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„Daß du nicht weißt, was dir frommt, des faß ich jetzt deines als Pfand!“
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24. Januar 2008

Einige Definitionen

Um mit dem vorigen Formalismus warm zu werden empfiehlt es sich, einige übliche Konstruktionen nachzubilden. Da diese Konstruktionen auch übliche Bezeichnungen besitzen, welche ich nicht abändern möchte, werde ich die vorangestellte Regel von der Bezeichnung durch Majuskeln und Minuskeln großzügig zu Gunsten der etablierten Bezeichnungen auslegen, also sie nicht als lateinische Buchstaben betrachten. Vielleicht verwundert soviel Sinn für Tradition nach meiner beharrlichen Vermeidung gespiegelter „E“s und „A“s, nur kommt hier das Prinzip der Ehrfurcht zum tragen: Ehre, wem Ehre gebührt.
  • (((ι)λ(‚‘))J(ιⁱ))jⁱ❏(0( )) : Der Begriff der Leere
  • ((((ι)=(ιⁱ))J(ι²))Jⁱ(ι²) *0(ι²))j²❏(1( )) : Der Begriff der Einheit
  • ((1((*=(ι)):(ιⁱ))J(ιⁱ))jⁱ❏(2( )) : Der Begriff der Zweiheit
  • ((2((*=(ι)):(ιⁱ))J(ιⁱ))jⁱ❏(3( )) : Der Begriff der Dreiheit usw.
  • (‚‘)j❏(0) : Eine Leere
  • (0+‚0‘)j❏(1) : Eine Einheit
  • (1+‚1‘)j❏(2) : Eine Zweiheit usw.
  • ((ι+‚ι‘)j...(1))jⁱ❏(N) : Die „natürlichen“ Zahlen
  • (({‚((ι)l(\ιⁱ/))j(ι²)‘})jⁱ❏(( )F))j²❏(F( )) : Der Funktionenraum zwischen zwei Räumen
  • ((‚(((ι)j(((Assoziation)*=):(ιⁱ)))jⁱ(((Assoziation)λ):(ι²))) j²((L(1)):(ι³))‘)j³((2)F(ι⁴)))j⁴❏(P( )) : Die Potenzmenge einer Menge
  • (((((ι)=(ι²))J((L(ιⁱ)):(ι³)))Jⁱ(((Assoziation)*λ):(ι²)))J²(ι³)) j³❏(I( )) : Der Begriff der Injektivität einer Funktion
  • (((ι)j(((Assoziation)*λ):(ιⁱ)))jⁱ(ι²))j²❏(Im( )) : Das Bild einer Funktion
  • ((((I(ι) I(ιⁱ))J-((ι³)F(ι²)))Jⁱ-((ι²)F(ι³)))J²-(N+0)j³❏(Z( )) : Der Begriff der Zahl als endliche Vielheit
Diese Definitionen kratzen erst an der Oberfläche des Möglichen, insbesondere habe ich einen eher bequemen Weg gewählt, um dem Begriff der Zahl Form zu geben. Um ihn nämlich analog zur Einheit, Zweiheit usw. zu definieren, müßte man zunächst die Formelsprache selbst vergegenständlichen, um dann durch j... die jeweils nächste Formel zu bilden und schließlich die Menge dieser vergegenständlichten Formeln in Begriffe zu übersetzen. An dieser Stelle will ich aber auf diese vergleichsweise aufwendige Arbeit verzichten und statt dessen anmerken, daß „Assoziation“ als reservierter Gegenstand zu verwenden ist, wenn die obigen Definitionen sinnvoll sein sollen, und daß { } sowohl 0 sein kann, wenn nämlich keine Wahl möglich ist, als auch ‚0‘, wenn die einzig mögliche Wahl 0 ist, was insbesondere bei (0)F(1) und (1)F(0) eintritt.

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26. Juli 2025

Bewußte und unbewußte Evokationsroutinenbildung

Ich verspüre wieder einmal das Verlangen zu sagen, was die Dinge sind, anstatt welche Rolle sie spielen..

Die Bildungen also sind Evokanten von Besinnungsroutinen, Routinenevokanten, namentlich
  • Erfahrungen,
  • Verhalten und
  • Vorhaben,
und diese Evokanten werden bewußt oder unbewußt gebildet, und zwar durch bewußte oder unbewußte Assoziation.

Bewußte Assoziation erfolgt durch Zuordnung, hier von Verhalten zu Situationen, und eine solche Zuordnung heißt eine Haltungsannahme, wenn sie als Akt, und eine Haltung, wenn sie als mathematische Funktion verstanden wird.

Unbewußte Assoziation erfolgt durch Verstetigung, und zwar im Falle von
  • Erfahrungen durch Gewöhnung an sie,
  • Verhalten durch seine Angewöhnung und
  • Vorhaben durch Vertiefung in sie:
Erfahrungen gewinnen durch Gewöhnung an Detail, bis der Detaillierungsgrad hinreicht und wir sie nicht mehr beachten, bleibt er hingegen unbefriedigend, so können wir uns auch bewußt vornehmen, auf einzelne Verhältnisse zu achten, in welchem Fall die Gewöhnung bewußt ausgerichtet, jedoch unbewußt veranlaßt verläuft, Verhalten siedeln sich  in interessierenden Situationen an, sei es durch Imitation oder einen sonstigen Einfall festhaltend, und Vorhaben beginnen uns zu erfassen und auf sie hinarbeiten zu lassen, wodurch sich die Routineimpulse versammeln, wie es das Sprichwort Der erste Schritt ist immer der schwerste. ausdrückt.

Wenn wir im letzteren Fall ein Verfahren aufstellen, so nehmen wir die Haltung an, es fortschrittsbedingt anzuwenden, und dieses verfahrens-, beziehungsweise haltungskonforme Fortschreiten beginnt mit jedem Schritt ein neues Vorhaben, wobei auch die Bestimmung des Fortschritts und des anzuwendenden Verfahrens Vorhaben beginnen.

Eine Routine ist grundsätzlich natürlich ein Verhalten, ja, üblicherweise sogar ein Verfahren, aber hier ist mit ihr lediglich eine durch komplexe Evokanten evozierte Besinnung gemeint, welche routiniert, also ohne über sie nachdenken zu müssen, erfolgt.

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15. Januar 2018

Vergesetzlichung und Künstliche Intelligenz

Die Begriffe eines Menschen werden physiologisch durch neuronale Netze realisiert, das heißt ihre logische Kombination, physiologisch elementar sind die einzelnen Nerven.

Indes sind wir uns dieser logischen Kombinationen für gewöhnlich nicht bewußt, beispielsweise woran genau wir eine Katze als solche erkennen, und entsprechend begegnet uns unsere begriffliche Einordnung als das bloße Faktum der unwillkürlichen Assoziation, und das auch dann, wenn uns die logische Kombination einmal bewußt ist, in welchem Fall wir die einzelnen Bestandteile der Kombination zusätzlich zu ihr willentlich assoziieren können und uns dann, zumeist auf dem Wege des Vergleichs mit der einmal gelernten Definition des kombinierten Begriffs, davon überzeugen können, daß dieser tatsächlich mit der logischen Kombination der einzelnen Bestandteile übereinstimmt, also beispielsweise, daß der Mittlere in einer Reihe von Dreien hinter dem Ersten, aber vor dem Letzten steht, in welchem Fall die willentliche Assoziation durch die Analyse verschiedener Aspekte erfolgt, in deren Rahmen wir aber wiederum unwillkürlich begreifen, das heißt wir lösen eine unwillkürliche Assoziation willentlich durch den gewählten Aspekt oder das gewählte Verhältnis aus.

Und so können wir uns daran machen, unsere Begriffe zu analysieren, und nicht nur die, deren Definitionen wir kennen, wo die gesamte Analyse doch nur darin bestünde, uns die Erklärungen, welche uns unsere Mütter mit auf den Weg gegeben haben, zu vergegenwärtigen, sondern auch jene, welche uns unbestimmt am Herzen liegen, in welchem Fall es freilich nur den eigenen Seelenfrieden als Kriterium dafür, ob wir einen solchen Begriff getroffen haben oder nicht, gibt und das gesamte, so verstandene Geschäft der Philosophie (die Klärung der eigenen Ideen) also in den Händen der in Bezug auf die Logik sensiblen Naturen liegt.

Indem wir dies, aber auch indem wir das Geschehen in der Natur auf ähnliche Weise analysieren, vergesetzlichen wir die Begriffe, welche unbewußt in uns liegen, gleich ob sie Logik, Ethik oder Physik betreffen.

Die Idee hinter einer Schule ist, daß sich das Wahre erweisen läßt, und das stete Zusammentragen wahrer Gesetze schließlich die einem Menschen innewohnenden unbewußten Begriffe an Anwendungsfülle und Zuverlässigkeit übersteigt, wobei der Wahrheitserweis offenbar wesentlich ist.

Im Bereich der Logik besteht der Wahrheitserweis in der Unmöglichkeit, etwas ihr Entgegengesetztes zu denken. Im Bereich der Physik besteht der Wahrheitserweis in der statistisch hinreichend zuverlässig scheinenden Wiederholung des Ausgangs eines Experiments, also mit anderen Worten in der augenscheinlichen Unmöglichkeit, etwas ihr Entgegengesetztes zu bewirken. Und im Bereich der Ethik, schließlich, entscheidet, was wir uns gegenseitig zugestehen mögen, wo wir das ihr Entgegengesetzte also buchstäblich nicht zu mögen vermögen.

Freilich, was die Ethik betrifft, kommt sie auf diese Weise nicht sonderlich weit, aber das ist auch besser so, da sie sich andernfalls in der Vielfältigkeit der menschlichen Lebenslagen verliert, doch das ist hier nicht das Thema.

Zum hiesigen Thema gehört indes der Reichtum der menschlichen Begriffe, aus welchem die Vergesetzlichung schöpft. Diese Begriffe stellen den menschlichen Versuch der praktischen Ordnung der einströmenden Reize dar, wobei der Mensch aufgrund seines Selbstbewußtseins seine Lebenspraxis bewertet und diese Bewertung also den Schlüssel zur Ordnung zu geben vermag. Indessen sind die zu Grunde liegenden Reize aber entscheidend, und diesbezügliche fehlerhafte Annahmen lösen das Modell menschlichen Lebens von konkreten Inhalten menschlichen Lebens ab.

Und daneben stellt die Künstliche Intelligenz auch das Prinzip der Vergesetzlichung in Frage, weil sie nicht den Beschränkungen einzelner biologischer neuronaler Netze unterworfen ist, über welche sich Schulen ja nur mit Hilfe der Vergesetzlichung hinwegzusetzen versuchen. Man bedenke: Die Vergesetzlichung greift einige Aspekte aus neuronalen Netzen heraus, welche besonders zuverlässig erscheinen, um eine interpersonelle Begrifflichkeit schriftlich zu fixieren und den Gelehrten überzustülpen. Wäre dieses Vorgehen auch intrapersonell sinnvoll, so sähe unser Verstand, also unser Urteilsvermögen, wohl anders aus. Aber Künstliche Intelligenz ist nur eine Person.*

Es ist also zu erwarten, daß sich eine künstliche Intelligenz nicht entlang des Pfades der Vergesetzlichung entfalten wird, und daß wir folglich an ihrem Fortschritt nicht teilhaben können, oder jedenfalls nicht vollständig teilhaben können. Und umgekehrt kann sich eine künstliche Intelligenz nicht sicher sein, ob sie sämtliche biologischen Reize abdeckt. Möglicherweise besäße sie am Ende gar ein Interesse an menschlichen Sensoren und deren Vergesetzlichungsbemühungen.

*Übrigens legt dieser Gedankengang auch die katastrophalen Auswirkungen einer Schulung nahe, welche von Leuten betrieben wird, welche zur Schulbildung ungeeignet sind. Einfach genug einzusehen ist es ja: Wer streng nach Verkehrsschilder fährt, sich aber in 5% der Fälle darüber täuscht, was das Schild bedeutet, fährt weit unsicherer als derjenige, welcher sich nur auf seine Augen verläßt und darauf achtet, was die anderen Fahrer tun.

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9. Januar 2014

Betrachtungen zum Altsächsischen

Ich werde in diesem Beitrag damit beginnen, den Wortschatz des Heliands durchzugehen und dabei festzuhalten, was mir interessant erscheint.

Die Vorsilbe gi-.

Die Vorsilbe gi- hat eine allgemein assoziative Bedeutung, wie im Deutschen etwa in den Begriffen gebettet und gestrandet. Die weitere Gliederung der Assoziation, welche im Deutschen durch die Vorsilben be- und ver- stattgefunden hat, etwa in bewässern und verwässern, gibt es im Altsächsischen nicht. Die Unart, das Perfekt mit der Vorsilbe ge- zu bilden, natürlich auch nicht, Gefahr, schön und gut, gefahren, wozu das?

Ein paar Beispiel der altsächsischen Verwendung der Vorsilbe gi- aus dem Glossar des Heliands.
  • gi-ahtoon (ge-achten): erwägen, schätzen, nachrechnen - mit Obacht behandeln
  • gi-benkio (ge-bänkler): Bankgenosse
  • gi-beddio (ge-bettler): Bettgenosse
  • gi-baari (ge-bare): Gebahren - das Offengelegte
  • gi-beran (ge-bear engl.): gebähren (sehr frei gebildet, wahrscheinlich hat die Ableitung gerade deswegen die Wurzel im Deutschen überlebt)
  • gi-bergan (ge-bergen): bergen (korrekter als im hier etwas schlampigen Deutschen)
  • gi-baada (ge-bad): Trost, Beruhigung
Vokalverdoppelung statt Akzent, bh, dh für den labialen und den dentalen Frikativ.

Das ber-Wortnest.

Dazu gehören die Ableitungen von beran, berg, berht und beri (und damit insbesondere auch barm: Schoß).

Beran ist, wie schon gesagt, gleichbedeutend mit engl. to bear, die Assoziation mit Berg weist entweder auf Höhlen oder auf Bergbau hin, die zu beri (Beere) auf elementare botanische Kenntnisse und die zu berht (strahlend)?

Eine Ahnung der Abläufe in der Sonne, der Kernfusion unter enormem Gravitationsdruck? Oder ist sie der Faszination mit transparenten Materialien geschuldet, welche Edelsteinen innere Feuer zuschreibt? Wahrscheinlich doch letzteres, ursprünglich wohl soviel wie Zauber bergend bedeutend.

Das Wort Pracht, welches sich daraus entwickelt hat, ist ein schönes Beispiel für einen abgestorbenen Begriff.

Das ba/el-Wortnest.

Eine Kleinigkeit, aber doch beachtenswert. Bald bedeutet kühn (engl. bold), und davon ist beldian abgeleitet, dessen Übersetzung als stärken, kräftigen angeben ist, dessen ungeachtet aber wohl kühn machen bedeutet (engl. embolden), was psychologisch durchaus einen Unterschied macht: Kühn machen ist sozusagen der letzte Schliff, stärken, kräftigen eher die Grundsteinlegung.

Man bedenke in dem Zusammenhang auch die Bedeutung von belgan, also zürnen. Mag sein, daß die ursprüngliche Bedeutung der Wurzel ausgerechnet in bellen überlebt hat, abgeschwächt vielleicht in balgen. Die Verwandtschaft zu lat. bellum ist ebenfalls naheliegend.

Das ba(a)d(h)-Wortnest.

Dies ist nun zugleich hochinteressant als auch leider zu fragmentarisch erhalten, um (halbwegs) sichere Schlüsse zu ziehen. Zu ihm gehören die Wõrter under-badoon, badh und gi-baada. Badh hat sozusagen überlebt, aber ist es wirklich die Wurzel? Under-badoon bedeutet entsetzen, erschrecken, und sicher, wenn man im Bad untergetaucht wird, kann das schon zu Entsetzen führen, aber diese Bildung wäre... nun ja, wie soll ich mich ausdrücken?

Man, hast die mich untergebadet! Schleich dich nicht immer so von hinten an!

Die andere Bildung, jene von gi-baada (Trost, Beruhigung), wäre hingegen recht natürlich, denn wenn einer Gebad sagte, was sollte er schon anderes als Trost oder Beruhigung meinen? Ein Bad für seine Seele...

Oder hieß bad schlicht Seelenruhe? Daraus dann badh und unterruhen für entsetzen, der Idee folgend, daß Ruhe ein hoher Seelenzustand sei, und Geruhe für Trost, Beruhigung?

Möglicherweise hat auch bed (Bett) hier seinen Ursprung.

Das a(a)ru-Wortnest.

Bestehend aus aru, aarundi und aarundian, wobei aarundi als errand (engl.) fortlebt. Aru bedeutet dabei fertig, bereit, aarundian soviel wie verrichten, bereitstellen und aarundi bezeichnet die Angelegenheit der Bereitstellung, das Geschäft, den Auftrag.

Schaffen, Geschäft, werken, Werk... oder eben auch fertig, fertigen, bereit, bereiten, wobei die volle Kette nicht zu Stande kommt, es bleibt jeweils bei zwei Gliedern. In sofern also bemerkenswert, daß diese Kette im Altsächsischen dreigliedrig war, und ebenso bemerkenswert, daß ihre Wurzel in der Verwendbarkeit des Produktes lag und sie mithin der Sicht des Auftraggebers entsprungen ist.

Die Vermutung liegt nahe, daß die alten Sachsen es nicht so mit risk capital hatten, und nur Auftragsarbeiten verrichteten, welche zum Zweck der gesellschaftlichen Klarstellung durch das Konzept des errand's fixiert wurden, und vielleicht auch Gegenstand von Tauschgeschäften waren, wobei die Wurzel aru die vertragliche Bedingung enthielt, nicht daß jemand meinte, er hätte bereits soviel gearbeitet und nun sei dieses Unglück passiert und so weiter.

Das amb-Wortnest.
  • ambusan: Gebot
  • ambahtman: Diener
  • ambahtskepi: Dienst
Wiederum eine dreigliedrige Kette hier, sogar viergliedrig, wenn man busan (Vorschrift) noch mitzählt, wobei ein Gebot als Anvorschrift im Sinne einer Vorschrift für jemanden zu verstehen wäre.

Ich vermute, daß die letzten beiden Begriffe aus der Verkürzung von ambusanaht entstanden sind (Gib Acht!)

Es liegt ferner nahe zu vermuten, daß die Auferlegung von Vorschriften ein allgemein akzeptiertes Grundprinzip der alten Sachsen war, da sie andernfalls nicht so unverblümt zur Sprache gebracht worden wäre. Bedenkt man dabei allerdings die Bedeutung des englischen Begriffs ombudsman, so scheint diese Akzeptanz das Kind eines republikanischen Geistes gewesen zu sein, wie ja überhaupt die Unterdrückung die Dinge mehr zu beschönigen pflegt als die Freiheit.

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18. Januar 2008

Die Vergegenständlichung der Verständnisse

Wie bereits erwähnt gehören zu einer Verständnisform Verständniseinheiten und Verhältnisse, in denen sie zu einander stehen, und indem mehrere Verhältnisse zwischen verschiedenen Gegenständen einer Verständnisform zugleich vorgestellt werden läßt sich erfassen, auf welche Weise sich die Verhältnisse einer Verständnisform begleiten. Wenn genügend viele Begleitungsregeln erfaßt wurden, lassen sich aus ihnen unter Anwendung der logischen Schlußregeln weitere begleitende Verhältnisse ableiten. Offenbar ist dies gerade das Geschäft der Logik, damit die Verhältnisse aber auf die betrachteten Verständniseinheiten bezogen sein können, müssen jene auch vergegenständlicht werden und die Verhältnisse als Verhältnisse zwischen diesen Gegenständen ausgedrückt. Dieses geschieht nun derart, daß die Verständniseinheiten als Teile eines bildbaren Ganzen vergegenständlicht werden und die Verhältnisse mit dem Teilsein im Ganzen ihres jeweiligen Abdrucks derjenigen Gegenstandspaare, für welche sie bestehen, gleichgesetzt, wobei Begriffe entsprechend mit dem Teilsein in ihrem jeweiligen Abdruck ihrer Inbegriffe gleichgesetzt werden. Diese Fixierung auf Ganze und das Verhältnis des Teilseins hat der Grundlegung der heutigen Mathematik also den Namen „Mengenlehre“ eingebracht, es handelt sich dabei aber um die natürliche Vergegenständlichung der Verständnisse, welche aller Logik zu Grunde liegt.

Wenn nun jemand Verhältnisse zwischen Gegenständen der objektiven Anschauung folgert, so erfäßt er letztere auch durch die Begriffe ihrer Begegnung, im einfachsten Fall durch „ersteres“ und „letzteres“ wie in diesem Satz. Wer sich mit diesem Thema beschäftigt findet bald auch sämmtliche Begegnungsbegriffe, und es soll mir an dieser Stelle genügen sie lediglich vorzustellen, wobei sie zu zwei verschiedenen Zwecken verwendet werden, nämlich zur Bildung von Ganzen durch Vorstellung und zu Aussagen über solche Gebilde.

Kommen wir nun aber zur Modellierung. Zunächst einige willkürliche Entscheidungen. Verhältnisse, Begriffe und Aussagen seien, sofern sie durch lateinische Buchstaben bezeichnet sind, durch Großbuchstaben bezeichnet, Ganze und Bildungen von Ganzen hingegen durch Minuskeln. Die verwendeten Zeichen sind, mit wenigen Ausnahmen, als Piktogramme zu deuten und niemals als Initialen. Die unmittelbare Verwendungen von Verhältnissen, Begriffen oder Aussagen in Bildungen von Ganzen oder einen von ihnen selbst ist untersagt, es müssen zunächst ihnen entsprechende Ganze, beispielsweise wie oben beschrieben durch Abdrücke, gebildet werden, welche dann statt ihrer zu verwenden sind. Den Kern einer Aussage bildet ein Verhältnis, die Gegenstände, zwischen welchen es besteht, werden in runden Klammern eingeschlossen links und rechts von ihm angeschlossen. Textersetzungen (j❏) sind nicht Teil des eigentlichen Modells und können somit weder in Aussagen noch Bildungen als solche Gegenstand sein, sie können allerdings ebenfalls vergegenständlicht werden.

Nachdem dieses also festgelegt wurde, hier die Tabelle der Verhältnisse und Bildungen.

Verhältnisse
  • (a)λ(b) : Gebilde a ist Teil von Gebilde b
  • (A(ι))J(b) : Jeder Teil ι des Ganzen b ist auch in A inbegriffen
  • (a)=(b) : Gebilde a ist gleich Gebilde b
  • *λ, *J, *= : Verneinungen der Verhältnisse
  • (A(ι))J-(b) : Abk. für (*A(ι))*J(b) : Es gibt einen Teil ι des Ganzen b, welcher in A inbegriffen ist
  • (a|b)λ(c) : Abk. für (a)λ(c) (b)λ(c) (a)*=(b)
  • (a)L : Abk. für (‚Assoziation a‘)λ
  • L(b) : Abk. für (b)λ
  • (a)L(b) : Abk. für (a)L L(b) : Gebilde b ist Gebilde a zugeordnet
Bildungen
  • ‚a b‘ : Das von den Teilen a und b gebildete Ganze
  • (A):(b) : Das von den Teilen des Ganzen b, welche Inbegriffe von A sind, gebildete Ganze
  • (a(ι))j...(b) : Das von den Gebilden der Bildung a des jeweils vorhergehenden Gebildes ι schrittweise aus dem Anfang b gebildete Ganze
  • \a/ : Ein willkürlich gewählter Teil des Ganzen a
  • {a} : Das Ganze aller willkürlichen Wahlen für das Gebilde a (nur in Verbindung mit einem ihm durch einen Index zugeordneten \ / im Ausdruck für a)
  • (a)l(b) : Abk. für ‚‚Assoziation a‘ b‘
  • (a(ι))j(b) : Alternative für {a(\b/)} : Das von den Gebilden der Bildung a der Teile ι des Ganzen B gebildete Ganze
  • a+b : Abk. für ((ι)j(ιⁱ))jⁱ(‚a b‘) : Die Vereinigung der Ganzen a und b
  • (((ι)A(ιⁱ))j❏(( )B))jⁱ❏(B( )) : Das Verhältnis B wird im Text durch das Verhältnis A ersetzt
Konjunktionen werden wie bisher durch eine leere Stelle bezeichnet, sofern sie zwischen Begriffen oder Aussagen liegt. Wie man sieht bietet der Formalismus nicht die Möglichkeit die Disjunktion zweier Aussagen zu bilden, was aber keine Einschränkung ist, da eine Disjunktion auch erst bei Begleitungen sinnvoll wird, für welche man sie bilden kann: (A(ι))J((*B):(c)). Wenn { } verschachtelt auftritt, so wird das Ganze als vereinigtes Ganze aller Bildungen gebildet. Wenn abgestuft werden soll, so muß dies explizit durch ‚ und ‘ geschehen.

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19. Juli 2013

Funktions- und Ich-Assoziation

Wenn ich sage, das Ich habe drei Teile, Lust, Achtung und Sorge, so meine ich damit, daß sich drei verschiedene Ich-Assoziationen in unserem Bewußtsein auffinden lassen.

Unserem Ergehen werden Wahrnehmungen zugeordnet, aus welchen es hervorgeht. Das ist die Funktionsassoziation. Wird zusätzlich Wille assoziiert, so nennen wir unser Ergehen unsere Tat, und das ist die Ich-Assoziation.

Aufgrund der Art und Weise, wie wir Handlungsfolgen aus Zielen herleiten, indem wir die Kette ihrer Voraussetzungen schrittweise zurückverfolgen, begreifen wir unseren Willen natürlicherweise durch die Ziele, zu welchen er uns schließlich treibt, auch wenn uns eines zum Zeitpunkt des Vollbringens einer Tat noch nicht vollständig klar war, das heißt, wir erlauben uns die retrospektive Verfeinerung derselben.

Hierin mag einiges Kritikwürdiges liegen, daß wir im Nachhinein Ziele erfinden, welche es nie gab, und doch ist es so, daß wir mit der Annahme, es gebe in uns manch dunkles Treiben, welches es aufzuhellen gilt, für gewöhnlich gut fahren.

Die Wahrnehmungen, Taten und Ziele der Lust, der Achtung und der Sorge habe ich bereits beschrieben, aber ich wiederhole es besser noch einmal. Die Wahrnehmung der Lust ist die Anschauung, ihre Tat die Anstrengung und ihr Ziel eine andere Anschauung. Die Wahrnehmung der Achtung ist die Verstandeserfassung der Lage, ihre Tat der Ansatz und ihr Ziel eine andere Verstandeserfassung. Und die Wahrnehmung der Sorge ist die Vernunfterfassung des Zustandes, ihre Tat die Einfindung und ihr Ziel wiederum eine andere Vernunfterfassung, wobei sich Ansatz und Einfindung heuristisch nicht unterscheiden, das heißt, daß beide auf dieselbe Weise einen Handlungsplan suchen, sehr wohl aber in ihrem Anwendungskontext, als welcher beim Ansatz in einem Augenblick liegt, während sich eine Einfindung über ein ganzes Leben lang hinziehen kann, das heißt im Hinterkopf bleibt und stückweise verfolgt wird.

Fragt man sich nun, wer ein Mensch ist, so liegt es offenbar nahe, wiederum nach Wahrnehmung, Tat und Wille zu fragen, denn das ist ja sein Ich. Und es ist a priori klar, daß man darauf nur Antworten aus den verschiedenen Varianten eines Ichs wählen kann, also entweder Lust, Achtung oder Sorge, genauer gesagt deren Wahrnehmung, Tat oder Wille.

Und nichts anderes tue ich, wenn ich geistigen Horizont, Gesinnung und Geist bestimme, der geistige Horizont ist die dominierende Wahrnehmung, die Gesinnung die dominierende Tat und der Geist ist der dominierende Wille, wobei die gesellschaftlichen Ziele des letzteren natürlich genauer zu bestimmen sind.

Freilich, auch bei den anderen beiden Teilen sind genauere Betrachtungen anzustellen, so reflektiert natürlich jeder Mensch, die Frage ist nur was, die Anschauung, die Verstandeserfassung oder die Vernunfterfassung?, wobei Haltung und Begriffe aus der Reflexion der Verstandeserfassung hervorgehen und der Glaube aus der Reflexion der Vernunfterfassung. Und so verhält es sich auch bei den Taten, bei jedem Menschen dominiert die Einfindung, aber der Gegenstand derselben unterscheidet sich, je nachdem er der Lust, der Achtung oder der Sorge angehört, also Körper, Haltung oder Begriff ist.

Es ist also natürlich, einen Menschen nach geistigem Horizont, Gesinnung und Geist zu zerlegen, wobei die Zerlegung der einzelnen Komponenten etwas willkürlicher ist. Vielleicht stößt es auf, daß die Reflexion der Vernunft auf den Glauben führen solle, aber ihr Gegenstand der Begriff sei, oder der einzige Gegenstand des Verstandes die Haltung. Aber das stimmt natürlich, der einizge Gegenstand des Verstandes, also das, was er einzig in einem formt, ist die eigene Haltung, zu den Begriffen liefert er lediglich die Grundlage, als welche unveränderlich ist. Nur das, was wir auf dieser Grundlage durch die Vernunft formen, ändert sich und ist damit ihr Gegenstand.

Weiterhin spiegelt unsere Stimmung unsere Haltung und unsere Begriffe, allerdings, im Falle letzterer, auf unterschiedliche Weise, nämlich einmal danach, ob sie günstig gewählt sind, also nichts verzerren oder verwirren, und zum anderen danach, ob sie hinreichen. Dieses Hinreichen aber liefert den Schlüssel zur Entdeckung des eigenen Glaubens, und während sich die Güte gewählter Begriffe aus ihrer Anwendung heraus ergibt, worüber der Verstand Auskunft gibt, ist ihr Hinreichen ein Faktum, welches nur in der Vernunft zu finden ist.

Wahrscheinlich lohnte sich eine genauere Betrachtung just dieses Sachverhalts, denn es geht hier wieder um den Existenzquantor, welcher jenseits des tierischen Denkens liegt: Gibt es einen Begriff für das, was ich beschreiben möchte?

Und auch die geschichtliche Entwicklung von Glauben ließe sich wohl in diesem Zusammenhang heller beleuchten.

Gut, aber das tue ich hier nicht. Das Seltsame, daß einer mit Gegenständen umgeht, welche er nicht recht zu reflektieren vermag, habe ich schon behandelt, aber ist es wirklich so seltsam? Schließlich erlernen wir das Reflektieren erst mit der Zeit, wenngleich nicht alle von uns. Auch ich ging lange mit Begriffen um, ohne erfaßt zu haben, was sie eigentlich sind. Aber schließlich wurde es mir klar, und zwar, um das hier zu erwähnen, als ich erkannte, daß sich allgemeine Tensorprodukte nur durch ihren Dualraum erfassen lassen. Ich war damals auf dem Lehmlöcherweg, genau hier. Was das da für eine Rennbahn ist, weiß ich hingegen bis heute nicht.

Damit will ich es einstweilen belassen.

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16. August 2013

Die gegenwärtige ideelle Konfrontation

Die Wurzel der Probleme der Gegenwart besteht im Grad der Konzentration menschlicher Macht, als welcher es erstmals in der bekannten Geschichte der Menschheit erlaubt, die Welt insgesamt menschlichen Begriffen zu unterwerfen, und insbesondere die Menschheit selbst.

Die Erkenntnis dieser Möglichkeit bedingt eine gewisse Haltung, ein Andienen an die Schaltstellen der Macht, eine Verfolgung der neuesten technisch relevanten Forschung, eine Aufgabe des Rechts zu Gunsten der Verteidigung der Macht des eigenen Verbands.

Eine Haltung freilch, welche nicht gerade neu genannt werden kann, im Unterschied zu früher besteht heute nur kein begründeter Rückzugsraum mehr: In dem Maße, in welchem die Welt immer mehr der eigenen Absicht unterworfen werden kann, schwindet die Rechtfertigung, sich nicht um anderer Leute Absichten zu kümmern.

Dies führt nicht nur zu allgemeinem Mißtrauen und der damit einhergehenden Verrohung der Sitten, sondern darüberhinaus ist die so verfolgte Perspektive, eine Welt nach den eigenen Vorstellungen maßzuschneidern, dem menschlichen Wesen nicht gemäß.

Die Geschichte des Turmbaus zu Babel ist eine Geschichte des Scheiterns und wird auch so, und nur so, verstanden: Laß es sein, wenn du nicht auf die Fresse fallen willst. Unser Problem heute ist, daß wir genau wissen, daß der Turm gebaut werden kann und niemand dabei ein Scheitern befürchten muß.

Und was anschließend folgt, ist schlimmer als die Sprachverwirrung, nämlich sich selbst in einem Käfig wiederzufinden, welchen man selbst gebaut hat, die Ausgänge aller Züge, welche man unternehmen kann, im Voraus zu kennen, zu wissen, daß jede verbleibende Überraschung in einen eingeplanten wesentlichen und einen unvorhergesehenen bedeutungslosen Anteil zerfällt.

Daneben gibt es eine andere ewige Haltung, nämlich sich der Welt im Rahmen dessen, was in einen gelegt ist, anzunehmen, ihre Bedeutung für sich und seine Bedeutung für sie zu suchen, darauf vertrauend, daß es einen lebenserhaltenden Ausgleich in allen Nöten gibt, es eine Bewandtnis mit dem eigenen Erleben hat und es eine Verantwortung für die eigenen Entscheidungen gibt. All das beschreibt aus den verschiedenen Perspektiven der Ich-Assoziation dasselbe, aus Willem, Wahrnehmung und Tat. Es ist der Kern bewußter Existenz, unsere Verbindung durch Gott mit dem All, in welchem wir sind.

Es ist diese grundlegendste Eigenschaft unseres Wachens, welche ihr Recht gegen alle seine ferneren Eigenschaften verteidigt, die Offenheit, welche keine aus ihr geborene Form verschließen kann.

Und die gegenwärtige Konfrontation besteht genau in diesem Versuch, das Leben zu objektivieren, in welchem die genannten Haltungen an einander geraten. Die Zuspitzung dieses Konflikts ist systemisch durch das Wesen der Objektivierung bedingt, welche mit jedem Schritt, welchen sie vorwärts tut, an Kraft und Drang gewinnt: Es ist die Magnetisierung der Menschheit durch eine Menge gemeinsamer Gewißheiten.

Aber diese Magnetisierung formt einen geistig starren Verband, in welchem Inspiration und Ausgleich mit der Welt zunehmend schwinden, wobei es ganz gleich ist, ob das schlicht das Result der Ausschöpfung der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten eines bestimmten Ansatzes ist oder das von Ab- und Angewöhnung, wie auch immer man es fäßt, der Mensch ist nicht für einen solchen Zustand geschaffen.

Der Weltraum ist die Projektionsfläche der Uniformen, die Offenheit jenseits ihrer Fesseln, auch davon berichtet der Turmbau von Babel auf die falsche Weise: Es ist nicht anmaßend, sondern gedankenlos. Skalierung ist die einfachste aller Verallgemeinerungen.

Obwohl, wenn ich es mir erlaube, einen Moment zu fühlen, es vielleicht auch anmaßend ist, steckt dahinter doch der Wunsch, seine eigene Beschränktheit noch ins All hinauszutragen, als wenn die Welt uns nicht reichte. Es sind unsere Probleme, nicht ihre.

Nun gut, von der Art ist die gegenwärtige ideelle Not, und Abhilfe kann nur darin bestehen, eine offene Beziehung mit der Welt zu suchen und wiederzufinden. Die Uniform muß brechen. Welches von beiden hingegen das andere bedingt, das weiß ich nicht.

Nun, die Zeit wird's zeigen.

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23. August 2020

Eingebildetheit oder die Einfärbung des Denkens

Unser Denken besteht darin, daß wir unsere Gedanken ausdrücken, also
  • Entsprechungen,
  • Verbindungen (oder Begleitungen),
  • Handlungen,
  • Veränderungen und
  • Erfahrungen.
Hinsichtlich der Verbindungen möchte ich eine Unterscheidung danach anstellen, ob die Begleitung eine willkürliche oder eine unwillkürliche ist. Selbstverständlich kann ein und dieselbe Verbindung für den einen willkürlich und für den anderen unwillkürlich sein, etwa wenn der erste eine Folge von Tönen an einander reiht, welche der zweite hört. Die Unterscheidung ist aber so zu verstehen, ob die Verbindung für irgendjemanden willkürlich ist oder nicht.

Den Akt der willkürlichen Verbindung nennen wir Beilegung oder Einfärbung, an anderer Stelle habe ich ihn auch Zuordnung oder Assoziation genannt. Benennungen sind Beilegungen, und das Komponieren von Musikstücken ist auch eine Form derselben. Es gibt in der Tat mannigfache Beilegungen, welche dazu dienen, die Potenz unseres Denkens und Empfindens zu steigern. Aber es gibt auch Beilegungen, deren Zweck es ist, uns eingebildet zu machen, und damit, wie sich dies zuträgt, möchte ich mich in diesem Beitrag beschäftigen.

Einbilden definierte ich als das Ausmalen der Ethik im Gegensatz zum Bekennen, was ihr Erfassen ist. Etwas Beigelegtes möchte ich auch als Kunstvorstellung oder wieder als Einfärbung bezeichnen. Und also werde ich mich im folgenden mit dem Einfluß von Kunstvorstellungen auf die Ethik beschäftigen.

Kunstvorstellungen beeinflussen alle unsere Gedanken, und insofern sie es tun, möchte ich auch von eingefärbten Gedanken sprechen.

Eingefärbte Erfahrungen. Unsere Erfahrungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Hallen fungieren, das heißt, weil wir mit bestimmten Ereignissen bestimmte Kunstvorstellungen verbinden, deren Verkörperungen die Ereignisse sind, bedeutet uns ihr Eintreten etwas besonderes. Beispielsweise färbt unsere Selbstbehauptung unsere Geburtstagsfeiern ein. Daß dabei eine Geburtstagsfeier ein Akt der Selbstbehauptung ist, beruht auf einer Beilegung: Selbstbehauptung ist ein Begriff, welchen wir (ziemlich) willkürlich definieren können (ohne uns lächerlich zu machen), unter welchen also dasjenige fällt, von welchem wir sagen, daß es unter ihn fällt. Umgekehrt gibt es auch Menschen, welche sich einbilden, durch bestimmte Ereignisse gedemütigt zu werden. In allen Fällen macht sich die Beilegung dabei die Vorstellung der menschlichen Selbstbestimmung zu nutze.

Eingefärbte Veränderungen. Veränderungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Dramatisierungen fungieren, das heißt, weil sich eine Veränderung auf etwas beigelegtes auswirkt, erscheint sie dramatischer, als sie es sonst wäre. Beispielsweise sehen wir das Verbrennen von Flaggen als dramatischer als das Verbrennen von Hosen an. Daß dabei eine Flagge ein Symbol ist, beruht wieder auf einer Beilegung.

Eingefärbte Handlungen. Handlungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Bombast fungieren, das heißt, weil eine Handlung einen beigelegten Sinn erfüllt, erscheint sie uns bombastischer, als sie es sonst täte. Beispielsweise freut sich ein Fußballspieler ungleich mehr, wenn er ein Tor schießt, als sich jemand freut, der einen Kieselstein auf eine vergleichbare Bahn schickt. Hier beruht die Beilegung in allen Fällen auf Beimessung.

Eingefärbte Entsprechungen. Entsprechungen werden dadurch eingefärbt, daß Einfärbungen als Maßstabsverzerrungen fungieren, das heißt, weil Beigelegtes verglichen wird, kommt es zu verzerrten Abwägungen. Beispielsweise kann bereits die nichtigste Unachtsamkeit auf dem Wege der verletzten Ehre zu den schwersten Strafen führen. Alle Fälle hier beruhen darauf, daß neben der Sache selbst noch ein Anspruch, welchen sie auf etwas hat, verglichen wird.

Eingefärbte Verbindungen. Dadurch, daß wir Kunstvorstellungen assoziieren, kommt es zu Vorurteilen, welche als Urteilsersatz fungieren.

Fassen wir also zusammen: Die Ausmalung der Ethik erfolgt durch willkürliche Bewertung, und zwar bei
  • eingefärbten Erfahrungen von Schlüsselreizen nach Selbstbestimmtheit,
  • eingefärbten Veränderungen der Dramatik nach Symbolen,
  • eingefärbten Handlungen der Gewichtigkeit nach Beimessungen,
  • eingefärbten Entsprechungen der Vergleichbarkeit nach Ansprüchen und
  • eingefärbten Verbindungen der Glaubwürdigkeit nach Vorurteilen.
All dies, jede Form der Eingebildetheit, steht der Bekanntwerdung mit Gott im Wege. Die Frage stellt sich, wie sehr die katholische Kirche es darauf abgesehen hat, daß wir mit Gott bekannt werden. Jedenfalls kann man nicht behaupten, daß sie Selbstbestimmtheit zur Bewertung von Schlüsselreizen, Symbole zur Bewertung der Dramatik, Beimessungen zur Bewertung der Gewichtigkeit, Ansprüche zur Bewertung der Vergleichbarkeit und Vorurteile zur Bewertung der Glaubwürdigkeit miede wie der Teufel das Weihwasser. Nun ja, heute mehr als vor 500 Jahren, und doch... Ist es etwa nicht wahr, daß es die Wenigsten mit den Franzosen und Spaniern in puncto Eingebildetheit aufnehmen können?

Nicht, daß es um Deutschland so viel besser stünde, in puncto Bombast sind wir wahrscheinlich sogar Weltmeister, und nicht jede Form von Symbolen und Ansprüchen ist zivilisatorisch gesehen schlecht, wenngleich sie uns alle von Gott trennen, ebenso wie Selbstbestimmtheit und Beimessungen Trost spenden mögen und Vorurteile Sicherheit. Ob aber all diese Eingebildeten erkennen werden, daß ihnen ihre Einbildung im Wege steht? Daß sie notwendig Fiktion ist und bleibt, welche sie von der Wahrheit, und insbesondere ihrer wahren Beziehung zu Gott, trennt, welche sie wahrnehmen und erfassen müssen?

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18. Oktober 2021

Zur Rückwirkung der Zurücksetzung des Glaubenszykels auf die Zurücksetzung des funktionalen Zykels

Ich möchte die Verteidigungsmechanismen des Geistes, welche ich am Ende des vorigen Beitrags beschrieben habe, noch einmal genauer und im größeren Zusammenhang betrachten.

Sobald wir erkennen, daß ein bestimmter Ansatz nicht mehr weiter führt, verlieren wir das Interesse an ihm, und wenn ein Weg, an welchen wir glaubten, mehr zu keiner weiteren heilsstiftenden Station führt, so empfinden wir das Ausbleiben der Erkenntnis der nächsten heilsstiftenden Station als eine Form der Vergessenheit, wozu ich sagen muß, daß Vergessenheit genau genommen immer dann empfunden wird, wenn eine Assoziation ins Leere geht, also in fast allen Fällen, wenn wir etwas vergessen haben, sei es etwas Zugeschriebenes oder eine Beobachtung, aber eben manchmal auch, wenn eine gewohnte Zuordnung unmöglich wird, im einfachsten Fall, wenn wir gedankenverloren von einer hinreichend großen Zahl aus rückwärts zählen und schließlich bei Null anlangen.

Wie gesagt, die letzte heilsstiftende Station des Zeitalters der Werke ist die uns intellektuell verbindende Informationstechnologie. Und ungefähr ab 1993, als das Internet Realität wurde, war dem Vorausschauenden klar, daß weiteres auf diesem Wege unheilstiftend wäre, und meine Beschäftigung mit der künstlichen Intelligenz, welche ich zunächst rein phantastisch, wiewohl bereits damals mit dem Fokus auf der Klärung der maschinenverständlichen Bedeutung der menschlichen Sprache, im Jahre 1995 im Rahmen meines Informatikstudiums begann, war auch rein negativ motiviert, nämlich um den Menschen ihr wahres Wesen und ihre wahre Größe zu zeigen, wenn sie sich von Gott abwenden, also daß sie nur noch zweitklassige Maschinen sind.

Indes, indem sich die Einsichtigen von diesem Weg abwenden, fallen seine Früchte in die Hände der Uneinsichtigen, und wenn sie beginnen, sie anzuwenden, erzeugen sie unter den Menschen Ärger über die Frivolität, um nicht zu sagen Unverfrorenheit des Einsatzes dieser Mittel, was so gegen 2013 mit Facebook-Revolutionen begann und sich im Rahmen der Coronakrise weiterhin, doch möchte ich sagen final zuspitzt.

Denn schließlich, wenn die frivole Anwendung der Mittel hinreichend Ergebnisse zeitigt, weicht der Ärger dem Leid. Und erst dann sind wir an dem Punkt angelangt, an welchem der funktionale Zykel, die Organisation oder das System, in welchem wir leben, zurückgesetzt werden kann, denn erst dann sind wir bereit, uns auf eine rudimentärere Lösung, welche ich den Auffangpunkt nennen möchte, zurückzuziehen.

In meiner Melodie der platonischen Herrschaftsformen des Abendlandes, ist der Auffangpunkt die c-e-Terz, und die Verteidigungsmechanismen des Geistes bilden den Keil, welcher die gegenwärtige d-e-Sekunde aufsprengt. In meiner Deutung des I Chings ist der Auffangpunkt das Ende der Herrschaft der Unvernunft, und in der Sprache der Offenbarung ist er die Herrschaft des achten Königs oder, weniger präzise, denn in gewissem Sinne herrscht es bereits, des Tiers.

Der Sinn der Ernte, die Hoffnung, welche sich mit ihr verbindet, ist untrennbar mit der Natur Christi als zugleich gütig und streng, den Sünder liebend und die Sünde hassend, verbunden: Wenn die Menschen sich selbst hinreichend gut verstehen, um zu wissen, was zu ihrem Heil und was zu ihrem Unheil führt, dann gibt es keine Zuflucht mehr für jene, welche sich anschicken, Unheil zu stiften. Sind wir erst am Auffangpunkt angelangt, so besteht unsere größte Hoffnung darin, das Falsche gründlich zu verwerfen, wiewohl mit Komplikationen zu rechnen ist, um dem Einsatz inhärent sündiger Mittel zu entkommen.

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19. September 2013

Hesse - Aphex Twin - Stockhausen - Sri Aurobindo - Auroville - UNESCO - infowars.com

Und alle Wege führen nach Austin, Texas.

Was für eine Demonstration meiner Intuition!

Ich lese also seit gestern Hesses Glasperlenspiel und denke so bei mir: Also, das beste Beispiel der Assoziation verschiedener Themen der heutigen Zeit ist sicherlich Aphex Twin's Verknüpfung von Pac Man und Tron in seinem Stück Power Pill. und dann stoße ich durch Zufall auf folgende Worte Stockhausens:
I heard the piece Aphex Twin of Richard James carefully: I think it would be very helpful if he listens to my work Song Of The Youth, which is electronic music, and a young boy's voice singing with himself. Because he would then immediately stop with all these post-African repetitions, and he would look for changing tempi and changing rhythms, and he would not allow to repeat any rhythm if it were varied to some extent and if it did not have a direction in its sequence of variations.
Hört, hört, der Magister der elektronischen Musik hat gesprochen. Das war dann auch peinlich genug, um Stockhausen weiter auf dem Bildschirm zu behalten, und wahrlich, das hat sich gelohnt!



Ja, wenn man das hört, hat man natürlich nur noch eine Frage.

Sri wer?

Kann man nicht verstehen, aber Google hat ja glücklicherweise die Autovervollständigung. Und mit A muß der Name ja anfangen. Nun, recht bald kommt da Sri Aurobindo, und, ja, das ist der Schuldige.

Sri Aurobindo sagt übrigens, wenn ich Wikipedia Glauben schenken darf, eine Reihe ganz vernünftiger Sachen, nur dann halt auch ein paar unvernünftige. Insbesondere, daß, wenn der Mensch so nicht mehr weiter kommt, er dann nicht nur auf Gottes Hilfe hoffen darf, sondern gleich selbst zu Gott wird. Jedenfalls ist das die Tendenz seiner Rede, bedingt durch die persönliche Einverleibung der überpersönlichen Intelligenz, frei nach dem Motto: Gib mir den kleinen Finger, und ich nehm' die ganze Hand.

Die oberflächliche Beschäftigung mit ihm verbietet es mir, genauer auf ihn einzugehen, und das ist hier auch nebensächlich, Recht hat er mit der These der Bewußtseinsentwicklung, nur liegt es in keiner Weise in uns, aus unseren Seelenteilen einen vierten zu gebären, wohl mögen wir dazu beitragen, daß ein neuer erschaffen wird, aber wir sind nicht seine Schöpfer, wie der Regen wohl dazu beiträgt, daß ich mir einen Regenmantel anziehe, er aber von ihm keine Vorstellung hat.

Allerdings, Auro, da war doch was... In der Tat, Auroville, der Tanz um die Goldene Eine Welt.

Kannte ich übrigens schon früher, dachte allerdings, daß sich der Name vom lateinischen Wort für Gold ableitet. Schon damals irritierte mich, daß die UNESCO, die mit den kleinen Kindern und so, sowas unterstützt.

Jetzt allerdings, wo ich Stockhausen über die Zukunft der Menschheit habe reden hören, bin ich ehrlich gesagt nicht mehr nur irritiert, sondern eher schockiert, daß sie es tut. Und Alex Jones hat doch Recht! Au weia!

Nun, dies alles ist natürlich richtig zu gewichten, aber auch richtig gewichtet bewahrheitet sich hier meine Skepsis gegenüber dem Glasperlenspiel voll und ganz! Shit magnet is what comes to mind. Übrigens, die Goldene Eine Welt da hat auch zielsicher den Weihnachtstsunami von vor neun Jahren auf sich gezogen, es sind halt keine leeren Worte.

Wenn Ihnen andererseits die rechte Gewichtung egal ist, dann können Sie dem obigen Link folgen und live bei Alex reinhören, jeden Wochentag ab 18:00 Uhr deutscher Zeit.

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9. Dezember 2019

Nochmals zum Zusammenhang der beurteilenden Gefühle der Sorge mit den Ehrbarkeiten

Meine Aussagen in den Beiträgen Die richtende Vierteilung des Denkens und Ideelle Empathie und beurteilende Gefühle erzeugen so etwas wie eine Schmierbreite, welche hiermit beseitigt sei.

Die Wertschätzung einer Möglichkeit ermißt die Verbundenheit, welche sich aus der Entscheidung für sie heraus ergibt, und zwar durch unstrukturierte Gefühlsassoziation (keine spürbare Rekursion der Wertschätzung).

Die Rechtschaffenheit ermißt den Grad, zu welchem ein Gegenstand an der Liebe für seinen Begriff teilhat.

Das Glück ermißt das Gelingen einer Besinnung (oder Tat im weiteren Sinne), der Stolz den Grad, zu welchem wir uns für ihr weiteres Gelingen gerüstet haben, und der Friede den Grad, zu welchem ihr weiteres Gelingen zu erwarten steht, wobei Stolz und Frieden aber auch allgemein, also ohne Bezug auf eine spezielle Besinnung, verstanden werden können.

Daß Tiere nicht lieben versteht sich von selbst. Kann man ihnen aber Wertschätzung und Frieden absprechen? Offensichtlich assoziieren Tiere Gefühle, und insbesondere, wenn sie Möglichkeiten erwägen, nur lenkt sie diese Assoziation unmittelbar und nicht als einzubeziehender Begriff. Ebenso kann sich ein Tier seinen Frieden vergegenwärtigen, indem es sein Glück assoziiert, doch Glück und Frieden können es wiederum nur unmittelbar lenken und nicht als einzubeziehende Begriffe. Was also Wertschätzung und Anteilnahme der Sorge zugehören lassen ist, daß sie es uns im Gegensatz zu Gunst, Sicherheit, Eifer und Erwartung erlauben, unser Handeln auf eine begriffliche Vervollkommnung hin auszurichten, nämlich die der Teilnahme oder Wirkung. Im Falle der Sicherheit überschneidet es sich zugegebenermaßen etwas, aber die Vervollkommnung ist in ihrem Fall eine physische, die eigene Verfassung betreffende.

Und was nun den Stolz der Verfolgung, Einlösung und Auslösung betrifft:
  • die Geregeltheit des Lebens erleichtert die Übersicht,
  • die persönliche Anerkennung erleichtert durch die Möglichkeit, sich zu spezialisieren, die Virtuosität und
  • der Komfort des Lebens erleichtert den Beitrag (so brauche ich beispielsweise gerade nur sanft meine Tastatur zu streicheln).
Und zur Klärung der Vergegenwärtigung, welcher Stolz und Frieden entspringen, sei schließlich noch auf den Beitrag Zum Nebeneinander von Außer- und Innerzeitlichkeit verwiesen.

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29. Februar 2024

Gesellschaftlich verallgemeinerte Daimonen

Ich hatte Daimonen als angeborene Verhaltensmuster definiert, welche elementare Verhaltensstrategien realisieren, in welche wir bei Bedarf zurückfallen.

Manche dieser Strategien sind grundsätzlich individueller Art und können die Dynamik einer Gesellschaft unmöglich bestimmen, etwa die erwählend-erwägenden Daimonen, andere aber finden gesamtgesellschaftliche Entsprechungen, wenn auch nicht nach kanonischem Muster, und mit den Entsprechungen der Tierdaimonen möchte ich mich in diesem Beitrag beschäftigen.

Wie gesagt, das Muster der Assoziation ist nicht kanonisch, es zerfällt bereits für die sechs Tierdaimonen in zwei verschiedene Ansätze:
  • Unke, Rabe und Bär sind die gesellschaftliche Verachtung der beurteilenden Gefühle der Sorge zugeordnet,
    • der Unke die Verachtung der Anteilnahme,
    • dem Raben die Verachtung der Wertschätzung und
    • dem Bär die Verachtung der Liebe, und
  • Frosch, Spinne und Wolf sind der hinterhältige Einsatz der kulturellen Hebel zugeordnet,
    • dem Frosch die kalte Beförderung der Ausschweifung,
    • der Spinne die feindliche Beförderung von Abhängigkeiten und
    • dem Wolf die böse Beförderung von Idealen.
Traditionell wird der Antichrist als Stellvertreter Christi auf Erden verstanden, welcher an der Spitze einer Repräsentationskultur über eine wölfisch dominierte Gesellschaft herrscht, was ehrlich gesagt unrealistisch ist, da das Tier zwar auf Wölfe zurückgreifen können wird, welche böse Ideale predigen, es sich bei seiner Herrschaft aber nicht um eine Repräsentations-, sondern um eine Willenskultur handeln wird, welche die gegenwärtige Erlebniskultur ablöst.

Die Offenbarung auszulegen konfrontiert einen stets mit dem Gefühl, ein Spinnennetz zu weben, weil der von ihr vorhergesagte Verlauf der Geschichte unnötig grausam scheint und auf diejenigen abfärbt, welche sich mit ihr beschäftigen. Es ist damit allerdings so wie mit einem Kind, welches seiner Mutter vorwirft, ein Spinnennetz zu weben, welches es von allerlei wichtigen Erfahrungen fernhält, weil sie ihm sagt, daß es an der Zeit ist, zu Bett zu gehen.

Eine fröschisch bestimmte Gesellschaft schließlich zeigt Hayao Miyazaki in Chihiros Reise ins Zauberland, nachdem Chihiro das Ohngesicht eingelassen hat.

Eine bärisch bestimmte Gesellschaft erfordert ziemlich viel Phantasie, eine rabische wird in den Mad Max-Filmen gezeigt, der Annahme folgend, daß die Zivilisation und mit ihr die guten Sitten über Bord geworfen wird, indem es hart auf hart kommt. Tatsächlich bedarf es allerdings großer Hybris, damit es hart auf hart kommen kann, ohne welche sich der Mensch eines Besseren besinnt und sich erweicht. In der Tat ist die westliche Wohlstandsgesellschaft seit 1980 ganz ohne Atomkrieg zunehmend rabischer geworden, wiewohl sie es mit geheuchelter Barmherzigkeit bemäntelt, wie gerade vor ein paar Tagen wieder, als sich etliche Stars nicht zu schade waren, zu schluchzender Musik die Fortsetzung minimalistischer Waffenlieferungen an die Ukraine zu fordern, damit Rußland nicht die falschen Schlüsse zieht, und damit rechnend, daß die Ukrainer nicht die richtigen ziehen.

Doch kommen wir nun zur unkisch bestimmten Gesellschaft, derentwegen ich diesen Beitrag schreibe. Ich behaupte, daß Formelgläubigkeit, wenn sie weit genug vorangeschritten ist, zur Herrschaft der Unke führt.

Der Beweisgang beruht darauf, daß der Formelgläubige schließlich zu dem Schluß kommen muß, daß die Evolution des Gemeinwesens, weil sie schneller verläuft als jene des Menschen, die Überstimmung der Stimmen erfordert, welche letztere leiten, und insbesondere die Überstimmung der Anteilnahme, weil sie den Stand des Staates im Wettbewerb der Staaten nicht hinreichend berücksichtigt.

Was er also tun wird, ist, einen Stab zu organisieren, welcher die nötigen Maßnahmen beschließt und die Regierungen abhängig von ihrer Wichtigkeit für seine Pläne, welche ihn erpreßbar macht, zur Ruhigstellung der Regierten bei der Verrichtung der von ihm vorgesehenen Arbeiten nötigt, und indem er das tut, werden Gehießene immer weniger im Stande sein, sich in ihre Staaten einzufinden, so daß diese zunehmend von Menschen dominiert werden, welche sich ihre Erfahrungen, Haltungen und Vorhaben anstaltslos vorschreiben lassen, in welcher Welt ich mich befand, als ich 20 war, wo nur noch 1ner unter 100 der künftigen Staatsdiener gehießen war und ich in einem Meer von Fremden schwamm, welche ihre Fremdbestimmtheit nicht störte, und ich begriff, daß mich meine Gehießenheit zu einem monumentalem Weg zwingen würde, welcher nur mit Gottes Beistand gelingen konnte. Wenn es aber soweit gekommen ist und die Formel sich die Menschheit unterworfen hat, spürt sie über sich den Geist der Unke, welcher über sie zu seinen Zwecken verfügt und sich schließlich in ihrer grimmigen Gebanntheit niederschlägt, zu was es bisher aufgrund anderer Faktoren noch nicht gekommen ist.

Abschließen möchte ich diesen Beitrag hingegen mit der Frage, wer passiv-aggressiv ist: Johannes, ich, Christian Bruhn?

Hört sich übrigens übel nach der Musik in The Spy Who Loved Me an. Ich erwähne das, weil Curd Jürgens', Christian Bruhns und meine Familie alle aus dem Dunstkreis Hamburgs stammen.

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9. Mai 2015

Où nous sommes

Ich habe das I Ching befragt, was es mit der Zärtlichkeit auf sich hat, welche seit Anfang März mein Herz umspielt; die Antwort fiel wie erwartet aus.

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Zur fünften Zeile ist zu sagen, daß ich in der Tat begonnen habe, so zu handeln, als ob ich ein Geschenk für ein einfaches Gemüt vorbereitete. Es schien und scheint mir richtig das zu tun, weil die Bejahung des Lebens, welche in dieser Einfachheit steckt, höchstwahrscheinlich notwendig ist, um auch nur zu überleben. Freilich, dieses Unterfangen spielt sich für mich in einem Bereich ab, welchen man Gottesdienst oder Gelübde nennen könnte. Sonderlich wankelmütig dürfte ich dabei also tatsächlich nicht werden.

Und zur zweiten Zeile ist zu sagen, daß ich in der Tat zur Zeit kaum etwas sinnvolles tun kann. Ich könnte noch einmal die Natur unseres Begreifens und Handelns zusammenfassen, genauer gesagt habe ich das gestern auch getan (Philosophie ist die Untersuchung von Gewahrungskreisen, Begreifen das Assoziieren von Gewahrtem zu Gewahrtem und Handeln der Übergang zur Assoziation der Verantwortlichkeit zur Absicht; immer wieder schön beim Köpfer vom 4-Meter-Turm zu beobachten), aber selbst dagegen sträubt sich etwas in mir. Wer meine bisherigen Beiträge zum Thema verdaut hat, kann dessen wahrnehmbare Wahrheit nicht verfehlen. Und sonst? Reden bringt nichts, organisieren auch nichts. Die Menschen werden sich sukzessive wieder ihres Wollens bewußt, aber das ist ein altes Wollen, welches sich nur deshalb regt, weil das Selbstverständliche nicht mehr selbstverständlich erscheint. Schon jetzt ist es in England und Frankreich erwacht, und es reißt die beiden auseinander. In Folge ihrer fortgesetzten Schlacht um den einstmals gemeinsamen Haushalt werden auch jene zur Selbstbesinnung genötigt werden, welche eigentlich von sich selbst nichts mehr wissen wollten, denn nur diese Selbstbesinnung schützt sie vor von außen lancierten politischen Strömungen: Herrschte bisher der Pragmatismus, wird der Pragmatiker schon bald von (ferngesteuerten) Ideologen gebissen werden.

Dies alles ist erst am Erwachen. Und wenn es sich in den leeren Herzen der Heutigen entfalten wird, wird es ihnen zweifellos gewaltig erscheinen. Aber in Wirklichkeit ist es nur ein Reflex, ein Reflex der Selbstverteidigung, ähnlich dem Ausspucken von Wasser, wenn man nach zwischenzeitlichem Ertrinken wieder zu sich kommt. Und nur wenn der so wieder zu Sinnen Gekommene anfängt, nach dem zukünftigen Weg zu fragen, wird er für mich und ich für ihn interessant werden. Bis dahin aber habe ich nichts zu tun.

Ja, und dann fragte ich das I Ching noch, ob, und wenn ja, welche Beziehung ich zu W.F. hätte. Die Antwort ist etwas kitschig, aber sie stimmt wohl (jedenfalls für mich).

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Donner über Wind, Duration, nach jedem Ende ein neuer Anfang, warum nicht gleich aus dem Englischen Patienten zitieren...

Natürlich ist das Leben selbst so. Man durchlebt die Jahrzehnte seines Lebens mit absoluter Sicherheit, auch wenn man im Vornhinein keine Ahnung davon hat, wie man es anstellen wird. Ob ich es will oder nicht, ich nehme sie dabei mit.

Ich habe übrigens noch keine 1260 = 42*30 = 1*360+2*360+½*360 Beiträge geschrieben, dies ist erst der 1152., aber vielleicht komme ich ja trotz allem noch hin. Indes, sehen wir vielleicht schon jetzt einmal, wo die Grenzen liegen.
Mag schon sein, daß es sich hierbei um die findende, die bekräftigende und die weitergebende Phase handelt.

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27. März 2011

Nochmals zur Architektur des Bewußtseins

Ich werde im folgenden versuchen, Bezeichnungen mit doppelter Bedeutung zu vermeiden.

Bewußtsein ist zunächst die Gewahrung dreier Dinge, welche erst durch eine Erweiterung seiner unterschieden werden, Erfahrung, Besorgtheit und Gefallen.

Die Besorgtheit ist eine Funktion der Erfahrung und des Gefallens, sowie des vorherigen Vertrauens aller existierenden Bewußtseine und Gottes Willens, sowohl als Moderator des letzteren als auch als eigenständige Instanz. Es ist dies der natürliche Zustand, daß die Sorgen in einen hineinströmen und man dadurch, daß man vertraut, Sorgen der Besorgtheit anderer beisteuert. Dabei ist die Besorgtheit ein Reservoir von Handlungsimpulsen, aus dem man schöpft, wobei Vertrauen eben ein Abtreten einer dieser Sorgen ist.

Das Gefallen wiederum ist eine Funktion der ersten beiden Teile, insbesondere ist Seinsangst die Antwort auf fehlende Sorgen. Wie sich die gegenseitige Abhängigkeit von Gefallen und Sorge genau auflöst, läßt sich schwer beantworten. Nahe läge zu vermuten, daß einer der beiden Teile der vorherigen Gewahrung hinterherhinkt, und es gibt auch eine Beobachtung, welche das Hinterherhinken des Gefallens zu beweisen scheint, nämlich die vorsätzliche Änderung der eigenen Stimmung durch Vorstellung einer anderen, welches zunächst gelingt, dann aber zu einer Abwehrreaktion, einem Mißfallen dieses Vorstellens führt. Die Antwort auf dieses Problem ist indessen nicht von allzu großer Bedeutung, so daß ich mir darüber nicht weiter den Kopf zerbrechen werde.

In diesen immer gleichen Mechanismus des Bewußtseins sind unterschiedliche Schichten eingetaucht. Wie gesagt, im einfachsten Falle, wenn Gewahrung reine Sinnlichkeit ist, ist nichts vom Vorigen von einander unterschieden, und alles ist bloß gewahrte Bewegung.

Kommt Verstand hinzu, so wird die Sinnlichkeit gegliedert und die Gewahrung um diese Gliederung erweitert. Dieses ist auch bei Tieren so. Das Gefallen an dieser Gliederung besteht aus den eigentlichen Emotionen, und das Vertrauen unter dieser Gliederung besteht aus Kommunikationen unter dieser Gliederung.

Kommt wie beim Menschen Vernunft hinzu, so wird die letztere Gliederung selbst wieder durch das Tripel zweier Gegenstände und eines Verhältnisses gegliedert und die Gewahrung um diese Gliederung erweitert. Das Gefallen an dieser Gliederung besteht aus den Stimmungen, und das Vertrauen unter dieser Gliederung besteht wieder aus Kommunikationen unter dieser Gliederung, wobei allerdings Gott hier aktiv als Übersetzer in Erscheinung tritt.

Es bleibt noch über Haltungen zu sprechen. Eine Haltung ist nichts weiter als eine willkürliche Assoziation, in welcher man sich als handelndes Subjekt zu gewissen Verhaltensweisen setzt, also daß man von sich sagt, daß man sich auf eine bestimmte Weise verhalte. Die Bezeichnung eines Begriffs, ist ein Spezialfall dessen. Beides findet in der Vernunft statt und wird durch Stimmungen gespiegelt, wobei die Ordnung der Begriffe zu Klarheit führt, nach welcher der Philosoph strebt.

Haltungen werden aber nicht zwangsläufig befolgt, vielmehr ist das Befolgen der eigenen Haltungen selbst eine Sorge, welche Teil der eigenen Besorgheit sein mag oder auch nicht, meistens natürlich graduell für die einzelnen Sorgen verschieden irgendwo dazwischen liegt.

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29. August 2019

Daseinsverständnis als Summe von Reflexion, Benennung und Mengenverständnis

Ich habe mir den Beitrag Das Denkvermögen aus der chaotischen Phase meiner Analyse des menschlichen Denkens noch einmal durchgelesen und ihn für nicht ganz verständig befunden, wiewohl alle nötigen Zutaten bereits enthalten waren.

Wenn wir etwas als etwas anderes erkennen, so sehen wir schlicht ein, daß eine Anschauung einen Begriff in unserer Wahrnehmung auslöst. Wahrscheinlich beruht diese Einsicht auf einer statistischen Analyse des Zusammenfallens verschiedener wiedererkennbarer Eindrücke.

Diese Einsicht heißt Reflexion. Die dabei auftretenden Begriffe benennen wir mit Namen, zu welchen wir nach der Reflexion übergehen. Sowohl die ursprüngliche Wahrnehmung, als auch ihre symbolisch durch Namen festgehaltene Reflexion nehmen wir als Mengen von Eindrücken wahr, und wir besitzen ein Verständnis dieser Mengen, welches uns erlaubt zu verstehen, was es bedeutet, daß eine Menge Teil einer anderen ist.

So kommt es, daß wir, wenn wir uns eine Menge von Namen vorgeben, die Frage stellen können, ob die ihnen entsprechenden Begriffe eine Teilmenge unserer Wahrnehmung bilden. Tun sie es, so gibt es eine Entsprechung für die Konjunktion der benannten Begriffe.

Begriffe können nämlich nur durch die Erfahrung ihrer Gegenstände gegeben werden, und sei es durch die eigene Vorstellungskraft, sofern der Begriff dies erlaubt. Es ist nicht möglich, sich direkt auf sie zu besinnen. Und also liegt mit der Menge der Namen die Menge der Begriffe noch lange nicht in der Wahrnehmung vor.*

Damit aber haben wir auch schon alles, was wir brauchen, um von der Existenz unseres Begreifens zu sprechen und mit ihr zugleich von der des Begriffenen.

Jede Aussage läßt sich in eine Normalform bestehend aus es gibt, und und nicht bringen. Aussagen über Potentielles beziehen sich auf Vorgänge mit festgelegtem Ausgang. Mit anderen Worten ist unser ganzes Denken nichts weiter als die Frage nach der Erfahrbarkeit von (komplexen) Begriffen, ob sie Teil der Wahrheit sind, und damit die Besinnung auf mögliche Kandidaten. Es ist aber dennoch sinnvoll, Besinnungen nach den ihnen zugrundeliegenden Begriffen genauer zu unterscheiden, wie beispielsweise in Verfolgungen und Beachtungen.

Die Frage danach, wie das Nicht-Seiende sein kann, wäre damit beantwortet: indem wir seinen Namen bilden und seine Entsprechung suchen, genau wie beim Seienden. Mengen dienen uns dazu, Vielfalt zu erkennen, und Gesamtheiten (als Ausrichtungen unserer Wahrnehmung entlang Begriffen), die Vielfalt von Gleichbegriffenem, und sei es bei der Multiplikation von a mit b die Vielfalt der Stellen n.m, m≤a, n≤b.

Mehr ist es nicht, unser Denken: Nur ein Aufflammen verschiedenartigen Begreifens. Doch braucht uns das nicht zu stören, so lange wir in ihm nur unseren Frieden finden.

* Die Assoziation des Namens ist eine Einbahnstraße, wenn man so will, zurück zum Begriff geht es nur über den Umweg über das Exemplar.

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17. April 2010

Von der rechten Gestalt des Apollinischen und Dionysischen

Ich setze voraus, daß der Leser von den Begriffen apollinisch und dionysisch eine ausgeprochen klare Vorstellung hat, was es mir erspart, sie zu definieren.

Ausgangspunkt dieses Beitrages ist die Frage, welche Kraft im Dionysischen liegt und auf welche Weise ihr zu huldigen ist.

Die Früchte des Apollinischen sind sehr leicht zu greifen, da sie als Ausnahmen hervorstechen. Beim Dionysischen ist das genau umgekehrt, da stellt ihr Ausbleiben eine absolute Ausnahme dar. Wenn es einem indes gelingt diese Ausnahmen zu finden, so wird man sie wiederum daran erkennen können.

Führen wir uns also einen vollends apollinisch lebenden Menschen vor Augen. Woran gebricht es ihm? An kontemporärem Einfluß, an Kommunikation mit seinen Zeitgenossen.

Während das Apollinische eine Brücke in die Zukunft baut, spendet das Dionysische dem neben einander Ausgeschütteten Frieden und Gesundheit, womit die erste Hälfte der Frage beantwortet wäre.

Nun zur zweiten, was kann man falsch machen, wenn man sich in dionysische Gefilde begibt?

Die Antwort darauf lautet den Blick heben, auf sich schauen, Sinn oder Richtigkeit einfordern, Unvergänglichkeit suchen. Am gefährlichsten ist es dabei, wenn sich die eigenen Hoffnungen mit dem Dionysischen verbinden, dann entsteht eine Schwüle, welche ein Sumpffieber gebiert, an welchem man zu Grunde gehen kann. Die reinste Albernheit, in der trockensten Wüstenluft, ist dem Dionysischen angemessen. Alles Handeln muß in allgemein bekannten Formen erfolgen, in freier, sinnloser Assoziation.

Beim Apollinischen verhält es sich nun genau umgekehrt, jede Konvention zwingt es in einen Ofen, welcher das Wasser der Kreativität verdunsten läßt, so daß nur wund machende Gedankenspiele übrig bleiben. Tiefe, ja Unendlichkeit, muß stets gesucht werden, damit das Werk lebendig bleibt.

Dieses sind wirkliche Kräfte, welche wirklichen Dienst einfordern und einen für mangelnde Achtung bestrafen. Glaube niemand, daß es anders ist.

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25. April 2014

Vom Kommen und Gehen unserer Wahrnehmungen

Zur Ausbesserung des letzten Beitrags.

Wenn wir uns in einem Nu befinden, also in einer Wahrnehmung, so können wir das Wahrgenommene beschreiben, Aussagen über es treffen, und wir können etwas tun, wobei die einzige Tat, welche sich nicht erst wieder durch etwas Wahrgenommenes offenbart, etwa wie sich unsere Finger anspannen, die bewußte Zuordnung eines Eindrucks zu einem anderen ist.

Wenn wir uns später an diesen Augenblick erinnern, so verwenden wir dazu Assoziationen, welche zwischen diesem Augenblick und etwas, wessen wir in dem Augenblick, in welchem wir uns erinnern wollen, gewahr sind, bestehen, wobei eine Assoziation auf einer bewußten oder unbewußten Zuordnung beruht, und welche uns die in jenem Augenblick gemachten Aussagen, sowie Echos der damaligen Eindrücke wachrufen.

Die Echos mögen unklar sein, die Aussagen sind es hingegen für gewöhnlich nicht. Hätten wir in jenem Augenblick unbewußt zugeordnet, so assoziierten wir jetzt womöglich, wobei uns unter Umständen nicht klar wäre, warum, hätten wir hingegen bewußt zugeordnet, so stünde die Aussage der Zuordnung nun vor uns, und wie bei jeder bewußten Entscheidung wäre ihr Motiv assoziiert, wobei uns in dem Falle stets klar wäre, warum wir assoziieren, nämlich um zu wissen, warum wir uns für etwas entschieden haben, auch wenn diese Zuordnung unbewußt geschehen sein sollte.

Ein Nu kann dabei durchaus eine gewisse zeitliche Länge besitzen, wenn wir darauf verzichten, die Änderungen unserer Umgebung zu registrieren, in welchem Fall wir nicht über ein paar Sekunden hinauskommen, gerade lange genug, um die Form eine Bewegung zu erfassen, also etwa, wenn wir uns mit gedanklichen Gegenständen beschäftigen, welche in Beziehungen zu einander stehen. Genauer gesagt hält er genau so lange an, wie wir das bestehende Beziehungsgeflecht nicht über den Haufen werfen. Wir können es erweitern, aber keine getroffene Aussage zurücknehmen, ohne den Augenblick zu verlassen.

Dabei ist es so, daß unsere Wahrnehmung nach jedem Nu in einen unbefleckten Zustand zurückkehrt, das heißt, daß ihr stets alles neu erscheint, auch wenn es das nicht ist, also wenn wir beispielsweise in einer pechschwarzen Kammer sitzen, so ist es jedesmal wieder ein neues Pechschwarz, welches wir wahrnehmen, jeder Nu hat seine eigene Wirklichkeit und die vorherigen Augenblicke sind zunächst einmal vergessen.

Freilich, das heißt nicht, daß der Begriff des Pechschwarzen jedes Mal ein neuer wäre. Der Begriff ist immer derselbe, aber der Eindruck ist immer ein anderer. Ich könnte mich also sofort, wenn ich wieder einmal in eine neue Wirklichkeit eingetreten wäre, fragen, wo ich das letzte Mal so eine Pechschwärze gesehen hätte, und dabei zu der Überzeugung gelangen, daß meine derzeitige Wirklichkeit so neu nicht ist, in dem Sinne, daß alles, was ich bereits zuvor ausgesagt hätte, auch weiterhin gilt.

Nichtsdestotrotz, es mag die gleiche Wirklichkeit sein, aber es ist nicht die selbe.

Übrigens gilt dies auch von gedanklichen Objekten, wenn wir sie reflektieren. Ein Begriff, welcher als Eindruck wahrgenommen wird, ist immer ein anderer. Und es wäre durchaus möglich, daß er einmal verschwindet, nicht mehr zu Stande kommt. Aber als bloßes angewöhntes Repertoire ist er immer derselbe. Und wenn er dann tatsächlich einmal verschwände, so verstünden wir auf einmal nicht mehr, was unsere Formel eigentlich besagt.

Genauer gesagt handelt es sich bei unseren Begriffen um komplexe Zuordnungen, welche Zeichenketten, Laute und grammatische Informationen enthalten, zu Eindrücken unseres Einsichtsvermögens, also unserer Vernunft. Diese werden irgendwann einmal vorgenommen und bestehen dann permanent in unserem Denken, so lange bis sie abgeändert werden, was sie von den Assoziationen, auf welche sich unser Gedächtnis stützt, unterscheidet.

Es handelt sich bei ihnen um einen Teil unserer Haltung. Und unsere Haltung ist, wenn man so will, ein langer Augenblick, welcher so lange währt, wie wir an ihm festhalten. Aber dieser Augenblick wird nicht direkt wahrgenommen, sondern muß wie die Erinnerung wachgerufen werden.

In diesem langen Augenblick liegen also unsere Begriffe, und auch alle Aussagen, welche wir für allgemein gültig halten, und insbesondere unsere Maximen. Die ganze wissenschaftliche Beschäftigung zielt darauf ab, diesen langen Augenblick um weitere allgemein gültige Aussagen zu bereichern, aber wenn es sich nicht gerade um Mathematik handelt, so besteht eine stete Verpflichtung, diese Aussagen an der stets neuen Wirklichkeit zu erproben.

Es ist wichtig zu verstehen, daß unsere Vernunft, wenn sie unsere Wahrnehmungen beschreibt, niemals etwas falsches behauptet, und daß wir, wenn wir uns diese Aussagen vergegenwärtigen, niemals etwas falsches annehmen. Falsche Annahmen werden stets als formale Aussagen in unser Denken eingeführt, welche wir allenfalls irrtümlicherweise in unsere Haltung aufnehmen können, wo sie uns zu weiteren Irrtümern anstiften, aber bei all dem bleiben sie letztlich doch Gegenstände einer über ihr Zutreffen wachenden Vernunft, welche sich dabei auf das stützt, was sie selbst einmal eingesehen hat.

Mit anderen Worten verwendet die Vernunft die unwandelbare und unfehlbare Erinnerung, um den langen Augenblick der Haltung zu steuern, wie sie den langen Augenblick der Haltung verwendet, um den kurzen Augenblick der stets neuen Wirklichkeit zu steuern.

Eine Einsicht ist dabei stets wahr, ein gemäßes Verhalten hingegen möglicherweise irrig.

Freilich, wenn wir etwas vergessen, müssen wir mit dem Vorlieb nehmen, was übrig bleibt.

Und wenn wir unserem Einsichtsvermögen eine Sprache geben wollen, so sollten wir daran denken, daß der Mitteilung nur der kurze Augenblick der stets neuen Wirklichkeit offensteht, da niemand seine Erinnerung oder Haltung ohne weiteres ändert. Wir müssen also einen Formalismus schaffen, welcher das in einem kurzen Augenblick Einsehbare beschreibt.

Andererseits ist eine geschlossene Vermittlung von unmittelbar Einsehbarem in dem Sinne unzureichend, daß wir selbst nicht mit ihm zufrieden sind und uns durch bestimmte Erfahrungen zu Haltungen hinreißen lassen, welche behaupten, was uns nun plausibel scheint, ohne daß es seinem Wesen nach je vollständig einsehbar wäre.

Mit anderen Worten wird also auch eine Formulierung derjenigen Postulate, welche man selbst verwendet, zu jeder Mitteilung über das Einsehbare gehören, bestenfalls gestützt auf einzelne Einsichten.

Technische Schwierigkeiten bereitet das aber nicht, denn man erhält ja wieder tatsächlich Einsehbares, wenn man stets schreibt: Wenn dies wahr wäre, dann wäre...

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29. Juli 2013

Nochmals zum Geschäft der Vernunft

Ich habe zuletzt einige Beobachtungen zur Wirkung der Sorge, oder auch dem Geschäft der Vernunft, zusammengetragen, ohne jedoch zu Klarheit über der Angelegenheit zu gelangen.

Das Geschäft des Gewahrseins, oder auch die Wirkung der Lust, ist die Anstrengung der vorhandenen Kräfte, und ist durch die gewahrten Potentiale bedingt.

Diese Potentiale sind spezifische Anstrengungen, welche unmittelbar wahrgenommen werden, und innerhalb der Ich-Assoziation die Rolle des Willens ausfüllen. Der Unterschied zwischen passiver Wahrnehmung und der Wahrnehmung eines Potentials ist ein angenommener und nicht unbedingt zutreffend, in dem Sinne, daß sich auch mit scheinbar passiven Wahrnehmungen, wie dem Kälteempfinden, Potentiale verbinden mögen, in jenem Fall der Steuerung der Körpertemperatur. Ähnliche Effekte treten im audiovisuellen Bereich in Träumen auf. Man kann also durchaus sagen, daß es nur eine Wahrnehmung gibt, in welcher die Potentiale Wahrnehmungen der eigenen Kräfte sind und die Anschauung der Welt Wahrnehmungen der eigenen Empfindlichkeiten, Kräfte und Empfindlichkeiten aber nur graduell und nicht prinzipiell verschieden sind.

Insbesondere bei Pflanzen sollte man keinen großen Unterschied zwischen Kräften und Empfindlichkeiten annehmen, denn die Empfindlichkeiten dienen in erster Linie der Verfeinerung des Bewußtseins durch den Verstand.

Das Geschäft des Verstandes, oder auch die Wirkung der Achtung, ist die Formulierung und Wahl eines Ansatzes zur Begegnung eines sich stellenden Problems, und ist durch die eigenen Verhaltensmuster bedingt.

Wie schon beim Gewahrsein bereitet auch beim Verstand ein Zusatz an unnützem Bewußtsein, Empfindlichkeit im Falle des Gewahrseins, begriffliche Erfassung im Falle des Verstandes, die nächsthöhere Bewußtseinsstufe vor.

Und damit kommen wir zum Geschäft der Vernunft, oder auch der Wirkung der Sorge, als welches die Verkörperung einer Idee sich zu verhalten ist und sowohl durch bewußte als auch unbewußte übrige Verkörperungen bedingt.

Daß ein Mensch durchaus auch in seinem Verhalten Pflanzen und Tieren gegenüber gehindert sein kann, sieht man an jenen, welche ihre Sterilität auf Pflanzen übertragen, und jenen, welche die Begrenzungen tierischen Verhaltens nicht durchschauen.

Hauptsächlich sind wir aber durch das Gelingen der Verkörperungsprozesse unserer Mitmenschen bedingt, nicht in erster Linie dadurch, daß wir ihr Wesen nicht verstehen, wie es bei Pflanzen und Tieren einzig der Fall sein kann, sondern dadurch, daß sie selbst es nicht verstehen.

Die Natur der Bedingung ist also einerseits die Herausforderung, etwas fremdes zu verstehen, und sich andererseits gesellschaftlich über die vorhandenen Auffassungen zu verständigen.

Transzendente Akte dienen, wie schon gesagt, der Neuverhandlung des Lebens in Konfliktsituationen, und tun dies auf allen Stufen. Bei der Lust geht es um Machtzuwachs oder -befreiung, bei der Achtung um Verhaltensverzahnung oder -trennung und bei der Sorge geht es um Verkörperungskoordination oder -aussetzung. Anders ausgedrückt bereinigen transzendente Akte die jeweiligen Bedingungen.

Verkörperungsaussetzung ist so etwas wie eine Notbremse, und sie findet stets am Ende eines ideellen Zykels statt. Man wird sehen, ob der Einschnitt noch tiefer geht, aber ich sehe mittlerweile wieder Ordnung in der Welt, und ich glaube an ihre Kraft und Durchsetzungsfähigkeit, auch wenn die näheren Umstände noch im Dunkeln liegen.

Die Sache ist in gewisser Weise längst entschieden, besser als alles zu kontrollieren ist es, in der Not zu beten. Das stimmte selbst dann, wenn es nichts brächte, in der Not zu beten, doch es bringt etwas, und zwar in allem Leben.

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30. Juli 2013

Technische Ergänzungen zur Wirkung der Achtung und Sorge

Man kann sich auf den Standpunkt stellen, daß bewußte elementare Handlungen stets darin bestehen, in einen wahrgenommenen Impuls einzutreten. Die absichtlichen Handlungen bestehen dann aus einer Reihe von Einzelhandlungen innerhalb der Phasen der Planung, Erwägung und Ausführung, welche zusammen wiederum eine Handlung, aber eben eine zusammengesetzte ergeben, wobei in bestimmten Zusammenhängen damit auch nur die Ausführung gemeint sein mag.

Wille, übrigens, um das hier nicht ungeklärt zu lassen, existiert in einem rein organischen Bewußtsein nicht unabhängig von der Tat, Impuls ist beides, sondern beruht als eigenständiger Teil der Ich-Assoziation auf der Phase der Erwägung, in welcher er sich äußert, indem die Ausführung entweder folgt oder nicht.

Bevor ich nun zur Vernunft kommen kann, muß ich einen kleinen Zuschreibungsfehler aus dem Beitrag Das Räderwerk der Seele korrigieren. Der Widerwille ist Teil der Achtung, nicht der Sorge, was auch selbstverständlich sein sollte, wenn man den Widerwillen von Tieren bedenkt. Widerwille, eingedenk dessen, daß er Wille ist, äußert sich auch in einer Erwägung, aber einer Erwägung eines Geschehens, welches passiv beobachtet wird, und welches man auf Grund dieser Erwägung nicht ungehindert fortschreiten läßt, wobei die Planung der Reaktion zumeist unbewußt und regelgemäß, selten auch bewußt und spontan, vorangeht. Geht sie bewußt voran, äußert sich der Widerwille als plötzliche Bestärkung.

Tiere haben also auch eine Haltung, aber eben nur eine. So, und nun möchte ich nicht zu blumigen Worten greifen, sondern präzise beschreiben, was genau die Vernunft ermöglicht und bewirkt.

Die Vernunft erlaubt die Handlung der Haltungsannahme nach einem Begriff derselben. Und weiterhin führt die Vernunft dazu, daß eine angenommene Haltung stets durch sie bewertet wird, was freilich auch Widerwille genannt werden könnte, dann aber seine vernünftige Weiterentwicklung bezeichnete, oder man vermeidet das, indem man wie gehabt von Stimmung spricht.

Darüberhinaus erlaubt die Vernunft selbstverständlich die begriffliche Erfassung, womit Wahrnehmung, Wille und Handlung wieder beisammen wären, aber selbstverständlich ist es so, daß zumeist die Achtung auf der Grundlage der begrifflichen Erfassung operiert und nicht die Sorge, denn wie oft nehmen wir schon eine andere Haltung auf Grund einer begrifflichen Erfassung an?

Am häufigsten passiert das noch, wenn wir nach einer geeigneten Weise forschen, etwas durch Begriffe zu verstehen, in welchem Fall wir von Einsicht sprechen, wie auch, wenn wir unsere tätige Haltung auf solcher Grundlage änderten. Einsichten aber sind selten.

Umgekehrt nehmen wir, wie ich auch schon sagte, manchmal Haltungen an, ohne einen anderen Grund dafür zu haben, als sie ausprobieren zu wollen, wo die Grundlage der Handlung der Sorge dann also nicht die Vernunft, sondern die Unrast eines Tieres ist. Unrast ist Widerwille, nicht Stimmung. Wenn Stimmung sich nicht in einer Einsicht aufhellt, führt sie kaum einmal zu einer Handlung. Das gilt auch für die Kunst, der Zustand bei ihr ist allerdings ein sehr merkwürdiger, nämlich daß sich die Stimmung mit jeder getreuen Abbildung ihrer selbst zum Zwecke ihrer Abbildung aufhellt, um dann gleich wieder in ihren vorigen Zustand zurückzukehren.

Diese Abbildung folgt als Haltung auf die Einsicht ihrer Ausdruckskraft, wobei die Teile der eigenen Haltung, welche die abgebildete Stimmung bestimmen, gleichnishaft übertragen werden.

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31. Dezember 2007

Von der Verständigung

Ein Mensch, der sich manchem inne ist, sei es durch Auffassung, sei es durch Ausweisung, wird wohl auch einmal daran denken, es mit anderen zu teilen, zuzusehen, daß andere sich ihm auch inne werden. Da bei diesem Prozeß das Verständnis des einen auf den anderen übergehen soll, wird er treffenderweise Verständigung genannt. Um uns nun zu verständigen, bedienen wir uns für gewöhnlich einer Sprache, also einer gegliederten Menge Zeichen ausgewiesener Bedeutung, welche wir als Empfänger unserem Umfeld entnehmen, um vergleichend ihre Identität zu erkennen, ihre jeweilige Rolle auszumachen und auf ihre Bedeutung zurückzugreifen, wobei entnehmen, erkennen, zurückgreifen und ausmachen jene Formen des Auffindens sind, welche durch seine Einschränkung auf Teilsein, Gleichheit, Assoziiertheit, bzw. alle übrigen Formen des Beschriebenseins gebildet werden.

Bevor wir allerdings eine Ausweisung oder Auffassung in eines anderen Kopf verankern können, muß sie uns zunächst einmal zum Gegenstand werden. Mit Ausweisungen haben wir uns ja bereits näher beschäftigt und offenbar läßt sich jede Ausweisung durch eine entsprechende Aufforderung festhalten, welche selbst eine im allgemeinen nicht näher bestimmte Aussage ist, was sich in der Frage „Sonst was?“ ausspricht, dabei aber dennoch meistens ihren Zweck erfüllt. Auffassungen nun seien hier in Urteile, Zutrauen und Einordnungen unterschieden, welche durch Bezeugungen, Versicherungen, bzw. Zuweisungen, ihrerseits allesamt Aussagen, reflektiert werden.

Eine Aussage schließlich ist ein Urteil über eine Auffassung und wird durch eine weitere Reflexion selbst zum Gegenstand. Als solcher enthält sie aber geistige Eindrücke, welche direkt nur in Ausnahmefällen mitteilbar sind, so daß sie in der Mitteilung durch Zeichen bekannter Bedeutung ersetzt werden müssen, wobei diese selbst auch nur mittelbar zu einem Eindruck führen mögen, also durch entnehmen „Schau dir das an!“, erkennen „Sein Porträt.“, ausmachen „Der Rote.“ oder zurückgreifen „Der Hochzeitswein.“ Wenn die Mitteilung aber schließlich wieder in eine Aussage überführt wurde, so kann sich der Empfänger die Frage stellen, ob sie seiner Auffassung entspricht, wodurch er sie nachzuvollziehen versucht, bzw. der Aufforderung nachkommen. Kommt er ihr nach, bzw. beurteilt sie als gültig, besteht die Chance, daß die Verständigung geglückt ist, wofür es aber naturgemäß nie einen zweifelsfreien Nachweis gibt.

Im Falle der Mathematik, beispielsweise, genügt es Aussagen zu betrachten, deren Gegenstände ausschließlich durch ausmachen und einfaches zurückgreifen zu ermitteln sind, was die Gefahr von Mißverständnissen immerhin senkt. Der Bequemlichkeit, und also Effektivität wegen, wird man aber auch in diesem Fall das mehrfache Zurückgreifen gestatten, also bezügliche Definitionen erlauben.

Im allgemeinen stellt sich auch die Frage, wie Verständigung vonstatten geht, wenn der Empfänger die Bedeutung der Zeichen der Sprache nicht kennt, da sich doch jeder Mensch am Anfang seines Lebens in dieser Lage befindet. Unter diesen Umständen wird er aber das wiederholte Zusammentreffen des Zeichens mit seiner Bedeutung als Begleitung auffassen, und zwar intuitiv richtig herum, also der Bedeutung zutrauen das Zeichen hervorzubringen „Mama schafft es bestimmt ‚Mama‘ zu sagen.“ Dadurch assoziert er dann im folgenden die Bedeutung zum Zeichen, nämlich als Grundlage der Begleitung, und kann diese Assoziation somit zu eigenen Zwecken „Ich will das auch machen, was Mama macht.“ verwenden. Alsbald lernt er dann, wenn er fälschlich begleitet, daß diese Handlung eine Folge hat und eine Aufforderung zu erscheinen darstellt. Es lassen sich in der Tat generell die Bedeutungen unbekannter Zeichen erlernen, wenn dem Verstand nur die Möglichkeit gegeben wird, das Zeichen als Begleitung der Bedeutung aufzufassen, wobei ein Kind dann irgendwann auch lernt, Aussagen und Aufforderungen als solche zu verstehen. Schließlich, wenn alle notwendigen Zeichen bekannt sind, kann man auf die Begleitung der Bedeutung verzichten und neue Zeichen einfach ausweisen, das Kind hat die Definitionsreife erlangt.

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