Bereitschaftsbeitrag

Zur Front

13. Januar 2012

Mrs. Ariadne Oliver

Sehr persönlich, sehr speziell, aber warum sollte ich hier nicht besprechen, was mir konkret die Augen geöffnet hat?

Vielen Dank an Agatha Christie dafür.

And why, she thought, but did not say, why on earth am I going to it? She searched her mind for a bit because she always really liked knowing what she was going to do instead of doing it first and wondering why she had done it afterwards.

Wie der vorliegende Fall zeigt ein Wissen, welches wenig nütze ist, da ja doch immer etwas Unvorhergesehenes zu geschehen pflegt. Einzig, daß sie selbst so nicht für etwas Unvorhergesehenes verantwortlich sein wird. Mit anderen Worten eine Vorsichtsmaßnahme gegenüber sich selbst, notwendigerweise auf dem Mißtrauen gegenüber sich selbst basierend.

Der Grund solchen Mißtrauens wiederum ist ganz nebensächlich, wichtig ist nur die psychische Situation, in welcher sich ein solcher Mensch befindet, nämlich eine verbindliche Richtschnur zu besitzen, welcher es auch das eigene Durchleben der Zeit unterzuordnen gilt. Dies mag sich wie bei Mrs. Oliver in sehr großer Sorgfalt bei der Wahl der eigenen Garderobe zeigen, es kann sich aber auch, beispielsweise, in einer genauen Zuordnung von erwünschten gesellschaftlichen Transaktionen zu unterschiedlichen Gesellschaftsmitgliedern manifestieren.

Diese psychische Situation ist darum wichtig, weil es, wenn man sie sich verdeutlicht, klar wird, daß nur Achtende so empfinden können. Es ist eine spezielle Form der Demut dem Geachteten gegenüber, ein spezieller Glaube, der schüchterne Rückzug hinter seine Regeln, darauf hoffend, daß man sozusagen blind dafür entlohnt würde, ohne Ansehung der Person, nur nach dem Verdienst, aber darum nur um so gerechter.

Das pflegt nicht zu geschehen, da liegt eine große Tragik. In die Regeln mischt sich immer noch die Lüge und die vermeintliche Treue, mit welcher man sich selber zwingt, entpuppt sich dann als Untreue und die Lüge wird offenbar, auch wenn sie selbst dann noch oftmals nicht vollends verstanden wird.

Mein persönliches Interesse gilt aber weniger dieser Tragk als der Tatsache, daß ein Achtender, wenn er seinen eigenen Lebenswandel solchen Regeln unterwirft und ihn also plant, wie ein Versuchender erscheinen mag, in sofern er große Initiative zeigt und es scheint, als ob er sich ständig auf Neues einließe, während er in Wirklichkeit nur in ständig neuer Geschäftigkeit Zuflucht vor der Offenheit des Augenblicks sucht.

Ich halte dies hier fest, weil auch einer so speziellen Verwirrung vorzubeugen, einen allgemeinen Wert hat.

Labels: , , ,