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29. Januar 2012

Von der sexuellen Anziehung zu den vier Geistern

Man kann mit Zuverlässigkeit nur davon schreiben, was man persönlich erfahren hat. Ich befand mich in meinem Leben sowohl mit Suchenden, Achtenden und Versuchenden in gegenseitiger sexueller Anziehung, deren mir zugewandte Erscheinung ich also kenne, nicht aber mit Materialisten.

Vor diesen echten Beziehungen gab es eine bis weit in die Kindheit zurückreichende Reihe von Ahnungen solcher Beziehungen, aber auch da kann ich mich im Moment keiner materialistisch orientierten entsinnen.

Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen möchte an dieser Stelle die drei betreffenden Studentinnen, wenn auch nicht namentlich, so doch chronologisch-geographisch fixieren, als erste eine französische Studentin aus der Bretagne, deren Vater Schweizer war, von achtendem Geist, dann eine deutsche Studentin aus dem Wendland von suchendem Geist und schließlich eine estnische Studentin, deren Vater der schwedischen Minderheit angehörte, von versuchendem Geist.

Wen es interessiert, meine Mutter ist von achtendem Geist, mein Urgroßvater, Großvater, Vater und ich von suchendem, alle väterlicherseits, versteht sich, und dasselbe gilt von den sonstigen Ablegern auf der Linie, also Großtante, Onkel, Cousin und Bruder.

Übrigens, weil es an dieser Stelle vielleicht gesagt sein muß, kann man wohl nicht davon ausgehen, daß die Tochter in jedem Fall den Geist des Vaters imitiert, also etwa bei einer sehr dominanten Mutter nicht.

Man kann also sagen, daß meine echten Beziehungen, bei den Ahnungen sieht es freilich etwas anders aus, leicht gespenstischerweise übrigens, da sich viele Dinge, welche ich im Alter von sechs Jahren ahnte, später erfüllten, von meiner Mutter, über mich selbst hin zum Fremden führten, wobei letzteres allerdings als solches nicht sonderlich gut charakterisiert ist, eingedenk der vorangegangenen politischen Scheidung der vier Geister wäre es präziser vom adjungierten Geist zu sprechen, jeder Geist hat ja einen, nämlich seinen politischen Partner.

Aber natürlich wählt nicht jeder seinen politischen Partner, jede gegenseitig empfundene sexuelle Anziehung birgt ja das Potential in sich, zu einer bleibenden Verbindung zu führen, und wie ich bereits an mir selbst erkennen kann, kann man diesbezüglich nicht von allzu engen Einschränkungen ausgehen.

Gehen wir nun die Anziehungen selber der Reihe nach durch.

Die gravitative Anziehung. Es ist dies die Anziehung zu einem achtenden Geist, unergründlich bewegt, von Zauber erfüllte Luft, aus getrennten Formen in eine gemeinsame fließend. Sie ist die musische, läßt das Herz sprudeln, weckt die Phantasie.

Die elektrische Anziehung. Es ist dies die Anziehung zu einem suchenden Geist, hypnotisch, gezwungen, aber gutmütig, von frivoler Deutlichkeit. Sie ist die mit Mut erfüllende, Hemmungen überwindende.

Die magnetische Anziehung. Es ist dies die Anziehung zu einem versuchenden Geist, überredend, sanft versprechend, erweichend, fesselnd. Sie ist die Anteil gebende, Treue stiftende.

Wie man sieht wirkt jede sexuelle Anziehung genau der Natur des umschwärmten Geistes entgegen, der steife achtende weckt die Ausdruckskraft, befreit das Innenleben, der schüchterne suchende weckt den Mut und der bindungslose versuchende weckt die Anteilnahme.

Liebe als Korrektiv, Antikonformum, Enthemmung, Antipromiskuitivum.

An dieser Stelle nun kann ich es wagen darüber zu spekulieren, was wohl ein materialistischer Geist wecken wird. Es scheint mir, auch vor dem Hintergrund dessen, was die Literatur zu diesem Thema sagt, hinreichend sicher, daß er Gefallen am Schönen, Zarten, Grazilen wecken muß, und also umschmeichelt wird.

Also, der Vollständigkeit halber und in natürlicher Reihenfolge, Liebe als Antiegoistikum, Enthemmung, Antikonformum und Antipromiskuitivum.

Die Beziehung eines Suchenden zu einem Achtenden wendet das Streben des Ersteren ganz ins Private, Musische und löscht aus diesem Grund seine politische Wirkung aus. Frankreich veranschaulicht diesen Zustand recht gut, noch jedenfalls, wer weiß, wie lange noch, und Beziehungen zwischen Materialisten und Versuchenden gibt es wahrscheinlich nicht. Das sind die Gründe, aus denen ich die dortige Anordnung im Kulturenkompaß gewählt habe.

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20. Januar 2012

Über den Hang zum Monumentalen

Das Monumentale ist ein Ehrfurcht abverlangendes Vorbild, bezeugt wird es in körperlicher Form durch Monumente und in geistiger Form durch Mythen. Ich hätte also auch vom Mythischen schreiben können, welches auf eben dieselben Weisen bezeugt wird, nur liegt in jenem Begriff zu sehr die Vorstellung, daß es sich dabei nicht um die Wahrheit handeln würde.

Das ist durchaus ein wesenszugehöriger Punkt des Monumentalen, daß es sich bei ihm stets um eine einseitige Darstellung menschlicher Leistungen handelt. Nichtsdestotrotz wäre es verfehlt zu glauben, daß das Monumentale eine rein literarische Kategorie wäre, denn noch jedes Monument und noch jeder Mythos bilden die konkreten Bemühungen eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen, die Welt zu ändern, sie in eine bestimmte Form zu bringen, ab. Der Grund dafür ist der, daß ein monumentaler Wille zur Tat treibt und sich nicht mit der Verfassung von Literatur begnügen kann.

Mir geht es in diesem Beitrag aber nicht um diesen Willen, sondern der Sehnsucht nach Monumentalem als Vorbild. Jener Wille, nun, fußt in dem Bewußtsein der eigenen Überlegenheit bei gleichzeitiger schicksalhafter Stellung der eigenen Person im Fluß der Geschichte. Letzteres ist mir gänzlich zuwider, und ich wage sogar zu behaupten, daß es nie wieder vorkommen wird, denn letztlich bedeutet die schicksalhafte Stellung doch nichts anderes, als daß man der Welt aus seinem Schatz zu geben vermag, was darum heute und auch zukünftig nicht mehr geschehen kann, da die freigesetzten organisierenden Kräfte gleich wilden Feuern über die Köpfe auch noch des Überlegendsten schlagen. Dadurch wird die Sehnsucht nach Monumentalem natürlich pathologisch. Dennoch werde ich mich noch mit ihr beschäftigen, hier allerdings möchte ich einstweilen bei der Situation eines Überlegenen bleiben. Ich sagte, daß mir das Abgeben zuwider ist, und das ist mir auch, zutiefst. Setze niemanden auf einen Pfad, welcher nicht aus ihm selbst hervorgeht, gib ihm nichts in die Hand, was ihn tun läßt, was er nie erträumt. Dieses sind mir geradezu heilige Gebote. Was die Menschen eine glückliche Fügung nennen, ist in den Augen Gottes eine schlechte Komödie. Jeder erhält von ganz alleine, was er verdient. Dahinein sollte man keine Verwirrung rühren.

Aber natürlich können die Umstände von der Art sein, daß nur die Wahl zwischen zwei Übeln bleibt, wo man hervortreten muß, sein Reich zu gründen, da die Geburt von größerem Gewicht ist als die Geburtsschmerzen. Indes, genau dies wird so nicht mehr geschehen, weil die schöpferischen Kräfte zu wild brennen, weil eine monumentale Erneuerung der Menschen sie ausrotten müßte.

Was bleibt? Einerseits der Weg vieler kleiner Kiesel, welche alleine ihren Weg zum rechten Ziele rollen, andererseits ein möglicher Eingriff Gottes mit weiter reichenden Wirkungen als von einem Menschen ausgehen könnten.

Aber kommen wir jetzt endlich zum Hang zum Monumentalen. Er eignet Achtenden, offensichtlich, da sie ja etwas bedürfen, es zu achten, aber längst nicht allen Achtenden. Es ist sogar so, daß Achtende auch die erbittertsten Gegner des Monumentalen sind. Was drückt sich darin aus?

Nun, die geschichtliche Position von Achtenden. Achtende mit Hang zum Monumentalen sind auf der Suche nach einer Kultur, wenn sie aber fündig werden, und sich eine hinreichend vorbildliche Gründung ereignet, so streifen sie in der Folge das Monumentale ab und ersetzen es durch ihre sich immer weiter verfeinernde Geschichte.

Es ist kein Zufall, daß die germanischen Völker den stärksten Hang zum Monumentalen haben. Es ergibt sich schlicht daraus, daß es viele Achtende in ihnen gibt, aber nicht so viele, als daß sie jemals in ihrer Geschichte konsequent diesem Bedürfnis gefolgt wären. Freilich, das hängt alles auch ein wenig von der Umwelt ab, den Finnen geht es an und für sich genauso, wenngleich aus anderem Grund, nur daß dieser Grund unverändert gegenwärtig ist, nämlich die Feindlichkeit der Natur, wohingegen gerade die besonders stark mit Achtenden durchtränkten Germanen (also die Süddeutschen, die Schweizer hatten ihr monumentales Gründungsereignis) immer wieder schwärmerische Phasen haben.

Mich geht das alles ja direkt nichts an, und mich kratzt es auch nicht, daß mein Volk, also die Sachsen, solchen Ansätzen in Achtenden unter ihnen stets mit Spott begegnet ist, als Träumen unreifer Kinder. Aber machen wir uns nichts vor, Unterdrückung ist immer unangenehm. Und besser dann, es wird eine Minderheit unterdrückt als die Mehrheit. Freilich, heute wird es den Sachsen so ausgelegt, daß sie prinzipiell nichts Vorbildliches zu tun bereit wären, was ganz und gar nicht stimmt, aber natürlich die zu erwartende Rache ist. Wie gesagt, die Unterdrückung der Minderheit eines Volkes ist stets humaner als die Unterdrückung seiner Mehrheit.

Im Grunde wäre den Schwaben ja noch ein monumentales Gründungsereignis zu wünschen, selbst die Holländer hatten ja eines, andererseits hatten die Schwaben weiß Gott genug Möglichkeiten dazu und haben sie nunmal allesamt in den Sand gesetzt. Nun, wer zu spät kommt... und so weiter. Ob es am Ende ein neuer Bahnhof tut? Ach, schon gut. Den Transrapid zwischen Hamburg und Berlin hätte ich gern gesehen. Die Linien sind verhärtet, die Atmosphäre vergiftet.

Übrigens, Möllemann mußte deswegen sterben. Weil er an das Monumentale appellierte. Und weil er selbst nicht monumental genug war, um durch seinen Tod einen Mythos zu begründen. Er knüpfte an den Geist der 70er Jahre an, und diese Zeit mit ihren Plattenbauten und Flußbegradigungen war auch der letzte Versuch, monumental zu sein. Woran man exemplarisch den ganzen Ärger damit in der heutigen Zeit erkennen kann.

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17. Januar 2012

Kulturenkompaß

Die nachfolgende Graphik beruht auf Fakten, obzwar durch die gewählte Darstellung gewisse Verzerrungen entstehen, welche allerdings weit davon entfernt sind, die grundlegende Situation wesentlich zu verfälschen.

Ich bitte den Leser darum, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Wer meint, die Anordnung wäre zufällig und würde nichts Wesentliches aussagen, bleibe bitte auch bei anderen leicht fragwürdigen Theorien verstockt. Ich halte es jedenfalls für meine Pflicht den wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen väterlicher Abstammung der Bevölkerung einerseits und dem Wesen einer Kultur andererseits so deutlich wie möglich zu veranschaulichen, wobei die inneren Kürzel die jeweiligen Y-DNA Haplogruppen bezeichnen.

Wenn man so will, handelt es sich hierbei um einen Nachtrag zu meinem vorletzten Beitrag.

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13. Januar 2012

Mrs. Ariadne Oliver

Sehr persönlich, sehr speziell, aber warum sollte ich hier nicht besprechen, was mir konkret die Augen geöffnet hat?

Vielen Dank an Agatha Christie dafür.

And why, she thought, but did not say, why on earth am I going to it? She searched her mind for a bit because she always really liked knowing what she was going to do instead of doing it first and wondering why she had done it afterwards.

Wie der vorliegende Fall zeigt ein Wissen, welches wenig nütze ist, da ja doch immer etwas Unvorhergesehenes zu geschehen pflegt. Einzig, daß sie selbst so nicht für etwas Unvorhergesehenes verantwortlich sein wird. Mit anderen Worten eine Vorsichtsmaßnahme gegenüber sich selbst, notwendigerweise auf dem Mißtrauen gegenüber sich selbst basierend.

Der Grund solchen Mißtrauens wiederum ist ganz nebensächlich, wichtig ist nur die psychische Situation, in welcher sich ein solcher Mensch befindet, nämlich eine verbindliche Richtschnur zu besitzen, welcher es auch das eigene Durchleben der Zeit unterzuordnen gilt. Dies mag sich wie bei Mrs. Oliver in sehr großer Sorgfalt bei der Wahl der eigenen Garderobe zeigen, es kann sich aber auch, beispielsweise, in einer genauen Zuordnung von erwünschten gesellschaftlichen Transaktionen zu unterschiedlichen Gesellschaftsmitgliedern manifestieren.

Diese psychische Situation ist darum wichtig, weil es, wenn man sie sich verdeutlicht, klar wird, daß nur Achtende so empfinden können. Es ist eine spezielle Form der Demut dem Geachteten gegenüber, ein spezieller Glaube, der schüchterne Rückzug hinter seine Regeln, darauf hoffend, daß man sozusagen blind dafür entlohnt würde, ohne Ansehung der Person, nur nach dem Verdienst, aber darum nur um so gerechter.

Das pflegt nicht zu geschehen, da liegt eine große Tragik. In die Regeln mischt sich immer noch die Lüge und die vermeintliche Treue, mit welcher man sich selber zwingt, entpuppt sich dann als Untreue und die Lüge wird offenbar, auch wenn sie selbst dann noch oftmals nicht vollends verstanden wird.

Mein persönliches Interesse gilt aber weniger dieser Tragk als der Tatsache, daß ein Achtender, wenn er seinen eigenen Lebenswandel solchen Regeln unterwirft und ihn also plant, wie ein Versuchender erscheinen mag, in sofern er große Initiative zeigt und es scheint, als ob er sich ständig auf Neues einließe, während er in Wirklichkeit nur in ständig neuer Geschäftigkeit Zuflucht vor der Offenheit des Augenblicks sucht.

Ich halte dies hier fest, weil auch einer so speziellen Verwirrung vorzubeugen, einen allgemeinen Wert hat.

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5. Januar 2012

Nochmals zur Entstehung der vier Geister

Damals vor unendlich langer Zeit,
da wurden wir Menschen der Vernunft geweiht.
Die Jahre vergingen in Kampf und in Fehd,
kamen auf ein paar Träumer, daß's besser uns geht.
Im Lauf der Geschichte, die Leben vergehn, wenn sich auch lang nichts ändert, muß doch was entstehn.

Die Träumer, sie träumten, tagein und tagaus,
doch bei all diesem Träumen, kam nicht recht was raus.
Der Weltgeist, er dachte, was tue ich nur?
Dogmatisch verrenken, das ist doch die Kur!
Im Lauf der Geschichte, die Leben vergehn, wenn sich auch lang nichts ändert, muß doch was entstehn.

Nun blühten verschiedene Kulturen auf,
jede wähnte sich wissend, gab's Streite zu Hauf.
Die Mächte, sie walten und setzten ins Werk
zuletzt den Geist, der probiert, bevor er verfährt.
Im Lauf der Geschichte, die Leben vergehn, wenn sich auch lang nichts ändert, muß doch was entstehn.

Wichtig ist, daß ein neuer Geist sich immer ausbessernd auf den Geist bezieht, aus welchem er hervorging. Aus diesem Grund liegt in jedem neuen Geist stets einerseits ein unbewußter Dienst an seinen Vorfahren und andererseits bewußte Verachtung des unmittelbaren Vorfahrens, auf welchen er sich ausbessernd bezieht.

Daher kommt es, daß Materialisten und Achtende einerseits und Suchende und Versuchende andererseits als Großeltern und Enkel in Sympathie verbunden sind, und die Frage, welches der beiden Lager die absolute Mehrheit einer Bevölkerung stellt, ihren politischen Charakter entscheidet, da das jeweils andere Lager dann in Unterdrückung leben muß und seine Interessen nur in eingeschränktem Maße Eingang in das gesellschaftliche Leben finden, wohingegen im dominanten Lager ein echter Kompromiß zwischen den beiden Fraktionen besteht, sofern beide signifikant sind, das heißt jeweils mehr als ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen. Ist letzteres nicht der Fall, so liegt die politische Alleinherrschaft eines Geistes vor.

Eine politische Alleinherrschaft von Versuchenden gibt es interessanterweise nirgends auf der Welt, was man so deuten kann, daß ohne signifikante Präsenz von Suchenden Versuchende nicht prosperieren. Die Alleinherrschaft aller anderen Geister gibt es indes irgendwo auf der Welt, der Suchenden in Arabien und im Kaukasus, der Materialisten in Schwarzafrika und der Achtenden in Westeuropa und China. Beispiele reiner Kompromisse, ohne störende Minderheiten, gibt es in Indien (50% Suchende, 50% Versuchende) und Japan (50% Materialisten, 50% Achtende).

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2. Januar 2012

Discussion du Film socialisme

Godard stellt sich, wie viele andere, die Frage, wohin die Reise geht. Zunächst schildert er recht umfassend die geistige Verfassung der linken Eliten, um dann pars pro toto eine linke Arbeiterfamilie eine Weile zu begleiten. Schließlich deutet er vor dem Hintergrund der historischen und gegenwärtigen Gegebenheiten so etwas wie eine Zukunftsvision an, ohne freilich den Anspruch an die Konkretheit einer solchen Vision, welchen er zuvor teilweise entwickelt hat, zu erfüllen. Es ist vielmehr der Versuch eine Methode zur Lösung eines bestimmten Problems zu bewerben und dadurch eine bestimmte Entwicklung anzustoßen.

Ad I. Die Linken sind die manifestierten Furien, welche die Menschheit mit ihren völlig überzogenen, jeglicher persönlichen Verbindung ermangelnden Ansprüchen im Namen der Gerechtigkeit plagen. Das stellt Godard zutreffend dar. Haß und universelle Aggressivität, Rückwärtsgewandtheit und emotionale Uferlosigkeit und Unbestimmtheit, ein einziges Beben und Schweben, welches in der Summe dennoch eine erstaunliche Zielstrebigkeit offenbart, gleich dem Gewimmel von Ameisen.

Muß man mehr sagen? Nicht unbedingt, dünkt mich.

Ad II. Godard beginnt diesen Teil mit der Klage über die Entfremdung zwischen den Menschen, welche zunächst ein Rätsel bleibt, um dann später allerdings auf ärgerliche Weise eine Lösung zu erfahren. Ich schrieb von alledem, von der Entfremdung, ihrer Ursache und ihrer Lösung und auch von der Lösung, welche Godard vorschlägt, nämlich dem Ende der Vernunft, denn daß sich die Vernunft in dem Gebrauch des Wortes ist offenbart, als welches eben das Sein eines Umstandes reflektiert, ist ja nach all dem, was ich zu diesem Thema geschrieben habe und hier freilich nicht in seiner Gänze anführen kann, hinreichend klar. Auch habe ich bereits von der geistigen Verfassung der Kinder des Arbeiters gesprochen, jenen schwermütigen Träumereien derjenigen, welche es zu gut haben, und die Welt wie aus einem Elfenbeinturm heraus, denn hier paßt das Bild, betrachten.

Nichstdestotrotz soll von diesen laut Godard doch das Heil kommen, und zum Teil hat er natürlich auch mit der vorgeschlagenen Lösung Recht, denn natürlich muß man erst einmal sehen lernen, bevor man zu lesen anfängt, wenn man sich nicht in bedeutungslosen Begriffsgebäuden verlieren will, was ein leider nur allzu verbreitetes Phänomen ist, welches ich ja auch gerade erst im vorletzten Beitrag satirisch aufgespießt hatte, doch mit dem Sehen muß ein Bewußtsein dessen, daß, was man dort sieht, ist, einhergehen, und alles, was man liest, Behauptungen über das Sein von etwas aufstellt, welche allesamt zunächst fragwürdig bleiben müssen. Nicht die reine Sinnenhaftigkeit gilt es zu stärken, sondern den urteilenden Verstand als Grundlage aller Vernunft. Nun gut, dahin gelangt Godard nicht, weil all die Franzosen, welche er zum Thema Geist und Bewußtsein zitiert, dahin nicht gelangen. Letztlich ergibt er sich, wie sie alle, dem Schwelgen in geistvoll scheinenden Verwirrungen. Daran ist nichts gut, außer daß es Aufmerksamkeit heischt und auf dem Wege der Auseinandersetzung mit dieser Verwirrung in Einzelnen einen Prozeß zur Klarheit hin anstoßen mag.

Philosophische Unreife macht sich dabei auch noch an anderer Stelle bemerkbar, nämlich in dem unsäglichen Konzept der materialistischen Willensfreiheit des Geistes durch materielle Gestaltung. Ein Konzept allerdings, an welches Godard selbst nicht zu glauben scheint, denn es sieht doch danach aus, daß er es durch Gruppengymnastik verhöhnt, und auch danach, daß er es durch den wiederkehrenden Ausspruch über die neue Ernsthaftigkeit der Gotteslästerer angreift. Wir haben Pflichten. Der Satz fällt immerhin. Für Godard bleibt das aber im Innersten immer eine Sache des mitfühlenden Herzens. Dieses verpflichtet uns, und sonst nichts. Und das ist natürlich eine seltsame Einschränkung. Andererseits erwähnt er die Macht von Idealen, nur halt nicht explizit als auch außerhalb jenes Bereiches stehend. Aber so ist es natürlich, nicht jedes Ideal betrifft unser Mitgefühl, selbst wenn allen Idealen ein gemeinschaftlicher Nutzen innewohnt. Der Unterschied ist gar nicht mal so fein, und ich habe mich dazu natürlich auch schon umfassend ausgelassen.

Nun, ich will nicht soweit gehen zu sagen, daß Godard sich eindeutig gegen all das stellt, was ich vorschlage, daß die Lösung, welche ich ihm unterstelle zu vertreten, wirklich eindeutig von ihm vertreten wird. Es gibt durchaus auch andere Töne. Nur insgesamt scheint mir die Balance eine bestimmte zu sein, Männlichkeit spielt keine große Rolle. Er nennt sogar den Grund dafür, Männlichkeit ist zu stolz und mindert somit die Produktivität. Was er allerdings nicht nennt ist die Folge erhöhter Produktivität, nämlich Arbeitslosigkeit und soziale Verwerfungen. Der Prince of Wales hat sich ja aus diesen Gründen gegen die Urbanisierung Afrikas gestellt, und dieser Punkt ist natürlich auch ein nicht unbedeutendes Konfliktfeld zwischen Grünen und klassischen Roten. Nun, ich persönlich bin natürlich nicht der Meinung, daß es ein moralisches Gesetz gibt, welches einem allgemein befehlen würde, dafür zu sorgen, daß andere Leute ihre Arbeit effektiver erledigen, sondern daß dies bestenfalls ein individuell empfundener Wunsch ist, anderen zu helfen, welcher als solcher ehrenwert ist, und schlimmstensfalls eine unterschwellig aggressive Zwietracht säende Anmaßung.

Ad III. Es ist doch aber wieder recht interessant mitanzusehen, mit welcher Schonungslosigkeit Godard die historischen und gegenwärtigen Gegebenheiten schildert. Wir haben unsere Freiheit durch Feigheit, Prostitution und Verrat erkauft. Dem ist nichts hinzuzufügen, und auch sonst sehe ich da wenig, welchem ich mit Widerwillen begegne, einzig wenn es um Palästina geht, erlaubt sich Godard wieder wenig hilfreiche romantische Schwelgereien. Das ist natürlich der Punkt schlechthin, das frei umherhüpfende Herz verwandelt uns alle in rachsüchtige Furien, nachdem seine überzogenen Ansprüche unerfüllt blieben. Das hätte Godard durchaus einsehen können. Aber wahrscheinlich betrachtet er das als notwendiges dialektisches Übel, welches durch Verjüngung, wenn nicht kuriert, so doch beherrscht wird. Nun ja... soll er das so halten, ich bin recht froh unter vergleichsweise temperamentlosen Menschen zu leben und auch hin und wieder einer 50 jährigen Frau zu begegnen, welche Zufriedenheit ausstrahlt. Ein merkwürdiger Schlußsatz, aber ich denke, allen relevanten Facetten Genüge getan zu haben.

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Film socialisme transcript (english)

I'll write something about the film later on, since there are some interesting connections with my own thoughts, but first I'd like to document its text here.

FILM SOCIALISME
(Jean-Luc Godard)

Money is a common good.
- Like water, then?
Exactly.

Algiers the White

As Mireille Balin abandons Pépé le Moko.

And we? As we have, one more time, abandoned Africa.

Constance, one couldn't have done anything else. One knows well that, when one goes south the latitude becomes negative and all that remains is the north, dear soul, dear friend.

You still have the watch, Godmother.

Done with the crimes and the blood. Done with Kigali. Long live the holidays.

Uncle Mathias, why did you say this watch is worth gold? It doesn't even tell the time.

THINGS

Henri Déricourt... wait a second. That I know. Right.
But Richard Christmann? I don't know.
I know they started the fire, but never mind, it's him. It's him.
Alright, war is war, but a crime remains a crime.
Please keep looking for Alice. Two "M", only one "N".

We're far from Byzantium, you know. What lies ahead of us resembles an impossible story. We're facing some kind of zero. I have once encountered nothingness and it is much vaster than one tends to believe.

Jaffa, 1948

LIKE THAT

You're absolutely right, I don't love any people. Not the French, not the North Americans, not the Germans. Not the Jewish people, not the Black people. (With her slanted eyes.) I only love my friends... (The shape of a dollar.) when there are any. (Cinémascope) Nothing else.

Plan on staying in Haifa?

16:9, Uncle.

Hey, Kid! Where did you steal this watch?
- It's not your business.
Give it to me, or I'll turn you in.
- No, it is mine.
Oh, you speak German? You can do me a favour, my boy.
- Yes, but... how much?
And you're educated, too. What a piece of work, this Ludovic.
- Who told you my first name?
I know everything.

Mr. Obersturmbannführer Goldberg, what did you do in Avenue Foch in 1943?

Get lost, horrible kid.

All movement on a plain surface that is not driven by physical necessity is a spatial affirmation of oneself, be it empire-building, or tourism.

Anybody can act as if God didn't exist. But what has changed today is that the bastards are sincere.

A-L-I-S-S-A

Stop being suspicious of everything.
- I'm thinking about what Ludo has told us.
Alright... like what, for example?
- The old man with the young girl. I saw them talking to the Captain.
Alright... and so?
- So? The name of the largest shareholder of the company, Goldberg...
-- Mountain of Gold
- Yes. And the old man's name, Mister.
Alright...

Abandon ship, abandon ship, abandon ship!

Meow. Meow. Meow. Meow. Meow.
- Quiet, Alissa, quiet!
Meow. That's how the ancient Egyptians called their cats.
- You frighten me with every good word.
Meow. Meow. Meow. Meow.
-- Be silent, Alissa. Don't regret his trust.
Meow. Meow. Meow.

Waves of Allied bombers crush the Third Reich under their bombs. The Luftwaffe tries to regain its advantage by means of a terrifying new tactic. The German pilots will crash their own planes into the enemy bombers.

Uh, Germany.

Did you know that kamikaze in Japanese is the name of the wind goddess?
- Of course.

In october 1943, the Soviet forces pushed the Wehrmacht back. The Luftwaffe concentrated 1150 airplanes and 60% of its eastern front units around Kiev. In december the Luftwaffe had no more than 425 working fighters left on the eastern front. The losses were too big. While the battle raged in the steppe, the British and American bombers, who focussed on more intense operations in the Reich, ...

Major Kamenskaia. I am a friend of your godmother, Alexandra Irinivna.
- ?
Yes, exactly, the old chief of the Moscow Police. I have read a number of books... I have read a number of books on what she has written. So... I think we have to talk.
- Excuse me?

And you plan on staying in Haifa?
- I came to have a look.
- They say there's a right to return. But for me it's just one trip for now.
What exactly do you study at Stanford?
- I'm directing a seminar. Monetary creation and literary creation.

You see, still today, we're asking ourselves, in Moscow... 35... 36... the Spanish Civil War, the Republicans tell the Comintern to evacuate the gold of the Bank of Spain.
- The France-Navigation company. That is exact.
When they reach Odessa, one third, one fourth has disappeared. And another third in Moscow.
- I have my theory about the first third. For the last third you would have to dig deep into the communist archives.
- Willi Münzberg.

Art... and a knife. War. So it's...

Aren't you going to tell me about Darlan? Who was Darlan?
- Do I have to answer?
Who was he? General Pétain, on the German side... The Allied invasion of North Africa and at that moment, Churchill, he resisted. At that moment, he resisted, didn't he?

You want to hear my opinion? AIDS is just a tool for killing all the blacks on the continent.

I was thinking, about the cause of light, about the cause of darkness.

LIKE THAT

Ladies and gentlemen, join us at the Berlino bar on Deck 5 at 6:45 p.m.

Of course, money was invented so that the people wouldn't have to look one another in the eyes.

- So, we come back to zero, Mister. Luckily, the Arabs have invented it. They don't even get royalties.

Of course, negative numbers came from India and stopped off for a few years in Arabia, on the way to Italy. Fibonacci has used them first. When the British left Israel what exactly did you do with the
gold of the Bank of Palestine?
-Yesterday, my dear, yesterday.

THINGS LIKE THAT

One always says that one can only compare what is comparable. In fact, one can only compare what is incomparable, not comparable.
- That's over and done with.
Stalin! Hitler! No.
- Your comedy is pointless. Enough, stop.
Me too, I have learned to collaborate with the French. Say, I will teach you something about Napoléon. During the burning of Moscow, he signed the decree for the creation of the Comédie-Française.
- I do not understand. I don't understand anything.
To understand, Mr. Goldberg, that is difficult. I don't care about the Spanish gold that you have made disappear. I only have to find the rest. You don't have to fear Moscow anymore. My only true mission, Mr. Krewitzky...
- That's just fine, Major. My grandmother used to say that at a drop of a hat.
Me, I don't want to die before I have seen Europe happy again before I have seen the word "Russia" and the word "Happiness" cling to each other again, like two belt buckles. Good bye.
- Heil Hitler!

Excuse me, friend. Excuse me. May I ask you a question?

Still, Naples I can understand. But Alexandria, Haifa, Odessa... to get from Algiers to Barcelona?
-Take it easy, Constance. Let's not...

Don't tell anyone.
- Silence is gold.

"Islam is the west of the east." - Rudyard Kipling.
- Let's go.

EGYPT

Once, in 1942, I have encountered nothingness and it is much vaster than one tends to believe.

Casablanca, Algiers, Cairo.

To be or not to be. A jew. Yes, I've been told... my parents did... but so what? Saying it is never enough.

THINGS

Geometry as origin. The origin is always what one returns to. There has been, for decades, especially in Mathematics a return to Geometry. The idea is not that Geometry would return to its origin but rather that we return to Geometry, as origin and participate in the return to Geometry.

The poor things. The only thing they own is the name that we impose on them.
- There's nothing more convenient than a text. We have only books to put into books, but when we must put reality in a book, and looking below the surface, we must put reality in reality.

I TURNED AWAY SO AS NOT TO SEE

Geometry that is still valid, and at the same time still improves. Residing in all these
new forms... the Geometry.

- Do-Re-Mi-Fa-So-La
Husserl underlines the "the"... the geometry. In all new forms... the geometry.

I shouldn't accept that. Not as fact. I will address it this evening. I have to work.

Miss Alissa... Miss Alissa!

They continued for a while to whisper, so that the young girl wouldn't overhear them. But this precaution was unnecessary, she was in deep conservation with her own thoughts.

As the whole of these parts, where the sum of these parts, at a given moment, denies - as each contains the whole - the parts we are considering: as much as this part denies them, as the sum of the parts, again becoming the whole, becomes the whole of the linked parts.
-I'll train these two!
Dialectical thinking is first of all, in the same movement, the study of a reality, inasmuch as it is part of the whole, inasmuch as it denies this whole, and inasmuch the whole contains it, conditions it and denies it, inasmuch as, consequently, it is at once positive and negative in relationship to the whole, inasmuch as its movement must be destructive and conservative movement in relation to the whole.

The photograph of a land and its people, at last.
- Doctor Hamjiri. Welcome, welcome.
Elias.
-Listen. After Arago admitted Daguerre into the Academy of the Sciences, a mainly British armada - even though long before Lord Balfour's declaration - rushed towards Palestine. Here is one of the first photographs of the Bay of Haifa.

Where are you now, oh, you beloved land?

PALESTINE

ACCESS
DENIED

ODESSA

HELL AS

Lord God, Lamb of God, Son of the Father,
you, who takes away the sins of the world.

It's alright. You are going back to Moscow.

The devil! He turned out to be dead! You only had to wait for us.

So then, Otto Goldberg, Leopold Krewitzky, and even Moishe Schmücke according to their passports. But you pronounce Richard Christmann. The French knew him well since he was working for the German counter-espionage and their own. Started in the Foreign Legion after Spain, then in the Résistance networks in occupied Paris for the Abwehr. After the German defeat, he continued to be part of the remains of the Gehlen organization. He ended up in Tunis as a representative for Bayer and Rhône-Poulenc. Several terrorist attacks. Acquitted twice.
-Like Henri Déricourt. Like Henri Déricourt!?
No, that's another story.
- War criminal, maybe not, but torturer. But you know that, Lieutnant Delmas. Alice Simmonet.
How do you know that?

- The book by Roger Faligot. The archives of the NKVD. That would explain why only two thirds of the Spanish gold reached Odessa, but not why Moscow also received only one third. The Museum of Man network. Germaine Tillion. Alice. Mr. Fontes.

"The mind borrows from matter the perceptions
from which it derives its nourishment."

"The mind borrows from matter the perceptions
from which it derives its nourishment."

"The mind borrows from the matter perceptions
from which it derives its nourishment."

- "and restores them..." Read the whole line.
Sure! "The mind borrows from the matter perceptions
from which it derives its nourishment and restores them to matter in the form of movement on which it has stamped its own freedom."

This poor Europe. Not purified, but corrupted by suffering. Not glorified, but humiliated by recaptured liberty. Imagine a desert.

NAPLES

Imagine a concert. That hasn't been written. Imagine. Imagine a light. That later.

Without you, I am...

Nothing and everything!

Did you hear? They did away with tax paradises. So what will we do?
- We'll remain in hell.
Italy has taken up too much of our attention in the past 2000 years. For the French, painting is Italian, honeymoons are in Italy, museums are Italian, whereas I find German Renaissance painting absolutely fascinating.

Thanks for the information.

So, are you going to do anything?
- You know, all those aborted resolutions... The United Nationshave been rather disunited since 48. The crime doesn't matter, so as for him... Ludovic told me you know everything. So you must also know that they fired me.

My friends, I have found it, the black box. That's why Hollywood was called the Mecca of the movies. The tomb of the prophet. All eyes turned in the same direction. The movie theater.
- Yes, but... the strange thing is that Hollywood was invented by the Jews. Adolf Zucker, William Fox, David Selznick, Samuel Goldwyn, Marcus Loew, Karl Laemmle, et cetera.

THINGS

LIKE THIS

Life is beautiful, you will see how in spite of sorrow you will have friends, you will have love, you will have friends.

BARCELONA

QUO
VADIS
EUROPA

Is there a single deed in the world of which I can easily say today, "I've done that"? My business, the garage Catherine wants to sell it. Her friend wants to buy it. They know it. I don't. I know bookkeeping, yes. France today is running the greatest risk in its history. One has to know how to say "We", before one can say "I". In a drama we debate, in the hope that we can end it. In a tragedy? Not at all. Everything remains neat. Everything remains among us. We ignore each other. Wars everywhere, for the past 50 years. We look at ourselves in war like in a mirror. One can buy time. It needs courage in order to think. Love thy neighbor? Ridiculous. You have to love yourself enough not to harm your neighbor. Today that's becomes impossible. Either you follow the law or you betray.
-We're not asking you all that, Daddy.
And I wonder why you don't love us. Ideas separate us, dreams may bring us closer...
- No, nightmares.
Because there's love and pride in the your paternal blood, therefore hatred. So what have you come up with today to piss us off?
- I love my brother, first of all. We've just debated brotherhood.
-- And liberty.- Liberty is for later.
--- And when it comes time to talk about equality, I'll tell you about crap.
Okay, Flo. But why don't you love us?

Excuse me, Miss...
- Excuse me?
Miss, hello...
- We want to go to the Cote d'Azur. Is this the right direction?
Are we on the right way to the Cote d'Azur?- Straight? Left? Right?
-- Go invade some other country!
- Unbelievable. Fucking French!
Fucking France!
-- Uh, Germany.

Go on, Mother...
- Go on, Mom...
-- Yes. To keep space and time intact, I have lied. I neglect to experience them. That's a little unfair.
No.
-- That's a little unfair. But for myself, I think this is what I do: I always believe I'm elsewhere.
- No.
-- I always believe I'm elsewhere.
--- Drop it.
-- And that each particular moment...
--- Drop it.
-- matters nothing.
Anything else?
-- There's a character, the Mother, who could care less if she has a life, if life is considered an end in itself. She doesn't have the slightest doubt that she is still alive. It never occurs to her to wonder how and why and in what way she is. In short, she is not aware of being a character, because she has never, not even for a moment, detached from her role. She doesn't know that she has a role. But there you are: maternal blood, full of hatred, loves and lives together.

Is this Garage Martin? Is this Garage Martin? Is this Garage Martin?
- Is this Garage Martin?
-- Flo, what do we have to tell them?
--- We don't speak to those who use the verb "to be".
Are you working here?
--- Yes, but I don't have a contract.
We came to speak with your parents.
---- I quit. I'm going back down south.
What about the comrades?
- And the comrades?
---- You'll come see us.
- That'll be up to them.
---- Sure, you'll come.

For tonight's news. For the elections. I'm filming.
- Forget it, Darling.
We have an appointment with them.-- Forget it, Lady.
Only two or three minutes for a declaration. Who will present it?
-- Forget it, forget it.
But your parents made the appointment.
- What parents?We're not making it up.
--- He meant: What kind of parents?
---- Mr. and Mrs. Martin, they are not your parents?
--- Please don't use the verb "to be".
Now I'm totally confused. Well?
---- No answer.
Give me that.
- Not surprising, they all have cell phones saying they aren't there. Sorry no-one's home. Get lost, Channel 3!
I don't get it. The batteries are new. It must have a problem.
--- There, use the verb "to have" and things will go much better for France.
---- Did you find that in Balzac, Flo?
--- Florine. If you make fun of Balzac, I will kill you.
---- Please, Mr... two or three short questions.
----- No.
---- Please.
----- No.

One and a half hours late.

Had this project been carried out the way it was initially planned it would have, without a doubt, given France a lasting advantage with regards to the digitization of books. But now it's hopelessly behind.

Should I wait for you, Sir?
- No, you will pick up the Prince at the airport and return to the office.

So?
- So? "Presidency" is feminine in French: "la", not "le" presidency.

We'll see about that.
- We already have.

Nothing at all. Our convention. Today is the 4th of August, right?

Flo is right. We'll have to wait a bit.

The news is at 7 pm. There's always some editing.

Give me 10 minutes. I'll settle this.

Can I film while we're waiting?

Nothing at all.

You can film me. Why don't Florine and I run for election instead of Mom and Dad?

He's dreaming. Children can't run for election, not even on the regional level.

Yes, yes, yes... but children are part of the people and the people's will exists. Besides, we'll end up paying 30% of France's debt, because you are getting old. The exact... The exact profit insurance companies make off the debt.

And the beautiful dress, can I film it?
- Sure, why not.

I'm listening.

Today it's inconvenient. I'd forgotten. They're both born on the same day. Each birthday Jean-Jacques and I agreed to debate with them, in theory democratically.
- And do they lead it?
-- More of less. We had to sign an agreement.
- But that's so cool. We should to film that.

We work at night. We do what we can. We give what we have.

How long will it take?
- Unfortunately they are allowed 24 hours.

So either you wait, or you come back tomorrow.
- We'll wait.
-- We'll wait.

I'll borrow Catherine's Mini and be right back. I have to settle this garage business.

Oh shit.

Watch out, mom.

That's right, I could beat you all to a pulp! I'd even attack the sun, if it ever attacked me.

I do not have my heart in my mouth.
- Ah? Are we moving to America now?
No, to England. Exactly 400 years ago. He doesn't have his heart in his mouth.
- Well, okay. But now, do you love us or not?
When I talk to myself, I say the words of someone else, that I say to myself. When you hear your own voice... where's that from? No, dad... from here.- Yes. So what?
-- I'll inform the TV people.
--- No, Mom... stay.

One is part of the other. The other is part of the one, and there are three people.
- We are four.
-- There's the law. But you have duties. Say it.Well, Mother, we're entering an age with digital technology, where, for different reasons, humanity will have to face problems that won't allow themselves the luxury of being expressed. About the garage, for instance, there must be redistribution of property. It must be said, the revolution, alas... brotherhood, Saint Augustine: "I include among my friends those who disapprove of my acts, but not my existence." I still smile. It's been pointless for so long. My tongue goes back out and into the mud. I stay that way, no longer thirsty, the tongue goes back in. The mouth closes. It should now make a straight line. That's it, I created the image.

Nearly everything - grain, math, television - there are almost as many as prime numbers.
- I don't get it, why television?
Nerve connections have become raw material today. So in my humble opinion, Africa is once again out of luck.
- You mean, not part of history. That's what you think. What hasn't changed is that there will always be bastards. But what has changed today is that the bastards are sincere.
They sincerely believe in Europe, that's true. Europe was a German musician, a French writer, Italian singers.
- Ah yes, the Marriage of Figaro.
Yes, Sir! But still, what we are doing is pathetic, we distribute, whereas we should first produce. Yet we once knew how.
- With a tom-tom. Here and now, with these people, I'm trying to produce something. Don't you think?
-- Didn't Flo bring you sandwiches? Flo, Flo?
- Yes. Yes. Yes, yes, 5 p.m. Do you think we can shoot soon?
-- Yes, soon, I think so. I told you, here and now I don't give orders.
- You heard. 5 p.m.
-- It'll be alright. Flo, do you think...
- Will Jean-Jacque give up his place to you?
-- I hope so.
- Ask if she has a plan. What do the unions say?
-- We'll see. First they'll say I'm right, then do what they want. So bye-bye, Bertha. Above all, keep your mouth shut. Show first. Show only what's possible.
- What for instance?
--- Don't talk about what's invisible. Show it.

You want more power?
- No power. A society, not a state.
Sorry, Florine, I don't get it.
- The dream of the state, that's the dream to be one. Individuals dream of pairing up.

Lets go, hurry up!

What is she talking?

Make up your mind about what it is that you're struggling for because you might well obtain it.

What's this story?
- You'll see.
-- Be careful, Dad!
Do you wear thongs like mom?
-Lucien!
But I'm curious.

To live or to tell, we don't have a choice.
- I'll tell. 1789, 8th of August. With the corps all individual privileges were abolished. Only common law would remain, universally applicable to everyone in France. Nothing to obscure the relation between the individual and the law.
I hate the dust that I am made of and that speaks to you.
- You bet, pet. Bravo... Saint Just... 89. The beautiful corps of twenty year olds.

Madame, what are these many eyes that watch at night?- Monsieur, suddenly this, suddenly that astonishes me, there's no-one here, yet here I am speaking to you and you hear me, since you are answering. Monsieur, through it all, what are these images, so free and yet locked in? This vast idea, where figures pass. Where colors glow.
Madame, that was space. And space is dying.

One word is enough.
- I know.
Yes, you're full of beauty and strength. And I told you too. There's no love left between us.

You divide by the number of elected officials on the pretense that it is costly to democracy, and that these officials don't work and that the public should be educated about all these layers. I'm mayor and regional councilor. My region's council is not of my political persuasion and we all know who does what and work together intelligently. So that argument is not good. It must be completely revised, because it leads the population to believe that these officials are only there to collect their pay, whereas the time devoted by the state's elected officials - and we were talking about rural officials earlier who deserve our praise - is given generously.

...of the Republic today guarantee France's territorial and social cohesion. I saw...

The General Councils, it's not simple.
- There are no simple elections.
You'll need to have a program.
- Yes, obviously, a program.And do you have one?
- To be twenty years old. To be right. To keep up hope. To be right, when your government is wrong. To learn to see before one learns to read. Isn't that cool?
You poor thing, you never listen. But still, without realizing it, she had already taken the decisive step. She was now heading into unknown territory, beyond the confines of her former paradise, alone. Someone different than this little girl...
- The perfect union of multiple voices...
fearless.
- after all prevents progress toward one another.

Stop the thief! Stop the thief! Has anyone seen my cap? Hey, whitey. Did you see anything?
- No, Miss.
Enough, I've seen you, bastard!
- Hey, be careful!
What are you doing?
- I'm welcoming a bygone landscape.
Shit, that's a Renoir!
- Yes, exactly. The moron missed out on some beautiful things.
And these two here, that's you and your mother?
- If anyone asks, just say that you don't know. I can't make out the brand name.
"Night and Day" Le jour et la nuit.
- It's fine, I understand English.
It's from Egypt. It was found in the tomb of a pharaoh at El Amarna.
- But there are no hours, nothing.
Yes, but there is time. The night of time.
- And the day, who decides?The watch itself.
- Nothing is moving.
Yes, because it's thinking. If it takes too long, give it a shake.
- Then what?
Mystery.
- Of what are you thinking?
And you?- Of your back.
That really interests you?
- No comment.

Oh, stop! Get out! That's enough! Beat it, damn it. Bastards. That's enough, you little jerk.

so you went to see them again

yes, after the first election was cancelled the children are now awaiting

the decision of the Council of State

their father has a little place in the South

for the first election the Council's decision was fair

Florine and Lucien kept their last name

popular sovereignty was expressed but without a pattern

this time, they got 93% of the vote

with just their first names

so, they're going to win

once, in the Résistance, not far from Toulouse

there was a small network that was part of the "Combat" movement

"the family Martin"

whose motto was

liberate and federate

OUR
HUMANITIES

EGYPT
PALESTINE
ODESSA
OUR HUMANITIES
HELLAS
NAPLES
BARCELONA

HUMANITY

In the Sudan, gold dust, along with black slaves, is known to be the main merchandise in Saharan smuggling. But we don't realize that for centuries this gold was one of the decisive weapons of western Islam.

On neither the sun, nor death can we look fixedly.

See. There. Two female gold diggers, at a meeting of the Golden League. In their image then, the historian doesn't seek, he finds.

To safeguard all the images of language and make use of them. Because they are in the desert, where we must go find them.

PALESTINE
ISRAEL

In 1839, Palestine welcomes its first photographer. The quadrature of the circle had been accomplished with the famous x + 3 = 1 metaphor, which Einstein sought all his life. Clarity through obscurity.

At the end of 1926 in Jerusalem Gershom Scholem writes to Franz Rosenzweig in Berlin. The country is a volcano. And the day will come when language will turn itself against those who speak it.

This is why the girls love you.

Take me for a walk, make me run after you.

The king had me enter his chambers, a prisoner of love.

And the second angel poured out his vial upon the sea and it became like the blood of the dead.

During his second course at the New School in New York, Roman Jakobson shows during the winter of 1942-43, that is it impossible to separate sound from meaning and that only the concept of the
phoneme can solve this mystery.

To write for two voices can only succeed, when dissonance is introduced by a common note.

Tell me where the soldiers are, where have they lived on? Tell me where the soldiers are, what has happened?

Isaac asked his father: I see the fire, I see the knife, but I don't see the lamb.

EARTH
AGAINST
HEAVEN

And Abraham said: God will provide himself a victim for a holocaust.

JEW

The crusades, and the very name of Jerusalem, explain many things.

MUSLIM

If there was desire for vengeance the person to avenge was Jesus Christ.

Palestine.

KISS ME
STUPID

ODESSA

OCTOBRE
ELECTROSCOPE
SHUDDERED
BUT IS FALLING ASLEEP

Are there any questions?
- I have a question. You said it was a silent movie, so how did people understand?
(Odessa. The stairs, in Russian, are feminine.)
When construction of the stairs was finished, no-one had any doubt that the stairs had become an integral part of our city.
(I think she's talking nonsense. But there was something else.)

Well, yes. (Poor Vakulinchuk.) This is the Potemkin staircase.

...thanks to Sergei Mikhailovich Eisenstein's film, Battleship Potemkin, or the year 1905.

In the manifestation, there was joy, happiness. There you go, it's your turn. The soldiers fired on them, because it was manifest. And in manifest you have mano (hand). Not some draped sentiment, but an ideal, a smile that dismisses the universe.

HELLAS

Hellas. Hellas. Democracy and tragedy were wed in Athens under Pericles and Sophocles. A single child: civil war.

The Greek tragic hero: the mortal exhibition of a speechless body, in lieu of an impossible declaration.

RACINE

PRINCIPLES OF TRAGEDY

Ismene, mine own dear sister, knowest thou what ill there is, of all bequeathed by Oedipus?

When Ulysses, returning from the Odyssey, reached Ithaca, the only one who recognized him under his disguise was a dog.

But that morning, when he fell in line alongside Atalanta, he realized that war would be the center of his life.

French Newsreels today present the first report of a country in strife.

The brothers are leaving our village. They raise a flag and they depart. They raise a flag and they depart.

Why did I so desire the gift of prophecy?
- So, Cassandra, will you be reasonable?
No.
- You don't approve of the gods' plans?
No.
- But you will be silent?
No.

The dream of...

Naples.

Let's bring back duration.

More significant than the deep structures of life are their breaking points, their sudden or slow deterioration. Their sudden or slow deterioration.

The sad thing is that we copy the same model dating from Mediterranean antiquity. It has colored with its scents - colors and afirmations - all life in the western world.

Infection is an ancient event. Without infection evolution would have been impossible.

The plague broke out in Naples on octobre 1, 1943. The same day the Allies forces entered this unfortunate city as liberators. Freedom is costly. But one can't buy her with gold and not with blood, but with cowardice, prostitution and betrayal.

NAPLES

Could the North Americans claim to have liberated the peoples and yet oblige them to fell vanquished?

Nothing and everything.

You cannot go back, because life pushes you on, like an endless stream.

BARCELONA

Spain is a country that at this moment has no lack... of opportunities to die.

And even our utopias - it being clearly understood that it is not essential what a dictator thinks...

We discover war only once, but we discover life many times.
- But a more loyal truth, and one might add, within arm's reach.

Bullfight in the Plaza de Toros. Everyone was there. Hemingway, Dos Passos, Orwell. And then? Once the bull was put to death, toreros and spectators left for the front.

Women. Like all those who were building barricades in the suburbs of the city, in anticipation of the Moors' offensive. Later, Simone Weil, after Franco's victory when she learned the Germans had taken Paris, declared: "A great day for Indochina."

You see, with the verb "to be", the lack of reality becomes flagrant. For example: Soon we will be in Barcelona. It would be better to say: Barcelona will welcome us soon.

What time is it?
- Nothing but the right time.

Alissa! Alissa!

THINGS
LIKE

WHEN
THE LAW
ISN'T JUST
JUSTICE
COMES
BEFORE THE LAW

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1. Januar 2012

Palpen und ulpen

Der deutschen Sprache fehlen Wörter, insbesondere Schimpfwörter. Ich schlage deshalb vor, folgende beiden Wörter in den deutschen Sprachschatz aufzunehmen.

palpen (Verb, pejorativ). Etwas auf der Grundlage von Assoziationen als etwas ansehen. Beispiele:
  • Sie hat mich gleich als Nerd gepalpt, weil ich was vorm Rechner gegessen habe!
  • Sie ist ein echter Palper. Brauchst nur Stalin zu sagen, und schon palpt sie dich als Faschisten.
ulpen (Verb, pejorativ). Etwas mutwillig als etwas ansehen. Beispiele:
  • Ich hab' nur seinen Geburtstag vergessen, und er ulpt das gleich, als ob ich fremdginge!
  • Ich hab' ihr zum Führerschein gratuliert, und sie hat das als Spott darüber geulpt, daß sie 50 Fahrstunden gebraucht hat, und dabei habe ich das ganz normal gesagt!
  • Du mußt damit aufhören, alle Vorkommnisse als potentielle Angriffe gegen dich zu ulpen!

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