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16. Juni 2017

Formen der Komödie

Ich möchte in diesem Beitrag die unterschiedlichen Formen der Komödie dialektisch herleiten und besprechen.

Zunächst einmal sind Komödien im weiteren Sinne in Komödien im engeren Sinne und Fabeln zu unterteilen: während der Humor einer Komödie direkt wirkt, wirkt der Humor einer Fabel nur im Gleichnis.

Beschäftigen wir uns an dieser Stelle zunächst mit den Fabeln, da ihre Unterteilung weniger verzweigt.

Fabeln unterscheiden sich zunächst hinsichtlich der Eindeutigkeit des Gleichnisses. Ist es vage und mehrdeutig, so möchte ich von intellektuellen Fabeln sprechen (freilich in der Bedeutung von intellektualistischen, aber diesen einen Begriff verwende ich aus Prinzip nicht), und ist es klar und eindeutig, so von konzeptuellen.

Die konzeptuellen Fabeln wiederum unterscheide ich dann nach der Gelassenheit des Geistes, welchem sie entspringen. Ist es ein resignativer, so spreche ich von ironischen Fabeln, ist er hingegen verbissen, so von bissigen.

Intellektuelle Fabeln.
The Great Race, The Hitchhiker's Guide to the Galaxy, Monty Python's Life of Brian.

Ironische Fabeln.
Alexandre le bienheureux, Cactus Flower, Kin-dza-dza!, Shaun of the Dead.

Bissige Fabeln.
Hoří, má panenko, Hot Fuzz, Tucker & Dale vs Evil.

Die besten Szenen in intellektuellen Fabeln sind oftmals sehr albern, die besten Momente in bissigen Fabeln streifen das Überzeugende in der Darstellung dessen, was sie angreifen, um es dann wahlweise der Tragik oder der Komik auszuliefern, das heißt wahlweise seine Grausamkeit oder seine Unattraktivität herauszustellen, je nachdem, wie mächtig es ist, und die besten Passagen in ironischen Fabeln sind jene, in welchen die weitere Entwicklung der Handlung erahnbar wird, also in Alexandre le bienheureux etwa die träumerische Bewunderung Alexanders durch die neuzugereiste Dame, in Cactus Flower Ingrid Bergman's erste Anzeichen von Verschnupftheit, in Kin-dza-dza! das Aushändigen der Nasenglocke und in Shaun of the Dead die ersten Supermarktbesuche.

Ich habe eine klare Vorliebe für ironische Fabeln, und innerhalb der bissigen für solche, in welchen ihr Gegenstand keine Gewalt über die Protagonisten hat, so daß sie frei sind, ihn schlicht von sich zu weisen (was bei den genannten nur bei Hot Fuzz der Fall ist). Die Gegenstände sind natürlich Egoismus bei Hoří, má panenko, Heile-Welt-Totalitarismus bei Hot Fuzz und Meinungsformung bei Tucker & Dale vs Evil.

Doch wenden wir uns nun den Komödien zu. Die erste Unterscheidung, welche ich mache, ist die nach der Reinheit, denn es gibt gewisse Komödien, welche als solche bezeichnet werden, ohne es gänzlich zu sein, also neben reinen Komödien auch hybride.

Die hybriden Komödien kann ich offensichtlich nicht vollständig klassifizieren, weil sie das Gebiet der Komödie partiell verlassen, aber ich kann doch die beiden wichtigsten Vertreter angeben, nämlich die Klasse der Gauner- und die der romantischen Komödien.

Gaunerkomödien sind deshalb keine reinen Komödien, weil sie sanft moralisieren, also die Gauner leer ausgehen lassen, und romantische Komödien sind deshalb keine reinen, weil sie bei der Zusammenführung der Hauptpersonen Absicht walten lassen.

Bleiben also die reinen Komödien. Hier ist der erste Unterschied, ob die Komödie individuell oder sozial ist.

Die individuellen Komödien sind weiterhin danach unterschieden, ob die betrachteten Individuen aktiv oder passiv sind. Im ersteren Fall spreche ich von heroischen, im letzteren von Verwicklungskomödien.

Heroische Komödien.
Beverly Hills Cop, The Blues Brothers, Brewster's Millions, The Cannonball Run, Crocodile Dundee, Ferris Bueller's Day Off, Fletch, Ghostbusters, Groundhog Day, The Love Bug, Raising Arizona.

Verwicklungskomödien.
Mr. Bean, Being There, Le grand blond avec une chaussure noire, Laurel and Hardy, A Shot in the Dark, Some Like It Hot, Spies Like Us.

Verwicklungskomödien sprechen die natürliche Neigung des Menschen an, über seine eigenen Mißgeschicke zu lachen, also über die Situationen, in welchen er intellektuell überrumpelt wurde, wobei der Witz auch dann zum Vorschein kommt, wenn alles gegen alle Wahrscheinlichkeit gut geht.

Heroische Komödien setzen hingegen eine nicht gänzlich natürliche Neigung, sich irgendwie durchzumogeln, voraus, denn ihr Humor ist in Wahrheit Bewunderung.

Womit wir zu den sozialen Komödien kommen, welche zunächst danach unterschieden sind, ob sie die realen Verhältnisse zeigen oder fiktive, wonach sie entweder reale oder fiktive Komödien sind.

Die fiktiven Komödien wiederum sind danach unterschieden, ob die Abweichung von der Realität dem Individuum oder der Gesellschaft entspringt. Im ersten Fall spreche ich von schwarzen- oder Unsinnskomödien, je nachdem, ob es keine Rücksicht auf das Leben oder die Logik gibt, und im zweiten von Sittenkomödien, in welchen die Gesellschaft etwas Unsittliches gestattet.

Und die realen Komödien schließlich sind danach unterschieden, ob das Reale ein Geschehen oder ein literarisches Werk ist. Im ersten Fall spreche ich von Satiren, im zweiten von Parodien.

Satiren.
Best Defense, The Fortune Cookie, Hopscotch, Meet the Parents, One, two, three, Step Brothers, Switching Channels, Taxi.

Parodien.
Clues, Murder by Death.

Schwarze Komödien.
Arsenic and Old Lace, The End, Going in Style, Ruthless People, The Trouble with Harry, Weekend at Bernie's.

Unsinnskomödien.
Airplane!, Der Schuh des Manitu, Top Secret!

Sittenkomödien.
Le dîner de cons, Le jouet, The Odd Couple, Trading Places.

Satiren sprechen aus, was den Beteiligten oftmals auf der Zunge liegt, weshalb sie sich auf dieselbe zu beißen pflegen.

Parodien hingegen wiederholen nur, was eh schon alle sagen.

Schwarze Komödien beziehen ihren Reiz in erster Linie aus der Gelöstheit, welche sich daraus ergibt, die Überlebensfrage für eine Weile zu vergessen.

Und bei Unsinnskomödien ist es die Ablösung von der Pflicht der Konsistenzprüfung.

Sittenkomödien schließlich leuchten den Bereich der Dinge aus, zu welchen der Mensch wohl fähig wäre oder sie erleiden müßte, wenn er nicht an ihnen gehindert würde.

Parodien sind meistens schlecht, die Qualität von Unsinnskomödien hängt stark vom Gespür für das Ausgeblendete ab (bei Top Secret! ist es großartig) und die übrigen sozialen Komödien pflegen gut zu sein.

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