.edu .org .at .ch .de .uk Blogger hier
Bereitschaftsfront

„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
Eesti
EnglishClicky

14. November 2007

Das denkende Ich

So hilfreich es auch ist, die intellektuellen Leistungen unterschiedlichen intellektuellen Vermögen zuordnen zu können, die Entwicklungsphasen des Intellektes zu kennen und die ihm möglichen Beiträge zur Entwicklung einer Kultur, nämlich, um dies noch einmal systematischer zu fassen, daß er entweder ein kulturstiftendes Wollen in die Welt bringt oder kulturnotwendige Einsichten verbreitet oder die in einer Kultur angelegten Fragestellungen weiterverfolgt oder kulturerhaltende Dienste übernimmt oder schließlich der Kultur ein neues Herrschaftsgebiet erschließt, so wenig kommen wir umhin, uns des Denkens als stattfindenden Vorgangs anzunehmen, wenn uns das vorige etwas konkretes bedeuten soll. Nun sind es aber Wir, welche denken, und bevor wir unser jeweiliges Ich verstehen, können wir also auch unser jeweiliges Denken nicht als jenes ändernden Vorgang verstehen.

Überlegen wir uns also zunächst einmal, was unser Ich für uns ausmacht. Offenbar doch wohl unsere Wahrnehmungen, unser Wollen und unsere, im weitesten Sinne verstandenen, Taten.

Nun mag einer einwenden, daß in unserem Bewußtsein doch stets nur Wahrnehmungen sind. Das hält uns aber nicht davon ab, uns in jedem Augenblick als wahrnehmend, wollend und handelnd aufzufassen, also eine Wahrnehmung um die Wahrnehmung der in ihr bestehenden Verhältnisse zu erweitern. Daß in einer Wahrnehmung Verhältnisse bestehen ist dabei in einem begründenden Sinne zu verstehen, wir mögen einen Eindruck dieses Bestehens haben, aber ohne zu wissen was da besteht. Wir ermitteln es nun, indem wir einen nicht notwendigerweise angeschauten, aber sonstigenfalls in einer Anschauung eingebundenen Gegenstand† zu einem Bezugspunkt eines von uns untersuchten Verhältnisses machen, welches wir dann nach jenem Gegenstand auflösen, welcher zum ersten Gegenstand in der zu grunde liegenden Anschauung im untersuchten Verhältnis steht. Diese Wahrnehmung eines bestehenden Verhältnisses nennen wir auch die Reflexion dieses Verhältnisses oder den Begriff des herausgegriffenen Gegenstandes. Beispiele solcher Begriffe sind insbesondere die Ermessungen einer Größe, also einer Weite, einer Dauer oder einer Stärke, welche einem angeschauten Gegenstande innewohnen mag. Nun werden durch das Zusammenkommen zweier Gegenstände in einer Reflexion selbstverständlich wiederum Verhältnisse gebildet, und die Frage stellt sich, in welcher Form wir uns dieser bewußt sein können. Verstandesverhältnisse sind nämlich stets binär, dieses Zusammenkommen hingegen ternär, kann also ganz nicht von uns erfaßt werden und muß somit auf verschiedene Weisen zerbrochen werden, um durch deren Zusammennahme wieder vollständig verstanden zu sein. Eine theoretische Lösung dieses Problems bestünde in der Ersetzung der Beziehung a~b~c durch die Menge {a~b, b~'c} (in einem linearen Text erscheint diese Aussage freilich nicht sonderlich glücklich), welche aber nicht die Lösung ist, welcher wir uns in unserem Denken bedienen, dort verwenden wir vielmehr a~(b~'c). Genauer gesagt bilden wir die Verkörperung eines bestimmten oder unbestimmten Verhaltens, also eines im Verhältnis zu einem Gegenstand Stehens oder eines im Verhältnis Stehens an sich, durch spezielle Verstandesgegenstände, eben den Nachbildungen, syntaktisch nach. Sei zum Beispiel eine Fläche rot ausgefüllt, dann lauten unsere Nachbildungen der Fläche nach dem vorigen „Ausgefülltes“ und „rot Ausgefülltes“ (b~'c). Nachdem wir diese Nachbildung gebildet haben, steht sie im Verhältnis der Darstellung zum, wie wir nun sagen, auch sie verkörpernden Gegenstand, und damit haben wir das Zusammenkommen vollständig verstanden (a~(b~'c)).

An dieser Stelle sollte man eine gewisse Schwierigkeit zur Kenntnis nehmen. Die Fläche, welche ich eben ansprach, verkörpert also „rot Ausgefülltes“, dann verkörpert sie aber auch „rot Ausgefülltes Verkörperndes“ und so weiter. Wenn man sich also fragt, was die Fläche verkörpert, und man muß es ja, um zur Reflexion dessen zu kommen, muß einem das Worin klar sein, in welchem die Fläche etwas verkörpert, also das angeschaute bestehende Verhältnis, oder, um die Situation hier klarer zu benennen, die zu grunde liegende Reflexionsstufe. Das kann es aber nur, wenn verschiedene Reflexionsstufen nicht nebeneinander in unserer Anschauung bestehen können, was allerdings auch nicht der Fall ist.

Was ich zuvor Vernunft genannt habe ist also auch ein Teil des Verstandes, nämlich jener, welcher sich mit den reflektiven Gegenständen beschäftigt, genauer wäre also vernünftiger Verstand, und wenn wir reflektieren, so spüren wir im Falle eines Mißerfolgs auch wieder einen Schwindel, genauer gesagt Verwirrung, da die Reflexion eben eine Anschauung ist, und wir verspüren die bereits erwähnten wertschätzungsartigen Gefühle im Umgang mit den Gegenständen der Vernunft, den Nachbildungen, welche das Gefallen unseres vernünftigen Verstandes an ihnen ausdrücken, was wiederum mit der Anstrengung ihrer Ersetzung durch Verbesserungen oder ihrer Sicherung für die Zukunft einhergeht. Wo es sich allerdings vermeiden läßt, werde ich auch in Zukunft die Vernunft nicht weiter sezieren, sondern sie als ein integrales Vermögen betrachten.

Das Wollen nun besteht ganz allgemein in einem Gefühl des Mißstands oder der Zufriedenheit, welches der Verstand auf Gegenstände der Wahrnehmung bezieht. Ist es ein Gefühl des Mißstands, so folgt auf es eine unwillkürliche Abwendungshandlung, welche im Falle der Bezogenheit auf reflektierte Verhältnisse darin besteht, sich auf angenehmere Verhältnisse zu besinnen.

Taten sind entweder die Ergebnisse von Anstrengungen, nämlich wenn sie auf Gegenstände einer nicht abgesehenen Anschauung gerichtet sind, oder andernfalls die vollzogenen Anstrengungen selbst und entstehen aus beschlossenen Vorsätzen, mit welchen zusammen sie im ersten Falle die Teile der reflektierten Anstrengung bilden, während der beschlossene Vorsatz im zweiten dem obigen gemäß unter sie gezählt wird. Ein Vorsatz besteht dabei entweder in einer selbstbezüglichen Anschauungsaufforderung, also daß aus ihm eine Anschauung entstehe, einschließlich eines rein gefühlsmäßig bestimmten, unreflektierten Verständnisses, darin, Anschauungsgegenstände, im zweiten Falle die Anstrengung selbst, in vorgesetzten Verhältnissen zu gewahren oder darin, das Vorige in regelhafter Begleitung zuzusichern, wie es bei der Verwendung von Begriffen und der Befolgung sonstiger Maximen geschieht, wann also aus einem Vorsatz eine unbestimmte Zahl an Taten ensteht.

Das Wesen der Reflexion bringt es aber auch mit sich, daß Wir uns noch auf eine andere Weise begegnen denn als welt-, heil- und schuldgenerierende Struktur des Verstandes, auf welche wir uns übrigens, auf einer Reflexionsstufe stehen bleibend, auch ausschließlich konzentrieren können, um dann mit der größten Sicherheit zu sagen: „Das bin ich.“, nämlich als einen Teil dieser Struktur in der reflektierten Gegenwart.

Die Zeit dabei ist zunächst einmal eine anschauliche Abfolge von Wahrnehmungen, welche eine solche freilich erst durch den Verstand wird, und ebenfalls durch ihn entsteht inmitten dieser die Verkörperung des gegenwärtigen Augenblicks als auf sinnlichem Wege Wahrgenommenes‡. Seine Reflexion als solcher nun bewirkt hingegen merkwürdiges, nämlich ein überwältigendes Gefühl von Wirklichkeit, was wohl daran liegt, daß die Reflexion stets neue Augenblicke zur Anschauung der Vernunft bringt, derer der vernünftige Verstand nicht Herr wird. Bei dieser Reflexion müssen wir uns aber auf bestimmte Bereiche unseres Ichs, also z.B. auf den Flügelschlag eines Vogels in der von uns wahrgenommenen Welt, beschränken, denn ein Übergang zwischen seinen einzelnen Teilen unterbricht stets die Reflexion der Gegenwart, und wenn wir sagen, daß wir sind, so meinen wir Uns damit entweder als Wahrnehmende, Handelnde oder Wollende, welches somit die kanonischen Formen der subjektiven Kontemplation sind, wobei uns die erste die Welt verdeutlicht, die zweite unser Schicksal und die dritte unseren Glauben, dies alles aber nur auf anschaulicher Ebene, ohne Erfassung der aufkommenden Verstandesstrukturen, auf welche wir uns zwar besinnen könnten, aber nicht ohne die Kontemplation zu beenden. Erst die Wirkung objektiver Kontemplationen, wie des Flügelschlags, ermöglicht es Verstandesstrukturen als solche und in ihren Teilen in der vergehenden Zeit zu erfassen, was daran liegt, daß die betrachteten Teile die ganze Zeit über fixiert sind. Verbunden mit der subjektiven lassen sich so in einem Prozeß der subjektiven Sammlung auch die eingangs erwähnten Prinzipien der Besonnenheit, Progressivität, Ehrfurcht und Bereitschaft aufspüren, wie geworfene Würfel verkörpert sich das fixierte Schema nach und nach. Genauer will ich auf diese Dinge aber nicht eingehen, das sei der Erfahrung jedes Einzelnen überlassen, nur soviel sei noch gesagt, daß man den Verstand auch ohne Reflexion der Gegenwart ausschalten kann, was aber lediglich eine vollere Anschauung bewirkt. Auch muß, damit eine Kontemplation eine Wirkung entfalten kann, der Wunsch dazu vorhanden sein. Es handelt sich also um eine spezielle Form der Besinnung, nämlich Besinnung bei überfordertem Verstand.

Denken nun, soweit wir es verstehen, besteht aus lauter Schritten der Besinnung, sei es, daß wir uns erinnern, uns etwas vorstellen, etwas reflektieren oder nach einem entsprechenden Begriff suchen, wohl gar auch nur einer assoziierten Anschauung. Eine genauere Betrachtung sei auf später verschoben, hier geht es nur darum zu verstehen, wie Anschauung, Verstand und Vernunft in unserem Denken zusammenwirken und auf welche Weise sich uns dieser Vorgang zu erkennen gibt, nämlich vermittels der Leistung unseres Verstandes.

weiter


Gegenstände, welche uns die Anschauung gibt, nennen wir auch Anschauungsgegenstände, lediglich in einem Anschauungsgegenstand verbundene Gegenstände hingegen Verstandesgegenstände. Die einfachsten Beispiele für Verstandesgegenstände sind Lagen und Farben, welche in farbigen Flächen verbunden sind.
Die Nachbildungen des Wahrgenommenen, auf sinnlichem oder sonstigem Wege Wahrgenommenen werden durch das Entstandensein aus unseren Anschauungsanstrengungen erklärt. Wenn wir einen Traum nicht von der Gegenwart unterscheiden können, so liegt es in der Tat daran, daß wir uns während des Träumens unserer Anstrengungen nicht bewußt sind, und indem wir uns im Traum auf unsere Anstrengungen besinnen, können wir ihn auch als solchen erkennen und uns zugleich aufwecken.

Labels: , , ,

27. Februar 2020

Vernunft und Gesetz

Platon schreibt, und Schleiermacher übersetzt, in den Nomoi:
  1.    Demnach erkläre ich mich und behaupte, wer als Mann zu irgend etwas Tüchtigem es bringen will, der muß eben dieses sogleich vom Knaben auf , in Spiel und Ernst, in allem zu der Sache Gehörigen üben. So, wer ein tüchtiger Landwirt oder Baukünstler werden will, dessen Spiel muß bei dem einen in Aufführung kindlicher Bauwerke, bei dem andern in landwirtschaftlichen Beschäftigungen bestehen, und der Erzieher jedes der beiden muß bei jedem für kleine Handwerksgeräte, Nachbildungen der wirklichen, sorgen, sowie vornehmlich auch, daß derselbe die Kenntnisse, die einer zuvor sich erworben haben muß, vorher spielend sich erwerbe, wie der Baumeister das Messen und Richten, der zum Kriege bestimmte das Reiten, oder etwas anderes der Art, und sich bemühen, durch diese Spielübungen die Neigungen und Begierden der Knaben dorthin zu lenken, wo sie, wenn sie dahin gelangten, ihr Ziel finden müssen.
       Lassen wir also auch das nicht unbestimmt, was nach uns die Bildung sei. Denn indem wir jetzt die Erziehung der einzelnen loben oder tadeln, erklären wir den einen von uns für gebildet, den andern für ungebildet, nämlich Menschen, die bisweilen zur Kenntnis des Kleinhandels und der Steuerkunst und anderer Dinge der Art recht wohl ausgebildet sind. Dürfte doch, scheint es, unsere jetzige Rede nicht für Menschen taugen, welche das für Bildung halten, sondern die Bildung zur Tugend vom Knabenalter an, welche die Begierde und Lust erzeugt, ein vollkommener Staatsbürger zu werden, der dem Rechte gemäß zu herrschen und zu gehorchen weiß.
       Wir nehmen doch jeden von uns, nämlich ihn selbst, als
    einen an? Der aber in sich selbst zwei sich widersprechende, unverständige Ratgeber hat, die wir Lust- und Schmerzgefühl nennen? Neben diesen beiden ferner Meinungen über das Bevorstehende, welche den gemeinschaftlichen Namen der Erwartung führen; aber die der Erwartung der Schmerzgefühle vorausgehenden den besonderen der Besorgnis, die dem entgegengesetzten  dagegen der Ermutigung; über diesen allen aber eine Überlegung, was von diesen das bessere oder schlechtere sei, die, wenn sie zum Staatsbeschlusse erhoben ward, Gesetz genannt wird.
       das aber begreifen wir, daß die erwähnten Gefühle, die wie gewisse Sehnen oder Fäden sich in uns regen, uns ziehen, und zwar, als einander entgegengesetzt, zu entgegengesetztem Handeln, dahin, wo die Grenzscheide zwischen Tugend und Schlechtigkeit liegt; denn es müsse, sagt das Denken, jeder stets
    einem Zuge folgend und nirgendwo von dieser Richtung abweichend, gegen die andern Fäden anstreben; dies sei aber das goldene und heilige Leitzeug der Vernunft, welches man das gemeinsame Gesetz des Staates nenne. Die anderen Leitfäden seien von Eisen und starr, dieser aber biegsam, weil von Gold, während die anderen mannigfachen Stoffen gleichen. Jeder müsse aber der schönsten Leitung, der des Gesetzes, stets nachhelfen; denn da die Vernunft etwas Schönes, aber Mildes und keinen Zwang Übendes sei, so bedürfe ihre Leitung der Nachhilfe, damit in uns die goldene Gattung über die andern Gattungen siege.
  2.    Es ergibt sich, wie wir gleich anfangs als notwendig bei dem annahmen, was wir jetzt besprechen, daß notwendig ein solches Gelage bei weiter fortschreitendem Zechen immer lärmend werde. Jeder fühlt sich über sich selbst erhoben, von Freude durchdrungen, von Freimütigkeit und Widerspenstigkeit gegen die Umgebung in einem solchen Zustande erfüllt, und er achtet sich für befähigt, die Herrschaft über sich selbst und die andern zu behaupten. Behaupten wir nun nicht, daß, wenn das geschieht, wie Eisen die von Feuer ergriffenen Gemüter der Zechenden biegsamer werden und jugendlicher, so daß sie sich, wie damals, als sie noch jung waren, dem lenksam bewähren, welcher sie zu unterweisen und zu gestalten vermag und versteht? Muß aber nicht dieser Gesetzgeber, von dem Zechgesetze ausgehen müssen, um jenen, der hoffnungsfroh und zuversichtlich der Scheu mehr vergaß, als er sollte, und sich nicht in die Ordnung und das ihm zukommende Maß im Schweigen und im Reden, im Trinken und im Singen fügen mag, geneigt zu machen, von diesem allen das Gegenteil zu tun, und kräftig genug, um auf gesetzlichem Wege in ihm die schönste Furcht als Verteidigerin gegen die in ihm erwachende unschöne Keckheit auftreten zu lassen, welche göttliche Furcht wir mit dem Namen der Scheu und Verschämtheit bezeichneten?
       Wäre nun ein Rausch so beschaffen, so beschaffen die Heiterkeit, würden dann nicht solche Zechgenossen dadurch gefördert vom Gelage scheiden und befreundeter untereinander als zuvor, nicht aber, wie jetzt, gegeneinander erbittert, nachdem ihre ganze Zusammenkunft den Gesetzen gemäß stattfand und sie, sobald die Nüchternen den Nichtnüchternen den Weg zeigten, Folge leisteten?
Zweifellos bedienen sich Staaten dieser Einrichtungen, um ihre Bürger der Staatsdoktrin gemäß zu formen, zu (1) fallen mir etwa die Hitlerjugend ein, das gegenwärtige deutsche Schulwesen als Brutstätte des Parlamentarismusses oder auch die heutige Ausbildung von Sozialarbeitern als schamlose und überhebliche Handlanger einer zynischen Familienpolitik, zu (2) so genannte Betriebsfeiern und die Auswahl von Abteilungsleitern nach ihrer Befähigung, sich im Gezeche Gehör zu verschaffen, doch fällt bei alledem doch auf, daß diese Werkzeuge ein von der Vernunft völlig losgelöstes Eigenleben führen.

Platon müht sich redlich, Vernunft als etwas Positives darzustellen, also etwas, was Lust bewirkt, und nicht nur als etwas Negatives, also etwas, was Schmerzen vermeidet, und führt dazu die Ordnung der Musik an, doch führt er diese letztlich darauf zurück, daß sich in der Musik die Gemütsbewegung des Knaben widerspiegelt, welcher der Greis einst war, womit das Positive der Vernunft also im Mitgefühl des Greises für die Jugend besteht, doch ist dasselbe selbstverständlich ein Negatives, wenn es tatsächlich vernünftig ist.

Achtung und Sorge schätzen die Lust, weil sie ermöglicht, und die Sorge schätzt die Achtung, weil sie bemerkt. Umgekehrt aber schätzt die Lust weder Achtung noch Sorge, noch die Achtung die Sorge, außer insofern das Höhere negative Gefühle des Niederen vermeiden hilft. Wessen Glückseligkeit also nicht von den Gefühlen seiner Sorge, sondern von denen seiner Achtung oder Lust abhängt, wird sich nicht aus eigenem Antrieb vernünftig oder gerecht verhalten.

Natürlich ist das hypothetisch, denn kein Mensch wird von den Gefühlen seiner Lust oder Achtung dominiert. Doch stimmen auch die Gefühle der Sorge nicht sämtlich mit der Gerechtigkeit überein: Liebe führt die Gestimmten zur Gerechtigkeit, Wertschätzung die Fordernden zur Behilflichkeit und Anteilnahme die Erregten zur Überzeugung (zur Tapferkeit). Allerdings führt die Wertschätzung die Fordernden durch das mit dem Gemeinwohl verbundene Ansehen mittelbar doch noch zum Gerechten, wenn das Gemeinwohl die Ambition beherrscht, ebenso wie auch die Anteilnahme die Erregten durch ihre Verantwortung für ihr Territorium zum Gerechten führt, wenn das Territorium sich in die Gerechtigkeit fügt.

Also ist es auch in keiner Weise das selbe, dem Ängstlichen durch Übung die Angst zu nehmen, worin sich der Nutzen der Erfahrung für die Achtung erweist, und dem Kecken durch Trunkenheit seine Schmach zu verdeutlichen. Ersteres ist ein Geschenk, letzteres hingegen versuchte Beraubung. Doch entwickelt Platon das nicht so, wie ich zunächst dachte, also Jugendliche sich besaufen zu lassen, um sie sich dann im Suff blamieren zu lassen, vielleicht sogar Wetten einzugehen und sich zu verschulden, damit sie, wenn sie wieder nüchtern sind, den Wert der Vernunft erkennen würden, denn wie anders hülfe Trunkenheit je der Vernunft, als dadurch, einen im Suff zu erschlagen und dergleichen mehr?, sondern räumt recht unverblümt ein, daß die Menschen unvernünftig sind, gleich wie alt sie werden, doch in jungen Jahren formbar und im Alter vernagelt und Dionysos sich ihrer also dadurch erbarmt hat, daß er ihre Seele im Suff verjüngt.

Wenn wir uns aber fragen, was der persönlichen Vernunft hilft, so kommen wir auf ganz andere Dinge als auf Trunkenheit und Nachahmung, wiewohl die Nachahmung eines vernünftigen Lebenswandels einen später durchaus mit Dankbarkeit erfüllen mag und meinetwegen sogar durch Vertrautheit mit ihm die Vernunft selbst in bescheidenem Maße zu fördern vermag, nämlich auf Bewährungsproben, welche der Analyse von Problemen und der Synthese derer Lösungen bedürfen, was in der Natur meistens mit Gefahren verbunden ist, sich aber auch in Form eines mathematischen Beweises leisten läßt.

Indes begegnet uns hier das Paradox persönlicher und gesellschaftlicher Vernunft in Form vernünftiger Gesetze: Was letztere leisten, braucht die persönliche Vernunft nicht mehr zu leisten, und alle Regelung entspringt dem Wunsch, nicht weiter regeln zu müssen. Wer sich selbst durch seinen zur Beherzigung gewordenen Glauben regelt, gerät dadurch nicht in eine Sackgasse, doch wer die Gesellschaft durch die Staatsdoktrin regelt, bringt nicht nur sich, sondern alle Mitglieder der Gesellschaft in diese Lage.

Andererseits können wir selbstverständlich nicht ganz auf gesellschaftliche Regelung verzichten. Und um etwas genauer zu fragen: Darf die Entwicklung der Vernunft in einem Staate dem Zufall überlassen bleiben?

Meine Antwort darauf lautet: Zu einem gewissen Grade, ja. Nämlich insofern es zufällig ist, daß es in einer Bevölkerung Liebe zur Gerechtigkeit gibt. Wo es diese aber gibt, sollte sie einen Rahmen vorfinden, welcher sie organisiert. Einen solchen Rahmen nenne ich eine Rechtsschule, und eine Rechtsschule, welche gesellschaftlich Partei ergreift, eine Kirche. Ob Partei ergriffen werden sollte oder nicht, hängt von der Bedeutung von Parteien in einer Gesellschaft ab, wobei es sich bei Parteien um Gruppen handelt, welche sich wie Schulen gewissen Zielen verschrieben haben, aber im Gegensatz zu Schulen diese nicht aus Einsichten ableiten. Je mächtiger derart definierte Parteien sind, desto wichtiger ist es, daß die Einsicht Partei ergreift.

Wo diese Einmischung nicht stattfindet, wirkt die Schule allein durch ihre Lehre auf jene, welche es unternehmen, die Gesellschaft zu regeln. Wenn es eine Schule hingegen übernähme, einen Staat als Schule selbst zu regeln, so müßte sich an ihm ihre Lehre vollständig widerspiegeln, und das widerspricht der Gerechtigkeit, da alle Lehre dem Leben abgeschaut ist und dasselbe also nicht ersetzen darf.

Labels: , , , , , , ,

1. Dezember 2007

Die Arten und Grenzen des Begreifens

Ein Begriff ist die Weise, in der ein Gegenstand im Verhältnis steht. Es ist aber ratsam, das nicht so allgemein stehen zu lassen, sondern auf die Arten und die Weise in denen und auf die sich das Begreifen vollzieht genauer einzugehen, um von ihnen dann das jeweils Nötige sagen zu können.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, daß es überhaupt unterschiedliche Arten des Begreifens gibt, und zwar in dem Sinne, daß Verhältnisse nicht etwa isoliert zwischen einzelnen Gegenständen bestehen, sondern entweder zwischen Gegenständen gleicher Art oder beziehend zwischen Gegenständen unterschiedlicher Art, in jedem Falle aber mit derartig gleichartigen Verhältnissen zu komplexeren Ordnungen kombinierbar und also unterschiedlichen Ordnungsweisen zugehörig, welche ich auch als Verständnisformen bezeichnen werde. Solche Verständnisformen sind Gleichheit, Lage, Farbe, Klang, Geruch, Geschmack, Kraft, Wärme, Abfolge, Entstehung, Darstellung, Erfassung und Begleitung, und nur die letzten vier beinhalten Verhältnisse zwischen Gegenständen unterschiedlicher Art, nämlich zwischen Vorsätzen und Taten, Verkörperungen und Nachbildungen, Teilen und Ganzen, bzw. zwischen Grundlagen und Begleitungen. Die den so bestimmten Klassen angehörigen Gegenstände seien als Verständniseinheiten bezeichnet. Neben diesen lassen sich noch die Verständnisformen als Gegenstände betrachten, etwa im Urteile „Rot ist eine Farbe“, welches in der Verständnisform der Zugehörigkeit, insbesondere einer Verständniseinheit zu einer Verständnisform, wurzelt, und natürlich ebenso auch die Verhältnisse. Beide werden aber durch diese Betrachtung zusätzlich zu Verständniseinheiten.

Nach diesen Vorbereitungen können wir nun die Frage nach den Grenzen von Begriffen stellen. Jedem Verhältnis, auf dem ein Begriff beruhen mag, sind durch die zugehörige Verständnisform Verständniseinheiten als Gegenstände zugeordnet, auf welche es, und damit er, beschränkt ist. Natürlich ist es ein leichtes zu sagen, daß ein Gegenstand, der außerhalb der Verständnisform liegt, etwa wenn ich frage, ob das Summen einer Mücke blau ist, in jedem Falle keinen Inbegriff des Begriffs darstelle. Wenn ein Gegenstand hingegen innerhalb der dem Begriff zugehörigen Verständnisform liegt, läßt sich die Frage der Inbegriffenheit, und damit nach den Grenzen des Begriffs, unter Umständen weder so noch so beantworten. Alles, was sich dann sagen läßt, ist, daß der Begriff auf den fraglichen Gegenstand keine Anwendung findet, und eingedenk dessen werde ich das auch von den Gegenständen außerhalb der Verständnisform sagen, anstatt mich in willkürlichen Definitionen zu verlieren.

Ob nämlich ein Begriff auf einen Gegenstand angewendet werden kann hängt davon ab, ob dieser Gegenstand als gegeben betrachtet werden kann und sich also in der Folge fragen läßt, ob der Begriff ihn beschreibt. Solange der Begriff nicht auf Reflexion beruht, also ganz im Verstande liegt, gewährt das Wesen der Reflexion selbst, daß seine potentiellen Gegenstände als gegeben betrachtet werden können. Das selbe Wesen bestimmt im Falle eines Begriffs, der die Ausfüllung eines Begriffs auszeichnet, aber auch, daß die Inbegriffenheit eines Gegenstandes in diesem Begriff nur in folge dieses Ausfüllens existiert, als Reflexion einer vorigen Reflexion, und daraus folgt, daß sich dieser Begriff weder auf eine direkte noch auf eine mittelbare Beschreibung durch ihn anwenden läßt.

Ein historisches Beispiel eines solchen begrenzten Begriffs innerhalb seiner Verständnisform ist von Bertrand Russell gegeben worden, nämlich „eine Beschreibung, die sich selbst nicht beschreibt.“ Wollte man diesen Begriff auf sich selbst anwenden, entstünde das so genannte Russellsche Paradox.

weiter

Labels: , , ,

18. November 2007

Vom vernünftigen Urteile

Wenn wir hier und im folgenden Urteile und allgemeiner Auffassungen besprechen, tun wir es zunächst einmal von dem Standpunkt aus, daß uns ihre Form schon auf irgendeine Weise bewußt sein wird und wir die genaue Begründung dieser Form durch unsere Nachbildungen auf später verschieben können.

Die allgemeine Form eines Urteils ist, wie bereits erwähnt, die folgende. Eine Sammlung von Gegenständen {A, B, C, ...} steht in Verhältnissen {a, b, c, ...} zueinander, und wir halten dies durch einen Ausdruck der Form AaB CbD ... fest.

Weniger klar hingegen sind die Verhältnisse, in welchen Gegenstände stehen können. Sie aufzufinden ist eine Angelegenheit der Erfahrung, und letztlich werden wir uns stets mit einer Sammlung zufrieden geben müssen, welche unseren Ansprüchen gerecht wird. Daß sich dabei nicht alles so verhält, wie es zunächst scheint, mag das folgende Beispiel illustrieren.

Anstatt „Der Ball ist rot.“ kann ich beispielsweise auch „Rot ist die Farbe des Balles.“ sagen. Der Ball ist dabei ein Anschauungsgegenstand, welchen der Verstand als ein Ganzes flächig verteilter Farben auffäßt, und Rot ein potentiell flächig verteilter Verstandesgegenstand. Der in den obigen Urteilen ausgedrückte Sachverhalt ist nun der, daß Rot über die Oberfläche des Balles verteilt ist, allgemein gesprochen stehen also zwei Verstandesgegenstände in einem ihnen möglichen Verstandesverhältnis, so daß die kanonische Form des Urteils „Rot bedeckt den Ball.“ lautet, was wir mit A für den Ball, B für Rot und a für bedecken auch als BaA schreiben können. Das Wort „ist“ in den eingangs beschriebenen Formen steht hingegen für Verkörperung, in der ersten verkörpert der Ball die Nachbildung „ein rot Bedecktes“ und in der zweiten verkörpert Rot das Farbglied in der Gliederung des Balles, genaueres dazu später.

Diese Art Urteile bilden die Gruppe der Urteile in unmittelbarer Anschauung eines Sachverhaltes, aber wenn man auch nur „wenn“ verstehen will, muß man diese Situation schon hinter sich lassen. „Wenn“ bezeichnet nämlich das Einhergehen eines Urteils mit den Mitgliedern einer Schar. Eine Schar wird dabei von den Inbegriffen eines Begriffs gebildet, welcher die Weise ist, in welcher ein Gegenstand im Verhältnis zu anderen Gegenständen steht. Der für Urteile allgemeinste Begriff ist „Gegenstand“ selbst, welcher umgangssprachlich zumeist in der Form „etwas“ verwendet wird und nicht mehr besagt, als daß seine Inbegriffe in irgendwelchen Verhältnissen stehen. Wenn wir also „wenn“ benutzen, so legen wir unserem Urteil, eigentlich unserem Zutrauen, einen Vorgriff auf eine Schar zu grunde, unter derer einzeln vorausgesetzter Gegenwart ihr das Behauptete, welches in möglicher Abhängigkeit vom jeweils betrachteten Mitglied der Schar steht, zugetraut wird.

Im Zutrauen „Wenn der Himmel klar ist, regnet es nicht.“ besteht die zu grunde liegende Schar aus den Wahrnehmungen eines klaren Himmels, von denen alsdann behauptet wird, daß sie auch Wahrnehmungen des Fehlens von Regen sind. Die Behauptung erfolgt hierbei nicht in Abhängigkeit des jeweils betrachteten Mitglieds, es spielt keine Rolle welche Wahrnehmung eines klaren Himmels gerade betrachtet wird, die Behauptung ist stets, daß Regen fehlt, das Zutrauen „Wenn ein Kern in die Erde gesteckt wird, dauert es eine gewisse Weile bis er keimt.“ hingegen behauptet die Existenz einer gewissen Zeitspanne, der Keimungsdauer, zwischen Pflanzung und Keimung in Abhängigkeit der jeweils betrachteten Pflanzung. Die Existenz ist hierbei nichts anderes als das Zutrauen, daß nicht alle Zeitspannen keine Keimungsdauern sind, wobei der Teil „Alle Zeitspannen sind keine Keimungsdauern.“ auch wieder so formuliert werden kann: „Wenn es eine Zeitspanne ist, ist sie keine Keimungsdauer.“ Die Existenz ist also nichts Neues, sondern lediglich ein Beispiel dafür, daß eine urteilsartige Behauptung durch eine weitere Bedingung, einen weiteren Vorgriff zu einer zutrauensartigen erweitert wurde, hier also „Regen fehlt.“ durch „Es ist nicht so, daß, wenn es eine einhergehende Zeitspanne ist, sie keine Keimungsdauer der einhergehenden Pflanzung ist.“

Mit „wenn“ zu formulieren ist genau so ungelenk wie zu verneinen, und beides muß auch nicht sein, statt „wenn“ läßt sich stets „jeder“ verwenden und statt „jeder“ und die folgende Behauptung zu verneinen, stets „es gibt“, womit das zweite Zutrauen zu „Zu jedem gepflanzten Kern gibt es eine Zeitspanne, die seine Keimungsdauer ist.“ wird. Wie bereits gesehen können den einzelnen Mitgliedern einer Schar weitere Scharen einhergehen und deren Mitgliedern dann wiederum und so fort. Die allgemeine Form eines Zutrauens ist also:

O(A1) (A2)... I(B1) (B2)... O(C1) (C2)... I(D1) (D2)... :
... (A1)a1b1.11(B1) (A1)a1b1.12(B1)... , ... (A1)a1b1.21(B1) (A1)a1b1.22(B1)... ,

wobei eine Leerstelle „und“ bedeutet und ein Komma „oder“. O bedeutet „jeder“, I bedeutet „es gibt“ und die runden Klammern „Mitglied der bezeichneten Schar“.

Um Scharen zu definieren, bieten sich geschweifte Klammern an, also wenn a „bedeckt“ bedeutet und B „Rot“, so ist Ba der Begriff eines roten Gegenstandes und {Ba} ihre Schar. In diesem Falle ist es schlicht ästhetischer (Ba) statt ({Ba}) für die Mitglieder zu schreiben.

In den urteilsartigen Teil des obigen Ausdrucks lassen sich nach Gusto auch noch einzelne Gegenstände einbinden, nötig ist das aber nicht, denn wenn A ein Gegenstand ist, so ist {A} die Schar, die nur aus ihm besteht, wobei diese Notation faul ist, {=A} wäre besser, und nur dort verwendet werden sollte, wo Begriffe nicht als Gegenstände betrachtet werden. Der obige Ausdruck ist endlich lang und zwei O oder I folgen nie aufeinander, denn entweder die Behauptung gilt in Abhängigkeit vom ersten Mitglied für alle zweiten, in welchem Falle aber offensichtlich gar keine Abhängigkeit besteht, oder es gibt ein zweites Mitglied in Abhängigkeit zu einem ersten, in welchem Falle das aber auch wieder keine ist. Negationen erfolgen als Negationen der Verhältnisse und können also formal ignoriert werden, und daß schließlich „oder“ nur im urteilsartigen Teil auftritt liegt daran, daß man Scharen kopieren kann, also aus O(Z): (Z)G, O(Z): (Z)U, Z: Zahl, G: gerade, U: ungerade, was nicht stimmt, nicht etwa O(Z): (Z)G, (Z)U machte, was stimmte, sondern O(Z) (Z'): (Z)G, (Z')U, was mit dem ersten gleichbedeutend ist. Z, Z', G und U sind hier übrigens alles Begriffe, welche ich aber erst einmal noch nicht definieren möchte.

weiter

Labels: , ,

11. März 2009

Klärung von Reflexion und Nachbildungen

Ich bin mit meiner bisherigen Darstellung dieses Themas nicht wirklich zufrieden und versuche es also erneut.

Ein Verständnis besitzt stets die Form einer Aussage über zwei Gegenstände und das zwischen ihnen bestehende Verhältnis. Somit hat eine Aussage drei Gegenstände, welche in einem sie verbindenen Verhältnis stehen und läßt sich also selber nicht unmittelbar verstehen.

Womit sich die Frage stellt, wie wir sie reflektiv verstehen.

Wenn man sich das Wörtchen „etwas“ vornimmt, und sich fragt, wie man es versteht, so lautet die Antwort, daß es sich dabei um dasjenige handelt, was im entsprechenden Verhältnis einer Verkörperung steht, und zwar ohne Bezug auf ein spezielles Verkörpertes. Dieser Bezug ist also nicht mitgedacht, wenn wir „etwas“ verstehen. Das heißt aber, daß das eine Rolle eines Verhältnisses Ausfüllen ein Verstandesgegenstand sein muß. Ich nenne ihn mal hoffnungsvoll Begriff, wir werden ja sehen, ob ich damit durchkomme. Die Idee dahinter ist natürlich, daß ein Begriff die Art ist, auf welche wir einen Gegenstand fixieren, wobei beim vorigen Beispiel diese Fixierung lediglich durch die Rolle eines Verhältnisses geschieht, in welchem der Gegenstand steht.

Nun steht ein Gegenstand auf diese Weise allerdings isoliert da und die Frage drängt sich auf, wie er wohl mit einem zweiten verbunden sein kann. Und da kann man nun nicht darum umhin zu sagen, daß die Fixierung in dem Fall durch den anderen Gegenstand bedingt ist. Das nächstliegende ist nun einfach von zwei Arten Begriffen zu sprechen, nämlich Rollenbegriffen und Verhältnisbegriffen, am Beispiel, eine Fläche ist ein Rollenbegriff und eine rote Fläche ein Verhältnisbegriff.

Dies wirkt freilich etwas willkürlich und es stellt sich auch die Frage nach der Symmetrie der reflexiven Erfassung, wobei eine konkrete Reflexion nicht symmetrisch ist, sondern zum Zwecke der Spiegelung des Verhältnisses erneut reflektiert werden muß. Interessant dabei ist aber, daß wir beide Reflexionen miteinander vergleichen können und ihre Gegenstände jeweils miteinander identifizieren. Dazu müssen aber beide Gegenstände als Gegenstände zunächst mal in der Reflexion vorliegen und nicht nur einer.

Es gibt also zu jedem Verhältnisbegriff einen adjungierten Verhältnisbegriff, nämlich seinen Bezugsbegriff, welcher den zweiten Gegenstand zur Entsprechung hat und einen zweiten, seinen Artbegriff, welcher das Verhältnis zur Entsprechung hat.

Das ternäre Verhältnis a~b~c, wobei b das binäre Verhältnis zwischen a und b bezeichnet, reflektieren wir also durch a~'bc, c~''bc und b~'''bc, wobei bc den durch b und c gebildeten Verhältnisbegriff bezeichnet, ~' das Verkörperungsverhältnis, ~'' das Bezugsverhältnis und ~''' das Artverhältnis.

Dieses Bezugsverhältnis ist aber dasselbe wie das bereits zuvor betrachtete Begleitungsverhältnis, die Verhältnisbegriffe werden von ihren Bezugsgegenständen begleitet. Allerdings zwingt mich diese Bemerkung dazu auch das Begleitungsverhältnis noch einmal genauer zu betrachten, denn es stellt sich die Frage, ob die Begleitung analytisch, synthetisch oder manchmal das eine und manchmal das andere ist.

Hier ist die Begleitung natürlich analytisch, und es geht kaum an diesen Fall synthetisch umzugestalten, da Verhältnisse im allgemeinen keineswegs von Bezugsgegenständen begleitet werden, wenngleich es für konkret erfaßte Verhältnisse schon gilt. Genau das ist aber wohl stets der springende Punkt bei der Begleitung, daß sie innerhalb einer konkreten Erfassung Gültigkeit besitzt. Was das allerdings bedeutet ist, daß die Menge, welche begleitet wird, variiert und jedes Mal mitangegeben werden muß. Außerdem mag hier ein und dasselbe Verhältnis mehrmals auftreten und also von mehreren Bezugsgegenständen begleitet werden, allerdings zwingenderweise jeweils einzeln. Nur wie geht das vonstatten?

Die Begleitung kann nicht für diese Synthese herangezogen werden, die Konjunktion durch „und“ hingegen schon, es lägen also mehrere Begleitungen zugleich vor, mit jeweils passender Grundmenge.

Nun, so läßt sich die Angelegenheit natürlich lösen, nur hieße das verschiedene Begleitungen von einander unterscheiden zu können, was uns ganz offenbar nicht möglich ist.

Was einzig bleibt ist zu sagen, daß nicht die Verhältnisse begleitet werden, sondern die Verhältnisbegriffe, m.a.W. bei der obigen Darstellungsweise zu bleiben. Bei Zeit und Raum allerdings wird man auf einer synthetischen Begleitung bestehen wollen, da hier die Gegenstände aus einer umfassenderen Anschauung heraus entstehen, wodurch die Eindeutigkeit der Begleitung a priori gewährt ist.

Es ist verlockend Ähnliches auch für unsere Begriffe zu entwickeln, nur wie sehr schnell klar wird, wenn man sich auch nur die Bedeutung des Satzes „Dieser Stab ist am längsten.“ anschaut, geht es ganz einfach nicht. Unsere Verhältnisse ergeben schlicht kein Raster, durch welches wir die Welt erfassen, wie es Zeit und Raum tun. Wir verwenden sie vielmehr kreativ und flexibel, ohne Absicht der dabei entstehenden Struktur.

Damit bleibt aber die Frage, durch welches Vermögen wir von einer Fläche auf die Farbe übergehen können, welche sie ausfüllt. Ich neige zu der Ansicht, daß wir einfach mit einer ausgefüllten Fläche vor Augen, diese eine ausgefüllte Fläche zur Antwort heranziehen und dabei schlicht voraussetzen, daß die so erhaltene Antwort eindeutig ist. Dasselbe könnten wir auch mit einem Verhältnisbegriff anstellen, nur wäre die Antwort da eben nicht eindeutig.

Desweiteren stellt sich so natürlich wieder die leidige Frage nach der Symmetrie, denn ein Ganzes wird offenbar von allen seinen Teilen begleitet. Da aber Begleitungen nur innerhalb konkreter Erfassungen bestehen, kann man voraussetzen, daß die betroffenen Ganzen immer das Ergebnis spezieller, asymmetrischer Synthesen sind, welche immer als Beziehung einer Funktion auf ihr Argument verstanden werden, auch wenn dies nicht eindeutig geschieht.

M.a.W. ist es sinnvoll davon auszugehen, daß es für jedes begleitete Ergebnis stets einen begleitenden Bezug gibt und eine begleitende Methode, wobei die Reflexion durch „ist Bezug von“ und „ist Methode von“ stattfindet.

Die Methode allerdings ist nicht mit ihrem Index gleichzusetzen. „Rot“ ist etwas anderes als „rot ausfüllen“. Letztlich handelt es sich hier in allen Fällen um eine kreative Synthese, nämlich den Übergang zur Vorstellung zweier in bezug gesetzter Teile, wobei dem einen die Rolle des Beziehenden und dem anderen die Rolle des Bezogenen zugeschrieben wird.

Eine solche kreative Synthese ist einem Verhältnis nicht gerade unähnlich, besitzt aber als Ergebnis kein Verständnis, sondern einen Verstandesgegenstand. Trotzdem stehen ihre Argumente zugleich in einem Verhältnis, nämlich dem von konkretisierendem und konkretisierten. Nur darüberhinaus gibt es auch noch das Konkrete, welches von den anderen beiden gebildet wird.

Ob nun rot eine Fläche konkretisiert oder umgekehrt ist eine Frage der Auffassung, wobei natürlicherweise ersteres der Fall ist. Bei Verhältnis und Bezugsgegenstand ist es allerdings üblicherweise der Bezugsgegenstand, welcher das Verhältnis konkretisiert, und zwar durch Beziehung des Verhältnisses.

M.a.W. wird a~b~c durch a~'bc, c~''b, b~'''bc und c~'''bc reflexiv erfaßt, wobei ~' das Verkörperungsverhältnis bezeichnet, ~'' das Konkretisierungsverhältnis und ~''' das Bildungsverhältnis.

Begleitung braucht man hierbei also gar nicht zu verwenden, sondern ist vielmehr etwas, was man zusätzlich betrachtet, um gewisse Überlegungen anzustellen. Genauer gesagt besagt Begleitung, daß jedes Element einer Menge von einem Element begleitet wird, welches zum jeweiligen Element in einem bestimmten Verhältnis steht, z.B. eine Partition der Ebene, welche von Farben begleitet wird, welche die jeweilige Fläche konkretisieren. Wenn ich allerdings oben ein Bildungsverhältnis einführe, so verallgemeinert es offenbar das Verhältnis zwischen einem Ganzen und seinen Teilen.

Es ist hierbei übrigens wichtig, Bildung auf Synthesen zu beschränken. Das Ergebnis einer bloßen intellektuellen Funktion, welche sich auf es von einem Argument ausgehend besinnt, wird nicht auf diese Weise verstanden werden, sondern über den Umweg des Verständnisses einer Tat, also als dasjenige, welches die Aufnahme nach einer Anstrengung darstellt.

Anstrengungen sind übrigens Begriffen analog, sie mögen für sich bestehen, oder aber auf einen Verstandesgegenstand bezogen sein, allerdings nicht wahlweise für jede Anstrengung, sondern wenn man die Menge der Anstrengungen als Ganzes betrachtet. In letzterem Falle wird eine Anstrengungsweise also ebenfalls konkretisiert, nur muß sie dann auch konkretisiert werden.

Für die Rollenbegriffe ändert dies alles nichts, allerdings lassen sich diese natürlich spezialisieren. Dafür braucht man aber keine weiteren Verhältnisse einzuführen, daß ein Begriff spezieller als ein anderer ist, ist eine Aussage, welche sich mit den vorhandenen Verhältnissen formulieren läßt, und daß der spezialisierte Begriff aus dem Rollenbegriff hervorgegangen wäre, läßt sich so nicht sagen, da ein Verhältnisbegriff stets schon eine Rolle enthält.

Labels:

22. Juni 2014

Zu einer quantitierenden Metrik für das Deutsche

Ich würde sagen, die Verse im vorigen Beitrag sind wie folgt zu quantitieren.
  1. Choreios, Iambos, Trochaios
  2. Ionikos, Ionikos, Iambos
  3. Spondeios, Paion, Monogenes, Kretikos
  4. Iambos, Ditrochaios, Trochaios, Trochaios
Der Schlüssel zur richtigen Quantitierung liegt dabei weniger in der Abschätzung des Gewichts des gemurmelten e's, als vielmehr in der Erkenntnis der Form des Versfußes, denn jeder Versfuß hat seinen individuellen Charakter, welcher beim Sprechen gemeint wird.

Übrigens, im Lateinischen gibt es keinen Knacklaut, im Deutschen aber schon, weshalb man die lateinische Silbenzusammenfassung über Wortgrenzen hinweg für das Deutsche größtenteils in die Tonne treten kann.

Wenn O-pfer. Choreios, e so schwach, daß dritte Silbe trotz Konsonantenreichtum kurz, Versfußcharakter sachlich, zügig, verfolgend. Ich schlage Aufschluß als deutsche Bezeichnung für den Versfuß vor.

ver-plant. Iambos, e wie gehabt, Versfußcharakter innehaltend, kontemplativ, Vorschlag im Deutschen Einhalt.

wer-den. Trochaios, Versfußcharakter zurückstehend, zurücknehmend, zu einer Erinnerung verblassen lassend. Vorgeschlagene Bezeichnung Abschied.

Kein Se-hen-der / die eig-nen Schri-. Großer Ionikos, Versfußcharakter trabend, zwanghaft, düster. Vorschlag Geleit.

-tte lenkt. Iambos, Einhalt.

Dem Mut. Spondeios, Versfußcharakter abwesend bis abwägend, Vorschlag Schleppe.

durch Hü und Hott. Paion 2, großer Ionikos oder Dispondeios, Sprecher entscheidet, hier Paion 2, Versfußcharakter anbrandend, Vorschlag Woge.

die Bahn vor-ge-. Monogenes, Versfußcharakter hadernd, grollend, Vorschlag Schwebe.

zeich-net wird. Kretikos, Versfußcharakter Ach, w'klich? Vorschlag Konfrontation.

Ver-braucht. Iambos, Einhalt.

das Be-zeug-te. Ditrochaios, Versfußcharakter durch den Kopf gehend, Vorschlag Weckruf.

sei-ne. Trochaios, Abschied.

Zeu-gen. Trochaios, Abschied.

Und der besseren Übersicht halber noch einmal das Gedicht in quantitierter Form.

Wenn Opfer | verplant | werden,
kein Sehender | die eignen Schri | tte lenkt,
dem Mut | durch und Hott | die Bahn vorge | zeichnet wird,
verbraucht | das Bezeugte | seine | Zeugen.

Es ist gar nicht so einfach, die Versfüße zu charakterisieren. Ich sehe deshalb lieber davon ab, jetzt auf die Schnelle alle durchzugehen. Indes, halten wir fest.

Trochaios. Abschied.
Iambos. Einhalt.
Spondeios. Schleppe.

Choreios. Aufschluß.
Kretikos. Konfrontation.

Paion 2. Woge.
großer Ionikos. Geleit.
Ditrochaios. Weckruf.
Monogenes. Schwebe.

Schon an diesen neun kann man folgendes erkennen.
  • Zweigliedrige Versfüße stehen für innere Gedankenübergänge.
  • Dreigliedrige Versfüße stehen für Verhältnisse zu äußeren Gedanken.
  • Viergliedrige Versfüße stehen für Entwicklungen von Verhältnissen zu äußeren Gedanken.
Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an.

Open the gates
and let o | pportunity
wash the pillars | away.

Shut the gates
and let | audacity
take their place.

Also Choriambos, Palimbakcheios, Podios, Paion 1, Iambos, Kretikos, Spondeios, Choriambos, Kretikos.

O-pen the gates / au-da-ci-ty. Choriambos, Versfußcharakter gutherzig bis spöttisch auffordend, Vorschlag Offerte.

and let o-. Palimbakcheios, Versfußcharakter überleitend, nachdrücklich, bei der Hand nehmend, zwangsläufig, Vorschlag Einlauf.

pportunity. Podios, Versfußcharakter zwangsläufig, überheblich, gelangweilt, spöttisch, hinweisend, Vorschlag Aufzeig.

wash the pillars. Paion 1, Versfußcharakter wuchtig, verheerend, Schlag in den Magen, Vorschlag Anschlag.

Halten wir addierend fest.

Choreios. Aufschluß.
Kretikos. Konfrontation.
Palimbakcheios. Einlauf.

Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
großer Ionikos. Geleit.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.

Und machen wir weiter.

Wünsch! | Und er gibt es | heraus,
Wünsch! | Und sie nimmt | es auf.
Sie sind | wie Plagen,
nur schwer | zu ertragen.
Wieso sie sich | verschenken?
keiner | kann's sich denken!
Wären sie | bloß hohl!
jeder | fühlte sich wohl.

Also soweit Paion 3, Iambos, Bakcheios, Spondeios, Spondeios, Palimbakcheios, Spondeios, Paion 3, Epitritos, Molossos, Trochaios, Dispondeios, Anapaistos, Spondeios, Trochaios, Karikos.

Und er gibt es / zu ertragen. Paion 3, Versfußcharakter plötzliche Erhebung, flaues Gefühl im Magen, wie wenn man mit dem Auto zu schnell über einen kleinen Hügel fährt, Vorschlag Schluckauf.

Und sie nimmt. Bakcheios, Versfußcharakter entweichend fortschreitend, Vorschlag Auslauf.

Wieso sie sich. Epitritos, Versfußcharakter wiederholend, nachsetzend, Vorschlag Wiederholung.

verschenken. Molossos, Versfußcharakter einhämmernd, nachdrücklich, Vorschlag Nachdruck.

kann's sich denken. Dispondeios, Versfußcharakter stetig, ruhig, Vorschlag Konstanz.

Wären sie. Anapaistos, Versfußcharakter vorstellend, auf etwas führend, Vorschlag Tusch.

fühlte sich wohl. Karikos, Versfußcharakter beharrlich, anknüpfend, fortführend, Vorschlag Fortführung.

Und zusammengefaßt festgehalten.

Choreios. Aufschluß.
Anapaistos. Tusch.
Bakcheios. Auslauf.
Kretikos. Konfrontation.
Palimbakcheios. Einlauf.
Molossos. Nachdruck.

Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
Paion 3. Schluckauf.
großer Ionikos. Geleit.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Epitritos. Wiederholung.
Karikos. Fortführung.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.
Dispondeios. Konstanz.

Fehlen also nur noch acht Versfüße. Zwei davon finden sich hier.

Sie wittern | Listen
und müssen sich | rüsten.

Daktylos, Pyrrhichios, Choriambos, Pyrrhichios.

Anmerkung. Listen und rüsten werden im Tempo von Sie, und und sich gesprochen, so gesehen handelt es sich in beiden Fällen um einen Spondeios, aber der Charakter ist ein anderer. Da es sich um einen freien Vers handelt, behaupte ich, daß sich das Tempo an den entsprechenden Stellen halbiert.

Sie wittern. Daktylos, Versfußcharakter flüchtend, verdrängend, beschließend, Vorschlag Bann.

Listen / rüsten. Pyrrhichios, Versfußcharakter durchgehend, sammelnd, Vorschlag Bund.

Die zweigliedrigen Versfüße wären damit vollständig erkannt.

Pyrrhichios. Bund.
Trochaios. Abschied.
Iambos. Einhalt.
Spondeios. Schleppe.

Und der letzte dreigliedrige folgt hier.

Ich darf | nicht hassen,  | was ist,
oder mein Haß | trifft mich.
Was in Zy | keln läuft,
kehrt stets | zu sich zurück.
Ich selber | atme ein | und aus,
und gleich | lieb' ich Muße | und Pflicht.
Der Gang | der eig' | nen Glieder ist's,
dies beides zu | durchschreiten.
Und wer sich | so gestraft sieht,
der will sich | selber brechen.

Spondeios, Amphibrachys, Iambos, Karikos, Spondeios, Anapaistos, Spondeios, Spondeios, Diiambos, Palimbakcheios, Kretikos, Spondeios, Spondeios, Monogenes, Spondeios, Iambos, Iambos, Diiambos, Paion 2, Bakcheios, Palimbakcheios, Karikos, Palimbakcheios, Ditrochaios.

nicht hassen. Amphibrachys, Versfußcharakter isolierend, schmeckend, Vorschlag Probe.

zu sich zurück / nen Glieder ist's. Diiambos, Versfußcharakter durchschüttelnd, zurückwerfend, Vorschlag Anker.

Damit sind die dreigliedrigen Versfüße wie folgt gegeben.

Choreios. Aufschluß.
Daktylos. Bann.
Amphibrachys. Probe.
Anapaistos. Tusch.
Bakcheios. Auslauf.
Kretikos. Konfrontation.
Palimbakcheios. Einlauf.
Molossos. Nachdruck.

Und von den viergliedrigen haben wir bisher diese zwölf.

Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
Paion 3. Schluckauf.
großer Ionikos. Geleit.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Diiambos. Anker.
Epitritos. Wiederholung.
Karikos. Fortführung.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.
Dispondeios. Konstanz.

Bleiben noch vier, indes können wir schon einmal den Hexameter betrachten. Nach dem Vorigen besteht er ausschließlich aus Schleppen und Bännen und eventuell an seinem Ende noch aus einem Abschied.

Ist das episch? Ich werde mich mal dran versuchen.

Viel steht | beim Wetten | zu ver | lierren ich | wünscht das | Haus wär
heut noch | mein wie | einst in | unbeschwer | ten Ta | gen da
es noch | nicht dem | Zinker | im Zwang | gegeben | zum Pfand.

Tick-tack-tick-tack-tick-tack-tick-tack. Viel bleibt von der Bedeutung der Versfüße nicht übrig. Der Hexameter ist ein Korsett, dessen Funktion darin besteht, die Rede marschieren zu lassen. Die akzentuierenden Nachbildungen sind albern: Statt Hypnose liefern sie Gespreiztheit. Aber ich möchte den hypnotischen Aspekt hier nicht weiterverfolgen.

Zurück zu den letzten vier viergliedrigen Versfüßen. Ein Beispiel für den Prokeleusmatikos ist durch die Phrase einer von uns gegeben. Der Versfußcharakter ist prosaisch, frei sprechend, Vorschlag Schwall.

Und wo wir das gerade am Wickel haben, Prosa besteht ausschließlich aus Bünden, Aufschlüssen und Schwällen, sowie einsilbigen Hervorhebungen. Das heißt, das Wesen der Poesie besteht gerade darin, einsilbige Hervorhebungen nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil von Versfüßen.

Als Beispiel für den Paion 4 sei Wenn aber nicht / du zu mir sprichst gegeben, wessen Versfußcharakter festhaltend, feststellend ist. Vorschlag Fazit.

Als Beispiel für den Antispastos sei zumal Träume gegeben, wessen Verfußcharakter vorüberziehend ist. Vorschlag Transit.

Als Beispiel für den kleinen Ionikos sei fällt es auch schwer gegeben, wessen Versfußcharakter angeschoben ist. Vorschlag Anstoß.

Und somit sind die viergliedrigen Versfüße wie folgt gegeben.

Prokeleusmatikos. Schwall.
Paion 1. Anschlag.
Paion 2. Woge.
Paion 3. Schluckauf.
Paion 4. Fazit.
großer Ionikos. Geleit.
Antispastos. Transit.
Kleiner Ionikos. Anstoß.
Choriambos. Offerte.
Ditrochaios. Weckruf.
Diiambos. Anker.
Epitritos. Wiederholung.
Karikos. Fortführung.
Podios. Aufzeig.
Monogenes. Schwebe.
Dispondeios. Konstanz.

Labels: , , , , , ,

Zur Front