Bevorzugung und Einbringung
Ich sprach davon, daß wir uns
Um die Rollen eines Schwarmes, welchem ich selber angehöre, bin ich instinktiv nicht besorgt, entwickeln sie sich doch im täglichen Umgang, und etwaig nötige Korrekturen scheinen möglich. Dahingegen sorge ich mich sehr wohl um die Entscheidungsprozesse, und zwar genauer gesagt darum, daß sich nicht hinreichend viele Bürger im Stande sehen, Opfer zu erbringen, um die sie betreffende Dynamik zu verbessern.
Ich schrieb davon im vorigen Beitrag: Auch mein Ehrsinn gebietet mir, das Gebührende zu begünstigen, aber dazu brauche ich Gleichgesinnte, und wenn ich sie nicht finde, fühle ich mich fehl am Platz, wobei es um so schlimmer ist, je voller der Platz ist.
Dabei gibt es zwei Klassen von Bürgern, nämlich die Organisatoren und die Arbeiter. Zwischen diesen besteht eine ewige Spannung, welche daher rührt, daß die Organisatoren sich Vorteile durch die Organisation verschaffen, welche das Interesse der Arbeiter an einer mit ihr konkurrierenden Organisation nähren.
Da die Arbeiter auf ewig über ihre Arbeitskraft verfügen, als Klasse, versteht sich, sind sie grundsätzlich stets in der Lage, die genannten Opfer zu erbringen, wohingegen es die Organisatoren nur zu dem Grade können, welchen ihnen ihre Motivationsmittel erlauben.
Typischerweise handelt es sich bei letzteren um Kontakte, welche Profit versprechen, so sind manche Eppendorfer, etwa, stolz darauf, Kunden und Reeder zum Zwecke der Einfuhr von von afrikanischen Kleinbauern angebauten Kaffeebohnen verkuppelt zu haben, womit sie ihr Klasseninteresse übrigens schützen, indem sie den lokalen Industrialisierungsdruck mindern und Afrika weiterhin als Rohstofflieferanten belassen.
Ich will mich aber nicht an Stelle der Afrikaner darüber empören, mir geht es vielmehr darum, daß die Gemeinnützigkeit der Organisatoren stets auf den Kreis der unmittelbar an ihr Beteiligten beschränkt ist, während sie innerhalb der Arbeiterklasse als ein allgemeines Potential besteht, welches bei Bedarf aktualisiert werden kann.
Ausnahmen bilden dabei nur jene Arbeiter, welche von der Organisatorenklasse privilegiert werden, wie exemplarisch die Inder in den einstigen britischen Kolonien in Afrika.
Nun habe ich in der Schule von der Überlegenheit der römischen Kultur gegenüber der phönizischen gehört, hier Straßen und Aquädukte, dort Handlanger, aber worin besteht sie genau?
Die Römer haben, als Organisatorenklasse, auf ihren militärischen Zusammenhalt vertraut, welcher es ihnen erlaubte, Forderungen zu stellen, und jene zu bestrafen, welche ihnen nicht nachkamen, ohne daß sie gezwungen waren, sich bei wichtigen Partnern beliebt zu machen.
Das ist die zweitbeste Lösung, wenn es darum geht, als gesonderte Organisatorenklasse das Gebührliche zu begünstigen: Nur das Nötige für sich zu nehmen und jene zu töten, welche die Organisation angreifen, denn so bleibt der Rest bei den Andern, welche sich lokal in den Entscheidungen, welche sie betreffen, weitestgehend frei einbringen können.
Die beste besteht darin, die Angreifer nicht zu töten, sondern am Pranger und mit anderen Mitteln zu demütigen, aber diese setzt nicht nur bei den Organisatoren erheblichen Ehrsinn voraus, sondern auch bei den Arbeitern.
Die Chinesen besitzen weiterhin den meisten und können also auf diese Weise regiert werden, da hat sich nicht viel getan in den letzten 2000 Jahren.
Die Engländer haben sich hingegen, bis es sie nach Indien verschlug, an das römische Vorbild gehalten: allgemeine Freiheit unter allgemeiner Furcht der Staatsdiener. Dann aber begannen sie damit, sich um Partner zu bemühen. Zunächst nur in der Fremde, und heute auch im Innern, wobei die Inder ironischerweise in beiden Fällen auf den Zug aufgesprungen sind und eine kuriose Kontinuität begründen.
Doch kehren wir zu den Phöniziern zurück. Warum haben sie sich nicht wie die Römer verhalten? Weil sie sich ihrer Klassenmitglieder weniger sicher sein konnten und insgesamt militärisch schwächer waren. Und das ist auch heute der Fall: Nur deshalb werden Partner gesucht, weil die Organisatorenklasse zu schwach ist.
Die Bürger müssen bei Laune gehalten werden. Ich schrieb davon, wie Prinz Edward den Engländern ein Forum bot, um Kontakte mit den Amerikanern zu knüpfen, doch als dieses Forum dazu führte, daß sich die Engländer gegen ihre Organisatoren stellten, wurde es schleunigst zurückgefahren.
Dabei könnte die Organisation ja auch durch so ein Forum erfolgen. Aber wie gesagt, der bevorzugte Ansatz heute ist der feudale in Gestalt der korporalistischen Erlebniskultur, weil er den Weltstaat erlaubt. Sehen wir uns also auch ihn unter dem hiesigen Gesichtspunkt an.
Die Feudalherren sind begünstigte Partner, welche, wenn sie ebenfalls begünstigten, die Gesellschaft schwächten, indem sie ihre Einbringung in Entscheidungsprozesse hemmten, und wenn sie maßlos wären, einen Klassenkampf provozierten. Klaus Schwabs Ansatz der Einbindung Betroffener seitens der Feudalherren ähnelt doch sehr der Selbstinszenierung von Fürsten, bei welchen der Fürst seine Kenntnis der Sorgen seiner Untertanen zur Schau stellt. Tatsächlich aber ist die Frage der Betroffenheit die schwierige, welche die größtmögliche Einbindung erfordert.
Nur der eurasische Ehrsinn der Germanen ließ den nach Karl dem Großen begonnenen feudalen Ansatz gelingen, in Anatolien, wo er den Sassaniden abgeschaut worden war, scheiterte er mit dem Überlaufen der Bevölkerung zu den Seldschuken, und ich gehe nicht davon aus, daß unsere Wirtschaftskapitäne spartanischer leben und härter sind und weniger geneigt, Partner zu bestechen, als die byzantinischen Ritter, so daß sich manchenorts in einer weiteren Ironie auch die Turkisierung wiederholen könnte.
Wie sollte ich nicht wissen, was seit mehreren tausend Jahren jeder weiß?
- der organisierenden Dynamik eines Staats anvertrauen,
- uns in seine Entscheidungsprozesse einbringen und
- uns in die von ihm vorgesehenen Rollen einfinden,
Um die Rollen eines Schwarmes, welchem ich selber angehöre, bin ich instinktiv nicht besorgt, entwickeln sie sich doch im täglichen Umgang, und etwaig nötige Korrekturen scheinen möglich. Dahingegen sorge ich mich sehr wohl um die Entscheidungsprozesse, und zwar genauer gesagt darum, daß sich nicht hinreichend viele Bürger im Stande sehen, Opfer zu erbringen, um die sie betreffende Dynamik zu verbessern.
Ich schrieb davon im vorigen Beitrag: Auch mein Ehrsinn gebietet mir, das Gebührende zu begünstigen, aber dazu brauche ich Gleichgesinnte, und wenn ich sie nicht finde, fühle ich mich fehl am Platz, wobei es um so schlimmer ist, je voller der Platz ist.
Dabei gibt es zwei Klassen von Bürgern, nämlich die Organisatoren und die Arbeiter. Zwischen diesen besteht eine ewige Spannung, welche daher rührt, daß die Organisatoren sich Vorteile durch die Organisation verschaffen, welche das Interesse der Arbeiter an einer mit ihr konkurrierenden Organisation nähren.
Da die Arbeiter auf ewig über ihre Arbeitskraft verfügen, als Klasse, versteht sich, sind sie grundsätzlich stets in der Lage, die genannten Opfer zu erbringen, wohingegen es die Organisatoren nur zu dem Grade können, welchen ihnen ihre Motivationsmittel erlauben.
Typischerweise handelt es sich bei letzteren um Kontakte, welche Profit versprechen, so sind manche Eppendorfer, etwa, stolz darauf, Kunden und Reeder zum Zwecke der Einfuhr von von afrikanischen Kleinbauern angebauten Kaffeebohnen verkuppelt zu haben, womit sie ihr Klasseninteresse übrigens schützen, indem sie den lokalen Industrialisierungsdruck mindern und Afrika weiterhin als Rohstofflieferanten belassen.
Ich will mich aber nicht an Stelle der Afrikaner darüber empören, mir geht es vielmehr darum, daß die Gemeinnützigkeit der Organisatoren stets auf den Kreis der unmittelbar an ihr Beteiligten beschränkt ist, während sie innerhalb der Arbeiterklasse als ein allgemeines Potential besteht, welches bei Bedarf aktualisiert werden kann.
Ausnahmen bilden dabei nur jene Arbeiter, welche von der Organisatorenklasse privilegiert werden, wie exemplarisch die Inder in den einstigen britischen Kolonien in Afrika.
Nun habe ich in der Schule von der Überlegenheit der römischen Kultur gegenüber der phönizischen gehört, hier Straßen und Aquädukte, dort Handlanger, aber worin besteht sie genau?
Die Römer haben, als Organisatorenklasse, auf ihren militärischen Zusammenhalt vertraut, welcher es ihnen erlaubte, Forderungen zu stellen, und jene zu bestrafen, welche ihnen nicht nachkamen, ohne daß sie gezwungen waren, sich bei wichtigen Partnern beliebt zu machen.
Das ist die zweitbeste Lösung, wenn es darum geht, als gesonderte Organisatorenklasse das Gebührliche zu begünstigen: Nur das Nötige für sich zu nehmen und jene zu töten, welche die Organisation angreifen, denn so bleibt der Rest bei den Andern, welche sich lokal in den Entscheidungen, welche sie betreffen, weitestgehend frei einbringen können.
Die beste besteht darin, die Angreifer nicht zu töten, sondern am Pranger und mit anderen Mitteln zu demütigen, aber diese setzt nicht nur bei den Organisatoren erheblichen Ehrsinn voraus, sondern auch bei den Arbeitern.
Die Chinesen besitzen weiterhin den meisten und können also auf diese Weise regiert werden, da hat sich nicht viel getan in den letzten 2000 Jahren.
Die Engländer haben sich hingegen, bis es sie nach Indien verschlug, an das römische Vorbild gehalten: allgemeine Freiheit unter allgemeiner Furcht der Staatsdiener. Dann aber begannen sie damit, sich um Partner zu bemühen. Zunächst nur in der Fremde, und heute auch im Innern, wobei die Inder ironischerweise in beiden Fällen auf den Zug aufgesprungen sind und eine kuriose Kontinuität begründen.
Doch kehren wir zu den Phöniziern zurück. Warum haben sie sich nicht wie die Römer verhalten? Weil sie sich ihrer Klassenmitglieder weniger sicher sein konnten und insgesamt militärisch schwächer waren. Und das ist auch heute der Fall: Nur deshalb werden Partner gesucht, weil die Organisatorenklasse zu schwach ist.
Die Bürger müssen bei Laune gehalten werden. Ich schrieb davon, wie Prinz Edward den Engländern ein Forum bot, um Kontakte mit den Amerikanern zu knüpfen, doch als dieses Forum dazu führte, daß sich die Engländer gegen ihre Organisatoren stellten, wurde es schleunigst zurückgefahren.
Dabei könnte die Organisation ja auch durch so ein Forum erfolgen. Aber wie gesagt, der bevorzugte Ansatz heute ist der feudale in Gestalt der korporalistischen Erlebniskultur, weil er den Weltstaat erlaubt. Sehen wir uns also auch ihn unter dem hiesigen Gesichtspunkt an.
Die Feudalherren sind begünstigte Partner, welche, wenn sie ebenfalls begünstigten, die Gesellschaft schwächten, indem sie ihre Einbringung in Entscheidungsprozesse hemmten, und wenn sie maßlos wären, einen Klassenkampf provozierten. Klaus Schwabs Ansatz der Einbindung Betroffener seitens der Feudalherren ähnelt doch sehr der Selbstinszenierung von Fürsten, bei welchen der Fürst seine Kenntnis der Sorgen seiner Untertanen zur Schau stellt. Tatsächlich aber ist die Frage der Betroffenheit die schwierige, welche die größtmögliche Einbindung erfordert.
Nur der eurasische Ehrsinn der Germanen ließ den nach Karl dem Großen begonnenen feudalen Ansatz gelingen, in Anatolien, wo er den Sassaniden abgeschaut worden war, scheiterte er mit dem Überlaufen der Bevölkerung zu den Seldschuken, und ich gehe nicht davon aus, daß unsere Wirtschaftskapitäne spartanischer leben und härter sind und weniger geneigt, Partner zu bestechen, als die byzantinischen Ritter, so daß sich manchenorts in einer weiteren Ironie auch die Turkisierung wiederholen könnte.
Wie sollte ich nicht wissen, was seit mehreren tausend Jahren jeder weiß?
Labels: 43, formalisierung, geschichte, gesellschaftsentwurf, gesellschaftskritik, gesetze, institutionen, sehhilfen, wahrnehmungen, zeitgeschichte, ἰδέα, φιλοσοφία