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30. September 2008

Enttäuschungen

Ein kleiner, leider nicht völlig unwichtiger Nachtrag zum Paarungenkapitel. Mir wurde in den letzten Tagen klar, daß es töricht ist, die den Paarungen zu Grunde liegenden Beziehungen (sofern vorhanden) ausschließlich positiv zu beschreiben, denn in diesem Punkt muß man Schopenhauer einmal uneingeschränkt Recht geben, daß gemeinhin das Paaren die Menschen nicht glücklicher macht.

Ein wirkliches Verständnis dessen, was diese Beziehungen für unser Leben bedeuten, ergibt sich auch erst aus der negativen Betrachtung, also der unserer Verirrungen.

Wer auf die Beziehung des gemeinsamen Umsorgens gepolt ist, wird, wenn er das zum Zwecke sexueller Kontakte beiseite schiebt, in jedem Falle darunter leiden, daß er bereit war, die erwünschte Beziehung, wenigstens für den Moment, aufzugeben. Das hat Alan Rickman in Love Actually gut genug gespielt. Nur, so schlimm diese Reue schon ist, dazu gesellt sich noch das Entsetzen, wenn man erkennt, daß ein anderer Mensch anders gepolt ist als man dachte. Dabei wird die anlehnungsbedürftige Frau sich dadurch zu erkennen geben, daß sie keinen Spaß bei der Revision bestimmter Ansichten und Verhaltensweisen versteht. So frei ist ihr Mann nicht, daß er es sich leisten könnte, gestern dies und heute das zu denken. Und die allein auf die körperliche Spannung Bedachte wird dies früher oder später auch rausrutschen lassen, und sei's in so einem scheinbar harmlosen Satz wie der Frage danach, ob das denn nun nicht (endlich...) gut gewesen sei. Die Frage kann man natürlich ohne Schwierigkeiten geschlechterbetreffend umdrehen. Der Mann, welcher auf Anlehnung gepolt ist, wird sich einer umsorgungsgepolten Frau hingegen auf andere Weise zu erkennen geben, nämlich durch sich schließlich auch sexuell manifestierende Erniedrigung, üblicherweise durch Affären, welche ihm gleichartige Frauen vergleichsweise locker wegstecken.

Es ist diese negative Betrachtung, welche eine Hierarchie in diese Paarungen bringt, und es einem erlaubt, die gegenseitige Umsorgung als Edelste zu bezeichnen, denn nur der Edle leidet hier an der Erkenntnis der Natur des Unedlen. Dieses wissen die Unedlen allerdings auch und, sofern sie noch etwas Scheu besitzen, meiden es üblicherweise sich mit Edleren einzulassen.

Im Hinblick auf Richard Wagner stimmt mich dieses alles etwas beklommen, da er nicht nur die Beziehung zwischen Siegfried und Brünnhilde als eindeutig von der edelsten Art beschreibt, sondern auch Gutrune einigermaßen passend als scheueste Partie der Verschwörer darstellt, m.a.W. dies alles sehr richtig aufführt, allerdings mit der ebenfalls eindeutigen Botschaft, daß dies halt ein Wesenszug der Deutschen im Vergleich zu anderen Völkern, insbesondere den Franzosen, wie die Rheinfahrt musikalisch suggeriert (obschon in dem Fall natürlich zutreffend), sei. Das stimmt so nicht. Wer Deutsche so definiert, ändert sie. Und was noch schlimmer ist, aus sexueller Edelheit wird universelle Edelheit abgeleitet.

Das Schlimme daran ist, daß es womöglich stimmt, also die Fähigkeit zu platonischer Liebe und schließlich der Liebe zur gegenseitigen Freiheitsgewährung, nur jenen Menschen gegeben ist, welche eine entsprechende sexuelle Polung aufweisen.

Ein solcher Satz hätte natürlich sehr weit reichende Folgen, denn er erlaubte es jedem Hans und Franz sich als dem edelsten Geschlecht auf Erden zugehörig zu erkennen, wenn er nur seine sexuelle Polung erkennte. Niemand sollte sich aber als solcher verstehen, bevor er nicht um seine natürliche Aufgabe als solcher weiß. Spricht man nun noch jedem Deutschen pauschal zu, so gepolt zu sein, hat man bereits den ideologischen Kern des Dritten Reichs.

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