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31. Oktober 2014

Stationen der Spiritualität

Schicksalhaftigkeit und Wesensgebundenheit des Lebens sind die beiden Aspekte der Anerkennung Gottes, welche ich im vorletzten Beitrag herausgriff.

Sie führen wie gesagt über Bezeugung und Anteilnahme zu Erhörung und Erkenntnis.

Ich sprach auch früher schon von diesen Dingen, dem losgelöst Idealen und seiner schicksalsgemäßen Verkörperung.

Daß liebende Anteilnahme zum Wesen der Dinge führt, kann man dabei als Kern des Platonismus bezeichnen. Indes müssen sich Kinder dafür nicht gesondert anstrengen: Sie lieben und sie nehmen anteil, sie können gar nicht anders, und vieles erkennen sie auch ganz richtig. Nur nicht alles. Und deshalb müssen sie die zweite Phase ihres Lebens daransetzen, die Klüfte ihrer heilen Welt zu ergründen und anschließend nach Kräften zu überbrücken.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Bezeugung ist hingegen eher eine mönchische Disziplin, als solche, tritt aber selbstverständlich bei jeder Überbrückung einer Kluft auf.

Platoniker und Mönche spezialisieren sich also auf die beiden grundlegenden Aufgaben, welche unser Lebenssinn an uns stellt.

So sollte man die Angelegenheit betrachten.

Doch mir scheint, wie gesagt, daß da noch etwas ist: Der Mensch ist nicht rein wesensgebunden. Schicksal fußt auf einer Zeitigkeit, welche mehr als die Summe vergangener Entscheidungen ist.

Der Einzelne folgt einem Geist, und Massen auch.

Und wer dies reflektiert, folgt einem dritten Geist. Er hat bezeugt und anteilgenommen, und nun überblickt er, schaut auf das Ende hin. Und indem er so die Enden sieht, auf welche alles zustrebt, erwächst in ihm die Verpflichtung auf den rechten Weg, sein Herz wird fest in der höchsten Leitung, sein Wesen hört auf, sich selbst Stieg und Hindernis zu sein, der Himmel öffnet sich.

Mir scheint es fromm genug, und was man so anerkennt, ist man selbst als Schöpfung Gottes.

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30. Oktober 2014

Respekt vor Andersgläubigen

Wer an etwas glaubt, vertraut sein Leben dem Weg zu ihm an, indes muß er ihn auch beschreiten.

Und indem er das tut, muß er sein Leben entsprechend gestalten.

Rücksichtnahme auf Andersgläubige kann dabei nicht mehr als der Verzicht auf die Fremde sein, es sei denn, zwei Glauben wiesen einander Rollen auf einem gemeinsamen Weg zu.

Wenige Dinge sind leichter verständlich.

Goethe sprach im Märchen von der grünen Schlange davon, daß die Alte nach der großen Verjüngung frisch und schön Gelegenheit hätte, sich neu zu binden.

Ich muß aber sagen, selten sahen Juden so alt aus wie heute. Schwer zu erklären ist das nicht, aber schwer ganz zu erfassen. Es ist keine Senilität, auch keine Resignation, eher ein stiller Ernst, ein großes Warten. Am Ende einer langen Arbeit, emotional ausgelaugt, etwas bärbeißig.

Nun ja, mit wem verbände sich der neue Glaube auch?

Nicht, daß es überhaupt einer ist, er will nur einer sein, aber dulden wir den Adoleszenten an dieser Stelle.

Von der Fremde hat er genausowenig einen Begriff wie von Rollen. Er ist alles und überall zugleich, denn er ist frei, und genau das bedeutet Freiheit ihm.

Er verpraßt das Vermögen seiner Eltern, ohne die Welt je kennengelernt zu haben.

Ohne zu wissen, daß er glaubt, so lange er noch glaubt, geschweige denn, was.

Und wenn er schließlich erwacht, muß er in einer Welt erwachsen werden, in welcher es keine Erwachsenen mehr gibt.

Voilà, Wagner hat es wohl geahnt.

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28. Oktober 2014

Der Sog

Es gehört gar nicht viel dazu, das größte Glück in der rechten Lebensweise zu erblicken,
weil es einen Teil von einem gibt, dem diese Welt nicht schmeckt, der sich um ganz was andres müht.

Es mag idiotisch scheinen, in der Ahnung dieses Andren Befriedigung zu finden, eine Art debiler Narzißmus,
aber freut es uns nicht auch, daß wir sehen, und erwachsen unsre Gedanken nicht aus unsrer Stimmung?

Jede Weise, auf welche man Gott anerkennt, erweckt im eignen Geist das Nämliche,
Liebe, Gesetzlichkeit und was immer sonst man in der Schöpfung finden mag.

In uns hallt wider, wessem wir uns öffneten, nur was wir einließen, strebt zu seines Gleichem,
der Mensch ist Schöpfer durch Belieben, als finge er Schall, um sein Echo zu werfen.

Tauchet, und ihr werdet finden, und wenn ihr findet, könnt ihr verfolgen, seid konkret!
In der Bezeugung liegt das Versprechen der Erhörung, in der Anteilnahme das der Erkenntnis.

Denn niemand nimmt anteil, ohne zugleich zu erkennen, niemand bezeugt, ohne zugleich erhört zu werden.
Versteht dies nur und beachtet es weiterhin und empfanget die Gaben.

Mein Leben scheint leer geworden, es treibt mich etwas zu ergreifen, mich erneut zu öffnen.

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Nochmals zum Reinreiten

Reinreiten basiert, wie ich im Beitrag Gesellschaftliche Unzulänglichkeiten als erzwungene Haltungen schrieb, auf einer Verdeckung des natürlichen Pflichtgefühls.

Es gibt aber nicht wirklich einen Grund, es so allgemein stehen zu lassen, denn konkret ist es immer dieselbe Verdeckung: Das geht dich nichts an. Kümmere dich um deinen Kram.

Die Folge dieser Prägung ist ein Menschenschlag, welcher im Großen unachtsam und im Kleinen sicherheitsfanatisch ist, denn wenn jemand nicht von Natur aus risikofreudig ist, so wird er ein Sicherungsversäumnis in einem Bereich durch zusätzliche Absicherung in einem anderen kompensieren.

Aber so geht das natürlich nicht. Wer unvorsichtig ist, muß Gott ergeben sein. Nur durch innere Ruhe und Offenheit kommt er aus einer Bredouille, in welche er sich gebracht hat, mit einigermaßen guter Aussicht auch wieder heraus.

Wer aber im Großen unvorsichtig ist, und im Kleinen rigide, der schafft den Sprung zur rechten Zeit nicht, sondern reitet sich durch seine Sicherheitsbemühungen rein: Er hält die Reihen beim Marsch in die Falle geschlossen.

Es ist nicht die Zeit zu schlafen. Böse Spiele können nur gespielt werden, wenn man nicht selbst den Kurs bestimmt. Man muß nicht wissen, wer hinter ihnen steckt, um sie als solche zu erkennen und das zum Anlaß zu nehmen, nicht weiter zu folgen, sondern sich stattdessen selbst Gehör zu verschaffen.

Eilt! Oder wollt ihr wirklich im falschen Zug enden?

Was durftet ihr gestern nicht sagen, was heute und was morgen?

Sagt nicht, ihr merktet nicht, daß etwas Fahrt aufgenommen hat.

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26. Oktober 2014

Sieh hin!

Der Mächtige träumt von dem Erbe, welches er hinterlassen wird,
aber es sind stets die Ohnmächtigen, deren Taten bleiben,
denn was immer einem Ohnmächtigen hilft, hilft auch vielen andern,
während ein Mächtiger auch die prächtigste Vorarbeit verwirft, nur um sein Werk zu sehen.

Der Wissenschaftler weiß nicht - weshalb er forscht und denkt.
So findet er für sich und seine unwissenden Kollegen.
Und gleich ihm im Reich des reinen Wissens, wirst auch Du für dein Leben finden,
was Dir und Deinesgleichen frommt, wenn Du in ihm nur deine Armut kennst.

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25. Oktober 2014

Ein paar Bemerkungen zu den Tarim Mumien

Dem trockenen Klima sei Dank sind die Leichname dieser Menschen so gut erhalten geblieben, daß sie ohne Schwierigkeiten klassifiziert werden können.

Betrachten wir diese Frau.

  • Die Haare scheinen einmal holzig-blond gewesen zu sein, wie es auch heute noch im Nordosten Europas häufig der Fall ist.
  • Das Profil (können Sie selber googeln) ist nordisch / irano-afghanisch, also Stirn, Nase und Kinn mit annähernd derselben Neigung.
  • Die Stirn weist an den Seiten für ebenfalls im Nordosten Europas beheimatete, so genannte ostnordische, Menschen typische Kanten auf, welche, wie die Wangenknochen und die für das nordische Ideal etwas zu große Länge des Gesichts und im Einklang mit der Haarfarbe, nach meiner Einschätzung auf finnischen, oder verwandten, Einschlag hinweisen.
Sie ist übrigens dolichocephalisch, aber das ist nicht weiter wichtig.

Und dann diesen Mann.

  • Haare wie bei der Frau.
  • Das Profil weicht etwas von ihrem ab, die Stirn ist leicht gerundet, die Nase der dinarischen Kombination aus breitem Kopf und langem Gesicht entsprechend gekrümmt.
  • Die typischen Kanten an den Seiten der Stirn sieht man auch bei ihm noch, wenngleich schwächer ausgeprägt. Ich möchte sagen, es handelt sich bei ihm im Großen und Ganzen um einen stereotypen Mischtyp aus nordisch und ostbaltisch.
Zum Vergleich Renars Kaupers.


Der Witz an einer solchen Betrachtung ist selbstverständlich ein hinreichendes Maß an Präzision. Ich möchte auch wieder nicht zu viel sagen, aber das ist doch sicher, daß es sich bei den ehemaligen Bewohnern des Tarimbeckens nicht um einen Menschenschlag handelt, welcher heute keine Verwandten mehr besäße.

Und da weder Archäologen, noch Genetiker diesbezüglich genaueres zu sagen haben, scheint es mir sogar ratsam, auf die Methoden der physischen Anthropologie zurückzugreifen, um etwas mehr über dieses einstige Volk auszusagen.

Ich halte es aufgrund des finnischen, oder verwandten, Einschlags nämlich für unwahrscheinlich, daß es sich bei ihm um eine Abteilung der indogermanischen Pferdenomaden handelt, welche auf der Reise von der Ukraine nach Indien etwas vom Weg abgekommen ist, das heißt, ich glaube nicht, daß das Tian-Shan-Gebirge überschritten wurde, sondern nördlich umgangen.

Wahrscheinlich sind diese Menschen irgendwo zwischen Altai und Baikal nach Süden gezogen. Ich denke auch, daß sich der indogermanische Kulturraum zu keiner Zeit auf die Steppe beschränkte. Die Toten sehen überdies nicht wie Nomaden aus, sondern wie Bauern, ohne daß ich diese Wertung freilich objektiv begründen könnte.

Was die Aufspaltung in Kentum- und Satemsprachen betrifft, scheint die Steppe auch der Ort gewesen zu sein, an welchem letztere geboren wurden. Das Tocharische jedenfalls fügte sich dann als später Ausläufer im Tarimbecken ins gezeichnete Bild.

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24. Oktober 2014

Vom Vorrang Gottes

Spiegel Online porträtiert seit einiger Zeit den Islamischen Staat, Leben, Menschen, Sitten, Ideologie, man könnte fast sagen, daß er viele Lichtjahre von jedem Königshaus entfernt in Galaxien vordringt, die nie eine Illustrierte zuvor gesehen hat.

Zuletzt ein Streitgespräch mit einem Rekrutierer des Islamischen Staats.

Wie wirkte es auf mich?

Ehrlich gesagt hat es mich sehr an meine Schulzeit erinnert, denn Hasnain Kazim bringt es fertigt, die Attitüde der typischen Deutschlehrerin exakt zu treffen: Ihm gegenüber der trotzige Pubertierende, über welchen man natürlich den Kopf schütteln muß, dessen rebellischer Geist andererseits aber auch unzweifelhaft ergötzlich ist, welcher mit einiger Souveränität an die Grundlage des Gesellschaftsvertrags herangeführt wird.

Der Verdacht ist nicht ganz von der Hand zu weisen, daß man die ganze Geschichte beim Spiegel auch gerade deswegen so locker nimmt: Die Diskussion ist sattsam bekannt - und ihr Ausgang auch.

Ich will hier indes nicht weiter auf die Gefahren der Verniedlichung der Wirklichkeit eingehen, welche im vorliegenden Fall aus der völlig unkritischen Übernahme der Vorstellung einer jugendlichen Protestbewegung heraus entstehen: Freilich kann man mit Jugendlichen über alles reden, aber andererseits lassen sich Jugendliche, wie die Geschichte bereits etliche Male bewiesen hat, auch erfolgreich als Axt im Walde einspannen, und dabei kommt es einzig auf die Ziele dessen an, welcher sich ihrer bemächtigt.

Daß diese Art der Porträtierung der Propaganda des Islamischen Staats entgegenwirkt, mag schon sein, allerdings wohl in erster Linie bei Leuten, welche nicht zu seiner Zielgruppe gehören. Hingegen vermute ich ausnahmsweise mal keine sinistren Motive beim Spiegel, sondern wie schon erwähnt Leichtfertigtkeit.

Denn, um mich hiermit dem Thema dieses Beitrags zu nähern, der Spiegel sieht den Islamischen Staat offenbar durch die Linse der moralischen Befreiung, also des Zurückweichens der Sorge vor der Lust.

Und damit hat er auf gewisse Weise natürlich auch Recht, denn die Annahme stimmt, daß der Islamische Staat, unabhängig davon, was der einzelne Anhänger auch denken und fühlen mag, insgesamt zwangsläufig zu einer Entwurzelung der Umma beiträgt.

Allerdings, was das weitere angeht, daß nach der Loslösung von der Tradition zwangsläufig der Vorrang der individuellen Wünsche heraufzieht, da, denke ich, irrt sich der Spiegel.

Dieser Vorrang setzt nämlich voraus, daß die Gemeinschaft in ihrer individuellen Fokussiertheit eine heilsgeschichtlich relevante Phase erblickt.

Diese Dinge sind untrennbar mit einander verbunden. Der Glaube will gefunden werden, dann in eine Gesellschaftsform übersetzt und schließlich persönlich gelebt.

Das ist immer so, aber dabei ist der private Glaube vom gemeinschaftlichen zu unterscheiden. Der private interessiert hier nicht weiter, und was den gemeinschaftlichen angeht, so macht es einen sehr großen Unterschied, ob er auf Entdeckung zielt oder auf Schlichtung, ich verweise dazu auf Gemeinschaftsstiftende Erzählungen.

Der Glaube, welcher das Reich Gottes entdecken will, meint irgendwann, die zu ihm gehörenden Institutionen gefunden zu haben, und drängt fortan in die Verbesserung des Verhältnisses des Einzelnen zur Welt, heute also längeres Leben, weniger Arbeit und so weiter.

Das ist zwangsläufig so, wiewohl die spezielle Vorstellung des Paradieses nicht feststeht. Aber was durchaus feststeht, ist daß das Paradies nicht an einem Tag erbaut werden kann. Und daraus ergibt sich die heilsgeschichtliche Relevanz der auf das Individuelle fokussierten Phase.

Wo hingegen der gemeinschaftliche Glaube auf die Schlichtung von Gegensätzen verschiedener Gelüste abzielt, steht die persönliche Entwicklung im Vordergrund, während die Gesellschaft gerade zu dem Grad gedeiht, zu welchem ihre Mitglieder ihren Glauben erfolgreich persönlich entwickeln.

Um das vielleicht etwas prägnanter zu sagen: Ein Moslem arbeitet nicht auf das Paradies hin, wenn er etwas paradiesisches sieht, nimmt er es sich einfach. Und weil das so ist, bedeutet das Zurückweichen der Sorge vor der Lust immer Plünderung, Verarmung, Sorgen für die Umma.

In dem Zusammenhang möchte ich hier auch noch auf den Beitrag Zeit und Klima verweisen. Wir befinden uns gerade im Herbst, der Zeit der Ernte, welchen es im arabischen Raum gar nicht gibt. Da gibt es nur Regen und Dürre.

Man verzeihe die Weitschweifigkeit, aber es nunmal leicht, mit knappen Worten scheinbare Gewißheiten wachzukitzeln, deren Zurechtweisung einen weiteren Horizont erfordert.

Die Behauptung, daß der Einzelne das Recht habe, seine eigenen Wünsche in den Mittelpunkt zu stellen, ist also bedingt richtig. Wenn der Glaube auf die Entdeckung des Himmelreiches zielt und gesamtgesellschaftlich die persönliche Phase erreicht hat, dann entspricht es Gottes Willen, daß der Teufel, wie es heißt, für eine kleine Weile loskommt.

In den übrigen Phasen desselben Glaubens entspricht es Gottes Willen nicht. Und was die übrigen Glauben angeht, dem Glauben an die Schlichtung zwischen gegensätzlichen Gelüsten entspricht es nie und dem Glauben an den Zwang des himmlischen Gesetzes auch nur zu bestimmten Zeiten, Dschingis Khan etc., wiewohl es in dem Falle kein allgemeines Menschenrecht ist, sondern das Recht einzelner Erwählter.

Man soll sich also nicht irren, nichts geschieht auf der Welt, welches Gott nicht so bestimmt hat, und weil er für Verschiedene Verschiedenes bestimmt hat, kann es zu Konflikten kommen, wenn den Betroffenen nicht Gottes persönliche Führung dabei bewußt ist. Ist sie es ihnen aber, werden sie sich nicht in jene verstricken.

Es führt zu weit, dies im Einzelnen auszuführen, aber es stimmt, denn was Gott bestimmt, ist alleine dadurch für den angemessen, für welchen er es bestimmt hat, und menschliche Eitelkeit allein führt auf Abwege.

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21. Oktober 2014

Zum Problem der Kanonisierung eines Glaubens

Der Protestantismus ist letztlich, wenn wir dieses Wort einmal ganz generös verstehen, die zwangsläufige Zurückweisung einer spirituell nicht bindenden Christianisierung.

So wie sich Rom selbst versteht und verstanden hat, hat es zu keinem Zeitpunkt das Christentum gegenüber den späteren protestantischen Völkern verkörpert.

Ihre Christianisierung war aus Roms Sicht nie mehr als der Schutz der ihm bereits zuvor anvertrauten Christen.

Daraus ergibt sich allerdings für diese Völker ein sehr merkwürdiges Phänomen: Das Christentum wird in der Breite der Gesellschaft akzeptiert, hat aber keinen Stamm, mit welchem es sich verbindet.

Man kann diesen Umstand in verschiedene Richtungen ausleuchten, hier interessiert mich das Nächstliegende, nämlich die prinzipielle Unfähigkeit zur Kanonisierung.

Eine Kanonisierung kann nur durch anerkannte Vorbildlichkeit zu Stande kommen, hier im speziellen durch anerkannte spirituelle Vorbildlichkeit.

Offensichtlich ist das nichts, was zu lehren wäre, die Herzen eines Menschenschlages bestimmen, welche Vorbilder er anerkennt.

Damit verhalte es sich also, wie es sich mit ihm verhalte, ich selbst habe aus meinen Vorbildern ja keinen Hehl gemacht (etwa Schopenhauer und Tarkowski), und ich denke, jeder, welcher sich ernsthaft auf die Reise begibt, wird sich ernstlich auf andere beziehen, um seinen eigenen Weg zu finden.

Nur den Weg zur gesellschaftlichen Normalität, daß eine Gemeinschaft ein Zentrum besitzt, welches ihren Glauben konkretisiert, gilt es noch zurückzulegen. Die Zeit ist lange vergangen, in welcher es die gesellschaftlichen Grundregeln formte, welche uns zum größten Teil heute noch leiten. Lange ist's her, daß es zerschlagen ward und durch nichts ersetzt.

Und ein Bemühen, ihren heutigen Glauben, welcher fühlbar im Raum steht, zu konkretisieren, findet man bei allen diesen Völkern. Nur daß es im falschen Geist geschieht, nämlich im Geist einer Bestandsaufnahme, üblicherweise von Teenagern unternommen.

Aber das ist ganz falsch. Es geht nicht um die akquirierten Gewißheiten, welche es zu vergegenwärtigen und zu ordnen gälte. Es geht um das, wem man vertraut, einen in die Zukunft zu führen.

Spirituelle Vorbildlichkeit ist immer ein Türen Aufstoßen.

Und selbst wenn sich Schopenhauer, beispielsweise, ganz anders gesehen hat, hat er doch gestanden, sich von seinen Gedanken auf seinem Weg hat leiten zu lassen, mit anderen Worten also sich in Räume begeben zu haben, deren Türen sie aufgestoßen haben.

Und deshalb ist er wenigstens ein mögliches spirituelles Vorbild.

Das ist das entscheidende Kriterium, ob jemand im Vertrauen auf die Inspiration gelebt hat. Das Weitere ist dann wie gesagt Geschmackssache.

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Scarface (1983)

Many a film has its forte and in Scarface's case it's its claim to truth, classical, all ways barred, everyone falling into the same trap, thinking that once life could be cheated, but all angles have already been figured out, in this case by Oliver Stone.

He's not the only one, who has the banks holding all the strands in their hands, António Lobo Antunes has used that same moment of clarity in his Inquisitors' Manual, a novel that by all its differences is very similar in composition to Scarface.

But while we're seeing there a failed general of the Salazar regime depicted, here it's the story of Antonio Montana, a Cuban peasant stamped by a streak of cruelty making it to drug lord in the United States.

Fidel Castro opens the ouverture by making a point of systemic relevance: No los queremos, no los necesita.

Spat out by the socialistic harvesters of good will, Tony arrives in Miami, where he is however immediately detained, until he proves his worth as a hitman.

He will fall over his need to fancy himself noble, his friend Manolo over his reliance on charm, his boss over the idea that he could get a free lunch, if he's only sufficiently circumspect and his sister over trying to be family with her mother and brother.

And it's all true.

The world is all yours, but you have to follow the rules.

Take, what you want, but pay the price.

Only that's not, what anybody wants. The world should love us, shouldn't it?, by overlooking our shortcomings. And if only one time, we want that reassurance that our folly is being accepted. And if it isn't, where does that leave us?

We find ourselves asking for what world we were originally meant with our mistakes.

I do not allow for mistakes. Just like this world. And still - I always shed some tears, when I see this film. This is after all the place I'll be buried at. I may think that everything would be fine, if man wouldn't fool himself in the first place, but there's little room for hope for that ever to happen. Hope lies entirely in the containment of folly, in a mixture of preventing harm and letting the fool grasp early enough.

And who in this world would be above this?

Who could say that he's enjoying the world crushing the ill-conceived?

It's not the same as saying that the ill-conceived should be crushed.

God, it's disturbing that such films are being made. Has nobody eyes to see, ears to hear and a heart to feel? How else could they not set the standard?

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19. Oktober 2014

Faschismus im Spannungsfeld zwischen sozialer und persönlicher Glaubensgestaltung

Mit Blick auf die Medien läßt sich folgendes sagen. Selbstverständlich gibt es ein Interesse der Öffentlichkeit daran, über die Geschehnisse in der Welt informiert zu werden, auf dem Laufenden gehalten. Zugleich gibt es aber auch ein Interesse, als Staatsvolk zu gestalten.

Es liegt auf der Hand, daß sich dieses letztere Interesse aus dem Mangel an individueller Gestaltungsmöglichkeit ergibt, kompensativ ist.

Der Einzelne fügt sich ein, erhöht dadurch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gesellschaft, der so gewonnene Wohlstand fließt zu einem Teil in persönliche Annehmlichkeiten und Statusgüter und zum anderen in die Staatskasse zur Finanzierung von staatlichen Investitionen; jedenfalls soweit es den Durchschnittsbürger betrifft. Und selbst, wo der Einzelne selbst investiert, handelt es sich fast nie um gestalterische Projekte, sondern fast ausschließlich um Instandhaltungsaufwendungen.

Es ist also begreiflich, daß es unter einer solchen Verfaßtheit der Dinge ein aufgestautes Reservoir an Gestaltungswünschen gibt, welches sich aber nicht mehr auf natürliche Weise entleeren kann, weil die zu ihm beigetragen habenden Einzelnen in ihrer Masse unfähig sind, sich ihren Interessen gemäß zu organisieren.

Also wird diese Organisation für sie übernommen, ebenso wie die Postulierung ihres Interesses.

Dieses ist, da kann man sich ziemlich sicher sein, kein altes Phänomen. Bis zum Anbruch der Industrialisierung reichte der zusammengetragene Reichtum eines Staats gerade einmal für die Finanzierung des Hofzeremonials. Und wenn ein König einmal einen Preis für eine technische Errungenschaft ausschrieb, war das schon wert, in den Annalen festgehalten zu werden.

Der Großteil der gestalterischen Kraft der Menschen verblieb damals auf dem eigenen Gehöft oder in den Zierden des Handwerks. Die Schönheit historischer Stadtkerne legt noch heute Zeugnis davon ab.

Man kann Schönheit nicht kaufen. Schönheit ergibt sich aus der Einsicht der Grade der Freiheit des Zweckmäßigen. Sie ist immer das Resultat einer Anpassung an Beständiges. Mithin ganz unmittelbar eine Funktion der eigenen Lebensweise.

Freilich, einzelne schöne Gebäude gibt es auch heute noch: Hier spiegelt sich die jeweilige Phase des Glaubenszykels wider, die soziale und die persönliche.

Nun, das Problem, vor welchem wir hier stehen, besteht in der Tat nur, weil es noch genügend viele Menschen gibt, welche sich sozial ausdrücken wollen, also nicht in ihrem persönlichen Ausdruck aufgehen. Denn täten sie es, so nutzten sie die heutigen Möglichkeiten für persönliche Projekte, was sie hingegen kaum machen. Denn sie gelten ihnen nichts.

Wir haben die heutige Phase des Glaubenszykels nicht gewollt - sie wurde verordnet.

Aber damit geht das Problem der Eigengestalterischkeit von Staaten einher, welche ersichtlicherweise! unter keinen Umständen in günstige Umstände mündet.

Alleine schon der mediale Apparat, welcher durch selektive Geschichtserzählung die postulierten Interessen der Gesellschaft formt. Wo jeder auftreten darf, dessen Botschaft das festgelegte Ziel stützt.

Und dann der Unsinn dieser Ziele, welche den Menschen desto weniger genügen, desto näher sie ihnen kommen, es auch nicht anders sein kann, da sich ihr Wille, sich an das Beständige auf schöne Weise anzuschmiegen, nicht in ihnen ausdrückt: Das Versprechen haben sie gerne angenommen, aber ein andres ist's, sich über das Geschenk zu freuen, wenn es vor einem steht.

Wir müssen uns befreien. Dafür sorgen, daß um uns herum wieder beständige soziale Beziehungen bestehen, damit ein sozialer Anpassungsprozeß wieder stattfinden kann. Wir müssen lernen, die gestalterischen Möglichkeiten, welche uns die Technik beschert, gemeinsam im natürlich überschaubaren Rahmen zu nutzen.

Nun ja, wir müßten das. Sorum läuft es nicht: Defizite werden nicht dadurch aufgehoben, daß man herausstellt, was fehlt. Und doch, wer diese Defizite sieht, der sieht sie nicht nur, sondern er weiß zugleich, woran sein Leben hängt. Und das genügt allerdings, um sie schließlich aufzuheben: Wer weiß, was sein Herz von ihm fordert, setzt sich nicht ins Unrecht, wenn er es fordert. Zeit, mit den Schafen auf eine neue Weide zu ziehen.

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17. Oktober 2014

Der Herbst

Die Luft im Schlafzimmer trockener und kühler,
das Herz erwartungsvoll gestimmt,
ging ich vor die Türe,
das Licht nicht zu verpassen,
wie es den Blätterregen durchschwimmt.

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16. Oktober 2014

Die Sache mit dem Teufel

Nach der Einstimmung heute Nacht (übrigens, Sure 24, Vers 23...) äußere ich mich an dieser Stelle einmal umfassender zu einem Thema, welches letztlich nur zum Kopfschütteln ist, gleich auf welche der verbreiteteren Meinungen man trifft.

Nichts ist dämlicher, als zu glauben, daß zum Bösen bereite Menschen jemals sicher sein könnten, unter sich zu sein.

Jede noch so verruchte Tat ist unter geeigneten Umständen auch in den Augen des Guten gerechtfertigt.

Was nützen also entsprechende Aufnahmerituale gegen Infiltration?

Was ist schwieriger?
  • Für einen Mafiakiller Latein zu lernen, um die Kirche zu infiltrieren oder
  • für einen Priester einen Unschuldigen zu erschießen, um die Mafia zu infiltrieren?
Wollte eine Gesellschaft wirklich unter sich sein, sie nähme nur Mitglieder auf, welche wie Mozart komponieren können.

Natürlich muß die Kirche die Mafia nicht infiltrieren, sie ist ja dank Beichte eh informiert, aber sie könnte es.

Übrigens spiegelt das frühe sowjetische Kino diesen Sachverhalt wider: Arbeiter töten Bourgeois im Vorbeigehen dem Anschein nach. Wird schon stimmen. Auch Rassenhaß wird auf dieser Grundlage gelehrt. Das Prinzip dabei ist das Vertrauen auf den Zufallstreffer in Angelegenheiten, von welchen die Ausführenden nichts wissen können, weil man sich der einfach gestrickten Masse bedient.

Der Teufel kann also nicht auf Insiderwissen setzen und ist damit notwendigerweise auf den Betrug der Masse angewiesen, wenn er politisch etwas bewirken will.

Aber schon diese Prämisse ist irre. Der Teufel interessiert sich nicht für Politik. Natürlich mag ein einzelner Politiker dem Bösen verfallen, aber es besteht nicht der geringste Zweifel daran, daß ein systematisch angestrebtes gesellschaftliches Klima der Versuchung nicht den Bemühungen des Teufels entspringt, sondern den Bemühungen einer Gruppe von Menschen, welche dieses Klima aus Gottergebenheit heraus suchen.

Wofür sie freilich ihre Gründe haben müssen.

Freilich, einen Einwand muß man hier akzeptieren, nämlich den, daß es sich durchaus um eine Gruppe von Pädophilen handeln könnte. Dieser Sonderfall entspringt dem Umstand verbotener Liebe. Ich vermute, daß die Kirche ihn im Griff hat, und möchte ihn an dieser Stelle nicht weiter ausbreiten.

Wir sehen also aller Wahrscheinlichkeit nach ein ausgedehntes Stück Theater, welches von den Irrwegen der Menschen in der Wüste Sinai handelt. Dahinter stehen meines Erachtens zwei Gedanken.
  1. Jeder muß seine Flausen selbst ablegen.
  2. Menschen haben grundsätzlich einen Anspruch darauf, an einer gesellschaftlichen Wiedergeburt des Heiligen teilzunehmen.
Die beiden kanonischen Einwände sind:
  1. Kein Grund jemandem Flausen in den Kopf zu setzen.
  2. Nur in sofern, wie sich ihre Vorstellungen des Heiligen decken.
Es gibt eine Einheit aller Christen, nur ist sie rein prinzipiell, die sozialen Aspekte haben sich vor mehreren Jahrhunderten von einander geschieden. Was ist der Lage also angemessen?

Nun, wahrscheinlich die Wiederholung: ein Rabbi, mehrere Apostel.

Soviel zum gegenwärtigen Wirken des Teufels im aktuellen Theaterstück.

Vielleicht, bevor ich mich mit dem Wesen des Bösen und der Weise, ihm zu verfallen, auseinandersetze, eine kleine Betrachtung zur Fähigkeit, Theaterstücke aufzuführen, deren Dauer sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt.

Dazu ist folgendes nötig und hinreichend. Es bedarf einer Gemeinschaft, welche
  1. über Jahrhunderte hinweg existiert,
  2. über Jahrhunderte hinweg ihr Urteil nicht ändert.
Es ist der zweite Punkt, welcher das Wesen so einer Gemeinschaft näher bestimmt. Es muß sich um einen Orden handeln, welcher sich dem Studium des ewig Wahren verschrieben hat.

Nun aber zurück zum Thema. Nur weil der Teufel eine Figur im Kasperletheater ist, heißt es natürlich nicht, daß es ihn nicht - auf irgendeine Weise - gibt, Krokodile gibt es schließlich auch.

Aber ich habe schon gesagt, daß keine Tat unabhängig von ihrem Wirkungszusammenhang falsch genannt werden kann, womit das Böse zwangsläufig, wenn auch etwas verharmlosend, das Unangemessene ist.

Verharmlosend deshalb, weil nicht alles unangemessene böse ist, und doch ergibt sich aus dieser Gegenüberstellung ein Erkenntnisgewinn, wenn man nämlich danach fragt, warum es einen manchmal dazu drängt, sich unangemessen zu verhalten.

Damit verhält es sich nämlich unzweifelhaft so, daß man eine Situation schwer erträglich findet, mit anderen Worten also Schwierigkeiten damit hat, dem in ihr immernoch so gerade eben Angemessenem zu folgen, statt mit ihm grundsätzlich zu brechen, und sich nach seinem Verständnis böse zu verhalten, indem man einem gerade so eben noch nicht Angemessenem folgt, und sich durch das harmlos Unangemessene dieser inneren Spannung entledigt.

Aber einige machen auch den Schritt zum ernstlich Unangemessenen. Sie verrücken ihren Standpunkt im Leben, und je nachdem, wie sehr sie sich das Angemessene dabei zurecht biegen, verfallen sie dem Bösen, wobei Angemessenes und Unangemessenes gleichermaßen einen Sog entwickeln, wenn sie das eigene Leben voranzubringen scheinen.

Unterscheiden tun sie sich subjektiv gesehen in erster Linie dadurch, daß stets sehr Vieles unangemessen ist, und nur Weniges, wenn überhaupt etwas, angemessen, woraus sich für den vorwärtsstrebenden Geist eine stete Versuchung ergibt, es mit dem Unangemessenen zu versuchen. Das Angemessene hält indes die besten Karten für die Zukunft in der Hand und spendet den sanften Trost des Guten.

Es ist völlig unangemessen, diese Dinge selbst wieder zu moralisieren, denn das heißt zu fragen, ob das Unangemessene angemessen oder unangemessen sei. Freilich, die Existenz des Unangemessenen zeigt sich so als angemessen, da anders ein Übergang von einem Angemessenen zu einem anderen nicht stattfinden könnte. Konkret bleibt das Unangemessene aber stets unangemessen, wenn auch manchmal nur um Haares Breite.

Nun, um noch einmal zum aktuellen Theaterstück zurückzukehren, die Öffnung der Schleusen für jede Art der Unangemessenheit kann auch nicht in einem konkreten Sinne angemessen genannt werden, soll heißen, daß es keine vorgegebene Ordnung gibt, deren Errichtung sie rechtfertigen würde, und jeder, der die Hoffnung auf die Errichtung einer konkreten Ordnung an sie knüpft, hat seinen Platz im Leben verrückt.

Nur falls jemand in ihr den einzigen Ausweg aus einer unerträglichen Lage sähe, ohne zu wissen, wohin er führt, kann er gerechtfertigt sein. Es ist allerdings sehr zweifelhaft, ob sie auch nur einer so sieht. Hingegen, wer betrügen will, ist schon betrogen.

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John Lennon

Was denkt ihr eigentlich alle, was ihr wollt?
Und selbst?

Was steckt hinter der vordergründigen Sammelleidenschaft?

Als ob es um eine Galerie gleich welcher Art ginge!

Versicherung des eigenen Selbstbildes?

Dazu fehlt der Glaube.

Aber eine Suche ist es auch nicht.

Was bleibt dann?

Wut - n'est-ce pas?

Gefährliche Wasser.

Es verwundert nicht, daß die Jugend daran Gefallen fand. Wie vielen Leuten wollte man schon immer mal sagen, was man von ihnen hält!

Aber der Witz geht ja gar nicht auf Kosten der Alten alleine.

Wie bei Hitler: Ein grenzenloses Bedürfnis, die eigenen Träume auf eine zynische Person zu projizieren, welcher das auch noch gefällt - wenn auch aus anderen Gründen -, kein Mißverständnis zu scheuen, gleich wie unwahrscheinlich es ist, und als Lohn dafür ein Everything is proceeding as I have foreseen. einzustreichen.

Oder?

Living is easy with eyes closed, misunderstanding all you see.



Fragt sich wohl auch nicht, welcher Baum gemeint ist.

Aber die Frage lugt da mal einen kurzen Augenblick auf Nothing is real, a.k.a. What is?

Das Schlimme am Selbstmitleid ist ja, daß man sich darin einrichtet und auch dann nicht aus ihm heraustritt, wenn einem die Tür gewiesen wird. Letzten Endes ein Mangel an Demut vor dem, was man erst noch werden muß, übrigens ein verbreiteter Fluch, nämlich aller Talentierten. Und umgekehrt ist ein gänzlicher Mangel an Talent die sicherste Grundlage für persönliches Wachstum, wenn man es denn nur ergreifen mag.

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13. Oktober 2014

Die Schicksalvorhersage für morgen

Scheu, unsicher, und gerade deshalb der Aufgabe gewachsen.
Denn nicht mehr und nicht weniger braucht es, als sie zu erfassen.

Lustig, gütig, bei sich selbst und damit zu Frieden.
Der Traum wird bald von der Wirklichkeit geschieden.

Desillusioniert, unwirsch, den Streit zur eignen Bereicherung suchend.
Gedemütigt vorgestellt der Verständigung Tugend.

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11. Oktober 2014

Jenseitigkeit

Ich habe mich die letzten beiden Tage mit menschlichen Eindrücken von Jenseitigkeit beschäftigt. Es gibt dabei verschiedene Dimensionen, über welchen diese Eindrücke zerfallen, und zwei von ihnen möchte ich hier besprechen.

Beginnen wir mit mir selbst und meinen Eindrücken. Diese zerfallen nur in einer Dimension, nämlich nach ihrem Entwicklungsstadium.

Meine jungen Eindrücke. Wann immer ich in einer Umgebung bin, zu welcher ich keine Beziehung habe, kommt in mir die Gewißheit auf, daß die Welt aus meinem Geist geboren werden könnte, wenn es denn wirklich so wäre, daß sie in keiner Beziehung zu mir stünde. Es ist die innere Gewißheit, daß der Geist die Leere füllen kann. Und dies reflektierend, wünsch' ich mir manches Mal wohl fast, daß solche Beziehungen tatsächlich nicht bestünden, damit sich diese Ausfüllung ungestört vollziehen könnte. Aber dieser mir vorschwebende Wunsch ist eigentlich nur eine Erinnerung an die grundlegende Wahrheit der Ursprünglichkeit des Geistes, welche sich freilich jedem erst einmal beweisen muß, bevor er sie ins Auge fast und weiterverfolgt.

Meine reifen Eindrücke. Kennzeichen der jungen Eindrücke ist ihre Unbestimmtheit und die damit einhergehenden Fragen, sowie die Bereitschaft zu Taten, um Antworten auf sie zu finden, und sei es durch eigenes Leid. Die reifen Eindrücke sind bestimmt, aber formlos, der Geist ist er selbst, ohne einen bestimmten Gedanken zu ergreifen, die Welt entfaltet sich aus seinem Grundton, wobei dieser Grundton auch Grundton der Entfaltung der Welt genannt werden kann, welchen der Geist finden muß. Die Inder sehen folgende Übung zur Besinnung auf diese Eindrücke vor: Die Beine im Lotussitz verschränken, die Hände gegen einander pressen, wobei nur die Ringfinger senkrecht abzuspreizen und gegen einander zu pressen sind, während die übrigen Finger verschränkt die jeweils andere Hand umspannen, die Zunge gegen das Gaumendach legen und ng anstimmen und sich vorstellen, daß die Haut auf der obersten Stelle des Schädels leicht zu kribbeln beginnt. Die Öffnung des so genannten Kronenchakras. Der Witz dabei besteht natürlich darin, Arme, Beine und Zunge zu verknoten, um die charakteristische Abgeschlossenheit der geistigen Entwicklung auf die Probe zu stellen.

Was alle diese Eindrücke gemein haben ist ein entschiedenes Nicht-in-der-Welt-sein und damit zugleich ein Vertrauen auf die Welt an sich: Es ist eben gar nicht nötig, sie in eine passende Form zu bringen, sie schmiegt sich vielmehr an einen selbst.

Beispiel aus meinem Privatleben: Ich hatte eine Nische gebaut, um Mehl zu lagern. Dieses Jahr ging das Mehl zur Neige, aber dank einem Bienenschwarm wurde die Nische wieder mit Honig aufgefüllt.

Wenn das Gegenteil vorliegt, also wenn alles in der Welt nur durch einen selbst Sein und Wert hat, wenn man also denkt: Was wird aus all dem, wenn es mich nicht mehr gibt?, entsteht ein gänzlich anderer Eindruck von Jenseitigkeit, nämlich die Vorstellung einer jenseitigen Fortsetzung.

Der ist mir völlig fremd. Ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, in ein Paradies überzugehen: Gott ist hier, wenn auch auf der anderen Seite des Geistes, er schüttet aus, um was wir ihn gemäß unserem Menschsein selbst bitten können.

Aber ich verstehe schon, daß diejenigen, welche sich mit Macht in die Welt werfen, um sie durch ihr Menschsein zu bereichern, höhere Hoffnungen in ihre Werke setzen als in es selbst. Es geht dabei nicht um die Frage der Vergeudung von Talenten, sondern um die Frage nach ihrem Ertrag für einen selbst, welche auf diese Weise vermieden wird. Geben ist seliger denn nehmen: daraus spricht auch eine gewisse Scheu, seinen Lohn zu erfahren.

Das macht diese Entscheidung aber nicht falsch. Vielmehr muß man in der Vorstellung der jenseitigen Fortsetzung eine Hilfestellung für untertänige Geister sehen. Es ist auch keine Frage des Betrugs, sondern eine des Sonnenschutzes.

Aber bleibt die Entscheidung auch weiterhin in menschliches Belieben gestellt? Wenn das Zeitalter der Werke zu einem Ende kommt, welcher Platz bleibt dann für die Bereicherung der Welt?

Keiner. In dem Sinne gibt es in der Tat ein jüngstes Gericht, einen letzten Erweis des Wertes aller Werke. Und der wird vernichtend ausfallen.

Nun, was ich im letzten Beitrag über den gestimmt-leistungserwartenden Alltag sagte, gilt so nur für dieses Zeitalter, es ist nicht schwer, sich das Zusammenspiel dieser beiden Ausrichtungen der Seele im nächsten vorzustellen: In jedem Zeitalter treiben sie konsequent die Entwicklung voran.

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10. Oktober 2014

Die vier menschlichen Geister im Alltag

Ich möchte mich nach neuerlicher Beschäftigung mit dem Thema noch einmal aktualisierend zu ihm äußern, zur bisherigen Aufbereitung siehe Die vier menschlichen Geister auf der Straße.

Jeder Geist hat einen Wesenskern, welcher seine ureigenste Tugend ausmacht, und zugleich seine spezifische Weise, von dieser Tugend Urlaub zu nehmen.

Das gilt für Männer und Frauen, vererben tut sich dieser Wesenskern aber nur vom Vater her. Indes bilden die Wesenskerne von Mann und Frau in einer Beziehung Synthesen, welche ihren Alltag wesentlich gestalten.

Betrachten wir zunächst wieder Wesenskern samt Gegenpol.
  • Erregte sind angespannt durchsetzungsfähig und entspannt freigebig.
  • Leistungserwartende sind angespannt aufmerksam und entspannt ignorant.
  • Umgangserwartende sind angespannt zuversichtlich und entspannt mürrisch.
  • Gestimmte sind angespannt unerbittlich und entspannt albern.
An dieser Stelle möchte ich nur die drei Verbindungen eines gestimmten mit einem anderen Geist betrachten, weil mir nur diese alltäglich nachvollziehbar sind. Auch ist zu bedenken, daß es sich bei der tibeto-japanischen Kultur um einen dritten Typus Erwartender handelt.

Jede dieser Verbindungen bringt einen objektiven Nutzen mit sich, subjektiv stellen sie sich hingegen durchaus unterschiedlich dar.

Erregt-gestimmt. Diese Verbindung hat subjektiv gesehen einen auslöschenden Charakter. So wendet sich die Unerbittlichkeit gegen die Exzesse der Durchsetzungsfähigkeit und die Durchsetzungsfähigkeit gegen die Exzesse der Unerbittlichkeit. Albernheit und Freigebigkeit mögen ein paar schöne Stunden mit einander verbringen, aber beide müssen die Anspannung des andern fürchten und stellen ihm aus Trotz umgekehrt auch gerne mal ein Bein.

Der Einzelne nimmt diese Verbindung also als Beschränkung wahr, für welche er durch Stabilität und ein paar Nettigkeiten entlohnt wird. Es ist wahrlich nichts, was mich verlocken könnte.

Leistungserwartend-gestimmt. Diese Verbindung ist subjektiv gesehen eine Erweiterung, Unerbittlichkeit und Aufmerksamkeit werden jeweils um einander erweitert, was hingegen die Last der Anspannung erhöht. Dies ist von praktischem Nutzen, wird aber durch eine gehetzte Grundstimmung bezahlt. Hinzu kommt, daß die Unerbittlichkeit die Ignoranz nicht ausstehen kann und die Aufmerksamkeit die Albernheit nicht, so daß die beiden Anspannungen auf die Einschränkung der anderen Entspannung hinwirken, etwas, was in der vorigen Verbindung so nicht vorlag. Die gegenseitige Entspanntheit ist hingegen auch hier angenehm.

Für den Einzelnen bedeutet diese Verbindung eine persönliche Erhöhung, damit zugleich aber auch eine existentielle Isolation: Je mehr man die Welt trägt, desto weniger trägt sie einen. Ich fürchte das Feuer nicht, zweifellos verlangt ein Teil von mir nach ihm, aber ihm fortwährend ausgesetzt sein möchte ich nicht. Diese Dinge einzusehen, ist nicht einfach, die Stürme, welche die Menschen im Innern bewegen, bleiben meistens gut verborgen.

Umgangserwartend-gestimmt. Diese Verbindung ist subjektiv gesehen eine Ergänzung, die Unerbittlichkeit stützt die Zuversicht und die Zuversicht die Unerbittlichkeit. Hier ist es also so, daß die gegenseitige Anspannung angenehm ist, und wie bei der vorigen Verbindung wirken die beiden Anspannungen darauf hin, die andere Entspannung einzuschränken. Gegenseitige Entspannung ist hier hingegen ausgesprochen unangenehm und hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack.

Für den einzelnen bedeutet diese Verbindung eine Gnade, kann aber auch dazu führen, daß sie die Lebenskraft der Verbundenen vollständig durch den Versuch, das konstante Glück zu erlangen, absorbiert.

Ich denke, es macht keinen Sinn, unter Gottes Einrichtungen ein wertendes Fazit zu ziehen. Es genügt, sein Verhältnis zur Mitwelt zu kennen.

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9. Oktober 2014

Typisch deutsch?

Die Art und Weise, wie André Marx Victor Hugenay in Feuermond abserviert hat, nur damit Kari Erlhoff in Straßen des Grauens wieder Ersatz für ihn schaffen mußte, hat für mich etwas typisch deutsches.

Aber was?

Halten wir fest:
  • im Schatten des Vaters,
  • um die Gunst einer Frau buhlend,
  • Verbrecherwürde,
  • ausgeliefert, daß alles seine Ordnung habe,
letzteres als Auflösung der bis dahin von ihm ausgehenden Versuchung, sein verruchtes Verbrecherleben zu teilen.

Eine Versuchung, ohne welche die drei Fragezeichen scheinbar nicht auskommen, weshalb Kari Erlhoff eben ganz tief in die Kloschüssel greifen mußte, um dort, man höre und staune, Moriarty höchstpersönlich herauszuziehen.

Ich male mir bereits aus, welcher tragische Kindheitsunfall ihn in den Rollstuhl und auf die schiefe Bahn gebracht hat.

Aber das ist nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern, man glaubt es kaum, auch ziemlich beliebt. Irgendetwas resoniert da.

Wenn ich lese: Feuermond ist meine Lieblingsfolge!, denke ich: 19, weiblich, fett!, wohingegen es
Frau Erlhoff zelebriert, Peter Shaw in Stripclubs zu schleifen, was ich allerdings nach all den Homowitzen, welche er schon über sich ergehen lassen mußte, ausdrücklich begrüße: Es wird in der Tat allerhöchste Zeit.

Je nun, wir Deutschen sind sicherlich nicht alle 19, weiblich und fett, aber geistig, auf eine bestimmte Art, sind wir es vielleicht schon: Wenn etwas anderes für uns eh nicht in Frage kommt, dann soll ruhig alles seine Ordnung haben, wiewohl wir uns das in dieser Form ungern eingestehen.

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Theater

Um ein Theaterstück aufzuführen,
braucht es mehr als einen Akteur.
Selbst im Kasperletheater.

Der Sinn politischer Theateraufführungen besteht darin, eine zugleich greif- als auch kontrollierbare Handlung zu vermitteln. Dabei müssen nicht alle Akteure bewußt mitspielen, es genügt, wenn die Berichterstattung über ihre Taten dem Drehbuch entspricht.

Allerdings verursacht letzteres durchaus Schwierigkeiten, ähnlich wie beim Wetter lassen sich auch die Taten fremder politischer Kräfte nur unter dem Einfluß der gegenwärtig herrschenden Lage vorhersagen, so daß eine derartige Aufführung langfristig als solche erkannt werden wird.

In früheren Zeiten bestand noch die Möglichkeit, sich als Schutzherr gegen alle feindliche Unbill zu inszenieren, aber unser Leben ist behüteter, abgesicherter, und so haftet allen monumentalen Selbstinszenierungen der Moderne von Beginn der Verwesungsgeruch an.

Freilich, je unspektakulärer die Inszenierung, desto länger ihre natürliche Lebensdauer, und die Erhöhung des Lebensstandards der Bevölkerung ist ein sehr genügsames Drehbuch. Andererseits darf ein Drehbuch aber auch nicht zu genügsam sein, etwa das der Verteidigung des Anstands, sonst folgen ihm die Menschen nicht.

Was liegt in dieser Situation also näher, als mehrere Akteure bewußt mitspielen zu lassen?

Auf diese Weise läßt sich alles inszenieren, was man gerade vermitteln will, und zu keiner Zeit besteht die Gefahr, daß sich zwischen Drehbuch und Wirklichkeit ein unübersehbarer Abgrund auftut.

Das einzige Problem dabei ist die geringere Bereitschaft eines zweiten Akteurs bewußt mitzuspielen: das Stück dient ja jemandem und geht zu Lasten anderer. Doch wenn die erreichte Verständigung der beteiligten Akteure nur verborgen bleibt, steht hier ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung.

Denn die Menschen, vor allem leistungserwartende, suchen nach Aufgaben, um sich an ihnen zu beweisen, und sie ordnen sich jenen unter, welche ihre Aufgaben erfolgreich bewältigen, was im Rahmen von Theaterinszenierungen beliebig steuerbar ist.

Die Gefahr für den Zuschauer liegt dabei in der Verzerrung seiner Interessen und der darauf beruhenden Verzerrung der Leistungen bei der Verfolgung dieser. Und um sich also zu schützen, müßte er protokollieren, wer von welchem berichteten Ereignis in welchem Ausmaß betroffen ist.

Denn wenn nur noch solche Ereignisse berichtet würden, welche die Menschen mehr als alle anderen beträfen, ließe sich kein Theaterstück mehr finanzieren. Schützt sich der Zuschauer hingegen nicht, geht es ihm irgendwann an's letzte Hemd, und die Macht der Inszenierung zerbricht auch.

Freilich, dies setzt voraus, daß die Theatertreibenden nicht zugleich willens und weise genug sind, das Stück so zu gestalten, daß es den Zuschauern frommt, indem es die wesentlichen Aufgaben des Lebens gleichnishaft aufführt, sondern stattdessen ihre Standesinteressen verfolgen.

Aber wird es bis zum letzten Hemd gehen? Oder verflüchtigt sich die Wirkung des Zauberspruchs zuvor?

Läßt sich überhaupt ein Leben wollen, welches nicht einer Inszenierung folgt?

Ich meine, selbst einer offenen nicht, in welcher die Besetzung der Rollen nicht feststeht.

Freilich macht es einen Unterschied, ob die Besetzung der Rollen feststeht oder nicht. Ersteres ist ungerecht. Aber auch wenn das Schicksal selbst bestimmt, wer welche Rolle spielt, bleibt das ganze Stück doch vorhersehbar und dadurch etwas langweilig.

Es ist möglich, aber nicht ohne die politische Zurückdrängung der Leistungserwartenden, nicht ohne, daß sie zurückstehen, ihre Ansprüche zurückschrauben, sich flexibel zeigen. Die große Erzählung ist ein Anachronismus, eine Lüge. Wir brauchen Siedler, keine Planer.

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8. Oktober 2014

Der Verteidigungsfall

Wenn die Einschläge immer näher kommen,
gelten sie einem irgendwann selbst.

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7. Oktober 2014

Damokles

Als Damokles, einer seiner Bewunderer, ihm im Gespräch seine Auszeichnungen aufzählte, seine Macht, die Zweckmäßigkeit seiner Einrichtungen, die Fülle seines Besitzes, den Glanz seiner Darstellung, und sagte, daß es niemals einen Glücklicheren gegeben hätte, antwortete er: Damokles, da dich dieses Leben verzaubert, möchtest du es selbst probieren und mein Glück prüfen?

Da dieser einwilligte, befahl Dionysios den Mann in einen Baststuhl im Pavillon zu setzen, in der Mitte seines Parks mit Blick auf die Anlagen. Er rief die schönsten und interessantesten Jünglinge herbei, ihn zu unterhalten und ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Es gab einen Swimmingpool, einen Tennis- und einen Golfplatz. Serviert wurden Filet und Hummer. Und Damokles wähnte sich einen Günstling des Glücks.

Doch dann eröffnete Dionysios Damokles, daß das Anwesen von freilaufenden Hunden bewacht wurde, welche darauf abgerichtet waren, jeden unbefugten Eindringling zu zerreißen, und daß er, um seine Befugnis vor ihnen zu beweisen, seinen Nacken fortwährend auf eine bestimmte Weise halten müsse.

Als er das hörte, hatte Damokles keine Augen mehr für die schönen Diener, das Essen und die Anlagen. Lang bat er Dionysios ihn gehen zu lassen, da er nicht weiter glücklich sein wollte.

Die Hunde glauben dabei, gute Menschen zu sein, welche es sich jeden Tag anders überlegen könnten. Einstweilen hingegen zerreißen sie. Eines Tages aber, wenn ihre Herren denken werden, ihnen ihr Menschsein gänzlich ausgetrieben zu haben, werden sie es. Man kann die Menschen nicht erst erniedrigen und dann töten. Sie erniedrigt sehen zu wollen, macht einen selbst verwundbar.

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5. Oktober 2014

Die Sauna

Wo rußgeschwärzte Steine glühend warten,
bedenk was bleibt,
schöpf reines Wasser,
zu fühln im nächsten Atem.

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4. Oktober 2014

Ein Ende der Zeit

Auf einem Weg alleine gehen können.
Nicht bedrängt, sondern gezogen
durch die sich ziellos ausbreitende Weite
von der Ahnung des Zukünftigen.
Wie ein Pfeil auf seine Bahn gebracht:
die Wucht, die Annahme des Ziels.

Je mehr sich die Schleier heben,
desto schiefer steht der Bau.
Wie in der Dunkelheit abgelegte Kleider:
ein Bild der Unbeholfenheit,
allerorten Irrtum der Richtung.
Allerorts das Fieber der Versäumnisse.

Heiß treibt es zurück
und zunehmend schwächer,
bis es nur noch die Fassade bewegt.
Und deshalb bedeutet die Fassade so viel:
Möge sie stützen was will,
das Mienenspiel stimmt.

Nicht die Zivilisation verliert ihren Kern.
Nein, nur der Mensch
in der Abschweifung seines Schaffens,
im Eigenleben seiner Werke.
Doch konkret vor allen jener,
welcher sie nur genießt.

Zu welcher Aussicht also noch zurückkehren,
da alles unter den Umständen begraben ist?
Was versäumt wurde,
ist bald abgeschnitten.
Wer kennt es nicht im Kleinen?,
doch steht er an im Großen,

der Moment, an welchem man sich's eingesteht.
Nur war's die Zukunft immerdar,
worauf die Ahnung zielte:
Ich könnte tot sein,
von Anfang an,
mein Platz in der Welt änderte sich dadurch nicht.

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3. Oktober 2014

Zur ewigen Revolution

Wie ich im Beitrag Parlamentarismus schrieb, obliegt es der Linken die Verkörperung des Glaubens der Polis voranzutreiben und der Rechten, sie zu revidieren.

Jedenfalls muß es so sein, wenn man die Rechte mit Konservativität in Verbindung bringt. Und doch stört die lapidare Feststellung
Voting is like driving; if you want to go backwards, choose R... If you want to move forward choose D.
viele selbsterklärte Rechte.

Nun, der Grund dafür liegt stets darin, daß der darob verärgerte Rechte über den Blüten, welche die Linke gerade aus dem grundlegenden Glauben der Polis treibt, eben diesen aus den Augen verliert, so daß er wähnt, selbst einen gänzlich neuen Pfad zu beschreiten.

Und dann gibt es selbstverständlich auch noch solche, welche tatsächlich an etwas grundsätzlich anderes glauben und einfach keinen anderen Platz finden, um sich selbst zu verorten. Aber das sind naturgemäß die Allerwenigsten.

Mir geht es hier aber um etwas ganz anderes, nämlich die grundsätzliche Lächerlichkeit dieser politischen Einrichtung.

Freilich, Gesellschaften glauben an etwas und arbeiten an der Verkörperung dieses Glaubens. Und dabei mag es eine Phase geben, in welcher die Anstrengung aller politischen Kräfte zur Erreichung der Glaubensziele von Nöten ist, nein, mag es nicht nur, sondern gibt es auch, nämlich wenn der Glaube den Schritt vom Entwurf zur Gesellschaftsordnung macht, aber das tut er nicht alle 20 Jahre.

Im Falle der Geschichte Irans läßt sich eine Beschleunigung dieses Zykels von anfangs 600 zu heute vielleicht 100 Jahren beobachten, wir in Europa befinden uns immer noch in unserem 2000 jährigen Zykel.

Aber die Aufgabe der Linken ist die permanente Errichtung des 1000 jährigen Reichs der Heiligen (Offenbarung 2:26-27).

Und was ist die Aufgabe der Rechten? Zuzusehen, daß dabei nichts kaputt geht?

Wer den Punkt dieser Kritik nicht versteht, es geht um die Art der Verkörperung des Glaubens, ob sie das Werk von Einzelnen ist oder ein orchestriertes Zusammenspiel. Letzteres ist immer nur nach der Konzeption eines Glaubens angebracht, welche hingegen nur selten ansteht. Und wenn ersteres angemessen ist, so ist es völlig verfehlt, die Angelegenheit in die Hände einer Partei zu legen.

Gut überlegt haben wir uns das alles nicht.

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2. Oktober 2014

Die Kunst des Widerstands

Die Kunst des Widerstands besteht darin, einen eigenen Standpunkt zu besitzen und zu verteidigen.

Und letzteres hat wiederum zur Voraussetzung, daß man seine eigenen Interessen kennt und mit den bestehenden - oder erst noch einzurichtenden - Institutionen in Beziehung bringt.

Freilich gibt es dabei auch genügend viele Institutionen, welche die eigenen Interessen gar nicht oder kaum tangieren, in welchem Fall der angemessene Standpunkt, welchen man auch öffentlich vertreten sollte, die Indifferenz ist.

Es gehört zur Natur des Menschen, genauer gesagt sogar aller Tiere, seine beziehungsweise ihre Aufmerksamkeit auf den Randbereich seiner beziehungsweise ihrer Erkenntnis zu richten und nicht auf ihren Kern.

Der Kern geht in Fleisch und Blut über und verschwindet bald ganz aus dem Bewußtsein.

Es ist so gesehen wenig verwunderlich, daß auch das politische Bewußtsein das Grelle und nicht das Tragende sucht.

Zum Problem wird das, wenn Fleisch und Blut der Polis im Gegensatz zu Fleisch und Blut des Einzelnen unfähig sind, ihr eigenes Leben zu erhalten, etwa deswegen, weil die Regierung die gefühlten Grenzen ihrer regulativen Funktion überschreitet, also insbesondere dann, wenn ihre Erlasse seitens weiter Teile der Polis als feindlich wahrgenommen werden, denn dieses Gefühl ist ein sicherer Indikator für die Loslösung der institutionalisierten politischen Vernunft von ihrem Körper, vergleiche dazu auch den letzten Beitrag Der abspenstige Melker.

Dem Einzelnen kann das kaum passieren, und wenn sich sein Geist auch vom Körper abwenden sollte, so geschieht das üblicherweise doch in Frieden, und der Tod geht nicht zu seinen Lasten und verletzt auch nicht seine Rechte.

Kurz, der Regierung gehört die Polis nicht, wie dem Geist der Körper gehört.

Wenn also die Regierung nicht mehr der Ausfluß der Vernunft der Polis ist, wird eine Rückbesinnung auf das politisch Tragende dringlich. Und diese Rückbesinnung muß auf die richtige Weise begangen werden.

Das bereits genannte Wesen des Widerstands erfodert vom Einzelnen ein Verhalten, welches natürlicherweise von einem Beleidigten an den Tag gelegt wird: Wille zur Distanz zum Anderen, Rückzug auf das Eigene, ein geradezu kindischer Trotz, Beharren auf dem Einfachen und die nötige Härte, um seinen eigenen Überlegungen auch gegen Widerstände zu folgen, idealerweise noch gepaart mit einem Gefühl schlichter Würde, also einer Offenheit gegen das gleichfalls Schlichte.

Freilich, es wäre unklug, sich offen beleidigt zu geben, aber diese Art der Beleidigtheit sollte eine Art inneres ästhetisches Ideal sein, welchem man gleichnishaft nahe zu kommen sucht, ohne sich oder ihm eine Blöße zu geben.

Gerade durch die Fähigkeit, solches zu tun, beweist man unter den nämlichen politischen Umständen seine Eignung zu politischer Reform.

An dieser Stelle möchte ich praktisch werden. Es gibt derzeit viel Sand, welcher allzu vielen in die Augen gestreut wird. Ein paar Beispiele.

1. Toiletten an kalifornischen Unis werden genderneutral


Kalifornische Unis hängen lustige Schilder neben Behindertentoiletten auf.

Tangiert das mein Interesse? Nein.

Freilich, es tangiert das Interesse von Behinderten an sauberen Toiletten, jetzt wo jeder herein darf, aber niemand muß sich ja asozialer verhalten, als er ist.

2. Schwulenehe

Die Ehe ist ein Treueversprechen. Aber was bedeutet das für mich? Bedeutet es, daß ich mir den Wunsch erfüllen kann, jemanden die Treue zu versprechen, oder bedeutet es, daß ich die Möglichkeit ergreife, meinen Umgang mit einer anderen Person auf eine andere sittliche Grundlage zu stellen?

Nur im ersteren Fall geht es hier um ein persönliches Recht, im letzteren hingegen um die Unterordnung unter eine gesellschaftlich akzeptierte Umgangsform, bei welcher die gesellschaftliche Erwartungshaltung und die mit ihr einhergehenden Auflagen an die sich Unterordnenden das entscheidende Wahlkriterium darstellen.

Will ich, daß die Gesellschaft auf die Einhaltung des Treueversprechens drängt oder nicht?

Wenn ich es will, kann ich die Schwulenehe nicht wollen, denn es ist völlig unrealistisch, daß die Gesellschaft sich für das Treueversprechen von Schwulen interessiert, und durch die Aufwertung ihres Zusammenlebens zur Ehe kann die Disziplinierungsdisziplin der Gesellschaft Ehevergehen gegenüber nur abnehmen.

Für mich persönlich übersetzt sich das Treueversprechen als ein einander nicht im Stich Lassen, und ich sehe es gerne, wenn die Gesellschaft darauf drängt, daß Ehepaare sich auch tatsächlich nicht im Stich lassen, nur bei Schwulen ist die gesellschaftliche Wacht über ihre Treue absolut fehl am Platz, schon alleine deswegen, weil es die Verständnisschwierigkeiten zwischen Mann und Frau, welche die Gesellschaft andernfalls abdämpft, bei ihnen nicht gibt.

Es ist nicht schwer diese Dinge zu sagen, oder? Und sie sind nicht kontrovers, nur etwas kindisch vielleicht.

Aber die Art und Weise wie die Schwulenehe angegangen wird, mit abstrakten Phrasen zur Bedeutung der Familie als Keimzelle der Gesellschaft und dergleichen, läßt die Zulassung dieser wirklichen Monstrosität, für welche wir noch mehr mit gesellschaftlichem Zynismus bezahlen werden als wir es ohnehin schon tun, geradezu als eine Frage der Galanterie erscheinen.

3. Adoption durch Schwule

Immerhin sind die meisten hier auf dem richtigen Weg, nämlich die Beachtung des Kindeswohls. Aber vielleicht sollte auch mal einer sagen, wie er es als Kind gefunden hätte, keine Mutter oder keinen Vater zu haben. Es ist schlicht ein Verlust, und keinem Kind sollte willentlich ein solcher Verlust beigefügt werden. Die Kinder brauchen Rollenmodelle ist wieder so verdammt abstrakt.

Freilich, es gibt jene, welche glauben, daß der Verlust erst dadurch eintritt, daß man etwas wegnimmt, und im Falle, daß man etwas gar nicht erst gibt, nicht gefühlt wird. Dies sind die wahren Feinde Gottes, welche glauben, selbst schöpfen zu können. Man muß nicht groß auf sie Rücksicht nehmen, die meisten Menschen wissen, daß sie dadurch, daß sie eine Pflanze in den Keller stellen, keine neue Art von Pflanzen, welche kein Sonnenlicht brauchen, erschaffen. Das ist die nötige Härte, von welcher ich sprach.

Andererseits, an dieser Stelle ist intellektuelle Redlichkeit wesentlicher, und der vorige Vergleich hinkt natürlich. Richtig ist aber, daß der Mensch nur das schätzt und später vermißt, was gut für ihn ist. Niemand mag ein Essen, nur weil er es vorgesetzt bekommt.

4. Islamisten

Nein, ich will nicht, daß Muslime, welche über die politischen Konsequenzen des Islams nachdenken, Islamisten genannt werden, genausowenig wie ich will, daß Katzen, welche über das Fangen von Mäusen nachdenken, Katzisten genannt werden.

Wann immer jemand diese Unterscheidung macht, muß man freundlich, aber bestimmt, darauf hinweisen, daß die weltliche Herrschaft der Gläubigen über die Ungläubigen das Zentrum des gelebten Islams ist.

5. Islam = Nationalsozialismus = Kommunismus

Islam und Nationalsozialismus sind nicht nur nicht dasselbe, sondern exakte Gegenteile. Der Islam nämlich die Herrschaft von Sorge und Lust und der Nationalsozialismus die Herrschaft der Achtung.

Leider kann man die Einsicht in diesen Sachverhalt, welche freilich ästhetisch ahnbar ist, wenn man die Alhambra mit dem Reichsparteitagsgelände vergleicht, in der Masse des Volkes nicht voraussetzen.

Klar ist aber dies. Der Führer im Nationalsozialismus kann zu keiner Zeit etwas anderes vorgeben, als den Willen des Volkes zu vollstrecken, wohingegen es die Aufgabe der Muslime ist, sich hinter den politischen Kurs ihrer Oberen zu stellen, wie es jüngst im Rahmen der Verdammung des Islamischen Staats im arabischen Raum geschehen ist.

Broder ist so grundsätzlich auf dem Holzweg, wie man es nur sein kann, wenn er meint, aus dem vollkommenen Islam und den unvollkommenen Muslimen spreche der Trotz, es noch einmal versuchen zu wollen, wie es bei manchen Kommunisten der Fall ist. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Wir haben erst jenes unterstützt, nun unterstützen wir dies, wir sind nur einfache Muslime, Gott weiß am besten, was zu geschehen hat.

Und was den Sozialismus angeht, um hier die kommunistische Utopie nicht zu beflecken, er gleicht der katholischen Kirche am meisten. Das Volk hält ängstlich den Mund, etwaige Sorgen werden vorsichtig an den lokalen Repräsentanten der Partei herangetragen, welcher sie auf dem nächsten Konklave eventuell zur Sprache bringt. Kommunismus bedeutet also zunächst einmal die Herrschaft von Sorge und Achtung.

Alle hier genannten Systeme erheben, wenn man so will, einen totalen Gestaltungsanspruch auf die Gesellschaft, aber was heißt das?

Will der Islam, daß jeder einzelne Moslem einem festgelegten Programm folgt?

Nein. Und auch der Nationalsozialismus will das nicht, ebensowenig wie die katholische Kirche. Lediglich der Sozialismus mag das wollen, im Rahmen der Annahme, daß sich der Wille der Menschen in jenem Programm manifestiere. Freilich, die Menschen sind viel zu faul, um ihren Willen jemals in ein Programm zu überführen, beziehungsweise zu dumpf, um ihn überhaupt formulieren zu können. Das eine oder das andere. Je klarer er einem wird, desto fauler wird man, denn auch seine Vergeblichkeit wird einem zunehmend klar, woraus indes persönliche Autorität und Geltung bei den Menschen entspringen. Nur der findet Gehör, welcher gar nicht reden möchte. Und so beginnt er, zurückgelehnt und untätig, überhaupt erst richtig zu wirken.

Der Sozialismus stellt also die natürliche menschliche Willensäußerung, deren tragende Pfeiler Überdruß und Narrheit sind, auf den Kopf. Nicht raten die Überdrüssigen und die Närrischen probieren es aus, sondern die Närrischen befehlen und die Überdrüssigen führen es aus.

Damit wäre das Grundübel des Sozialismusses benannt, aber was haftet den anderen drei an, was den Geruch der Unfreiheit verströmt?

Ich denke, es ist dies: Ein prinzipieller Schutz vor der Herrschaft ist in keinem Bereich vorgesehen. Der Einzelne muß sich unter Umständen für jede Tat verantworten. Er hat kein verbrieftes Recht für bestimmte Taten nicht zur Verantwortung gezogen zu werden, wobei es sich von selbst versteht, daß diese Taten nicht inhaltlich bestimmt sind, naheliegenderweise als gut in den Augen der Herrschaft, sondern formal, also unabhängig von einer noch so bösen Absicht.

Es macht für mich dabei aber einen Unterschied, ob ich meine Taten vor Gott rechtfertigen muß, vor seiner sich auf ihn berufenden Kirche oder vor dem Führer der Volksgemeinschaft, zu welcher ich gehöre. Einen ganz entscheidenden Unterschied. Und wiederum, wer immer diesen Unterschied einebnen will, gehört bestimmt auf ihn hingewiesen. Und das betrifft selbst den Fall der Gleichstellung von International- und Nationalsozialismus. Denn praktisch ist es bei ersterem wie bei der katholischen Kirche, ich muß meine Taten vor der Partei rechtfertigen, welche sich auf das geistige Gemeinwohl beruft, wobei dieses geistige Gemeinwohl sich ohne Gottesbezug natürlich nicht klar fassen läßt, weshalb der Kommunismus eben den Narren die Türen zu der geheiligten Ratshalle öffnet.

Nichtsdestotrotz ist es aber ein geistiges Gemeinwohl und nicht schlicht das materielle Gemeinwohl meines Volkes oder analog der gesamten Menschheit. Und jemand, der diesen Unterschied nicht sehen will, schließt anderen die Augen. Und wofür?

Um auf die Überlegenheit des Rechts gegenüber der Gerechtigkeit zu weisen?

Aber diese Überlegenheit ist nicht prinzipiell, was soll also die abstrakte Betrachtung?

Die Überlegenheit des Rechts gegenüber der Gerechtigkeit beruht, wo sie existiert, auf dem Mangel der Gerechtigkeit an Mäßigung.

Und was die europäische Geschichte angeht: Die katholische Kirche hat sich von Spanien kaufen lassen, um anschließend jedes Maß zu verlieren. Und ich sehe nicht, daß sie es nun, da andere ihren Anspruch auf Gerechtigkeit aufgegeben haben, wiedergefunden hätte.

Mithin, das formale Recht ergriffen zu haben, wird Europa letztlich wiederum einen Bärendienst leisten. Ein fauler Kompromiß ist faul.

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1. Oktober 2014

Der abspenstige Melker

Nicht preßt er die Zitze, um andere mit der Milch zu ernähren,
sondern dem Vieh selbst, welchem er sie abgewann, gibt er sie wieder zu trinken,
denn wisse, die Milch hält er für noch am wenigsten verdorben am Vieh
und gedenkt, es durch sie zu heilen,
wenn er auch sonst keine Verwendung für sie findet.

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