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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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27. September 2012

Zur Historizität bei Spengler

Spengler stellt der ahistorischen Betrachtung der Gegenwart die historische Betrachtung der Vergangenheit und Zukunft gegenüber, ohne einzusehen, daß dieser Gegensatz der Gegensatz zwischen der Betrachtung der Welt als Wille und Vorstellung ist.

Hätte er das eingesehen, so wären viele seiner Konzepte in sich zusammengefallen, deshalb erwähne ich es hier auch.

Wenn wir die Welt betrachten, so fassen wir sie entweder als äußere Einkleidung von uns Gleichem, aber Abgeschiedenem auf oder aber als etwas Fremdes, wobei sich beim Fremden die Frage nach einem subjektiven Kern aufgrund mangelnder Erkenntnis erübrigt.

Es gibt keine weiteren Möglichkeiten, und diese beiden Möglichkeiten sind auch nicht gleichwertig, sondern unterscheiden sich in ihrem Anspruch, die Welt zu erklären. Und wie immer, wo das der Fall ist, üben jene, welche den höheren Anspruch stellen, Druck gegenüber jenen aus, welche, ob nun gewollt oder ungewollt, dazu beitragen könnten, daß sich dieser Anspruch auflöst.

Daher die Sorge der Griechen um die endliche Welt. Das Erschauern in Ansicht der unendlichen Weiten ist exakt das, was die Griechen vermeiden wollten. Wer sich beispielsweise die goldenen Verse des Pythagoras durchliest, findet dort den bedingungslosen Willen sich einem Ideal zu unterwerfen, so lange an seiner Haltung zu feilen, bis man es unerschütterlich verkörpert. Ein Stern am Himmel zu werden, eine mythische Gestalt.

Den Griechen war klar, daß Gedeih und Verderb aus dem Willen der Menschen entspringen, sich die Welt untertan zu machen, ihr die eigenen menschlichen Vorstellungen aufzuprägen. Deshalb steht bei ihnen der Mensch im Zentrum, weil er es ist, welcher alle menschlichen Werke wirkt.

Die zentralen Herausforderungen eines griechischen Lebens bestehen darin, aus sich herauszukommen, sich als Streiter für ein Prinzip zu etablieren und die eigene Zuversicht zu bewahren. Äußerungen einer arischen Kriegerkultur, wobei der zweite Schritt der spezifisch arische ist.

Die ehrfurchtheischenden Naturgewalten, sie sind der erste Feind, das, was es unternimmt, den Menschen auszulöschen, das, wem man unerschrocken entgegentreten muß.

Die Griechen verstanden sehr wohl die Zeit, aber ihre Grundhaltung zu ihrem Dasein, daß sie sich erweisen mußten, strafte sie, indem sie zur Anschauungsform degradiert wurde, überall mit Mißachtung. Das Sein ist nur in der Gegenwart, und die Gegenwart ist nicht in der Zeit, sondern die Zeit ist im Bewußtsein und damit in der Gegenwart.

Natürlich kann man dies betrachten und sagen, daß man auf diese Weise schlicht ein Verständniswerkzeug ausschaltet, aber diese Dämmung hat einen tieferen Sinn, nämlich zu verhindern, daß das grelle Licht der Anschauung der Welt die Erkenntnis der eigenen Seele ausblendet.

Und genau so ist es ja auch gekommen. Keine Zeit betrachtet die Welt in grellerem Licht als die unsere und keine hat die Seele der Menschen mehr vergessen.

Nun gut, wie gesagt stellt sich das bei Spengler nicht so dar. Er ist, man muß es sagen, ja sehr zeitgemäß, gänzlich postmoderner Kulturrelativist, und so etwas wie eine Wahrheit der Seele, welche mal mehr und mal weniger verfolgt und verstanden wird, gibt es für ihn nicht. Deshalb sagt er auch nicht über Schopenhauer, was er über Schopenhauer sagen müßte, nämlich daß Schopenhauer ahistorisch ist und die Geschichte keineswegs in Klassik, Mittelalter und Neuzeit einteilt. Er bringt es irgendwie fertig, Schopenhauer als einen typischen Nordeuropäer darzustellen, welcher einfach keinen Bock hatte, sich mit der Geschichte zu beschäftigen.

Dabei sagt Schopenhauer explizit, daß die Zeit für ihn punktförmig ist.

Und wenn Schopenhauer es unternommen hätte, die Geschichte zu beschreiben, so wäre seine Beschreibung, und das ist nun wirklich offensichtlich, wenn man seine Naturbeschreibung betrachtet, ganz von Spenglers Art gewesen, womit sich auch für Spengler selbst die Frage stellt, welche Seele er nun hat.

Historisch oder ahistorisch? Faustisch oder entelechisch? Spengler scheint nicht ganz zu verstehen, daß es ohne Entelechie keinen Spengler gibt.

Auch wenn er auf Augustinus zu sprechen kommt, fangen die Balken an sich zu biegen. Der habe ein dualistisches Weltbild gehabt, welches, wie er vorher schreibt, in sich ruhe. Nun ja, Augustinus konnte schlecht auf ein Mittelalter bezugnehmen, also tat er es auch nicht, aber es ist Augustinus, welcher die Vorstellung eines linearen geschichtlichen Forschritts im Gegensatz zu einem zyklischen entwickelt hat, und zwar ausgehend von der Unendlichkeit Gottes.

Keine antike Seele also. Und die Inspiration Karls des Großen. Das ist natürlich auch gänzlich wider Spenglers Vorstellung von der Landschaft, welche sich ein Volk züchtet und so weiter. Dabei stimmt es natürlich, daß Landschaften sich Völker züchten, aber die Geschichte ist mehr als das, und es ist auch nicht so, daß es jenseits des mathematischen Denkens irgendwo eine Sphäre gäbe, wo alles ein eigenes Sein besäße, welches es nur für sich hat und welches sich mit dem Sein von anderen nicht überschnitte. Vielmehr ist es so, daß sich unterschiedliche subjektive Welten aus der unterschiedlichen Verbindung verschiedener subjektiver Elemente ergeben, welche sich die Menschen, weitestgehend wenigstens, um nicht zu viel zu sagen, teilen.

Spenglers methodischer Anspruch ist eine Peinlichkeit, nichts anderes als das Eingeständnis, nicht über den zweiten geistigen Horizont hinausgekommen zu sein, Stimmungen kennt er, Begriffe nicht.

Der letzte Punkt ist immer wieder verblüffend, denn auch jene, welche Begriffe nicht kennen, meinen ja, sie verstanden zu haben. Sie vermuten wohl denselben Mechanismus wie bei Namen, also Assoziation, hinter ihrer Existenz, wobei es sozusagen systematische Namen wären oder irgendetwas von der Art. Daß es sich um in der Reflexion erfaßte Beziehungen zwischen Verstandesobjekten handelt ist ihnen nicht klar. Wäre es Spengler klar gewesen, so hätte er von der ihr eigenen Sicht auf die Geschichte Abstand genommen, denn das ist kein Begriff, sondern nur ein Name für die Freiheit zu phantasieren, was Spengler auch reichlich tut, wie ich es im obigen exemplarisch beleuchtet habe, und übrigens auch den Unterschied zu meiner Methode, welche stets nach den Begriffen fragt, welche den gemachten Unterscheidungen zu Grunde liegen.

Das ist keine Definition der Vertreter einer Klasse, sondern lediglich die Auffindung ihres charakteristischen Merkmals, um das an dieser Stelle noch einmal für die weniger Verständigen gesagt zu haben.

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21. September 2012

Unterschiede zwischen meiner zyklischen Betrachtung der Welt und der Spenglers

Wer in Oswald Spenglers Untergang des Abendlandes nachlesen möchte, der kann es hier tun: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte Gestalt und Wirklichkeit.

Der fundamentale Unterschied in der Sinngebung unserer Existenz zwischen mir und Spengler besteht darin, daß Spengler die Welt als Ausdruck betrachtet und ich als Erlebnis, ich also mit anderen Worten den Willen mit der Wahrnehmung verschmelze, sie als untrennbare Teile eines Ganzen betrachte, welche sich gegenseitig begründen, ich will mein Sein, einschließlich meiner Wahrnehmung, und zugleich fließt aus meiner Wahrnehmung neuer Wille. Der Sinn der Existenz ist es, Bewußtsein zu ermöglichen, und der Sinn des Bewußtseins ist es, neuen Willen und damit neue Existenz zu ermöglichen. Wir leben in die Welt hinein und wieder heraus und dabei zugleich aus der Essenz heraus und wieder hinein.

Was an dieser Stelle vielleicht ganz interessant, aber deplatziert klingt, hat in Wahrheit die allergrößte Bedeutung für die Unterschiede zwischen Spenglers und meinen Zykelvorstellungen. Bei mir beginnt der Zykel mit der Konzeptualisierung, bei Spengler steht sie im Zenit. Weil ein neuer Gedanke gefaßt wurde, muß die Organisation der Masse sich ihm anpassen, weil die Masse sich neu organisiert, braucht sie neue Vertreter. Das sind die drei Ebenen der Existenz, wie ich sie betrachte, Prinzipien, Organisationen, Vertreter. Und was Spengler das Altern der Kulturen ist, das ist mir die Vervollkommnung einer Organisation gemäß eines Prinzips, oder, thermodynamisch betrachtet, nichts weiter als der Anstieg der Entropie in einem geschlossenen System (wobei das System, welches wir betrachten, nicht geschlossen ist und entsprechend etwas anderes mit der Entropie geschieht, was sich indes aus dem Anstieg der Entropie in einem geschlossenen System herleiten läßt.) Der Einbruch des Höheren, des Göttlichen, ist die Umkehrung der Zeit, wie Platon sie beschrieb, auf einmal sinkt die Entropie in einem geschlossenen System, was sonst zerfällt, weil die Gewalten der Natur an ihm nagen, fügt sich zusammen. Das ist die Kraft eines neuen Prinzips.

Transzendenz bedeutet Eintauchen in menschliche oder göttliche Zeit, in noch allgemeinerem Sinne, Bejahung von Prinzip, Organisation und Vertreter oder deren Verneinung, wobei der Körper der Verneinung nur der eigene sein kann, das Opfer, welches Gottes Gehörgang öffnet. Was einer aufgeben mag entscheidet darüber, was er abgeben kann, Regen, ferne Länder oder Sterne: So wie der Glaube die Menschen anzieht und verbindet, scheinbar Bergen gleich, welche das Treiben der Erde auftürmt, schleudert die Verzweiflung die innerste Glut in die Weiten des Alls, wo sie den Sternen am Firmament gleich die Geister der Menschen von ihren weltlichen Geschäften abzieht.

Spengler spricht also mit den verschiedenen Altern einer Kultur ein reales Phänomen an, und ich habe hiermit erklärt, warum das so ist, ja, wenn ich mir die Mühe machte, könnte ich wohl gar einen mathematischen Beweis ausgehend vom Sinken des Wertes des Integrals des inneren Produktes des Gradienten der Energie mit sich selbst über dem Raum im Lauf der Zeit geben oder wenigstens auf einen kanadischen Professor verweisen, welcher es bereits versucht hat. Doch wie bei aller Poesie ist die Hälfte falsch, nur die Hälfte, wenn es gute ist. Für Spengler heißt das, daß seine Abgrenzungen der einzelnen Kulturen, die Wesen, welche er ihnen zuschreibt, hochgradig willkürlich sind. Und an der Stelle wirkt es dann doch verblüffend, daß er, obwohl er ihre Wesen nicht wirklich versteht, dennoch ihre weitere Entwicklung vorhersagen kann. Es wirkt so, ein guter Zaubertrick, es ist es nicht. Ein Baum ist eine komplexe Organisation einzelner Fasern zur gemeinschaftlichen Ausbeute vorhandener Ressourcen und eine Kultur ist in etwa das selbe, mehr braucht man nicht zu wissen.

Freilich, er erkennt ganz richtig, daß diese Organisation wie die eines Baumes ein eigenes Wesen hat, auch wenn er es nicht fassen kann. Zu einem Punkt möchte ich mich aber doch äußern, nämlich deutscher Vertikalität gegenüber russischer Horizontalität, denn darauf läuft es ja hinaus. Nun, das ist nicht wirklich schwer zu entziffern, es geht um Hierarchie und Ansehen. Interessanterweise sind übrigens auch die englischen Kirchen horizontaler als die deutschen, die Idee der Anerkennung der Männlichkeit setzt eine gewisse Horizontalität voraus, man stünde sich sonst auf den  Füßen, wohingegen das Ideal der christlichen Vervollkommnung in die Höhe strebt. Letztlich sind das Akzentuierungen, es gibt ja auch das deutsche Sprichwort 'n groten Mors brugt 'ne wide Büx (Ein großer Arsch braucht eine weite Hose.) Das Organisationsprinzip, welchem meine Liebe gilt, habe ich indes unlängst als Bereitschaftsstrukturen besprochen.

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21. Oktober 2012

Zum Caesarismus bei Spengler

Bevor ich auf den Caesarismus bei ihm eingehe, möchte ich mich kurz mit Spenglers Bild von der Philosophie beschäftigen.

Nach ihm ist es die Aufgabe der Philosophie, die Menschen einer Zeit zu begeistern. Nun, wenn man es so ansieht, dann gibt es freilich keine überzeitliche Philosophie. Daß er dabei vieles verkennt, wie beispielsweise Platons Einfluß auf den Islam oder Augustinus' Einfluß auf das Mittelalter, das will ich hier gar nicht weiter behandeln. Auch nicht den Rang von Jesus Christus in einer solchen Betrachtungsweise. Aber Spenglers Inbrunst, mit welcher er die Mode vergöttert, nun, auf sie möchte ich noch einmal als Ausdruck des zweiten geistigen Horizonts, den des Gemüts, hingewiesen haben - und darauf, daß er explizit Stolz darauf ist, den Postmodernismus als europäische Variante des Skeptizismusses angeschoben zu haben.

Nur, es will mir scheinen, daß keinem Menschen mit einer Anleitung zum zeitgemäßen Sterben gedient ist.

Und dann gibt es da noch etwas, etwas von der allergrößten Wichtigkeit, nämlich daß der Caesarismus, so wie Spengler sich ihn vorstellt, heute gar nicht mehr vollzogen werden kann. Zu Recht erkennt er sein Wesen in der Ausdehnung. Aber die Welt ist kleiner geworden, wohin soll sich die europäische Kultur denn überhaupt noch ausdehnen?

Da hat Spengler nicht gerade weit in die Zukunft geschaut und nach seinen eigenen Maßstäben ist er damit ein weit unbedeutenderer Philosoph als Thedore John Kaczynski, welcher nicht nur eine Mode in die Welt gesetzt hat, wie Spengler ja immerhin auch, und darüberhinaus sowohl als Mathematiker als auch als Briefbombenversender ein Mann der Tat war, sondern welcher vor allem die Einzigartigkeit unserer Lage im industriellen Zeitalter erkannt hat.

Angenommen die Vereinigten Staaten würden einen Kontinent zwecks eigener Übernahme entvölkern, wie lange bräuchten sie, um ihn anschließend wieder zu bevölkern?

Mehr als 50 Jahre?

Ich glaube es nicht.

Wie kann es unter solchen Umständen einen durch Expansion gekennzeichneten Caesarismus geben?

Sauerstoff ist kein weiterer mehr da, das Feuer erstickt sich selbst.

Unsere Aufgabe in dieser Lage ist es, eine Luftblase in einem Glas Wasser mit uns zu nehmen und vor dem Feuer zu bewahren. Vielleicht nicht das beste Bild, aber gerade die Zwangsläufigkeit, mit welcher eine Zivilisation altert, zwingt uns dazu.

Wenn nur der Tod möglich scheint, muß man das unmögliche Scheinende versuchen. Es gibt auf diesem Planeten kein umfassenderes Gleichgewicht mehr, welches die Lage für uns bereinigen würde. Besser sich als Mensch Gott anzuvertrauen, denn als Marionette der Sachzwänge zu herrschen. Und selbstverständlich ist alles schon längst zum Sachzwang geworden. Nur wer sein Leben als Werkzeug verstehen und gebrauchen lernt, wird dem Tod entgehen können.

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2. Dezember 2007

Übersicht

In chronologischer Reihenfolge der besprochenen Personen und Werke.

Pythagoras (570 v. Chr. - 510 v. Chr.)
Parmenides: Über die Natur (~500 v. Chr.)
Sophokles: König Ödipus 2 (~425 v. Chr.)

Platon
Ignatius von Loyola: Geistliche Übungen (1523)
Goethes Märchen (1795) 

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Richard Wagner: Werk und Ort (1837-1859)
Albert Pike: Morals and Dogma of the ancient and accepted Scottish Rite of Freemasonry (1871)
 Richard Wagner: Siegfried (1876)
Richard Wagner: Parsifal (1882)
Hans Pfitzner: Die Rose vom Liebesgarten (1900)

Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili (1878-1953)
Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes (1918)
William Butler Yeats: The Second Coming (1919)
Sir Arthur Conan Doyle: The Land of Mist (1926)
Das blaue Licht (1932)
After the Thin Man (1936)
Werner Bergengruen: Der Tod von Reval (1939)

Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel (1943)
A.E. van Vogt: The Book of Ptath (1943)
Friedrich A. Hayek: Der Weg zur Knechtschaft (1944)
Der Verlorene (1951) 
Ulisse (1954)

John Ronald Reuel Tolkien: The Lord of the Rings (1954-1955)
Vertigo (1958) 
Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer / die wilde 13 (1960-1962)
Eins, Zwei, Drei (1961)
L'année dernière à Marienbad (1961)
Philip K. Dick: The Man in The High Castle (1962)
James Bond (1962- ) 
Marnie (1964)
The three Investigators (1964-1987)
Blow-Up (1966)
Au hasard Balthazar (1966)
Catweazle (1970-71)
Der Seewolf (1971)

Solaris (1972)
Manson (1973)
Der Spiegel (1975)
Picnic at Hanging Rock (1975) 
Cadaveri eccellenti (1976)

Philip Kindred Dick (1928-1982)
Doctor Snuggles (1979)
Stalker (1979) 
Timm Thaler (1979)

Robert Don Hughes: Pelmen the Powershaper (1979-1985)
Tanzbar (1979-2016)
Scarface (1983)
Dune (1984)
Magnum, P.I.: Fragments (1984)
Die unendliche Geschichte (1984)
Lifeforce (1985) 
Kin-Dza-Dza! (1986) 
The Mosquito Coast (1986) 
Offret (1986)
Raising Arizona (1987)
They Live (1988)
Prince of Darkness & In the Mouth of Madness (1987 / 1994)
In the Mouth of Madness (1994)
Star Trek: Generations (1994)
Theodore J. Kaczynski: Industrial Society and Its Future (1995)
Prinzessin Mononoke (1997)

Matrix (1999)
Film socialisme (2010)
Inception (2010)
Astérix & Obélix - Au Service de sa Majesté (2012)
Men in Black 3 (2012)
La grande bellezza (2013)
The LEGO Movie (2014) 
Wiebke Freese: Die Bergpredigt (2015)
Blade Runner 2049 (2017)
Ready Player One (2018)
The Mule (2018)

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3. April 2014

Gefühle

Ich bin mit meinen bisherigen Äußerungen zu diesem Thema nicht sonderlich zu Frieden. Es fehlt die Klarheit des übergeordneten Zugriffs.

Nun denn, Gefühle sind Betroffenheiten der unterschiedlichen Seelenteile.

Beginnen wir mit der Lust. Betroffenheiten der Lust sind Lust (Begehren, Aufbegehren), Leid (Schmerzen, Übelkeit, Gereiztheit, Schwindel, Desorientierung, Verwirrung), Erschöpfung (Hunger, Durst, Müdigkeit, Nervösität, Dumpfheit).

Betroffenheiten der Achtung sind Ahnung (Neugierde, Kühnheit), Mahnung (Ärger, Schrecken, Angst).

Betroffenheiten der Sorge sind Stimmung (Sorge, Zuversicht, Genuß; Schuld, Reue, Trauer; Ausgeliefertheit, Verzweiflung, Not), Regung (Interesse, Sehnsucht, Liebe; Wut, Zorn, Haß; Unterwerfung, Ehrfurcht, Demut; Langeweile, Überheblichkeit, Erhabenheit; Hilfsverpflichtung, Mitleid, Gunst; Schadenfreude, Neid, Mißgunst; Überraschung, Zweifel, Skepsis).

Ich kann einstweilen nicht versichern, daß diese Aufzählung vollständig ist.

Auch wenn es so aussieht, ein Widerspruch zum Zykel der Lust besteht nicht, und zwar deswegen nicht, weil die dort aufgeführten Gefühle diesen Zykel lediglich begleiten und keinesfalls zur Lust selbst gehören müssen.

Ein paar Worte zur Systematik, welche sich bereits in diese Aufzählung eingeschlichen hat.

Alle Seelenteile agieren oder reagieren auf äußere Einflüsse, wobei reagieren vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist, denn re-agieren im engeren Sinne ist gleichbedeutend mit aufbegehren, so daß sich vielleicht der Gegensatz zwischen aktiv und passiv eher anbietet, wenngleich er mir auch nicht ganz zutreffend scheint.

Wie auch immer, wir haben also
  • aktiv: Lust, Ahnung, Stimmung
  • passiv: Leid, Mahnung, Regung.
Ja, auch wenn es nicht so aussieht, die Sorge arbeitet in den Stimmungen aus sich selbst heraus, während ihre Regungen auf äußere Einflüsse zurückzuführen sind.

Und nein, die Regungen sind im Gegensatz zu Schuld, Reue, Trauer und Ausgeliefertheit, Verzweiflung, Not dem Aufbegehren nicht vergleichbar, da die Sorge in ihnen keinesfalls aktiv wird, sondern einzig die übrigen Seelenteile. Die Sorge hält nur gegen äußere Einflüsse an ihrem eigenen Zustand fest, wozu allerdings gehört, daß sie die anderen beiden Seelenteile sozusagen zu ihrer Verteidigung ins Feld führt.

Also, auch wenn es sich komisch anhört, wer Interesse oder Langeweile zeigt, der re-agiert nicht, sondern bestätigt lediglich sein Selbstbild, indem er tätig wird.

Der Grund dafür, daß man es so fassen muß, ist natürlich, daß die Sorge auf der Vernunft beruht und für die Vernunft alles ist, einschließlich des Werdens, was eben im Begriff des Potentials, als Letztseiendes des Noch-nicht-Seienden, gipfelt. Und so sehen wir uns eben auch selbst, als potentielle Täter, welche durch ihre Haltung beschrieben werden. Handeln tut die Sorge nur, wenn sich unsere Haltung ändert, eben nach Sorge, Schuld und Ausgeliefertheit.

Ähnliches gilt für die Mahnungen, insofern nämlich die dort erfolgende Handlung einem festen Handlungsmuster folgt und nicht erwogen wird, was das Geschäft der Achtung ist. In Neugierde und Kühnheit erwägen wir, in Ärger, Schrecken und Angst nicht.

Und, um dies noch zu bemerken, die Faszination, welche der Begriff werden auf einige ausgeübt hat (Spengler etwa), stammt von der Ahnung der Transzendenz her, ist also einer Form der Kühnheit geschuldet, was im Übrigen eine ganz typischer Fall in der Philosophie ist, nämlich daß der Philosoph von Ahnung zu Interesse übergeht und dabei den Boden unter den Füßen verliert, weil ihm die nötigen Begriffe fehlen, um seine Ahnung in Worte zu fassen.

Desweiteren gibt es im Falle der Lust noch eine Art von Gefühlen, welche ihren inneren Zustand widerspiegeln, nämlich die Erschöpfungsgefühle. Diese fehlen deshalb bei Achtung und Sorge, weil die Erschöpfung von Achtung und Sorge Leiden der Lust sind. Es ist nämlich so, daß die Hervorbringung von Anschauung, Orientierung und Verständnis Angelegenheiten der Lust sind, an welchen sie leidet, wenn sie ihr mißlingen, indem sie nämlich Schwindel, Desorientierung und Verwirrung empfindet. Und zugleich zeigen die letzteren beiden die Erschöpfung von Achtung und Sorge an. Der Unterschied zur Nervösität besteht darin, daß im Falle von Desorientierung und Verwirrung lediglich eine spezielle Anstrengung der Achtung oder Sorge erschöpft ist, während im Falle der Nervösität das Denken insgesamt schwerfällt.

Es ist etwas ärgerlich, daß Vernunft darin besteht zu verstehen und Verstand darin, orientiert zu sein, aber so ist es nunmal.

Lust ist also die einheitliche Grundlage unseres Bewußtseins, während Achtung und Sorge, oder auch Verstand und Vernunft, jeweils für einen Nu in sie hineingeboren werden, und zwar als spezielle Akte des Begehrens, dem Begehren nach Orientierung oder Verständnis, wenn man so will.

Und dazu auch noch ein paar Worte. Schopenhauer hätte wahrscheinlich gesagt, daß ein Elephant, welcher sich weigert, über eine Brücke zu gehen, welche ihn nicht tragen würde, Verständnis besitzt. Objektiv mag er das auch besitzen, aber subjektiv ist er lediglich orientiert. Sein Verstand sagt ihm: Da gehst du nicht rauf! Das ist genau das, was im Bewußtsein des Elephanten vorzufinden ist. Keinesfalls läßt sich dort: Solche Balken brechen immer unter meinem Gewicht. finden und schon gar nicht irgendwelche Begründungen, warum sie immer brechen.

Emotional wäre das übrigens eine Art Schrecken auf Seiten des Elephantens. Auch bei Pferden, also Springpferden, sieht man sowas immer wieder.

Gut, damit wäre zur zweiten Dreiteilung der Gefühle, nach der nach dem entsprechenden Seelenteil, alles gesagt. Aufgrund der angesprochenen Überschneidung haben wir bis hierher also 7 verschiedene Klassen. Die letzten beiden Klassen, also die beiden der Sorge, sind indes jeweils wieder dreigeteilt.

Woran liegt das?

Interesse, Sehnsucht, Liebe oder Hilfe, Mitleid, Gunst, was ist das Schema?

Tat, Vorsatz, Urteil, würde ich meinen. Die Sorge fühlt also jeweils dreifach, weil sie zunächst urteilt, dann auf eine Haltung drängt und schließlich handelt, was natürlich nichts weiter heißt, als daß sie zunächst in der Vernunft, dann im Verstand und schließlich in der Welt wirkt - übrigens auch dann, wenn man betet.

Trotzdem ist es oftmals so, daß man sich erst nach der Tat seiner Haltung und seines Urteils bewußt wird. Gerade im Kindesalter ergibt sich vieles auf selbstverständliche Weise, und bewußt machen wir es uns erst dann, wenn wir mit ihm in Schwierigkeiten geraten.

Wenn ich es recht bedenke, ist es immer so. Die Bewußtmachung des Urteils ist optional, eine Reparaturmaßnahme. Wenn alles scheitert, wird alles bewußt.

Damit sind wir insgesamt bei 11 Klassen. Zur weiteren Systematik.

Neugierde und Kühnheit unterscheiden sich dadurch, daß erstere die Wichtigkeit eines Verhältnisses ahnt und letztere das Verhältnis selbst. Der Verstand widmet sich also in beiden Fällen einem bestimmten Verhältnis, wobei er es einmal für zweckmäßiger hält, von einer bestimmten Beschaffenheit desselben auszugehen und das andere Mal nicht, das heißt, es findet eine Vorwegnahme des Ergebnisses der weiteren Ereignisse statt oder nicht.

Ärger, Schrecken und Angst sind Angriff, Verteidigung und Aufmerksamkeit, umkehren kann man es aber nicht, denn meistens entspringt der Angriff dem Aufbegehren gegen den eigenen Hunger. Ärger ist auch keineswegs bei den meisten Tieren zu finden, sondern nur bei den höher Entwickelten, etwa Affen, welche über ein durch Ärger realisiertes Gerechtigkeitsempfinden besitzen.

Der Unterschied zwischen Ärger und Wut besteht darin, daß nur bei letzterer ein Bewußtsein des moralischen Mißstandes vorliegt, gegen welche sich das Gefühl richtet.

Selten ist man auf seinen Ehepartner wütend, oftmals ärgert man sich über ihn - der Stoff der menschlichen Komödie.

Man könnte allerdings noch fragen, warum Angriff, Verteidigung und Aufmerksamkeit?

Nun, weil es die möglichen Reaktionen eines Tieres auf Störungen sind, wobei es wohl ersichtlich ist, warum der Angriff die heikelste Option ist, welche einen hochentwickelten Verstand voraussetzt, um nicht in Kamikazeattacken zu münden.

Wir können die Ahnung also als vollständig abgehandelt betrachten. Damit haben wir nun 14 Klassen.

Daß Lust in Begehren und Aufbegehren zerfällt ist in gewisser Weise zwangsläufig, da andernfalls keine Reaktion auf die eigenen Erfahrungen möglich wäre, etwa wenn ein Reh den Haupttrieb eines Baumes abbeißt und er dann mehrfach an der Stelle austreibt.

Leid wiederum ist eben eine solche Erfahrung, gegen welche die Lust aufbegehren muß. In sofern unser Bewußtsein Auffassung, Verstand und Vernunft umfäßt und diese jeweils erst durch Lust hervorgebracht werden müssen, ist es klar, daß sich diesen Leiden zugesellen, denn so ist die Lust eben, daß sie nicht einfach aufgibt, nur weil man beispielsweise zu viel Alkohol getrunken hat. Das erklärt wie schon gesagt Schwindel, Desorientierung und Verwirrung. Die übrigen drei sind Schmerzen, Übelkeit und Gereiztheit. Ich würde sagen, Übelkeit betrifft die Lust selbst, Schmerzen ihre Anstrengungen im einzelnen und Gereiztheit ihre Anstrengungen im ganzen. Aber das ist keine sonderlich gute Erklärung. Vielleicht muß man es aus der Sicht der Verdauung sehen, Übelkeit betrifft das Verdaute, Schmerzen Verdauungswerkzeuge und Gereiztheit die allgemeine Nahrungslage.

Ich will mal nicht so sein und mir diese Sicht genügen lassen.

Bleiben die Erschöpfungsgefühle. Neben der Verdauung (Hunger und Durst) noch die Müdigkeit, die Nervösität und die Dumpfheit, welche alle drei mit dem Bewußtsein zusammenhängen - nur wie?

Die einzige Erklärung, welche ich finden kann, und welche mich auch halbwegs überzeugt, wenn ich daran denke, wie man Kopfschmerzen vermeiden kann, wenn man zu früh aufwacht, besteht darin, Müdigkeit auf die Überanstrengung der Anschauung zurückzuführen, Nervösität auf die des Verstandes und Dumpfheit auf die der Vernunft.

Damit wären also auch die Lust betreffenden Gefühle vollständig klassifiziert, und wir haben somit 24 Klassen.

Es bleiben also nur noch die verschiedenen Stimmungen und Regungen. Um diese weiterzuklassifizieren ist es wahrscheinlich am zielführendsten nur auf die Urteile zu sehen, also auf Genuß, Trauer und Not, sowie auf Liebe, Haß, Demut, Erhabenheit, Gunst, Mißgunst und Skepsis.

Beginnen wir mit den Stimmungen. Genuß reflektiert die freiwillige Wirkung der Sorge, ich hätte dieses Gefühl auch Stolz nennen können, aber das ist im Regelfall zu pompös, Trauer und Not hingegen reflektieren unfreiwillige Änderungen der eigenen Haltung, und zwar im Falle der Trauer aufgrund eigen- und im Falle der Not aufgrund fremdverschuldeten Verlustes.

Und ja, ich würde sagen, daß wir nur dann trauern, wenn wir eine Schuld gegenüber dem nicht mehr Vorhandenen empfinden, welche über Reue schließlich zur Trauer führt. Allerdings mag dies oftmals mehr etwas psychisches als etwas physisches sein, die oft beklagte Gelegenheit, mit jemandem zu sprechen, welche man nun nicht mehr hat. Daran daß die Person gegangen ist, mag man unschuldig sein, aber nicht daran, daß diese Gelegenheit verstrichen ist.

Schuldig oder nicht, man hat jedenfalls etwas verloren, auf welchem die eigene Haltung aufbaute, und deshalb muß man sie ändern. Gelingt einem das, empfindet man Trost oder Dankbarkeit, wobei ich indes beide nicht als gesonderte Gefühle ansehe. Trost bedeutet nicht mehr als das Ausbleiben erwarteter Trauer und Dankbarkeit ist die Liebe zum Retter aus der Not, wobei dieser alles mögliche sein mag, ein eßbarer Pflanzenteil, ein Werkzeug, gar eine Routine, Gott, alles, wovon der Erfolg der geänderten Haltung abhängt.

Damit wären die Stimmungen behandelt, wir haben nun 30 Klassen, kommen wir zu den Regungen.

Die ersten sechs hängen miteinander zusammen als Gegenteile und Modifikationen für das Fremde oder Eigene, soll heißen, man liebt oder haßt sich nicht selbst, sondern hält sich für groß oder klein.

Und umgekehrt hält man das Fremde nicht für groß oder klein, sondern das Große liebt man oder zeigt ihm Mißgunst und das Kleine haßt man oder zeigt ihm Gunst.

Diese sechs können wir also als Bewertung des Vorhandenen zusammenfassen.

Aber das ist natürlich zu allgemein, denn auch Skepsis bewertet vorhandenes, nur anderes. Jene sechs haben Gegenstände bewertet, die Skepsis hingegen bewertet Aussagen, also das, wodurch die Vernunft jene verbindet.

Dazu ist folgendes zu sagen.
  1. Alles was die Vernunft kennt ist entweder Gegenstand oder Aussage, es sei denn, man faßte eine Aussage wiederum als Gegenstand auf, was auch vernünftig ist, wenn man das Wesen der Reflexion bedenkt, aber hier nicht weiter von Belang.
  2. Es wäre eigentlich zu erwarten, daß unsere Sorge ausschließlich Aussagen bewertet, insofern das genügen würde, um alles nur Denkbare zu bewerten. Wenn sie es nicht tut, so benimmt sie sich dadurch der Weise, auf welche sie sich auf einen Gegenstand beziehen soll, und damit muß die Weise, auf welche sie es dann doch tut, in ihr selbst liegen, das heißt eine wesentliche und primitive sein, und so gesehen muß es geradezu jene der Entscheidung für die Existenz oder Nicht-Existenz des Gegenstandes sein.
Mit anderen Worten sind wir durch. Es kommen noch einmal 18 Klassen hinzu und wir haben damit insgesamt 48. Gut, ich habe gerade eben implizit vorausgesetzt, daß die betroffenen Gegenstände körperlicher Natur sind. Aber welche anderen Gegenstände ließen einen wesentlichen und primitiven Zugang zu? Nur die situativen, und jene werden durch die Stimmungen behandelt. Das mag man nun keine abgeschlossene Beweisführung nennen, aber darum kann es hier sowieso nicht gehen. Es geht vielmehr um die Vermessung des inneren Landes, um es einmal so zu sagen.

Und ganz vollständig ist diese Aufzählung auch nicht, denn auch Sinneseindrücke können unsere Lust betreffen, etwa wenn uns eine Stimme oder Temperatur mehr gefällt als eine andere, wobei es bei der Stimme nicht so ganz klar ist, ob tatsächlich unsere Lust betroffen ist oder am Ende nicht sogar unsere Sorge.

Daran schließt sich die Frage nach allen möglichen ästhetischen Eindrücken an, ich würde aber behaupten, daß sich diese Eindrücke in den bereits erwähnten Gefühlen ausdrücken, also eine Stimme beispielsweise die Zuneigung zu einem Sprecher, welcher ähnlich sprach, wachruft.

Es bleiben also nur die sekundären Effekte unangenehmer Sinneseindrücke unberücksichtigt, welche unter die Leiden zu stellen sind, wenn man sie denn berücksichtigen will.

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21. Oktober 2012

Zur Problematik mythischen Grundbewußtseins in der heutigen Zeit

Dieser Punkt ist natürlich ein offensichtlicher, aber nichtsdestotrotz interessant. Spengler nimmt an, daß jede Kultur in einem mythischen Grundbewußtsein wurzelt, welches sich schrittweise in kulturellen Werken manifestiert, zunächst in Epen und dergleichen, später in philosophischen und mathematischen Begriffsgebäuden und auf ihnen aufbauenden Techniken.

Interessant deswegen, weil ich ohne weiteres sagen kann, was mein mythisches Grundbewußtsein ist, nämlich mein Leben als Instrument zu betrachten, einerseits als Werkzeug zur Gestaltung der Welt und andererseits als Waage zur Ermessung der Art dieses Gestaltens. Und ganz natürlich ergibt sich daraus der Wunsch nach Bereitschaftsstrukturen, denn einerseits ist ein Werkzeug dazu da, anderen zu dienen, und andererseits kann eine Waage nur wiegen, was auf ihr liegt. Auch eine eigene Mathematik habe ich ja bereits angegeben, im Beitrag Die Vergegenständlichung der Verständnisse, in welcher die grundlegenden Elemente eben verstandesmäßige Erfassungen sind, was natürlich gerade bedeutet, den Verstand als Werkzeug des Denkens zur Grundlage der Mathematik zu machen.

Ganz abwegig ist die Vorstellung also nicht, daß Kultur aus einem mythischen Grundbewußtsein erwächst, wobei ich zuletzt ja auch noch eine ganze Reihe epischer Helden dieses Grundbewußtseins vorgestellt habe, nämlich William Trubridge, Wim Hof, Prahlad Jani und Oleg Vorslav.

Aber an der Stelle wird es jetzt doch etwas problematisch. Ich zweifle nicht daran, daß ich nicht der einzige bin, der dieses Grundbewußtsein besitzt, aber soll ich glauben, daß eine durch Schule, Fernsehen und Internet unterrichtete Menschheit jemals wieder auf den Stand dumpfen Träumens hinabsinken wird?

Oder daß die Menschen meines Grundbewußtseins durch irgendeinen komischen Zufall alle irgendwo zusammenkommen und ein Volk bilden werden?

Das sind doch absurde Annahmen. Die einzige Weise, auf welche Menschen meines Grundbewußtseins zusammenkommen werden, ist durch Versammlung um kulturelle Manifestationen dieses Grundbewußtseins, also etwa als Apnoetaucher, Tummomeditatoren, Free Runner oder auch als meine Leserschaft.

Und nicht als unbeschriebene Blätter begännen sie ihren Zusammenschluß, sondern allenfalls neugierig darauf, was sich durch die Verfolgung ihres Grundbewußtseins alles erreichen ließe.

Wenn ich das so festhalte, stellt sich mir auch gleich die Frage, ob es jemals anders gewesen sein kann. Nun, vielleicht jemals, aber in den letzten 10 000 Jahren?

Ich neige zum Nein.

Ob es in der Anfangsphase einer solchen Sammlung ein besonders ausgeprägtes Interesse an Epen gibt?

Das muß man wohl bejahen, der Mensch wird ja dumm geboren und freut sich über alles, was seine Gedanken in Bewegung bringt. Wagner, Tarkowski, Phillip K. Dick, ja auch Frank Herbert und David Lynch kann ich allesamt empfehlen. Nicht ohne Grund spielt die Matrix Trilogie bei vielen solcher Art Interessierten eine große Rolle, aber deren spirituelle Kernaussage, daß man einen neuen Flicken auf ein altes Kleid nähen kann, ist falsch, und niemand sollte sich darüber täuschen: einen Neuanfang in warmer Umarmung des Alten kann es nicht geben, wiewohl der Abschied sich, wie oben beschrieben, nur fließend vollziehen kann.

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12. Oktober 2015

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Legende: ( ) peripher, * zentral, ~ zweifelhaft.

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