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19. August 2014

Kulturschwanken

Nach den vorangegangenen Beiträgen zum I Ching
läßt sich folgendes Fazit ziehen.

Achtung und Lust sind die Füße einer Kultur, die Sorge der Kopf. Um besser zu verstehen, worum es hier geht, nennen wir den einen Fuß Wölfe und den anderen Löwen.

Menschen, in welchen sich Achtung und Sorge verbinden mögen Lämmer heißen, solche, in welchen es Lust und Sorge tun, Falken.

Die Verhältnisse zwischen den sechs Polen Wahrheit, Harmonie, Größe, Glanz, Macht und Ewigkeit sind nun dergestalt, daß die oberen Pole, also Wahrheit und Harmonie oder Wahrheit und Größe, die Füße erheben, das heißt sie predigen den Wandel vom Wolf zum Lamm oder den Wandel vom Löwen zum Falken, konkret also Christentum und Islam.

Dabei binden sie auch die von der Sorge Gestimmten ein, was diese mit Blick auf das Gemeinwohl unterstützen, auch wenn es sie Umsicht oder Genügsamkeit kostet. Die Wölfe hingegen kostet es Vergebung und die Löwen Härte.

Wenn nun ein Lamm unter Falken lebt, so stützt es der Falken Kultur durch Widmung. Und umgekehrt, wenn ein Falke unter Lämmern lebt, so stützt er der Lämmer Kultur durch Strenge.

Dies ermöglicht es, daß eine Kultur der Lämmer unmerklich in eine Kultur der Falken umschlägt und umgekehrt. Aber wenn das passiert, wird der erhebende Einfluß auf den jeweiligen Fuß geschwächt, und so kommt es, daß sich die Wölfe gegen die Kultur der Falken erheben, wozu sie Besonnenheit brauchen, und die Löwen gegen die Kultur der Lämmer, weil sie nicht genug Erkenntlichkeit besitzen.

Hochkulturen sind aufgrund ihrer Nähe zur Sorge um das Ganze anfällig für die Preisgabe ihres eigenen Wesens, in welchem Falle sie aber nach einiger Zeit auf ihren jeweiligen Fuß zurückfallen und Wolfs- oder Löwenrudel bilden.

Beim Bild des Hexagramms bleibend kann man auch sagen, daß der Kopf das Gewicht vom Fuß auf die Schulter zieht, wo es von einer auf die andere wechseln kann, dann aber auf den ursprünglichen Fuß zurückfällt.

Und falls es in einer Gesellschaft keinen Kopf, dafür aber beide Füße gibt, so bekriegen diese sich so lange, feindschaftlich die einen, ausdauernd die anderen, bis sie sich im Pol des Ewigen treffen, was die Wölfe durch Bewahrung ihres Glaubens im Privaten und die Löwen durch Erzwingung sozialen Instinkts bezahlen, allerdings auch nur so lange, wie sie es müssen, denn beide streben zu ihrer Natur zurück.

Alles strebt also nach oben, aber oben kommt es zu Prinzipienlosigkeit oder Prinzipienreiterei, je nachdem wie weit oben, so daß alles auch wieder hinabsinkt.

Insgesamt ist die Dynamik aber ausgesprochen gut, denn sie stellt sicher, daß stets auf längere Sicht der bestmögliche soziale Zustand angenommen wird, gleich zu welchen äußeren Störungen es kommt.

Post Scriptum vom 14.9.2014. Siehe auch den Nachtrag zu den Fünfergruppen im I Ching Mandala.

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