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31. Mai 2011

Der Einbruch des sogenannten Bösen in die Welt

Es gibt ein Spiel, das Wendspiel, welches unter dem Mantel des Metaphysischen gespielt wird und auch nur unter diesem gespielt werden kann.

Der Preis besteht in der Herrschaft über eine die Zerstörung um ihrer selbst willen liebenden Meute.

Es geht so: Zunächst erläutert man dem Zielpublikum wahrheitsgetreu das Wesen des Guten. Dann behauptet man unwahrheitsgemäß, daß das Gute herrsche, bringt dafür alle möglichen Belege, sieht aber auf der anderen Seite zu, daß es möglichst nirgends wirklich die Gelegenheit dazu bekommt. Des weiteren schiebt man ihm, wenn einmal etwas schief geht, dieses in die Schuhe, allerdings nicht ohne dabei gleichzeitig zu betonen, daß man solche Nackenschläge ertragen müsse, da das Festhalten an Prinzipien, welche das Gute verbürgen, solch reichen Lohn einfährt, daß jene dagegen gar nicht ins Gewicht fallen.

Menschen unentschiedeneren Wesens taugen zwar nicht zu dem Zweck, welchen man verfolgt, lassen sich aber zur Durchsetzung der obigen Strategie gegen das Zielpublikum in Stellung bringen, wozu diese freilich am kurzen Band der Lüge zu führen sind.

Das Zielpublikum ist reif, wenn sein Glaube an konstruktive Prozesse restlos zerrüttet ist, und daraus erklärt sich auch die Strategie. Treue zu den Prinzipien, welche das Gute verbürgen, ist deshalb so wichtig, weil das Zielpublikum sich sonst womöglich mit den real herrschenden Verhältnissen arrangieren würde und sich auf diese Weise mit einem konstruktiven Prozeß identifizierte. Aber noch schlimmer wäre es freilich, wenn es die Möglichkeit besäße, diesen Prinzipien folgend erfolgreich zu sein.

Ein Faktor, welcher dieses Vorgehen erleichtert, ist die Selbstverstärkung auch nur vereinzelter destruktiver Akte, was für konstruktive Akte freilich genauso gälte, wenn sie nicht streng kontrolliert würden. Auch wirken destruktive Impulse, wenn sie sich erst einmal verfestigt haben, als ständiges Gegengewicht zu jeder konstruktiven Regung und können auf diese Weise konstruktive Prozesse auch dann noch verhindern, wenn letzteren keine äußeren Hindernisse im Wege stehen.

Am wichtigsten ist aber, daß der mechanische Charakter und das profane Ziel der Beeinflussung verborgen bleiben, denn nicht nur lassen sich die Menschen nur ungern bewußt beeinflussen, wichtiger noch ist die lähmende Wirkung der Angst vor dem Unfaßbaren. So gefährlich eine gewendete Meute auch sein mag, einzeln betrachtet ist der Wunsch den ganzen vermeintlichen Schrott kaputt zu schlagen nicht weiter fürchterlich, weder in den Augen anderer, noch in den eigenen, und entsprechend ungebunden wäre der einzelne Gewendete, den nur die Furcht, sich Kräften angeschlossen zu haben, welche über ihn hinaus gehen, davon abhält, hinter dem Trümmerhaufen den Neuanfang zu sehen, das heißt, auf dem kürzesten Wege die Rückwendung anzustreben.

Es ist ein Spiel mit dem menschlichen Reinheitsempfinden, und es ist hochgradig pervers. Wer es indes versteht, schätzt seine eigene Befleckung richtig ein und löst sich aus ihm.

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30. Mai 2011

Charakteristische Ärgernisse der Jugend und des Alters

Nachdem ich gestern über den Aspekt des Alt-Geboren-Werdens gestolpert bin, möchte ich dieses Thema gerne noch etwas weiter im allgemeinen betrachten.

Wie gesagt, ich glaube, daß es unterschiedliche Grade solchen ursprünglichen Altseins gibt oder anders ausgedrückt, daß einem in verschiedenem Ausmaß bereits bei der Geburt Sachverhalte klar sind. Entsprechend ärgert man sich über die Trantüte, welcher etwas nicht klar ist, was einem selbst offensichtlich ist oder über die oberflächliche Borniertheit dessen, welcher zu verstehen glaubt, was einem selbst tief und unerforscht erscheint.

Ich sage das bewußt so, zu oft nur hat derjenige Recht, welcher sich ärgert. Es liegt am Wesen der Natur, daß kein allgemeines Urteil über den Wert solcher angeborenen Überzeugungen möglich ist, allerdings, wie bereits gesehen, ist eine zu weit reichende Überzeugtheit von den Dingen des Lebens eine Sackgasse, ein Zustand, in dem man die verändernden Kräfte der Welt nur noch fürchtet. Andererseits ist zu große geistige Offenheit praktisch kaum von Idiotie zu unterscheiden, was auch der Grund dafür ist, warum geistig Behinderten oftmals eine Tiefe zugeschrieben wird, welche sie ganz und gar nicht besitzen und wenn schon ihnen, dann natürlich gewöhnlichen dummen Menschen erst recht. Aber natürlich werden andererseits auch tiefe Geister aus solchen Gründen verkannt, die Angelegenheit ist ein zweischneidiges Schwert.

Daß es sich indes bei diesen Dingen um etwas Erbliches handeln könnte, hatte ich schon vor längerer Zeit geschrieben, als ich nämlich über die allgemeine Lebenssituation schrieb, von den Aufgaben, welche vor einem liegen, und den Dingen, welche man entweder bereits entschieden hat oder aber als unwesentlich fallen gelassen, ein Prozeß, welcher, wie ich schrieb, darin gipfeln könne, daß man in die Welt geboren wird, ohne an ihr auch nur das Geringste verändern zu wollen, was auf den Weg der zufriedenen Resignation führte. Nun, das amerikanische Beispiel ging in eine andere Richtung. Offenbar kann das Endstadium auch darin bestehen, sich hart gegen sich selbst an der Welt festzuklammern. (Natürlich gewöhnt man sich an die Härte und subjektiv mag das eigene Leben so paradiesisch erscheinen, was aber erstens wohl eher selten zutrifft und mich zweitens auch nicht weiter interessiert, weil ich nicht der Meinung bin, daß der Sinn des Lebens der Genuß ist. Freilich, in Thailand beispielsweise wird das wohl konsequent anders gesehen, wobei dort andererseits aber auch der Weg zur zufriedenen Resignation offen steht, man könnte sagen, eine Gesellschaft am Ende aller Zeiten.)

Ich allerdings bin durchaus ein Freund steter Verjüngung, bei allen vorherigen Leistungen, doch auch immer wieder das Neue zu finden und anzugehen. Daß man dabei auf dem falschen Wege ist, wird man daran erkennen können, daß mit der Zeit nicht immer mehr, sondern immer nur das Gleiche oder sogar immer weniger klar ist, ohne daß sich dabei das eigene Verständnis vertieft hätte. Nun, das sind nunmal die Schwierigkeiten, welche es im Leben zu meistern gilt.

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Einige Gedanken zu Umwelteinflüssen

Ich schrieb schon zu diesem Thema, unterschiedliche Vorstellungen von Heiligkeit betreffend, aber ich werde dieses Mal andere Dinge in den Blick nehmen.

Es gibt einige natürliche Metaphern, welche zwangsläufig im Menschen bestimmte Gedanken anregen. Eine vollständige Liste ihrer wäre schön, einstweilen kann ich aber nur zwei von ihnen angeben, nämlich einmal das Meer, welches eine ewige Verheißung fremder Gestade und damit ein Sinnbild der Zukunft ist, bei Sonnenschein und ruhiger See freilich nur, und zum anderen den Sternenhimmel, welcher den eigenen Platz in einer größeren Ordnung verdeutlicht und damit ein Sinnbild von Transzendenz und Gegenwart ist.

Es ist leicht nachvollziehbar, daß einen das Meer, wenn man das andere Ufer schon kennt, melancholisch gesinnen kann, indem es einen auf eine Zukunft hinweist, welche es zwar nicht mehr zu erobern, aber immer noch zu gestalten gilt. Die gleiche Wirkung geht auch von einer Randlage aus, wo man auf einer Seite ein Beispiel von Entwicklung und auf der anderen ein Beispiel von Entwicklungsmöglichkeit hat. Es scheint auch, daß die meisten Kulturen unter solchen Umständen entstanden sind, also aus einer eigentümlichen Imitation eines fremden Vorbildes. Indes sollte man über solchen speziellen Möglichkeiten, wenn möglich, nicht die allgemeine Aufgabe vergessen.

Übrigens lassen sich diese natürlichen Metaphern auch zerstören, etwa durch nächtliche Straßenbeleuchtung oder durch Yachthäfen, einzelne kreuzende Schiffe hingegen stören noch nicht weiter. Und es kann auch auf andere Weise zu einer Neutralisierung ihrer kommen, wenn sich eine Küste beispielsweise sehr zentral anfühlt, also alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, bleibt keine Aufladung für das Meer übrig.

Auch was ich zuvor schon vom Wetter schrieb, beeinflußt das Temperament auf naheliegende Weise, beispielsweise unterstützt unerwartet stark nach verschiedenen Seiten hin ausschlagendes Wetter das Pendeln zwischen Triumphalismus und Melancholie, welches für den Vernunftmenschen charakteristisch ist, während reine Gewalt der Elemente eher den Choleriker im Manne weckt.

Dies alles mag die regional unterschiedliche Häufigkeit der verschiedenen Temperamente erklären.

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29. Mai 2011

Nachbetrachtung zur Religiösität der amerikanischen Ureinwohner

Daß es für einen Ordnungsliebenden nichts weiter bedeutet, Regeln zu befolgen und ein entsprechendes Verhalten also auch bei religiösem Anstrich schlecht religiös genannt werden kann, ist eine Sache.

Die Religiösität der amerikanischen Ureinwohner ist hingegen etwas anderes. Ich denke, man kann die Vorstellung eines wie auch immer gearteten Pantheismusses getrost zu den modernen Mythen legen. Wahrnehmungen unter Drogeneinfluß sind selbstverständlich eine Sache für sich, welche ich hier nicht weiter besprechen will, aber wenn man sich die Religionen der Azteken, Mayas und Inkas anschaut, so zeigt sich, daß, wie auch beispielsweise bei den Chinesen, Gott gefürchtet wurde und zugleich seine Furchtbarkeit akzeptiert, was in Opfern seinen Ausdruck fand. Im Gegenzug wurde er auch einmal um dieses oder jenes gebeten, aber der Schwerpunkt lag doch auf der Abwendung von Katastrophen.

Eine solche Religiösität hat weder Raum zum Wachsen noch Interesse daran, wenngleich sie die Transzendenz kennt. Man könnte sie als alt geboren bezeichnen, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, was ich vom Wandel der Transzendenz im Laufe des Lebens schrieb. Allerdings ist die Jugend an sich eine notwendige Phase, ohne welche das Alter keinen rechten Sinn ergibt. Und wer tatsächlich auf diese Weise alt geboren wurde, kann in seinem Alter nur das äußern, was er von der Jugend seiner Vorfahren ererbt hat.

Der Zusammenhang zu Strenge und Ordnungsliebe ist natürlich dadurch gegeben, daß jene Strukturen voraussetzen, um überhaupt existieren zu können. Es ist ein Leben aus der Vergangenheit, aus tradierten Ansprüchen an sich selbst und andere.

Je mehr ich davon schreibe, desto weniger sieht es aus, als ob dies angeboren sein könnte, aber das ist es, wenn man die Empirie anschaut, selbst wenn man die Genetik wegläßt, wohl wirklich.

Es gibt Menschen, welche ihre Jugend selbst leben und andere, welche die Jugend ihrer Vorfahren erben, und diese Wahl selbst ist ebenfalls angeboren.

Ich denke allerdings, daß es dabei auch wiederum unterschiedliche Grade der Vergangenheitsbestimmtheit gibt. Jedenfalls lassen sich die Untergruppen von MNOPS erschreckend gut mit dieser Form der Vergangenheitsbestimmtheit in Einklang bringen.

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Nochmals zur geschichtlichen Entstehung der Temperamente

Der Sanguiniker bildet den Urzustand der Art Homo sapiens sapiens.

Das ist angesichts der vorangegangenen Modellierung des Bewußtseins zu erwarten und läßt sich auch empirisch belegen, wenn man denn der Genetik Glauben schenkt.

Üblicherweise geht das Temperament vom Vater auf den Sohn (und die Tochter) über. Üblicherweise paaren sich auch Partner gleichen Temperaments, was die Erklärung für ersteres sein mag. Ich will mich in dieser Frage nicht festlegen, dennoch aber verlangen, daß sich die Entstehung der verschiedenen Temperamente, zumindest soweit es ihre Häufigkeit betrifft, mit der Mutationsgeschichte des Y-Chromosoms in Einklang bringen läßt.

Nun sind meine Ressourcen zur Durchführung psychologischer Untersuchungen begrenzt, andererseits liegen die Temperamente der Menschen ziemlich offen zu Tage. Und wenn ich meine Allerweltserfahrungen mit dem Stammbaum des Y-Chromosoms in Einklang bringe, so wage ich zu behaupten, daß sich erstmals in der Haplogruppe F etwas anderes als ein Sanguiniker gezeigt hat.

Zur Erinnerung, die Motivation des Sanguinikers entspringt seinen Umständen, die Motivation des Cholerikers und Melancholikers entspringt ihrer Haltung. Dies ist kein kleiner Unterschied und kann schwerlich die Folge veränderter Rahmenbedingungen sein. Man wird verlangen müssen, daß er mit einer Mutation einher ging.

An dieser Stelle allerdings hört die Vorhersagekraft meiner Bewußtseinsanalyse auch schon wieder auf. Es ist nicht so, daß nun zunächst nur Choleriker entstanden wären und später dann mit einer weiteren Mutation auch Melancholiker folgten. Allerdings ist in der Tat zunächst ein Typus entstanden und später dann mit einer weiteren Mutation (innerhalb der Haplogruppe MNOPS) ein anderer. Es sind dies aber Typen, welche ich zuvor noch nicht beschrieben hatte.

Diese beiden Typen sind klar genug erkennbar, um keinen Zweifel daran zu hegen, daß sie in der Tat fundamentale Charaktere menschlicher Gesellschaften bilden, und selbst wenn sie sich nicht besonders gut mit den Verbreitungsgebieten der Untergruppen von F (ausschließlich MNOPS) und MNOPS in Einklang hätten bringen lassen, verdienten sie wohl eine Beschreibung an eigener Stelle.

Der erste Typus ist getrieben, immer auf der Suche nach Vervollkommnung seines Lebens, andere freundschaftlich neben sich entfalten lassend, hilfsbereit und großzügig. Der zweite Typus ist zurückhaltend, streng, genügsam, ordnungsliebend.

Diese Typen sind natürlich nicht gänzlich unvereinbar, einer mag Spaß verstehen, aber irgendwo seine Grenze haben, ab welcher sein Verhalten ins Gegenteil umschlägt, und folglich ist man nicht unbedingt versucht, die Sache als erblich zu betrachten. Sie ist es aber, wobei einem nach dem vorigen gar nichts anderes übrig bleibt, als gerade die Lage dieser Grenze als das Erbliche anzusehen. Irgendwann vor ein paar zehntausend Jahren ist jemand auf einer indonesischen Insel final eingeschnappt, was ihm erstaunlicherweise einen ungeheueren selektiven Vorteil bescherte.

Der ursprüngliche Typus, also sämtliche Haplogruppen vor F, befindet sich heute noch in Afrika, in Tibet, in der Mongolei, bei einigen ostsibirischen Stämmen, bei den australischen Eingeborenen, den Maoris und beinahe auch in Japan in der Mehrheit. Der erste haltungsmotivierte Typus, also alle verbleibenden Haplogruppen vor MNOPS, befindet sich heute in der Türkei, in Georgien, im Iran, auf der arabischen Halbinsel, bei einigen Stämmen in Papua-Neuguinea, in Südindien, sowie beinahe auch in ganz Indien und in Italien in der Mehrheit. Der zweite haltungsmotivierte Typus schließlich befindet sich so gut wie überall sonst in der Mehrheit und insbesondere auch bei den amerikanischen Ureinwohnern, den Inuit und in Japan, wo der erste haltungsmotivierte Typus vollständig fehlt, nicht aber in Indien und Italien, wo er auch nur die zweitgrößte Gruppe bildet, in Spanien und Indonesien andererseits sehr wohl.

Soviel zum empirischen Hintergrund, vor welchem diese Zuordnungen getroffen wurden. Ich möchte an dieser Stelle nicht verschiedene Gesellschaftszusammensetzungen gegen einander abwägen, das erscheint mir auch in den meisten Fällen sinnlos, wenngleich eine bloße Beschreibung vorhandener Charakteristika durchaus Sinn macht, ich würde allerdings gerne die Frage danach stellen, ob es einen Zusammenhang zwischen cholerischem oder melancholischem Temperament einerseits und dem Grad der Ordentlichkeit andererseits gibt.

Nun, einen anderen Zusammenhang gibt es offensichtlich. Ein erhöhter Grad der Ordentlichkeit geht empirisch nachweisbar mit einem Mangel an Religiösität einher, ja, wenn man das Richtverbot bedenkt, ist dieser Zusammenhang für das Christentum sogar dogmatisch. Moslemische Länder, welche vom zweiten haltungsmotivierten Typus dominiert werden, zum Glück ist das in deutlicher Weise nur in Indonesien so, bilden diesbezüglich, je nach Verständnis von Religiösität natürlich, eine Ausnahme, da der Koran dort explizit als Einladung zum Richten verstanden wird, was manch unschönen Anblick auf offener Straße beschert. Wenn man die Sache allerdings tiefer betrachtet, so kommt man nicht umhin, mit praktisch gelebter Religiösität immer einen Verzicht auf Handlungen zu verbinden, da sonst von Gottesvertrauen keine Rede sein könnte. Einem Volk, welches zu unordentlich ist, mag eine Religion Ordnung befehlen, ohne dadurch aufzuhören, eine Religion zu sein, bei einem Volk, welches eh schon zu überzogener Ordnung neigt mündet ein solches Vorgehen hingegen zwangsläufig in mörderischem Fanatismus. Daß Indien, obgleich von eher unordentlichen Menschen bevölkert, dennoch eine Religion besitzt, welche zwar einerseits sagt, daß man nunmal das tun müsse, was man tun muß, andererseits dies aber zumindest latent als eine Last darstellt, deren zulässige Abschüttelung jedenfalls einen Grund zur Freude darstellte, liegt natürlich daran, daß diese Religion in erster Linie den höheren Kasten gilt, in welchen der zweite haltungsmotivierte Typus klar dominiert. Übrigens ist die stoische ganz allgemein eine einfache diesem Typus angemessene Haltung, welche er von sich aus an den verschiedensten Orten der Welt angenommen hat. Es gehört schon ein gerüttelt Maß an Verrücktheit dazu, diesen Typus aufzustacheln, und letztlich tut das jede optimistische Weltsicht, denn unbehelligt von menschlichen Gefühlen wie er nunmal ist, vernichtet er ohne Gespür für die Wunde, welche er schlägt, und deshalb auch fast ausnahmslos das Falsche. Einzig seine eigene Vollkommenheit darf man ihm verheißen, alles darüber hinaus ist Mord.

Nicht Wenigen hat sich dieser Zusammenhang ganz praktisch in ihrem Leben durch die Lektüre Schopenhauers erschlossen. Erst nachdem der Zwang weg ist, die Welt auf die richtige Bahn zu bringen, weil das Leben eh nicht so gedacht ist, kann man damit anfangen, einzelne Dinge auf die richtige Bahn zu bringen. Ich spreche da übrigens zu einem gewissen Grade auch von mir selbst, allerdings war ich immer schon eher tolerant und bin auch weiterhin nicht bereit, mich auf alles einzulassen. Eine Ausnahme gibt es, und zwar das Recht auf den natürlichen Platz allen Daseins in der Welt. Die Konsequenzen dessen bedenkend, handele ich lieber selbst, wo es nötig ist und ich es kann, ohne allerdings der Unmöglichkeit auszuweichen.

Nun, dies alles hat uns nicht unbedingt der eingangs gestellten Frage näher gebracht. Der Melancholiker ist zwar von einem inneren Kompaß abhängig, aber dieser muß nicht unbedingt transzendenter Art sein. Allerdings ist das Begreifen als solches sicherlich ein vergleichsweise musischer Zeitvertreib und zugleich ein vergleichsweise entfernter, zu welchem den Religiösen also nur Not oder große Hoffnung zöge und den Areligiösen? Nun, die Entfernung macht ihm nichts aus, und wenn ihn die Muse auch nicht küßt, so tut es vielleicht auch ein Blick in die Leere.

Ich denke, diese Betrachtung wird der Sache einigermaßen gerecht. Es ist zwar verwunderlich, daß Kinder sich schon sehr früh als Choleriker oder Melancholiker zeigen, indes mag da auch Imitation eine Rolle spielen und generell liegt es nahe hier ab einem bestimmten Alter, sagen wir mit zwölf Jahren, eine bewußte Entscheidung anzunehmen, welchen Teil der eigenen Haltung man für wichtiger befindet, richtig aufzufassen oder richtig umzusetzen.

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25. Mai 2011

Christentum heute

Wenn man etwas kann, so gibt man diese Fähigkeit auch gerne weiter.

Umgekehrt gehört indes einiges dazu, um sich für den Erwerb einer Fähigkeit zu interessieren. Freilich, es gibt solche, welche alles lernen wollen, aber danach ist dann auch das, was sie lernen. Dann gibt es solche, welche sich davon leiten lassen, was sie beeindruckt. Wieder andere sind praktisch veranlagt und lernen, was sie gebrauchen können. Und schließlich gibt es noch solche, welche lernen, von wem sie meinen, daß es ihnen zur eigenen geistigen Reife fehlt. (Letztere sind, obgleich von Geburt an höchst rational, für ihre Eltern eher schwierig, da sie, wenn sie erst einmal wissen, wo die Milch herkommt, die Meinung vertreten, daß damit nun erstmal alles wesentliche geklärt sei. Ihre Bereitschaft zu lernen ist im allgemeinen stark von der Gegenwart verständigerer Kinder abhängig. Allerdings erreichen sie irgendwann ein objektiveres Bewußtsein ihrer eigenen Reife und sind dann weit unabhängiger in ihren Studien als andere.)

Wenn man lebt, um anderen durch die eigenen Taten einmal geholfen zu haben, also seinen eigenen Beitrag zu einer als schöner empfundenen Welt leistet, so begegnen einem verschiedene Schwierigkeiten, nicht wenige von ihnen den Umgang mit Menschen anderer Art betreffend.

Zunächst einmal scheint man sich gegen jene wehren zu müssen, und das stimmt auch, sofern es sich um direkte Angriffe handelt, welche einen aus den verschiedensten ungerechtfertigten Gründen treffen können. Allerdings, was auch immer einem an Vorurteilen und Mißverständnissen begegnet, irgendwann wird es durch Kenntnis ersetzt, und wenn das geschehen ist, so hat man sich nur noch sehr kranker Menschen zu erwehren, welche es freilich auch gibt, aber nicht in genügend großer Zahl, um ihretwegen Strategien zu formulieren. (Es ist allerdings auch richtig, daß Kulturen in ihrem Endstadium ihre Mitglieder zwangsläufig krank machen, die Frage ist nur wie krank. Ab einem bestimmten Grad allgemeiner Krankheit ist die Auferstehung aus der Asche der einzige Weg, nur bedeutet das auch nicht, daß man selber Feuer legen sollte, Brandstifter gibt es unter solchen Umständen schon genug, man selbst macht sich besser aus dem Staub. Einzig wenn es trotz all dieser Mißstände noch zu äußeren Aggressionen reichte, müßte man sich doch mit Strategie beschäftigen, vorausgesetzt, man hätte ein Ganzes zu verteidigen. Ganze lassen sich indes auch immer wieder neu bilden, freilich, wenn Flucht aus zu weit fortgeschrittener allgemeiner Krankheit unmöglich geworden wäre, nurmehr nach Katastrophen. Letztere allerdings blieben dann nicht aus, das ist gewiß, und sie wären auch verheerend genug, was immer das unter den gegebenen Umständen auch konkret hieße.)

Für gewöhnlich wird man also doch nach einiger Zeit unter seinen Mitmenschen wenigstens so friedlich leben können, wie unter der sonstigen Natur. Aber damit hören die Schwierigkeiten mit ihnen ja noch nicht auf, denn es liegt ja im eigenen Interesse, möglichst viele von ihnen für den eigenen Weg zu gewinnen und ihnen, wie eingangs beschrieben, Möglichkeiten zu eröffnen. Wie am Beispiel der Fähigkeiten illustriert, ist eine solche Eröffnung mit mehr oder weniger Arbeit verbunden, je nachdem, wen man zu erreichen sucht. Wer beeindruckt werden will, den muß man erst einmal beeindrucken und wer einen praktischen Nutzen haben will, dem muß man erst einmal einen praktischen Nutzen geben. Nur wer meint, daß etwas zu seiner Vollständigkeit gehöre, kommt ohne weitere Lockmittel zur Tränke. Es stellt sich also ganz allgemein die Frage, wie sehr man sich anstrengen soll, um anderen Möglichkeiten zu geben.

Ich denke, man sollte sich nicht anstrengen. Warum sich beeilen? Wenn eine Möglichkeit, welche man dem gibt, wer zu ihr kommt, unter geeigneten Umständen auch für andere von Interesse ist, so mögen diese Umstände doch besser natürlich entstehen, als zum Zwecke der bloßen Verbreitung dieser Möglichkeit künstlich herbeigeführt zu werden.

Während es also im eigenen Interesse ist, möglichst viele für einen altruistischen Weg zu gewinnen, ist es bei rechter Erwägung der Sache nicht im eigenen Interesse, möglichst viele für den eigenen altruistischen Weg zu gewinnen, sondern weit besser, darauf zu vertrauen, daß Gott schon das rechte Maß an Nachfolgern ausschüttet.

Dann gibt es auch noch Schwierigkeiten anderer Art, Schwierigkeiten nicht mit anderen, sondern mit sich selbst. Wie kann man einen solchen Weg gehen, wenn man mit jedem Schritt fürchten muß, sich selbst unnötig in Gefahr zu begeben? Und das wird man fürchten, wenn man nicht sowohl sein Ziel kennt als auch die Natur der eigenen Existenz in der Welt. Letztere habe ich hier in der Bereitschaftsfront ja ausführlich beschrieben, ersteres muß ein konkret vorstellbarer Zustand sein, einschließlich der Innenwelten der betroffenen Menschen, was nicht heißt, daß jedes Detail beschrieben sein muß, aber doch alles, was für die Existenz dieses Zustandes in der vorgefundenen Realität wesentlich ist, denn erst wenn dieser Zustand sich selber trägt, kann er überhaupt ein Ziel sein.

Je mehr man ändern möchte, desto schwieriger wird die Konzeption des Zieles. Und je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, bloßen Verheißungen zu folgen, ohne das Verhießene einzusehen. Mein Ziel, daneben, daß wir uns bemühen, uns Möglichkeiten zu eröffnen, was eine diesseitige und zurückhaltende Interpretation des Christentums ist, ist, daß genügend viele Menschen ihren Platz in der Welt erkennen, damit Leben bloße Schemen ersetze. Niemand muß mich dafür lesen, die Veröffentlichung meiner Haltung ist dennoch wesentlich, da eine Haltung konsistent sein muß.

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22. Mai 2011

Did something happen after all?

For me to be writing this public statement can be considered highly improbable.

For one, I hold the English speaking world culturally in low esteem, that is to say that I don't expect any meaningful contribution to culture from it. And then my own religious beliefs aren't centered on afterlife.

I mocked the notion of faith as opposed to belief in the past, but although I do not think that two different notions in this field are for the good, I'm now far from criticising someone solely for describing himself as having faith. To repeat my argument, faith implies pride in having overcome a difficulty whereas belief does not, i.e. faith is what the good soldier has in a difficult battle.

Faith, it can be argued, arises from believing in something, of which one at least fears that it is not true. But then, does one believe at all?

I read Harold Camping's annunciation of the rapture in a Google advertisement. I memorised the announced date (May 21, 2011), but didn't feel like lending my ear to yet another madman. The Independent's piece on him didn't turn my favour either. But in the back of my head I thought that such a warning might be a good thing to release in this day. After focussing on this thought, I then felt in a peculiar way that I should not ignore this annunciation, that God is actually working in it and that it is my duty to join the general or not so general preparation for Judgment Day.

On the same day I paid twice some Euros and 21 cents at the cash register. Later still that day I noticed that the lowest price for a liter of gasoline in my area was 1.21 Euros. Today I was asking myself half in jest, where the 5s got lost, only to read 55.55 Euros on the display of the gas station, after I had filled the tank.

But even under this impression, I told myself not to believe in anything contrary to what I actually believe in. Judgment Day for me is not about going to heaven or going to hell, but about becoming aware of God's existence. I don't know how many of you have read 21s or 5s on a display during the last week after having asked yourself about these numbers, but those of you who have or witnessed other signs should know that you are not alone.

Many other things happened last week, San Francisco even got its earthquake with a precission of 5 minutes, if you ignore daylight-saving time. Of course, daylight-saving time is just as arbitrary as the international date line and thinking that Biblical prophecies would consider them is a bit on the egocentric side. It is noteworthy that the beliefs of the less egocentric seem to have carried more weight than those of the more egocentric, even though the more egocentric, who considered daylight-saving time as authoritative, seem to have been in the majority.

But you have to ask yourself now what to do next.

Of course, the media is portraying the last days as a non-event, talking about all the harm that befell those who believed Judgment Day would come. I was lazy lately and repented by working. What bad has come to you? But far more important is that there were ripples, that you can cause ripples. And if you are not using the grace that has been bestowed upon you and let things continue on their present course, if you are not choosing your own course and let other people see it, a course of which only a fool would say that it is not from God, then indeed the earth can also be destroyed by such a ripple. Better to use prayers to bless than to curse. But both can be done. Prove yourself worthy. And shun the forces of dissolution disguised as warrantors of stability.

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19. Mai 2011

Müssen und Können, Segen und Fluch.

Ist es wünschenswert, etwas Annehmbares zu tun, weil man es kann?

Ist es das in einer Welt unendlicher Wahlmöglichkeiten?

Man trägt keine Verantwortung für das, was man muß, aber für jede freie Wahl trägt man eine.

Sich ohnmächtig zu fühlen hat auch seinen Charme, da man eh nichts erreichen kann, tut man nur, was man muß, wobei ja noch hinzu kommt, daß wir nicht leben, um bedient zu werden, sondern um zu wirken, und nur der ist wirklich mit seinem Wirken im Reinen, wer spürt, daß er es muß.

Freilich, man lernt natürlich zu müssen. Man lernt es, wenn man zum ersten Mal eine Möglichkeit sieht. Irgendeine Möglichkeit, es sind ganz verschiedene, gemein ist ihnen nur das Ungewisse, denn was man kann, daß muß man nicht mehr müssen.

Müssen ist ganz anders als Sollen. Sollen verletzt einen oder es schmeichelt einem. Müssen richtet einen auf oder zu Grunde. Aber wie gesagt, es gibt ganz verschiedene Möglichkeiten an denen wir uns müssend versuchen. Es ist leicht möglich, in einem Bereich zu resignieren und sich dafür an andere zu halten, indes versiegelt die Resignation diesen Bereich für immer.

Größe und Starre gehen Hand in Hand, ein Junge wird dadurch zum Mann. Und doch, wer mehr muß als er kann, der kann sein Müssen auch zu dessem Ursprung zurück tragen, er kann sich für es opfern. Tun wird er das aber nur, wenn es ihm das Teuerste ist, und nur dabei kann er auf Gottes Hilfe hoffen, die Geschichte Abrahams, nur weniger profan.

Was diese Schwere nicht besitzt, das muß man darum nicht gleich töten, doch mehr als ein geistiges Wesen wird es einem nicht werden, wenn nicht durch anderer Bemühungen. Es ist aber durchaus sinnvoll Geister mit sich zu führen, denn auch sie wachsen und man in gewisser Weise mit ihnen, bis man sie vielleicht eines Tages gesättigt entläßt.

Post Scriptum vom 22.5.2011. Üblicherweise, wenn man zu müssen lernt, sieht man nicht nur eine Möglichkeit zum ersten Mal, sondern auch eine Reihe von Unmöglichkeiten.

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18. Mai 2011

Ein Lob der Langsamkeit

Immer wieder einmal passiert es, daß man beim arglosen durchstöbern deutscher Zeitungen auf Artikel stößt, welche regelrecht böse sind. Bisher war mir das bei der Süddeutschen noch nicht passiert, heute aber war es soweit: Jeder vierte Student gleich welchen Geschlechts liebäugelt damit, sein Studium durch Prostitution zu finanzieren.

Ja, warum eigentlich nicht?, möchte man da natürlich sofort fragen. Und wenn einem das zu langweilig wird und sich der eigene Geschmack wandelt, wendet man sich eben einer ernsthaften Beziehung zu und lebt Familienwerte.

Nun, vielleicht klappt das ja sogar. Ich müßte mich selbst prostituiert haben und dann an einer ernsthaften Beziehung gescheitert sein, um es besser zu wissen.

Indes, wenn man das alles so bedenkt, ist nicht das Lesen deutscher Zeitungen genau dasselbe wie Prostitution?

Ich meine damit aber folgendes. Übermäßiges Kopulieren ist immer eine Flucht, also sind Menschen, welche Sex kaufen, für gewöhnlich solche, welche mehr als andere fliehen wollen, also sind sie meistens solche, welche sich selbst als gescheitert betrachten, ohne zu resignieren, mit anderen Worten also, um es auf den Punkt zu bringen, Schmutz.

Nun, darin liegt, denke ich, die größte Gefahr sich zu prostituieren, daß man kübelweise mit Schmutz übergossen wird und es nicht schafft, die in ihm vielleicht enthaltenen Nährstoffe zu verdauen, sondern stattdessen an einer bakteriellen Infektion stirbt, um im Bild zu bleiben.

Merke: Den Menschen keine Zeit zu geben, um für sich eine Lösung zwischen ihrem Idealbild und der Wirklichkeit zu finden, ist eine Strategie des Bösen, und zwar des absolut Bösen, nicht irgendeines kulturell definierten Bösen, sondern ein Angriff auf den Lebenssinn der Menschen selbst.

Man kann sich nicht jedesmal, wenn man mit Schmutz übergossen wird, mit diesem Schmutz auseinandersetzen, in diesem Fall der Suggestion, Prostitution sei normal und nicht zu fürchten, aber man kann seinen Medienkonsum drosseln.

Man kann sich die Zeit nehmen, welche man braucht, um über derartige Manöver wieder zu lachen, weil man zuvor genug eigene Gedanken entwickeln konnte, um schlagfertig auf sie zu antworten.

Ein Idealbild zu haben, ist der wertvollste Besitz und es mit der Wirklichkeit abzustimmen, die größte Leistung.

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17. Mai 2011

Temperamente und Gewalt

Nachdem ich im Vorigen die Grenzen des pazifistischen Ansatzes beleuchtet habe, möchte ich dasselbe nun für den militanten Ansatz tun, wobei es allerdings vom Temperament abhängt, wo diese verlaufen. Psychische Sonderfälle wie Psychopathie lasse ich außenvor.

Damit ein Sinnlichkeitsmensch potentiell tödlicher Gewalt zustimmen kann, muß er unter dem Einfluß einer wahrgenommenen ihn persönlich verletzenden Beschneidung seiner Rechte stehen. Üblicherweise vollzieht sich diese Zustimmung abrupt und für Außenstehende unerwartet, die Gewalt wirkt plump und brutal.

Damit ein Gemütsmensch potentiell tödlicher Gewalt zustimmen kann, muß er sich irreversibel herausgefordert fühlen. Dieser Zustimmung geht in der Regel ein längeres Vorspiel voraus, in dessem Verlauf es immer wieder zu Scheinzuspitzungen kommt, um die Entschlossenheit des Gegners auf die Probe zu stellen. Die sich schließlich entladende Gewalt wirkt boshaft und stürmisch.

Damit ein Vernunftmensch potentiell tödlicher Gewalt zustimmen kann, muß er zu der Überzeugung gelangt sein, daß das Unheil des Krieges hinter dem Unheil des Friedens zurücktritt. Diese Zustimmung beginnt zumeist zögerlich nach langer Aufstauung von Spannungen, die durchbrechende Gewalt wirkt grimmig und kalt.

Bei allen Fehlern, für welche sich die Menschen nach dem letzten großen Krieg entschieden haben, haben sie in einem Bereich unzweifelhaft Großes geleistet, sie haben dem Herausfordern zwischen den Nationen ein Ende gesetzt. Die Geschichte wird einst sagen, daß wie sie es getan haben, den Anforderungen einer Friedensordnung nicht genügt hat, und Gott alleine weiß, was alles noch mit dem Arsch eingerissen werden wird, was die Hände aufgebaut haben.

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16. Mai 2011

Von der schlechtesten Erziehung

Jugendliche pflegen für gewöhnlich eine Schicht hinter ihrer Persönlichkeit zu besitzen, in welcher ihre Aspirationen liegen. Man muß es schon so sagen, denn diese Aspirationen werden geradezu gewaltsam zurückgedrängt. Es ist also nicht ungewöhnlich, daß sie gänzlich ziellos erscheinen.

Indes, es macht sich hier und da ein anderer Typ bemerkbar, einer, der seine Aspirationen nie ins Private zurückgezogen hat, der von Kind auf in die Aspirationen der Erwachsenenwelt eingebunden war. Die Folge davon ist, daß ein solcher Jugendlicher nur vorgefundenen Vorstellungen folgt und keine eigenen Perspektiven entwickelt, was dazu führt, daß er schon in jungen Jahren rückwärtsgewandt ist, dort, wo andere ihre Ideale haben, hat er seine idealisierten Kindheitserinnerungen und -phantasien, welche sich von Träumen dadurch unterscheiden, daß sie nicht als Lösungen zu Problemen entworfen wurden.

Es ist bemerkenswert, daß es bei allen Bemühungen im zwanzigsten Jahrhundert nirgendwo auf der Welt gelungen ist, eine auf dem Papier ausgearbeitete Erziehung erfolgreich in die Praxis umzusetzen. So hat es beispielsweise die amerikanische Lebensweise nicht geschafft, die Grenzen der Vereinigten Staaten hinter sich zu lassen.

Andererseits breitet sich eine Erziehung, nämlich die schlechteste, welche es überhaupt gibt, global zunehmend aus. Ich bin mir ziemlich sicher, daß dies völlig unbeabsichtigt geschieht. Woher kommen alle diese schnell verbrauchten Zombies?

Oder anders gefragt, wodurch werden sie schon von klein auf in die Aspirationen der Erwachsenenwelt eingebunden?

Ich bin mir wiederum ziemlich sicher, daß es daran liegt, daß in der heutigen Welt die Methoden, in ihr zu überleben, in den Rang von Hausgöttern aufgestiegen sind, um welche sich nicht wenige Familien geheimnistuerisch scharen. Ein Kind, welches solches sieht, denkt, es habe den Schlüssel zum Leben bereits erkannt, und auch wenn seine Eltern manchmal ratlos scheinen mögen, so ist diese Ratlosigkeit in einem solchen Haushalt doch nie fragend, sondern nur stumm brütend.

Soviele Fragen ich hier auch beantworten mag, die konkrete Entwicklung der Geschichte wird stets ein Rätsel bleiben und muß es zu unserem eigenen Wohle auch.

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12. Mai 2011

Von der allumfassenden Liebe

Es ist nicht schwer, eine Pflanze dafür zu lieben, was sie ist, ihren Wuchs, ihren Geruch und ihre Farben zu bewundern.

Bei Tieren fällt es schwerer, bei Menschen auch. Hingegen ist es bei Tieren klar, was man bewundern kann und was nicht. Ihre Kraft ist bewunderswert, ihre Möglichkeiten sind es, ihr Verhalten ist es nicht, jedenfalls nicht im einzelnen, ihr Gruppenverhalten ist es wieder.

Der Mensch ist in dieser Beziehung indes mehr als ein Tier, denn sein Verhalten läßt sich unter Umständen schon bewundern, nämlich dann, wenn er seelisch gesund ist. Allerdings ist der Mensch seelisch hochgradig anfällig und neigt als Gruppe stark dazu, daß eigene seelische Leiden zu verschlimmern.

Gerade deswegen ist es wichtig, das gesunde Urbild im Kranken Gegenüber zu lieben und ihm auf diese Weise dabei zu helfen, sich wieder aufzurichten. Allerdings setzt das voraus, daß ein solches gesundes Urbild im Gegenüber überhaupt (noch) existiert. Ich möchte niemandem in sein Herz hineinreden, aber die Evangelien jedenfalls geben es nicht her, daß Jesus sich vorzugsweise um jene gekümmert hätte, welche sich nicht um sich selbst kümmern konnten. Jesus ist nicht als Vormund der Unmündigen durch's Land gezogen, sondern als Heiler der Verletzten, Besessenen, Verbitterten und Verzweifelten.

Der Hang zur Vormundschaft in weiten Teilen der heutigen Christenheit ist pathologisch, meilenweit von wahrer Nachfolge entfernt, eine Nachfolge, welche unsere Gesellschaft bitter nötig hätte, um zu gesunden.

Die Heutigen mißtrauen dem gesunden Leben auch, sie glauben, es wäre zu primitiv, um den hohen Anforderungen unserer modernen Gesellschaft gewachsen zu sein, insbesondere glauben sie, es wäre zu aggressiv. Der Kampf kann unter bestimmten Umständen zum gesunden Leben gehören, nämlich dann, wenn er unausweichlich ist, aber ihm nach besten Kräften auszuweichen, gehört auch zum gesunden Leben. Allerdings werden diese Kräfte manchmal nicht reichen, verstärkt dann, wenn man allgemein eher machtlos ist.

Freilich sind die meisten Kriege nicht von dieser Art, meistens steht eine Verletzung am Anfang, welche die Aggression speist. Aber es gehört zur natürlichen Ordnung der Dinge, daß der Erfolg im Kampf das Gemüt besänftigt und es, wenn alles andere nicht half, jedenfalls so wieder zu einer Gesundung kommt, freilich nicht, ohne inzwischen andere wieder verletzt zu haben. Doch trotz diesem letzteren Umstand ist es möglich, daß die Gesundeten ihre Gesundheit bewahren und sie fortan zu guten Zwecken ins Werk setzen.

Und dafür brauchen sie sich nicht zu schämen, jeder Anfang pflegt in Leid und Elend zu bestehen, was einzig unser Werk ist, ist wie lange und zu welchem Grade wir uns gesund erhalten und kein unausweichlicher Kampf minderte es.

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9. Mai 2011

Nationale Identitäten

Nationale Identitäten sind im Gegensatz zu den Gesinnungen oder Temperamenten der Menschen lediglich angenommen. Sie sind Brillen, durch welche die eigene Existenz betrachtet wird und dabei nicht die einzigen. Wichtiger sind die Überzeugungen der Menschen davon, was heilig ist, welche man sinnigerweise an dieser Stelle als religiöse Identitäten bezeichnen sollte.

Von letzteren schrieb ich schon als unterschiedliche Konditionierungen, wobei diese, wie dort beschrieben, durchaus auch von Nation zu Nation verschieden sind, was natürlich daran liegt, daß es bereits vor dem Nationalismus national orchestrierte Kirchen gab. Nun trage ich noch die nationalen Identitäten nach.

Ich kann natürlich nicht alle Nationen behandeln, und manchmal ist es auch störend zu genau zu sein. Also in groben Zügen:
  • germanische Identität abenteuerlustig
  • französische Identität aufgeweckt
  • finnische Identität prahlerisch
  • lettische Identität beharrlich
  • russische Identität unterstützend
  • polnische Identität verläßlich
Wie man sieht liegt nicht jeder Identität der selbe Zweck zu Grunde. So sind polnische und russische nationale Identität nicht klar von religiöser Identität getrennt, während die finnische nationale Identität geradezu antireligiös scheint.

Aber betrachten wir das einmal genauer. Da sind zum einen die staatsdienlichen Identitäten, nämlich die germanische und die französische. Abenteuerlust bedeutet in der modernen Welt, sich etwas zu suchen, worin man gut ist, und dann mal zu sehen, wie weit man damit kommt. Nicht selten wird das so auch als Karriereratschlag mit auf den Weg gegeben. Aufgewecktheit unterscheidet sich davon nicht wesentlich, wenngleich das Element des aufmerksamen Befolgens etwas stärker und damit Originalität etwas schwächer ausgeprägt ist. Der Unterschied ist aber objektiv nicht einmal ansatzweise so groß wie psychologisch.

Die lettische Identität ist ein Beispiel einer historisch gewachsenen Identität, also einer Brille, welche sich geschichtlich bewährt hat. Und ähnlich verhält es sich auch mit der finnischen, wenngleich die Art der Bewährung eine ganz andere ist. Während die lettische Identität den Letten überleben half, half die finnische Identität den Finnen ihr Leben genießen.

Russische und polnische Identität sind hingegen gesellschaftliche Korrektive, wobei ich mir eine Beurteilung dessen, ob hier eine Stärke noch weiter verstärkt oder einer Schwäche so leidlich abgeholfen wird, erspare.

Allerdings ist das hier zu beobachtende unterschiedliche Zustandekommen dieser Identitäten, also rein staatlich, unstaatlich oder kirchlich-staatlich, als solches höchst interessant und bedeutsam für die weitere Geschichte Europas, auch über die Gegenwart hinaus.

Und falls sich jemand das fragen sollte, natürlich ist die nationale Identität der Vereinigten Staaten auch rein staatlich.

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7. Mai 2011

Ein Märchen aus aktuellem Anlaß

Es war einmal ein Bauer, der sein Land in einer durchzechten Nacht verspielt hatte und es nun nur noch auf Lebzeit als Pächter bestellen durfte.

Am nächsten Tag ging er angeln und fing einen Fisch. Als er am Abend zu seiner Familie heimkehrte, sagte er, daß er einen Fisch gefangen habe, aber entgegen seiner Gewohnheit sagte er nicht wo. Die Familie war überrascht, und der älteste Sohn fragte, wieso er nicht wie sonst auch seinen Fang in allen Einzelheiten schilderte. Darauf sagte der Bauer, daß es ihm Leid geworden sei, daß die meisten Leute Anglergeschichten keinen Glauben schenkten.

Eine Woche später ging er wieder angeln und fing wieder einen Fisch. Diesmal stahl er sich heimlich in die Küche und legte den Fisch auf den Tisch. Anschließend ging er an einen entlegenen Ort und arbeitete dort auf dem Feld. Als er am Abend zurückkam, war der Fisch schon zubereitet. Da sagte er zu seiner Familie, er habe wichtige Dinge zu besprechen, und an diesem Abend wurde der Fisch nicht mehr erwähnt.

Wieder eine Woche später wiederholte er das Spiel, aber diesmal sprach er bei Tisch nur noch über Alltägliches. Trotzdem wurde auch an diesem Abend nicht mehr über den Fisch gesprochen.

Die Woche darauf gab er den Fisch seiner Frau gleich wortlos in die Hand, ohne daß sich sonst etwas geändert hätte.

Einen Monat später kam die Erntezeit. Während seine Familie sonst die verschiedenen Früchte zählte und schätzte, wie viel sie wohl auf dem Markt einbrächten, schrie er sie dieses Mal an, sie möge sich doch beeilen alles zusammenzutragen, denn ein Händler warte schon auf ihn auf dem Markt.

So ging es auch das nächste Jahr, er erklärte seiner Familie, daß der Händler ihn besser bezahle, aber nur wenn er die Ware ganz frisch bekomme.

Im dritten Jahr hatte sich seine Familie bereits daran gewöhnt, aber nach zehn weiteren Jahren verspürten seine Kinder keine Lust mehr an der Arbeit und hatten auch keine genaue Vorstellung mehr davon, was sie einbringt. Also dachten sie sich, sie sollten sich nach anderer Arbeit umschauen und taten das auch.

Auch wenn sie nur ein schlechtes Auskommen fanden, so dachten sie an ihren Vater zunächst doch nur als einen Mann, welchen das Alter verhärtet hatte. Als er schließlich starb, war er ihnen so fremd geworden, daß sie nichts mehr von ihm wollten.

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5. Mai 2011

Melancholiker

Ich möchte noch einmal das alltägliche Erscheinungsbild eines Melancholikers oder Vernunftmenschens beschreiben.

Der Melancholiker pendelt zwischen Melancholie und Triumphalismus hin und her, er neigt dazu, das Leben und sich wie durch einen Spiegel zu sehen, was dazu führt, daß er sein Inneres oftmals wie etwas Äußeres betrachtet, als einen von ihm unabhängigen Gegenstand.

Er ist zumeist freundlich und offen, strebt aber nur selten konkrete Beziehungen an, und selbst wenn er das einmal tut, so ist es eher ein Gefühl etwas potentiell Interessantes vor sich zu haben als ein klar erfaßtes Bedürfnis.

Die Beziehung zu seinem Partner ist grundsätzlich eine auffordernde, Glück bedeutet ihn zu etwas gebracht zu haben, was ihm vormals schwerfiel, und so wird auch die Sexualität selbst gesehen, als eine zunehmend professionell angegangene Schwierigkeit.

Bis zu einem gewissen Grad überschneiden sich also für den Melancholiker die Liebe zu seinem Partner und seinen Kindern, was im Umkehrschluß für die Kinder auch heißt, daß sie hin und wieder wie langweiligere Erwachsene behandelt werden.

Das Balzverhalten des Melancholikers besteht in etwa darin, sich nackt vor den gewünschten Partner zu stellen und ihn aufzufordern zuzusehen, daß eine romantische Stimmung aufkommt. Andere Temperamente halten dieses Vorgehen für billig, weil sie es mit ihrer eigenen Weise jemanden auszunutzen verwechseln. Zugleich halten sie den so Handelnden aber auch für sexuell kalt. Der so Handelnde selbst sieht es als Eröffnung einer Chance, auf deren Ergreifen er geradezu schüchtern hofft.

Wie gesagt bildet der Melancholiker im Laufe der Zeit einen Stolz auf seine sexuelle Potenz aus, welcher aber nicht unbedingt zu Promiskuität führt, sondern im Gegenteil sogar in zeitweiliger Enthaltsamkeit münden kann, da die Treue des Gatten sogar unter diesen Bedingungen als ihr größtes Lob verstanden wird. Der Melancholiker ist zugleich weniger an seinen Partner gebunden als andere Temperamente, als auch weniger von anderen potentiellen Partnern angezogen, was in einer sehr abwechslungsreichen Jugend und einem eher eintönigen Alter resultieren kann, vorausgesetzt allerdings, daß er unter Seinesgleichen lebt. Ist das nicht der Fall, kann sich der Prozeß auch aus einem Bedürfnis nach Kompensation umkehren, wobei es für einen Melancholiker ausgesprochen wichtig ist, in seiner Jugend seine Ansprüche nicht zu verraten, da er sich davon später nicht mehr erholen kann.

Andererseits, selbst wenn den Melancholiker im allgemeinen Lebensklug- und -faulheit zu einem verläßlichen Partner machen, steht das Sexuelle doch viel offener bei ihm im alltäglichen Raum als bei anderen Temperamenten, und die Allgegenwart dieser Spannung ist charakteristisch für seine Reife.

In wesensfremder Gesellschaft sticht am meisten seine innere Bewegtheit auch noch im fortgeschrittenen Alter hervor, sowohl emotional als auch in Taten.

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4. Mai 2011

Losgelöste Helden

Im Gegensatz zu Sinnlichkeits- und Vernunftsmenschen ist das soziale Leben von Gemütsmenschen hochgradig flexibel. Das heißt nicht, daß es nicht auch strengen Regeln unterworfen wäre, sondern, daß diese Regeln in ganz verschiedenen Systemen resultieren können.

Ein Gemütsmensch sucht zunächst eine Gruppe, welche bereit ist ihn aufzunehmen, wobei er versucht eine möglichst mächtige und also in der Regel eine möglichst große Gruppe zu finden.

Anschließend versucht er seine Rolle in dieser Gruppe zu finden und einzunehmen, also ihr in von ihr bestimmter Weise zu Diensten zu sein.

Karriere bedeutet für einen Gemütsmenschen langsamer Aufstieg in der Gruppenhierarchie, wobei es natürlich Untergruppen geben kann, welche der Hierarchie einer Obergruppe unterstellt sind. Indes braucht der Gemütsmensch jedenfalls eine Einstiegsgruppe irgendeiner Art, um überhaupt motiviert zu sein.

Kapitalismus ist eine auf Sinnlichkeitsmenschen zugeschnittene Organisationsform und erzeugt deswegen Raum für Gemütsmenscheneinbettungsangebote, welche unter den Begriff Managementdienste gebracht werden können, wobei letzterer Begriff allerdings weiter ist.

Aufgrund der Tendenz eine möglichst große Gruppe zu suchen, landen viele Gemütsmenschen heute in Positionen von derart großen Organisationen, daß sie keinerlei Begriff vom Gesamterfolg der Gruppe haben, für welche sie arbeiten.

Die Folge davon ist unbedingte Loyalität der Gruppe gegenüber, da ein eventuelles Scheitern der Gruppe in ihren Zielen nicht wahrgenommen wird, welches andernfalls dazu führen würde, die eigene Mitgliedschaft zu überdenken, denn der Gemütsmensch tritt nicht irgendeiner Gruppe bei, sondern nur einer, deren Ziele ihn ansprechen.

Der letzte Punkt ändert aber nichts daran, daß Gemütsmenschen immer mächtigere Gruppen weniger mächtigeren Gruppen vorziehen werden, so lange ihre Ziele vergleichbar sind, und natürlich gibt es überhaupt nur eine handvoll verschiedener Grundausrichtungen solcher Gruppen.

Die Größe der Gruppe macht den Gemütsmenschen also blind ihrem Wirken gegenüber.

An dieser Stelle sollte man vielleicht fragen, ab wann das wohl beginnt. Ich schlage einmal 100 000 vor.

Aber es gibt mittlerweile noch eine andere Form der Blindheit, nämlich Blindheit den Zielen selbst gegenüber.

Wie ich schon sagte, erlaubt der Kapitalismus ein Gemütsmenscheneinbettungsangebot, welches dazu geführt hat, daß sich Gemütsmenschenvermittler etabliert und organisiert haben, selbstverständlich wieder als eine Gruppe, deren Ziel einzig darin besteht, Gemütsmenschen bei ihrer Lebensbewältigung zu helfen, was aber ja nichts anderes heißt, als ihnen eine passende Gruppenmitgliedschaft anzubieten, und es ist in Anbetracht dieser Zustände kein Wunder, daß das beliebteste Angebot gerade in der Mitgliedschaft dieser Gruppe selbst besteht, deren Ziel indes seine Zielhaftigkeit lediglich von den Zielen aller anderen Gruppen geborgt hat.

Der Name dieser Erscheinung ist Sozialismus. Und irgendwo ist er ja auch sehr treffend, suggeriert er doch soziale Beziehungen sozialer Beziehungen wegen.

Ich wage zu behaupten, daß diese doppelte Erblindung weder gut für die Gemütsmenschen selber noch für die Menschheit als Ganzes ist. Aber in ein paar Sätzen wird man das wohl im Detail nicht begründen können.

Es stellt sich sodann die Frage, was wohl gegen diese Tendenz zur doppelten Erblindung getan werden könnte.

Nun, wie ich bereits sagte, ist der Sozialismus eine Folgeerscheinung des Kapitalismus'. Da könnte man ansetzen, wenngleich die Frage bleibt, wie das zu bewerkstelligen ist. Aber die andere Tendenz, jene zur ersten Blindheit, ist unbedingt, die wird man nie loswerden, so daß man sie also stets im Zaum halten müssen wird. Der einzige Weg, dies zu erreichen, besteht darin, Gruppen, wo es nur geht, zu spezialisieren und wo es nicht geht, die Zugehörigkeit zu ihnen so unansprechend wie nötig zu gestalten. Gruppen sind dabei aber nur dann Gruppen, wenn sie eigenständig sind. Uneigenständige Gruppen sind nur Teilgruppen größerer Gruppen. (Dies steht nicht im Gegensatz zur obigen Bemerkung Ober- und Untergruppen betreffend, die Obergruppe bleibt in der hiesigen Betrachtung problematisch.)

Eine Weltordnung, welche dies leistet, ist vorstellbar, ein mehr oder weniger glatter Übergang zu ihr übersteigt hingegen mein augenblickliches Vorstellungsvermögen, denn damit ein Übergang glatt sein kann, muß ab einem bestimmten Punkt das Gros der Leute in einem Schwung die Seiten wechseln, was aufgrund der diametral entgegengesetzten Natur der entstehenden Ordnungen nicht gerade leicht erscheint.

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