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29. Dezember 2010

Zum Volksbewußtsein

Ich schreibe Volksbewußtsein statt sozialem Bewußtsein, weil letzteres doch immer als Feigenblatt gebraucht wird, um den Mangel an ihm selbst zu verdecken.

Es genügt nicht dies und das zu tun, es geht darum, das Schicksal der eigenen Lebensgemeinschaft zu gestalten, wobei ich mit Lebensgemeinschaft die Gesellschaft meine, als deren Teil man lebt.

Diese ist eine Gesellschaft, kein Orden, und das ist auch notwendig so, da die entsprechende Homogenität nur durch stets wiederholte Selektion erreicht werden könnte. Und auch wenn es auf dem Papier eine einfache Sache ist zu fordern, daß sich die Menschen unterschiedlichen Orden anschließen möchten und die Orden unter einander auf das Gemeinwohl bedachte Regeln einhalten, so wird dies realistisch doch nur dann geschehen können, wenn die Mitglieder der betroffenen Gesellschaft es, wie Kant es sagt, als ihre sittliche Pflicht ansehen, das ihre zu tun, um das gesellschaftliche Leben so vorteilhaft wie möglich zu gestalten oder, wie ich es nennen möchte, ein Volksbewußtsein besitzen.

Es ist aber nicht selbstverständlich, daß ein Mensch denkt, daß er eine sittliche Pflicht hat oder ein Volksbewußtsein besitzt. Und gerade Bürger haben normalerweise kein Volksbewußtsein, was daran liegt, daß das Volk für sie ein Wirt ist, von dem sie leben müssen. Nun ist Bürger natürlich keine ökonomische Kategorie, aber man irrte schwer, wenn man dächte, daß Bürger und Bauer, beispielsweise, stochastisch unabhängig von einander wären. Und also gilt von bürgerlichen Regierungen, daß sie weder selbst einer sittlichen Verpflichtung folgen, noch das Volksbewußtsein der Bevölkerung stärken.

Bürger bilden Oligarchien aus und Oligarchien ein Stammesrecht, welches auf die Interessen der stärksten Stämme zugeschnitten ist. Heute sind die Gruppen, welche die stärksten Fraktionen der bestehenden Oligarchie bilden, noch keine Stämme im biologischen Sinn, aber das käme schon noch, wenn der Prozeß nur lange genug anhielte.

Dieser Prozeß ist aber der Untergang all jener Menschen, welche von Natur aus sittliche Pflicht empfinden oder anders ausgedrückt es vorziehen, sich als Volk zu organisieren denn als Stamm.

Es stellt sich also die Frage, wodurch sich die Zersetzung des Volksbewußtseins verhindern läßt. Mit Blick auf Deutschland bin ich geneigt zu sagen, daß der uniformen Verblödung offenbar viel zugetraut wird, aber da ich es nicht tue, wende ich mich lieber der grundlegenden Situation zu, ohne viel zu tricksen.

Warum sollte jemand die sittliche Pflicht akzeptieren?

Nun, entweder, weil er sie selbst verspürt oder weil er einen äußeren Anreiz dazu hat.

Der äußere Anreiz wiederum ist entweder positiv oder negativ, entweder wird jemand gezwungen oder gekauft. Zwang bedeutet in diesem Zusammenhang eine autoritäre Staatsform, aber von welchen Preisen reden wir hier?

Es kann kein materieller Preis sein, denn die entsprechende Machtfülle, um ihn zu bezahlen, könnte sich die Elite der sittliche Pflicht Verspürenden nur durch Zwang sichern, womit die ganze Übung hinfällig wäre.

Was bleibt ist die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, die Erweisung von Achtung und Aufmerksamkeit, je nachdem, ob es sich um jemanden des eigenen Geschlechts handelte oder nicht, bzw., bei Fehlverhalten, der Entzug derselben.

Ob letztere Mittel überhaupt genügen können, ein Volksbewußtsein zu bewahren, hängt natürlich auch von der wirtschaftlichen Situation ab, genauer gesagt davon, wie viele Menschen selbständig sind.

Ich bin mir indes sicher, daß jedes Volk, welches weder durch eiserne Hand geeint wird, noch frei genug ist, daß die Scham den Edlen gegenüber die weniger Edlen, indes nicht Schamlosen!, in die Schranken weist, was auf Seiten der Edlen auch echte Anteilnahme an ihnen voraussetzt, vergehen wird und in ihm alle Menschen, welche ein Volksbewußtsein besitzen.

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16. Dezember 2010

Sexiness and sexual liberation

Keine Bange, ich schreibe wie immer auf deutsch, aber ich wollte keine Sprachpanscherei im Titel und Sexiness ist nun einmal mit definierender Bestandteil der anglo-amerikanischen Kultur.

Meine Sicht auf dieses Thema ist weder wirklich neu, insbesondere Feministinnen sehen es nicht selten ähnlich, noch wirklich Konsens, da es mir fern liegt, alles einzuschließen, was irgendjemand gerne eingeschlossen sähe.

Andererseits möchte ich den Schwerpunkt hier nicht auf Gesellschaftspolitik legen, sondern auf Psychologie.

Der Mann, wenigstens, was weiß ich von Frauen?, beginnt sein sexuelles Leben in einem Zustand der Wut, so könnte man es jedenfalls nennen, welche üblicherweise auch noch über den Zeitpunkt hinaus andauert, an welchem er aufgrund seiner schließlich abgeschlossenen körperlichen und seelischen Entwicklung aufhört einen Grund zu haben, wütend zu sein.

Diese Wut ist also subjektiv etwas anderes als das, was sie objektiv ist, nämlich die Klage darüber, sich bereits gut ein Jahrzehnt bevor er dazu schließlich in der Lage ist paaren zu wollen. Bei Tieren sieht man die selbe Wut, indes leiden Tiere wohl nicht unter ihrem Nachklingen.

Ersparen wir uns also weitere vergleichende biologische Betrachtungen und forschen dem nach, was im Herzen eines Mannes vor sich hin kocht und sich zu Zeiten auch dann noch gewaltsam entlädt, wenn er bereits saturiert sein sollte.

Es ist nicht ganz leicht, es zu beschreiben. Am ehesten kommt man wohl auf Neid, und Neid begleitet es oft, aber nicht immer. Als nächstes erwöge man vielleicht einen ernsthaften Haß auf die Weiber, weil sie einen aufziehen. Nur, das kann es ja auch nicht sein, wenn man es recht bedenkt. Dieses allgemein weibliche Aufziehen ist dabei größtenteils eine Erscheinung der Art, nicht des Individuums, dient also in den wenigsten Fällen dem Interesse der aufziehenden Frau, sondern vielmehr der Steigerung der Aggressivität des männlichen Nachwuchses. Haß allerdings, um nicht länger dieses und jenes zu verwerfen, ist es schon, nur nicht Haß auf Frauen, sondern Haß auf die eigene Animalität.

Ein Tier kann das natürlich nicht hassen (streng genommen kann ein Tier natürlich gar nichts hassen), für den Menschen bleibt seine Animalität aber auch dann noch ein Problem, wenn er seinen biologischen Pflichten nachkommen kann, denn ein Mensch steht da vor der Frage, was er in diesem Moment eigentlich ist, wobei er sich bis dahin bereits daran gewöhnt hat, sich von seiner Geschlechtlichkeit zu distanzieren, diese Distanzierung ihn aber in ihrer Totalität daran hindert, mit sich ins Reine zu kommen.

Ein Mann, welcher klar versteht, daß er beim Sex nicht Tier sein will, das allenfalls bei großer geistiger Verwandtschaft mit einer Frau im Spaß erwägt, sondern seinen Schwanz dahin lenkt, wohin es ihm im völligen Einklang mit seiner ganzen Persönlichkeit richtig erscheint, ist sexuell befreit und nur der.

Sexiness ist hingegen die gezielte Präsentation des Tierischen (so definiere ich sie) und vergiftet das allgemeine Bewußtsein, dergestalt sie die sexuelle Befreiung nach Kräften hindert. Für Frauen ist es wohl nur wieder Teil des Aufziehens, andererseits sollte es einem zu denken geben, daß die anglo-amerikanische Kultur die erste und einzige der Menschheitsgeschichte ist, welche diesen Bereich für das vorbewußte Spiel der Weiber freigibt.

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11. Dezember 2010

Warten auf die nächste Depression

Es scheint, als ob sich mein Gemüt von meinem Verstand entkoppelt hätte, jedenfalls nun schon seit ein paar Tagen. Zum ersten Mal in meinem Leben empfinde ich die Gegenwart nicht als einen stumpfen, zerreibenden Ort, sondern spüre so etwas wie einen süßen Frieden.

Ein etwas ambivalentes Zeichen, vielleicht die Ruhe vor dem Sturm oder das Hochgefühl nach langer Krankheit, bevor man ihr schließlich erliegt, aber vielleicht auch der endgültige Vollzug einer lange ausgestanden habenden Entscheidung. Die Frage ist nur, zu was ich mich entschieden hätte.

Wenigstens sind mir die beiden Alternativen nun intellektuell klar geworden, mein Glück zu versuchen mit dem, was ist oder, was ich alleine tun kann, abzuschließen. So formuliert scheint das Zweite wenig verlockend, aber gerade durch den Abschluß des eigenen Wollens wird es Allgemeingut und dadurch zur geteilten Voraussetzung all dessen, was man vom eigenen Wollen abgerissen hat. Tut man es nicht, bleibt, wie ein Taufspruch sagt, das Samenkorn alleine.

Es ist natürlich ein schlechter Taufspruch, zur Beerdigung wird er auch benutzt - ich frage mich, ob die Pastoren wissen, was sie da tun?, nicht, daß jemand denke, die Anmaßung läge auf meiner Seite, man mache sich es klar, sie sprechen Jesu Worte zur Begründung seines Kreuzestodes zur Beerdigung einer alten Frau, und das heißt nicht, daß sie ein guter Christ gewesen wäre sondern, daß sie wie Christus den heiligen Geist durch ihren Tod über die Welt gebracht hätte.

Intellektuell ist es also ziemlich klar, was ich tun sollte, aber ob mein Gemüt damit einhergeht? Aus unerfindlichen Gründen scheine ich zur Zeit zu glauben, daß schon alles gut gehen wird, was freilich auch zweideutig ist.

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