Bereitschaftsarchiv

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29. November 2014

An der Vorderen Pforte

Die Kühnheit der Neugier weicht,
das Haupt sich zum Mächt'gen neigt,
Höhenluft schnuppern.

Doch nur jenes die Blüte greift,
was macht, daß in ihr reift
ein eigen Kapitel.

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28. November 2014

An des Teufels kurzer Leine

Wo Geld eine Leine,
sein Erwerb ihre Läng'.

Und wo Licht und Schatten,
glaubt jeder an's Seine.

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26. November 2014

Ein eigenartig Gefühl

Wenn man zu sprechen versucht,
und die Stimme erstickt,
wenn man hofft, der eignen Worte Schwall rechtfertigte,
und es kommt nur Blut hervor.

Die Sache mit dem Regen bezieht sich auf die geistige Regeneration, wiewohl diese mit physischem Niederschlag verbunden ist: Die geistige Regeneration wird in Zeiten der Eindeutigkeit unmöglich. Es kann keinen Widerstand gegen das Notwendige geben und auch keine parallelen Entwicklungen.

Die Sternschnuppe vorgestern ging zwar West-Südwest runter, kam aber Südwest in Sicht. Ich überlasse es dem geneigten Leser herauszufinden, welcher Sektor so von Estland aus beschrieben wird.

Wer die Zeichen tut, den werden sie erweisen, doch dies ist ein zusätzlicher Hinweis:
Jesus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!
Peter und Johannes. Aristoteles und Platon?

Verantwortung und Wahrheitsliebe sind im Untergang vereint, und nicht vorher.

Ich weiß, daß es noch Liebe gibt, sie scheint fern, aber sie liegt wirklich nur eine einzige großmütige Tat weit, nur eine einzige Besinnung auf das Unbefleckte, nur ein Herz, welches an sie glaubt.

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25. November 2014

Rand und Zentrum

Der eurasische Rand besteht aus dem Himalaya, dem Kaukasus und dem borealen Waldgürtel.

Mit einigem Recht könnte man auch noch Südarabien, Südindien und Neuguinea hinzurechnen, doch strahlen diese Gebiete nicht mehr auf das klimatisch gemäßigte eurasische Zentrum aus, sondern befinden sich an der Grenze zu oder bereits in den Tropen. (Ethnographisch gesehen ist es sinnvoll, Neuguinea noch zu Asien zu zählen.)

Der Himalya strahlt auf Nordindien, China und die Täler des Tian Shan aus, der Kaukasus strahlt auf  Anatolien, die arabische Halbinsel, den Iran und die südrussische Steppe aus und der boreale Waldgürtel auf Europa und begrenzt die Täler des Tien Shan.

Bei den Pyrenäen handelt es sich um einen lokalen Subrand, von denen sich noch viele finden ließen.

Während sich im Zentrum das Leben ballt und voranschreitet, leben die Menschen am Rand in eklektischer Zeitlosigkeit, ein jeder für sich auf seine Weise mit der Schwierigkeit des Überlebens beschäftigt, vergleiche auch Zeit und Klima. Dabei nehmen sie sowohl Einflüsse aus dem Zentrum auf, als sie umgekehrt auch wieder Einflüsse auf das Zentrum abgeben. Sie fungieren als sein Gedächtnis und Speicher, unabhängig von ihm entwickelt sich ihre Kultur nicht, aber auch die Entwicklung des Zentrums kommt immer wieder an Punkte der Starre, an welchen seine Entwicklung maßgeblich von periphärem Einfluß vorangetrieben wird.

Letztlich wollte ich diesen Sachverhalt mit meiner Schicksalsvorhersage für morgen ausdrücken, genauer gesagt auf die Notwendigkeit der weiteren Entwicklung des Zentrums hinweisen, von welcher sich der Rand, und auch ich, nicht abkoppeln kann. Im Grunde nur eine Mahnung, in Zeiten der Umwälzung dieser die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Es liegt nun einfach am Zentrum, in die nächste Phase einzutreten.

Natürlich habe ich die Situation jetzt sehr archetypisch beschrieben. Ein heutiges Beispiel des Zusammenspiels von Rand und Zentrum ist durch Schweden und Kalifornien gegeben, etwa durch Vud Vuzela hier:





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24. November 2014

Grade ist eine Sternschnuppe runter,

Richtung West-Südwest, wenn das eine war...

...etwas zu groß und hell, eigentlich, vielleicht ein halber Zentimeter Durchmesser in ein Meter Entfernung vom Auge.

Nun, ich hatte mir sogar gerade was gewünscht.

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23. November 2014

Try it out versus Hayling

Vielen Dank an Frau Berg für den Anstoß.

Totensonntag gemäß möchte ich meine Untersuchung der psychologischen Wirkung von Tonintervallen, welche ich mit Quarte aufwärts, große Sekunde abwärts begonnen habe, heute mit zwei jenseitig anmutenden Stücken fortsetzen, nämlich mit

Try it out von Skrillex + Alvin Risk:



und Hayling von FC Kahuna:



Der echolotartige Klang in Hayling wechselt zwischen do-la und re-si, der WUB-Klang in Try it out wiederholt si-do-re, Ausrutscher nicht mitgezählt.

Interessanter ist allerdings das Glockenspiel am Anfang: Re-si-sol-re-sol-si-re-si beziehungsweise Do-la-fa#-re-fa#-la-do-la.

Don't think about all those things you fear, just be glad to be here. ist Do-sol-fa-fa-sol-fa-fa-mib-sol-sol-fa-fa-mib-mib-do.

Alle diese Beispiele beziehen ihren speziellen Reiz aus der Kombination einer großen Sekunde abwärts, welche wir bereits mit gelöstem Schwärmen identifizieren konnten, und einer kleinen Terz abwärts, welche ich nicht besser als durch keusch zu beschreiben weiß.

Die Jenseitigkeit der beiden Stücke ergäbe sich also daraus, daß sie keusches gelöstes Schwärmen evozieren.

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22. November 2014

Zur Ausschüttung der Innovationsdividende

Ich möchte an dieser Stelle die Entwicklung, welche ich im Beitrag Die eine Zukunft beschrieben habe, genauer betrachten.

Warum spitzt sich die Lage für die Arbeiter zu?

Darauf hatte ich schon vor längerer Zeit eine Antwort gegeben, nämlich daß die Effizienzsteigerung der Produktion dazu führt, daß Arbeitskraft überflüssig wird, und daß der verbliebene Arbeitsbedarf aus organisatorischen Gründen nicht gleichmäßig auf die Arbeiter verteilt wird, sondern vielmehr ein Teil von ihnen voll beschäftigt wird und einer anderer überhaupt nicht.

Auch verwies ich in diesem Zusammenhang auf das Verhalten der Banken, welche durch ihre Niedrigzinspolitik die Verdrängung ineffizienter Produktionsbedingungen aktiv befördern.

Und letzthin thematisierte ich auch das Interesse der über diesen Veränderungen reich gewordenen, ihre Stellung zu halten, welches wie zu allen Zeiten zu einer gewissen Neuerungsfeindlichkeit führt.

Meine bisherige Darstellung war dabei beobachtender Art, nicht analytischer.

Diese Analyse möchte ich nun also versuchen.

Betrachten wir ein einfaches Modell, bestehend aus Kartoffelproduzenten und Nicht-Kartoffelproduzenten.

Nehmen wir eine Neuerung an, welche es einem Kartoffelproduzenten erlaubt, mit gleichem Aufwand das Zehnfache an Kartoffeln zu produzieren.

Was diese bewirkt, ist ein Kampf um die Ausschüttung der Innovationsdividende.

Dabei gibt es die folgenden beiden Pole.
  1. Die Kartoffelproduzenten würden am liebsten den Preis für Kartoffeln so belassen wie er ist und in Zukunft einfach weniger arbeiten.
  2. Die Nicht-Kartoffelproduzenten würden den Preis für Kartoffeln am liebsten so tief drücken, daß ein Kartoffelproduzent für seinen Aufwand nicht mehr entlohnt wird als bisher, wodurch sie selbst in Zukunft weniger arbeiten müßten, um ihren Bedarf an Kartoffeln zu decken.
Letzteres ist irgendwie unfair, warum sollten andere von der Verbesserung der Produktionsmethoden profitieren und nicht die Produzenten?

Aber darauf hat die Volkswirtschaft natürlich eine Antwort. Sie lautet:
Das Allgemeinwohl reflektiert das Produkt aus Arbeitsaufwand und -effizienz.
Oder anders ausgedrückt:
Kein Staat profitiert von faulen Säcken.
Der Punkt ist aber heikler als es diese Maxime suggeriert: Es ist keineswegs im Interesse der Allgemeinheit, die Innovationsdividende stets an die Konsumenten auszuschütten.

Was passiert denn, wenn sie an letztere geht?

Die Konsumenten werden etwas entlastet, und neun von zehn Kartoffelproduzenten verlieren ihre Arbeit.

Und an dieser Stelle kommt es nun auf folgendes an:
  • Ist der Konsumbedarf der Gesellschaft bereits gedeckt oder nicht?
Ist letzteres der Fall, so ist die Arbeitslosigkeit der Kartoffelproduzenten ein günstiger Faktor, da sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß diese sich fortan der Produktion noch nicht in genügendem Maße produzierter Güter zuwenden.

Was man dann gemacht hat, indem man in die Ausschüttung der Innovationsdividende eingegriffen hat - und staatlich subventionierte Niedrigzinsen tun dies systematisch - ist, dem Volk die Abstimmung über die Ausrichtung der Volkswirtschaft zu erlauben.

Ich nannte dies die Tore öffnen.

Wenn allerdings kein weiterer Konsumbedarf besteht, so führt derselbe Eingriff zum genauen Gegenteil, die Tore schließen sich, die Kartoffelproduzenten bleiben arbeitslos, können also auch nicht mehr konsumieren, das Produkt aus Arbeitsaufwand und -effizienz sinkt.

Freilich, es sinkt nur langsam. Und wenn man Sozialhilfe gewährte, so stagnierte es.

Ganz auf der sicheren Seite ist man aber auch mit Sozialhilfe nicht, denn unter solchen Verhältnissen würde sich ein Klima des Konsumverzichts wie eine schleichende Krankheit ausbreiten, der Gedanke: Oder auch einfach nicht arbeiten und nur das Nötige kriegen. wäre in den Hinterköpfen der Menschen allgegenwärtig.

Und es kommt noch folgendes hinzu.

Es wird stets Produkte geben, deren Preis sich nicht so leicht durch niedrige Zinsen drücken läßt wie andere.

Paradebeispiel: Immobilien in guter Lage.

Das liegt daran, daß eine gute Lage nicht so ohne weiteres produziert werden kann, etwa einen Starnberger See in der Nähe von Bremen zu graben, mit allem drum und dran, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Und so lange es Privatbesitz gibt, wird niemand sein Land in guter Lage verkaufen, sondern lieber die Mieteinnahmen mit längs nehmen.

Es wird hier also zu Abwehrschlachten kommen, der Verteidigung der letzten Inseln des Wohlstands - auch dies eine geistige Rückzugsbewegung.

Und über all dem thronen jene, deren inhärenter Mangel an Empathie sie noch in den traurigsten Tagen die größten Stücke für sich herausschlagen ließ.

Gut, damit habe ich die heutige Situation, denke ich, nicht nur beschrieben, sondern auch erklärt.

Reden wir über etwaige Abhilfe. Es gibt drei Wege.
  1. Sozialismus, staatliche Einteilung zur Arbeit.
  2. Kommunismus, freiwilliger Zusammenschluß zu funktional autarken Kommunen, also mit unproblematischer Handelsabhängigkeit.
  3. Gezielte Zerschlagung von Betrieben, deren Effizienz keinen hinreichenden Profit abwirft, und deren Aufteilung auf eine größere Zahl von Beschäftigten samt begleitender Preissteigerung.
Am einfachsten wäre 3) im Rahmen eines großen Krieges.

3) ohne Krieg umzusetzen, dürfte schwieriger als 1), aber immer noch einfacher als 2) sein.

Doch auch 2) ist nicht unmöglich, am einfachsten sicherlich für jene, welche ihr noch vorhandenes Kapital in den Aufbau funktional autarker Strukturen transferieren können - so wie ich, wiewohl ich diesbezüglich vielleicht nicht sonderlich Großes leiste, einer gewissen Ermattung geschuldet.

Immerhin, diese Übersicht lege ich anderen vor, um sie für die kommenden Aufgaben vorzubereiten, und ihnen einen Weg zu einer auf Bereitschaft beruhenden Gesellschaft zu weisen, wiewohl dieser Beitrag hier natürlich das eigentliche Problem der technologischen Entwicklung ausblendet, nämlich der durch die Konzentration der Macht verursachten Instabilität.

Indes, es wird sich alles zusammenfügen, was aus einer Quelle stammt, darauf kann der Gläubige vertrauen.

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21. November 2014

Die bildenden Gespräche der sozialen Gefüge

Im letzten Beitrag behandelte ich rhapsodisch einige traditionsbildenden Gespräche, hier nun möchte ich dieses Thema mit den sozialen Gefügen, welche sich auf derartige Gespräche gründen, in Zusammenhang bringen, vergleiche Charaktere und soziale Gefüge.

Die sozialen Gefüge sind:
  1. Zurückgezogenheit,
  2. Schule,
  3. Partei,
  4. Clique,
  5. Bande und
  6. Stab.
Ich würde indes nur bei dreien von ihnen von enthaltenen Traditionen sprechen, nämlich bei Schule, Partei und Stab.

Eine Clique besitzt zwar eine Geschichte, aber sie nimmt keinen erkennbaren Einfluß auf die Entwicklung ihres Geistes.

Banden wiederum gruppieren sich um einzelne Personen und Ereignisse, welche sie nicht überdauern.

Und die Zurückgezogenheit führt immer zu denselben Antworten, besitzt also keine Dynamik, innerhalb welcher eine Tradition bestehen könnte.

Dennoch gehören auch zu den letzteren drei sozialen Gefügen Gespräche, welche eine grundlegende Rolle für ihre Bildung spielen.

Allgemein ist es so, daß das zu einem sozialen Gefüge gehörende bildende Gespräch jenen Erfahrungen Raum geben muß, von welchen das soziale Gefüge lebt.

Im letzten Beitrag behandelte ich ausführlich die Schule, und Anvertrauen als das sie bildende Gespräch. Es bedarf, denke ich, keiner weiteren Erläuterung, in wiefern eine Schule vom Anvertrauen lebt.

Desweiteren sprach ich da von Balz und Dienst, und diesen beiden korrespondieren Stab und Partei.

Im Gegensatz zu einer Partei, welche lediglich für eine bestimmte Sache streitet, diese aber nicht formt, übernimmt ein Stab schöpferische Verantwortung für etwas, zum Beispiel für die Wissenschaft.

Entsprechend sind Vorstellungsgespräche an Universitäten balzender Natur, wichtig ist den zuhörenden Professoren weniger, wie nützlich ein Mitarbeiter für sie ist, sondern mehr, was er kann.

Das ergibt sich aus dem Wesen der Sache, denn die Professoren sind ja frei zu forschen, was sie wollen, weshalb ihnen ein rein dienstbarer Geist schlecht zu Gesicht stünde.

Freilich, ich hatte die Wissenschaft zuvor eine Schule genannt, und das ist sie an und für sich auch, nur ist das nicht allen Wissenschaftlern und Bildungspolitikern so ganz klar, weshalb erstere sich meistens stabsmäßig organisieren und letztere sogar schon damit begonnen haben, der Wissenschaft Parteistrukturen aufzuprägen, etwa in puncto Klimaforschung.

Letzteres ist natürlich unter aller Sau, aber auch ersteres ist langfristig unhaltbar, da die Umfassendheit der Forschung so nicht erhalten bleibt, vielmehr dröselt sich die ganze Wissenschaft so mehr oder weniger zufällig in einzelne Forschungsprojekte auf.

Im Gegensatz dazu also die Partei, welche freie Gestaltung nicht kennt, sondern nicht einen Schritt geht, ohne für ihre Sache zu kämpfen, ganz einfach, weil sie sich allezeit im Gerangel befindet.

Entsprechend spricht auch niemand in ihr, ohne für diese Sache zu streiten, indem er Gründe für ihr Recht aufzählt. Gespräch ist hier also stets Dienst.

Ich denke, es nicht weiter schwer, diese drei Gespräche von einander zu unterscheiden, und so weiß man bereits, wo man sich befindet, was das für eine Gruppe ist, zu welcher man sich verirrt hat.

Machen wir weiter. Das Gespräch der Zurückgezogenheit zielt auf Verdutzung, darauf, den Adepten stutzig zu machen, ihm Einhalt in seinem Denken zu gewähren.

Das Ziel ist es, ihn auf sich selbst zu verweisen, ihn von äußeren Ablenkungen zu befreien.

Zwei verfeinerte Methoden dazu sind Dialektik und Dialogik, die grundlegende Methode ist schlicht die überraschende Bemerkung.

Das Gespräch der Clique ist Versicherung, daß man weiterhin gerne zusammen ist, gleichzeitig etwaige Stellungsunterschiede kommunizierend, also dann auch erklärend, wie genau man weiterhin gerne zusammen ist.

Wie ich schon sagte, Parteien und Cliquen sind mir ein Graus, und ich habe auch noch nie in meinem Leben an einem derartigen Gespräch teilgenommen.

Es bleibt die Bande. Ihr Gespräch ist die Prahlerei, und deren Funktion ist es, etwaige Neumitglieder für sie zu interessieren. Das neue Mitglied muß unter diesem Regime schweigen und seinen Wert durch Taten beweisen.

In Ansätzen habe ich mich daran schon beteiligt, aber nur, wenn es mir mein Sinn für Albernheit erlaubte.

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20. November 2014

Unsere Sache

Jede Tradition braucht das Gespräch,
doch Gespräch ist nicht gleich Gespräch.

Was also soll das Gespräch sein?

Balz?

Dienst?

Anvertrauen?

Die Balz sucht das eigene Potential zu beweisen,
der Dienst es zu aktualisieren,
wir sehen zwei Grade des Vertrauens auf den Vorsprechenden -
und damit zwei Grade seiner Freiheit.

Und das Anvertrauen?

Es mag nicht öffentlich sprechen,
weil es der Öffentlichkeit mißtraut.
Es sucht verdeckte Normen
im Gespräch mit Entrückten.
Oftmals wird aus ihm die Ungeduld sprechen,
aber stets die Gewißheit der eigenen Bestimmung.

Was machen wir draus?

Drängt es nicht in eine Schule des Verhaltens zur Welt?

Lassen wir es doch!

Mögen sich jene gemäß ihren Lehren zur Welt verhalten.

Wenn sie das brauchen...

...darin mag ich Gott und der von ihm erschaffenen Natur vertrauen.

Sie stehen nicht außerhalb der Gesetze der Natur,
nur außerhalb der menschlichen,
denn sie müssen sie formen - und sei es indirekt.

Zumeist werben sie,
auch spielen sie gegen einander aus,
hin und wieder überziehen sie mit Krieg.

Es sind die Hilfsmittel der Einsicht,
und in der Zeit ihrer Kraft nehmen sie für sich ein.

Freilich, auch was sie bauen, hat seine Zeit,
der Moment kommt immer wieder,
wenn es ihnen über den Kopf wächst:
Die Angst, welche die Herzen der Menschen heute erfüllt,
hat ihren Ursprung darin, daß ihnen ihr Weg abhanden kam,
wenn die Menge kein Ziel vor Augen hat,
weiß sie nicht, wohin sie sich wenden wird.

Es ist die Zeit der Götzen, von denen doch keiner überzeugt,
denn die Überzeugung selbst hat die Ratlosigkeit geboren.

Ihr fallt.
Also fallt auf die Füße!
Irgendwann werdet ihr so eure Stärke zurückgewinnen,
die nötigen Fragen und Antworten kennen.

Die Umrisse ändern sich nicht,
nur die Substanz.

Was uns verhießen ist,
lebendigen Wassers Strom,
wir hatten es schon.

Wann es zu Ende ging?

Als wir die Zuversicht faßten, mit allen unseren Problemen endgültig aufzuräumen.

Aber das selbst ist nur ein Symptom der inneren Leere. Wo nichts den Vorrang für sich beansprucht, wendet sich die Aufmerksamkeit den losen Enden zu, ohne zu verstehen, daß dadurch das ganze Gebilde an nichts mehr hängt und durch keinen auf die losen Enden verwendeten Fleiß befestigt werden kann.

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19. November 2014

Erwachsen

Der Verantwortungsbewußte muß der Verantwortungsübernahme zugeführt werden,
selbst wenn er nur wenig ändern kann, denn gleichviel,
er muß sich selbst erkennen, um er selbst zu sein,
gleichwie der flügge Vogel, der aus dem Nest fällt.

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Die verbliebene Wahl

Die alte Dame auf des Stieres Rücken
 - wie auch immer sie dahin gekommen ist -
kann sich entscheiden, ob sie sich in ihren letzten Tagen
kulant oder pittoresk zeigt,
nicht aber, einmal damit begonnen,
damit aufzuhören.

Die Ohnmacht verbietet die Vorteilsnahme oder zwingt zur Selbsterniedrigung.

Der Alte wird weise oder zum Bettler.

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18. November 2014

Die eine Zukunft

In diesen so unruhigen Zeiten gibt es, bei Licht betrachtet, nur eine Bahn, auf welcher die Dinge voranschreiten können.

Einerseits läßt sich aus Arbeitern und Rentnern nicht mehr herauspressen als drin ist, und andererseits weicht der freie Wettbewerb zunehmend dem Arrangement der marktgestaltenden Kräfte.

Dabei ist es gerade die prekäre Lage ersterer, welche den Staat einschreiten läßt, um ihre weitere Zuspitzung zu verhindern. Auf diese Weise entsteht ein nationales Arrangement.

Das internationale Arrangement ergibt sich aus der Nützlichkeit zweier Staaten für einander, welche zu ihr entsprechender Rücksichtnahme führt. Dabei besteht die Nützlichkeit eines Staaten für einen anderen in dem Ausmaß, in welchem er seine Bevölkerung für die Wirtschaft des anderen erschließt, entspricht also dem Grad, zu welchem er von dem anderen als erfolgreiche Wirtschaftsregierung in dessen Diensten wahrgenommen werden kann.

Staaten erlegen Unternehmen also Bedingungen im Namen des nationalen Interesses auf und messen sich dabei gegenseitig nach den Vor- und Nachteilen, welche dies für sie jeweils bedeutet.

Die nationale Ebene bewirkt hierbei offensichtlich zweierlei, nämlich einerseits einer Gruppe von Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Wirtschaftspolitik zu gestalten, und andererseits eine Begünstigung derjenigen Staaten, deren Wirtschaftspolitik für andere Staaten aus dem einen oder anderen Grund vorteilhaft ist.

Ein Wegfall der nationalen Ebene, etwa im Rahmen von Verträgen, welche die Gestaltung der eigenen Wirtschaftspolitik verhindern, schafft automatisch eine internationale Arbeiter- und Rentnerschaft, deren Interessenvertretung von internationalen Organisationen übernommen werden muß.

Dies alles ist die Folge des Primats der Wirtschaft.

Freilich haben wir so noch kein anschauliches Bild gewonnen, dazu gehörte wesentlich die Macht, welche die regierenden internationalen Organisationen jeweils besäßen. Aber dazu kann man einstweilen wenig sagen.

Indes, jede Organisation vertritt ihre eigenen Interessen.

Die europäischen Staaten verdankten sich dabei einem Doppelinteresse, nämlich dem Interesse der Kirche an christlicher Lebensführung und dem Interesse der jeweiligen Heerführer an gesicherten Abgaben.

Daraus sind dann schließlich die nationalen Wirtschaftsinteressen erwachsen, in welchen das Staatsvolk informell die Rolle eines Marktgewährers spielt. Es ist dieses Interesse an dem informell gewährten Markt, welchem die staatliche Organisation dient.

Die Abschaffung der Staaten führt also zur Abschaffung dieser informellen Marktgewährung, die entsprechende Verantwortlichkeit geht auf die internationalen Regierungsorganisationen über.

Aber bleiben wir noch etwas bei den Staaten. Ihre Leistung, die informelle Marktgewährung, ist historisch aus einfachen Anfängen erwachsen. Es zeugte von erheblichem Größenwahn, wenn internationale Regierungsorganisationen heute Regeln ohne Präzedenz aufstellten. Es ist also auch nicht zu vermuten, daß sie es tun. Aber welche Präzedenz wählen sie? Und wie erreichen sie es, sie auf fremdem Territorium ohne Verwerfungen zu verankern?

Das ist alles andere als klar, vermutlich wird aber wohl Vorsicht vorwalten, insbesondere weil informelle Übereinkünfte lebendige Strukturen sind, welche erkranken können.

Naheliegenderweise sollte sich die Internationalisierung also schrittweise vollziehen und zunächst erproben, was sie später festzulegen gedenkt.

Und so geschieht es wohl auch, einzig, daß eine gewisse Blindheit gegenüber Mißerfolgen besteht, was selbstverständlich den Sinn der ganzen Sache ad Absurdum führt.

Das Problem dabei ist natürlich, eine Krankheit als solche zu erkennen oder, wo erkannt, zur Sprache zu bringen.

Das ändert aber nichts an der eingangs erwähnten Eindeutigkeit der Dynamik. Es ist schlicht unmöglich, daß aus dem gegenwärtigen Denken heraus auch nur ein Schritt anders gewählt wird. Zur Zeit treten wir gerade in die heiße Phase der letzten Konvergenzen, also jene, deren Scheitern bedeutet, daß ein maximal vereinbarer Block gefunden wurde.

Was ich über die Schwierigkeit, einer Konvergenz zu entkommen, geschrieben habe, gilt auch hier, aber zwei Dinge sind neu:
  1. alle Umsicht fehlt,
  2. das Scheitern wird zum Zweck der Abgrenzung erwartet.
Das Problem mit alledem ist natürlich die Reduktion der sozialen Bindungen durch das Primat der Wirtschaft. Aber je weiter dieser Prozeß fortschreitet, desto blinder wird er gegen es.

Unsere Geschichte fliegt auf Autopilot. Das heißt nicht, daß wir nicht kräftig durchgeschüttelt werden werden, nur daß sich an den übergeordneten Rahmenbedingungen nichts ändern wird.

Aber genau diese Art der Stabilität ist ausschlaggebend dafür, daß etwas Neues entstehen kann.

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16. November 2014

Der Grund für Judae Verrat?

War Judas einfach noch stärkeren Willens als die anderen Jünger, seinen eigenen Weg zu gehen?

Zwei Stellen scheinen darauf zu weisen.
Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simons Sohn, Ischariot, der ihn hernach verriet: Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte; sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel und trug, was gegeben ward.
Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein und gab ihn Judas, Simons Sohn, dem Ischariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
Man könnte dies als Hinweise auf soziales Engagement und Erzürnen über Bevormundung verstehen.

Dazu paßte auch die Ableitung von Ischariot von Sikarier, wonach er zu den Zeloten gehört hätte.

Der eigentliche Grund, warum ich diese Erklärung für wahrscheinlich halte, ist allerdings der Bericht über Jesu Erlebnis im Garten Gethsemane und meine Analyse derartiger Mahnungen, siehe Spirituelle Warnungen und Nachbetrachtung zu den einströmenden Mahnungen.
Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.
In gewisser Weise läßt sich der Verrat dann auch als Anleitung verstehen, welche Fraktion man bestechen sollte, um eine Gruppe zu Fall zu bringen. Wenn ich jetzt so an IS und den Rechten Sektor denke...

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15. November 2014

Nachbetrachtung zu den einströmenden Mahnungen

Eine solche Mahnung mag ihren Ursprung darin haben, daß man im Begriff war, sich den falschen Leuten zu öffnen, und deren Toben in sich einströmen zu lassen.
Falsch im engeren Sinne mag das nicht sein, aber doch sehr fragwürdig formuliert. Ich denke, was sich hier zeigt, ist der Versuch, Verantwortung für Geister zu übernehmen, welche in der betreffenden Angelegenheit mehr aus sich selbst heraus erreichen können.

Als mein eigener Archivar bin ich überflüssig, das war das Wesen des angesprochenen Zuvorkommens. Aber es gilt ganz allgemein, es ist witzlos zuvorkommend anderen zuvorzukommen, sie werden schon selbst zu ihrer Zeit die in Frage stehende Einsicht erreichen.

Und es war witzlos für Jesus, seine Jünger zu verteidigen, denn sie würden schon bald selbst ihre eigenen Schafe verteidigen.

Die Geister sind erwacht.

Freilich, wo ich das jetzt von Herrn G. gelesen habe, stellen sich zusätzliche Fragen. Aber glücklicherweise war ich bereits zuvor zu einem vollständigen Aufriß gelangt.

Vielleicht sollte ich das I Ching befragen.

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Es scheint, das I Ching verweist hierzu auf ein Prinzip des geistigen Wachens, nämlich das der Anziehung. Urteil samt Erklärung zur vierten Reihe:
The curtain is of such fullness
That the polestars can be seen at noon.
He meets his ruler, who is of like kind.
Good fortune.

Here the darkness is already decreasing, therefore interrelated elements come together. Here too the complement must be found-the necessary wisdom to complement joy of action. Then everything will go well. The complementary factor postulated here is the reverse of the one in the first line. In the latter, wisdom is to be complemented by energy, while here energy is complemented by wisdom.
Nun ja, ganz paßt das nicht. Es sei denn, ich wäre in den letzten Tagen irgendwie weiser geworden, Herrn G. nützte es wohl nichts mehr. Indes paßt es insgesamt schon recht gut: Es kommt zusammen, was zusammenpaßt, und die richtige Weise, die Aktion durch Weisheit zu begleiten, muß gefunden werden. Man könnte sagen, daß ich das auch schon vorher gesagt habe, jedenfalls hatte ich die Falschheit einer bestimmten Weise benannt.

Um also nun ernsthaft diese Koinzidenz zu bewerten, sie scheint in erster Linie gleichnishaft zu sein, die Welt scheint sich selber Gleichnisse zu geben.

Mais mon dieu! 86 ans! Si vieux!

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Just for the record

Nun hat sich Donnerstag etwas zugetragen, was ich selbst für bedeutsam halte, also ist es wohl besser, dies explizit festzuhalten.
  • 10.11.2014 Schüttelfrost und Herzrasen beginnen am Nachmittag.
  • 12.11.2014 Am Abend reibe ich mir mit den Knöcheln der Faust über die Brust, sie fühlt sich wie erfroren an, ein ferner Schmerz strahlt für einige Zeit nach.
  • 13.11.2014 Am Morgen ist mir, als bisse ich auf irgendeine Pille - ich denke daran, daß sich eine Plombe gelöst haben könnte.
  • 13.11.2014 Ich schreibe einen resümierenden Beitrag über die menschliche Selbstbestimmung als zuvorkommende Geste in niedergedrückter Stimmung und lösche ihn am Nachmittag wieder, da sich in mir die Einsicht anbahnt, daß Zuvorkommen Verrat ist, siehe den gestrigen Beitrag.
  • 13.11.2014 Kurze Zeit später habe ich die klare Empfindung, daß eine Art Nadel aus meinem Geist gezogen wird, und mein Herzschlag beruhigt sich schlagartig.
Le problème de la réalité est contenu dans sa multidimensionalité,
à grace aux projections différentes donnant la même image.
En même temps le berceau du mystère.

Ruhe in Frieden.

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14. November 2014

Spirituelle Warnungen

Es gibt vier Arten spiritueller Warnungen:
  • Ahnungen, daß etwas passieren wird,
  • Mahnungen, daß etwas passieren könnte,
  • Trauer, daß etwas passiert ist,
  • Reue, daß man sich für etwas entschieden hat.
Ahnungen und Trauer betreffen Fremdes, Mahnungen und Reue Eigenes.

Der Sinn von Trauer und Reue besteht darin, das Geschehene in gebührender Weise zu würdigen, das heißt, die eigene Haltung in hinreichendem Ausmaß zu reformieren.

Der Sinn von Ahnungen und Mahnungen besteht hingegen darin, bestimmte Dinge zu unterlassen, nämlich einmal auf etwas zu vertrauen, was nicht geschehen wird, und zum anderen einer Tendenz, sich für etwas bestimmtes zu entscheiden, weiter zu folgen.

Trauer. Das war damals an der Stelle, wo die Kaltenhofer Allee an den Hohenstein stößt, zwischen Kaltenhof und Dänischenhagen. Mich ergriff auf einmal ein schauriges Gefühl süßlicher Schwermut, daß dies alles verwest, und nichts es ins Leben zurückbringt. Daß ich Träumen nachhinge, welche sich in diesen Bäumen hier verfangen haben, bevor sie ganz verflogen sind.

Reue. Dem Mittelalter sei's gedankt ist sie in der Vorstellung des Fegefeuers bereits in allgemein greifbarer Form beschrieben.

Ahnungen..Ahnungen sind mir mehrere Male begegnet, zuletzt bei der Lektüre der FAZ. Es ist stets ein plötzliches Innewerden von etwas Schalem, Abgestandenem, etwas, was man schon einmal gesehen hat, und was nun hier wiederkehrt, auch wenn es sich nach außenhin anders kleidet. Ahnungen verweisen also auf den wahren Kern hinter der Lüge. Es besteht die Gefahr, grausam über ihnen zu werden, indes wird die Grausamkeit des Lebens nicht dadurch aufgehoben, daß man sie bedeckt, sondern dadurch, daß man sich dem Verheerten annimmt. Vergib' mir, x.

Mahnungen. Mahnungen nun habe ich im letzten Jahr zwei Mal auf erschreckend intensive Weise erfahren müssen. In schwächeren Fällen handelt es sich dabei um Albträume, welche die eigene Haltung dadurch in Frage stellen, daß sie sie überzeichnen.

In stärkeren Fällen handelt es sich um plötzliche Krankheiten, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Schüttelfrost, Herzrasen, partielle Blindheit, zwanghaftes Denken, als klemmte das Steuer - oder als läge man auf einem Labortisch, und es würden einem Ströme durch's Hirn gejagt.

Und wenn so etwas dann schlagartig von einem abfällt (bis auf die physiologischen Nachwirkungen der Kopfschmerzen), nur weil man zu sich sagt: Sei's drum, ich vergess' 's und warte, bis mich das, was ich mit Sicherheit weiß, weiter informiert, also: Gut, Jesus, nur durch dich, ist man wohl geneigt zu sagen, man habe mit Legionen gekämpft - und vielleicht stimmt das auch: Eine solche Mahnung mag ihren Ursprung darin haben, daß man im Begriff war, sich den falschen Leuten zu öffnen, und deren Toben in sich einströmen zu lassen.

Das I Ching nannte das vor einiger Zeit, falsche Hoffnungen haben. Noch genauer trifft es: unreflektierte Prioritäten. Ich habe stets unreflektierte Prioritäten gehabt, aber ich kann sie mir zunehmend weniger leisten, wenn es geht, würde ich gerne einen Schlaganfall vermeiden.



Was das wohl mit dem Blutschweiß war... um welche Priorität ging es da?

Wem fühlte Jesus sich irrational verbunden?

Hmm... nein, das scheint klar, jenen, in deren Mitte er war, natürlich. Der unreflektierte Beschützerinstinkt mußte überwunden werden.

Ob man von der Priorität auf das Symptom schließen kann, vom Beschützerinstinkt auf den Blutschweiß, vom Pflegerinstinkt auf den Hirndruck?

Für andere bluten... für andere sich den Kopf zerbrechen...

La loi est universelle, pas l'éthique, mais la loi, bien sûr.

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12. November 2014

Hysterie

Ich lese die Bild-Zeitung nicht. Es verdankt sich also einer, ich möchte sagen, ziemlich ironischen Verquickung von Umständen, daß ich auf die Toilettenjagd aufmerksam wurde.

Und wo ausgerechnet der Springer-Verlag diese Heldengeschichte bringt, konnte ich natürlicherweise nicht umhin, mich näher über David Sheen und Max Blumenthal zu informieren.



Dies ist nun wirklich ein in vielfacher Hinsicht aufschlußreicher Redebeitrag. Verlieren wir nicht viele Worte und greifen gleich mal ein paar Punkte heraus.

Was sagte es über den Staat Israel aus, wenn er auf der Basis der Gleichheit aller Menschen nicht bestehen könnte?

Gar nichts. Kein Staat der Welt kann langfristig auf dieser Basis bestehen, wenn er es ernst mit ihr meint.

Es ist ein Fehler, sich von der expansiven Phase der Vereinigten Staaten blenden zu lassen, in welcher die Menschen einfach noch zu sehr mit der Erschließung des Kontinents beschäftigt sind, um sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Sie mögen während dieses Prozesses zu einer eigenen Einheit finden, oder auch nicht. Aber Einheit braucht in seinen alten Tagen, wenn er nicht mehr über fremde Güter frei verfügen kann, noch jeder Staat.

Was glauben Sie, warum die Israelis so feindselig sind? Sind die Leute verängstigt oder gehässig?

Die Linke auf der Suche nach den guten und den schlechten Menschen. Gehässigkeit bedeutet aber nichts anderes, als die Notwendigkeit zum Kampf zu sehen, aus welchen Gründen auch immer. Wirklich interessant in diesem Zusammenhang ist lediglich das Ausmaß, zu welchem die Israelis öffentlich ihre Haltung verlieren.

Das ist natürlich schwer einzuschätzen, auf der Grundlage so eines Vortrags.

Indes, so viel erscheint mir glaubwürdig, daß sich die israelische Gesellschaft insgesamt verhärtet hat, und daß vor diesem Hintergrund bizarre Blüten ungehindert blühen. Wichtig daran ist das Urteil, welches hinter dieser Entscheidung steht, und welches mit dem ersten von mir angesprochenen Punkt übereinstimmen sollte.

Und wenn es das tut, so ist auch noch ein anderes wichtig, nämlich daß es nicht offen ausgesprochen wird.

Es gibt nur zwei Wege, die siedlungspolitische Dynamik zu beenden, Genozid an den Ureinwohnern oder Verständigung mit ihnen auf gleichheitlicher Basis.

Was eben keineswegs wahr ist. Es gibt auch noch einen dritten, nämlich die Menschenrechte dahin zu jagen, wohin sie gehören, und anschließend hinreichend klare und  z u v e r l ä s s i g e  Regeln zu etablieren.

De facto macht Israel das schon heute, nur pro forma nicht. Und ich würde sagen, daß Israel dadurch weit mehr verliert als es gewinnt, und nicht nur Israel, sondern die Juden ganz allgemein, wobei es allerdings unterschiedliche Dinge sind, welche sie verlieren: Israel verliert durch dieses hinterrücksche Gegifte seinen Glauben und die Juden verlieren durch die dem Anspruchsdenken geschuldete Destabilisierung ihre Stellung.

Gut möglich, daß anfang des 20. Jahrhunderts stellungsmäßig noch etwas für die Juden drin war, aber das Problem ist doch so unvorhersehbar nicht gewesen, also daß man nicht bis zum letzten Tag des eigenen sozialen Aufstiegs gegen die Idee der Etabliertheit kämpfen sollte, sondern beizeiten den Kurs anpassen.

Natürlich kommt noch erschwerend hinzu, daß der wirtschaftliche Wettbewerb seit geraumer Zeit unter dem Vorzeichen negativer moralischer Selektion steht, und daß so ein Establishment also nicht die besten Aussichten auf eine schön ruhige, annehmliche Mitherrschaft bietet.

Und deshalb, denke ich, sollten wir alle Hysterie besser als einen Teil unserer gegenwärtigen Realität auf der Rechnung haben. Es werden, und es geschehen schon viele Dinge, welche mittelfristig völlig sinnlos sind, welche ihre Geburt plötzlichen Einfällen mit Tunnelblick verdanken.

Wie möglicherweise auch Gysis Einschreiten hier.

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10. November 2014

Kleine Geschichte der ethnischen Entmischungen seit dem Ende der Sowjetunion

Abchasien. Sezessionskrieg 1992-1993, 250 000 Flüchtlinge.
Kosovo. Sezessionskrieg 1997-1999, 750 000 Flüchtlinge.
Kroatien. Sezessionskrieg 1991-1995, 420 000 Flüchtlinge.
Südossetien. Sezessionskrieg 1990-1992, 120 000 Flüchtlinge.
Ukraine. Sezessionskrieg 2014- , 1 000 000+ Flüchtlinge.

Quelle: Wikipedia.

Mir geht es hier nicht darum, ob man in jedem Fall wirklich von unterschiedlichen Ethnien sprechen kann, und auch nicht um die genaue Größe der Flüchtlingszahlen, lediglich um deren Größenordnung und um den Charakter dieser Ereignisse.

Als die Sowjetunion auseinanderfiel, handelten die Menschen nach dem Motto: 3, 2, 1 - meins! Überall wurden mit Fiebereifer Ansprüche abgesteckt, und zum Teil überschnitten sie sich. In der Folge kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, und Viele ließen ihre Besitztümer, wenigstens zunächst einmal, hinter sich.

Auffällig ist die Leichtfertigkeit, mit welcher all dies geschah. Wirklich Angst davor, für seine Ansprüche bestraft zu werden, hatte kaum jemand. Aber umgekehrt wurden die eigenen Ansprüche auch nicht gerade erbittert verteidigt. Insgesamt dominiert Opportunismus das Bild.

Auch die Deutsche Wiedervereinigung fällt da nicht aus der Rolle. Man kann getrost davon ausgehen, daß der sozialistisch geformte Mensch sich just so verhält und nicht anders: Sind wir uns einig, daß uns das gehört? Gut, dann gehört uns das! Eine Einigkeit freilich, welche auf tönernen Füßen steht.

Und darin liegt das eigentliche Problem.

Aus westlicher Perspektive heraus sind diese Leute alle nicht zurechnungsfähig. Nehmen wir den Fall Abchasien. Georgier ballern auf Abchasen und Armenier und das Blatt wendet sich, und letztere machen sich de facto unabhängig von Georgien.

Aber Georgien ist ein international anerkannter Staat, welcher zudem strategisch wichtig gelegen ist.

Also kann Georgien darauf vertrauen, daß andere, westliche Länder, sein Militär modernisieren helfen werden - im Gegensatz zu Abchasien.

Dem westlichen Menschen wäre es von Anfang an klar gewesen, daß sich die Dinge so entwickeln würden, und genau darum hätte er sich nicht unabhängig erklärt - dem sozialistischen aber war es eben nicht klar.

Der sozialistische Mensch blinzelt dumm und fragt: Wieso kriegen die jetzt Waffen und ich nicht?

Rußland weiß das natürlich alles und hat sich dafür entschieden, es sich nicht mit den sozialistischen Menschen zu verderben, indem es sich plötzlich an westliche Einsichten und Gewißheiten hält. Denn täte es das, würden die sozialistischen Menschen es mit Sicherheit als Verrat werten.

Warum durfte Litauen gehen?

Weil Blut geflossen ist, weil ein russischer Panzer litauische Demonstranten überrollt hat.

Irgendetwas muß ja gelten. Wenn sich also georgische Soldaten auf dieselbe Weise versündigen, dann ist Abchasien frei. Spielregel. Mal eben spontan ausgedacht. Aber so ist der sozialistische Mensch.

Freilich, in Tschetschenien galten alsbald andere Regeln. Müssen wir das verstehen?

Nicht unbedingt, wiewohl ich es vielleicht verstehe: Es könnte ja sein, daß die Tschetschenen nicht recht als Sozialisten anerkannt wurden und sich vielleicht selbst auch nicht so sahen, im Gegensatz zu den vom innersowjetischen Tourismus profitiert habenden Abchasen.

Aber was auch immer da in Anschlag kommt: Der sozialistische Mensch ist leichte Beute. Zu leichte Beute. Er versteht nicht, worauf es ankommt, und überläßt es einerseits zu leicht und nimmt andererseits nicht die gebotene Rücksicht auf es. Daß dies in Deutschland nicht schon zu viel krasseren Verwerfungen geführt hat, liegt einzig an der engelsgleichen Rücksicht der Westdeutschen, eine Rücksicht, welche sich international nicht voraussetzen läßt.

Nein, sie werden nach Strich und Faden ausgeplündert, belogen und betrogen werden, denn jeder Hansel ist dazu fähig. Und das Problem dabei besteht darin, daß sich die Machtverhältnisse also chaotisch verschieben. Und daran kann niemand Interesse haben. Es ist schon schlimm genug.

Stellen Sie sich das einfach mal vor Ihr geistiges Auge: Hunderte Millionen Menschen, welche effektiv ohne politischen Einfluß einzelnen Konzernen dienen, welche ihnen in keiner Weise verbunden sind.

Bürgerliche Gesellschaften haben ihre eigenen Spielregeln, und die Bürger kennen sie.

Wenn der Kapitalismus auf eine Gesellschaft stößt, welche nie in ihrer Geschichte bürgerlich gewesen ist, und einzig Spielregeln kennt, welche mit dem Kapitalismus unvereinbar sind, entsteht etwas neues, welches die Welt in dieser Form noch nicht gesehen hat.

Und wer das weiß, wird es stoppen.

Aber andererseits, wer weiß, daß er Beute machen kann, und dabei die westlichen Regeln nicht verletzt, der wird versuchen, Beute zu machen.

Das ist das Wesen der Ukrainekrise. Und sie wird weiter eskalieren. Es geht nicht anders. Man wird sehen, wie genau die Eskalation aussehen wird, aber die Eskalation ist sicher.

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9. November 2014

Ende und Anfang der Zeit

Im Nebelwald, auf einer fremden Welt?
Gerade ist's trocken, der Boden rötlich braun,
vom gemächlich ansteigenden Kamm öffnet sich dem Blick das Tal.
Alles wirkt etwas verlassen, ermattet im sanften Sonnenlicht -
der Rest der Zeitvergessenen.

Aber die Sonne!

Ein Viertel bedeckt ein dunkelroter Rand um schwarze Flecken,
und seltsam abgestuft scheinen die Übergänge.
Wo bin ich hier? Und wann?

Was für ein unmöglicher Gedanke,
daß etwas noch sei, ohne werden zu können.

Zeit läßt sich nicht verplanen,
sie gehört nur sich selbst,
was immer in einem Augenblick zu Stande kam,
hat sich das ganze Recht auf den nächsten errungen.

Man kann nur Weichen stellen,
das ist alles.
Das hält die Toren indes nicht ab,
vordergründig hin- und herzulavieren
und hintergründig beständig in dieselbe Richtung zu ziehen:
Sobald die Zeit überschaubar wird, wenden sich die Menschen ab,
und kein Trommelwirbel bringt sie mehr zurück.

Was also geschehen muß, muß geschehen,
wir werden diesen Weg gehen,
auch wenn es nicht möglich scheint.
Ihr kennt sie selbst,
die Gesetze dessen,
was euch bewegt.

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7. November 2014

Vom Zug ins gelobte Land

Dick's Interview rechts von '79, wenn Sie dort Anempfohlene Werke sehen, ist schon ein Glanzstück.

Zunächst erklärt er dem Interviewer, daß alles Begreifen lediglich auf einzelne Aspekte zielt, um dann in einem Bogen über autoritärer Gedankenverengung zu spiritueller Gedankenerweiterung zu kommen.

Wirklich interessant finde ich hingegen den Gegensatz der Stimmen: Aus Dick's Stimme spricht ein Streben zu Gedanken zu gelangen, aus der des Interviewers hingegen der Argwohn, den eigenen Platz in der Wüste zu verlieren.

So ist's ganz allgemein: Die einen glauben an das sie Umgebende, die anderen an die Stelle, auf welcher sie stehen.

Natürlich müssen erstere im Laufe ihres Lebens ihren Glauben präzisieren, zusehen, daß sie sich auf den Weg zu diesem Ort der Verheißung machen, und dann auch auf ihre Schritte Acht geben, aber der entscheidendste Unterschied in dieser Angelegenheit ist der erste, daß sie an die Herrlichkeit des Zukünftigen glauben: Auf den Bleibenden kann der Ziehende nicht bauen.

Die Moderation des Zugs durch Wahlen, wo alles dem Übergewicht gemäß zusammenbleibt und -zieht, dient letztlich nur demjenigen, welcher sich als Moderator etabliert und das Übergewicht jeweils hervorkitzelt.

Die Zeit wird den rechten Kurs als solchen erweisen, und wer an seinem Ort verbleiben will, den drängt sie nie mehr als nur sanft voran: So nimmt der Herr selbst Rücksicht, wo seine Diener es nicht tun.

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6. November 2014

Herr Nuhr hat die richtige Gesinnung

Welch beruhigende Nachricht. Und ausgerechnet Staatsanwälte sind die Autoritäten auf diesem Gebiet.

Nun, neu ist das Phänomen nicht, einst drohte sogar der Schierlingsbecher, doch diese Konstanz wirkt verstörend, wenn man den Wandel im Übrigen bedenkt.

Um Schaden von der athenischen Jugend abzuwenden, wurde Sokrates zum Tode verurteilt, und dieser Urteilsspruch ist nachvollziehbar: Wo Gewißheiten den gesellschaftlichen Bau begründen, können Fragen seine Sicherheit gefährden.

Heute haben wir ein gutes Dutzend Sicherungssysteme, welche vorangegangene Ausfälle auffangen, im alten Griechenland dürfte weit mehr davon abgehangen haben, daß die Verantwortungsbeauftragten ihren Aufgaben gewachsen waren.

Und deshalb stören wir uns heute auch nicht mehr an dem, woran sich die Griechen einstmals störten, nämlich an einer etwaigen Schädigung der Jugend.

Was aber ist Gesinnung dann?

Natürlicherweise sollte man darunter doch einen Ansatz verstehen, welcher der eigenen Haltungsgestaltung zu Grunde liegt.

Nur daß unser Staatswesen eben überhaupt kein Interesse an einer greifbaren Haltungsgestaltung hat.

Zugegeben, Herrn Nuhr wurde staatlicherseits bescheinigt, nicht die falsche Gesinnung zu besitzen, und damit wäre dieses Rätsel gelöst, aber damit ist die eigentliche Frage, was uns heute Gesinnung bedeutet, nicht vom Tisch.

Denn es nicht so, daß es nur die eine falsche Gesinnung gäbe, den einen falschen Ansatz, welchen man nicht sehen wollte, also davon auszugehen, daß man selbst aufgrund seiner spezifischen charakterlichen Eigenschaften anderen Menschen überlegen ist und seine Haltung entsprechend anpaßt, was konkret auf ungleiche Bevorzugung und Herabwürdigung hinausläuft, aber auch auf ein ernstliches Bestreben, die eigene Überlegenheit zu beweisen.

Ginge es um ihn und nur um ihn, würde man ihn ausbuchstabieren und bei seinem Namen schmähen, aber das tut man nicht, denn allzu offensichtlich ist er so ungewollt nicht, vielmehr das, worauf das Staatswesen vorrangig vertraut.

Freilich, man könnte weitersuchen, ob man nicht noch das passende fände, aber wie könnte es einer Gesellschaft um etwas gehen, welches sie nicht klar erfäßt?

Was aber wird an Herrn Nuhr klar erfaßt?

Nuhr ist ruhig, gutwillig, sozusagen. Jedenfalls erweckt er den Anschein, als ob er mit jedem gerne ein Bier tränke.

Ich könnte in diesem Beitrag selbstverständlich auch über die sozialen Folgen einer derart bescheinigten unbedenklichen Gesinnung schreiben, aber das ist so interessant nicht. Nein, vorrangig interessiert die Selbstversicherung, welche die deutsche Gesellschaft daraus bezieht, keine Ängste oder Überspanntheiten zu besitzen.

Es zeigt sich ja auch an anderer Stelle, etwa wenn dem Dalai Lama echte Spiritualität zugestanden wird.

Verkrampft entspannt trifft es wohl. Darauf beruht auch das Spiel: Spot the German! auf Urlaubsphotos.

Die richtige Gesinnung ist in gewisser Weise bereits kraft ihrer eigenen Existenz unerreichbar, nur wer die öffentliche Anstrengung überhaupt nicht versteht, kann sie besitzen. Die falsche ist der Schuh, welchen man sich anzieht, wenn man die richtige anerkennt: Na, dann ängstigt mich das halt! Na, dann bin ich da halt etwas überspannt! ist der einzige Ausweg.

Aber offensichtlich bereit es den Deutschen enorme Schwierigkeiten, auf ihm herauszufinden.

Warum ist das so?

Ich denke, die Wahrheit ist, daß die falsche Gesinnung konstitutiv für die Deutschen geworden ist, wer nicht um die richtige ringend in der falschen verharrt, gehört nicht mehr dazu. Würde Herr Nuhr glaubhaft versichern, daß er die Unruhe der Menschen um ihn herum nicht versteht, nicht nachvollziehen kann, wär's das mit ihm. Er spielt den Psychotherapeuten, indem er diese Unruhe ins Lächerliche zieht, sehr zum Gefallen derer, welche sie zu überwinden trachten. Wäre er wirklich ein Therapeut, würde er ihr ihre Würde zurückgeben, indem er ihren Sinn und Zweck erklärt und damit die Beschäftigung mit ihr der Lächerlichkeit preisgeben.

Doch, wiederum, warum?

Masochismus ist es nicht. Das Verhalten ist irgendwie mädchenhaft. Jeder, der nicht dazugehört, wird angehimmelt. Unter einander besteht aber eine klare Hackordnung. Man wartet wohl auf den Prinzen, jemanden, dessen Geist man anerkennt und dessen Gewalt auch. Ich glaube, ein Volk kann Jahrtausende in diesem Zustand verbringen. Er ist eine Art Weltverzicht und inhärent weltfremd.

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5. November 2014

Die Entwicklung der Kriegsführung im letzten Jahrhundert

Mir stellt sich die Sache so dar.
  1. Erster Weltkrieg. Krieg zwischen Nationalstaaten unter weitestgehender Aussparung von Zivilisten.
  2. Zweiter Weltkrieg. Krieg zwischen Nationalstaaten unter Einbeziehung der Zivilbevölkerung.
  3. Kalter Krieg. Bürgerkriege zwischen von außen ideologisierten und bewaffneten Parteien.
  4. Krieg gegen den Terror. Bürgerkriege im Schlepptau von außen unterstützter krimineller Banden.
Eng damit verbunden ist die Frage des Waffenexports.

In hinreichend gefestigten Nationen lassen sich die Operationen 3) und 4) nicht so ohne weiteres durchführen, wiewohl es natürlich versucht werden kann und es generell um so leichter wird, je langfristiger die Ziele gesteckt werden.

Eine hinreichend gefestigte Nation begibt sich nur nach Abwägung ihrer nationalen Interessen in den Kriegszustand. Und in einer Welt hinreichend gefestigter Nationen hat der Waffenexport darum eine stabilisierende Wirkung: Keine Nation will, daß eine andere mächtiger wird, also wird stets der Verteidiger besser versorgt werden.

Wenn Nationen hingegen nicht hinreichend gefestigt sind, so ist es möglich, sie durch angezettelte Bürgerkriege zu schwächen. Und im Gegensatz zur Nation als ganzer darf die unterstützte Gruppe dabei auch dann mit besserer Versorgung rechnen, wenn sie der Aggressor ist, einzig vorausgesetzt, daß die betreffende Nation durch den angezettelten Bürgerkrieg mit hinreichend großer Sicherheit geschwächt wird. Waffenexport hat hier also eine destabilisierende Wirkung.

Dieses Umschlagen der Rolle des Handels mit Waffen ist ein gutes Beispiel für die Phrase: the bottom drops out, deren Bild hier fast anschaulich paßt.

Internationale Sicherheit ist nur zwischen Akteuren möglich, welche ihren eigenen Laden zusammenhalten können. Sind sie dazu nicht in der Lage, bietet es sich an, sie in regelmäßigen Abständen in die Knie zu zwingen.

Man stumpft ab, wenn man zu oft den Spruch Früher war alles besser. hört, umso wichtiger aber ist es dann zu sehen, was fortwährend schlechter wird. Übrigens spielt der Übergang von 1) zu 2) für das weitere Fortschreiten durchaus eine Rolle: Durch das direkte Leiden der Zivilbevölkerung unter den Kriegsfolgen sucht sie selbstverständlich eine größere Distanz zu dem Staat, welcher sie nicht hinreichend schützen konnte, und das lockert seine politischen Verhältnisse, nicht während des Krieges, aber später in der Reflexion.

Und was den Übergang von 3) zu 4) angeht, ganz einschneidig ist er nicht, denn kriminelle Gruppen treiben nicht so tiefe Wurzeln wie ideologische Parteien, aber andererseits sind sie keinem inneren Rechtfertigungszwang unterworfen. Es mag also sein, daß sich ein Staat schneller von ihnen erholt, andererseits aber lassen sie sich universeller einsetzen. Und ganz sicher ist ersteres auch nicht, denn unter Umständen nehmen sie weniger Rücksicht auf seine Infrastruktur, Pol Pot ist diesbezüglich ja erwiesenermaßen eine Ausnahme.

Wenn ich es so bedenke, ein Zyniker mag von 1) bis 4) eine stete Verbesserung sehen, da der Krieg schrittweise alles Heroische verloren hat und also immer weniger Menschen anspricht. Andererseits ist in dieser Sichtweise bereits enthalten, daß man Menschen am besten wahllos abschlachten sollte, da sie doch nur sozial schädliche Gedanken im Kopf haben.

Wer dem Menschen hingegen die Herrschaft über seine eigenen Angelegenheiten wünscht, wird zugeben müssen, daß dieses im letzten Jahrhundert immer schlimmer wurde, und daß er heute oftmals nicht mehr ist als das Stück Fleisch, welches der verbesserten Ausbeutung der in seinem Namen verwalteten Ressourcen im Wege steht.

Es sind eigentlich nur noch zwei schlimmere Zustände denkbar, nämlich daß er damit rechnen muß, seines privaten Besitzes wegen angegriffen zu werden und schließlich buchstäblich seines Fleisches wegen.

Ich glaube aber nicht, daß wir den Schritt zur offenen Räuberbande noch tun werden, vom Schritt zur Kannibalenbande ganz zu schweigen. Unser Absturz ist auf seinem Boden angelangt. Hier werden wir bleiben, bis wir verstanden haben, wo wir uns befinden.

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4. November 2014

See über Wasser

Tönt es euch | schief in den | Ohren,
seid ihr | zu anderm | geboren.
Wundert euch nicht,
der Gesalb | te spricht:
Das Sehen, | den Blinden | werde ich's | geben,
den Sehenden | werde ich's | nehmen.
Und wie könnte | das je | geschehen,
würde euch nicht | die Freude | vergehen?

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2. November 2014

Egon Krenz

Jetzt sei es zentral, über Kriterien für Sanktionserleichterungen gegenüber Russland zu diskutieren. „Erleichterungen setzen eine konsequente Erfüllung des Minsker Friedensplan und die Einleitung einer politischen Konfliktlösung voraus“, betonte Steinmeier.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-konflikt-kohl-kritisiert-isolation-russlands-13243364.html

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1. November 2014

Abrogation?

Keine Unserer Offenbarungen abrogieren Wir oder lassen sie in Vergessenheit geraten, sondern Wir schaffen besseren oder ähnlichen Ersatz: Wisset ihr nicht, daß Gott Macht über alle Dinge hat?

- Sure 2, 106
Stellen wir uns mal nicht dumm, also umnachtet, bedeckt, verhüllt, wie auch immer man das ausdrücken möchte, und nehmen diesen Vers als das, was er ist, nämlich als Aufforderung, Gottes Offenbarungen zu akzeptieren und sie allenfalls zu verfeinern oder auch mit leicht verschobenem Fokus zu reformulieren.

Denn genau das ist unzweifelhaft gemeint.

Es muß mit aller Klarheit gesagt werden, daß eine Abrogation, welche sich nicht als eine Präzisierung für bestimmte Umstände versteht, sondern als grundlegender Kurswechsel, diesem Gebot widerspricht. Und was heute zum Thema Abrogation verbreitet wird, verhöhnt es gar.

Die Wahrheit ist von der Art, schrittweise besser erfaßt zu werden, das folgt aus ihrer Vollkommen- und der menschlichen Unvollkommenheit. Wer, der sie kennenlernen durfte, wollte das bestreiten?

Wer behauptet, eine Sure sei lediglich der Situation geschuldet gewesen, und ihre Verse besäßen lediglich praktischen Wert und enthielten keine allgemein gültigen wahren Prinzipien, leugnet ihren Ursprung in der Wahrheit.

Nun, ich bin geneigt, das bei einigen Suren zu tun. Letztlich ist es aber auch eine Frage des Respekts, mit welchem man sie interpretiert. Da ich kein Moslem bin, ist es nicht weiter verwunderlich, daß mein Respekt ihnen gegenüber zu wünschen übrig läßt.

Die Muslime hingegen sollten aufpassen, das Kriterium der Wahrheit nicht zu schmähen: Es geht nicht an, Gottes Wort von den Eigenschaften der Wahrheit zu lösen.

Selbstverständlich ergeben sich ein paar handfeste Fragen, wenn man sich auftuende Abgründe nicht einfach mit dem Argument: Neuer ist besser. beiseite wischt, sondern nach der Vereinbarkeit der involvierten Prinzipien fragt, etwa im Falle des bereits erwähnten Verses 3:7, welcher sich, meiner Einschätzung nach, gerade für das Gegenteil ausspricht, also buchstäbliche Befolgung ohne das Bedenken der involvierten Prinzipien.

Und um etwaigen muslimischen Lesern die Arbeit abzunehmen, was ich über Leben und Tod lehre ist dies: Im Leben ist das höchste Gut, das Gute durch sein Herz gehen zu lassen, und im Tode richtet unser Herz uns und die Welt. Genaueres dazu zu sagen, widerstrebt mir, indes bleiben wir nicht unerhört, und aus unserer Vereinbarkeit mit dem Guten heraus ergibt sich das Weitere, was immer es auch ist.

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Die Sache mit der Deflation

Ob die Preise steigen oder fallen, hängt davon ab, ob es für die Käufer leichter oder schwieriger wird, an Geld zu kommen.

Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurden Finanzmittel vornehmlich darauf verwandt, kosteneffektiver zu produzieren, wobei sich die angefallenen Gewinne in den Händen der Industrieplaner angehäuft haben.

Und da diese zugleich Geld- und Kreditwesen kontrollieren, hängt das Wachstum des Rest des Marktes einzig davon ab, welche Aufwendungen sie zu ihren Zwecken beschließen, womit die heutige Lage zur ursprünglich aristokratischen zurückgekehrt ist, das heißt: Das Potential der Wirtschaft wird durch die begrenzten privaten Interessen der Kapitalbesitzer beschränkt.

Deflation ist also die Folge von Besitzstandswahrung, nicht der Antrieb zu ihr, wohingegen Inflation der Antrieb zur Umverteilung des Kapitals ist.

Aufgrund des Einsatzes des Staates zu ihren Gunsten liegt es nun im Interesse der Banken, ihren Besitzstand, welcher sich aus der vorangegangenen Umverteilung heraus gebildet hat, zu wahren: les nouveaux maîtres.

Wenn der Rest des Marktes diesem Zustand entkommen will, so muß er auf gegenseitiger Vertrauensbasis Investitionsvereinbarungen treffen, sein Potential an Zusammenarbeit nicht durch Abhängigmachung von den zentralen Stellen beschneiden.

Darin liegt durchaus das Potential einer internationalen bürgerlichen Revolution, aber ohne gemeinsame Ziele begäbe sie sich auf einen nur zu ungewissen Weg.

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