Zum Wettbewerb der Regierungen
Dahinter steht Schopenhauers Auffassung des Staates als eine Räuberhöhle: Nachbarn sind gefährlich, und wir können uns ihrer nur erwehren, indem wir als Nation zusammenhalten, womit der eigene Staat aber auch schon vollauf beschäftigt ist, wie auch alle anderen, so daß wir, wenn wir nicht gerade bei den Räubern nebenan zu Gast sind, die Regierungsangelegenheiten getrost vergessen können.
Was hier also vorliegt, ist ein Beispiel für dynamische Verbündung: Bürger und Regierungen stehen alle an ihrem Platz, von welchem sie nicht wegkönnen und welcher sie zu ihren Pflichten zwingt.
Es ist aber nicht überall so, denn der amerikanische Volksinstinkt besteht darin, sich für Verfassungsunterschiede zu interessieren, um sie gegebenenfalls in die amerikanische Verfassung aufzunehmen. Der Grund hierfür besteht darin, daß die Amerikaner die Regierung der Vereinigten Staaten nicht als etwas der Notwendigkeit geschuldetes betrachten, sondern als eine Chance.
Um dies genauer zu verstehen, sei auf den vorigen Beitrag verwiesen: Verwaltungen fürchten sich vor und werden zugleich angeregt von jenen Verwaltungen, welche im Stande sind, sie als Hilfsverwaltungen zu prägen, so daß
- Erlebniskulturen Verfassungsanregungen von Repräsentationskulturen erhalten,
- Repräsentationskulturen Formgebungsanregungen von Willenskulturen und
- Willenskulturen Ermächtigungsanregungen von Erlebniskulturen,
Viel ist davon die Rede, daß sich Europa, um wettbewerbsfähig zu bleiben, vereinen müsse. Wenn das tatsächlich so wäre, so würde sich für die Europäer überhaupt nichts ändern: ihr Staat wäre größer geworden und sie hätten neue Nachbarn, aber ansonsten bliebe alles beim Alten.
Doch so ist es nicht: Tatsächlich begreifen nun auch die europäischen Regierungen das Regieren als Chance - das Dumme ist nur, daß es die europäischen Bürger nicht tun, und so führen die europäischen Regierungen nun Krieg gegen die ihren Plänen hinderlichen Bürger, und während die amerikanischen Bürger von dem Wunsch angetrieben werden, daß nirgends auf der Welt etwas besser verfaßt sein solle als in den Vereinigten Staaten, treiben die europäischen Regierungen nicht formgebende Anregungen in dem Wunsch, die besten Standards für ihre Bürger zu übernehmen, sondern sie versuchen vielmehr, ihren Körperschaften weltweite Macht zu verschaffen, indem sie die amerikanische Erlebniskultur in der korporalistischen (globalistischen) auflösen, welche sie auch weiterhin zu prägen gedenken: Nicht für ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, noch für eine wie auch immer geartete Vervollkommnung ihrer Regierung, sondern für die weltweite Herrschaft ihrer Rechtsschule sollen sich die Bürger Europas einspannen lassen.
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