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31. Januar 2016

Heiliges

Jede Kultur verfolgt ein Bild dessen, was sie selber gerne wäre, beziehungsweise in ihren besten Momenten ist.

Dieses Bild ist ihr Eigentum, ihr Stolz und ihr Zusammenhalt, indem es ihre Mitglieder zu Mitstreitern macht.

Den Griechen ging es um Lebensgestaltung, den Römern um Stabilität, den Juden um die Ehrung Gottes, dem Islam um Autonomie und dem Christentum um die Erwiderung Gottes Liebe.

Die Griechen sahen auf die Anlagen, und daß sie genutzt wurden, die Römer auf die Gesellschaft, und daß sie erhalten blieb, die Juden auf das Rechte, und daß ihm Folge geleistet wurde, die Muslime auf die Autoritäten, und daß sie erwiesen waren und die Christen auf die Güter, und daß sie veredelt wurden.

In gewisser Weise verhält sich der Islam dabei zum Judentum, wie Rom zu Griechenland, indem erstere gesellschaftliche Aspekte betonen und letztere persönliche. Konkret erwuchs aus der griechischen Schulung der Schutz von Schulen und aus der jüdischen moralischen Überzeugung der Schutz moralischer Überzeugungen, die griechisch-römische Schiene strebt die Harmonie von Exzellenz in Wahrheit an und die jüdisch-islamische die Größe von Macht in Wahrheit, um die vorigen Betrachtungen zu diesem Thema an dieser Stelle aufzufrischen.

Das Christentum wiederum lenkt die Harmonie der Exzellenz in Wahrheit der griechisch-römischen Schiene auf eine enger definierte moralische Bahn, wie sie zum ersten Mal meines Wissens bei Augustinus aufscheint. Wesentlich an dieser Wendung ist die Ersetzung des Profanen durch das Geistliche, also des Zweckes durch die Schönheit oder, klarstmöglich ausgedrückt, die Abstrahierung und teleologische Aufladung der menschlichen Geschichte. Und da ich an dieser Stelle sowieso schon Parallelen am Wickel habe, sei hiermit die Anmerkung beigebracht, daß sich die Freimaurerei als entsprechende Wendung der jüdisch-islamischen Schiene verstehen ließe.

Freilich, das Judentum ist historisch enger mit dem Christentum als mit dem Islam verbandelt, und dasselbe gilt von der Freimaurerei, aber das ändert die ideengeschichtliche Einordnung nicht und dieser Beitrag verfolgt keine technischen Absichten, so daß ich hierzu an dieser Stelle nicht mehr sagen werde.

Nein, das Thema dieses Beitrags ist die entsetzliche Leere, welche entsteht, wenn die Kultur verdunstet.

Ich fühle mich einsam, ich weiß, daß es mir nicht um die Bilder der höheren Entwicklungsstufen der genannten Schienen geht, jedenfalls nicht auf Perspektive, bei diesem Blog mag es sich um meine Erwiderung Gottes Liebe handeln, ebenso wie bei meinen übrigen Werken, aber für die Zukunft suche ich in den persönlichen Urzuständen Zuflucht, genauer gesagt in der Lebensgestaltung - keine moralisch blinde Lebensgestaltung, ihr Ziel ist im Schwarm auf göttlicher Bahn zu fliegen, die ihr zugehörigen moralischen Affekte sind indes Welten von den heutigen entfernt.

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30. Januar 2016

Erkenntnissprünge

Je weniger sich die herrschende Denkart entblödet,
desto mehr lehrt sie über notwendige Berichtigungen.

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Opposition you can believe in.

28. Januar 2016

Gottes Erbarmen

Wahrlich, ich sehne mich nach dem Wasser des Lebens,
nicht für mich selbst, sondern um den Dornen zu entkommen.
Es ist scheußlich zuzusehen, wie die Bedeutung im Nichts verschwindet
und die Anmaßung ins Grenzenlose steigt.

Wenig hülf' es mir, wenn ich noch einmal jünger wäre,
ich bin dazu geboren, mit jedem Jahr glücklicher zu werden,
ich wußte schon als Kind, daß das Leben eine Brücke ist,
auf welcher nur zu fürchten ist, daß man nicht hinüber gelange.

Aber was ist mit jenen, deren Herz nicht zu sagen weiß, was es befreit?
Welche stets von neuem beruhigt sind, aber nie befreit?
Im Gleichnis mögen sie wiedergeborene Tiere sein,
und im Alter werden sie entweiht.

Am Ende verdorrt und verkrümmt und unfähig, sich wieder neu zu gestalten:
Was wird ihr Geschlecht erhalten?

- Ringmantra des Vorrangs des Lebens

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26. Januar 2016

On the acquittal of Planned Parenthood

Planned Parenthood has been acquitted. Of course.

Body parts of aborted babies can be legally sold to research institutions.

The basis for that is a utilitarian understanding of ethics, which weighs grievances against alleviations, as opposed to a taboo understanding of ethics, which asks whether any man should be doing a specific act based on how it feels.

The latter claims that there never is a greater good than that which flows from man closely following his moral instincts. Damascius gives the earliest example of this beknown to me at the end of The death of Hypatia, where he suggests that the Roman Empire itself might fall over failing to answer an outrage committed by a bishop - a suggestion he then later turned into history.

Which one of the two ethical understandings a society adheres to is of course one of the most fundamental expressions of free will and free opinion and as such cannot be judged by any single entity, but must be the subject of social consensus, which might or might not require social discourse over the matter.

Arguably the utilitarian understanding of ethics relishes social discourse more than the taboo understanding of ethics does, but these are not absolute positions as the case in question, the selling of baby parts by Planned Parenthood, demonstrates.

So I shall not comment on the appropriateness of the use of baby parts in medical research.

Criticism of Planned Parenthood becomes substantial only on the reimbursement issue. Improper reimbursement can cause considerable problems, as the 6% of the seignorage reimbursement of the FED demonstrates in another field. But in contrast to the latter case, where improper reimbursement has led to unsavoury control over world-wide investment, Planned Parenthood's case is the usual You won't bite the hand that feeds you, or will you? as it is commonplace in the treatment of so called public servants. And yes, in case of the FED it really isn't the usual You won't bite the hand that feeds you, or will you?, it's a tactical alliance of predators, but that just as an aside.

In other words, Planned Parenthood is being motivated to be uncritical of research requests, pretty much in the same way that Swiss banks are being motivated to be uncritical of cash deposits. And this time both of them play the same role, namely that of the rubber hitting the road, they are the ones that transfer a scheme into reality, without Planned Parenthood no base material, without Swiss banks no reliability, because what good is wealth, if someone can take it away from you and worst of all legally?

So unless you're Tony Montana you'll gladly reimburse the legs that you're standing on generously. That way they learn to accept that they are your legs and you've got one worry less.

It's finding ones place in the food-chain, really. However, utilitarian ethics don't usually accept money as the measure of grievances and alleviations and therein lie many conflicts between the organic growth of economic dependencies and the planned greater good.

So what makes a system a system of corruption? Double standards? So that you can always choose the standard that is more convenient? Certainly a key ingredient, if of a very general nature. Regarding the marriage of capitalism and utilitarian ethics it's the understanding and willingness to shape incentives that makes the difference. It does appear that America has lost its way there over the course of the last two centuries, partially due to the readiness to be bought, but to a far greater extend, if you count the heads of its victims, due to the hubris of the idea that you can shape politically without having learned how to carve, a general disinterest in statics, an overly comfortable role as the consumer, who has everything made for him by other people.

Truth be spoken, it is wise that the American elites turn on the American citizens, because the sort of baby dictator that the American public was devolving into would have assuredly wrecked the planet. So in the face of adversity political awareness is being reborn.

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25. Januar 2016

Persönliche und gesellschaftliche Überzeugungen

Zeugen, abgeleitet von zeigen, mit der Bedeutung von sich zeigen.

Und Überzeugung?

Mehr als das, was einer von sich zeigt? Oder dasjenige, welches bestimmt, was einer von sich zeigt?

Das von sich Zeigen spielt bei Überzeugungen jedenfalls eine nicht unwesentliche Rolle, da wir dazu neigen, unsere Überzeugungen in geradezu lächerlichem Ausmaß zu verbergen, und so kann es dazu kommen, daß es uns selbst überrascht, wenn wir einmal eine unserer Überzeugungen als Grundlage einer konkreten Handlung in Erwägung ziehen.

Genau das ist es nämlich, wenn es uns wie Schuppen von den Augen fällt, wenn wir ob der Einfachheit der sich uns darstellenden Lage lachen müssen: Das überraschte Eingeständnis unserer Selbstdomestizierung.

Dem Kläffer, welcher an der Leine zerrt, bis sie reißt, und dann betreten bemerkt, daß er jetzt nicht mehr zurück kann, versperrt die eigene Überzeugung den Weg zur Tat, seine Handlungsweise entspringt einer gesellschaftlichen Überzeugung, welche im Laufe der Handlung mit seiner persönlichen Überzeugung kollidiert. Aber es gibt auch den umgekehrten Fall, wo das gesellschaftliche Hemmnis entfällt und die persönliche Überzeugung nach langem Dornröschenschlaf Handlungsraum gewinnt.

Was will ich? Mit wem verträgt sich das? Wem kann ich vertrauen? über diese drei Stufen tritt der Einzelwille in die Welt ein. Zivilisierung heißt, ihn auf der zweiten für die Gesellschaft urbar zu machen. Wenn dies aber mit nicht hinreichender Berücksichtigung der dritten Stufe geschieht, so befreit sich der Einzelwille wieder von der Gesellschaft, sobald er jene betritt, und alternative Verträglichkeitsformen werden zu Tage treten, welche den persönlichen Überzeugungen treuer sind.

Anders ausgedrückt sind Gesellschaftsordnungen mit den ihr innewohnenden Vorstellungen von Verträglichkeit präreflektierte Ansätze, sofern sie nicht auf dem Einverständnis mit einem glaubensstiftenden Weltverständnis beruhen, in welchem Falle es sich aber schon nicht mehr um eine Gesellschaft, sondern bereits um einen Orden handelt, weshalb realexistierende christliche Gesellschaften eben zusätzlich zum christlichen Kern eine große Menge präreflektiertes Gerümpel mit sich führen, dessen Glaubensprüfung immer wieder ansteht.

Die Injektion persönlicher Überzeugungen in die Gesellschaft findet also in Wellen statt, welche unterschiedlich tiefreichend, das heißt von unterschiedlicher Allgemeinheit im Hinblick auf die injizierten persönlichen Überzeugungen sind. Wir stehen am Anfang einer solchen Welle, aber die Tiefe der Umwandlung ängstigt uns zu Recht, denn in der Tat müssen wir noch viel erwägen, bevor wir der Transformation gewachsen sein werden, hier in diesem Strom, welcher unsere Welt ist.

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22. Januar 2016

Der Groschen fällt

Aus deutscher Sicht wahrscheinlich nicht nachvollziehbar empfinde ich seit Dienstagabend eine wohl wetterbedingte zärtliche Frische. Nun, es ist weiterhin um die -10°C kalt, und es ist weiterhin unangenehm, wenn mir Schnee auf die Zehen kommt, aber es tut nicht mehr weh, die Feindlichkeit, der Biß fehlt, das Eis läßt erahnen, daß es nur kaltes Wasser ist.

Alles schmiegt sich an, auch der Geist, leicht schlüpft er von einer Laune in die andere. Das Leben erscheint als ein Strom, und jeder Atemzug saugt seine Fülle ein.

Aber das ist nicht der Grund, aus welchem ich sein Quellen nicht missen möchte, was er mit sich führt ist reich, doch nur im Nu, ewig aber reicht sein Lauf über den hinaus.

Der Mensch, welcher mit aller Kraft und allem Glauben in aller Einsicht bei sich ist, hat für den Nu alles, was ein Mensch im Nu haben kann, aber schaffend isoliert er sich. Deshalb muß alles Schaffen flüchtig sein, damit der Mensch wieder in den Strom eintaucht, der aller Zeiten Weisheit in sich bündelt.

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19. Januar 2016

On towards the awareness of The rule of the rule

Man kann wohl sagen, daß es trivial ist, daß derjenige, welcher die Vergangenheit auslöschen möchte, einen neuen Menschen schaffen möchte.

Nur ist damit weniger gesagt als es scheint, da über die Generalität der Überholung nichts ausgesagt wird, und in der Tat überwiegt die Vorstellung, daß es die Aufgabe der Modernität wäre, uralte Versprechen einzulösen.

Oberflächlich besehen zeigt sich also nur die zugenommene Radikalität im fortgeschrittenen Lebensalter eines Glaubens.

Andererseits vermag kein Vorsatz die Zeit aufzuhalten, und durch diese Radikalität veränderte Strukturen bleiben unabhängig von der hinter ihr stehenden Intention verändert, oder anders gesagt, wer die Vergangenheit auslöscht, schafft einen neuen Menschen, unabhängig von aller Intention, das heißt:
Dieselbe Kraft, welche aufgewandt wird, um ein altes System zu erhalten, legt die Grundlage für ein neues.
und es gibt auch wiederum einen Baum, welcher sich so verhält, nämlich den Ginkgo, indem er im Alter geschmolzenem Wachs gleich gen Boden wächst.

Die Zeit stellt also die Forderung, und die Welt kommt ihr nach. Aber wie? Der vorige Überblick ist zwar sehr sicher, aber auch sehr vage.

Es stehen einmal mehr Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten an, und die Lage gestaltet sich jetzt schon recht außergewöhnlich, gelinde gesagt, mit Hillary Clinton und Bernie Sanders fast gleichauf und Donald Trump und Ted Cruz bei den Republikanern vorn, zweifellos selbst eine Folge der Auslöschung der Vergangenheit.

Das Stimmungsbild ist grundsätzlich von Mut gekennzeichnet, zum Teil dem der Verzweiflung, zum Teil einem überheblichen, aber all diese, und es gibt ihrer sehr viele, wollen es wissen, suchen keinen Beschützer und auch keinen Erlöser, sondern einen Reformator, und selbst Hillary Clinton scheint das zu wissen und versucht, sich als die beste Wahl für diesen Posten ins Gespräch zu bringen, wobei ihr größtes Problem wohl ihre Glaubwürdigkeit sein dürfte, denn die Emotionen, welche den Mut geben (Verzweiflung und Langeweile in der Hauptsache, freilich ein unreines Bündnis) teilt sie nicht.

Vor acht Jahren dominierte die Selbstdistanzierung, eine Mischung aus Betretenheit und Arglosigkeit, und acht Jahre davor war es die Selbstgefälligkeit, also eine erträgliche Form der Langeweile, und Bush und Obama verkörpern diese beiden Stimmungsbilder auch recht gut, wobei es bei einer solchen Betrachtung nicht auf die Substanz, sondern nur auf die scheinbare Kongruenz der Verkörperung ankommt.

Trump vs. Sanders wäre jedenfalls ein episches Duell, eine vordergründig isolationistische Wahl zwischen American und European Way of Life.

Aber kommt es darauf an? Wahrscheinlich nicht. Beide können leicht kooptiert und somit zu Symbolen der Entfremdung werden, ihr Einverständnis ist dafür nicht erforderlich, ja, noch nicht einmal ihr Wissen. Und muß nicht einer solchen Wahl, gleich wie sie ausgeht, eine Ausgleichbewegung auf dem Fuß folgen? Ich würde meinen, der Manipulierbarkeit stehen Tür und Tor offen: Ein wesentliches Problem der repräsentativen Demokratie besteht darin, daß an die Repräsentanten unvernünftige Maßstäbe angelegt werden können, welche diese ihrerseits zu unvernünftigen Taten verleiten, wenn nicht gar zwingen können.

Hätte Amerika mal Mike Gravel gewählt, vor acht Jahren. Freilich, aus den gerade besprochenen Gründen ein Ding der Unmöglichkeit. Aber gleichzeitig holt die amerikanische Öffentlichkeit auf, es ist doch beachtlich, welche Strecke sie in den letzten 16 Jahren zurückgelegt hat, noch kommt sie jedes Mal zu spät, aber beim nächsten Mal müßte es ihr extrapolativ betrachtet klar sein, daß es um nicht weniger als die Regeln geht, durch welche sich die Gesellschaft regiert.

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18. Januar 2016

Die Grenzen der Großzügigkeit


Freier Zugang zum Müll ist Vielen mehr wert als gönnerhafte Bevormundung.

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16. Januar 2016

Das politische Einmaleins des kleinen Mannes

Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, braucht der kleine Mann nur zwei Phrasen, um jeden argumentativen Angriff auf die Partei seiner Wahl abzuwehren, nämlich
  1. Dafür haben die schon Pläne in der Schublade. und
  2. Was weißt du, was da hinter den Kulissen gespielt wird!
Zum Beispiel, wenn Ihr Taxifahrer Sie und Ihren Freund auf einen Bahnübergang fährt und dann dort anhält und Ihr Freund unruhig wird, dann sagen Sie: Dafür hat er bestimmt schon einen Plan in der Schublade, das Taxi ist bestimmt mit einem Phasenmodulator ausgerüstet, und jetzt will er uns nur mal zeigen, wie aufregend das ist, wenn der Zug gleich durch uns wie durch den Herrscher von Megara hindurchrauscht!

Oder, anderes Beispiel, Ihr Bürgermeister verkündet, alle Männer über 30 Jahren in ein Arbeitslager stecken zu wollen und Ihr Kumpel fragt Sie, ob sie sich nicht besser verdrücken sollten, dann entgegnen Sie mit: Was weißt du, was da hinter den Kulissen gespielt wird!

Auf diese Weise also entwickelt und verbreitet der kleine Mann ein Vertrauen auf die Regierung, welches schließlich dazu führt, daß die Öffentlichkeit auch noch die drastischsten Manöver derselben mitträgt.

Ich kam drauf, als ich mir gestern abend Indiana Jones und der letzte Kreuzzug ansah. Da gibt es diese Szene, wo Indiana, nachdem er sich von Hitler das Notizbuch seines Vaters hat signieren lassen, an Bord eines Zeppelins geht, wo ihn alsbald ein SS-Mann sucht, wogegen er sich wehrt, indem er sich die Uniform eines Stewards anzieht und dem SS-Mann eins auf die Glocke gibt und ihn aus dem Zeppelin wirft, was die anwesende Runde zunächst zwar empört, sie sich dann aber, nota bene, wieder beruhigt, nachdem Indiana ihr erklärt, daß der SS-Mann keinen Fahrschein besässen hätte, und sich dann sogar beeilt, ihre eigenen Fahrscheine vorzuzeigen.

Eine gut erzogene Gesellschaft, die deutsche. Zum Fürchten gut.

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15. Januar 2016

The black sleep of the Kali Ma

Vor gut 15 Jahren in Kronshagen, am Einkaufszentrum vor der Unterführung nach Suchsdorf, an einem Sommertag, ich hielt, um etwas zu trinken oder einen Platten zu flicken, oben über der Böschung zur Straße, mein Gott!, wie erschien mir die Welt da und wie erscheint sie mir heute?

Hochmütige Grobheit wich grimmigem Hochmut.

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13. Januar 2016

Ganz oben

Wie Sie vielleicht wissen, trage ich einen ziemlich langen Vollbart, so in der Art von ZZ Top.



Und während die Reaktionen der einheimischen estnischen Bevölkerung darauf sehr auseinandergehen, haben die hiesigen Muslime, von welchen es freilich nicht viele gibt, ich würde jene, welche ich getroffen habe, im Jemen und in Usbekistan verorten, bisher stets auf dieselbe Weise reagiert, nämlich mit Starre und Entsetzen.

Insbesondere zwei kleine Jungen, welche wohl aus Usbekistan oder Aserbaidschan stammten, welche zunächst, nachdem sie den ersten Schock als sie mich sahen überwunden hatten, erst einmal reißausnahmen, um dann, nachdem sie mich eine Weile aus sicherer Ferne ausgespäht hatten, mit aufgesetzter Lässigkeit zurückzukehren, haben meinen Eindruck verfestigt, daß Männer mit langen Bärten, welche Muslime an den falschen Orten bei der falschen Beschäftigung erwischen, von letzteren gefürchtet werden müssen.

Freilich, in Deutschland habe ich ganz andere Erfahrungen mit Muslimen gemacht. Da habe ich Sonderangebote erhalten und kleine Kinder haben sich zu mir geflüchtet.

Nun, was letzteres angeht, das dürfen kleine Kinder auch. Nur... welche Schlüsse muß man ziehen?

Übrigens, sogar einheimische Deutsche spielen mit. Die Frau am Personalausweisschalter hat mir quasi Tipps zur Vereinbarkeit mehrerer Eheschließungen in verschiedenen Ländern gegeben.

Es ist völlig unbeabsichtigt, aber ich fühle mich ein bißchen wie Günter Wallraff in Ganz unten, nur halt Ganz oben.

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11. Januar 2016

Höhere und niedere Natur des Menschen

Meine Darstellung der menschlichen Charaktere ist unvollständig, sie erfaßt nur einen einzigen Aspekt, nämlich durch welchen Seelenteil der Wille eines Menschen dominiert wird. Natürlich gibt es daneben noch unzählige andere Aspekte, welche den Willen eines Menschen ausmachen und welche der Wahrscheinlichkeit nach ebenso wie die Dominanz eines Seelenteils über den Willen väterlicherseits vererbt werden. Um eine detaillierte Darstellung dieser Aspekte kann es mir aber nicht gehen, dazu sind ihre Ausformungen einerseits zu vielgestaltig, so daß ich den Bereich ihrer Variation noch nicht einmal vollständig zu Gesicht bekommen könnte, und andererseits ist eine solche Darstellung wenig dazu geeignet, den menschlichen Geist zu erheben: Die Reflexion des Instinktes kann denselben nicht verbessern. Aber das Wesen des Unterschieds zwischen den instinktiven Aspekten und dem seelischen Aspekt des Charakters sollte ich schon herausarbeiten, da andernfalls der Eindruck entstehen könnte, daß erstere letzteren widerlegten.

Der Mensch, wie er einem entgegentritt, offenbart zum einen Bereitschaft, sich auf einen einzulassen, und zum anderen suggeriert er, wie er tickt.

Damit wären seine höhere und niedere Natur in knappester Form angerissen. Umreißen wir sie nun auch noch.

Alles Einlassen beruht auf Interesse und letztlich der Liebe, welche es freilegt. Sein Prinzip ist also die Selbstbewertung der eigenen Existenz, daß sie sich selbst als prinzipiell veränderlich ansieht, wobei sie sich eben als vorrangig Lust, Achtung oder Sorge versteht. Das ist die höhere Natur: Die Wahl des eigenen Seins nach dem Maßstab eines bestimmten Seelenteils.

Die niedere Natur des Menschen besteht hingegen aus den Zugfolgen, welchen folgend wir einverständlich mit anderen zusammenwirken, also den Bausteinen, auf derem Fundament soziale Gefüge entstehen.

Selbstverständlich liegen auch und gerade in der niederen Natur der Menschen Hinderungsgründe für ihr friedliches Zusammenleben, wobei allerdings der Grad, zu welchem ein Mensch durch dieselbe im Vergleich zu seiner höheren bestimmt wird, eine wichtige Rolle spielt, denn je niedriger dieser ist, mit desto geringeren Instinktschnittmengen kommt er aus.

Allerdings wird ein solcher, vorrangig durch seine höhere Natur Bestimmter, selbst bei gänzlich identischen Instinkten diesen nur nachlässig folgen und entsprechend wenig am sozialen Gefüge teilhaben.

Die faktische Seite dieses Umstandes ist nicht sonderlich problematisch. Sie bedingt halt nur, daß bestimmte Menschen bestimmte Wege gehen werden, und sie es, wenn sie klug sind, sehenden Auges tun sollten, womit ich sie freilich nicht alle ins Kloster schicken möchte.

Problematisch ist allerdings die politische Seite dieses Umstands, also seine öffentliche Reflexion, Zuweisung und auf diesen beruhende Behandlung, denn er besitzt zugleich ein hohes Prestige und wenig gesellschaftlichen Raum, dem Prinzip folgend, daß Hierarchien nun einmal pyramidal sind, worin natürlich ein handfester Widerspruch besteht, also in dem Versuch, eine Hierarchie außerhalb der instinktiven Zugfolgen zu begründen, welche menschliche Hierarchien begründen.

Es gibt wahrscheinlich nicht einen Professor, welcher nicht genau wüßte, worin er sich täglich zeigt.

Abhilfe in dieser Angelegenheit verschaffen seit Alters her Unauffälligkeit und aufrichtige, der Einsicht in die gemeinsame Lage geschuldete, Freundlichkeit.

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9. Januar 2016

Marodeur

Jemand, der in Erwartung des Zusammenbruchs einer Friedensordnung mitgehen läßt, was er sich unter den Nagel reißen kann.

Untertypen.
  1. Selbständiger Marodeur: bereichert sich als Außenstehender am Zerfall anderer Staaten, Beispiel Angelsachsen.
  2. Angegliederter Marodeur: irreguläre Truppen, welche den Gegner vor dem eigentlichen Krieg schwächen, Beispiel karibische Piraten.
Ob und wem ein Marodeur angegliedert ist, läßt sich daran erkennen, wer seine Operationen ermöglicht.

Nicht immer führt letztere Frage auf eine eindeutige Antwort, in welchem Falle aber eine gemeinsame Schwächungsabsicht aller, welche die fraglichen Operationen ermöglichen, angenommen werden darf, wobei es freilich sein kann, daß es einer Partei nur um Provokation geht.

Korollar. Die deutsche Regierung bereitet einen Krieg gegen die deutschen Bürger vor, indem sie diese wenigstens vordergründig schwächt, eventuell nur zum Zwecke der Provokation.

Antworten.
  1. Harte Antwort: direkte Aktion gegen die deutsche Regierung.
  2. Weiche Antwort: Emanzipation von der deutschen Regierung.
Aussichten. Der potentielle Gewinn der ersten Variante, eine öffentliche Neuausrichtung Deutschlands, kann so lange nicht aktualisiert werden, wie die Ausnutzung der dazu nötigen Schwächung seiner Strukturen von potentiellen Profiteuren ihrer Schwäche aktualisiert werden wird. Allerdings mag sie anderen Gewinn abwerfen, nicht von der Art der Beseitigung der deutschen Regierung, sondern von der Art ihrer Beeinflussung, denn selbstverständlich vollzieht sich die zweite Variante unter den derzeitigen Gegebenheiten unter anhaltenden Verlusten, um deren insgesamte Minimierung es ihr auch nur gehen kann.

Obwohl dies noch nicht Konsens ist, ist doch die Notwendigkeit der Mobilisierung der deutschen Bürger evident, und die Frage ist weniger, welches Programm zu diesem Zwecke zu wählen sei, denn die Programmatik ergibt sich von alleine aus den Überzeugungen der Bürger und den Umständen, auf welche sie stoßen, als vielmehr, wie die inneren Notwendigkeiten der Mobilisierung mit ihrer äußeren Notwendigkeit zu synchronisieren ist.

Die Aufgabe dabei besteht darin, Übersicht und Handlungsfähigkeit zu notwendigen und allgemein menschlich nachvollziehbaren Handlungen herzustellen, was alles andere als eine kleine Aufgabe ist, da wir in einer Zeit leben, in welcher die Hauptbemühungen der Herrschenden darin bestehen, Notwendigkeit allgemein menschlich unnachvollziehbar zu machen.

Allerdings entspringt aus dem Marodieren der Großen und der Kleinen selbst das Scheitern dieses Bemühens.

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8. Januar 2016

Im Gefrierfach

Es wieder einmal so weit, daß man seine Pizzas draußen 'rumliegen lassen kann. Bis auf -26°C ist das Thermometer heute gefallen.




Post Scriptum vom folgenden Tage. Gestern abend sah ich hier bei -25°C zum ersten Mal Lichtsäulen. Also keine Sonnenkerze

und auch keine Sonnensäule

- die hatte ich beide schon in vorigen Jahren gesehen - sondern das hier,





wobei es hier nicht ganz so spektakulär war, sondern eher wie auf diesem Bild aussah.


Sogar bei entgegenkommenden Autos, so sie von der anderen Seite einen Hügel hinauffuhren, konnte man den Effekt sehen. Schon toll.

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4. Januar 2016

Von Schöpfern und Erhaltern

Jedes große Werk braucht Hierarchie, und Hierarchie nährt sich von sozialer Anpassung, und soziale Anpassung wiederum beruht auf dem Wunsch nach sozialer Bestätigung, wie er die Erwartenden kennzeichnet.

Die Anpassung hierbei gilt einem Ideal, und ein Ideal ist ein inneres oder ein äußeres Licht, es ordnet die Haltung des Einzelnen oder das Verhalten der Gruppe, indem es Liebens- oder Ehrenswertheit Ausdruck gibt.

Für beides aber braucht der sich Anpassende Geleit, Anteilnahme am Gemüt des Gestimmten, welcher da liebt, oder Unterhaltung der Natur des Erregten, welcher da ehrt, auf daß er auf Gottes Gegenwart achte und zu einem großen Werk als Schöpfer oder Erhalter beitrage.

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2. Januar 2016

Die alterslose Dame

Ich muß schon sagen, es stellt eine spezielle Art der Grausamkeit dar, daß die Zeitung in Frankfurt die ersten Seiten ihrer Ahnherrin von vor 100 Jahren einscannt und als PDF-Dateien neuerlich der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Man könnte glauben, die Redaktion ist seit damals nicht ausgewechselt worden.

Anläßlich des dritten Kriegsjahres schwadroniert sie vom intellektuellen Fortschritt der Objektivierung des Krieges, also daß die deutsche Öffentlichkeit begonnen hätte, sich von der Vorstellung einer Verschwörung der Entente gegen sich zu lösen und sich damit allmählich der Einsicht zu nähern, daß der Krieg vielmehr der notwendige Preis dafür sei, daß die Deutschen nicht mehr, wie noch zu Bismarcks Zeiten, in die Vereinigten Staaten auswandern müßten, um ihr Glück zu suchen, sondern zu Hause die kulturelle Rolle, welche einer Nation wie Deutschland zufalle, ausfüllen könnten.

Damals wie heute stellt die Redaktion Deutschlands Abhängigkeit vom Export in den Mittelpunkt, als einer ressourcenarmen Nation von Verarbeitern im Dienste fremder Märkte, und damals wie heute schreibt sie die Möglichkeit des Erfolgs der deutschen Exportwirtschaft der rechten Gesinnung der deutschen Regierung zu, und zwar im speziellen damals wie heute der Abkehr von Provinzialität, das heißt Verantwortungsübernahme für die heimischen Verhältnisse, und Rußland, das heißt militärischer Unantastbarkeit.

Selbst wenn Kaiser Wilhelm der Elephant im Porzelanladen gewesen sein sollte, als welcher er weltweit wahrgenommen wurde, so hätte doch die Verzehnfachung des deutschen Exportgeschäfts nur an seinem entschiedenen Griff nach der nördlichen Hälfte Papua-Neuguineas und seiner verläßlichen Rolle an der Seite des Osmanischen Reichs gelegen.

Ob der Sultan wohl einen Boykott gegen die deutsche Wirtschaft verhängt hätte, wenn ihm der Kaiser nicht ins Ohr gesäuselt hätte, daß er ihn gegen die bösen Russen, Engländer und Franzosen beschützt?

Ich erinnere mich daran gelesen zu haben, daß der Handel mit der Asche amerikanischer Bäume einbrach, nachdem die deutschen Kalibergwerke eröffnet wurden. Es scheint also keine Strafzölle gegen letztere auf dem Gebiet des Britischen Weltreichs gegeben zu haben.

Und wem verdankte sich das? Der deutschen Politik? Oder dem Interesse der Engländer an billigem Kalium?

Man tut wohl nicht schlecht daran, gewisse geistige Erzeugnisse auszuspeien.

Immerhin, die Inkonsequenz der deutschen Bündnispolitik taucht auch bei den Frankfurtern am Rande auf. Warum kein engeres Bündnis mit England? Das wäre vielleicht keine so schlechte Idee gewesen, ist die Suggestion.

Nun ja, konkret wäre es darauf hinausgelaufen, daß die Deutschen Istanbul für England gegen die Russen verteidigt hätten. Und da war unser Kaiser halt so neunmalklug Istanbul lieber für das Deutsche Reich gegen die Russen zu verteidigen. Ein Angriff Rußlands auf Istanbul wäre wohl ein historischer Fehler, aber in erster Linie ein türkisches, dann ein russisches und danach ein englisch-französisches Problem gewesen. Die Welt ist gut zu Arschlöchern, welche sich nur um ihre eigenen Probleme kümmern - und schlecht zu Leuten, welche glauben, daß sie für ihr eigenes anständiges Verhalten von anderen, welche ihre Vorstellungen von Anstand nicht teilen, ordentlich entlohnt werden.

Selbstverständlich stand der Kaiser als Kaiser auf der Abschußliste der westlichen Demokratien und war nur so lange gelitten, wie er ihnen nutzte.

Ach... ich will all dem, was damals anklang und heute anklingt, Regierungslobhudelei, Bedeutungsgeschwafel, inopportune außenpolitische Ratschläge mit dem Hintergedanken der Absetzung der Eingeseiften, nicht weiter nachgehen. Es genügt zu sehen, was seit 100 Jahren steht und nicht vergeht. Lebt sie überhaupt, die Zeitung in Frankfurt, oder ist sie nur Programm?

Vielleicht muß man der roten Angela am Ende sogar dankbar dafür sein, daß sie all diese Tendenzen derart grotesk übersteigert hat.

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