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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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19. März 2017

Zeit an uns, Wurzeln zu schlagen.

Im lateinischen Teil Europas ist Schönheit ein Formenkatalog, aus welchem die Bürger nach Belieben wählen.

Im Norden und Osten ist sie ein Versprechen, welches seiner Enthüllung harrt.

Und in Frankreich ist sie ein ausgerollter Plan, welcher die Fragen des Geschmacks verfolgt und Stück für Stück verbindlich klärt.

Die Geschichte des Abendlands ist unter ästhetischen Gesichtspunkten die Heranführung der Franken an das klassische Schönheitsideal. Um 1800 nach Christus herum gebaren sie ihren Kanon, und seitdem erfüllt sich einmal mehr das Schicksal der die Substanz beschneidenden Form, der Fall dessen, welcher sich auf das stellt, welches er trägt, und dabei seinen eigenen Halt verliert:
Die gemachte Welt ist nicht die Welt, auch wenn sie dir gefällt.
Für die Reifen ist es der Anbruch eines neuen Kapitels, für die Unreifen ein Erwachen zu zeitlos Wahrem und für die zur Reife Gelangenden eine Katastrophe.

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18. März 2017

Der Zirkel der Unbedarften

Es ist alles erfüllt.
So oder so ähnlich wird man mancherorts begrüßt, bisweilen auch mit Handauflegen.

Es gibt Dinge, die tatsächlich zu erfüllen sind, beispielsweise anderen Menschen zu sagen, was sie wissen sollten, auch wenn dies für einen selbst gefährlich ist.

Gottes Wirken zu bezeugen, ist nicht jedem gegeben, und der, wem es gegeben ist, wird nur dadurch ein Zeuge, daß er bezeugt.

Es ist nichts ausgesuchtes, es ist gegeben wie das Wetter und genauso gegenwärtig, wo immer man auch hingeht, wenn man sich ihm denn stellt.

Es ist spezifisch. Alles, was erfüllt wird, ist spezifisch.

Und was ist erfüllt, wenn ich gutwillig glaube, daß alles erfüllt ist?

Daß vollkommene Gerechtigkeit herrsche, daß alles an seinem Platz ist.

Wo ich denn in reiner Dankbarkeit und verehrender Absicht mein Scherflein beitrüge.

Gewinne ich durch die Vorstellung?

Mag sein, daß sie mich heilte, wenn ich darniederläge, mag sein, daß mich der Sonne Licht an grauem Tag erreichte, mag sein, daß meine Seele sich dem Guten öffnete.

Doch sobald sie etwas finge, bewiese sie, daß just das noch nicht erfüllt wär'. Doch braucht das strebende Herz der Welt Fülle nicht, da es selber voll ist.

Der Zirkel der Unbedarften, welche keine Ahnung davon haben, wie sie das begründen könnten, was sie genießen, für welche Fülle Zauber und nicht Los ist.

Das Gespür der eigenen Wesentlichkeit weint.

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Einladung zum Zank

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17. März 2017

Zum Nebeneinander von Stäben und Netzwerken

Ein Stab (Gottkönig) ist die natürliche Organisationsform von fleischgewordener Lust und Sorge und ein Netzwerk ist eine der natürlichen Organisationsformen von fleischgewordener Achtung, das heißt eine Schule (Kirche), wenn mit ihr auch noch die Sorge fleischgewordenen ist, eine Partei (Technokratie), wenn sie alleine fleischgeworden ist oder eine Clique (Bewegung), wenn mit ihr auch noch die Lust fleischgeworden ist.

Jede Herrschaft, welche sich über die des Bandenbosses erhebt, bildet einen administrativen Stab aus. Dieser kann die gesamte Gesellschaft bis in ihre letzten Winkel durchziehen, was eine derart radikale Diktatur darstellt, daß sich kaum historische Beispiele für sie finden lassen, ironischerweise am ehesten noch in den Ländern, in welchen dem Namen nach Die Partei herrschte, oder er begnügt sich damit, neben von seinen Herrschaftsaufgaben ausgeschlossenen Netzwerken zu existieren.

Es gibt also sechs verschiedene Fälle, nämlich
  1. Stab über Schule,
  2. Stab über Partei,
  3. Stab über Clique,
  4. Stab unter Schule,
  5. Stab unter Partei,
  6. Stab unter Clique.
Man vergleiche die Tabelle im Abschnitt von der Herrschaft über die Völker in meiner ersten Erklärung des I Chings damit. Der zweite Fall fehlt an der Stelle, aber etwas weiter oben ist er ebenfalls anzufinden. Wesentlich an diesen Konstellationen ist das verbindende Element der beiden gesellschaftlichen und seelischen Gegensätze Stab und Netzwerk. Entweder es ist die Sorge oder es ist die Lust. Die entsprechenden Hexagramme des I Chings sind die folgenden.
Die beiden dem verbindenden Element der Sorge entsprechenden Hexagramme, Nr. 50 und 37, sind beide auf ihre Weise günstig, in sofern sich der schwächere Teil die geteilte Vernunft anerkennend in seine Rolle fügt.

So lange in den Netzwerken also ein verbindliches moralisches Element vorhanden ist, so lange das Salz seine Kraft nicht verloren hat, so lange ist die Gesellschaft stabil, unabhängig davon, ob die weltliche Macht stärker oder schwächer als die geistliche ist.

Aber wenn die Sorge als verbindendes Element wegfällt, sieht es weit schlechter aus.

Einzig Hexagramm 54 enthält eine Verheißung, aber nur für den Fall, daß die Partei mit äußerstem Ernst, äußerster Aufmerksamkeit und Vorsicht agiert, wann ihr also die Befreiung von der Fremdherrschaft beschieden ist. Allen anderen Parteien ist hingegen das Mißlingen ihrer Absichten vorhergesagt.

Hexagramm 63 beschreibt den langsamen Zerfall der Gesellschaft, in welchem sich die Stäbe gegen die Vorherrschaft der Netzwerke wenden, und Hexagramm 49 den schnellen.

Und Hexagramm 38 beschreibt die Mißgunst, welche Cliquen unter der Herrschaft von Stäben entgegenschlägt.

Wir leben noch in einer Zeit der Vorherrschaft der Netzwerke. Die Frage, welche mich in den letzten Tagen umtrieb, war, ob sich die Mitglieder dieser Netzwerke nun, da die Stäbe stärker werden, geräuschlos in diese fügen werden oder nicht.

Angesichts dessen, daß sich die heutigen Netzwerke zunehmend vom Frieden ab- und der Macht zuwenden, prophezeit das I Ching, daß die Unterordnung der Stäbe in der Rolle der Frau entweder der schleichend zunehmenden Unordnung oder der offenen Revolution weichen wird, und was meine Frage betrifft, so setzt der geräuschlose Überlauf entsprechende Erfolgsaussichten und einen hinreichenden Umfang zur Auflösung des Konflikts voraus.

Die Bereitschaft zu umfänglichem Überlauf ist sicherlich mancherorts vorhanden, ebenso wie die lageabhängige Aussicht auf Erfolg, aber aufgrund der Struktur der amerikanischen Hegemonie, welche ihre Stäbe prinzipiell nicht über die eigenen Landesgrenzen erstreckt, müssen die Amerikaner zuerst überlaufen und die Europäer bis dahin in ihren Netzwerken organisiert bleiben.

Es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß die Situation in Amerika selbst zu diffus ist, als daß seine Erfolgsaussichten hinreichend klar für den geräuschlosen Überlauf wären. Auch paßt die dazu nötige stillschweigende Abstimmung unter einander nicht recht zur amerikanischen Mentalität.

Wenn es also in Amerika zum Umsturz kommt, so wird Amerikas Peripherie wahrscheinlich zu Unterstützungszwecken mithineingezogen werden, exemplarisch an der ablenkenden Argumentation des SPIEGELs zum Thema Fake News heute schon zu studieren, als ob nicht jeder seiner Leser wüßte, daß sich die ganze Debatte nur darum dreht, sich von der CIA gefälligst jeden Bären widerspruchslos aufbinden zu lassen, und dies erschwert selbstverständlich die Mobilität zwischen den Lagern, so daß ein geräuschloser Überlauf auch in Amerikas Peripherie unwahrscheinlicher wird.

Mehr kann ich einstweilen kaum sagen, außer natürlich, daß die CIA weiß, daß sie einen schlechten Ruf besitzt, und diesen gezielt einsetzt, um scheinbare Partner zu diskreditieren, aber das Ausmaß der Rückenstecherei ist für die Beantwortung meiner Frage gar nicht von Belang: Johannes spricht von einer Zuspitzung, und es sieht auch eher nach Zuspitzung aus.

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16. März 2017

Passive und aktive politische Gemeinschaft

Die Betrachtung der europäischen Mobilisierungsgeschichte führt auf nur zwei wirksame Motivatoren, nämlich
  1. den Appell an das Bedürfnis nach passiver politischer Gemeinschaft und
  2. die Betonung der Vorzüge der Macht,
womit ich nicht gesagt haben möchte, daß es andernorts anders wäre; die Beschränkung dient allein zur Vergewisserung.

Passive politische Gemeinschaft bedeutet, sich in der Lage zu befinden, sich gegebenenfalls anderen anschließen zu können, also am Glauben der anderen nichts zu finden, was einem der eigene Glaube nicht erlaubte zu teilen.

Das bedeutendste Beispiel des Appells an das Bedürfnis nach ihr in der jüngeren Geschichte ist durch den Abolitionismus gegeben, und alle solchen Konflikte haben den Charakter der Bekämpfung einer Häresie.

Um sich weltweit gegen sie zu verwahren, genügte es nach meinem Dafürhalten bereits zu bekunden, daß es die Aufgabe einer jeden Gesellschaft ist, ihren Mitgliedern, gleich, wer sich auch sein mögen, insgesamt die besten Entfaltungsmöglichkeiten zu geben - eine Aufgabe, welche in Ansicht der Mitglieder allerdings durchaus entschiedene Parteiischkeit erfordert, um die tragfähigste Gesellschaftsphilosophie zu wählen, wie ich es in den Beiträgen zur Vereinbarkeit der Seelenteile in einer Kultur beschrieben habe, siehe etwa Gemeinschaftsstiftende Erzählungen und natürlich Nochmals zur Unvereinbarkeit aller Seelenteile in einer Kultur:
 Nur der behauene Stein besitzt Ausdruck.
Aber das sei hier nur am Rande ins Gedächtnis gerufen. Das eigentliche Thema dieses Beitrags ist ganz ein anderes. Gemeinsam die Vorzüge von Macht zu genießen, stellt zwar eine aktive politische Gemeinschaft dar, aber nur die allerprimitivste.

Nun war es allerdings lange Zeit so, daß sich das höchste Wohl einer Gesellschaft zugleich in der ihr größtmöglichen Machtfülle zeigte, so daß die größte Macht auch immer die besten Einrichtungen mit sich führte, es sei denn, sie wollte bloß verwüsten, was allerdings als distanzschaffende Maßnahme auch nicht unbedingt abzulehnen ist.

Heute hingegen sorgt die nukleare Abschreckung dafür, daß sich überlegene Einrichtungen nicht mehr militärisch bewähren oder anders ausgedrückt: Gesellschaftliches Wohl und militärische Macht können sich in einem breiten Band unabhängig von einander bewegen.

Und das führt dazu, daß die Betonung der Vorzüge der Macht einen zunehmend bedenklichen gesellschaftlichen Motivator darstellt. Und was bedeutet das?

Es bedeutet, daß die Menschheit dabei ist, ihre einzige gemeinschaftlich produktive Initiative an die Destruktivität zu verlieren:
Wo die Machtausübung nicht mehr auf das Gemeinwohl Rücksicht nehmen muß, da tut sie es auch nicht.
Die Abkopplung geschieht unter der Anrufung des Friedens, und sie verhindert auch Kriege, doch was uns heute in erster Linie beschäftigen sollte ist, was sie versäumt.

Sie versäumt es, neue Formen aktiver politischer Gemeinschaft zu etablieren.

Aktive politische Gemeinschaft sollte uns meines Erachtens bedeuten, nach Maßgabe unseres Urteils an der Gestaltung der Gesellschaft, in welcher wir leben, teilzunehmen, daß wir jedes Gesetz, welches zwischen uns gilt, absegnen können, und jedes Anliegen, welches uns am Herzen liegt, zu Ohren bringen, daß wir uns gegenseitig als politische Autoritäten anerkennen und die Körperschaft, in welcher wir solches tun, verteidigen.

Nicht alle müssen, ja, nicht alle können dieser Körperschaft angehören, aber vier von fünf Männern sollten es in jedem Land tun, und in ihr brauchen Gesetze allgemeine Zustimmung, Einzelne können aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, aber einen Disput um die Rechtmäßigkeit ihrer Gesetze kann sie sich nicht leisten, wenn sie sich als Ausdruck eines gemeinschaftlichen Willens verstehen will:
Zwar kann eine Regelung gelten, sobald sie die Unterstützung der Mehrheit hat, aber nicht, wenn sie auch nur jeder Zwanzigste für Unrecht hält.
Das ist der Sinn von Verfassungen, aber weder erfüllen sie ihn stets, noch bedarf er unbedingt ihrer: Letztlich zählt einzig die Bereitschaft und Fähigkeit einer Gruppe von Menschen, sich auf diese Weise zu respektieren.

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14. März 2017

Fuchs, du hast die Gans gestohlen!



Seltsam, die zeitlebens Waghalsigen im Alter zu sehen,
wie sie sich mühen, Vertrauen einzuflößen.

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13. März 2017

Zwei fehlgeborene Kälber

Der tote Leib des unfertig geborenen Kalbs ist in keinem Zustand der Verwesung,
denn das hieße, daß er sein Wesen verlöre,
doch er hatte nie eins.

Vor den Kinderaugen liegt ein Wunder,
Stoff, welcher nicht von seinem Innersten beherrscht wird,
sondern für sein Innerstes geformt, von einer höheren Kraft.

Wenn der Mensch seinen Körper fühlt
und bemerkt, daß er ihn beherrscht,
schlägt für gewöhnlich der Glaube in ihm Wurzeln, daß der Herr für ihn sorgt.

Siehe, ich sah einen Menschen,
der glaubte das nicht,
der hatte nie erfahren, daß der Herr ihm Seinen Frieden gewährt.

In seiner Brust waren viele Gefühle,
doch es fehlte der Grund,
aus welchem der Glaube an den eigenen Weg erwächst.

Und es stieg mir der Geruch der beiden fehlgeborenen Kälber in die Nase.

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11. März 2017

Herausgefallen

Jeder Mann ist Teil des Gesetzes, welches die Gesellschaft beherrscht, deren Teil er ist,
und Teil des Werkes aller Frauen, welche seine mütterlicherseits ererbten Ideale für sich fruchtbar machen.

Aus Vishnus Mitte gedrängt, wend' ich mich Brahma zu,
und rufe Shiva nur aus Eifersucht um Brahma willen,
daß niemand auf den Boden baue, bevor das Feuer ihn bereitet hat.

Ist mir der Adler nicht bestimmt, will ich ein Teil des Phönix' sein und nicht der Geier.

Schaden am Gesetz hab' ich so kaum genommen,
und am Werk? Ich weiß es nicht,
nur daß es dem Unbekannten eingeschrieben ist,
was Gott je zu seiner Zeit enthüllt.

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9. März 2017

Nachtrag zum gestrigen Beitrag

Der Zauber und die Beschränkungen der Orte, an welchen Wagner seine Opern unter Aufsaugung jener komponierte, künden vom allgegenwärtigen Stolz der Bürger einerseits und andererseits von den unterschiedlichen Einrichtungen, in welche sie sich fügten.
  • Riga. Freiheit zur Entfaltung zum Preis der Absteckung der Grenzen der eigenen Projekte - ein Geist, welcher auch heute noch im Baltikum lebendig ist, wenngleich nicht unbedingt in Riga.
  • Paris. Freiheit zur Entfaltung zum Preis der gesellschaftlichen Uniformität, des Zwangs, sich dem Gemeinwohl unterzuordnen.
  • Dresden. Freiheit zur Entfaltung zum Preis der Generalität, des Zwangs, sich auf vorgegebenem Gebiet zu spezialisieren.
  • Zürich. Freiheit zur geistigen Entfaltung zum Preis der sozialen Konstanz.
  • Venedig. Freiheit zur Entfaltung zum Preis der Hinnahme des Lebens als ein Schauspiel.
  • Luzern. Freiheit zur Entfaltung zum Preis der Bescheidung auf das Verfügbare.
Die schwärmerischen Passagen des Rienzi konnten nur in der noch unverbauten, zum Aufbruch auffordernden Atmosphäre Rigas entstehen, und die schwereren nur im steinernen Meer Paris'.

Lohengrins bange Ambition ist die Dresdens, und Mathilde Wesendonck hat ihr Leben bloß den Gepflogenheiten Zürichs angepaßt, was in den Zwiespalt des ersten Aufzugs von Tristan und Isolde mündete. Der zweite ergeht sich im Phantastischen, zu welchem Zweck Wagner der Bühnenmentalität Venedigs bedurfte, und die ehrliche Zerknirschtheit des dritten stellt sich der bescheidenen Bodenständigkeit Luzerns.

Wagner wird verkannt, wenn man ihm die Sensibilität abspricht - er war im höchsten Maße sensibel, ja, zu einem solchen Grade, daß man von Fremdbestimmtheit durch den ihn umgebenden Geist sprechen muß.

Und die Europäer werden verkannt, wenn man ihnen Willen und Bereitschaft zur Gestaltung einer präsentablen Idealen entsprechenden Gesellschaft abspricht. Diesen Willen und diese Bereitschaft haben sie überall unter Beweis gestellt. Und so viel hat sich auch noch nicht verändert, mehr oder weniger sind Riga, Paris, Dresden, Zürich, Venedig und Luzern immernoch, was sie vor 150 Jahren waren.

Ich glaube nicht, daß wir in musealem Beharren auf den jüngsten Tag warten sollten. Wir werden zusammenkommen müssen und dabei die Schönheit des anderen Hintergrunds würdigen können, und sei es nur, um uns nicht in unserer Partikularität zu verfangen, sei es, daß wir uns verfeinden oder in unzureichende Stellung zurückziehen.

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8. März 2017

Wagner: Werk und Ort

Rienzi
Riga


Paris


Lohengrin
Dresden


Tristan und Isolde
Zürich


Venedig


Luzern

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7. März 2017

Gespräche

Vor sich hin Sprechen

Wer im eigentlichen Sinne mit sich selbst spricht, fragt und sagt sich schlicht laut, was ihn gerade beschäftigt.

Vorgestellter Dialog

Wer hingegen mit einem imaginierten Anderen spricht, versucht sich ein Bild davon zu verschaffen, auf was das tatsächliche Gespräch mit ihm hinauslaufen würde.

Geselliger Austausch

Wenn Menschen ohne besonderes Bedürfnis an Kommunikation zusammentreffen, ergreifen sie die Gelegenheit, um die besten Passagen aus ihren vorgestellten Dialogen an den Mann oder die Frau zu bringen.

Anteilnahme

In dem seltenen Fall, daß zwei Menschen dasselbe beschäftigt, können sie die Sprache auch dazu verwenden, ihre Gedanken auszutauschen.

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Zur Kaskade der gegenwärtigen und kommenden Übel

Ich habe mich gestern einmal mit mir selbst beschäftigt und mußte erstaunt zur Kenntnis nehmen, wie stereotyp ich doch bin, wie unbeeindruckt sich in mir eine Persönlichkeit entfaltet, welche die Notwendigkeiten des Lebens einerseits als selbstverständlich gegeben nimmt und andererseits vorsichtig im Auge behält, und sich darauf aufbauend hauptsächlich darum sorgt, daß das Leben nicht zu langweilig werde - ein Menschenschlag, welcher unter Holsteiner Bauern recht weit verbreitet ist.

Man muß sich nicht selbst verstehen, um man selbst zu sein - und das gilt für alle -, aber dessen ungeachtet wurde ich den Gedanken nicht los, daß sich in den Worten und Taten der heutigen etwas Ungeheuerliches vollzieht, eine geradezu lächerliche Abkehr von den Fundamenten, auf welchen unsere Leben ruhen.

Die Auflösung ist natürlich, daß wir jene mit dem am wenigsten entwickelten Verantwortungsbewußtsein ungehindert unter uns schalten und walten lassen, zum einen, weil die Kreditwirtschaft zunächst die Risikofreudigen und anschließend die Skrupellosen selektiert hat, und zum anderen, weil die christliche Solidarität zunächst zu einer sozialistischen und anschließend zu einer der politischen Korrektheit verwässert wurde.

Und deshalb geht das Übel der Verantwortungslosigkeit zu Ende: Zunächst wird das kraftlose Salz verworfen, und anschließend fallen die Institutionen, welche die Verantwortungslosigkeit hoffähig gemacht haben.

Indes, die Macht ist in den Händen der Skrupellosesten, und wenn die Verantwortung also wieder aufgnommen werden wird, so wird gewiß nicht Gerechtigkeit herrschen, sondern das Übel der Willkür.

Und indem die Skrupellosesten so die Gelegenheit erhalten werden, sich aller Welt so zu zeigen, wie sie sind, wird sie die Welt verwerfen, aber dabei wird sie in ihrer Wut zusammenwerfen, was nicht zusammen gehört, und es folgt zum Schluß das Übel der Blindheit.

Und daraus erwächst das neue Licht.

 Auf Englisch sind es, um dies der größeren Klarheit halber noch anzufügen, die folgenden Übel:
  1. the evil of irresponsibility,
  2. the evil of inconsiderateness and
  3. the evil of indisciminateness.
Und wer sich in ihnen behauptet, dem ist der Morgenstern versprochen. Der Weg durch die Kaskade der Übel ist die Wiedererlangung zunächst der Tatkraft, dann der Opferbereitschaft und schließlich der Weisheit, in umgekehrter Reihenfolge ihres Verlusts, und nach der Senkung der Fülle im Glaubenszykel erfolgt er zur Hebung der Leere zum Neuanfang in das Gericht der Vernunft.

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5. März 2017

Magnum, P.I.: Fragments

Die Apokalypse ist Gegenstand vieler Hollywood-Filme, zu den besseren zählen etwa The Prophecy mit Christopher Walken und The Seventh Sign mit Jürgen Prochnow, aber letztlich eignet ihnen immer ein phantastisches Element, welches die Wahrheit der Offenbarung verdeckt, wobei die beiden genannten Filme dieses Element immerhin aus historisch dokumentierten jüdischen und christlichen Legenden entnehmen, beziehungsweise den Privatmeinungen einzelner Rabbis.

In der hier besprochenen Magnum-Episode wird hingegen das Wesen der Offenbarung en detail erklärt.

In ihrem Zentrum steht das Nebeneinander von Magnzm's innerer Stimme und Laura's Visionen, und in ihrem Laufe wird ihr jeweiliges Wesen und die Beziehung zwischen ihnen offenbar.

Das zentrale Motiv von Laura's Visionen ist die Weinflasche mit dem Hakenkreuz auf dem Etikett. Geschickt wird der Anschein erweckt, als ob sich um sie ein Verbechen rankt.

Unterdessen macht es Magnum stutzig, vom Gebrauchtwagenhändler Archie entgegen seiner sonstigen Art prompt bezahlt zu werden.

Magnum's Stimme sorgt sich darum, was Magnum widerfährt, Laura's Visionen hingegen sind regellose Ausblicke, Magnum's Intuition ist ein vages Ganzes, Laura's Intuition ein klares Zersplittertes.

Und der Zusammenhang zwischen ihnen ist zufällig.

Magnum sagt, daß er der Vision seines Todes nur entkommen kann, wenn er sich ihr stellt.

In dem Moment, in welchem er dies sagt, weiß der erfahrene Zuschauer zwar schon, daß er sich eine kugelsichere Weste anziehen wird, aber die Vernünftigkeit dieser Aussage sieht er noch nicht ein, das folgt erst später, wenn er versteht, daß es Magnum überall hätte treffen können, und daß in der Vision also immerhin der Vorteil steckt, daß sie Magnum darüber aufklärt, wann er sich eine kugelsichere Weste anziehen sollte und welchen Teil seines Körpers er zu schützen hat.

Wenn wir nun auf die Offenbarung schauen, so ist zunächst einmal zu bemerken, daß sie sowohl ein vages Ganzes enthält, als auch ein klares Zersplittertes. Aufgrund der Vagheit des Ganzen läßt es sich relativ leicht mit einem anderen verwechseln, denn schließlich ist jedes solche Ganze ja an die Person gebunden, um deren Fährnisse es sich sorgt, und nur wer Johannes ist, hat also Zugang zu seinem Ganzen.

Abhängig vom Ganzen ist aber der Sinn, welchen die klaren Splitter haben. Für Magnum bestand der Sinn schlicht darin, sich zu wappnen. Das ist im Falle der Offenbarung selbstverständlich weit komplizierter.

Die meisten, welche die Offenbarung lesen, denken, ihr Sinn bestünde darin zu erkennen, in wessen Herz das Böse haust. Dies fügt sich in ein vages Ganze, welches das Böse zu bekämpfen sucht. Aber Johannes ging es nicht darum, sondern darum, daß die Herrlichkeit Gottes manifest werde.

Der Sinn der klaren Splitter ist also ein anderer. Zunächst einmal dienen sie wie in Magnum's Fall schlicht dazu zu erkennen, daß die Zeit gekommen ist. Aber nicht die Zeit sich zu wappnen, auch nicht die Zeit zu kämpfen, sondern die Zeit zu predigen, und dann geben sie auch Hinweise darauf, was zu predigen ist, denn wie es besser ist, sich eine kugelsichere Weste anzuziehen, wenn man einen Ort betritt, von welchem man weiß, daß man an ihm beschossen wird, so ist es auch besser, rechtzeitig von etwas abzuraten, dessen Zeit gekommen ist, und wer die Offenbarung versteht, rät explizit von diesen dreien ab:
  1. dem New Yorker Humanismus und allen seinen Vasallen,
  2. dem cäsarischen Imperialismus und
  3. dem Judenhaß.
Gleichzeitig aber ist es klug, nichts von dem umgehen zu wollen, denn vor diesen Fallstricken sind wir wenigstens gewarnt. Ganz in dem Sinne, wie Magnum seine Vorwarnung verstand.

Dies ist der Dienst der offenbarten Visionen. Wer Ohren hat, der höre auch.

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4. März 2017

German Angst

You might say, I'm a little late, since I haven't heard the expression for quite some time, but there was a time, before the year 2000, I think, when it was quite en vogue.

I'm coming back to this, because I've recently pondered the wealth of the English language in this precise area.
  1. anxiety
  2. anguish
  3. fear
  4. cowardice
Ad 1. A form of unsettledness in which one has difficulty to hold on to one's grip of the situation.
Ad 2. The dread of only partially subdued anxiety, the weight of the rebelling mind.
Ad 3. The warning of unpreparedness.
Ad 4. The infirmity of nerves in the face of danger.

No such wealth exists in the German language. Angst means the same as fear and feige means as much as yellow.

Then there's verzagt; it means as much as depressed, weighted down, but there are no German words that specifically deal with the discipline of the mind.

Arguably bang does mean the same as anxious, arguably it does not. It is probably best to say that bang means having difficulty to breathe. And then there's beklommen, but that means being under stress dealing with your lot - it's what you see in the eye of the tiger.

Verily, language is a subtle thing, isn't it? And there is insight in perspective.

So, given that the perspective of controling your mind is alien to German, what reason then to loan from it other than to mock?

But it wasn't exactly mockery, more like a fascination with the unease, with which Germans lived their lives, an unease that was not the result of lacking mental discipline, but of supposed superstitions.

That much was understood. Not however, that that meant that Germans considered themselves ill prepared for any further steps into their future.They've been swept along ever since and that's also the reason why the term went out of fashion: Germans of today aren't being seen deliberating anymore - one more bobble trailing America's glorious path.

Mindfulness begets mindfulness by reflection, and mindlessness mindlessness by alignment. So much blood has been lost, and the whiter the face, the less real it appears.

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Zur Entfaltung der Sorge

Zum rechten Wuchs eines Menschen gehört die Entfaltung aller seiner Seelenteile.

Die Sorge. Die Lust bewältigt, die Achtung koordiniert und die Sorge wählt die Form, in welcher wir ihr folgend existieren wollen.

Ihre Entwicklung ist weit individueller als jene der anderen beiden Seelenteile, aber an ihrem Anfang muß ein Unbehagen mit der eigenen Existenz oder jener der Eltern stehen, welches die Notwendigkeit begründet, die Form des eigenen Lebens selbst für sich zu entwerfen und durch sich aufzurichten.

Allerdings kann ein Kind zunächst nicht viel in dieser Angelegenheit tun, außer die Augen aufzuhalten und die Lebenswirklichkeit anderer Erwachsener zu erkunden, denn die Erkundung der Lebenswirklichkeit anderer Kinder lohnt sich selbstverständlich nicht.

Selbstverständlich liegt hier die ehrenwerte Pädophilie begründet, wie sie etwa Platon in Teilen im Phaidros beschreibt, vermengt freilich mit der weniger ehrenwerten, oder der Koran in den Versen, und ich führe hier der besseren Anschaulichkeit halber einmal zwei Stellen hinreichend vollständig auf,
Er runzelte die Stirn und wandte sich ab,
weil der Blinde zu ihm kam.
Was könnte ihn lehren, als daß er wüchse?
Oder gehorchte, so daß ihn die Erinnerung gemahnte?
Ihm, der sich für unabhängig hält,
ihm zollst du Achtung,
und betrübst dich nicht darüber, wenn er nicht wächst.
Aber von ihm, der zu dir in ernster Absicht kommt,
und sich fürchtet,
von ihm bist du abgelenkt.
Nein! Wahrhaftig, es sei eine Warnung!

Während der Morgenstunden
und der Nacht, wenn sie am stillsten ist,
hat dein Herr dich nicht vergessen, noch haßt Er dich.
Und wahrlich, dein späterer Teil wird reicher als dein früherer sein,
und wahrlich, dein Herr wird dir geben, was dich zufriedenstellt.
Fand Er dich nicht als Waisen und beschützte?
Fand Er dich nicht umherschweifend und leitete?
Fand Er dich nicht mittellos und bereicherte?
Deshalb halte den Waisen nicht klein,
deshalb treib den Bettler nicht weg,
deshalb gib dem Reichtum deines Herrn deine Zunge.
Ich persönlich empfand als Kind freilich viel Furcht und zog es vor, die Lebenswirklichkeit Erwachsener an Frauen zu studieren, um bloß Männern nicht zu nahe zu kommen, und einige Lehrerinnen vornehmlich erlaubten mir das auch bis zu einem gewissen, freilich recht bescheidenem, Grade.

Was aber ist in dieser Frage anzuempfehlen?

Ich denke, das wichtigste in dieser Frage ist, daß Geistliche sich ständig in der Öffentlichkeit herumtreiben, das heißt im Café sitzen, oder auf einer Bank neben einem Springbrunnen, vielleicht auch auf den Stufen einer Treppe eines Hauseingangs, überall, wo die Menschen öffentlich den Frieden ihrer Existenz feiern - und ist das etwa ein so großes Opfer?

Freilich, je weiter nördlich auf der Nordhalbkugel, desto größer ist es. Aber dann müssen Geistliche hier halt über eine gesunde Konstitution verfügen.

Dies wäre also die erste Phase der Entwicklung der Sorge. Die zweite Phase besteht sinnigerweise darin, den eigenen Geist in Form schlagen zu lassen, idealerweise durch ein Mathematikstudium. Der Nutzen ist derselbe wie der des Ausdauerlaufs für den Fußballspieler, in der Konfrontation mit gültigen und trügerischen Argumenten wird der Geist auf das Bevorstehende vorbereitet.

Und in der dritten Phase schließlich beginnt der Entwurf und die Aufrichtung der Form des eigenen Lebens, bei welchen die eine oder andere Technik behilflich sein mag, siehe beispielsweise Διαλεκτική, welche also sinnigerweise auch zu lehren wären.

Nachdem die Sorge voll entwickelt ist, erweist sie sich fortan als ein Ruder, welches die Geschichte auf einen zu ihm kompatiblen Kurs bringt: Dies ist das Geheimnis des Glaubens, wie ich es hier zuletzt beschrieben habe.

Bleibt nur die Frage nach der Organisation der Geistlichen. Wie man am Beispiel Indiens sieht, ist sie nicht zwingend erforderlich, aber andererseits sehe ich nur Vorteile daran, sich über die eigenen Vorstellungen des Heiligen auszutauschen und bei hinreichender Übereinstimmung praktische Zusammenschlüsse zur Rechtsformulierung zu bilden, also Rechtsschulen. Entsprechende Institutionen zur Bewerkstelligung dieses Zwecks wären ebenfalls zu etablieren.

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3. März 2017

Ist das Sport?

Ich kann 10 Stunden lang spazieren gehen, gemütlich.

Ja, ich kann sogar einen Monat lang ununterbrochen... atmen.

Und auch das menschliche Herz schlägt und schlägt und schlägt.

Nun ist es für mich nichts neues, daß ich auch einfach regungslos, bis auf das Atmen, natürlich, und den Herzschlag, auf dem Wasser treiben kann, selbst wenn es warmes Süßwasser ist. Und wie sich nun herausgestellt hat, erlaubt mir diese Fähigkeit zusätzlich, mich ohne merklichen Kraftaufwand auf dem Rücken liegend auf dem Wasser fortzubewegen, gemütlich, 1 Meter alle 2 Sekunden zurücklegend - oder 900 Meter in einer halben Stunde.

Ich habe heute 1,4 km auf diese Weise zurückgelegt, ohne die geringste körperliche Müdigkeit dabei empfunden zu haben, wiewohl ich fast eingeschlafen wäre. Als ich aus dem Becken kam, hatte ich allerdings zunächst Koordinations- und Gleichgewichtsprobleme, welche sich indes schnell legten. Anschließend tauchte ich wieder meine üblichen 50 Meter. Aber hätte ich mehr Zeit gehabt... warum sollte ich nicht auch 10 Stunden lang so schwimmen können?

Nur ist das Sport?

Beim Spazieren kann ich Selbstgespräche führen, beim Autofahren auch, aber das ist nicht ganz dasselbe, beim Fahrrad Fahren schon nicht mehr und beim Schwimmen auch nicht. Dafür macht mich das Schwimmen schläfrig: Das sanft vorbeiziehende Wasser, die herrliche Schwere, mit welcher Kopf und Körper im Wasser liegen - ich muß schon wieder gähnen - zwei-, dreimal wäre ich wirklich beinah eingenickt.

Na, sehen wir mal, ob ich morgen nicht doch Muskelkater habe, doch glauben tue ich es nicht: Die Sache ist keine Herausforderung... eher eine Art Meditation.

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Zur Entfaltung der Achtung

Zum rechten Wuchs eines Menschen gehört die Entfaltung aller seiner Seelenteile.

Die Achtung. Während das Wesen der Lust die Bewältigung ist, ist das Wesen der Achtung die Koordination: Werte werden formuliert und Rollen zu ihrer Durchsetzung entworfen und zugeteilt.

Wie auch bei der Lust vollzieht sich die Entwicklung der Achtung in drei Phasen.

In der ersten Phase machen sich Kinder die Haltung ihrer Eltern zu eigen, das heißt, sie studieren, welche Prinzipien ihre Eltern verteidigen und beginnen damit, sie ebenfalls zu verteidigen, wenngleich oftmals nur in Gesten.

In der zweiten Phase schließen sich Kinder zu Gruppen zusammen, in welchen sie Erfahrungen damit sammeln, die Werte der Gruppe in einer zugeteilten Rolle durchzusetzen und abhängig von ihrem Erfolg zum Kern der Gruppe, der Auslegung dieser Werte, hin aufzusteigen, oder zu ihrer Peripherie, der Erfüllung zunehmend unangenehmer Dienste, hin abzusteigen.

Mädchen leben dies ein Reinform aus, das heißt, daß über ihren Erfolg einzig ihre Identifikation mit den Werten der Gruppe entscheidet, der Grad, in welchem ihre Haltung ihnen entspricht, so daß das schönste Mädchen im Kern der Gruppe steht, und um es herum sich zunehmend derbere Formen der Schmeichelei staffeln.

Bei Jungen kommt hingegen noch die Fähigkeit hinzu, die Leistungen, welche zu den Werten der Gruppe dazugehören, auch tatsächlich zu vollbringen, so daß ihre Hierarchie sowohl die Vorbildlichkeit ihrer Haltung als auch ihre Talente widerspiegelt.

Im Gegensatz zur Lust, wo Kongenialität die Voraussetzung zur Bildung der Gruppe ist, lassen sich Jungengruppen unter äußerem Druck bilden*, etwa in Form von Sportmannschaften, wo es der Spielmacher ist, welcher den Kern der Gruppe bildet - aber dazu muß es selbstverständlich einen Spielmacher geben und idealerweise auch noch von ihm mit Unteraufgaben Betraute, denn also entwickelte sich die Achtung am besten, wobei es allerdings wichtig ist, daß über Auf- und Abstieg nie nur die reine Leistung entscheidet, sondern stets auch das Ansehen innerhalb der Gruppe, mit anderen Worten den Jugen also die Möglichkeit gegeben werden muß, selbst über ihre Hierarchie zu entscheiden, was bei Sportmannschaften freilich meistens nicht der Fall ist. Nichtsdestotrotz, es ist auf ein Gruppenbewußtsein, welches sich mit der Organisation der eigenen Gruppe befaßt, hinzuarbeiten, am einfachsten wohl dadurch, daß den Jungen eingeschärft wird, daß es ihre Mannschaft ist und sie selbst für ihre Strategie verantwortlich sind. Letztere einem Trainer zu überlassen, beschädigte die Achtung unter den Jungen nur.

In der dritten Phase schließlich schließen sich Jugendliche gesellschaftlich etablierten Gruppen nach Maßgabe der von ihnen kultivierten Werte an. (Ein Fall, in welchem die Doppeldeutigkeit des Satzes nichts an seiner Aussage ändert.)

Nachdem die Achtung voll entwickelt ist, erweist sie sich fortan an der ordnenden Verbindung der Gesellschaft, und es ist ihr also ein hinreichend variables Umfeld zu schaffen, in welchem sie ihre Dynamik zur Entfaltung bringen kann, wobei indes sowohl die Leistungsfähigkeit, als auch die Ethik des Systems zu garantieren ist.

* Ist der Druck nur groß genug, lassen sich wahrscheinlich auch Freundeskreise unter äußerem Druck bilden, etwa wenn ein Kind, welches nicht stocksteif daherschreitet, von jedem passierenden Erwachsenen zusammengeschissen wird, aber der Preis für die so erzwungene Gruppenbildung ist wohl zu hoch.

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2. März 2017

Zur Entfaltung der Lust

Zum rechten Wuchs eines Menschen gehört die Entfaltung aller seiner Seelenteile.

Die Lust. Damit sich die Lust eines Menschen entwickeln kann, muß ihm der Raum gegeben werden, welchen er braucht, um zu erfahren, was er zu vollbringen vermag, aber er braucht auch einen Anreiz dazu.

Idealerweise berührt dieser Anreiz dabei nur die Sphäre der Lust und nicht die der Achtung und Sorge, denn die Achtung beschneidet die Lust durch Einfügung und die Sorge erschöpft sie durch Verwertung.

Es ist also gut, wenn das Spiel, in welchem sich die Lust entfaltet, scheinbar sinnlos ist und auch keine Regeln besitzt, aus welchen sich eine beste Strategie ableiten ließe, das heißt, wenn es im kongenialen Erproben des Möglichen im Freundeskreis besteht.

In der ersten Entwicklungsphase versuchen sich Kinder dabei daran, gemeinsam Erwachsenen zu trotzen.

In der zweiten Entwicklungsphase versuchen sich Jugendliche dabei daran, gemeinsam Techniken der Erwachsenen zu beherrschen.

Und in der dritten Entwicklungsphase der Lust versuchen sich Mann und Frau daran, gemeinsam eine Familie zu gründen.

Ich habe die erste Entwicklungsphase komplett verschlafen, die anderen beiden hingegen zum Glück nicht. Wesentlich ist natürlich, daß sich in jeder Phase wenigstens ein Freund finden läßt, mit welchem zusammen sie durchlaufen werden kann.

Nachdem die Lust voll entwickelt ist, erweist sie sich fortan im Wettkampf, und es sind ihr also Gelegenheiten zu schaffen, mit der Welt zu ringen, welche sowohl das Schicksal der Lust, als auch das Schicksal der Welt im Auge haben, das heißt, welche sicherstellen, daß die Lust der Welt gewachsen ist, ohne daß der Lauf der Welt von der Lust bestimmt wird.

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1. März 2017

Es ist, als ob die Menschheit landet.

Es ist, als ob die Menschheit landet.
 
Indem das Internet die Vertriebsstrukturen einebnet,
verliert die Parteizugehörigkeit ihren Reiz
und tritt hinter die Vorzeigbarkeit zurück.

Und indem es die Kundschaft ausweitet
und die Stammkunden an Gewicht verlieren,
richtet sich die Hoffnung nicht mehr auf den Fang Einzelner,
sondern auf die Auffüllung der ausgeworfenen Netze.

Die Menschen werden so zu Taktikern,
Optimierern ihrer Netzpräsenz,
und auf die Leere ihres Lebens geeicht.

Die Leere wird zum Normalfall,
alle Begeisterung entweicht,
das Tier hat seine Ruhe,
und auch der Anspruchsloseste erscheint reserviert.

Doch zu welchem Ende?
Die Einen werden den Kopf in den Sand stecken
und die andern sich umseh'n.

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27. Februar 2017

Funktionale transzendente Akte beruhen auf Vereinbarungen, welche über Ahnungen realisiert werden - also über scheinbar grundlose Einschätzungen im Rahmen echter Spontanität.

Panik beruht auf der Aussetzung der Fähigkeit, die eigene Lage zu überblicken, also dem fortgesetzten Wirken einer feststehenden Mahnung, worin sich aber eine immanente Beeinflussung zeigt, im Gegensatz zu den ansonsten ähnlichen spirituellen Warnungen (man möge sich durch den abweichenden Gebrauch der Begriffe Ahnungen und Mahnungen in diesem Beitrag nicht verwirren lassen: Sie sind beide Mahnungen im üblichen Sinne, indem sie die eigene Lage außerzeitlich erfassen. Das besondere bei den spirituell warnenden Ahnungen ist hingegen, daß sie die noch nicht eingetretene Zukunft auf diese Weise betrachten), welche indes den Gewarnten nicht treiben, sondern ihn fesseln.

Angesichts meiner jüngsten Erlebnisse möchte ich zu den spirituellen Warnungen der Ahnung folgendes ergänzen: Nicht immer ahnen wir eine Vergeblichkeit, von welcher wir dann abstehen, manches Mal ahnen wir auch ein Verhängnis, welchem wir uns dann stellen. In jedem Falle schränken spirituelle Warnungen aber unsere Freiheit ein.

Der Gegensatz zwischen Panik und spirituellen Warnungen scheint mir interessant. Er ähnelt dem im vorigen Beitrag beschriebenen Gegensatz zwischen der gewöhnlichen Verzweiflung und dem, was ich darunter verstehe, was zur ersten Hälfte natürlich nicht weiter verwunderlich ist, da jene Verzweiflung eine Abart der Panik ist.

Das Englische hat übrigens den schönsten Begriff für diese Art Verzweiflung: anxiety und davon anxious, auch in der Bedeutung von brennend erwarten - im Gegensatz zur gänzlich anders gelagerten Angst oder Furcht: fear. Angst und Furcht im Deutschen bezeichnen hingegen mehr oder weniger dasselbe, wiewohl sie die gewöhnliche Verzweiflung begleiten, aber eben nur einen Aspekt ihrer bilden. Umgekehrt begleitet die gewöhnliche Verzweiflung Angst oder Furcht nicht unbedingt, und zwar dann nicht, wenn es statt ihrer die Vorsicht tut. Vorsicht ist hingegen nicht die einzige Weise, sich der Angst zu stellen. Eine weit sicherere besteht darin, sich mit dem Verlust dessen, auf wessen Erhalt die Angst zielt, abzufinden: MORITVRITESALVTANT, oder auch: You can't kill them. They are already dead, um mich einmal auf die Miami Vice-Folge Nobody Lives Forever zu beziehen. Ein Wutausbruch bewirkt übrigens, praktisch gesehen, genau dasselbe. Ein Beispiel erstaunlicher Aufrechterhaltungsfähigkeit der Vorsicht anstelle des Verfallens in Verzweiflung ist hingegen in der Folge The Maze gegeben. Doch damit genug des Miami Vice-Bezugs.

Also zurück zum nämlichen Gegensatz. Der gewöhnliche Geist stört sich an einer ungewohnten Lage, daran, daß seine Strategien nicht greifen. Aber es gibt eine tiefer liegende Störung, nämlich die Störung des Einflusses unserer Ideale auf unsere Entscheidungen, oder genauer gesagt eine Abweichung unseres Verhaltens von unserem Glauben, das ist eine Abweichung von dem, von welchem wir erwarten, daß es Gottes Segen hat, was natürlich eine indirekte Erwartung über den Umweg dessen, von welchem wir erwarten, daß es verflucht ist, darstellt, welche selbst sehr konkret und unmittelbar ist.

Die Störung, welche eine Abweichung unseres Verhaltens von unserem Glauben bewirkt, liegt entweder in der mangelnden Berücksichtigung unseres Glaubens, was wir als spirituelle Warnungen wahrnehmen, oder aber in einer Widersprüchlichkeit unseres Glaubens selbst, was zu der von mir gemeinten Verzweiflung führt.

Der gewöhnliche Geist entspricht der Wirkung der Achtung, sowohl im Menschen als auch in Tieren, es ist der Ansätze formulierende Verstand. Der andere Geist ist das Wirken der Sorge, welches so nur im Menschen Statt hat, es ist die Ziele setzende Vernunft. Und Verzweiflung in meinem Sinne ist ein Liebeskonflikt, wie er etwa in der Star Trek-Folge Requiem For Methuselah dargestellt wird, nur daß an seinem Ende nicht unbedingt der Tod, sondern auch etwas anderes stehen kann, etwa unter anderem ein Erdbeben: Man bedenke die Unwahrscheinlichkeit, daß eine feindliche Streitmacht von einem Tsunami vernichtet wird, und doch hat es sich zugetragen: 479 vor Christus in Potidaea. Ich weiß freilich, daß dies nicht das einzige Ereignis dieser Art war, aber dieses Wissen läßt sich nicht vermitteln, allenfalls könnte ich zur Nachahmung aufrufen, aber das tue ich aus verständlichen Gründen nicht. Alles, was ich in dieser Angelegenheit sagen kann, ist, daß es auch nicht sonderlich wahrscheinlich ist, daß zwei stärker als 8 auf der nach oben offenen Richterskala seiende Erdbeben auf den zweiten Weihnachtstag und den folgenden zweiten Ostertag fallen, das sind 2004 Indian Ocean earthquake and tsunami und 2005 Nias–Simeulue earthquake.

Das ist das Gewicht des Widerspruchs, von welchem wir in meinem Fall sprechen müssen, dem Widerspruch zwischen der Gesetzmäßigkeit der Welt und dem Wert menschlichen Lebens:
Bricht die Gesetzmäßigkeit der Welt,
mögen viele umkommen,
doch bricht der Wert menschlichen Lebens,
werden es alle.
Ich sollte mir das selbst ins Gedächtnis rufen. Die Deisten sind eh verflucht, aber wer bereit ist, an einen lebendigen, in das Weltgeschehen eingreifenden Gott zu glauben, der tue es.

Am Ende des Films QVO VADIS steht dieser blasphemische Ausspruch, daß der Konstanz des Staates die Konstanz der Religion unterzuordnen sei: In keinem Fall ist es so. Es läßt sich einfach nicht bewerkstelligen, daß ein Staat konstant sei, gleich was man einer Religion zu diesem Zwecke anzutun bereit ist.

Wir sehen also das Tier auf der Suche nach Ansätzen und sich über diese Ansätze transzendent verständigend und den Menschen auf der Suche nach Zielen und sich über diese transzendent verständigend, wenngleich diese Art der Verständigung weit schwerer zu erfassen ist, vergleiche dazu auch den eingangs referenzierten Beitrag zu den transzendenten Akten.

Beiden gemeinsam ist der Fluß ihres Daseins, die approximative Natur ihrer Existenz, von welcher der Mensch indes einen Begriff hat, indem er das Bewußtsein der weltschaffenden Kraft in sich trägt, und zwar auf solche Weise, daß gilt, wie Johannes schreibt:
Ist Gott verklärt in ihm, so wird ihn auch Gott verklären in sich selbst und wird ihn bald verklären.
Mit anderen Worten:
Ist etwas als göttlich im Menschen erkannt, wird es auch wirklich in der Welt werden.
Und um den Reigen der letzten Beiträge hiermit gebührlich abzuschließen: Es gibt keinen Weg, auf welchem das Tier in mir Frieden fände, ohne den Frieden des Menschen dabei zu gefährden, da die dazu nötigen Vereinbarungen in keiner Weise meinem Glauben Rechnung trügen, oder, um es anders zu sagen:
Auf dem sinkenden Schiff ist die menschliche Not selbst dem Glück des Tieres vorzuziehen.
Daß der Kapitän mit dem Schiff zusammen untergehen sollte, besitzt eine metaphysische Komponente, ja, ich bin fast geneigt zu sagen, daß der hauptsächliche Zweck dieser Vorschrift darin besteht, den Menschen daran zu erinnern, daß es seine Welt ist, von welcher es keine Abkehr geben kann, ein metaphysisches Gesetz, zu dessen Darstellung Kapitäne geopfert würden, wenn sie denn geopfert würden, und es sich nicht nur um einen Mythos handelte.

Denn es ist unsere Welt, und es hängt von unserer Entscheidung für das Heiligere ab, daß das Heiligere gerettet wird. Frauen und Kinder wiederum als bloße Sinnbilder, wiewohl die für sie getragene Sorge tatsächlich heilig ist. Wer immer diese Vorschrift aufgestellt hat, ihm ging es um die Manifestation der vollen Verantwortung des Menschen im Kapitän, daß ein Kapitän ungeteilt Priester und König sei. Die Lizenz zur Heiratsschließung tut ihr übriges. Es ist interessant, in sofern am Kapitän etwas offen zu Tage liegt, was die Kirche sonst als Mysterium hütet.

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