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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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15. September 2024

Zur Begegnung der politischen Entwicklung

Bei jeder Entwicklung machen wir uns von Dingen abhängig, welche es uns erlauben, uns von anderen unabhängig zu machen, und indem wir dies tun, sind erstere bereits Institutionen, und zwar Angelpunkte der Entwicklung.

Betrachten wir eine Polis, so wählt jeder Bürger seine eigenen Angelpunkte, eine Wahl, welche Einbeziehung heiße, doch diese Wahl hängt offensichtlich davon ab, welche Institutionen es überhaupt gibt, so daß der politischen Entwicklung in zwei Schritten begegnet wird, nämlich
  1. Innovation und
  2. Einbeziehung,
wobei Innovation die die Neueinrichtung bestehender Institutionen oder der Einrichtung neuer bezeichne.

Neben den beiden Schritten der Innovation und Einbeziehung gibt es auch zwei Verhältnisse zwischen ihnen, nämlich Wahl und Zwang, weshalb wir auch von Wahl- und Zwangsinstitutionen sprechen, wobei der Prozeß, welcher sicherstellt, daß keine unliebsamen Institutionen einbezogen werden, sondern lediglich die verbleibenden lizenzierten, Repression heiße.

Die Regierung hat also zwei Möglichkeiten zu innovieren: Entweder
  • sie zwingt den Bürgern Institutionen repressiv auf oder
  • sie richtet es so ein, daß die Innovation von Wahlinstitutionen vergütet wird,
das heißt, entweder die Repressoren werden vergütet oder die genannten Innovatoren.

Die Wahl der Bürger hängt dabei von ihrer Lagebeurteilung ab. Fragen derer Qualität reduziere ich hier auf die Beobachtung, daß politische Entwicklungen im Laufe der Zeit immer klarer werden, was dazu führt, daß bei
  • einer besseren dem Gemeinwohl verpflichteten Lagebeurteilung der Regierung als einer solchen der Bürger die Repression zur Aufrechterhaltung von damit zusammenhängenden Zwangsinstitutionen immer milder wird, während
  • die Repression im umgekehrten Fall immer schärfer wird.
Die heutigen Lagebeurteilungen sind aus meiner Warte durch die Bank schlecht, weshalb die Repression im allgemeinen zunimmt. Allerdings wäre es nur natürlich, wenn sich Regierungen zunehmend darauf verlagerten, nur noch solche Aspekte der Lage zu beurteilen, von welchen sie etwas verstehen, was zwar nicht zu guten Lagebeurteilungen führte, aber wenigstens zu Erfolgen in politischen Teilbereichen.

Konkret muß die industrielle Produktion modularisiert und herabskaliert werden, um souveräne Kommunen zu ermöglichen, und davon spricht niemand außer mir. Allerdings würden protektionistische Importzölle wenigstens marginal zur Herabskalierung beitragen, und im Falle von ausbrechenden Sezessionsbewegungen sogar wesentlich. Nicht, daß das dem Ziel entspräche, aber man darf auch nicht vergessen, daß man sich, wenn man auf dem falschen Dampfer ist, mit jeder Stunde weiter von ihm entfernt.

Post Scriptum vom 4.10.2024. Vorsichtshalber möchte ich hier nun doch noch ausdrücklich festhalten, daß zunächst modularisiert werden sollte und dann herabskaliert, da umgekehrtenfalls die Gefahr besteht, die bestehenden industriellen Kapazitäten aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit zu zerstören, wohingegen eine Verlagerung der Produktion auf normierte Einzelteile sogar als Lebensstilfrage, mehr Individualität, weniger Abfall, mehr Instandsetzung, global beworben werden könnte.

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28. Dezember 2024

Kulturelle Herrschaften als fortgesetztes Beharren auf dem Delegationsrecht Gläubiger

Nachdem ich die drei Glaubensmodi verallgemeinert und ihrer zwei als Spezialfälle von sechs bedingenden Glaubensmodi gedeutet habe, fasse ich nun jeweils zwei der sechs bedingenden Glaubensmodi mit jeweils einem unbedingten zu insgesamt drei Glaubensweisen zusammen, nämlich dem Glauben an
  • die Bestimmung (Bestimmbarkeit), welcher durch Überantwortung und Erwachsen die Eröffnung zu erreichen sucht,
  • die Wahl (Wählbarkeit), welcher durch Übergehen und Näherbringung die Vervollkommnung zu erreichen sucht und
  • die Verwandlung (Verwandelbarkeit), welcher durch Verneinen / Lösen und Klärung die Bejahung zu erreichen sucht.
Gelungen ist
  • die Überantwortung, wenn wir auf die umgesetzten Vorhaben stolz sind, wenn wir sie ermessen,
  • das Übergehen, wenn wir Genugtuung empfinden, wenn wir in der begegnenden Entwicklung umsetzen,
  • die Verneinung / Lösung, wenn uns die nach ihr ermessene Haltung Freude bereitet, wenn wir in ihr begegnen,
und
  • die Eröffnung lockt die Überantwortung mittels des durch sie ermöglichtem Begegnens durch Verbundenheit,
  • die Vervollkommnung das Übergehen mittels des durch es ermöglichten Ermessens durch Liebe und
  • die Bejahung die Verneinung / Lösung mittels des durch sie ermöglichten Umsetzens durch Zufriedenheit.
Dadurch, einer Anpassung durch eine andere gerecht werden zu müssen, befindet sich
  • der Überantwortende in der Rolle des Auftragnehmers, welcher für den Auftraggeber umsetzt,
  • der Hinübergehende in der Rolle des Dieners, welcher für den Herren begegnet, und
  • der Verneinende / sich Lösende in der Rolle des Kandidaten, welcher nach dem Prüfer ermißt,
und dabei gibt es zwei Fälle, nämlich
  1. daß sich ein anderer Mensch in der jeweils zugehörigen Rolle befindet oder
  2. nicht.
Im zweiten Fall ist man es entweder selbst: die Ehre des Überantwortenden gibt den Auftrag, die Enthaltsamkeit (Anspruchsvollheit) des Hinübergehenden wählt die Entwicklung (Umstände), die Ehrfurcht des Verneinenden / sich Lösenden die Haltung, oder Gott vermittels dieser Gefühle.

Im ersten Fall ergibt sich hingegen die prinzipielle Möglichkeit, den Glauben herrschaftlich zu organisieren, und das geschieht bei
  • der Willenskultur, indem sich erwiesen habende Auftragnehmer Aufträge vergeben und die Bestimmung ihrer Aufträge annehmenden Untertanen organisieren, indem sie ihnen glaubhaft machen, daß die herrschaftlichen Vorhaben der Schlüssel zur stolzen Ermessung nach der Haltung sind, welche ihnen die Eröffnung verspricht, jedoch, wenn ihre Untertanen meinen, keine folgenreichen Aufträge zu erhalten, verstocken sie,
  • der Erlebniskultur, indem sich erwiesen habende Diener in die Rolle von Herren schlüpfen und die Wahl ihrer Untertanen in der Rolle von Dienern organisieren, indem sie ihnen glaubhaft machen, daß die herrschaftliche Entwicklung der Schlüssel zur Umsetzung der Vorhaben ist, welche ihnen die Vervollkommnung versprechen, das heißt den Rahmen bilden, in welchem eine rechtschaffene Haltung erst möglich wird, jedoch, wenn ihre Untertanen meinen, nicht folgenreich zu dienen, werden sie überdrüssig (vormals arriviert), und
  • der Repräsentationskultur, indem sich erwiesen habende Kandidaten in die Rolle von Prüfern schlüpfen und die Verwandlung ihrer Untertanen in der Rolle von Kandidaten organisieren, indem sie ihnen glaubhaft machen, daß die herrschaftliche Haltung der Schlüssel zur Begegnung der Entwicklung ist, welche ihnen die Bejahung verspricht, jedoch, wenn ihre Untertanen meinen, nicht folgenschwer geprüft zu werden, verzagen sie.
Doch abgesehen von der durch schlechte Herrschaft hervorgerufenen Verstocktheit, solchem Überdruß und solcher Verzagtheit, liegt auch im Glauben an
  • der Bestimmung selbst schon die Gefahr, überdrüssig zu werden, da die Überantwortung die Ehrfurcht verschattet, wenn es am Erwachsen mangelt,
  • der Wahl, zu verzagen, da das Übergehen die Ehre verschattet, wenn es an der Näherbringung mangelt, und
  • der Verwandlung zu verstocken, da die Verneinung / Lösung die Enthaltsamkeit verschattet, wenn es an der Klärung mangelt.
Kulturelle Herrschaften bilden sich also auf natürliche Weise, wenn es einem Kern Gleichgläubiger gelingt, sich
  • ehrenvoll als Überantwortende zu bewähren und die Bestimmung des Rests als Auftraggeber zu organisieren,
  • enthaltsam als Hinübergehende und die Wahl des Rests als Herren zu organisieren, und
  • ehrfürchtig als Verneinende / sich Lösende und die Verwandlung des Rests als Prüfer zu organisieren,
und auf diese Weise sind kommunistische und faschistische Parteien, beziehungsweise die angloamerikanische Oligarchie oder die katholische Kirche auch entstanden, wobei im Falle letzterer Christus das auch vorausgesagt hat, als er meinte:
Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl vermengte, bis es ganz durchsäuert ward.
Welche kulturelle Herrschaft sich bildet, hängt von der Zeit ab, also ob in ihr der Glaube an die Bestimmbarkeit, die Wählbarkeit oder die Verwandelbarkeit blüht. In mir ist der Glaube an die Verwandelbarkeit noch wach, aber allgemein gesprochen hat die Entdeckung der Neuen Welt den Glauben an die Wählbarkeit zur Vormachtstellung verholfen und die Industrialisierung jenen an die Bestimmbarkeit, wonach dann auch die Geschicke der Menschen verliefen.

Ich schlage freilich vor, in der heutigen Situation überhaupt nicht kulturell zu prägen, die Bestimmung ist ein sich selbst gefährdender Irrweg, die Wahl im Überdruß versackt, die Verwandlung, soweit ich es überblicken kann, eine Überlebensnotwendigkeit, und es mag auch nur natürlich und praktisch geboten sein, daß jene, welche sich erfolgreich verwandelt haben, die Verwandlung der andern prüfen, aber das heißt ja nicht, daß sie ihnen auch sonst die Haltung vorgeben sollten.

Ich habe den ganzen Tag auf diesen Beitrag verwendet, und es ist eine Qual, aber den Glauben zu verlieren, ist eine schlimmere. Vielleicht erlaube ich es mir, den Rest des Jahres mit Blödsinn zuzubringen, jetzt wo ich die seelischen Triebe von 100, 20 und 5 Generationen überblicke.

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9. September 2025

Bad men will never compass their ends, as long as good men look on and do nothing.

Daß es sich bei einer Demokratie um ein Ökosystem handelt, in welchem zwei Wölfe auf ein Schaf kommen, ist nicht die einzige populäre Verkehrung der wahren Verhältnisse in Amerika, denn nichts gibt mir größere Zuversicht, als daß die Schafe der Fremden Stimme nicht kennen, als daß kein Fremder einen Weg zu weisen vermag, von welchem die Schafe glaubten, daß er zum Reich Gottes führt.

Die Schafe sind die Bürger Smyrnas oder die Mitglieder eines Volkes, welche als solche ihre Haltung klären, um anschließend das Gute an ihrer Entwicklung zu bejahen und das Schlechte zu verneinen, wobei zur Klärung gehört, modische Vorhaben einzusetzen und sich über die Haltung zu verständigen.

Wenn es nun offenbar ist, was gut und was schlecht ist, und wenn die eigene Haltung diese Klarheit reflektiert, so kann jemand, der an die Rechtschaffenheit als Mittel der Begegnung, also als Pforte zum Reich Gottes glaubt, in keiner Weise zum Schlechten beitragen, sondern er kann sich zurücklehnen und abwarten, wie die schlechten Pläne an der klaren Gefaßtheit der das Gute zu mehren Suchenden zerschellen, nicht zuletzt, weil Gott mit ihnen ist.

Das Problem damit ist nur, daß es normalerweise nicht offenbar ist. Moderne Demokratien sind so verfaßt, daß es einen öffentlichen Diskurs gibt, welcher sich im Verbund mit den auf ihm fußenden Wahlen als Verständigungsprozeß eines Volkes auffassen läßt, demgemäß die Rechtschaffenheit es verlangt, sich an ihm zu beteiligen.

Um dies vollständig zu erfassen, muß ich indes auf die Unterscheidung zwischen intuitivem und prospektivem Fortschritt zurückkommen. Ich sagte, es könne keine prospektiven Gehießenheitsgefäße geben, da sie nach jedem Schritt weiter zerfielen. Es ist aber möglich, sich einem intuitiven Gefäß prospektiv anzuschließen, ihm also nicht beizutreten, sondern sich ihm nur beizugesellen, was im Falle eines Volkes darauf hinausläuft, im Rahmen der Klärung zwar modische Vorhaben einzusetzen, sich aber nicht über die Haltung zu verständigen, da ein Glaube an die Rechtschaffenheit als Mittel zur Begegnung nicht vorliegt.

Wenn nun eine Fraktion eine Wahl gewonnen hat, so wird die tätliche Verständigung über das in der Wahl Entschiedene bis zur nächsten Wahl verschoben, dem Gedanken folgend, daß ihm Gelegenheit gegeben werden sollte, seinen Wert praktisch zu erweisen, und somit werden die Bürger, welche es als unrechtschaffen erachten, dazu verdammt, sich bis zur nächsten Wahl der gegnerischen Partei tätlich beizugesellen, wiewohl sie weiterhin ihre Ansicht äußern können.

Abgesehen davon gibt es natürlich auch Bürger, welche sich dem Volk sowieso nur beigesellen, weil sie der Rechtschaffenheit grundsätzlich nichts zutrauen.

Beide erlauben indes, daß Gerechtigkeit und Legalität divergieren und sich also eine legalistische Gesinnung bilden kann, wobei man auch wieder verschiedene Arten von legalistischer Gesinnung unterscheiden müßte, wenn man es genauer betrachtet: die abendländische ist absolut, das Gesetz muß nichts mit der Gerechtigkeit zu tun haben, die morgenländische ist konventional, die Entsprechung der Gesetzespraxis mit der Gerechtigkeit wird anerkannt, so daß die Gerechtigkeit im Abendland zwischen den Wahlen ausgesetzt wird und im Morgenland allezeit revisionistische Usurpationen drohen.

Immerhin hat das Volk aber alle paar Jahre wieder die Chance, das Gesetz der Gerechtigkeit anzupassen, im Abendland. Und die abendländische Einrichtung mag tatsächlich auch Moden aufgreifen und die Verständigung voranbringen, oder sie mag es auch nicht: Formal ähneln Demokratien am ehesten Bünden, um deren Führung periodisch gebuhlt wird, und da sich diese Auffassung mit der realen Natur der Menschen nur schwer verträgt, schließlich bilden wir ja keine Affenhorde, besteht die natürliche Tendenz, daß der nationale Bund in verfeindete Parteienbünde zerfällt, wenn das Buhlen, also der Wahlkampf, nicht im Namen einer vom Volk bejahten Zukunft geführt wird.

Und damit bin ich wieder am Anfang dieses Beitrags angelangt: Er wird es nicht. Je weiter die Technologie voranschreitet, desto unwesentlicher wird der Mensch, sowohl als einzelner, als auch als Menge, wobei Wesentlichkeit stets einen konstruktiven Beitrag impliziert, denn was die destruktiven Beiträge angeht, nimmt die Gefährlichkeit des Menschen zu, so daß sich sein Bild von verheißungsvoll zu pathologisch wandelt, wie ab einem bestimmten Grad der Beschleunigung auch die Achterbahn kein Vergnügen mehr bereitet.

Ergo zerfallen moderne Gesellschaften in verfeindete Parteienbünde. Und aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion werden sie darüberhinaus künstlich mit sich Beigesellenden aufgebläht, welche zwar eine bessere Entwicklung suchen, aber keine Rechtschaffenheitsvorstellungen mitbringen, welche ihre neuen Heimaten weiterzuentwickeln vermöchten. Freilich, aufgrund der Zentralisierung der politischen Macht, welche der Scheu der Eliten vor dem Volk entspringt, fühlen sie sich an den Ostblock erinnert, aber bessere Rezepte zur Genesung kennen sie deswegen nicht.

In dieser Lage, nun, erkennen Politiker zusehends, daß es halt so ist und verzichten kategorisch darauf, das Volk anzusprechen, sind also nicht mehr nur unglaubwürdig, sondern orientieren sich an den Interessen von Bünden und sich Beigesellenden, und indem sie dies tun, schaffen sie die ach so seltene Klarheit. Deutschland hinkt da noch hinterher, Starmer aber stürmt voran und in der jetzigen Situation wird der ganze Troß wohl in eine Richtung laufen.

Übrigens hat Kaja Kallas völlig recht damit, daß das soziologische Verständnis der Chinesen primitiv und jenes der Russen super gut [Anm. d. Red. vielschichtig] ist, nur was sie auf dieser Basis vorschlägt, nämlich Zufriedenheit durch Ausschluß russischen Einflusses herzustellen, ist eindeutig ein vergifteter Apfel, welcher jegliche Manöver, an den Ursachen der Unzufriedenheit etwas zu ändern, paralysierte. Sie war mir ja schon vorher damit aufgefallen, die Vorteile kleiner Nationen gegenüber großen anzupreisen, wobei ich wohl der einzige bin, welcher dabei an den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus denken mußte. Sie stellt sich genauso bewußt dumm wie Marilyn Monroe, die Idioten sitzen bei ZeroHedge, welche nicht wissen, daß Stalin Japan erst am 9. August 1945 den Krieg erklärte.

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17. September 2013

Ekstasen

Nicht selten sind Menschen blind gegenüber ihrer Antithese, ich bin da keine Ausnahme, und insofern ist es vielleicht ganz gut, daß ich zur Zeit etwas erkältet bin.

Was mich offensichtlich von meinen Mitmenschen unterscheidet, ist, daß ich nicht glaube, daß es gedeihlich ist, den Teig dieser Welt weiter auszuwalzen, wie ich es auch zuletzt im Beitrag Stellungen zum Leben, Stellungen zur Existenz festhielt.

Aber das dort beschriebene Ganz Andere ist eben keine Alternative in dieser Lage, sondern nur eine intellektuelle Regressionsstufe. Und doch gibt es eine Wahl in dieser Angelegenheit. Normalerweise ist das Leben ein Traum, welchen wir aufnehmen, um ihn fortzuschreiben. Das heißt, normalerweise glauben die Menschen, daß es sich so mit ihm verhalte, und entsprechend leben sie.

Dazu gibt es aber zwei Alternativen, nämlich zu glauben, daß das Leben ein Traum ist, welcher ohne unser Zutun fortgeschrieben wird oder zu glauben, daß das Leben ein Traum ist, welcher nicht aufgenommen werden muß, sondern frei von uns geschrieben werden kann.

Dies sind die beiden möglichen Ekstasen, Super- und Subsensibilität, wenn man so will. Die folgenden beiden Personen illustrieren sie sowohl in ihren Gesichtszügen, als auch in ihren zur Schau gestellten Taten.

 
Denn es ist so, daß der Verzehr von Nahrung der grundlegendste Erweis des Glaubens ist, den Traum des Lebens selber zu schreiben, und die Verwendung von Kleidung der grundlegendste Erweis des Glaubens, den Traum des Lebens aufzunehmen.

Was ich als Transzendenz beschrieben habe, ist sämtlich subsensibel, nicht aber sämtlich selbstdienlich. Es entspricht, recht vage zwar nur, aber immerhin, Freuds Lebens- und Todestrieb, in soweit sich zyklischer Fortschritt und das Zurücksetzen eines Zykels so verstehen lassen.

Und wo ich gerade dabei bin, es ist zwangsläufig so, daß einem neuerlichen Durchlauf des ideellen Zykels eine Phase voraufgeht, welche die menschliche Existenz wieder in den Blick nimmt, denn unmöglich läßt sich glauben, daß sich die Welt in Rücksicht auf etwas bildet, dessen Existenz und Wesen einem unbekannt ist. Wenn wir die Gesetze des Beharrens ausgesprochen gut, die Gesetze von Lust, Achtung und Sorge aber überhaupt nicht kennen, so müssen wir glauben, daß das Beharren unser gesamtes Sein bestimmt. Wissen wir hingegen, daß letztere ihr eigenes Sein haben, und erkennen es auch und verstehen seine Gesetze, so werden wir auch glauben, daß sich die Welt aus ihm heraus bildet.

Sicher, die Grundlage all dieser Behauptungen ist, daß alles, woran ein Mensch glaubt, Wirklichkeit wird, aber es lassen sich halt nur einige wenige verschiedene Dinge glauben. Zunächst einmal sich in einer Interaktion zu befinden oder nicht. Falls nicht, dann entweder rein passiv oder aktiv zu sein. Im passiven Fall werden Erwartungen eine Rolle spielen, im aktiven lassen sich die transzendenten Akte nach der Natur des betroffenen Seelenteils unterscheiden, sowie nach ihrer Funktion in den geschichtlichen Zykeln.

Wenn ich das so schreibe, meine ich natürlich nicht, daß einer glaubt, an keinerlei Interaktionen teilzunehmen, sondern nur, daß er nicht an ihre Notwendigkeit glaubt, also entweder nicht daran, selbst gestalten zu müssen oder nicht daran, anknüpfen zu müssen.

Lustigerweise ist die heutige Welt eine, welche sich der Sicht Prahlad Jani's geradezu von selbst annähert. Die Menschen werden aus der Interaktion entfernt und geraten in eine rein passive Rolle. Dann tun sie entweder den Schritt, diese Rolle zu bejahen, oder sie verneinen sie, wie ich oder auch Wim Hof.

Ich weiß aber letztlich nicht, ob es überhaupt einen Unterschied macht. Ich weiß, daß ich kein bloßer Zuschauer sein will. Aber ich weiß nicht, ob bloße Zuschauer nicht am Ende unbewußt alles heraufbeschwören, was sie sehen. Vielleicht ist die Wahl der Ekstase nur die Wahl ihrer Bewußtmachung, während die Wahl ihrer Existenz die Ablehnung der Interaktion ist, gleich ob passiv unbewußt oder aktiv bewußt.

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9. November 2020

Zur Verfolgung politischer Interessen

Eine kleine Dialektik (im platonischen Sinne).

Zunächst einmal unterteilen wir die Verfolgung von politischen Interessen danach, ob sie politisch berücksichtigt werden oder nicht.

Die politische Berücksichtigung wiederum unterteilen wir zum einen in die Wahl eines unterstützten Interessenvertreters* (dies könnte auch schlicht ein Steinmetz sein, welcher sich anbietet, ein bestimmtes Gesetz in Stein zu meißeln) und zum anderen in die Verhandlung zwischen getragenen Korporationen.

Ob es das eine oder das andere ist, hängt davon ab, ob die Interessen hochgradig zersplittert sind oder nicht, denn wenn sie es sind, lassen sie sich nicht verhandeln, und wenn sie es nicht sind, gibt es keinen Grund, Vertreter hinzuzuziehen, welche sich mit unterschiedlichen Interessenberücksichtigungen zur Wahl stellen.

Was die Korporationsbildung betrifft, halten wir zunächst einmal fest, daß jeder Korporation ein Interesse zu Grunde liegt. Das allgemeinste Interesse ist das Gute. Dieses kann spezifiziert werden, und seine Spezifizierungen können später auch wieder verallgemeinert werden. Indem Interessen spezifiziert werden, bilden sich neue Interessen, und Korporationen, welche auf diese Weise entstehen, mögen durch Spezifizierung entstanden heißen. Umgekehrt ist es möglich, daß eine Interessenzersplitterung durch Verallgemeinerung ihre Hochgradigkeit einbüßt, und auf diese Weise entstehende Korporationen mögen durch Verallgemeinerung entstanden heißen.

Durch Verallgemeinerung entstandene Korporationen stellen einen geistigen Rückschritt dar und sind daher der Natur des Menschen zuwider. Sie treten üblicherweise in Folge von Katastrophen auf und sind vorübergehender Art. Bei den von mir betrachteten Besinnungen, zunächst auf die Verantwortung, dann auf die Beteiligung und schließlich auf die Ordnung im Rahmen der Rückkehr zur Aristokratie oder der Herrschaft der Sorge, handelt es sich um Spezifizierungen. Die gegenwärtige Coronakrise hat hingegen zu Verallgemeinerungen geführt.

Das heutige politische Klima zeichnet sich dadurch aus, daß ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung in Korporationen organisiert ist und deren Interessen trägt, wenn er zur Wahl antritt. Dem gegenüber stehen hochgradig zersplitterte Interessen, welche einen für sich passenden Vertreter suchen - nicht zuletzt auch, um zu verhindern, daß die getragenen Korporationsinteressen sie zwangsinkorporieren. Gleichzeitig verstärken sich die Bemühungen, Interessen von der politischen Berücksichtigung auszuschließen.

Wenn Interessen aber politisch unberücksichtigt bleiben, so bleibt nur, daß die Interessenten zu ihren eigenen Agenten werden.

* Vertretung im Falle von mehreren Personen.

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23. März 2025

Glaubensverfehlungen

Mit den jüngsten Bezeichnungen lassen sich die Glaubensweisen wie folgt definieren: An
  • die Verwandlung zu glauben besteht darin, sich mithilfe der Versetzung des Eingreifens zu entheben,
  • die Bestimmung darin, mithilfe des Einrichtens der Betroffenheit zu entkommen, und
  • die Wahl darin, mithilfe der Eröffnung dem Voranschreiten zu entgehen.
Anders gesagt besteht
  • die Verwandlung darin, sich in den Wind zu drehen,
  • die Bestimmung darin, die Umstände zu gestalten, und
  • die Wahl darin, zu Neuem aufzubrechen,
und wenn wir den jeweiligen dabei gemiedenen weltlichen Aspekt nicht vermeiden, haben wir unseren Glauben verfehlt, wobei es mir bei der Verfehlung aber nicht um die Wiederholung der Glaubensübung bis zu ihrem Gelingen geht, welche ja integraler Teil der Glaubensweisen ist, sondern um die überraschte Feststellung, daß sich die jeweiligen verzahnten Handlungsstrategien anders als gedacht ausgewirkt haben, also um die Möglichkeit der diesbezüglichen Selbsttäuschung, welche freilich hinsichtlich der Betroffenheit und dem Voranschreiten ausgeprägter ist, als hinsichtlich des Eingreifens. Übrigens ist es offensichtlich so, daß
  • Erlebniskulturen im Glauben an die Wahl geführt werden,
  • Repräsentationskulturen im Glauben an die Verwandlung und
  • Willenskulturen im Glauben an die Bestimmung,
und diesbezüglich zeigt sich an den Deutschen weiterhin der willenskulturelle Zug, welchen bereits Dostojewskij an ihnen feststellte: Die einfachste und sicherste Art zu glauben, sich die Welt selbst zu definieren (aus dem Gedächtnis, im Kontrast zur allgemeinen Menschenliebe, wohl in bezug auf Hegel), später im Lindgren'schen Gewandt volkstümlich geworden: Ich mach' mir die Welt, widde-widde wie sie mir gefällt.

Aus diesem Glauben heraus sind Entwicklungen lediglich Stufen zur Umsetzung der eigenen Vorhaben, und es ist ein regelrechter Schock feststellen zu müssen, daß die Umsetzung der eigenen Vorhaben wiederum mit Entwicklungen verbunden ist, welche nicht beabsichtigt wurden. Nun, der Hegel'sche Weltgeist besitzt eine ungestörtere Selbstorganisation als es die Menschen tun.

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20. Januar 2020

Mein Beseelungsmodell

Ich befaßte mich zuletzt mit dem Johanneisch-Plotinos'schen Seelenmodell, um es einmal so zu nennen. Aber es ist offensichtlich unvollständig, da es die materiellen transzendenten Akte nicht abdeckt.

Eine vollständige Behandlung der transzendenten Akte findet sich im Beitrag Transzendente Einheiten. Hier nun werde ich diese Betrachtung durch die Begriffe des Heils, des Lebens und des Anklangs erklären.

Es gibt gebundenes und freies Heil, wobei gebundenes Heil wie im Beitrag Heils- und Lebensausprägungen beschrieben an Leben gebunden ist. Ideelle transzendente Akte beeinflussen die Bindung, doch selbst wenn dies im Rückgriff auf das Heil geschieht, also beim Gebet um die Gnade der Ordnung, ist das bemühte Heil nicht als frei zu betrachten, doch in jenem Fall immerhin als bloß unspezifisch gebunden.

Freies (Un-)Heil hingegen steht jeden Augenblick bereit, Gutes (oder Übles) zu zeitigen, und auf diese Bereitschaft der Wirklichkeit gründet sich der Begriff des Anklangs, oder auch Karmas.

Doch fassen wir das besser formal: Unsere Verbundenheit
  • mit Gott löst Heil und (begriffliches) Leben durch ideelle transzendente Akte und Inspiration ein,
  • mit dem Lebenskreis verfolgt (konkretes) Leben durch funktionale transzendente Akte und
  • mit der Wirklichkeit löst Anklang durch materielle transzendente Akte aus.
Der Grund der Verbundenheit besteht dabei in unserer Beseelung,
  • die Lust verbindet uns mit der Wirklichkeit,
  • die Achtung mit dem Lebenskreis und
  • die Sorge mit Gott,
wobei das Beseelte Schritt für Schritt an Qualität gewinnt, nämlich
  • Existenz,
  • Organisiertheit und
  • Alternativität;
Organisiertheit durch Funktionsunterscheidung und Alternativität durch Funktionswahl.

Doch auch wenn wir durch die Liebe des Heils, die Klärung unseres Glaubens, die Ausschöpfung unserer Vorliebe und die erfolgreiche Gewissensentsprechung, sowie die Verfolgung unserer konkreten Betroffenheit durch Ordnung, Beteiligung und Verantwortung weitgehend gebunden sind, gibt es doch einen Teil unserer Seele, welcher für die augenblicklichen Ansprüche des Heils an die Wirklichkeit offen ist, mit anderen Worten also für das freie Heil.

Das Heil prägt wie gesagt ein Gleichgewicht aus, und es tut dies durch
  • einen Begriff der Ausgeglichenheit und
  • einen Prozeß der Schöpfung.
Indem uns die Heiligkeit einer Ausgeglichenheit einleuchtet, erwählen wir, sie zu beherzigen, und die Besinnung auf sie führt zur Entgegnung (oder Entlohnung), indem sich die Wirklichkeit unserer Wahl anschließt.

Indem wir uns auf die Heiligkeit der Schöpfung einlassen, erwählen wir eine Reifung, und die Besinnung auf die Schöpfung führt zur Begleitung (oder Gebietung), indem sich die Wirklichkeit unserer Wahl anschließt.

Indem wir uns einlassen, legen wir zugleich den Grundstein für unsere uneigentliche (oder bedingte) Erwartung, nämlich dadurch, daß wir einen Ausgleich als heilig annehmen und unter dieser Voraussetzung gewisse Wendungen erwarten.

Indem wir für die Heiligkeit eines Gleichgewichts einstehen, erwählen wir eine Wirkung, und die Besinnung auf es führt zu Einstellung (oder Abschirmung), indem sich die Wirklichkeit unserer Wahl anschließt.

Indem wir also unser Leben hintanstellen und die freie Heiligkeit suchen, können wir mit der Wirklichkeit eins werden und Wunder und Zeiten wirken, doch stets nur für den Augenblick, denn eine höhere Realität kennt die Wirklichkeit nicht.

Es ist klar, daß Hinduismus und Buddhismus die Erfahrung des Anklangs der Wirklichkeit suchen und die Abrahamitischen Religionen den Abglanz des Heils im Leben. Ich glaube aber nicht, daß die Aufgabe des Anklangs zur Gewinnung des (ewigen) Lebens gehört, wie es die französische Schule zu behaupten scheint.

Post  Scriptum vom 24.1.2020. Einlassen besteht darin, die Regel zu beherzigen, also die Stellung einzunehmen, den Erfordernissen einer erkannten, durch Regeln näher zu bestimmenden Wirkungsdynamik nachzukommen. Würde hingegen nur die Haltung angenommen, ihr nachzukommen, sprächen wir nicht von einlassen, sondern von ausnutzen. Und im hier betrachteten Fall lassen wir uns konkret darauf ein, die Schöpfung (von mir auch Zeitgeist und die Wirkung des Heiligen Geistes genannt) durch unsere Haltung auf Grundlage dessen zu unterstützen, daß das Heil seine (transzendente!) Macht daraus gewinnt, daß wir ihm unser Verhalten unterordnen. Siehe auch meine Bemerkung zum Einlassen in Bestürztheiten, Zeitalter und Orientierungen.

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7. August 2024

Ausrichtung am Ganzen als Fata Morgana

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Frage der Ausrichtung, ob man sich am Ganzen oder am persönlich Widerfahrenden ausrichtet, und der Neigung zur Revision, also Entwicklungen in Vorhaben aufzugreifen, Haltungen Entwicklungen auszusetzen oder Vorhaben in Haltungen einzusetzen, wie es am Ende der Zeitalter nötig wird, weil
  • der Entwicklung im Zeitalter der Werke schließlich nicht mehr bestimmt begegnet wird,
  • die Haltung im Zeitalter der Wacht schließlich nicht mehr Bewirkendes ermißt und
  • die Vorhaben im Zeitalter der Wunder schließlich nicht mehr einbeziehend umgesetzt werden,
so daß
  • ein aufgriffsfreudiges zum Umfeld der Wahl wird, einer widrigen Entwicklung zu entgehen,
  • eine freilegungsfreudige (und damit implizit barmherzige) zur Haltung der Wahl, sich über eine verhaßte Haltung hinwegzusetzen, und
  • ein einsetzungsfreudiges zum Umfeld der Wahl wird, schmachvolle Vorhaben (an verdientem Stolz) zu übertreffen.
Beispielsweise mußten sich Sammler und Jäger am Ende des letzten Zeitalters der Wunder seßhaften Gesellschaften anschließen, um von deren Arbeitsteilung zu profitieren, anstatt sich immer tiefer in die Wälder zurückzuziehen, um sie nicht einbeziehen zu müssen, und Christen am Ende des letzten Zeitalters der Wacht offen für etwaige Notlagen sein, indem sie einander vorbedingungslos halfen, um Vorhaben, welche sich jenseits der erstarrten Praxis des Römischen Reichs bildeten, ermessen und im Rahmen des Zeitalters der Werke integrieren zu können.

Der Grund, warum es trotz solcher Fehlbildungen oftmals nicht zur nötigen Revision kommt, ist nun gerade die titelgebende Ausrichtung am Ganzen, und zwar, weil das Ganze nie gänzlich überblickt wird, so daß auch bei massiven Fehlbildungen der Eindruck aufrecht erhalten werden kann, daß das herrschende System Großartiges vollbringt, was insbesondere bei Leistungsfordernden, und von den 8 Milliarden Menschen auf dieser Welt dürften um die 5 Milliarden Leistungsfordernde sein, einen pädagogischen Stolz auslöst, welcher sie erfüllt, wenn sie Andere dem System unterjochen, etwa wenn sie
  • sich im Zeitalter der Wunder tiefer in die Wälder zurückziehen,
  • im Zeitalter der Wacht auf Disziplin und Drill bestehen oder
  • im Zeitalter der Werke blind den Kurs halten.
Übrigens, gerade wie jeder Gegenstand für einen Hammer wie ein Nagel aussieht, sieht jede Systemkritik für die katholische Kirche wie Arbeitsverweigerung aus, denn nach ihrem Verständnis kann das Römische Reich nicht untergehen, so lange es nur alle Vorhaben, und sei es die genetische Manipulation des Menschen, ermißt und im Rahmen des Zeitalters der Werke integriert.

Ich selbst werde jetzt auch nicht gerade als fleißigster Mensch aller Zeiten in die Geschichte eingehen, da tue ich ihr also den Gefallen, es so sehen zu können, wie es ihr gefällt, Müßiggang ist aller Laster Anfang, doch gut Ding braucht Weile, da ist der Volksmund einmal nicht mit sich einig. Nein, die Borniertheit der katholischen Kirche ist unerfreulich, aber an der prinzipiellen Unintegrierbarkeit etwa der künstlichen Intelligenz ändert das nichts.

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20. Februar 2017

Zur Gesetzlosigkeit der deutschen Rechtschreibung

Natürlich ist bereits die deutsche Sprache gesetzlos, etwa was das grammatikalische Geschlecht angeht (die Fahrt, aber der Flug, die Marter, aber der Prügel) oder die jeweils zu verwendende Präposition (Glaube an, aber Vertrauen auf, auf Kosten, aber unter Verlusten), aber ihre schriftliche Fixierung bringt noch einmal eine weitere Schicht der Gesetzlosigkeit mit sich.

Mit der Kommasetzung, der Groß- und Klein- oder Getrennt- und Zusammenschreibung möchte ich mich hier nicht beschäftigen, sondern mein Augenmerk einzig auf die Wahl der einzelnen Buchstaben zur schriftlichen Wiedergabe der gesprochenen Laute richten.

Gesetzlos ist diese Wahl, wenn sie willkürlich einen oder mehrere Buchstaben für die Wiedergabe eines Lautes im selben Kontext wählt, und insbesondere, wenn das Alphabet mehrere willkürliche Varianten für denselben Laut umfaßt, wie zum Beispiel f und v oder chs, ks und x.

Einige Beispiele. Vater, Familie, von, für, Vogel, Fohlen. Achse, Axt, staksen, schnackseln, wichsen.

Bemerkung. Bei f und v kann man freilich einwenden, daß es sich gar nicht um denselben Laut handelt, sondern daß das v ein leichter labiodentaler Frikativ ist und das f ein schwerer. Allerdings ist es unklar, in wieweit das wirklich Konsens unter den Sprechern des Deutschen ist.

Gehen wir hier tatsächlich von der Nichtgleichwertigkeit von f und v aus, können wir uns bis hierhin damit trösten, daß es nur wenige Wörter mit chs, ks oder x im Deutschen gibt und wir diese Fälle also bald hinreichend gut kennen, wenn wir uns gesondert mit ihnen befassen.

Kommen wir somit zur Frage der Anzeige von kurzen oder langen Vokalen.

Folgende Mechanismen gibt es in der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zweck:
  1. Konsonantenverdoppelung (einschließlich ck und tz) zur Anzeige eines kurzen Vokals,
  2. Vokalverdoppelung oder Ergänzung um ein e zur Anzeige eines langen Vokals,
  3. h und ß (aus hs in deutscher Schrift) zur Anzeige eines langen Vokals.
Das i wird nie verdoppelt (ha, ha, nie!), sondern um ein Dehnungs-e ergänzt, und die übrigen Fälle, in welchen ein Dehnungs-e auftritt sind ausgesprochen selten, gerade kommt mir nur Itzehoe in den Sinn.

Das heißt, um die innere Regelmäßigkeit der zweiten Klasse müssen wir uns nicht sorgen, und um die der ersten und der dritten auch nicht, da kk, zz und hs im Deutschen spätestens seit dem 19. Jahrhundert verboten sind.

Betrachten wir also die äußere Gesetzlosigkeit zwischen diesen Klassen.

Zunächst einmal ist dazu festzustellen, daß nur die Anzeige der Kürze, nicht aber die der Länge eines Vokals, im Deutschen obligatorisch ist, und auch das nur, wenn lediglich ein geschriebener Konsonant in der Grundform folgte, also nicht bei Konsonantenkombinationen oder bei ch oder sch. Davon ausgenommen sind Vor- und Endsilben, welche als bekannt angenommen und nie gekennzeichnet werden (er-, ver-, zer-, be-, ge-, ent-, -e, -en, -er, -in) und Präpositionen: an, in, unter, über, auf, neben, entlang, durch, für, von, zu, nach, bei, zwischen, um, vor, hinter, wobei spätere Bildungen wie nahe oder gemäß freilich davon ausgenommen sind, mal ganz abgesehen davon, daß das h in nahe natürlich, wenn auch nur schwach, gesprochen wird.

Und auch für einige Pronomen gilt dies: der, das, wer, was, dir, mir, uns, ich, du, er, es, wir, mich, dich, sich.

Aber bleiben wir beim allgemeinen Wortschatz: Moos, Los, Tal, Aal, Moor, Mohr, Tor, Boot, Kot, Schal, fahl, schwül, kühl, Teer, hehr, Heer, Wehr, Dame, Dänen, dehnen, wähnen, malen, mahlen, Mehl, scheel, schal, Schale, Wal, kahl, schälen, wählen und so weiter.

So gesetzlos das auch ist, es besitzt eine gewisse Ästhetik, nämlich die Ästhetik des Zierrats: Hier das hin, und dort dies...

Die Länge eines Vokals muß also nicht gekennzeichnet werden, und die Wahl der Kennzeichnung steht auch frei, wobei die Vokalverdoppelung, ausgenommen die Dehnung des i's durch's e, freilich eher selten ist.

Interessanterweise führt die mangelnde Kennzeichnungspflicht der Kürze eines Vokals im Deutschen nicht zu Willkür: Dach ist kurz, und Buch und Tuch sind lang, aber das liegt daran, daß es zwei verschiedene Vokale sind. Wucht, Schlucht, Macht, Tracht und so weiter sind alle kurz, aber hier folgt mehr als nur ein Konsonant. Und Gemach und Geruch sind beide lang, aber hier ist die Betonungssituation eine andere. Es ist also möglich alle Fälle als Fälle zu betrachten und sich an sie zu gewöhnen.

Summa summarum: Die Gesetzlosigkeit der deutschen Rechtschreibung entspringt dem wankelmütigen Bestreben, die Länge von Vokalen zu kennzeichnen, was an sich überhaupt nicht nötig wäre, da die Kennzeichnung der Kürze hinreicht, wiewohl die orthographische Trennung von Wörtern gleicher Aussprache, aber verschiedenen Sinnes, selbstverständlich nicht ohne Verdienst ist.

Für die aktuelle Debatte über phonetisches Schreiben heißt das, daß den Kindern vernünftigerweise gesagt werden sollte, daß sie sich um die Kennzeichnung der Länge eines Vokals zunächst mal keine Gedanken machen sollten, da es bei Kennzeichnung der Kürze schon klar ist, welche Vokale lang sind. Ihnen zuzureden, mal selbst mit Vokalverdoppelung und h Wörter zu verschönern, mag in der Tat zu nichts Gutem führen. Das ß nimmt selbstverständlich hinsichtlich der Sonorität in Ableitungen noch wieder eine Sonderstellung ein: mies und fies, aber Spieß; miese, fiese Spieße.

Natürlich mag es etas länger dauern, bis die Kinder auf diese Weise Boot richtig schreiben, aber dafür mag ihnen das Wesen der deutschen Orthographie um so klarer sein und sie weniger gezwungen erscheinen: Einen pädagogischen Schaden sehe ich eher nicht.

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12. September 2012

Diskurskontrolle durch Wahlgestaltung

Manchmal geschieht es, daß die Öffentlichkeit selbst Interesse an einem Thema entwickelt und es zu diskutieren beginnt. Durchaus charakteristisch für solche Fälle ist es, daß dann eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten diskutiert wird, denn die meisten Fragen erlauben eine Vielzahl von Antworten, insbesondere wenn die Frage gestellt wird, was man will, und andererseits wird jemand, welcher eine Diskussion nur zu dem Zweck anstößt, um den Widerstand gegen seine bereits zuvor getroffene Entscheidung zu minimieren, diese Diskussion auf einen Bereich beschränken wollen, welchen er übersehen kann.

Das gewichtigste Beispiel einer solchen, nur zum Zwecke der Minimierung des Widerstands gegen eine a priori feststehende Entscheidung geführten Diskussion in der heutigen Zeit ist die Diskussion über die Identität der Afroamerikaner, in welcher den Schwarzen die Wahl zwischen Gangsta und unter weißer Nachbarschaft lebendem Anwalt gelassen wird. Letzteres ist das vorbestimmte Ziel, aber wenn man es befehlen würde, gäbe es mehr Widerstand gegen es als wenn man die Wahl zwischen ihm und etwas gänzlich Dysfunktionalem erlaubt.

Auf dieselbe Weise entsteht durch kriminelle, nicht integrierte Immigranten Druck auf die übrigen Immigranten, sich der örtlichen Kultur anzupassen, um nicht mit ersteren in einen Topf geworfen zu werden und zugleich auf Seite der Einheimischen eine erhöhte Bereitschaft letztere wegen guter Führung aufzunehmen.

Dieses Prinzip stößt allerdings da an seine Grenzen, wo der erzeugte Gegensatz als instrumentell erkannt und zurückgewiesen wird, was insbesondere dann der Fall ist, wenn die Betroffenen durch nationale und/oder religiöse Bande verbunden sind, und dies um so mehr, je mehr das Gefühl besteht, daß diese Bande selbst angegriffen werden, was bei Immigranten aus ehemaligen Kolonien besonders stark der Fall zu sein pflegt oder jedenfalls dann, wenn die Kolonialzeit durch einen Unabhängigkeitskrieg beendet wurde. Aggressiven, üblicherweise revanchistisch begründeten, Zusammenhalt kann man hingegen in aller Regel durch Entgegenkommen brechen, problematisch wird es nur, wenn die Aggression keine freiwillige, sondern eine erzwungene ist, wobei der Zwang um so stärker ist, je organisierter die Betroffenen sind, also am stärksten in einem Staat, weshalb auch kein Staat einem anderen Staat durch Entgegenkommen irgendeine Zusage abgewinnen kann. Letzteres ist in Bezug auf Immigranten natürlich vor dem Hintergrund des Staats im Staate zu sehen.

Neuerdings werden auch Geschlechterrollen durch diesen Mechanismus kontrolliert. Nach einer Zeit der schleichenden Auflösung der traditionellen Geschlechterrollen ist man nun dazu übergegangen, den grotesken Endpunkt dieser Auflösung offen in der öffentlichen Diskussion zu vertreten, was selbstverständlich die traditionellen Rollen stärken wird.

In allen diesen Fällen wirkt ganz offensichtlich das Prinzip, daß man sich viel leichter für das Vorgeschriebene entscheidet, wenn man einmal kurz auf eine ganz besonders abschreckende Alternative zu ihm blicken durfte.

Aber ist das Vorgeschriebene wirklich das Richtige?

Wahrlich, die Welt geht der Hölle entgegen. Wieviele Afroamerikaner werden denn in ihrer vorgeschriebenen Rolle glücklich? Sind Michael Jackson und Whitney Houston nicht das logische Resultat dieser befohlenen Selbstentfremdung? Mal ganz abgesehen davon, daß der Umstand, in einer Welt zu leben, in welcher die Menschen nur das diskutieren, was man ihnen zum Zweck ihrer Kontrolle zu diskutieren gegeben hat, für jeden freiheitsliebenden Menschen deprimierend sein muß.

Alleine das wäre unerträglich, selbst wenn alle Vorschriften richtig wären, aber sie sind es nicht, und sie können es auch nicht sein. Nichts, was lebt, nein, auch nur existiert, existiert, um eine Rolle auszufüllen. Alles füllt eine Rolle aus, aber diese Rollen ergeben sich aus der Verhandlung der einzelnen Funktionen, am Anfang stehen unterschiedliche Fähigkeiten und daraus ergeben sich die Rollen und nicht umgekehrt. Diese ganze Gesellschaftssteuerung bedeutet nichts anderes, als daß der Staat seines Bestehens wegen einen bestimmten Zustand im zweiten Zykel des Existierens (dem funktionalen Zykel) einfrieren will. Aber alle drei Zykeln schreiten voran, und wenn die Zurücksetzung des funktionalen Zykels erfolgt und die Willkür die Rücksicht verdrängt, dann werden die heutigen Staaten fallen, aber nicht Chaos wird auf sie folgen, sondern ein Zusammenschluß in einer höheren Weltanschauung, deren Unerprobtheit den Anstieg der Willkür bedingt.

Was mich persönlich betrifft, so empfinde ich den Griff des Staates nach der richigen Geschlechtsrolle als besonders übel. Was für eine schöne neue Welt, in welcher wir die Wahl zwischen Fetischismen und der vernünftigen Weise Mann oder Frau zu sein haben. Aber alles nicht so schlimm, nicht wahr?, denn natürlich kann man nach eigenem Gutdünken mixen.

Das ist die anvisierte Ethik. Die Norm ist das Vernünftige, die erlaubten Abweichungen von ihr sind dysfunktional, so daß man schon von alleine zur Norm zurückkehrt, und was eine funktionierende Alternative wäre, das wird unter den Teppich gekehrt, wobei sich unter dem Teppich selbstverständlich nichts befindet. Das Böse gibt es nicht, denn das Böse herrscht.

Das ist der Strom, in welchem sich derjenige, wer mit ihm schwimmt, bewegt.

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7. Mai 2023

He who can destroy a thing, controls a thing: αἰών > δαίμων > θέᾱτρον > χᾰ́ος.

Es wäre natürlich ideal, wenn alle in den Geistern Gottes lebten und der Rechtschaffenheit, Verbundenheit und dem Frieden dienten, aber in der Realität gibt es die folgenden Abweichungen.

Rechtschaf-
fenheit
Verbundenheit Frieden
δαίμων verwickelnd
versetzend betretend
θέᾱτρον scheinbare Natürlichkeit
induzierte
Annehmlichkeit
scheinbare
Wichtigkeit
χᾰ́ος Hinweisen Buhlen Probieren
Die Daimonen werden vom Äon beherrscht, insofern sich der generative Zykel stets wie folgt einpendelt.
Zeitalter
der

Beherzigung Auslieferung
(i.w.S.)
Verantwortungs-
übernahme
Wacht Anerkennung:
Gerechtigkeit

Aufgabe:
Tapferkeit:
Partnerschaft:
zur Bereitung
betretend
Werke Unterstützung:
Offenherzigkeit
Lehren:
Gerechtigkeit
Kultur:
für das Gesetz
verwickelnd
Wunder Gewährung:
Tapferkeit
Teilhabe:
Offenherzigkeit
Bildungr:
  zur Wahl
versetzend
Die Wirkungsweise des verwickelnden Daimons ist quasisprichwörtlich:
Wer [die Erfordernisse] nicht hören (erfassen) will, muß [sie] fühlen,
wobei es richtigerweise aber kann statt will heißen muß, und für die übrigen beiden erwählend-erwägenden Daimonen lassen sich analoge Sprichwörter bilden, nämlich für die Wirkungsweise des versetzenden:
Wer [das Rechenschafttragen] nicht sehen kann, muß [es] hören (erfassen).
und für jene des betretenden:
Wer [das Kriterium] nicht fühlen kann, muß [es] sehen.
und dementsprechend läßt der unter dem Äon
  • der Wacht herrschende Daimon die Bündnispartner durch Gedanken sehen, was sie im Rahmen ihrer Bündnispflicht bereiten müssen,
  • der Werke herrschende Daimon die Bevölkerung durch Versetzungen fühlen, welche (technischen) Erfordernisse sie anerkennen müssen, und
  • der Wunder herrschende Daimon die Anhänger durch Zeichen hören (erfassen), der Wahl welcher Verhältnisse rechenschaftzutragen (mit welchen Verhältnissen zurechtzukommen) sie geloben müssen, und zwar durch die Erklärung ihrer Vorteile.
Das Äon zwingt also seinen Daimon auf den Thron, und auf diesem herrscht er dem Äon entsprechend entweder über die Verbundenheit, den Frieden oder die Rechtschaffenheit, und das genügt den Daimonen, um das Theater aus allen Feldern zu schlagen, denn
  • der betretende kann über die Herrschaft über die Verbundenheit die Herrschaft über den Frieden erlangen, das scheinbar Wichtige durch Bündnispflichten verdrängen,
  • der verwickelnde über die Herrschaft über den Frieden die Herrschaft über die Rechtschaffenheit, das scheinbar Natürliche durch die technischen Erfordernisse verdrängen, und
  • der versetzende über die Herrschaft über die Rechtschaffenheit dir Herrschaft über die Verbundenheit, das induzierte Annehmliche durch die Vorteile zur Wahl stehender Verhältnisse verdrängen.
Und das Theater kann seinerseits das Chaos in allen Feldern schlagen,
  • Stars das chaotische Probieren ordnen,
  • ins Rampenlicht gerückte Verhältnisse das Hinweisen und
  • bedingtes Wohlwollen das Buhlen.
Wie gesagt, die Daimonen sind der natürliche Feind der katholischen Kirche, und zwar weil sie sie schlagen. Und aus demselben Grund ist die katholische Kirche der natürliche Feind der Freien, welche umgekehrt nichts von ihnen zu befürchten hat, weshalb sie überall die liberale Dekadenz predigt, in der Hoffnung, den Völkern ihre Daimonen auszutreiben, auf daß sie sich alle von ihrem Theater gebannt im Staub wälzen. Entscheidend dabei ist, wie gesagt, daß mit der Akzeptanz des Theaters zugleich die sittliche Autorität eines Volkes fällt und es sich alles gefallen läßt.

Ich würde es nicht genau so sagen, wenn es nicht genau so wäre. Da es aber nunmal genau so ist, ist's auch besser, es auszusprechen.

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1. Oktober 2023

Zur Wahl des Fremden

Die Ermessung des Eigenen und Fremden orientiert sich wesentlich an den Ordnungen, also an
  • der Ermächtigung,
  • der Organisation und
  • dem Glauben.
Grundsätzlich ist das Fortgeschrittenere vorzuziehen, nur ist es nicht immer zugänglich. Um diesen Beitrag nicht unnötig zu komplizieren, sei im folgenden angenommen, daß das Fremde Teil des Zeitalters der Werke ist, also seinen generativen Zykel implementiert.

In dem Fall ist die Ermächtigung allen zugänglich und der Glaube, soweit er die wissenschaftlichen Grundlagen der Ermächtigung betrifft, jedenfalls jenen, welche seine Lehre zu lernen vermögen. Das ist indes nicht der ganze Glaube. Der Rest besteht in der Erkenntnis, daß die jeweils herrschende Phase des Glaubenszykels die richtige für die Zeit ist, und dieser Glaube wird nicht unterrichtet, da es unmöglich ist, ihn zu unterrichten, ohne ihn gleichzeitig in Frage zu stellen. Stattdessen behält ihn jeder für sich und unangefochten und verleiht ihm durch politisches Engagement Gewicht.

Was hingegen die Organisation betrifft, so ist sie desto unzugänglicher, je weiter fortgeschritten sie ist. Außerdem hängt die Komplexität, zu welcher Organisationen im funktionalen Zykel voranschreiten, überproportional vom Fortschritt des Glaubenszykels ab (wenigstens quadratisch, würde ich sagen, aber das ist natürlich nur über den Daumen gepeilt, linear, jedenfalls, dürfte das Produkt der Zahl der Bearbeitungsschritte mit jener der Einzelteile nicht gewachsen sein).

Die Organisationen werden aber nicht nur komplexer, sondern der Organisationsprozeß auch erprobter, und damit hängt die Verkürzung der Glaubenszykel im Iran zusammen: Die iranische Kultur kennt den generativen Zykel nicht, das heißt die Administration bemüht sich nicht um fortschreitende Kultur (Technologie), Partnerschaften oder Bildung (mittlerweile vielleicht schon). Und also findet der einzige Fortschritt mit der Zurücksetzung des Glaubenszykels statt, wann neue Konzepte in die Verfassung der Gesellschaft einfließen, doch deren Haltbarkeit verkürzt sich im Windschatten der organisationalen Häutungsfrequenzsteigerung des Zeitalters der Werke.

Ich wollte das nicht unerwähnt lassen, doch kommen wir nun zu den Angeboten des zur Wahl stehenden Fremden.
  1. finaler Glaubensfortschritt, komplexe Organisation, große Ermächtigung,
  2. präfinaler Glaubensfortschritt, komplexe Organisation, große Ermächtigung,
  3. präfinaler Glaubensfortschritt, elementare Organisation, geringe Ermächtigung.
Ad 1. Niemand, der es so sieht, wird das Fremde wählen, denn bevor die komplexe Organisation auf die eine oder andere Weise (siehe weiter unten) geknackt werden kann, wird der Glaubenszykel zurückgesetzt werden, und damit auch der Komplexitätsgrad der Organisation reduziert und ihre relative Ermächtigung eingeebnet, was vorzugsweise aus der Ferne beobachtet wird. (Seltsamerweise war mir das hinsichtlich der Vereinigten Staaten bereits im Juni 1994 klar.)

Ad 2. Das Problem hier besteht in der Integration in die komplexe Organisation. Es gibt zwei Wege, sie zu erreichen, nämlich erstens sich das gelehrte Wissen anzueignen und im Laufe mehrerer Generationen die nötigen Kontakte zu knüpfen, um sich in die höheren Ebenen der Organisation hinaufzuarbeiten - je höher die Ebene, in desto mehr Verbindungen stehen ihre Rollen, obschon es mehr Rollen auf den niedrigeren Ebenen gibt, was auch gleich zum zweiten Weg überleitet, nämlich sich in den niedrigen Ebenen zu organisieren und die Organisation umzustürzen oder wenigstens partiell auszusetzen. Es hängt vom Charakter ab, was davon einen anspricht.

Ad 3. Unter Umständen steht einem nur Fremdes zu Wahl und bei erheblichen Glaubensabweichungen im nichttechnologischen Bereich ist die Verlockung (per Definition) an einem fortgeschrittenen Glauben teilzuhaben nicht sehr groß, so daß einem die größere Ermächtigung den Ärger mit der komplexen Organisation nicht wert ist. Daß dies nicht weit abschreckender auf große Teile der Dritten Welt wirkt als es das tut, liegt daran, daß es der Ersten gelingt, die Illusion zu erzeugen, daß sie an nichts glaube, was aber in keiner Weise der Wahrheit entspricht. Dennoch, diese List hat auch erheiternde Konsequenzen, namentlich die, daß jene, welche mit dem Glauben, wie er zu Christi Zeiten verstanden wurde, nicht mehr das Geringste anfangen können, plötzlich vor Menschen stehen, welche gar keinen anderen kennen. Was wirklich lustig daran ist, ist, daß dies ein systemisches Phänomen ist, insofern komplexe Organisationen im Bemühen noch komplexer zu werden, ihre unteren Ebenen mit solchen Methoden geradezu bestücken müssen, wodurch sie der Zurücksetzung des Glaubenszykels erheblich Vorschub leisten.

Ja, es ist nicht sonderlich heroisch, Fremdes zu wählen, und auch nicht unbedingt sicherer, aber was bringt es einem zu ignorieren, was einer glaubt? Auch wenn er es verheimlicht, er glaubt es doch. Und da läuft es mir kalt den Rücken 'runter, wenn ich die fortgeschritteneren Spezialisierungen betrachte.

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8. Februar 2023

Die Formen der Vorbereitung und die erwählend-erwägenden Daimonen

Da wir im Rahmen der Reaktionsmuster beholfen, bedrängt und belohnt werden, liegt es nahe, uns unter Umständen selbst zu behelfen, zu bedrängen oder zu belohnen und uns somit vorzubereiten.

Die Formen der Vorbereitung sind also
  • die Positionierung,
  • die Überzeugung und
  • die Wappnung.
Die technischen Details.

Bei der Positionierung finden wir uns zurecht und richten uns dann aus, um eine bessere Ausgangslage zu finden. Anschließend geben wir uns den Weg zu ihr vor, und wenn wir uns dann Rechenschaft darüber geben, ob wir tatsächlich eine bessere Lage erreicht haben, haben wir uns günstigenfalls beholfen.

Bei der Überzeugung beschäftigen wir uns damit, uns von einer Beschäftigung zu überzeugen, und berücksichtigen dazu, wovon wir abhängig sind. Anschließend finden wir uns in unseren Abhängigkeiten zurecht, und wenn wir uns in ihnen zur ursprünglichen Beschäftigung zurückkehrend ausrichten, haben wir uns aufgerufenenfalls bedrängt.

Und noch eine technische Betrachtung dazu. Normalerweise entspricht der Besinnungszykel, Verfolgung, Einlösung, Auslösung dem Rechtfertigungszykel, Zurechtfinden/Rechenschaftsgeben, Beschäftigen/Ausrichten, Vorgeben/Berücksichtigen, wenn nicht Phase für Phase, so doch in seiner Reihenfolge. Hier allerdings entspricht
  • dem Beschäftigen die Verfolgung,
  • dem Berücksichtigen die Einlösung,
  • dem Zurechtfinden eine zweite Verfolgung und eine zweite Einlösung und
  • dem Ausrichten die Verfolgung,
wiederum, wenn nicht Phase für Phase, so doch der Reihenfolge nach.

Bei der Wappnung geben wir uns vor, uns zu wappnen, und geben uns dann Rechenschaft über sie. Anschließend beschäftigen wir uns mit der Anpassung der ursprünglichen Vorgabe an die erworbene Wappnung, und wenn wir diese dazu berücksichtigen, werden wir uns eifrigenfalls belohnt haben.

So, und da wir das nun haben, kommen wir zu einem damit zusammenhängenden Phänomen. Es gibt genau drei daimonische Ausprägungen der pythagoräisch-christlichen Lebensweise, welche sich in einem spezifischen Gegensatz des Ausdrucks des linken und rechten Auges ausdrücken: das linke erwählt etwas, und das rechte erwägt dessen Folgen.

Was dabei erwählt und erwogen wird, entspricht dem Zurechtfinden, Beschäftigen und Vorgeben, nämlich Lagen, Ausdrücke (der eigenen Persönlichkeit) und Taten. Und die drei erwählend-erwägenden Daimonen sind
  • der Lagen erwählende und Taten erwägende, wobei es zur Wahl der Lage gehört, sich zu positionieren,
  • der Ausdrücke erwählende und Lagen erwägende, wobei es zur Wahl des Ausdrucks gehört, sich zu überzeugen, und
  • der Taten erwählende und Ausdrücke erwägende, wobei es zur Wahl der Tat gehört, sich zu wappnen.
Der erste ist betretend, der zweite verwickelnd und der dritte versetzend.

Ein verwickelnder Daimon:

und noch einer:

Ein versetzender:

und ein betretender:

Offensichtlich helfen betretende Daimonen in Betretenheit, verwickelnde in Besessenheit und versetzende in Beklommenheit. Einzelne Daimonen sind nicht erblich, die erwählend-erwägende Daimonität als solche mag es hingegen schon sein.

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3. September 2023

Individuelle Beeinflussungsmöglichkeiten der sozialen Entwicklung

Dem Einzelnen stehen drei Wege offen, die soziale Entwicklung um ihn herum zu beeinflussen, nämlich
  1. sich eine genehme Gesellschaft zu suchen oder die Entwicklung einer ungenehmen zu beeinflussen, und zwar
  2. auf der Basis ihrer Aktivität oder Passivität.
Entscheiden wir uns
  • im ersten Punkt für ersteres, so wählen wir die Gesellschaft,
  • im zweiten Punkt für ersteres, so helfen wir der Gesellschaft, und
  • im zweiten Punkt für letzteres, so stoßen wir die Gesellschaft an.
Hinter diesen Entscheidungen stehen Glauben, nämlich hinter
  • der Wahl der Glaube an die Eigendynamik,
  • der Hilfe der Glaube an die Behauptung der Menschen und
  • dem Anstoß der Glaube an die Anpassung der Menschen,
und
  • der Wahl zugrunde liegt die Menschenkenntnis,
  • der Hilfe die Rüstung und
  • dem Anstoß die Ausstattung,
wobei es vom Verwendungszweck abhängt, ob etwas Rüstung oder Ausstattung ist. Erwartet ein Heer etwa einen Angriff, so handelt es sich bei seinen Burgen um Rüstung, welche es ihm erlaubt, sich zu behaupten, dominiert es von ihnen hingegen einen Landstrich, so handelt es sich um Ausstattung, welche es ihm erlaubt, den Landstrich zur Anpassung zu zwingen.

Gerüstet zu sein heißt dabei nichts anderes, als vorbereitet zu sein, und einer Gesellschaft zu helfen also, sie zu
  • positionieren,
  • überzeugen oder
  • wappnen,
wobei die Rüstung
  • geistlich angeführt wird, wenn sie auf der Erkenntnis von Abhängigkeiten, beziehungsweise Gesetzmäßigkeiten oder Verantwortlichkeiten beruht, und
  • weltlich, wenn sie auf deren Annahme beruht.
Ist letzteres der Fall, so
  • stehen Leute am rechten Platz, ohne zu wissen, welche Abhängigkeiten ihn erfordern,
  • befolgen sie Regeln, deren Gesetzmäßigkeit sich ihnen nicht erschließt, oder
  • benutzen Werkzeuge, deren Wirkungen ihnen nur unzulänglich bekannt sind,
und wenn das alles auch nicht ideal ist, so ist es doch oft vorzuziehen.

Die erwählend-erwägenden Daimonen stellen dabei einfache Stratageme dar, um andere dazu zu bringen, sich selbst zu rüsten, nämlich
  • der versetzende, indem er andere dazu bringt, sich zu seinen Darstellungen zu positionieren,
  • der betretende, indem er andere dazu bringt, sich von seiner Funktion zu überzeugen, und
  • der verwickelnde, indem er andere dazu bringt, sich in ihrem Leichtsinn zu wappnen.
Ganz unberechtigt ist keiner der drei Glauben, aber die Menschen neigen sich doch unterschiedlichen Richtungen zu. Ich helfe den Menschen, weil eine mir genehme Gesellschaft erst noch werden muß und sie aus dem Menschlichen entspringt und nicht aus dem Technischen. Es ist mir offensichtlich, daß die Anpassung in meiner Zeit keine Stärke, sondern ein Sumpf ist, in welchem der Mensch versinkt. Nicht, daß ich mich in der Vergangenheit nicht mitunter umgesehen hätte, nachdem ich mich vorbereitet hatte, anderen zu helfen, in der Hoffnung, ein Betätigungsfeld zu finden, welches lediglich begrenzte Hilfe erforderte, aber ein solches gab und gibt es nicht, und es ist mir auch gänzlich gleich, was von τοῦ κόσμου τούτου mir vorenthalten bleibt: Ich weiß, daß ich mir um Rüstung Gedanken machen muß, daß dies mein Weg ist, daß keine Wahl genügt und weitere Anpassung Wahnsinn ist. Das ist die Wahrheit, soweit sie mich betrifft. Ein Anderer mag vielleicht aufgerufen sein, irgendwelche anzupassen, und vielleicht genügt es einem Dritten, sich seine Gesellschaft zu wählen. Aber ich weiß, daß mein Weg über die menschliche Behauptung führt.

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16. Juli 2020

Standardbildung und -aufgabe

Ich betrachte die Standardbildung als einen exponential verlaufenden Prozeß, welcher somit durch eine Basis, die Materie (m), und eine Potenz, die Schöpferischkeit (s), bestimmt wird, insofern das Integral von log(m)mt bis zu t=s durch ms gegeben ist. Streng genommen müßte man auch hier die logistische Funktion betrachten, aber Standards werden halt irgendwann gesetzt und bis dahin dominiert der exponentielle Verlauf.

Indem ein gewonnener Standard zur Bildung eines weiteren Standards verwendet wird, geht er in deren Schöpferischkeit mit ein, und wenn wir eine Kette auf einander aufbauender Standards betrachten, so erhalten wir Ausdrücke der Art
mn(mn-1(...(m1s))).
Mit anderen Worten werden auf einander aufbauende Aktualisierungen des menschlichen Potentials immer umfangreicher und gewichtiger, weshalb die Menschen auch immer weniger geneigt werden, sie aufzugeben.

Nehmen wir mal eine Kette mit drei Gliedern und mi=2, s=2 an. Die Schöpferischkeit steigt dann wie folgt: 2,4,16,65536. Die Summe davon ist 65558, normieren wir dies auf 100000, so erhalten wir (gerundet) folgende Folge: 3,6,24,99967.

Konkret möge
  • s der menschliche Geist sein,
  • m1 unsere Beziehung zu Gott,
  • m2 unsere Beziehung zur Welt und
  • m3 die Welt selbst.
Das hört sich zunächst einmal sehr verschroben an, aber es besitzt eine durchaus konkrete Anwendung, nämlich indem wir uns folgende Wahl vorsetzen:
  • nur unseren Geist zu behalten,
  • nur unseren Geist und unsere Beziehung zu Gott,
  • nur unseren Geist und unsere Beziehung zu Gott und Welt oder
  • all dies und die Welt, so wie sie ist,
und genau das ist die Wahl, vor welcher wir heute stehen, indem wir angesichts des Aufschwungs der künstlichen Intelligenz
  • uns damit einverstanden erklären, unsere Menschlichkeit aufzugeben und mit Maschinen zu verschmelzen,
  • darauf vertrauen, daß Gott unsere Beziehung zur Welt auf wundersame Weise neu gestalte,
  • dafür sorgen, daß wir wieder auf dem technologischen Stand der Steinzeit leben oder
  • uns einem Kontrollregime unterwerfen, welches uns daran hindert, unsere technischen Möglichkeiten gegen einander einzusetzen (in letzter Konsequenz die Einspeisung in eine simulierte Wirklichkeit, die Matrix.)
Selbstverständlich kann ich keinen Anspruch auf Genauigkeit erheben, aber es würde mich gar nicht wundern, wenn sich, würde 100000 Leuten diese Wahl vorgelegt,
  • 3 für ein Leben als Cyborg entschieden,
  • 6 dafür, Gott zu vertrauen,
  • 24 dafür, uns in die Steinzeit zurückzubomben und
  • 99967 für die Matrix.
Denselben Gedanken kann man auch noch auf andere Gegenstände anwenden, beispielsweise darauf, wie wahrscheinlich es ist, daß das Federal Reserve System aufgehoben wird oder die Vereinbarungen der Europäischen Union. Hier möchte ich hingegen noch etwas zur Standardbildung in Judentum, Christentum und Islam sagen.

Wie ich im vorigen Beitrag schrieb, sind Juden gehalten, sich am einst kommenden Messias zu messen, um sich würdig für das messianische Zeitalter zu erweisen. Um klar zu machen, daß wir auch gewiß noch nicht da sind, haben sich einige Rabbis darauf verlegt, ich könnte Namen nennen, unterlasse es aber, denn dies hier wird etwas beißend, zu behaupten, daß es absolut nichts Schlechtes mehr gäbe, wenn der Messias kommt, also unter anderem keine Menstruation mehr und keine Geburtsschmerzen. Daß Juden vor diesem Hintergrund etwas ungeduldig werden können, wie Woody Allen, liegt auf der Hand, aber da liegt noch etwas anderes, nämlich daß solche Aussagen, welche gerade von jenen Rabbis herrühren, welche sich überhaupt nicht für Technologie interessieren, zu zwingenden Empfehlungen werden, sobald es technische Möglichkeiten gibt, mit Menstruation und Geburtsschmerzen Schluß zu machen. Schließlich wäre es frevelhaft, die Ankunft des Messias durch Verweigerung zu verhindern.

Oder, um dies auf seinen relevanten Gehalt zu reduzieren: Juden sind gehalten, auf solche Standards hinzuarbeiten und alle solchen Standards zu akzeptieren, welche das Leben angenehmer gestalten.

Christen hingegen sind durchaus nicht dazu gehalten. Selbst wenn die heutige Geistlichkeit dies anders sieht, die biblische Quellenlage ist völlig eindeutig: Die christliche Lehre weckt Ambitionen, diese Ambitionen führen zu Fortschritten, aber auch zu Verfehlungen und Schmerzen, und wenn die Ambition versiegt und es keine Fortschritte mehr gibt, aber auch Ruhe im Kasten ist, dann ist die Zeit der Ernte gekommen und die Ambition wird neu geboren werden.

Entscheidend ist nicht, ob es noch gute Werke zu tun gibt. Entscheidend ist, ob es noch heilige Werke zu tun gibt in der Hoffnung auf das ewige Leben.

Im Islam, schließlich, gibt es keine Aufforderung, mehr als nur gerecht zu sein. Alle Zeiten sind gleich. Die Menschen aller Zeiten warten mit derselben Würde auf die Auferstehung. Und deshalb läßt sich im islamischen Kulturkreis auch keine Tendenz zur Ausbildung von bestimmt gearteten Standards beobachten.

Wie kann ein Christ, welcher die Bibel kennt, mir widersprechen, wenn ich sage, daß dies die Zeit ist, Christi Engel zu empfangen?

Post Scriptum vom selben Tag. Es gilt folgendes

Korollar. Menschliche Systeme, bei welchen die Weiterentwicklung eines Standards die Aufgabe der Standards, auf welchen er aufbaut, erfordert, können nicht mehr als drei Schichten besitzen, da die dritte Schicht bereits zu umfangreich ist, um jemals freiwillig aufgegeben zu werden.

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4. Mai 2023

Haltungsannahmenunterlegungen

Parallel zur Themenunterlegung möchte ich auch die Unterlegung von Handlungsannahmen betrachten. Auch wenn sich dieselbe wiederum als Themenunterlegung auffassen läßt, gewinnen wir durch eine weitere Ebene der Betrachtung eine einfachere Erfassung eines nicht unwichtigen Bereichs unseres Denkens.

Außerdem bietet sich mir auf diesem Wege die Gelegenheit, einen ganzen Berg unzusammenhängenden Gerölls übersichtlich zu verbinden.

Die Haltung regelt unser Besinnen, also Verfolgung, Einlösung und Auslösung, und zwar
  • der Umgang die Verfolgung,
  • die Vorhaltung die Einlösung und
  • die Bestrebung die Auslösung,
und die Haltungsannahme zerfällt entsprechend in
  • das Gelübde eines Umgangs,
  • die Anerkennung einer Vorhaltung und
  • die Verpflichtung zu einer Bestrebung.
Bevor wir uns nun mit Ausgangs- und Folgeannahmen, sowie der Annahmenunterlegung beschäftigen, möchte ich bereits an dieser Stelle den seit einiger Zeit immer wiederkehrenden Symmetriebruch zwischen Besinnungen und Rechtfertigungen erklären. Dieser beruht auf der Verbindung zwischen Besinnungen und Rückschauen, welche ihrerseits den Rechtfertigungen zu Grunde liegen, insofern wir
  • uns über unsere Verantwortlichkeit rechenschaftgeben,
  • uns gemäß unserer Abhängigkeit ausrichten und
  • die Gültigkeit berücksichtigen,
und die Verbindung zwischen Besinnungen und Rückschauen ist nun eben weder trivial, noch bewußt herstellbar, so daß wir uns damit behelfen müssen, von der zuverlässigen Hervorrufung einer Rückschau durch eine Besinnung zu sprechen, und diesbezüglich besteht folgender antisymmetrischer Zusammenhang:
  • Abhängigkeiten werden zuverlässig durch Auslösungen hervorgerufen,
  • Gültigkeiten durch Einlösungen und
  • Verantwortlichkeiten durch Verfolgungen von Anstreben;
Abhängigkeiten können sporadisch nach jeder Besinnung eintreten, aber nicht zuverlässig, und da wir viele Dinge unbewußt auslösen, erfüllt uns die Auslösung nur im Rahmen des Anstrebens zuverlässig mit Verantwortlichkeit.

Zu Haltungsannahmen gibt es Folgeannahmen, welche ich als ihren Preis bezeichnen möchte, namentlich
  • die Anerkennung des Kriteriums der gelobten Abhängigkeit,
  • die Verpflichtung zum Rechenschafttragen der anerkannten Gültigkeit und
  • das Gelübde der Erfordernisse der Verantwortlichkeit, welcher wir uns verpflichtet haben.
Unter der Berücksichtigung des Preises verstehe ich die Unterlegung einer Ausgangsannahme, namentlich
  • die Verpflichtung zum Kriterium des Gelübdes, der Bereitung seiner Abhängigkeit,
  • das Gelübde zum Rechenschafttragen der Anerkennung, der Wahl ihrer Gültigkeit, und
  • die Anerkennung der Erfordernisse der Verpflichtung, des Gesetzes ihrer Verantwortlichkeit,
wobei wir
  • uns nur dann zur Bereitung verpflichten, wenn wir das Kriterium des Gelübdes hinreichend lieben,
  • nur dann die Wahl geloben, wenn wir hinreichend stolz auf das Rechenschafttragen der Anerkennung sein können, und
  • nur dann das Gesetz anerkennen, wenn wir die Erfordernisse der Verpflichtung hinreichend wertschätzen.
Bei der gemeinschaftlichen Seelenanregung geht es nun darum, daß
  • der präsentierte Gedanke zum Gelübde seiner (Ausschau nach ihm) führt, wobei die Auslösung im Rahmen des Aufgreifens die Abhängigkeit des Gelübdes hervorruft,
  • das vertriebene Zeichen zur Anerkennung (Erfassung) seines Verhältnisses, wobei die Einlösung im Rahmen des Einsetzens die Gültigkeit der Anerkennung hervorruft, und
  • die vorgeschlagene Versetzung zur Verpflichtung zu ihr (ihrer Bemühung), wobei das Anstreben im Rahmen des Freilegens die Verantwortlichkeit der Verpflichtung hervorruft,
aber es ist möglich, und ich habe diesen Fall auch schon behandelt, daß die angeregten Haltungsannahmen nur Mittel zu dem Zweck sind, ihrem Preis Berücksichtigung zu verschaffen, denn genau darum geht es den erwählend-erwägenden Daimonen, nämlich
  • dem betretenden darum, daß Andere sich zur Bereitung des Gelübdes des Gedankens verpflichten (Harrison Ford in The Mosquito Coast).
  • dem versetzenden darum, daß Andere die Wahl der Anerkennung des Verhältnisses geloben (Sieh, wie ich bin! Wie lieb zu dir, angewiesen auf dich, dir zu Diensten! Und nun behandle mich entsprechend),
  • dem verwickelnden darum, daß Andere das Gesetz der Verpflichtung zur Versetzung anerkennen (Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennete schon. / Hier hast du Feuer! Und nun sieh zu, wie es sich einzig zähmen läßt! / Sie aufzuzehren, die so stark im Bestehen sich wähnen, nicht dumm dünkte mich das. Bedenken will ich's: Wer weiß, was ich tu'.)
Daimonen sind starre Verhaltensmuster, welche ihre eigene spirituelle Anziehungskraft besitzen. Teils sind sie angeboren, teils angenommen. Bisher habe ich 9 explizit definiert, neben den vorigen drei noch diese 6.

Hier verrät das tote rechte Auge, gerade wie bei Philip Kindred Dick, die Anwesenheit eines Bär-Daimons.


Ich hatte den Bär-Daimon als ungefährlich eingestuft, und das ist er grundsätzlich auch - bewirkt er doch nicht mehr als eine künstlich entfremdete Auffassung der Welt in Menschen, welche an ihrer Bereitwilligkeit, die Erfassungen Anderer zu übernehmen, leiden. Zu seiner Austreibung bedarf es nicht mehr, als diesem Leiden ein Ende zu setzen, und das kann auf vielerlei Weisen geschehen, durch alles, was eine eigenständige Erfassung der Welt voraussetzt, und sei es künstlerisches Schaffen.

Dies ist Grace Wing, wie sie nun einmal ist, in vollkommener Übereinstimmung von Stimme und Gesicht (they call us irresponsible, write us off the page), hätte ich sie in dem Alter auf der Straße gesehen, hätte ich sie gefragt, ob sie nicht Rose heißt oder in Yale studiert hat, auch wenn ich sie bis dahin nie gesehen hätte (No, I've never seen you before, but I heard this song on the radio and I thought this Rose should look like you.),


hier allerdings ist noch etwas anderes mit von der Partie, etwas neckisches, was gerne Fragen stellt, ohne sich selber für die Antworten zu interessieren:


Ja, lange Überleitung, wohin sie wohl führen mag? (Ich höre übrigens, während ich dies hier schreibe, John H. Carpenter's Lost Themes, welche, wenn denn überhaupt, an Big Trouble in Little China erinnern.)

Am 1. Mai von uns gegangen und eine echte Herausforderung hinsichtlich dessen, welche Gedanken sich wohl in seinem Kopf verbergen möchten, Gordon Lightfoot.


Jetzt könnte ich natürlich sagen, Winwood sieht so ähnlich aus, aber ein Raben-Daimon ist das nicht. Die Wahrheit ist, es ist ein Frosch-Daimon!

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13. Oktober 2013

Gesellschaftliche Disziplin und Eigenverantwortung

Die Qualität des Lebens in einem Staat hängt wesentlich davon ab, in wie weit sich seine Verantwortungsträger an Verhaltensstandards messen lassen.

Ich möchte an dieser Stelle auf eine diesbezügliche Staffelung hinweisen. In einem Rechtsstaat sind Verantwortungsträgern bestimmte Verwendungen ihrer Macht untersagt und, so er tatsächlich einer ist, auch strafbewehrt erschwert.

Die Grundlage dessen ist eine gesellschaftliche Übereinkunft über persönliche Schutzbereiche, welche der Rechtsstaat also schützt. Dies verhindert aber natürlich nicht, daß Verantwortungsträger ihre Verantwortung ausschließlich nach Maßgabe ihrer eigenen Sympathien und Aversionen tragen, und ein Rechtsstaat wäre auch schlecht beraten, wenn er diesen Mißstand mit seinen Mitteln aufheben wollte, denn das macht seine Verantwortungsträger nur schlecht gelaunter und bewirkt sonst nichts.

Dennoch ist ein Rechtsstaat im Vergleich zu Staaten, in welchen es keine persönlichen Schutzbereiche gibt, ein recht angenehmer Lebensort. Man schimpft auf die Verantwortungsträger, aber man fürchtet sie nicht.

Andererseits zeigt sich in den schlecht beratenen Tendenzen heutzutage eben, daß dieses Schimpfen nicht rein oberflächlich ist, sondern daß es vielen Menschen in einem bloßen Rechtsstaat doch an etwas wesentlichem mangelt.

Ich hatte dieses Thema ja auch schon am Wickel, als ich vom Gegensatz zwischen Privatsphäre und gesellschaftlicher Transparenz schrieb. Indes möchte ich hier nicht auf die charakterlichen Voraussetzungen unterschiedlich verfaßter Gesellschaften abheben, sondern es bei der rein institutionellen Seite belassen.

Institutionell also haben wir zum einen das Recht, und was darüberhinaus?

Die Aufgabe, auch Pflicht genannt.

Das Problem heute, wenn man es noch einmal genauer betrachtet, besteht darin, die Aufgabe als eine freie Wahl der Gesellschaft zu betrachten, und zwar buchstäblich in dem Sinne, daß die freie und geheime Wahl dazu dienen soll, die Aufgabe auszuwählen, welcher sich das Volk mehrheitlich verpflichtet fühlt.

Das ist ziemlich erheiternd, wenn man es aus diesem Blickwinkel betrachtet. Natürlich wählt das Volk immer nur die Aufgabe, welche zuvor beworben wurde, aber dessen ungeachtet ist ja auch schon die Vorstellung als solche, daß man sich seine Pflichten wählen könnte, absurd. Nichtsdestotrotz geht ein Großteil der deutschen - und nicht nur der deutschen - Bevölkerung mit der Gewißheit zur Wahl, dem Staat eine würdige Aufgabe zu wählen, und es ist nur natürlich, daß dabei die tatsächlichen Pflichten vernachlässigt werden.

Diese Erscheinung ist nun aber wieder die Frucht der Religionsfreiheit, also des Fehlens von Religion. Glauben zum politischen Gegenstand zu machen, und nichts anderes heißt es ja, die Menschen darüber abstimmen zu lassen, worum sie sich gemeinsam sorgen sollten, bedeutet, das Heilige gegen sich selbst auszuspielen, denn das ist das Wesen aller Politik, daß durch das Ausspielen verschiedener Interessen gegen einander Kompromisse gefunden werden. Das Heilige aber ist von der Art, daß es verbunden werden muß. Und diese Verbindung bedarf des Austauschs in ernsthaftem Bemühen.

Das Volk, indem es Parteien wählt, deren Profil in der einseitigen Sorge um Teilaufgaben besteht, ist nicht nur von diesem Austausch ausgeschlossen, es sabotiert ihn darüberhinaus auch noch auf anderer Ebene.

Wenn man diese Dinge betrachtet, fällt es schwer zu glauben, daß die modernen Staaten zu einem anderen Zweck verfaßt wurden, als die glaubensmäßigen Gemeinsamkeiten ihrer jeweiligen Gesellschaften aufzulösen, siehe die Jesuiten, siehe die Offenbarung.

Nun denn, aber kommen wir zur eigentlichen Angelegenheit zurück. Was wäre mithin ein Pflichtenstaat?

Einer, in welchem die staatlichen Pflichten, ebenso wie das Recht, im Einklang mit dem Empfinden seiner Gesellschaft expliziert und verbindlich wären. Sie festlegen können aber nur von dieser Gesellschaft Betraute, und zwar im Austausch in ernsthaftem Bemühen. Damit bilden diese aber eine Kirche, zwangsläufig eine.

Ein Staat ohne Staatskirche kann also kein Pflichtenstaat sein, sie ist seine kanonische charakteristische Institution.

Ein Ausweg aus dieser Notwendigkeit ist einzig dadurch gegeben, Rechte und Pflichten für alle Zeiten festzuschreiben, denn dann sind nur noch Richter der Schrift zu bestimmen, und das kann kommunal unabhängig erfolgen.

Doch zurück zur dynamischen Situation. Die Kirche bestimmte die Pflichten und das Volk selbst seine Rechte, gerne auch vermittels Parteien, denn zu diesem Zweck haben sie ihre Funktion. Bleibt aber noch ihre Vermählung mit einander, und diese kann meines Erachtens nur vom Volk in direkter Abstimmung in jedem strittigen Fall erfolgen.

Das politische System eines Pflichtenstaates ist also ausgesprochen aufwendig, und so leicht könnte sich heute kaum ein Staat seinen Mantel umhängen. Andererseits wäre ein so verfaßter Staat den übrigen Staaten gesellschaftlich weit überlegen.

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19. Januar 2016

On towards the awareness of The rule of the rule

Man kann wohl sagen, daß es trivial ist, daß derjenige, welcher die Vergangenheit auslöschen möchte, einen neuen Menschen schaffen möchte.

Nur ist damit weniger gesagt als es scheint, da über die Generalität der Überholung nichts ausgesagt wird, und in der Tat überwiegt die Vorstellung, daß es die Aufgabe der Modernität wäre, uralte Versprechen einzulösen.

Oberflächlich besehen zeigt sich also nur die zugenommene Radikalität im fortgeschrittenen Lebensalter eines Glaubens.

Andererseits vermag kein Vorsatz die Zeit aufzuhalten, und durch diese Radikalität veränderte Strukturen bleiben unabhängig von der hinter ihr stehenden Intention verändert, oder anders gesagt, wer die Vergangenheit auslöscht, schafft einen neuen Menschen, unabhängig von aller Intention, das heißt:
Dieselbe Kraft, welche aufgewandt wird, um ein altes System zu erhalten, legt die Grundlage für ein neues.
und es gibt auch wiederum einen Baum, welcher sich so verhält, nämlich den Ginkgo, indem er im Alter geschmolzenem Wachs gleich gen Boden wächst.

Die Zeit stellt also die Forderung, und die Welt kommt ihr nach. Aber wie? Der vorige Überblick ist zwar sehr sicher, aber auch sehr vage.

Es stehen einmal mehr Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten an, und die Lage gestaltet sich jetzt schon recht außergewöhnlich, gelinde gesagt, mit Hillary Clinton und Bernie Sanders fast gleichauf und Donald Trump und Ted Cruz bei den Republikanern vorn, zweifellos selbst eine Folge der Auslöschung der Vergangenheit.

Das Stimmungsbild ist grundsätzlich von Mut gekennzeichnet, zum Teil dem der Verzweiflung, zum Teil einem überheblichen, aber all diese, und es gibt ihrer sehr viele, wollen es wissen, suchen keinen Beschützer und auch keinen Erlöser, sondern einen Reformator, und selbst Hillary Clinton scheint das zu wissen und versucht, sich als die beste Wahl für diesen Posten ins Gespräch zu bringen, wobei ihr größtes Problem wohl ihre Glaubwürdigkeit sein dürfte, denn die Emotionen, welche den Mut geben (Verzweiflung und Langeweile in der Hauptsache, freilich ein unreines Bündnis) teilt sie nicht.

Vor acht Jahren dominierte die Selbstdistanzierung, eine Mischung aus Betretenheit und Arglosigkeit, und acht Jahre davor war es die Selbstgefälligkeit, also eine erträgliche Form der Langeweile, und Bush und Obama verkörpern diese beiden Stimmungsbilder auch recht gut, wobei es bei einer solchen Betrachtung nicht auf die Substanz, sondern nur auf die scheinbare Kongruenz der Verkörperung ankommt.

Trump vs. Sanders wäre jedenfalls ein episches Duell, eine vordergründig isolationistische Wahl zwischen American und European Way of Life.

Aber kommt es darauf an? Wahrscheinlich nicht. Beide können leicht kooptiert und somit zu Symbolen der Entfremdung werden, ihr Einverständnis ist dafür nicht erforderlich, ja, noch nicht einmal ihr Wissen. Und muß nicht einer solchen Wahl, gleich wie sie ausgeht, eine Ausgleichbewegung auf dem Fuß folgen? Ich würde meinen, der Manipulierbarkeit stehen Tür und Tor offen: Ein wesentliches Problem der repräsentativen Demokratie besteht darin, daß an die Repräsentanten unvernünftige Maßstäbe angelegt werden können, welche diese ihrerseits zu unvernünftigen Taten verleiten, wenn nicht gar zwingen können.

Hätte Amerika mal Mike Gravel gewählt, vor acht Jahren. Freilich, aus den gerade besprochenen Gründen ein Ding der Unmöglichkeit. Aber gleichzeitig holt die amerikanische Öffentlichkeit auf, es ist doch beachtlich, welche Strecke sie in den letzten 16 Jahren zurückgelegt hat, noch kommt sie jedes Mal zu spät, aber beim nächsten Mal müßte es ihr extrapolativ betrachtet klar sein, daß es um nicht weniger als die Regeln geht, durch welche sich die Gesellschaft regiert.

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