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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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21. Februar 2022

Die Entstehung des Ausstehenden aus dem Begriff: Aporrhoia, Telepathie und Anamnese

Ich habe in meiner Betrachtung der Polymorphie des Geistes ein wesentliches Merkmal von Träumen ausgeblendet, nämlich daß sie Begriffe darstellen, was mir heute Nacht wieder einmal überdeutlich wurde: zwar folgt die Phantasie im Traum nicht den Geboten der Besinnung, dafür aber den in einer Idee verbundenen Begriffen. (Ideen sind die Gegenstände der synthetischen Wahrnehmung, also, wie ich es in der jetzigen Terminologie ausdrücken würde, denn die Begriffe des Aufgreifens und Vorstellens haben sich verschoben, aufgegriffene Verbindungen.) Die Idee, welche meinem jüngsten Traum seine Gestalt gab, war amerikanische Ästhetik, provoziert durch meine Beschäftigung mit der deutschen Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts, und ihre Gestalt war durch zwei sich gegenüberstehende American Football-Teams gegeben, zur Rechten ein männliches Team in Star Trek: The Next Generation-Ästhetik und zur Linken ein weibliches Team in Matrix-Ästhetik; ohne daß ich genauer in die Details gehen möchte, aber cool waren beide.

Diese Vorstellung nun, daß unsere Erfahrung aus einem Begriff entspringt, welche ich nach Johannes als Entstehung des im Begriffe Ausstehenden bezeichnen möchte, läßt sich sowohl auf den Kosmos, als auch auf den menschlichen Geist selbst anwenden. Auf den Kosmos angewandt heiße sie nach Plotinos Aporrhoia und auf den menschlichen Geist angewandt nach Platon Anamnese.

Aporrhoia ist das einfachere Konzept: Der Geist folgt einem geliebten Begriff und gestaltet die Welt also, gerade wie wenn wir träumen, Himmelskörper einander auf Kreisen geordnet umrundend, Jahreszeiten seelischen Kräften entsprechend und so weiter und so fort. Nach diesem Konzept ist uns im Rahmen der materiellen transzendenten Akte die Möglichkeit gegeben, unsere Liebe im weiteren Sinne in die vorübergehende, nicht aber die gesetzmäßige Gestaltung der Welt, eingehen zu lassen, derart, sofern es dem Geist beliebt, daß der Begriff
  • unserer Verbundenheit ihr gebietet,
  • unserer Liebe im engeren Sinne sich in ihr spiegelt und
  • unserer Zufriedenheit sie fügt.

Bei den funktionalen transzendenten Akten handelt es sich um Telepathie, und dazu später mehr, wenn wir den menschlichen Geist neuerlich durchgenommen haben, und bei den ideellen transzendenten Akten um die gesetzmäßige Gestaltung unseres eigenen Geistes. Diese habe ich indes bisher nicht vollständig verstanden. Der hiesige Ansatz läßt sich leicht auf sie anwenden, aber es ist wichtig, dabei genau hinzusehen.

Der Begriff
  • der Aufgerufenheit formt unsere Gehießenheit,
  • der Bedeutsamkeit unsere Erfahrungsweise und
  • der Zuversicht (Sinnhaftigkeit) unser Amt.
Zwei Fragen:
  1. Was begleitet der jeweilige begriffliche Eindruck? (Was ist sein Gegenstand?)
  2. Wie läuft die Gestaltung genau ab?
Die Antwort auf die erste Frage ist völlig banal, aber im Rahmen des hiesigen Ansatzes ungeheuer folgenreich:
  • Der Begriff der Aufgerufenheit bezieht sich auf den Besinnungsakt der Verfolgung,
  • jener der Bedeutsamkeit auf jenen der Einlösung und
  • jener der Zuversicht (Sinnhaftigkeit) auf jenen der Auslösung,
wobei
  • Aufgerufenheit dasjenige ist, was uns zur Verbundenheit fehlt,
  • Bedeutsamkeit dasjenige, was uns zur Liebe im engeren Sinne fehlt, und
  • Zuversicht (Sinnhaftigkeit) dasjenige, was uns zur Zufriedenheit fehlt,
jeweils im Eigenlauf des Ichs, also im Kreislauf unseres Geistes. Und damit gelangen wir zu folgender Gegenüberstellung:
  1. Indem uns die Gefühle der Adäquanz motivieren, bewegen sie uns zur Entscheidung für den entsprechenden Besinnungsakt, und also gestaltet der nämliche Begriff das zeitliche Walten unseres Geistes.
  2. Indem ein Begriff der Adäquanz den Geist (Gott) erreicht, ändert sich unser Geist daraufhin gesetzmäßig in der Art, daß uns die dem Begriff entsprechende Besinnung möglich wird.
Und letzteres ist Anamnese, wie sie Platon zur Begründung der Unsterblichkeit der Seele (Gottes), nicht passender hätte heranziehen können:
  • Durch den Begriff der Aufgerufenheit erinnern wir uns an eine Art der Verfolgung, welche in uns eine bestimmte Form der Vertrautheit erweckt, also einen bestimmten Gedanken,
  • durch jenen der Bedeutsamkeit an eine Art der Einlösung, so daß wir fortan einen Begriff auf seine Gegenstände beziehen können, und
  • durch jenen der Zuversicht (Sinnhaftigkeit) an eine Art der Auslösung, so daß wir fortan auf ihre Weise auslösen können.
Eine Verfolgung zu erinnern, bedeutet, Zusammenhänge zu erkennen, zu wissen, was zu etwas zu tun und zu beachten ist. Also gestaltet es unsere Gehießenheit (Bahn) und Aufmerksamkeit. Eine Einlösung zu erinnern, heißt, einen Begriff zu erinnern, und gestaltet somit unsere Erfahrungsweise (Gnade) und unser Verständnis. Und eine Auslösung zu erinnern, bedeutet eben, etwas neues auslösen zu können, etwa transzendente Akte, und gestaltet also unser Amt und unseren Bedacht.

Durch Anamnese führt der Begriff eines individualgeistigen Mangels dazu, daß das im allgemeinen Begriff der Liebe im weiteren Sinne hinsichtlich der individualgeistigen Gestalt Ausstehende in der individualgeistigen Gestalt entsteht, konkret im betroffenen Menschen, also jenem, welcher das Adäquanzgefühl spürt, aber auch allgemein als zeitgemäße geistige menschliche Form, denn die Geister der Menschen hängen in der göttlichen Ordnung eng mit einander zusammen.

Und wie eng sie es tun, zeigt eben die Telepathie. Im Gegensatz zur Aporrhoia und Anamnese ist der Mensch hier nicht der Autor des entstehungsbestimmenden Begriffs, sondern sein Spielball, denn die entstehungsbestimmenden Begriffe bei der Telepathie sind
  • Aufmerksamkeit,
  • Verständnis und
  • Bedacht,
also die Stationen des Kreislaufs, in welchen der menschliche Geist besteht, wobei, wenn
  • einer etwas bedenkt, ein anderer darauf aufmerksam wird, ihm zu entgegnen,
  • einer etwas versteht, ein anderer es auch versteht, und
  • einer auf etwas aufmerksam wurde, ein anderer ihm zu folgen bedenkt.

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1. Dezember 2007

Die Arten und Grenzen des Begreifens

Ein Begriff ist die Weise, in der ein Gegenstand im Verhältnis steht. Es ist aber ratsam, das nicht so allgemein stehen zu lassen, sondern auf die Arten und die Weise in denen und auf die sich das Begreifen vollzieht genauer einzugehen, um von ihnen dann das jeweils Nötige sagen zu können.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, daß es überhaupt unterschiedliche Arten des Begreifens gibt, und zwar in dem Sinne, daß Verhältnisse nicht etwa isoliert zwischen einzelnen Gegenständen bestehen, sondern entweder zwischen Gegenständen gleicher Art oder beziehend zwischen Gegenständen unterschiedlicher Art, in jedem Falle aber mit derartig gleichartigen Verhältnissen zu komplexeren Ordnungen kombinierbar und also unterschiedlichen Ordnungsweisen zugehörig, welche ich auch als Verständnisformen bezeichnen werde. Solche Verständnisformen sind Gleichheit, Lage, Farbe, Klang, Geruch, Geschmack, Kraft, Wärme, Abfolge, Entstehung, Darstellung, Erfassung und Begleitung, und nur die letzten vier beinhalten Verhältnisse zwischen Gegenständen unterschiedlicher Art, nämlich zwischen Vorsätzen und Taten, Verkörperungen und Nachbildungen, Teilen und Ganzen, bzw. zwischen Grundlagen und Begleitungen. Die den so bestimmten Klassen angehörigen Gegenstände seien als Verständniseinheiten bezeichnet. Neben diesen lassen sich noch die Verständnisformen als Gegenstände betrachten, etwa im Urteile „Rot ist eine Farbe“, welches in der Verständnisform der Zugehörigkeit, insbesondere einer Verständniseinheit zu einer Verständnisform, wurzelt, und natürlich ebenso auch die Verhältnisse. Beide werden aber durch diese Betrachtung zusätzlich zu Verständniseinheiten.

Nach diesen Vorbereitungen können wir nun die Frage nach den Grenzen von Begriffen stellen. Jedem Verhältnis, auf dem ein Begriff beruhen mag, sind durch die zugehörige Verständnisform Verständniseinheiten als Gegenstände zugeordnet, auf welche es, und damit er, beschränkt ist. Natürlich ist es ein leichtes zu sagen, daß ein Gegenstand, der außerhalb der Verständnisform liegt, etwa wenn ich frage, ob das Summen einer Mücke blau ist, in jedem Falle keinen Inbegriff des Begriffs darstelle. Wenn ein Gegenstand hingegen innerhalb der dem Begriff zugehörigen Verständnisform liegt, läßt sich die Frage der Inbegriffenheit, und damit nach den Grenzen des Begriffs, unter Umständen weder so noch so beantworten. Alles, was sich dann sagen läßt, ist, daß der Begriff auf den fraglichen Gegenstand keine Anwendung findet, und eingedenk dessen werde ich das auch von den Gegenständen außerhalb der Verständnisform sagen, anstatt mich in willkürlichen Definitionen zu verlieren.

Ob nämlich ein Begriff auf einen Gegenstand angewendet werden kann hängt davon ab, ob dieser Gegenstand als gegeben betrachtet werden kann und sich also in der Folge fragen läßt, ob der Begriff ihn beschreibt. Solange der Begriff nicht auf Reflexion beruht, also ganz im Verstande liegt, gewährt das Wesen der Reflexion selbst, daß seine potentiellen Gegenstände als gegeben betrachtet werden können. Das selbe Wesen bestimmt im Falle eines Begriffs, der die Ausfüllung eines Begriffs auszeichnet, aber auch, daß die Inbegriffenheit eines Gegenstandes in diesem Begriff nur in folge dieses Ausfüllens existiert, als Reflexion einer vorigen Reflexion, und daraus folgt, daß sich dieser Begriff weder auf eine direkte noch auf eine mittelbare Beschreibung durch ihn anwenden läßt.

Ein historisches Beispiel eines solchen begrenzten Begriffs innerhalb seiner Verständnisform ist von Bertrand Russell gegeben worden, nämlich „eine Beschreibung, die sich selbst nicht beschreibt.“ Wollte man diesen Begriff auf sich selbst anwenden, entstünde das so genannte Russellsche Paradox.

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24. März 2019

Logik im Laufe der Zeit

Fichte schreibt:
   Setze man darum den zweiten Fall: Der Mensch könne von dem Gesetze seines natürlichen Daseins schlechthin durch sich selbst sich losreißen; (weil er nämlich kein bloß Natürliches, sondern ein Uebernatürliches ist:) so entstände ihm durch die Realisation dieses, freilich durch sein ursprüngliches Sein ihm mit gegebenen Vermögens ein ganz neues wirkliches Sein, sein Sein als frei und durch Freiheit. Sein Sein und Leben wäre über die Gränze des natürlichen Daseins hinaus erweitert, und zu dem ersten ein ganz neues Dasein hinzugekommen. Dieses letztere Dasein wäre nur für den da, der mit Freiheit sich losgerissen hätte, für jeden Andern durchaus und schlechthin gar nicht; und so könnte, obwohl in Absicht der Anlage die Menschen alle gleich wären, dennoch in Absicht der Wirklichkeit es zwei durchaus entgegengesetzte Klassen unter ihnen geben, deren Eine einen Sinn hätte, welche der andern schlechthin abzusprechen wäre. [...]
   Kurz, um durch das Vorige unterstützt, mich nun ganz verständlich auszudrücken: Wer in dem alten natürlichen Sinne eingekerkert ist, der glaubt, und kann nicht anders glauben, als daß er die Dinge unmittelbar wahrnehme; wem aber der neue Sinn, und vermittels dieses der Begriff von Sinn überhaupt als zusammengesetzt aus diesen beiden [...] Sinnen, aufgegangen ist, dem wird klar, daß unsere Aussage: es seien Dinge, durchaus keine Wahrnehmung ist, sondern ein Schluß, ein ganz regelmäßig geführter Syllogismus, der seine gehörigen Vordersätze hat, welche dem natürlichen Sinn verborgen bleiben; darum glaubt er, es sei unmittelbar und Aussage der Wahrnehmung, was doch nur eine Folgerung aus verborgenen Prämissen ist, welche nur dem neuen Sinne sichtbar werden, der darum die Sache anders sieht. Das Ganze verhält sich so: jenes Urtheil, es ist, vollzieht der natürliche Mensch nicht selbst; denn jenseits dieses Urtheils ist er als natürlicher Mensch gar nicht vorhanden, und nur durch die Befreiung erhebt er sich jenseits; sondern in ihm vollzieht er das Naturgesetz, sein geistiges Leben zu diesem Urtheile bestimmend. An diesem, also durch eine fremde Kraft entstandenen Urtheile aber gelangt er erst zum Bewußtsein seiner selbst; dieses Urtheilen und das Selbstbewußtsein ist ihm also in Einem Schlage, und darum hält er es für unmittelbar, und so für Wahrnehmung. Die Freiheit aber dehnt das Selbstbewußtsein aus über diese Gränze des Gegebenen, wodurch es nun nicht mehr als Wahrnehmung erscheint, sondern als Vermitteltes.
Er meint damit die Reflexion des Verhältnisses zwischen Gegenstand und Begriff, beziehungsweise zwischen Gegenständen und dem Verhältnis, in welchen sie in der Anschauung zu einander stehen: Allein die Tatsache, daß die Griechen für Begriff und Verhältnis dasselbe Wort λόγος verwendet haben, beweist schon, daß Kant mitnichten der erste war, dem dieser neue Sinn, die Metareflexion, aufgegangen ist, aber bei all den vielen Worten, welche Fichte macht, sagt er doch nichts falsches:
Nur für denjenigen, für welchen ein Ding ein abstraktes Objekt ist, welches mit Begriffen, Verhältnissen und anderen Gegenständen in Verhältnissen steht, erscheint es nicht so, als ob er Dinge in seiner Anschauung wahrnehmen würde.

Nochmal zum Vergleich Johannes:
Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος, καὶ ὁ λόγος ἦν πρὸς τὸν θεόν, καὶ θεὸς ἦν ὁ λόγος.
οὗτος ἦν ἐν ἀρχῇ πρὸς τὸν θεόν.
Wahrscheinlich sollte jeder das im Original auswendig lernen. Dies ist die einzige Übersetzung:
Im Anfang war der Begriff, und der Begriff bezog sich auf Gott, und Gott war der Begriff.
Dieser bezog sich im Anfang auf Gott.
Heute hingegen auf das Gemeinwohl, die Wirtschaftsleistung, Lebenserwartung, Alphabetisierungsrate und was wir sonst noch heilig nennen. Wir können wohl davon ausgehen, daß Johannes die Beziehung zwischen Gegenständen und ihrem Begriff bewußt war, und nicht nur als abstrakte Tatsache, sondern in Form der Konkretion des Heiligen im Laufe der Zeit, wonach jemand das Heil in Form der eigenen Beziehung zu Gott durch den Begriff des Heiligen in seiner ursprünglichen Vollständigkeit predigen könnte, und nicht als heilig erkannt werden würde, vergleiche dazu auch die beiden Beiträge zu den sechs und zur einen Schule.

In dem speziellen Fall ist der Begriff freilich ebenso dynamisch, wie die Gegenstände, welche er beschreibt, darum, daß er vorweltlich ist und die Zeit selbst aus ihm fließt.

Was Johannes zuletzt mit diesen Worten ausgedrückt hat, ist, daß Christus darum, daß er nicht erkannt wurde, nicht daran gehindert wurde, die Zeit zu bestimmen, in Gott verherrlicht zu werden, mit demselben Recht und auf dieselbe Weise wie die Alten. Und er stellt es in Form der Himmelfahrt auch noch anderen in Aussicht.

Ich bin nicht sauer auf Fichte. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte man noch viel Zeit, um sich über den sich eröffnenden Horizont zu freuen.

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17. Januar 2021

Heil und Verehrung

Daß das Heil in der Sprache der Mittleren Präzept und nicht Konzept ist, hat sich in meiner Darstellung in der Form erhalten, daß es verfolgt wird und nicht eingelöst. Wenn wir nun sinnfälligerweise fordern, daß die Verfolgung des Heils Verehrung heißen möge, so bedeutet dies nach dem vorigen, daß wir durch die Verfolgung des Heils einen Begriff davon gewinnen, wie sich unsere Haltung im weiteren Sinne vervollkommnen ließe.

Gebundenes Heil nenne ich jenes, welches unsere eigenen Unternehmen, und freies Heil jenes, welches die Geschichte betrifft.

Wir erhalten somit, daß das gebundene Heil (unser Leben in der Sprache des Johannesevangeliums) in Form
  • unserer Vorliebe die Reflexion unserer Entgegnungen beleuchtet, indem sie uns einen Begriff davon gibt, wie wir entgegnen sollten,
  • unseres (subjektiven) Glaubens die Reflexion unserer Verkörperungen, indem er uns einen Begriff davon gibt, was wir verkörpern sollten, und
  • unseres Gewissens die Reflexion unserer Umsetzungen, indem es uns einen Begriff davon gibt, was wir umsetzen sollten.
Das freie Heil hatte ich bisher nur implizit in seine Teile zerlegt, nun möge es explizit geschehen, es besteht aus
  • dem Verbindenden (veranschaulicht durch den Friedefürsten),
  • dem Ratsamen (veranschaulicht durch den Heiligen Rat) und
  • dem Hirtlichen (veranschaulicht durch den Hirten).
Dabei beleuchtet
  • das Verbindende die Verwandlung der Welt durch das Heil, indem es einen Begriff von ihr gibt,
  • das Ratsame das Karma, indem es einen Begriff von ihm gibt, und
  • das Hirtliche die Betrautheit der Seele, indem es einen Begriff von ihr gibt,
und es verhält sich in der Tat so, daß
  • die Vorliebe das uns betreffende Verbindende enthält, wie wir uns zur Verwandlung der Welt durch das Heil einfügen sollten,
  • der (subjektive) Glaube das uns betreffende Ratsame, worin unser hoher, gutes Karma stiftende, Sinn besteht, und
  • das Gewissen das uns betreffende Hirtliche, also unsere Betrautheit mit der Ordnung unserer Werke.
Post Scriptum vom selben Tag. Die Verfolgung des Heils setzt keinen bestimmten geistigen Horizont voraus. Die Definition der Verehrung hier weicht diesbezüglich geringfügig, aber entscheidend von der vorigen ab, denn der gewonnene Begriff zur Vervollkommnung muß ja nicht um ihretwillen gewonnen worden sein. Um letzteres zu bezeichnen, möge von der asketischen Verehrung die Rede sein, welche den gläubigen geistigen Horizont voraussetzt. Dennoch macht es Sinn, der asketischen Verehrung die Darstellung gegenüberzustellen und die einfache Verehrung dabei zu übergehen, denn die nicht asketische Verfolgung des Heils ist ein persönlicher Prozeß, welcher im Gegensatz zur asketischen und der Darstellung nicht zur schulmäßigen Persönlichkeitsbildung herangezogen werden sollte: Jemandem freundschaftlich ins Gewissen zu reden ist angemessen, systematische Herbeiführung hypothetischer Gewissensnöte ist es nicht.

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25. April 2018

In the Mouth of Holiness

In memoriam John H. Carpenter.
Nicht Wenigen dürfte es begegnet sein, daß sie sich von einer heiligen Schrift persönlich angesprochen gefühlt haben, daß sie für einen Moment erwogen haben, ob jemand speziell mit ihnen durch sie Kontakt aufnehmen wollte.

Woher kommt das?

Jedenfalls wäre es doch wohl nicht so, wenn sie uns Bekannten dasselbe bedeutete wie uns. Muß sie dazu also nicht notwendigerweise dazu verleiten, sie in unterschiedliche Erfahrungszusammenhänge zu bringen, und es selbstredend zulassen?

Wenn der Zugang darauf beruht, daß wir alle einen Begriff Gottes besitzen, sogar der Narr, wie Anselm von Canterbury meinte, durch welchen Gott ist (Gottesbeweis nach Johannes: Im Anfang war der Begriff, und der Begriff existierte bezüglich auf Gott, und Gott war der Begriff - da endet nämlich die Analogie zum Einhorn, welches nicht sein Begriff ist), wie kommt es dann, daß wir uns so uneins sind?

Persönliche Götter besitzen wir nicht. Aber unser Begriff ist vage, und je vager er ist, desto weniger kann Gott durch ihn sein, und je weniger Gott durch ihn sein kann, desto weniger dienen wir ihm. Daher die Zurückweisung des Andern. Wir ahnen den Weg zur Entfaltung Gottes und wenden uns von den übrigen partiellen Manifestationen ab.

Die heilige Schrift scheint speziell zu uns zu sprechen, weil sie von Heiligen geschrieben wurde und wir persönlich keine kennen. Kennten wir welche, das merkwürdige ist ja, daß wir sie durchaus darstellen und erkennen können,

worin wiederum ein Gottesbeweis liegt, denn unmöglich könnten wir wissen, was heilig ist, wenn wir es nie gesehen hätten und sein Begriff nicht in uns läge, es uns zu offenbaren, Platon schließt gleich die Unsterblichkeit der Seele mit, und gewiß, dieser Begriff ist in der Tat unsterblich, so betrachteten wir die heilige Schrift als ihre Rede unter einander und uns samt allen übrigen Unvollendeten als zu ihrem Kreise eingeladen.

Ist es so verrückt zu glauben, daß ihre Anzahl voll werden muß?

Heißt es etwas anderes, als daß das Heilige gleich den Wirbeln der Wirbelsäule die Zeit durchdringt?

Bis daß der Körper der Heilsgeschichte geworden ist?

Und Gott sein Werk vollbracht hat?

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9. Juli 2016

Im Anfang war der Begriff

Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος, καὶ ὁ λόγος ἦν πρὸς τὸν θεόν, καὶ θεὸς ἦν ὁ λόγος.
Wörtlichste Übersetzung.
Im Anfang war der Begriff, und der Begriff begleitete Gott, und Gott war der Begriff.

In the beginning was the notion, and the notion accompanied God, and God was the notion.

Au commencement était la notion, et la notion accompagnait Dieu, et Dieu était la notion.

В начлле было понятие, и понятие сопровождало бога, и бог было понятие.
Sinngemäße Übersetzung.
Im Anfang war der Begriff, und der Begriff verband mit Gott, und so kam Gott zu Stande*.

In the beginning was the notion, and the notion linked to God, and thus God came to be*.

Au commencement était la notion, et la notion connectait à Dieu, et Dieu commen
çait à effectuer le monde comme ça.
* Zu Stande kommen (came to be) bedeutet hier nicht entstehen, sondern damit beginnen, in der Welt seine Wirkung zu entfalten.

Welchen Begriff Johannes meint, sagt er nicht gleich, doch im Laufe des Evangeliums führt er über den Umweg seines Fleisch gewordenen Inbegriffs an ihn heran.

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24. Januar 2008

Einige Definitionen

Um mit dem vorigen Formalismus warm zu werden empfiehlt es sich, einige übliche Konstruktionen nachzubilden. Da diese Konstruktionen auch übliche Bezeichnungen besitzen, welche ich nicht abändern möchte, werde ich die vorangestellte Regel von der Bezeichnung durch Majuskeln und Minuskeln großzügig zu Gunsten der etablierten Bezeichnungen auslegen, also sie nicht als lateinische Buchstaben betrachten. Vielleicht verwundert soviel Sinn für Tradition nach meiner beharrlichen Vermeidung gespiegelter „E“s und „A“s, nur kommt hier das Prinzip der Ehrfurcht zum tragen: Ehre, wem Ehre gebührt.
  • (((ι)λ(‚‘))J(ιⁱ))jⁱ❏(0( )) : Der Begriff der Leere
  • ((((ι)=(ιⁱ))J(ι²))Jⁱ(ι²) *0²))j²❏(1( )) : Der Begriff der Einheit
  • ((1((*=(ι)):(ιⁱ))J(ιⁱ))jⁱ❏(2( )) : Der Begriff der Zweiheit
  • ((2((*=(ι)):(ιⁱ))J(ιⁱ))jⁱ❏(3( )) : Der Begriff der Dreiheit usw.
  • (‚‘)j❏(0) : Eine Leere
  • (0+‚0‘)j❏(1) : Eine Einheit
  • (1+‚1‘)j❏(2) : Eine Zweiheit usw.
  • ((ι+‚ι‘)j...(1))jⁱ❏(N) : Die „natürlichen“ Zahlen
  • (({‚((ι)l(\ιⁱ/))j(ι²)‘})jⁱ❏(( )F))j²❏(F( )) : Der Funktionenraum zwischen zwei Räumen
  • ((‚(((ι)j(((Assoziation)*=):(ιⁱ)))jⁱ(((Assoziation)λ):(ι²))) j²((L(1)):(ι³))‘)j³((2)F⁴)))j❏(P( )) : Die Potenzmenge einer Menge
  • (((((ι)=(ι²))J((L(ιⁱ)):(ι³)))Jⁱ(((Assoziation)*λ):(ι²)))J²³)) j³❏(I( )) : Der Begriff der Injektivität einer Funktion
  • (((ι)j(((Assoziation)*λ):(ιⁱ)))jⁱ(ι²))j²❏(Im( )) : Das Bild einer Funktion
  • ((((I(ι) I(ιⁱ))J-((ι³)F²)))Jⁱ-((ι²)F³)))J²-(N+0)j³❏(Z( )) : Der Begriff der Zahl als endliche Vielheit
Diese Definitionen kratzen erst an der Oberfläche des Möglichen, insbesondere habe ich einen eher bequemen Weg gewählt, um dem Begriff der Zahl Form zu geben. Um ihn nämlich analog zur Einheit, Zweiheit usw. zu definieren, müßte man zunächst die Formelsprache selbst vergegenständlichen, um dann durch j... die jeweils nächste Formel zu bilden und schließlich die Menge dieser vergegenständlichten Formeln in Begriffe zu übersetzen. An dieser Stelle will ich aber auf diese vergleichsweise aufwendige Arbeit verzichten und statt dessen anmerken, daß „Assoziation“ als reservierter Gegenstand zu verwenden ist, wenn die obigen Definitionen sinnvoll sein sollen, und daß { } sowohl 0 sein kann, wenn nämlich keine Wahl möglich ist, als auch ‚0‘, wenn die einzig mögliche Wahl 0 ist, was insbesondere bei (0)F(1) und (1)F(0) eintritt.

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28. Juli 2021

Gott, Energie und Substanz

Ich finde es befremdlich, daß Christen ab 319 A.D. damit anfingen, sich gegenseitig über der Frage, von welcher Substanz Gott, der heilige Geist und Jesus Christus seien, zu verketzern (übrigens, 319+309=618, das Jahr, in welchem der byzantinisch-sassanidische Krieg endete, meines Erachtens ein politisch motiviertes Zugeständnis, welches schön zu der These, daß die arianischen Westgoten freiwillig zum Islam übertraten, paßte).

Der Grund dafür besteht darin, daß die Begriffe Gott, Energie und Substanz fortschreitend immer problematischer werden, daß also zunehmend unklarer wird, was damit gemeint ist oder sogar gemeint sein sollte.

Gott ist der Urheber der Existenz, an welchen wir durch Inspiration und Gebet angeschlossen sind. Klar, eindeutig, unbestritten.

Energie ist dasjenige, welches das Auftreten von Kräften erklärt. Wann immer unerklärte Kräfte auftreten, wird angenommen, daß es eine bisher unbekannte Energieform gibt, welche dafür verantwortlich ist. Natürlich gelten Kräfte nur dann als unerklärt, wenn sie
  1. wiederholt und statistischen Vorhersagen widersprechend auftreten, und sich
  2. in berechenbaren Systemen zeigen.
Würde sich irgendeine unbekannte Energieform in Meeresströmungen oder Winden zeigen, würde sie nie bemerkt werden, und zeigte sie sich nur sporadisch darin, daß Steine scheinbar grundlos vom Erdboden aufsprängen, würde sie ignoriert.

Die moderne Physik stellt sich also im Falle nicht-linearer Differentialgleichungen auf den Punkt, daß sie schon die beobachteten Phänomene, etwa das Wetter, beschreiben würden, da ihr schließlich niemand das Gegenteil beweisen könne, gerade wie Paulus, wenn er das Leben nach dem Tod ausmalt.

Außerdem behauptet die moderne Physik, daß die Gesetze der Quantenmechanik, mit anderen Worten die Interaktionen einer bestimmten Anzahl von Elementarteilchen, für alle anderen beobachtbaren Gesetze verantwortlich seien. Ich weiß nicht, in wie vielen Fällen die mathematische Ableitung tatsächlich gelungen ist, aber selbst wenn sie in allen gelungen wäre (Gravitation als einsteinsche Scheinkraft zählte nicht), stellte sie im Falle einer neu entdeckten Energieform ein gehöriges Problem dar. Oder, um es anders zu sagen, nicht nur behauptet die moderne Physik, daß sich unerklärte Kräfte durch neue Energieformen erklären ließen, sondern auch, daß es sich bei ihnen letztlich um einen bisher nicht betrachteten Fall der massenhaften Interaktion der bekannten Elementarteilchen handelte, was natürlich in gewisser Weise das Konzept der Energieform auflöst, beziehungsweise zu einer mathematischen Fiktion macht, an dessen Stelle eben die Elementarteilchen als das einzig Existente treten.

Substanz ist... was? Wenn nichts außer Elementarteilchen existiert, und Substanz etwas sein soll, was existiert, dann muß Substanz aus Elementarteilchen bestehen. Wollen wir nun sagen, daß verschiedene oder auch nur verschiedenartige Elementarteilchen unterschiedliche Substanzen bilden? Aber täten wir das, so entstünden Substanzen nicht nur aus dem Nichts und lösten sich auch wieder in es auf, alle Substanzen wohlgemerkt, nein, obendrein würden Substanzen auch ständig in andere Substanzen zerfallen und sich zu neuen kombinieren, und zwar ohne erkennbare Hierarchie. Ich würde also viel eher davon sprechen, daß es nur eine Substanz gibt, welche sich in ständiger Interaktion ihrer Teile umformt, in welchem Falle ihre Auflösung in Nichts wenigstens nicht beobachtbar wäre.

Und jetzt werden wir mal konkret. Angenommen es gibt Telepathie, andere Inspirationen und Gebete verhielten sich hinsichtlich Energie und Substanz nicht grundlegend anders, so bestünde darin eine unerklärte Energieform und letztlich eine bisher nicht betrachtete massenhafte Interaktion von Elementarteilchen, denn die Verschränkung einzelner Elementarteilchen zu diesem Zweck heranzuziehen dürfte wohl scheitern, und gingen wir von einer Substanz aus, welche alles ist, so kämen wir letztlich doch nur zu dem Schluß, daß ihre Dynamik reicher ist, als wir es bisher gedacht hatten, was mir annehmbar, wenn auch ziemlich nichtssagend scheint. Bedeutungsvoll würde diese Auffassung erst dadurch, daß sie zu Berechen- und Erzwingbarkeit führte, aber Gott hat uns weder dazu geschaffen, daß wir ihn ausrechnen, noch daß wir ihn zwingen, und auch uns hat er nicht dazu geschaffen, daß wir auf diese Weise mit einander umgehen, auch wenn wir es oftmals vermögen, wenn auch niemals vollständig.

Ich halte es für besser, den Begriff Substanz als undefiniert (bedeutungslos) zu betrachten, doch wenn ihn jemand unbedingt definieren und auf Gott bezogen sehen wollte, so ginge ich den indischen Weg, ganz einfach, weil er zu den wenigsten willkürlichen Festlegungen führt. Die Trinität bedarf solcher Verdrehungen nicht: Gott wurde bereits erklärt, der Logos ist der Begriff des Heils, der heilige Geist die Gnade, welche diesen Begriff erkennen läßt, und in Christus ist der Begriff des Heils vollständig Mensch geworden, innerlich, daß er es erkannte, und äußerlich, daß wir es an ihm erkennen. Der Begriff des Heils besteht nicht isoliert von Gott, sondern in organischer Verbindung mit ihm, weshalb Gott der Logos war, und nicht umgekehrt, nebenbei bemerkt. Wollte jemand das substanzschwafelnd ausdrücken, so würde er wohl sagen, daß der Logos und Gott dieselbe Substanz hätten. Aber warum nicht gleich sagen, daß der Logos und Gott dieselbe Knwucha hätten und jeden, der das bestreitet, als Ketzer bezeichnen? In der Sache hat Arianus Recht, ja, er geht noch nicht einmal weit genug, denn bevor es Menschen gab, gab es keinen Begriff des Heiligen (Jesus sagt ja auch nicht, daß das Wildschwein froh wurde, als es seinen Tag sah, sondern daß Abraham es wurde), wohingegen der Logos nach Arianus mit der Schöpfung der Welt anfing. Freilich, es gibt einen Begriff, einen der Spannung, welcher zwischen der ganzen Schöpfung besteht, aber ich sehe nicht, daß dieser in Jesum Christum Fleisch wurde (wiewohl Christus ihn natürlich kannte, was durch die Art seines Verscheidens belegt ist.)

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10. November 2021

Verhaltenssteuerung: Vom Christentum zum Gnostizismus

Unser Verhalten beruht
  • zunächst auf unserer Lage, welche wir annehmen oder abstoßen,
  • dann darauf, daß wir Lagebeschreibungen vertrauen oder mißtrauen,
  • dann auf unserer spontanen Erfassung der Lage, welche uns zwingt, unsere Haltung zu aktualisieren, wann immer wir etwas bemerken, was wir einbeziehen sollten,
  • und schließlich darauf, daß wir uns an unsere Haltung halten, wobei
  • wir uns entweder natürlich halten, indem unsere Stimmung unsere Haltung bestimmt,
  • oder uns auf eine Haltung verlegen, wobei es drei Arten der Verlegung gibt, nämlich
  • entweder gezwungen den Zwingenden zu hofieren oder
  • unschlüssig eine Haltung auszuprobieren oder
  • sich unter Abstreitung der Gesetzmäßigkeit der Lage, und damit des weisenden Charakters der Stimmung, in eine Haltung hineinzusteigern.
Unsere Lage läßt sich den Seelenteilen gemäß unterteilen, in
  • unsere Einrichtung in der Welt, deren Gesetz die Macht (Potenz) ist, welche der Bewirkung zu Grunde liegt, auf der Ebene der Anschauung,
  • unsere Einfügung in das Geschehen, dessen Gesetz die Wechselseitigkeit (Reziprozität) ist, welche der Interaktion zu Grunde liegt, auf der Ebene des Verstandes und
  • unsere Auffassung im Verständnis, dessen Gesetz die Zuträglichkeit (Kreativität) ist, welche der Glaubensprüfung zu Grunde liegt, auf der Ebene der Vernunft,
und also beurteilen wir
  • unsere Einrichtung hinsichtlich des generationalen Kreislaufs durch unsere Erwartung, in welcher sich unser Gewissen zeigt,
  • unsere Einfügung hinsichtlich unserer Eingezogenheit durch unsere Aufgerufenheit, in welcher sich unsere Vorliebe zeigt, und
  • unsere Auffassung hinsichtlich unserer Artung durch unsere heilige Stimmung, in welcher sich unser (subjektiver) Glaube zeigt,
und indem wir dies tun, akzeptieren wir das sich Bewährende als den Begriff des Guten des Annehmens, wobei es unsere sich in unserer Stimmung ausdrückende Selbstgesetzlichkeit ist, welche sich bewährt.

Das Annehmen unserer Lage mag natürlich sein, oder es wird uns aufgezwungen. Die Formen des Aufzwingens sind:
  • die Irreleitung zu einer Auffassung,
  • das Reinreiten in eine Einfügung und
  • die Aufhetzung zu einer Einrichtung.
Zu unserem Vertrauen ist hingegen nur zu sagen, daß es gedeckt sein mag, wann sich die Beschreibung mit der Lage deckt, oder ungedeckt, also daß es die Möglichkeit zur Verhaltenssteuerung durch Täuschung bietet.

Der Begriff des Guten das Aktualisierens ist die Ausbesserung der spontanen Erfassung durch das zu Bemerkende, zu welcher wir entweder natürlich durch spontane Bewertungen der Sorge, also Freude, Entzücken oder Glück, und insbesondere Trauer darüber, was wir übergehen, als negative Form der gegenwärtigen Freude aufgefordert werden oder durch einen aufmerksamen Mitmenschen, welcher uns unsere Verbohrtheit vor Augen führt, indem er uns etwa nahelegt, unseren Frust einmal zu vergessen, um den schönen Tag nicht zu vergeuden (Take a dream on a Sunday!)

Der Begriff des Guten des natürlichen Haltens ist die Einfalt, mit sich selbst im Reinen zu sein, dem eigenen Gesetz, der eigenen Stimmung, zu folgen.

Der Begriff des Guten des Hofierens ist das (Selbst-)Erhaltende, also etwa den Kunden zu hofieren, weil er in der freien Marktwirtschaft König ist.

Der Begriff des Guten des Ausprobierens ist die Verbesserung der Haltung durch zusätzliche Erfahrungen. Ebenso wie beim Aktualisieren können uns andere nur dazu auffordern, etwas bestimmtes auszuprobieren. Allerdings kann uns eine aussichtslose Lage dazu zwingen, irgendetwas auszuprobieren, wiewohl das natürlich nicht die präferierte Option der Verhaltenssteuerung sein dürfte.

Und der Begriff des Guten des Hineinsteigerns ist das Gefallen, welches wir an unseren Empfindungen finden. Hineinsteigern ist, genau wie Hofieren, nie natürlich, aber es beruht nicht auf Zwang, sondern auf Versuchung, genauer gesagt Hinterfragung. Es gibt wiederum drei Formen der Hinterfragung:
  • die Entehrung der Zuträglichkeit (Kreativität) durch Perversion,
  • die Entehrung der Wechselseitigkeit (Reziprozität) durch falsche Freiheit und
  • die Entehrung der Macht (Potenz) durch falsche Schuld, beispielsweise jemandem einzureden, sich schuldig zu fühlen, ein Tier zu töten, um es zu essen, unabhängig davon, ob er Hunger hat oder nicht, was freilich nur gelingen kann, während er gerade keinen Hunger hat.
Dieses zu praktizieren, zu sagen, daß Gute sei, was einem gefällt, und sich dann die Welt durch geeignete Assoziationen so zurechtzubiegen, daß man stets an etwas Gefälliges denkt, gleich wie entmachtend, einseitig und unzuträglich das eigene Verhalten ist, ist der reine Gnostizismus; so beschrieb ihn Epiphanios von Salamis vor 1600 Jahren und so ist er noch heute: parfümiert, geölt, seidig, verderbt.

Und das reine Christentum besteht natürlich in Einfalt. Angesichts der erbarmungslosen Seite unseres Lebens kommt es aber naturgemäß zu den folgenden beiden Kombinationen:
  • vom Bewährenden und Einfalt, der christlichen, und
  • vom Erhaltenden und Gefallen, der gnostischen,
und ich möchte im Rest dieses Beitrags aufzeigen, wie die Menschheit von ersterer zu letzterer getrieben wird, wozu ich allerdings noch eine Betrachtung zu den Formen des Theaters voranschicken muß.

Theater besteht darin, eine Rolle zu spielen, und eine Rolle zeichnet sich durch ihren Umgang mit anderen Rollen aus. Ich frage, was wir zu gewinnen hoffen, wenn wir uns an ihm beteiligen, und komme somit zu den folgenden drei Formen der Beteiligung:
  • mitzuspielen, um sich einzurichten,
  • sich aufzuspielen, um sich einzufügen, oder
  • vorzuführen, um die sich in den dargestellten Rollen zeigende Auffassung zu verbreiten.
Es mag sein, daß es anfangs nicht klar ist, ob es zu einer beidseitigen Einfügung oder zu einer einseitigen Darstellung kommt, etwa wenn wir uns für etwas ausgeben, was wir nicht sind, mit anderen Worten bluffen, in welchem Fall ich von aufführen sprechen möchte: Es mag gut sein, einem Bären vorzuführen, daß man ihn nicht fürchtet, aber es gewiß schlecht, sich als furchtlos vor ihm aufzuspielen.

Wichtig für die hiesige Betrachtung ist nun folgendes: Einfalt und sich Bewährendes sind damit unvereinbar, sich aufzuspielen. Wer sich aufspielt, dessen Begriff des Guten nimmt eine wie auch immer gewichtete Kombination vom Erhaltenden und Gefallen an. Und so bestand der erste Schritt der Versuchung der Christenheit zum Gnostizismus darin, sie dazu zu bringen, die Mächtigen zu hofieren, indem sie sich auf eine bestimmte Weise aufspielt, und zwar so: Würde Christus es nicht gerne sehen, wenn ihr alle lieb zu einander seid? Lieb zu einander sein aber heißt, euch auf diese Weise anzusehen und so mit einander umzugehen, und wer das nicht tut, der hat nicht nur Christus zum Feind, sondern auch mich, was sich natürlicherweise an den schwachen Teil der Christenheit wendet, welcher sich also in erster Linie am Theater beteiligt, um sich zu erhalten.

Nachdem dies nun also glückte, folgte der zweite, an den starken Teil der Christenheit gewandte Schritt, nämlich stets auf's Neue vorzuführen, daß sich die von Einfalt und sich Bewährendem abgewendet habende Masse sich darin gefällt, und herunterzuspielen, daß sie es nur getan hat, um sich zu erhalten. Mit anderen Worten wird den Starken also gesagt, daß, wer nur die Menschen zu verblenden weiß, ihnen Phantasien anstelle der Wirklichkeit anzubieten hat, die Macht über die Masse haben wird, da die Masse kein höheres Gut als das Gefallen kennt, also daß der Gnostizismus unwiderstehlich sei, und wer also herrschen will, in ihm bewandert sein muß und sich auch entsprechend aufspielen. Zwar mag einer denken, er führe nur etwas vor, aber wenn er gedenkt, dadurch die Masse zu beherrschen, ist es offensichtlich mehr.

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14. Dezember 2018

Die Mechanismen der Erkenntnis des Möglichen

Einsicht haben wir nur in das, was uns vor Augen steht. Es bleibt also der Ursprung unserer Urteile über das Mögliche zu klären.

Unsere Urteile über das Mögliche sind logische Schlußfolgerungen, welche auf bestimmten Grundannahmen bezüglich unserer Besinnungen beruhen. Es wird am besten sein, die hierbei auftretenden Elemente der Reihe nach vorzustellen.

1. Unter einer Sammlung verstehen wir eine Besinnung, welche zu einer endlichen Anzahl gleichartiger (unter einen gemeinsamen Begriff fallenden) Gegenstände einen weiteren solchen Gegenstand hinzufügt. Über die Art der Gegenstände ist dabei nichts gesagt, sie müssen nur allesamt zugleich durch die Besinnung im Bewußtsein verbleiben, beziehungsweise durch sie in es hinzutreten.

2. Wir nehmen an, daß wir die Gegenstände einer Sammlung versehen können (ihnen etwas zuordnen).

3. Selbst wenn uns die versehende Besinnung Schwierigkeiten bereiten sollte, nehmen wir an, daß ihr Ergebnis stets bewußt gemacht werden kann. Mit anderen Worten setzen wir es voraus.

4. Wir nehmen an, daß unsere Besinnungen und das, was wir an ihnen grundsätzlich erkennen, an einer Sammlung etwa, daß etwas durch sie hinzukommt, unabhängig davon sind, worauf wir sie anwenden. Mit anderen Worten verallgemeinern wir sie.

Die Transitivität des Größeren (A>B und B>C => A>C) ergibt sich aus der Verallgemeinerung der hinzufügenden Natur der Sammlung. Die Transitivität des Ferneren beruht fernerhin auf der Versehung von Lagen mit Entfernungen, sowie der Voraussetzung des Erfolgs dieser Vorstellung.

Die Einsicht in die logische Möglichkeit (daß etwas unter einen Begriff fällt oder nicht) gestaltet sich ähnlich kompliziert. Hier muß jeder Begriff zunächst mit der Wahrnehmung seines Enthaltenseins in dem Teil unseres Bewußtseins, in welchem er wahrgenommen wird, versehen (also reflektiert) werden, bevor erkannt werden kann, daß er nur in diesem Bereich liegen kann oder nicht, indem die logische Möglichkeit zu einer Frage der Existenz des betreffenden Begriffs im betreffenden Teil unseres Bewußtseins wird und Nichtexistenz aufgrund des fehlenden Vorliegens eines Bezugpunktes gar nicht anders definiert werden kann als durch die logische Verneinung der Existenz, womit wir wie folgt auf die Unmöglichkeit eines dritten Daseinszustandes schließen können: Wenn nicht existent, dann nichtexistent, (weil nichtexistent eben nur als nicht existent definiert sein kann). Mit anderen Worten wird das prädikative Sein durch Reflexion in existentielles Sein überführt, und dann aus dem parmenides'schen Unmöglich kann doch sein, daß das Nichtseiende ist. geschlossen, daß es sich beim Nichtsein nur um das Nicht Sein handeln kann (ausgehend von der Notwendigkeit der Bezugnahme beim Begreifen).

Weitere Beispiele erspare ich mir. Aber da mir heute eine Sache klarer geworden ist als sie es mir bisher war, möchte ich dies noch hinzufügen. Begriffe treten natürlicherweise als Teil von Eindrucksbündeln während der Wahrnehmung auf und der Vergleich mehrerer solcher Bündel, welche denselben Begriff enthalten, hilft sowohl, den einzelnen Begriff zu isolieren, als auch seine Bedeutung zu erkennen. Im besonderen bilden sich relative Begriffe, also Verhältnisse, automatisch bei Sammlungen, wobei es immer der gegenwärtig erfaßte Gegenstand ist, welcher unter den relativen Begriff fällt, und der vorangegangene, zu welchem er im Verhältnis steht. Bei nur zwei Gegenständen ist es dabei selbstverständlich möglich, wiederholt vom einen zum anderen zu wechseln und so abwechselnd in sich einander entgegengesetzte Begriffe hervorzurufen. Ob eine Wahrnehmung eine Vorstellung oder eine Erinnerung oder im engeren Sinne wahrgenommen ist, wird durch die Besinnung darauf, durch welche Entscheidung die Wahrnehmung verantwortet wurde, beantwortet. Erinnerungen und Vorstellungen sind in dem Sinne flach, daß es zwar möglich ist, sich zu erinnern oder sich vorzustellen, sich entschieden zu haben, aber nur als reflexives Fazit, als angenommene Aussage, nicht aber in dem Sinne, daß die Besinnung auf den verantwortenden Akt jemals etwas anderes als die gegenwärtige Erinnerung oder Vorstellung selbst in den Sinn riefe, wie auch die Besinnung zur Bestätigung eines Begriffs als Teil eines Eindrucksbündels ihn nur bei dessem Enthaltensein im Sinn behält, woran die Vorstellung nichts zu ändern vermag, was nichts anderes heißt, als daß Wahrnehmungen im weiteren Sinne auf das Ergebnis einzelner Besinnungen beschränkt sind, wie ja auch der Alkoholkonsum einzelne Wahrnehmungen gänzlich unterdrücken kann, ohne die Entscheidungsfähigkeit selbst zu beseitigen, im Gegensatz wozu der Traum darum so kurz ist, weil er aus unerwogenen Vorstellungen heraus entspringt, der Entscheider also ruht und bloß wahrnimmt, wobei in allem die Wahrnehmung die der Entscheidung widerfahrende Gnade ist.

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3. März 2023

Reflexion und Koexistenz

Herr Lichtmesz hat mir unverhoffterweise die Grenzen von ChatGPT aufgezeigt, wofür ich ihm hiermit danke.

Alle Begriffe, welche wir von etwas haben, beruhen auf der Koexistenz von Eindrücken in Wahrnehmungen, aber sobald wir geboren worden sind, und womöglich auch schon davor, assoziieren wir mit den Eindrücken des Begreifens all die Dinge, welche Platon im siebten Brief nennt, also Namen, Aussagen und Bilder oder Szenen, und räumen ihnen dadurch einen speziellen Rang ein, nämlich eben den von Begriffen und Verhältnissen (Begriff bezeichnet ein einstelliges Verhältnis oder auch ein Prädikat, Verhältnis einen mehrstelligen Begriff oder auch eine Relation, wobei ich bisweilen aus Bequemlichkeit von der Stelligkeit absehe).

Und so kommt es, daß wir eine Reihe ausgezeichneter Verhältnisse angeben können, siehe Leitgedanken und -vorstellungen, Die Verhältnisse der sinnlichen Wirklichkeit und auch Gleichartige Verhältnisse mit Eintaucheindrücken, Gruppen und logische Gesetze, welche zwischen koexistenten Gegenständen bestehen, doch daneben gibt es selbstverständlich immernoch das einzig wahre Verhältnis, nämlich das Verhältnis der Koexistenz selbst.

Dieses Verhältnis ergibt sich aus der Reflexion, und abhängig von der Stufe der Reflexion möchte ich die folgenden Formen der Koexistenz unterscheiden:
  1. Stufe der Reflexion: die Gesellschaft gleichzeitiger Gegenstände,
  2. Stufe der Reflexion: die Schau der verschiedenen Gesellschaften einer Art,
  3. Stufe der Reflexion: die Gegenüberstellung verschiedener Schauen einer Art,
was darüberhinausgeht, sei als Koexistenz der nämlichen Ordnung bezeichnet.

Wenn wir nun einen Gegenstand beschreiben (in Verhältnisse setzen), so
  • verorten wir ihn, wenn wir vom Verhältnis der Koexistenz keinen Gebrauch machen,
  • gesellen wir ihn zu, wenn wir das Verhältnis der Gesellschaft bemühen,
  • stellen wir ihn aus, wenn wir das Verhältnis der Schau bemühen und
  • stellen wir ihn gegenüber, wenn wir das Verhältnis der Gegenüberstellung bemühen.
ChatGPT kann nur verorten, und ich nannte eine verortende Beschreibung eine Deklamation. Warum? Nun, weil es mir mittlerweile zur zweiten Natur geworden ist, mich zu fragen, welcher allgemeinsprachliche Begriff mit einer technischen Definition einhergeht, und diesen Vorgang möchte ich hinsichtlich der bei ihm verwendeten Koexistenzverhältnisse einmal genauer betrachten.

Ein allgemeinsprachlicher Begriff besteht aus einer Gesellschaft von Begriffseindrücken. Das Ziel der Auffindung eines passenden allgemeinsprachlichen Begriffs zu seiner technischen Präzisierung besteht darin, eine solche Gesellschaft zu finden, welche einen Träger enthält, welcher von einer passenden technischen Art ist, also aus Begriffen besteht, welche sich in das verwendete technische Begriffsgebäude fügen. Ein Träger ist dabei eine Gesellschaft von Begriffen, welche stets Teil einer größeren Gesellschaft, welche sie trägt, ist. Das heißt, in der Schau aller Beispiele des Trägers treten nur Begriffseindrucksgesellschaften auf, welche die getragene Gesellschaft, hier den allgemeinsprachlichen Begriff, enthalten.

Und wenn wir jetzt noch fordern, daß der Träger minimal sein möge, also keine unnötigen Verhältnisse beschreibe, mit anderen Worten also keine Teilgesellschaft des Trägers bereits ein Träger sei, in welchem Falle wir von einer Basis sprechen, so müssen wir die Beispielsschauen aller Träger einander gegenüberstellen, um zu sehen, daß es sich erstens um solche handelt und es zweitens keine in unserem Basiskandidaten enthaltenen Träger gibt.

Nun gut, wie wir das anstellen, also wie wir Schauen erzeugen oder Gegenüberstellungen, das ist genauso mysteriös, wie wir Gesellschaften leuchtender Punke zu Bildern zusammenstellen, denn nichts davon vermögen wir tatsächlich, oder jedenfalls nicht im allgemeinen, doch kommen wir dennoch zu Existenzurteilen und mit ihnen über die Runden. Im Falle des Deklamierens kann ich aber auch darauf verzichten, denn ob ChatGTP nun deklamiert oder verortet, doch nicht zugesellt, aus- oder gegenüberstellt, ist nicht weiter von Belang. Hingegen könnte man die Verwendung von Zugesellung, Aus- oder Gegenüberstellung unter dem Begriff Räsonieren vom Deklamieren abgrenzen, was eine gewisse Eleganz besitzt.

Post Scriptum vom selben Tag. Im vorstehend besprochenen Bemühen, der natürlichen Sprache keine Gewalt anzutun, möge eine Koexistenz 2. Ordnung gegebenenfalls als Gegenüberstellung von Gesellschaften im Gegensatz zur Gegenüberstellung von Schauen bezeichnet werden.

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26. Juli 2011

Zukunftsstrategien

Auf Grund der jüngsten Ereignisse, also des so genannten Marketing Effort's Berwick's, verliere ich vielleicht ein paar Worte über dieses Thema.

Was ist Emotionalismus?

Nun, es ist als Strategie verstanden ein einseitiges Wenden von Fragen auf einem genehme Aspekte eines Phänomens, und zwar solche, welche eine emotionale Reaktion hervorrufen.

Ab einer bestimmten Schwelle wird dadurch eine zuvor vertretene Meinung genügend erschüttert, um nicht nur von ihr abzustehen, sondern, und das unterscheidet diese Form der Propaganda von rationaler Propaganda, das Thema für die Zukunft zu verminen, die menschliche Anfälligkeit für Traumata ausnutzend.

Man begegnet Emotionalismus am besten dadurch, daß man zeitnah, bevor die erwähnte Schwelle überschritten wurde, Aspekte hervorhebt, welche zu entgegengesetzten Emotionen führen. Um beim eingangs erwähnten Beispiel zu bleiben, da kann man doch berechtigterweise fragen, was das für eine Form von Sozialität ist, wenn sich nicht einmal fünf Leute dazu überwinden können, sich auf den Angreifer zu werfen.

Aber natürlich hat das in diesem Falle kaum einer gemacht. Und es ist natürlich auch ein sehr unappetitliches Beispiel. Traumata sind hingegen auch unappetitlich. Und in diesem speziellen Falle kann man natürlich nicht der Presse die Schuld an ihnen geben. Womit Berwick eindeutig selbst eine emotionalisierende Strategie gegen sich selbst gewählt hat.

Offenbar in dem Glauben, daß sie auf Rationalisten keine Wirkung hätte. Aber, wie ich zuvor dargelegt habe, ein Rationalist ist nur dadurch einer, daß er auf planmäßige Traumatisierung in Diskussionen verzichtet. Und das schützt ihn selber nicht vor der eigenen Traumatisierung. Davor schützt nur die geistige Gewandtheit sich rechtzeitig andere Aspekte zu verdeutlichen.

Ich habe spontan an Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili gedacht, das hat die Sache in eine ganz andere Richtung gelenkt. Denn es passiert nicht das erste Mal, daß Intellektuelle in Elfenbeintürmen sich gegen die vitalen Interessen ihres Staates wenden. Das erste Mal ist es ironischerweise in der Sowjetunion unter der Leitung Lew Dawidowitsch Bronsteins passiert.

Berwick hält ein rationales Eingreifen im letzten Moment für fraglich, ich nicht, ein Stalin wird mit Sicherheit kommen. Denn das ist der Lauf der Welt, daß Not abhärtet und die zuvor betriebene Emotionalisierung in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus, wie ein Traum, den man nicht mehr träumen kann, weil man einen schrecklichen Kater hat.

Soll man auf Stalin warten?

Lieber nicht, würde ich sagen, und vielleicht sollten gerade die Trotzkisten unter uns mal darüber nachdenken, sie sehen es freilich nicht so, aber das war jetzt nur ein blaues Auge.

Und Berwick selbst sieht es freilich auch nicht so. Ich denke, sein Grundfehler besteht darin, vom Politischen auf's Psychologische zu schließen, im Klartext: Es gibt zwei politische Pole, ergo gibt es zwei verschiedene Sorten Menschen. Auf der einen Seite die Rationalisten und Materialisten und auf der anderen die Emotionalisten und Idealisten.

Den Begriff Materialist verwendet er korrekt, zum Unterschied zwischen Rationalisten und Emotionalisten habe ich mich schon geäußert, ironischerweise ist es der Rationalist, welcher aus einem Gefühl des Anstandes heraus Skrupel zeigt, und der Begriff Idealist ist ein idiotischer, denn alle Menschen sind idealistisch, halt nur mit unterschiedlichen Idealen (man könnte auch sagen, daß der Begriff Idealist ein emotionalisierender ist, wiederum reichlich ironischerweise.)

Es geht also auch nicht um einen Kampf zwischen diesen beiden Sorten von Menschen. Indes ist es wahrscheinlich, daß wenn man die Welt so darstellt, man dadurch ein Weltbild erzeugt, welches in den blau bis violett gefärbten Ländern Europas, also den bürgerlichen bis bürgerlich-mafiösen, eine Vereinigung der einheimischen Bevölkerung im so definierten konservativen Lager ermöglicht, ganz einfach, weil es die Materialisten und Achtenden direkt anspricht, die Achtenden deshalb, weil sie sich als Rationalisten wiedererkennen würden, insbesondere im Vergleich zu den Suchenden, welche selbst, wie schon mehrfach gesagt, apolitisch sind und deshalb für die Politik auch nicht von Bedeutung, so lange nicht grundlegende Regeln des Anstandes von ihr überschritten werden (Stalin selbst fiel in die F-Klasse, gehörte also wahrscheinlich zu den Suchenden, man sollte das fairerweise erwähnen, wenn man diese Sorte Mensch apolitisch nennt.)

In den türkis bis grün gefärbten Ländern ist dieser Ansatz hingegen zum Scheitern verurteilt, und zum wiederholten Male ironischerweise fällt Norwegen selbst in diese Klasse. Wer eine historische Bestätigung dieser These braucht, kann sich ja mal die Frage stellen, wie weit Hitler wohl gekommen wäre, wenn er gesagt hätte, daß er ein Antiidealist ist. Hier schließt sich natürlich die Frage an, wie Berwick auf einen solchen Abweg für sein eigenes Land kommen konnte. Nun, er ist offenbar selbst begrifflich traumatisiert worden und hat diese Traumatisierung durch ein Vertauschen von Gut und Böse durchbrochen, sie also mit Gewalt beseitigt. Das funktioniert zwar, hat aber den Nachteil, keinen natürlichen Zugang mehr zu dem fraglichen Begriff zu finden, in Berwick's Falle also zu dem Begriff Idealismus.

Hitler hatte übrigens Wagner, ohne welchen er niemals einen eigenen Idealismus hätte entwickeln können. In diesem Zusammenhang ist es durchaus bemerkenswert, daß Wagner bei deutschen Sozialdemokraten recht beliebt ist. Offensichtlich spüren sie instinktiv, daß seine idealistische Substanz noch zu gebrauchen ist, was ich freilich genauso sehe. Da liegt für mich durchaus der Schlüssel zur zukünftigen Kultur des türkis bis grün gefärbten Teil Europas, aber davon schrieb ich ja auch schon in meinem Beitrag zu Parsifal (ein durch unglückliche Umstände emotionalisierter Begriff seinerseits.)

Der Grund, warum es in diesem Teil Europas nur anders läuft, liegt offensichtlich an dem merklichen Vorhandensein von Menschen der versuchenden Art, welches den Suchenden einen Agenten beschert, durch welchen sie indirekt politisch aktiv werden (was mit Stalin aber nichts zu tun hat, da spielt nur der Prozeß der Abhärtung eine Rolle.)

Übrigens hat Berwick mehrere meiner Prophezeiungen erfüllt, nicht daß ich stolz darauf wäre, insbesondere auch die, daß der altgermanische Bereich zutiefst krank ist, und dort nichts Konstruktives entstehen wird. Warum und wo das so in seinem Falle ist, habe ich ja bereits beschrieben. Wer nicht zum Therapeuten taugt, sollte auswandern. Meine Güte, ich tauge dazu und bin trotzdem ausgewandert, wobei den Kranken aber auch nicht nach Medizin ist, das kommt noch dazu.

Ansonsten liegt der einzige Weg zu besseren Verhältnissen in ökonomischer Unabhängigkeit und einem weitest möglichen Entziehen der eigenen Wirtschaftshandlungen aus dem besteuerten Wirtschaftskreislauf, womit ich nicht Steuerhinterziehung meine, sondern Tauschhandel. Starve the beast heißt es im Amerikanischen. Das ist ein Weg, welchem eine klare Vorstellung des Gegners zu Grunde liegt. Den kann ich durchaus empfehlen. Allerdings steht an seinem Ende auch der Bürgerkrieg. Aber machen wir uns nichts vor, der kommt so oder so, wenn nichts getan wird halt in Gestalt eines Stalins. Freilich ist Deutschland reich genug an allem, worauf es ankommt, um seine Probleme anders zu lösen, aber davon ist nicht auszugehen, da jeder politische Wandel eine Prozeß benötigt, welcher ihn erzwingt. Und wenn sozial eingestellte Menschen auch theoretisch Deutschland heilen könnten, indem sie die Bürgerlichkeit der anderen respektierten und förderten, so hat es in der Geschichte der Welt wohl noch nie einen Fall gegeben, in welchem sich ein Volk einfach so darauf besonnen hätte, jetzt mal das zu tun, was am besten für es ist.

Letztlich ist das schon die empfindliche Stelle des ganzen Systems, also die Wähler der linken Parteien. Nur was ließe sie aufwachen?, erkennen, daß die gesamte Politik der Bundesrepublik verdient trotzkistisch genannt zu werden und daß Trotzkismus nicht funktionieren kann, weder als Lebensweise an sich, noch als Übergang zu einer anderen als eben Stalinismus (im weiteren Sinne einer totalitären Herrschaft durch einen gnadenlosen Ordnungswiederhersteller.)

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4. Juli 2011

Zur bürgerlichen Sättigung

Ich habe im letzten Beitrag die Frage behandelt, wohin die heute Mächtigen wollen und wie weit sie auf diesem Weg wohl kommen werden, wobei ich nebenbei den Globalismus auf die sanguinische Gesinnung zurückgeführt hatte. Sanguiniker sind selbstverständlich nur eine kleine Minderheit innerhalb der westlichen Gesellschaften, aber sie sind bei weitem risikofreudiger als alle andere Gesinnungen und Geister, weshalb sie natürlicherweise in einem offenen System der Herrschaft der Wenigen weit überproportional an den Schaltstellen der Macht vertreten sind (mit den zuvor festgelegten Bezeichnungen der Geister: Ringende sind bessere Ringer als Suchende, Achtende und Versuchende.)

Die Herrschaft der Sanguiniker ist aber in gewisser Weise eine unfühlbare, weil man kaum jemals jemanden auf der Straße trifft, welcher ihre Ziele teilt. Und also kann man auch nicht füglich behaupten, daß sie selber dafür Sorge trügen, daß sich keine unerwünschten politischen Bewegungen bilden (etwaige unerwünschte Bewegungen später zu bekämpfen ist eine ganz andere Sache.)

Offenbar müssen neue politische Bewegungen von den Versuchenden getragen werden. Wo es keine Versuchenden in ausreichender Anzahl gibt, kann man die Angelegenheit gleich begraben. Mich interessiert der Fall, wo es sie zwar in genügender Anzahl gibt, sie aber massiv unterdrückt werden. Ich selbst sehe mich als Suchenden, aber als solcher verbindet mich mit den Versuchenden zweckmäßige Sympathie.

Und an dieser Stelle kommen wir nun zum Konzept der bürgerlichen Sättigung.

Der Achtende neigt naturgemäß zur Bürgerlichkeit, wobei damit nicht bloß Ordentlichkeit gemeint ist, sondern auch weitreichende individuelle Verantwortung. Ich habe diesen Aspekt bisher weitgehend übersehen, er ist aber mit der starren Ordnungsliebe naturgemäß verbunden, da das Prinzip der Eigenverantwortung so ziemlich das einzige ist, - es ist natürlich schwer das zu beweisen - welches zugleich konkrete Ordnungsvorgaben enthält und allgemein anwendbar ist.

Wenn nun die Achtenden in ihrer Bürgerlichkeit gestört werden, so reagieren sie darauf ihrerseits, indem sie das politische Leben stören. Was dabei herauskommt kann man sich in Deutschland, vor allem in Norddeutschland, und in Schweden ansehen. Es ist kein Naturgesetz, daß blanke Unvernunft und Destruktivität das politische Leben bestimmen, sondern die Folge mangelnder bürgerlicher Sättigung.

Und deshalb ist es beispielsweise für die Versuchenden in Dänemark einfacher ihre politischen Versuche voranzubringen als es das für ihre deutschen und schwedischen Brüder ist, obwohl die bürgerliche achtende Fraktion in Dänemark stärker als in Norddeutschland und Schweden ist, das heißt deshalb weil Dänemark bürgerlich gesättigt ist, die Achtenden dort mit sich im Reinen und die Versuchenden dort also frei sind.

Es ist für meine Seite ein Unglück, daß die Ringenden in der heutigen politischen Konstellation die Bürgerlichkeit bekämpfen und dadurch die Achtenden in Feindschaft zu uns treiben.

Es ist zugleich aber auch abwendbar, denn wir haben es durchaus in der Hand, die Bürgerlichkeit der Achtenden auf ein gesundes Niveau aufzupäppeln. Weder können noch wollen wir die Achtenden vernichten, und zugleich greifen sie uns unerbittlich an. Sie werden damit aber sofort aufhören, wenn sie bemerken, daß es für sie im privaten Bereich Gestaltungsaufgaben gibt, und sei es die neueste Gartenmode, denen sie bisher nur ungenügend nachgekommen sind. Wichtig dabei sind Vertrauen und Respekt, vielen wird ihr Garten reichen, aber wenn sie größere Pläne haben: bittesehr. Machen wir es ihnen möglich, setzen wir selbst Standards, welche sie übertreffen wollen. Dann sind sie glücklich beschäftigt und wir frei.

Das ist die einzige Strategie, welche unsere Gefangenschaft beenden kann. Weder können noch sollten wir alle fliehen.

Ich sagte es schon zuvor: Deutschland ist nicht natürlicherweise sozialdemokratisch und Länder, welche es sind, sind bürgerlich gesättigt, achten das Bürgerliche also viel höher als die wundenübersäten Linken in Deutschland, denn ohne den Segen der Bürgerlichen kann es kein soziales Leben in Deutschland geben. Was bleibt ist bloß Anschein. Anschein von beidem in Deutschland, Anschein von sozialem Leben und Anschein von Bürgerlichkeit.

Deutschland kann aber gleich Dänemark zu einem Land werden, in welchem kulturelle Projekte geboren und probiert werden können, was, um es mit dem Begriff des sozialen Lebens zu vergleichen, sich von diesem dadurch unterscheidet, daß es stets sporadisch bleibt und kein kontinuierliches, lebendiges Gewebe wird.

Aber, um es mal so zu sagen, wer gefesselt und geknebelt ist, wird wohl damit zu Frieden sein, wenn er die Gelegenheit bekommt mal zu sprinten, mal zu rasten, wenn er auch nicht in steter Bewegung sein kann.

Anmerkung. Diese Betrachtung ergänzt sowohl meinen vorigen Beitrag zum Volksbewußtsein als auch den Beitrag zur gesellschaftlichen Dressur. Ich möchte diesbezüglich indes anmerken, daß der Begriff des Bürgers im erstgenannten Beitrag wenig mit dem Begriff der Bürgerlichkeit hier zu tun hat. Letzteren Begriff habe ich in diesem Beitrag definiert, ersteren hingegen nicht explizit. Ich denke allerdings, daß sich die Bedeutung erschließen läßt, wenn man den erstgenannten Beitrag liest. Die Beziehung zwischen diesen beiden Begriffen ist die zwischen einer platonischen Idee und einem ausgesprochen häßlichen und verfälschten Abbild. Ich befinde mich also in der kuriosen Lage die Bürgerlichkeit mehren und die Bürger mindern zu wollen. Unglücklicherweise habe ich den Begriff bürgerlich einmal von Bürger und das andere Mal von Bürgerlichkeit abgeleitet: eine bürgerliche Regierung ist eine Regierung der Bürger, die bürgerliche Sättigung hingegen ist eine Sättigung an Bürgerlichkeit. Ich kann nur anraten, auf solche Dinge bedacht zu sein, da ich sie schwerlich allgemein vermeiden kann.

Ein weiteres Beispiel für meine schwankende Verwendung des Begriffs bürgerlich ist die Gegenüberstellung von bürgerlich und bäuerlich in der Charakterisierung der europäischen Völker, wo im Kern lediglich auf den Grad der Aufgabenteilung einer Gesellschaft abgehoben wird, aber auch den Begriff des Bauern habe ich in verschiedenen Bedeutungen benutzt, im Beitrag zum Volksbewußtsein war damit wiederum der konkrete Bauer gemeint, auf wessen Selbständigkeit ich abgehoben hatte. Hier gibt es viele leicht von einander verschiedene Konzepte, welche in der Praxis oftmals übereinstimmen, Mangel an Aufgabenteilung und Selbständigkeit beispielsweise.

Auf den ersten Blick erschließt sich ihre Verschiedenheit nicht unbedingt, aber in welchem Sinne ist derjenige, welcher seine lebensnotwendigen Aufgaben selber erledigt, selbständig?

Ist er unabhängig vom günstigen Zusammenspiel mit der Welt und insbesondere auch anderen Menschen? Nein, das ist er nicht. Aber er weiß, was jeweils zu tun ist und kann den feindlichen Mächten, welchen er nicht gewachsen ist, mit einiger Sicherheit aus dem Weg gehen, was bereits damit anfängt, daß er Kartoffeln nicht in der Tundra anpflanzt und Fische nicht in der Wüste sucht.

Grundsätzlich hindert eine Gesellschaft, in welcher Aufgabenteilung betrieben wird, nichts daran, sich auf Regeln zu verständigen, welche es ihren Mitgliedern ermöglichen, die Kräfte, welche ihr eigenes Zusammenwirken freisetzt, dergestalt zu lenken, daß die einzelnen Mitglieder stets wissen, was zu tun ist und daß sie, wenn sie auf eine unbeherrschbare Entwicklung stoßen, diese zu Gehör bringen können und darauf vertrauen, daß geeignete gemeinschaftliche Gegenmaßnahmen beschlossen werden.

Es ist auch nicht so, daß in den heutigen bürgerlichen Gesellschaften derartige Regeln nicht existierten, nur sind diese existenten Regeln bei weitem nicht ausreichend, was in erster Linie daran liegt, - das muß ich leicht beschämt sagen - daß der Bereich der Gesellschaftsordnung vom Bereich der Gesellschaftsbewegung überlagert wird, was eben die zuvor angesprochene Störung der Bürgerlichkeit durch die Versuchenden ist, wobei der Unterschied zwischen einem krassen Fall wie Deutschland und einem unverdächtig scheinenden wie Frankreich darin besteht, daß in letzterem eine bloß begriffliche Verwirrung vorliegt.

Begriffliche Verwirrung alleine in diesem Punkt ist aber bereits schlimm genug, um kolossal zu scheitern. Stark bewegte Gesellschaften, wie beispielsweise Rußland, haben mit diesem Phänomen weniger Probleme, weil ihre Ordnung naturgemäß vergleichsweise rudimentär ist, da kann man schon, wenn man sich die sowjetischen Propagandaaktivitäten des letzten Jahrhunderts ansieht, von einer biologisch intellektuellen Waffe sprechen, ohne daß damals auch nur irgend jemandem der biologische Charakter dieser Waffe bewußt gewesen sein kann.

Und es ist auch nicht der einzige Fall eines solchen Waffeneinsatzes, die Menschen scheinen instinktiv dazu zu neigen, andere Gruppen dadurch zu schwächen, daß sie ihnen ihre eigenen Denkmuster aufzwingen, wobei dies eines der häßlichsten menschlichen Verhalten ist, welches in den größten Mißbildungen der menschlichen Geschichte resultiert.

Zum zweiten liegt der Mangel an derartigen Regeln aber natürlich auch an persönlichem Opportunismus, wie er besonders stark unter Ringenden zu finden ist. Doch auch davon schrieb ich ja oben schon.

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10. März 2021

Stellung

Bevor wir uns besinnen, stellen wir uns zur Besinnung, und dies erlaubt es uns, unsere Wahrnehmungen in drei Klassen zu unterteilen, welche den drei Besinnungen voraufgehen,
  • die Aufmerksamkeit der Verfolgung,
  • das Verständnis der Einlösung und
  • die Flucht der Auslösung.
Aufgrund unserer Stellung nehmen Aufmerksamkeit, Verständnis und Flucht verschiedene Formen an, welche aller Wahrscheinlichkeit nach Rückschlüsse auf die Funktionsweise unseres Gehirns erlauben.

Unsere auf einen Gegenstand gerichtete Aufmerksamkeit wird auf zwei Weisen modifiziert:
  1. durch seine Inbezugsetzung zu anderen erfaßten Gegenständen und
  2. durch seine potentielle Auffassung,
und wenn wir dies daraufhin ansehen, wodurch es standardmäßig bestimmt wird, so erhalten wir das, was ich unsere Orientierung genannt habe:
  1. setzen wir begegnende Gegenstände standardmäßig in Bezug auf unseren (objektiven) Glauben, genauer gesagt aber unsere (eigentliche) Erwartung, über welche uns unser (objektiver) Glaube Aufschluß gibt, und
  2. fassen wir gemäß unserer Haltung und Begrifflichkeit auf.
Und mit unserem Verständnis verhält es sich nicht anders. Unser sich in einem Begriff ausdrückendes Verständnis (Platons εἶδος) wird ebenfalls auf zwei Weisen modifiziert:
  1. durch seine Inbezugsetzung zu einem erfaßten Gegenstand, in welchem Falle es sich um einen relativen Begriff wie größer oder weiter handelt, und
  2. durch seine Auffassung als formal definierter und benannter Begriff,
und auch diese werden durch unsere Orientierung standardmäßig bestimmt:
  1. setzen wir Begriffe standardmäßig in Bezug auf unsere Haltung und unseren (objektiven) Glauben, insbesondere den relativen Begriff der Entsprechung, und
  2. wird unsere Auffassung von unserer Begrifflichkeit bestimmt.
Meine ursprüngliche Definition der Stellung war auf die Modifikation unserer Aufmerksamkeit durch die Berücksichtigung unserer Erwartung beschränkt, zuletzt (hier und hier) habe ich den Begriff aber im hiesigen Sinne verwendet. Die Aufarbeitung dessen, was dazwischen liegt, sei auf den Zeitpunkt verschoben, zu welchem sie nötig wird.

Und auch unsere Flucht zu einer Anspannung wird analog modifiziert, nämlich
  1. durch ihre Inbezugsetzung zu erfaßten Einströmungen und
  2. durch ihre Auffassung als einströmungsförmige Absicht.
Einströmungen nenne ich unsere Sinne, durch welche wir sich kontinuierlich ändernde Qualitäten wahrnehmen. Für unsere Stellung von Bedeutung ist aber nur unser Tastsinn, welcher hingegen kein monolithischer Sinn ist, sondern aus vielen Tastsinnen, welche alle unabhängig von einander einströmen, zusammengesetzt, denn
  1. bestimmt unsere Gewöhnung standardmäßig, welche Einströmungen unseres Getasts wir bei der Anspannung berücksichtigen, und
  2. bestimmt unsere Gewöhnung ebenfalls standardmäßig, durch welche Einströmungen unseres Getasts unsere Absichten präzisiert werden.
Desweiteren bestimmt sie auch, wie nahe wir durch die Anspannung unserer Muskeln der Absicht kommen, denn die Abstimmung von Vorstellung, Anspannung und Tastsinn will insgesamt gelernt sein.

Adäquanz bezieht sich also auf die richtige Form der Aufmerksamkeit, des Verständnisses und der Flucht, und die Haltungs-Stellungs-Reflexion sucht nach Wegen, auf welchen die Haltung nicht zu inadäquaten Stellungen führt, auf welchen sie also standardmäßig gute Stellungen bestimmt, was praktisch gesehen darauf hinausläuft, sich auf der Sitte entsprechende Abläufe zu beschränken.

Post Scriptum vom selben Tag.
Statt von Stellung kann man auch von Gefaßtheit sprechen, und zwei der drei Gefaßtheiten sind spezialisierte Adäquanzgefühle. Genauer gesagt bescheinigt
  • Überblickung adäquate Aufmerksamkeit,
  • Berufenheit adäquates Verständnis und
  • Wagemut adäquate Flucht;
Eingeholtheit, hingegen, bescheinigt inadäquate Aufmerksamkeit.

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30. Juli 2013

Geistige Horizonte und die Erkenntnis von Zusammenhängen

Ich bringe meine bisherigen Beiträge zu diesem Thema, Verbesserung bezüglich der Gesinnungen und Geisteshorizonte und Sinnlichkeit, Gemüt, Vernunft und Seinssinn in der aktuellen Architektur, auf den aktuellen Stand.

Den sinnlichen geistigen Horizont zu besitzen, bedeutet, den Zusammenhang zwischen Wahrnehmungen und Handlungen zu verstehen, im wesentlichen, jedenfalls.

Den herzlichen geistigen Horizont zu besitzen, bedeutet, den Zusammenhang zwischen Stimmung und Haltung zu verstehen, anders ausgedrückt also seine tätige Haltung zu kontrollieren oder das Tier wählen zu können, welches man ist.

Den verständigen geistigen Horizont zu besitzen, bedeutet, den Zusammenhang zwischen Verständnissen und Begriffen zu verstehen.

Das ist nun nicht hinreichend klar, um es so stehen zu lassen. Das Problem des Ungebildeten besteht darin, daß er Begriffe und Aussagen nicht unterscheiden kann. Aussagen können sich hingegen widersprechen, und erlauben also nicht die ungehinderte Anwendung der Logik. In diesem Zustand beginnt der Mensch sich zu fragen, was denn überhaupt wahr ist, und da kann er sich schlimm verwirren.

Wenn man diese Schwierigkeiten analysiert, stößt man schließlich auf die Verwechslung von Begriff und ihm entsprechendem Gegenstand, also daß es zum Beispiel ausreichen würde zu wissen, wie ein Auto aussieht, um den Begriff Auto zu verstehen. Das ist aber nicht so.

Begriffe sind Weisen, in welchen der eigene Verstand einrastet, etwa wenn wir sehen, daß A nicht B ist. Und immer wenn er einrastet, verstehen wir etwas, ist in uns ein Verständnis. Da die verschiedenen Begriffe, welche in unserem Verstand einrasten, über ihr Einrasten gegenseitig keine Aussagen machen, können sie sich auch nicht widersprechen. Und die Kunst der rechten Begriffsanwendung besteht darin, das Einrasten aufzustöbern, welches beispielsweise dem Begriff Auto zu Grunde liegt, denn das ist ein eigenes Geschäft. Um den Begriff Auto verwenden zu können, muß nur etwas in mir einrasten, wissen, was es ist, was da einrastet, muß ich zu dem Zweck nicht. Aber wenn ich anfange, den Begriff Auto in logischen Betrachtungen zu verwenden, dann muß ich es, wenn ich nicht in Kreisen laufen möchte.

Wenn ich also gelernt habe, hinter meinen Verständnissen spezifische Formen des Einrastens meines Verstandes zu erkennen, dann besitze ich den dritten geistigen Horizont. Was dieser erlaubt, ist, unsere Begrifflichkeit zu gestalten, und damit die Brille, durch welche unsere Sorge die Welt sieht. Ist die Brille schlecht, wird unsere Stimmung es notwendig auch sein. Eine konstant gute Stimmung beruht notwendig auf einer hinreichend guten Begrifflichkeit, um eine Haltung formulieren zu können, welche den Ansprüchen der Sorge genügt. Natürlich ist das nur die Voraussetzung, die Formulierung kommt noch hinzu. In dem Sinne hat Platon die Mathematik zur Voraussetzung der Philosophie erklärt.

Und der gläubige geistige Horizont schließlich beruht auf der Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Freiheit, im Sinne günstiger Lebensbedingungen, und der Annahme von Haltungen, ein Zusammenhang, welcher sich in der Orientierung der Transzendenz ausdrückt, also ob die Umwelt sich in einem Zustand der Verbindung oder der Auflösung befindet, sind die Bedingungen gut, verbindet sie sich weiter, sind sie schlecht, löst sie sich auf, freilich auf drei Ebenen, so daß sich auf einer etwas verbinden und auf einer anderen etwas auflösen mag.

Die Lehre dessen ist, daß die Sorge sich in prinzipieller Not gegen die Prinzipien wendet, welche sie verursachen, und den Tod des Individuums in Kauf nimmt, und ebenso verhält es sich entsprechend mit Achtung und Lust, die Achtung wendet sich gegen die Konventionen, welche die Not verursachen, und die Lust übergibt ihre verbrauchten Ressourcen ständig an die Umwelt, bis sie wiedergeboren wird.

Der Unterschied ist freilich, daß die Heutigen Konventionen und Ressourcen für reale Dinge halten, Prinzipien aber nicht. Doch Prinzipien sind real, und zwar in Form von fest- oder nicht feststehenden Naturgesetzen.

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3. März 2020

Heil und Ergriffenheit

Ich fühle mich durch den vorigen Beitrag aufgefordert, mich auch über das Heil noch einmal technisch zu äußern.

Das Heil ist ein Gedanke, und zwar eine Entsprechung, und die Wertschätzung, welche wir ihm gegenüber empfinden, möchte ich Ergriffenheit nennen.

Indem sich in etwas Weltlichem etwas Geistiges zeigt, sind wir von der Entsprechung ergriffen und nennen es heilig.

Die Einsicht, daß etwas heilig sei, drückt dabei die Einsicht aus, daß wir von etwas ergriffen wurden. Mit anderen Worten benutzen wir das Gefühl der Ergriffenheit als den Eindruck, auf welchem der Begriff des Heils beruht, ebenso wie wir dies allgemein bei Gefühlen machen; es gibt also nur das Gefühl selbst und nicht noch irgendeinen anderen Eindruck, welcher es stets begleiten würde und seinen Begriff ausmachte. Doch im Gegensatz zur Liebe etwa, welche nur ein bestimmtes Gefühl ist, wiewohl wir natürlich vieles mit ihm verbinden, wie wir es mit allem tun, was wir wahrnehmen, handelt es sich bei dem Heil selbstverständlich nicht bloß um das Gefühl der Ergriffenheit, sondern um diejenige Entsprechung, welche es mit sich bringt.

Es ist nicht ganz einfach, genau zu sagen, was für Eindrücke das sind, welche andere regelhaft begleiten. Zum einen sind es Gefühle, zum anderen aber auch Einschätzungen anderer Art, zum Beispiel räumlicher. Wenn ich etwas Begriff nenne, so rede ich von so einem Eindruck, unabhängig davon, was er genau sei, und es mag sich also auch um ein Gefühl handeln, doch wird man Gefühle nicht unbedingt zu Definitionszwecken verwenden wollen, und auch beim Heil stellt sich die Frage nach Alternativen.

Beispielsweise ist der Begriff, welchen wir von einer Entsprechung als solcher haben, kein Gefühl, sondern ein Eindruck anderer Art. Doch welchen Begriff haben wir von Geistlichem? Ich bezweifle sehr, daß wir ihm irgend näher kommen als durch das Gefühl der Ergriffenheit. Und folglich spricht auch nichts dagegen, den Gedanken des Heils als Gegenstand der Ergriffenheit zu betrachten, oder, wenn man sich denn so ausdrücken möchte, zu sagen, daß der Heilsbegriff die Ergriffenheit sei, wiewohl das selbstverständlich dahingehend mißverstanden werden könnte, nur das Gefühl und nicht die es hervorrufende Entsprechung zu betrachten.

Da ich Begriffe aber nur als Auszeichnungen, und nicht als Bestimmungen definiert habe, wonach Alfred Hitchcock beispielsweise als dickem Mann, welcher in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts in seinen eigenen Filmen aufgetreten ist, Genüge getan wäre, sollte diese Undeutlichkeit nicht weiter verwundern.

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16. Dezember 2019

Ich und Seele

Die Gänze (oder der Horizont)
  • der Lust ist die Erweckung,
  • der Achtung die Anschauung und
  • der Sorge die Reflexion.
Und wir begehen keinen Fehler, wenn wir sagen, daß
  • die Wahrnehmung als Anschauung verstanden wird und
  • die Vorstellung als Erweckung.
Zwar gibt es technisch gesehen nur Anschauung und Reflexion, aber in unserer Behandlung gibt es einen Unterschied zwischen Wahrnehmung und Vorstellung: an eine Wahrnehmung knüpfen wir durch eine Verfolgung an und an eine Vorstellung durch eine Auslösung, und die Achtung beschäftigt sich mit dem Horizont der Verfolgung, während sich die Lust mit dem Horizont der Auslösung beschäftigt.

Genauer gesagt kennen wir die lineare Zeit nur dazu, damit die Achtung die Idealdifferenz, also die Anforderung durch das Ideal, in der Anschauung bestimmen kann.

Ebenso kennen wir die netzförmige Zeit nur dazu, damit die Sorge das Resolutionsprodukt, also die anforderungsgemäße Berichtigung, in der Reflexion bestimmen kann.

Und die punktförmige Zeit kennen wir nur dazu, damit die Lust das Aktualisationsprodukt, also die ergriffene Gänze, in der Erweckung bestimmen kann.

Hierbei kommt es aber zu einer kleinen Komplikation, denn dieses geschieht nicht nur in der entsprechenden Phase, also
  • die Bestimmung der Dringlichkeit durch die Verfolgung,
  • die Bestimmung der Absicht durch die Einlösung und
  • die Bestimmung der Erweckung durch die Auslösung,
sondern vielmehr lassen sich die Übergänge des Eigenlaufs des Ichs frei auf die Besinnungen beziehen, wobei
  • Wahrnehmung -> Wille = Idealdifferenz, Anforderung durch das Ideal,
  • Wille -> Tat = Resolutionsprodukt, anforderungsgemäße Berichtigung und
  • Tat -> Wahrnehmung = Aktualisationsprodukt, ergriffene Gänze
die Übereinstimmung der Seelenteile mit den Übergängen des Eigenlaufs des Ichs ist.

Wir erhalten also die folgende Tabelle,


Anforderung Berichtigung Gänze
Verfolgung Dringlichkeit Begriff Anschauung (bzw. Strecke)
Einlösung Bedeutsamkeit Absicht Reflexion (bzw. Gültigkeit)
Auslösung Sinnhaftigkeit Wahrnehmung Erweckung
welche das Nebeneinander von linearer, netz- und punktförmiger Zeit widerspiegelt.

Allerdings können wir uns dieser Parallelität auch verweigern, etwa wenn wir uns auf den Zeitbegriff eines Seelenteils besinnen, wobei wir dann
  • den gewonnenen Begriff des Dringlichen nicht einlösen, sondern das nächste Dringliche betrachten,
  • die gewonnene Vorstellung des Bedeutsamen nicht auslösen, sondern das nächste Bedeutsame betrachten, oder
  • die gewonnene Wahrnehmung des Ermöglichenden nicht verfolgen, sondern das nächste Ermöglichende betrachten (sinnhaft ist im Fall des reinen Ermöglichens ein irreführender, obschon nicht technisch falscher, Begriff).
Und außerdem können wir dieser Parallelität auch verlustig gehen, durch Geistlosigkeit, wenn die Bestimmung der Idealdifferenz gestört ist, also
  • bei Oberflächlichkeit die Dringlichkeit eingeschränkt ist und in folge auch der Begriff und die Reflexion,
  • bei Losgelöstheit die Bedeutsamkeit und in folge auch die Absicht und die Erweckung und
  • bei Erstarrtheit die Sinnhaftigkeit und in folge auch die Wahrnehmung und die Anschauung,
und durch den unmittelbaren Verlust einer Gänze, also
  • den Verlust der Strecke in der Entrückung,
  • den Verlust der Gültigkeit in der Entfremdung und
  • den Verlust der Erweckung im Traum.
Und zum Abschluß sei noch bemerkt, daß die Aktionsmuster den Zeilen der obigen Tabelle entsprechen,
  • empfangend:
    • Inspiration ist Dringlichkeit,
    • Gebet wird durch einen Begriff dargestellt,
    • Stellung wird in der Anschauung kontempliert,
  • verfolgend:
    • Vorhaben stellt eine Bedeutsamkeit dar,
    • Methode wird durch eine Absicht dargestellt,
    • Konsequenzen werden in der Reflexion kontempliert und
  • studierend:
    • Vorkommnis stellt eine Sinnhaftigkeit dar,
    • Auswirkungen werden durch eine Wahrnehmung dargestellt,
    • Willkommenheit wird in der Erweckung kontempliert,
womit sie also durch die abstrahierende Reduktion des Eigenlaufs des Ichs auf eine seiner drei Besinnungen entstehen, und zwar jene, mit welcher das Aktionsmuster dem verlinkten Beitrag gemäß beginnt, verwendend, daß
  • die Verfolgung von der Wahrnehmung ausgeht,
  • die Einlösung vom begrifflich gefaßten Willen und
  • die Auslösung die Tat ist.

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19. August 2013

Vorstellbares, Unvorstellbares, Suche und Experiment

Es gibt zunächst einmal zwei Sorten von Fragen. Einmal jene, deren Antwort durch die Herbeiführung von etwas Vorstellbarem gegeben wird und zum anderen jene, deren Antwort durch die Verkörperung eines unvorstellbaren Begriffes erfolgt.

Was sind unvorstellbare Begriffe?

Nun, es gibt derer wiederum zwei verschiedene Sorten. Einmal mag ein Begriff unvorstellbar sein, weil er einen Allquantor über einer zu großen, insbesondere unendlich großen, Menge enthält, wie etwa der Begriff einer Parabel, das heißt f(x)=x2, oder er ist deswegen unvorstellbar, weil er eine empirisch bedingte Inzidenz beschreibt, und das fängt schon mit der Frage: Was will ich eigentlich? an, denn das dumpfe Gefühl, etwas zu wollen, erlaubt aus sich selbst heraus die Vorstellung des Gewollten keineswegs, sondern erzwingt vielmehr ein Abklopfen der Art: War es das? Oder das? bis es auf das Gewollte anschlägt.

Wer nun einwendet, daß diese Definition des Vorstellbaren seltsam eng gefaßt ist, verkennt ihren Wert, welcher darin besteht, die Grenze zwischen vernunftbegabten Wesen und Tieren zu ziehen. Tiere nämlich kennen nur vorstellbare Gegenstände und können also auch nur vollstellbare Gegenstände verfolgen, mithin nur Fragen der ersten Art stellen.

Den Versuch, etwas Vorstellbares herbeizuführen, nenne ich Suche, und Tiere suchen also ausschließlich.

Was nun die unvorstellbaren Gegenstände der ersten Art angeht, so behilft sich der Mensch dabei durch Hypothesen, nämlich die Annahme, daß es bestimmte unvorstellbare Gegenstände gibt, aus welchen sich dann die Existenz anderer unvorstellbarer Gegenstände nicht nur ableiten, sondern sogar hypothetisch vorstellen läßt, im Sinne der hypothetischen Anwendung von Vorstellungsschritten auf hypothetische Gegenstände. Mit anderen Worten werden die Antworten auf solche Fragen durch hypothetische Suchen nach hypothetisch vorstellbaren Gegenständen gegeben, wobei sich eine hypothetische Suche rein heuristisch nicht von einer natürlichen Suche unterscheidet, sondern durch die Betrachtung von beliebigen Teilmengen der unvorstellbar großen Menge gänzlich parallel zu ihr verläuft.

Daneben läßt sich natürlich auch nach vorstellbaren Gegenständen hypothetisch suchen, etwa wenn man der Frage nachgeht, was die Menschen wohl auf dem Mars anstellen würden. Eine solche Betrachtung könnte an und für sich auch von einem Tier angestellt werden, nur daß ihm der Anlaß dazu fehlt und fehlen muß, so lange es wach ist, denn im Traume sind Tiere in der Tat in der Lage, hypothetisch nach vorstellbaren Gegenständen zu suchen.

Und bei den unvorstellbaren Gegenständen der zweiten Art behilft sich der Mensch durch Experimente, das heißt, er sorgt entweder dafür, daß der inzidente Begriff gegeben ist, und studiert dann seine Verkörperungen hinsichtlich anderer, diese beschreibender Begriffe, etwa die Lage zu einer bestimmten Zeit beim Studium von Bewegungen dieser oder jener Körper unter diesen oder jenen Umständen, wobei Körper und Umstände im inzidenten Begriff enthalten sind, oder er geht verschiedene Gegenstände durch und schaut, ob der inzidente Begriff vorliegt, meistens, wie schon gesagt, wenn man sich fragt, was man will.

Suche, hypothetische Suche und Experiment erschöpfen also die menschlichen Möglichkeiten, Antworten auf Fragen zu finden, wobei der Mensch aufgrund seiner Vernunftbegabung neben den beiden anderen Formen der Untersuchung auch noch den Vorteil hat, in fast jeder Situation suchen zu können, während ein Tier dazu auf konkrete Probleme angewiesen ist.

Das liegt natürlich daran, daß dem Menschen die Existenz eines Gegenstandes an sich etwas bedeutet, und dem Tier nicht. Und wo der Mensch also stets versucht ist zu spekulieren, da phantasiert das Tier höchstens.

Und wo wir gerade dabei sind, der Ausgangspunkt dieses Beitrags bestand darin, daß ich einen Unterschied zwischen den alten und den neueren Die drei ???-Folgen bemerkt hatte, welcher so ähnlich übrigens auch zwischen den alten und den neueren James Bond-Filmen besteht, bei den neueren treibt mich nur die Neugier dazu, mir das weiteranzuhören oder -anzuschauen, bei den älteren hingegen fesselt mich die Spannung, und das korrespondiert Spekulation und Phantasterei, was ganz interessant ist, da es die natürliche menschliche Neigung zu beiden belegt, wohl zur Übung des Denkens, genauer gesagt des Experimentierens, im Falle der Neugier, und des Suchens, im Falle der Spannung.

Zugegeben, die Experimente der letzten Bond-Filme à la Welcher Schauspieler darf als nächstes mitspielen? (John Cleese??? Ja??? Ja???) waren nicht sonderlich gedankenanregend, aber der Neugier scheint's zu genügen, wohl gemerkt, ein Experiment aus Sicht des passiven Zuschauers, welcher mal sehen will, wer diesmal mitspielt.

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