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31. März 2012

Vom Kriterium der Freiheit der Bürger eines Staates

Wenn man sich die Frage stellt, wie frei die Bürger eines Staates wohl sind, sollte man sich der Propaganda zuwenden, welcher sie ausgesetzt sind.

Wenn wir etwas tun, so entweder, um dadurch etwas konkretes zu erreichen oder um etwas konkretes zu vermeiden.

Dementsprechend gibt es auch zwei Arten von Propaganda, nämlich einmal die anspornende Propaganda, welche unsere Begeisterung entfacht oder auch unser Pflichtgefühl stärkt, um eine gute Sache auf den Weg zu bringen und zum anderen die angstschürende Propaganda, welche uns gegen diese oder jene vermeintliche Gefahr in Position bringt.

Bürger, welche der anspornenden Propaganda ausgesetzt sind, sind frei und solche, welche der angstschürenden Propaganda ausgesetzt sind, Sklaven.

Freilich ist es möglich, Angst auch auf andere Weise zu schüren, in welchem Falle die betreffenden Bürger selbstverständlich nicht frei sind, aber da das Schüren der Angst der Menschen in jeder Form das Mittel der Sklaverei ist, ist das Fehlen von angstschürender Propaganda jedenfalls notwendige Voraussetzung der Freiheit.

Das Schöne ist, daß die meisten Menschen das auch wissen und sich nicht von der propagandistischen Umdeutung des Freiheitsbegriffes irreleiten lassen, aus welchem Grund die Propaganda aber leider auch immer von der Geheimpolizei des Feindes reden wird, um wenigstens zu verhindern, daß man seine Bürger auch noch für frei hält.

Nun, diese Unterstellung ließe sich aber meines Erachtens durchaus wirksam bekämpfen, wenn die eigenen Bürger frei sind. Es genügt doch, die eigene Meinungsfreiheit glaubwürdig zu kommunizieren, in welchem Falle niemand annehmen könnte, daß unlautere Machenschaften ohne öffentlichen Widerhall blieben. Solange die versklavten Bürger des Feindes also nur die eigenen Beschwerden hören, werden sie, sofern die eigene Propaganda nicht angstschürend ist, mehrheitlich annehmen, daß die eigenen Bürger frei sind.

Und wenn das erreicht ist, wird es dem Feind auch schwerer fallen, Ängste gegen einen selbst zu schüren, wobei der Feind letztlich keine bestimmte Partei, sondern eine bestimmte Kultur ist.

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Von der Erkenntnis des Wachens und der transzendenten Akte

Ich möchte den gestrigen Gedankenstrang noch etwas weiter verfolgen.

Wenn uns bezüglich des Handelns nur das bewußt ist, wovon ich im vorigen Beitrag schrieb, woher wissen wir dann, daß wir wachen und nicht träumen?

Die Antwort ist die folgende. Wenn wir träumen, fassen wir nicht auf. Sobald wir im Traum danach fragen, was irgendetwas ist, oder auch nur bestimmt einen Gegenstand als Dieses auffassen, fällt der Traum von uns ab.

Zum zweiten sollte ich das Auftreten der transzendenten Akte in unserem Bewußtsein, und damit die Möglichkeit ihrer Erfassung, genauer beschreiben, als ich es bisher getan habe, wiewohl ich durchaus schon von diesem Thema schrieb, nur halt nicht gestern.

Bei allen transzendenten Akten läßt sich etwas vorstellen, und auch wenn diese Vorstellungen nicht direkt sinnliche Vorstellungen sind, sind es doch Vorstellungen, welche sich als ein Dieses auffassen lassen. Was wir uns aber bei ihnen vorstellen sind Erfolg, Zusammenspiel, Gedeihen, Glück und Abkopplung.

Und wie bei den Bewegungen kommt es bei den transzendenten Akten auch dazu, daß diese Vorstellungen zusammen mit ihrer Auffassung durch den Vollzug der Akte verdrängt werden. Wenn ich dieses Merkmal an ihnen hervorheben möchte, werde ich sie als Scheinbewegungen bezeichnen.

Erfolg, Zusammenspiel, Gedeihen, Glück und Abkopplung sind aber Eindrücke, sonst ließen sie sich nicht vorstellen, denn Begriffe lassen sich zwar reflektieren, wenn sie Teil einer Auffassung sind, aber nicht losgelöst von dem, worauf sie sich beziehen, ins Bewußtsein bringen.

Nur sind es keine sinnlichen Eindrücke, sondern Eindrücke unseres Willens. Wir fühlen uns erfolgreich, wer würde es leugnen? Und wir fühlen auch, wenn wir mit einer anderen Person wirklich zusammenspielen. Und ebenso fühlen wir auch, wenn einem anderen etwas gelingt, wir sehen es ihm sozusagen an, oder im Falle einer Pflanze, daß sie gedeiht. Es ist mehr als nur die Entsprechung der Beschreibung, welche wir von einer gesunden Pflanze haben. Es ist die instinktive Freude an ihrer Gesundheit. Mit dem Glück verhält es sich ebenso, es eine instinktive Erfassung dessen, daß sich die Dinge allgemein zum Besten entwickeln. Dahingegen ist der Eindruck der Anbindung an diese Welt, und damit auch der Eindruck der Abkopplung von ihr, ein sehr deutlicher, klar umrissener.

Letzteres ist übrigens notwendige Voraussetzung der Verneinung. Die Dinge lassen sich nicht objektiv verneinen, was wir verneinen ist unsere Anbindung an sie. Daraus folgt dann eben entweder der eigene Tod oder der Tod der Dinge.

Also auch wenn transzendente Akte als transzendente Akte nicht körperlich auf die Welt wirken, lassen sie sich doch indirekt dadurch erfassen, daß sich die Auffassung einer Vorstellung im Rahmen einer Scheinbewegung auflöst. Im Falle der beiden erstgenannten transzendenten Akte stellt sich der vorgestellte Willenseindruck auch unmittelbar ein, was bei den übrigen drei Akten allerdings nicht gilt, da ihre Wirkung nicht auf die unmittelbare raumzeitliche Umgebung zielt. Wie gesagt, sie zielt auf die Zurücksetzung des entsprechenden Zykels, aber diese Zurücksetzung braucht sowohl Raum als auch Zeit, um sich zu vollziehen, wie es dem Wesen der Manifestationen gemäß ist.

Indes mag es so sein, daß zur Zeit des Aktes bereits irgendwo im Raum ein klar erkennbarer Beginn der Zurücksetzung auftritt. Andererseits ist die Dormanz in der Natur derart weit verbreitet, daß man einen zeitgleichen Beginn nicht allgemein annehmen sollte.

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30. März 2012

Vom Auftreten der Handlungen in unserem Bewußtsein

Ohne meine bisherigen Beiträge zu diesem Thema rekapituliert zu haben, möchte ich den folgenden Gedanken verfolgen.

Wenn wir handeln, so geschieht das entweder beiläufig, nämlich dann, wenn unsere Aufmerksamkeit sie nicht umfaßt, in welchem Falle unsere Wahrnehmung ungebrochen bleibt, oder unsere Reflexion der Handlung wird gebrochen.

Was enthält diese Reflexion?

Die Vorstellung des sinnlichen Eindrucks der Handlung, sofern es einen solchen gibt.

Es ist doch so. Wenn ich meinen Ringfinger beugen will, so konzentriere ich mich zunächst auf die Sinneseindrücke, welche ich durch ihn habe und stelle mir dann den Eindruck vor, welchen die Beugung durch ihn machte. Und diese Vorstellung ist meine Reflexion der Handlung, wobei es tatsächlich eine Reflexion ist, und keine bloße Anschauung, da die Vorstellung als Dieses aufgefaßt wird.

Wir können dabei natürlich auch die Beugung des Ringfingers als Dieses und die Beugung des Zeigefingers als Jenes auffassen und dann nur den Ringfinger beugen, in welchem Fall die Vorstellung der Beugung des Zeigefingers erhalten bleibt, während die Vorstellung der Beugung des Ringfingers durch den Eindruck seiner tatsächlichen Beugung verdrängt wird, wobei letzterer eine reine Anschauung ist, also nicht als ein Dieses aufgefaßt wird, jedenfalls nicht ursprünglich.

Daher ist es so, daß das Ergeifen einer vorgestellten Handlung stets zu einem Kollaps einer Reflexion führt. Und dieses hinterläßt ein eigentümliches Gefühl, eine Art Vergessen, den unerwarteten Verlust einer Auffassung.

Aber betrachten wir die anderen beiden Handlungen, welche in diesem Beispiel auftreten. Da wäre zunächst die Konzentration auf die Eindrücke durch einen Finger. Diese mündet in der Auffassung der jeweiligen Eindrücke als Dieses, und diese Reflexion bleibt bis auf weiteres bestehen. Allerdings gibt es dieses Mal keine Möglichkeit, sich diese Handlung vorzustellen, und man weiß auch nicht, ob sie gelingen wird, ja noch nicht einmal, ob es überhaupt so eine Handlung gibt, bevor sie nicht gelungen ist. Alles, was sich im Vorfeld der Handlung denken läßt, ist, daß es da irgendwo einen Kanal gibt, durch welchen man Eindrücke empfangen kann, aber das könnte auch ein Irrtum sein.

Und als nächstes kommt es zur Vorstellung eines bestimmten Eindrucks durch diesen Finger. Worin diese mündet, habe ich ja schon beschrieben, wobei ich an dieser Stelle noch hinzufügen sollte, daß es zu einer Konkurrenz zwischen den Eindrücken des Fingers und der Vorstellung seiner Beugung kommt derart, daß als Dieses mal die Eindrücke und mal die Vorstellung aufgefaßt wird, wenn man die Reflexion über längere Zeit aufrecht erhält. Dieser Effekt spielt übrigens eine entscheidende Rolle bei der Meditation auf den eigenen Körper und insbesondere die eigene Wirbelsäule. Er ist auch in der Sauna zu beobachten, wo das Wasserwerfen nicht selten zum Meditationswettkampf gerät. Andere setzen sich für eine Stunde in eine Wanne voll Eis. Nun denn, auch von der Vorstellung gibt es, natürlich, möchte ich sagen, keine Vorstellung. Sie ist dann einfach da, ohne daß wir auch nur eine Anspannung zu ihr wahrnehmen würden, wie auch bei der Konzentration nicht.

Daß uns unser Handeln somit manchmal als etwas bedeutungsschweres erscheint, muß man also als eine Art Unfall betrachten, welcher dadurch entsteht, daß wir bei der Umsetzung einer Vorstellung in eine Bewegung eine Auffassung als Dieses verlieren.

Zur Frage nach dem Ursprung der Erkenntnis, daß wir handeln. Wenn mich mein Knie juckt, und ich mich gedankenlos kratze, habe ich kein direktes Bewußtsein der aufgetretenen Handlung, sondern nehme lediglich aus Gewohnheit an, daß ich gerade gehandelt habe.

Es gibt also keinen Eindruck des Handels, wohl aber, wie gesehen, einen Eindruck des Vergessens. Was bleibt ist die Absicht, der Begriff von der Handlung, welcher ihr vorangeht und sie als seine Entsprechung identifizierbar macht. Wann immer ich eine Handlung als solche erkenne, muß ich eine Absicht gehabt haben, wie schwach auch immer sie in meinem Bewußtsein lag.

Unser Bewußtsein schreitet damit schlicht von einer Wahrnehmung zur nächsten, ohne daß unsere Handlungen bemerkbare Unterbrechungen wären. Eine Wahrnehmung ist dabei die Zeitspanne, in welcher sich unsere Auffassung nicht ändert, enthält also für gewöhnlich bewegte Anschauungen. Natürlich ändert sich aber unsere Auffassung mit jeder ausgeführten Absicht.

Es ist ein kleines Wunder, daß wir fähig sind, Absichten zu transzendenten Akten zu bilden, aber damit verhält sich wie mit allen anderen Akten auch, etwas passiert, und wir erfassen spontan seinen Begriff und können es dadurch wiederholen, wobei nur die Bewegungen noch zusätzlich sinnlich erfaßt werden.

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29. März 2012

Existenzebenen und geistige Horizonte

Es gilt die folgende Äquivalenz.

Geistige Beschränkung auf Manifestationen entspricht dem sinnlichen geistigen Horizont.

Geistige Beschränkung auf Funktionen entspricht dem geistigen Horizont des Gemüts oder der Vernunft.

Geistige Beschränkung auf Willen entspricht dem geistigen Horizont des Vertrauens.

Der Geist lebt in jedem Ding auf die ihm entsprechende Weise.

Der Geist lebt in jedem Menschen auf die ihm entsprechende Weise.

Und wie immer der Geist in einem Ding lebt, so bewegt er sich auch in ihm. Sinnliche Menschen durchschreiten den Zykel der Ordnung und Mischung, herzliche und verständige Menschen durchschreiten den Zykel der Achtsamkeit und Willkür und friedliche Menschen durchschreiten den Zykel der Verbindung und Auflösung.

Und nur wer sich in einem Zykel bewegt, ermißt ihn auch, erwägt die Notwendigkeit seiner Zurücksetzung.

Das Schicksal der Sinnlichen ist die Entsprechung, das Schicksal der Herzlichen und Verständigen die Teilhabe und das Schicksal der Friedlichen das Vorbild, das, wozu alles in ihrem Leben zusammenschmilzt.

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Von einer fundamentalen Zweiteilung der Philosophie

Ich selbst verfolge hier keineswegs stets dasselbe Ziel.

Es gibt im wesentlichen zwei Ziele, einmal die Antwort darauf, wie sich eine Sache darstellt, wie sie vorgefunden wird, was sie unmittelbar ist, und zum anderen die Antwort darauf, was sie einem ist.

Letzteren Zweig der Philosophie habe ich als Dialektik, der Suche nach den Ideen, aus welchen sich eine Sache ergibt, identifiziert. Den ersten Zweig habe ich hingegen noch nicht benannt.

Es wäre natürlich ein schlechter Witz ihn als deutschen Idealismus zu bezeichnen, auch wenn letzterer sein prominentester moderner Vertreter ist, denn eine größere begriffliche Verwirrung ließe sich kaum stiften.

Ich bezeichne ihn also besser als Bewußtseinsphilosophie, wohingegen Dialektik dann die Philosophie des Willens ist.

Die klassische Unterteilung der Philosophie in Logik, Ethik und Physik ist sich der Bewußtseinsphilosophie als ihres gemeinsamen Grundes nicht bewußt, geht also von einer Philosophie der Erscheinungen aus, deren homogenes Prinzip, nämlich daß sie einem bewußt werden, sie nicht kennt.

Indes läßt sich Vollständigkeit in die Erscheinungen der Logik, Ethik und Physik hineintragen, wenn man definiert, daß die Logik von den inneren Erscheinungen handele, die Physik von den äußeren Erscheinungen und die Ethik von jenen Erscheinungen, welche das Innere und das Äußere verbinden.

Wenn man es so definiert, dann gehört die Philosophie des Willens, wie sie die Dialektik betreibt, zur Logik. Natürlich ließe sich der Begriff Willensphilosophie auch anders verstehen, so daß die Ethik unter ihn fiele, und es wird also besser sein, in der Folge stets von Dialektik zu sprechen. Unter die Dialektik fällt aber auch umgekehrt die ganze so definierte Logik, denn alle inneren Erscheinungen sind Ausdruck des menschlichen Willens.

Freilich ist diese Gleichsetzung etwas müßig, da Logik gemeinhin nicht so definiert wird. Und die Unterscheidung zwischen äußeren und inneren Erscheinungen ist auch nicht so ganz ohne, denn was sie letztlich unterscheidet, ist lediglich die Art und Weise von ihnen zu denken, eine Blume, beispielsweise, kann sowohl äußere als auch innere Erscheinung sein, je nachdem, ob sie als Körper oder als Sinneseindruck gedacht wird.

Bei der Ethik schließlich wird es gänzlich willkürlich und der einzige Grund, warum sie sich überhaupt auf diese Weise definieren läßt, ist, daß Logik und Physik schon anders definiert wurden.

Mit anderen Worten sehe ich keinen rechten Sinn darin, auf der klassischen Unterscheidung der Philosophie aufzubauen. Aber das ist auch nicht nötig, wenn man die Bewußtseinsphilosophie zur Verfügung hat, denn die Struktur des Bewußtseins gibt die weitere Unterteilung der Philosophie vor, sofern diese sich auf die Beziehungen zwischen den Erscheinungen beschränkt, wie sie sich aus unseren Erfahrungen erschließen lassen.

Letzteres läßt sich von der Dialektik so nicht ganz sagen, aber auch nur von ihr nicht, da sie notgedrungen mit einem etwas vagen Gefühl des so-sein-Müssens operiert, welches sich daraus ergibt, daß Wille will.

Beispielsweise, wenn ich sage, daß wenn etwas etwas nicht nicht ist, dieses etwas dann also etwas ist, so begnüge ich mich nicht damit zu behaupten, daß es mir stets so erscheinen wird, sondern ich behaupte, daß ich es selber bin, welcher will, daß es mir so erscheint.

Und so verhält es sich auch sonst, etwa wenn ich sage, daß das Gemüt jener Teil unseres Willens ist, welcher eine Beziehung zwischen unserer Haltung und unserer Stimmung herstellt. Wir wollen, daß es diese Beziehung gibt, und also gibt es sie. Oder auch wenn ich sage, daß ich ein Suchender bin. Ich bin es, weil ich es will. Oder wenn ich sage, daß unser Verstand eine intelligente Assoziationsmaschine ist, wiederum ist er es, weil wir es wollen. Und auch bei den transzendenten Akten ist alles Wille, da es zu ihnen nicht kommen könnte, wenn nicht alle Beteiligten es wollten, wiewohl sie oftmals nicht wissen, daß sie es wollen.

Dabei wird die Dialektik, und insbesondere die Untersuchung unseres Handelns, von dem Problem erschwert, daß man dem eher unbestimmten Gefühl etwas zu wollen Auswirkungen zuschreiben muß und dabei keine Vorstellung davon hat, wie es sich auswirken sollte, im Gegensatz zur Physik, wo durch den Ort, an welchem etwas geschieht, bereits sehr viel über seine möglichen Ursachen ausgesagt ist.

Freilich, letztlich wollen wir auch da, daß es so ist, in dem Sinne, daß wir uns den Raum so denken wollen, wie wir ihn denken, weil wir dadurch Ursachen von Geschehnissen eingrenzen können, aber das würde man ja normalerweise nicht so auffassen, sondern nur, wenn man eine dialektische Aussage über den Raum als innere Erscheinung macht, wobei uns der Raum für gewöhnlich natürlich nicht erscheint, er kann es aber, und zwar als gerichtete Entfernung, also als räumliche Lage. Von dort darauf zu kommen, daß hinter dem Eindruck einer gerichteten Entfernung der Wille steht, die Ursachen von Geschehnissen einzugrenzen, mag auch exemplarisch zeigen, wie eigentümlich das gesamte Geschäft der Dialektik ist.

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Verschiedene Bemerkungen zu den vorangegangenen Beiträgen

Zunächst möchte einige Begriffe in Bezug auf die drei Existenzebenen definieren.

Wie gesagt existieren Manifestationen noch auf zwei andere Weisen, nämlich als Funktionen und Willen. Und also können wir zu ihnen noch stets jene mitdenken oder anders ausgedrückt, sie als jene ansehen.

In sofern wir Manifestationen als Willen oder Ideen ansehen, sind sie uns Vorbilder oder Widersacher, je nachdem, ob wir sie mit unserem Willen verbinden wollen oder es vorzögen, die sie konstituierenden Verbindungen aufzulösen.

In sofern wir Manifestationen als Funktionen ansehen, sind sie uns Einwohner oder Teilhaber, je nachdem, ob sie unabhängig von uns agieren oder wir mit ihnen einen eingespielten Verband bilden.

In sofern wir Manifestationen als solche ansehen, sind sie uns Gegenstände oder Entsprechungen, je nachdem, ob wir sie als noch zu ordnen betrachten oder als schon geordnet.

Vorbilder, Einwohner und Gegenstände sind die Urzustände und Widersacher, Teilhaber und Entsprechungen die Endzustände.

Vor diesem Hintergrund ist der Streit um die ewige Wiederkehr zu verstehen, also der Streit zwischen dem augustinischen Christentum und der antiken Philosophie. Während letztere aus der Leblosigkeit der Endzustände die Notwendigkeit zur Zurücksetzung des jeweiligen Zykels ableitet, behauptet Augustinus die Möglichkeit stetigen Fortschritts, also, in Anbetracht meiner Betrachtungen zu diesem Thema, die Zurücksetzung eines Zykels im Rahmen des Fortschritts des ihm übergeordneten Zykels.

Nur was passiert in dem Falle, daß es keine Vorbilder mehr gibt, sondern nur noch Widersacher?

Die Bibel selbst spricht in dem Fall vom Zusammenbruch, also von der Zurücksetzung des intentionalen Zykels, wie ich es im letzten Beitrag geschildert habe. Zugleich wird dabei ein vager Fortschritt versprochen, aber die Ebene, auf welcher dieser liegt, ist uns nicht recht bewußt, Potenz sagt ja nicht gerade viel aus.

Interessant in gewisser Weise, daß Jesus Christus in dieser Betrachtung mit der Neubegründung eines intentionalen Zykels identifiziert wird, man könnte auch sagen, mit dem Willen verbindenden Prinzip. Mir will es nicht recht scheinen, daß dies wirklich der charakteristische Zug des Christentums ist, also daß es die Willensverbindung mehr als jede andere Religion zu seinem Gesetz erhebt, aber unbestritten ist sie ein wichtiges Gesetz des Christentums, also konkret zu versuchen, das Vorbildliche am Gegenüber zu erkennen.

Mir wird dabei zugegebenermaßen etwas mulmig, denn natürlich fällt man umso tiefer, desto höher man steigt. Es will mir gar scheinen, daß es der blanke Wahnsinn ist, so hoch wie möglich hinaus zu wollen. Freilich, letztlich ist der Fall nur psychologisch, denn was ist Todesangst sonst? Aber - man muß doch aber sagen - wozu die verdammte Unbedingtheit? Wären eine Reihe kleinerer Stürze nicht besser?

Nun kann ich das der Bibel natürlich nicht direkt unterstellen, Paulus geht es nur um die Herrschaft der Kirche, nicht um die unbedingte Herrschaft des Willen verbindenden Prinzips, doch zu letzterer ist es gekommen, noch über die Lebzeiten der Kirche hinaus und dieses Prinzip ist es, welches den Rücksetzungsdruck stetig ansteigen läßt, mehr als es jede planmäßige Sabotage der Kirche jemals vermöchte, wobei ich sicher bin, daß es derartige Sabotagen von Seiten der Kirche gegeben hat und sie auch folgenreich sind.

Nun, sie sind natürlich auch geboten, aber das heißt natürlich, daß Johannes vorhergesehen hat, daß nach dem Sturz der Kirche das Willen verbindende Prinzip wirksam bleiben würde und es durch die Verkürzung der Tage untergraben werden muß, damit der Fall nicht zu tief würde.

Schon lustig, wie biblisch Ted Kaczynski ist. Aber all diese Sabotagen sind harmlos, verglichen mit dem gottbestimmten Fall.

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27. März 2012

Religion als rechtsstiftende Organisation

Ich behaupte, daß nur Religionen einen rechtlichen Rahmen stiften können.

Es gibt zwei Wege das einzusehen, einer naiv und der andere technizistisch.

Der naive Weg fragt nach dem Ursprung des Rechts und stößt dabei auf das Gerechtigkeitsempfinden. Der andere fragt nach der Funktion des Rechts und stößt dabei auf den gesellschaftlichen Frieden.

In beiden Fällen ergibt sich dann das Problem, daß es keine Autorität gibt, welche Gesetze aufstellen kann, welche diesen Anforderungen kraft ihrer entsprechen werden.

Oder anders ausgedrückt, es gibt keinen Mechanismus, welcher Gesetzen folgend taugliches Recht aufzustellen vermag, langfristig gesehen auch nicht die Volksbefragung, wenn nicht im Volk eine Religion wirkt.

Der Grund hierfür besteht in der Wirkmacht sich einmal etabliert habender ungerechter Gesetze.

Durch das Gesetz wird ein Gerechtigkeitsbegriff materialisiert, welcher die ihm unterworfenen Menschen formt. Beginnt diese Formung die Menschen zu verunstalten, so muß der Rechtsbruch erfolgen, um sie zu retten.

Aber nur eine Religion kann gleichzeitig das Recht und den Rechtsbruch predigen. Das definiert eine Religion geradezu, wie ich es auch schon im ersten Beitrag heute angedeutet habe. Religion ist das Spannungsfeld zwischen den Gläubigen, welche nur ihrer eigenen Überzeugung folgen, und der Masse der Ungläubigen, welche sich ihrer Glaubensvorstellungen nicht im Klaren sind. Genauer gesagt vermittelt sie zwischen Gläubigen und Ungläubigen, indem sie ersteren einen Rahmen bietet auf letztere einzuwirken. Und nur so lange dieser Rahmen vorhanden ist, handelt es sich noch um eine Religion.

Ich zitiere wieder Paulus (Luther diesmal):
II Thessaloniker

Aber der Zukunft halben unsers HERRN Jesu Christi und unsrer Versammlung zu ihm bitten wir euch, liebe Brüder, daß ihr euch nicht bald bewegen lasset von eurem Sinn noch erschrecken, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief, als von uns gesandt, daß der Tag Christi vorhanden sei. Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise; denn er kommt nicht, es sei denn, daß zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also daß er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott. Gedenket ihr nicht daran, daß ich euch solches sagte, da ich noch bei euch war? Und was es noch aufhält, wisset ihr, daß er offenbart werde zu seiner Zeit. Denn es regt sich bereits das Geheimnis der Bosheit, nur daß, der es jetzt aufhält, muß hinweggetan werden; und alsdann wird der Boshafte offenbart werden, welchen der HERR umbringen wird mit dem Geist seines Mundes und durch die Erscheinung seiner Zukunft ihm ein Ende machen, ihm, dessen Zukunft geschieht nach der Wirkung des Satans mit allerlei lügenhaftigen Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit unter denen, die verloren werden, dafür daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, auf daß sie selig würden. Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit.
Wer das liest und nicht versteht, daß der Katechon, derjenige, welcher das Kind des Verderbens noch aufhält, gerade die im obigen Sinne funktionsfähige Religion ist, dem kann ich es auch nicht anders klar machen.

Die logische Konsequenz dessen ist natürlich, daß die Offenbarung die Phasen beschreibt, welche auf den Zusammenbruch der Religion folgen müssen, bevor sie wieder aufgerichtet werden kann.

Nun, aber das ist hier nicht das Thema. Rechtliche Fehlentwicklungen gibt es im zwanzigsten Jahrhundert zuhauf, ob dies nun die Gründung der FED oder das Ermächtigungsgesetz betrifft oder all die sozialistischen Gesetze. Rechtspositivismus ist ein Witz.

Die Stiftung von Recht muß als Verantwortung vor Gott begriffen werden, und Religionen sind der einzige Rahmen, in welchem dies ohne massive Gewalt von Statten gehen kann.

Ich sprach diesen Aspekt auch schon an, nämlich im Beitrag über die Erfordernisse des Menschseins. All diese Erfordernisse müssen als Verpflichtungen vor Gott begriffen werden und von der Kirche gepredigt werden, Recht ist aber das wichtigste.

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Religiöse Konflikte und Glauben

Sollte man denken, daß religiöse Konflikte das Gewicht der Gläubigen mindern oder sollte man denken, daß religiöse Konflikte ihr Gewicht mehren?

Bevor man diese Frage beantworten kann, muß man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein, was man mit Glauben meint.

Ich meine mit Glauben, seiner individuellen geistlichen Gewißheit zu folgen.

Wer keine geistliche Gewißheit hat, kann ihr selbstverständlich auch nicht folgen, weshalb ich ihn an dieser Stelle einen Ungläubigen nennen werde. Den Fall, daß einer geistliche Gewißtheit hat, ihr aber nicht folgt, gibt es nicht.

Wie nun verhält es sich mit den Anhängern von Religionen?

Sind sie für gewöhnlich Gläubige oder Ungläubige?

Je mehr eine Religion von ihren Anhängern als so genannten Gläubigen erwartet, desto mehr muß diesen offenbar als wahrhaft Gläubigen gewiß sein, um sie vorbehaltlos zu unterstützen.

Und gleichzeitig ist es so, daß eine Religion als Organisation natürlich um so schlagkräftiger ist, desto mehr Zugeständnisse sie von ihren Anhängern einfordert.

Die Konsequenz daraus ist, daß in allen schlagkräftigen Religionen die Ungläubigen die Gläubigen bei weitem überwiegen müssen.

Es bleibt aber zu fragen, warum Religionen unter diesen Bedingungen überhaupt populär sein können, die Gläubigen stimmen selten mit ihnen überein und die Ungläubigen?

Ja, was ist es bloß, was Ungläubige in die Arme von Religionen treibt?

Angst, denke ich. Angst vor der eigenen Ungewißheit.

Nicht, daß es nötig wäre, aber ich lasse es mir nicht nehmen, an dieser Stelle Paulus zu zitieren (King James Version):
I Korinther 14

18 I thank my God, I speak with tongues more than ye all:

19 Yet in the church I had rather speak five words with my understanding, that by my voice I might teach others also, than ten thousand words in an unknown tongue.

20 Brethren, be not children in understanding: howbeit in malice be ye children, but in understanding be men.

21 In the law it is written, With men of other tongues and other lips will I speak unto this people; and yet for all that will they not hear me, saith the Lord.

22 Wherefore tongues are for a sign, not to them that believe, but to them that believe not: but prophesying serveth not for them that believe not, but for them which believe.

23 If therefore the whole church be come together into one place, and all speak with tongues, and there come in those that are unlearned, or unbelievers, will they not say that ye are mad?

24 But if all prophesy, and there come in one that believeth not, or one unlearned, he is convinced of all, he is judged of all:

25 And thus are the secrets of his heart made manifest; and so falling down on his face he will worship God, and report that God is in you of a truth.
Redet in unverständlichen Sprachen, damit sich die Ungläubigen vor Angst in die Hose scheißen!

Paulus sieht es also auch so, die Macht der Kirche kann nur darin liegen, die Angst der Ungläubigen zugleich zu schüren und ihr Abhilfe zu versprechen.

Aber ist das bloß ein gerissener Trick oder liegt darin ein natürlicher Mechanismus?

Letzteres ist der Fall. Die Ungläubigen stehen von Natur aus mit derselben Angst vor den Taten Gläubiger, wie sie vor unergründlichen Offenbarungen stehen. Aus ihrer eigenen Verwirrung und Ungewißheit heraus nehmen sie darum Zuflucht in Organisationen, welche vorgeben, die Gläubigen zu beherrschen.

Und dieser Mechanismus wird aktiviert, wenn es zu religiösen Konflikten kommt, denn in solchen kommt es zwangsläufig zu mehr unverständlichen Taten sowohl Gläubiger als auch vorgeblich Gläubiger als es in Friedenszeiten der Fall wäre.

Oder anders gesagt, die Ungläubigen strömen wieder verstärkt in die Kirchen.

Religiöse Konflikte stärken also Religionen in ihrer Fähigkeit Ungläubige zu beherrschen, und damit mehren sie zugleich auch das gesellschaftliche Gewicht Gläubiger auf beiden Seiten des Konflikts.

Das alles ist soweit natürlich, Paulus' Rat Ungläubige mit ihnen Unverständlichem zu konfrontieren in der Form auch unvermeidlich und ich gab den Zwang zur Kirche auch schon zu, doch ich rate nicht zu planmäßigen religiösen Konflikten, um die Position der Gläubigen zu stärken.

Da es nun aber gerade passiert, möglicherweise auch planmäßig, wiewohl nicht wenige glauben das Gegenteil zu bewirken, in der Annahme, daß die Ungläubigen beider Seiten ihre Gemeinsamkeiten entdeckten, bin ich natürlich geneigt, es zu begrüßen. Eine Ideologie des Unglaubens hat uns hierher geführt und wird nun von einem ihrer Manöver, welches sich mit Macht gegen sie selbst richtet, beerdigt.

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26. März 2012

Platonismus

Ideen und Dialektik sind nach Kant Phantasterei. Ich sehe das anders und hoffe meine Sicht hier möglichst klar darzulegen.

Ich wähle denselben Zugang zu den Ideen wie Schopenhauer, nämlich die Kunst.

Warum vermag uns Kunst dermaßen zu bewegen, daß wir sie gar für das Wichtigste überhaupt halten?

Wie ich in den letzten drei Beiträgen ausführte, ist das deswegen so, weil allem, was existiert ein Wille innewohnt und dieser Wille uns, wenn überhaupt, als eine Verbindung von Ideen bekannt ist und wir dadurch, daß wir diese Ideen in unserem Geist bejahen oder verneinen Einfluß darauf nehmen, was überhaupt existiert, wobei wir natürlicherweise Ideen bejahen, deren Willen wir uns selbst zu eigen machen können, also ihnen selbst entsprechen, in welchem Falle wir sagen, daß wir uns für sie begeistert hätten, aber darüber hinaus haben wir auch die Möglichkeit, eine Verbindung von Ideen im allgemeinen zu verneinen und dadurch sämtliche Manifestationen des entsprechenden Willens zu betreffen.

Und dieses ist der folgenreichste Akt zu der ein Mensch fähig ist, weshalb unsere Ahnung uns eben sagt, daß in Kunst das Wichtigste überhaupt anklingt.

Eine Idee ist also stets eine Vorstellung von einem Sein in der Welt. Und so steht es auch bei Platon und deswegen sind Zahlen beispielsweise auch keine Ideen.

Dadurch daß diese Vorstellungen in ein Bewußtsein gelangen entsteht und vergeht die Welt, wobei sie im Falle der allgemeinen Verneinung von unserem Bewußtsein auf Gottes Bewußtsein übergehen müssen und es im transzendenten Akt der Verneinung auch tun.

Die Ideen sind also buchstäblich die Urbilder von allem, was existiert, und sie selbst existieren im Einen, also in Gottes Bewußtsein.

Und wenn man es so fäßt, dann ist auch die Wiedererinnerungslehre nicht gänzlich abwegig, also wenn man darunter eine Ahnung der Idee versteht, welche eine Manifestation hervorgebracht hat, was uns natürlich hauptsächlich beim Anblick fremder Menschen begegnet.

Weshalb sich Ideen in Musik ausdrücken lassen, ist ein Geheimnis, aber wir haben allen Grund, uns dafür zu bedanken. Genauer gesagt drückt Musik natürlich die Spannung zwischen einer Idee und der Welt aus, also eine Seinslage.

Nachdem ich dies nun in maximaler Deutlichkeit und Affirmation gesagt habe, möchte ich noch kurz auf die Dialektik zu sprechen kommen.

Das Geschäft der Dialektik besteht natürlich darin, einen Begriff so zu erklären, daß in der Erklärung die Verbindung der Ideen, welche seine Gegenstände hervorbringt, sichtbar wird oder anders ausgedrückt, die exakte Beschaffenheit einer vage empfundenen Idee herauszuarbeiten.

Dialektik gibt also die Wege vor, für welche sich ein Volk, dessen Begriffe sie definiert, begeistern kann, schlechte Dialektik eröffnet wenige, gute viele.

Ich bemühe mich hier natürlich um gute.

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25. März 2012

Von den drei Ebenen des Existierens

Alles was ist, existiert als Wille, Funktion und Manifestation.

Dieses würde uns nichts weiter sagen, wenn uns nicht Willen als das, worauf wir vertrauen, bekannt wären. Dieses sind die vier menschlichen Geister, genauso wie Gemüt und Vernunft oder die transzendenten Akte, Anschauung und Verstand oder eine bestimmte Methode Wahrheit oder Schönheit zu verfolgen.

Da ich es gestern ansprach, Jenseitsglaube bedeutet, sich vor der vollkommenen Schönheit zu verneigen. Ich ziehe es im Gegensatz dazu vor, mein Leben so zu leben, daß es selbst die ihm mögliche vollkommenste Schönheit erreicht.

All diese Willen verbinden sich auf unterschiedliche Weisen und streben in allen diesen Verbindungen die Existenz als Manifestationen beherrschende Funktionen, also als Naturgesetze, an.

Und aus diesem Grunde kommt es zu den drei Zykeln. Als Funktionen ordnen die Willen die gemischten Manifestationen auf der Ebene der Kausalität. Und als Willen selbst streben sie die Existenz als Funktionen an, so daß die Funktionen auf der Ebene der Funktionalität also zwangsläufig im Laufe der Zeit mehr auf ihresgleichen abgestimmt sein müssen, weil es immer mehr von ihnen gibt. Aber genau so, wie die Manifestationen bei allen Veränderungen stets den Funktionen unterworfen bleiben, bleiben es auch die sich anpassenden Funktionen ihrem Willen.

Bleibt nur noch die Tendenz der Willen, sich zu verbinden, zu erklären. Es scheint fast, als würde sich ein Bewußtsein für sie auf der Ebene der Intentionalität als Ideen begeistern, denn es würde sie also verbinden.

Wenn man es so auffäßt, ergeben sich die Resultate des letzten Beitrags aus Selbstverständlichkeiten. Selbstverständlich ist die Ordnung der willkürlicheren Funktion für die achtsamere keine Ordnung mehr, da die beiden Funktionen auf unterschiedliche Ordnungen zustreben. Und selbstverständlich findet eine Funktion eines neu verbundenen Willens zunächst nicht ihresgleichen vor.

Und um noch einmal die Namen der Ebenen zu etwas nützlichem zu gebrauchen, Wohlwollen kehrt den Fluß der kausalen Ebene um, Offenheit den Fluß der funktionalen Ebene und Verneinung den Fluß der intentionalen Ebene. Und der Witz dabei ist in der Tat, daß im Verzicht auf den irdischen Fluß das Göttliche steckt. Es steckt in unserem Bewußtsein wie ein schlafender Hund, aufgeweckt durch den individuellen Irrtum, zerfetzt es ihn.

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Vom Voranschreiten der Zykeln

Vor knapp drei Jahren befaßte ich mich bereits mit diesem Thema, aber ich habe einige Bemerkungen hinzuzufügen.

Die Zykeln sind wie folgt angeordnet.

Der untere Zykel ist das Drängen aus der Mischung hin zur Ordnung, wie es aus dem Entropiegesetz unter der Bedingung steter Zufuhr von Energie niedriger Entropie und Abgabe von Energie hoher Entropie resultiert. Am deutlichsten sieht man seine Wirkung in ariden Klimazonen, da Regen ein mischender Faktor ist.

Der mittlere Zykel ist das Drängen aus der Willkür hin zur Achtsamkeit, wie es sich aus der Bevölkerung eines Gebietes mit Lebewesen derselben Art, beispielsweise des Baumskelettes, welches wir Holz nennen, mit Baumfasern, ergibt, wobei die Willkür in diesem Beispiel darin besteht, relativ frei wachsen zu können.

Und der obere Zykel ist das Drängen aus der Auflösung hin zur Verbindung, wie es sich aus den allgemeinen synthetischen Kräften des Lebens ergibt, ob es sich dabei um den Austausch von Genen oder Ideen handelt. (Wird heute unter dem Stichwort Meme behandelt.)

Man kann sich diese Zykeln wie die Stellen im Dezimalsystem denken. Im Laufe der Zeit erhöht sich die Zahl unentwegt, aber die Ziffern an den einzelnen Stellen können dabei zurückgesetzt werden, wobei über dem oberen Zykel noch ein weiterer, unbekannter Zykel anzusetzen ist, um die Zurücksetzung des oberen Zykels zu erlauben.

Vermutlich treibt der untere Zykel diesen Fortschritt an, jedenfalls verlangt es das Entropiegesetz, oder anders ausgedrückt ist es die Zeit selbst, welche sich so offenbart.

Und wir als verfaßte Lebewesen, müssen ebenfalls unerbittlich in unserer Verfassung voranschreiten, also stets neue Nahrung finden, eingespielter werden und Ideen und Erbanlagen verbinden, wobei durch den Nahrungsverzehr die Entropie zwar ansteigt, die Ordnung in geeignetem Sinne aber auch, also wenn man die Fähigkeit zur Nahrungsbeschaffung als ihren Gradmesser verwendet.

Nur was tun wir, wenn wir es nicht mehr schaffen noch weitere Nahrung aufzutreiben, noch eingespielter zu werden oder Ideen (oder Erbanlagen) noch weiter zu verbinden? Es bestehen die folgenden Möglichkeiten.
  1. Wir schreiten auf dem nächsthöheren Zykel voran, wodurch unsere Position in dem betreffenden Zykel zurückgesetzt wird. Wenn wir beispielsweise Ideen neu verbinden, können wir uns größere Willkür erlauben und wenn wir achtsamer werden, stehen uns neue Nahrungsquellen offen.
  2. Wir wandern in ein Gebiet aus, in welchem wir leichter voranschreiten können.
  3. Wenn dies beides nicht möglich ist, kann auf transzendentem Wege durch Wohlwollen, Offenheit oder Verneinung eine Zurücksetzung des betreffenden Zykels erreicht werden.
Die dritte Variante findet sich übrigens schon in Platons Parabel von der irdischen und göttlichen Zeit als Wiederkehr der Götter beschrieben. Sie stellt kein antiphysisches Ereignis dar, sondern schlicht ein unerklärliches. Wie ich schon sagte, ist die herrschende Doktrin bereits zerbrochen worden und der Zykel der Verbindung und Auflösung der Ideen dadurch zurückgesetzt. Es war auch an der Zeit, beklage sich niemand. Was alles noch zerbrechen muß, das wird es auch, der innerste Zusammenhalt ist bereits verloren, die äußeren folgen ihm nach.

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24. März 2012

Eine Zusammenführung

Ich möchte an dieser Stelle meine beiden vorläufigen Abschlußbeiträge zur Transzendenz zusammenführen. Die Rede ist von Zusammenhänge vom 1. Juli 2009 und Transzendenz und Stellung zur Welt vom 21. Februar 2012.

Die transzendenten Akte der Ordnung und Mischung in ersterem entsprechen dem Wohlwollen in letzterem, da Ordnung und Mischung dem Gedeihen der organischen Verfassungen gilt.

Die transzendenten Akte der Achtsamkeit und Willkür in ersterem entsprechen der Offenheit in letzterem, da Achtsamkeit und Willkür der Gestaltung der Gewohnheiten gilt.

Die transzendenten Akte der Verbindung und Auflösung in ersterem entsprechen der Verneinung in letzterem, da Verbindung und Auflösung den Willen gilt.

Die übrigen transzendenten Akte in letzterem sind in ersterem nicht erfaßt, weil sie mit immanenten Taten verbunden sind.

Soweit stimmen die beiden Betrachtungen überein, allerdings ergibt sich aus ersterer die Überlegenheit der Verneinung gegenüber allen anderen Akten, während ich sie zuletzt eher als einen Notbehelf betrachtet habe. Alle drei transzendenten Akte bewirken den Sprung vom Ende zum Anfang des betreffenden Zykels, Wohlwollen führt von Ordnung zu Mischung, Offenheit von Achtsamkeit zu Willkür und Verneinung von Verbindung zu Auflösung und ermöglichen dadurch seine Wiederholung in höherer Potenz.

Nun habe ich bereits dreimal konkret verneint. Zweimal den materialistischen Determinismus und einmal... tja, das weiß ich selbst nicht so genau, ich befand mich dabei im Halbschlaf. Ich kann natürlich Vermutungen anstellen, ausgehend davon, was damals geschah. Wahrscheinlich den Jenseitsglauben.

Wenn diese Willen also zerbrochen wurden, und Gott hat freilich seine Zeugnisse dessen der Welt offenbart, auch wenn nur ich weiß, daß es sich dabei um Zeugnisse dessen handelt, und auch immer der einzige bleiben werde, gleich was ich hier schreibe, so werden ihre Bestandteile sich also in Zukunft in höherer Potenz neu verbinden, das heißt der Wille zur Wahrhaftigkeit und der Wille zur Erfüllung oder, wenn man so will, die Ideen der Wahrheit und der Schönheit.

Die Wahrheit wird wieder unser Bewußtsein umfassen, wie sie es auch schon einmal tat (siehe den Zeitgeist damals), und die Schönheit als seelentreuer Mut in das Leben hineingreifen.

Mehr habe ich nicht zu verneinen. Bleiben nur Offenheit und Wohlwollen. um sich vom todgeweihten loszureißen und zu gedeihen.

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23. März 2012

Zur Klassifikation militärischer Organisationen nach Stanisław Andrzejewski

Und noch eine Rezension, welche sich mit dem Vorrang der Form beschäftigt. Das Werk, auf welches ich mich im folgenden beziehe, ist Military organization and society (London, Routledge & Paul, 1954, 2nd edition 1968.)

Stanisław Andrzejewski unterscheidet militärische Organisationen nach drei Gesichtspunkten.
  1. Militärische Partizipationsrate (MPR), wie hoch der Anteil des Militärs an der Bevölkerung ist.
  2. Kohäsion, wie sehr das Militär zusammenhält.
  3. Subordination, wie stark das Militär hierarchisiert ist.
Von den theoretisch möglichen acht Klassen, wenn man jeweils die Dichotomie zwischen hoch und niedrig verwendet, kommen sechs vor, da es ohne Kohäsion keine Subordination geben kann. Ich erlaube mir, sie etwas einprägsamer zu benennen.
  1. Ritterlich: niedrige MPR, niedrige Kohäsion, niedrige Subordination (kurz: mks).
  2. Bruderschaftlich: mKs.
  3. Söldnerisch: mKS.
  4. Anarchisch: Mks.
  5. Kriegerisch: MKs.
  6. Totalitär: MKS.
Ein paar Bemerkungen meinerseits dazu.

Nicht jede söldnerische Gesellschaft ist eine Tyrannei, aber jede Tyrannei ist eine söldnerische Gesellschaft, da nur eine niedrige militärische Partizipationsrate und eine hohe Subordination die für sie charakteristische allgemeine Furcht erzeugen können.

Ein Orden ist entweder bruderschaftlich oder söldnerisch organisiert, da die für ihn charakteristische Kohäsion kein Massenphänomen sein kann. Eingedenk der ersten Bemerkung ist ein Orden aber gut beraten, sich bruderschaftlich zu organisieren, um nicht eine Tyrannei auszuarten.

Ein Stand hingegen ist notwendig söldnerisch organisiert, da seine Kohäsion ja erst durch Subordination entsteht: weil man ähnlich große Macht hat, hält man zusammen. Unschwer zu erkennen, daß darin bereits der Keim der Tyrannei steckt.

Die ritterliche Gesellschaft ist vielleicht nicht ganz zufällig das genaue Gegenteil der totalitären Gesellschaft. Was ich meine ist dies, daß die katholische Kirche, als eigentlicher Regent Europas im Mittelalter, ganz bewußt eine Struktur erschaffen hat, welche militärisch minimal belastbar ist, um die Folgen militärischer Konflikte innerhalb Europas zu minimieren.

Ich finde es im Übrigen recht amüsant, daß Andrzejewski Bantus, Massai und Sachsen als Beispiele kriegerischer Gesellschaften angibt, aber der Mann ist Pole, was soll man erwarten. Die Verfaßtheit der alten Sachsen ist übrigens recht kompliziert und läßt sich nicht so ohne weiteres unter seine Klassifikation bringen, da Kohäsion und Subordination bei ihnen sehr eigentümlich geregelt waren, einzig die hohe Partizipationsrate ist gesichert.

Aber um noch einmal auf das Mittelalter zurückzukommen, Andrzejewski behauptet, daß die einfallenden Germanen söldnerisch organisiert gewesen wären und in der Folge ihre Kohäsion verloren hätten. Das ist natürlich Quatsch, denn selbstverständlich hatten sie keine niedrige Partizipationsrate. Allerdings wäre ein zweifacher Übergang, zunächst von kriegerisch zu söldnerisch durch zusätzlich erworbene Untertanen und dann zu ritterlich durch rückläufige Kohäsion im Falle Frankreichs durchaus natürlich, bloß glaube ich das nicht so recht. Die Feudalisierung, die Auflösung des Corpsgeistes, wurde gezielt vorangetrieben, europaweit. Und ist also das Werk der katholischen Kirche, wohl aus dem genannten Grund.

Indes, der Instinkt zu einer hohen Partizipationsrate ist den mittel-, nord- und osteuropäischen Völkern nie abhanden gekommen, wie Andrzejewski in seinen Betrachtungen zu dem Aufkommen der modernen totalitären Gesellschaften zu Recht mutmaßt. Nun, da kann ich natürlich gleich weiter mutmaßen, daß dies auf einen signifikanten Anteil Versuchender an der Bevölkerung zurückzuführen ist. Materialisten erfüllten diesen Zweck natürlich auch, aber sie fehlen ja größtenteils in Europa, und außerdem sind sie subordinationsunverträglich. Nur, welche Bedeutung hat dies noch, wenn Macht nicht mehr durch heiße Kriege erworben wird?

Unter den Bedingungen des kalten Krieges zählt eine hohe Partizipationsrate nichts. Bruder- und Söldnerschaften sind die natürlichen Favoriten unter ihnen. Söldnerschaften besitzen indes den Mangel, daß sie in eine Tyrannei hinübergleiten können, ohne daß dies auch nur bemerkt würde. Und es sieht freilich danach aus, daß genau dies zur Zeit passiert.

Das heißt aber nicht, daß Bruderschaften die einzige Alternative wären, denn es gibt durchaus Möglichkeiten, Kriege wieder heiß zu machen, so lange man sie dabei nur für die Gegenseite unattraktiv genug macht, was heutzutage freilich nicht heißt, sich möglichst teuer auf dem Feld zu schlagen, sondern in erster Linie, ein größeres Chaos geschlagen als ungeschlagen zu hinterlassen. Man kann es auch gleich so angehen, daß man sich als derjenige verkauft, welcher einzig in einem bestimmten Gebiet für Ordnung sorgen kann. Und dabei spielt eine hohe Partizipationsrate selbstverständlich die entscheidende Rolle. Die Masse muß Chaos anrichten, damit ihre eigene Marionette sie befrieden kann. Religion ist dabei übrigens ungemein nützlich, da sie nicht rational hinterfragbar ist. Daß irgendjemand einfach nicht den richtigen Glauben hat, ist geradezu die ideale Ausrede dafür, Chaos anzurichten.

Die Afghanen haben all das wahrscheinlich schon vor langer Zeit verstanden.

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22. März 2012

Rob Zombie

Kunst, und auch dies:



Was ist ihr Thema?

Der Vorrang der Form.

Rob Zombie's Ansatz ist dabei nicht, die ethische Überlegung der Form in den Mittelpunkt zu stellen, vielmehr tut er das genaue Gegenteil, beschränkt sich also auf höchst unethische Formen, aber reale, manifestierte Formen, keine bloßen Phantasien, und betont (selbst) deren überlegene Macht, denn die Form zwingt den Menschen, welcher ihr begegnet, sie in seine gedankliche Welt aufzunehmen.

Wir gestalten die Welt dadurch, daß wir dieser oder jener Form treu sind, oder anders ausgedrückt, Rob Zombie ist ein Prediger der Seelenpflichten.

Er ist in der Tat das genaue Gegenteil der EMO Szene, welche sich ja gerade dadurch auszeichnet, daß ihre Mitglieder einfach keine Form für ihr Leben finden können. Verwunderlich ist es bei dieser Konstellation natürlich nicht, daß sie sich zu ihm hingezogen fühlt. Aber auch er bleibt sich in der Form seiner Abweisung dieser Liebe treu.

Es erinnert ein wenig an den Gegensatz zwischen Mann und Frau, und Rob Zombie wählt seine Formen auch ersichtlich in dem Bemühen, klassisch männliche Züge in ihnen anklingen zu lassen.

Natürlich ist der Gegensatz zwischen Mann und Frau der zwischen Bestimmung und Gewährung, aber dies bezieht sich auf die Umsetzung des geschlechtslos gedachten Willens, wie er beispielsweise in den vier Geistern gefaßt ist. Aber das ist nicht der ganze Wille und seine geschlechtsspezifischen Anteile besitzen natürlich auch Formen. Deshalb ist der Gegensatz zwischen Seelentreue und -untreue nicht von Natur aus der zwischen Mann und Frau, wird das allerdings, wenn Frauen Männer daran hindern, die geschlechtslosen Willensanteile nach eigenem Gutdünken umzusetzen. Eine derartige Hinderung kann natürlich nur eine sittliche sein.

Rob Zombie ist indes in diesem Punkt nur Spiegel der Realität, er gibt dem Geschlechterkampf genau das Gewicht, welches er unter dem Blickwinkel der Seelentreue verdient, ohne letzteren jemals zu verlassen.

Übrigens ist es ganz töricht, die Asozialität all dessen anzuprangern. Der Verzicht auf Ethik ist viel mehr als nur Provokation, er begünstigt die nüchterne Wahrnehmung von Notwendigkeiten ganz ungemein.

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19. März 2012

Noch so ein Zufall

Seltsam, daß Muhammad geboren wurde (um 570 A.D.), als Iustinianus starb (565 A.D.)

Hat Iustinianus vielleicht irgendetwas getan, wodurch er das verursacht haben könnte?

Na?

Wer hat die Platonische Akademie schließen lassen und wann?

Iustinianus, im Jahre 529 A.D. Daraufhin übersiedelten sieben heidnische Philosophen für ein Jahr (532 A.D.) nach Persien, kamen dann aber wieder zurück.

Als Vorhut?

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18. März 2012

Eine Klarstellung zu den Seelenpflichten

Wir spüren Hunger, damit wir Nahrung suchen und zu uns nehmen.

Wir spüren Schmerzen, damit wir das verwundete Glied nicht (be)rühren.

Wir spüren ein Interesse, damit wir ihm nachgehen.

Was uns auf dem Herzen liegt, gilt unserem Leben hier.

Wir sind zur Transzendenz fähig, auch wenn es die wenigsten wissen. Indes gilt auch die Verachtung eines Lebens, in welchem kein Raum für Transzendenz sein soll, zunächst unserem Leben hier.

Doch indem wir ein Leben ohne Transzendenz von uns weisen, erheben wir Anspruch auf einen Teil dessen, was wir natürlicherweise sind. Wir erlauben unserer Umwelt nicht, unsere Menschlichkeit zu verstümmeln.

Genau dieses sind die Pflichten unserer Seele gegenüber, daß wir die Form unseres Daseins höher schätzen als unser konkretes Dasein, mit anderen Worten, unsere Seele höher als unser Leben.

Wir haben die Form unseres Daseins von Gott, aber sie steht nicht isoliert in der Welt, sie ist das Ergebnis vorangegangener Formen und ihrer jeweiligen Wertschätzung. Verraten wir unsere Seele für unser Leben, verweigern wir ihr (einige) neue Leben. Derselbe Zusammenhang gerät zum Guten, wenn wir uns von seelischen Fehlern lösen.

Dieses aber zu tun, ist wie gesagt selbst auch wieder natürlicher unser Leben leitender Wille. Indes modifiziert unsere Einsicht jederzeit unseren Willen, und wenn wir erst einmal um Gottes Existenz wissen, steigt selbstverständlich unsere Akzeptanz unserer Sterblichkeit.

Einmal aber wenigstens müssen wir durch's Feuer gehen, einmal die Augen öffnen und uns ungewiß, wie wir sind, der Wahrheit stellen, wenn wir jemals Gewißheit erlangen wollen.

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Ein Wunder



Dieser Titel könnte tausendmal gecovert werden und nicht einmal würde er erreicht.

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17. März 2012

Von den Verbindungsinteressen

Ich sprach es im letzten Beitrag bereits an, es gibt eine weitere wichtige Klasse von Interessen neben den sexuellen Interessen an den vier Geistern und den Lenkungsinteressen zwischen (einigen von) ihnen, nämlich die Verbindungsinteressen innerhalb einer Lebensrolle.

Den Lebensrollen korrespondieren die Chakren und deshalb werde ich wieder letztere verwenden, um die Verbindungsinteressen aufzuzählen.

Wurzelchakra. Die Verbindung hier ist die gleichförmig verbundene Arbeit, etwa wenn eine Gruppe zusammen mit dem Spaten ein Loch aushebt, Ziegelsteine oder Wassereimer in einer Kette weiterreicht und dergleichen mehr. Ich taufe sie die Anstrengungsverbindung.

Sakralchakra. Diese Verbindung ist eher selten zu beobachten, etwa wenn sich eine Gruppe von Mädchen um einen Dreikäsehoch kümmert. Ich taufe sie die Ammenverbindung.

Nabelchakra. Die Verbindung hier ist das eingespielte Team mit unterschiedlichen Rollen. Beispiele brauche ich diesmal nicht anzugeben. Ihr Name sei naheliegenderweise durch Teamverbindung gegeben.

Herzchakra. Wie schon gesagt, besteht diese Verbindung darin, für einander einzustehen, wie es am deutlichsten unter Soldaten der Fall ist. Ich taufe sie die Versicherungsverbindung.

Kehlchakra. Diese Verbindung besteht darin, sich gegenseitig zuzuhören und zu -sehen, einander seine Eindrücke zu vermitteln, einen Schutzraum zu gewähren, in welchem man aus sich herausgehen kann, um sich zu entdecken, auszuprobieren und einzuüben. Ihre Richtung kann recht unterschiedlich sein, von musisch über sportlich bis kämpferisch. Ich taufe sie die Entfaltungsverbindung.

Stirnchakra. Wie auch schon gesagt, besteht diese Verbindung darin, gemeinsam etwas zu analysieren, sich zu beratschlagen, Licht in das Dunkel um einen zu bringen. Im Gegensatz zu der vorigen Verbindung ist sie objekt- und nicht subjektorientiert. Ich taufe sie die Erforschungsverbindung.

Kronenchakra. Und auch hier sagte ich schon, daß diese Verbindung in geteilter Offenheit besteht. Es gibt eigentlich nur zwei Fälle, wann es zu ihr kommen kann. Einmal, wenn Menschen zusammen aufbrechen, um nach einer unbekannten neuen Heimat zu suchen, was heute freilich nur noch dann möglich ist, wenn sie mutwillig darauf verzichten, sich vorher zu informieren, und zum anderen, wenn Menschen zusammenkommen, welche den vierten Geisteshorizont erreicht haben und zusammen wie auf der Brücke eines Schiffes zuversichtlich und gelassen in die Zukunft blicken. Ich taufe diese Verbindung die Erhoffensverbindung.

Es gibt Bedürfnisse nach diesen Verbindungen, wie gesagt sind sie Teile des Stoffes aus welchem unsere Leben bestehen, und so verwundert es nicht, daß manche es unternehmen, sich gegenseitig vorzumachen, auf eine Weise verbunden zu sein, auf welche sie es nicht sind. Dies gilt natürlich vor allem für die höheren Verbindungen. Im Falle der Entfaltungsverbindung ist es sogar so, daß eine Gruppe von Menschen von Berufs wegen gehalten ist, sich genau das vorzumachen, was in sofern ironisch ist, als jemand, welcher tatsächlich zu dieser Verbindung neigt, für diesen Beruf nicht taugt.

Ein anderer Aspekt ist natürlich die Überlagerung von Interessen unterschiedlicher Art. Während die Lenkungsinteressen, gerade wegen ihrer relativen Nähe zu den sexuellen Interessen, sich eher nicht mit diesen überlagern, so ist es üblicherweise so, daß es gleich mehrere Verbindungsinteressen auf einmal tun. Ich selbst bestehe auf dem Erforschungsinteresse, bin einmal in das Entfaltungsinteresse hineingeschlittert, und natürlich wäre es auch schön, wenn das Versicherungsinteresse vorläge, was indes meine Priorität nicht ist. Was das Erhoffensinteresse angeht, so scheint mir dessen Überlagerung eher unwahrscheinlich, einmal, weil der vierte Geisteshorizont erst relativ spät erreicht wird und sich heute ja kaum einer uninformiert eine neue Heimat sucht und zum anderen, weil es einen erheblichen Unterschied in der Verwegenheit zwischen Männern und Frauen gibt, so daß es schwerfällt zu glauben, sie könnten jemals das Selbe erhoffen.

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15. März 2012

Vom Leben

Ein wesentliches Interesse der Menschen an einander ist sicherlich die Vereinigung der Kräfte, um dem Bedürfnis gerecht zu werden, das Beste aus seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung der eigenen Idealvorstellungen zu machen.

Dabei gibt es natürlich vielfältige Weisen, die eigenen Kräfte zu vereinigen und das nämliche Interesse an anderen zu empfinden. Das Einstehen für einander ist eine Sache des Herzens, zusammen den Kurs festzulegen, fiele unter das Kronenchakra, wenn man es auf diese Weise verorten wollte, geteilte Offenheit, und noch manche andere Verbindung mehr, beispielsweise sich zu beratschlagen, eine Sache der Vernunft. Einstehen ist erbeben lassend, zu beratschlagen zutraulich, geteilte Offenheit wahrscheinlich das herrlichste Gefühl der Welt.

All dies sind Beispiele der Formen, aus welchen unser Leben besteht, nur bestehen kann. Was auch immer sich diesseitig zutragen mag, es füllt die immer gleichen transzendenten Formen aus. Transzendenz ist die wesentliche Dimension unserer Existenz, das, worin unser Leben in unserer eigenen Einschätzung gerinnt und Form annimmt.

Absolut sind diese Schranken, was die Distanz nicht transzendiert ist nichts, reine Zeitverschwendung, jedenfalls in unserer eigenen Einschätzung.

Diese Zeitverschwendung, diesen Mangel an Transzendenz nehmen wir als Distanz zu uns selbst wahr. Wir mögen an ihm mitschuldig sein, aber unsere Reaktion auf ihn ist nicht, die Welt zu durchsuchen, sondern ihr zu entfliehen. Die Leere ist ein schöpferischer Ort, in ihr liegt die größte Hoffnung. Indem wir uns opfern, erlauben wir unserer Seele die Vereinigung mit dem Ursprung allen Seins. Dazu befällt uns Depression, damit wir eins werden, und wenn wir dadurch stark genug geworden sind, tritt Offenheit an ihre Stelle. So oder so erlauben wir uns Einheit, welche schließlich einzig von uns übrig bleibt.

Unsere Verbindungen mit den Seelen anderer sind dabei von Belang, was genau sie auch bedeuten mögen, die Form unseres Lebens, wie ich sie oben beschrieben habe, ist dabei von Belang, was auch immer sie genau zu bedeuten hat. Sie betrifft die Zukunft der Menschheit, dessen bin ich gewiß, mehr allerdings nicht.

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12. März 2012

Die Färse

Ich werde mich einmal der längsten Sure des Korans annehmen, so wie ich mich im allgemeinen der Sachen annehme, das festhaltend, was mir bei ihrer Betrachtung auffiel.

Die Überschrift der Sure bezieht sich auf die Verse 67 bis 74. Die Färse ist offenbar ein Sinnbild der Gläubigen, Gott geweiht, um die ansonsten zu Unrecht Erschlagenen vor dem Tode zu bewahren. Zugleich schimmert an dieser Stelle durch, daß sie das Vorbild des Goldenen Kalbes ist, ohne daß dies explizit gesagt würde. Die Färse selbst ist nicht heilig, sondern nur Werkzeug. Sie erweckt den Erschlagenen nicht aus ihrer Kraft wieder zum Leben.

Diese Aufgabe der Gläubigen wird noch an zwei weiteren Stellen bekräftigt.
Vers 251. Also verjagten sie sie mit Gottes Erlaubnis und David erschlug Goliath, und Gott gab ihm Königreich und Weisheit und lehrte ihm von dem, was Er will. Und wenn Gott nicht einige Männer durch andere abgewehrt hätte, wäre die Erde korrumpiert worden. Aber Gott ist den Geschöpfen ein Herr der Güte.
Vers 216. Euch ist Kriegsführung auferlegt, obwohl ihr sie haßt, aber es mag sich begeben, daß ihr etwas haßt, was gut für euch ist, und ihr etwas liebt, was schlecht für euch ist. Gott weiß, ihr wißt nicht.
Das deckt sich soweit mit dem, was ich bereits zuvor sagte, daß es dem Islam um die Militarisierung der Suchenden geht, damit sie den Materialisten Einhalt gebieten, eine Notwendigkeit, welche sich aus der Zusammensetzung der arabischen Bevölkerung ergibt.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Weichheit, um nicht zu sagen Phlegmatik, welche von den Gläubigen sowohl angenommen wird, als auch ihnen angeraten. Die Färse hat als solche noch nicht gekalbt und gearbeitet hat sie auch nicht. Während der Fastenzeit nicht mit seiner Frau zu schlafen ist offenbar zu viel verlangt, aber wenigstens während dieser Zeit sollte man es nicht tagsüber tun. Zweimal heißt es eindringlich, daß es schlimmer sei, aus seiner Heimat vertrieben worden zu sein als tot. Was auch immer es für religiöse Regeln gibt, stets werden demjenigen, welcher einen guten Grund hat sie zu brechen, Ausnahmen gestattet, einschließlich der Änderung eines Testamentes, wenn dadurch Streit vermieden wird. Reichtum erwirbt man ganz offensichtlich ja nur durch Handel, also nicht durch eigene Leistung, und deshalb darf der Gläubige sich auch um ihn bemühen, dabei aber nicht vergessen, daß es sich nur um eine oberflächliche Annehmlichkeit handelt, welche leichten Herzens an jene weiter geleitet werden sollte, welche sie so gar nicht kennen und genießen können.

Das alles ist deswegen interessant, weil es einerseits meine These stützt, daß der Koran eben annimmt, es mit Phlegmatikern zu tun zu haben, welchen man Beine machen muß, damit sie für Recht und Ordnung sorgen und andererseits, weil seinem Autor, ob dies nun Gott oder jemand anders ist, offenbar klar ist, daß das islamische Herrschaftssystem kein Vergnügen wäre, wenn seine Eliten nicht auf geistigem Opium wären.

Kommen wir nun zu den eigentlich religiösen Aussagen. Wie schon im vorigen angedeutet vertritt der Koran keine übermäßig formale Auffassung religiöser Pflichten. Kern des Glaubens ist die Berücksichtigung des göttlichen Gerichts am jüngsten Tag. Und es ist hinreichend klar, daß Gott an diesem Tag all die Dinge beurteilen wird, welche einem auf dem eigenen Herzen liegen. Indes, es gibt eine Grenze dieses Prinzips, die Menschen danach zu beurteilen, ob sie ihrem Herzen treu waren oder nicht.
Verse 204 - 206. Und unter den Menschentypen gibt es einen, dessen Betrachtungen zum Leben dieser Welt Dir (Mohammed) gefallen, und er ruft Gott zum Zeugen dessen, was er im Herzen hat, und doch ist er der gefestigste Widersacher. Und wenn er sich abwendet, versucht er dem Land zu schaden und Früchte und Vieh zu zerstören, und Gott liebt den Schaden nicht. Und wenn ihm gesagt wird: Bedenke deine Pflicht Gott gegenüber, bringt Stolz ihn dazu sich zu versündigen. Die Hölle wird seine Rechnung begleichen, eine üble Bleibe.
Mit den Früchten und dem Vieh sind Werke und Menschen gemeint. Die Grenze verläuft also dort, wo die eigene Wahrheit zum Schaden für andere wird.

Diese Vorstellung des Jüngsten Gerichts unterscheidet sich in ihren Auswirkungen nicht vom Glauben an die Pflichten der Seele gegenüber, welche die Wiedergeburt mit sich bringt. Die Frage ist nur, welcher der sicherere Weg zum Glauben ist, denn was nützen die Auswirkungen eines Glaubens schon, wenn einen der Zweifel beherrscht?

Es gibt keinen Grund, warum man annehmen sollte, daß es einen jüngsten Tag gibt, aber es gibt durchaus Gründe anzunehmen, daß unser Wille nicht aus dem Nichts kommt und nicht in das Nichts übergeht. Deshalb scheint es mir, daß Affirmation alleine uns am Ende weniger hilft als eine Erwägung der Welt, wie sie sich uns darstellt.

Letzteres gehört übrigens zu den Merkmalen eines Gläubigen gemäß dem Koran.
Vers 26. Siehe! Gott ist sich nicht zu schade, selbst die Gestalt einer Mücke zu prägen. Die Gläubigen wissen, daß sie Wahrheit ihres Herren ist, aber die Ungläubigen sagen: Was beabsichtigt Gott mit dieser Gestalt? Viele führt Er so in die Irre, und viele leitet Er so, und nur Schurken führt Er so in die Irre.
Und ein Musterbeispiel der Affirmation ist im Vers zuvor gegeben.
Vers 25. Und bringe jenen Glücksbotschaften, welche glauben und gute Werke tun, daß sie Gärten haben, unter denen Flüsse fließen. So oft sie mit Nahrung und Früchten aus ihnen bewirtet werden sagen sie: Dies ist uns vor aller Zeit gegeben worden. Und es ist ihnen in Ähnlichkeit gegeben worden. Dort gibt es reine Gefährten für sie, dort bleiben sie für immer.
Es ist eine Frage des Eintauchens, wie auch beim Katholizismus. Halte dich daran, es wird schon gut für dich sein. Und das wäre es auch. Das, was man bereits hat, als Vorgeschmack dessen zu begreifen, was erst noch kommt, ist selbstverständlich eine Haltung, aus welcher sich wiederum die Stellung der Offenheit ergibt. Es ist nicht falsch, daß wir etwas brauchen, was uns Zuversicht gibt, uns fest im Glauben macht, und dieses muß nicht ausschließlich in gründlicher Erwägung unserer Existenz bestehen, sondern kann durchaus auch ästhetische Elemente umfassen. Aber es ist fraglich, wie weit ästhetische Elemente alleine wohl tragen.

Übrigens ist in den Versen 204 bis 206 recht unverhohlen ausgedrückt, daß Mohammed die Welt wie ein Misanthrop betrachtet, ohne einer zu sein. Es paßt natürlich zu allem anderen.

Nun, damit habe ich diese Sure rezensiert und dabei meine bisherigen Einschätzungen des Islams weitgehend bestätigt gefunden. Einzig der Aspekt der weitgehend freien Herzensprüfung hat mich leicht positiv überrascht, wobei die Früchte dessen allerdings durch die allgemein phlegmatische Kultur des Islams begrenzt werden.

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11. März 2012

Erfordernisse des Menschseins und Chakren

Ich gebe zu, daß es bei dieser Überschrift naheliegt anzunehmen, daß ich dazu neige, alles mit allem in Zusammenhang zu bringen. Aber abgesehen von der verdächtigen Nähe der Anzahlen und der Tatsache, daß es ganz natürlich ist, wenn die Gedanken nach der Beschäftigung mit einem Thema auch weiterhin um es kreisen, scheint es doch einigermaßen plausibel, daß die verschiedenen menschlichen Funktionsfelder mit den Erfordernissen des Menschseins in Zusammenhang stehen sollten.

Den Zusammenhang nehme ich wie folgt an. Die Haltungen und Stellungen welche den Chakren entsprechen erleichtern es, den Erfordernissen des Menschseins nachzukommen.

Wurzel- und Sakralchakra. Beide dienen der Erziehung. Die Standhaftigkeit gibt den Kurs vor und die Freigiebigkeit verleiht Schwung. Selbstverständlich ist ersteres die Aufgabe des Vaters und letzteres die Aufgabe der Mutter. Zuweilen freilich kann es nicht so sein, dann wenn der Vater weit dümmer als die Mutter ist, in welchem Fall das Kind gezwungen ist, seinen eigenen Kurs in kritischer Distanz zur Mutter zu finden.

Nabelchakra. Die Direktheit dient indirekt der Verständnisachtung, indem sie Kompetenz als solche zu erkennen hilft.

Herzchakra. Die Güte dient nicht, sondern ist vielmehr Ziel der Informiertheit. Das ergibt sich an dieser Stelle deswegen so, weil die Informiertheit natürlich auch nicht das eigentliche Erfordernis ist, sondern lediglich die Voraussetzung für das Engagement für das Gemeinwohl.

Kehlchakra. Die Zärtlichkeit und das Eingehen auf Lenkungsinteressen dienen der Unabhängigkeit. Dies mag zunächst nicht einleuchten, aber wenn man sich die Situation selbst vorstellt, tut es das. In Zärtlichkeit und Lenkungsinteressen steckt eine erhabene Distanz, wie überhaupt im bedeutungsvollen Wort. Abhängigkeit ist verschwiegen, es ist gerade die Reflexion der Rede, welche die Grenzen einer Beziehung frei wählen läßt.

Stirnchakra. Besinnlichkeit und Verneinung dienen offensichtlich dem Recht. Ich nannte den Menschen, in sofern er sich so verhält, ja auch schon zuvor einen Richter (im Beitrag über die Lebensrollen), und wenn ich darauf noch einmal kurz zurückkommen darf, es paßt natürlich auch, daß er als Lehrer der Unabhängigkeit dient und als Streiter der Verständnisachtung.

Kronenchakra. Hier kommen verschiedene Dinge zusammen, und das macht die Lage, wenn man sie nicht ausführlicher erklärt, verwirrend. Ich erlaube mir an dieser Stelle also einen kleinen Exkurs über Transzendenz und Seelenpflichten.

Gott ist nur in soweit an uns interessiert, wie wir unserem Wesen, unserer Seele, wie ich sie definiert habe, treu sind. Der unmittelbare Sinn unserer Seelenpflichten besteht also darin, überhaupt eine bedeutungsvolle transzendente Rolle spielen zu können. Die Haltung des Kronenchakras, welche ich Vormundschaft genannt habe, ergibt sich ganz natürlich daraus, sich seiner transzendenten Akte bewußt zu sein, deswegen, weil das ja kaum einer ist.

Wenn man aber einmal dort angelangt ist, also getan hat, was die eigene Seele von einem verlangte und sich seiner transzendenten Akte bewußt geworden ist, so ist der transzendente Akt der Offenheit derjenige, welcher einem und der eigenen Seele am meisten entspricht, da es keine größere Liebe zu den Menschen geben kann, als ihnen dabei zu helfen, daß ihnen die Dinge begegnen, welche sie sich insgeheim erhoffen.

Nun ist man aber natürlich auch aus egoistischen Gründen offen, hofft also darauf, daß einem selbst begegne, was man selber insgeheim erhofft. Und dieses hilft offensichtlich ungemein bei der Anvertrauung der Anerkennung.

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10. März 2012

Erfordernisse des Menschseins

Was bedeuten die im vorigen Beitrag aufgezählten Fesseln der Natur für uns Menschen?

Sind wir nunmal von ihnen gefesselt und müssen mit unserer Fesselung vernünftig umgehen?

Oder müssen wir mit der ganzen Kraft unserer Vernunft darauf hinwirken, ihnen zu entkommen?

Wenn wir Menschen bleiben wollen, dann letzteres. Und aus jeder einzelnen Fessel erwächst eine heilige Pflicht, sowohl für den einzelnen wie für die ganze Gesellschaft.

Recht. Damit niemand ungestraft stehle, muß Unrecht bemerkt und Recht aufgerichtet werden.
Erziehung. Damit die Jugend in der Nische des Menschen bleibt und sich nicht für Verderbliches begeistere, muß das Alter sie leiten.
Verständnisachtung. Damit Verständnis nicht in Unverständnis ertrinke, muß es geachtet werden.
Unabhängigkeit. Damit uns unsere Angewiesenheit auf andere nicht korrumpiere und wir die Wahrheit verdrängen, müssen wir unabhängig sein.
Informiertheit. Damit wir nicht in unserem persönlichen Glück die Gefahren für die Allgemeinheit vergessen, müssen wir uns auf dem Laufenden halten.
Anvertrauen der Anerkennung. Damit unsere Eitelkeit uns nicht in Zwietracht treibe, müssen wir unsere Anerkennung in das freie Belieben unserer Mitmenschen stellen.

Über den letzten Punkt habe ich mich natürlich bereits umfangreich unter dem Titel Heldenproblem ausgelassen, über den vierten Punkt unter dem Titel Urbanität auch. Der erste Punkt ist abhängig von der Gesellschaftszusammensetzung, da die vier menschlichen Geister unterschiedliche Rechtsvorstellungen haben. Davon habe ich selbstverständlich am ausführlichsten gehandelt. Die übrigen drei Pflichten habe ich wohl nicht weiter behandelt, da sie mir trivial erschienen, was sie mit Blick auf die heutigen Verhältnisse aber nicht unbedingt sind. Nun, man könnte sagen, daß es eine Beziehung zwischen dem dritten Punkt und dem so genannten Philosophenproblem gibt und vielleicht noch eine zwischen dem zweiten Punkt und dem so genannten resignativen Materialismus, aber das sind nur Einzelaspekte.

Freilich, wenn man es so sieht, dann habe ich wohl auch schon den fünften Punkt berührt, als ich über Desinformation schrieb, beispielsweise über das Verbreiten von so genanntem Geheimwissen.

Es ist wichtig festzuhalten, daß die heutigen Eliten die zweite Frage, welche ich in diesem Beitrag gestellt habe, bejahen.

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9. März 2012

Fesseln der Natur

  • Die Jugend taugt nicht, weil sie sich für alles begeistert, und das Alter taugt nicht, weil es sich für nichts begeistert.
  • Glück macht selbstabsorbiert, Unglück ohnmächtig.
  • Wenn einer ungestraft stiehlt, müssen alle stehlen.
  • Nichts belohnt einen so sicher wie Selbstgefälligkeit, und nichts ist so eifersüchtig.
  • Wenn zwei Menschen mit einander reden, so muß sich derjenige mit mehr Verständnis auf das Niveau desjenigen mit weniger Verständnis begeben.
  • Nichts unterdrückt die Wahrheit so sehr wie gegenseitige Bedürfnisbefriedigung.
Was sich in allen diesen Regeln zeigt, ist das Wesen der Natur selbst. Erfolg wird hermetisiert, Mißerfolg aussortiert, Potential gehütet und verfolgt, Ressourcen werden verschlungen, Nischen gefüllt.

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8. März 2012

Reiseimpressionen

Frankreich. Es ist erstaunlich, wie sehr Frankreich einer Wüste gleicht, in welcher seine Städte die Oasen bilden. Und auch diese Oasen sind seltsam steif, alles ist auf seinen Zweck ausgerichtet, die Franzosen verfolgen ihre Geschäfte mit dem Trotz eines Kindes, welchem man seinen Willen verboten hat, aber zugleich mit der Reife des Alters, die Genüsse des Lebens auskostend.

Warm sind sie, aber vernünftig und sich theatralischer Stanzen zur Unterstreichung ihrer Würde bedienend.

Die Kirchen wirken offen und integriert, zugleich aber drohend schwer, nicht durch ihre Masse, sondern durch die Gesetzmäßigkeit ihrer Form. Fast scheint es, als flösse die Stadt aus der Kirche aus.

Alles in Frankreich ist eine Aufführung, gesittet und distanziert. Aber den Franzosen gefällt es, ihre Rolle spielen zu können. Es ist ihr heimliches Vergnügen.

Deutschland. Gediegenheit, den Gast bei der Hand nehmend und ihm versichernd, daß es das bei uns auch gebe. Mit breiter Brust prahlend und stolz auf die eigenen Werke, als wären sie leibliche Kinder.

Die Deutschen stehen sich leicht gegenseitig auf den Füßen und vergessen sich dabei, so daß es zu kindisch bizarren Auftritten kommt. Ihre Städte verraten weniger Konzeptionen als eifrige Anpassung an den Geschmack der Nachbarn.

Ihre Kirchen sind Fluchtburgen, ziehen sich förmlich vor der sie umgebenden Stadt zurück.

Schweden. Ein Land zwischen Ordnung und Ausbruch.

Die Landstraßen gerade und zum Schutz vor Elchen eingezäunt, die Fahrzeuge mit Sollgeschwindigkeit bewegt. Blumenbeete am Stadteingang zum Willkommensgruß. Die Städte etwas grau, die Landhäuser strahlend.

In der Öffentlichkeit die Menschen steif und abmessend, in privat empfundener Umgebung vertrauens- und leutselig oder ungezügelt auftrumpfend.

Die Kirchen verwunschen, in der Waage zwischen Träumen und Erinnerungen, umhegte Orte der Verletzlichkeit.

Polen. Die Polen lieben die Verschleierung, Haus und Garten im Tal hinter bewaldetem Hügel.

Die Insignien des Staates wirken schwer und alt, wie moosüberwachsene Grenzposten im Fichtenwald. Die Menschen entziehen sich der Ordnung gleich wie sie sie erdulden.

Sie sind von einer eröffnenden Wärme, sowohl unter einander als auch zu Fremden. Ein Spiel mit Türen in einem Palais, frivol, gedankenlos, unterschwellig katholisch.

Es zeigt sich zuweilen auch im Stadtbild, wenn es zu schmücken und auszuschildern gilt, die selbe kindliche Offenheit und Fürsorge.

Ihre Kirchen habe ich nicht gesehen, nur die Reste und Restaurationen deutscher Kirchen.

Estland. Es liegt eine Schwere unter dem Land, es bricht durch die Jahreszeiten wie ein Eisbrecher durchs Eis, nie wird es im Innersten von ihnen berührt, stets bleibt die Erinnerung an das Kommende wach, vermischen sich die Zeiten in eins.

Die Menschen lauern in individuell eingerichteten Nischen dem Fremden auf, stets besorgt, sich mit dem Nötigen zu versorgen. Sie selbst sind vorsichtig, schwelgerisch, gelegentlich ausreißend, dabei mit zunehmendem Alter klarsichtiger und selbstsicherer. Oftmals sieht man sie sich gegenseitig übertölpeln.

Ihre Städte gleichen Katalogen der Architekturgeschichte, Zeugnisse jahrhundertelangen Ausbesserns, und ihre Landhäuser Paradiesentwürfen.

Die Kirchen durchsetzen abstrakten Symbolen gleich die Landschaft, weiße, massive Bauten des Ideellen.

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7. März 2012

Intelligenz

Ich mache hier die Voraussetzung, daß Intelligenz in einem Bewußtsein wirkt, damit ich mich auf subjektive Formen beziehen kann, aber alles gilt unverändert genauso mit objektiven Formen und ohne Bewußtsein.

Intelligenz. Unter Intelligenz verstehe ich einen Prozeß, welcher zu in einem Bewußtsein auftretenden Formen Regeln findet, welche mit einigem Erfolg als Gesetzmäßigkeiten dieses Auftretens verwendet werden können, und diese anwendet.

Die Qualität einer Intelligenz kann man nach verschiedenen Kriterien bemessen:
  • nach der Regelschachtelungskapazität bei der Anwendung
  • nach der Risikoabschätzung bei der Anwendung
  • nach dem Anwendungsbereich der Regeln
  • nach der Sicherheit der Regeln
Wer nun einwendet, daß ich es so dargestellt habe, daß sich Intelligenz lediglich in Physik und Maschinenbau äußert, während er Intelligenz vornehmlich im Lösen von Rätseln sieht, dem möchte ich folgendes erwidern. Auch beim Lösen von Rätseln verwendet die Intelligenz Regeln, welche Aussagen über das Auftreten von Formen im Bewußtsein machen. Diese Regeln heißen Heuristiken, und die Formen Informationen.

Offenbar ist die menschliche Intelligenz der tierischen dadurch überlegen, daß sie sich auf Begriffe als Formen beziehen kann, wodurch der Anwendungsbereich ihrer Regeln bei weitem größer ist.

Als nächstes möchte ich mich kurz mit der Frage beschäftigen, ob man intelligente Handlungen als solche erkennen kann.

Ob etwas klug oder dumm war, kann man offenbar nur dann entscheiden, wenn man weiß, welche Absicht hinter der Tat stand. Das weiß man aber normalerweise nicht. Deshalb werde ich mich an folgendes Kriterium halten:
  • Je länger eine unwahrscheinlich scheinende Reihe von den jeweils nächsten Prozeß ermöglichenden Prozessen ist, desto wahrscheinlicher ist in ihr Intelligenz am Werk.
Natürlich ist das vage, es bleibt unbestimmt, was man einen Prozeß nennt und wie man die Wahrscheinlichkeit seines Eintretens bemißt und damit verbunden, wonach man die Ermöglichung von der Ursache seines Eintretens unterscheidet, aber allgemein läßt es sich nicht besser fassen.

Immerhin läßt sich nun mit einiger Deutlichkeit fragen, ob in der Welt eine göttliche Intelligenz am Werk ist. Reine Spekulation natürlich, daß Gott der Vermittler aller Bewußtsein ist, ist gewiß, aber ob er dabei intelligent vorgeht oder wie seine Intelligenz beschaffen wäre, können wir natürlich nicht sagen.

Nichtsdestotrotz erlaube ich mir folgende Phantasie. Die Formen, auf welche Gottes Intelligenz Bezug nimmt, sind unsere Lebenserfahrungen, und sie sucht zwischen diesen Gesetzmäßigkeiten des Auftretens, um, wenn sie welche gefunden hat, sie in kreativen Akten zu berücksichtigen.

Kreativ, nur zur Erinnerung, ist per Definitionem Gott alleine.

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6. März 2012

Kirche

Ich sehe gerade, daß es Not tut, den Begriff Kirche zu definieren, da ich ihn nicht in einer der üblichen Bedeutungen verwende.

Kirche. Unter einer Kirche verstehe ich einen Orden, welcher es sich zur Aufgabe gesetzt hat, dafür zu sorgen, daß den Menschen aus ihrer geistigen Verwirrung kein Unheil erwachse.

Diese Definition setzt natürlich implizit voraus, daß die Ordensmitglieder geistige Klarheit besitzen. Andernfalls kann es sich nicht um eine Kirche handeln. Es können zwar verschiedene Kirchen gleichzeitig bestehen, aber da geistige Klarheit etwas Objektives in dem Sinne ist, daß sie sich eindeutig aus der conditio humana ergibt, können diese in Sachfragen nicht unterschiedliche Ansichten vertreten und sind einander zur Rede verpflichtet, um sich entweder gegenseitig aus Irrtümern zu helfen oder sich gegenseitig ihr Kirchesein abzusprechen.

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Glück

Und man weiß natürlich, daß man am Ende das Gefühl haben wird, eine Stunde im Wartezimmer gesessen zu haben.

Feindschaft, Ungerechtigkeit, Abgrenzung: Grade derselben Sache.

Ohnmacht.

Power process hat es Ted Kaczynski genannt. Aber ich glaube nicht, daß jeder einen Rienzi komponieren will.

Was wäre denn Erfolg für mich?

Nun, das läßt sich präzise sagen: Wenn die Menschen vollständig die Verantwortung für ihre Organisiertheit übernähmen.

Ich sagte, dazu müßten sie den vierten geistigen Horizont besitzen. Wenn man es streng nimmt, schon. Dessen ungeachtet ließen sich allgemeine Regelungen von der weitreichendsten praktischen Bedeutung niederlegen. Und ich betrachte es so, daß kein Mensch das Recht hat, sich den ihm so zugewiesenen Aufgaben zu entziehen. Die Verantwortung besteht, und wer sie aufgrund seiner geistigen Unreife nicht eigenständig übernehmen kann, muß sich eben der Anleitungen zu ihrer Übernahme bedienen, welche ihm Reifere überließen.

Es bliebe auch dann ein Wartezimmer für mich. Aber es verwandelte sich in eine Schale, welche vom Lebendigen abfiele. Es ist schon so, wir fürchten in der Erde zu verfaulen, ohne zu keimen, Glück, das ist das Ende der Selbstverurteilung, nur ob und wie die Schale bricht?

Es wird mir zunehmend klarer, daß es einen Zwang zur Kirche gibt, nicht daß ich übermäßig glücklich mit den bestehenden wäre, welche nicht die Anleitungen geben, welche ich gäbe, aber Anleitung muß sein und nur eine Kirche kann sie geben.

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5. März 2012

Würde

Worin besteht die menschliche Würde? Und wann geht sie verloren?

Ich habe mir gestern diese Frage gestellt und bin dabei darauf gestoßen, daß sie wohl darin besteht, ansprechbar zu sein.

Ansprechbar, das bedeutet, daß ich im Grunde jedes Thema, welches mir auf dem Herzen läge, mit der betreffenden Person besprechen könnte, vorausgesetzt, daß es einen Grund gäbe, es mit ihr zu besprechen.

Ich fand, daß die meisten Menschen, welche mich umgaben, diese Würde besaßen. Ich fand aber auch, daß diese Würde systematisch gefährdet wird.

Es sind wieder die Achtenden, welche sich am Anfälligsten zeigen. Nur allzu leicht akzeptieren sie, daß sich nicht ansprechen zu lassen einen Statusbeweis darstelle, was weniger ein Problem derjenigen ist, welche über einen hohen Status verfügen als derjenigen, welche gerne einen hohen Status hätten.

Natürlich kann die eigene Würde auch aus anderen Gründen verloren gehen, man seine Ansprechbarkeit verlieren, aber der Wunsch dazuzugehören, indem man sich abgrenzt, ist derjenige, welcher diesen Verlust systematisch vorantreibt, denn das bestehende Gesellschaftssystem benutzt ihn zur Menschenführung.

Ansprechbarkeit ist aber etwas Großes, sowohl wenn es darum geht, zu neuen Ufern aufzubrechen als auch darum, Mißstände zu bereinigen und sich so den eigenen Platz zu erhalten. Durch Ansprechbarkeit allein mag zwar noch wenig gewonnen sein, dazu gibt es zu viele Erfolgsvoraussetzungen, aber wo sie fehlt, da kann kein Frieden einkehren. Die systematische Zerstörung der menschlichen Würde wird uns alle in die Hölle stoßen, wenn wir keinen Weg finden, ihr zu begegnen oder das System zuvor in sich zusammenbricht. Es ist abscheulich, daß man sogar über diesen Punkt besorgt sein muß. Wie wenig sich doch der Körper der Gesellschaft um seinen eigenen Verfall kümmert.

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4. März 2012

Vom vierten Bewußtseinshorizont

Was im vierten Bewußtseinshorizont in den Blick kommt, das habe ich natürlich schon beschrieben. Nun ist es aber so, daß man die alltägliche Erscheinung der übrigen drei Bewußtseinshorizonte auf sehr einfache Weise beschreiben kann, nämlich schlicht als sinnlich, herzlich und verständig. Eine solche Beschreibung ist durchaus auch für den vierten Bewußtseinshorizont möglich, nur stellen sich an der Stelle Fragen.

Der vierte Bewußtseinshorizont öffnet den Blick auf den Umstand des bewußt Seins und damit zugleich auf die schwarze Tiefe der Transzendenz hinter diesem. Was für einen Eindruck würde man von einem solchen Menschen erwarten? Einen gespenstischen? Nicht, daß diese Erwartung gänzlich falsch wäre, aber sie trifft nicht die alltägliche Erscheinung.

Nein, alltäglich äußert sich der vierte Bewußtseinshorizont nicht durch die Kenntnis jener schwarzen Tiefe, genauso wenig wie sich der erste durch die Kenntnis eines bestimmten sinnlichen Reizes äußern würde, in der alltäglichen Erscheinung liegt vielmehr die Grundhaltung, welche sich aus dem Wissen um das Mögliche ergibt.

Und für den vierten Bewußtseinshorizont führt das auf einen intimen Fatalismus, ein Zustand der Nähe zu allem und jedem, welcher sich dabei aber der Bestimmungsunterschiede bewußt ist.

So weit, so uninteressant. Aber der konkret im vierten Bewußtseinshorizont Lebende ist damit noch nicht erfaßt. Dieser intime Fatalismus kann unterschiedliche Formen annehmen, welche mir aber nicht gleichwertig scheinen, vielmehr scheint mir eine bestimmte Form die richtige zu sein, nämlich die in Verbindung von Güte, Zuversicht und Willenskenntnis, wobei ein bekannter Wille offenbar ein beschränkter ist.

Zum einen bereitet der letzte Punkt natürlich Schwierigkeiten, zum anderen stellt sich die Frage nach der Verantwortung für das Ganze, wenn man sie nicht auch unter ersterem faßt.

Freilich, bei ersterem denke ich eher daran, welches Maß an Liebesbeziehungen und weltlicher Involviertheit das richtige ist. Ich neige diesbezüglich zur Übervorsicht und daraus ergibt sich der Argwohn, daß ich gierzerfressen sein könnte. Wahrscheinlich bin ich es nicht. Weder neige ich dazu, mir mehr aufzubürden als ich tragen kann, noch bin ich im eigentlichen Sinne aufdringlich, also in dem, daß mir sozusagen niemand entkäme. Wahrscheinlich sollte ich diese Dinge lockerer sehen.

Der zweite Punkt ist aber von anderer Art, wesentlich tiefer und schwieriger. Es ist eine Sache mit sich selber Frieden zu schließen. Aber was soll man tun, wenn man weiß, daß es Frevel in der Welt gibt, welcher getilgt werden muß? Es hilft nicht einzuwenden, daß wahrer Frevel schon getilgt werden wird, daß dies quasi die Definition wahren Frevels ist, denn er wird nicht teilnahmslos getilgt.

In soweit man selbst emotional an der Aufrichtung der Zukunft beteiligt ist, stört es den eigenen Seelenfrieden, niemand kann zugleich seiner Seele gänzlich treu sein und sich um die Welt sorgen, letzteres ist stets ein Abweichen vom eigenen Impuls aus Furcht, der Welt nicht gewachsen zu sein. Sorge bedeutet, nicht umzugehen zu wissen, und es liegt in der Natur der Sache, daß es unmöglich ist, mit allem umzugehen. Die Frage lautet also, mit was umzugehen unsere Seele von uns fordert.

Oder anders ausgedrückt, welche Frevel zu tilgen sind wir gekommen? Und wann sind uns all jene nur noch Vergnügen, Gegenstand unserer Funktionserfüllung?

Wahrlich, es ist ein langer Weg.

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