Bereitschaftsbeitrag

Zur Front

24. März 2015

Quantitative Easing


Wenn Fakten geschaffen werden, gilt es zuvörderst, sie zu verstehen.

Beschäftigen wir uns heute also einmal mit dem hervorstechendsten Beispiel geschaffener Fakten unserer Zeit, dem Quantitative Easing (QE), also der Strategie von Notenbanken, massenhaft Geld zu schöpfen und die Zinsen dadurch zu drücken, zu anderen Zeiten auch Finanzierung durch die Notenpresse genannt.

Im Gegensatz zu damals wird dieses Geld allerdings nicht zur Tilgung von Krediten verwendet, sondern um den Bankrott zu verschleppen, indem neue Kredite zur Bedienung der bestehenden zur Verfügung gestellt werden.

Wer sich darüberhinausgehend für das Thema interessiert, kann sich den Keiser Report von Max Keiser auf RT ansehen.

Aber auch Max Keiser hat keine genaue Vorstellung davon, was QE anrichtet, was daran liegt, daß Bankrottverschleppung unter grundverschiedenen Bedingungen nötig wird, nämlich entweder
  • wenn der Absatz hinter den Erwartungen zurückbleibt oder
  • wenn Investitionen nicht zur erwarteten Produktivitätssteigerung führen,
also
  • wenn der augenblickliche Markt fehlt oder
  • wenn eine Ressource überbewirtschaftet wird.
Die Verschleppung des Bankrotts bewirkt im ersten Fall, daß industrielle Kapazitäten den Marktverhältnissen zum Trotz weiter ausgebaut werden und im zweiten, daß nötige Reformen der Bewirtschaftung aufgeschoben werden und die Ressource einem langsamen Siechtum überantwortet wird.

Ersteres erlaubt die Fortsetzung der Industrialisierung unter Krisenbedingungen, letzteres führt zur Schrumpfung der Wirtschaft.

Es kommt also sehr darauf an, aus welchem von beiden Gründen der Bankrott verschleppt wurde.

Nun kann niemand im einzelnen wissen, wie es sich damit auf Erden verhält, aber die Grundtendenz dürfte folgende sein:
  • Niedriglohnländern fehlt der Markt,
  • Hochlohnländer werden überbewirtschaftet,
denn Großinvestoren dürften in ersteren Werke aus dem Boden stampfen und in letzteren auf die Wertsteigerung von Ressourcen spekulieren.

QE ist also einerseits eine Form von Entwicklungshilfe, welche man selbst dann begrüßen könnte, wenn sie einen persönlich schmerzen würde, aber selbstverständlich führt die Abwendung von den Marktverhältnissen zu darüberhinausgehenden Verwerfungen, deren wesentlichste meines Erachtens darin besteht, daß den Kreditansprüchen kein ausreichender Wert gegenübersteht, und das wird, wenn es nicht zu einem Ende des bestehenden Systems kommt, natürlicherweise dazu führen, daß der Wert der Schuldner dadurch gesteigert werden wird, daß ihnen Rechte, wahrscheinlich keine Freiheitsrechte, sondern Rechte auf politische Mitbestimmung, entzogen werden werden.

Also, um das einmal zu veranschaulichen, ein Land ist eben mehr für Banken wert, wenn seine Bürger seine Wirtschaftspolitik nicht durch Wahlen beeinflussen können, oder, um etwas in die Zukunft des bestehenden Systems zu blicken, ein heruntergekommener Stadtteil für Investoren interessanter, wenn die Bürger auf kommunaler Ebene keinen Einfluß auf seine Bewirtschaftung nehmen können.

Es würde also schließlich dazu kommen, daß Hoheitsrechte verkauft werden werden, oder, um es bündiger zu sagen, daß Privatfürstentümer ins Angebot kommen, womit der Bogen zum diesen Beitrag eröffnenden Szenario geschlagen wäre.

Abschließend etwas Musik aus der Zeit, als man sich noch mit den Launen von Fürsten herumschlagen mußte. Ich hörte den dritten Satz von Mozarts drittem Violinkonzert heute im Radio und fand ihn merkwürdig passend.

Labels: , , , , , , , ,