erlahmten.

Und in diesem Sinne geht das Herz vom Licht aus,
wenn Unrecht erkannt wird,
das Licht von den Händen,
wenn Werke vollbracht werden
und die Hand vom Herzen,
wenn Leben gewollt wird.

Die Wacht entkommt der Verrohung und mündet in Verbitterung,
denn sie lehrt die Sünden meiden,
die Werke entkommen der Verbitterung und münden in Erlahmung,
denn sie lehren das Unnütze meiden,
und die Wunder entkommen der Erlahmung und münden in Verrohung,
denn sie lehren das Umständliche meiden.

Wir sind zum Licht der Wahrheit gekommen,
daß es uns aus der Starre der Sitten herausleite,
und hoffen an unserem Ende,
das Wasser des Lebens zu finden,
daß wir nicht in Abläufen erstarren.

Es ist an dem Ort,
an welchem wir zusammenkommen,
um unser Leben zu verhandeln,
eine Halle für alle,
Rasen um einen Quell.

Es ist ein Ort des Friedens,
ein zärtlicher Ort,
doch Schauer und Gelübde halten sich die Waage.

Das Herz ergreift,
und es wird ergriffen,
alles ist zu haben,
und mit allem kann man bezahlen.

So will ich es schildern,
worauf zu vertrauen
und sich anzuvertrauen,
sich zu bekennen,
die Stunde befiehlt.

Nur wer dieses Bild immer wiederfindet
in der Tiefe der Welt,
kann aus der Gnade Gottes
in süßer Verzweiflung bleibend schöpfen.

Das ist die Zukunft. Ich könnte auch noch die Unterwerfung unter die brodelnde Gewalt, welche sich durch diese an sich selbst verbrennt, besingen, aber das ist nicht so dringend. Und die Liebe zum alle Werke wirkenden Licht, ohne welches nichts gemacht ist, was gemacht ist, ist schon seit langem besungen.

Mir war es fast, als trug ich heute Nacht den unterkühlten Körper einer Frau mit eher kleinen Brüsten auf den Armen. Ich würde hoffen, daß sie gesund ist. Ein Sinnbild für das, was man an und für sich auf die hier besungene Weise gewinnt.

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24. Dezember 2014

Von der Trauer

Unbestritten ist das Gefühl des Verlusts, an welches sich die Bereitschaft zu weiterem Verlust anschließt, das kathartischste Gefühl von allen.

Man mag es als überempfindliche Beleidigtheit verspotten (engl. to sulk), aber es weitet den Blick auf ein wahrhaftig erhebendes Sein.

Es ist vor diesem Hintergrund, angesichts dieser Erfahrung, daß sich ein Mensch bekennt, sich einem Glauben öffnet, in einen Geist hineinfindet. Es ist der Trost derjenigen, welche in der Welt nichts haben.

Als ich drei Jahre alt war, fehlte mir ein geistiger Horizont, ich fühlte mich vom Leben erstickt. Aber ich fand Trost im Schönen, welches, alle Zeit habend, über der Zeit thront.

Die Beklemmung heute ist eine andere. Alles scheint vergebens, man selbst hilflos inmitten Hilfloser, die Menschheit verworfen. Über allem liegt das Inadäquate, die Szene eine Geröllwüste, das Leben nicht mehr erstickend, sondern auszehrend, verdorrend, letztlich zerstäubend.

Und was tröstet da?

Nur die Hand, welche die Welt hält, aber das Bekenntnis zu ihr scheint der eigene Tod zu sein, nur durch ihn, scheint es, gewinnt sie ihre volle Macht, hier befinden wir uns in einem zeitlichen Mikrokosmos, welcher unserem Bewußtsein zwar in vielerlei Hinsicht, aber nicht in jeder angemessen ist.

Besser kann ich es nicht ausdrücken.

Indes, man darf darüber nicht zu träumen anfangen und die Wirklichkeit vergessen. Quälend langsam zwar, aber durchaus wirkend, verschiebt sich der Geist und mit ihm das Wesen der Zeit. Und was mir jetzt der Tod zu sein scheint, wird irgendwem irgendwann als ein Weg ins Leben erscheinen.

Freilich, einstweilen habe ich den Tod noch einmal vor den Kopf gestoßen. Aber die Zukunft ist immer das Passende, und also wird alles passen, wie auch immer es passen wird.

Nun, ich werde noch ein Stückchen mehr davon sehen und wohl auch sehen müssen.

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23. Dezember 2014

La liberté d'un homme

Ein ganz kleines Kind freut sich noch über das Wetter,
wie es gerade kommt,
ein etwas älteres beschwert sich schon über die Länge des Winters,
welche es vom Sommer trennt.
Man sagt wohl: Die Natur schläft. Aber empfindet man es auch?

Ich bin heute 3 Kilometer mit freiem Oberkörper bei -1°C spazieren gegangen, es hat etwa 40 Minuten gedauert, weil ich unter dem Pullover zu schwitzen begann und auch bis zum Schluß unter den Armen weiter geschwitzt habe.

Gänsehaut war sehr moderat, zu zittern bin ich auch nicht richtig angefangen und selbst am Schluß konnte ich mir noch die Schnürsenkel zubinden. Dafür liefen meine Augen und meine Nase. Und die Schweißdrüsen in den Achselhöhlen.

Die Haut machte erst Anstalten sich orange zu verfärben, stabilisierte sich dann aber zu einem kräftigen Rosa. Überhaupt stabilisierte sich mein Zustand. Aber betrachten wir die psychologische Seite, um welche es mir hier auch nur geht.

Ganz am Anfang denkt man natürlich: Toll, herrlich erfrischend!

Aber dann nimmt der Schmerz zu, und man beginnt, über die Länge der Zeit nachzudenken.

Aber wenn sich der Schmerz irgendwann stabilisiert, kann man sich auch geistig stabilisieren. Ich habe eine Gruppe Fichten ins Auge gefaßt und den Rest vergessen. Als ich bei ihnen ankam, war ich ruhig. Etwas weiter standen auf beiden Seiten der Straße kleine Erlen in kleinen Wäldern. Und in dem Moment erschienen sie mir sehr friedlich und heiter. Der Winter hatte aufgehört zu existieren, jedenfalls aufgehört als verbietende Dauer zu existieren. Diese Erlen waren genauso gegenwärtig, wie sie es im Frühling oder Sommer sind. Wenigstens für den Augenblick war ich dem Haufen aufgehäufter Baumstämme entkommen, in welchem ich mich im Winter zu verkriechen pflege.

Die Natur schläft einen sanften, süßen Schlaf, und ich bin ein ihr zugeneigter Betrachter, und sonst nichts.

Kämpfen mußte ich nicht, nur die gewährte Gnade würdigen. Auf dem Rückweg fand ich dann noch ein herzallerliebstes Himbeerfeld zwischen Weiden, Birken und Erlen.

Worauf ich hinaus will: Wir haben gelernt, die Zeit seriell zu vergleichen, die Gegenwart mit der Vergangenheit und der wahrscheinlichen Zukunft, dabei läßt sich die Zeit aber auch ganz anders vergleichen, nämlich parallel, eine Haltung in einer Zeit mit einer anderen Haltung in einer Zeit.

Es gibt so viele Konstanten in der Natur, aber sind es wirklich welche, oder sind sie am Ende doch variabel?

Was ich dabei auch noch gedacht habe:
Das Heil verschenkt sich hier immer nur in Stücken,
aber nur hier kann es über eine Strecke helfen.
Deshalb kehren wir zurück,
deshalb gehen wir aus.

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22. Dezember 2014

The final countdown?

  • Udo Jürgens, 80, † 21.12.2014
  • Joe Cocker, 70, † 22.12.2014
Wenn das so weitergeht, wird am 25.12.2014 jemand sterben, der 40 ist. Mal sehen, wer morgen dran ist.

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21. Dezember 2014

Das I Ching als Ahnungsverstärker

Ich hatte gestern ein Experiment gemacht und das Orakel per Münzdrehen befragt, ohne das Buch zur Hand zu haben.

Das Resultat ist interessant. Ich wußte noch, daß Feuer über Donner eine Form des Andienens bezeichnet, nicht aber genau welche, und die beiden Zeilen, altes Yang in der ersten und altes Yin in der zweiten Zeilen, kannte ich eh nicht.

Was dann geschah, entsprach durchaus bis zu einem gewissen Grade der Notwendigkeit, mich anzudienen, aber als ich später las, welche Form des Andienens genau gemeint war, nämlich Strafvollzug, erschien mir der Spruch abwegig. Dennoch brachte ich ihn wiederum etwas später auf sehr holprige Weise mit meiner Situation in Verbindung und hoffte auch, noch etwas für mich durch die Beherzigung des Spruchs zu gewinnen, was ich, möchte ich sagen, auch habe, nur nicht auf die Weise, um welche es mir ging, nämlich zu vermeiden, daß ich meine Würde verlöre.

Die habe ich heute abend beim Strafvollzug durchaus wieder einmal verlieren müssen. Das wäre zu vermeiden gewesen, der Impuls zu dieser Entwicklung ging von mir aus, aber andererseits leidet man natürlich auch unter all den Rücksichten, welche man nur aus Bequemlichkeit heraus nimmt, und nicht, weil man meint, daß etwas Rücksicht verdient.

Ob es nun letztlich besser so ist, wie es das I Ching behauptet?

Das weiß ich nicht, wer kennt schon das Ende?

Aber etwas anderes, möchte ich sagen, weiß ich jetzt, nämlich daß die prophetische Wirkung des I Chings darauf beruht, daß es ein vage erahntes Geschehen in ein Bett gießt, in welchem man es selbst Kraft seiner Autorität entfalten läßt.

Dabei geht es aber mehr als darum, die Augen aufzuhalten und vielversprechende Kandidaten in ein Korsett zu zwängen. Nein, das I Ching steuert auf diese Weise die eigenen transzendenten Akte. Es begeben sich durchaus Dinge, welche man nur als Wunder bezeichnen kann.

Zuvor hatte ich gemeint, es sei bereits alles mit dem Hexagramm entschieden - aber dem ist nicht so. Das Unbewußte informiert das Hexagramm, aber die Zukunft zwingt es erst, wenn man sein Urteil kennt.

Eigentlich ist das I Ching damit nichts anderes als ein Verhaltens- und Verlaufskatalog, welcher die transzendenten Beziehungen, also die Inspiration und das Gebet, kanalisiert, das heißt in vorgegebene Schemata zwängt.

Andererseits beschreibt das I Ching sämtliche möglichen Lagen. Es legt also für jede Lage ein standardmäßiges Verhalten und einen standardmäßigen Verlauf fest. Freilich, manchmal kann die im I Ching beschriebene Lage nur auf holprige Weise mit der eigenen in Einklang gebracht werden, doch das ist gar nicht mal weiter beachtenswert in Anbetracht der vielfältigen Ausformungen ein und desselben Prinzips.

Das I Ching ist, ich möchte sagen, eine ewige Orientierung nach menschlicher Weisheit.

Und desto größer ist seine Autorität, mit welcher die eigenen transzendenten Akte bekräftigt werden, je mehr man diese Weisheit anerkennt.

Wahrscheinlich ist es mit aller Weltbeschreibung so. Alle Weltbeschreibung gewinnt also durch sie stützende Einsichten seinsbestimmende Kraft und normiert das Sein auf diese Weise durch ihre Endlichkeit.

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Von den Herbergen des heiligen Geistes

ἐν τῇ οἰκίᾳ τοῦ πατρός μου μοναὶ πολλαί εἰσιν: εἰ δὲ μή, εἶπον ἂν ὑμῖν ὅτι πορεύομαι ἑτοιμάσαι τόπον ὑμῖν;
In meines Vaters Behausung sind viele Gefäße, wenn aber nicht, ich hätte euch versichert zu folgen, um euch diesen Platz einzurichten.
Ja, wie ist das nur gemeint...

Einer wird den Trank aus jenem Gefäß trinken.

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Die drei Aspekte des Seins

Indem wir uns reflektieren, begreifen wir uns als Wahrnehmung, Wille und Handlung.

Ich nannte das von Anfang an die Ich-Struktur.

Es läßt sich aber viel wahrhaftiger fassen:
Alles was ist, ist bewußt, gewollt und wirklich.
Partielle Bewußtheit bedeutet, einen dieser Aspekte nicht zu sehen, wodurch das Sein, je nachdem, welcher Aspekt fehlt, zu
  • Augenblick, welchen das Bewußtsein nicht unterordnet,
  • Geflecht, welches der Wille nicht hervorbringt,
  • Traum, welchen die Wirklichkeit nicht nährt,
wird.

Darin ist bereits enthalten, daß
  • sich das Schöne durch Bewußtsein offenbart,
  • sich das Mächtige durch Wollen offenbart,
  • sich das Wesentliche durch Wirkung offenbart.
Was nicht diese drei Aspekte besitzt, ist nicht, und der Mensch, welcher sie nicht zusammen sieht, ist nicht im Sein.

Es ist wie mit einem Auto, welchem Lenkrad, Motor oder Räder fehlten, oder einem Streitwagen ohne Lenker, Pferde oder Räder. Hat Platon ein älteres Gleichnis umgedeutet?

Und was die drei Zeitalter angeht:
  • Im Zeitalter der Werke bleiben Wollen und Wirkungen gleich, aber das Bewußtsein entwickelt sich.
  • Im Zeitalter der Wunder bleiben Bewußtsein und Wollen gleich, aber die Wirkungen entwickeln sich.
  • Im Zeitalter der Wacht bleiben Bewußtsein und Wirkungen gleich, aber das Wollen entwickelt sich.
Unsere Zeit ist auf unbekannte, aber unveränderlich angenommene Wirkungen gebaut. Darin steckt bereits ihr ganzes Wesen. Und nun weicht sie einer Zeit, welche sich einem ungewirkten, aber unveränderlich angenommenen Wollen, zuwendet.

Freilich, das Nächste, ungewolltes, aber unveränderlich angenommenes Bewußtsein, klingt einstweilen völlig unverständlich, aber das mag daran liegen, daß uns von dieser Zeit schon und noch 2000 Jahre trennen.

Man kann es aber auch genau andersrum sehen, und davon erstaunt sein, daß ungewirktes, aber unveränderlich angenommenes Wollen einem etwas Konkretes bedeutet.

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Heimweh

Aber mag das Schicksal zusammenströmen,
von allen Seiten her zufließen,
die Ernte seiner Wanderungen herbeibringend.

Jetzt, wo sich eh nur noch die letzten Schwänze ringeln,
kurz bevor sie dem Körper folgen müssen.

Siehst du ihn nicht?
Den Sog unter deinen Augen?
Kennst du nicht den Wasserfall am Ende der Welt?
Wo sich alle Wasser in ein Becken ergießen?

Willst du sie nicht einlassen,
dich zu bestimmen?
Daß sie dich verstehen ließen?

Den Ort deines Seins?
Die Weite des Gewölbes,
welches dich umschließt?
Daß du, und wo du stehst?

Wie lange noch willst du bei den Schatten verbleiben?

Sie nennen es Jugend, aber es ist ein Exil,
und viele verlieren sich drin.

Wer mag die Schande besehen,
daß Flüsse alleine bleiben,
und sich nicht im Grundwasser fortsetzen?

Aber in allem fließt doch das Wasser zum Ende,
wenn die Klarheit auch in der Tiefe liegt,
in der längst verschütteten Heimat.

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19. Dezember 2014

Highlander?

Oder was soll ich davon halten?

Ich hatte es ganz vergessen, aber meine jüngsten Erfahrungen waren nicht ohne Präzedenz.

Ich wollte seinen Namen nicht nennen, wozu auch?, aber jetzt tue ich es doch:

Am 13.11.2014 verstarb Alexander Grothendieck


und am 31.1.2013 (Ortszeit) verstarb Ingo Swann.



Ich kann mir keinen rechten Reim darauf bilden, aber da die entsprechenden Informationen eh implizit auf meinem Blog vorlagen, kann ich sie hier auch explizieren.

Ich hatte auch schon vorher den Tod einer Person gespürt, aber mein Erleben dabei waren nicht Kopfschmerzen und Herzrasen, sondern Fieber und Schüttelkrämpfe. Es handelt sich dabei um

Alexius II, welcher am 5.12.2008 verstarb.


Mein Bericht vom 8. Dezember ist dabei etwas irreführend, da ich mich zum Zeitpunkt seines Todes am frühen Morgen im Halbschlaf befand und mir keineswegs bewußt etwas vorgenommen hatte. Die anderen beiden Male, welche ich dort erwähnt habe, allerdings schon, weshalb ich das dritte Ereignis aus Gründen der Parallelenbildung auch angeglichen habe, doch werde ich über jene aus naheliegenden Gründen auch weiterhin nicht offen sprechen.

Ich halte ehrlich gesagt überhaupt nichts vom Highlandermodell. Aufdrängen, allerdings, tut es sich.

Was könnte stattdessen passieren?

Ich vermute, Alexius II verstarb im Gebet. Dafür gäbe es wahrscheinlich auch Zeugen. Und ich fing im Halbschlaf einfach diese Gebetsstimmung ein, welche ich bereits aus eigener Erfahrung kannte. Der Unterschied ist, daß ich dieses spezielle Gebet zwei Mal überlebte, während Alexius II starb.

Um welches Gebet es sich dabei handelt, habe ich, glaube ich, schon irgendwo erwähnt, nämlich:
Herr, wenn Du nicht bereit bist, Dich durch Taten zu zeigen, nimm mein Leben jetzt!
Ich kann nur dringend davon abraten, dieses Gebet zu sprechen, aber wessen Leben Gott nicht nehmen wird, wird sich eh durch nichts von ihm abhalten lassen. Das hat Tarkowski in Stalker schön dargestellt.

Und wenn es denn so gewesen ist, was haben Swann und Grothendieck dann gemacht?

Ich vermute, sie haben sich gegen den Tod gewehrt, das Leben über das Heil gestellt, und in den letzten Momenten wird diese Priotitätensetzung absolut, zeigt sich in ihrer extremsten Form.

Man kann es auch anders ausdrücken: Sie haben ihr Bewußtsein höher als ihren Willen geschätzt, ihre individuelle Existenz höher als die Ketten, deren Glied sie sind. Die Gesellschaft heute befindet sich natürlich in einer Lage, in welcher das auch verständlich ist: Was gelten Traditionen am Ende noch?

Aber, die Wahl bleibt durchaus, sie bedeutet nur viel mehr als zu anderen Zeiten. Es geht nicht mehr um erwartete Nachwirkung, sondern unerwarteten Neubeginn beim Vertrauen auf das Heil, nicht im Glaubenszykel voranzuschreiten, sondern ihn zurückzusetzen. Und das wiederum bedeutet die Aufgabe alles Bekannten.

Nun ja, dies scheint mir zugleich einfacher und plausibler als das Highlanderszenario, aber es ist auch nur eine Vermutung, indes eine, welche in ein weit glaubwürdigeres Szenario mündet, nämlich den Zusammenprall von Maßlosigkeit und Halt, wo Maßlosigkeit am Halt zerrt und Halt die Maßlosigkeit besänftigt.

Gut, ganz unähnlich dem Highlanderszenario ist das nicht, aber eine Lüge taugte ja auch nicht, wenn sie nicht der Wahrheit ähnelte: Das Highlanderszenario verführt zur Maßlosigkeit, das ist der kranke Kern.

Schon interessant zu sehen, wie diese Werke in die populäre Kultur eingewoben sind, Highlander, Matrix... auf der anderen Seite Zardoz, Stalker... Erstere scheinen geplant, letztere Glücksfälle. Es ist das Element der Unwahrscheinlichkeit, welches entscheidet, das Zustandekommen unter widrigsten Umständen, die Verschmelzung der Persönlichkeit mit dem Werk. Das läßt sich zwar fälschen, aber die Fälschungen sind von einer lächerlichen Offenkundigkeit.

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17. Dezember 2014

Rechtsschulen

Unter einer Schule verstehe ich ein soziales Gefüge, dessen bildendes Gespräch im Anvertrauen besteht, siehe Die bildenden Gespräche der sozialen Gefüge.

Gleichbedeutend damit läßt sich eine Schule auch als eine Körperschaft definieren, welche sich der Wahrheit und der sozialen Geltung verpflichtet, vergleiche Das Spektrum des Lichts.

Selbstverpflichtung ist ein wichtiges Prinzip von Körperschaften, da sie die Umgangsmöglichkeiten mit ihnen bestimmt. Halten wir also noch einmal explizit die sechs möglichen Selbstverpflichtungen fest.
  • Zurückgezogenheit verpflichtet sich auf Wahrheit
  • Schule verpflichtet sich auf Wahrheit und soziale Geltung
  • Partei verpflichtet sich auf soziale Geltung
  • Clique verpflichtet sich auf soziale Geltung und Machbarkeit
  • Bande verpflichtet sich auf Machbarkeit
  • Stab verpflichtet sich auf Machbarkeit und Wahrheit
Bei den hier auftretenden Verpflichtungen handelt es sich um objektiv feststellbare Merkmale, sonst handelte es sich auch nicht um Verpflichtungen.

Kommen wir nun zum Recht. Unter Recht verstehe ich eine Ordnung, welche das Wohlergehen der in ihr verbundenen Menschen befördert. Und eine Rechtsschule ist also eine Schule, welche die Wahrheit des Rechts ergründet und dieser Wahrheit zunächst innerhalb ihrer soziale Geltung verschafft, und dann durch entsprechende Bündnisse auch außerhalb ihrer.

Eine Kirche möchte ich eine Rechtsschule hingegen nur dann nennen, wenn sie parteiisch ist, also sich das Recht vorbehält, ihr vortrefflicher scheinende Parteien nach Kräften zu unterstützen, indem sie ihnen ihre Schäflein zutreibt, wobei ein Recht eine Einrichtung des Rechts ist.

Bei den christlichen Kirchen handelt es sich somit auch um Kirchen, bei den islamischen Rechtsschulen hingegen nicht, vergleiche Sure 2, Vers 272.
Sie zu leiten ist nicht deine Pflicht, sondern Gott leitet, wen er will.
Nachdem wir nun also geklärt haben, was wir unter einer Rechtsschule verstehen, wenden wir uns nun der Frage zu, wie eine Rechtsschule mit anderen Körperschaften in Verhandlungen eintreten kann.

Jede Körperschaft hinreichenden Umfangs benötigt zum Zwecke der Verhandlung mit anderen Körperschaften einen Adjutanzstab.

Ein Adjutanzstab einer Körperschaft, welcher er adjungiert ist, muß in die Lage versetzt sein, für sie zu verhandeln, und dazu müssen die folgenden beiden Bedingungen erfüllt sein.
  1. Der Adjutanzstab kennt die Belange der Körperschaft, welcher er adjungiert ist, in ausreichendem Maße.
  2. Der Adjutanzstab besitzt hinreichende Autorität innerhalb der Körperschaft, welcher er adjungiert ist, um dafür zu sorgen, daß Entscheidungen, welche er für sie getroffen hat, von ihr umgesetzt werden.
Die Adjutanzstäbe von Nationen, beispielsweise, werden Regierungen genannt, die katholische Kirche hat dieses Modell pro forma übernommen und der Zwölfer Schiismus in gewisser Weise auch.

Es ist kein Zufall, daß andere Rechtsschulen keine funktionierenden Adjutanzstäbe besitzen, denn die heutige Rechtsordnung ist eine internationale und keine interscholare, stellt also die Adjutanzstäbe der übrigen Rechtsschulen unter nationale Vormundschaft, was deren Autorität innerhalb der Rechtsschule, welcher sie adjungiert sind, untergräbt. Auf Israel möchte ich in diesem Zusammenhang nicht zu sprechen kommen.

Allgemeiner läßt sich die volle Souveränität einer Rechtsschule daran ablesen, daß ihr Adjutanzstab ausschließlich mit den Adjutanzstäben anderer Rechtsschulen im Rahmen einer interscholaren Rechtsordnung verhandelt.

Und so sollte es natürlicherweise auch sein, denn was könnte natürlicher sein, als daß die verschiedenen Schulen der Ergründung des Rechts mit einander über dessen Geltungsverschaffung verhandeln?

An dieser Stelle weitet sich das Thema dieses Beitrags indes enorm aus, und eine Übersicht über die nächsten Betrachtungen ist ratsam.
  1. Der historisch belegte Umgang verschiedener Rechtsschulen mit einander.
  2. Historizität versus Idealität.
  3. Das hohe Gut der Selbstverpflichtung und das konkrete Scheitern am Anspruch eine Rechtsschule zu bilden.
  4. Das Wesen der modernen Rechtsordnung und der Menschenrechte im besonderen.
Ad 1.  Wenn man sich die folgenden beiden Dokumente ansieht, scheint es nicht so, daß Rechtsschulen mit einander zu verhandeln pflegen. Eher Giftmord als Vertrag! scheint das Motto zu sein.
Es kamen auch viele derer, die gläubig waren geworden, und bekannten und verkündigten, was sie getrieben hatten. Viele aber, die da vorwitzige Kunst getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich und überrechneten, was sie wert waren, und fanden des Geldes fünfzigtausend Groschen. Also mächtig wuchs das Wort des HERRN und nahm überhand.

- Apostelgeschichte 19:18-20
Denn wenn die Philosophie selbst auch vergangen ist, ihr Name erscheint den Männern, welche die Herrschaft im Staate ausüben, immer noch groß und verehrenswürdig. Also begab es sich, daß Kyrillos, Bischof der gegnerischen Sekte, als er an Hypatias Haus vorbeikam eine große Menge an Menschen und Pferden vor ihrer Tür sah. Einige kamen, andere gingen und wieder andere standen herum. Als er fragte, warum es dort so eine Menge gäbe und worum der ganze Wirbel ginge, wurde ihm von ihren Anhängern bedeutet, daß es das Haus der Hypatia, der Philosophin, wäre, und sie sich anschickte sie zu grüßen. Als Kyrillos dies hörte, biß ihn der Neid derart, daß er sogleich ihren Mord zu planen begann, und dabei die widerwärtigste Art von Mord. Denn als Hypatia aus ihrem Haus heraustrat, wie es ihre Gewohnheit war, wurde sie von einer Bande gnadenloser und grausamer Männer, welche weder göttliche Strafe noch menschliche Rache fürchteten, ergriffen und niedergemäht, wodurch sie eine unerhörte und schändliche Tat gegen ihr Vaterland begingen.

- Damaskios, Das Leben Isidors: Der Tod der Hypatia
Ad 2. In Anbetracht dieser Abweichung der Geschichte vom Natürlichen, welches Recht besitzt letzteres da noch?

Es ist wohl naiv zu glauben, daß sich Vernunft je am Verhandlungstisch erweist. Vernunft erweist sich ganz wo anders, nämlich im Wetten auf die Zukunft, sich bei Zeiten aus der Schußlinie zu bringen, wenn die Unvernunft Überhand nimmt und schon dann auf die Vernunft zu setzen, wenn sie noch klein und schwächlich scheint.

Mit anderen Worten bildet das Natürliche stabile Gleichgewichtszustände im Lauf der von chaotischen Störungen bestimmten Geschichte - und der Vernünftige sucht zu allen Zeiten ihre Nähe.

Ad 3. Mag das Natürliche also auch den Vorzug der Stabilität besitzen, was nützt die Selbstverpflichtung auf die Wahrheit, wenn sie sich nicht einmal in vernünftigen Verhandlungen niederschlägt?

Nun, hier darf man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die wahrheitsliebende Norm treibt natürlich tausendfach Blüten und führt so formal als auch informal zu tausendfacher Verständigung, zumeist aber unausgesprochener, welche in der gemeinsamen Akzeptanz der einfachen Grundwahrheiten des Lebens besteht.

Und damit steht sie im krassen Gegensatz zur Parteiischkeit, welche sich von Beginn an auf das Rechte festlegt, welchem sie hernach soziale Geltung zu verschaffen sucht.

Kennzeichnend für letztere ist das Gründungsdokument, ihr Manifest. Rechtsschulen ergründen das Rechte, sie postulieren es nicht. Es kann also keine Rede davon sein, daß der Kommunismus eine Rechtsschule ist, und so nennen sich die Kommunisten ja auch nicht, sondern ganz ehrlich Partei. Aber auch die Wendung We hold these truths to be self-evident läutet Parteiischkeit ein.

Zwei Bemerkungen dazu. Selbstverständlich laufen auch Rechtsschulen beständig Gefahr, sich auf einen bestimmten Erkenntniszustand zurückzuziehen, und ihn für alle Zukunft festzuschreiben. In der dritten Phase des Glaubenszykels ereignet es sich sogar zwangsläufig, wodurch Kommunismus und die Präambel der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten auch nur in die Welt gekommen sind, aber eine Rechtsschule bleibt doch aufgrund ihres spezifischen sozialen Gefüges, was sie ist: So lange sich Menschen anderen Menschen auf der Suche nach einer Wohlergehen stiftenden Ordnung der Gesellschaft anvertrauen, kann sie nicht Partei sein.

Und was mich persönlich betrifft, ich halte es ganz mit Platon: Was nützt das Wissen um Ideen, wenn man sie nicht sieht? Dasjenige, was die größte Beachtung verdient, ist zugleich dasjenige, was sich am schwersten fassen läßt.

Deshalb braucht es Rechtsschulen. Nicht jeder kann Autodidakt sein. Und auf das Recht als solches verzichten sollte man auch nicht. Es gibt auch zu jeder Zeit Rechtsschulen, und wer einen anderen Eindruck hat, ist nur selber weit von ihnen entfernt - zu allermeist zu seinem Nachteil, da ihm auf diese Weise eine wesentliche Freiheit entzogen wird, nämlich jene, sich einer solchen Schule anzuschließen.

Ad 4. Die heutige Rechtsordnung besteht wie gesagt zwischen Nationen, welche, wie wir im letzten Abschnitt gesehen haben, so sie überhaupt von Ideologien getragen werden, parteiisch diesen Ideologien gegenüber sind, und so sie nicht von Ideologien getragen werden, verfolgen sie lediglich ihr materielles Interesse. Worauf verpflichten sich diese Nationen also gemeinsam?

Auf das Recht des Stärkeren, auf die Machbarkeit.

Es kann auch nicht anders sein. Wer von Haus aus nichts gemeinsames mitbringt, kann nur zur Gemeinsamkeit gezwungen werden.

Und eine Art dieses Zwanges ist die Propaganda.

Genauer gesagt die Abspinstigmachung einer Nation ihrer Regierung gegenüber durch die Verbreitung einer dazu geeigneten Weltsicht, also einer, welche die Neigung der Menschen wachkitzelt, sich ungerecht behandelt zu fühlen.

Die Fähigkeit dazu beruht wesentlich auf Macht und nicht auf guten Argumenten, denn wie oft wird eine fremde Regierung schon besser wissen, wie eine Nation gerecht zu behandeln ist, als deren eigene Regierung?

Und wenn man nun die Vielfalt der potentiellen Ungerechtigkeiten sichtet, so stößt man unter ihnen auf die Klasse der Ungerechtigkeiten als solcher, das heißt auf solche, bei welchen es nicht auf die konkreten Begleitumstände anzukommen scheint, jedenfalls nicht dem inhärent gekränkten Erdling.

Diese sind unter propagandistischen Gesichtspunkten die verwertbarsten, denn Propaganda lebt von gleichförmiger Anwendbarkeit. Also kann sich jede Nation denken, daß sie beträchtlichen Schaden nehmen wird, wenn sie es der Propaganda anderer Nationen erlaubt, auf diese Ungerechtigkeiten als solcher in ihr hinzuweisen. Und aus diesem Grund unterschreiben die Regierungen der meisten Nationen die allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Der Mechanismus dahinter hat nichts mit einer Rechtsschule zu tun, denn es findet keine Selbstverpflichtung auf das Rechte statt: Eine Gruppe denkt sich aus, wessen Fehlen besonders geeignet sein könnte, um Menschen das Gefühl zu geben, gekränkt zu werden, und fordert dies, ohne sich selbst darauf zu verpflichten, es zu gewähren, und eine andere Gruppe verpflichtet sich darauf, es zu gewähren, ohne selbst im mindesten davon überzeugt zu sein, daß es das Rechte ist, sondern nur, weil sie Aufruhr unter hinreichendem Feindpropagandabeschuß fürchtet.

Damit wären die vier Stationen durch und ein Punkt erreicht, von welchem aus die Gedanken zu den tiefer liegenden Details vordringen können, so daß ich nicht fehlen werde, wenn ich diesen Beitrag hier beschließe.

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15. Dezember 2014

Unschuld

Unschuld ist der Geisteszustand des Fehlens der Vorstellung der Folgen des Scheiterns.

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14. Dezember 2014

Am Ziel

Nimmt man alles von außen her,
und nicht wenigen ist es angemessen,
sieht man zur einen, die im Leben stehen,
und zur andern das Volk der Erzählung.

Es achtet eine wie die andere
und spinnt an ein jeder auf ihre Weise,
abhängig nur von seinem Fortschritt,
alle Zeit und überall gleich.

Es sind die Seidenraupen,
welche das Gewirk der Geschichte spinnen,
von welcher sie nicht mehr Begriff haben
als die einzelne Biene vom Stock.

Es ist verhießen,
und es wird geschehn,
aber es ist wahrhaftig,
und die Gespinste müssen vergehn.

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12. Dezember 2014

Von der Schwierigkeit des Zeitungslesens

Ich meine das gar nicht polemisch. Hin und wieder erscheinen in der Frankfurter Allgemeinen Artikel, welche mehr oder weniger zusammenhangslos Andeutungspfeile in die verschiedensten Richtungen und auf den verschiedensten Ebenen abfeuern. Vielleicht ergibt sich ja ein Erkenntnisgewinn, wenn ich das einmal am Beispiel einer TV-Kritik aufdrösele, wobei mir die Bemerkung verstattet sei, daß ich mich nicht erinnern kann, früher in Zeitungen überhaupt TV-Kritiken gefunden zu haben: Es hat so etwas Inzestuöses, wenn die Presse den Staatsfunk auch noch wiederkäut, so etwas Abgeschottetes, auf Englisch echo chamber genannt.

Davon werde ich hier absehen, mir geht es nicht um den Inhalt, nur um die Weise der Gedankenführung.
Damals ging es letztlich um ein administratives Problem, das die staatliche Bürokratie lösen kann. Jetzt geht es um die Legitimation der Politik, sich überhaupt noch mit diesen Problemen zu beschäftigen. Richters Beobachtung, „ihr hört uns sowieso nicht mehr zu“, dokumentiert diese neue Qualität in der politischen Auseinandersetzung.
Das ist eine Schwerpunktsetzung, hier wird suggeriert, der Artikel werde sich fortan der Frage der Herausforderung des politischen Systems widmen und nicht der Flüchtlingspolitik als solcher.
Für sie wollen sich die Dresdner Demonstranten lediglich mit den Feinheiten des deutschen Asylrechts beschäftigen. Es muss sich jeden Montagabend, so war sie zu verstehen, um eine Art juristisches Oberseminar unter freien Himmel handeln. Schließlich wollten sie nur die Umsetzung des geltenden Rechts durchsetzen.
Und das ist... seit wann beschäftigen sich Juristen mit der Durchsetzung des Rechts? Müßte es hier nicht Auslegung heißen, damit es überhaupt einen Sinn ergibt? Was ist es also? Bewußte Begriffsverwirrung, um ein Nachdenken darüber, an welcher Stelle ein Ansetzen erfolgen müßte, zu erschweren, also ob die Verantwortlichkeit bei der Judikative oder der Exekutive liegt?

Jedenfalls sieht es so aus. Außerdem kommt nun gerade doch die Flüchtlingspolitik als solche in den Blick und nicht die Herausforderung des politischen Systems. Bei der vorherigen Suggestion handelt es sich also um eine Finte. Wozu? Um das Gefühl zu vermitteln, man hätte sich mit etwas beschäftigt, mit welchem man sich gar nicht beschäftigt hat?
Frau Petry geht es allerdings weder um die Feinheiten des Asylrechts, noch um eine veränderte Einwanderungspolitik für Deutschland. In einem Binnenmarkt namens EU, der 500 Millionen Bürgern Freizügigkeit gewährt, brauchen wir alles, nur keine klassische Einwanderungspolitik wie in Kanada.
Was hier geschieht ist folgendes: Frau Petry sagt A und B, und der Artikel greift sich B heraus und weist daraufhin, daß B nicht nur mit dem Thema, der Flüchtlingspolitik, nichts zu tun hat, sondern auch innerhalb des Rahmens der EU unsinnig ist, was ein völlig anderes Thema ist, da man innerhalb der EU nicht von Flüchtlingen reden kann.
  • A: Wir sollten uns nicht als Flüchtlingslager verstehen,
  • B: sondern Qualifizierung zur Voraussetzung der Zuwanderung machen.
Mit anderen Worten nutzt der Autor die Gelegenheit, um mit Verweis auf Frau Petrys halbe Themenabweichung ganz vom Thema abzukommen.
Sie haben zudem das berechtigte Gefühl, in diesem politischen System nicht mehr wahrgenommen zu werden. Das betrifft keineswegs nur den Umgang mit Flüchtlingen, sondern schon das Verständnis von Politik. In der erwähnten Studie der Friedrich Ebert Stiftung wird das „marktförmiger Extremismus“ genannt. Er sei davon geprägt, „das eigene Selbst einem unternehmerischen Universalismus zu unterwerfen, die den Wettbewerb überbetont und menschliche Fehler unverzeihlich findet“. Diese Einstellung, so die Autoren, sei bei AfD-Wählern besonders häufig zu finden. Sundermeyer sprach das an, allerdings ohne den Kontext deutlich zu machen. Darin drückt sich ein Politikverständnis aus, das von der Politik der Herrmann und Özdemir nichts mehr erwartet, außer von denen noch für die eigene Misere verantwortlich gemacht zu werden.
Himmel hilf! Hier wird nun vorgeblich auf die politische Gesamtlage eingegangen, um diese im Konzept des marktförmigen Extremismus' zu verdichten, ohne allerdings zu klären, was damit gemeint ist, um dann zu behaupten, daß aus ihm folge, Herrmann und Özdemir für untätig zu halten.

Klar ausgesprochen, in Abwesenheit dem entgegen stehender Tatsachen, bedeutet marktförmiger Extremismus nach der hier vorgebrachten, ins Allgemeine fliehenden Definition, Selbständigkeit als gesellschaftliches Ideal anzusehen.

Der Schlußsatz wirkt nun so, als wolle der Autor sagen, daß wer an Selbständigkeit glaube, doch besser seine eigene Misere behebe, als demonstrieren zu gehen. Oder schwingt da doch so etwas wie Verständnis für die Steuer- und Hypothekbeladenen mit?

Es läßt sich vieles denken, und gleichzeitig  ist nicht sicher, daß der Autor dabei auch nur an irgendetwas bestimmtes gedacht hat. Ich denke aber, daß er hier durchaus bewußt einen Absatz geschaffen hat, welcher zum Hineingeheimnissen einlädt.

Zusammenfassend, so ein Artikel ist eine Zumutung. Sich dergleichen täglich zuzuführen deutet entweder auf Verwirrtheit oder Masochismus, möglicherweise auch auf Sadismus, wenn sich der Leser mit dem Autor identifiziert und sich das Leid vorstellt, welches der jeweilige Artikel anderen Lesern zufügt. In allen Fällen aber ist er eine enorme Zeitverschwendung. Ich hoffe aber, daß ich meine Zeit damit nun nicht auch gänzlich verschwendet habe.

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11. Dezember 2014

Partielle Bewußtheit

Es gibt Geisteshaltungen, welche man wohl nachvollziehen kann, zugleich aber bei dem Gedanken erschauert, fortwährend in ihnen zu bleiben.

Es ist ein bißchen so, als wenn man einen für einen wichtigen Ort vergäße, doch so vage möchte ich es hier nicht belassen.

Konkret denke ich an zwei solche Haltungen, beide betreffen die eigene Identität.

Ich sprach auch schon von beiden, aber die Bezüge bilden hier keinen Mehrwert.

Die erste Haltung wird dadurch gekennzeichnet, daß die eigene Identität als ein Thema von vielen Themen verstanden wird, welche die Menschen einander gleichsam im Spiel übertragen, wie Kinder, wenn sie Rollen unter einander verteilen.

Die zweite Haltung zeichnet sich dadurch aus, daß die eigene Identität rein verhaltend, also rein passiv ausgelegt ist: Es gibt keine vorgefaßten Pläne, keine Bekenntnisse, nur den Vorsatz, die Welt zu erfahren.

Letzteres ist in gewisser Hinsicht das Gegenteil von kindlich, es wirkt wie eine Vorstufe des Todes, und wer weiß, daß er nur noch eine begrenzte Zeit zu Leben hat, mag in diese Haltung verfallen. Doch darum geht es mir hier gerade nicht, sondern um jene, welche zeitlebens so sind.

Diesen beiden Typen muß etwas fehlen, ihr Bewußtsein muß auf irgendeine Weise defizitär sein.

Beginnen wir mit dem erstgenannten Fall. Ich kann mich durchaus noch an die Zeit erinnern, in welcher ich plötzlich, weil ich in den falschen Kreisen verkehrte, anders zu sprechen anfing. Ich kann mich aber auch noch daran erinnern, daß mir das bewußt wurde, und ich damals schon gezielt gegensteuerte, indem ich mich darauf besann, wie ich mich ausdrücken wolle.

Diese Besinnung beruht auf einem Selbstbild, welches Teil der eigenen Idealvorstellungen ist. Und ich bin hinreichend sicher, daß der erste Typ eben dadurch gekennzeichnet ist, daß er keine eigenen Idealvorstellungen besitzt.

Dabei könnte man es belassen, aber eigentlich wird es hier ja erst interessant. Was bringt die eigenen Idealvorstellungen hervor?

Es ist, denke ich, eine spezifische Form des Gefallens, nämlich des ethischen Gefallens, daß einem bestimmte Regelungen unter ethischen Gesichtspunkten gefallen, mithin die eigene Anteilnahme an sozialen Gesetzen, offensichtlich als Teil der eigenen Sorge.

Diese also geht den entsprechenden Menschen ab. Sie haben kein Gespür für gesellschaftliche Regeln und damit nicht die Möglichkeit, ihnen selbst entsprechende Regeln herauszuarbeiten.

Es ist eine banale Folgen dessen, daß ihr politisches Wahlrecht entsprechend einzuschränken ist, so es denn keine signifikanten technischen Schwierigkeiten bereitet.

Wobei, da wir nun darauf zu sprechen gekommen sind, heute eh andere Dinge zur Wahl stehen sollten, wenn dem Gedanken moderner Demokratien Folge geleistet wird, nach welchem der Bürger nicht Lenker, sondern Leitplanke ist, der statischen sozialen Natur der dritten Phase des Glaubenszykels entsprechend.

Wann hingegen soziale Gefüge in ihrer Entwicklung begriffen sind, müssen jene gesetzesgleichgültigen Menschen von ihrer Formung ferngehalten werden.

Kommen wir also zum zweiten Typ. Dieser besitzt durchaus eigene Idealvorstellungen - sogar sehr klare. Was er hingegen nicht besitzt, ist ein Bewußtsein der eigenen Bedeutung - er ist schicksalsblind.

Schicksalsbewußtsein ist dabei die Empfänglichkeit für die spirituellen Warnungen, welche via Vermeidung oftmals auch auffordernden Charakter besitzen, und durch welche wir überhaupt nur ein Gefühl für unsere eigene Zeitlichkeit entwickeln können, da uns nur in ihnen das Koexistente zeitlich entgegentritt, und zwar durch die zeitlichen funktionalen transzendenten Akte, was fortan eine alternative Bezeichnung für die spirituellen Warnungen sein möge.

Versuchen wir an dieser Stelle, das ethische Gefallen ebenfalls klarer einzugrenzen. Es ist Teil der Sorge, nicht zeitlichen, sondern ewigen Charakters und Teil des Schönen, welches diesen Charakter insgesamt hat.

Die Vermutung liegt nahe, daß es der ideelle Teil des Schönen ist. Was wären seine anderen beiden Teile?

Das funktional Schöne sind wohl die Manieren, genauer gesagt die Grazie an ihnen, das materiell Schöne die Proportionalität, also daß Mittel und Zweck einander entsprechen, die Zweckmäßigkeit.

Läßt es sich so sagen? Daß das Schöne
  • Ethik,
  • Anmut und
  • Zweckmäßigkeit
ist?

Ich will es einstweilen hoffen.

Also, der erste Typus besitzt eine partielle Blindheit bei der Gewahrung des Ewigen und der zweite eine partielle Blindheit bei der Gewahrung des Zeitlichen, der erste sieht das ideell Schöne nicht und der zweite das zeitlich funktional Wesentliche.

Unter Umständen ist die Blindheit der beiden Typen aber umfassender, mag gut sein, daß der erste Typus das Schöne insgesamt nicht kennt und der zweite das Wesentliche insgesamt nicht.

Da läge es natürlich nahe zu vermuten, daß es auch noch solche gibt, welche das Mächtige insgesamt nicht sehen.

Wenn ich es so bedenke, die gibt es auch. Es handelt sich dabei um so genannte verkopfte Typen, welchen der Zugang zur Gegenwärtigkeit fehlt, welche hier neben Ewig- und Zeitlichkeit gesetzt sei, wobei allerdings auch das Wesentliche einen gegenwärtigen Teil aufweist, nämlich jene fortschreitenden transzendenten Akte, welche entweder uneingebunden sind, das heißt direkt auf Gott zielen, oder in Konstellation und Ablauf immer gleich, denn nur das ist Zeit, in welchem sich Verschiedenes in Bezug auf sich einzigartig entwickelt. Zeitlichkeit ist also mehr als Gegenwärtigkeit, wohingegen Ewigkeit etwas gänzlich anderes ist, nämlich Sinngebung.

Das erklärt dann nebenbei auch, wann es keine Zeit mehr gibt.

Wer nun aber in einer Epoche lebt, welche auf einer bestimmten Gewahrung beruht, und zu dieser Gewahrung nicht fähig ist, kann in dieser Epoche nicht in einem tieferen Sinne am Leben teilnehmen, sondern wird vielmehr, aus seiner Sicht willkürlich, herumgestoßen.

Nun gut, damit beschließe ich diesen Beitrag. Falls sich an ihn anschließende Fragen stellen sollten, werde ich sie zur gegebenen Zeit behandeln.

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10. Dezember 2014

Die Grenzen der Flexibilität

Jedes Schiff braucht ein Ruder,
und könnte das Ruder sprechen,
es würde sagen:
Warum kriege ich ständig diesen Wasserstrahl in die Fresse?

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9. Dezember 2014

Mittlerweile normal

Was steht von jemandem zu erwarten,
der seine Großmutter für ein Apple und ein I verkauft?

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7. Dezember 2014

Bröderna Lejonhjärta

Je veux être celui, qui je crois que je suis.

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6. Dezember 2014

Vom Glauben

Ich habe aus diesem Wort einen Terminus technicus gemacht, was für sich genommen vielleicht gar nicht weiter schlimm ist, aber ich mag das Phänomen dabei unzulässig verengt haben, und zwar auf seine Altersstufe.

Denn so wie ich Glauben beschrieben habe, kann ihn ein Kind nicht besitzen, als Vertrauen auf eine bestimmte Entwicklungsrichtung.

Ein Kind mag aber durchaus glauben, nur eben auf andere Weise.

Glauben braucht meiner persönlichen Erfahrung nach Bekenntnis- und Anvertrauensdurchringungen, wobei das mit dem Ringen fast wörtlich gemeint ist, Phasen der Versenkung in den Glaubensinhalt, seiner Verherrlichung und der eigenen Hintanstellung in Form von Unterwerfung oder Auslieferung.

Letzteres involviert eine Entwicklungsrichtung, welche an ihr Ende gekommen zu sein scheint und für welche man sich in Treue zu ihr zum Opfer bringt.

Darin beweist sich dann der eigene Glaube.

Was dort geschieht, ist die Befreiung des Fundaments von seinen Aufbauten, das Austreiben eines Baumes unterhalb des abgestorbenen Stamms, die Auferweckung des Lazarus, von uns allen, letztlich, der Begriff des Menschseins wandelt sich, zunächst unmerklich, später unübersehbar.

Und dadurch gewinnt der eigene Glaube auch überhaupt erst seine historische Form. Am Anfang steht einzig das Vertrauen auf ein Prinzip, genauer gesagt auf Werke, Wunder oder Wacht, welche die Zeiten in aller Ewigkeit auf einander folgend gestalten.

Alle drei sind Gewähr, Träger der Menschen aus den Verstrickungen des Alters, welche zu Starre und Tod führen, in eine im Toten keimende und wachsende Zukunft, welche älter als das verbleichende Zeitalter ist.


Jede Gewähr erfordert indes eine aktive Annäherung an sie, bevor man sich ihr bekennend anvertrauen kann, und diese Annäherung besteht in der zunehmenden Überzeugtheit von ihrer Grundwahrheit, im Falle der Wunder davon, daß alles, gleich einem selbst, seine Existenz aus Gott heraus hat, daß alles, gleich einem selbst, wieder in Gott eingeht und daß also alles mit einander in einem Wesen verbunden ist, was getrennt scheint, in Wirklichkeit nur kurz Luft schnappt, bevor es wieder in das Eine eintaucht: Wir sind das Blut, die materielle Welt die Lunge und Gott der Körper.

Eine solche Überzeugung wächst im Laufe der Zeit heran, nicht weil man nach ihr suchte, sondern weil man nichts anderes findet.

Aber auch nur, wenn man ehrlich nach anderem gesucht hat.

Und daß man damit begänne, bedarf es auch einer bekennenden Anvertrauung, nur nicht einer Gewähr, sondern einer Gewahrung, nämlich des Schönen, Wesentlichen oder Mächtigen.

Denn so gewährt die Gewähr, daß die Menschen das ihre gewahren. Werke wachsen aus erkanntem Schönen, Wunder aus erkanntem Wesentlichen und Wacht aus erkanntem Mächtigen.

Wer also noch dem alten Zeitalter verhaftet ist, vertraut sich bekennend dem Schönen an. Und wenn er dort nichts findet, wird in ihm die Überzeugung von der Einheit der Welt wachsen, bis er sich bekennend Wundern anvertraut.

Wer bereits im neuen Zeitalter verhaftet ist, vertraut sich bekennend dem Wesentlichen an und wird, da es jung ist, dort viel finden, so daß er ihm verhaftet bleibt.

Jeder, der herüber wechselt, weckt Lazarus weiter auf, wie er selbst auch Lazarus ist, in leicht verschiedenem Sinne.

Indem der Einzelne sich zurücksetzend einem Glauben anschließt, schreitet dieser voran, und indem der Einzelne voranschreitend an einem Glauben festhält, wird der Glaube zurückgesetzt.

Berg ist dabei das Wachstums des Glaubens, der fortschreitende transzendente ideelle Akt, und Sternenhimmel der verbürgte Kurs, der zurücksetzende transzendente ideelle Akt.

Bleiben die Grundwahrheiten der Werke und Wacht. Die Grundwahrheit der Werke ist das gemeinsame Interesse der Menschen.

Man kann nicht sagen, daß sie falsch wäre, sie findet bloß kaum mehr eine Anwendung in der heutigen Zeit, und zwar letztlich, weil wir satt sind und erzwungene Diäten nicht Hunger, sondern Ärger wecken.

Und die Grundwahrheit der Wacht ist die Gleichheit des Wertes eines jeden Menschens. Einstweilen bringt sie nur nichts, weil diese Gleichheit erst dann interessant wird, wenn sich die Menschen ihrer göttlichen Eingebundenheit bewußt sind.

Dann nämlich können sie gezielt beten und auf diese Weise wachen.

Ich finde es interessant, daß Parmenides suggeriert, wir müßten erst die Welt von Grund auf physikalisch verstehen, bevor wir die Wahrheit unseres Bewußtseins erkennen könnten. Man kann darin ein Programm erblicken. Ein paar physikalische Fakten zählt Parmenides in Über die Natur auf, bevor das Fragment abbricht, den Rest mußten wir schreiben.

Je nun, jetzt müssen wir also Gebete bis zu Ende studieren, bevor wir die Gleichheit des Wertes menschlichen Lebens verstehen werden.

Und wenn wir dann wiederum genug studiert haben werden, welche Konstellationen zur gegenseitigen Wacht taugen, werden wir die Gemeinsamkeit im menschlichen Interesse wiedergefunden haben.

Also, rekapitulierend: Der gebundene Mensch glaubt an Gewahrung, der ungebundene an Gewährung.

Bleibt einzig die Frage, ob der Ungebundene wieder neu gebunden werden kann.

Mag gut sein, daß nicht: Er erhebt sich über sein einstiges Bekenntnis, aber neu zu gründen vermag er sich wahrscheinlich nicht.

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Zum Verzicht

Was einer durch die Sammlung all seiner Kräfte erlangt,
erlangt ein anderer durch Verzicht.

Gott kennt die Prüfung
und die Kämpfe, welche es zu kämpfen gilt,
und ebenso die Kämpfe, welche nicht.

Gleich wie, der Lohn ist die Offenbarung des Wahrhaftigen,
einmal aus eigener Kraft
und einmal aus seiner.

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5. Dezember 2014

Die Grade der Geistigkeit leistungserwartender persönlicher engagierter Frauen

Es handelt sich hierbei um die Klasse, welche zu dem vierten Lied der Lieder der persönlichen Frauen gehört, wobei jenes Lied genauer gesagt dem niedrigsten geistigen Grad innerhalb ihrer entspricht, ein Beispiel für den höchsten ist durch Walzer für W.F. gegeben, wenngleich sozusagen ex negativo.

Ich habe diese Klasse dadurch gekennzeichnet, daß die ihr zugehörigen Frauen Exzellenz verlangen, und ihr geistiger Grad besagt nun gerade, zu welchem Grad sie an dieser Exzellenz teilhaben wollen, wie sehr ihr Wesen sich danach sehnt, emporgehoben zu werden, wie wenig es in sich selbst ruht, wie sehr es sich dem Partner öffnet.

Natürlich ist nichts peinlicher für einen Mann, als sich anhimmeln zu lassen, wenn er meint, daß kein Grund dazu besteht - freilich nicht im wörtlichen Sinne von peinlich, da gibt es größere Pein Verursachendes, sondern im Sinne von in Verlegenheit bringen.

Der aspirierende Jüngling befindet sich also zwischen den Schraubstockbacken der Über- und Unterschätzung.

Doch kommen wir nun zu den Graden der Geistigkeit leistungserwartender persönlicher engagierter Frauen selbst. Der Grad ihrer Öffnung läßt sich daran ablesen, wie sie sich von einem Mann behandelt wissen wollen, nämlich entweder
  • gebraucht,
  • bedacht oder
  • geführt.
Die Frauen, welche gebraucht werden wollen, sind natürlich die ungeistigsten, nehmen keinerlei Anteil am Wesen ihres Partners, sondern ruhen glücklich in sich selbst.

Diejenigen, welche bedacht werden wollen, nehmen gleichsam nur im Spiel am Wesen ihres Mannes teil.

Erstere nennt man wohl auch einfach - und sei es in der Wendung: Sie ist einfacher als du denkst. - zweitere keß und letztere, je nachdem, kompliziert, aufgeblasen oder edel.

Auch auf weiblicher Seite klappt's ja nicht immer, die Verluste bleiben stets symmetrisch auf die Geschlechter verteilt.

Der Vergleichbarkeit halber noch einige Weisen, auf welche sich andere persönliche Frauen behandelt wissen wollen.
  • Erregte: beschützt, im unmittelbaren Sinne, also in einem etwaigen Kampf,
  • gestimmt Engagierte: überragt, sowohl geistig als auch körperlich, was sie indes beides oftmals planmäßig erschweren, indem sie Sport treiben oder populär wissenschaftliche Artikel verschlingen,
  • umgangserwartend Engagierte: versorgt, genauer gesagt sicher, das heißt unter den verschiedensten Wendungen des Schicksals, versorgt.
Ach, übrigens, weil es sich gerade anbietet: Diese Frau da neben Manson im vorletzten Beitrag, was glauben Sie, was die von Manson werden möchte?

(Sie ist offensichtlich nicht körperlich und auch nicht melancholisch, wir haben sie hier also behandelt.)
  • Gebraucht?,
  • bedacht?,
  • geführt?,
  • beschützt?,
  • überragt? oder
  • versorgt?
Ich gebe keine Hinweise.

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2. Dezember 2014

Kalt, aber schön.

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1. Dezember 2014

Gesellschaft als Sumpf

Manchmal frage ich mich schon, ob ich nicht in einer frühen Version der Matrix lebe, in welcher die Maschinen noch daran arbeiten, ihre eigene Intelligenz zu erhöhen, während sie uns einstweilen mit Kultur wie dieser beglücken:  https://www.youtube.com/watch?v=LDZX4ooRsWs.

Es ist besser, das ausnahmsweise nicht einzubetten, denn so kann der tapfere Leser auch gleich das Verhältnis der Likes zu den Dislikes in Erfahrung bringen, zur Zeit ungefähr 2 : 1.

Das ist rekordverdächtig schlecht für ein professionelles Musikstück, weckt aber trotzdem nicht nur Hoffnungen auf einen Aufstand der Anständigen, welcher sich auch im Zuge von Minaj's Only nicht nur - man höre und staune! - unter Nazigesichtspunkten vollzogen hat, sondern ebenfalls im Angesicht des Textes, welcher, wie schockierte Bloggerinnen berichten, von Minaj's größten Fans - also ihren fünfjährigen Töchtern - auswendig gelernt wird, sondern eben daneben auch Sorgen um die Zielgruppe, welche der Popkultur selbst in diese Niederungen folgt.

Suchen Sie mal bei Google nach:

"Someone save Manson from this woman! He had enough trouble with crazy women already."

Wie, kein Treffer? Das wird sich jetzt ja bald ändern, aber was sagt das über die Kapazität der Netzgemeinde zu schwarzem Humor aus?

Es wäre beschönigend zu sagen, daß wir unterbelichteten Zeiten entgegen gehen.

"Men are assholes and women are a pain in the ass."

Mittlerweile zwei Treffer, bald drei.

Es freut mich im übrigen ungemein, daß meine Seite einen höheren Googlerank hat als Gayly forward.

Ist das also alles eine Simulation hier, welche nur darauf angelegt ist, meinen Geist zu studieren, um die Intelligenz der simulierenden Maschinen zu verbessern?

Naja, gleichnishaft sehe ich's ja selbst so. Ich bin dabei allerdings der Vorstellung verhaftet, daß die Menschheit von einem ordentlichen Niveau auf ein hohes geführt werden möge, während sich gerade ein Teil der Menschheit unbedacht auf den Weg in die tiefsten Tiefen macht.

So sehr das auch der Polarisierung dienen mag, es ist gleichzeitig ein reales Gewicht, und ich kann nur hoffen, daß es seine Realität einzig aus einem bösen Traum bezieht, welchen die Betroffenen bei Zeiten abschütteln.

Wo landen wir sonst?

Auf Yachten, im Idiotenmeer fischend? Wo es sich doch recht ordentlich leben läßt?

Was aber, wenn andere anfangen, in unseren Idiotengewässern zu wildern?

Wenn das schlechthin Böse seine zur achselzuckenden Ausnutzung der nunmal gegebenen Umstände nicht bereite Fratze zeigt?

Wenn es sagt: Wir drehen unseren Naiven keinen Strick aus ihrer Naivität, nur euren.

Ja, müssen wir dann nicht auch unsere Naiven heranleiten?

Oder glauben wir, daß uns ihr Gewicht nicht auf die Füße fällt?

Aber die Tiefe der Krise ist zugleich die Chance zur Höhe: Die Notwendigkeit der Aufwärtsbewegung wird allgemein fühlbar.

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