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31. Oktober 2016

Evident ou incompréhensible?

Quand je regarde Au Hasard Balthazar maintenant, il me semble, que l'art a le droit d'expliquer la vie, comme, par example, que les hommes veulent atteindre des œuvres exemplaires...

Là, il n'y a pas une question, et l'exposition dramatique est fatigant comme des expériences physiques répètées.

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30. Oktober 2016

Astérix & Obélix - Au Service de sa Majesté

Le monde selon le FAZ.
  • Les romains: la civilisation entre la république et l'empire,
  • les gaulois: la sagesse du peuple,
  • les normands: l'insensibilité des finlandais et
  • les Britanniques: l'orgueil des adolescents.
Les clichés douloureux sont les clichés offensants et l'offense habituelle est une partie des jeux toxiques, mais quand même Gérard Depardieu est divin comme Obélix.

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24. Oktober 2016

Zum völkischen Spieleschatz

Nein, es geht in diesem Beitrag nicht um Skat oder Backgammon, sondern um das, wonach gefragt wird, wenn es heißt: Was wird hier gespielt?

Freilich, wenn diese Frage ertönt, wird zumeist gerade kein bekanntes Stück gegeben, weshalb der völkische Mensch sich verloren fühlt.

Die Sache hat verschiedene Seiten. Zum einen geht es lediglich darum, die Muster zu kennen, nach welchen soziale Interaktionen vollzogen werden, aber wenn ein Spiel nur darin besteht, wird der völkische Mensch es blöd finden, wie er es auch in seinen diesbezüglichen Wortschöpfungen wie etwa Papierkram zum Ausdruck bringt.

Nein, der völkische Mensch stellt schon Ansprüche an die Spiele, an welchen er sich beteiligen will, sie müssen, um mich nicht erst lange daraufzu zu arbeiten, eine Spielart des Lebens mit allen seinen Facetten abgeben, in welcher es Gut und Böse und ihre spezifischen Maneuver gibt, Regeln, Möglichkeiten zum Betrug, nach der Schwere des Verstoßes gestaffelte Strafen, Schwierigkeiten und Belohnungen.

Zum Teil wurden solche Spiele nur zum Zweck des Spielens entworfen, Basketball, Fußball und so weiter, zum Teil entstehen sie, wo sie unerwünscht sind, in der Schule oder im Straßenverkehr, beispielsweise, und zum Teil haben sie gar als völkische Winkelzüge geschichtliche Bedeutung.

Es ist wohl historisch korrekt zu sagen, daß das gesellschaftliche Ordnungsideal der katholischen Kirche darin besteht, daß die Menschen zu jeder Zeit in einem ihnen bekannten Stück mitwirken, weshalb sie diese auch fleißig in verschiedenen Spielen unterrichtet hat und vielleicht auch immernoch unterrichtet. Der Gegensatz dazu ist biblisch, nämlich daß der Teufel eine kleine Weile frei werde, also daß auf einmal ein Stück gegeben wird, welches nicht aus der Feder der Kirche stammt und in welchem Gut und Böse also nicht wie gehabt fahren.

Wie gehabt fahren, das heißt, das Gute wird geprüft und belohnt und das Böse zur Besinnung gebracht und verschont.

Völkisch gesehen ist das wohl die Essenz des Christentums, das Einzige, was völkisch faßbar ist.

Aber das ist es eben auch. Das völkische Spiel ist wirklich, der völkische Mensch ist wirklich, und die Naturbeschaffenheit von Gut und Böse ist ebenso wirklich, nämlich daß das Böse sich selbst zu Grunde richtet und das Gute seines eigenen Weges geht.

Klonovsky hat schon Recht, wenn er sagt, daß wir das Völkische nicht los seien, einzig sein Zugang zu ihm ist zu bitter: Das Dumme ist das Dumme und nicht aus sich selbst hassenswert, wie Schopenhauer schon ganz richtig sagte und wer haßt schon kleine Kinder?, erst wenn es widrig aufgeschirrt wird, wenn es zur Anmaßung verführt wird, dazu, politischer Kommissar* zu werden, für ein etwas üppiger belegtes Brot, liefert es einen üblen Anblick.

* Damit ist natürlich nicht gesagt, daß politische Kommissare prinzipiell nur aus Dummen rekrutiert werden könnten.

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Zum Aussterben der Dinosaurier

Ist es vorstellbar, daß die Evolution die Sauropsiden zu immer besseren Eierräubern abgerichtet hat, bis nur noch solche überlebten, welche ihre Eier auf spezielle Weise schützen konnten, also indem sie etwa irgendwohin geflogen sind, wo es sich nicht längerfristig leben läßt?

Mir scheint es durchaus möglich. Das Leben beginnt klein und schutzlos, und irgendwann bekommt eine Horde von Freßmaschinen das spitz. Und plötzlich frißt nicht mehr der Größere den Kleineren, sondern der hinreichend Kleine, um den Flug zu meistern, den zu Großen dafür: Biologie, Jagdverhalten und Physik verbünden sich zur Miniaturisierung.

Und während die Sauropsiden in die Luft gingen, gingen die Synapsiden unter die Erde bis der Boden frei von Ungetümen war.

Wenn Eierraub in diesem Zusammenhang angesprochen wird, sind üblicherweise die Synapsiden die Schuldigen. Warum eigentlich? Logisch ist es nicht, denn wenn die Synapsiden die Schuldigen gewesen wären, hätten die Sauropsiden nicht die Zeit gehabt, sich zu Vögeln zu entwickeln, wobei ich freilich voraussetze, daß sie es nicht schon waren als die Synapsiden aus welchen Gründen auch immer begannen, ihren Eiern gefährlich zu werden, aber das ist eben der Punkt, daß die Evolution des Flugs komplexer als die des Eierdiebstahls scheint.

Was genau gefällt den Leuten an der Vorstellung nicht, daß das Ende von dem, was man einmal war, groß, im Falle der Dinosaurier, als Preis dessen kommt, wofür man sich entschieden hat? - Eierraub, im Falle der Dinosaurier.

Moralisch wertend könnte man davon sprechen, daß das Üble an sich selbst zu Grunde geht oder sich doch wenigstens selbst Grenzen setzt. An sich doch kein schrecklicher Gedanke. Was haben die Leute nur?

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23. Oktober 2016

Nachtrag zum gegenwärtigen Ärger

Gefühle sind wie die Buchstaben des Alphabets: Sie treten in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auf, und erst indem sie sorgfältig in Bezug zueinander gesetzt werden, läßt sich ihr Sinn entschlüsseln.

Der Ärger, welchem ich im letzten Beitrag nachspürte, richtet sich gegen die Anmaßung, also Entscheidungen zu treffen, ohne die dazugehörige Verantwortung tragen zu können.

Seinem Wesen nach ist er reinigendes Feuer, und die Kunst seiner Handhabung besteht offensichtlich darin, es ein vorbestimmtes Gebiet abbrennen zu lassen.

Der Mißstand aber ist Ohnmacht oder die unkritische Verleihung von Macht und Abhilfe also die Wiederaneignung der Macht oder die Verinnerlichung der behutsamen Ausstattung mit Macht.

Das Programm ist klar genug, aber die fundamentalen Gegebenheiten ungünstig. Man muß den rechten Weg nach Kräften verfolgen und zugleich aber hoffen, daß sich Neues begibt, welches die Gegebenheiten zu den eigenen Gunsten verändert.

Verfehlt das Feuer sein Gebiet, richtet es nur Schaden an.

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21. Oktober 2016

Hexagramm 60, Begrenzung.

Begrenzung. Erfolg. In vergällender Begrenzung darf nicht verharrt werden.
Neun im Anfang bedeutet:
Nicht aus Tür und Hof zu gehen, bleibt schmachlos.
Neun an der zweiten Stelle bedeutet:
Nicht aus Tor und Hof zu gehen, bringt Unglück.
Sechs an der dritten Stelle bedeutet:
Der, wer Begrenzung kennt, hat Grund zu klagen. Keine Schmach.
Sechs an der vierten Stelle bedeutet:
Zufriedene Begrenzung. Erfolg.
Neun an der fünften Stelle bedeutet:
Süße Begrenzung bringt Glück. Zu gehen bringt Anerkennung.
Sechs an der Spitze bedeutet:
Vergällende Begrenzung. Verharrung bringt Unglück. Reue verschwindet.
Die Zeilen dieses Hexagramms lassen sich logisch herleiten.

Alte Lust -> Halt dich zurück!
Alte Achtung -> Verkehr nicht nur in deinen Kreisen!
Alter Mangel an Sorge -> Schrei deinen Schmerz nur hinaus!

Alter Mangel an Macht -> Hast dich schon dran gewöhnt.
Alter Einfluß -> Kannst mit wenig viel erreichen.
Alter Mangel an Weisheit -> Mußt dich hart rannehmen.

Die Kommentare stimmen auch mit diesen Erklärungen überein, ausgenommen den Kommentar zur zweiten Zeile. Ich bin sicher, daß jener Kommentar falsch ist. Es geht nicht darum, die Gelegenheit beim Schopf zu packen, sondern darum, sich herabzulassen, sich gemäß dem übergeordneten Motiv der Begrenzung mit Problemen zu beschäftigen, deren Vernachlässigung einen in großes Unglück stürzen würde.

Ich habe just dieses Hexagramm erhalten
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-o-
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als ich das Orakel und mich fragte, was gerade dabei ist, in die Welt einzubrechen. Es fühlte sich alt an, und es ist auch alt, etwas zu vernachlässigen, bis es sich Gehör verschafft.

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20. Oktober 2016

Weisheit

Philosophie ist die Liebe zur Klarheit, welche stets mit der doppelten Betrübtheit von Geist und Gemüt beginnt, um sich dann der Besinnung auf das Eigentliche folgend entlang neu zu einander in Beziehung gesetzten Begriffen zur Offenbarung der verspürten Wahrheit aufzumachen.

Sie unterscheidet sich dadurch von der Prophezeiung, daß sie keine Begebenheit, sondern einen Gedanken verspürt, und dadurch von der Mathematik, daß sie den gesuchten Gedanken nicht bloß sucht, sondern eben auch verspürt.

Freilich, auch in der Mathematik verspürt man manchmal, wie auch sonst im Alltag, einen Gedanken, welchen man mit Glück alsbald zu fassen kriegt, aber dieses Gespür gilt immer einer bestimmten Form, von welcher man dieses spürt, daß sie im nämlichen Falle zum Einsatz kommt, ganz so, wie wenn man spürt, daß man ein verlegtes Werkzeug brauchen wird.

In der Philosophie ist es hingegen so, daß die Form bekannt und unbekannt zugleich ist, bekannt in dem Sinne, daß unser Gefühl sie offensichtlich kennt, aber unbekannt, soweit es ihre deutliche Erfahrung betrifft: Sie liegt gewissermaßen in uns, um uns vor unseren Erfahrungen zu retten, indem sie uns den Weg durch jene weist.

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18. Oktober 2016

Die Herrschaftsweisen der sofortigen und der aufgeschobenen Bewertung

Wir betrachten Prozesse, welche kontrolliert werden. Bei der Kontrolle eines Prozesses stellt sich die Frage, zu welchem Grad er vernünftigerweise antizipiert werden sollte, so daß es weder zu schwachsinnigen Untersuchungen von längst Bekanntem, noch zu engstirnigem Übergehen von bedeutsamen Entwicklungen kommt.

Ich kam auf dieses Thema, als ich die eher spartanische Einrichtung eines klingonischen Bird of Prey mit der der Enterprise verglich - ein Gegensatz, welchen man natürlich an tausend anderen Stellen genauso gut beobachten kann, etwa wenn man ein deutsches Militärfahrzeug aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem Toyota Geländewagen von heute vergleicht, wie in ISIS vorzeigt, und auch, wenn man die ursprüngliche Enterprise mit der unter Captain Picard vergleicht.

Das Thema wird auch mit Frauen in Zusammenhang gebracht, jedenfalls beim Militär, also daß Frauen in der Truppe zu Topfpflanzen auf der Stube führen und dergleichen mehr, durchaus im Hinblick auf die übergeordnete Frage, ob es sich bei Topfpflanzen um bedeutsame Entwicklungen oder schwachsinnige Untersuchungen handelt.

Aber der weibliche Aspekt des Themas, welcher freilich dessen ungeachtet dennoch in ungeheurer Breite ausgewalzt wurde und wird, tut wenig zur Sache, das heißt, er ist nur in sofern relevant, als es die Sitte verbietet, Frauen ihren Mangel an Antizipation anzukreiden, andernfalls wir uns noch Frauen züchteten, welche Geburtsschmerzen antizipierten, was selbstverständlich nicht nur wenig zur Sache tut, sondern gänzlich unsachlich ist, aber der Gegenstand dieses Beitrags ist nicht die notwendige Ergebnisoffenheit des weiblichen Geistes, siehe dazu stattdessen den vorletzten, sondern der Gegensatz dazwischen, etwas abzutreten oder es zu beaufsichtigen, etwas sich selbst zu überlassen oder es zu beschlagnahmen.

Vieles läßt sich berechnen, jedenfalls wenn man alle Naturkonstanten kennt. Aber wie findet man letztere? Durch's Experiment, dadurch, die Natur sich in bestimmter Lage selbst zu überlassen und sie zu beobachten. Der Krieg ist keine Zeit großer Einsichten, lediglich eine Zeit verzweifelter Investitionen: Das erste Atom wurde noch im Frieden gespalten.

Und manches läßt sich ganz und gar nicht berechnen, der Fluß des Wassers, die menschliche Entscheidung, so daß der Prozeß sich notwendigerweise für eine Weile selbst überlassen werden muß, um herauszufinden, wohin er führt.

Deshalb gibt es Strömungskanäle und Wellenbecken, und deshalb gibt es auch soziale Modellprogramme, welche man in der Tat am besten dadurch sabotiert, daß man sie ignoriert: Wie man sich im Ernstfall entscheidet, geht keinen was an - einzig wissen, was einem ernst ist, das muß man. Zum Studium dieses Verhaltens rate ich zur Sichtung Idi Amins, wie er in The Last King of Scotland von Forest Whitaker dargestellt wird. Verhält sich erst einmal jeder so, können Sozialingenieure ihr Geschäft einstellen, wobei dann freilich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wäre, aber ich will an dieser Stelle dem Dosierungsvermögen meiner Leser vertrauen.

Hingegen geht es bei solchem Sich selbst Überlassen nur in Ausnahmefällen um Erkenntnisgewinn, im Normalfall handelt es sich schlicht um eine Herrschaftsweise, darum, Verantwortung zeitweilig zu übertragen, wie es ein Bänker tut, wenn er einen Kredit gewährt, oder eine Regierung, wenn sie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse zuläßt, die freie Bewegung oder den freien Handel, wobei all das unsinnig wäre, wenn nicht die berechtigte Erwartung bestünde, daß die übertragene Verantwortung im eigenen Sinne getragen wird.

Wenn sie das aber wird, so steigt das Potential des Prozesses des gesellschaftlichen Lebens, sich voll zu entfalten, proportional mit den sich einbringenden Geistern, weshalb das Militärische immer spartanisch ist, und das Spartanische immer armselig auf das Ziel ausgerichtet, wie etwa die Schwarze Suppe, heutzutage Schwarzsauer genannt, darauf, den Soldaten zu ernähren.

Und wo wir gerade davon sprechen, Ernährung ist in der Tat der ursprünglichste Spiegel dessen, wovon hier die Rede ist. Welches Obst schmeckt schon? Doch nur das ausgesuchte, dann aufgepfropfte und später veredelt gehandelte. Welches Mehl schmeckt? Doch nur das gebackene. Und auch nur das von den Gräsern, welche auf dem jährlich neu gepflügten Acker wachsen. Eine Obsttorte ist die Summe vielfacher menschlicher Arbeit und Umtriebigkeit. Sie ist fürwahr das Symbol des zivilen Lebens.

Und das Symbol des militärischen Lebens ist die Eichel, welche ausgelaugt zwar eßbar ist, aber je nach Grad der Gerbsäurereduktion irgendwo zwischen Asche und Kohle schmeckt, zuzüglich etwas Unbeschreiblichem, Eichelspezifischem. Der Eichelgenuß ist kein solcher, wenn nicht der Magen vorher schmerzte, es fehlt jede Sinnenbefriedigung, stattdessen wird der Geist angespornt, sich an mehr als am Eichelnsammeln zu versuchen - zum Beispiel an der Jagd.

Indes, um zum Abschluß zu kommen, etwas aufzuschieben ist, wie es heißt, nicht dasselbe, wie es aufzuheben, und die gegenwärtigen Verhältnisse steuern auf eine Versandung des geschichtlichen Flusses in einem Geflecht unschiffbarer Wege zu, so daß sich die Antizipation in absehbarer Zeit ihr Recht wiedernehmen muß.

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16. Oktober 2016

Zur Organisation der Opposition in einem totalitären Staat

Auch wenn zur Zeit vieles durch die Medien geht, welches einen spontan an
Aye! And if my grandmother had wheels, she'd be a wagon!
denken läßt, möchte ich diesen Beitrag doch unter einen anderen Aphorismus Mr. Scott's stellen, nämlich
The more they overtake the plumbing, the easier it is to stop up the drain.
Politik als das Geschäft, die Polis in eine ihr genehme Form zu bringen, ist gar nicht einmal so kompliziert, denn sie kann stets mit der Bestandsaufnahme der in der Polis vertretenen Kräfte und deren existierender politischer Einbeziehung beginnen, um dann eventuell bestehenden Interessen an neuen Verbindungen nachzugehen.

Dieses setzt einzig die Kenntnis der Polis und die Möglichkeit, mit ihr in Verbindung zu treten, voraus.

Selbstverständlich haben wir es heute im Regelfall nicht mit einer Polis, sondern mit einem Staat zu tun, welcher weit weniger überschaubar ist als jene, aber aufgrund der für einen totalitären Staat typischen universellen Meinungsformung und Angleichung der Lebensverhältnisse dürfte sich eine zu ihm gehörende Polis von einer zweiten kaum mehr als ein Ei vom andern unterscheiden, und das heißt, daß bestehenden Neuverbindungsinteressen dezentral vor Ort nachgegangen werden kann, indem die lokalen Initiativen sich schlicht anhand der geteilten Problembewertung anerkennen und sich auf diese Weise zusammenschließen.

Mir liegt es fern nahezulegen, daß dergleichen gerade geboten ist, aber sollten bestehende Hoffnungen wieder einmal in institutioneller Gestalt enttäuscht werden, so riete ich zu einem solchen Neuanfang: Wer versucht, auf die Mitglieder einer Gruppe alle zugleich Einfluß zu nehmen, schafft dadurch notwendigerweise die Möglichkeit zur gruppenweiten Opposition selbst für den ausschließlich lokal Vernetzten, und dieses Gesetz läßt sich um so stärker gegen ihn wenden, je größer der Einfluß ist, welchen er anstrebt.

Mangelndes Problembewußtsein allein ist der Grund dafür, daß sich in Deutschland immernoch die Frage nach der richtigen politischen Vertretung der Opposition stellt, und die durch den Bundescharakter der Deutschen als angenommenes Volk bedingte Behäbigkeit aller ihrer politischen Entscheidungen - weil es eben länger dauert, sich unter Bundesgenossen auf etwas zu einigen als unter Seinesgleichen - wird dieser Frage sogar noch eine unzeitliche Zukunft schenken, all die Weil es geboten ist, selbst in die Politik zu gehen.

Die Abscheu der Deutschen vor der Politik verstehe ich freilich, wer will schon auf der Straße von Wildfremden erkannt werden?, aber die Lösung dafür habe ich gerade mitgeliefert: Es genügt durchaus, im Rahmen der Polis zu bleiben, in welcher man eh wiedererkennbar ist, und mit dieser Einschränkung ist die Aufgabe meines Erachtens zumutbar.

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15. Oktober 2016

Charakterziele als mütterliches Erbteil

Nach Arthur Schopenhauer erbt der Mensch von seiner Mutter seinen Intellekt, beziehungsweise sein Nervensystem, nach Kurt Vonnegut erbt er von ihr seine Träume.

Ich bin mit beiden Erklärungen nicht ganz zufrieden, denke aber, daß Vonnegut dem Wesentlichen näher kommt.

Wenn ich meine persönlichen Verhältnisse so überblicke, scheint mir das, was der Mensch von seiner Mutter erbt, sein Ansatz zu sein, die Welt zu beglücken. Konkret versuche ich, das Gefallene aufzurichten, wohingegen mein Sohn versucht, sein Umfeld zu erheitern, mein Ideal ist Glaubensgewißheit, sein Ideal Eintracht, und daraus ergibt sich der Ansatz.

Die Weise, in welcher der Charakter für die nähere Bestimmung seiner Ziele durch derartige Ideal offen ist, bleibt zu klären, ebenso wie die Bandbreite dieser Ideale. Im vorliegenden Fall ist ersteres freilich nicht schwierig, der gestimmte Charakter versucht, seinen Frieden zu finden, und dieser besteht eben einmal in Glaubensgewißheit und ein andermal in Eintracht, und auch allgemein ist damit bereits für den gestimmten Charakter und seine Offenheit für die nähere Bestimmung durch die genannten Ideale - und auch für deren Bandbreite - alles gesagt: Der gestimmte Charakter erbt von seiner Mutter seine Vorstellung von Frieden.

Leistungs- und Umgangserwartende, oder -fordernde, fordern als natürlicher Ausdruck des achtens, wobei Umgang hier so viel wie die Auseinandersetzung mit einem Problem bedeutet, woher die alternative Bezeichnung als (sich) Versuchende, wollen für ihr achten selbst geachtet werden, und damit gilt ihre Offenheit dem Respektablen, oder genauer gesagt der Meisterschaft im Falle der Achtenden und der Bewährung im Falle der Versuchenden, deren genauere Auskleidung sie also von ihrer Mutter erben.

Und was die Erregten betrifft: Offenbar erben sie dann von ihrer Mutter ihre Vorstellung von Wohlstand.

Mütterlicherseits vererben sich also die Vorstellungen von
  • Wohlstand für den väterlichen erregten Charakter,
  • Frieden für den väterlichen gestimmten Charakter,
  • Meisterschaft für den väterlichen leistungsfordernden Charakter und
  • Bewährung für den väterlichen umgangsfordernden Charakter.
Wohlstand, Meisterschaft, Bewährung und Frieden möchte ich dabei als Charakterziele bezeichnen, welche also das mütterliche Erbteil darstellen.

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12. Oktober 2016

Das Blut der Heiligen

Ich hätte nicht schlecht Lust, eine Filmkritik zu The Constant Gardener unter dem Titel Die total bekloppte Tessa zu schreiben, ein Film, welcher in seiner klaren Ausgerichtetheit durchaus einen gewissen Reiz besitzt, weil es nahezu unmöglich ist, die Wahrheit nicht zu zeigen, wenn man alles offenlegt, aber das zu Grunde liegende Phänomen, die Wirkung der Anerkennung der Menschenrechte und der sie vertretenden Organisation, also der Vereinten Nationen, auf die menschliche Moral, muß an höherer Stelle gefaßt werden.

Die Vereinten Nationen erziehen Regierungen zu Lippenbekenntnissen und der Unterlassung notwendiger Korrekturen, indem sie jede Härte skandalisieren und jedes Versäumnis entschuldigen, und die Menschenrechte erziehen das Volk zu einer Anspruchshaltung, welche verhindert, daß für jedes soziale Netz notwendige Vorleistungen erbracht werden. Damit schreiben sie einerseits nur die herrschende Gesellschaftsform fest, indem sie das Aufkommen neuer Verbindlichkeiten verhindern, aber andererseits geben sie auch die etablierten Verbindlichkeiten einem schleichenden Verfall preis, welcher um so schneller abläuft, desto absurder die konkreten Ansprüche sind.

Das Kernproblem hierbei ist offensichtlich die Verachtung des Entstehungsprozesses: Die Trauben haben süß zu sein, ob die Sonne nun schien oder nicht, und absolut nichts tun die derart Erkrankten dafür, daß die Sonne scheint.

In The Constant Gardener etwa kommt es Tessa selbstverständlich nicht in den Sinn, sich zu überlegen, wie afrikanische Regierungen verändert werden könnten, damit sie für ihr eigenes Volk bessere Geschäfte aushandeln könnten. Die Antwort, welche sich Tessa, wenn sie ehrlich wäre, augenblicklich darauf geben müßte, ist die folgende: Afrikanische Regierungen sind durch die britische Regierung zu ersetzen - in dem Punkt jedenfalls war George W. Bush ehrlich.

Aber der bloße Wunsch nach besseren Geschäften für afrikanische Völker hat schon etwas reichlich Pathologisches, und wer nicht gänzlich auf den Kopf gefallen oder eben total bekloppt ist, erkennt sofort, daß derjenige, welcher entscheidet, ob ein Geschäft gut oder schlecht für ein Volk ist, zugleich derjenige ist, welcher dieses Volk regiert oder zu regieren sucht.

Bei Tessa ist die psychologische Erkrankung demgemäß auch über bloßes Anspruchsdenken hinausgewachsen: Sie sieht in der Versammlung der Vertretungen der Regierungen der Welt eine jeder anderen, und insbesondere auch ihrer eigenen, Moral überlegene Instanz, und sie ist jeder konkreten Entwicklungsarbeit, welche irgendwo auf der Welt geleistet wird, feindlich gesonnen, wenn sie nicht ihren a priori festgeschriebenen moralischen Grundsätzen, welche sich selbstverständlich mit denen der Vereinten Nationen decken, entspricht - eine Haltung, welche die Vereinten Nationen selbst aus guten Gründen, wie es später zu Justin's Erstaunen heißt, nicht einnehmen, als ihn ihre Regeln daran hindern, ein Mädchen vor der Sklaverei zu retten.

Eine weitere Spielart der psychologischen Erkrankung durch die Menschenrechte besteht darin, daß Menschen aufhören, nach Maßgabe ihrer Sympathie zu schenken, wobei dieselben Menschen seltsamerweise allzu oft wenig dabei finden, nach Maßgabe ihrer Sympathie zu urteilen.

Und wer weiß, was noch alles an Ungeziefer zum Vorschein kommt, wenn man weitere Steine umdreht - weshalb es eben nötig ist, die Sache an höherer Stelle zu fassen.

Was ist es, wem die Vereinten Nationen ins Gesicht spucken?

Es ist die Suche nach dem Guten und was zu ihr gehört: Die Selbstlosigkeit allen Anfangs, die taktvolle Rücksicht gegenüber jenen, welche auf etwas hin arbeiten und die Verehrung jener, welche ein Werk vollbracht haben. Wie feindlich jene, welche sich heutzutage als moralische Autoritäten ausgeben, all diesem gegenüberstehen, liegt offen zu Tage und bedarf keines weiteren Kommentars; denn was widerführe dem, der es wagte, öffentlich anzumahnen, Ansprüche zurückzustellen, wohlwollende Schonung walten zu lassen oder die gebührende Ehrerbietung zu zeigen? Daß diese Kritik Gefahr läuft, ausgelacht zu werden, beweist nur, daß der Kelch geleert wurde. Ohne Zweifel meinen die, welche einen Begriff ihres Frevels haben, und das ist nur eine kleine Minderheit, daß der Einläutung einer Zeit großer Gerechtigkeit ruhig eine Weile der Zertrampelung aller Gerechtigkeit voraufgehen darf, nur werden sie auf diesem Fundament nichts bauen können, denn tausenderlei Gift sprießt aus ihm, weshalb es eben zerschlagen werden muß - und auch der, welcher es zerschlägt, wird noch fallen müssen, damit wir einst genug Abstand von ihm haben.

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10. Oktober 2016

Sich der Wirklichkeit zu stellen

Einer der unwirklichkeitsvermittelnsten Gedanken überhaupt ist der Bezug auf nicht näher bestimmte Menschen, welche alles selbstverständlicherweise genau so sehen, wie man selbst, die Zuflucht zu einem imaginären Kreis Verläßlicher, einer psychologisch gesehen heilen Welt.

Wie ich bereits mehrmals festhielt, beginnend mit dem Beitrag Touristen, ist gerade dies aber der protestantische Kernglaube, aus welchem natürlicherweise das Selbstopfer für den Unbekannten entspringt.

Nun ist dieses Selbstopfer gar nicht einmal schlecht, sondern vielmehr der Garant des Erfolges protestantischer Gesellschaften, aber es entspringt üblicherweise eben einem gequälten Geist, welcher versucht, in eine Wirklichkeit zurückzufinden, welche er nirgends vorfindet.

Daß er sein Ziel dabei überhaupt als Wirklichkeit begreifen kann, liegt daran, daß ihm nie der Unterschied zwischen Unwirklichem und Wirklichem bewußt geworden ist. Er lebt zwischen schaler Gegenwart und entrückter Zukunft, so daß ihm nur übrig bleibt, sich selbst zu entrücken.

Wenn ihn das Leiden an der Getrenntheit von der Welt indes zu einem Erleben von Gottes Gegenwart geführt hat, so hat er den Begriff des Wirklichen gewonnen, und er erkennt sein Ziel als unwirklich.

Das heißt aber wie gesagt nicht, daß er nun seinen Kurs ändern müßte, denn er wirkt ja durchaus auf das Gute hin, sondern nur, daß die Wirklichkeit seines Wirkens ihren Sitz in seinem Wesen nehmen muß, daß dieses Wirken kein versuchtes Nehmen, sondern ein Geben ist.

Und also tritt er in eine Welt, in welcher ein jeder nach seiner Façon selig zu werden trachtet, und in welcher sich also alles um seine Façon schart. Und so schief wie der Mond gerade zwischen Füllrecht und Füllhand schien, so schief mag ihm wohl so manche Façon erscheinen, aber die Sterne beschmutzt es nicht: Was hier auch herumzieht, unter dem göttlichen Gesetz bleibt doch alles, und zu dieser Weltsicht muß er kommen, dort seine Zelte aufschlagen.

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5. Oktober 2016

Zustehen und Zufliegen

Die instinktive Zugeneigtheit gilt weniger dem Verdienst, als dem Möglichen.
Und während die Menschen nach ihren Taten zu beurteilen sind, so lächle doch der Hoffnung.

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Zum Unwirklichen

Welche Auswirkung hat das Gefühl des Unwirklichen auf das menschliche Verhalten?

Ich erwähnte bereits, daß der menschliche Geist vor der Weite des Alls kapituliert, aber auf die Kinoleinwand projiziert läßt sich ein Flug an hundert Sonnen vorbei sehr wohl vorstellen und sogar als wirklich vorstellen, wiewohl das heute kaum noch zu geschehen pflegen dürfte.

Aber als diese Dinge zum ersten Mal gezeigt wurden, war es wohl anders, jedenfalls stieg dieses Gefühl in mir auf, als ich mir einmal mehr Star Trek - The Motion Picture ansah.

Ja, wenn es wirklich wäre. Die Vielfalt der passierten Sonnensysteme betäubte den Geist. In einem anderen Prozeß entstandenes Leben erschreckte einen bis ins Mark.

Daß etwas wirklich ist bedeutet, daß es Teil des Schicksals wird, oder meinetwegen Teil der Seele, was wiederum bedeutet, daß das Leben es integrieren muß, sich über es spannen, und im Bezug auf den Weltraum bedeutet es eine schauderliche Erweiterung des Bekannt Werdenden, denn was uns sonst auch immer widerfahren mag: Es ist nicht wirklich neu, etwas in uns hat auch das schon einmal erlebt, und wir wissen, wie wir uns auf es zu beziehen haben und wie mit ihm zu verfahren ist.

Deswegen tritt uns die Wirklichkeit der Welt zumeist nur als Geschäft vor Augen, als eine sattsam bekannte Aufgabe, und nicht als Frage nach unserer Rolle im Bezug auf das uns Umgebende, wiewohl uns dies unweigerlich auch einmal begegnet, wie Mr. Spock ganz richtig ebenda bemerkte.

Die Unwirklichkeit aber hebt die Weltverbundenheit insgesamt auf und reduziert die Welt damit zum Objekt des jeweils verfolgten Ansatzes, alle Sonnensysteme unserer Galaxie beispielsweise zu bloßen Knoten eines Netzes, welches zu spannen wir uns vorgenommen haben.

Wirklichkeit bedeutet Teilnahme am Treiben des Lebens, Unwirklichkeit Hinabsinken in ein (voralgorithmisches) Programm, vergleiche dazu auch den Beitrag Verkörperung, Spiel und Routine, sowie die Beiträge zu den Topoi des Wesentlichen und der Transzendenz.

Ironischerweise ist Star Trek ja selbst der eigenen begrifflichen Verfehlung zum Opfer gefallen: Der Mensch gibt sich keinesfalls selbst Bestimmung, sondern nur Programm, und Programm wird auf Dauer langweilig. Des Menschen Stimmung macht sich zuletzt bemerkbar und heischt Gehör, siehe Die Stimmungen des Waltens der Sorge, sowie zum ganzen Gegenstand der Betrachtung hier Tarkowskis Film Solaris, in welchem er sich der Schwierigkeit des Einbeziehens des Fremden stellt.

Eine Schwierigkeit, vor welcher der Mensch heute nicht angesichts der Weite des Alls steht, sondern angesichts der Gesetze, welche sein Beisammensein beherrschen, in welchen sich nicht sein Wesen, sondern seine Ohnmacht ausdrückt: Trägheit, Formelgläubigkeit und Unzuverlässigkeit.

Und unter diesem Fremden lebend atrophiert sein Sinn für's Wirkliche, denn überall zerrt ihn die Welt ins Programm: Nicht nur bietet sie nichts Natürliches an, sie bedrängt gar den, welcher sich einmal auf es verlegt.

Indes ist das Versprechen der Teilnahme an der Schöpfung, welches allen Geschöpfen gegeben ist, nicht an bestimmte Externalia gebunden, immer muß es von der Quelle her erneuert werden, und die gegenwärtige Unwirklichkeit ist nur die Wüste, in welcher die Einsicht, zum ersten Quell zurückzukehren, reift.

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