Bereitschaftsbeitrag

Zur Front

12. April 2011

Das Ich

Mir sind in letzter Zeit die Dinge etwas auseinandergelaufen. Der Grund dafür lag in mangelnder Gelegenheit zur Konzentration. Deshalb ist es unter anderem dazu gekommen, daß ich ein und denselben Gegenstand mit parallelen Begriffen traktiert habe (so geschehen mit Stimmung und Sorge). Ich werde diese Dinge nun in angemessener Einfachheit und Klarheit darstellen.

Es ist sinnvoll, unser Bewußtsein als in vier Bereiche eingeteilt zu denken.

Da wäre zunächst das Ich, es bündelt unsere verschiedenen Eindrücke in der Gewahrungsstruktur, wobei es keine vorhandenen Verbindungen darstellt, sondern willkürlich Verbindungen durch Zusammenstellung begründet. Ich werde das gleich genauer erläutern.

Zum zweiten können wir unser Gemüt betrachten, in welchem sich unsere jeweilige Stimmung zeigt, zum dritten unsere Anschauung, in welcher unsere Umgebung im obigen Sinne dargestellt wird.

Schließlich bleibt noch unsere Vernunft, in welcher sich die Verhältnisse zeigen, welche unser abstraktes Verständnis bilden.

Gemüt und Anschauung sind unterschiedslose Teile der Gewahrung, das heißt, es bestehen keine Verhältnisse außer der bloßen Koexistenz zwischen ihnen. Dasselbe gilt auch für die einzelnen Facetten der Anschauung, also Gesicht, Geruch, Gehör, Getast, Geschmack und Gleichgewicht, sowie wiederum für deren Facetten, so vorhanden (e.c. Geschmacksrichtungen). Desweiteren gehören zur Gewahrungsstruktur Gegenstände, welche stets willkürlich aus einem Bewußtseinsbereich gewählt sind, wenngleich womöglich durch einen Spezialfall des im folgenden noch beschriebenen Handlungsprozesses genauer spezifiziert, durch welche sich Verhältnisse auf Inhalte (möglicherweise) anderer Bewußtseinsbereiche beziehen. Findet eine Gegenstandswahl nicht statt, so bleibt auch die Vernunft untätig.

Und schließlich gehören zur Gewahrungsstruktur die Abgrenzung von Vergangenheit, Möglichkeit und Gegenwart von einander, sowie das Gefallen an ihnen.

Bewußt zu handeln heißt, wie bereits gesagt, daß die Möglichkeit ein Vorsatz ist, welcher gefällt, wobei ein Vorsatz die Reflexion des Überganges in ein anderes Verhältnis ist und jenes andere Verhältnis im Zustand der gefallenden Möglichkeit die Grundlage einer unbewußten Handlung. Die Reflexion selbst ist stets eine unbewußte Handlung, wie alle Besinnungen, also Verhältnisvervollständigungen, da der Möglichkeit hier notwendigerweise ein Gegenstand fehlt und sie somit nicht reflektierbar ist. Genau das ist natürlich die oben erwähnte genauer spezifizierte Wahl, welche im Falle der Reflexion glücklicherweise eindeutig (erweiterbar) ist.

Von den bewußten Handlungen wissen wir Dank der obigen Gleichsetzung, daß wir sie getan haben, das heißt, wir wissen, daß uns ein Vorsatz gefallen hat, Vorsatz hier natürlich im obigen Sinne als etwas, das unsere nächste Handlung betrifft. Von den unbewußten Handlungen wissen wir nur, daß uns die Vorstellung ihres Ergebnisses gefiel. Die meisten Handlungen sind natürlich unbewußt, einige, wie gesehen, sogar zwangsläufig, weshalb man auch niemanden zwingen kann, etwas zu verstehen, und als praktische Regel für diese Fälle ist Wunschdenken nur anzuraten, beispielsweise beim Baseball, wenn man versucht den Ball richtig zu treffen. Im Deutschen nennt man dies auch völlig blödsinnigerweise selbstbewußt zu handeln. Es ist natürlich das genaue Gegenteil, besser wäre es also zu verlangen, jemand möge selbstvergessen auftreten, freilich mit Hang zum Größenwahn und nicht zur Selbsterniedrigung.

Die Einteilung des Bewußtseins in diese vier Bereiche ist zu einem gewissen Grade selber willkürlich, und konkret selbstverständlich durch einen willkürlichen Akt zu Stande gekommen, indes sind durch die Gegenstandswahl die Grenzen der Bewußtseinsteile aufspürbar, in sofern sich nämlich gewisse Eindrücke nicht ohne die Begleitung durch andere Eindrücke denken lassen, e.c. die Höhe eines Tons nicht ohne seinen Klang und seine Lautstärke, eine Farbe nicht ohne ein Gebiet, welches sie färbt.

Das Gefallen von Gemütsmenschen hängt stärker von ihrer eigenen Stimmung ab als von ihrer Umgebung. Vernunftmenschen bilden einen Spezialfall dessen, in sofern ihre Stimmung von ihrem Verständnis der Dinge dominiert wird. Letztere Zuschreibung ist natürlich nicht unmittelbar erfaßbar, sondern beruht auf einer Koinzidenzanalyse.

Es kann als gesichert gelten, daß sich diese Typen erst relativ spät in der menschlichen Evolution gebildet haben, also lange nach der Erlangung von Vernunft und Menschentum. Gerade bei den Gemütsmenschen ist man ja oftmals geneigt das zu bezweifeln in Anbetracht ihrer doch beträchtlichen gelebten Dämlichkeit, aber eine gründliche Analyse der intellektuellen Struktur des Menschen läßt keinen anderen Schluß zu. Es ist auch zu bedenken, daß eine Bevölkerung von Anschauungsmenschen nie einen Vernunftmenschen hervorbringen wird, ohne daß sie zuvor Gemütsmenschen in großer Zahl hervorgebracht hätte.

Nun wird man darauf vielleicht einwenden, daß Wissenschaft keine Vernunftmenschen braucht. Die Frage kann ich ehrlich gesagt nicht entscheiden, wenngleich es zu Gründungszeiten immer einen gehörigen Anteil von Vernunftmenschen gegeben zu haben scheint. Was ich allerdings zu bedenken geben möchte ist, daß sich Wissenschaft letztlich, nachdem alles gesagt und getan wurde, für einen Anschauungsmenschen immer so darstellen wird, wie sie sich Theodore John Kaczynski dargestellt hat, wenngleich natürlich nicht jeder Anschauungsmensch mit derselben Vehemenz auf diese Darstellung reagieren wird wie der Unabomber.

Indes liegt genau hier die Erklärung für bestimmte Umstände auf der Welt. Ted Kaczynski ist extrem, in sofern er keinen Ersatz akzeptiert, indes ist das, was er Ersatzhandlungen nennt, für einen Gemütsmenschen gar nicht als Ersatz erkennbar. Mithin ist eine Gesellschaftsform, welche kaum etwas anderes als Ersatzhandlungen zuläßt, für eine Gesellschaft, welche ausschließlich aus Anschauungsmenschen besteht, ein kaum zu ertragendes Ärgernis. Und sobald eine Gesellschaft industrialisiert ist, läßt sie fast nur noch Ersatzhandlungen zu.

Kaczynski sprach davon, daß man die Spannungen in einer solchen Gesellschaft verschärfen müsse, damit ihr Untergang möglich werde, indes werden diesen Untergang nur die wollen, denen Ersatzhandlungen nichts bedeuten. Ob nämlich eine Reform der heutigen Mißstände möglich ist oder nicht, hängt sehr davon ab, was als Mißstand betrachtet wird. Die meisten Menschen in den zivilisierten Regionen der Welt sehen es sicherlich als einen Segen an, wenn sie selber entscheiden können, womit sie sich beschäftigen und nicht durch Not dazu gezwungen werden. Ihre Probleme ließen sich sehr wohl durch Reformen lösen.

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