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24. Juni 2011

Platonische Ideen, Geister und Gesellschaftsdressuren

Ich wage an dieser Stelle zu behaupten, daß platonische Ideen gerade jene sich in der Natur ausdrückenden Prinzipien sind, welche sich transzendent bejahen oder verneinen lassen. Man mag sie auch die Wege der Natur oder die Bausteine Gottes nennen. Vielleicht ist diese Auffassung um einen Deut deutlicher als es Schopenhauers Objektivationen sind, in der Sache sollte sie sich nicht wesentlich von seiner unterscheiden.

Da ich selbst keineswegs von Schopenhauers Darstellung überzeugt wurde, möchte ich hier kurz erläutern, was mich zu dieser Gleichsetzung bewogen hat. Wenn man Platon liest, wird es hinreichend klar, daß seine Ideen mehr oder weniger Begriffen entsprechen müssen. Andererseits schwärmt Platon aufrichtig für sie, so daß man nicht füglich annehmen kann, daß es sich bei ihnen um beliebige Begriffe handeln würde. Und diese Schwärmerei nun wurde mir bei dem Gedanken an die sich natürlicherweise in den Menschen manifestierenden Geister nachvollziehbar. Diese kann man selbstverständlich begrifflich erfassen, aber sie existieren andererseits auch in genau derselben Abstraktheit im Willen der Menschen. Die Welt ist aus Prinzipien kombiniert, Individualität als solche existiert nicht, eine Kombination mag selten sein, die einzelnen Prinzipien treten an allen Stellen identisch auf.

Daß wir wertschätzen können, was wir nicht selber sind, ist das zentrale Merkmal der Würde des Existierens, und daß wir dabei nicht bei den einzelnen Erscheinungen stehen bleiben müssen, sondern auf die ihnen zu Grunde liegenden Ideen übergehen können, ist das zentrale Merkmal menschlicher Würde. Auf diese Weise ordnet sich die Koexistenz nach ihrer eigenen Maßgabe, wenngleich die abschließend nötige Gewichtung allein aus Gottes Wirken heraus erklärbar ist.

Interessanterweise sieht man aber im Leben der meisten Menschen nicht derartige Prinzipien, jene vier Geister, am Werk, sondern Kunstformen, welche zumeist aus einem Gefühl des geschuldet Seins heraus befolgt werden. Eine Gesellschaft erfaßt intuitiv die Grundlagen ihres Gedeihens und erlegt sie ihren Mitgliedern in der Folge auf. Nachdem dies einmal allgemein akzeptiert wurde, neigen solche Dressuren zur, oftmals sogar irrationalen, Konservativität.

Der Grund, warum wir auf Erden nicht selig den Geistern folgen, welche wir lieben, besteht dabei darin, daß wir dazu neigen, unser Glück zementieren zu wollen und somit oftmals künstlich jene Umstände zu erzwingen bestrebt sind, welche uns ein glücklicher Zufall bescherte. Eine Tendenz, welche durchaus tragisch ist, da wir im Leben nur uns selbst gegenseitig zu fürchten brauchen. Die Überwindung dieses Sicherheitsbedürfnisses kann indes nur dort gelingen, wo sich die Menschen gegenseitig hinreichend schätzen. Wo das indes der Fall ist, sollte man die Gelegenheit ergreifen und ohne Furcht das leben, was man liebt.

Das bedeutet aber natürlich nicht, daß man sich über das Wesen von Dressur und Dressierten Illusionen machen sollte. Jene dulden nur Gehorsam, wo sie stark genug sind, ihn zu erzwingen. Und zumeist dulden sie weit allgemeiner nur ein kindliches Geistesleben, wenngleich nicht in allen Lebensbereichen, so doch in jeweils für wesentlich befundenen.

Es hängt allerdings wiederum vom Einzelfall ab, ob eine solche Unmündigkeit wirklich ein Problem darstellt oder ob die guten Seiten gar überwiegen, denn es gibt durchaus auch Fälle, wo von einer Dressur so nicht die Rede sein kann, sondern vielmehr von einer bloßen Einfriedung gesprochen werden muß. Ob es das eine oder das andere ist, kann man leicht daran erkennen, ob die natürlichen Prinzipien unter den Menschen lebendig sind oder nicht.

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