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4. Juli 2017

Marnie (1964)

Wir sehen zwei Frauen, in denen ohne Zweifel Gutes ist, schlechte Dinge tun. Und was ist die Erklärung?

Die eine denkt, Gott hätte ihr etwas befohlen, und die andere sucht nach einem Ersatz für Liebe.

Nein, also wirklich, so nicht.

Vergessen wir mal, was uns da aufgebunden wird. Wonach sah es denn den Film zuvor aus?

Doch wohl danach, daß es Frauen generell schwerfällt, sich in der Täterrolle zu sehen.

Eher vergessen Frauen Fakten oder erfinden welche, bevor sie für irgendwas die Verantwortung übernehmen.

Also hilft es nicht mit Frauen über die Dinge, welche sie falsch machen, zu sprechen, vielmehr müssen sie schlicht dazu gebracht werden, sich von einem Mann beherrschen zu lassen, das heißt genauer gesagt dazu, ihm nicht länger zu mißtrauen, so wie es beispielsweise auch bei Pferden festgesetzt ist.

Andererseits, wenn eine Frau wie Marnie begonnen hat, in ihrer Opferrolle die Welt moralisch auf den Kopf zu stellen, und selbst auf Raubzüge geht, um die Beute an den einzigen sicheren Platz, den sie kennt, also zu ihrer Mutter zu schaffen, ist es mit bloß individuellem Mißtrauensabbau wahrscheinlich nicht mehr getan, und man als Mann also aufgefordert, es doch irgendwie in diesen Schädel zu kriegen, daß das Mißtrauen der Welt gegenüber nicht in derselben begründet liegt.

Na dann, Prost!

Es schließen sich natürlich Fragen an wie die, was einen Mann wohl daran reizen könnte.

Ja, was?

Spannende Unterhaltung?

Am ehesten wohl eine Aversion gegen Verschwendung.

Doch macht der Film da wirklich Mut? Ist das ein Happy End oder ein böser Witz? Die Mutter wollte immer nur das Beste und hat nie bemerkt, daß es Marnie schlecht geht?

Ja... etwas... also sehr... unplausibel.

Die roten Blumen waren bestimmt auch der erste Fall, in dem Marnie etwas Rotes fortgeschafft haben wollte...

Und dann Connery's Schlußworte: Das werden die Leute schon verstehen, daß jemand der überhaupt keine Liebe gekriegt hat, irgendetwas anderes haben wollte.

Ja... gutes Pferd... vertrau einfach darauf, daß der Reiter schon weiß, wo er hin will. Der Doktor schreibt da irgendetwas auf, aber du bleibst bei mir.

Und in echt? Schreibt er auch etwas?

Verschreibt er auch etwas...

Wahrscheinlich.

Hitchcock hatte wahrscheinlich vor, Vertigo noch einmal aufzuwärmen, aber Vertigo ist in jeder Hinsicht besser, sowohl was männliche Machtphantasien, als auch was Liebeswirren angeht.

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