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29. März 2013

Ein Lied zum Karfreitag

Ich habe mich gelangweilt heute in der Kirche, die Predigt konnte ich nicht verfolgen und die Lieder waren auch nicht so, bis ich dann am Ende doch noch inbrünstig mitsingen konnte als O Haupt voll Blut und Wunden kam.



Aber das konnte ich ja zwischenzeitlich nicht ahnen, da stand nur Nummer 91. Also habe ich die Zeit genutzt, um selbst ein Lied zum Karfreitag zu komponieren. Man bedenke bitte die Entstehungsumstände und sehe mir die Schlichtheit nach.


Und wenn Sie das Bild anklicken, können Sie auch was erkennen.

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27. März 2013

Eine Revision der Begrifflichkeit der menschlichen Hauptklassen

Beginnen wir mit den geistigen Horizonten. In ihnen zeigen sich Lust, Achtung und Sorge als Interessierte.

An was interessiert?

Die Lust am Körper, die Achtung an der Person, das heißt der Haltung eines Menschen, oder der Philosophie, das heißt der Begrifflichkeit eines Menschen, und die Sorge am Glauben, Glaube wiederum in seinem vollen Sinne, als die Richtung, in welche wir unser Leben entwickeln.

Entsprechend kann man Menschen dann ihrem geistigen Horizont gemäß körperlich, persönlich, philosophisch oder gläubig nennen, aber besser nur, wenn der Zusammenhang klar ist, und genauer wäre freilich auch am Körper, der Person, der Philosophie oder dem Glauben interessiert.

Um an dieser Stelle nicht zu viel vorauszusetzen, sei kurz wiederholt, daß die Begrifflichkeit eines Menschen ein Teil seiner Haltung im weiteren Sinne ist, wobei Haltung aber, wenn sie als Alternative der Begrifflichkeit erscheint, diesen Bereich nicht mitenthält. Haltung und Stimmung bilden ein Paar, in welchem sich die Sorge über die Entscheidungen des Ichs, oder auch der Achtung, ausdrückt; ein Zusammenhang, welcher auch als Gewissen bezeichnet wird.

Wenden wir uns nun den Geistern der Menschen zu, in welchen Lust, Achtung und Sorge als Antriebe fungieren.

Worin zeigt sich diese Angetriebenheit?

Im Falle der Sorge habe ich es gerade beantwortet: In der Gestimmtheit.

Und worin zeigt sich der Antrieb durch die Achtung?

In einer Aufmerksamkeit auf etwas, in einer Erwartung. Freilich werden verschiedene Dinge erwartet, von Anderen erwarten, gemäß meiner ursprüngliche diesbezüglichen Begrifflichkeit, Achtende indes Leistung und Versuchende Umgang.

Und im Falle der Lust zeigt sich die Angetriebenheit als Erregtheit.

Ringende, Suchende, Versuchende und Achtende können also auch als erregt, gestimmt, umgangs- und leistungserwartend beschrieben werden. Diese Bezeichnungsweise hat den Vorteil, daß sie für die genauere Unterteilung der Achtenden offen ist und die Versuchenden diesbezüglich an der richtigen Stelle führt. Die beiden verbleibenden Arten Achtender erwarten übrigens von anderen Einfügung (Finnen) und Perspektiven (Chinesen, Japaner etc.)

Verbleibt noch die Verwendung der eigenen Kraft auf die Haltung oder die Begrifflichkeit im Rahmen des eigenen Antriebs und Interesses, soweit der Antrieb es zuläßt - die Lust tut es offensichtlich nicht. Statt von heroisch und philosophisch kann man auch von engagiert und reflektiert sprechen, um der Überschneidung mit dem geistigen Horizont aus dem Weg zu gehen.

Es ergeben sich also Bestimmungen wie: gestimmt, körperlich und engagiert oder auch umgangserwartend, gläubig und engagiert oder meinetwegen auch gestimmt, gläubig und reflektiert. Darunter kann man sich vielleicht etwas vorstellen.

Und weil es sich an dieser Stelle anbietet: Was jene, welche Umgang oder Leistung, von jenen, welche Einfügung oder Perspektiven erwarten, unterscheidet, ist, daß erstere direkt auf den Menschen sehen, und letztere auf seine Werke.

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26. März 2013

Kommunismus und Protestantismus

Da ich gestern drauf gestoßen wurde und die Sache zwar nur von mäßigem intellektuellen Interesse ist, dafür aber von erheblicher praktischer Relevanz, möchte ich sie heute noch einmal explizit behandeln.

Das Charakteristikum des Protestantismusses ist die Entkörperung des Heiligen, und folglich nimmt es wenig Wunder, daß die grundlegende protestantische Sehnsucht in der Wiederverkörperung des Heiligen besteht. Da es ihm im Kern um die Verwerfung einer als unzugehörig empfundenen, zentral organisierten Kirche ging, nimmt es wenig Wunder, daß er diese Wiederverkörperung im kommunalen Rahmen sucht.

Ich schrieb im bereits zuletzt verlinkten Beitrag Touristen von der Heimat des Protestanten in Hinterhorizontanien und der Chance, daß das Internet den Menschen einen endgültigen Horizont gibt, hinter welchem sie Hinterhorizontanien nicht mehr vermuten können, mithin von einem äußeren Ereignis, welches die Konkretisierung des protestantischen Glaubens erzwingen könnte.

Sehen wir mal. Das Resultat wird nur gemeindezentriert sein können, wie es auch in den früheren Konkretisierungen gemeindezentriert war, wie etwa eben bei den Amischen. Und wenn Karl Marx auch einen Stammbaum hatte, welcher jeden Rabbiner mit Stolz erfüllen würde, so ist es offensichtlich der protestantische Geist seiner Zeit gewesen, welcher den Stoff für die Bewegung der Geschichte auf den Kommunismus hin geliefert hat.

Vor diesem Hintergrund stellt sich dann allerdings schon die Frage, wie es dazu kommen konnte, daß es ausgerechnet Rußland erwischt hat. Nun, ich denke, daß es letztlich daran liegt, daß Rußland nie nationalistisch war, im Sinne Smetana's, es keine Phase gab, in welcher die Stärke des Slawentums beschworen wurde, und in Ermangelung einer solchen inneren Ausprägungssuche war das russische Volk auch weiterhin für westliche Einflüsse offen, wobei ich ehrlich gesagt Eklektizismus als einen wesenhaften Zug an ihm sehe und die innere Ausprägungssuche also als noch wesensfremder als aufgenommene fremde Einflüsse. Dahinter steht wahrscheinlich der hochdruckgebietsbestimmte Winter und das Gefühl der Herrschaft, welches er vermittelt, eine innere Ruhe, welche es nur noch auszuschmücken gilt.

Es ist also bei den Russen keinesfalls von einer damals vorhandenen Sehnsucht nach dem Kommunismus auszugehen, sondern allenfalls von einem späteren Gefallen an bestimmen Elementen des Sozialismusses.

Andererseits schließt sie das natürlich von nichts aus, wie ich schon an anderer Stelle sagte: Die Russen sind systemisch orientiert, nicht pragmatisch, sich zu organisieren bereitet ihnen, aufgrund des hohen Anteils Versuchender an ihnen, als solches schon Freude.

Nun gut, damit wäre dieser Punkt erschöpfend behandelt. Was bleibt? Wahrscheinlich die andere Seite der Frage nach der Universalität des Kommunismusses.

Halten wir dazu noch einmal fest: Kommunismus ist ein Ausgleich zwischen persönlicher Handlungsfreiheit und gemeinschaftlicher gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme, dessen Notwendigkeit für die Protestanten aus der Verbannung der Kirche aus letzterem Bereich entstand. Es ist also nicht davon auszugehen, daß ein Land kommunistisch wird, in welchem der letztere Bereich nicht verwaist ist, es sei denn, dieses Land wäre in seinen sozialen Strukturen hochgradig dynamisch, wie es Rußland eben ist, oder es würde dazu gezwungen, was etwa den Chinesen passieren könnte.

Wenn man es strenger betrachtet, ist es sogar so, daß nur der christliche Anspruch verhindert, daß sich ad hoc Strukturen entwickeln, welche eine hinreichende gemeinschaftliche gesellschaftliche Verantwortungsübernahme gewährleisten würden. Würde dieser Anspruch also aufgegeben, und übernähmen etwa mafiöse Strukturen unter öffentlichem Zuspruch diese Funktion, so könnte man den Kommunismus an dem entsprechenden Ort vergessen.

Mit anderen Worten, aufgrund der eingangs geschilderten Wirkung des Internets mag Kommunismus heute in viel größerem Umfang als bei den Amischen möglich werden, aber von einer Weltbewegung ist er meilenweit entfernt. Es ist schon ein sehr spezifisches Profil, auf welches er zugeschnitten ist, wobei die entscheidende Frage lautet, ob eine Gesellschaft denkt, daß sie gewisse Aufgaben besser bestimmten Autoritäten überlassen sollte oder nicht. Nun, im europäischen Rahmen ist das die entscheidende Frage. Ansonsten müßte man auch noch fragen, ob überhaupt gesellschaftliche Aspirationen vorhanden sind und wenn ja, wie viele sie eifrig sabotieren würden; Punkte welche sogar in Kin-Dza-Dza! aufgeworfen wurden.

Die politische Lage da draußen in der wirklichen Welt ist tragikomisch. Die Menschen negieren ihre Verschiedenheit, nur um sich der Möglichkeit zu begeben, Verhaltensweisen zu finden, um mit einander auszukommen. Ich kann nicht sagen, wie sehr ich Sigmund Freud dafür verachte, daß er der Menschheit den Floh ins Ohr gesetzt hat, daß man alle Kinder nur früh genug einsammeln müsse, um zu erreichen, daß sie später alle gleich sein werden, wobei er teuflischerweise auch noch die antiken Charaktere verwendet hat. Gewiß, seit der Antike plagen die Menschheit die Probleme mit der oralen und der analen Phase, weshalb es also lust- und achtungsbetonte Menschen gibt. Agatha Christie hat den Blödsinn freilich durchschaut, aber zu viele durchschauen ihn nicht.

Am Ende, wenn sie sehen, daß sie doch verschieden sind, werden sie glauben, sie müßten alle Andersartigen töten. Ungeheuerlich! Man erzieht sich geistige Analphabeten und erhofft sich das Paradies von ihnen. Aber gut, so weit wird es natürlich nicht kommen, das ist nur das, was sie Zukunft nennen, das, vor wem man keine Angst haben sollte. Nun, die habe ich auch nicht, ungeheuerlich ist es trotzdem.

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25. März 2013

Mögliche Auswirkungen der Schwäche der Europäischen Union

Im vorigen Beitrag bin ich zu dem Schluß gekommen, daß die Europäische Union schwach ist, aufgrund der schieren Eingeschüchtertheit ihrer Hofschranzen und der zunehmenden Verstricktheit ihrer Hinterzimmerstrategen. Freilich, so machem Land unter der Führung eines starken Mannes erging es nicht anders, doch erstens erweisen sich starke Männer im Nachhinein regelmäßig als schwächer als sie schienen, und sei es nur aus Gründen der Kontinuität, und zweitens waren es einzelne Männer, welche sich im Rahmen des Üblichen frei entscheiden konnten, wohingegen die EU sich nicht einiger sein kann, als es Deutschland, Frankreich und Italien sind.

Es stellt sich also die Frage nach den möglichen Folgen dessen.

Nun, natürlich kann man auch eine Reform erwägen, welche sie stärkte, aber ich halte eine solche Reform für ausgeschlossen, weil sie von den zuvor beschriebenen Akteuren ausgehen müßte. Wollte man da vorankommen, müßte man zu Säuberungen sowjetischen Stils greifen, und zwar zu weit über Brüssel und Straßburg hinausgehenden: Alle Pfeiler nationaler Interessen und aus ihnen hervorgegangener Instiutionen (und dazu gehören die der EU) müßten ausgerissen werden. Im Hinblick auf national organisierte Wirtschaftsinteressen scheint mir das aber nur im Rahmen des Übergangs zur Planwirtschaft möglich.

Die EU wird sich also nicht zu einer regierungsfähigeren Organisation wandeln, und ganz allgemein hat noch nie ein Staat in der Geschichte der Menschheit seine ursprünglich eingeschlagene Richtung geändert, was jene Ideologien, welche ab einem bestimmten Punkt eine Kehrtwende versprechen, besonders verwerflich macht: Im Kleinen ist bereits das Große enthalten, was, richtig verstanden, ein ungeheurer Ansporn ist.

(Übrigens, wer dabei an China denkt, übersieht, daß Chinas regierende Partei auch weiterhin nach eigenem Gutdünken Experimente mit der eigenen Bevölkerung anstellt. Die Tradition ist ungebrochen, und wer weiß, was auf die Chinesen wartet, wenn sich der jetzige Kurs als destabilisierend herausstellen sollte.

Und vielleicht noch zu einem zweiten Einwand, daß dialektisches Denken im Sinne Marx' nicht unbedingt in diese Kategorie fällt. Nun, das tut es nur dann nicht, wenn der Denkende das gewaltsame Ende der jeweiligen Staatsform mitdenkt, einschließlich des Sozialismusses, durch dessen gewaltsames Ende einzig der Kommunismus entstehen kann.)

Diese letzte Bemerkung liefert natürlich auch, wenn man sie überträgt, eine Antwort darauf, wie sich die Schwäche der EU auswirken könnte, nämlich in einem durch sie selbst geschürten Partikularismus. Das wäre allerdings ein Rückfall, wohingegen Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus tatsächlich, wie mir gerade aufgeht, in einem Verhältnis von These, Antithese und Synthese zu einander stehen. Ja, ich glaube sogar, daß sich dieser Prozeß auch in irgendeiner Form vollenden wird, jedenfalls hat er sich in meinem Denken vollendet, als Ausgleich zwischen persönlicher Handlungsfreiheit und gemeinschaftlicher gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme. Aber das ist irgendwo auch Teil der Schwierigkeiten unserer Zeit, ich habe mich schon früher einen Kommunisten genannt, ebenso wie auch die Mennonitengemeinden Amerikas, aber heute reden entsprechend orientierte Leute lieber von Kommunitarismus.

Das ist alles so halb, halb. Diese Leute sollten sich mal einen Moment lang an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob sie wohl so halb, halb irgendwo hinkommen, ja gar eine neue Epoche einläuten können. Gerade weil das Große bereits im Kleinen enthalten ist, ist die geistige Aufgeladen- und Zugerüstetheit im Anfang unentbehrlich. Und ebenso bringt ein halber Sozialismus à la EU den dialektischen Prozeß nicht voran, sondern sorgt nur dafür, daß man zur These zurückkehrt.

Dazu muß ich auch wieder zwei Dinge sagen, auch wenn dieser Beitrag also sehr ausschweifend wird. Ich denke, daß auch die Menschen, welche nicht im realexistierenden Sozialismus gelebt haben, die sozialistische Antithese zur kapitalistischen These durchaus verstanden haben. Es tut also nicht Not, sie mit ihr intellektuell vertraut zu machen. Und wenn die kommunistische Synthese in den Köpfen ist, dann kann sie auch aus einer anderen Revolution als der gegen den Sozialismus heraus verwirklicht werden, wobei die Massenwirkung allerdings fraglich ist, aber das ist vielleicht auch zu viel gewollt, und es mag letzten Endes besser sein, wenn sich verschiedene Alternativen zunächst einmal im Kleinen bewähren müssen.

Zum anderen bin ich seit Obamas legendärer Warning of a tyrannical all out assault on liberty - not because that's true Ansprache (Es gibt Leute, die sagen, ich wolle nur Klassensprecher werden, um Linda zu beeindrucken - nicht weil das wahr ist, sondern weil sie immer schmutzige Dinge über Linda verbreiten.) davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten zur Zeit mit voller Absicht mit einem halben Sozialismus herumhantieren, um ihren Glauben an ihre Wurzeln wiederzufinden. G.W.Bush versuchte es auf die eine Art, das kam nicht an, jetzt zieht Obama seine Nummer ab, und wenn auch schon viele Romney bei der letzten Wahl beklatscht haben, so sind wohl noch Herzen zu gewinnen. Mal ehrlich, wie kommt Obama dazu, Alex Jones interessant zu machen, und dann noch mit der schlechtesten rhetorischen Leistung seiner Karriere. Das ist so, als würde Angela Merkel auf eine Kritik von Manfred Kleine-Hartlage an ihr eingehen. Sie weiß schon, warum sie's nicht tut, und Obama, warum er's doch tut.

Nun gut, eine Möglichkeit besteht also in der Auflösung der EU und die andere darin, daß sie fortbesteht. Ein kleines Wunder, wie dieser Beitrag auf seine Länge kommen konnte. Doch dies jetzt auch noch, was es hieße, wenn sie fortbestünde.

Es wird, denke ich, die innerstaatlichen Probleme verschärfen, wie ich es im vorletzten Beitrag ausgeführt hatte. Und das wird letztlich die gesamte geschichtliche Entwicklung beschleunigen, entweder hin zu einer Restauration des Katholizismusses oder eben hin zu einer kommunistischen Synthese im weiteren Sinne gemäß meinen Ausführungen im drittletzten Beitrag.

Diese Synthese wird, um sie einmal in einen anderen Kontext zu stellen, die Probleme der Reformation lösen müssen, wie ich es im Beitrag Touristen beschrieben habe. Ich betrachte es indes, wie auch schon zuvor gesagt, nicht unbedingt als gut, die Zeit des Keimens zu beschleunigen, der zusätzliche Druck mag viel Häßliches gebären, aber wie auch immer es kommt, Gott hält seine Welt in den Händen.

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24. März 2013

Ein Wort zu den politischen Eliten Europas

Stadler nennt die Mitglieder des EU-Parlamentes hier sektoid, das trifft es nicht ganz. Sie sind vor allem anderen, denn es gibt natürlich auch unter ihnen verschiedene Sorten, obrigkeitshörige Schwächlinge, wovon sich jeder überzeugen kann, wer sich einmal mehrere Sendungen von Inside Brüssel anschaut.

Die Art und Weise wie Kommissarin betont wird, wie Ihre Majestät. Es hat sich stillschweigend eine Hofstaatsmentalität breitgemacht, welche schüchtern sagt und tut, was von ihr erwartet wird.

Diese Leute sind Teil von etwas Großem, in welchem sie nur unbedeutende Glieder sind, welche nicht wissen, wer die anderen sind, wo sie stehen, was sie erwarten. Und deshalb halten sie sich an die Etikette, an die Richtlinien, welche die Parteistrategen für sie ausgearbeitet haben, und zwar sklavisch und blind.

Darin liegt das größte Übel. Jeder kann sein Spiel mit ihnen treiben: Die Marxisten, welche einfach ihren Stiefel durchziehen, genauso wie Banken oder andere Spezialinteressen. Diese Leute sind nicht nur strukturell, sie sind auch psychologisch reaktionsunfähig. Es ist absolut sicher, daß sie nichts tun werden, um die Interessen derjenigen, welche sie vertreten sollen, auch zu vertreten.

Die Politik wird in Ausschüssen gemacht, in welchen die Vertreter der großen europäischen Länder, hauptsächlich Deutschland, Frankreich und Italien, ihre Regelungswünsche unter einander verhandeln und gegebenenfalls auch die Regelungswünsche anderer, wie zum Beispiel Goldman Sachs', abhängig natürlich von der Abhängigkeit dieser Vertreter von ihnen.

Macht kommt von oben oder von unten. Da der Europäischen Union die Macht von unten fehlt, um ihr Programm durchzusetzen, leiht sie also von einer höheren Macht, aber das hat natürlich seinen Preis.

Hofschranzen und Hinterzimmerstrategen, welche sich immer weiter vom rechten Weg entfernen, in ihren Händen liegt die Autorität in Europa.

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Zum internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb

Wenn Nationen obsolet werden, dann wird natürlich auch die Internationalität obsolet, doch dieser Beitrag verfolgt eine grundsätzliche, situationsunabhängige Fragestellung, nämlich ob das innernationale oder das internationale Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich bedenklicher ist.

Ich habe diese Frage in dieser Allgemeinheit schon vor längerer Zeit gestreift, die gestrige Zuspitzung war allerdings auf eine spezielle Situation bezogen, und damit bin nicht recht zufrieden.

Wenn sich die Produktionseffizienz zweier Nationen auseinander bewegt, so wird es für die ineffizientere zunehmend mühsamer, mit der effizienteren Handel zu treiben, und wenn sie ihre eigene Wirtschaft nicht zerstören will, wird sie sie durch Zölle, Verbrauchssteuern oder Lizenzen auf importierte Güter abschotten.

Das Problem damit ist nur, daß diese Maßnahmen ihre Ineffizienz tendentiell perpetuieren und sie auch auf diese Weise immer größere Schwierigkeiten haben wird, notwendige Güter zu importieren.

Nun, es gibt verschiedene Möglichkeiten zu verhinden, daß es also zum Schlimmsten kommt, etwa indem ausländische Investoren mit den eigenen niedrigen Lohnkosten angelockt werden (oder, was auf dasselbe hinausläuft, man damit anfängt, Sklaven zu exportieren) oder auch schlicht dadurch, daß der Zugang zu Rohstoffen gegen gewisse Gegenleistungen garantiert wird, wie es mir in meinem Wirtschaftsentwurf vorschwebt, wobei ich allerdings von autarken Nationen ausgegangen bin, welche dies lediglich intern zu regeln hätten. Nichtsdestotrotz ließe sich eine solche Regelung natürlich auch international treffen.

Wie auch immer, die Geschichte lehrt, daß die wenigsten Gesellschaften direkt durch ihre wirtschaftliche Ineffizienz zerstört wurden, sondern gegebenenfalls mittelbar durch ihre durch sie bedingte Unfähigkeit, sich militärisch zu behaupten.

Das führt aber auf ein anderes Gebiet, nämlich der Frage nach den Voraussetzungen von Frieden, wozu ich mich schon an anderer Stelle ausgelassen habe.

Nein, betrachten wir diesen Punkt als lösbar, etwa indem wir allen Nationen einen beträchtlichen Vorrat an nuklearen Waffen schenken, wiewohl ich dieses Mittel hier nicht fordere. Dann kommt es also schlimmstenfalls in einer international auseinander driftenden Wirtschaft zu perpetuierter Armut und Ausbeutung.

Wie verhält es sich nun aber, wenn Arm und Reich innerhalb eines Staates auseinanderklaffen?

Es gibt hier zwei Unterschiede zur internationalen Situation, der eine ist ein günstiger und der andere ein ungünstiger.

Der günstige Unterschied besteht darin, daß es innerhalb eines Staates leichter ist, dem Gemeinwohl verpflichtete Regeln zu etablieren, schon alleine aus strukturellen Gründen.

Der ungünstige Unterschied besteht darin, daß es für die Armen schwieriger ist, ihrem Wohl verpflichtete Regeln zu etablieren - wiederum aus strukturellen Gründen: Protektionismus ist keine Option.

Das zu erwartende Ergebnis eines innernationalen Auseinander Driftens im Vergleich zu einem internationalen ist also ein zugleich effizienterer und unerbittlicherer Zustand. Und so ist es auch, vielleicht, wenn man es daraufhin ansieht, zuvörderst dadurch bedingt, daß innerhalb eines Staates die Vertragsgültigkeit eine stärkere ist und Vertragsgültigkeit zu Lasten der Regelungsfreiheit geht, so daß man schließlich, selbst wenn man es wollte, keine Rücksicht mehr nehmen kann (Der Kaufmann von Venedig).

Nun, mir ging es hier nur um die Frage, wie sich innernationaler und internationaler wirtschaftlicher Wettbewerb unterscheiden. Mir geht es hier nicht um die Frage, was wohl passieren wird, wenn man wirtschaftlichen Wettbewerb abschafft oder ihn so lange gewähren läßt, bis man ihn schließlich doch dirigieren muß, um die sozialen Mißstände zu lindern, und zwar deswegen nicht, weil das nur in einer Tyrannei möglich ist. Das unterscheided den König vom Tyrannen, daß er (klar abgesteckte) Freiheiten gewährt. (Gut, in überschaubaren Staatswesen besteht die Möglichkeit, Pflichten informell einzufordern und im Gegenzug Solidarität in einem handhabbaren Rahmen zu üben. Die informelle Übereinkunft, diese Regelung nicht zu mißbrauchen, ist aber unabdingbar und kann durch keine formelle Regelung ersetzt werden. In diese Frage spielt natürlich auch die gemeinsame Religiösität im Sinne gemeinsamer gesellschaftlicher Ideale hinein.)

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23. März 2013

Das aufbauende Prinzip der Evolution

Der vierte leichte Beitrag heute, aber er schließt sich thematisch an den vorigen an.

Wann immer in einem lebendigen Ding die sich ihm bietenden Möglichkeiten über seine Lebensweise hinausgehen, zerfällt seine Form in viele Variationen, von welchen sich (zumeist) aber nur eine in einer neuen Lebensweise bewährt, während die anderen im Laufe der Zeit zu der ursprünglichen Form zurückkehren.

So ist es dem Christentum im Nahen Osten ergangen, und so wird es auch dem Säkularismus in weiten Teilen Europas ergehen.

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Aufgeklärtheit

Anläßlich eines kleinen Disputs zwischen Ewald Stadler und Sophia in 't Veld in der Sendung Inside Brüssel vom 13.9.2012, kann ich mir diese Klarstellung nicht verkneifen.

Mit Sicherheit aufgeklärt



Vielleicht noch nicht aufgeklärt


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Staatskunst

Wenn man die Beziehung zwischen Muße und Einsicht bedenkt,
wem ist größeres Glück geschenkt?
Dem Land, in welchem Faulheit auf Regenten und Arbeitern lastet
oder jenem, in welchem in beiden der Eifer hastet?

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Vom Auf- und Abwerten

Horch nur! Ich hör sie sagen:
Wenn andere über ihre Wettbewerbsfähigkeit klagen,
dann werten sie ihre Währung ab.
Doch will es mir scheinen,
daß sie zugleich meinen,
daß Deutschland, seine Währung so aufgewertet,
um seine Wettberwerbsfähigkeit zu wahren,
produktiver werden muß.

Wer glaubt schon diesen Stuß?
Den Kampf, den Jünger im Arbeiter sah,
so wurde er wahr.
Jetzt ist die Frage bloß:
Wollen wir in anderen Ländern preiswert dinieren
oder ihre Arbeitslosen finanzieren?

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22. März 2013

Zur philosophischen Methode

Mag sein, daß ich diesen Abschnitt, wie ich es auch schon vor nicht allzu langer Zeit angekündigt hatte, nun tatsächlich beenden werde und mich konkreten Lehrfragen zuwende, etwa zur Erschließung der geistigen Horizonte, denn Philosophie bedeutet nicht nur die Suche nach einer Beschreibung der Dinge, welche einen interessieren, sondern ist untrennbar mit dem Willen verbunden, sich selbst auf den so aufgedeckten Weg zu begeben und die Welt aus der gewonnenen Begrifflichkeit heraus zu betrachten, und diesbezüglich muß ich einen zunehmenden Unwillen konstatieren, mich noch weiter in das Dunkel, welches sich hinter den noch ausstehenden Erfassungen verbirgt, zu begeben.

Mir steht der Sinn nun mehr danach, die Entfaltung der Welt zu beobachten und das eine oder andere praktisch auszuarbeiten, aber wer weiß, vielleicht ist es auch nur eine Phase.

Jedenfalls sollte ich im eigenen Interesse darauf hinweisen, wie ich zu meinen Beiträgen stehe. Allen meinen Beiträgen liegen Beobachtungen zu Grunde, welche ich zu ordnen suchte. Die Ordnung einer Beobachtung ist auf vielfältige Weisen möglich, und es bedarf daher Kriterien, welche sie rechtfertigen.

Es gibt natürlich Fälle, in welchen die Ordnung einen unmittelbaren Zweck verfolgt, nämlich der Klärung der Alternativen in einer bestimmten Situation. In diesen Fällen wird man schlicht fertig. Man klärt die Alternativen, und das war's. In anderen Fällen aber ist die Ordnung Teil des oben beschriebenen philosophischen Prozesses, man weiß noch nicht, wozu man sie verwenden möchte, man ahnt nur, daß die Klärung eines Sachverhaltes einem später behilflich sein könnte, und dabei kommt es des öfteren vor, daß man bemerkt, daß einem eine bestimmte vorgenommene Ordnung so wohl nicht nützen wird, und man vielmehr die brauchbaren Elemente in ihr neu anordnen muß, und dergleichen ist mir auch in einigen Beiträgen widerfahren.

Damit wären bereits drei Arten von Beiträgen unterschieden, die Auftragsarbeiten, die glücklichen Schritte auf dem Weg ins Ungewisse und die weniger glücklichen. Letztere mögen indes durchaus auch von weiterem Interesse sein, wenn einem denn die Richtung, in welche sie weisen, begründeterweise vielversprechend scheint, was aber von der eigenen Erfahrung abhängt. Wann immer ich sah, daß mich ein Ansatz in eine Richtung führen würde, in welcher meine eigenen Erfahrungen sich als unzureichend erweisen würden, habe ich ihn reformuliert.

Und viertens gibt es noch eine weitere Art von Beiträgen, nämlich die monumentalen, meine Kräfte übersteigenden, in welchen ich einer Ordnung nicht vollständig Herr wurde, und welche ich in der Folge dann immer wieder mal in Angriff genommen habe, bis ich schließlich mit dem Ergebnis zu Frieden sein konnte.

Die letzten Fäden, welche nun vor mir liegen, Analyse der Zykel der unterschiedlichen Lüste und so weiter, gehen für meinen Geschmack zu sehr in die Breite, lohnenswert wäre allenfalls eine genauere Beschreibung der möglichen historischen Situationen nach dem Vorbild des I Chings, aber ehrlich gesagt interessiert mich die sich gerade entfaltende Phase mehr als ein detaillierter Überblick über alle Phasen, so daß ich wohl nicht die Muße zu dieser Betrachtung finden werde.

Diese Beschreibung des Philosophierens läßt sich auch ohne Änderungen auf die Mathematik anwenden, welche nicht nur aufgrund dieser prozeduralen Isomorphie eine Schule für ersteres ist, sondern auch aufgrund des in ihr enthaltenen Begriffsgebäudes, als welches eindeutig ist. Philosophie kann diese Eindeutigkeit schwerlich erreichen, aber wenigstens kann ein Philosoph sie sich selbst gegenüber fordern, wozu es nicht schaden kann, wenn er sie in der Mathematik bereits erfahren hat.

Die griechische Mathematik war zu einem großen Teil eine Mathematik der Methoden, wie sie wohl Lars Hörmander vorschwebte, aber darin liegt meines Erachtens kein folgenschwerer Unterschied zur axiomatischen Mathematik, so lange man sich bei ersterer nur die Mühe macht, die eigenen Ergebnisse etwas zu ordnen und sich bei letzterer darauf beschränkt, seine Augen auf anschauliche Probleme zu richten - nur, eindeutige Bedingungen sind das freilich nicht.

Nun, dieses ist beides geistvoll, geistlos ist die Algebra, nicht als Disziplin, ganz im Gegenteil, sondern als Methode: Geschicktes Formelzeichenjonglieren mag so manches mathematische Problem lösen, der Entwicklung des eigenen Denkens dient es nicht. Um aber bei der Algebra als Disziplin zu bleiben, das Genie eines Évariste Galois' bestand darin, die Bedingungen zu studieren, unter welchen die von Wurzeln der formalen Koeffizienten einer algebraischen Gleichung sukzessiv erzeugten Körper schließlich mit dem durch ihre formalen Lösungen erzeugten Körper übereinstimmen, und das ähnelt mehr einem von Sherlock Holmes' Fällen als dem Umstellen von Variablen, genaueres dazu im Beitrag Vom Lösen von Polynomen durch Wurzeln.

Schlußletztlich möchte ich diese etwas beschönigende Darstellung noch um eine Bemerkung zur Willkür ergänzen.

Selbstverständlich lassen sich die eigenen Erfahrungen leicht einmal in dieses und ein andermal in jenes Licht setzen, und darin liegt eine große Gefahr, schließlich bei beliebigen Ergebnissen zu enden. Es gibt indes deutliche Hinweise darauf, daß man es schließlich nicht getan hat, nämlich indem einem der Lauf der Welt und die Beschäftigung der Menschen mit ihr verständlicher wird. Man soll sich aber vor der Lüge fürchten, vernunftbegabt, wie wir nunmal sind, erwächst aus falschen Informationen und Urteilen schnell der Tod. Es ist darum schon fast unanständig, wenn wir andere mit Informationen und Urteilen überschütten und von ihnen erwarten, sie als wahr anzusehen.

Bei allem was wir tun, auch bei der Suche nach Verständnis, ist uns das heilige Streben der Sorge um unsere Verfassung, die höchste Form göttlicher Inspiration, die sicherste Anleitung, und ihr gehört unser Gehorsam, direkt und möglicherweise auch indirekt, wenn wir wissen, daß sie sich in einem anderen manifestiert, denn wir wissen es ja, und zwar durch unsere Achtung, welche, wenn sie uns solches sagt, die zweithöchste Form göttlicher Inspiration darstellt. Ich habe stets jene geachtet, welche es verdienten, um großes und um kleines, viele waren es dennoch nicht, zum Teil auch, weil ich stets mit anderem beschäftigt war, aber nicht nur deswegen. Die allermeisten Menschen widmen ihr Leben nichts Ernstem. Die allermeisten Menschen sind allenfalls zu bemitleiden.

Entzogenheit hat schon ihren Reiz. Segen auf allem Guten, Freude an allem Schönen, Verantwortung allein vor Gott.

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18. März 2013

Sündigen und büßen

Ich knüpfe an den gestrigen Beitrag an, um schließlich auf das heutige Thema zu kommen.

Selbstversändlich sind Johannes' Worte zum Abendmahl nicht als Spott zu lesen, sondern als Warnung: Stopft den Menschen den Glauben nicht Gänsen gleich in den Hals, sondern kümmert euch um ihre niedrigsten Verfehlungen und reinigt sie davon. Dann wird Christus auch zu ihnen kommen, andernfalls mögen sie sich empören.

Die Geste gemeinsamen Brotbrechens ist eine schöne Geste, aber die Oblaten werden quasi in den Hals der Gläubigen gestopft, und das ist auch so beabsichtigt. Es gibt keinen Grund symbolische Handlungen zu entschuldigen, welche für einen Verrat an Christum stehen.

Und auch wenn ich nicht unbedingt davon überzeugt bin, daß gegenseitiges Füße Waschen eine angemessene rituelle Handlung für den Gottesdienst darstellt, da die Gefahr der Profanisierung doch recht groß scheint, stimmt mich doch die Frage bedenklich, was wohl geschehen würde, wenn ein Priester diesen Vorschlag machte: So, Leute, Schuhe und Socken ausziehen, Wasserschüsseln werden gleich durchgereicht.

Nein, natürlich nicht mit jenen Worten, eher mit diesen: Und als Vorbereitung auf das diesjährige Osterfest beginnen wir auch dieses Jahr wieder mit der gegenseitigen Waschung unserer Füße.

Aber so ist es nicht.

Freilich, es gibt die letzte Ölung, aber Jesus hat seinen Jüngern vor seinem nahenden Tod die Füße gewaschen und nicht vor ihrem, obschon der in einigen Fällen auch nicht allzu fern war.

Interessanterweise ist Petri Haltung zu diesen Fragen Johannes bekannt gewesen, eine Haltung, welche interessanterweise konserviert wurde. Es geht um die Ehrfurcht vor dem Göttlichen, es geht darum, sich vor ihm in den Staub werfen zu können. Es geht darum, die Gelegenheit dazu als großes Geschenk zu empfinden. Der strahlende Priester, aus dessen Hand ich Unwürdiger Jesu Leib empfangen darf, ganz meiner Stellung zu Gott bewußt, welche sich also auch szenisch ausdrückt. Wie könnte ich auch anders Teil mit ihm haben, als auf die roheste Weise, daß sich meine Zähne in sein Fleisch schlagen?

Nun, der zweite Satz mag übertrieben sein, aber sicher bin ich mir da nicht, jedenfalls nicht in allen Fällen.

Indes ist dies natürlich keine katholische Erfindung, sondern vielmehr ein Grundverhaltensmuster verzweifelter Menschen. Man sündigt, um büßen zu können, denn in der Buße wenigstens ist man Gott nahe. Ich weiß, wovon ich da spreche, ich habe es seit dem vierten Lebensjahr nicht anders gehalten. Fraglich, ob ich jetzt im vierzigsten noch davon los komme. Aber ich bin sicher, daß es Christus darum ging, daß wir davon los kommen.

Einmal habe ich an einem Ritual teilgenommen, welches, vielleicht unfreiwillig, einer Fußwaschung ähnelte. Es handelte sich um meine Hochzeit. Zur Vermählung mußten wir auf ein weißes Tuch treten, und aus Bequemlichkeit wohl wurde dazu ein weißes Handtuch verwendet. Es stieg ein seltsames Gefühl in mir auf, erreichte allerdings nur meinen Hals, nun, immerhin, aber mein Haupt war damals noch nicht sauber.

Will sagen, ich bin mir sicher, daß mehr Menschen von der Notwendigkeit zu büßen los kämen, wenn es in der Kirche mehr Rituale gäbe, welche der Reinigung dienten.

Bei aller Notwendigkeit, sich gerade um jene zu kümmern, welchen es bisher nicht gelang, halte ich es für verfehlt, wenn sich die Kirche durch ein Ritual definiert, welches für die Kontinuität dieses Mißstandes steht, und diesbezüglich darf man die katholische Kirche auch nicht harmloser machen als sie ist, oftmals hat sie Menschen hinabgezogen und gezwungen zu sündigen, damit sie ihren Platz in ihr fänden. Gelungen, freilich, ist das nie. Nicht, daß diese Menschen immer Heilige gewesen wären, sie haben nur nicht genug gesündigt, um sich in der Sündeninbrunst des Katholizismus wiederzufinden.

Gerne käme ich los, und vielleicht schaffe ich es auch. Es geht um Vertrauen. Indem wir anderen Vertrauen schenken, stärken wir ihr Vertrauen, aber letztlich muß ein jeder aus eigener Kraft stehen, beziehungsweise aus der Kraft seines Glaubens, seiner Verbundenheit mit Gott. Davon handelt Johannes in den Kapiteln 13 bis 17. Und das muß sich eine christliche Gemeinschaft zum Vorbild nehmen, wenn sie in ihrer Nachfolge Christi irgendeinen Erfolg haben will.

Ich schließe mit der Trauer über den vorzeitigen Tod von Menschen, welche sich dieses Stück zu ihrer Beerdigung wünschen.

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17. März 2013

Das Abendmahl bei Johannes

  Darnach goß er Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petrus; und der sprach zu ihm: HERR, sollst du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du meine Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir. So spricht zu ihm Simon Petrus: HERR, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. (Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.)
  Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er wieder seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach abermals zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch getan habe? Ihr heißet mich Meister und HERR und saget recht daran, denn ich bin es auch. So nun ich, euer HERR und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut, wie ich euch getan habe. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's tut.
  Nicht sage ich von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muß die Schrift erfüllt werden: "Der mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen." Jetzt sage ich's euch, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen ist, ihr glaubt, daß ich es bin. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.
  Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geist und zeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus liebhatte. Dem winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Denn derselbe lag an der Brust Jesu, und er sprach zu ihm: HERR, wer ist's? Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein und gab ihn Judas, Simons Sohn, dem Ischariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
Nein, danke, Herr Pfarrer, waschen Sie mir lieber die Füße, ich will nicht, daß der Satan in mich fährt.

Kann man diese Passage anders verstehen? Das ist doch schon kein Zaunpfahl mehr, was da gewunken wird. Offensichtlich nimmt Johannes auf das gemeinsame Brechen des Brotes bezug, unterschlägt mit voller Absicht die Einsetzungsworte und streicht dann gleich doppelt heraus, daß sich mit diesem Ritual nicht das Behauptete verbindet: erstens, indem er explizit darauf hinweist, daß nur derjenige, welchem die Füße gewaschen werden, Teil mit Jesum hat, und zweitens, indem Judam Ischariot durch das gereichte, mit Wein getränkte Brot das genaue Gegenteil der Einheit mit Christum widerfährt.

Und ausgerechnet Petrus sagt: Niemals! dazu.

Es gab in Frankreich übrigens eine Gruppe von Menschen, welche mit angenähten (Stoff-)Entenfüßen herumlaufen mußten und die Kommunion nicht aus der Hand des Priesters empfangen durften (sondern gegebenenfalls am Ende eines Stocks). Sie hatten auch eigene Eingänge in die Kirchen, eigene Waschbecken, es war ihnen nicht erlaubt barfuß zu laufen und die Leute erzählten sich, daß sie mit Schwänzen geboren würden. Die Rede ist von den Cagots.

Niemand weiß so genau, wo sie eigentlich hergekommen sind, aber wahrscheinlich haben sie einfach irgendwann einmal eine Bibel in die Hand gekriegt und sie gelesen.

Möglicherweise vollzogen die Arianer Fußwaschungen anstelle des Knabberns an Eßpapier und des Weinschlürfens. Ich glaube nämlich nicht, daß der Zorn der Katholiken auf die Cagots ein derartiges Ausmaß besessen hätte, wenn diese schlicht Muslime gewesen wären, welche sich die Füße wuschen. Nein, ein solches Ausmaß an Haß setzt bei Katholiken einen Verweis auf die Bibel voraus.

Und daran kann kein Zweifel bestehen, Johannes ist es irgendwie gelungen eine Radikalkritik an der Eucharistie in dieselbe zu schmuggeln.

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16. März 2013

Zeit zur Lebensreform

Ich habe zeitlebens unter dem Problem gelitten, nicht zu wissen, wo ich mich guter Hoffnung anschließen könnte.

Das fing mit der Familie an, setzte sich über die dörfliche Gemeinschaft fort, wurde duch die Bundeswehr um ein kurioses Kapitel erweitert, und wenngleich ich den universitären Betrieb auch nicht aus den gleichen Gründen wie die vorigen Milieus abgestoßen habe, jenen war die Übernahme gemeinsamer Verantwortung fremd, diesem Selbstbestimmung, so bin ich doch auch dort nicht fündig geworden.

Aber was suche ich überhaupt?

Am nächsten kommt dem wohl der Weg der Silents zu Digital Illusions, und vielleicht wäre mir das auch genug, wenn ich homosexuell wäre: Da stimmt wenigstens der eigene Weg, auch wenn man am Ende nichts Bleibendes außer den eigenen Erfahrungen vorzuweisen hat.

Und das hätte man nicht, das Spiel bliebe das gleiche, ja, jene, welche meinen, daß Vererben eine Sünde sei, meinen wohl auch gar, daß das Spiel immer das gleiche bleiben sollte, aber so gut gefällt mir das Spiel nicht, daß ich mir das wünschte.

Sicher, spielen wir einmal kurz den Advocatus Diaboli:Du bist doch nur zu zögerlich, hat dir denn in deiner Jugend nicht auch etwas gefallen? Und hättest du es nicht ergreifen können anstatt dich zu entschließen, ein verdrießlicher Querkopf zu sein? So war es immer, und so wird es immer bleiben. Du hast dich selbst verurteilt.

Nun, tut mir Leid, Diabolo, aber auch wenn es dir nicht gefällt, so kann mein Herz doch nicht anders, als absolute Maßstäbe an die Welt anzulegen. Daß es auch in einem relativen Vorteil Glück zu finden gibt, kann die Verantwortung gegenüber der natürlichen Rolle des Menschen als einzig vernunftbegabtem Tier nicht aufheben.

Ja, du hast ein vernünftiges Tiergehege geschaffen, aber keines für vernünftige Tiere.

Aber genau so sieht es aus. Genau in dieser Welt leben wir. Und wenn man sich dieser unangenehmen Tatsache stellt, wird man frei, sich über das einem verbleibende Kapital zu freuen: Den eigenen Intellekt, den eigenen Schönheitssinn und den eigenen Körper.

Das ist das Kapital, welches der Lebensreform zur Verfügung steht, sowohl um es selbst zu mehren als auch um aus ihm das eigene Leben zu bestreiten.

Dazu gehört auch, daß man das eigene Lebensumfeld, und insbesondere das eigene Klima, zu genießen lernt. Dafür gibt es im Deutschen den schrecklichen Ausdruck Abhärtung. Wenn man die Sache schon so ansehen muß, wäre Betäubung zutreffender - oder Einbildung. Ich spreche freilich lieber von materieller Transzendenz (transzendente Akte in der materiellen Ebene), oder, um nicht mit solch schrecklichen Wörtern um mich zu werfen, von der Beherrschung des eigenen körperlichen Wohlergehens.

Herausforderungen gibt es überall, Möglichkeiten seinen Körper zu entwickeln auch. Man muß nur dahin kommen, sie freudig anzunehmen. Es ist März, die Sonne scheint, blau glitzert die vereiste Schneedecke über den Feldern. Es muß nicht wärmer sein, wenn nach einer halben Stunde die rechte Hand etwas taub wird, legt sich halt die linke für ein paar Sekunden über sie. Der Gegensatz zwischen Winterzauberland und frühlingseinleitender Aggression entzückt mich jedes Jahr auf's Neue.

Und auch Ecken, an welchen wir unser Lebensumfeld verschönern können, gibt es überall, ebenso wie praktische Aufgaben, an welchen unser Intellekt und unser Körper Früchte tragen können. Ob die gleich reichen, um von ihnen zu leben, ist eine andere Frage, welche man indes für's Erste vernachlässigen kann, wenn man Rücklagen hat.

Wer sich allgemeingültiger beschäftigen möchte, dem stehen immerhin noch Dichtung, Komposition, die anderen Künste, Mathematik und Philosophie offen. Und wen es dazu drängt, der kann sich auch zu Hause praktisch mit Chemie und Elektrizität befassen und womöglich nützliche Verfahren oder Geräte entwickeln.

Was uns hindert, das ist einmal die Erwartung, woanders womöglich mehr Glück zu finden, und zum anderen die Furcht, daß es womöglich nötig ist, an anderer Stelle Verantwortung zu tragen.

Ich denke aber, daß man, wenn man sich unsere heutige Lage nur genügend verdeutlicht, erkennt, daß man sich den Winden überlassen muß, daß es keine materiellen Garantien mehr gibt, keine staatlichen Einrichtungen, welchen wir zu unserem eigenen Heil zu Dienst verpflichtet wären.

Ich hoffe, daß wir uns einst wieder Einrichtungen zur Beförderung unseres Gemeinwohls schenken werden, zur Zeit haben wir indes nichts, was wir zu diesem Zweck hergeben könnten: Die Eier, welche wir legen, sind für den Betrieb der Hühnerfarm verplant und jene, bei welchen sie schließlich landen, werden ihre Hühnerfarm kaum aus eigenem Antrieb aufgeben, denn wenn sie auch nichts Echtes besitzen, so können sie sich doch alles Echte nachbauen lassen.

Das heißt nicht, daß wir den Überresten staatlicher Strukturen nicht gegebenenfalls zur Verfügung stehen sollten, um sich aus dem wachsenden Chaos ergebenden Gefahren entgegenzutreten, aber das hat Zeit, bis es soweit ist.

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13. März 2013

Voraussetzungen des dialektischen Prozesses

Dialektischer Prozeß hier im Sinne Hegels und Marx'.

Damit sich die Entwicklung einer Gesellschaft nach den Regeln des dialektischen Prozesses vollziehen kann, sind offensichtlich folgende Voraussetzungen von ihr zu erfüllen.
  1. Die Gesellschaft muß in einem Idealvorstellungen stiftenden Glauben verbunden sein.
  2. Dieser Glaube muß hinreichend vage sein, um aufgrund neuerlicher Erfahrungen stets reformuliert zu werden.
  3. Der Gesellschaft darf es nicht an Mitgliedern mangeln, welche zu dieser Reformulierung fähig sind.
  4. Der Gesellschaft darf es nicht an Mitgliedern mangeln, welche die jeweiligen Idealvorstellungen als politisch verbindlich betrachten und sich entsprechend zu ihren Vorstreitern machen.
  5. Der gesellschaftliche Informationsfluß muß die Informiertheit der Gesellschaft über ihren tatsächlichen, repräsentativen Zustand gewährleisten.
  6. Der gesellschaftliche Informationsfluß muß die freie Propagierung von Idealvorstellungen beinhalten.
Diese Voraussetzungen werden von der parlamentarischen Demokratie modernen Zuschnitts selbst bestenfalls nur partiell geschaffen. Idealerweise verpflichtet sie sich zu 5. und 6. und wird dieser Verpflichtung auch gerecht, aber an 1. - 4. hat sie nicht den geringsten Anteil. 1. und 2. wird einer dritten Partei überlassen, welche in die Fußtapfen der Kirche tritt, wobei es allerdings fraglich ist, ob sie diese Voraussetzungen auch mit derselben Verläßlichkeit wie einst die Kirche schafft, und 3. und 4. laufen darauf hinaus, daß es in einer Gesellschaft genügend viele Suchende und Leistende gibt.

Meiner Ansicht nach ist heute 1. in Europa nicht mehr erfüllt, so daß man nach den weiteren Punkten gar nicht erst weiter zu fragen braucht. Und wo 1. heute auf der Welt erfüllt ist, da mangelt es entweder an 2., 3. oder 4. Es ist also mit anderen Worten müßig, sich über die Mißstände bei 5. und 6. aufzuregen.

Der dialektische Prozeß ist ein Phänomen des ausgehenden Christentums in Europa. 1. und 2. bescherte die Kirche, 3. und 4. die Prähistorie und 5. und 6. der technische Entwicklungsstand, und nicht ohne Verblüffung muß ich festhalten, daß sämtliche dieser drei Bereiche angegriffen werden: der Glaube schon alleine dadurch, daß er als Glaube in Vergessenheit gerät, die Zusammensetzung der europäischen Gesellschaften durch Einwanderung und die Informiertheit durch den Wegfall des überschaubar Repräsentativen.

Die Romantik ist bei Schullehrern recht weit verbreitet, ich glaube nicht, daß die heranwachsende Generation einen auch nur halbwegs zutreffenden Begriff von ihrer politischen Zukunft hat. Die Weichen sind auf die Zurückdrängung des Volkes aus der Politik gestellt, was in der Folge, aufgrund des Fehlens anderer Strukturen (aristokratischer oder so genannter bürgerlicher, beispielsweise), in Faschismus münden muß: die Partei als Vertreter des kleinen Mannes vor den großen Konzernen.

Jedenfalls in Deutschland, in anderen Ländern Europas mögen die bürgerlichen Strukturen stärker sein, eine Änderung der politischen Verhältnisse zum Schlechteren wird aber auch dort nicht zu vermeiden sein, sofern die oben beschriebenen Angriffe dort stattfinden.

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12. März 2013

Transzendentes Leben als Durchlauf des Zykels der Lust

Die menschliche Geworfenheit im geistigen Horizont der Transzendenz reflektiert die Phasen des Zykels der Lust als Reue, Sehnsucht, Lebensfreude, Gesetzesergebenheit, Anteilnahme und Mitleid, siehe zum Vergleich die verwandten Beiträge bis Gelöstheit.

Es will mir so scheinen, als ob das Ziel eines religiösen Lebens (oftmals) darin besteht, die Phase der Lebensfreude zu erreichen, zeitlebens in ihr zu bleiben und in Gesetzesergebenheit zu sterben.

Ich würde lügen, wenn ich sagte, daß ich nicht auch selbst die starke Tendenz zu diesem Verhalten besäße, bis vor ein paar Wochen habe ich weder Anteilnahme noch Gesetzesergebenheit in meinem Leben verspürt, und  die Gesetzesergebenheit ist mir ein Bote des Todes, denn nur in der Lebensfreude liegt die Kraft, dem Leben Form zu geben.

Anteilnahme ist faszinierend, den eigenen Horizont erweiternd, aber wozu sollte ich die Welt noch weiter studieren?

Ich frage mich auch, von welcher Art die Gesetzesergebenheit derjenigen ist, welche schon in mittleren Jahren zur Anteilnahme voranschreiten.

Meine Gesetzesergebenheit ist von der Art, ein Buch in ein Regal zu stellen, aber dieses Buch ist das Universum. Wahrscheinlich stellen jene andere Bücher in ein Regal, wahrscheinlich ihrem geistigen Horizont entsprechende, ihr Lebensumfeld oder ihre geistige Strömung, ihre Kultur betreffende. Vielleicht vollzieht sich so die Erweiterung des geistigen Horizonts. Aber bedürfte es dazu nicht der Reinkarnation? Denn man schreitet zu langsam in diesem Zykel voran, um ihn zweimal zu durchlaufen, und wohl auch zu langsam, um den eigenen Fortschritt an seine Kinder zu vererben, jedenfalls im Normalfall.

Nun, vielleicht gibt es tatsächlich kraft Gottes Gnade Begünstigte, mehr muß man ja nicht annehmen.

Meine Eingangserklärung ist also nicht so zu verstehen, daß die entsprechenden Gefühle, Reue, Sehnsucht und so weiter, den geistigen Horizont der Transzendenz voraussetzen, sondern lediglich so, daß sich der eigene Lebenslauf auch für diesen Horizont in diesen Gefühlen ausdrückt. Und der spezielle Zykel der Lust, welchen wir hier betrachten, denn es gibt selbstverständlich viele solche Zykel, genauer gesagt zu jeder Willensäußerung der Lust einen, ist der Zykel der Lust am Dasein selbst, wobei es stark danach aussieht, daß dieser Zykel das Ziel verfolgt, sich zu umfassenderen Bewußtseinsformen hinaufzuschrauben.

Die naheliegenden Bemerkungen und Fragen lasse ich unausgesprochen und beschließe diesen Beitrag mit einem Link auf einen dämlich infantilen, dafür aber unbestreitbaren musikalischen Ausdruck der Lebensfreude: Voilà.

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8. März 2013

Imperiale Urteile

Wer glaubt, er könne anderen seine Natur anerziehen,
 verurteilt sich zum Kampf gegen alles Fremde,
und wer glaubt, er könne den Menschen ihre Natur aberziehen,
verurteilt sich zu lebenslanger Sinnsuche.

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6. März 2013

Verhalten der vier Geister im Kriege

Ich stolperte heute abend über ein scheinbares Paradox: Gerade jene Völker, welche ein starkes Gruppenbewußtsein besitzen, beteiligen sich nicht an Massenunruhen.

Weder gab es jemals Massenunruhen in Deutschland, noch in der Türkei, und Deutsche und Türken beteiligen sich auch im Ausland nicht daran. Jamaikaner hingegen haben sich vor nicht allzu langer Zeit bei den Massenunruhen im Vereinigten Königreich beteiligt.

Ich behaupte, es liegt daran, daß Völker mit starkem Gruppenbewußtsein sich nur an Konflikten beteiligen, von denen sie wissen, daß sie sie als Gruppe gewinnen können, während bei Völker ohne dieses Bewußtsein die Aussicht auf einen persönlichen Gewinn ausreicht.

Diese Verhaltensunterschiede sollten sich aus der charakterlichen Zusammensetzung der verschiedenen Völker erklären lassen. Versuche ich mich also an einer Beschreibung des Verhaltens der vier Geister im Kriege.

Ringende sind sicherlich das am leichtesten zu Plünderungen entflammbare Element. Sie sind auch sehr gute Krieger, es fällt ihnen nur schwer, eine Befehlsstruktur über längere Zeit aufrecht zu erhalten.

Suchende sind kriegerischen Angelegenheiten gegenüber eher mißmutig eingestellt, neigen sehr zu plötzlichen Überfällen und Ausbrüchen und verwenden die Zeit dazwischen auf Ränke.

Achtende sind im Kriege vorsichtig, aber verbissen und zeigen dabei große Disziplin als Teil einer Gruppe.

Versuchende sind im Kriege hochgradig gläubig, transzendent aktiv, sich obsessiv mit dem Ge- und Mißlingen befassend und in Folge von alledem ausgesprochen dynamisch.

Man kann es schon so sagen, die verschiedenen Geister haben sich in Regionen angesiedelt, welche ihrem jeweiligen taktischen Instinkt entsprechen. Suchende brauchen Rückzugsräume, (Halb-)Inseln, Gebirgstäler oder -höhlen. Versuchende brauchen (besiedelbare) Weite.

Die Ringenden leben hauptsächlich dort, wo sonst keiner leben mag oder wohin sich sonst keiner getraut hat, und die Achtenden leben hauptsächlich in fruchtbaren Gebieten, welche eine hohe Bevölkerungsdichte zulassen. Finnen und Inuit stellen diesbezüglich freilich Ausnahmen dar, ihre Lebensräume entsprechen mehr den Ringenden als den Achtenden, welche sie sind.

Diese Punkte bleiben relevant, ebenso wie die zuvor vorgestellten vier Bosheiten relevant bleiben. Aus der Kombination beider ergibt sich größtenteils das Ringen der Menschheit mit sich selbst. Genauer gesagt habe ich hier die Weisen Kriege zu führen und ihre Voraussetzungen beschrieben und in den drei Beiträgen zu den gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten die Weisen, Menschen gegen ihren Willen in Kriege zu stürzen.

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Perspektiven der europäischen Völker

Ich möchte meine Gedanken aus dem Beitrag Krisenlösung oder Revolution? nun mit freieren Worten ausführen.

Deutschland und Frankreich. In diesen beiden Ländern ist, meines Erachtens, der Widerspruch zwischen den realen Gegebenheiten und der vorherrschenden Ideologie am weitesten fortgeschritten. In Folge dessen hat sich eine Führungsschicht herausgebildet, welche Reformbemühungen aller Art lähmt und diese beiden Länder der finanziellen Melkung durch die Vereinigten Staaten ausliefert.

Der einzige Weg für Deutschland und Frankreich aus dieser Lage ist eine mühsame, den jeweiligen Volkscharakteren entsprechende, ideologische Erneuerung.

England und Kanada. Begünstigt durch die Verstrickung Deutschlands und Frankreichs steht England und Kanada wohl ein mittelfristiger Boom bevor, welcher indes der ideologischen Anleitung ermangelt. Günstigstenfalls erntete man einfach die Früchte der französischen ideologischen Erneuerung.

Osteuropa. Analag der Situation Englands und Kanadas, nur mit Bezug auf Deutschland statt Frankreichs.

Südeuropa und Lateinamerika. Diese Länder sind in jeder Hinsicht mittelfristig stabil.

Vereinigte Staaten. Der Expansionswille der Vereinigten Staaten und ihre Gesetzeslosigkeit werden ein Gleichgewicht erreichen, in welchem weitere Expansion aufgrund innerer Umschichtung nicht mehr stattzufinden braucht. Das Ausland wird zu dem Grade finanziell gemolken werden, zu welchem es sich melken läßt. Schlimmstenfalls gerieten mittelfristig alle Länder außer Deutschland und Frankreich, welche sich mittelfristig von ihnen befreien werden, in ihre Abhängigkeit.

Ich gebe zu, daß dies arg nach Kasperletheater aussieht, wie allerdings sämtliche Szenarien dieser Art, aber im Gegensatz zu den meisten von ihnen besitzt dieses wenigstens eine begrifflich logische Konsistenz und, meiner Meinung nach, sogar eine gewisse logische Stringenz.

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3. März 2013

Von der Unmöglichkeit, Gutes zu tun.

Nicht, daß ich denke, im Beitrag von heute morgen etwas falsches geschrieben zu haben, aber er mag vielleicht etwas unfair scheinen, weshalb ich mich an dieser Stelle so verständnisvoll, wie es mir möglich ist, mit der Schwierigkeit, Gutes zu tun, beschäftigen möchte.

Wenn man sich als Bürger eines modernen Staates die Frage stellt, wie sich der eigene Staat verbessern ließe, wird man zwangsläufig auf die Verbesserung der Infrastruktur kommen.

Und da gibt es nun verschiedene Bereiche. Als einzelner Bürger wird man selbstverständlich nur eine ehrenamtliche Dienstleistung zur Verfügung stellen können, als kommunale Initiative auch örtliche Einrichtungen, wie zum Beispiel Schwimmbäder. Nur wie man schon an diesem Beispiel sieht, sind damit Folgekosten verbunden, und letztlich weiß der Markt schon am besten, was rentabel ist und was nicht. Allenfalls blieben Parkanlagen, deren Instandhaltung eher günstig ist und welche nicht recht zur privaten Bewirtschaftung taugen. Ein anderes Beispiel wären Springbrunnen.

Aber auch mit der Verschönerung des öffentlichen Raumes ist das so eine Sache, nicht jeder hat Geschmack und schon bald täte man auch zu viel des Guten. Ein ernsthaftes Potential, den guten Willen der Menschen zu kanalisieren, besteht hier nicht.

Was bleibt?

Nun, die großen infrastrukturellen Aufgaben, zum Beispiel die ganzen Netze, Straßen-, Bahn-, Daten-, Telephon-, Gas-, Kanalisations- und Stromnetz. Hier nun privatisiert man immer mehr, warum auch immer, aber es ist ja so. Dennoch wäre hier noch ein gewisses Potential, allerdings nicht sonderlich weltbewegend, die Betreiber sind ja eingespielt und es ginge also nur darum, ihnen hier und da etwas mehr Geld zur Verfügung zu stellen.

Immerhin, das könnte man machen, sicherlich würde man bald als kleinkariert verspottet, aber das ginge wenigstens.

Indes gibt es auch noch andere große infrastrukturelle Aufgaben, bei welchen man sehr viel weniger tun kann, wie zum Beispiel beim Bildungswesen. Das Problem dabei besteht zum einen darin, daß sich zwar alle Wähler einerseits ein gutes Bildungssystem wünschen, andererseits aber auch gute Noten für ihre Kinder, und diese beiden Wünsche sind unvereinbar, außerdem besteht kein rechter Konsens darüber, was die Schule vermitteln sollte. Auf die motivationale Situation der Lehrerschaft in dieser ganzen Gemengelage möchte ich hier gar nicht eingehen. Im universitären Bereich kommt zu diesen Schwierigkeiten noch jene hinzu, daß der Staat überhaupt keine Ahnung davon hat, wann ein universitäres System gut funktioniert.

Nachdem also ein gutgewillter Mensch das alles erwogen und verworfen hat, auf was wird er schließlich verfallen?

Auf Maßnahmen zur Hilfe der Schwachen.

Schwach ist freilich, wer sich nicht organisieren kann, und dafür gibt es stets triftige Gründe, an welchen man nicht so ohne weiteres etwas ändern kann. Und also wird den Schwachen nicht bei dem geholfen, bei wem sie wirklich Hilfe brauchen. Die Hilfe der Gutwilligen gleitet geradezu zwangsläufig ab. Und nach dieser Erfahrung werden sie nun langsam sauer und destruktiv.

Anstatt anzuerkennen, daß eine Gesellschaftsordnung, welche gutem Willen einen Platz gibt, eine Neulegung der Fundamente erforderte, beginnen sie die Triftigkeit der oben erwähnten Gründe zu ignorieren und das kaputtzumachen, was sie kaputtmacht, wodurch aber niemandem geholfen ist.

Selbst ein Engel kann also zu einem Trotzkisten werden. Für denjenigen, welcher sich mit Hilfe anderer gerne über selbständige Menschen stellt, ist der Weg natürlich kürzer.

Sicher, es gibt auch Menschen, denen es genügt, dem örtlichen Hospital Geld zu spenden. Es ist letztlich eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung, welche man als natürlich ansieht. Und damit wären wir wieder beim Unterschied zwischen Ost- und Westeuropa.

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Krisenlösung oder Revolution?

Wenn man die Geschichte der letzten 500 Jahre betrachtet, erscheint es plausibel, daß wir zur Zeit keineswegs in einer Krise stecken, sondern vor der Auflösung der unsere Gesellschaft verfassenden Strukturen stehen. Aber ich möchte an dieser Stelle nicht aus der Vergangenheit heraus argumentieren, sondern aus der Gegenwart.

Die Gegenwart ist geprägt durch ein Patt zwischen allgemeinen Interessen und speziellen, welches sich daraus ergibt, daß die Vertreter der Allgemeinheit ihrer Verantwortung nicht nachkommen und auch gar nicht nachkommen wollen und die so behinderte Allgemeinheit mit ansehen muß, wie ihr von speziellen Interessen das Messer an die Gurgel gehalten wird.

Der Grund für das Verhalten der Vertreter der Allgemeinheit liegt in einem autoaggressiven Glauben, welcher unter den so genannten intellektuellen Eliten Europas grassiert. Ich nannte ihn zuvor Trotzkismus, und ich glaube, daß Trotzki ihn in der Tat am eindeutigsten verkörpert hat.

Es gibt in diesem Patt also drei Parteien, und ob es zur Krisenlösung oder zur Revolution kommt, entscheided sich daran, unter welchem Gesichtspunkt der heutige Gegensatz gesehen wird. Wenn er unter dem Gesichtspunkt des Abfalls vom Glauben gesehen wird, also als kulturelles Problem, welches die Vertreter der Allgemeinheit betrifft, und zwar sowohl von der Allgemeinheit als auch von den speziellen Interessengruppen so gesehen wird - was indes voraussetzt, daß beide ein vitaler Glaube verbindet -, so kommt es zur Krisenlösung, wenn er allerdings unter dem Gesichtspunkt des materiellen Gegensatzes zwischen allgemeinen und speziellen Interessen gesehen wird, so kommt es zur Revolution, also zur Neufassung des Glaubens, auf daß er eines schönen Tages wieder stark genug ist, Einheit zu stiften.

Stünde Europa alleine da, so wäre ich zuversichtlich, daß es zur Krisenlösung käme denn die europäischen Spezialinteressen haben sich in weiten Teilen nicht weit von der Allgemeinheit entfernt, soweit es ihren Glauben betrifft. Doch das sieht in den Vereinigten Staaten anders aus, und ihr Einfluß wirkt sich auch auf das europäische Schicksal aus.

Praktisch gesehen bedeutet Revolution Lähmung und Krisenlösung Beschleunigung. Je stärker also der amerikanische Einfluß ist, desto stärker auch die Lähmung, was selbstverständlich zu Machtverschiebungen führen wird. Ich kann allerdings noch nicht absehen, wie das alles zusammenspielen wird, zu viele Variablen, zu wenig Einsicht in die entscheidenden Prozesse. Ich glaube aber, daß es zu Umständen kommen wird, welche das Wachstum eines erneuerten Glaubens ermöglichen werden, wo auch immer, und wie auch immer es sich vollziehen wird, nun, diesbezüglich habe ich so meine Ahnungen, aber geklärt hat sich das noch nicht.

Was die Vereinigten Staaten selbst betrifft, so ist die grundlegende Situation dort eine andere, weil es dort überhaupt keine unabhängigen Vertreter der Allgemeinheit gibt, so daß sich der Trotzkismus dort - außerhalb des Bildungswesens - nicht frei entfalten kann, sondern nur in dem Maße, als er speziellen Interessen dient. Mit anderen Worten lösen sich in den Vereinigten Staaten die verfassenden Strukturen nicht auf, sondern werden verschoben, Evolution statt Revolution.

So viel läßt sich also schon sagen, die Vereinigten Staaten ändern ihren Charakter, ihre nähere Einflußsphäre wird gelähmt und die ihnen ferner stehende Sphäre wird beschleunigt, beziehungsweise bleibt unbeeinflußt. Letzten Endes mag das alles nichts weiter sein als der Effekt, welchen es auf einen Abschreiber hat, wenn sich der Schüler, von welchem er abschreibt, umsetzt, denn Trotzkismus gedeiht natürlicherweise unter Abschreibern, ist stets der Begleiter der Hegemonie. (Trotzkis eigene Situation ist freilich komplizierter gewesen, vielleicht der Hannibals vergleichbar.)

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2. März 2013

Sie und Du

Wo ich gestern gerade von der Kompetenz, die richtige Ansprache zu wählen, geschrieben haben, bleiben wir doch noch etwas beim Thema und beschäftigen uns mit dem Klassiker, wann es Sie und wann es Du heißen sollte.

Das Problem bei der Verwendung dieser Formen besteht darin, daß ihnen nicht ein Maßstab, sondern zwei Maßstäbe zu Grunde liegen, nämlich einmal Vertrautheit und zum anderen Standesbewußtsein.

Hingegen gibt es Fälle, welche eindeutig sind. Zum Beispiel müssen sich Repräsentanten unter einander mit Sie ansprechen, um nicht den Eindruck zu erwecken, daß sie ein verschworener korrupter Haufen wären, welcher sich einen feuchten Kehricht um jene schert, welche er vertritt. Man könnte sogar sagen, daß sich die Ansprache hier auch nicht an den anderen Repräsentanten, sondern an die Vertretenen, welche sie verfolgen, richtet, wobei dann wieder das im vorigen Beitrag gesagte gilt: weder ein Volk noch Aktionäre, welche mitansehen, wie sich ihre Vertreter mit anderen Vertretern duzen, verteidigen ihre Interessen.

Umgekehrt ist es selbstverständlich, daß sich die Mitglieder eines Trupps duzen, um dadurch ihre Bereitschaft zu signalisieren, Hand in Hand zusammenzuarbeiten.

In den verbleibenden Fällen ist es so, daß ab einem gewissen Grad der Vertrautheit das Du fällig wird, aber nicht ausschließlich erst dann.

Nehmen wir zum Beispiel: Du da!

Wann darf man das sagen?

Nun, man kann es natürlich auf die Umstände schieben, einen Dieb wird man so ansprechen dürfen, auch jemanden, welcher sich unwissentlich in Gefahr begibt, obwohl es in dem Fall lediglich mit Sicherheit zu entschuldigen wäre und nicht unbedingt angemessen.

Nein, abgesehen von Dieben und Vandalen gilt diese Ansprache für gewöhnlich Kindern (was natürlich ersteres nicht unbedingt ausschließt) und einfach gestrickten Menschen.

Überhaupt wird man einfach gestrickte Menschen stets mit Du ansprechen wollen, ich meine, ganz einfach gestrickte. Darin liegt natürlich ein gewisses Gefahrenpotential. Für gewöhnlich sind ganz einfach gestrickte Menschen allerdings nicht sauer, wenn man sie so anspricht. Ich denke, dieses ganz einfach gestrickt entspricht bei mir dem sinnlichen geistigen Horizont.

Gut, aber es gibt auch Fälle, in welchen man eine Person nur mit: Sie da! anbrüllen wollte, im persönlichen Gespräch hingegen sofort Du verwendete, dann aber als Ehrentitel, als Zeichen speziellen Zutrauens, etwa wenn man auf einer Versammlung an den einzigen Menschen gerät, welchen man nicht für einen Idioten hält. Auch das kann natürlich ins Auge gehen, insbesondere wenn der so Angesprochene einen selbst für einen Idioten hält.

Und das bringt mich zu der Ansicht, daß es mir eigentlich nur gefällt, Menschen vom zweiten geistigen Horizont, dem der Haltung, zu siezen. Ab dem dritten geistigen Horizont, dem der Begriffe, zöge ich das Du vor, wenn nicht mangelnde Sympathie es ausschlösse. Natürlich ist das Sie in seiner Gestanztheit auch gerade jenen Menschen gemäß, deren Reflexion auf die eigene Haltung fokussiert ist, es ist eine Einladung zu einem Tanz, welcher ihnen gefällt.

Nun, was doch für mögliche Beleidigungen, Peinlichkeiten und Keilereien aus einer im Grunde genommen überflüssigen Wahl der Ansprache entstehen können - jedenfalls ein schlagender Beleg für die These von der Kompetenz der Wahl der richtigen.

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1. März 2013

Wir sind, als was wir uns ansprechen lassen.

Nur allzu oft werden wir in der heutigen Zeit Opfer entmündigender Ansprache, alleine der Umstand, daß wir uns so ansprechen lassen, beweist schon, daß wir unmündig sind.

Angefangen hat das alles als Effekthascherei, wie zum Beispiel in dieser Dokumentation.

Si, mi, si, re, do, si, mi, si, re, do, si, mi, si, do, re, do, la, si, mi.

Nein? Nun gut, klingt aber am besten so, wenn einem nur die eigene Stimme zur Verfügung steht. Wer diesbezüglich Orientierung braucht, findet sie z.B. auf dieser schönen Keyboardseite.

Si, mi, si, re, do, si, mi, si, re, do, si, mi, si... was hast du da eben über Engel gesagt?

Man stelle sich nur einmal vor, man sitzt in der Kirche und hört die Worte:
Am ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena früh, da es noch finster war, zum Grabe und sieht, daß der Stein vom Grabe hinweg war.
und dann kommt der Orgeleinsatz:
e, dis, e, d, c, b, a, gis, a
Wie, das stimmt wieder nicht? Na, Sie wissen schon, was gemeint ist.

Ja, das wär schon was, nicht wahr? Aber glücklicherweise sind wir bisher davor verschont geblieben, wohingegen wir andernorts allerdings kaum jemals vor etwas verschont bleiben. Und da stellt sich natürlich die Frage, wie wir dem begegnen sollten.

Polizisten, welche nicht verstehen, daß Gesetze dem Gemeinwohl dienen, sondern sich für Kindergärtner halten, daß alles nur schön seine Ordnung habe.

Jemand, der seine Verantwortung nicht versteht, kann sie auch nicht wahrnehmen.

Nun, das sind die ärgerlichsten Fälle von allen. Sie mögen einwenden, daß eine bewußt mafiös agierende Polizei noch ärgerlicher wäre, aber in gewisser Weise ist sie das nicht, es gälte in dem Falle halt kein allgemeines Recht, sondern ein spezielles, aber das wäre halt so, wohingegen im ersteren Fall das allgemeine Recht gerade dabei ist sich zu verflüchtigen, und das ist schlimmer mitanzusehen: Wie lange wird der Narr da wohl der Korruption wehren?

Darin, die richtige Ansprache zu wählen, steckt Kompetenz. Sich falsch ansprechen zu lassen bedeutet, es Idioten zu erlauben, auf einem herumzutrampeln.

Und gleich wo das geschieht, die Folge davon ist immer, daß die Autorität, kraft welcher es die Idioten tun, welche sie auf so schändliche Weise borgen, aus den Händen der Allgemeinheit fällt, denn hielten wir sie fest in ihnen, so duldeten wir diesen Mißbrauch nicht. Ist sie aber frei zu haben, dient sie bald speziellem Recht.

Nun, das ist alles schon geschehen, jedenfalls in den weitesten Teilen. Der Trotzkist lacht darüber, wie weit ihn die Verhöhnung bringt, bis ihn der Stalinist erschießt. Die Namen sagen es frei heraus, Trotz und Stahl.

Das ist der von einer Seite angedachte Weg. Ihm entgegen steht indes die Stärke spezieller Interessen, weshalb er nicht recht vorankommt, und das gibt uns vielleicht die Möglichkeit, uns selbst aus dieser Lage zu befreien, indem wir zunächst bei uns die Lächerlichkeit, aus welcher heraus man uns anspricht, erkennen und schließlich öffentlich verspotten. Mit Glück läßt das die Verhöhnenden ihren Hohn erkennen und wir finden wieder zur Herrschaft unseres gemeinsamen Interesses.

Nein, nicht überall, aber das ist der Lohn jener, welche ihn sich verdienen, und dabei sollten wir den Blick auf unsere eigene Situation richten, nicht auf die symbolischen höhnischen Großtaten, denn indem wir das täten, erkennten wir die staatliche politische Ordnung an, womit wir uns unserer eigenen Handlungsfähigkeit begäben: Abhilfe kann nur von unten kommen, nicht durch den staatlichen Apparat, wir begründen Glauben, nicht Eliten, und also müssen wir Glauben auch in die Welt bringen.

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