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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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7. August 2015

Formen der Bekanntheit

Wie wir im vorigen Beitrag gesehen haben, führt das Aufgreifen eines Gegenstandes zur Beschäftigung mit ihm und somit zur Erfassung des Verhältnisses, in welchem er zur Referenz, aus welcher heraus er aufgegriffen wurde, steht.

Natürlich vereinfacht diese Darstellung die Sachlage etwas, denn auf diese Weise könnten wir noch nicht einmal erfassen, daß etwas vor einem Gegenstand, aber zugleich hinter einem anderen steht. Offenbar können wir einen aufgegriffenen Gegenstand halten, während wir parallel zu ihm einen anderen, ihn enthaltenden aufgreifen, welchen wir als zusätzliche Referenz verwenden können, indem wir den gehaltenen Gegenstand verdoppelt erneut aus ihm heraus aufgreifen. Und auf diese Weise können wir alle möglichen Eigenschaften des aufgegriffenen Gegenstandes erfassen.

Was somit passiert, ist die Schöpfung von Spezifizität aus Identität. Anfangs ist uns der Gegenstand nur ein Das, aber dieses Das verwandelt sich zusehends in ein Jenes, welches, bis der Aufgriff irgendwann endet und der Gegenstand seine Identität verliert und nur noch ein Spezifisches, ein Jenes, welches unter vielen aus einstigen Beobachtungen herstammenden Spezifischen ist.

Um Mißverständnissen aus dem Weg zu gehen, der Gegenstand ändert sich mit dem Ende seines Aufgreifens nicht, er ist weiterhin ein anschaulicher Eindruck, eine der Wahrnehmung entspringende Form, aber die Form seiner Bekanntheit ändert sich. Er besaß Identität und besitzt fortan nur noch Spezifizität neben seiner Anschaulichkeit.

Die Identität des Aufgreifens ist aber nicht die einzige, über ihr steht die Identität des Wahrnehmens, denn Das mag auch die Leere sein, welche die Wahrnehmung füllt, also unsere Empfänglichkeit. Wenn man so will, ist diese ein Aufgreifen, welches wir nie beenden, das heißt unser Leben, und die Aufgriffe von Gegenständen sind Verästelungen dieser Empfänglichkeit. Die logischen Erfassungen sind dann das In Beziehung Bringen des Astes zum Stamm, wobei auch mehrere Bezüge zur selben Zeit bestehen können, ein Gegenstand mag in einer Vorstellung auftreten, aber nicht im visuell Wahrgenommenen. Ich hatte das zuvor nicht erwähnt, und es liest sich ziemlich wild, ist aber letztlich eine einfache und natürliche Notwendigkeit der Einheit der Wahrnehmung.

Während ein Gegenstand aufgegriffen wird, mag er sich natürlich ändern, ein Vogel mag auf einem Ast sitzen und singen, dann auffliegen und sich auf einen anderen Ast setzen. Was bedeutet das für die Erfassung seiner Eigenschaften? Sollen wir sagen: Er sitzt, nein, er fliegt, nein, er sitzt!? Nein, das sollten wir nicht, der Gegenstand ist auch gar kein Körper, sondern ein bewegter Körper, das ist schließlich auch unser anschaulicher Eindruck: der, eines bewegten Körpers. Hier ist es also so, daß sich während des Aufgreifens nicht nur die Erfassung des Gegenstandes ändert, sondern auch der Gegenstand selbst. Die Erfassung aber ändert sich auch in diesem Fall nur in dem Sinne, daß sie umfangreicher wird, und nicht in dem Sinne, daß etwas einmal Erfaßtes revidiert werden müßte.

Wenn wir etwas sich in Bewegung Befindendes erfassen, so erfassen wir mit jeder Erfassung zu einer bestimmten Zeit zugleich ihr zeitliches Verhältnis zu den anderen bereits erfaßten Verhältnissen zu vorigen Zeiten. Also eben: Zuerst sitzt der Vogel, dann fliegt er und dann sitzt er wieder. und nicht: Der Vogel sitzt, nein, er fliegt, nein, er sitzt.

Diese Protokollierung der zeitlichen Verhältnisse möchte ich auch die Ausbreitung der Zeit nennen.

Ein wichtiger Spezialfall des Erfassens eines bewegten Gegenstandes ist die Erfassung eines Handlungsstranges, wobei bewegt dafür vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist, sich fortbildend wäre sicherlich besser, und für das hiesige Studium der Grundlagen unseres Denkens ist vor allem sukzessives Aufgreifen von Interesse.

Sukzessives Aufgreifen bedeutet, einen Gegenstand aufzugreifen, und dann einen anderen zu ihm, und dann wieder einen anderen zu ihnen und so weiter. Wesentlich dabei ist, daß es uns auf diese Weise, und auch nur auf diese Weise, gelingt, eine Menge von Identitäten in einer übergeordneten Identität zusammenzufassen, deren Gegenstand vollständig dadurch bestimmt ist, daß er die Gegenstände der untergeordneten Identitäten enthält. Der übergeordnete Gegenstand heiße eine Vielheit, und das sukzessive Aufgreifen zu einer sich fortbildenden Vielheit heiße Zusammenkommen.

Im Gegensatz zum Vogelflug interessiert uns beim Zusammenkommen freilich nur die abschließende Vielheit, und nichts hindert uns, lediglich sie aufzugreifen und ihr Verhältnis zu ihren Teilen zu erfassen und uns fortan an das so Spezifizierte zu erinnern.

Bei einer derart spezifizierten Vielheit handelt es sich, wenn weiter nichts erfaßt wurde, um eine verschlüsselte Spezifierung. Ein Gegenstand heiße verschlüsselt spezifiziert, wenn es möglich ist, durch Vorstellung dieses Gegenstandes Verhältnisse zu erfassen, welche während seines spezifizierenden Aufgreifens nicht erfaßt wurden.

Verschlüsselte Spezifizierungen sind eher selten. Wenn wir etwas bei der ursprünglichen Betrachtung nicht erfaßt haben, dann können wir uns später auch nicht daran erinnern. Allerdings ist der Versuch, Eigenschaften bewußt zu erfassen, in aller Regel kontraproduktiv, denn dadurch unterdrücken wir die vielschichtige Erfassung, welche sich durch den empfänglichen Blick von alleine einstellt. Ein Maler, freilich, hat Zeit genug, so oft und genau das zu erfassen, was er will.

Was hingegen an der auf die entsprechende Weise erfaßten Vielheit verschlüsselt ist, ist die Zahl. Bei einer Zahl handelt es sich um eine Vielheit des Auftretens. Dazu ist zu sagen, daß wenn mehrere Teile in einem Ganzen auftreten, wie es bei einer Vielheit der Fall ist, jedes solche Verhältnis von einem Eindruck des Auftretens begleitet werden kann, Eindrücke, welche als ein und derselbe wiedererkannt werden können, aber dadurch, daß sie mit verschiedenen Gegenständen zusammenfallen, unterschiedlich spezifiziert werden und welche dabei auch eine anschauliche Vielheit bilden, wenn man sie sukzessiv aufgreift.

Diese Vielheit also ist die Zahl. Sie ist ein anschaulich eindeutiger Gegenstand durch die Empfindung entsprechend gehäuften Auftretens.

Mit anderen Worten ist sie durch ihre Anschaulichkeit bekannt, was technisch gesehen dasselbe wie Bekanntschaft durch Identität ist: In beiden Fällen verhilft uns die Bekanntschaft lediglich dazu, etwas wiederzuerkennen, im Falle der Anschauung als Form, im Falle der Identität als verästelt Wahrgenommenes. Jede vergleichende Form der Bekanntschaft beruht hingegen auf erfaßten Verhältnissen, also auf Spezifizität.

Post Scriptum vom 8.8.2015.

Anmerkung 1. Eine Vielheit wird stets in ihre Teile zerlegt erinnert, das heißt, die Verästelung der Empfänglichkeit stellt sich augenblicklich wieder ein. Ob dies aber irgendetwas besonderes ist, läßt sich nicht so ohne weiteres sagen, denn bei sonstigen Erinnerungen geschieht ähnliches, nur mühsamer. Ich erinnere mich an einen Verkaufsstand an der Außenmauer des Vatikans. Und ich erinnere mich an den Bürgersteig da. Aber das sind zwei verschiedene Erinnerungen, in meiner Erinnerung des Verkaufsstands fehlt der Bürgersteig und umgekehrt. Natürlich wird der Verkaufsstand da auf irgendetwas gestanden haben, und aufgrund seiner Nähe zur Mauer kommt nur der Bürgersteig in Frage. Also bin ich, wenn ich die Szene erinnern soll, natürlich geneigt, meine Einbildungskraft zu benutzen, um den Verkaufsstand auf den erinnerten Bürgersteig zu stellen. Mag also sein, daß dergleichen im Falle von Vielheiten aufgrund der geringeren Schwierigkeit unbewußt von selbst geschieht.

Anmerkung 2. Der Ursprung der logischen Erfassungen liegt in der Bewußtwerdung des eigenen Wahrnehmens (Ich nehme diese Form (nicht) wahr!) und jedesmal, wenn sich ein Ast unserer Empfänglichkeit durch einen Aufgriff oder eine Vorstellung schärft, mag dergleichen geschehen. In Verbindung bringen können wir den Eindruck der Erfassung aber nur mit dem anschaulichen Eindruck, vor dessen Hintergrund wir aufgreifen oder vorstellen, denn von der Identität des Astes haben wir keinen Eindruck. Identitäten bewirken nichts weiter als die Fähigkeit, sie während ihres Bestehens auseinanderhalten zu können.

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5. Juli 2021

Ein konstruktivistischer Blick auf die formalistische Mengenlehre

Es gibt eine Zusammenfassung des Nichts {}.

Zu jeder Zusammenfassung S läßt sich ein sie erweiternder, ihr fremder Gegenstand aS bilden.

Zu beliebigen endlich vielen Gegenständen g1,...,gn läßt sich ihre Zusammenfassung {g1,...,gn} bilden.

Zu in einer Zusammenfassung S zusammengefaßten Zusammenfassungen Si läßt sich ihre Verallgemeinerung SV=V(Si) bilden, welche ihre Umfänge vereinigt.

Die Belassung, welche bei einem Gegenstand verweilt, sei pro forma eine Bildung.

Die blinde Ersetzung, welche unabhängig vom vorliegenden Gegenstand einen bestimmten Gegenstand aufgreift, sei pro forma eine Bildung.

Die Verknüpfung zweier Bildungen ist eine Bildung.

Zu jeder Bildung p, welche sich erneut auf den gebildeten Gegenstand p(g) anwenden läßt, läßt sich die Zusammenfassung der sukzessiv gebildeten Gegenstände {p(g),p2(g),p3(g),...} bilden. Insbesondere ergeben sich die natürlichen Zahlen ausgehend von {} aus der Bildung, welche zunächst zu S aS bildet, dann {aS}, dann {S,{aS}} und dann die Verallgemeinerung V(S,{aS}).

Zu beliebigen endlich vielen unterschiedlichen Gegenständen g1,...,gn und ebenso vielen beliebigen Gegenständen h1,...,hn läßt sich die Zuordnung f(gi)=hi bilden.

Zu jedem Paar (p,S) derart, daß sich die Bildung p auf alle Gegenstände der Zusammenfassung S anwenden läßt, läßt sich die Zuordnung f(p,S) bilden, so daß f(p,S)(g)=p(g) für alle g aus S gilt.

Zu jedem Paar Zusammenfassungen S1, S2 läßt sich die Zusammenfassung Sf:S1->S2 aller Zuordnungen f bilden, welche jedem Gegenstand aus S1 einen Gegenstand aus S2 zuordnen.

Zu jeder Zusammenfassung S und jeder Bedingung c läßt sich die Zusammenfassung Sc={g aus S | g erfüllt c} bilden.

Zu jeder Zuordnung f läßt sich die Zusammenfassung Sf der zugeordneten Gegenstände bilden. Insbesondere erhalten wir so die Zusammenfassung P(S) der verstärkten Zusammenfassungen einer Zusammenfassung S, indem wir zunächst Sf:S->{0,1} betrachten, anschließend zu jedem f die Bedingung cf : f(x)=1 bilden und mit ihrer Hilfe Scf, und da sich diese Bildung auf alle f anwenden läßt, läßt sich die Zuordnung Träger:Sf:S->{0,1}->S bilden und schließlich STräger=P(S).

Zu jeder nicht-eitlen Zusammenfassung S (eine solche, welche wenigstens einen Gegenstand betrifft) läßt sich ein Gegenstand eS aus S bilden. Insbesondere läßt sich dann auch zu jedem Gegenstand g und jeder Zuordnung f, welche ihm etwas zuordnet, der zugeordnete Gegenstand f(g) bilden, indem zuerst die Zusammenfassung Sf gebildet wird, dann {h aus Sf | h=f(g)} und dann e{h aus Sf | h=f(g)}. Aus dieser Bildung wiederum folgt dann unter anderem, daß sich zwei Zuordnungen f1, f2 verknüpfen lassen, wenn die zweite auf das Bild der ersten angewendet werden kann: Wir bilden zunächst zu g f1(g), dann dazu f2(f1(g)) und anschließend die Zuordnung zu der Bildung. Auch können wir zu jeder Zuordnung f:S1->S2, welche nur nicht-eitle Zusammenfassungen zuordnet, eine sie konkretisierende Zuordnung f*:S1->(S2)V bilden, so daß f*(g) für alle g aus S1 aus f(g) ist, indem wir zuerst zu g f(g) bilden, dann dazu ef(g) und schließlich wiederum die Zuordnung zur Bildung.

Das sollte reichen. In jedem Falle kein schlechtes Resultat für vier Stunden Muße, welche an die Einsicht anknüpften, daß es um die Beschreibung unseres gedanklichen Zuordnens geht. Wenn diese Axiome nicht über Zermelo-Fraenkel hinausgehen, habe ich indes noch etwas übersehen.

Post Scriptum vom 7. Juli 2021. Bildungen sind Gegenstände, und das von Gegenständen Gesagte gilt auch von ihnen. Insbesondere lassen sich die Zusammenfassungen von sukzessiv gebildeten Bildungen bilden.

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26. September 2023

Begriffe und Aufgriffe

Die Synthese komplexer Beschreibungen durch logische Konjunktion habe ich im Beitrag Intuitiv analytische und normativ algebraische Bildung der eigenen Haltung vereinfacht dargestellt, weshalb ich ihre technische Seite hier im Detail betrachten werde.

Ein Begriff ist der Eindruck, welchen wir haben, wenn wir einen Gegenstand begreifen oder (an dieser Stelle) synonym dazu einordnen, aber damit wir einen Gegenstand überhaupt begreifen können, und insbesondere als solchen begreifen können, denn ein Gegenstand wird nicht dadurch zu einem Gegenstand, daß er begriffen wird, müssen wir ihn aufgreifen, und auch von diesem Aufgreifen haben wir einen Eindruck, welchen ich als Aufgriff bezeichnen möchte, zu welchem der Gegenstand im Verhältnis der Aufgegriffenheit steht, wodurch er zu einem solchen wird und als ein solcher begriffen werden kann.

Begriffe sind unwillkürlich, Aufgriffe hingegen willkürlich, nämlich willkürliche Haltungsänderungen, welche darin bestehen, den betreffenden Gegenstand bis auf weiteres aufzugreifen, wodurch er ein aufzugreifender aufgegriffener Gegenstand wird, welcher als solcher begriffen werden kann, ebenso wie auch Zuordnungen dadurch zu Stande kommen, daß beschlossen wird, das Zugeordnete als das dem Zugeordneten als etwas (zum Beispiel sein Name) Zugeordnete zu betrachten, wodurch es ein bedingt Zuzuordnendes wird, welches, sofern aufgegriffen, auch als solches begriffen werden kann. Der Unterschied ist nur, daß wir den Aufgriff nicht kennen müssen, bevor wir aufgreifen, ansonsten könnten wir sagen, daß wir den Aufgriff dem Gegenstand zuordnen. Freilich, praktisch ordnen wir meistens zu, wenn wir aufgreifen, indem wir dem Aufgriff einen Namen verpassen, üblicherweise dies, das, jenes, das erste, zweite, dritte, a, b, c, doch tun wir dies nur, weil wir ansonsten nicht über ihn sprechen könnten - gebrauchen können wir ihn auch ohne Namen.

Wenn nun eine begriffliche Erfassung beschrieben werden soll, so wird durch die Nennung der auftretenden Begriffe nur ein Teil erfaßt. Um sie vollständig zu erfassen, müssen auch die Aufgriffe genannt werden und den auftretenden Verhältnissen als Bezüge oder Bezogene zugeordnet werden. Anschließend können diese Verhältnisse dann logisch negiert und konjugiert und wieder negiert werden und bilden also die synthetisierten Beschreibungen, welche die Algebra einlöst.

Es gibt aber noch eine Besonderheit. Ich stelle mich in diesem Beitrag mathematisch gesehen auf einen streng intuitionistischen Standpunkt, anders ausgedrückt, ich beschreibe nur, was sich tatsächlich in unserem Denken vollzieht. Es wäre sehr leicht, das Folgende zu verallgemeinern, aber dann betrachteten wir hypothetische Übermenschen und nicht Homo sapiens.

Bisweilen maßen wir uns an, unendlich viele Verhältnisse auf einmal zu erfassen. Das ist immer eine Selbsttäuschung, aber das ändert nichts daran, daß wir es tun. Wenn wir etwa sagen, daß Wasser fließe gleichmäßig oder desto schneller, je näher am Wasserfall, oder wenn wir sagen, der Luftballon werde immer größer*.

Was wir dann tun, ist, begrifflich zusammenfaßbare Punkte der Raum-Zeit parallel aufzugreifen, das heißt, wir sagen, es spiele keine Rolle, welchen wir aufgreifen, seien sie alle parallel aufgegriffen und den auftretenden Verhältnissen parallel als Bezüge oder Bezogene zugeordnet in einer alle Parallelen konjugierenden Konjunktion. Mathematiker schreiben ∀a,b,cM um alle Elemente der Menge M parallel mit drei Aufgriffen a,b,c aufzugreifen, was beispielsweise erlaubte zu fordern, daß stets |a-b| = |a-c| gilt, sofern a,b,c verschieden sind, aber in dieser Allgemeinheit findet dies in der begrifflichen Erfassung unserer Existenz nicht statt, wiewohl das angegebene Beispiel diese Allgemeinheit erst im ∞-Dimensionalen ausnutzt (im 2-dimensionalen Fall besteht M nur aus a,b,c, und mit jeder weiteren Dimension kommt auch nur ein weiteres Element hinzu).

* c ist ein aufgegriffener Luftballon und ∀a,b∈Zeit: a<b => c natürlich zugeordnet zu a < c natürlich zugeordnet zu b.

Post Scriptum vom folgenden Tag. Selbsttäuschungen müssen gangbar sein, das heißt praxistauglich. Wenn wir uns vormachen, alle Teile eines Ganzen zu überblicken, in Wirklichkeit aber nur ein paar Teile parallel betrachten und auf dieser Basis ein allgemeines Verhalten postulieren, so vertrauen wir auf unsere Fähigkeit, etwaige Abweichungen von diesem Verhalten ausfindig zu machen. Und wenn diese gut genug ist, können wir auch mit hinreichender Sicherheit aus der Tatsache, daß uns keine Abweichung aufgefallen ist, auf die allgemeine Gültigkeit schließen.

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22. April 2014

Das Denkvermögen

Nachdem ich im letzten Beitrag einigermaßen konkret die Verhältnisse angegeben habe, auf welche sich das menschliche Denken stützt (weitere Details finden sich in den Beiträgen Tetrachromatie beim Menschen und Grundlagen der vokalischen Klangfarben, ohne daß dies erschöpfend wäre), kann ich nun das Denkvermögen selbst genauer in Augenschein nehmen.

Wie ich schon im letzten Beitrag sagte, ist das Denkvermögen vom Urteils- oder Einsichtsvermögen zu unterscheiden.

Die elementaren Bausteine des Denkvermögens sind Gegenstände und Verhältnisse, wobei ein Gegenstand dadurch definiert ist, daß er in einem Verhältnis steht, formal betrachtet also dadurch, daß er einem bezüglichen Begriff zugeordnet ist, durch welche die Verhältnisse formalisiert werden.

Eine vollständige Zuordnung von Gegenständen zu auf einander bezogenen bezüglichen Begriffen bildet eine Aussage, eine unvollständige eine Auszeichnung.

Aussagen lassen sich durch die beiden natürlichen logischen Operatoren Und und Nicht in weitere Aussagen überführen, Auszeichnungen ebenso.

Auszeichnungen bilden vermittels Bezug auf das Einsichtsvermögen Gesamtheiten, indem sie alle passenden, also auf die nämliche gleiche Weise (same) im Verhältnis stehenden Gegenstände, ihre Entsprechungen, in einem Gegenstand zusammenfassen. Vergleiche Betrachtungen zum Altsächsischen (s-) zur Begriffsbildung.

Nun ist es allerdings so, daß sich Auszeichnungen natürlicherweise auf beliebige Gegenstände beziehen und nicht nur auf solche, welche innerhalb einer bestimmten Wahrnehmung gegeben sind, also diese betreffen, und also weder ihre Entsprechungen noch die Gesamtheiten normalerweise vorliegen.

Aus diesem Grund operiert unser Denken mit einer grundlegenden Behauptung über Entsprechungen und Gesamtheiten, nämlich daß sie aktualisierbar seien, was auch immer das genau zu bedeuten hat, denn die Bedeutung dieses Ausdrucks unterscheidet sich in seiner Anwendung.

Beispielsweise bedeutet nicht aktualiserbar im Falle eines Einhorns, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gefunden werden kann. Hingegen bedeutet nicht aktualisierbar im Falle der Menge aller Mengen, daß diese noch nicht einmal nach den Regeln hypothetischer Gesamtheitenbildungen konstruiert werden kann.

Übrigens deshalb nicht, weil sie versucht, Auszeichnungen erst auf ihrer Grundlage vorgenommener Zuordnungen als bereits in sich gegeben zu betrachten, was der Grund für das Russell´sche Paradox ist.

In der Mathematik bezeichnet man die Aktualisierbarkeit einer Entsprechung durch den Existenzquantor: Es gibt einen Gegenstand, welcher der Auszeichnung entspricht.

Und die Aktualisierbarkeit von Gesamtheiten wird durch die Zermelo-Fraenkelsche Mengenlehre postuliert.

Ich habe bereits ein Regelsystem zur Bildung von Gesamtheiten angegeben, welches über diese hinausgeht, siehe Die Vergegenständlichung der Verständnisse. Ich werde aber auch jenen Beitrag noch einmal überarbeiten müssen.

An dieser Stelle werde ich es aber bei grundsätzlichem belassen.

Selbstverständlich kann von einem nicht aktualisierten Gegenstand gar nicht gesagt werden, daß er einer Auszeichnung entspricht, denn dies zu sagen erfordert, daß das vollständige Verständnis im Einsichtsvermögen liegt. Ebensowenig läßt sich einem nicht aktualisierten Gegenstand irgendetwas zuordnen oder er sich einem anderen Gegenstand zuordnen.

Das muß einen indes nicht weiter stören, man kann sich mit Hypothesen behelfen. Man kann beispielsweise sagen, daß die rekursive Auszeichnung einer Zahl als das einer bereits ausgezeichneten Zahl Zugeordnete, angefangen mit der Urzahl 1,  eine Gesamtheit ergibt, die aktualisierbar sei, ebenso wie jede ihrer Entsprechungen, auch wenn beides faktisch falsch ist.

Aber wenn es wahr wäre, dann könnte man offensichtlich auch jeder Entsprechung etwas zuordnen und die Gesamtheit all dieser Zuordnungen bildete nicht nur im Denkvermögen eine Begleitung, sondern auch im Einsichtsvermögen, wäre mithin auch aktualisierbar.

Und so kann man immer weiter machen. Nur konsequent sollte man sein, und genau das ist die Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre nicht, welche ab einem bestimmten Punkt behauptet, daß, was analog zuvor aktualisierbar war, es nun auf einmal nicht mehr sein soll. Ich rede von der Menge aller rekursiv über den Zahlen gebildeten Potenzmengen, welche nach Zermelo-Fraenkel nicht existiert!

Übrigens, weil sich diese Diskussion hier anbietet, es ist zwar nicht zwingend nötig zu behaupten (streng genommen ist es sogar wieder falsch), daß wenn zwei Gesamtheiten aktualisierbar seien, dann auch die Gesamtheit aller Begleitungen der einen durch die andere aktualisierbar sei, aber es ist eine der natürlichsten Behauptungen, welche man aufstellen kann, viel natürlicher, als daß die Gesamtheit der Zahlen aktualisierbar sei.

Aber halten wir fest, im Rahmen des Problems der Aktualisierung stellt sich die Frage nach irgendeiner Entsprechung einer Auszeichnung, welche sich in der konkreten Anschauung selbstverständlich nicht stellt. Zu den übrigen Aussagen und Auszeichnungen gesellt sich also noch die Aussage oder Auszeichnung, daß etwas näher Bestimmtes existiere, wobei diese Aussage erst im Falle dessen Aktualisierung das eigene Einsichtsvermögen betrifft.

Diese Existenzaussage oder -auszeichnung beruht als einzige nicht auf einem Verhältnis, weil sie überhaupt erst dadurch interessant wird, daß sie sich auf etwas nicht Vorliegendes bezieht. Sie ist die menschliche Aussage oder Auszeichnung schlechthin, deren Verständnis den Menschen vom Tier unterscheidet.

Abschließend zur Definition von Gesamtheit und Begleitung.

Begleitung ist natürlicherweise durch eine wiederholt vorgenommene Zuordnung definiert, als die Gesamtheit durch eine Auszeichnung genauer bestimmter Zuordnungspaare, natürlicherweise zeitlicher Art, so etwa auch bei der Begleitung der rechten Hand durch die linke beim Klavierspiel.

Aber dem Denkvermögen ist es ziemlich egal, ob man das auf hypothetisch vorgenommene Zuordnungen erweitert, welche man dann allerdings selbstverständlich nicht mehr zeitlich auszeichnen kann.

Übrigens, um auch das explizit gesagt zu haben, die Gesamtheit der Zuordnungspaare wird durch die Auszeichnung derjenigen Gegenstände, welchen etwas zugeordnet wird, der so genannten Grundlage der Begleitung, bestimmt.

Gesamtheit ist natürlicher Weise eine Teilwahrnehmung (es gibt nichts, was sie betrifft, was nicht auch die übergeordnete Wahrnehmung betrifft) näher bestimmter Art (es gibt nichts, was sie betrifft, was nicht auch ihrer Auszeichnung entspricht und es gibt nichts, was ihrer Auszeichnung entspricht, was nicht auch sie betrifft).

Und wiederum stört es das Denkvermögen nicht, wenn man dort auf die Einbettung in eine tatsächliche Wahrnehmung verzichtet. Man tut einfach so, als ob es weiterhin eine übergeordnete Wahrnehmung gäbe, in welcher beispielsweise die oben erwähnte rekursiv bestimmte Menge aller Potenzmengen über den natürlichen Zahlen enthalten wäre.

Die übrigen Definitionen sollten trivial sein.

Das Denkvermögen ist also ein Formulierungsvermögen, dessen Formulierungen, wenn auch manchmal auf verwickelte Weise, auf das Einsichtsvermögen zu beziehen sind, was aber nichts heißt, daß dies immer möglich wäre, in welchem Fall es sich um unsinnige Formulierungen handelte, wie etwa bei der Menge aller Mengen.

Die Operationen der Mathematik sind hingegen ein gelungenes Beispiel der Erweiterung des Formulierbaren über das konkret Angeschaute hinaus, welche das Einsehbare auf geschickte Weise zusammensetzt, wozu vielleicht noch mehr zu sagen wäre, aber ich kann an dieser Stelle keine vollständige Diskussion des Intuitionistenstreites liefern.

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1. Dezember 2007

Die Arten und Grenzen des Begreifens

Ein Begriff ist die Weise, in der ein Gegenstand im Verhältnis steht. Es ist aber ratsam, das nicht so allgemein stehen zu lassen, sondern auf die Arten und die Weise in denen und auf die sich das Begreifen vollzieht genauer einzugehen, um von ihnen dann das jeweils Nötige sagen zu können.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, daß es überhaupt unterschiedliche Arten des Begreifens gibt, und zwar in dem Sinne, daß Verhältnisse nicht etwa isoliert zwischen einzelnen Gegenständen bestehen, sondern entweder zwischen Gegenständen gleicher Art oder beziehend zwischen Gegenständen unterschiedlicher Art, in jedem Falle aber mit derartig gleichartigen Verhältnissen zu komplexeren Ordnungen kombinierbar und also unterschiedlichen Ordnungsweisen zugehörig, welche ich auch als Verständnisformen bezeichnen werde. Solche Verständnisformen sind Gleichheit, Lage, Farbe, Klang, Geruch, Geschmack, Kraft, Wärme, Abfolge, Entstehung, Darstellung, Erfassung und Begleitung, und nur die letzten vier beinhalten Verhältnisse zwischen Gegenständen unterschiedlicher Art, nämlich zwischen Vorsätzen und Taten, Verkörperungen und Nachbildungen, Teilen und Ganzen, bzw. zwischen Grundlagen und Begleitungen. Die den so bestimmten Klassen angehörigen Gegenstände seien als Verständniseinheiten bezeichnet. Neben diesen lassen sich noch die Verständnisformen als Gegenstände betrachten, etwa im Urteile „Rot ist eine Farbe“, welches in der Verständnisform der Zugehörigkeit, insbesondere einer Verständniseinheit zu einer Verständnisform, wurzelt, und natürlich ebenso auch die Verhältnisse. Beide werden aber durch diese Betrachtung zusätzlich zu Verständniseinheiten.

Nach diesen Vorbereitungen können wir nun die Frage nach den Grenzen von Begriffen stellen. Jedem Verhältnis, auf dem ein Begriff beruhen mag, sind durch die zugehörige Verständnisform Verständniseinheiten als Gegenstände zugeordnet, auf welche es, und damit er, beschränkt ist. Natürlich ist es ein leichtes zu sagen, daß ein Gegenstand, der außerhalb der Verständnisform liegt, etwa wenn ich frage, ob das Summen einer Mücke blau ist, in jedem Falle keinen Inbegriff des Begriffs darstelle. Wenn ein Gegenstand hingegen innerhalb der dem Begriff zugehörigen Verständnisform liegt, läßt sich die Frage der Inbegriffenheit, und damit nach den Grenzen des Begriffs, unter Umständen weder so noch so beantworten. Alles, was sich dann sagen läßt, ist, daß der Begriff auf den fraglichen Gegenstand keine Anwendung findet, und eingedenk dessen werde ich das auch von den Gegenständen außerhalb der Verständnisform sagen, anstatt mich in willkürlichen Definitionen zu verlieren.

Ob nämlich ein Begriff auf einen Gegenstand angewendet werden kann hängt davon ab, ob dieser Gegenstand als gegeben betrachtet werden kann und sich also in der Folge fragen läßt, ob der Begriff ihn beschreibt. Solange der Begriff nicht auf Reflexion beruht, also ganz im Verstande liegt, gewährt das Wesen der Reflexion selbst, daß seine potentiellen Gegenstände als gegeben betrachtet werden können. Das selbe Wesen bestimmt im Falle eines Begriffs, der die Ausfüllung eines Begriffs auszeichnet, aber auch, daß die Inbegriffenheit eines Gegenstandes in diesem Begriff nur in folge dieses Ausfüllens existiert, als Reflexion einer vorigen Reflexion, und daraus folgt, daß sich dieser Begriff weder auf eine direkte noch auf eine mittelbare Beschreibung durch ihn anwenden läßt.

Ein historisches Beispiel eines solchen begrenzten Begriffs innerhalb seiner Verständnisform ist von Bertrand Russell gegeben worden, nämlich „eine Beschreibung, die sich selbst nicht beschreibt.“ Wollte man diesen Begriff auf sich selbst anwenden, entstünde das so genannte Russellsche Paradox.

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18. Mai 2014

Spontane und angeleitete Geisteszustände

Um nicht ständig wieder in Verwirrung zu verfallen, gehe ich die Frage nach unserem Denken nun einmal von der allgemeinen Seite her an, indem ich frage, was einzig je in unserem Bewußtsein ist.

Dabei gründe ich mich auf die Beobachtung, daß wir stets wissen, wodurch wir zu diesem gekommen sind, also in der Sprache der vorherigen Beiträge die Kenntnis von μέθοδος, sowie gegebenenfalls, wovon wir ausgangen sind.

Beginnen wir mit den spontanen Geisteszuständen.

Es gibt drei Grundzustände, diese sind
  1. Wahrnehmung,
  2. Erinnerung,
  3. Vorstellung.
Über diese selbst können wir uns aber nicht verständigen. Es gibt keine Einsicht, welche sich auf sie bezieht, außer, daß sie ihrer Art nach verschieden und das Ergebnis von Wahrnehmen, Erinnern und Vorstellen sind, sowie, daß die Folgezustände aus ihnen hervorgehen.

Wahrnehmung und Erinnerung vertragen sich nicht, Wahrnehmung und Vorstellung können hingegen koexistieren. Der Zustand ist dann ein wahrgenommen vorgestellter. Allerdings kann in dem Fall ein Folgezustand immer nur entweder aus der Wahrnehmung oder der Vorstellung hervorgehen.

Es liegt in Anbetracht dieser Lage nahe, die Grundzustände nicht zu formalisieren, sondern ihren Entstehungsakt als ein Attribut ihrer unmittelbaren Folgezustände festzuhalten, und wie wir gleich sehen werden, sind wir sowieso zu etwas logisch Äquivalentem gezwungen.

Es gibt zwei Arten von Folgestellen, die geraden und die ungeraden, und ihnen entsprechen zwei Folgezustände, nämlich
  1. Thematisierung und
  2. Reflexion.
Ich habe die Thematisierung bisher Erfassung genannt, die jetzige Bezeichnung ist aber besser. Eine Thematisierung wurzelt entweder in einem Grundzustand oder in einer Reflexion. Eine Reflexion wurzelt stets in einer Thematisierung, zu deren Themen sie ein Verhältnis sucht, in welchem sie stehen. Damit sind beide freilich nicht gänzlich spontan, insofern sie beide auf ihre Grundlage Bezug nehmen, aber der Akt dieses Bezugnehmens ist spontan.

Verhältnisse selbst lassen sich nicht reflektieren. Weitere Einsichten beziehen sich immer auf die einzelnen relativen Erscheinungen eines Verhältnisses. Entsprechend formalisieren wir die Verhältnisse selbst auch nicht.

Allgemeiner handelt es sich bei der Reflexion auch um eine Art Wahrnehmung, sozusagen eine optionale Wahrnehmung. Dies ist insofern wichtig, als daß Erinnerungen und Vorstellungen unsere Wahrnehmungen überdecken, die Erinnerungen vollständig, die Vorstellungen partiell. Es ist also möglich, daß Erinnerungen und Vorstellungen auch unsere Reflexion überdecken, anders ausgedrückt, daß wir uns an ein Verhältnis erinnern oder es uns vorstellen.

Wir sind also gezwungen folgende Zustände zu unterscheiden.
2 a. wahrgenommene Reflexion
2 b. erinnerte Reflexion
2 c. vorgestellte Reflexion
Wahrgenommene und vorgestellte Reflexion können dabei auf allen Grundzuständen aufsetzen, jeweils nach einer Thematisierung, erinnerte Reflexionen sind hingegen notwendig auf einzelne Erscheinungen beschränkt und setzen direkt auf Erinnerungen auf.

Der Grund dafür ist, daß Thematisierungen weder erinnert, noch vorgestellt werden können. Jede Thematisierung ist gegenwärtig. Allerdings gilt folgendes für die Bildung unserer Erinnerungen, wodurch ein Thematisierungsersatz entsteht.

Wenn wir einfach nur wahrnehmen, ohne etwas zu thematisieren, so werden wir uns später an sehr vieles erinnern können, welches wir dabei wahrgenommen haben. Wenn wir hingegen etwas thematisieren, so wird dieser Gegenstand, welchen wir als solchen in unserer Wahrnehmung thematisieren, selbst zu einer Erinnerung. Diese Erinnerung unterscheidet sich indes hinreichend von den übrigen, um später schlußfolgern zu können, daß es sich um ein Thema gehandelt haben muß. Und so ein Gegenstand kann natürlich auch auf eine relative Weise erscheinen, und auch daran können wir uns erinnern, allerdings reicht diese Erinnerung nicht über diesen Gegenstand hinaus, soweit es die ihn begründende Wahrnehmung angeht.

Wir reden in solchen Fällen von Eindrücken, üblicherweise starken Eindrücken.

Allerdings gibt es diesbezüglich noch einen Spezialfall. Falls ein Gegenstand thematisiert wird, dann gleich wieder wahrgenommen und ein neuer thematisiert und so weiter, so bildet sich in unserer Erinnerung eine abstrakte Sequenz der Gegenstände, in welcher deren relative Lage zu einander und die Dauer zwischen den Thematisierungen erhalten bleibt, sonst aber nichts.

Es handelt sich wahrscheinlich um einen Mechanismus zur Geschwindigkeitserfassung, aber er ist auch beim Zählen nützlich.

Und um das Thema Erinnerung zu erschöpfen, wenn wir uns an einen vorgestellten Gegenstand erinnern, so wissen wir aus irgendwelchen Gründen zwar, daß es ein vorgestellter Gegenstand ist, aber in unserer Erinnerung ist er zunächst nicht anders als die wahrgenommenen Gegenstände gegeben.

Und um dies letzte explizit zu sagen, Erinnerungen können nicht von Vorstellungen überdeckt werden, allerdings können ihre angeleiteten Pendants auf diesen aufbauen.

Zu den angeleiteten Geisteszuständen.

Im Gegensatz zu den spontanen Geisteszuständen gibt es hier Themen, welche das, was bewußt werden soll, anleiten.

Diese Themen können die Pendants der Wahrnehmungen, Erinnerungen, Vorstellungen und Reflexionen direkt und indirekt über auf ihnen aufsetzenden Erscheinungen betreffen. Das Pendant der Thematisierungen hingegen läßt sich nur dann anleiten, wenn Erscheinungen thematisiert wurden, in welchem Fall die anleitenden Themen Erscheinungen dieser Erscheinung sein müssen.

Anders ausgedrückt folgen die angeleiteten Geisteszustände in umgekehrter Reihenfolge auf einander. Die vorgegebenen Themen werden schrittweise nach unten durchgereicht. Zunächst werden etwaige Reflexionen angeleitet und die Themen entsprechend angepaßt, und schließlich werden die Grundzustände angeleitet.

Die Grundzustände.
  1. Verwirklichung
  2. Entsinnung
  3. Ausmalung
Die Vorbereitungszustände.
  1. Besinnung
  2. Themenwechsel
Zu letzteren beiden im nächsten Beitrag mehr.

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31. Januar 2017

Die Themen der Anschauung

Ich hatte bereits im Beitrag Erfassungen, beurteilende Eindrücke oder Anschauungen eine Unterteilung der Anschauungen in Erfassungen, beurteilende Gefühle und Begriffe angegeben, welche ich hier im Rahmen der Fixierung der uns bekannten logischen Verhältnisse weiter explizieren und in ihren natürlichen Zusammenhang stellen werde.

Es gibt vier Arten der Anschauung, nämlich
  • Erfassung,
  • Erwägung,
  • Untersuchung und
  • Sortierung.
Jede dieser Anschauungsarten ist zugleich eine spezielle Art der Thematisierung,
  • die Erfassung erzeugt einen Gegenstand,
  • die Erwägung erzeugt eine Ratsamkeit (ein beurteilendes Gefühl),
  • die Untersuchung erzeugt einen Begriff und
  • die Sortierung erzeugt eine Position.
Diese Themen dienen unterschiedlichen Zwecken,
  • der Gegenstand dient der Identifizierung,
  • die Ratsamkeit dient der Entscheidung,
  • der Begriff dient dem Umgang und
  • die Position dient der Aufsuchung.
Identifizierung ist der Akt, durch welchen wir zu unterschiedlichen Zeiten von demselben Gegenstand sprechen können.

Entscheidung ist die Aktualisierung einer von mehreren alternativen Handlungsmöglichkeiten, bei welcher uns also Erwartung, Eifer und Verdruß, Vertrauen auf Gunst oder Sicherheit, sowie Glücklichkeit, Wertschätzung, Liebe und Stolz beraten.

Umgang ist jeder sich auf den Inhalt der Formen der Sensibilität beziehende Akt.

Und Aufsuchung ist der Akt der Einengung des Möglichen auf das Relevante.

Ein Begriff ist ein Eindruck, welcher einen Gegenstand der Formen der Sensibilität um ein Verhältnis zur eigenen Existenz anreichert, etwa einen Körper durch den Eindruck seiner Nähe und seines Winkels, einen Raum durch den Eindruck seiner Ausgefülltheit oder eine Stimme durch den Eindruck ihrer Freundlichkeit.

Positionen hingegen sind das, was ich sonst bezügliche Begriffe oder Verhältnisse genannt habe, nämlich Eindrücke, welche sich nach einer Eichung auf einen zuvor erfaßten Gegenstand zu auf ihn beziehbaren Gegenständen einstellen, etwa daß ein Körper größer sei oder weiter entfernt als ein anderer oder eine Distanz länger als eine andere oder auch, daß ein Körper auf einem anderen stehe, ja, sogar daß eine Farbe eine Fläche ausfülle, wobei die Fläche dort zur Eichung herangezogen werden muß.

Bezeichnung, die willkürliche Entscheidung zur Besinnung auf den bezeichneten Eindruck unter dem Eindruck der Bezeichnung, erzeugt einen Beschluß, welcher Teil der eigenen Haltung ist, und welcher den Begriff der Bezeichnung, etwa der Lautfolge Capuccino, ändert, und zwar wie folgt. Sprechen Sie mir nach: Cannucci. Was passiert? Nichts. Cappucci. Was passiert? Nichts. Cappuccino. Was passiert jetzt? Sie spüren eine unangenehme Verpflichtung, den Wohlklang durch Sinn zu ersetzen, und dieser Verpflichtung kommen Sie alsbald nach.

Sprache, unabhängig davon, daß sie auf Bezeichnungen beruht, besteht aus der Analyse und Synthese der Themen der Anschauung, im Falle der Analyse ist es Sprechen und logische Fixierung, im Falle der Synthese Lauschen und Besinnung.

Die hier vorgenommene Analyse beginnt mit den in den Anschauungen vorliegenden Gesamtheiten der Einsicht, und es muß genügen zu diesen vermittels der Besinnung zurückzufinden.

Eine Anmerkung zum Schluß.
Jene, die der Stille lauschen, verpüren wenig Neigung, Menschen zu lauschen.
Es ist nicht grob, was feinfühlig ist.

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13. September 2020

Rechtschaffenheitsgrade

Nach den Graden des Friedens und der Verbundenheit müssen wir logischerweise auch die Rechtschaffenheitsgrade betrachten, derer es sogar fünf gibt. Im Gegensatz zu der Situation bei den beiden erstgenannten Graden bedeutet uns die Differenzierung der Rechtschaffenheitsgrade aber nicht besonders viel.

Die Rechtschaffenheitsgrade also sind:
  1. Stimmigkeit, daß ein Gegenstand tatsächlich unter einen Begriff fällt,
  2. Erfüllendheit, daß ein Gegenstand das Verfolgte erfüllt, beispielsweise eine Melodie ein emotionales Ausdrucksbedürfnis,
  3. Angemessenheit, daß ein Gegenstand einer Wirkung angemessen ist,
  4. Nützlichkeit, daß ein Gegenstand eine Rolle für einen Handlungsbegriff spielt, und
  5. Grundlegendheit, daß ein Gegenstand die Weiterverfolgung einer Handlungsweise ermöglicht.
Was grundlegend ist, ist auch nützlich, was nützlich ist, auch angemessen, was angemessen ist, auch erfüllend, und was erfüllend ist, auch stimmig. Die höchsten drei Friedens-, Verbundenheits- und Rechtschaffenheitsgrade entsprechen sich übrigens, ohne daß ich dies allzu detailliert ausführen möchte, also
  1. Anpassung ~ Wirkungsfeld ~ Angemessenheit,
  2. Weiterführung ~ Anspruch ~ Nützlichkeit und
  3. Teilnahme ~ Beherzigung ~ Grundlegendheit,
was aber nicht heißt, daß es etwa gemeinsame Teilnahme nur bei gleicher Berherzigung geben könnte. Dennoch, gewisse Parallelen müssen offensichtlich vorliegen, ohne welche es nicht genug Verbundenheit gibt, um gemeinsam den entsprechenden Friedensgrad zu erreichen.

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30. November 2022

Vom gedanklichen Wandel

Wandel stets wie in Lebenswandel: die gewählte und erfahrene Weise der Verwandlung.

Die den drei Zeitformen zugehörigen Weltformen sind
  • die netzförmige Welt, bestehend aus Einsichten,
  • die lineare Welt, bestehend aus dem Wandel, und
  • die punktförmige Welt, bestehend aus Eindrücken.
Mehrere Eindrücke sind stets in einem Gesamteindruck verbunden, welcher auch eine Wahrnehmung genannt wird. Es gibt zwei Arten von Eindrücken, welche es uns dadurch, daß sie uns bekannt sind, erlauben, uns zu besinnen, nämlich Begriffe und Eindrücke der Gegenwart.

Eindrücke der Gegenwart werden bei der Auslösung angestrebt, etwa die Angespanntheit eines Muskels. Eindrücke der Gegenwart, welche wir für gewöhnlich nur wahrnehmen, wenn wir sie anstreben, heißen Eindrücke des Wandels. Wie ein Muskelkrampf beweist, können wir bisweilen aber auch Eindrücke des Wandels wahrnehmen, ohne sie angestrebt zu haben. Und umgekehrt können wir selbst Eindrücke der visuellen Gegenwart anstreben, etwa indem wir uns einen Kreis vorstellen, welchen wir als runden Schatten auf der Wand wahrnehmen, mehr allerdings nicht, im Dunklen auch als hellere Form.

Viele indische Meditationsübungen beruhen darauf, daß wir Eindrücke der Gegenwart anstreben, welche keine Eindrücke des Wandels sind. Dies ist eine effektive Methode, um die Begrenztheit des eigenen gedanklichen Wandels, von der noch die Rede sein wird, aufzusprengen.

Begriffe sind bei der Verfolgung und der Einlösung involviert. In beiden Fällen Vervollständigen wir die Beziehung zwischen Begriff und ihm entsprechenden Gegenstand: Bei der Verfolgung gehen wir vom Gegenstand aus und streben danach, ihn durch einen Begriff abzudecken, und bei der Einlösung gehen wir vom Begriff aus und streben danach, ihn durch einen Gegenstand darzustellen. Wenn statt der Verfolgung und Einlösung ein Erwachen und Ausmalen vorliegt, so richtet sich das Streben darauf, einen Gegenstand in einen umfassenderen Gegenstand einzuordnen.

Zu den Weltformen wiederum gehören Formen des in der Welt Seins, nämlich
  • die Bedingtheit durch die bemerkten Einsichten,
  • die Abhängigkeit vom erfahrenen Wandel und
  • die Eingesetztheit in die erinnerten Eindrücke,
und diese müssen im Laufe der Zeit an Substanz gewinnen. Ich werde im folgenden beschreiben wie. Zunächst aber möchte ich ein paar Dinge in Erinnerung rufen:
  1. neue Wahrnehmungen ergeben sich stets daraus, daß wir an ihr Zustandekommen glauben, eine punktförmige Welt geht dadurch in eine andere über, daß wir die zweite erwarten,
  2. was uns also besinnt, was den gedanklichen Wandel hervorbringt, ist unser Geist, und
  3. die Eindrücke, welche den Wandel definieren, und auch die Eindrücke, welche ihn begreifen, wobei es vom Grad der Reflexion abhängt, ob wir durch einen Begriff begreifen oder er als Eindruck seiner Gegenwart begriffen wird, sind mit den elektrischen Zuständen unserer Nerven verbunden.
Die Besinnungen, Verfolgung, Einlösung und Auslösung, existieren nur, weil wir an sie glauben, weil wir an sie glauben, sind wir zu diesen Funktionen fähig, und das ist alles, was sie sind, angenommene Funktionen unseres Geistes, welche wir mit konket erfahrenen Wandeln in Verbindung bringen.

Wenn nun ein Kind geboren wird, so hat es bis dahin wenig bemerkt, erfahren und zu erinnern, wenngleich nicht nichts, so doch nichts praktisch hinreichendes, und was sich alsbald in ihm bemerkbar macht, ist ein Glaube daran, eine Erwartung dessen, wie sein Geist funktioniert, welchen Zweck er erfüllt und daß er ihn erfüllt. Und auch wir, in späteren Jahren, haben weiterhin diesen Glauben und müssen ihn nur in Form von Besinnungen explizieren, um zu diesen Besinnungen fähig zu werden und um sie fortan mit konkret erfahrenen Wandeln in Verbindung zu bringen.

Daß es einen Geist gibt, welcher über die regelgerechte Beschäftigung mit den Eindrücken der Gegenwart hinausgeht, also einer Beschäftigung, welche sich auf das als objektiv gegenwärtig Anerkannte beschränkt, ist ein unverbrüchlicher Glaube meines Herzens. Daraus entspringt die Besinnung zum Gebet, aus ihr die Erfahrung des Betens, und auf diese Weise nimmt Gott Gestalt an, und je mehr wir erfahren, an desto mehr entzündet sich wiederum unser Glaube, und es liegt einzig an uns, unseren Wandel unserem Glauben anzupassen, und wenn wir es tun, erleben wir Gott zunehmend.

Es ist wichtig, sich auf diesem Weg an das bisher Erreichte zu halten und nicht alles auf einmal zu wollen: sich die eigene Bedingtheit durch das Eingesehene vorzuhalten beruhigt das Herz, und zu einem Wandel zurückzukehren, an welchen man glaubt, gibt ihm Kraft, sogar die bloße Erinnerung an Eindrücke kann unter Umständen Zweifel ausräumen und ihm Entschlossenheit geben.

Leider trauen die Ungläubigen dem Glauben nicht und verteufeln ihn eher, wenn er sich bemerkbar macht, als auf ihn zu hoffen. Und nachdem sie ihn verteufelt haben, beginnen sie natürlich sogleich damit zu versuchen, ihn zu manipulieren und in eine bestimmte Richtung zu lenken, etwa indem sie meinen, daß, wenn jemand nur genügend Schreckliches erfahren würde, er dann schon seinen Glauben verlöre. Nun, mein Leben ist eine lange Geschichte von Schrecklichem, aber das führt nur dazu, daß ich auch weiterhin viel Schreckliches erwarte, da bin ich durchaus neutral, nur weil etwas schrecklich ist, mag es nicht weniger existieren als etwas herrliches, nur daß das Schreckliche entweder aus Gottesferne erwächst oder ein Mittel ist, sie zu überwinden, und das Herrliche der unvergängliche Kern der Existenz, welcher ihre Entfaltung allzeit bestimmt.

Andererseits, wenn die Ungläubigen auf den Glauben Anderer hofften, so brächten sie diese in eine unmögliche Lage, weil sie ihnen doch nicht geben könnten, was jeder in seinem Herzen entscheidet, nämlich welchen Geist er kultiviert. Und so ergreifen die Ungläubigen das Schreckliche, bis sie des sie überwindenden Schrecklichen würdig geworden sind, was nicht heißt, daß nicht auch Gläubige auf Abwege geraten könnten und Schreckliches ergreifen, doch wenn sich jemand nicht bemüht herauszufinden, an was er glaubt, wie könnte er da je mit sich, wie je mit der Welt im Reinen sein? Die ganze Schöpfung muß ihm zwangsläufig unheimlich erscheinen.

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11. März 2009

Klärung von Reflexion und Nachbildungen

Ich bin mit meiner bisherigen Darstellung dieses Themas nicht wirklich zufrieden und versuche es also erneut.

Ein Verständnis besitzt stets die Form einer Aussage über zwei Gegenstände und das zwischen ihnen bestehende Verhältnis. Somit hat eine Aussage drei Gegenstände, welche in einem sie verbindenen Verhältnis stehen und läßt sich also selber nicht unmittelbar verstehen.

Womit sich die Frage stellt, wie wir sie reflektiv verstehen.

Wenn man sich das Wörtchen „etwas“ vornimmt, und sich fragt, wie man es versteht, so lautet die Antwort, daß es sich dabei um dasjenige handelt, was im entsprechenden Verhältnis einer Verkörperung steht, und zwar ohne Bezug auf ein spezielles Verkörpertes. Dieser Bezug ist also nicht mitgedacht, wenn wir „etwas“ verstehen. Das heißt aber, daß das eine Rolle eines Verhältnisses Ausfüllen ein Verstandesgegenstand sein muß. Ich nenne ihn mal hoffnungsvoll Begriff, wir werden ja sehen, ob ich damit durchkomme. Die Idee dahinter ist natürlich, daß ein Begriff die Art ist, auf welche wir einen Gegenstand fixieren, wobei beim vorigen Beispiel diese Fixierung lediglich durch die Rolle eines Verhältnisses geschieht, in welchem der Gegenstand steht.

Nun steht ein Gegenstand auf diese Weise allerdings isoliert da und die Frage drängt sich auf, wie er wohl mit einem zweiten verbunden sein kann. Und da kann man nun nicht darum umhin zu sagen, daß die Fixierung in dem Fall durch den anderen Gegenstand bedingt ist. Das nächstliegende ist nun einfach von zwei Arten Begriffen zu sprechen, nämlich Rollenbegriffen und Verhältnisbegriffen, am Beispiel, eine Fläche ist ein Rollenbegriff und eine rote Fläche ein Verhältnisbegriff.

Dies wirkt freilich etwas willkürlich und es stellt sich auch die Frage nach der Symmetrie der reflexiven Erfassung, wobei eine konkrete Reflexion nicht symmetrisch ist, sondern zum Zwecke der Spiegelung des Verhältnisses erneut reflektiert werden muß. Interessant dabei ist aber, daß wir beide Reflexionen miteinander vergleichen können und ihre Gegenstände jeweils miteinander identifizieren. Dazu müssen aber beide Gegenstände als Gegenstände zunächst mal in der Reflexion vorliegen und nicht nur einer.

Es gibt also zu jedem Verhältnisbegriff einen adjungierten Verhältnisbegriff, nämlich seinen Bezugsbegriff, welcher den zweiten Gegenstand zur Entsprechung hat und einen zweiten, seinen Artbegriff, welcher das Verhältnis zur Entsprechung hat.

Das ternäre Verhältnis a~b~c, wobei b das binäre Verhältnis zwischen a und b bezeichnet, reflektieren wir also durch a~'bc, c~''bc und b~'''bc, wobei bc den durch b und c gebildeten Verhältnisbegriff bezeichnet, ~' das Verkörperungsverhältnis, ~'' das Bezugsverhältnis und ~''' das Artverhältnis.

Dieses Bezugsverhältnis ist aber dasselbe wie das bereits zuvor betrachtete Begleitungsverhältnis, die Verhältnisbegriffe werden von ihren Bezugsgegenständen begleitet. Allerdings zwingt mich diese Bemerkung dazu auch das Begleitungsverhältnis noch einmal genauer zu betrachten, denn es stellt sich die Frage, ob die Begleitung analytisch, synthetisch oder manchmal das eine und manchmal das andere ist.

Hier ist die Begleitung natürlich analytisch, und es geht kaum an diesen Fall synthetisch umzugestalten, da Verhältnisse im allgemeinen keineswegs von Bezugsgegenständen begleitet werden, wenngleich es für konkret erfaßte Verhältnisse schon gilt. Genau das ist aber wohl stets der springende Punkt bei der Begleitung, daß sie innerhalb einer konkreten Erfassung Gültigkeit besitzt. Was das allerdings bedeutet ist, daß die Menge, welche begleitet wird, variiert und jedes Mal mitangegeben werden muß. Außerdem mag hier ein und dasselbe Verhältnis mehrmals auftreten und also von mehreren Bezugsgegenständen begleitet werden, allerdings zwingenderweise jeweils einzeln. Nur wie geht das vonstatten?

Die Begleitung kann nicht für diese Synthese herangezogen werden, die Konjunktion durch „und“ hingegen schon, es lägen also mehrere Begleitungen zugleich vor, mit jeweils passender Grundmenge.

Nun, so läßt sich die Angelegenheit natürlich lösen, nur hieße das verschiedene Begleitungen von einander unterscheiden zu können, was uns ganz offenbar nicht möglich ist.

Was einzig bleibt ist zu sagen, daß nicht die Verhältnisse begleitet werden, sondern die Verhältnisbegriffe, m.a.W. bei der obigen Darstellungsweise zu bleiben. Bei Zeit und Raum allerdings wird man auf einer synthetischen Begleitung bestehen wollen, da hier die Gegenstände aus einer umfassenderen Anschauung heraus entstehen, wodurch die Eindeutigkeit der Begleitung a priori gewährt ist.

Es ist verlockend Ähnliches auch für unsere Begriffe zu entwickeln, nur wie sehr schnell klar wird, wenn man sich auch nur die Bedeutung des Satzes „Dieser Stab ist am längsten.“ anschaut, geht es ganz einfach nicht. Unsere Verhältnisse ergeben schlicht kein Raster, durch welches wir die Welt erfassen, wie es Zeit und Raum tun. Wir verwenden sie vielmehr kreativ und flexibel, ohne Absicht der dabei entstehenden Struktur.

Damit bleibt aber die Frage, durch welches Vermögen wir von einer Fläche auf die Farbe übergehen können, welche sie ausfüllt. Ich neige zu der Ansicht, daß wir einfach mit einer ausgefüllten Fläche vor Augen, diese eine ausgefüllte Fläche zur Antwort heranziehen und dabei schlicht voraussetzen, daß die so erhaltene Antwort eindeutig ist. Dasselbe könnten wir auch mit einem Verhältnisbegriff anstellen, nur wäre die Antwort da eben nicht eindeutig.

Desweiteren stellt sich so natürlich wieder die leidige Frage nach der Symmetrie, denn ein Ganzes wird offenbar von allen seinen Teilen begleitet. Da aber Begleitungen nur innerhalb konkreter Erfassungen bestehen, kann man voraussetzen, daß die betroffenen Ganzen immer das Ergebnis spezieller, asymmetrischer Synthesen sind, welche immer als Beziehung einer Funktion auf ihr Argument verstanden werden, auch wenn dies nicht eindeutig geschieht.

M.a.W. ist es sinnvoll davon auszugehen, daß es für jedes begleitete Ergebnis stets einen begleitenden Bezug gibt und eine begleitende Methode, wobei die Reflexion durch „ist Bezug von“ und „ist Methode von“ stattfindet.

Die Methode allerdings ist nicht mit ihrem Index gleichzusetzen. „Rot“ ist etwas anderes als „rot ausfüllen“. Letztlich handelt es sich hier in allen Fällen um eine kreative Synthese, nämlich den Übergang zur Vorstellung zweier in bezug gesetzter Teile, wobei dem einen die Rolle des Beziehenden und dem anderen die Rolle des Bezogenen zugeschrieben wird.

Eine solche kreative Synthese ist einem Verhältnis nicht gerade unähnlich, besitzt aber als Ergebnis kein Verständnis, sondern einen Verstandesgegenstand. Trotzdem stehen ihre Argumente zugleich in einem Verhältnis, nämlich dem von konkretisierendem und konkretisierten. Nur darüberhinaus gibt es auch noch das Konkrete, welches von den anderen beiden gebildet wird.

Ob nun rot eine Fläche konkretisiert oder umgekehrt ist eine Frage der Auffassung, wobei natürlicherweise ersteres der Fall ist. Bei Verhältnis und Bezugsgegenstand ist es allerdings üblicherweise der Bezugsgegenstand, welcher das Verhältnis konkretisiert, und zwar durch Beziehung des Verhältnisses.

M.a.W. wird a~b~c durch a~'bc, c~''b, b~'''bc und c~'''bc reflexiv erfaßt, wobei ~' das Verkörperungsverhältnis bezeichnet, ~'' das Konkretisierungsverhältnis und ~''' das Bildungsverhältnis.

Begleitung braucht man hierbei also gar nicht zu verwenden, sondern ist vielmehr etwas, was man zusätzlich betrachtet, um gewisse Überlegungen anzustellen. Genauer gesagt besagt Begleitung, daß jedes Element einer Menge von einem Element begleitet wird, welches zum jeweiligen Element in einem bestimmten Verhältnis steht, z.B. eine Partition der Ebene, welche von Farben begleitet wird, welche die jeweilige Fläche konkretisieren. Wenn ich allerdings oben ein Bildungsverhältnis einführe, so verallgemeinert es offenbar das Verhältnis zwischen einem Ganzen und seinen Teilen.

Es ist hierbei übrigens wichtig, Bildung auf Synthesen zu beschränken. Das Ergebnis einer bloßen intellektuellen Funktion, welche sich auf es von einem Argument ausgehend besinnt, wird nicht auf diese Weise verstanden werden, sondern über den Umweg des Verständnisses einer Tat, also als dasjenige, welches die Aufnahme nach einer Anstrengung darstellt.

Anstrengungen sind übrigens Begriffen analog, sie mögen für sich bestehen, oder aber auf einen Verstandesgegenstand bezogen sein, allerdings nicht wahlweise für jede Anstrengung, sondern wenn man die Menge der Anstrengungen als Ganzes betrachtet. In letzterem Falle wird eine Anstrengungsweise also ebenfalls konkretisiert, nur muß sie dann auch konkretisiert werden.

Für die Rollenbegriffe ändert dies alles nichts, allerdings lassen sich diese natürlich spezialisieren. Dafür braucht man aber keine weiteren Verhältnisse einzuführen, daß ein Begriff spezieller als ein anderer ist, ist eine Aussage, welche sich mit den vorhandenen Verhältnissen formulieren läßt, und daß der spezialisierte Begriff aus dem Rollenbegriff hervorgegangen wäre, läßt sich so nicht sagen, da ein Verhältnisbegriff stets schon eine Rolle enthält.

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14. November 2007

Das denkende Ich

So hilfreich es auch ist, die intellektuellen Leistungen unterschiedlichen intellektuellen Vermögen zuordnen zu können, die Entwicklungsphasen des Intellektes zu kennen und die ihm möglichen Beiträge zur Entwicklung einer Kultur, nämlich, um dies noch einmal systematischer zu fassen, daß er entweder ein kulturstiftendes Wollen in die Welt bringt oder kulturnotwendige Einsichten verbreitet oder die in einer Kultur angelegten Fragestellungen weiterverfolgt oder kulturerhaltende Dienste übernimmt oder schließlich der Kultur ein neues Herrschaftsgebiet erschließt, so wenig kommen wir umhin, uns des Denkens als stattfindenden Vorgangs anzunehmen, wenn uns das vorige etwas konkretes bedeuten soll. Nun sind es aber Wir, welche denken, und bevor wir unser jeweiliges Ich verstehen, können wir also auch unser jeweiliges Denken nicht als jenes ändernden Vorgang verstehen.

Überlegen wir uns also zunächst einmal, was unser Ich für uns ausmacht. Offenbar doch wohl unsere Wahrnehmungen, unser Wollen und unsere, im weitesten Sinne verstandenen, Taten.

Nun mag einer einwenden, daß in unserem Bewußtsein doch stets nur Wahrnehmungen sind. Das hält uns aber nicht davon ab, uns in jedem Augenblick als wahrnehmend, wollend und handelnd aufzufassen, also eine Wahrnehmung um die Wahrnehmung der in ihr bestehenden Verhältnisse zu erweitern. Daß in einer Wahrnehmung Verhältnisse bestehen ist dabei in einem begründenden Sinne zu verstehen, wir mögen einen Eindruck dieses Bestehens haben, aber ohne zu wissen was da besteht. Wir ermitteln es nun, indem wir einen nicht notwendigerweise angeschauten, aber sonstigenfalls in einer Anschauung eingebundenen Gegenstand† zu einem Bezugspunkt eines von uns untersuchten Verhältnisses machen, welches wir dann nach jenem Gegenstand auflösen, welcher zum ersten Gegenstand in der zu grunde liegenden Anschauung im untersuchten Verhältnis steht. Diese Wahrnehmung eines bestehenden Verhältnisses nennen wir auch die Reflexion dieses Verhältnisses oder den Begriff des herausgegriffenen Gegenstandes. Beispiele solcher Begriffe sind insbesondere die Ermessungen einer Größe, also einer Weite, einer Dauer oder einer Stärke, welche einem angeschauten Gegenstande innewohnen mag. Nun werden durch das Zusammenkommen zweier Gegenstände in einer Reflexion selbstverständlich wiederum Verhältnisse gebildet, und die Frage stellt sich, in welcher Form wir uns dieser bewußt sein können. Verstandesverhältnisse sind nämlich stets binär, dieses Zusammenkommen hingegen ternär, kann also ganz nicht von uns erfaßt werden und muß somit auf verschiedene Weisen zerbrochen werden, um durch deren Zusammennahme wieder vollständig verstanden zu sein. Eine theoretische Lösung dieses Problems bestünde in der Ersetzung der Beziehung a~b~c durch die Menge {a~b, b~'c} (in einem linearen Text erscheint diese Aussage freilich nicht sonderlich glücklich), welche aber nicht die Lösung ist, welcher wir uns in unserem Denken bedienen, dort verwenden wir vielmehr a~(b~'c). Genauer gesagt bilden wir die Verkörperung eines bestimmten oder unbestimmten Verhaltens, also eines im Verhältnis zu einem Gegenstand Stehens oder eines im Verhältnis Stehens an sich, durch spezielle Verstandesgegenstände, eben den Nachbildungen, syntaktisch nach. Sei zum Beispiel eine Fläche rot ausgefüllt, dann lauten unsere Nachbildungen der Fläche nach dem vorigen „Ausgefülltes“ und „rot Ausgefülltes“ (b~'c). Nachdem wir diese Nachbildung gebildet haben, steht sie im Verhältnis der Darstellung zum, wie wir nun sagen, auch sie verkörpernden Gegenstand, und damit haben wir das Zusammenkommen vollständig verstanden (a~(b~'c)).

An dieser Stelle sollte man eine gewisse Schwierigkeit zur Kenntnis nehmen. Die Fläche, welche ich eben ansprach, verkörpert also „rot Ausgefülltes“, dann verkörpert sie aber auch „rot Ausgefülltes Verkörperndes“ und so weiter. Wenn man sich also fragt, was die Fläche verkörpert, und man muß es ja, um zur Reflexion dessen zu kommen, muß einem das Worin klar sein, in welchem die Fläche etwas verkörpert, also das angeschaute bestehende Verhältnis, oder, um die Situation hier klarer zu benennen, die zu grunde liegende Reflexionsstufe. Das kann es aber nur, wenn verschiedene Reflexionsstufen nicht nebeneinander in unserer Anschauung bestehen können, was allerdings auch nicht der Fall ist.

Was ich zuvor Vernunft genannt habe ist also auch ein Teil des Verstandes, nämlich jener, welcher sich mit den reflektiven Gegenständen beschäftigt, genauer wäre also vernünftiger Verstand, und wenn wir reflektieren, so spüren wir im Falle eines Mißerfolgs auch wieder einen Schwindel, genauer gesagt Verwirrung, da die Reflexion eben eine Anschauung ist, und wir verspüren die bereits erwähnten wertschätzungsartigen Gefühle im Umgang mit den Gegenständen der Vernunft, den Nachbildungen, welche das Gefallen unseres vernünftigen Verstandes an ihnen ausdrücken, was wiederum mit der Anstrengung ihrer Ersetzung durch Verbesserungen oder ihrer Sicherung für die Zukunft einhergeht. Wo es sich allerdings vermeiden läßt, werde ich auch in Zukunft die Vernunft nicht weiter sezieren, sondern sie als ein integrales Vermögen betrachten.

Das Wollen nun besteht ganz allgemein in einem Gefühl des Mißstands oder der Zufriedenheit, welches der Verstand auf Gegenstände der Wahrnehmung bezieht. Ist es ein Gefühl des Mißstands, so folgt auf es eine unwillkürliche Abwendungshandlung, welche im Falle der Bezogenheit auf reflektierte Verhältnisse darin besteht, sich auf angenehmere Verhältnisse zu besinnen.

Taten sind entweder die Ergebnisse von Anstrengungen, nämlich wenn sie auf Gegenstände einer nicht abgesehenen Anschauung gerichtet sind, oder andernfalls die vollzogenen Anstrengungen selbst und entstehen aus beschlossenen Vorsätzen, mit welchen zusammen sie im ersten Falle die Teile der reflektierten Anstrengung bilden, während der beschlossene Vorsatz im zweiten dem obigen gemäß unter sie gezählt wird. Ein Vorsatz besteht dabei entweder in einer selbstbezüglichen Anschauungsaufforderung, also daß aus ihm eine Anschauung entstehe, einschließlich eines rein gefühlsmäßig bestimmten, unreflektierten Verständnisses, darin, Anschauungsgegenstände, im zweiten Falle die Anstrengung selbst, in vorgesetzten Verhältnissen zu gewahren oder darin, das Vorige in regelhafter Begleitung zuzusichern, wie es bei der Verwendung von Begriffen und der Befolgung sonstiger Maximen geschieht, wann also aus einem Vorsatz eine unbestimmte Zahl an Taten ensteht.

Das Wesen der Reflexion bringt es aber auch mit sich, daß Wir uns noch auf eine andere Weise begegnen denn als welt-, heil- und schuldgenerierende Struktur des Verstandes, auf welche wir uns übrigens, auf einer Reflexionsstufe stehen bleibend, auch ausschließlich konzentrieren können, um dann mit der größten Sicherheit zu sagen: „Das bin ich.“, nämlich als einen Teil dieser Struktur in der reflektierten Gegenwart.

Die Zeit dabei ist zunächst einmal eine anschauliche Abfolge von Wahrnehmungen, welche eine solche freilich erst durch den Verstand wird, und ebenfalls durch ihn entsteht inmitten dieser die Verkörperung des gegenwärtigen Augenblicks als auf sinnlichem Wege Wahrgenommenes‡. Seine Reflexion als solcher nun bewirkt hingegen merkwürdiges, nämlich ein überwältigendes Gefühl von Wirklichkeit, was wohl daran liegt, daß die Reflexion stets neue Augenblicke zur Anschauung der Vernunft bringt, derer der vernünftige Verstand nicht Herr wird. Bei dieser Reflexion müssen wir uns aber auf bestimmte Bereiche unseres Ichs, also z.B. auf den Flügelschlag eines Vogels in der von uns wahrgenommenen Welt, beschränken, denn ein Übergang zwischen seinen einzelnen Teilen unterbricht stets die Reflexion der Gegenwart, und wenn wir sagen, daß wir sind, so meinen wir Uns damit entweder als Wahrnehmende, Handelnde oder Wollende, welches somit die kanonischen Formen der subjektiven Kontemplation sind, wobei uns die erste die Welt verdeutlicht, die zweite unser Schicksal und die dritte unseren Glauben, dies alles aber nur auf anschaulicher Ebene, ohne Erfassung der aufkommenden Verstandesstrukturen, auf welche wir uns zwar besinnen könnten, aber nicht ohne die Kontemplation zu beenden. Erst die Wirkung objektiver Kontemplationen, wie des Flügelschlags, ermöglicht es Verstandesstrukturen als solche und in ihren Teilen in der vergehenden Zeit zu erfassen, was daran liegt, daß die betrachteten Teile die ganze Zeit über fixiert sind. Verbunden mit der subjektiven lassen sich so in einem Prozeß der subjektiven Sammlung auch die eingangs erwähnten Prinzipien der Besonnenheit, Progressivität, Ehrfurcht und Bereitschaft aufspüren, wie geworfene Würfel verkörpert sich das fixierte Schema nach und nach. Genauer will ich auf diese Dinge aber nicht eingehen, das sei der Erfahrung jedes Einzelnen überlassen, nur soviel sei noch gesagt, daß man den Verstand auch ohne Reflexion der Gegenwart ausschalten kann, was aber lediglich eine vollere Anschauung bewirkt. Auch muß, damit eine Kontemplation eine Wirkung entfalten kann, der Wunsch dazu vorhanden sein. Es handelt sich also um eine spezielle Form der Besinnung, nämlich Besinnung bei überfordertem Verstand.

Denken nun, soweit wir es verstehen, besteht aus lauter Schritten der Besinnung, sei es, daß wir uns erinnern, uns etwas vorstellen, etwas reflektieren oder nach einem entsprechenden Begriff suchen, wohl gar auch nur einer assoziierten Anschauung. Eine genauere Betrachtung sei auf später verschoben, hier geht es nur darum zu verstehen, wie Anschauung, Verstand und Vernunft in unserem Denken zusammenwirken und auf welche Weise sich uns dieser Vorgang zu erkennen gibt, nämlich vermittels der Leistung unseres Verstandes.

weiter


Gegenstände, welche uns die Anschauung gibt, nennen wir auch Anschauungsgegenstände, lediglich in einem Anschauungsgegenstand verbundene Gegenstände hingegen Verstandesgegenstände. Die einfachsten Beispiele für Verstandesgegenstände sind Lagen und Farben, welche in farbigen Flächen verbunden sind.
Die Nachbildungen des Wahrgenommenen, auf sinnlichem oder sonstigem Wege Wahrgenommenen werden durch das Entstandensein aus unseren Anschauungsanstrengungen erklärt. Wenn wir einen Traum nicht von der Gegenwart unterscheiden können, so liegt es in der Tat daran, daß wir uns während des Träumens unserer Anstrengungen nicht bewußt sind, und indem wir uns im Traum auf unsere Anstrengungen besinnen, können wir ihn auch als solchen erkennen und uns zugleich aufwecken.

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19. Juli 2013

Funktions- und Ich-Assoziation

Wenn ich sage, das Ich habe drei Teile, Lust, Achtung und Sorge, so meine ich damit, daß sich drei verschiedene Ich-Assoziationen in unserem Bewußtsein auffinden lassen.

Unserem Ergehen werden Wahrnehmungen zugeordnet, aus welchen es hervorgeht. Das ist die Funktionsassoziation. Wird zusätzlich Wille assoziiert, so nennen wir unser Ergehen unsere Tat, und das ist die Ich-Assoziation.

Aufgrund der Art und Weise, wie wir Handlungsfolgen aus Zielen herleiten, indem wir die Kette ihrer Voraussetzungen schrittweise zurückverfolgen, begreifen wir unseren Willen natürlicherweise durch die Ziele, zu welchen er uns schließlich treibt, auch wenn uns eines zum Zeitpunkt des Vollbringens einer Tat noch nicht vollständig klar war, das heißt, wir erlauben uns die retrospektive Verfeinerung derselben.

Hierin mag einiges Kritikwürdiges liegen, daß wir im Nachhinein Ziele erfinden, welche es nie gab, und doch ist es so, daß wir mit der Annahme, es gebe in uns manch dunkles Treiben, welches es aufzuhellen gilt, für gewöhnlich gut fahren.

Die Wahrnehmungen, Taten und Ziele der Lust, der Achtung und der Sorge habe ich bereits beschrieben, aber ich wiederhole es besser noch einmal. Die Wahrnehmung der Lust ist die Anschauung, ihre Tat die Anstrengung und ihr Ziel eine andere Anschauung. Die Wahrnehmung der Achtung ist die Verstandeserfassung der Lage, ihre Tat der Ansatz und ihr Ziel eine andere Verstandeserfassung. Und die Wahrnehmung der Sorge ist die Vernunfterfassung des Zustandes, ihre Tat die Einfindung und ihr Ziel wiederum eine andere Vernunfterfassung, wobei sich Ansatz und Einfindung heuristisch nicht unterscheiden, das heißt, daß beide auf dieselbe Weise einen Handlungsplan suchen, sehr wohl aber in ihrem Anwendungskontext, als welcher beim Ansatz in einem Augenblick liegt, während sich eine Einfindung über ein ganzes Leben lang hinziehen kann, das heißt im Hinterkopf bleibt und stückweise verfolgt wird.

Fragt man sich nun, wer ein Mensch ist, so liegt es offenbar nahe, wiederum nach Wahrnehmung, Tat und Wille zu fragen, denn das ist ja sein Ich. Und es ist a priori klar, daß man darauf nur Antworten aus den verschiedenen Varianten eines Ichs wählen kann, also entweder Lust, Achtung oder Sorge, genauer gesagt deren Wahrnehmung, Tat oder Wille.

Und nichts anderes tue ich, wenn ich geistigen Horizont, Gesinnung und Geist bestimme, der geistige Horizont ist die dominierende Wahrnehmung, die Gesinnung die dominierende Tat und der Geist ist der dominierende Wille, wobei die gesellschaftlichen Ziele des letzteren natürlich genauer zu bestimmen sind.

Freilich, auch bei den anderen beiden Teilen sind genauere Betrachtungen anzustellen, so reflektiert natürlich jeder Mensch, die Frage ist nur was, die Anschauung, die Verstandeserfassung oder die Vernunfterfassung?, wobei Haltung und Begriffe aus der Reflexion der Verstandeserfassung hervorgehen und der Glaube aus der Reflexion der Vernunfterfassung. Und so verhält es sich auch bei den Taten, bei jedem Menschen dominiert die Einfindung, aber der Gegenstand derselben unterscheidet sich, je nachdem er der Lust, der Achtung oder der Sorge angehört, also Körper, Haltung oder Begriff ist.

Es ist also natürlich, einen Menschen nach geistigem Horizont, Gesinnung und Geist zu zerlegen, wobei die Zerlegung der einzelnen Komponenten etwas willkürlicher ist. Vielleicht stößt es auf, daß die Reflexion der Vernunft auf den Glauben führen solle, aber ihr Gegenstand der Begriff sei, oder der einzige Gegenstand des Verstandes die Haltung. Aber das stimmt natürlich, der einizge Gegenstand des Verstandes, also das, was er einzig in einem formt, ist die eigene Haltung, zu den Begriffen liefert er lediglich die Grundlage, als welche unveränderlich ist. Nur das, was wir auf dieser Grundlage durch die Vernunft formen, ändert sich und ist damit ihr Gegenstand.

Weiterhin spiegelt unsere Stimmung unsere Haltung und unsere Begriffe, allerdings, im Falle letzterer, auf unterschiedliche Weise, nämlich einmal danach, ob sie günstig gewählt sind, also nichts verzerren oder verwirren, und zum anderen danach, ob sie hinreichen. Dieses Hinreichen aber liefert den Schlüssel zur Entdeckung des eigenen Glaubens, und während sich die Güte gewählter Begriffe aus ihrer Anwendung heraus ergibt, worüber der Verstand Auskunft gibt, ist ihr Hinreichen ein Faktum, welches nur in der Vernunft zu finden ist.

Wahrscheinlich lohnte sich eine genauere Betrachtung just dieses Sachverhalts, denn es geht hier wieder um den Existenzquantor, welcher jenseits des tierischen Denkens liegt: Gibt es einen Begriff für das, was ich beschreiben möchte?

Und auch die geschichtliche Entwicklung von Glauben ließe sich wohl in diesem Zusammenhang heller beleuchten.

Gut, aber das tue ich hier nicht. Das Seltsame, daß einer mit Gegenständen umgeht, welche er nicht recht zu reflektieren vermag, habe ich schon behandelt, aber ist es wirklich so seltsam? Schließlich erlernen wir das Reflektieren erst mit der Zeit, wenngleich nicht alle von uns. Auch ich ging lange mit Begriffen um, ohne erfaßt zu haben, was sie eigentlich sind. Aber schließlich wurde es mir klar, und zwar, um das hier zu erwähnen, als ich erkannte, daß sich allgemeine Tensorprodukte nur durch ihren Dualraum erfassen lassen. Ich war damals auf dem Lehmlöcherweg, genau hier. Was das da für eine Rennbahn ist, weiß ich hingegen bis heute nicht.

Damit will ich es einstweilen belassen.

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24. April 2014

Zur Formalisierung der Gedanken

Ich möchte mich nicht überheben und gehe die Formalisierung des Denkens daher lieber langsam an, um mich, wenn alles gut geht, dem Ziel Schritt für Schritt zu nähern.

Einstweilen möchte ich lediglich zwei Wahrnehmungsvermögen bezeichnen, das Denk- und das Einsichtsvermögen.
  • Λ (λόγος) Denkvermögen
  • Δ (Begründung des Denkens) Einsichtsvermögen
Daneben seien die folgenden auf einander bezüglichen Begriffe bezeichnet.
  • α dasjenige, welchem etwas zugeordnet ist
  • β dasjenige, welches etwas zugeordnet ist
  • φ (φαινόμενον) dasjenige, welches wahrgenommen wird
  • ν (νοῦς) dasjenige, welches wahrnimmt
  • σ, ς auf einander bezügliche Begriffe
Desweiteren brauchen wir eine Notation für die Zuordnung, um sie faktisch vorzunehmen.
  • [a|b] b ist a zugeordnet
Anmerkung. Mit der Frage, wo hierbei ist und wo hingegen sei verwendet werden muß, werden wir uns gegebenenfalls später noch zu beschäftigen haben.

Für die natürlichen logischen Operationen verwenden wir diese Bezeichnungen.
  • A, B bezeichnet die Konjunktion von A und B
  • >A< bezeichnet die Negation von A
Wenn wir nun auf einander bezügliche Begriffe in Formeln verwenden, so müssen wir ihnen einen Index zuordnen, damit klar ist, welche beiden sich jeweils formal auf einander beziehen.

Um das zu verdeutlichen, gebe ich die folgenden trivialen Gleichungen an.
[a|b] = [α1|a], [β1|b] = [α21], [β2|a], [α31], [β3|b] = ...
Ich möchte sagen, daß hier der Grund verborgen liegt, warum Heidegger so schwer zu lesen ist.

Desweiteren möchte ich der Bequemlichkeit halber folgende Kurzschreibweisen verwenden.
  • A{b}für [ν|A], [φ|b]
  • a~b für [σ|a], [ς|b]
Schließlich brauchen wir noch den Existenzquantor, sowie die üblichen Kurzschreibweisen für die Anwendung der üblichen logischen Operationen.
  • a: Δ{B(a)} es existiert ein Gegenstand, welcher der Auszeichnung B entspricht
  • a; Δ{B(a)}: Δ{C(a)} steht für ∃a: Δ{(B, C)(a)}
  • a; Δ{B(a)}: Δ{C(a)} steht für >∃a; Δ{B(a)}: Δ{>C(a)<}<
  • A => B steht für ∀C; Δ{C}: Δ{>A, >B<<}
  • A <=> B steht für A=>B, B=>A
Damit hätten wir eine ganze Reihe von Symbolen und Schreibweisen und müssen nun innehalten und uns fragen, ob und wie uns mit ihnen gedient ist.

Was ist etwa unter A(b) zu verstehen, wenn A eine Auszeichnung ist und A(b) eine Aussage sein soll?

Wir brauchen offenbar das Konzept freier und gebundener Variablen in logischen Ausdrücken, wobei jede freie Variable durch einen Existenzquantor gebunden werden muß, um zu einer Aussage zu gelangen, welche überhaupt erst im Einsichtsvermögen liegen kann.

Entsprechend sollten wir die obige Frage auf den Ausdruck A(b,c,d,...) erweitern.

Wie muß die dazugehörige Auszeichnung aussehen?

Offenbar gibt es in ihr auf einander bezügliche Begriffe, und jedesmal, wenn sich ein solcher Begriff auf einen Gegenstand beziehen soll, welchen er auszeichnen soll, und zwar möglicherweise in gegenseitiger Abhängigkeit von anderen zugleich ausgezeichneten Gegenständen, muß dies formal kenntlich gemacht werden.

Es reicht also nicht, wie ich im vorigen Beitrag schrieb, einigen bezüglichen Begriffen schlicht nichts zuzuordnen. Dies würde nur dann reichen, wenn lediglich ein Gegenstand an die Auszeichnung gebunden werden soll.

Sind indes mehrere vorgesehen, so muß den entsprechenden Begriffen ein Platzhalter zugeordnet werden, welcher später gegen die entsprechende Variable auszutauschen ist.

Dies ist aber kein sonderlich großes Problem, denn man kann den Platzhalter so wählen, daß sich zwar formal eine Aussage ergibt, diese aber von einer überflüssigen Art ist, so daß man die Definition einer formalen Aussage so abändern kann, daß es sich bei Zuordnung ausgewiesener Platzhalter um keine handele.

Bemerkung. Zur angesprochenen Differenz zwischen ist und sei, eine Auszeichnung ergibt natürlich nur dann Sinn, wenn sie danach fragt, ob etwas einem anderen bereits zugeordnet ist, und nicht, wenn sie diese Zuordnung selbst vornimmt, wobei durch den Austausch der Platzhalter schon eine Zuordnung vorgenommen wird, aber nur auf der formalen Ebene, um eine formale Aussage zu erhalten. Wäre die Auszeichnung beispielsweise [a|x], so würde das etwa durch [a|b] ersetzt, aber dieses wäre nur dann einsehbar, wenn b dem Gegenstand a bereits zuvor zugeordnet gewesen wäre.

Kommen wir zur nächsten Frage. Wie lassen sich Gesamtheiten formalisieren?

Auf vielerlei Weisen natürlich, aber jede beruht darauf, der die Gesamtheit definierenden Auszeichnung ein Symbol für die Gesamtheit zuzuordnen. Eine Möglichkeit wäre etwa
Δ{A}, wobei A eine Auszeichnung ist.
An dieser Stelle ist es im übrigen wohl zweckmäßiger nur Auszeichnungen zu betrachten, welche lediglich eine Variable binden.

Wie aber können wir im hiesigen Rahmen eine Begleitung, etwa [x|x2], formalisieren?

Nein, ich habe es nicht gerade schon getan. Was da steht, ist entweder eine Auszeichnung von Zahlen, denen ihr Quadrat zugeordnet ist, oder es ist die Zuordnung des Quadrates einer bestimmten Zahl zu ihr selbst.

Ehrlich gesagt stellt sich bereits die Frage, wie wir überhaupt irgendeine Zuordnung auszeichnen können.

Angeben können wir [7|49], aber auszeichnen?

Doch, es geht schon, aber es ist kompliziert:
x<=>[7|49]
Bitte nicht lachen, so ist es eben. Allerdings, wie ist es eben? Handelt es sich hierbei um die Auszeichnung der Zuordnung oder um die Auszeichnung der Aussage über eine Zuordnung?

Letzteres ist der Fall, und mehr können wir auch nicht erreichen, da wir ja lediglich beschreiben wollen und eine Zuordnung durch einen Akt zu Stande kommt. Allerdings müssen wir auch nicht mehr erreichen, da die Beziehung zwischen Zuordnungen und Aussagen über sie eineindeutig ist.

Und auf die gleiche Weise können wir somit auch Begleitungen formalisieren, etwa die Auszeichnung aller Zuordnungen, welche einer Zahl ihr Quadrat zuordnen.
b: x<=>[b|b2], wobei Δ{∃a: B(a)} = ∃a: Δ{B(a)}
Es stimmt, daß es bei den letzten beiden Auszeichnungen eine Schwierigkeit gibt, nämlich die Einsicht in die logische Äquivalenz in allen Fällen, welche einen Beweis erfordert, auch wenn er dort nur darin besteht, daß zwei Aussagen, welche übereinstimmen, identisch sind und umgekehrt, und daß es zum anderen natürlich viele formal unterschiedliche Aussagen gibt, welche inhaltlich identisch sind, etwa indem man zu einer Aussage beliebig oft und 1+1=2 hinzufügt. Diese Auszeichnungen müssen also inhaltlich verstanden und obendrein ihre Einsehbarkeit bewiesen werden. Es ist wirklich eine ausgesprochen komplizierte Angelegenheit, und alles nur, um einer Zuordnung eine Formel zuzuweisen.

Damit soll es mir für heute genug sein. Ob es wirklich nötig war, Auszeichnungen zu betrachten, welche mehr als eine Variable binden, weiß ich nicht, aber wenn es nötig sein sollte, ginge es relativ leicht. Auch habe ich mir bisher keine grundsätzlichen Gedanken über das Hantieren mit Inhalte vertretenden Symbolen gemacht. Allerdings ist mir der Unterschied zwischen einer reinen Schreibweise wie Δ{A} und einem einsichtsmäßig verwertbaren Gegenstand wie ∃a: Δ{x<=>[a|a2]} schon bewußt.

Die Gesamtheit ist ein verzichtbarer Begriff, eine Auszeichnung von Aussagen über Zuordnungen hingegen nicht.

Ich sollte mir wahrscheinlich als nächstes Gedanken über den Prozeß des Zuordnens, um zu beschreiben, machen.

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11. Mai 2014

Synthetische Eindrücke

Synthetische Eindrücke sind Eindrücke, welche eine Zerlegung in Teileindrücke erlauben, deren Konjunktionen sie sind, mit anderen Worten also Eindrücke der Form:
  • [a1, ..., an], wobei ai beliebige Eindrücke sind.
Es gibt dabei zwei verschiedene Arten von synthetischen Eindrücken, nämlich die
  • bündelnden Eindrücke und die
  • beziehenden Eindrücke.
Zu ersterer Art gehören Wahrnehmung wie kalter, harter, feuchter Eisblock, aber auch die Erscheinungen eines Gegenstandes auf eine bezügliche Erscheinungsweise.

Letztere Art bilden hingegen die Einsichten, und entsprechend werde ich fortan folgendes und nur folgendes schreiben, um eine Einsicht in Δγ,ε zu formalisieren:
  • [[γ/ε, a1], ..., [γ/ε, an]],
wozu zu sagen ist, daß nur diejenigen Ausdrücke bezügliche Eindrücke ergeben, welche durch Einsicht zu Stande kommen.

Es mag allerdings sein, daß ein Gegenstand auf mehrere bezügliche Erscheinungsweisen zugleich erscheint, sagen wir a1, kurz mehrfach bezüglich ist, und auch das muß ausdrückbar sein. Seien die Einsichten also etwa in Δγ11 und Δγ22 gegeben. Dann halten wir die doppelte Einsicht wie folgt fest.
  • [[γ11, γ22, a1], [γ11, a2], ..., [γ11, an], [γ22, b1], ..., [γ22, bm]]
Natürlich liegt hier ein Mischfall aus Bündelung und Beziehung vor, und auch wenn sich zwei Einsichten auf gänzlich verschiedene Gegenstände bezögen, müßten wir also, um mit dem Mischfall konform zu bleiben, sämtliche Erscheinungen unabgestuft in einem synthetischen Eindruck erfassen.

Andererseits gibt es aber auch den Fall, daß uns zwei Einsichten im selben Einsichtsvermögen, welche ihre jeweiligen Gegenstände auf einander beziehen, bewußt sind, und da müssen wir die Erscheinungen selbstverständlich zunächst in ihrer Bezogenheit zusammenfassen, bevor wir sie bündeln, oder?

Die Alternative besteht darin, die Erscheinungen in letzterem Fall von einander zu unterscheiden, und genau das müssen wir auch tun, wiewohl ich noch nicht sagen kann, was der formalen Unterscheidung seinsmäßig entspricht. Die Notwendigkeit ergibt sich indessen daraus, daß ja auch in letzterem Fall ein Gegenstand doppeltbezüglich sein kann.

Legen wir uns also in allen Fällen auf ein kombiniertes Einsichtsvermögen mit kombinierten Erscheinungen fest, wobei indes für jeden betroffenen Gegenstand eine auf einen anderen Gegenstand bezügliche Erscheinungsweise genügt. Entsprechend schreiben wir folgendes für die Reflexion der Wahrgenommenheit im obigen Beispiel.
  • [[[Δγ11, Δγ22], ν], [[γ11, γ22, a1], φ], [[γ11, a2], φ], ..., [[γ11, an], φ], [[γ22, b1], φ], ..., [[γ22, bm], φ]]
Abschließend möchte ich die Erwartung präzisieren, welche ich im letzten Beitrag angesprochen habe. Eine möglicherweise unvollständige Aussage hat die allgemeine Form:
  • [γ/ε, a1], ..., [γ/ε, am], am+1, ..., an, γn+1n+1, ..., γpp,
wobei sowohl γ als auch ε vorkommen können, aber nicht müssen, und die Komponenten (n+1), ..., p lediglich für die folgende Bemerkung gebraucht werden.

Bemerkung. Letztlich sehen auch die möglicherweise unvollständigen Aussagen in kombinierten Einsichtsvermögen so aus, nur daß wir dort nicht γ/ε schreiben können, und das folgende gilt analog für ihren Fall.

Wenn wir uns nun auf eine diese vergegenwärtigende Einsicht besinnen, so haben wir dabei die folgende Erwartung.
  • γ,ε, ν], [[γ/ε, a1], φ], ..., [[γ/ε, am], φ], [αm+1, φ], [am+1, ωm+1], ..., [αn, φ], [an, ωn], [αn+1, φ], [γn+1n+1, ωn+1], ..., [αp, φ], [γpp, ωp]
Ja, es wird langsam etwas mühsäliger, die Formeln hinzuschreiben, aber für dieses Mal sind wir damit durch.

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9. November 2017

Verfolgung und Beachtung in der Vernunft

Unser Verstand entspinnt sich über unserer Anschauung, und unsere Vernunft besteht darin, daß die Begriffe, aus welchen unser Verstand besteht, selbst wieder zu Gegenständen unserer Anschauung werden, über welchen sich die logischen Begriffe entspinnen, also daß Gegenstand A zu Gegenstand B im Verhältnis C steht und derlei mehr, wobei in diesem Beispiel A, B und C allesamt logische Gegenstände sind.

Mit anderen Worten ist unsere Vernunft keine dritte Schicht über den Schichten der Anschauung und des Verstandes, sondern vielmehr die Anwendung dieser Schichten auf sich selbst zuzüglich des dazu nötigen Begriffsinventars.

Dies hindert indes nicht, die Seele in drei Teile zu zerlegen, Lust-Anschauung, Achtung-Verstand und Sorge-Vernunft, da der Grad der Reflexion psychisch gesehen irrelevant ist und sich Sorge-Vernunft hinsichtlich der Ich-Trinität aus Wahrnehmung, Handlung und Willen als den anderen beiden Seelenteilen analog erweist, das heißt wie sie über ein eigenes derartig gegliedertes Ich verfügt.

Andererseits müssen wir die Sorge aber bei genaueren technischen Untersuchungen unseres Geistes als das betrachten, was sie technisch gesehen ist, nämlich als die höheren Iterationsstufen von Anschauung und Verstand, und genau das tun wir an dieser Stelle.

Genauer gesagt geht es um die Frage, wie wir uns besinnen können.

Üblicherweise beruht Besinnung auf der Einlösung eines Begriffs, beispielsweise des gestern Mittag Gegessenen oder dreier äquidistanter Punkte in einer Ebene, wobei die Augen bei ersterer für einen Augenblick nach links und bei letzterer für einen ebensolchen nach rechts huschen, also dabei sich zu entsinnen oder sich etwas vorzustellen, und bei der Besinnung auf ein Gegenwärtiges, etwa die nächste Steckdose, zucken sie selbstverständlich im Raum herum bis sie schließlich auf dieses gerichtet sind, aber dieses Beachten der begrifflichen Vorgabe ist nicht die einzige Art sich zu besinnen.

Etwas zu erwarten bedeutet in seiner einfachsten Form zu glauben, daß da etwas ist.

Das da ist dabei ein beliebiger Gegenstand, zu welchem sich der Eindruck der Erwartung gesellt hat, und die erste Frage lautet, welcher Eindruck sich in ihm anbahnt, denn so ist es mit den Eindrücken der Erwartung, daß sie zerfallen in das Erwarten und das Erwartete, diese Teile indes zunächst unerkannt bleiben.

Wir fragen uns da also, was etwas sei, nicht vom Begriff, sondern von seinem Gegenstand ausgehend, bei der Erwartung konkret vom Teileindruck eines Begriffs, nach dessen Namen wir suchen, so wie wir es auch tun, wenn uns etwas auf der Zunge liegt.

Ein anderes Beispiel wird durch das I Ching gegeben. Da erwartete ich auch, daß da etwas ist. Ich schob es wiederholt auf, mich ihm zu nähern, aber schließlich ergriff ich die einzelnen Hexagramme und sah sie darauf an, was sie seien, denn nachdem ich unverhofft in einem etwas gefunden hatte, was ich dort nicht vermutete, nämlich eine korrekte Beschreibung der Stationen meines Lebens, ergriff mich die Erwartung, daß sich alle Hexagramme so verstehen ließen, und indem ich mich fragte, welche Stationen es jeweils seien, dabei sukzessive Rahmenbedingungen hinzufügend, gelangte ich schließlich zur vorliegenden Auffassung.

Entscheidend war bei dieser Entschlüsselungsarbeit aber nie der Text, sondern das Gefühl nach den ersten drei Zeilen etwas verstanden zu haben, denn in ihm lag der Eindruck, dessen Namen es zu erraten galt, und indem ich dies 64 Mal wiederholte, die ersten drei Zeilen lesen, hoffen, etwas zu verstehen, und mir dann darüber klar zu werden, was ich verstanden hatte, legte ich die empirische Grundlage für die Eindrücke des intellektuell Erreichbaren, also zu wissen, daß man etwas weiß, aber einstweilen noch nicht zu wissen, was man weiß.

Und indem wir uns also auf Nam' und Art besinnen, oder nach Platon, siebter Brief, auf Namen, Erklärung, Abbildung und Einsichten, welche sich mit dem Eindruck des vorliegenden Begriffs verbinden (wie Schleiermacher darauf kommt, daß das Umgrenzende allerwärts von der Mitte gleichweit absteht ein Begriff sei* und nicht etwa eine Erklärung oder Definition ist mir schleierhaft), wobei sich freilich nicht alle Begriffe abbilden lassen, verfolgen wir das, dessen Erreichbarkeit unsere Anschauung vor unsere Vernunft gestellt hat, in technisch gesehen lüsterner Sorge.

*im Original freilich λόγος, was auch ich als Begriff zu übersetzen pflege, doch im Neuen Testament und nicht bei Platon. Es spricht nichts dagegen, daß sich der Gebrauch des Wortes in ca. 400 Jahren leicht verschoben hat, und es ist eine leichte Verschiebung von der formalen Erfassung eines Begriffs durch seine Definition hin zu seinem Eindruck, ja, eine so leichte Verschiebung, daß sie unter Zeitgenossen wahrscheinlich ist.

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29. November 2019

Das Glück der Besinnung

Das Glück ist das Gefühl, welches das Gelingen beurteilt, und auch Besinnung will gelungen sein. Die drei Arten der Besinnung sind:
  • die Verfolgung eines Eindrucks (Gegenstand -> Begriff),
  • die Einlösung eines Begriffs (Begriff -> Gegenstand) und
  • die Auslösung eines Eindrucks (Gegenstand -> Gegenstand).
Das Glück der Verfolgung besteht darin, eine Übersicht zu gewinnen. Wir erleben es metaphorisch im Traum, wenn es uns gelingt, uns darauf zu besinnen zu fliegen. Die Angst dabei, die Beherrschung zu verlieren und abzustürzen, entspricht der Angst, die Übersicht zu verlieren. Es ist dieses Glück, welches Platon im Phaidros meint, das Aufschwingen zu den Ideen, dem rechten Begriff, welcher Übersicht verleiht.

Das Glück der Einlösung besteht in der eigenen Virtuosität. Es ist im Vergleich zu den anderen beiden Glücken schwächer ausgesprägt, weshalb es ratsam ist, sich seine Verfolgung (im Sinne des Aktionsmusters) aufzuerlegen, in der Mathematik etwa dadurch, sich begrifflich bekannte Lösungen so anschaulich wie möglich vorzustellen.

Das Glück der Auslösung besteht im eigenen Beitrag zur Welt, also daß dieselbe dem Gesetz folge, welches im eigenen Willen liegt, metaphorisch etwa in den Wipfeln von Kiefern und Fichten gefaßt, deren Ehrenplatz sich aus dem beharrlichen Wachstum der Pflanze ergibt.

Aus der Übersicht entspringt unser Verständnis, aus der Virtuosität unsere Haltung und aus dem Beitrag unser Glaube.

Post Scriptum vom selben Tag. Die Glückseligkeit der Übersicht suggeriert durch die Vortrefflichkeit des Begriffs das Heilsprinzip, die Glückseligkeit der Virtuosität durch die Vortrefflichkeit der Anschauung das Beteiligungsprinzip und die Glückseligkeit des Beitrags durch die Vortrefflichkeit des Vermachten das Wirkungsprinzip.

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15. Juni 2024

Reflexionstheorie

Es gibt zwei Arten von Gegenständen, nämlich anschauliche oder aufgegriffene Gegenstände und Verstandes- oder begleitende Gegenstände.

Jeder Gegenstand ist dabei wenigstens ein gewahrter Eindruck, und unsere Fähigkeit, uns wiederholt auf einen Gegenstand beziehen zu können, beruht auf der Identifikation verschiedener gewahrter Eindrücke.

Gewahrungen, welche auf einander beruhen, seien durch > baumförmig gegliedert und begleitete und begleitende Eindrücke durch |.

Eine Reflexion ist dann stets eine Triade (a>(b|γ)), wobei a und b aufgegriffene Eindrücke sind und γ das sie begleitende Verhältnis und die Klammern auch weggelassen werden können, da | stärker binde als >.

Da die zeitliche Reihenfolge des Aufgreifens der Gegenstände a und b umgekehrt werden kann, läßt sich überprüfen, daß es zu jedem Verhältnis γ ein so genanntes antipodisches Verhältnis -γ gibt, beziehungsweise in der Terminologie von vor zehn Jahren, welche weiterhin den umfassendsten Formalisierungsversuch des menschlichen Denkens widerspiegelt, daß jedes Verhältnis auf zwei auf einander bezügliche (Erscheinungs-)Weisen erscheint.

Die Verhältnisse der Reflexion einer Reflexion sind
  • αa(b): b ist der Ausgangsgegenstand der Triade a,
  • βa(b): b ist der als zweites aufgegriffene Gegenstand der Triade a und
  • λa(b): b ist das begleitende Verhältnis der Triade a,
wobei das begleitende Verhältnis von einem Verstandesgegenstand durch die Reflexion zu einem anschaulichen Gegenstand wird (wenn man so will der Vernunft-Anschauung, Verstandesanschauung ginge auch, ist es doch die Vernunft, welche den Verstand anschaut, doch ich werde Schopenhauer zuliebe schlicht bei Reflexion bleiben.)

Und eine konkret vollzogene vollständige Reflexion einer Reflexion sieht somit also so aus
a>b|γ   >a|α
        >b|β
        >γ|λ
und an jeden der drei Zweige dieses Baums können sich weitere Reflexionen anschließen, wie auch an den einen dieses:
a: Dyan Cannon
b: Peter Sellers
c: ravishing
γ: looks tonight
ω: is known by (existiert im Innenleben von)
a>c|γ   >a|ω    >b|ω    >a|ω
wobei die Einsicht, etwas zu wissen, gleichbedeutend damit ist, die Existenz einer Reflexionstriade festzustellen, und die Feststellung der Existenz von etwas durch seine Inbezugsetzung zu unserer Beeindrucktheit, unserem unspezifizierten Innenleben vollzogen wird, welches im Gegensatz zu seinen Ausformungen, seien sie begleitend wie reflexionsbildende Begriffe oder Gefühle oder auch der Anschauung der äußeren Welt entspringend, stets aufgegriffen werden kann, ganz, einheitlich, zusammenhängend, und durch die Reflexion allen Gegenständen sein eigenes Sein verleihend, zu welcher Einsicht vorzudringen Dike Parmenides zufolge allen Wahrheitsliebenden aus gutem Grunde abverlangt.

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