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31. Januar 2017

Die Themen der Anschauung

Ich hatte bereits im Beitrag Erfassungen, beurteilende Eindrücke oder Anschauungen eine Unterteilung der Anschauungen in Erfassungen, beurteilende Gefühle und Begriffe angegeben, welche ich hier im Rahmen der Fixierung der uns bekannten logischen Verhältnisse weiter explizieren und in ihren natürlichen Zusammenhang stellen werde.

Es gibt vier Arten der Anschauung, nämlich
  • Erfassung,
  • Erwägung,
  • Untersuchung und
  • Sortierung.
Jede dieser Anschauungsarten ist zugleich eine spezielle Art der Thematisierung,
  • die Erfassung erzeugt einen Gegenstand,
  • die Erwägung erzeugt eine Ratsamkeit (ein beurteilendes Gefühl),
  • die Untersuchung erzeugt einen Begriff und
  • die Sortierung erzeugt eine Position.
Diese Themen dienen unterschiedlichen Zwecken,
  • der Gegenstand dient der Identifizierung,
  • die Ratsamkeit dient der Entscheidung,
  • der Begriff dient dem Umgang und
  • die Position dient der Aufsuchung.
Identifizierung ist der Akt, durch welchen wir zu unterschiedlichen Zeiten von demselben Gegenstand sprechen können.

Entscheidung ist die Aktualisierung einer von mehreren alternativen Handlungsmöglichkeiten, bei welcher uns also Erwartung, Eifer und Verdruß, Vertrauen auf Gunst oder Sicherheit, sowie Glücklichkeit, Wertschätzung, Liebe und Stolz beraten.

Umgang ist jeder sich auf den Inhalt der Formen der Sensibilität beziehende Akt.

Und Aufsuchung ist der Akt der Einengung des Möglichen auf das Relevante.

Ein Begriff ist ein Eindruck, welcher einen Gegenstand der Formen der Sensibilität um ein Verhältnis zur eigenen Existenz anreichert, etwa einen Körper durch den Eindruck seiner Nähe und seines Winkels, einen Raum durch den Eindruck seiner Ausgefülltheit oder eine Stimme durch den Eindruck ihrer Freundlichkeit.

Positionen hingegen sind das, was ich sonst bezügliche Begriffe oder Verhältnisse genannt habe, nämlich Eindrücke, welche sich nach einer Eichung auf einen zuvor erfaßten Gegenstand zu auf ihn beziehbaren Gegenständen einstellen, etwa daß ein Körper größer sei oder weiter entfernt als ein anderer oder eine Distanz länger als eine andere oder auch, daß ein Körper auf einem anderen stehe, ja, sogar daß eine Farbe eine Fläche ausfülle, wobei die Fläche dort zur Eichung herangezogen werden muß.

Bezeichnung, die willkürliche Entscheidung zur Besinnung auf den bezeichneten Eindruck unter dem Eindruck der Bezeichnung, erzeugt einen Beschluß, welcher Teil der eigenen Haltung ist, und welcher den Begriff der Bezeichnung, etwa der Lautfolge Capuccino, ändert, und zwar wie folgt. Sprechen Sie mir nach: Cannucci. Was passiert? Nichts. Cappucci. Was passiert? Nichts. Cappuccino. Was passiert jetzt? Sie spüren eine unangenehme Verpflichtung, den Wohlklang durch Sinn zu ersetzen, und dieser Verpflichtung kommen Sie alsbald nach.

Sprache, unabhängig davon, daß sie auf Bezeichnungen beruht, besteht aus der Analyse und Synthese der Themen der Anschauung, im Falle der Analyse ist es Sprechen und logische Fixierung, im Falle der Synthese Lauschen und Besinnung.

Die hier vorgenommene Analyse beginnt mit den in den Anschauungen vorliegenden Gesamtheiten der Einsicht, und es muß genügen zu diesen vermittels der Besinnung zurückzufinden.

Eine Anmerkung zum Schluß.
Jene, die der Stille lauschen, verpüren wenig Neigung, Menschen zu lauschen.
Es ist nicht grob, was feinfühlig ist.

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29. Januar 2017

Translating Mephistopheles

Michael Klonovsky reads David Luke and isn't pleased.
Part of the Power which would
Do evil constantly, and constantly does good.
Now, before we start  big discussions about the value of reading poems in the original vernacular, let me propose a different translation for
Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
namely
A part of forces arrayed,
Who aim for bad, but good they bait.
That is so neat, you'd think the German is translated.

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Anschauung und Einsicht

Einsicht besteht aus dem Bewußtsein, daß die augenblickliche Anschauung eine logische Struktur aufweist. Es ist nicht unbedingt nötig, diese Struktur im Augenblick der Einsicht zu kennen, wiewohl es selbstverständlich im Rahmen einer Formalisierung des Denkens nahe liegt, mit Einsicht die Verifikation einer Aussage in Ansicht ihres Gegenstandes zu bezeichnen, wie ich es auch in den Anfangszeiten dieses Blogs getan habe, aber es gibt etliche Beispiele, welche einen eines besseren belehren, von denen ich einige bereits angegeben habe und ein weiteres möchte ich im folgenden angeben, weil es nebenbei auch noch belegt, daß die Zusammenfassung von Erfassungen und Begriffen im Konzept der Anschauung, welche ich im vorigen Beitrag vorgenommen habe, gerechtfertigt ist.


Betrachten Sie die Streben dieses Sonnenschirms als Tatzenkreuz, also als ein Kreuz, dessen Arme von jeweils zwei Streben gebildet oder begrenzt werden. Dies ist nichts weiter als eine spezielle Erfassung, welche vom Gefühl der Einsicht begleitet wird, und zwar der Einsicht, daß es 8 = 2*2*2 Streben sind, 2 Richtungen mit jeweils 2 Seiten mit jeweils 2 Streben, aber dies zu wissen ist nicht nötig für den Eindruck der Einsicht.

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28. Januar 2017

Erfassungen, beurteilende Eindrücke oder Anschauungen

Neben den zuletzt besprochenen beurteilenden Gefühlen gibt es noch eine weitere Art beurteilender Eindrücke, und zwar die Begriffe.

Beurteilende Eindrücke entstehen aus einer Anstrengung zur nämlichen Beurteilung heraus, welche indes nicht absichtsvoll zu sein braucht, und werden als eigene Reaktionen auf die Eindrücke, welche sie beurteilen wahrgenommen.

Am deutlichsten wird dies am Eindruck der Nähe, welcher entsteht, wenn man die eigene Faust zügig dem eigenen Auge nähert.

Das Faktum der Reaktion wird dabei aus der veränderten Erfassung des beurteilten Gegenstandes geschlossen: Zunächst erfassen wir die Faust lediglich, dann aber wird die Erfassung um den Eindruck ihrer Nähe erweitert, zunächst erfassen wir die Faust nur, dann halten wir sie für nah, wobei uns diese Verstandesakte, die Erfassung und die unterschiedlichen Beurteilungen, im Augenblick der Einsicht als wahrnehmungsbildende Anstrengungen bewußt sind.

Die letztere Klasse ist offensichtlich die fundamentale und verdient eine prägnantere Bezeichnung, unsere wahrnehmungsbildenden Anstrengungen sind unsere Anschauungen.

Wenn man es so fäßt, kommt es dann so heraus, daß das spezifisch menschliche Vermögen darin besteht, das eigene Anschauen objektivieren zu können.

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25. Januar 2017

Eine Geburt und 42 Geburtstage

Geburt. Anschlag auf britische Soldaten.

1. Geburtstag. Erdbeben in China.
2. Geburtstag. Erdbeben in Mittelamerika.

Bruder wird geboren.

3. Geburtstag. Ein Zug fährt auf einen anderen auf, entgleist und stürzt ab.

Oberstufe rückt ins Blickfeld.

16. Geburtstag. Anschlag auf israelische Soldaten. 3 aufgestellte Weltrekorde.
17. Geburtstag. 1 aufgestellter Weltrekord.

Hochschule rückt ins Blickfeld.

20. Geburtstag. Anschlag auf eine sudanesische Moschee. 1 aufgestellter Weltrekord.
21. Geburtstag. 1 aufgestellter Europarekord.

Bekanntschaft mit W. F.*

22. Geburtstag. Schneesturm und Kälterekord eingestellt in den Vereinigten Staaten.

Eingeständnis meiner Liebe zu W. F.

23. Geburtstag. Zwei Armeehubschrauber kollidieren und stürzen ab.

Wechsel des Studiengangs

24. Geburtstag. Erdbeben in Afghanistan.

Wechsel des Studienorts

25. Geburtstag. Amerikanische Polizisten erschießen unbewaffneten Afrikaner. Öltanker läuft auf Grund.

Heirat

32. Geburtstag. Massenpanik in den Philipinen.

Googlesuche nach W. F., Entdeckung ihrer Nachricht an mich, Telephonat mit ihr, Einsicht meiner konkreten Unverpflichtetheit, Beginn der gedanklichen Aufarbeitung.

38. Geburtstag. Überschwemmung in Australien.
39. Geburtstag. Anschlag auf irakische Soldaten. 2 unabhängige Buskollisionen.
40. Geburtstag. Ein Bus stürzt in eine Schlucht.
41. Geburtstag. Ein Flugzeug stürzt beim Start ab.

Es ist dann wohl doch mehr als nur ein kosmischer Kommentar, den Anschlag am Tag meiner Geburt lese ich als Ankündigung der Feindschaft, mit welcher mir die Welt begegnen würde, die meisten Ereignissen hängen mit zwischenmenschlichen Ambitionen zusammen, einige mit akademischen Ambitionen. Die zwischenmenschlichen Ambitionen werden von (Transport-)unglücken begleitet, die akademischen von Sportrekorden.

Die Anschläge fallen auf meine Geburt, die kommende Oberstufe, die kommende Hochschule und möglicherweise den Wunsch meiner Frau, unseren Sohn damals schon in den Kindergarten zu stecken, wiewohl wir das dann doch nicht getan haben.

Mit etwas Wohlwollen könnte man davon sprechen, daß Anschläge Einlaßbedingungen sind. In dem Zusammenhang sollte ich erwähnen, daß Breivik sein Attentat am Morgen nach der Nacht verübte, in welcher ich W. F.s Arbeitsadresse ausfindig gemacht hatte und ihr das auch schrieb - ein Brief, freilich, welcher sie nie erreichte - ich schrieb ihr dann noch einmal unter der Arbeitsadresse selbst.

Bleiben die Naturkatastrophen. Offensichtlich hängt die Kälte mit der Angst zusammen, nicht nur mit meiner, sondern beispielsweise auch mit der der Russen im Winter '41/'42.

Die Überschwemmung mag die Folge meines Aufweichens gewesen sein. Und die Erdbeben?

Nun, ich weiß, womit sie im Zusammenhang stehen, wenn auch nicht auf der Grundlage der hier genannten Beben. Ein Erdbeben ereignet sich immer dann, wenn man spirituell einen neuen Weg beschreitet.

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der menschlichen Existenz, daß derartige Zusammenfälle - es ist ja nicht so, daß mir oder irgendjemandem sonst hier etwas zugefallen wäre - nur solchen Menschen begegnen, welche bereit sind, an sie zu glauben, was, wenn ich es hier so vortrage, etliche empören wird, weil sie nicht nur selbst nicht daran glauben, daß die Welt ihre Gemütsverfassung mit Winterstürmen, Überschwemmungen und Erdbeben begleitet, sondern darüberhinaus noch jene, welche es tun, wenn auch nicht unbedingt für verrückt, so doch in jedem Falle für Gotteslästerer halten.

Wie auch ich, übrigens, bis ich bei der Suche nach einem Konfirmationsspruch auf das leicht abgewandelte Pauluszitat: Denn jene, welche sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. stieß.

Es gibt tatsächlich eine Einheit mit unserem Schöpfer in dieser Welt, eine Welt, in welcher Zugang mit Feindseligkeit erkauft wird und zwischenmenschlicher Verständigung im Normalfall - nun ja, so normal in jeder Hinsicht vielleicht nicht - bestimmt ist zu verunglücken. Gibt es eigentlich Ehen, in welchen die Ehefrau keine wiederkehrenden Panikanfälle hat? Ich kenne jedenfalls keine. Und wie ich damals litt, leidet heute mein Sohn, wenn die Mutter wieder einmal die Nerven verliert.

Und wer meint, er glaube besser an etwas anderes, denn die Freiheit habe er ja auch, also insbesondere an seine eigenen Taten, muß am Ende sehen, daß seine eigenen Taten ihn mit der größten Zwangsläufigkeit und ohne Hoffnung auf ein Entkommen zu Grunde richten.

Die Offenbarung des Johannes ist ein Albtraum, aufgestiegen aus einem unbedingten Herzen, die Vergeltung dafür, einen Weg ohne jeglichen Zweifel an ihm zu wählen, die Ahnung des zuletzt errungenen Preises. Ich hatte auch so einen Albtraum, wenngleich in keiner Weise so detailliert wie die Offenbarung, aber es ist auch nicht an mir, einen so detaillierten Albtraum zu haben. Am Ende meines Albtraums stand die Hinschlachtung aller Makelbehafteten, das Ende des Zeitalters der Wunder und der Beginn des Zeitalters der Wacht, wie die Offenbarung das Ende des Zeitalters der Werke und den Beginn des Zeitalters der Wunder, obgleich diesen nur vage, beschreibt.

Wenn ich es richtig verstehe, ist Legend Ridley Scott's Auseinandersetzung mit seinem Mißbrauchs Sean Young's in Blade Runner, seiner Obszession, sie mit 17 Jahren eine explizite Sexszene mit Harrison Ford spielen zu lassen, und das Einhorn ist ein Monster, welches er fürchtet, ein Rächer Gottes an jenen, welche sich an Seinen Kindern vergehen. Nun, dies wäre also der christliche Rächer, der Rächer der Griechen war die Sphinx. Und sie beschützt nicht die Unschuldigen, sondern die Bedingungslosen. Das Monster in meinem Albtraum ähnelte einer Frau, aber nicht in jedem anatomischen Detail, es war sphinxhaft, ein Monster der Wacht. Wenn das Einhorn ein Monster der Werke ist, beschreibt Johannes dann auch ein Monster der Wunder? Wer bietet sich mehr an als Er, der auf dem Thron sitzt. Von ihm geht das Urteil aus. Er beschützt die Gläubigen.

Der Bedingungslose verkörpert, der Unschuldige sucht, der Gläubige liefert sich aus. Ein Blick auf die Kirche genügt, um zu erkennen, daß sie die Unschuldigen beschützt und, wenn nicht Einhörner, so doch den verdammenden Strahl des schuldigen Gewissens heraufbeschwört. Dies kommt zu seinem Ende. Gottes Zorn wird wieder einmal als solcher beschworen werden. Denn darin liegt die Hoffnung in unserer Zeit, wovon die Offenbarung zeugt.

Irgendwann vor etwa einem Jahr begann ich, meine Jugend vor dem Tag, an welchem ich W. F. traf, aufzuarbeiten. Nicht unbedingt das, was man meint, wenn man sagt, man sei über jemanden hinweggekommen, aber so ist es. Mich interessiert meine universitäre Ambition nicht mehr, nicht, weil ich nicht mehr an ihr wirkte, schließlich arbeite ich immernoch an Aspekten der künstlichen Intelligenz, sondern weil da nichts mehr ist, was zu neuen Aspekten führte. Ich hatte mein Streben in eine bestimmte Form gebracht, eine Form, welche in W. F. eine ideale Begleiterin erkannte, aber das Streben, welches in dieser Form lag, hat sich vollständig realisiert und die letzten Geheimnisse meines Herzens verbleiben in jenen Fransen, welche ich damals schon abschnitt.

Wieder ein Kind zu sein... nun ja, nicht wirklich, aber in den schweifenden Momenten. Als käme man in ein Haus zurück, in dem alles noch steht, obwohl es fortwährend bombadiert worden ist. Das Erstaunen, einen Palast an der Stelle einer Ruine zu finden. Wie am Ende des Films The Asphalt Jungle. Nur innerlich. Ein Film natürlich, welcher sich auch um die Süße der Jugend dreht. Wir senden uns aus, aus kindlicher Größe, und nicht allen erlaubt sie es, zu ihr zurückzukehren, denn nichts verliert sie von sich, und manche weist sie darum ab, und keine Abweisung einer Frau wiegt schwerer als ihre, noch könnte ihre Annahme nicht jede solche aufwiegen.

Auf den Tag genau vor 271 Jahren vor meiner Geburt begangen 46 treue Diener ihres Herren Selbstmord, nachdem sie seinen Tod gerächt hatten, und auf den Tag genau vor 419 Jahren vor meiner Geburt wurde 1 aufrichtiger Verfechter seines Glaubens auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Was im menschlichen Dasein liegt, zeigt sich nicht einem einzelnen Blick, sondern umgibt jede dem eigenen Geist gemäße Betrachtung mit seiner Substanz, und hier gerade meine mit dem Gespür des geschichtlichen Zusammenhangs.

Ich werde mir kein Bein ausreißen, um dahin zu kommen, wohin die Geschichte treibt.

* Ich spüre, daß es niemanden mehr interessiert, also sei es hiermit aufgeklärt, daß ihr Name Wiebke Freese lautet(e). In jedem Falle gibt es etliche solche und weitere Hinweise auf ihre Identität gebe ich nicht.

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23. Januar 2017

Eine freiheitliche Reform der Europäischen Union

...umfaßte folgende Punkte.
  1. Verankerung des Rechts den freien Verkehr von Geld, Gütern und Menschen aus begründeten nationalen Interessen einzuschränken, was insbesondere das Recht derartige Einschränkungen gleichartig zu erwidern beinhaltet. Kein Schiedsgericht, nur Zwang zur Abgabe einer öffentlichen Erklärung der eigenen Gründe.
  2. Verzicht auf Bestrebungen der Angleichung der europäischen Sozialsysteme und damit einhergehend Verzicht auf die Währungsunion.
  3. Allgemeine Marktzulassung von Gütern, sofern diese erstens sicher sind und zweitens nicht irreführend vermarktet werden. Horrorbilder auf Zigarettenschachteln nach diesem Punkt ja, Glühbirnenverbot nein, Milchfettanteilstandardisierung nein, lediglich Kennzeichnungspflicht.
Das ist nicht viel verlangt, darin liegt kein wie auch immer gearteter Idealismus, außer, daß Menschen sich um ihre eigenen Belange kümmern sollten, dahinter steht kein Bild der Zukunft, der Umfang dieses Programms ergibt sich lediglich aus der Erwägung dessen, was die Menschen an der Europäischen Union festhalten läßt, und was sie gegen sie in Stellung bringt.

Sollten Deutschland und Frankreich nicht willens sein, sich dergestalt zu beschränken, wird die Repression zunehmen und langsam und zermürbend gegen den Punkt konvergieren, an welchem die zentrifugalen Kräfte Überhand nehmen, und davon unabhängig sollte eine Regierung meiner Ansicht nach nie aus freien Stücken in einer Politik der Verwirrung und Drohung Zuflucht suchen.

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21. Januar 2017

Ursache und Wirkung

In diesem Beitrag stelle ich eine Theorie der Ursache und Wirkung vor, gebe also ein mathematisches Modell für die Fälle an, in welchen man von Ursache und Wirkung spricht.

Ursache und Wirkung beziehen sich offenbar auf die Zeit, wir werden also bei der Modellierung Gebrauch von ihr machen.

Wir betrachten Objektfunktionen fR->Q über einem statischen Raum R in einen Zustandsraum Q und von diesen wieder dynamische Familien (fR->Q)t.

Über den Objektfunktionen betrachten wir weiterhin Objektklassen k, welche den Wert 1 annehmen, wenn eine Objektfunktion in die nämliche Klasse fällt, und andernfalls den Wert 0.

Zwischen den Objektfunktionen einer Objektklasse k betrachten wir darüberhinaus eine n-stellige Relation Xk, welche gerade jene n-Tupel von Objektfunktionen enthält, deren (Ko)-Existenz als unmöglich betrachtet wird.

Beispiele. Die Objektfunktionen mögen starre Körper modellieren, dann sind jene Paare unmöglich, in welchen sich zwei starre Körper überlappen. Die Objektfunktionen mögen die Ausdehnung und Temperatur von Wasser modellieren. Dann sind jene Objektfunktionen unmöglich, in welchen die Temperatur unter 0°C oder über 100°C liegt.

Als nächstes betrachen wir Veränderungsklassen a über den (fR->Q)t. Und wenn n-Tupel mit den Komponenten fR->Q, i aus Veränderungsklassen ai mit t->t0 gegen ein Tupel aus Xk konvergieren, wozu der Raum der Objektfunktionen selbstverständlich mit einer wie auch immer gearteten Topologie versehen sein muß, so nennen wir den Familienfilter, den von den Familienschwänzen erzeugten Filter, der n-Tupel (fR->Q)t, i.die Ursache (des Verlassens der Veränderungsklassen ai jenseits von t0*) und jedes ab t0 gültige n-Tupel von Veränderungsklassen bi ihre Wirkung.

Beispiele. Der Zusammenstoß ist also die Ursache der Richtungsänderung, beziehungsweise der neu eingeschlagenen Richtung, die Verdrängung die Ursache des Ansteigens des Wasserspiegels und die Erhitzung die Ursache des Kochens.

Zusammenfassend kann man natürlich auch schlicht sagen, daß wir immer dann von einer Ursache sprechen, wenn eine beibehaltene Veränderung auf einen unmöglichen Zustand hinausliefe, womit Wirkungen im Normalfall mit Rekategorisierungen der Dynamik zusammenfallen.

* Bei ungeeigneter Wahl der Veränderungsklassen werden sie selbstverständlich nicht verlassen, aber ich halte es nicht für zwingend geboten, dies formal einzufordern, da der Mensch sich darüber kaum jemals große Gedanken macht und doch recht elementare Veränderungsklassen verwendet, wie beispielsweise weiter in einer bestimmten Richtung oder heißer bei stehendem Wasser.

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19. Januar 2017

Zur Mechanik der Auslieferung

Es gibt eine spezifische Bitte um Annahme, ein sich Anbieten, welches scheinbar das eigene Sein der Welt übergibt, in Wahrheit aber die Welt in sich aufsaugt und im eigenen Sein bündelt. Das ist die Mechanik der Auslieferung, die eigene Seele wird den Notwendigkeiten der Welt unterworfen, in unterschiedlichem Umfang und unterschiedlicher Schonungslosigkeit zum Knecht dessen, was Not tut, gemacht, und die Not flutet die Seele und gelangt durch sie in einen Körper, welcher ihr gemäß handeln kann, sie gibt ihm sein Wesen und er verleiht ihr Gehör vor Gott.

Anders ausgedrückt fällt die transzendente Schranke dadurch, daß sich unser Wesen für die Welt öffnet: Indem wir sie erhören, erhört Gott uns. Man könnte auch sagen, daß Transzendenz eine Dimension unserer Existenz regelt, in welcher wir uns zumeist nicht bewegen, nämlich der Dimension der Anteilnahme.

Anteilnahme freilich nicht in dem indirekten Sinne, in welchem wir sie zumeist meinen, wenn wir geradezu erschrocken unsere eigene Anhänglichkeit feststellen, als Fakt unserer Gemütsbewegung, sondern Anteilnahme in einem existentiellen Sinne, daß wir nicht ohne etwas außerhalb unserer existieren wollen, und unsere Existenz also an seine binden.

Diese Worte werden oft als Zeichen der Liebe ausgesprochen, aber dann bedeuten sie nur, daß es uns lieber wäre, aufgrund unserer indirekt festgestellten Anteilnahme nicht auf den anderen verzichten zu müssen. Die Bindung an die Existenz von etwas außerhalb von uns, von welcher ich rede, ist aber eine, welche in der Not des anderen fleht, mit ihm zu sterben, wenn Gott beschlossen hat, es sterben zu lassen, und zwar deshalb darum fleht, weil der Wegfall dieses anderen das gesamte eigene Wesen bedeutungslos machte. Und dieses geschieht nie bei einem einzelnen anderen Menschen, da sich keine Idee nur in einem einzigen Menschen zeigt.

Die eine Anteilnahme ist eine Tendenz, eine Strömung und die andere eine bewußte, lebenswichtige Entscheidung. Die eine hat etwas gefunden, an welches sich die Seele ohne große Gedanken ihre Chance ergreifend haftet, und die andere stellt erschrocken fest, daß ein Teil der bezugsnotwendigen Umwelt der Seele für immer verloren zu gehen droht und greift also nach diesem aus, indem sie sich ihm sich ausliefernd öffnet.

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16. Januar 2017

Der Weg ins Unvorstellbare

Die Teilung der Welt in einen spanischen und einen portugiesischen Teil erzeugte den Ungehorsam gegen die Kirche. Nationaler Wettstreit war den Königen erlaubt, so lange sie die Rechte des Volkes nicht verletzten, Rechte, in welche es durch die Annahme des Christentums gekommen war. Indem sich die Welt nun den seefahrenden Nationen öffnete, öffnete sie sich zugleich ihrem regellosen Wettstreit, denn die Kirche konnte nicht hoffen, Mission und Eroberung unter diesen Bedingungen auf die gewohnte Art zu verflechten, zu groß waren die militärischen Verlockungen.

Was geschah also?

Die Kirche zimmerte einen illusorischen Rahmen, in welchem sie ihrem Auftrag hätte gerecht werden können, aber das Ergebnis dieser Entscheidung war, daß sie ihren Auftrag an die Nationen abtrat.

Als nächstes gedachte die Kirche die Einheit des Volkes im Rahmen der Aufhebung der Standesunterschiede durch die allgemeinen Menschenrechte wiederherzustellen, was in erster Linie daran scheiterte, daß das Bedürfnis der Engländer an dieser Aufhebung nach dem Englischen Bürgerkrieg bereits merklich gesunken war, und in zweiter Linie am Zynismus der Befreier.

Napoléon hatte in Rußland nicht viel verloren, nur ein paar hunderttausend Deutsche, die Brüderlichkeit aller Menschen war schnurstracks in etwas anderes übergegangen.

Was war dieses Mal passiert?

Die Kirche beschwor das Fundament der christlichen Menschenwürde, um die Menschheit aus ihren bestehenden Organisationen zu lösen, so daß organisationsbasierte Ungleichbehandlungen, unter welchen insbesondere Katholiken zunehmend litten, überwunden würden. Stattdessen hat sie dann dieses Fundament im Rahmen einer formal höher legitimierten Herrschaftsdoktrin zerbrochen.

Man kann auch sagen, daß die Kirche durch den Schritt der Betonung der geschichtlich gewachsenen, konkreten Würde und der Abschwächung der national formulierten ethischen Ideale ihre eigene Vorbildfunktion bei der Formulierung dieser Ideale verloren hat, mit anderen Worten also nach dem Verlust der Judikative nach dem ersten Versuch der Verteidigung ihres Einflusses nun auch noch die Legislative an die Exekutive, also die weltlichen Herrscher, abtrat.

Und in Folge dessen haben sich europäische Staatsdoktrinen dann auch zunehmend vom christlichen Glauben entfernt, was einen sich selbst verstärkenden Prozeß darstellt, denn je weiter sich eine Doktrin vom Christentum entfernt, desto weniger entsprechen ihre Herrschaftsakte christlichen Erwartungen, und je weniger Herrschaftsakte christlichen Erwartungen entsprechen, desto größer ist die Bereitschaft, vom Christentum abweichende Staatsdoktrinen aufzustellen.

Ich habe dies alles schon zuvor besprochen und stellenweise etwas anders dargestellt, mit größerem Gewicht auf dem Machtwillen der katholischen Kirche und dem gesellschaftlichen Alter, aber ich bin von der Wichtigkeit dieser Sichtweise hier überzeugt: Es zeigt sich ein Muster, das Muster des Aufstiegs des Teufels.

Ein Gut, welches man besitzt, wird daran gesetzt, ein unerreichbares Gut zu erreichen, und dadurch aufgebraucht: Zuerst die Autorität der Kirche, um der Stabilität Willen, dann ihre Heiligkeit, um der Gleichbehandlung Willen.

Es ist noch nicht zu Ende, fürchte ich. Es geht nur seinem Ende entgegen. Was bleibt?

Was der Kirche ist, ist immer auch Christi. Christi Autorität, Christi Heiligkeit. Das Vertrauen auf Christus?

In dem Sinne, daß Christus kein verbindliches Vorbild mehr ist, aber immerhin noch als ein sicherer Weg durch's Leben betrachtet wird, sowohl für den einzelnen Christen als auch für den Einzelnen in einer Gemeinschaft von Christen.

Was würde der Teufel sagen? Etwa nicht: Ihr habt doch dieses sichere gesellschaftliche Umfeld. Setzt es nur ein, und ihr werdet jene, welche sich nicht in eure Staatsdoktrin fügen, überzeugen.

Autorität für unerreichbare Stabilität, Heiligkeit für unerreichbare Gleichbehandlung, Vertrauen für unerreichbare Herrschaft.

Und was kommt dann?

Das, was wir uns heute noch nicht vorstellen können.

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14. Januar 2017

Gegenstände und Projektionen des Vertrauens

Ich sprach im Beitrag Von den beurteilenden Gefühlen davon, daß Vertrauen und Eifer Lagen beurteilten. Dies ist wie folgt zu präzisieren.

Im Gegensatz zum Eifer begegnet uns Vertrauen nicht nur im Bereich des Verstandes, sondern auch im Bereich der Vergegenwärtigung, wo ich es bisher als uneigentliche Erwartung bezeichnet habe, siehe insbesondere den Beitrag Zur Frage der Einsicht in das uneigentliche Erwarten.

Im Bereich des Verstandes beurteilen Vertrauen und Eifer genauer gesagt Ansätze in bestimmten Lagen, welche also ihre dortigen Gegenstände sind, und einem Ansatz zu vertrauen, spiegelt sich in seiner Gunst, was also die dortige Projektion des Vertrauens ist.

Auf einem Floß, beispielsweise, setzen wir auf die günstige Strömung, auf einem Segelboot auf den günstigen Wind und in der Mathematik und der Philosophie auf den auch so genannten günstigen Ansatz, welcher uns allerhand weiterführende Betrachtungen erlaubt.

Anzusetzen bedeutet dabei stets, von etwas auszugehen, auf etwas aufzubauen, um sein Ziel zu erreichen, im Falle der Mathematik und Philosophie von Aussagen und Fragen, im Falle der Physik von Körpern und Kräften und im Falle der Ethik von Überzeugungen und Wünschen.

Im Bereich der Vergegenwärtigung beurteilt das Vertrauen hingegen in bestimmten Lagen angeregte Verläufe, und einem Verlauf zu vertrauen, spiegelt sich in seiner Sicherheit, was gleichbedeutend damit ist, sein Ergebnis uneigentlich zu erwarten.

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12. Januar 2017

Der Verlorene (1951)

Ich habe mir in den vergangenen Wochen einige Filme mit Peter Lorre angeschaut, Casablanca, Arsen und Spitzenhäubchen und 20000 Meilen unter dem Meer, und so bin ich auf dem Umweg über seine Filmographie auf diesen Film gestoßen, mit welchem er die Gelegenheit, welche sich ihm als Sohn Österreich-Ungarns und deutschem Vorkriegsfilmstar nach dem Zweiten Weltkrieg bot, einmal selbst einen Film zu gestalten, nutzte.

Löwensteins Tochter stieg einmal zu einem Serienmörder ins Auto, welcher auch vorhatte, sie zu vergewaltigen und zu töten, aber als er hörte, daß ihr Vater Peter Lorre war, ließ er sie laufen - ich muß annehmen, daß es gegen seine Berufsehre ging, sich zum Werkzeug dieser besonders grausamen geschichtlichen Ironie zu machen.

Lorre spielt wieder, wie in Fritz Langs M, einen Frauenmörder. Eine konservative Wahl, könnte man sagen, und Der Verlorene ist auch für das heutige Gespür ein verstörend konservativer Film, welcher nur funktioniert, wenn man Dr. Rothe nicht als Helden, sondern ganz der Gewohnheit folgend als psychisch labilen Sonderling sieht.

Freilich, auch dann ist der Film kein Vergnügen, sondern vielmehr bedrückend, und es kein Wunder, daß ihn sich kaum jemand ansehen wollte. Ja, man kann sogar sagen, daß Lorres Film seine eigene Unbeliebtheit zum Thema hat, nicht, wie meistens in solchen Fällen, in Gestalt des Genies, welches das Publikum beschimpft, welches sich weigert, es als solches anzuerkennen, sondern als Klage des Alleingelassenen, dem nichts auf der Welt die ihm Enteilten zurücktreibt.

Dr. Rothe, welcher, nachdem er einmal damit angefangen hat, nicht mehr aufhören kann zu morden, als reuigen Sünder darzustellen, welcher Hösch richtet, weil dieser nicht bereut, ist eine selten dämliche und auch anstößige Lesart des Vorgetragenen. Dr. Rothe tötet aus Rache, weil Hösch das Leben etlicher Menschen um ihn herum zerstört hat: Inges Leben, Dr. Rothes Leben, Winklers Leben, nicht aus Bosheit zerstört, ja, die Zerstörung dieser Leben wird noch nicht einmal als unzweifelhaft falsch dargestellt, einzig der Geist, in welchem diese Zerstörung geschieht, wird es: ohne Gefühl dessen, was bewirkt wird, ohne zu wissen, was wofür eingesetzt wird - es ist das Kindische, Unmannhafte, der Mangel an Mut, Überzeugung und Betroffenheit, welchem Dr. Rothes Haß gilt.

Und über Hösch hinaus ist es die Verzweiflung über eine Welt, in welcher alles immer greller sein muß, welche sich nur noch in Grotesken genügt, welche adrenalinsüchtig ist und besoffen von großen Gesten und an sich selbst, an ihrer zwangsläufigen Durchschnittlichkeit nichts Interessantes mehr findet. Eine Welt, natürlich, welche ob ihrer mangelnden emotionalen Verwobenheit mit sich selbst um so leichter am Nasenring zu führen ist.

Nicht, daß Lorre es schaffte, dies alles meisterhaft zu entwickeln, es ist seine einzige Regiearbeit, manches an diesem Film ist etwas ungelenk, Lorres eigene Berühmtheit von zweifelhaftem Nutzen für sein Gelingen, aber er läßt sich sehen. Ich verweise zur weiteren Beschäftigung mit dem hiesigen Thema auf den Beitrag Wandel und Anhang.

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10. Januar 2017

Unbeteiligtheit

Der menschliche Geist kennt einen wachen Ruhezustand, in welchem er unbeteiligt einzig bei sich ist. Es ist der Zustand, in welchem man es säuselnd in den Ohren pfeifen hört, in welchem die Konzentration auf den ruhenden Geist einer schwebenden Weite Platz macht.

In diesem Zustand wird der Rest des geistigen Daseins zu mitreißenden Strömen, einstweilen schlummernden, aber mit ihrem Erwachen Welten schöpfenden und in sie stürzenden Kräften.

Der Ruhepunkt bleibt dabei indes als ureigenste geistige Heimat bewußt, der Mensch stürzt in Funktionen gestaltender, verhaltender, festhaltender und vergegenwärtigender Art, aber sie geben ihn nach vollendeter Beschäftigung wieder frei - zuinnerst ist der Mensch nicht Kraft, sondern formlose Substanz: Sie entäußert sich und fließt von irgendwoher wieder zusammen.

In wiefern Energie Bewußtsein ist oder sein kann, geformt von auftretenden Kräften, will ich hier nicht weiter betrachten, aber daß der Geist seine eigene Affizierung wahrnimmt und dabei die eigene Unbeteiligtheit zur Referenz hat, halte ich besser eigens fest.

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6. Januar 2017

Das psychische Kloster

Es scheint freilich, daß es heute einen Chor gibt, welcher sich auch als Chor versteht und aggressiv auf die Einhaltung des von ihm bedachten Kanons drängt.

Bedenke den Kanon! Nimm Teil am großen Werk! Laß deine Gedanken in das süße Bad der heiligen Motive tauchen:
  • der Unschuld der Andern,
  • der Güte der Diener,
  • der Ergebenheit der Herrscher.
Es ist durchaus normal sich vorzusehen, nicht in eine Geisteshaltung zu verfallen, deren Ergebnis von Anfang an feststeht und nur darauf drängt, es möglichst überzeugend zu belegen. Ich, zum Beispiel, stehe aus diesem Grunde von Religionskritik ab, und wenn ich doch einmal in diesen Geist verfalle, lasse ich mich dafür durch Unachtsamkeit oder Verkrampfung bestrafen, so daß ich mir befehlen muß, doch genauer hinzusehen oder den Dingen ihren nötigen Raum zu lassen.

Auch das Einbleuen von Äquivalenzen ist normal, da man nicht fortwährend seiner Einsicht vertrauen kann, wiewohl es für Erwachsene durchaus nicht normal ist, sie sich von andern einbleuen zu lassen.

Doch die Beschränkung der eigenen Gedanken auf ein vorgegebenes Programm, ihre gesamtgesellschaftliche Bündelung zu einem Kanon ist nicht normal, sondern gehört in ein Kloster.

Und doch, da stehen sie, die Chormeister, und predigen einstweilige Verdammnis für alle, welche dem beworbenen Impuls nicht folgen, und das heißt noch in jedem Falle: ihre Gedanken auf andere Gleise stellen, sich auf einen überlegten Ansatz besinnen, denn seltsam unüberlegt ist der Kanon, welchen der Chor anstimmen soll.

Beispielsweise hat noch kein Journalist einen habilitierten Physiker dazu befragt, was er vom Klimawandel hält: Immer sind es Informatiker, welche Computersimulationen programmieren, ohne einen Begriff von der Aussagekraft ihrer Simulationen zu haben. Unvergessen der sensationalistische Vorstoß einer englischen Programmierergruppe, welche mithilfe tausender Modelle endlich ausschließen konnte, daß sich das Wetter der nächsten Jahre außerhalb des von ihnen vorhergesagten Rahmens entwickeln könnte - nur daß es das dann doch tat.

Ersparen wir uns die detaillierte Wiedergabe übriger Narreteien, das Charakteristische an ihnen ist von einer penetranten Aufdringlichkeit und bedarf keiner gestaffelten Siebung: Es ist die Ersetzung des selbstverständlichen, althergebrachten und wohlbegründeten Vorgehens in einer Angelegenheit durch ein auf Illusionen gestütztes.

Offensichtlich betreibt der Chor einen großen Umsturz, einen, welcher die Welt aus den Angeln heben will, und benutzt dazu in erster Linie zwei psychische Widerstände:
  1. dem Gutgläubigen zu widersprechen und
  2. Verantwortungsträgern ihre Verantwortung zu entreißen,
welche sich gegenseitig stützen, indem es ja die Verantwortungsträger sind, welche die Gutgläubigkeit zu ihren Zwecken instrumentalisieren.

Es ist nicht so, daß die Briten und Amerikaner dies zu guter Letzt verstanden hätten, und die Deutschen nicht, es ist nur so, daß die Deutschen noch nicht an den Punkt gelangt sind, an welchem sie bereit wären, sich dem Ungewissen zu stellen.

Aber ich bin weiß Gott erleichtert, daß die Deutschen nicht mehr die Speerspitze des Zeitgeists, sondern das Schlußlicht der Erkenntnis bilden. Für's erste ist das Spinnennetz zerrissen. Und was den Kanon angeht: Der Ekel vor ihm trifft nicht nur ihn, sondern auch Seinesgleichen, niemand wird die Welt mehr in ein Kloster verwandeln können, wir sind frei, und in dieser Freiheit werden wir selber suchen, was uns zuvor vorgesetzt wurde.

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5. Januar 2017

The children of the revolution

If you want to change a thing,
you should employ the unprincipled,
for their instinct tells them to move on,
since they can't ever afford to stay in one place for long,
and with the principled it's the opposite,
their instinct tells them to hold on.

Lk. 9:54-56 Da aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: HERR, willst du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elia tat. Jesus aber wandte sich um und bedrohte sie und sprach: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten.

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3. Januar 2017

Die Betroffenheiten und Beurteilungen der vier Bewußtseinsbereiche

Die beurteilenden Gefühle beurteilen genauer gesagt die Erfolgsaussichten des jeweiligen Seelenteils, wobei der Erfolg der Lust im Vollbringen besteht, der Erfolg der Achtung im Erreichen und der Erfolg der Sorge im Frieden, welcher zugleich der geordnete Erfolg aller Seelenteile ist. Aussichten werden nur beurteilt, gerichtet wird das Eingetretene, wobei es das Wesen des Sorgens ist, dafür Sorge zu tragen, daß einmal Eingetretenes wieder oder nicht wieder eintritt.

Die vier gerichteten Bereiche unseres Bewußtseins, Anschauung, Verstand, Vernunft und Vergegenwärtigung, sind die einzigen vier Weisen, bewußt zu sein, und sie schließen sich gegenseitig aus, weil sie auf jeweils andere Weise gerichtet werden, also durch Glück, Wertschätzung, Liebe und Stolz.

Wir können die Homogenität dieser Bewußtseinsbereiche auch durchaus wahrnehmen, indem wir Lust, Begehren und Aufbegehren, Leid und Erschöpfung neben die Erwartung stellen oder Neugierde und Kühnheit neben Vertrauen und Eifer oder Ärger, Schrecken und Angst neben die außerzeitliche Entrücktheit der Vergegenwärtigung.

Dieses sind ganz offenbar drei verschiedene Bereiche, in den ersten beiden haben wir Gefühle der Affizierung, oder auch Betroffenheit, des jeweiligen Seelenteils und Gefühle der Beurteilung seiner Erfolgsaussichten, im dritten Bereich nur Gefühle der Affizierung, weil es sich bei ihm um einen passiven Unterbereich des zweiten Seelenteils handelt, welcher nicht eigenständig nach Erfolg strebt.

Was aber steht neben Glück, Wertschätzung, Liebe und Stolz in der Vernunft? Was ist ihre Affiziertheit?

Einsicht.

Das Gefühl, etwas verstanden zu haben.

Und noch etwas?

Im Englischen heißt es: I'm at a loss. Ich denke, das ist auch ein Gefühl der Affizierung der Vernunft. Wie sollen wir es nennen?

Vergessenheit, oder etwa nicht?

Wahrscheinlich gibt es keine weiteren Affiziertheiten der Vernunft, was zwischen Vergessenheit und Einsicht liegt wird durch die Zielstrebigkeit beurteilt, also durch Vertrauen und Mißtrauen, Eifer und Verdruß.

Und um also den urpsrünglichen Beitrag Gefühle hiermit zu entwirren: Die Betroffenheiten der Vernunft sind Einsicht und Vergessenheit, welche neben den friedensaussichtenbeurteilenden und erfolgsrichtenden Gefühlen Glück, Wertschätzung, Liebe und Stolz stehen, wobei im Falle der Liebe keine zeitliche Distanz zwischen Erfolg und Erfolgsaussicht besteht, eine geliebte Ordnung gefunden zu haben, ist zugleich Frieden und Friedensgarantie, wohingegen Glück, Wertschätzung und Stolz keine Garantien für weiteres Glück, weitere Wertschätzung und weiteren Stolz sind, sondern nur gute Omen.

Post Scriptum vom 25.1.2017. Es handelt sich bei der Vergessenheit um die aktive Betroffenheit der Sorge, welche zur Besinnung aufruft, und bei der Einsicht um ihre passive Betroffenheit, welche die Möglichkeit zur logischen Fixierung anzeigt.

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1. Januar 2017

Vor der verschlossenen Zeit



Schirach wird dieses Interview sicherlich als Sieg verbucht haben, denn er schafft es, sowohl seine eigene Unversöhnlichkeit als Spiegelbild jener der Besatzer darzustellen, als auch letztere als Teil eines närrischen Unterfangens - als ob er, Baldur von Schirach, keine Nachwirkung in Nachkriegsdeutschland mehr habe, weil man seine Tomaten entsorgt hat!

Aber etwas an dieser ganzen Zurechtweisung, das bleibende Faktum der Wehrhaftigkeit, gleich wie man sie betitelt, und der Undurchsichtigkeit politischer Machenschaften, welches von einer ebenso bleibenden selbstverordneten Ignoranz begleitet wird, wie man sie heute exemplarisch am Beispiel des arabischen Frühlings studieren kann, steht ganz und gar auf verlorenem Posten, nämlich die Unfähigkeit, über das eigene Schicksal hinauszudenken.

Wer mir ein Unrecht tut, hat damit natürlich wenig erreicht, so daß ich mich vielleicht nicht damit rühmen sollte, daß ich solches Unrecht nicht zum Anlaß nehme, mich fortan nicht mehr mit dem zu beschäftigen, womit ich etwas erreichen kann. Und auch sagt Schirach, daß ihm kein substantielles, sondern allenfalls ein akzidentielles Unrecht widerfahren sei. Und doch, seine Gedanken gehen zurück, nicht voran.

Was hält einen Menschen in derart unnützen Erwägungen gefangen?

Die Hoffnung, fraglos. Die Hoffnung, einen anderen dazu zu bringen, eine getroffene Entscheidung zu revidieren. So wie man sich nicht nach einer neuen Freundin umsieht, so lange man hofft, die Beziehung zur alten noch irgendwie kitten zu können.

Das aber ist wenig weise. Die Zeit revidiert getroffene Entscheidungen, wenn sie falsch waren. Ruhigen Herzens sei ihr das übergeben, insbesondere, wenn es sich um Entscheidungen anderer Nationen handelt, bei Frauen mag man immerhin einwenden, daß man die Zeit einfach nicht hat, aber was Frauen betrifft, ist es immerhin ein Trost zu bedenken, daß man nicht mehr verlieren kann als die Gelegenheit, den eigenen Ansatz ihren Zielen unterzuordnen.

Nein, der Zeit sei es überlassen, das Vergangene gerade zu rücken, man selbst verlege sich besser darauf, sich dem Kommenden zu stellen: Vor der Zukunft sind wir alle gleich, zu ihren Aufgaben haben wir uns noch nicht zusammengeschlossen und deshalb hören wir uns gegenseitig zu. Das ist der Acker, den zu bestellen die Unschuld drängt, die Fruchtbarkeit des sich erneuernden Lebens.

Wahrlich, wären wir unsterblich, wir verbrächten all unsere Zeit damit, über das Vergangene mit einander ins Reine zu kommen. Und was wäre unser Lohn? Daß wir keinen Augenblick sich in uns entfalten ließen: Der Gipfel der Torheit!

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