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29. Februar 2008

Von der Gegebenheit der Gegenstände

Es gibt drei Arten von Gegenständen, die vorgefundenen, die verwendeten und die gebildeten. Die vorgefundenen sind die Anschauungsgegenstände ausschließlich der gebildeten, sie erscheinen in Urteilen als die den Analysen zu grunde liegenden Synthesen, während die verwendeten Gegenstände jene sind, durch deren Verwendung wir diese Synthesen begreifen, also die uns bekannten Verstandesgegenstände. Die gebildeten Gegenstände schließlich entstehen durch unsere Wahlen, also aus unbestimmtem Vorsatz, es sind die erst nachträglich bekannten Anstrengungen.

Vorgefundene und gebildete Gegenstände können sein, entstehen und vergehen, verwendete Gegenstände sind immer schon gewesen, sie sind die Bausteine unserer Vernunft. Von den Urteilen haben wir indessen schon gesprochen, und es bleibt somit nur die Bildung von Gegenständen genauer zu betrachten.

Bei der Bildung von Gegenständen handelt es sich stets um die Bildung einer willkürlichen Assoziation, denn was man auch wählt, dem Vorsatz als solchem wird es dadurch assoziiert. Diese einfachste Bildung ist indes nicht sonderlich hilfreich, da wir dazu neigen, sie auf der Stelle wieder zu vergessen, sie bedeutet uns ganz einfach nichts. Damit uns etwas bedeute, müssen wir es in Gemeinschaft mit etwas bringen, welches uns bereits etwas bedeutet, wie z.B. das Wort „Dieses“, welches eine der häufigsten Bildungen ist, nämlich sich anzustrengen, daß etwas dazu auserwählt werde, mit dem Wort „Dieses“ ein Ganzes innerhalb der entstehenden Anstrengung zu bilden. Selbstverständlich muß es nicht das Wort „Dieses“ sein, es genügt irgendein Eindruck, welcher uns irgendetwas bedeutet, an welchen wir uns also erinnern können, und am natürlichsten ist es freilich, die Reflexion der Verkörperung des Vorsatzes, mit dieser Reflexion ein Ganzes zu bilden, zu verwenden, wobei die Reflexion als bloß beschriebene noch vor ihrer Gewahrung Teil des Vorsatzes sein darf und bereits während der Anstrengung gewahrt wird.

Allgemeiner handelt es sich bei den Vorsätzen aus etwas vorgegebenen mit etwas gewähltem ein Ganzes zu bilden, um Zuordnungen des Gewählten zum Vorgegebenen und indem man diese Anstrengung wiederum einer Bezeichnung zuordnet, wird das zuerst Gewählte als so Bezeichnetes zugeordnet. Damit sind dann aber auch die Anbindungsmöglichkeiten der Wahl an bereits Bekanntes erschöpft und eine vollständige Übersicht der Gegenstandsbildungen gegeben.

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16. Februar 2008

Von der Absicht des Möglichen

Wir haben zwar einen Begriff der Zugehörigkeit einer Verständniseinheit zu einer Verständnisform, nur heißt das eben noch nicht, daß wir die Gesammtheit ihrer möglichen Ausprägungen auf irgendeine Weise bewältigen könnten. Wie aber ließe sich das Mögliche, sofern es endlos ist, auch bewältigen? Das Mögliche ist ja, was wir unter Umständen gewahren, und somit passiv begriffen, es zu bewältigen heißt die Schritte kennen, durch welche es vorgestellt werden kann, in welchem Falle wir sagen, daß es aktiv begriffen ist. Der erste Schritt, den man dabei kennenlernen muß, ist die Vorstellung des Nächsten in einer Abfolge, denn ohne diese Kenntnis ist offenbar keine Absicht des eigenen Vorstellens möglich, welche aber allen Bewältigungen zu grunde liegt.

Freilich stimmt es, daß wir nur endlich viele Schritte gehen können, wir haben aber, sofern uns der Schritt bekannt ist, auch eine Vorstellung seiner möglichen endlosen Wiederholung, und diese soll hier genügen, um durch sie eine mögliche Ausprägung zu kennen. Und freilich stimmt es auch, daß man Mathematik, insbesondere Geometrie, auch mit passiven Begriffen betreiben kann, der Vorteil eines erschöpfenden Anhalts zur Bildung der aktiven Begriffe, welche wiederum die eigentlichen Verständniseinheiten vertreten, ist indes, daß einem eine Flut ungeordneter Existenzversicherungen erspart bleibt.

Nun, an einer Stelle habe ich gemogelt, darauf will ich jetzt zu sprechen kommen. Die Vorstellung einer unendlichen Wiederholung ist natürlich kein Handlungsbegriff. Daß dieser Vorstellung eine Verständniseinheit entsprechen soll, beruht also nicht auf einer tatsächlich vollzogenen mehrschrittigen Vorstellung, sondern vielmehr darauf, daß einerseits Q dicht in den stufenlosen Größen liegt, was wenig besagt, da wir Nähe gerade durch die fortgesetzte Teilung eines Maßstabes denken, und andererseits jede Teilung von Q in eine Menge kleinerer und eine Menge größerer Größen selbst eine Größe darstellt, was freilich auf blindem Zutrauen beruht, sofern es die Anschauung betrifft.

Mit diesen Bemerkungen kann ich nun endlich das Thema der Verständnisvergegenständlichung abschließen, obzwar sich schon noch das eine oder andere zur mathematischen Modellierung sagen ließe. Die Bildungen von Ganzen und Aussagen haben wir also bis zu einem gewissen Grad selbst bewältigt und durch sie die Mehrheit des Anschaulichen. Im folgenden werden wir an die hier nachgeschobenen Beschreibungen des Subjekts in größerer Allgemeinheit anknüpfen.

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11. Februar 2008

Von den Anfängen des Wissens und Kennens

Wir wissen und kennen nur, was wir einmal gewahrten. Am Anfang steht also stets eine Urgewahrung von in einem Verhältnis stehenden Gegenständen, durch welche wir die Gegenstände kennenlernen und von ihrem Verhältnis zu einander wissen. Wann immer dies aber zuerst geschieht, also wann immer wir auf Gegenstände einer neuen Art stoßen, ist unsere Idee dessen, was uns dort begegnet, unser Anhalt dieser Gegenstände, noch unvollständig und wir müssen ihn erst zu dem entwickeln, daß er uns ein Verständnis seiner möglichen Ausprägungen gibt, wann er schließlich erschöpfend genannt wird.

Zum Beispiel, wenn ich zuerst gewahre, daß etwas heller als ein anderes ist, so weiß ich in dem Moment noch nicht, daß es unendlich viele Helligkeiten gibt oder daß sie wahlfrei vergleichbare Quantitäten sind, mein Uranhalt der Helligkeit besteht lediglich aus diesen beiden Beispielen, und erst nachdem ich mich auf weitere Helligkeiten besinne und deren Verhältnisse untersuche entwickle ich langsam einen vollständigeren Anhalt der Helligkeit, welcher schließlich als R erschöpfend ist.

Beispiele für vervollständigbare Anhalte sind durch Lagen, Klänge, Gerüche, Geschmäcker, Drücke, Temperaturen, Farben und Zeiten gegeben, sie alle lassen sich im Begegnungsrahmen vergegenständlichen. Offensichtlich niemals erschöpfende Anhalte sind jene der Wahrnehmungen, Taten und Güter. Was die Güter betrifft, so will ich darauf nicht weiter eingehen und von den Wahrnehmungen nur sagen, daß eine Besinnung auf das, was man jemals wahrnehmen könnte, einen unweigerlich auf das eigene Wollen zurückführt, als mit diesem eins seiend, hingegen eine planmäßige Umreißung der möglichen Ereignisse in Raum und Zeit, also z.B. die Beschränkung der Helligkeit eines Farbtons auf N, auf der Grundlage von Beobachtungen eben das Geschäft der Physik ist. Die Taten nun aber muß ich genauer erörtern.

Ähnlich wie die Physik das der Welt Mögliche innerhalb unserer Vorstellungen eingrenzt, müssen wir auch diejenigen Gegenstände, in bezug auf welche es uns möglich ist, etwas bestimmtes zu bewerkstelligen, eingrenzen, nachdem wir uns zum ersten Mal anhand eines Beispiels gewahr wurden, etwas bestimmtes geleistet zu haben. Gemäß dem, was ich von der Besinnung schrieb, besteht die Tat in der Entsprechung eines Begriffs, welcher von dem abhängt, auf was wir bezug nehmen. Dieser Zusammenhang muß also erkannt werden und in seinen logischen Konsequenzen für dieses Einbezogene zu Ende gedacht. Auf dieselbe Weise müssen wir uns auch über die Ergebnisse einer Tat klar werden, und wenn dies beides geschehen ist, haben wir unsere Kenntnis unserer eigenen Entsprechungsfähigkeit um einen Gegenstand erweitert. Wie bereits gesehen nimmt diese Erweiterung aber kein Ende, was letztlich darauf beruht, daß aus jedem unvollständigen Anhalt der Tat neue Taten erwachsen, die Anhaltserweiterung selbst eine Tat ist und Taten verknüpfbar sind.

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7. Februar 2008

Eine kleine Galerie der Philosophie

Wenn uns jemand fragte über die Zusammenkünfte derer, welche die Buchstaben lernen, ob, wenn einer nach irgendeinem Worte gefragt wird, aus was für Buchstaben es bestehe, wir dann sagen wollen, die Frage geschehe mehr wegen des einen Aufgegebenen, oder vielmehr, damit er in allem, was aufgegeben werden kann, sprachkundiger werde?
- Πλάτων

Platon unternimmt es, seine Leser zum Vernunftgebrauche anzuleiten, wohl wissend, daß es nur in den seltensten Fällen gelingen wird und auch wissend, daß er den übrigen auch etwas bieten muß, damit sie seine Schriften bewahren. Der Wahnsinn freilich, welcher seither aus diesem Beete sproß, läßt einen wohl manches Mal an seiner Methode zweifeln, wobei man ihm allerdings die Lauterkeit seines Ansatzes zu Gute halten muß, redet er doch niemandem ein, ein selbst bei guter Bezahlung immer noch nützlicher Diener zu sein, wie es Aristoteles tat, obschon er es einigen zweifellos war.

Ähnlich wie auch Kant ist er heute ein Lackmustest für Idiotie hinter Kathedern und Schreibtischen, doch das wird mit Sicherheit eine Episode bleiben, denn unstet sind und waren Idioten stets. Davon abgesehen leidet er unter dem Hochmut jener Rezensenten, welche meinen seit seiner Zeit immense philosophische Fortschritte gemacht zu haben, weshalb sie sich einer ernsthaften Beschäftigung mit ihm überheben zu können glauben, wozu aber selbst jene nicht berechtigen, welche sich, wie bereits erwähnt, in der Hoffnung um ihn scharen, Atlantis zu finden.


„Da wir nunmehr mit jenen Kreisläufen aufgeräumt haben, die, wie man meinte, die Seele mit Notwendigkeit stets in dasselbe Elend zurückführen sollten, erübrigt und ziemt sich für die Frömmigkeit nur noch der Glaube, daß es für Gott nicht unmöglich ist, Neues zu schaffen, was er noch niemals schuf, und doch kraft unbeschreiblichen Vorauswissens seinen Willen nie zu ändern.“
- AVGVSTINVS

Die Abkehr von der ewigen Wiederkehr des Fortschritts wegen, Augustinus gehört damit zu den Begründern der europäischen Kultur, welche sich im Kern dadurch auszeichnet, daß etwas, was nicht geliebt werden kann, auch nicht wahr sein kann. Ihr erster Glaubenssatz ist also, daß es die Zeit darum gibt, damit sich in ihr die frommen Wünsche der Menschen erfüllen mögen, eine Fortschrittsgläubigkeit, welche auch heute noch ungebrochen ist, wenngleich ihr auch nicht alle Menschen anhangen.

Leider neigen seine Rezensenten nicht dazu, seine wahre Bedeutung zu betonen, wohl weil es sie zu gewöhnlich erscheinen ließe. Für gewöhnlich sind die Menschen aber gewöhnlich, und gewöhnlicherweise treibt sie ihre Eitelkeit dazu an, den Anschein von Gewöhnlichkeit zu meiden. Wer indes wissen will, warum er der ist, wer er ist, der darf so gewöhnlich nicht sein und muß sich seinen Prägern stellen.


„Zu jedem Begriff wird erstlich die logische Form eines Begriffes (des Denkens) überhaupt, und denn zweitens auch die Möglichkeit, ihm einen Gegenstand zu geben, darauf er sich beziehe, erfordert.“
- Immanuel Kant

Dieses so geschrieben zu haben, nur um sich in der Folge in Verstandeswesen zu verstricken und dabei die Reflexion, das Begreifen von Begriffen, gänzlich zu übergehen, zeigt Kant klar als pflichtgetrieben und verständig, ein Sehender, welchen die Pflicht bald auf manch bodenlosen Abweg führte. Dieser Makel macht es, daß man ihn bald nirgends an einem Stücke lesen kann und dort am meisten findet, wo er sich die Freiheit nimmt ein wenig zu plaudern oder einem Pfaue gleich zu glänzen.

Er scheint aber insgesammt eher zu den positiven philosophischen Einflüssen zu zählen, wenngleich es sich in seinem Falle weniger prominent zeigt als in Schopenhauers, welcher allerdings, wie auch Beckett, selbst Zeugnis davon gibt. Freilich gehört Kant aber auch zu den Autoren, welche Rezensenten mit Gescheutheitsdünkel anziehen, und einige Vorsicht ist in dieser Angelegenheit geboten.


„Weil nun, wie wir gesehen haben, jene Selbstaufhebung des Willens von der Erkenntniß ausgeht, alle Erkenntniß aber als solche von der Willkür unabhängig ist; so ist auch jene Verneinung des Wollens, jener Eintritt in die Freiheit, nicht durch Vorsatz zu erzwingen, sondern geht aus dem innersten Verhältniß des Erkennens zum Wollen im Menschen hervor, kommt daher plötzlich und wie von Außen angeflogen. Daher eben nannte die Kirche sie Gnadenwirkung - Arthur Schopenhauer

Schopenhauers Verdienst betrifft die Ethik, er wurde nicht umsonst dafür ausgezeichnet, stellt er doch das Primat der Einsicht für jede ethische Verbesserung so klar heraus, wie es zuvor schon lange keiner mehr tat. Er liebt dabei allerdings das weitschweifige Wort und blumige Bild und drückt sich schon mal ganz gerne um Detailfragen. Man sollte seine Ordnungsansätze indes nicht verachten, denn sie entspringen wohl der Ahnung der wahren Verhältnisse.

Wie kaum ein anderer Philosoph hat er Menschen in ihren Taten beeinflußt, Wagner und Schweitzer kommen einem wohl zuerst in den Sinn, und damit seinem eigenen Standard gemäß bewiesen, Einsicht zu verbreiten. An Hochschulen freilich macht er sich nicht so gut, und seine Rezensenten neigen über die Maßen dazu, ihn zu rezitieren.

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6. Februar 2008

Von der Kontinuität des Bewußtseins

Wir sind uns zwar einzelner Augenblicke bewußt, aber in ihnen auch Geschehenssträngen. Dabei ist es unsere Anschauung, welche den Geschehenssträngen Ausdehnung und Einheit gibt, so wie sie auch den Körpern Ausdehnung und Einheit gibt. In beiden Fällen können wir unseren Verstand dazu verwenden andere Einheiten anzudenken und deren Anschauung zu erzwingen, beispielsweise zwei benachbarte Bäume als Äste eines Baumes anzuschauen, allerdings wird uns dann unsere Anschauung wohl durch ein Gefühl der Übelkeit wissen lassen, daß sie damit nicht einverstanden ist. Die Geschehensstränge nun sind keine idealtypischen Aneinanderreihungen lauter Augenblicke, sondern reihen vielmehr einzelne ausgewählte Bereiche scheinbar fließend an einander. Wesentlich wird dies z.B. bei der Abschätzung der Geschwindigkeit, aber auch für die Gewahrung einer verantworteten oder unverantworteten Erfüllung, als in eine Absicht, eine Planung, bzw. Erwartung hineinfallend oder bei der Steuerung eines Ablaufs, welcher ein objektiver Geschehensstrang ist, im Gegensatz zu seiner Steuerung, welche ihn mit dem Erlebnis des Verantwortens vereinigt.

Von welcher Art die Geschehensstränge sind, welche unsere Anschauung bildet, hängt stark davon ab, was wir gerade tun und, wie bereits erwähnt, immer davon, ob wir versuchen etwas zu bewirken, zu bemerken oder zu erleben, also vom Grade unserer Instruiertheit als wollende, wahrnehmende und handelnde Wesen, ob nur noch die Tat aussteht oder auch die Information oder gar die Motivation. Ich habe das Thema indes an dieser Stelle wieder aufgegriffen, um das Nötige von unserer Behandlung der Zeit durch Absicht und Gewahrung zu sagen und somit dem subjektiven Auffassen seine Stellung im Ganzen zu geben. Kommen wir also darauf zu sprechen.

Die Zeit, welche sich in den Geschehenssträngen widerspiegelt, ist uns nicht nur gleichsam passiv bekannt, sondern auch als aktives Verhältnis in unseren Vorstellungen, wobei der Grad ihrer Anschaulichkeit hier ohne belang ist. Indem nun eine solche Vorstellung vergeht, mag sie selbst Teil eines Geschehensstranges werden und ein in ihr vorgestellter Augenblick der jetzige sein, in welchem Fall es heißt, daß er eingetreten sei, welche Einsicht wir eben jenem Geschehensstrang, welcher unser Vorstellen dokumentiert, als auch dem Gewahren des jetzigen Augenblicks als jener Vorstellung entsprechend verdanken. Durch die Geschehensstränge gewinnt der zeitliche Anordnungsrahmen individuelle Einheit, welche sich allerdings auch künstlich durch Ausweisung herstellen ließe, durch Vorstellungsvermögen Form und durch die Gewahrung existentielle Bedeutung, daß etwas erwartet oder geplant war, daß etwas eingetreten ist. Das Subjekt nun kann sich nur zeitlich als wollend und handelnd verstehen, und da diese Teile untrennbar zu seinem Selbstverständnis gehören, versteht es sich stets zeitlich. Das Verständnis der Zeit aber beruht, wie gesehen, auf dem Verhältnis der Abfolge, des Teil eines Geschehensstranges Seins und der Gewahrung, des (vom Subjekt) erfaßt Seins, welches die Ausfüllung einer Rolle ist. Auf diese Weise hat man auch einen Begriff vom Möglichen, indem man auf das bei seinem Eintritt Erfaßte des gerade vorgestellten Augenblicks bezug nimmt, welches in der Tat alles Mögliche sein kann.

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2. Februar 2008

Zahlensymbolik

Ich will diese meine Bemerkungen nicht mißverstanden wissen, sie geben einzig einen Rahmen, Verwirrungen zu vermeiden, denn einerseits gibt es mehr Menschen, welche an Symbolen interessiert sind, als solche, welche von Symbolen etwas verstehen, und also steten Verunstaltungsdruck, und andererseits wirken Symbole durch ihren massenhaften Gebrauch durchaus unterschwellig auf das allgemeine Wohlbefinden. Daher also sei hier einiges grundlegend Symbolisches zusammengetragen, um den allgemeinen Symbolmißbrauch nicht nur spüren zu können.

Es gibt verschiedene Weisen, auf welche Zahlen anschaulich hervortreten können, am natürlichsten aber als Eckpunkte gleichseitiger, nicht notwendigerweise gezeichneter, Vielecke oder als minimale Summe der Teile eines Verhältnisses, also 2 für 1:1, 3 für 2:1, 5 für 3:2 etc. und durch diese Erscheinungen besitzen einige von ihnen auch geradezu natürliche symbolische Bedeutungen. Diese Zahlen sind 2, 3, 4, 5, 6 und 12.

Ebenenteiler. Diese sind 3, 4 und 6, womit gemeint ist, daß man mit den entsprechenden gleichseitigen Vielecken die Ebene lückenlos kacheln kann. Die 6 nimmt hier eine besondere Stellung ein, da für sie bereits eine Kachel die vollständige Kachelung festlegt, während man für 3 und 4 die Möglichkeit hat, Bereiche der Kachelung zu einander zu verschieben. Die 6 ist also das Symbol des ordnenden Prinzips, wie es auch an jeder Bienenwabe erfahrbar wird. Die 4 hingegen besitzt die Eigenschaft, als einzige Zahl Kachelungen zu ergeben, welche die Ebene vollständig mit homogenen Bahnen überdecken, d.h., welche translationssymmetrisch sind, was für die 6, nicht aber die 3, auch gilt, und, wahlweise, parallel zu jeder Seite einer Kachel frei in eine andere Kachelung verschoben werden können, also unabhängig von der Weite der Verschiebung, was auch für die 3, nicht aber für die 6, gilt, womit bereits alles wesentliche über 3, 4 und 6, soweit es die Ebenenteilung betrifft, gesagt ist. Die symbolische Konsequenz dessen für die 4 ist indes, daß sie mit Beweglichkeit in Verbindung gebracht wird und damit mit dem, was sich im Raum bewegt, genauer gesagt dort materialisiert, nämlich der Natur.

Maximale Symmetrien. Im Eindimensionalen ist dies die 2 als Intervall, im Zweidimensionalen die 3 als gleichseitiges Dreieck und im Dreidimensionalen die 4 als Tetraeder, wobei in jedem Fall eine maximale Menge von Punkten, welche zwischen einander stets denselben Abstand aufweisen, gemeint ist. Symbolisch bedeutungsvoll ist aber wieder nur die Ebene, also die 3, welcher, als maximal symmetrisch, die Bedeutung ästhetischer Vollkommenheit zukommt und damit die Bedeutung des Idealen schlechthin.

Zur 2. Die 2 ist selbstverständlich das Andere, die Teilung schlechthin und symbolisiert dadurch insbesondere Bewußtsein, Reflexion und Logik. Aus diesem Grund sollte man es vermeiden das Verhältnis 1:1 zu verwenden, da es unangenehm ist, auf diese Dinge ästhetisch hingewiesen zu werden.

Zusätzlich zur 6. Die 6 besitzt noch eine weitere, ihre Universalität unterstreichende Eigenschaft, nämlich daß man einem Kreis ein gleichseitiges Sechseck durch Abtragung sechs ebenso großer Kreise auf ihm und ihren Schnittpunkten mit ihm einbeschreiben kann, was über das vorige hinaus zeigt, daß auch keine Richtung der Ebene von ihr ausgelassen wird.

Zur 12. Zum einen ist die 12 das kleinste gemeinsame Vielfache von 2, 3, 4 und 6 und erlaubt somit die Einbeschreibung jener gleichseitigen Vielecke in ihres, zum anderen ist die Fläche des gleichseitigen Zwölfecks genau das Dreifache des Quadrats des Radiusses des es umschreibenden Kreises und damit die einzige ganzzahlige Approximation von π durch Einbeschreibung eines gleichseitigen Vielecks, womit die 12 sowohl alles enthaltend als auch unübertreffbar ist und damit ein Symbol des Einen-Ganzen, ein Symbol Gottes.

Zur 5. Es ist fraglich, ob die geometrische Besonderheit der 5, das Auftreten des goldenen Schnitts im Pentagramm, intuitiv erfaßbar ist. Was allerdings sogleich intuitiv am gleichseitigen Fünfeck erfaßt wird ist, daß es einen Hintergrund bildet, welchem sich ein Mensch mit ausgestreckten Armen und gespreizten Beinen einbeschreiben läßt, oder wahlweise einen Torso, welchem Gliedmaßen umschrieben werden können, wodurch die 5 ein Symbol des Menschen und also ein Symbol menschlicher Herrschaft und menschlicher Anordnung ist, was sich sogar noch vom goldenen Schnitt sagen ließe, welcher ja durch die passende Erweiterung eines Quadrats, also der Natur, um ein Rechteck zu seiner Ähnlichkeit zum erweiterten Ganzen entsteht, was sich als Beschreibung der Vernunft lesen läßt, welche ja den Menschen ausmacht oder indem die Eigenschaft des goldenen Schnittes betont wird, sich von akkumulativen, und also unorganischen, Verhältnissen besonders abzusetzen.

Wie man sieht, paßt die 5 nicht so recht unter die übrigen Zahlen, wird aber in der 60 mit ihnen zwangsvereinigt, was auch eine lange Tradition hat. Ohne sich dessen so recht bewußt zu sein, hat sich unsere Gesellschaft in den letzten paar hundert Jahren immer stärker auf die beiden Teiler der 10, 2 und 5, konzentriert, die Symbole der Logik und des Menschen, bezeichnenderweise, wobei die Verleihung von Orden in Pentagonform allerdings schon bewußt über's Knie gebrochen wurde, denn dämlicher als einen Helden als Menschen auszuzeichnen wird's nicht mehr und niemand wäre intuitiv so verfahren, wenn er nicht von Freimaurerdogmen verunstaltet gewesen wäre. Üblich für Orden, auch für's Kruzifix, ist das Kreuz, welches auf der 4 gründet und also die Natur und damit auch die Gattung, welcher der Held den Dienst erwies, symbolisiert.

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