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30. Oktober 2011

Eine Galerie der menschlichen Hauptklassen

Einstweilen unvollständig, möglicherweise auch fehlerbehaftet, nichtsdestotrotz angegangen.

Anordnung horizontal heroisch (cholerisch), philosophisch (melancholisch) und vertikal nach geistigem Horizont. Gruppiert nach Geistern.


Suchende







Achtende







Versuchende






Post Scriptum vom 1.11.2011. Ich werde es bis auf weiteres so belassen. Es fehlen noch die Vertrauenshorizonte und die Materialisten. Erstere sind ausgesprochen schwierig zu finden, insbesondere unter Schauspielern und Sportlern, und letztere ließen sich zwar (wieder bis auf den Vertrauenshorizont) an und für sich recht leicht finden, nur wenn ich den Weg ginge, bekäme dieser ästhetisch gedachte Beitrag einen ganz üblen Beigeschmack.

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21. Oktober 2011

Eine Ergänzung zu den religiösen Ahnungen und Täuschungen

Aufgrund der Tatsache, daß wir uns unseres Wesens in seiner Reinform bewußt sein können, ihm aber niemals in Reinform entsprechen können, da unser Wille, bestimmte Funktionen zu übernehmen, naturgemäß unerschöpflich ist, kann es dazu kommen, daß wir uns und andere als verkleidet und verstellt wahrnehmen und meinen, daß diese vermeintliche Trennung von einander aufzuheben wäre und durch dieses oder jenes auch aufgehoben werden könnte, was aber natürlich nicht der Fall ist.

Bedenklich ist diese Ansicht deshalb, weil sie einen Rahmen schafft, in welchem unser bewußt Sein und die mit ihm einhergehende Besinnung auf unsere Rolle als bewußt Seiende scheinbar erklärt wird, und zwar genauer gesagt als unserer Vereinzelung geschuldete emotionale Krankheit, welche durch unsere Öffnung anderen Menschen gegenüber überwunden würde. Eine Öffnung wohlgemerkt, welche sich praktisch nie erreichen läßt, auf welche man aber ein ganzes Leben hinarbeiten kann.

Das ist eine geradezu böswillige Täuschung, geradezu, weil man nicht ohne weiteres annehmen kann, daß sie vorsätzlich verbreitet wird. Zwar versuchte man so immerhin seinem Wesen zu entsprechen, aber man verlöre dabei das Sein des eigenen Wesens und unsere auf es bezogenene Verantwortung als es Verkörpernde, Bewertende und über unser individuelles Schicksal Ehrende, denn darum geht es letztlich bei allen transzendenten Vertrauensakten, aus den Augen.

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19. Oktober 2011

Der Widersacher,

der sich über alles erhebt, was Gott oder heilig genannt wird, und sich in den Tempel Gottes setzt und sich gebärdet, als wäre er Gott.

Nun, genau das widerfährt allen Achtenden, welche ihre Anerkennung nicht von ihren Mitmenschen zu erlangen suchen, sondern durch seine Würdigung.

Das ist nicht neu, aber er hat sich im Laufe der Jahrhunderte doch merklich gewandelt. Was ihn aufhielt und nicht mehr aufhält?

Zwar ist das Geheimnis der Gesetzesfeindschaft schon am Werk; doch noch gibt es den, der es aufhält, bis er dann beseitigt wird.

Offenbar die Kirche, und zwar als politische Organisation. Geschrieben wurde das ja vor dem katholisch-orthodoxen Schisma, ich sehe also keinen Grund für eine diesbezügliche Festlegung (wenngleich die offizielle Position der katholischen Kirche zu diesem Thema natürlich Bände spricht.)

Man beachte auch die genaue Entsprechung: Die blinde Obrigkeitshörigkeit ist schon am Werk, aber noch gibt es die Kirche, welche die Obrigkeit zurückhält, bis sie dann beseitigt wird.

Sie ist bereits beseitigt worden und das zwanzigste Jahrhundert gibt reichen Aufschluß darüber, was passiert, wenn sich die maßgeblichen Autoritäten frei fühlen, alles zu tun, was in ihrem Interesse liegt. Nun, das fing schon früher an, und es währt noch fort, mir liegt es fern, es als eine vorübergehende Krise aufgrund der schlagartigen Erweiterung des technisch Möglichen darzustellen; es ist die neue Regel. Ihr Wesen aber zeigt sich bisher am deutlichsten am zwanzigsten Jahrhundert, und zwar weil während des zwanzigsten Jahrhunderts die Mehrheitsverhältnisse umgeschlagen sind. Was jetzt geschieht, findet weitestgehend im Verborgenen statt, offene Gewalt ist nurmehr ein Schlachtfeld von vielen. Aber im Endstadium dieser Herrschaftsform, welches nicht mehr allzu weit entfernt ist, wird es natürlich auch wieder zu beeindruckend deutlichen Manifestationen ihres Wesens kommen.

Nichts läßt sich auf Gerissenheit alleine bauen. Glaube niemand, daß es auch nur eine bleibende Gesellschaft ohne freien und guten Willen gibt, auch nur eine bleibende Gesellschaft, welche keine Glaubensgemeinschaft ist.

Ich schrieb davon, daß es geboten ist, menschliche Geister und ihre Verbindungen zu lieben, wo dazu die Gelegenheit besteht. Wer es tut stützt dadurch aber nur, stützt das Gesunde, daß es nicht erkranke, so wie auch die Annahme der männlichen oder weiblichen Rolle nur das Gesunde stützt. Freilich, ein paar Menschen werden die paar Verbindungen, welche es überhaupt nur gibt, zum ersten Mal geliebt haben, aber dadurch werden diese beiden Gebote doch nicht zu kreativen Kräften. Unsere transzendente Kreativität ist sehr beschränkt, wir erlauben uns das Neue, nehmen Teil am Bestehenden oder verbieten uns das Alte.

Wenn man es so auffäßt, erscheinen ersteres und letzteres natürlich gleich, aber während das Neue eine Wiederholung unter anderen Umständen ist, ist das Alte Teil von einem selbst, denn durch uns selbst sind wir unter einander verbunden, wir sind Funktionen und Parameter anderer Funktionen zugleich, etwas kann nur dadurch aufhören Parameter zu sein, daß zugleich ein anderes aufhört Funktion zu sein.

Mein Geist wird in dieser Welt nicht mehr heimisch werden, einst öffnete ich mich dem Ungewissen und fand ein Lager für mein Gemüt, doch das Gift des Anrechtsdenkens frißt sich in die Hirne aller Achtenden, gleich wo sie auch leben mögen. Es ist keine Frage der Umstände mehr, ihre spezielle Funktionalität ist das Problem. Handelte es sich bei ihnen um Tiere, wäre Gewalt eine Lösung, so aber liegt es in Gottes Hand seine Ideen vom Menschsein zu überdenken.

Freilich ist das nicht, was Paulus an dieser Stelle anrät. Er ruft, verklausuliert zwar, aber doch deutlich genug, zu einschüchternder Gewalt auf, um die versprengten Schäflein wieder zusammenzuführen. Einzig, daß dies aus dem Grunde unmöglich ist, daß gerade jene, welche es einzuschüchtern gälte, sich als erste darauf stürzten, andere einzuschüchtern.

Ich erinnere an die Shock&Awe-Doktrin der Vereinigten Staaten, welche dann allerdings durch das Erdbeben vor der Küste Sumatras in den Schatten gestellt wurde. Nein, Gott ist nicht tot, und er läßt nicht beliebig Schabernack mit seinem Namen treiben.

Das hat die Äffer einen Moment lang innehalten lassen, aber sie haben sich erholt. Zufälle geschehen halt oder vielleicht war es auch eine Geheimwaffe der Vereinigten Staaten, in welchem Falle der eigene Herr ja nicht in Frage zu stellen wäre.

Nun, darum geht es ihnen mittlerweile natürlich nur noch, sie wollen den Schein von dem behalten, von wem sie wissen, daß sie es nicht haben.

Und was ist mit Menschen, welche wissentlich so tief gesunken sind, zu machen?

Sie stehen lassen, auf ihrem nicht vorhandenen Grund, was sonst?

Aber wenn die Welt genesen soll, muß eben auch ein Teil von ihnen geistig sterben, und die Ursache für ihr Anrechtsdenken ist doch stets Vergötzung, daß sie sich von weltlicher Macht einnehmen lassen, als welche ihnen einzig Anrechte gewähren kann.

Zum Teil spiegelt sich darin natürlich nur das Verdienstprinzip, welches der Kern ihrer Tugend ist, nur muß Macht nicht immer dienstwürdig sein und ist es in der Regel um so weniger, desto mehr sie ihre eigene Dienstwürdigkeit herauszustellen sucht.

Ihr stärkster Götze heute ist der Fortschritt, daß sie als Fortschrittsbringer dienstwürdig sei. Aber ihr sind letztlich alle Götzen recht, der Naturschutz, der vermeintliche Frieden, was auch immer es sei, daß ihr erlaubt Achtende von ihrer eigenen vermeintlichen verdienstvollen Ausrichtung zu überzeugen.

Und diese Vergötzung wird erst dann aufhören, wenn Achtende keine Erfüllung mehr darin finden, einfach auf der richtigen Seite zu stehen und deshalb Anrechte zu haben.

Sterben muß die Vorstellung einer richtigen Seite selbst, wie es scheint. Aber ist das möglich, ohne daß das Richtige mitstirbt?

Wenn es das Richtige gibt, gibt es dann nicht auch die Möglichkeit, sich um es zu scharen?

Gewiß gibt es die, aber eine solche Gruppe ist noch keine Seite in einem Konflikt zwischen richtig und falsch, solange das Richtige sich von Natur aus auf die eigenen Handlungen richtet, und das tut es.

Jemandem zu helfen ist eine solche eigene Handlung, welche indes voraussetzt, daß ich einen anderen frage, bei was er Hilfe braucht. Jede Form ungewollter Beglückung ist abzulehnen, und jede Freude an ihr muß sterben.

Genauer gesagt gab es natürlich nie eine, sondern nur eine Freude an einer sich täuschenden Erwartung. Und dieser Selbstbetrug muß enden.

Mein Gesellschaftsentwurf stellt genau das auf strukturellem Wege sicher, indem es in ihm keine Rolle für eine sich mit Götzen umgebende Macht gibt. Aber kann er jemals realisiert werden, wenn nicht die Menschen zuvor von sich aus diesen Götzen abschwören?

Das denke ich nicht. Aber wie gesagt, jene, welche heute prahlen, stehen auf der höchsten Stufe einer Leiter, welche selbst auf gar nichts steht. Ihr Ende finden sie von selbst, nur was tötete zugleich den Selbstbetrug, auf daß er nimmer wiederkehrte?

In ihren Rationalisierungen spielen Nützlichkeitserwägungen die Hauptrolle, welche man erschüttern könnte, aber das risse das Unkraut nicht mit der Wurzel aus. Freilich, heute berufen sie sich auf Statistiken, um sich selbst als weise Lenker zu feiern, und dem würde durch eine Verschiebung der Normalität schnell ein Ende gesetzt, aber das ist ihr Spiel, die Normalität zu verschieben, und ihr Frevel. Sich dagegen zu wehren, hieße sie aktiv zu bekämpfen, und das ist eine närrische Strategie, da sie gleichsam belagert sind und stets um ihre Versorgung besorgt sein müssen.

Ich wünschte, es wäre kein Fehler, welcher sie verdürbe, sondern ihre Funktion selbst, denn dann wüßte ich, was zu tun wäre, nämlich ihre Funktion zu ersetzen. Aber so?

Oder gibt es einen Grund für diesen Fehler? Ist er selber mit einer Funktion verbunden? Einem Zusammenspiel?

Ich fürchte fast, daß ihre religiösen Vorstellungen schuld sein könnten. Nur leider sind sie diesbezüglich sehr flach und nehmen noch den letzten Mist als kohärente Religion an, so daß es unmöglich sein dürfte, sie von allen Formen der Gläubigkeit zu befreien. Außerdem leben sie in der Meinung, daß die Lüge erlaubt ist, wenn sie nur glücklich macht.

Ich denke, da liegt der Kern. Habe ich ihn also letztlich gefunden. Es wäre leicht, dies gegen sie zu verwenden, aber darauf verzichte ich. Es kann keine Gemeinschaft mit dieser Haltung für mich geben. Gott mag entscheiden, welche Funktion er vorzieht. Möge es auch Achtende geben, welche diesen Makel nicht aufweisen, wenngleich sie nirgends zahlreich zu sein scheinen.

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18. Oktober 2011

Der Zeitgeist damals

Ich las jüngst über den Wandel des Purusha Begriffs im Hinduismus und konnte nicht umhin, die Parallele zu den Begriffen Weltseele und Idee des Guten nach Plotinos' Verständnis derselben zu bemerken.

Nachdem Purusha anfangs Ymir gleich die Substanz symbolisierte, aus welcher die gesamte Welt gemacht ist, lag der Schwerpunkt in der zweiten Phase auf dem Bewußtsein, welches in allen Dingen steckt, mit anderen Worten wurden zu der Zeit Purusha und Brahman eines, Brahman aber ist die Weltseele der Stoiker.

Letztere ist es natürlich auch, welche ich Gott nenne, also das verbindende Element zwischen diesen seinen Ausflüssen, welche wir als individuelle Bewußtsein kennen. Damit haben sich die Menschen zwischen Griechenland und Indien aber nicht begnügt. An jener Stelle sind sie vielmehr dazu übergegangen, das Gott zu nennen, was die Beziehungen zwischen allen Teilen der Welt, Einzelseelen und Weltseele, Einzelseelen und Körper, regelt, ja, auch der Begriff der Seele wurde fortan im doppelte Sinne verwendet, also einmal als Geist und einmal als sein Prinzip.

Mir scheint damit in der Sache wenig gewonnen, einzig daß hinter unserem Willen ein Prinzip steht, welches wir Charakter zu nennen pflegen (ein Begriff, welchen Immanuel Kant 2000 Jahre später wieder auf dieselbe Weise verdoppelt hat), ist von einigem praktischen Interesse. Das göttliche Prinzip verstehen wir eh nicht, und wenn wir beginnen, religiöse Fragen auf diese Weise zu stellen, nimmt es wenig Wunder, wenn sich unsere Gedanken alsbald verwirren sollten.

Mir geht es aber weniger um den blutigen Streit zwischen jenen, welche Gott lebendig denken und jenen, welche auf der Idealität der Unveränderlichkeit beharren, welcher sich seitdem entsponnen hat (auch der lebendige Gott erscheint uns selbstverständlich als wenig veränderlich, sozusagen eingefahren, wenn es uns schon bei alten Bäumen so geht), als vielmehr um die spezielle Richtung, in welcher eine Lösung für das Problem, das Unveränderliche im Veränderlichen zu erkennen, gefunden wurde.

Es ist dies doch gerade der Punkt, an welchem die allgemeine Gültigkeit von Naturgesetzen zum ersten Mal, der Wahrscheinlichkeit nach, postuliert wurde. Der Wille zu einer solchen Beschreibung der Welt war damit da, es fehlte zunächst nur die Mathematik als Werkzeug, genauer gesagt fehlte nicht die Mathematik, sondern lediglich die Erfahrung, daß sie zu diesem Zweck taugt, denn bemerkenswerterweise ging das Interesse an ihr von Anfang an mit just jenem Willen einher, allgemein, nicht nur in einem speziellen Fall, was natürlich, wenn man sich etwas in die Sache hineindenkt, auch wieder nicht so verwunderlich ist, da Mathematik eben genau jene Unveränderlichkeit liefert, an welcher ein Interesse bestand, nur zunächst in Bereichen, welche nichts mit dem Lauf der Welt zu tun haben.

Selbstverständlich läßt sich dies alles auch schlicht unter dem Wunsch, das Leben zu begreifen, subsumieren, aber eine so allgemeine Betrachtungsweise nivelliert den historischen Fortschritt, ja, Durchbruch an dieser Stelle.

Die Moderne ist diesbezüglich etwas selbstvergessen, sie wendet ein Programm an, dessen Motivation sie zwar als Erlebnis kennt, also wie es ist, wenn man erklären kann, wie sich etwas verhält, dessen ursprüngliche Zielsetzung aber, nämlich das Zusammenspiel von Gott, Welt und einzelnem Bewußtsein zu erfassen, ihr nicht nur fremd ist, sondern darüber hinaus ausdrücklich verfemt: religiös steht sie wieder am Anfang, Purusha ist heute wieder Ymir, Substanz.

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13. Oktober 2011

Abschließende Erörterung des „Heldenproblems“

Nach meiner jetzigen Betrachtungsweise entsteht das bereits früher mehrfach angesprochene Heldenproblem daraus, daß eine Kultur Achtenden, welche heroisch gesinnt sind, oder auch achtenden Cholerikern, keinen Rahmen vorgibt, in welchen sie einbezogen sind.

Im Gegensatz zu Suchenden, welche ihren Rahmen stets aus sich heraus entwickeln, und Versuchenden, welche die konkrete menschliche Gemeinschaft, in welcher sie leben, stets unhinterfragt als Rahmen annehmen, ist es bei den Achtenden leider so, daß sie nur darauf warten, daß jemand kommt und ihnen sagt, was ihr Rahmen ist und was nicht.

Westeuropa wird von Achtenden dominiert, insbesondere auch Großbritannien, und es ist von daher eigentlich zu erwarten, daß die heute vorherrschende Kultur an Achtende angepaßt ist. Daß dem nicht so ist, liegt am Niedergang der Kultur, welche diese Vorherrschaft begründet hat, nämlich dem der englischen Monarchie.

An ihre Stelle ist eine Lehre getreten, nach welcher jeder Mensch gefälligst Materialist, oder auch Sanguiniker, zu sein hat. Ausgeheckt haben diese Idee Händler, welche auf Grund ihres Broterwerbs stets materialistisch vorselektiert sind, und wie die übrigen Geister in der Geschichte der Menschheit zuvor unzählige Male auch, nahmen sie die universelle Gültigkeit ihrer angeborenen Weltsicht frohen Mutes an.

Freilich mit bizarren Begleiterscheinungen, da nur eine verschwindend kleine Minderheit der Westeuropäer von Natur aus Sanguiniker sind, während es andernorts derselben durchaus viele gibt. (Somalia hält diesbezüglich wohl den Weltrekord, und erreicht wahrscheinlich sogar das theoretische Maximum. Es ist nicht ohne Grund, daß die Vereinigten Staaten genau dort keinen Erfolg haben, wo die Menschen sich von Natur aus exakt so verhalten, wie es die amerikanische Lehre vorschreibt. Der Erfolg der Vereinigten Staaten besteht stets darin, einen kulturellen Rahmen zu zerstören, doch Sanguiniker haben gar keinen, da sie weder Choleriker sind, noch unter anderen Umständen sein könnten. Genau genommen können die Vereinigten Staaten dort und nur dort erfolgreich sein, wo sie das hier behandelte Heldenproblem auslösen können.)

Für den Achtenden bedeutet diese Lehre indes, daß er seinen gesellschaftlichen Widerhall, seine Anerkennung, nicht mehr im Dienst für etwas, davon später mehr, sucht, sondern vielmehr davon ausgeht, daß mit der Verleihung gewisser Würden, dem Erreichen eines gewissen Status' für andere die Pflicht einhergeht, ihn anzuerkennen. Läßt diese dennoch zu wünschen übrig, macht ihn das erstens wütend und zweitens nur noch hungriger. Und auf diese Weise verwandelt er sich von einem Helden in einen Brandschätzer.

Nun muß man aber gerechterweise sagen, daß sich diese Wendung, auch wenn sie der amerikanischen Lehre entspricht und ihr Eintreten deswegen von den Vereinigten Staaten auch stets als Erfolg gewertet wird, nicht zwangsläufig aus der amerikanischen Hegemonie ergibt. Die amerikanische Hegemonie als internationaler Ordnungsrahmen kann durchaus als positiver Einfluß gesehen werden, allerdings nur, wenn man selbst die Stärke besitzt, der in ihm vorherrschenden Ideologie zu widerstehen und ebenso auch den in ihm geäußerten speziellen Wünschen. Langfristig, über mehrere Generationen hinweg, scheint das hingegen fast unmöglich.

Soviel zu Natur und Ursache des Heldenproblems. Gehen wir nun den unterschiedlichen möglichen Rahmen nach, in welche Achtende einbezogen sein können. Da wären zunächst die menschlichen, ob es nun die Menschen eines Landes, einer Gemeinde oder auch nur die eigene Familie ist, wobei mit letzterer aber nicht die Kernfamilie gemeint ist, sondern das fortlaufende Band der Generationen. In allen diesen Fällen hat der Achtende etwas, dessen Wohl er ermessen kann, dem er sich zu Dienst verpflichtet fühlen kann und in dem sein Verdienst von Anderen ermessen wird, das kann man so bestimmt sagen, denn jede Statistik wird vom Gesetz der großen Zahlen beherrscht - nun, im Falle der Familie hat es anderer Gründe, aber auch dort gilt es mit Sicherheit. Einen solchen Rahmen bildet aber auch die Natur, wobei ihre Anerkennung darin besteht, Leben zu ermöglichen. Allerdings ist das so zu undeutlich gefaßt, man muß fragen, was für ein Leben das ist. Die naivste Auffassung ist, daß es ein Leben in der Schönheit der Natur ist, welchem man sich einerseits verpflichtet fühlt, und durch welches man andererseits belohnt wird. Als nächstes käme ein Leben in Stärke, dann ein Leben in Unerschrockenheit und schließlich die feiner ausgefeilten Lebensauffassungen, welche sich bereits mehr auf angenommene göttliche Prinzipien, denn auf die Natur selbst stützen.

Beispiele für derartige Rahmen wird man in der Geschichte der Menschheit zu Hauf finden. Übrigens zeigt sich die Unart anzunehmen, daß es nur Menschen vom eigenen Geist gibt, auch in den Missionsbemühungen einiger angelsächsischer christlicher Gemeinden, deren Auffassung vom Christentum in einer der zuletzt beschriebenen Annahmen göttlicher Prinzipien besteht, welche für sie die Schönheit des Lebens ausmachen, was mich, der ich kein Achtender, sondern ein Suchender bin, stets leicht irritiert hat. Da kommt jemand, der das Glück kennt, und will mir, der ich Gott kenne, erzählen, was der rechte Weg ist.

Andererseits, wo ich gerade darauf eingegangen bin, ist es natürlich auch so, daß die Vereinigten Staaten auch deshalb noch leben, weil es innerhalb ihrer mehrere solche, recht robuste, Rahmen gibt, welche der eigentlichen Staatsdoktrin erfolgreich widerstehen.

Um die Frage zu beantworten, welche Lebensauffassung ich für die Achtenden am liebsten sähe, muß man natürlich danach fragen, welche Lebensauffassung am besten geeignet ist, sie in eine ganzheitliche Gesellschaft bestehend aus Suchenden, Achtenden und Versuchenden, wie sie mir vorschwebt, einzubinden. Die Antwort ist dann trivial, offenbar geht es gerade darum, das Leben in just so einer Gesellschaft zu schätzen, sich ihm verpflichtet zu fühlen und durch es belohnt zu werden. Der entsprechende Utopieentwurf findet sich ja bereits unter den ersten Einträgen dieses Blogs.

Übrigens stellt sich das Heldenproblem aus Sicht der Suchenden und Versuchenden weniger als ein Brandschatzungsproblem dar, denn als ein Anmaßungsproblem. Der Grund dafür besteht aber gerade in der Zerstörung eines natürlichen Anerkennungskreislaufs, wie ich ihn oben beschrieben habe.

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8. Oktober 2011

Warum gefällt den Chinesen das nicht?

Fragen über Fragen, der SPIEGEL informiert:
"Wir wollten die Monotonie durchbrechen, die viele Städte in China prägt", sagt Architekt Johannes Dell. Mit "missionarischem Eifer" wollte man Transparenz und Offenheit schaffen - was man an den großen Innenhöfen und breiten Alleen sieht. Heute muss er aber ernüchtert feststellen: "Die Chinesen hatten gar kein Interesse daran."
Zwei Beispielansichten:




Transparenz und Offenheit für den Einen, unerträgliche Selbstinszenierung für den Anderen.

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6. Oktober 2011

Entropie, Effizienz und Initiative

Das zweite Gesetz der Thermodynamik besagt für unseren Planeten, daß sich im Laufe der Zeit Strukturen bilden werden, welche ein Mehr an Energie niedriger Entropie, mit zunehmender Geschwindigkeit in Energie hoher Entropie verwandeln werden.

Das betrifft Pflanzenwachstum genauso wie tierische Nahrungssuche und -verdauung oder mit fossilen Brennstoffen angetriebene Motoren. Alles auf dieser Welt wird zunehmend effizient darin, Energieressourcen auszubeuten.

Wir erleben diesen Prozeß heute als Vernichter unserer Entscheidungsmöglichkeiten, da alles immer effizienter produziert werden muß, bleiben uns scheinbar keine Wahlen übrig. Ironischerweise gleichen wir uns dadurch aber Tieren an, und an der Stelle sollte man stutzig werden.

Kann es wirklich sein, daß wir insgesamt damit am besten fahren, daß wir stets nur versuchen, auf den Augenblick zu reagieren, in einem Meer von unkontrollierbaren Strömungen, von denen uns unsere Wirtschaftsexperten aber versichern, daß sie uns stets in die bestmögliche Richtung treiben?

Natürlich wäre der Mensch gar nicht erst entstanden, wenn sich mit der Möglichkeit absichtsvoll Initiative zu ergreifen, nicht ein ungeheuerer Effizienzgewinn verbinden würde, und daran hat sich auch nichts geändert, nur durch unsere Vernunft sind wir in der Lage systematisch nach globalen Optima zu suchen und genau dadurch sind wir Tieren überlegen.

Wer es schafft bei geringem Arbeitsaufwand zu überleben und seine Zeit auf die theoretische Lösung praktischer Probleme zu verwenden wird im Mittel weit mehr erreichen als jene, welche sich treiben lassen. Bescheidenheit ist dabei aber noch für längere Zeit von Nöten.

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Zur Europäischen Union und ihrer Zukunft

Nicht Religion ist Opium für's Volk, sondern die Illusion von Macht.

Ist die Europäische Union ein pragmatisches Projekt oder nicht? Mehrt sie den Gesamtnutzen ihrer Mitgliedsstaaten oder mindert sie ihn?

Die Europäische Union ist weitestgehend eine Union Gleicher, ihre Mitgliedsstaaten haben fast alle dasselbe Profil, und das ist ironischerweise sogar ihre zentrale Vorstellung davon, was sie im Kern ausmacht und folgerichtig spiegelt es sich auch in ihren Beitrittsanforderungen wider.

Die meisten Mitgliedsstaaten sind übervölkert, also nicht in der Lage, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen, und auch sonst knapp an Rohstoffen und also auf einen erfolgreichen Außenhandel angewiesen, um zu überleben.

Die Lage vieler solcher Staaten ändert sich nicht dadurch, daß sie sich zusammenschließen.

Was sich hingegen dadurch ändert ist, daß der Wettbewerb zwischen ihnen milder wird, die Anzahl der Konkurrenten pro Branche geht zurück, es bilden sich größere Unternehmen, welche ihre Ansprüche abstecken und unter einander respektieren.

Dann, und nur dann, handelt es sich bei der Europäischen Union um ein pragmatisches Projekt, wenn die gesamtwirtschaftliche Leistung weniger großer Unternehmen größer ist als die vieler kleiner.

Das reicht als Bestandsaufnahme. Da Wettbewerb im allgemeinen eine wirtschaftlich belebende Wirkung zugeschrieben wird, ist wohl davon auszugehen, daß die Wirtschaftsleistung der Europäischen Union langsam zurückgehen wird. Und also stellt sich die Frage, was das eigentlich für ein Machtzuwachs ist, welchen die politischen Eliten Europas erfahren zu haben glauben.

Nicht die Macht der Europäischen Union ist gewachsen, die geht zurück, sondern lediglich der Anteil der Macht in den Händen jener Eliten. Nur, was können die schon anderes tun, als die Menschen unter sich stetig verschlechternden Bedingungen ruhig zu halten?

Ich meine das buchstäblich, da der entscheidende Faktor für den Wohlstand der meisten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein erfolgreicher Außenhandel ist und keine politische Elite durch eigene Aktivitäten positiven Einfluß auf denselben ausüben kann, ist die Verschlechterung der europäischen Gesamtlage das Parkett, auf welchem sie zu tanzen hat.

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4. Oktober 2011

70 Jungfrauen

Es geht in diesem Beitrag um die gedankliche Verbindung von Seligkeit und Liebe, ein- oder ausschließlich Sexualität.

Ich habe die Überschrift einerseits ihrer Prägnanz halber und andererseits eines seltsames Zufalles halber gewählt.

Es ist nämlich so, daß wenn man sämtliche Unterscheidungen menschlichen Verhaltens, welche ich bisher vorgenommen habe, zusammenfaßt, man auf genau 70 Klassen kommt.

Ich demonstriere das besser kurz. Zunächst einmal haben wir die vier Geister. Drei von diesen verbinden sich mit einer von zwei Gesinnungen, während der vierte Geist mit der dritten Gesinnung zusammenfällt. Insgesamt haben wir also sieben unterschiedliche Fälle. Jeden dieser unterschiedlichen Fälle kann man nun wieder nach seinem Schicksal unterscheiden, wobei sich die fünf Schicksale aus den vier geistigen Horizonten ergeben, ausgenommen den Horizont der Vernunft, welcher auf zwei verschiedene Schicksale führt, abhängig davon, ob das begriffliche Streben einen Abschluß fand, an welchem Punkt Forschung in Lehre übergeht. Damit haben wir schon 35 Fälle, und wenn wir jetzt noch danach fragen, ob jemand aktiv oder passiv lebt, sind es 70.

Es ist somit wenigstens denkbar, daß nicht 70 beliebige Jungfrauen gemeint sind, sondern aus jeder Klasse genau eine. Vielleicht mache ich das später einmal an einer Galerie fest, freilich ohne auf Jungfräulichkeit zu bestehen, an dieser Stelle enthebe ich mich indes dieses Aufwands. Nicht entheben tue ich mich hier hingegen einer Diskussion der so entstandenen Situation.

Ist sie nicht sehr plausibel? Würde man im Paradies nicht lieber eine Jungfrau jeder Laune Gottes auswählen als 70 Jungfrauen einer einzigen?

Dahinter steht ein durchaus praktisch relevantes Phänomen, nämlich daß der Mensch, welcher keine Sorgen mehr hat, also ein Seliger unter Seligen, einen Anderen nicht mehr lieben kann, um ihm dabei zu helfen, seine Verletzungen zu überwinden und auch nicht dabei, erfolgreich heranzureifen, sondern einzig noch Liebe als Wertschätzung kennt und diese Wertschätzung gehorcht den Regeln des Konsums, welche vorschreiben, möglichst viel und möglichst vielseitig zu konsumieren.

Gäbe es das Paradies hier auf Erden in der Form einer Insel der Seligen, sie gerieten schnell in Streit darüber, ob die Freude an einem weiteren gesegneten Kind die Geburtsschmerzen übersteigt und wenn ja, wie die läppischen 30 möglichen Schwangerschaften pro Frau zu belegen wären.

In weiser Voraussicht dessen sagt Jesus dann auch, daß die Menschen im Himmel weder freien noch gefreit würden, was das Problem aber auch nur vordergründig löst, denn selbst wenn es im Himmel nur allseitige platonische Liebe gäbe, wären die Menschen, so wie wir sie von hier kennen, dort nicht glücklich, denn platonische Liebe beinhaltet aus Liebe zu einem Anderen für ihn ein Anderer zu sein, als man es von Natur aus ist, darin besteht sowohl Sinn als auch Reiz der Angelegenheit, und also wäre man im Himmel ständig aus Liebe zu diesem oder jenem Anderen ein Anderer als man selbst, was einen natürlich auf die Dauer erschöpfen und verdrießen würde.

Auf Erden müssen wir das also auch gar nicht erst versuchen.

Es ist, so muß man nach all dem doch sagen, ein Segen, daß wir für gewöhnlich nicht selig sind.

70 Jungfrauen, sollten sie verheißen sein, gerade auch in der Bedeutung aller verschiedenen Menschentypen, scheinen im Rahmen der Wiedergeburt noch am verlockendsten. Immerhin dauerte es an die 5000 Jahre bis man mit allen durch wäre, da hätte man genug anderes zu tun.

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2. Oktober 2011

Ein Wort zum Sonntag

Ich danke Terrence Malick für die Inspiration zu diesem Beitrag.

Was sind wir Gott? Welches Gewicht haben wir für ihn, welche Sorge verwendet er auf uns?

Wer so fragt, glaubt, daß zwischen uns und Gott eine interpersönliche Beziehung besteht.

Natürlich glaube ich das nicht. Zwischen uns und Gott besteht eine interorganische Beziehung, so wie zwischen meinen Augen und meinem Gehirn.

Was sind wir Gott?

Zweierlei, ein Mal sind wir ihm, sofern wir leben, Richter unserer eigenen Existenz - und genau in diesem Sinne bleibt Gott nichts verborgen - und zum anderen sind wir ihm, sofern wir eine Form besitzen, eine Weise die Welt zu beseelen, man könnte auch sagen, Gedanken und also, daß wir beides zusammen genommen die Richter seiner Gedanken sind.

Und zugleich ist unser Bewußtsein ein Ausfluß seiner Existenz, jener Teil, welcher sich um die Bewertung der Form, welche in ihm liegt, kümmert.

Es gibt entsprechend auch zwei Weisen, auf welche wir unsterblich sind. Zum einen in sofern der Tod doch nur die Bindung Gottes an eine bestimmte Form auflöst und zum anderen in sofern jene Form modifiziert wieder neu eingebunden wird.

Sowohl unser Bewußt-Sein im engsten Sinne, welches uns nur als Teilen Gottes zukommen kann, als auch die Form, über welche es sich legt, vergehen nicht spurlos mit unserem Tod.

Die Klage über unsere Endlichkeit ist so gesehen ausgesprochen beliebig, zugleich aber so weit verbreitet, daß Willkür sie nicht begründen kann. Was sie begründet ist, so denke ich, die Dringlichkeit sich aus der Ignoranz zu lösen, in welche man hineingeboren wird, um auf reife Weise seine Aufgabe als Bewußtseiender ausfüllen zu können.

Einen gesegneten Sonntag.

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