Bereitschaftsbeitrag

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13. Juli 2018

Zwei Schwestern

Ich schrieb im Beitrag Charakterziele als mütterliches Erbteil, daß Männer von ihrer Mutter das Ziel für ihren charakterlichen Ansatz erhalten. Das ist in gewisser Weise zu ergebnisorientiert betrachtet. Freilich erben Männer von ihren Müttern nur jenen Teil, welcher ihrem Charakter nach für sie von Bedeutung ist, aber diese Betrachtung reduziert das Wesen der Mütter auf jeweils nur einen einzigen Aspekt, ohne es vorher im Ganzen in den Blick genommen zu haben.

Der Grund für diese Auslassung besteht darin, daß den weiblichen Zielvorstellungen nur schwer kategorisierend beizukommen ist, indes ist mir heute immerhin klar geworden, daß sie, jedenfalls in unserem Zeitalter der Werke, dies mag sich gemäß den Himmelsvorstellungen der Zeitalter ändern, der Wesentlichkeit verpflichtet sind, nicht der Schönheit und auch nicht der Macht.

Frauen betrachten sich selbst als Stützen des Wesentlichen, üblicherweise wesentlicher gesellschaftlicher Einrichtungen, wiewohl es auch Frauen engeren Horizonts gibt, welche über ihre unmittelbare Umgebung nicht hinausdenken.

Letzteres hat freilich den Vorteil, daß solche Frauen sich schwerlich über ihren Einfluß täuschen können, und insbesondere in ihren Söhnen ist das ein ganz angenehmer Zug, vorausgesetzt, daß diese über ihr eigenes Leben verfügen können.

Aber ich möchte etwas anderes in den Blick fassen, und zwar einen Gegensatz zwischen recht ähnlichen gesellschaftlichen Einrichtungen, nämlich
  1. dem Zünglein an der Waage und
  2. dem Muskel.
Beiden ist gemeinsam, daß sie in erster Linie Fakultäten sind, also Leistungserbringer, nur daß die Leistungserbringung bei der ersten Einrichtung bedingt ist, was unter dem Friedensaspekt des Gestimmten bedeutet, daß die gerechte Sache sich der Unterstützung des Gerechten sicher sein darf. Fehlt die Bedingung hingegen, so wird die Gerechtigkeit der Gesellschaft blind vorausgesetzt, und dies beschämt mich entweder, wenn ich als Sohn meiner Mutter die Überflüssigkeit meiner Einwände zugeben muß, oder aber es erschreckt mich, wenn ich sehe, daß sie nicht überflüssig sind. In jedem Falle aber stehe ich meinen so gearteten Vettern in einem gewissen Zwiespalt gegenüber: Wer sähe nicht lieber die Sonne über sich lachen?, aber was, wenn sie einmal nicht lacht?

Post Scriptum vom 15.7.2018. Subjektiv sieht sich der Muskel ebenfalls als derjenige, welcher darüber entscheidet, wem er dient und betrachtet es als selbstverständlich, daß sein Dienst allem nützt, wofür er steht, während das Zünglein an der Waage oftmals einen Anflug von Selbstgerechtigkeit verspürt, wenn es die Dinge ins Lot bringt. Diese Fassaden der Freiheit und Gerechtigkeit betreffen aber nur das Ganze, dessen Teil Muskel und Zünglein sind, und ihre Situation als einzelne Stützen ist die bereits beschriebene.

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