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20. April 2015

Eins, Zwei, Drei (1961)

Meine DVD-Sammlung umfaßt zwei Filme Billy Wilder's, Manche mögen's heiß und eben Eins, Zwei, Drei.

Ersterer ist ein launige Komödie über all die Dinge, über welche Menschen nicht gerne reden, sie aber dennoch tun, darin Ghostbusters nicht unähnlich, beide Sammelbände des Unanständigen. Die jeweils schönste Szene in der Hinsicht ist wohl die Alle Sekretärinnen trinken irgendwas-Szene in Manche mögen's heiß und die Irgendwie muß man hier doch reinkommen-Szene in Ghostbusters.

In Eins, Zwei, Drei, andererseits, geht es nicht um die kleine Heuchelei, sondern um den großen Beschiß, antimilitaristisches Marschieren, wirtschaftliche Freiheit an der Schuldenkette, Anständigkeit, welche ihre Taten nicht nennen darf. Hier ist der Mensch nicht mehr Täter, sondern aus dem Leichtsinn des Glaubens heraus Opfer seiner Selbsttäuschung geworden.
Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.
Wilder findet die richtigen Bilder, um das Primat der Wirklichkeit vor der Ideologie auf den Punkt zu bringen, etwa durch die strammstehende Bürobelegschaft, welche von dieser Gepflogenheit einfach nicht lassen will.

Er hat schon damals, vor dem Bau der Berliner Mauer, die gänzliche Absurdität des Ansatzes, durch US-affine Eliten ein US-fernes Volk zu erreichen, deutlich gesehen und dargestellt, ohne freilich dadurch bewirkt zu haben, daß die Vereinigten Staaten von diesem Ansatz gelassen hätten: Er ist sogar durch die Verfügbarkeit von Auslandsstudenten aus aller Herren Ländern in den Vereinigten Staaten noch verstärkt worden. Man möchte fast meinen, es ginge ihnen darum, ihre Hampelmänner auflaufen zu lassen, um andere Völker in Sicherheit zu wiegen.

Nur sind jene in kultureller Hinsicht tatsächlich sicher: Es ist schlicht unmöglich, daß ein Volk, welches sich in einer grundverschiedenen Lage zu den Vereinigten Staaten befindet, deren Lebensauffassung übernimmt. Und sich Lebensauffassungen für andere Völker ausdenken, tun die Vereinigten Staaten nicht. Es mag also zu einer Transformation der betroffenen Völker kommen, aber nicht von der propagierten Art.

Denn es geht eben um nichts, was es verdiente, an es zu glauben.

Schlagt euch den Gedanken, es könne gut sein, aus dem Kopf, und macht das Beste draus! lautet Wilder's Fazit, und ich würde rückwirkend ein Noch könnt ihr es! dranhängen. Denn es ist natürlich alles kein Zufall. Der Mensch suchte anfang des 20. Jahrhunderts gerade deswegen nach neuen Glauben, um dem erahnten Ende des alten zu entkommen, welches sich heute vollzieht.

Eins, Zwei, Drei ist damit ein Film von bedrückender Aktualität, ein possierlicher Ausblick auf das letzte Stück leerer Zeit vor dem Schluß, deren Vergeblichkeit den Film wie versilbertes Sauerkraut durchzieht.

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